Ghost Hounds – Roses Are Black – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die treibende Kraft hinter den Ghost Hounds ist Thomas Tull. In der Mitte der 2000er startete er bereits einen Anlauf mit der Band und brachte am Ende dieser Dekade ein Album in Eigenproduktion heraus. Mit seiner Produktionsfirma konzentrierte er sich allerdings anschließend auf Filme, Comics und digitale Medien. Mit neuen Musikern reanimiert er nun die Ghost Hounds und wendet sich wieder dem Rock ’n Roll zu.

Für „Roses Are Black“ holte sich Tull mit Johnny Baab einen zweiten Gitarristen ins Boot und besetzte die Rhythmusgruppe mit Blaise Lanzetta am Schlagzeug und Bennett Miller am Bass. Als Glücksgriff erweist sich Sänger Tre Nation. Tull suchte sich zudem für das Songwriting Unterstützung bei David Grissom, der schon für John Mellencamp, Joe Ely, Storyville, The Allman Brothers Band und die Dixie Chicks aktiv war, sowie bei Kevin Bowe (Etta James, Jonny Lang, Lynyrd Skynyrd, Kenny Wayne Shepherd). Vance Powell (Chris Stapleton, The White Stripes, Arctic Monkeys, Kings of Leon) mischte den Longplayer ab und produzierte ihn auch.

Bei so viel Manpower und Erfahrung konnte nichts mehr schiefgehen. Herausgekommen ist dann auch ein überdurchschnittliches Rockalbum, das gut unterhält, dem jedoch die Titel fehlen, die sich direkt in den Gehörgängen festsetzen. Erst nach mehrmaligem Hören erhalten die Songs einen höheren Wiedererkennungswert.

Gibt man der Scheibe die Chance auf einige Durchläufe, gewinnen die einzelnen Songs stärkere Konturen. Dann treten auch die unterschiedlichen Einflüsse, die von der Band aus Pittsburgh verarbeitet wurden, deutlich hervor. Am Old School Rock ’n Roll orientiert sich der Opener „Bad News“. Classic Rock ist mit „Black Rose”, „Skin In The Game” und „Fire Under Water” vertreten. Hier wird den kraftvollen Gitarren mit entsprechenden Soli Raum gegeben.

Darüber liefern die Ghost Hounds eine erdige Version von Cliff Richards „Devil Woman“. Während das soulige „When Your Shadow Touches Mine” nochmals eine neue Facette in den Longplayer einbringt, erscheint „Til It’s Gone“ sehr gleichförmig und am ehesten verzichtbar.

Von einem Song des sagenumwobenen Robert Johnson, der seine Seele für den Blues an den Teufel verkauft haben soll, wurde der Name Ghost Hounds hergeleitet. Es liegt daher nahe, dass sich die Band dem Blues beziehungsweise Bluesrock bei „Push That Rock Up The Hill“ und „We Roll Hard” zuwendet.

„Second Time Around“, mit dem Tull auf die Wiederbelebung der Ghost Hounds reflektiert, läutet das letzte Drittel des Albums ein. In diesem Teil wird das Tempo reduziert. „Almost Loved You“ steigt mit einer akustischen Gitarre ein. Sehr schön sind hier die Klavierpassagen von Joe Munroe. Den Abschluss des Albums bilden zwei alternative, akustische Versionen von „Second Time Around“ und „Push That Rock Up The Hill“.

Thomas Tull gelingt der Neustart mit den Ghost Hounds. „Roses Are Black“ ist ein durchaus abwechslungsreiches Album geworden, dessen positiver Ersteindruck sich verstärkt, sobald man ihm Zeit gibt und es mehrfach anhört.

Cascade Music Group/Maple House Records (2019)
Stil: Rock

Tracks:
01. Bad News
02. Black Rose
03. When Your Shadow Touches Mine
04. Devil Woman
05. Til It’s Gone
06. We Roll Hard
07. Push That Rock Up The Hill
08. Skin In The Game
09. Fire Under Water
10. Second Time Around
11. Almost Loved You
12. Second Time Around (Acoustic)
13. Push That Rock Up The Hill (Acoustic)

Ghost Hounds
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Cascade Music Group

Them Dirty Roses – 12.10.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Der zweite Auftritt in Krefeld von Them Dirty Roses bescherte der Kulturrampe erneut ein ausverkauftes Haus. Nach dem schweißtreibenden Auftritt des letzten Jahres hatte sich die Band aus Nashville ja auch wärmstens für einen weiteren Konzertabend empfohlen.

Viele Besucher des ersten Konzerts sind daher wieder in die Rampe gepilgert. Einhellige Meinung nach der Show war, dass die Band nochmal einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht hat.

Nach einem kurzen, von Rückkopplungen geprägten Intro, ließen die Jungs mit dem starken „Grew Up In The Country“ direkt zu Beginn des Abends keinen Zweifel daran, aus welcher Richtung der (Southern-)Wind weht. Das Publikum ließ sich sofort mittreiben, sodass bereits nach den ineinander gespielten „Molly“ und „Wiskey In My Cup“ der Saal kochte.

„A Bad Hand“, das sich auf der Deluxe-Ausgabe der beiden EPs von Them Dirty Roses findet, heizte weiter ein. Auch die folgenden, bislang unbekannten Stücke funktionierten unglaublich gut und taten der Stimmung keinen Abbruch. Nach „You Can’t“ und dem melodiösen, mit Riffs a la Lynyrd Skynyrd versehenen „Sunday Drunk“ streute die Band mit „Black Magic Lady“ ein langsameres Stück ein.

Die Rampe hatte sich in der Zwischenzeit temperaturmäßig ganz schön aufgeladen. Ein verständnisvoller Gast spendierte der schwitzenden Truppe eine Runde, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Die zeigte sich vom Altbier begeistert und Gitarrist Andrew Davis hatte sichtlich Spaß am Plöp des Bügelverschlusses. Hier erwies sich die Rampe erneut als Forum interkulturellen Austauschs.

