Beth Hart – Live At The Royal Albert Hall – CD/DVD-Review

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Review: Michael Segets

2018 ist ein Jahr der hochkarätigen Live-Veröffentlichungen. Unter anderem John Mellencamp, Little Steven, Jason Isbell legten vor und auch Beth Hart meldete sich mit „Front And Center“ bereits aus New York. Pünktlich zum Advent setzt Hart diese Serie fort und bringt ihren Auftritt in der Royal Albert Hall in London vom vierten Mai diesen Jahres auf Bild- und Tonträgern heraus.

Beth Hart muss hier nicht eigens vorgestellt werden. Die Blues-Musikerin dient oft genug als Referenz für andere Künstlerinnen des Genres. Nicht zuletzt durch ihre Zusammenarbeit mit Joe Bonamassa ist sie einem breiten Publikum bekannt. Für diejenigen, die sich noch nicht mit ihrem Repertoire auseinandergesetzt haben, bietet „Live At The Royal Albert Hall“ einen sorgsam ausgewählten Querschnitt ihres bisherigen, gut zwanzigjährigen, musikalischen Schaffens. Das Programm reicht von Titeln ihrer letzten Studio-Aufnahme „Fire On The Floor“ (2016) bis zurück zu ihrem Debüt-Werk „Immortal“ (1996).

Beth Hart wählt einen ungewöhnlichen Einstieg für ihr Konzert. Ganz auf ihre Stimme vertrauend schreitet sie „As Long As I Have A Song” a capella singend durch den Zuschauerraum in Richtung Bühne. Dort erwarten sie Jon Nichols an der Gitarre, Bob Marinelli am Bass und Bill Ransom am Schlagzeug, der den kraftvoll Startschuss für das rockige „For My Friends” gibt. Bereits hier brilliert Nichols mit einem ausgedehnten Solo an der E-Gitarre.

Temporeich geht es mit dem Blues Rocker „Lifts You Up“ weiter, bevor die Band mit „Close To My Fire” einen Gang runter schaltet. Nicols betätigt ausgiebig das Tremolo seiner Gitarre, sodass Country-typische Vibrationen den Song begleiten. Einen noch deutlicheren Country-Einschlag hat das hervorragende „Bang Bang Boom Boom“.

Beth Hart, die mittlerweile am Piano Platz genommen hat, lässt die beiden locker-rockenden und gute Laune verströmenden „Good As It Gets“ und „Spirit Of God“ folgen. Nach dem jazzigen „Baddest Blues“ erlebt das Konzert mit „Sister Heroine“ einen seiner Höhepunkte. Den berührenden, vom Klavierspiel sowie dem hier fast zerbrechlich wirkenden Gesang von Hart getragenen und wohl kurzfristig auf die Setlist gekommenen Song widmet sie ihrer verstorbenen Schwester. Beeindruckend fügt sich ein Gitarrensolo von Nichols in die Liedstruktur ein, die eine unglaubliche Dramatik entwickelt.

Anschließend legt Beth Hart das dynamische, eher experimentelle „Baby Shot Me Down“ nach. Ihre gewaltige Stimme spielt sie dann beim rockenden „Waterfall“ aus, bei dem härtere Gitarrenriffs den Ton angeben.

Die Mitte des Konzerts markiert „Your Heart Is As Black As Night”. Den Blues performt Hart in ihrem kleinen Schwarzen stilecht auf einem Hocker sitzend. Die bis hierher genannten zwölf Songs finden sich auf der ersten CD. Sie spiegeln die enorme Bandbreite von Harts Musik und die Vielzahl unterschiedlicher Stimmungen wider, die sie mit ihr erzeugen kann.

Balladen bilden den Schwerpunkt im zweiten Teil des Konzerts. Zuvor legt sich Hart aber bei dem Boogie „Saved” tempomäßig nochmal richtig ins Zeug und gibt Nichols Raum erneut sein Können an der Gitarre zu zeigen.

Nichols und Hart greifen bei „The Ugliest House On The Block” zu akustischen Gitarren. Bei „Spiders In My Bed” wechselt Hart zum akustischen Bass. Mit den beiden Songs verarbeitet Hart persönliche – mal eher amüsante, mal eher bittere – Erinnerungen in bester Singer/Songwriter-Tradition.

Danach singt Beth Hart vier Stücke allein am Klavier. Die sehr intensive Ballade „Take It Easy On Me” wird durch Überblendungen und langsame Kamerafahrten äußerst stimmungsvoll unterstützt. Filmtechnisch stellt der Titel sicherlich einen Höhepunkt der DVD dar. Es folgen „Leave The Light On”, „Mama This One’s For You” und „My California”. Emotional ist Beth Hart voll bei der Sache, zumal sie die einzelnen Titel Menschen widmet, die ihr viel bedeuten – so ihrer Mutter, die im Saal anwesend ist.

Das ansonsten sehr abwechslungsreiche Konzert verliert durch die verhältnismäßig lange Solo-Performance von Hart vielleicht etwas an Schwung, sorgt aber in dieser Phase durch den leidenschaftlichen Einsatz der Musikerin für Gänsehaut-Momente.

Nachdem die Band für die Zugabe wieder auf die Bühne zurückgekehrt ist, heizt sie bei „Trouble“ dem Publikum mächtig ein. Gegen Ende des Konzerts konzentriert sich Hart schließlich auf ihre musikalische Domäne: den Blues. Auf das spannungsgeladene „Love Is A Lie“ und das sanftere „Picture In A Frame“ folgt „Caught Out In The Rain“ als krönender Abschluss des zweistündigen Sets.

Auf der DVD finden sich als Extras ein dreiminütiges „Behind The Scenes“, das Impressionen der Konzertvorbereitung und alternative Perspektiven während des Auftritts einfängt, und ein fast halbstündiges „Interview“, bei dem Hart über Stationen ihrer musikalischen Karriere spricht. Auch während des Konzerts leitet sie viele Stücke mit persönlichen Bemerkungen ein.

Mit der Varianz der Stücke hinsichtlich aufgegriffenen Stileinflüssen, Tempo, Instrumentalisierung und Atmosphäre unterstreicht Beth Hart ihre Stellung als Ausnahmekünstlerin. Ich hätte mir mein Lieblingsstück von ihr „Thru The Window Of My Mind“ gewünscht, von dem meines Wissens noch keine Live-Version auf einem offiziellen Silberling existiert. Aber das ist keine Kritik an den vorliegenden Bild- und Tonträgern, an denen es weder technisch noch musikalisch ernstlich etwas auszusetzen gibt.

