Bywater Call – 17.01.2020, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Vor knapp einem Jahr standen Samantha Martin & Delta Sugar auf der Rampe und lieferten einen bemerkenswerten Auftritt ab. Bywater Call hat dieselben Wurzeln: Beide Bands stammen aus Toronto, sind bei Gypsy Soul Records unter Vertrag und mit Teenage Head Music unterwegs. Musikalisch sind die Formationen mit ihrer Kombination von Blues, Rock und Soul ebenfalls auf einer Wellenlänge. Gemeinsam ist ihnen zudem, dass die Frontfrauen über grandiose Stimmen verfügen. Das gelungene Debütalbum von Bywater Call schürte zusätzlich die Erwartungen an das Konzert.

Pünktlich um 21 Uhr gingen die Scheinwerfer für Bywater Call an, was insofern bemerkenswert ist, da die Kulturrampe dank einer erfolgreichen Spendenaktion nun über eine neue Lichtanlage verfügt. Sämtliche Technik funktionierte einwandfrei, wobei die Aussteuerung des Sounds bei dem Gedränge des Septetts auf der Bühne sicherlich keine leichte Aufgabe war. Die Stimme von Meghan Parnell kam voll zur Geltung – nach Einschätzung mancher Konzertbesucher noch besser als auf der CD.

Das Publikum in der ausverkauften Location geriet unmittelbar in Schwingungen, als die Band mit „Arizona“ loslegte. Nach dem staubigen Bottle-Neck-Intro von Dave Barnes stieg die zierliche Frontfrau mit dem gewaltigen Organ auf die Bühne und nahm die Zuhörerschaft auf eine abwechslungsreiche Reise durch ihre musikalische Welt mit.

Auf der Bühne erwies sich Meghan Parnell als wahres Energiebündel, das ständig unterwegs war und Mitstreiter sowie Publikum fest im Griff hatte. Von der Bühnenpräsenz standen die anderen Musiker im Schatten der Sängerin, bekamen aber alle die Gelegenheit, ihr Können an ihren Instrumenten bei den immer wieder eingestreuten Soli zu beweisen. Den Anfang machten bei „This One’s On“ Alan Zemaitis an den Keys und Dave Barnes an der Gitarre.

Nach der Mischung aus Honky Tonk und Gospel bei „Gone At Last“ begann das bluesige „If You Want“ mit dem Saxophon von Julian Nalli und gipfelte dann in einer Schlagzeugeinlage von Bruce McCarthy. Der andere Bläser – Stephen Dyte an der Trompete – erhielt dann sein erstes Solo zum Einstieg in „Walk On By“. Der als erste Single ausgewählte Song stellte zusammen mit dem rockigen „Forgive“ den ersten Höhepunkt des Konzerts dar.

Im weiteren Verlauf des Abends coverten Bywater Call von The Band „Ophelia“ und „The Weight“ – mit ausgiebigen Bassläufen Mike Meusels eingeleitet – sowie „In The Right Place“ von Dr. John. Bei diesem hatten die beiden Bläser ein längeres Call And Response Intermezzo, das wie die Soli euphorisch von der Menge bejubelt wurde. Andere Stellen des Auftritts erinnerten an die Tedeschi Trucks Band oder The Commitments.

Neben den Covern stellten die Kanadier ein paar neue Titel vor. Bei „Sea We Swim“ spielte Meghan Parnell ihre Stimme erneut voll aus. Vor allem aber „I Remain“ ist ein Stück, auf dessen Veröffentlichung ich mich jetzt schon freue. Als langsamer Blues beginnend entwickelte das Stück eine ungeheuerliche Dynamik und steigerte sich zu einem bombastischen Finale.

Toll war auch „Silver Lining“ von dem aktuellen Longplayer. Von diesem performte die Band ebenso „Bring Me Down“ sowie eine rockigere Version – einschließlich Wechselgesang mit dem Publikum – von „Over And Over“, die mich mehr überzeugte als die Studioversion. Da eine Saite von Dave Barnes Gitarre riss, spielte er „Talking Backwards“ auf den verbliebenen fünf. Das tat dem klasse Rocktitel aber keinen Abbruch.