Die Band interagierte untereinander sowie mit dem Publikum prima. Auf der Bühne wurde gescherzt, die Besucher zum Klatschen oder Mitsingen animiert. „What Your Daddy Doesn’t Know“ gefiel mir daher noch besser als die Studioversion und auch der einprägsame Gesangspart des noch unveröffentlichten „Hate Me“ war schnell einstudiert.

Die kurzen Ansagen von Frontmann James Ford vor den Titeln haben das hohe Tempo des Konzerts nicht gestört, sondern erhielten den Fluss nahtlos aufrecht. Im späteren Verlauf übernahm Bassist Ben Crain mehrmals die Moderation, so bei dem nicht ganz jugendfreien „Back Seat Virgin“.

Them Dirty Roses spielten ihre Songs durchgängig mit viel Druck. Besonders im Gedächtnis blieb dahingehend das kraftvolle Schlagzeug-Intro zu „Trouble“ von Frank Ford. Der jüngere Bruder von James leitete zudem das letzte Drittel des Hauptsets durch ein Solo an Fellen und Becken ein, das von den Anwesenden ausgiebig bejubelt wurde.

Daneben fanden aber auch filigranere Passagen ihren Platz, wenn beispielsweise Gitarrist Andrew Davis seine Soli performte. Davon gab es einige während der Show. Die hatten, wie etwa bei „Songs About you“, genau die richtige Länge. Das heißt für mich, dass sie nicht ausuferten, sondern sich in den erkennbar bleibenden Song integrierten.

Das einzige Cover war „Mississippi Queen“ von Mountain. Ansonsten setzten „Them Dirty Roses“ einen Schwerpunkt auf ihre neuen Stücke, die voraussichtlich im März veröffentlicht werden. „The Good Life“ ist ein Hammer-Song, aber auch „Holy Roller“ entwickelt einen tollen Spannungsbogen. Nach der Bandvorstellung endete das neunzigminütige Set erdig rockend mit „Hits And Pills“.

Die jungen Männer ließen sich nicht lange bitten und legten ihre Southern-Hymne „Cocaine And Wiskey“ sowie das mit gemeinsamen Headbanging versehene „Shake It“ als Zugabe obendrauf. Haare flogen sowieso den ganzen Abend, sowohl auf, als auch abseits der Bühne. Ben Crain und Andrew Davis traten in einen Wettstreit, wer die interessantere Performance bietet. Das ist schwer zu entscheiden, da beide unheimlich unterhaltsam sprangen, kreisten, posten.

Es war ein besonderer Abend mit „Them Dirty Roses“, an dem sich Band und Publikum hervorragend aufgelegt zeigten. Frank Ford lobte im Gespräch nach dem Auftritt dann auch den Spirit, der in der Location herrschte. Für mich gehört die Show zu den absoluten Highlights dieses Konzertjahres.

Der Auftritt schürte zudem die Neugier auf das neue Album. Mittlerweile spielt die Band in einer Liga mit Robert Jon & The Wreck oder Hogjaw, die alle bei Teenage Head Music unter Vertrag stehen. Bei der nächsten Tour gehört die Band auf alle Fälle zu den Pflichtterminen für Southern Rocker.

Line-up:
James Ford (lead vocals, electric guitar)
Andrew Davis (electric guitar, vocals)
Ben Crain (bass, vocals)
Frank Ford (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

Them Dirty Roses
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Skinny Molly – 05.10.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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In veränderten Line-up traten Skinny Molly an diesem Abend im Dortmunder Piano auf. Statt Jay Johnson, dessen Vater vor wenigen Wochen gestorben war, spielte der Tscheche Pavel Marcel die zweite Lead-Gitarre. Es kann vorweg genommen schon gesagt werden, dass er die Lücke des charismatischen Ex-Blackfoot-Gitarristen sehr gut füllte.

Das andere, was auch gut gefüllt war, war das Musiktheater Piano, wo sich die Besucherzahl im Vergleich zu den letzten Auftritten deutlich erhöht hatte. Dies mag am sympathischen Gig der Amerikaner im Vorjahr liegen. Neues eigenes Material spielte hier jedenfalls keine Rolle.

Das Programm bestand aus einigen Skynyrd-Klassikern, wo direkt zu Beginn „Working For The MCA“ die Fans auf Betriebstemperatur brachte. Danach standen aber eigene Songs, wie „Too Much“, „Tough Go Fishin’“ und „Me And The Devil Himself“ im Vordergrund, die im klassischen Southern-Gewand mit harten Rockeinschlag präsentiert wurden.

Mit „Copperhead Road“, einem Steve Earle-Song, bei dem Mike Estes die Gitarre gegen die Mandoline tauschte, und auch damit zu glänzen wusste, begann eine Zeit mit stark gespielten Coversongs, wie „Call Me The Breeze“, „Devil In The Bottle“ (schrieb Estes mit für LS) und dem obligatorischen „Sweet Home Alabama“.

Bei allen Songs brillierte die Rhythmussektion mit Kyle Law an den Drums und Luke Bradshaw am Bass, der ständig wie auf einem Laufband in Bewegung war. Abgeschlossen wurde dieser Coverpart mit einer phantastischen Version des Stones-Stückes „Dead Flowers“.

Nach einigen Eigenkreationen, aus denen insbesondere „Two Good Wheels“ und das dem Publikum gewidmete „For Y’All“ hervorstachen, kam der für mich musikalische Höhepunkt des Abends, eine Extended Version der Southern-Hymne „Freebird“. Marcel zauberte zu Beginn ein Vogelzwitschern aus seiner Gitarre, Estes zeigte, dass er auch stimmlich noch voll auf der Höhe ist und ein scheinbar nicht endendes Gitarrenduell riss das Publikums zu Begeisterungsstürmen hin. Somit war es nicht verwunderlich, dass frenetisch Zugaben gefordert wurden.