„Live At The Royal Alber Hall“ verkürzt das Warten auf Weihnachten oder sollte zumindest bei Blues-Fans unter dem Tannenbaum liegen.

Provogue/Mascot Label Group/Rough Trade (2018)
Stil: Blues/Blues Rock and more

Tracks:
01. As Long As I Have A Song
02. For My Friends
03. Lifts You Up
04. Close To My Fire
05. Bang Bang Boom Boom
06. Good As It Gets
07. Spirit Of God
08. Baddest Blues
09. Sister Heroine
10. Baby Shot Me Down
11. Waterfalls
12. Your Heart Is As Black As Night
13. Saved
14. The Ugliest House On The Block
15. Spiders In My Bed
16. Take It Easy On Me
17. Leave The Light On
18. Mama This One’s For You
19. My California
20. Trouble
21. Love Is A Lie
22. Picture In A Frame
23. Caught Out In The Rain

Beth Hart
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The Magpie Salute – 19.11.2018 – Club Volta, Köln – Konzertbericht

MPShaupt

Die Elster grüßte diesmal an einem Montagabend im Kölner Club Volta. Nachdem ich einige Konzerte der damaligen Black Crowes ab den 90ern und erst im letzten Jahr eines von Marc Ford mit seinem Neptune Blues Club besucht, als auch beide Platten von Magpie Salute reviewt hatte, war die Erwartung an den Abend entsprechend hoch.

Der Club begann sich nach dem Einlass um 19:00 Uhr  erst langsam zu füllen. Im E-Werk und Palladium, beide im nahen Umfeld liegend, fanden gut besuchte Veranstaltungen statt, sodass ein ziemliches Verkehrschaos herrschte. Der auf dem Gelände des Carlswerks liegende, erst im Sommer eröffnete Club Volta, war zudem nicht optimal ausgeschildert. Ein direkt gegenüber liegendes Parkhaus sorgte dann aber dafür, dass eine Parkplatzsuche nicht notwendig war.

Die Location selbst bot eine ansprechende Kulisse für eine Band der Klasse von Magpie Salute. Eine relativ helle Wandgestaltung mit riesigen von hinten angestrahlten gläsernen Mandala-ähnlichen Scheiben und riesige Kerzenständer in hinteren Bereich, sorgten für eine wohlige Atmosphäre in der etwa zu zwei Dritteln gefüllten Halle.

Kurz vor 20:00 Uhr wurde das Licht gedämpft und der Duft angezündeter Räucherstäbchen zog durch den Club. Unter dem Applaus der Fans betraten die sechs Bandmitglieder die Bühne und legten direkt mit einer jammenden Version des Titeltracks „High Water“ los.

Schon hier zeigte sich sehr positiv, dass es sich um ein Kollektiv handelt und nicht ein Projekt von Rich Robinson darstellt, der im Mittelpunkt des Geschehens steht. Passend zum Gitarren-orientierten Sound, flankierten Robinson und Ford die Bühne, um abwechselnd bei vielen Soli zu glänzen.

Leadvocalist Hoog unterstütze dabei oft  mit einer akustischen Gitarre. Leicht im Hintergrund überzeugten Sven Pipien am Bass, Joe Magistro an den Drums und Matt Slocum an den Keyboards mit einer starken Rythmusgrundlage, wobei aber alle sich auch in kurzen Soli zeigen konnten.

Schnell hatte die Band durch ihre positive Ausstrahlung und Spielfreude, die Fans in ihren Bann gezogen und es entwickelte sich ein rasanter Abend, gefüllt mit handgemachter Musik ohne computeranimierte Effekthascherei. Es wurde ein breites stilistisches Spektrum, von Southern Rock, über Westcoast, Americana aber auch der damaligen Flowerpower-Musik abgebildet, wobei neben den Songs von „High Water 1“, die das Skelett des Konzertes bildeten, einige Black Crowes-Klassiker, Sachen von Ford und Robinson als auch stark modifizierte Coversongs die Show abrundeten.

Dem Opener folgten mit „Take It All“, „Walk On Water“, „For The Wind“ und “Open Up” allesamt Tracks des aktuellen Albums, die durch starke Soli von Ford und Robinson eine noch größere Dynamik als auf Platte entwickelten .

In manchen Momenten fühlte ich mich auch durch deren Wildheit und ungezügelte Kraft an jammende Passagen von Neil Young mit Crazy Horse erinnert. Nach den zwei schönen Cover, „Feel“ von Big Star und „Hard To Cry Today“ hatte Marc Ford seinen großen Auftritt bei der Präsentation seines  „Smoke Signals“.

Er bewies, dass er sowohl stimmlich, wie auch gitarrentechnisch nahtlos an seine starken Zeiten bei den Black Crowes heranreicht, wenn nicht sogar durch seine Lebenserfahrung in sich harmonischer wirkt. Öfters glitt ihm sogar ein Lächeln durchs Gesicht, was vermuten lässt, mit welcher Freude er Bestandteil dieser wirklich starken Southern-/Westcoast-Band ist.

Nach diesem gewaltigen Highlight wurde es ruhiger auf der Bühne. Nur noch Robinson, Ford und Hoog hatten sich mittig, mit akustischen Gitarren bewaffnet positioniert und lieferten drei Lieder der Extraklasse ab. Nach „Sister Moon“ fühlte man sich bei der CSN-Adaption „You Don’t Have To Cry“ in die Zeit der damaligen Supergroup zurückversetzt.

Alle drei glänzten mit abwechselnden Harmoniegesängen und gefühlvollem Gitarrenspiel. Schön zu sehen war, dass nicht nur das Publikum diese Songs regelrecht aufsog, sondern auch die drei restlichen Bandmitglieder neben der Bühne mitwippten, klatschten und sangen. Nach den unruhigen Zeiten der Black Crowes scheinen sich hier mit Robinson, Ford und Pipien Musiker als Freunde wiedergefunden zu haben, die mit den drei anderen Beteiligten  etwas harmonisches auf die Beine gestellt haben.

Die Elster wird in der Historie der Indianer ja eher als positiver Bote gesehen, sodass die Namenswahl der Band als durchaus passend erscheint. Zum Ende des dritten Songs des akustischen Sets stießen die anderen Musiker wieder dazu und brannten nun bis zum Ende der Show ein wahres Feuerwerk der Spielfreude ab.

Robinson zeigte bei „Trial And Faith“ seine vokalen Fähigkeiten, während ansonsten Hoog diesbezüglich im Vordergrund stand und auch gut die Black Crowes Songs sang. Überhaupt muss gesagt werden, dass die vielen Harmoniegesänge den Stücken eine große Ausdruckskraft und Bandbreite gaben, die zum Teil auch an alte Eagles-Klassiker erinnerten.