Mit diesem aufputschenden Ende des neunzigminütigen Hauptsets wollte sich das Publikum verständlicherweise nicht zufrieden geben. Die Band ließ sich auch nicht lange bitten und kam für die Zugabe schnell wieder auf die Bühne. Zuschauerrufe forderten „Hometown“, das eigentlich zu einem früheren Zeitpunkt auf der Setlist vorgesehen war. Die Ballade avancierte anscheinend nicht nur zu meinem Lieblingsstück des aktuellen Albums.

Der einzige Wehmutstropfen des Abends war, dass die Rufe nicht erhört wurden. Aber an dieser Stelle wäre der getragene Titel auch nicht passend gewesen. Das Konzert bot eine ausgewogene Mischung von langsameren und schnelleren Songs, bei der Bywater Call ein sehr gutes Gespür für die Dramaturgie bewies. So gab es abschließend das ebenfalls starke „Swing Low“ und das flotte, unveröffentlichte „Way I Am“, bei dem die Gäste nochmals eine ausgiebige Gelegenheit hatten, einen Gesangspart zu übernehmen.

Am Merchandise-Stand bildete sich eine Schlange von Autogrammjägern, die neben den frischen Eindrücken noch eine Trophäe mit nach Hause nehmen wollten. Die sieben Kanadier standen dann auch noch lange für Gespräche bereit und ließen so einen musikalisch hochkarätigen Freitagabend ausklingen.

Einen Vergleich mit dem letztjährigen Auftritt von Samantha Martin & Delta Sugar braucht Bywater Call nicht zu scheuen. Die hohen Erwartungen erfüllten die charismatische Meghan Parnell und ihre versierte Begleitung mühelos. Stellte sich im Vorfeld noch die Frage, ob die Band die Qualität ihrer Songs auf der Bühne umsetzen kann, lässt sich nun konstatieren, dass Bywater Call als Live-Act in der Lage ist, diesbezüglich noch eine Schippe drauf zu legen. Dieser Auftakt des Konzertjahres 2020 für SoS in der Kulturrampe legt die Messlatte hoch für die kommenden Gigs.

Line-up:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar,bgv)
Alan Zemaitis (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Bywater Call – Same – CD-Review

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Review: Michael Segets

Was für eine Stimme! Meghan Parnell wird von der Fachpresse mit Grace Potter und sogar Janis Joplin verglichen. Auf dem selbstbetitelten Erstling von Bywater Call liefert die Sängerin eine ganz starke Leistung ab. Die mittlerweile zu einem Septett angewachsene Truppe wurde 2017 von ihr sowie Gitarristen Dave Barnes in Toronto gegründet und tritt nun an, Europa zu erobern.

In den niederländisch-belgischen Americana-Charts schoss das Album kurz nach Erscheinen in die Top-Ten. Bis Ende Februar tourt Baywater Call ausgiebig durch den alten Kontinent. Als dritter Termin steht am 17.01. ein Besuch in der Krefelder Kulturrampe an und am 22.02. kommt die Band nochmals in die SoS-Region, wenn sie im Dortmunder Blue Notez Station macht. Das Debüt lässt mitreißende Auftritte erwarten, wenn die unglaubliche Dynamik, die selbst die langsameren Songs entwickeln, auf die Bühne rüber gerettet werden kann.

Bereits der Opener „Arizona“ bekommt nach dem staubigen Gitarrenintro durch die beiden Bläser Stephen Dyte (Trompete) und Julian Nalli (Tenor-Saxophon) eine gehörige Portion Soul. Mit „Forgive“ geht es dann direkt flott weiter. Baywater Call lässt hier die guten alten Zeiten des Rock ’n Roll aufleben, wobei sich die Rhythmus-Sektion – Bruce McCarthy am Schlagzeug und Mike Meusel am Bass – richtig ins Zeug legt.

„Talking Backwards“ schlägt in die gleiche Kerbe, ist aber durch den raueren Gesang und die tolle Saxophon-Einlage sogar noch einen Deut interessanter. Nach diesem Highlight fährt Baywater Call das Tempo mit der siebenminütigen Ballade „Bring Me Down“ und dem souligen „Nightmare“ deutlich runter. Während beim erstgenannten Gesang, Bläser und Gitarrensolo gelungene Spannungsbögen entwickeln, fällt das zweitgenannte – auch im Vergleich zu den anderen Titeln der CD – etwas ab. Bei „Over And Over“ zieht Baywater Call nochmal das Tempo an und die Combo zeigt, dass sie auch funkige Töne beherrscht.