Die Jungs um Estes ließen sich auch nicht lange bitten und spielten eine launige Version des Everclear-Songs „Santa Monica“, den Sie erstmals auf einer Tour performten sowie eine eine wuchtige Adaption des Robert Johnson-Klassikers „Crossroads“, der aber durch Cream erst legendär wurde und bewiesen dabei, dass sie auch den Blues können.

Nach etwa 100 Minuten war dann eine starke Vorstellung von Skinny Molly beendet, doch die Band ließ es sich nicht nehmen, noch einige Zeit mit den Fans im Merchandising-Bereich zu verbringen. Fürs nächste Jahr ist auch eine neue Platte vorgesehen, sodass das Programm vermutlich etwas spannender ausfallen wird.

Line-up:
Mike Estes (lead vocals, lead guitar)
Pavel Marcel (lead guitar)
Luke Bradshaw (bass, vocals)
Kyle Law (drums, vocals)

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Skinny Molly
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Lynyrd Skynyrd – Support: Blackberry Smoke – 18.06.2019 – Max-Schmeling-Halle, Berlin – Konzertbilder

LS haupt

Die Urgesteine des Southern Rokcs machten im Rahmen ihrer in Deutschland drei Gigs umfassenden Last of the Street Survivors Farewell Tour Halt in Berlin. Support waren Blackberry Smoke. Anbei ein paar Impressionen.

Bilder: spreewilder

Lynyrd Skynyrd
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Blackberry Smoke
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Max-Schmeling-Halle Berlin

Ronnie Van Zant – Rollin‘ Stoned – CD-Review

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Hätte sich der tragische Flugzeugabsturz von Lynyrd Skynyrd am 20. Oktober 1977 nicht ereignet, müssten die Geschichtsbücher der Rockmusikgeschichte vermutlich umgeschrieben werden.

Aus uns nicht ersichtlichen Gründen hat ein Hacker (Southern Rock-Fan?), u. a. unserem Magazin, diverses Material (Dokumente, Protokolle, Vertragsentwürfe, Dateien, Bilder, Cover-Artwork, Soundschnipsel) des damaligen Rolling Stones-Managements zugespielt, mit teils unglaublichen (man könnte fast einen April-Scherz dahinter vermuten…), bis dato nicht bekannten, voller Brisanz steckender Inhalte.

So kriselte es 1977 zur vermeintlichen Hoch-Zeit Skynyrds (mit „Street Survivors“ schien ja ein erster Zenit erreicht zu sein), als auch bei den Stones, ganz kräftig hinter den Kulissen (beide Bands waren ja ein Jahr zuvor auf dem legendären Knebworth-Festival vor 120.000 Zuschauern aufgetreten).

Das Stones-Managemanent war stinkesauer auf Mick Jagger und selbst der gerade von einer Drogen-Entzugskur halbwegs regenerierte Halodri Keith Richards, hatte von den ständigen Eskapaden und Affären des Bandleaders die Faxen dicke. Das Tischtuch war so gut wie zerschnitten und für die Verantwortlichen war der potentielle Jagger-Nachfolger bereits ausgeguckt – Ronnie Van Zant!

Van Zant wusste um die einmalige Chance, und brachte Bruder Donnie, als nächstälterer Bruder, bei Skynyrd ins Spiel, der Benjamin Johnny sollte dafür die bei 38 Special entstandende Lücke füllen. Gary Rossington und Allen Collins favorisierten allerdings eine Lösung in eigener Sache mit einer gewissen Dale Krantz am Mikro, Steve Gaines lag bei der etwas jazz-lastigeren Marshall Tucker Band, als dritter Gitarrist, ein bereits unterschriftsreifer Vertrag vor.

Um Jagger zur Vernunft zu bringen, als auch unter Druck zu setzen, wollte man Van Zant zunächst als Solo-Künstler aufbauen. In gerade mal drei Wochen wurde in Austin, Texas, ein komplettes Studio-Album mit dem plakativen Titel „Rollin‘ Stoned“ kreiert und eingespielt, wobei Ronnie und Keith Richards (auf dem Werk unter dem Synonym Richard Keys aufgeführt), die Tracks gemeinsam geschrieben hatten.

Mit dem auch als Nachfolger für Mick Taylor gehandelten Jeff Beck (als 2. Gitarrero), der Rhythmus-Fraktion Chris Layton und Tommy Shannon, sowie Keyboarder Reese Wynans (mit ein paar herrlichen Piano- und Orgel-Einlagen), alle drei aus dem Stevie Ray Vaughan-Umfeld, zudem den Backgroundsängerinnen Bekka Bramlett und Marcy Levy (Eric Clapton), wurden die Tracks dann in ein musikalisches Gewand umgesetzt. Produziert hatte das Ganze James Miller, der sich ja auch zuvor für die markantesten Stones-Alben verantwortlich zeigte (u. a. „Let It Bleed“, „Sticky Fingers“, „Exile On Main St.“).

Für Van Zant war es eine komfortable Situation. Er konnte quasi dreigleisig fahren. Zum einen die mögliche, auf seine Vorstellungen alleinig fixierte Solo-Karriere, die medial wie finanziell, einmalige lukrative Stones-Option oder zur Not, sollten alle Stricke reißen, eine Rückbesinnung zu Skynyrd. Das Album (das können wir schon jetzt konstatieren) bietet übrigens, wie nicht anders zu erwarten, einen herrlichen Southern Rock stonesker Prägung.

Aber wie allseits bekannt, kam alles anders. Das Stones-Management reagierte sofort auf die Hiobsbotschaft des tragischen Ereignisses in Gillsburg, Mississippi, und legte das fertige Album wieder auf Eis. Mit dem Van Zant-Clan wurde eine vierzig-jährige Verschwiegenheitsklausel vertraglich festgelegt.

