Kamchatka – Support: Jail Job Eve – 23.06.2022 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Nach mehreren Verschiebungen bedingt durch die Coronapandemie konnte das schwedische Powertrio Kamchatka endlich das aktuelle Album „Hoodoo Lightning“ promoten.

Als Support gaben sie der Osnabrücker Band Jail Job Eve die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Dies gelang den jungen Musikern, welche mit ihrer kraftvollen Mischung aus Blues-, Hard- und Melodic Rock beeindrucken konnten. Im Vordergrund stand die Fronterin Victoria Semel mit ihrer starken Rock- und Bluesstimme. Da es sich aber um eine Band handelt, hatten auch die anderen Musiker die Möglichkeit ihre spielerischen Qualitäten unter Beweis zu stellen.

Benedikt Schlereth lieferte harte Gitarrenriffs, konnte aber auch gefühlvolle Soli, zuweilen sogar mit einem Southernflair oder slidend beisteuern. Auch Jens Niemann an den Keyboards legte einige feine Soli hin und unterlegte die Songs mit Soundteppichen.

Stark auch die Rhythmussektion um Drummer Josef Röhner, der die richtige Mischung aus powervollen Drumming und gefühlvoller Zurückhaltung bei den ruhigeren Nummern zeigte und Laurenz Gust der mit einem klar differenzierten Bassspiel mit einigen feinen Läufen überzeugen konnte.

Bei Ihren Songs nahmen die Musiker auch zum aktuellen Tagesgeschehen Stellung, wie bei „No Means No“, wo es um Gewaltsituationen geht, oder beim Titel „Lost“, wo es Sängerin Victoria Semmel gelang, das Publikum zum Mitsingen zu animieren und die Botschaft an die Frauen gesendet wird, sich auf die Bühnen der Rockmusik zu trauen und dass sie dort auch anerkannt werden. Im letzten Song „Riot“ zollte man noch Tribut für die russische Rockband Pussy Riot, die wegen ihrer zurecht kritischen Haltung zur Politik in Russland politisch verfolgt wird, was bis zur Inhaftierung der Musikerinnen führte.

Nach etwa 45 Minuten verließ die Band unter dem Applaus der Besucher die Bühne. In der Form ist von den jungen Musikern aus Osnabrück noch einiges in der Zukunft zu erwarten.

Line-up Jail Job Eve:

Victoria Semel – vocals
Benedikt Schlereth – guitar
Jens Niemann – Hammond Orgel
Laurenz Gust – bass
Josef Röhner – drums

Nach einer kurzen Umbaupause war es dann soweit und die drei Musiker von Kamchatka betraten die Bühne und präsentierten einen Querschnitt von Songs von ihren Anfangszeiten bis zum letzten Album „Hoodoo Lightning“.
Krachend  begann das Trio mit „Perfect“ vom 2011er Album „Bury Your Roots“, um dann mit „Seed“ einen bluesgetünchten Song aus ihrem Debutalbum nachzulegen.

Thomas Juneor Andersson zeigte in diesen beiden Stücken seine Vielseitigkeit an der Gitarre, welche von knallharten Rockriffs, bis hin zur Rhythmusarbeit in Richtung ZZ Top ging. Bei den Soli, in denen er Elemente verschiedenster Musikstile miteinander verschmelzen ließ, spielte er sich zuweilen in einen Rausch, um dann aber wieder punktgenau in den jeweiligen Songs wieder anzukommen. Im Gesang wechselte er sich mit Bassist Per Wiberg ab, der insbesondere bei den stark bluesigen Stücken mit seiner etwas rauheren Stimmlage überzeugen konnte.

Dabei legte er fette Bassläufe hin, welche absolut differenziert erkennbar waren. Hier schon ein Lob an Harro Kleffmann, dem es gelang den gewaltigen Sound ins Piano zu zaubern, dass es auch trotz der Lautstärke sehr klar war.
Mit „Auto Mowton/Spacegirl Blues“, auch vom ersten Album, ging es im Hard Rock der 70er Jahre im Stile von Bands wie Mountain weiter, und es kam immer wieder zu jammenden Einlagen.

Hier ist auch Drummer Tobias Strandvik hervorzuheben, der an den Drums zuweilen ein Tempo vorlegte, dass die Drumsticks nur so durch die Luft wirbelten. Vom aktuellen Album präsentierten die Schweden das rockige „Rainbow Ridge“, „Blues Science“ mit Heavy-Elementen in Part I („Thunder Rise“), während der musikalisch sehr heterogene Part II („Hoodoo Lightning“) wieder die gesamte Bandbreite vom Blues bis zum Hard- oder Heavy Rock widerspiegelte.

Mit zwei Songs vom 2015er Album „Long Road Made Of Gold“ beendete die Band das Set krachend mit bluesigen Hard Rock. Stark der klare Gesang bei „Get Your Name On“ mit stakkatoartigem Gitarrenspiel von Andersson und der etwas rauhere Gesang von Wiberg bei „Human Dynamo“.

Nach lautstarken Zugabeforderungen legte die Band mit „TV Blues“ noch eine harte Tex-Bluesnummer nach, um mit dem jammenden „No“ ein klasse Konzert, welches die Fans nicht nur durch die Außentemperaturen zum Schwitzen brachte, zu beenden. Schon wenige Minuten nach dem Konzert fanden sich die drei Musiker am Merchandisingstand ein und nahmen sich reichlich Zeit für Gespräche und zum Signieren von Fanartikeln. So konnten die drei sympathischen Skandinavier neben der starken Musik weitere Pluspunkte bei den Fans verbuchen.