Die zweite Hälfte des Albums ist durch langsamere Songs geprägt, die einen allesamt packen. Unter diesen sticht das erdige und emotionale „Hometown“ besonders hervor. Aber auch die beiden Blues-Stücke „Silver Lining“ und die Single „Walk On By“ sind klasse. Bei dem abschließenden „Swing Low“ beginnt Meghan Parnell mit beinah zerbrechlicher Stimme, setzt dann jedoch ihr Organ wie bei den vorangegangenen Titeln kraftvoll ein.

Mit sanften Fingerläufen lässt Alan Zemaitis an den Keys den Longplayer ausklingen. Damit geht das frische Debütwerk der Formation aus Kanada zu Ende. Auch wenn sich im Mittelteil der eine oder andere Song findet, der nicht ganz das hohe Niveau des schmissigen Anfangs und des gefühlvollen Abschlusses hält, liefert Bywater Call einen sehr gelungenen Einstand ab.

Bywater Call hat mit der stimmgewaltigen Frontfrau Meghan Parnell und der Bläserabteilung Trümpfe, die die Band richtig ausspielt. Die Songs zwischen Blues und Rock erhalten so das richtige Maß an Soul und entfalten damit unterschiedliche Stimmungen, auf die man sich gerne einlässt.

Die Besprechung des Albums wurde durch Renan Yildizdogan von Gypsy Soul Records und durch Manny Montana von Teenage Head Music ermöglicht. Ihnen sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Gypsy Soul Records (2019)
Stil: Soul, Blues, Rock

Tracks:
01. Arizona
02. Forgive
03. Talking Backwards
04. Bring Me Down
05. Nightmare
06. Over And Over
07. Hometown
08. Silver Lining
09. Walk On By
10. Swing Low

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Gypsy Soul Records
Teenage Head Music

D-A-D – Support: Hangarvain, 12.12.2019 , Zeche, Bochum – Konzertbericht

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Mit „Guten Abend meine Damen und Herren“, begrüßte Jesper Binzer im Rahmen der D-A-D-„A Tour For The Loud“ Tour das Publikum in der Bochumer Zeche. Im Gepäck hatten die Dänen neben der neuen Platte auch die italienische Band Hangarvain.

Nachdem im Vorfeld das Konzert als ausverkauft gemeldet wurde, kam einige Stunden vor Beginn über soziale Medien die Meldung, dass es doch noch einige Restkarten an der Abendkasse geben würde. Sei es drum, pünktlich um 20:00 Uhr betraten die vier Italiener von Hangarvain die bestens gefüllte Zeche Bochum.

Das oft beschriebene Nord-Süd-Gefälle Italiens war bei der Band, deren Heimatort mit Neapel angegeben ist, woher Sänger Segio Toledo Mosca und Gitarrist Alessandro Liccardo stammen (die Rhythmussektion um Bassist Gabo Sinatra und Drummer Simone Crimi kommtaus den Norden), nicht zu erkennen.

Sie präsentierten in den etwa 35 Minuten ihres Auftritts eine Mischung aus Hard- und Classic Rock, in denen auch einige Southernelemente durchklangen. Sänger Sergio überzeugte stimmlich und als Fronter und hatte einen für ihn besonderen Moment, als er mit „Father’s Sgoes“ einen Song seinem Vater widmete, seinen Kettenanhänger küsste und Richtung Himmel grüßte. Gitarrist Alessandro sagte die meisten Lieder an, legte einige starke Soli auf die Bretter und steuerte zum Teil den Backgroundgesang hinzu.

Bassist Gabo Sinatra und Drummer Simone Crimi legten eine kraftvolle Rhytmusgrundlage für die beiden Fronter hin. Dass die Band auch beim Publikum gut ankam zeigte sich, als dies bei „Freebird“ gesanglich im Refrain unterstützte, was auch beim Cover von „Black Betty“ der Fall war. Es gelang den Jungs auf jedem Fall, mit ihrem launigen Auftritt, die Wartezeit auf D-A-D zu verkürzen.