Nach dem Durchsickern einiger Details vor ein paar Monaten und dem Ablauf der Stillschweige-Zeit, ist dieses Werk jetzt wohl wieder aus den Archiven ‚gekramt‘ worden und steht demnächst zur Veröffentlichung in den Startlöchern.

Um uns abzusichern, kontaktierten wir spontan Carol Chase, zu der wir ja, dank eines Interviews, immer noch gute Beziehungen pflegen. Die nickte auf Nachfrage zum Wahrheitsgehalt quasi imaginär ab und stellte uns drei Exemplare in Aussicht, wovon wir zwei gerne an unsere Sounds Of South-Leser weitergeben möchten.

Schreibt uns von daher ins Kommentarfeld, wie ihr einer Solo-Karriere Ronnie Van Zants, beziehungsweise seiner Rolle als Jagger-Nachfolger bei den Rolling Stones gegenüber gestanden hättet. Die interessantesten beiden Beiträge werden dann nach Veröffentlichung mit der Scheibe belohnt!

Atlantik Records (1977)
Stil: Southern Rock

01. Paint It Red
02. White Sugar
03. Honky Tonk Chicks
04. It’s Only Southern Rock
05. Ruby Thursday
06. You Can’t Always Drink What You Want
07. Slow Horses
08. Let’s Spend The Holidays Together
09. Waiting On A Saint
10. Tumbling Twice
11. Sweet Young Angel
12. Dance Little Brother

Ronnie Van Zant
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Skinny Molly – 18.11.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Wenn eine Band wie Skinny Molly in unseren Regionen auftaucht, ist das für uns natürlich ein Pflichttermin. Vor gut einem Jahr an gleicher Stelle im Musiktheater Piano in Dortmund hatten Estes, Johnson & Co. ja ein starkes und zugleich launiges Konzert gegeben, auch wenn der Besucherzuspruch nicht der tollste war.

Der überaus konzertintensive November aller Ortens hier in unserer Gegend und der nicht einfache Sonntag-Abend-Termin zum endgültigen Wochenausklang, ließen da kein Besserung vermuten, zumal das Quartett keinen neuen Tonträger zu bieten hatte.

Ganz in Skynyrdscher Tradition, nach dem Motto ‚bloß keine Experimente‘ (vermutlich damals ganz tief von Gary Rossington bei Mike Estes eingeimpft…), wurde auf den bewährten Stoff ihrer bisherigen drei CDs gesetzt und das ganze mit den üblichen Klassikern der Branche wie „Sweet Home Alabama“, „Call Me The Breeze“, „Free Bird“ und auch häufig benutzten Tracks wie „Wishing Well“, „Copperhead Road“ sowie „Dead Flowers“ garniert.

Wow, fast hätte ich vergessen, dass auch noch „Workin‘ For MCA“ (als Opener, zugegebener Maßen saustark gebracht) und „Whiskey-Rock-A-Roller“, im Gegensatz zum letzten Mal, dazu genommen wurden.

Kann man Skinny Molly aber deswegen böse sein? Nein, natürlich nicht, denn das Quartett bietet seine Show mit soviel herrlicher Spielfreude sowie markanter Präsenz und sympathischen Auftreten, dass man das Thema ‚Innovation‘ hier einfach mal für zwei Stunden geistig beiseite schieben muss.

Mike Estes mit seinem herrlichen Gibson-E-Gitarren-Dauer-Geknarze, Jay Johnsons flinke Finger, die immer wieder eingestreuten Twin-Attacken, als auch das surrende Slide-Geschwurbel, rauben einem Southern Rock-Fan natürlich in diesem Moment den Verstand, selbst wenn er zum tausendsten Mal „Sweet Home Alabama“ & Co. serviert bekommt.

Und die Version von „Free Bird“ mit dem Hammer-Instrumental-Finish und den ganzen, immer wieder den Song verlängernden Tushs am Ende, war an einfach ’ne Mords-Gaudi und natürlich brillant performt. Der neue Drummer und Benjamin im Team, Kyle Law, machte neben seinem bewährtem Rhythmus-Kollegen, dem einstigen Grand Ole Opry-Musiker Luke Bradshaw, einen mehr als ordentlichen Job.

Fazit: Viel Skinny (Songauswahl, Estes‘ Gitarrenpiel), seit Dave Hlubeks Ausscheiden so gut wie kein Molly (Hatchet) mehr, dafür durch Jay Johnsons Gesangsparts (bei „Wishing Well“ und „On The Run“) an dieser Stelle etwas mehr Blacky (Blackfoot).

Man kann nur hoffen, dass die etwas bequemlich erscheinenden Herren demnächst zu ihrer kreativen Ader zurückfinden und bei einer weiteren Rückkehr eine neue CD mit dabei haben. Mehr auf den Überraschungsmoment zu setzen (vielleicht auch mal was aus Estes‘ Drivin‘ Sideways Zeit oder andere, weniger gecoverte LS-Stücke wie zum Beispiel „Am I Losin'“, „I Never Dreamed“ , „Trust“ oder „Searching“ spielen), könnte auch nicht schaden.

Noch weniger Zuschauer als zuletzt, sollten an diesem Abend Warnschuss genug gewesen sein, auch wenn der Gig, rein für sich betrachtet, insgesamt wirklich wieder sehr schön war.

Line-up:
Mike Estes (lead vocals, lead guitar)
Jay Johnson (lead guitar, lead vocals)
Luke Bradshaw (bass, vocals)
Kyle Law (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Skinny Molly
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

H(e)art And King – We Ain’t The Two – CD-Review

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Grund zur Freude bei der Southern Rock-Fraktion! Mit H(e)art And King gibt es ein neues, allerdings schon länger hinter ‚verschlossenen Türen‘ währendes, hochinteressantes Projekt, das man in solch einer Konstellation vermutlich nie erwartet hätte. Hinter dem Namen verbergen sich nämlich keine geringeren Künstler als Beth Hart und der ehemalige Lynyrd Skynyrd-Gitarrist Ed King.