Mit „Oh Josephine“, „She Gave Good Sunflower“ und „Wiser Time“ hatte die Band ob bewusst oder unbewusst, eine geschickte Entscheidung gegen die großen Hits der Crowes gewählt, sodass am Ende nicht die Krähe der Elster ein Auge auspickt hatte und das Magpie Salute-Konzert zu einer Greatest Hits-Sammlung der Black Crowes mutierte.

Mit „Send Me An Omen“ als Rausschmeißer beendeten Magpie Salute einen begeisternden Gig nach etwa zwei Stunden. Es ist zu hoffen, dass dieses ein positives Omen ist, und die Band dem ersten Studioalbum ein zweites folgen lässt, wie es der Titel ja eigentlich schon suggeriert. Die Elster hatte gegrüßt und die Zuschauer haben diesen Gruß dankend angenommen.

In einem kurzen Gespräch mit dem Tourmanager nach dem Konzert war lediglich eine kleine Enttäuschung erkennbar, dass die Bude nicht voll war, was angesichts dieser Leistung sicherlich verdient gewesen wäre.

Die Gründe dafür lagen eigentlich auf der Hand: Der Montag zu Wochenbeginn, der oft ein schwieriger Tag ist, zwei weitere Konzerte im direkten Umfeld, sowie das Fußballländerspiel und eventuell die Location, die vielen noch nicht so bekannt ist (sich aber in allen Belangen als guter Gastgeber gezeigt hatte und mit Sicherheit zukünftig einen festen Platz als Konzertlocation in Köln inne haben wird), werden vermutlich den einen oder anderen Besucher vom Kommen abgehalten haben.

Somit darf man den überzeugenden Magpie Salute-Auftritt jedoch schon als Investition in die Zukunft betrachten.

Rich Robinson – Guitars/Vocals
Marc Ford – Guitars/Vocals
John Hoog – Lead Vocals/Acoustic guitar/Percussion
Joe Magistro – Drums
Sven Pipien – Bass/Vocals
Matt Slocum – Keyboards

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Skinny Molly – 18.11.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Wenn eine Band wie Skinny Molly in unseren Regionen auftaucht, ist das für uns natürlich ein Pflichttermin. Vor gut einem Jahr an gleicher Stelle im Musiktheater Piano in Dortmund hatten Estes, Johnson & Co. ja ein starkes und zugleich launiges Konzert gegeben, auch wenn der Besucherzuspruch nicht der tollste war.

Der überaus konzertintensive November aller Ortens hier in unserer Gegend und der nicht einfache Sonntag-Abend-Termin zum endgültigen Wochenausklang, ließen da kein Besserung vermuten, zumal das Quartett keinen neuen Tonträger zu bieten hatte.

Ganz in Skynyrdscher Tradition, nach dem Motto ‚bloß keine Experimente‘ (vermutlich damals ganz tief von Gary Rossington bei Mike Estes eingeimpft…), wurde auf den bewährten Stoff ihrer bisherigen drei CDs gesetzt und das ganze mit den üblichen Klassikern der Branche wie „Sweet Home Alabama“, „Call Me The Breeze“, „Free Bird“ und auch häufig benutzten Tracks wie „Wishing Well“, „Copperhead Road“ sowie „Dead Flowers“ garniert.

Wow, fast hätte ich vergessen, dass auch noch „Workin‘ For MCA“ (als Opener, zugegebener Maßen saustark gebracht) und „Whiskey-Rock-A-Roller“, im Gegensatz zum letzten Mal, dazu genommen wurden.

Kann man Skinny Molly aber deswegen böse sein? Nein, natürlich nicht, denn das Quartett bietet seine Show mit soviel herrlicher Spielfreude sowie markanter Präsenz und sympathischen Auftreten, dass man das Thema ‚Innovation‘ hier einfach mal für zwei Stunden geistig beiseite schieben muss.

Mike Estes mit seinem herrlichen Gibson-E-Gitarren-Dauer-Geknarze, Jay Johnsons flinke Finger, die immer wieder eingestreuten Twin-Attacken, als auch das surrende Slide-Geschwurbel, rauben einem Southern Rock-Fan natürlich in diesem Moment den Verstand, selbst wenn er zum tausendsten Mal „Sweet Home Alabama“ & Co. serviert bekommt.

Und die Version von „Free Bird“ mit dem Hammer-Instrumental-Finish und den ganzen, immer wieder den Song verlängernden Tushs am Ende, war an einfach ’ne Mords-Gaudi und natürlich brillant performt. Der neue Drummer und Benjamin im Team, Kyle Law, machte neben seinem bewährtem Rhythmus-Kollegen, dem einstigen Grand Ole Opry-Musiker Luke Bradshaw, einen mehr als ordentlichen Job.

Fazit: Viel Skinny (Songauswahl, Estes‘ Gitarrenpiel), seit Dave Hlubeks Ausscheiden so gut wie kein Molly (Hatchet) mehr, dafür durch Jay Johnsons Gesangsparts (bei „Wishing Well“ und „On The Run“) an dieser Stelle etwas mehr Blacky (Blackfoot).

Man kann nur hoffen, dass die etwas bequemlich erscheinenden Herren demnächst zu ihrer kreativen Ader zurückfinden und bei einer weiteren Rückkehr eine neue CD mit dabei haben. Mehr auf den Überraschungsmoment zu setzen (vielleicht auch mal was aus Estes‘ Drivin‘ Sideways Zeit oder andere, weniger gecoverte LS-Stücke wie zum Beispiel „Am I Losin'“, „I Never Dreamed“ , „Trust“ oder „Searching“ spielen), könnte auch nicht schaden.

Noch weniger Zuschauer als zuletzt, sollten an diesem Abend Warnschuss genug gewesen sein, auch wenn der Gig, rein für sich betrachtet, insgesamt wirklich wieder sehr schön war.

Line-up:
Mike Estes (lead vocals, lead guitar)
Jay Johnson (lead guitar, lead vocals)
Luke Bradshaw (bass, vocals)
Kyle Law (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Skinny Molly
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Ben Poole – 18.11.2018, blues, Rhede – Konzertbericht

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Am Sonntag stellte Ben Poole seine neue CD „Anytime You Need Me“ im Blues in Rhede vor und feierte gleichzeitig seinen Tourabschluss. Da gab es Partystimmung und einige Überraschungen.