Line-up Hangarvain:
Sergio Toledo Mosca- lead vocals
Alessandro Liccardo- guitar and backing vocals
Gabo Sinatra – Bass
Simone Crimi – Drums

Nach einer moderaten Umbaupause dunkelte sich dann die Halle ab und es war nur noch das Touremblem angestrahlt, als die vier Dänen dann die Bühne betraten, um mit „Burning Star“, „Evil Twin“ und „Jihad“ direkt drei Hard Rock-Tracks zu präsentieren, die das Publikum sofort auf Betriebstemperatur brachte.

Dass dabei Stücke vom neuen Album, aus der Jahrtausendwende und der Anfangszeit der Band gewählt wurden, zeigt ein Selbstverständnis der Band, die sich immer weiterentwickelt hat, ohne sich aktuellen Tendenzen unterzuordnen. Jesper Binzer ist dabei nicht nur ein ausgezeichneter Rocksänger und Gitarrist, sondern auch ein exzellenter Entertainer.

Das leichte Kopfschütteln aus den ersten Reihen konterte er damit, dass er seine Pillen vergessen habe und ja erst der kleine Freitag sei. In einer kurzen meditativen Übung brachte er die Zuschauer dann durch Selbstsuggestion dazu zu glauben, dass Freitag sei. Positives Denken ist ja immer gut, aber alleine der launige Gig der Dänen, ließ alles abseits des Konzertes vergessen, wie zum Beispiel das für die meisten Besucher frühe Aufstehen am nächsten Tag.

Weiter ging es mit einer Mischung neuer und alter Lieder, die Dänen offerierten den Fans nahezu die Hälfte des aktuellen Albums „A Prayer For The Loud“, wie den Titelsong und „Nothing Ever Changes“, was, wie schon zuvor beschrieben, als Statement zur eigenen Bandgeschichte gesehen werden kann. Mittig im Konzert erfolgte dann einer der absoluten Höhepunkte, eine starke Version von „Grow Or Pay“.

Jacob Binzer mit tollen Soloeinlagen im Song, Jesper stimmlich wie zu den Aufnahmezeiten des Stückes Anfang der 90er Jahre, Laust Sonne seine Drums wild bearbeitend und Stig Pedersen seinen x-ten Bass beackernd und dabei die gesamte Bühne, bis hin zur Bassdrum als Arbeitsfläche nutzend, verwandelten die Halle in einen Hexenkessel.

Bei „Riding With Sue“, einem Stück mit Countyeinschlag, intonierte Jacob passend in das Intro die Melodie von „Ghostriders In The Sky“. Mit einer harten Version von „Monster Philosophy“ wurde dann das Finale der Show eingeläutet, wo Laust Sonne sich in einem Schlagzeugsolo austoben konnte, und Jesper die Audienz immer wieder aufforderte, diesen anzufeuern, was auch frenetisch in die Tat umgesetzt wurde.

Kurz danach war erst einmal Feierabend, aber die Dänen ließen sich nicht lange bitten und legten noch vier Zugaben nach. Die beiden Knaller „Bad Craziness“ und „Sleeping My Day Away“ sorgten sprichwörtlich fast dafür, dass wie bei einem überkochenden Topf der Deckel weg fliegt. Stig Pedersen war passend zu den Songs auf den Raketenbass umgestiegen. Nach diesen zwei Stücken wurde es düsterer auf der Bühne, und die Mannen verließen diese.

Das konnte es doch nicht gewesen sein. Irgendetwas fehlte noch und die beiden Binzers kamen allein mit Akustikgitarren zurück. Jesper erinnerte noch einmal daran, dass ja heute Freitag wäre, Jacob klimperte dazu ein bisschen flamencoartig auf seiner Gitarre, bis Jesper kurz in seinem typischen Deutsch mit dänischen Slang zwei Brüder, zwei akustische Gitarren und „Laugh ’n‘ A Half“ als Weihnachtsgeschenk ankündigte.

Was folgte waren magische Momente, in denen eine unglaubliche Stimmung auch dadurch hergestellt wurde, dass das textsichere Publikum Jesper gewaltig mitsang.

Danach kamen stießen auch Petersen und Sonne wieder dazu und das Konzert wurde, wie es sich für D-A-D gehört, gebührlich beendet. Stig gehörte zunächst der Leadgesang und mit „It’s After Dark“ wurde der klassische Raußschmeißer gespielt. Nach etwa 100 Minuten Danish Dynamite war dann der Abend zu Ende und spätestens jetzt auf dem Heimweg wird den meisten Besuchern erst klar geworden zu sein, dass dieser Freitag doch ein Donnerstag war.