Die umtriebige Beth Hart, die nicht nur als Solo-Interpretin, sondern ja auch erst vor kurzem wieder durch ihre  bereits etablierte Zusammenarbeit mit Joe Bonamassa auf „Black Coffee“ Aufsehen erregte, hat, laut eigener Aussage mittlerweile alles besungen, was stilistisch möglich ist, lediglich mit der Southern Rock-Sparte, hatte sie bisher nie richtige Berührungspunkte gehabt.

Da erinnerte sie sich an ihre Bekanntschaft mit Ed King, mit dem sie vor Jahren mal auf einen der berühmt-berüchtigten sonntäglichen Barbecue-Parties von Billy Powell, bei der sie mit Joe als Gast geladen war, ins Gespräch gekommen war. „Mein Gott ging es zu später Stunde da hoch her, Musiker müssen in der Regel Montags Morgens ja nicht früh raus“, erinnert sie sich. „Ich weiß noch wie Billies betrunkener Schwager, Lady Gaga, die ebenfalls in ihrem berühmten Fleischkostüm zugegen war, auf den Grill schmeißen wollte, was ihre Bodyguards aber in letzter Sekunde noch zu verhindern wussten. Dank dieses Abends kam mir übrigens auch später die Idee zu „Sunday Night Special“.

Ich besuchte dann vor einiger Zeit Ed ganz unverbindlich in Nashville, Tennessee bei seiner Frau und seinen Hunden und fragte, ob er nicht mal Lust auf ein gemeinsames Projekt hätte.“ King, mittlerweile bekanntlich von einer Herztransplantation gut erholt, zeigte sich sowohl überrascht, als auch absolut begeistert.

„Ed sagte mir, dass er sich eh in einem ständigen Songwriting-Prozess befinde, seit man ihm die Wiederaufnahme ins Skynyrd-Line-up 2006 verweigert hatte, und einige seiner seither geschriebenen Tracks auch ganz gut passen könnten. Aufgrund unserer beider Namen schoss dem passionierten Skatspieler sofort ‚King Of Hearts‘ heraus, wir konnten uns aber mit dem Rechteinhaber Bruce Gaitsch leider nicht einigen, da er sein ehemaliges Westcoast-Band-Projekt in diesem Jahr auch wiederbeleben möchte. So kam es am Ende dann schlicht zu ‚H(e)art And King‘.

Wir trafen uns immer wieder sporadisch in Nashville zu gemeinsamen Songwriting-Sessions und loteten anhand unserer reichhaltigen Kontakte aus, was in Sachen eines gemeinsamen Albums machbar ist“, so Beth gegenüber Sounds Of South.

„Nach und nach nahm die Sache immer konkretere Formen an, letztendlich hatten wir zwölf fantastische Songs im Köcher. Ed hatte Al Kooper als Produzent begeistern können, über Joe und Tom Hambridge, hatten wir Zugang zu den berühmten Blackbird Studios und mit Musikern wie Shannon Forrest, Tom Bukovac, Kenny Greenberg, Dan Dugmore, Ilya Toshinsky, Reese Wynans, Michael Rhodes, Bekka Bramlett und Mahalia Barnes ein unglaubliches Team für die Einspielung zur Seite stehen. Vielen Dank dafür nochmals an Tom.“

Auch wir können bestätigen, dass sich diese Kooperation voll und ganz gelohnt hat. Toller Southern Rock Kingscher, Stratocaster-lastiger Prägung, garniert mit Beth Harts unglaublicher Röhre – das hat schon was. Auch Ed King weiß übrigens am Mikro zu überzeugen, klasse sein Duett mit Beth bei „All I Couldn’t Do Was To Sing About It“.

Selbst textlich wissen Stücke wie „The Shuttle And The Moon“ (Kritik an der Kommerzialisierung der Raumfahrt) oder “I Never Streamed“ (Hinterfragung des heutigen medialen Konsumverhaltens) den Hörer zum Nachdenken anzuregen. Bei „Mississippi Gal“ bedient Ed wie einst zu Anfangszeiten bei Skynyrd den Bass, Joe Bonamassa ist als Gast an der E-Gitarre zugegen und Ilya Toshinsy bezaubert mit grandiosen Banjo- und Mandolinenklängen. Eines der vielen Highlights! Als einziges Coverstück hat Eds mitgeschriebenes berühmtes Paradelied „Sweet Home Alabama“, im Gott-weiß-wievielten Aufguss, immerhin seinen Reiz, dass es erstmalig durch eine Frau gesungen wird.

Unser Sounds Of South-Fazit lautet: Insgesamt ist das Debüt von H(e)art And King, alias Beth Hart und Ed King, ein starkes und äußerst gelungenes Werk zweier arrivierter Künstler, die ihr musikalisches Herz immer noch auf dem rechten Fleck tragen. Tolle Southern Rock-Platte mit allen Finessen, Nachschlag gerne erwünscht!

Erwähnenswert zudem, dass uns in Zusammenarbeit mit Netkonfekt Promotion zehn signierte Exemplare zur Verfügung gestellt wurden, die wir gerne an unsere Leser weiterreichen möchten. Voraussetzung ist unsere Facebook-Seite im linken Block ‚geliket‘ und eine Begründung im Kommentarfeld unter dem Artikel verfasst zu haben, warum du als Auserwählter für die Scheibe prädestiniert bist. Die zehn originellsten Anmerkungen werden dann umgehend mit der Scheibe belohnt.