Line-up Kamchatka:
Thomas Juneor Andersson – vocals, guitar
Per Wiberg – bass
Tobias Strandvik – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Kamchatka
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Jail Job Eve
3Dog Entertainment

Jimmie Allen – Tulip Drive – CD-Review

Jimmie Allen ist nicht nur ein in der Country- und Pop-Szene gut vernetzter Musiker, sondern auch auch ein sehr familiärer Mensch. Erkennen kann man das an den bisherigen Titeln seiner zuvor veröffentlichten Alben.  Sein Debüt „Mercury Lane“ hebt den Namen der Straße hervor, in der er aufgewachsen ist. Der Nachfolger „Bettie James“ zollt seinen Großeltern Tribut (Bettie hieß seine Großmutter, James hieß sein Großvater), die für ihn eine immens wichtige Rolle im Leben gespielt zu haben scheinen.

Denn auch das aktuelle Album „Tulip Drive“, hat mit diesen zu tun, dort lebten diese nämlich bis zu ihrem Tode. Und zu guter Letzt beinhaltet das neue Werk auch noch mit der aktuellen Single „Down Home“ eine emotionale Aufarbeitung seiner Beziehung zu seinem verstorbenen Vater vor und nach dessen Tod. Seine TV-Premiere feierte die in den Medien hochgelobte Single in der „The Late Late Show“ bei US-Talkmaster James Corden.

Satte 17 Stücke umfasst der neue Longplayer, alle von Allen mit diversen aus dem Pop- und Nashville-Umfeld bekannten Co-Writern  wie u. a. Ashley Gorley, Zach Crowell,  Jesse Frasure, Brandon Day, Matt Jenkins, Jon Nite, Ross Copperman, geschrieben, und einer ebenso so großen Armada von Leuten wie Jason Evigan, Gian Stone, Ash Bowers , Vinny Venditto, Vic “BillboardKiller” Martin, Jesse Frasure, Keith Hetrick, Ilya Toshinskiy und Eric Torres zum Teil mit ihm selbst produziert.

Die Countrynote wird nur noch durch fein gespielte E-Gitarren (mit diversen schönen Kurz-Soli) und ein paar Alibi-Steel-Eingaben hochgehalten, der Hauptfokus ist mittlerweile klar in Richtung Pop mutiert. Das kann man auch klar an den Gastpräsenzen bei den Duetten ablesen, die sich ausschließlich aus dieser Sparte mit Interpreten CeeLo Green & T Pain, Katie Ohh, Aadyn und last but not least Superstar und Latino-Diva Jennifer Lopez beim, von beiden inbrünstig gesungenen „​On My Way““ rekrutieren.

Alle Songs bestechen durch eine gewisse sommerliche Leichtigkeit und eine angenehm ins Ohr fließende Melodik, so dass eine durchgehende Radiotauglichkeit attestiert werden kann. Fans von Acts wie u. a. Thomas Rhett, Old Dominion oder Brett Young & Co. sind hier an der richtigen Adresse.

Aus dem Rahmen fällt dabei „Pesos“, das die typische südamerikanische Lebensfreude im Samba-Manier (mit Mariachi-Trompeten im Hintergrund) perfekt widerspiegelt. Alle anderen Tracks von Jimmie Allens neuer CD laden geradezu zum relaxten Cruisen in einem Cabriolet bei seichten Temperaturen ein, und dabei muss man sich keinesfalls nur auf den „Tulip Drive“ beschränken…

Stoney Creek Records / BBR Music Group / BMG (2022)
Stil: New Country (Pop)

Tracklist:
01. Be Alright
02. What I’m Talkin Bout
03. Kissin You
04. ​Down Home
05. Settle On Back
06. Pesos (feat. CeeLo Green & T Pain)
07. Love In The Living Room
08. ​On My Way (feat. Jennifer Lopez)
09.Broken Hearted (feat. Katie Ohh)
10. Habits & Hearts
11. Right Now
12. Wouldn’t Feel Like Summer
13. Undo
14. Get You a Girl
15. Keep Em Coming
16. Every Time I Say Amen
17. You Won’t Be Alone (feat. Aadyn)

Jimmie Allen
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Black Stone Cherry – Live From The Royal Albert Hall… Y’All – Do-CD-/BluRay-Review

Ich glaube für jeden, der sich anstellt, erfolgsorientiert Musik zu betreiben, ist die Royal Albert Hall so etwas, wie das Maß der Dinge, ähnlich vielleicht wie der Mount Everest für einen Bergsteiger. Von solchen Locations geht eine enorme Symbolkraft aus, wer es bis hier geschafft hat, zählt zu einem erlesenen Kreis, dem nicht jeder Hinz und Kunz angehört.

Für die aus Kentucky stammende Formation Black Stone Cherry hatte sich am 29. September 2021, im Jahr ihres 20-jährigen Bandjubiläums, und als krönender Abschluss ihrer Großbritannien-Tour, dieser lang gehegte Traum, erfüllt. Das Konzert des Quartetts im ausverkauften Rund an diesem Abend wurde dabei für ihre Fangemeinde als tolles BluRay-Do-CD-Package festgehalten (klasse gefällt mir besonders die Comic-artige-Illustration).

Nicht mehr dabei war Gründungsmitglied Jon Lawhon am Bass, Drumtechniker Jeff Boggs assistierte mit ein paar sporadischen Percussionzugaben. Im Prinzip verlief auch dieser Abend nach ähnlichem Schema, wie ich die Band bei ihrem Auftritt 2018 im Kölner E-Werk erlebt hatte. Lediglich im Innenraum ging es aus gutem Grund diesmal etwas gesitteter zu.

Ein ziemlich dynamischer Gig mit einer Mischung aus Southern-, Hard- und Heavy Rock-Anleihen, wobei die beiden E-Gitarristen Chris Robertson und der agile Wirbelwind Ben Wells (zum Teil auch mit Twins), die sich bei den Ansagen abwechselten, für das Südstaaten-Element und sich die Rhythmussektion, bestehend aus Dauerpolterer John Fred Young und Neu-Bassist Steve Jewell Jr., für den zumeist explosiv voran preschenden Charakter der Stücke, verantwortlich zeigte.