D-A-D gehören noch lange nicht zum alten Eisen gehören und man darf gespannt sein was als nächstes kommt. Auch bei dieser Gig der Dänen machte deutlich, dass sie sich in Bezug auf Liveperformance, hinter niemanden zu verstecken brauchen und die Abende mit ihnen eine einzige große Feier sind.

Ein Dank an Jörg Düsedau und Jan Müller von DRAGON Productions und für die absolut unproblematische Akkreditierung mit Fotoerlaubnis für diesen tollen Abend in der Vorweihnachtszeit.

Line-up D-A-D:
Jesper Binzer – Vocals, Guitar
Stig Pedersen – Bass, Vocals
Jacob Binzer – Guitar
Laust Sonne – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

D-A-D
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Zeche Bochum
DRAGON Productions

Ghost Hounds – Roses Are Black – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die treibende Kraft hinter den Ghost Hounds ist Thomas Tull. In der Mitte der 2000er startete er bereits einen Anlauf mit der Band und brachte am Ende dieser Dekade ein Album in Eigenproduktion heraus. Mit seiner Produktionsfirma konzentrierte er sich allerdings anschließend auf Filme, Comics und digitale Medien. Mit neuen Musikern reanimiert er nun die Ghost Hounds und wendet sich wieder dem Rock ’n Roll zu.

Für „Roses Are Black“ holte sich Tull mit Johnny Baab einen zweiten Gitarristen ins Boot und besetzte die Rhythmusgruppe mit Blaise Lanzetta am Schlagzeug und Bennett Miller am Bass. Als Glücksgriff erweist sich Sänger Tre Nation. Tull suchte sich zudem für das Songwriting Unterstützung bei David Grissom, der schon für John Mellencamp, Joe Ely, Storyville, The Allman Brothers Band und die Dixie Chicks aktiv war, sowie bei Kevin Bowe (Etta James, Jonny Lang, Lynyrd Skynyrd, Kenny Wayne Shepherd). Vance Powell (Chris Stapleton, The White Stripes, Arctic Monkeys, Kings of Leon) mischte den Longplayer ab und produzierte ihn auch.

Bei so viel Manpower und Erfahrung konnte nichts mehr schiefgehen. Herausgekommen ist dann auch ein überdurchschnittliches Rockalbum, das gut unterhält, dem jedoch die Titel fehlen, die sich direkt in den Gehörgängen festsetzen. Erst nach mehrmaligem Hören erhalten die Songs einen höheren Wiedererkennungswert.

Gibt man der Scheibe die Chance auf einige Durchläufe, gewinnen die einzelnen Songs stärkere Konturen. Dann treten auch die unterschiedlichen Einflüsse, die von der Band aus Pittsburgh verarbeitet wurden, deutlich hervor. Am Old School Rock ’n Roll orientiert sich der Opener „Bad News“. Classic Rock ist mit „Black Rose”, „Skin In The Game” und „Fire Under Water” vertreten. Hier wird den kraftvollen Gitarren mit entsprechenden Soli Raum gegeben.

Darüber liefern die Ghost Hounds eine erdige Version von Cliff Richards „Devil Woman“. Während das soulige „When Your Shadow Touches Mine” nochmals eine neue Facette in den Longplayer einbringt, erscheint „Til It’s Gone“ sehr gleichförmig und am ehesten verzichtbar.

Von einem Song des sagenumwobenen Robert Johnson, der seine Seele für den Blues an den Teufel verkauft haben soll, wurde der Name Ghost Hounds hergeleitet. Es liegt daher nahe, dass sich die Band dem Blues beziehungsweise Bluesrock bei „Push That Rock Up The Hill“ und „We Roll Hard” zuwendet.

„Second Time Around“, mit dem Tull auf die Wiederbelebung der Ghost Hounds reflektiert, läutet das letzte Drittel des Albums ein. In diesem Teil wird das Tempo reduziert. „Almost Loved You“ steigt mit einer akustischen Gitarre ein. Sehr schön sind hier die Klavierpassagen von Joe Munroe. Den Abschluss des Albums bilden zwei alternative, akustische Versionen von „Second Time Around“ und „Push That Rock Up The Hill“.