Maskot Records/EnVogue (2018)
Stil: Southern Rock

01. We Ain’t The Two
02. Innocent And Peppermint
03. Railroad Music
04. I Don’t Need You
05. The Shuttle And The Moon
06. Sweet Home Alabama
07. I Never Streamed
08. Swamp Song
09. Rock’n’Roll And Whiskey
10. Mississippi Gal
11. All I Couldn’t Do Was To Sing About It
12. Sunday Night Special

Beth Hart
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Netkonfekt Promotion

Skinny Molly – 07.10.2017, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Dritter Abend unserer Konzerttriologie an diesem Wochende mit Skinny Molly, einer Band, die natürlich, als lupenreiner Southern Rock-Act, am perfektesten in unser eigentliches Anforderungsprofil passt.

Gegründet einst von Mike Estes (Drivin‘ Sideways, zeitweise Lynyrd Skynyrd/Blackfoot) und dem vor kurzem leider verstorbenen Molly Hatchet-Gitarristen Dave Hlubek, sind sie heute im Quartett, bestehend aus Estes, einer weiteren Southern Rock-Legende, dem Kraftpaket Jay Johnson (Blackfoot, Rossington Band), Luke Bradshaw und dem aus Wien stammenden Christoph Ullmann, der auch schon früher für Blackfoot getrommelt hat, unterwegs.

Das anwesende Publikum an diesem Abend im schönen Musiktheater Piano in Dortmund war mit zwischen 70-80 Zuschauern doch recht überschaubar, die Leute hatten sich aber im Raum recht gut verteilt, sodass es überhaupt nicht trist wirkte.

Kleine Randnotiz: Zur Auflockerung der Stimmung trug vor dem Konzert dann noch ein kauziger Besucher bei, der im Vorfeld des Gigs augenscheinlich erheblich zu tief ins Glas geschaut hatte. Der wankte schon leicht angeschlagen, als die Musiker gerade zur Bühne schritten, vor diese, stellte sich dann quasi vors anwesende Plenum und brüllte mit erhobener Flasche, wie auch später immer mal zwischendurch, erstmal ein lautes ‚Yeah‘, heraus. Das kam aber wohl eher aus erheblich ‚beschwingter‘ Freude heraus, nicht aus irgendeinem Geltungsdrang.

Ich hatte Skinny Molly bisher nur ein einziges Mal zuvor live gesehen und das war vor einigen Jahren in Holland, im Rahmen eines Festivals (was ich aber gar nicht so zur Kenntnis genommen hatte, da ich mich ganz spontan, auf die ‚letzte Minute‘ aufgemacht hatte). Da spielte die Band am Ende als Headliner nach zwei langatmigen, mir nicht zusagenden Voracts, erst gegen 1 Uhr nachts und wurde von mir somit nur sehr ermüdet und angenervt aufgenommen, was demnach also nicht ihrer ordentlichen Leistung geschuldet war.

Umso schöner, dass sich jetzt im geliebten Piano bei ‚voller Konzentration‘ im Rahmen ihrer jetzt stattfindenden ‚Southern Fried World Tour 2017‘, nochmals die Gelegenheit ergab, den Vierer zu begutachten. Estes, Johnson und Co. starteten zum Auftakt mit „Here For A Good Time“, von ihrem, immer noch aktuellen, gleichnamigen Album von 2014. Mike riss am Ende des Liedes eine Saite und schwenkte dann im weiteren Verlauf des ersten Sets (die Pause nutzte er dann zur Reparatur), etwas unplanmäßig, zu einer anderen Gibson Les Paul-E-Gitarre.

Über „Too Much“ von ihrem Debüt „No Good Deed“ und dem Stampfer „After You“ sowie dem Skynyrd-trächtigen „I Don’t Care“ vom Nachfolger „Haywire Riot“ wurde der Cover-Reigen mit Steve Earles „Copperhead Road“ in Gang gesetzt, dem im weiteren Verlauf des Abend noch altbekannte Stücke wie „Wishing Well“ (mit integrierter Vorstellung der Band) , „Train, Train“ (Jay bei beiden mit Lead Gesang, Mitsing-Interaktion), „Dead Flowers“ und meine geliebten „Call Me The Breeze“ und „SHA“ (beide jetzt in der gefühlt 1.000sten Variante gehört…, aber natürlich gut gespielt!) folgen sollten.

Das ebenfalls bekannte „Devil In The Bottle“ (hier aber legitim, da von Estes mitgeschrieben),  „When The Goin‘ Gets Tough The Tough Go Fishin'“, „Me And The Devil Himself“ (atmosphärischer Opener des 2. Sets, Erzählgsang), „Snakebit“ (Mike mit Slide und Anschluss von Jay im Solo-Part), „Two Good Wheels“ und das starke „Better Than I Should“ sowie das von Estes mit einer kleinen Träne der Dankbarkeit im Auge (bezüglich der Treue), der Southern Rock-Fan-Gemeinde gewidmete „For Y’all“ (1. Zugabe), waren die selbst-kreierten Stücke, die mir persönlich im Verlauf des Konzerts am meisten Spaß bereiteten.

Am Ende durfte natürlich „Free Bird“ nicht fehlen, das auch in einer starken Version performt wurde. Jay übernahm die berühmten Rossington-Slide-Parts, und lieferte sich mit Mike (Gesang) im berühmten Finish wüste Duelle, um sich auch kurz in Twins zu ‚vereinigen‘. Hier hatte dann auch die insgesamt stark agierende  Rhythmusfraktion ihren Glanzpunkt, die sich mit kräftigen Mitteln, zur Gitarrenpower von Estes und Johnson gesellte (Bradshaw ließ den Bass ganz hart pumpen und stampfte heftig mit den Füßen, dass man fast Angst bekam, dass er den unter Teppichen verborgenen Bühnenholzboden durchtreten könnte; Ullmann mit deftig polterndem Drumming). Gernot wurde sogar gestattet, aus der Bandperspektive vom hinteren Bühnenteil, zu fotografieren.