Auswirkungen auf die Setliste hatte natürlich das in der Zwischenzeit erschienene Album „The Human Condition„, das mit Tracks wie u. a. „In Love With Whe Pain“, „Again“ und „Ringin‘ In My Head“ repräsentiert wurde. Klar, dass an so einem außergewöhnlichen Abend, dann auch Klassiker und Fan-Favoriten wie „Cheaper To Drink Alone“, „Blind Man“, „Hell And High Water“, „Blame It On The Boom Boom“ und „White Trash Millionaire“ nicht fehlen durften.

Emotionalster Moment ist sicherlich, als Fronter Chris Robertson bei „Things My Father Said“ im Lichtermeer der Handys mit Tränen in den Augen seinem verstorbenen Vater dieses nicht mehr erlebte Karrierehighlight zu Teil werden ließ.

Auf der BluRay wird das Live-Material immer wieder mal kurz mit Interviews hinter den Kulissen (u. a. mit dem Vorsitzenden des Fanclubs), Aufnahmen von der Bühne und Archivaufnahmen, die die Band in ihren Anfängen zeigen, sowie mit Ausschnitten aus ihrer ersten UK-Tournee, unterhaltsam ergänzt.

Wer die Band in diesem Jahr wieder live in unseren Sphären erleben möchte, kann dies im Herbst bei folgenden geplanten Terminen umsetzen:

12.09. Köln – E-Werk
14.09. Hamburg – Markthalle
21.09. Berlin – Metropol
22.09. A-Wien – Arena
24.09. München – Tonhalle
27.09. CH-Zürich – Komplex 457
28.09. Stuttgart – LKA Longhorn

Mascot Records (2022)
Stil: Rock

CD One:
01. Me And Mary Jane
02. Burnin‘
03. Again
04. Yeah Man
05. In My Blood / Island Jam
06. Ringin‘ In My Head
07. Like I Roll
08. Cheaper To Drink Alone

CD Two:
01. Hell And High Water
02. Soulcreek
03. Devil’s Queen
04. Drum Solo
05. Things My Father Said
06. In Love With The Pain
07. Blind Man
08. Blame It on The Boom Boom
09. White trash Millionaire
10. Lonely Train
11. Peace Is Free

BluRay (Full Show):
01. Me And Mary Jane
02. Burnin‘
03. Again
04. Yeah Man
05. In My Blood / Island Jam
06. Ringin‘ In My Head
07. Like I Roll
08. Cheaper To Drink Alone
09. Hell And High Water
10. Soulcreek
11. Devil’s Queen
12. Drum Solo
13. Things My Father Said
14. In Love With The Pain
15. Blind Man
16. Blame It On The Boom Boom
17. White Trash Millionaire
18. Lonely Train
19. Peace Is Free

Black Stone Cherry
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Netinfect Promotion

Kat Riggins – Progeny – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Nach ihrem 2020‘er Album „Cry Out“ kommt nun am 24. Juni ihr neuestes Werk in die Läden. Dabei hat der Titel des Albums für die Sängerin durchaus eine symbolische Bedeutung. Mit „Progeny“, übersetzt „Nachkommenschaft“, möchte Kat Riggins ihren Eltern Anerkennung zollen und sie für die Werte und Erziehung, die sie ihr mit auf den Weg gegeben haben, ehren. Es ist ein Album mit zwölf sehr persönlichen Songs über Stärke, Freude, Frieden und auch Gott geworden.

Erscheinen wird das Werk wieder bei Mike Zitos Gulf Coast Records. Und natürlich ist er auch diesmal als Gitarrist mit dabei. Zur weiteren Unterstützung für Kat Riggins’ musikalisches Vorhaben kommen außerdem zahlreiche von Mike Zito handverlesene Musiker hinzu: Albert Castaglia als weiterer Gitarrist, der Rapper Busta Free, Matthew Johnson am Schlagzeug (u. a. Hadden Sayers, Sari Schorr, Vanja Sky), Doug Byrkit (Bassist bei Odds Lane), der Keyboarder Lewis Stephens (Mike Zito and Friends) und die Chicagoer Bluesgitarristin Melody Angel.

Die meisten Titel auf dem Album bewegen sich zwischen souligen Bluesballaden („Got To Be God“, „Cross The Line“ und „Sinkin‘ Low“), harten Bluesrock Krachern („Walk On“, „Warriors“, „Espresso“, „Promised Land“) und groovigen Fetzern („My City“und „40 25:40“), allesamt richtig gut.

Herausragend sind für mich persönlich allerdings drei andere Songs. „In My Blood“ ist ein radiotauglicher und fröhlich-schmissiger Shuffle mit Rock‘n‘Roll Attitude und hebt sich dadurch auffallend von den übrigen Nummern ab. Auch das Gospel-Zwischenspiel „Walk With Me Lord“, A-capella vorgetragen und mit Vogelgezwitscher garniert, ist wohltuend anders und regt zum Nachdenken an. Als dritter Titel im Bunde ist dann noch das langsame im Chicagostil gespielte „Woahman“ mit der noch jungen Bluesgitarristin Angel Melody, von der künftig bestimmt noch viel zu hören sein wird.

„Progeny“ ist also gelungenes, starkes Album auf dem Kat Riggins mit ihrer kraftvollen Stimme, begleitet von wunderbaren Musikern, Elemente des Blues, des Rock und auch des Soul mit einander verbindet und so ihren eigenen Stil vertieft und gekonnt weiterentwickelt. Mit „Progeny“ dürfte sich Kat Riggins endgültig einen Platz unter den besten zeitgenössischen Bluessängerinnen verdient haben.