Thomas Tull gelingt der Neustart mit den Ghost Hounds. „Roses Are Black“ ist ein durchaus abwechslungsreiches Album geworden, dessen positiver Ersteindruck sich verstärkt, sobald man ihm Zeit gibt und es mehrfach anhört.

Cascade Music Group/Maple House Records (2019)
Stil: Rock

Tracks:
01. Bad News
02. Black Rose
03. When Your Shadow Touches Mine
04. Devil Woman
05. Til It’s Gone
06. We Roll Hard
07. Push That Rock Up The Hill
08. Skin In The Game
09. Fire Under Water
10. Second Time Around
11. Almost Loved You
12. Second Time Around (Acoustic)
13. Push That Rock Up The Hill (Acoustic)

Ghost Hounds
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Cascade Music Group

Nazareth – Support: Spy # Row, 01.12.2019 , Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Dass Nazareth auch im 50. Jahr ihres Bestehens noch seine eingeschworene Fangemeinde hat, zeigte sich schon dadurch, dass das Musiktheater Piano wieder einmal ein ausverkauftes Haus meldete. Bemerkenswert dabei ist nicht mal, dass es die Band eigentlich ohne Unterbrechungen gibt, sondern sich das Line-up über die Jahre aus verschiedensten Gründen verändert hat.

Als einziges Gründungsmitglied ist nur noch Bassist Pete Agnew involviert, Gitarrist Jimmy Murrison ist immerhin schon seit 25 Jahren und Petes Sohn, Lee Agnew an den Drums, seit 20 Jahren dabei. Die für viele Fans weitreichendste Veränderung war allerdings der Ausstieg von Sänger Dan McCafferty 2013. Mit Carl Sentance scheint die Band aber jetzt einen Sänger gefunden zu haben, der auch stimmlich in den Sound der Schotten passt und auch dem Songwriting der Band gut zu tun scheint.

Bevor Nazareth die Bühne betraten, überbrückten die drei jungen Frankfurter von Spy # Row mit einem erfrischenden Hardrock/Heavy Metall-Auftritt die Wartezeiten auf das Rockurgestein. In ihrem knapp 30-minütigen Auftritt konnte die Band mit einer Mischung aus Hard– und Heavy-Rock überzeugen und heimste sich auch eine Menge Applaus ein. Aus den sieben gespielten Songs ragte für mich das ruhige „Every Road Leads You Home“ heraus.

Nach einer etwa 30-minütige Umbaupause wurde es in der Halle dunkel, die Bühne war in ein von Nebel umwabbertes Blaulila getaucht und aus den Boxen erklang passend Musik aus den schottischen Highlands.

Symbolisch legte Nazareth mit „Turn On Your Receiver“ los und es begann eine Show durch 50 Jahre ihrer Musik. Erfreulich war, dass es auch einige Songs vom aktuellen Album in die Setlist geschafft haben, was beweist, dass es sich bei Nazareth um eine lebendige Band handelt, die dank Sentances frischem Songwriting, immer noch auf einem guten Weg zu sein scheint.

So folgte schon direkt danach der erste Track aus diesem Werk „Never Dance With The Devil“, in dem Sentance seine Qualitäten als Hardrocksänger offerierte.

Dass mit „Razamanaz“ und „This Flight Tonight“, der Ballade „Dream On“ schon drei Klassiker in der Anfangsphase der Show gebracht wurden, zeugt von einem gewissen Selbstbewusstsein in die aktuelle Kompositionskraft. Nach „Love Leads To Madnness“ und „My White Bicycle“ legte das Quartett mit „Change“ noch ein aktuelles Stück nach, was auch für die Wechsel in der Bandgeschichte zu sehen ist.

Beim Crazy Horse-Cover „Beggars Day“ ging dann richtig die Post ab. Harte Gitarrenriffs von Murrison in Verbindung mit der prägnanten Stimme von Sentance ließen den Song zu einem Knaller werden und mit „Changin‘ Times“ und „Hair Of The Dog“ wurde entsprechend draufgesetzt. Etwas ruhiger wurde es mit dem Titelsong des aktuellen Albums „Tattoed On My Brain“ und dem Welthit „Love Hurts“, der das Publikum zum Schwelgen brachte.