Endlich konnte André Knoch mal Wunschkandidat Ben Poole im blues in Rhede präsentierten. Der  Brite hatte sein oben angeführtes Werk mit im Gepäck und beendete seine zweimonatige Tour. Eine weitere Besonderheit war der Special Guest Guy Smeets.

Poole & Co. starteten direkt mit einem älteren Hit „Let‘s Go Upstairs“ und weiter ging es mit „Win You Over“, bei dem Keyboarder Joe Mac für den richtigen Groove sorgte. Mit „Take It No More“ wurde das erste Stück des neuen Longplayers vorgestellt und damit die Musik rockiger, als auch die Gitarrenriffs härter, bevor mit „The Question Is Why“ wieder etwas Tempo zurückgenommen wurde.

Leider musste Ben Poole dabei sein Solo unterbrechen, um eine laute Störung zu beenden. Die 17 Minuten lange Freddy King-Adaption von „Have You Ever Loved A Woman“ war einer der Höhepunkte. Eingeleitet wurde es durch ein langes intensives Gitarrensolo, mal leise mal laut, von Ben Poole ohne Beteiligung der weiteren Musiker.

Es folgte ein langes melodiöses Solo von Joe Mac, der die Keys wie ein Konzertpianist spielte. Zum Ende konnte auch Schlagzeuger Stéphane Avellaneda sein dynamisches Können beweisen. Mit dem neuen Stück „Further On Down The Line“ verabschiedete man sich nach einer Stunde in die Pause.

Zu Beginn der zweiten Hälfte stellte Ben Poole seinen guten Freund und Gitarristen Guy Smeets vor. Der junge Niederländer stand in seinem Können dem Protagonisten in nichts nach und unterstützte ihn kräftig. Wurde in der ersten Hälfte noch nach Setlist gespielt, beherrschte jetzt Spontanität und Improvisation die Szenerie. Die Bandmitglieder reagierten auf die Entwicklung. Es wurde ordentlich gejammt.

Ben Poole und Guy Smeets steigerten sich regelrecht in Gitarrenbattles hinein und integrierten auch Joe Mac in ein solches Scharmützel. Beau Barnard bekam seine Soliergelegenheit und zeigte eine tolle Basslinie. Wieder auffallend waren die kraftvollen Improvisationen von Drummer Stéphane Avellaneda. Der Spaß kam ebenfalls nicht zu kurz. Da wurde auch mal „Wannabe“ von den Spice Girls angestimmt, um es unter Gelächter wieder zu beenden.

Eines der musikalischen Highlights war sicher „Old Love“ von Eric Clapton, das auch in der Version von King King sehr bekannt ist. Dabei setzte sich Ben Poole zeitweise auf den Bühnenrand und überließ einem vortrefflichen Guy Smeets das großartige Gitarrensolo.

Die Überraschung des Abends begann aber damit, dass jemand Drummer Stéphane Avellaneda zwei Esslöffel reichte. Der fing sofort an, damit seine Drums zu spielen. Dabei riss es ihn vom Sitz. Zusammen mit Ben Poole sprang er von der Bühne ins Publikum. Jetzt war nichts mehr vor ihm und seinen Löffeln sicher.

Während Ben Poole auf einen Barhocker hüpfte und von dort oben, mitten im Publikum Gitarre spielte, trommelte sich Stéphane mit den Löffeln auf Biergläsern, Bierflaschen, Heizungsrohren oder an der Raumdecke in Rage. Joe Mac und Guy Smeets waren mit Drumsticks in den Händen ins Publikum gefolgt und trommelten ebenfalls auf allem, was Töne abgab, mit. Tolle Partystimmung in der Band und im Publikum!

Damit endete dieses ungewöhnliche und bemerkenswerte Konzert nach insgesamt drei Stunden, wobei ein bestens gelaunter Ben Poole später noch fleißig Autogramme gab und für den einen oder anderen Smalltalk mit den Anwesenden seine Zeit fand.

Line-up:
Ben Poole (lead vocals, guitars)
Beau Barnard (bass, bgv)
Stéphane Avellaneda (drums)
Joe Mac (Keys, bgv)
Special guest:
Guy Smeets (guitars, bgv)

Text und Bilder: Martina Middeke

Ben Poole
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Blues Rhede

Drift Mouth – Little Patch Of Sky – CD-Review

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Beeindruckend starkes Debüt der recht neuen und selbst bei Kennern noch wenig bekannten (was sich mit diesem Werk schnell ändern sollte) Southern Rock-Band Drift Mouth, deren kraftvolles, sattes, im vollmundigen, saftigen Mehr-Gitarren-Sound präsentiertes Gemisch aus Roots- und Southern Rock, mit einem Hauch von Red-Dirt-, Countryrock- und auch Classic Rock-Anlagen, gleich voll einschlägt. Southern Rock ist einfach nicht klein zu bekommen – und das gut so!

Das Gerüst der Band bilden die beiden befreundeten Musiker Lou Poster (lead vocals, guitar) und Brad Swiniarski (drums, vocals), die zunächst für Posters Vater, ein Minenarbeiter in West Virginia, ein paar Stücke für dessen Abschiedsfeier aufnahmen, als dieser nach 37 Jahren in den Ruhestand versetzt wurde.

Beide trafen sich danach zwar immer mal wieder bei verschiedenen, waren aber immer in diverse andere Projekte (Poster bei der Cowpunk Band Grafton und The Ferals, Swiniarski bei Acts wie Bob City, The Means und Bigfoot) eingebunden.

Als es mit den Ferals nicht mehr so richtig funktionierte, entsann man sich der Kooperation und gründete im Rahmen eines fruchtenden Songwriting-Prozesses Drift Mouth. Mit dem Dazustoßen des starken Lead-Gitarristen Mark Spurgcon, dem Bassisten Josh „Roscoe“ Draher, den weiteren Gitarristen Brett Burleson und Craig Davidson sowie der Backgroundsängerin Regan Tonti (dazu auch Percussion) wurde dann im Kollektiv der Southern Rock als größter gemeinsamer musikalischer Nenner ausgelotet.

Der schon erwähnte, überwiegend warmherzige, riffig, im postitivsten Sinne ’schrammelige‘ und balladeske E-Gitarrensound (manchmal dezent an Crazy Horse erinnernd) und die angenehme, oft mit dezenter Melancholie unterlegte, angeraute Stimme Posters (Richtung Eddie Montgomery oder Pat Terranova) lassen unweigerlich Reminiszenzen zu Acts wie, den allerdings auch nur Insidern bekannten, Rambler und Montgomery Gentry (nur längst nicht so Country-orientiert) aufkommen, wobei die starke Fokussierung auf Harmoniegesänge mit der hervorragend agierenden Regan Tonti hier den Unterschied ausmacht. Auch Parallelen, bzw. Anlehnungen an Bands wie Lynyrd Skynyrd, Hogjaw (nur nicht so hart und ruppig, viel melodischer, harmonischer und gesanglich stärker) sind zu erahnen.