Label: Gulf Coast Records
Stil: Blues, Rock

Tracks:
01. Walk On
02. Sinkin‘ Low
03. Espresso
04. Got To Be God
05. Warriors
06. In My Blood
07. Walk With Me Lord (Interlude)
08. Promised Land
09. My City (Feat. Busta Free & Albert Castigliani)
10. Cross The Line
11. Woahman (Feat. Melody Angel)
12. Mama
13. 40 25:40

Kat Riggins
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Bywater Call – 11.06.2022, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

In Rheinberg, meiner Heimatstadt, in der ich jetzt 56 meiner insgesamt 59 Lenze wohnhaft bin, war am letzten Wochenende Stadtfest, das Corona-bedingt, jetzt schon diverse Male abgesagt worden war. Verlass beim musikalischen Rahmenprogramm war, wie sooft in der Vergangenheit, wieder mal auf die Ideenlosigkeit der kulturell Verantwortlichen in diesem Ort, die sich, wie gewohnt, überwiegend auf Amateur-Coverbands fokussiert hatten.

Gottseidank, gibt es (natürlich auch in Rheinberg, wir haben mit dem Schwarzen Adler und dem to hoop zwei gute Clubs) genug Menschen, die entsprechende Synapsen zu solchen Dingen in ihrer DNA verankert haben, einer davon ist sicherlich Markus ‚Pille‘ Peerlings, der mit seiner liebevoll und kreativ geführten Kulturrampe in Krefeld, trotz begrenzter Mittel, immer wieder für ein, von Diversität und hochklassigem Niveau geprägtes Angebot mit seinem Namen steht.

So war an diesem Abend die Entscheidung leicht, denn das aus Toronto, Kanada, stammende Septett Bywater Call hatte sich nach ihrem begeisternden Auftritt vor knapp 2 1/2 Jahren wieder an gleicher Stätte angesagt. Also klarer Fall, klimaneutraler Fingerabdruck hin oder her, statt die bequeme Variante zu Fuß in Rheinbergs Innenstadt zu wählen, ab ins 25 km entfernte Krefeld.

Ehrlicher Weise muss ich attestieren, dass während des Gigs auch nicht alles ganz rund lief. Die Band wirkte am vorletzten Abend ihrer ausgiebigen Europa-Tournee etwas ausgelaugt, die Fronterin Meghan Parnell schien gesundheitlich angeschlagen (sie hüstelte immer wieder und klammerte sich oft an ihr Wasserglas), es gab kleinere technische und spielerische Pannen, was aber guten den Gesamteindruck des Gigs absolut nicht in Frage stellen soll.

Bywater Call eröffneten mit „One Before“ und spielten sich im weiteren Verlauf durch ein zweiteiliges Set, das schon mit Stücken aus ihrem demnächst erscheinenden neuen Album „Remain“ (vor Ort konnte man es schon am Merchandisingstand erwerben) gespickt war. Ihr jam-soul-rockiger, spielfreudiger Stil auf Basis einer stimmstarken Frontfrau, erinnerte natürlich immer wieder an die Tedeschi Trucks Band.

Basierend auf starker Rhythmusgrundlage durch Drummer Bruce McCarthy und Mike Meusel (mit markantem Groove) konnte sich der Rest der Musiker in den instrumentellen Zwischenteilen immer wieder mit Soli profilieren. Gitarrist Dave Barnes, der mich rein optisch eine eine Kreuzung aus Derek Trucks und Robert Habeck erinnerte, griff natürlich auf die Trucks-typischen Slide-Soli zurück, die beiden Blasmusiker Stephen Dyte und Julian Nalli hatten auch Spaß am Betätigen der vor ihnen stehenden Cowballs, die sie hier und da als perkussive Unterstützung für McCarthy einsetzten.

Meine Favoriten des Abends waren die schöne Ballade „Remain“ und der BC-Song mit dem bislang wohl höchsten Wiedererkennungswert „Silver Lining“. Am Ende sammelten die Musiker nochmals alle ihre Kräfte und erfüllten die lautstark geforderte Zugabe der begeistert mitgehenden Rampenbesucher mit „AM“, wo alle Involvierten nochmals namentlich vorgestellt wurden und sich mit ihren Kurzsoli ‚in eigener Sache zeigen‘ konnten.

Am Ende stellte sich, trotz der kleinen marginalen Beanstandungen, die Entscheidung, Bywater Call in der Kulturrampe zu besuchen, als richtig heraus. Man sollte kreativen Acts immer den Vorzug vor Coverbands geben. Und das kann man in diesen urigen Clubs wie der Rampe einfach am besten!

Line-up:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar, bgv)
Alan Zemaitis (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Bywater Call
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Jane Lee Hooker – 02.06.2022 – Zentrum Altenberg, Oberhausen – Konzertbericht

Als einzige Show in NRW machten Jane Lee Hooker Stop im Zentrum Altenberg in Oberhausen. Umso erstaunlicher war es, dass der Club im Zuschauerraum doch größere Lücken aufwies, wo die New Yorker Band doch vor Corona ähnliche Locations gut gefüllt hatte. So zeigte sich an diesem Abend für den Veranstalter, wie so oft in der jetzigen Zeit, dass es schwer ist, Musikfans zu aktivieren.

Kurz nach 20 Uhr betraten die fünf Musiker die Bühne und nach einer kurzen Begrüßung der Fans, die während des gesamten Konzertes gut Stimmung machten, legte die Band gleich los wie die Feuerwehr. Nahezu ohne Pausen jagte ein Song den anderen. In den Stücken wurden Fans des Hard Rocks, Southern Rocks aber auch des Blues Rocks bedient. Insgesamt kann man sagen, dass es knapp 100 Minuten Powerrock gab.

Fronterin Dana Danger Athens bewies neben ihren gesanglichen Fähigkeiten, und ihrem gestenreichen Auftreten (zuweilen mit rollenden Augen), dass sie auch das Keyboard beherrscht. Ihr gelang es schnell, das Publikum in ihren Bann zu ziehen, indem sie so machen spaßigen Flirt einging.