Am Ende nach dem Gig gab sich das äußerst sympathische und kooperative Quartett sehr publikumsnah, erfüllte jeden Autogrammwunsch und ließ sich ganz locker für die SoS-VIP-Galerie mit unserer Logotafel ablichten. Mit gutem Gelingen in Richtung der vier Musiker für ihre restlichen Auftritte in Spanien, Frankreich und England und herzlichen ‚Handshakes‘ verabschiedeten wir uns dann zur Rückfahrt in die regnerische Nacht. Auch der dritte Konzert-Abend hintereinander mit gut aufgelegten Skinny Molly hatte sich für uns absolut gelohnt! Tolle Musiker!

Line-up:
Mike Estes (lead vocals, lead guitar)
Jay Johnson (lead guitar, lead vocals)
Luke Bradshaw (bass, vocals)
Christoph Ullmann (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Skinny Molly
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Rossington – Take It On Faith – CD-Review

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Als wenn dieses, für Southern Rock-Freunde üppige Jahr 2016 nicht schon genug zu bieten gehabt hätte, gibt es zum Jahresausklang mit der Live-Scheibe der Outlaws und dem neuen Album von Rossington „Take It On Faith“, noch mal saftigen Nachschlag aus dem arrivierten Bereich der Szene. Gerade das Werk von letztgenanntem Act, alias Ehepaar Dale Krantz-Rossington und Gary Rossington, darf man sich über brandneuen, und vor allem, richtig guten Stoff freuen.

Wer erinnert sich, selbst nach fast vierzig Jahren, nicht noch an den Schock und das Vakuum, das Lynyrd Skynyrd in Sachen Southern Rock nach dem tragischen Flugzeugabsturz hinterlassen hatte. Einige Zeit später machte eine gewisse Dale Krantz erstmals als Backgroundsängerin auf dem 38 Special-Album „Rocking Into The Night“ auf sich aufmerksam, ohne dass man allerdings damals schon ihre tragende Rolle beim Skynyrd-Nachfolger, der Rossington Collins Band erahnt hätte.

Da begeisterte sie dann bekannter Weise mit ihrer Röhre plötzlich an der Front auf den beiden RCB-Studio-LPs „Anytime, Anyplace, Anywhere“ und „This Is The Way“. Anfang der Achtziger Jahre gingen Gray Rossington und Allen Collins getrennte Wege und versuchten ihr Glück mit eigenen Projekten. Die Rossingtons machten sich mit „Return To The Scene of The Crime“ und “Love Your Man“ zwei, dem zu dieser Zeit aufkommenden Kommerz, Tribut zollenden Scheiben, vermutlich eher weniger Freunde in der Hardliner-Gemeinschaft des Genres. Wer die Sachen besitzt, hält aber immerhin zwei echte Sammler-Stücke in seinen Händen.

Nach der Reunion von Skynyrd unter gesanglicher Führung von Johnny Van Zant kehrte Gary an seinen angestammten LS-Platz zurück und Dale rückte bis vor kurzem wieder in ihre einstige Position als Background-Sängergin zurück. Eigentlich war auf ‚Solo‘-Ebene nichts mehr geplant, aber über die vielen Jahre hinweg, hatte sich dann doch interessantes Material angesammelt, zudem sind die beiden auch von Fan-Seite stets ermutigt und bekniet worden, wieder mal aktiv zu werden.

Dass hier bei der neuen Scheibe „Take It On Faith“ keine Eile walten gelassen wurde, beweist schon allein die Tatsache, dass die Drums noch von dem 2010 verstorbenen Little Feat-Schlagzeuger Richie Hayward eingespielt worden sind. Von dem vorab auch als Videoclip vorgestellten, sehr melancholischen, recht reduzierten Titelsong (mit ein wenig Kim Carnes-Flair) sollte man sich allerdings nicht in die Irre führen, noch zu dem Gedanken verleiten lassen, dass der Longplayer im Stile der früheren Rossington-Werke aufgezogen worden wäre.

Die Rossingtons haben sich schwerpunktmäßig zu einer, eher vom heutigen Blues Rock beeinflussten, Southern Rock-Platte entschieden, eingespielt mit den Größen der Nashville-Studio-Musiker-Gilde (Reese Wynans, Kenny Greenberg, Michael Rojas, Gordon Mote, David Smith) sowie interessanten Gästen wie u. a. Delbert McClinton, Gary Nicholson, Jack Holder und Shawn Camp. Produziert in einem beeindruckend transparenten Sound haben Ben Fowler und David Z, bekannt für seine Arbeit mit Interpreten wie Prince, Etta James oder Buddy Guy.

Ach herrlich, Dales rauchiges Organ, nach einem kurzen Intro, beim Opener „Higway Of Love“ (den die Rossingtons nun ja jetzt schon wirklich lange gemeinam beschreiten), einem bluesig-swampigen Southern-Stampfer, mal wieder in voller Pracht genießen zu können. Ihr Organ hat über die Jahre wirklich nichts von seiner Ausstrahlungskraft verloren. Es geht bei „Should’ve Known“ weiter mit Piano-trächtigem und Club-tauglichem Retro-Blues. Interessant hier das E-Gitarren-Solo mit Allman-Touch.

Nach dem bereits angeführten Titelsong und der melodischen Southern Soul-Ballade „Light A Candle“ beginnt das Werk, richtig Fahrt aufzunehmen. Klasse der launige Blues-Schunkler „Dance While You’re Cookin‘“ mit HT-Piano, ABB-mäßigem Slide und Delbert McClintons quäkiger Harp. Ähnlich auch das spätere „Something Fishy“.

Slow bluesig , teilweise in Richtung einer Beth Hart, kommen „Shame On Me“ und das sensationelle „Too Many Rainy Days“ daher, bei denen Gary immer wieder seine obligartorischen Les Paul-Klänge in Form von starker Soli und Fills heulen und knarzen lässt. Super Stücke! „The Good Side Of Good“ wurde von ZZ Tops Billy Gibbons co-komponiert, gerade, was die E-Gitarren angeht, sofort unverkennbar mit seinem unterschwelligem „Eliminator“-Esprit!