Vom direkt aufrüttelnden, satten Rocker „Wake You Up„, bis zum finalen, mit klirrender Akustikgitarre und E-Gitarrenfills bestückten, atmosphärischen „This Part Of Town“, wissen alle Tracks durch die wunderbaren Melodien, die ineinander greifenden E-Gitarrenparts (viel surrendes Slide), samt der klasse Soli, und die vokalen Harmonien der beiden Protagonisten am Mikro, ausnahmslos zu gefallen, ja zu begeistern.

Eine Scheibe die, obwohl schön kraftvoll, vornehmlich zum Genießen und Relaxen einlädt. Dass die Jungs, wen wundert es bei Posters Vergangenheit, auch ordentlich Dampf ablassen können, beweisen, neben dem Opener, weitere Songs wie die kernige Hard Southern Rock-Ballade „The Straw Thief’s Way“ (mit ein wenig „Cortez The Killer“-Flair), „Porch Cat“, die fluffige Single „Franklin County Nights“, oder das fast wie ein live performtes Stück rüberkommende „West Virginia Hitchhiker“.

Die mit einer von Poster untermalten Akustikgitarre und im Storytelling-Gewand gebrachten „The Ballad Of Frank Hayes“, „The Prettiest Girl Of All Time“ und „This Part Of Town“ stehen für die nicht minder bestens gelungene countryeske Seite des Sextetts.

Drift Mouth haben mit „Little Patch Of Sky“ ein Klasse-Debüt hingelegt. Die starken gesanglichen Leistungen und der unpolierte, fast wie live im Studio eingespielt klingende, raue und zugleich warme Sound, lassen auf weitere Großtaten der West Virginia-/Ohio-basierten Band hoffen. Dieses Werk ist jedenfalls jetzt schon deutlich mehr als nur ein kleiner Lichtblick am Southern Rock-Firmament. Tolle Scheibe, die man bei Bärchen Records ganz unkompliziert erwerben kann!

Wild Frontier (2018)
Stil: Country Rock

01. Wake You Up
02. Starling
03. The Straw Thief’s Way
04. Angeline
05. The Ballad Of Frank Hayes
06. Porch Cat
07. Franklin County Nights
08. The Prettiest Girl Of All Time
09. West Virginia Hitchhiker
10. This Part Of Town

Drift Mouth
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Bärchen Records

Sari Schorr & Band, 15.11.2018, Schwarzer Adler – Konzertbericht

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Sari Schorr zum ersten Mal im Schwarzen Adler! Wir hatten das weibliche Energiebündel zuvor bereits 2017 und vor gut einem halben Jahr im voluminöseren Musiktheater Piano in Dortmund erlebt. Diesmal war für uns die spannende Frage, wie ihre Musik in der mehr beengten Clubatmosphäre der Rheinberger Kultstätte wirken würde.

Dazu kam, dass die aus Brooklyn, New York, stammende Sängerin mit „Never Say Never“  mittlerweile ihr, von der allgemeinen Kritikerschaft, als auch uns, hochgelobtes zweites Album im Schlepptau hatte.

Begleitet wurde sie, inklusiv einer Veränderung, von der bewährten ‚Klasse-Mannschaft‘ mit dem, an den diversen E-Gitarren, wieder furios auftrumpfenden Ash Wilson, dem niederländischen Tastenvirtuosen Bob Fridzema und dem britischen Parade-Drummer Roy Martin. Am Bass erwies sich der musikalische Tausendsassa Roger Inniss – wen wundert es –  als ideale Verstärkung der Rhythmusfraktion.

Mit „New Revolution“ als Opener gab es zwar keine musikalische Aufruhr im Adler, aber ihre eher auf klassischen Rock basierende Ausrichtung war in der überwiegend Blues-verwöhnten Vierbaumer Location, ein durchaus mutiges Unterfangen. Schön, dass Ernst Barten und sein Team immer auch ein offenes Ohr für ‚frisches Blut‘ bei ihrer Programm-Zusammenstellung beweisen.

Spaß bereitete mir bei diesem Stück direkt das Skynyrd-angelehnte E-Gitarren-Solo von Ash Wilson. Nach dem dezent Whitesnake-behafteten „Damn Reason“ (typische Orgel von Fridzema), der emotionalen Widmung in Richtung Robert Johnson mit „King Of Rock And Roll“, gab es mit dem schön bluesig umgesetzten „Demolition Man“ (Bob lässt seine Hammond herrlich ‚durchgurgeln‘) erstmals so richtig Wasser auf die Mühlen des Adler-Publikums (später nochmals vor allem bei der dritten Zugabe).

Das shufflige „Ain’t Got No Money“ zollte ihrer einstig finanziell etwas klammeren Zeit Tribut, als Sari noch in Paris lebte. Der Mott The Hoople-/Bad Company-Rock-Evergreen „Ready For Love“ begeistert aus dem Munde  einer solchen Stimm-Charismatikerin ebenso, wie es einst bei Paul Rodgers der Fall war.

In „I Just Wanna Make Love To You“ brillierte Roger Inniss mit einem starken Bass-Solo und legte mehr als eindeutig klar, warum er zu einem der meist gebuchtesten Akteure im Tieftönerbereich zählt.

Über „Kiss Me“ (Schorr hier wie eine rockige Melissa Etheridge), „Maybe I’m Fooling“ (erneut mit southern-rockigem E-Solo) und dem ein wenig auf sich selbst ironisch gemünzten „Valentina“, ging es mit dem Ian McLagan-Ohrwurm und zugleich Titelstück des neuen Werkes, „Never Say Never“, in die Schlussphase des Gigs.

Nach Vorstellung ihrer wieder bärenstark agierenden Begleitband nutzte Sari beim Schlusslied „Freedom“ die Gelegenheit, auf den in der USA existierenden Waffenwahn aufmerksam zu machen, der sich unter der Vorherrschaft eines Donald Trumps und wem auch immer danach, aber vermutlich kaum beseitigen lassen wird.

Drei lautstark eingeforderte Zugaben, u. a.  mit der eigenwilligen Schorr- Interpretation des One-Hit Wonders „Black Betty“ waren ein bestes Indiz dafür, dass sich im Adler oft auch ein Blick über den Tellerrand lohnt, auf dem der Blues diesmal eher als dekorierende Beilage präsent war.