Die beiden Gitarristinnen Tina T-Bone Gorin und Tracy Hightop wechselten sich in der Rhythmus- und Soloarbeit ab und legten so manche feurigen Soli aufs Parkett und sparten dabei nicht mit dem dazu gehörenden Posen. Grundlage des Sounds war das rhythmische Treiben von Hail Mary Zadroga am Bass und vom Hahn im Korb Lightnin` Ron Salvo am Schlagzeug, die auch mit kurzen eingestreuten Soli glänzen konnten.

Herausragend bei den Songs waren „Mama Said“, der Kracher „Mean Town Blues“ von aktuellen Album „Rollin´“ mit dem der Hauptact abgeschlossen wurde und der dafür sorgte, dass lauthals Zugaben gefordert wurden. Nachdem  eine entfesselte Stimmung durch „Manish Boy“ und „Runaway Train“ dafür gesorgt hatte, dass die Band nochmals die Bühne betrat, hatte man den Eindruck hatte, dass überlegt wurde, was noch gespielt werden könne.

Drummer Ron Salvo, der erst seit dem letzten Album bei der Band ist, zuckte auf jedem Fall mit den Schultern (hatte er den anvisierten Song vielleicht noch nie gespielt?) und es folgte als Abschluss noch eine tolle Version von „Wade In The Water“.

Ohne große Umschweife begab sich die Band, nachdem das Licht im Saal angegangen war, an den Merchandising-Stand und stand für Klatsch und Tratsch, Fotosouveniers und das Signieren von Fanartikeln bereit. Ein toller Konzertabend mit einer sympathischen Band fand so einen harmonischen Abschluss, der mehr Besucher verdient gehabt hätte.

Line-up:
Dana ‚Danger‘ Athens (lead vocals, keys)
Tracy ‚High Top‘ (electric guitar)
Tina ‚TBone‘ Gorin (electric guitar)
‚Hail Mary‘ Zadroga (bass)
Lightnin` Ron Salvo (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Jane Lee Hooker
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SittichBooking
Zentrum Altenberg Oberhausen

David Newbould – Power Up! – CD-Review

Review: Michael Segets

Das space-ige Cover von „Power Up!” im Comicstil ist schon eigenwillig. Auch musikalisch geht David Newbould seinen eigenen Weg und scheint sich wenig um Konventionen zu scheren. Er scheut nicht vor ungewöhnlichen, zwischen Rock und Americana angesiedelten Arrangements zurück. Diese funktionieren mal besser, mal sind sie gewöhnungsbedürftig, wenn man wie ich eher ein Freund gradliniger Songs ist.

„Power UP!“ startet zwischen Rock und Funk mit dem temporeichen Titelsong. Newbould unterlegt seinen Gesang mit Hall, streut ein Sprachintermezzo und ein Saxophon-Solo ein. Nach dem wilden Einstieg mit einigen Soundvariationen kommt „Peeler Park“ zunächst gradlinig rockend daher, bevor es mit einem expressiven Gitarrenpart eine härtere Gangart anschlägt. „Blood On My Hands“ und „The Lawn“ sind im Vergleich gemäßigter. Mit ihrem akzentuierten Rhythmus und vollem Sound wirken sie ebenfalls rockig, wobei sie auch als opulenter Americana durchgehen könnten. Newbould zeigt gesanglich viele Facetten. Vor allem bei „Blood On My Hands“ erzeugt er Gänsehautmomente, allerdings sind ein paar langgezogene Passagen auch überbordend.

Mit „Home Depot Glasses“ fährt Newbould das Tempo deutlich runter. Er trägt die John Prine gewidmete zweite Vorabauskopplung im Sprechgesang vor. Bereits im letzten Jahr erschien „Ready For The Times To Get Better“. Der von Allan Reynolds geschriebene Song stellt ein Highlight auf der CD dar. Untermalt durch die Geige von Kristen Weber entwickelt er einen schönen Retrocharme. Mein unangefochtener Favorit auf dem Album ist allerdings „Last Letter“. Mit kräftigen Gitarren und dynamischen Background Vocals von Bee Taylor hat der rhythmische Song gehörig Power.

In der zweiten Hälfte finden mit „One Last Dance“ und „That Was Another Time“, das mit einer dramatischen Spannungskurve Fahrt aufnimmt, nochmal am Rock orientierte Titel ihren Platz. Daneben verläuft „Sunrise Surprise“ in ruhigen Americana-Bahnen. Newbould verzichtet hier auf überraschende Arrangements oder gewollt ausdrucksstarken Gesang und liefert so einen soliden Song ab. Das abschließende „Diggin‘ In“ ist ebenfalls semi-akustisch gehalten, wobei es mit einem kurzen instrumentalen Jam endet.

Der Kanadier, der über New York schließlich in Nashville gelandet ist, veröffentlicht seit fast einem Vierteljahrhundert seine Musik und hat bislang zehn LPs und EPs herausgebracht. Mit Ausnahme des bereits erwähnten „Ready For The Times To Get Better“ stammen alle Songs des neuen Albums aus der Feder von Newbould, wobei der Opener von Scot Sax, der die CD auch produzierte, mitgeschrieben wurde.

Auf „Power Up!“ lässt David Newbould seiner Kreativität freien Lauf und beweist als Komponist und Sänger eine große Bandbreite. Bei manchen Arrangements und stimmlichen Variationen wäre weniger vielleicht mehr gewesen, aber durch sie hebt sich Newbould von anderen Musikern ab, die in Sachen Rock und Americana unterwegs sind.

Blackbird Record Label (2022)
Stil: Rock, Americana

Tracks:
01. Power Up!
02. Peeler Park
03. Blood On My Hands
04. The Lawn
05. Home Depot Glasses
06. Ready For The Times To Get Better
07. Last Letter
08. One Last Dance
09. That Was Another Time
10. Sunrise Surprise
11. Diggin’ In

David Newbould
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Blackbird Record Label
JohThema Promotions

Larkin Poe – Support: Ferris & Sylvester – 28.05.2022 – Live Music Hall, Köln – Konzertbericht

Part 2 eines für uns arbeitsreichen Wochenendes. Nach dem wir am Tag zuvor bei den Hard Rock-Urgesteinen Europe und Whitesnake ‚fremdgegangen‘ waren, bewegten wir uns mit dem Besuch der beiden Lovell-Schwestern, alias Larkin Poe, am Samstag in der Live Music Hall zu Köln, wieder zurück in das von uns bevorzugte Terrain.