Melodische, toll instrumentierte ruhigere Southern-Kost bieten das atmosphärische „Through My Eyes“ (gute Harmoniegesänge, stark das Zusammenspiel von E-Gitarre und Piano gegen Ende) und das entspannte „Where Did Love Go“ (wieder mit Kim Carnes-Touch). Großartig dann der rockige Rausschmeißer „Two Very Different Things“ (mit Kuhglocken-Drums), wieder mit diesen typischen Gary Rossington-Soli und der grandiosen vokalen Symbiose von Dales Gesang und den Nashville-Background-Röhren Bekka Bramlett und Vicki Hampton im Hintergrund. Eine Art „Misery Loves Company“ des 21. Jahrhunderts. Ein brillanter Abschluss.

Dem Ehepaar Dale Krantz-Rossington und Gary Rossington gelingt mit “Take It On Faith” ein Comeback, das man so sicherlich nicht unbedingt erwartet hätte. Mir persönlich gefällt das Werk deutlich besser als die letzten Skynyrd-Sachen. Eine der großen und positiven Überraschungen des wirklich tollen Jahres 2016. Wenn es noch weiteren Stoff auf diesem Niveau in petto gibt, darf gerne irgendwann (vielleicht in etwas kürzerem Abstand) nochmal nachgelegt werden. Absolut empfehlenswert!

Loud & Proud Records (2016)
Stil: Southern (Blues) Rock

01. Highway Of Love
02. I Should’ve Known
03. Take It On Faith
04. Light A Candle
05. Dance While You’re Cookin‘
06. Shame On Me
07. Good Side Of God
08. Through My Eyes
09. Something Fishy
10. Too Many Rainy Days
11. Where Did Love Go
12. Two Very Different Things

(die Rossingtons bei) Lynyrd Skynyrd
Rossington bei Facebook
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Van Zant – Red White & Blue (Live) – CD-Review

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Eines muss man den Van Zants lassen: Verkaufstüchtig waren Donnie und, ganz besonders, Johnny, schon immer. Ihr schelmisches Grinsen auf dem Cover sagt da schon Einiges. In einer Zeit, wo es mal wieder ziemlich ruhig um 38 Special und Lynyrd Skynyrd, abgesehen von ihren weiter immer noch voller Spannung zelebrierten Live-Konzerten (…), ist, haben sich die beiden jüngeren Brüder von Ronnie Van Zant an ihre Duo-Zeit in Nashville zurückbesonnen und voller Freude festgestellt, dass es noch Live-Mitschnitte ihrer 2006er ‚Get Right With The Man-Tour‘ (mit Gretchen Wilson), speziell vom Gig im Wild Adventures Theme Park in Georgia gibt.

Die müssten doch eigentlich an den Mann, bzw. natürlich auch an die Frau zu bringen sein. Und damit die Fans ihrer beiden Hauptbands auch noch mit ins Boot genommen werden können, nahm man, weitsichtig, wie sie schon damals waren, Songs wie „Wild Eyed Southern Boys“, „Red White & Blue“, „Call Me The Breeze“ und „Sweet Home Alabama“ mit in die Setlist. Gerade die 672. und 968. Version bzgl. der beiden letztgenannten Stücke will ja bestimmt jeder sein Eigen nennen. Man könnte ja was verpasst haben…

Als Titel und Center wurde allerdings zur leichten Irreführung der, 2003 von Donnie, Johnny und den Warren Brothers für das Skynyrd-„Vicious Cycle„-Album kreierte, Track „Red White & Blue“ gewählt. Die Erklärung dafür gibt’s dazu als Textbausteine aus dem Van Zantschen Phrasenfundus: „The song was a key moment – especially the lyric ‚We’re trying to sing the truth to you‘. I think that’s what we’ve always done. That’s one of the reasons both Skynyrd and the things we’ve done as Van Zant have been around so long. We really don’t know how to do anything else except sing about what we know, and try to tell the truth. I try to be as honest as possible, and I think people see that. We’re not trying to be anybody we’re not”, so Johnny Van Zant.

Mit den seiner Zeit beteiligten Musikern wie Eric Lundgren, Keyboarder Bobby Capps und Steelgitarrist Mark Muller wurde dann ansonsten das einstige Album „Get Right Withe The Man“ aus dem Jahre 2005 in fast detailgetreuer Manier runtergespielt. Sicherlich würde man sich in unserem Lande (und auch ich) freuen wie ein kleines Kind, hätte man so ein Konzert mal live erleben können, aber auf CD ist das in der heutigen Zeit, ehrlich gesagt, nicht mehr als ein kurzes nostalgisches Hör-Intermezzo wert. Auf DVD/Blue Ray hätte ich einem solchen Konzertmitschnitt evtl. noch eine gewisse Legitimation attestiert.

Fazit: Wieder mal eine (recht überflüssige) Veröffentlichung in der langen Reihe der Aufwärmprodukte aus dem berühmten Van Zant-/Skynyrd-/38 Special-Dunstkreis. Fairer Weise muss man sagen, dass die musikalische Qualität des Werkes an sich natürlich unantastbar ist, Van Zant klingen hier, im Vergleich zum Studio, sogar etwas Southern-rockiger. Zu empfehlen für Leute, die das Studio-Album nicht kennen/haben oder natürlich für alle Sammelfanatiker. Ansonsten meiner Ansicht nach aber eher ‚Red White & Schmu‘!

Loud & Proud Records, 2016
Stil: New Country / Southern Rock

01. Takin‘ Up Space
02. Nobody Gonna Tell Me What To Do
03. Sweet Mama
04. Wild Eyed Southern Boys
05. Things I Miss The Most
06. I Know My History
07. Help Somebody
08. Plain Jane
09. I Can’t Help Myself
10. I’m Doin‘ Alright
11. Red White & Blue
12. My Kinda Country
13. Call Me The Breeze
14. Sweet Home Alabama

Van Zant
Bärchen Records