Sari Schorr und ihre Begleittruppe haben an diesem Abend mit einer engagierten und couragierten Leistung eine beeindruckende Visitenkarte abgegeben. Ich bin mir relativ sicher, dass man sie nicht zum letzten Mal in Vierbaum erlebt haben wird.

Line-up:
Sari Schorr (lead vocals)
Roger Inniss (bass)
Roy Martin (drums)
Ash Wilson (electric guitar, vocals)
Bob Fridzema (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

Sari Schorr
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Schwarzer Adler Rheinberg

Steve Young – A Little North Of Nowhere – CD-Review

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Um in einer Sache erfolgreich zu sein, gehören – man kennt es aus dem eigenen Beruf, bei mir z. B. auch aus meiner langjährigen Sportlerkarriere –  neben einer guten Idee und Gespür für die Zeit, sicherlich  auch Attribute wie u. a. Talent, Fleiß, Selbstbewusstsein als auch eine gewisse Hartnäckigkeit dazu.

In meinem Review zu Steve Youngs EP „The Great North Road“ konnten Leser meiner Ausführungen vermutlich herausinterpretieren, dass  ich nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hingerissen war.  Ich bin halt kein Freund bardenhafter, folkiger, wenn auch, wie in diesem Fall durchaus countryfizierter Musik, die dann noch mit diesen typisch hellen Stimmen vorgetragen wird.

Jetzt lag erneut ein Werk des Künstlers, wieder im Rahmen einer Crowd Funding Kampagne entstanden, in meinem Briefkasten. Diesmal direkt eine Doppel-CD, die in Kombination mit ein paar neuen Stücken allerdings auch sämtliche Tracks der EP enthält. Dazu kommen auf der Bonus-CD ein gesprochenes Intro, zwei Remixe, drei Live-Stücke und am Ende ein paar Hintergrund-Kommentare des Protagonisten zu einzelnen Stücken (u. a. über seine Beziehung zu seinem Vater, thematisiert in „My Son“).

Die neuen Stücke führen den eingeschlagenen Weg von „The Great North Road“ in gleicher Weise fort. Bei den Live-Tracks werden seine guten Fertigkeiten im Akustikgitarrenspiel mit ein paar furiosen Passagen herausgestellt.

Die kammermusikartige Umsetzung eines solch epochalen Klassikers wie „Shine On You Crazy Diamound“ in einer Kurzversion im akustischen Gewand, halte ich für unglücklich. Diesen Song kann man nicht besser als Pink Floyd seiner Zeit performen, von daher sollte man es eigentlich gleich sein lassen.

Trotzdem – wer Spaß an absolut ehrlicher und authentischer Musik im beschrieben Segment (Richtung Simon Garfunkel, Donavan, America, David Crosby & Co.) hat, der darf dem von der Isle Of Wight stammenden Steve Young gerne mal eine Chance gewähren. Bei mir beißt er aber auf diese Art nach wie vor noch auf Granit.

Eigenproduktion (2018)
Stil: New Country

Disc 1:
01. A Fools Dream
02. Trembling Heart
03. It’s A Good Thing (Piccolo Solo)
04. Guilty By My Eyes
05. The Great North Road
06. Waiting For My Heart (The Catch Up With My Head)
07. Whiskey & Wine
08. Hard Times In A Beautiful Place
09. The Greatest Love Song (Of All Time)
10. Beautiful Tonight
11. My Son

Bonus Disc:
01. Introduction
02. Nature
03. Garden Of Love
04. Shine On You Crazy Diamond (live)
05. Back To Mine (live)
06. My Son (live)
07. Audio Commentary

Steve Young
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Andrea Bignasca – Murder – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Bislang war mir Andrea Bignasca aus der Schweiz kein Begriff und als mir Kollege Daniel Daus vor einigen Tagen Bignascas neue CD „Murder“ mit den Worten ‚.. die soll wohl auch ganz gut sein …“ überreichte, meinte er wohl die Scheibe während ich an eine Sängerin dachte, zumal die etwas verwischten schwarz-weißen Coverfotos nicht wirklich etwas erkennen ließen. Beim ersten Hören musste ich dann aber feststellen, dass Andrea bei den Eidgenossen wohl ein gebräuchlicher männlicher Vorname ist. Nun gut, man lernt halt nie aus.

Den Schweizern spricht man ja gemeinhin eine gewisse Eigenwilligkeit zu, was in diesem Fall aber auch auf deren Rockmucke zutrifft. Beworben wird „Murder“ damit, dass sich Bignasca mit warmer, charismatischer Stimme versiert zwischen Blues Rock, Singer/Songwriter und Southern Rock bewegt.

Dem Etikett Singer/Songwriter entsprechen am ehesten die etwas ruhigeren Stücke dieses Albums („Graced“, „Mine“ und der Titelsong „Murder“).
„Graced“ vermittelt dabei einen leicht spacigen, mysteriösen Eindruck, während „Murder“ ein sehr fragil vorgetragener Song ist.

Die übrigen Titel sind sehr von Bignascas dominantem Gitarrenspiel geprägt, wobei viele Stücke tolle Riffs und grazile Hooks bieten, die sich aber leider immer wieder zusammen mit seiner in Tenorbereiche abdriftenden Stimme, in einer Wand aus einem brutalen Gitarren-Klangteppich, so mächtig und hoch wie die chinesische Mauer, verlieren. Zudem präsentieren sich die Songs teilweise mit einem gefühlt leicht hohlen Klangbild, während die Stimme des Schweizers mitunter einen etwas verhallten Eindruck hinterlässt.

Einflüsse aus den Bereichen Blues Rock und Southern Rock blitzen auf der CD allenfalls nur sporadisch auf (am ehesten beim knackigen Opener „Mooshining“), Bignascas Stimme würde aus Sicht des Rezensenten auch gar nicht dazu passen.

Der Gesamteindruck ist, musikalisch gesehen, eher zwiespältig. Einerseits gibt es gitarrenmässig gute Ansätze, die Licks gehen aber wie gesagt, leider oftmals im bombastischen Soundteppich unter. Jedenfalls ist diese Art schweizer Rockmusik für meinen Geschmack recht gewöhnungsbedürftig.

Daher mein Rat an alle, die mit diesem Silberling liebäugeln: erst einmal googeln oder auf youtube suchen und dann schauen, ob die Mucke tatsächlich euren Musikgeschmack trifft.