Die geplanten Larkin Poe-Konzerte zuvor, waren wegen der Corona-Pandemie jeweils zweimal verschoben worden. Diesmal konnte der Gig endlich stattfinden, die Location des (zurecht) ordentlich gehypten Duos (durch Bass und Schlagzeug ergänzt) in der mit 1.300 Besuchern rappelvollen Hütte, konnte nun endlich stattfinden.

Wie sooft bei Konzerten (auch am Abend zuvor) lief uns das uns nahestehende, musikbegeisterte Ehepaar Doreen und Mario Scholten über den Weg, das sich schon am Nachmittag im Rahmen eines ‚Meet And Greet‘ (der Göttergatte war von seiner Herzensdame zum Geburtstag damit beglückt worden) mit den beiden Protagonistinnen getroffen hatte. Die beiden berichteten von zwei sehr angenehmen und trotz ihres Erfolges, sehr natürlich und lebensnah gebliebenen Musikerinnen.

Als Support begannen pünktlich um 19:00 Uhr die beiden Briten Issy Ferris und Archie Sylvester (Ferris & Sylvester). Die hatten ihre knapp 2 Monate junge, erste CD „Superhuman“ mit im Gepäck, aus dem die beiden dann naturgemäß auch viele Stücke wie u. a. „The Party’s Over“, „Golden“ und „Flying Visit“, präsentierten.

Zu gefallen wussten auch die eigenwillig integrierte Cover-Version des Jimi Hendrix-Klassikers „Little Wing“ sowie der schnippische „London’s Blues“ zum Abschluss ihrer gesanglich als auch instrumental anspruchsvollen Performance. Ferris & Sylvester wurden begeistert mit durchgängig viel Applaus nach ca. 45 Minuten vom Publikum in den verdienten Feierabend verabschiedet.

Line-up Ferris & Sylvester:
Issy Ferris: lead vocals, acoustic guitar, bass, percussion
Archie Sylvester: guitars, lead vocals

15 Minuten später war schon die Bühne für den Hauptact Larkin Poe angerichtet. Der Name des Duos aus Atlanta, Georgia, stammt, wie ich recherchieren konnte, von ihrem Ur-Ur-Ur-Großvater, der übrigens wohl ein Cousin des amerikanischen Schriftstellers Edgar Allen Poe war. Die beiden waren ziemliches Neuland für Fotograf Gernot und mich, da wir die bisherigen Reviews zu ihren letzten Scheiben (u. a. „Self Made Man“ und „Kindred Spirits“ immer unserem Benjamin im Magazin, Stephan Skolarski, überlassen hatten.

Die beiden Schwestern führten dann mit ihren beiden Mitstreitern, Tarka Layman und Kevin McGovan, die sich überwiegend mit ihrer Rhythmus-gebenden Arbeit im Hintergrund hielten, durch ein unterhaltsames. 15 Tracks (inklusive einer Zugabe) umfassendes Programm, das von südstaatlich umwobenen Traditional-Blues und Southern Rock geprägt war.

Fronterin Rebecca war dabei naturgemäß mit ihrer pfiffigen und kommunikativen Art die dominantere Persönlichkeit, Schwesterherz Megan, diejenige, die eher auf die instrumentelle Konzentration fokussiert war. Sie steuerte allerdings neben ihren klasse Slides auf ihrer Umhänge-Lap Steel, auch präzise sitzende Harmony-vocals bei. Aber auch Rebecca wusste mit einigen knarzigen Soli auf ihren beiden benutzten E-Gitarren zu gefallen. Begeistert hat mich vor allem ihrer wunderbar klarer Gesang, der mich irgendwie an eine Annie Lennox in einer Southern-Variante erinnert hat.

Als Freunde des Southern Rocks hatten wir natürlich an Songs wie „Keep Diggin'“, „Bleach Blonde Bottle Blues“, „Holy Ghost Fire“, „Back Down South“ (mit integrierten ABB-„Blue Sky“-Kurz-Intermezzo), „Summertime Sunset“, „Black Echo“ und „Blue Ridge Mountains“, besonderen Spaß.

Den zünftigen Abschluss bildet „Wanted Woman / AC/DC“, bevor in der vom Publikum heftig eingeforderten Zugabe mit „Come On In My Kitchen“ den alten Traditional-Blues-Größen der Marke Robert Johnson & Co. Tribut gezollt wurde.

Larkin Poe lieferten an diesem Abend ein überzeugendes Konzert ab. Schön zu wissen, dass sich der Southern Rock auch im weiblichen Nachwuchsbereich keine Sorgen zu machen braucht. Beim nächsten Besuch in der Domstadt, behaupte ich mal, wird eine Halle der größeren Kategorie für die mittlerweile in Nashville, Tennessee, ansässige Band gebucht werden müssen. Klasse Leistung der Mädels!

Line-up Larkin Poe:
Rebecca Lovell: lead vocals, electric guitar
Megan Lovell: lap steel guitar, bgv
Tarka Layman: bass
Kevin McGovan: drums

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Larkin Poe
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Ferris & Sylvester
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Live Music Hall, Köln

Whitesnake – Support: Europe – 27.05.2022 – Rudolf-Weber-ARENA, Oberhausen – Konzertbericht

Wenn ich meine mittlerweile unzähligen Konzertbesuche resümiere, muss ich feststellen, dass die Sparte der klassischen Hard Rock-Acts dabei eigentlich sträflich vernachlässigt wurde. Bei intensivem Überlegen komme ich vielleicht mit Bands wie u. a. Rose Tattoo, Thunder, UFO, Great White, Bruce Dickinson, Gary Moore oder Heart und ein paar anderen, vielleicht gerade mal auf etwas über zwei Hände voll.