Label: Radicalis GmbH
Vertrieb: The Orchard / Soulfood

Stil: Rock / Alternative Rock

Tracks:
01. Moonshining
02. Little Darling
03. Lyssa’s Lover
04. Monster
05. Graced
06. All Things Dirty
07. Little Faith
08. Mine
09. Messiah
10. Murder

Black Stone Cherry – Support: Monster Truck – 11.11.2018, E-Werk, Köln – Konzertbericht

BSC-Haupt

Ein eher schwieriger Abend für mich. Da ich im Gegensatz zum Kollegen Gernot, nicht unbedingt ein Fan von überwiegend, mit härterer Gangart angetriebener Musik bin, war ich zunächst mit gemischten Gefühlen die Reise ins Kölner E-Werk zum Gig der Southern Hard Rock Band Black Stone Cherry und ihrem kanadischen Support Monster Truck angereist.

Die Nordamerikaner um ihren sympatisch wirkenden Fronter John Harvey begannen pünktlich um 20.00 Uhr ihr zehn Stücke umfassendes und knapp 45 Minuten währendes Vorprogramm.

Dabei präsentierten sie zum einen ältere Stücke wie „Don’t Tell Me How To Live“, „She‘ A Witch“, „Sweet Mountain River“ oder „The Lion“ und natürlich überwiegend Sachen aus ihrem brandaktuellen Werk „True Rockers“ wie „True Rocker“, „Evolution“, „Thundertruck“, „Denim Danger“, „Undone“ oder „Devil Don’t Care“.

In einem hart rockenden, aber durchaus auf guten Melodien basierten Mix, in der Tradition klassischer Vorbilder der Marke Led Zeppelin, Iron Maiden, Deep Purple & Co., gefiel mir das dezent progressive und atmosphärische „Undone“ am besten. Insgesamt ein Voract der besseren Sorte mit zukünftigem Headliner-Potential in dieser Sparte.

Line-up Monster Truck:
John Harvey (lead vocals, bass)
Jeremy Widerman (electric guitar, vocals)
Brandon Bliss (keys, vocals)
Steve Kiely (drums, vocals)

Nachdem es zunächst nach einer Umbaupause in Rekordzeit aussah, zog sich der Beginn des Headliners Black Stone Cherry dann doch noch ein Weilchen hin. Da sie aber mit Songs aus dem schon lange nicht mehr gehörten Allman Brothers-Werk „Brothers And Sisters“ überbrückt wurde, fiel das Warten nur halb so schwer.

Der Einstieg mit dem Led Zeppelin-umwehten „Rain Wizard“ ließ an Heftigkeit nichts zu wünschen übrig. Das Quartett mit charismatischen Leader Chris Robertson und den sich ständig in Bewegung befindenden Ben Wells und John Lawhon (immer wieder ihre Postionen links und rechts der Bühne tauschend) sowie dem wie von einer Tarantel gestochenen, trommelnden, bzw. fast schon prügelnden Irrwisch John Fred Young machten sofort klar, dass ihr dezent southern-infizierter Hard Rock nichts für zarte Gemüter sein wird.

Als sehr positiv empfand ich zunächst den Querschnitt des Publikums, der von Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen der jüngeren Sorte bis zu unserer Altersstufe reichte. Der Band scheint es somit zu gelingen, Generationen-übergreifend zu begeistern und somit auch dem uns geliebten Southern Rock ihre Dienste im Sinne des Genre-Fortbestandes zu erweisen.

„Burnin'“ läutete den Reigen der kommenden Stücke ihres starken Silberlings „Family Tree“ ein, dessen schönes Cover auch das Bühnenhintergrundbild zierte. Zwischendurch wurden immer mal ein paar Klassiker wie „Can’t You See“, „Fly Like An Eagle“ oder auch „Stir It Up“ intoniert, das als Vorbote zum stimmungsreichen „Me And Mary Jane“ als einem der ersten Höhepunkte, angespielt wurde.

Der sporadisch als Perkussionist eingesetzte Jeff „Bongo“ Boggs konnte einem ein wenig leid tun. Er hatte nämlich mehr mit der Instandsetzung von Youngs Schlagzeuganlage zu tun, die den Ansprüchen seines furiosen Wirkens offenkundig nicht gewachsen war. Er konnte dann wenigstens bei der Vorstellung der Band beim tollen „Cheaper To Drink Alone“, als alle Beteiligten ihre Solierparts inne hatten, seine rhythmischen Fertigkeiten präsentieren.

Zuvor hatten Stücke wie u. a. das ZZ Top-umwehte „New Kinda Feelin'“, „Let It Roll“, „My Last Breath“ (sehr melodisch – sogar ein wenig mit Sister Hazel-Flair), „Soulcreek“ oder die Uptempo-Nummer „Maybe Someday“ für eine angenehme, begeisterte und ausgelassene Atmosphäre gesorgt.

Die schlug allerdings – zumindest was mein Empfinden angeht – nach der schönen Ballade „My Father Said“ und dem starken, Slide-trächtigen Southern Rocker „Ain’t Nobody“ mit „Lonely Train“ ins Unangenehme um. Fronter Chris Robertson hatte darum gebeten, einen Kreis in der Mitte der Zuschauer ‚auszusparen‘ wobei ich vermutet hatte, dass er sich dort selbst für eine Solo-Einlage hinein begeben wolle. Er offerierte dann allerdings für zwei freiwillige Menschen die Option, den erschaffenen Raum für eine Tanzeinlage zu nutzen.

Im Zuge der Aggressivität des Liedes hatte sich das aber schnell erledigt und eine Meute junger, angetrunken erscheinender Personen, nutze die Fläche für wüstes Herumschubsen und Springen (auch unter dem Fachbegriff ‚Pogen‘ geläufig…). Ein junge, unbeteiligte Frau in meiner Nähe ging dabei zu Boden und konnte froh sein, dass es umherstehenden Leuten gelang, in erster Linie sie und ihre umher geflogene Brille vor weiterem Schaden zu bewahren. Angesichts der deutlich sichtbaren Kinder (zum Teil auf den Schultern) eine ziemlich fahrlässige Sache, die man tunlichst unterlassen sollte.

So wurde der Genuss von der fortan sich im Zentrum auslebenden Meute bei launigen Stücken wie „Blame It On The Boom Boom“, „White Trash Millionaire“ und dem finalen „Family Tree“ leider durch ein gewisses ‚Unbehagen‘ in Mitleidenschaft gezogen. Aber vielleicht bin ich ja einfach auch nur zu alt. Black Stone Cherry bedankten sich am Ende für den in Deutschland stetig wachsenden Zuspruch, besonders auch, was ihre Besucherzahlen angeht. Um die 1.200 Leute hatten an diesem Abend für eine – bis auf die nicht geöffneten Oberränge – gefüllte Location gesorgt.

Als schon keiner mehr mit Zugaben rechnete und einige das E-Werk verlassen hatten, kamen zunächst Ben Wells und Chris Robertson alleine für „Peace Is Free“ auf die Bühne, wobei Robertsons grandiose Stimme mal in voller Pracht zur Geltung kam, um den Schluss des Liedes wieder im Kollektiv zu beenden.

Insgesamt ein gelungener Abend mit den benannten Abstrichen (aus meiner Sicht), der vor allem seinen Reiz darin hatte, dass Southern Rock in Kombination mit moderneren Musikelementen durchaus eine weiterhin zukunftsträchtige Option abzugeben scheint. Von daher muss man dankbar sein, dass sich Bands wie Black Stone Cherry, Blackberry Smoke, Hogjaw, Robert John & The Wreck & Co. hier mit qualitativem Anspruch als weiterführende Erben dieses Genres in den Dienst der Sache stellen.

Line-up Black Stone Cherry:
Chris Robertson (lead vocals, electric and slide guitar)
Ben Wells (electric guitar, vocals, percussion)
John Lawhon (bass, vocals)
John Fred Young (drums, vocals)
Jeff „Bongo“ Boggs (percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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E-Werk

Larkin Poe – Venom & Faith – CD-Review

Larkin Poe_300

Review: Michael Segets

Die beiden Schwestern Rebecca und Megan Lovell haben sich mit Larkin Poe nach ihrem Ur-Ur-Opa benannt. Dabei ist ihre Musik alles andere als rückwärtsgewandt. Sie kombinieren Roots-Musik mit verschiedenen Elementen anderer Musikstile wie dem Pop oder sogar dezentem Rap. Sie entziehen sich damit der einfachen Kategorisierung. Tendenziell überwiegt auf „Venom & Faith“ eine Art progressiver Blues. Mehrere Titel zeichnen sich durch akzentuierte Wiederholungen des Textes oder durch Breaks bei Rhythmus oder Melodien aus, die interessant sind und zum konzentrierten Zuhören anhalten.

Bereits als Teenager veröffentlichten Rebecca und Megan als Lovell Sisters – damals noch mit ihrer Schwester Jessica – zwei Bluegrass/Americana-Alben. Ab 2010 sind sie als Duo unter dem derzeitigen Bandnamen produktiv. Auf ihr Konto gehen fünf EPs und vier Longplayer. Sie arbeiteten bereits mit T Bone Burnett, Elvis Costello, Marcus Mumford (Mumford & Sons), Rhiannon Giddens, Kristian Bush (Sugarland) und Steven Tyler (Aerosmith) zusammen. Mit Jackson Browne und Don Henley (Eagles) standen sie anlässlich des Tom-Petty-Tributs in Los Angeles auf der Bühne.

Megan spielt Lap Steel, während Rebecca akustische und elektrische Gitarre, Banjo, Omnichord sowie die Percussion übernimmt. Beide singen und bedienen die Keyboards. Die Multiinstrumentalistinnen sind damit weitgehend autonom, zumal Drums und Rhythmus aus dem Computer stammen.

Ich habe lieber, wenn Schlagzeug und Bass von Menschen beigesteuert werden, weil ich meine, dass dadurch mehr Leben in die Songs kommt. Obwohl ich auf „Venom & Faith“ nur in einigen Momenten behaupte, dass ich heraushören könnte, dass eine Maschine die Rhythmusarbeit übernimmt – und das wahrscheinlich auch nur, weil ich es weiß.

Am ehesten hört man die Drum-Maschine bei „Honey Honey“ – aus einer der Textzeilen des Songs ist der Albumtitel entliehen – und bei „Fly Like An Eagle“. Durch die Beats erscheinen die Titel in einem poppigen Gewand, entwickeln aber durch sehr schöne Gesangspassagen ihren eigenen Reiz. Auch die eher gleichmäßigen Stücke „California King“ und „Ain’t Gonna Cry“ ziehen nach mehrmaligem Hören in ihren Bann.

Der Vergleich zu den Allman Brothers, als deren kleine Schwestern die Damen von Larkin Poe gelegentlich bezeichnet werden, drängt sich bei „Venom & Faith“ nicht unbedingt auf. Richtig ist aber, dass beispielsweise auf „Blue Ridge Mountain“ ein Southern-Hauch mitschwingt. Deutlich schlägt er bei „Mississippi“ durch, bei dem Tyler Bryant an der Resonator-Gitarre zu hören ist.

Mit Klatschen und Gesang nimmt „Sometimes“ einen dynamischen und Gospel-ähnlichen Einstieg. Nacheinander steigen dann Drumline und Horn Section ein, die dem von Bessie Jones und Alan Lomax geschriebenen Stück einen gehörige Drive geben. Auch „Bleach Blonde Bottle Blues“ ist treibend und nicht nur durch die „Kicks“ im Leadgesang durchaus spannend.

Dass sich Larkin Poe neben den modernisierten Spielarten auch auf den eher reduzierten Blues verstehen, zeigt das Duo mit „Good And Gone“. Zudem covern sie den eher traditionell angelegten Titel „Hard Time Killing Floor Blues” von Skip James. Die Songs des 1969 verstorbenen Bluesmusikers aus Bentonia, Mississippi, werden anscheinend von den jüngeren Künstlern gerade wiederentdeckt, denn Robert Connely Farr covert auf seinem gerade erschienenen „Dirty South Blues“ ebenfalls ein Stück von ihm.

Kaum eine Scheibe habe ich vor der Besprechung so oft gehört, wie „Venom & Faith“. Das Album eignet sich weniger zum Nebenherhören, sondern erfordert das Eintauchen in die Songstrukturen. Es belohnt dann aber mit abwechslungsreichen Klangvariationen und fesselnden Hörerlebnissen.

Ende November kommen die Schwestern für vier Konzerte nach Deutschland und Österreich, von denen bereits jetzt zwei Termine ausverkauft sind.

Tricki-Woo Records (2018)
Stil: Blues and more

Tracks:
01. Sometimes
02. Bleach Blonde Bottle Blues
03. Honey Honey
04. Mississippi
05. California King
06. Blue Ridge Mountains
07. Fly Like An Eagle
08. Ain’t Gonna Cry
09. Hard Time Killing Floor Blues
10. Good And Gone

Larkin Poe
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