Da war es natürlich an der Zeit, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen, wenn sich eine Kulttruppe wie Whitesnake im nahegelegenen Oberhausen in der Rudolf-Weber-ARENA angesagt hat. Die Spanne, solche Bands, mit denen man von frühester Jugend an sozialisiert wurde, zu erleben, wird ja auch nicht mehr gerade größer…

Und für Whitesnake steht natürlich ein Name, nämlich das Hard Rock-Urgestein David Coverdale. Seine lange Karriere wurde abgesehen von seinem Projekt mit Jimmy Page durch zwei große Phasen vornehmlich geprägt, die mit Deep Purple von 1973 bis 1977, und halt seine 1978 gestartete, bis in die heutigen Tage währende Whitesnake-Ära. Mir persönlich stand, bei allem Respekt vor Deep Purple, immer sein zweites Parade-Projekt musikalisch näher.

Den Auftakt an diesem Abend bildete jedoch eine Band, die sich 1986 mit einer hymnischen Key-Synthie-Hook und der simplen Refrainzeile „It’s the final countdown, the final countdown“ in das Langzeit-Gedächtnis, ich behaupte mal einfach, eines jeden Musikhörers, eingenistet hat. Man möge zu dem Lied stehen, wie man will, ich nenne es große Songwriting-Momente.

Europe nur auf dieses Stück zu reduzieren, würde dem skandinavischen Quintett gegenüber aber nicht gerecht. Die Band ist immerhin auch schon seit 1979 im Geschäft, hat elf Alben produziert und wurde auch bei ihrem knapp 60-minütigen, beherzten Auftritt vom Publikum ordentlich mitgetragen.

Ihr Fronter Joey Tempest erwies sich dabei vokal als auch bewegungsmäßig in Bestform. Auffälligster Akteur neben ihm war bei Songs wie u. a. „Walk The Earth“, der schönen Ballade „Carrie“, „Heart Of Stone“, „Last Look At Eden“, „Ready Or Not“, „Superstitious“ oder „Cherokee“, Gitarrist John Norum, der mit vielen quirligen Soli auf den unterschiedlichsten E-Gitarren (oft mit einer Flying-V) zu überzeugen wusste.

Paradoxerweise empfand ich den Megahit „The Final Countdown“ zum Abschluss, trotz riesiger Stimmung in der ARENA, als schwächstes Lied der Europe-Setliste, in einer ansonsten starken und zurecht mit viel Stimmung und Applaus honorierten Vorstellung.

Line-up Europe:
Joey Tempest: lead vocals, guitar
John Norum: Guitars, bgv
John Leven: bass
Ian Haugland: drums, bgv
Mic Michaeli: keys, bgv

Erfahrene Profis wie David Coverdale und seine Begleiter wissen solche atmosphärischen Begebenheiten natürlich zu ‚lesen‘ und gaben, nach ca. 30 Minuten Umbaupause und dem The Who-Einspieler „My Generation“ von Anfang an Gas. „Bad Boys“ und „Slide It In“ rockten unter dem Antrieb des wie entfesselt trommelnden Tommy Aldridge sofort heftig los, bis es bei „Love Ain’t No Stranger“ die ersten Gänsehautmomente zu vermerken gab.

Mit „Hey You (You Make Me Rock)“ kam dann das einzige Stück des momentan aktuellen Studiolongplayers „Flesh & Blood“. „Slow An‘ Easy“, „Ain’t No Love In The Heart Of The City“ und der Opener „Fool For Your Loving“ von ihrem wohl stärksten Album „Ready An‘ Willing“ (für mich persönlich jedenfalls), ließen kaum Zeit durchzuatmen.

Apropos Durchatmen: Der nun bereits 70-jährige Fronter nahm sich ab diesem Zeitpunkt spürbar seine kurzen Zwischenpausen, was ich allerdings für völlig legitim halte. So eine Hard Rock-Shouter Performance, und das über zig Dekaden und so einem Alter, vornehmlich in den großen Arenen der Welt, ist nun mal kein gemütlicher Singer-Songwriter-Abend.

Und so rückten seine Bandmitglieder Reb Beach (mit amerikanisch-typisch lässiger, aber technisch brillanter E-Gitarre), Dino Jelusić (mit Synthie-Umhängekeyboard, das er zum Teil in Hendrix-Manier rückseitig auf den Schultern bearbeitete) und Joel Hoekstra (viel in kniender Poser-Haltung bei seinen Einlagen) mit einem Instrumental-Intermezzo stärker in den Fokus.

Nach dem fantastischen „Crying In The Rain“ (einer meiner Favoriten des Gigs) ging es fließend in ein Drumsolo von Tommy Aldridge über, das sich noch wilder als seine wüste Lockenmähne auf dem Haupte entpuppte. Das toppte die ohnehin schon eingebrachte Energie bei den Liedern nochmals. Unglaublich was sich da an Kraft und Koordinationsfähigkeiten mit Sticks (die dann irgendwann ins Publikum flogen) und Händen (damit machte er dann unvermindert weiter) an dynamischer Energie entlud.

Es kam zur Vorstellung der Band, in der David jeden einzelnen (inklusiv der attraktiv anzusehenden Bassistin Tanya O’Callaghan) zu sich nach vorne nahm, und ein paar kurze, würdigende Worte zu deren Background verlor. Die Chemie innerhalb des Kollektivs scheint zu stimmen. Der Ohrwurm „Is This Love“ war danach gut gewählt und über das wieder rockige „Give Me All Your Love“ ging es dann zum Whitesnake-Klassiker schlechthin, „Here I Go Again“, über, das von Band und Publikum zugleich vokal zelebriert wurde. Tolle Momente im Rund der ARENA!

Wer geglaubt hatte, dass es das jetzt gewesen sei, wurde eines Besseren belehrt. Mit einer furiosen Version von „Still Of The Night“ folgte noch weiteres Highlight der Show. Dem nicht genug. Coverdale spannte mit „Burn“ dem gleichnamigen Titelstück des 1974 erschienenen Werks, den Bogen zurück zu seiner alten Band Deep Purple und fackelte samt seiner Mitstreiter die Rudolf-Weber-ARENA regelrecht ab, wobei sich auch der zweite Keyboarder Michele Lupi dann mit einem Jon Lord-Gedächtnis-Orgel-Solo expliziter ‚zeigen‘ konnte.

Fazit: Insgesamt ein unterhaltsamer kurzweiliger Gig mit zwei spielfreudigen und starken Hard Rock Bands, die auch nach all den Jahren nichts von ihrer Anziehung verloren haben. Von daher mein beeindruckter Appell in Richtung Coverdale & Co., frei nach einem berühmten Woody Allen-Film: Play it again, David!

Line-up Whitesnake:
David Coverdale: lead vocals
Reb Beach: electric guitar, bgv
Joel Hoekstra: electric guitar, bgv
Michele Lupi: keys, bgv
Dino Jelusić: keys, bgv
Tanya O’Callaghan: bass, bgv
Tommy Aldridge: drums

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Bywater Call – 08.05.2022, Yard Club, Köln – Konzertbericht

Am Muttertag traten die Kanadier Bywater Call, zwei Tage nach einem hochgelobten Auftritt beim Moulin Blues im niederländischen Ospel, im Kölner Yard Club auf. Markus Neu war es somit gelungen, einen absolutes Highlight zu buchen.

Das sich aber ein so spezieller Abend entwickelte, war nicht zu erwarten. Um kurz nach 20:00 Uhr betrat die Band die Bühne und die Sängerin Meghan Parnell schaute in den mehr als spärlich gefüllten Saal, überlegte kurz und machte eine bemerkenswerte und charmante Ansage: „Schön, dass ihr da seid, heute geben wir gewissermaßen eine private Show“. So entwickelte sich ein Gig, den alle Anwesenden so schnell nicht vergessen werden und alle gemeinsam das Beste aus der Situation machten.

Die sieben Kanadier legten ein 100-minütiges Konzert hin, das es in sich hatte. Dabei präsentierten sie neben Songs des ersten Albums auch einen großen Teil des in kürze erscheinenden neuen Longplayers, sowie zwei Coversongs von Paul Simon und The Band. Auf einzelne Lieder einzugehen, verzichte ich an dieser Stelle, da alle auf einem hohen Niveau waren und es mir schwer fallen würde, einzelne Stücke hervorzuheben.

Auffallend war, dass mehrmals ganz kurz zwischen den Songs abgestimmt wurde, welches Stück folgen sollte, und sich so je nach Stimmung verschiedene Setlisten ergeben können. Zwischen den Songs machte Parnell nicht nur Ansagen, sondern plauderte zuweilen mit den Anwesenden, die nicht mit verdientem Applaus sparten.

Wo ich vor etwa 2,5 Jahren schon von einem tollen Bandverständnis berichtete, hatte ich an diesem Abend das Gefühl, dass die Formation noch mehr miteinander verwachsen ist und sich das damals schon tolle Songwriting noch einmal gesteigert hat. Prägend sind zunächst einmal das Zusammenwirken der charismatischen zierlichen Sängerin Meghan Parnell und des Gitarristen Dave Barnes, das vom Rest der Band perfekt ergänzt wird. Alle Musiker haben mehrfach die Möglichkeit, sich in den Vordergrund zu spielen.

Parnell überzeugte mit einem Stimmvolumen, das Seinesgleichen sucht und stand meist im Mittelpunkt des Geschehens. Jedoch begab sie sich öfters ganz an den Rand der Bühne, um diese den anderen zu überlassen. Barnes glänzte mal slidend oder fingerpickend mit einigen feinen eindrucksvollen Soli und ließ seine Gitarre zuweilen regelrecht singen. Dabei hielt er sich visuell aber meist eher im Hintergrund und war zuweilen regelrecht in seinem Spiel versunken.

Die starke Rhythmussektion um Basser Mike Meusel und Drummer Bruce McCarthy konnte selbst einige kurze Soli in die Musik einflechten. Keyboarder Alan Zemaitis untermalte die Songs nicht nur, sondern begeisterte mit furiosen aber auch gefühlvollen Soloeinlagen, wie auch Trompeter Stephen Dyte und Saxofonist Julian Nalli.

So präsentierte die Band ein Konzert, in der verschiedenste Musikstile geschickt verflochten wurden. Von Blues, über Soul, Folk bis hin zu Rockmusik fanden sich alle Musikrichtungen in ihrem ganz eigenen Stil wieder, der zur Zeit live zu den absoluten Highlights zählt.

Bywater Call werden in den nächsten Wochen in NRW noch Konzerte im Musiktheater Piano in Dortmund, im Zentrum Altenberg in Oberhausen und in der Kulturrampe in Krefeld geben. Freunde der genannten Musikrichtungen sollten sich dabei nicht die Chance entgehen lassen, diese begnadeten Musiker in den genannten Locations zu besuchen und für eine entsprechende Stimmung zu sorgen. Ich für meine Person werde es mir nicht entgehen lassen mich auf der Tour nochmals an der Musik der absolut sympathischen Kanadier zu erfreuen, die schon bald mehr als ein Geheimtipp sein werden.

Nochmals ein besonderer Dank an Markus Neu vom Yard Club, für den es mir an dem Abend leid tat, dass sein Booking mit einem Händchen für exzellente Musiker, nicht entsprechend von den Musikfreunden angenommen wurde. Auch an die Band, die es sich nicht nehmen ließ, den wenigen Anwesenden einen tollen musikalischen Abend zu bescheren und so einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen, bei dem sogar noch eine gefeierte Zugabe nachlegte.

Line-up:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar,bgv)
Alan Zemaitis (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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