Dass die Agnew-Connection bislang nicht benannt wurde, hat nicht den Grund, dass sie nur Beiwerk waren, aber bei „Morning Dew“, einem Lied aus den Anfangszeiten der Band, hatten sie ihren großen Auftritt. Pete legte am Bass einen fulminanten Rhythmus vor, sein Sohn wirbelte an den Drums, Murrison ließ seine Gitarre jaulen und nach etwa 2 Minuten begab sich auch Sentance auf die Bühne, um leicht mystisch im Gesang einzusteigen.

Danach konnte eigentlich nichts mehr kommen. Doch die Band hatte noch drei Zugaben im Gepäck. Dem heavy eingeläuteten und weiter hart performten „Miss Misery“ schloss sich mit „Where Are You Now“ eine der tollen Balladen der Band an, wo Sentance bewies, dass er McCafferty in der Performance in nichts nachsteht, er aber seinen eigenen Stil hat und gar nicht erst versucht, den legendären Schotten zu imitieren.

Passend zum Ende des Konzertes gab es „Go Down Fighting“. In 90 Minuten hat die Band alles auf die Bretter des Piano gebracht und die Hütte mit ihrer Spielfreude begeistert. Pete bearbeitete seinen Bass mit einem ständigen Lächeln im Gesicht, Sentance gab zuweilen den Animateur, Murrisons Antlitz meist durch die blonde Mähne verborgen, ließ aber manchmal auch seine Freude erkennen und Lee beackerte heftig seine Drums. Schön war auch die Geste Murrisons, der sich zur Show ein Shirt der Vorband angezogen hatte.

Ein Dank wieder einmal an das Piano für einen tollen Konzertabend, wobei diesmal irgendein technisches Problem vor dem Auftritt von Nazareth und zwischen den Songs zu einem Rauschen aus den Boxen führte, was aber in der Kürze der Zeit so behoben werden konnte, dass es mit den Songs direkt übertüncht wurde.

Wer Nazareth in nächster Zeit noch einmal sehen will, kann das Ende Januar tun. Da treten sie mit Wishbone Ash und Uriah Heep in der Dortmunder Warsteiner Halle auf.

Line-up Spy # Row
Sam Niklas Jäger – Vocals, Bass
Tim Louis Jäger – Guitar, Vocals
Arian Gerhard – Drums, Vocals

Line-up Nazareth
Carl Sentance (lead vocals, acoustic guitar)
Jimmy Murrison (guitars)
Lee Agnew (drums)
Pete Agnew (bass, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Musiktheater Piano

Pavlov’s Dog, 15.11.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

PD_haupt

Schon einige Wochen vor dem Auftritt vermeldete das Piano ein ausverkauftes Haus. Das mag zunächst erstaunlich sein, da die Band, die mit langer Unterbrechung seit knapp 46 Jahren besteht, nur wenige Alben auf den Markt geschmissen hat, die zunächst auch eher weniger beachtet wurden. Als einziges ständiges Mitglied ist auch nur noch der musikalische Kopf der Band, David Surkamp dabei, der aber wieder eine schlagkräftige Truppe um sich gesammelt hat.

Mit „Late November“ und „Fast Gun“ legte die Band direkt zwei Klassiker aus dem ersten Album „Pampered Menial“ aus dem Jahr 1975 vor. Surkamp zeigte sich dabei stimmlich auf der Höhe, wobei der Gesang nicht mehr ganz so hoch war wie vor über 40 Jahren, was der Qualität aber keinen Abbruch tat.

Zusammen mit David Malachowski, der erst im letzten Jahr zur Band stieß, wechselte er sich mit Rhythmus und Soloparts an den Gitarren ab, wobei Malachowski, der auch schon einige Jahre bei Savoy Brown gespielt hatte, oft in sich gekehrt auf der Bühne stand, um bei einigen Soli dann doch zu explodieren, während Surkamp gestenreich extrovertiert seinen Gesang untermalte. Bei einigen Stücken unterstützte Sara Surkamp, sonst meist für den Backgroundgesang oder Zweitstimme zuständig, zusätzlich an der Rythmusgitarre.

Eine tragende Rolle spielte auch Abbie Steiling, die zuweilen wie ein Teufel über die Saiten ihrer Geige fegte und zeigte, dass dieses Instrument auch im progressiven, zu Teilen folkigen Rock, als Stilmittel geeignet ist. Den Rhythmus und somit eine Basis der Musik legten der sich ständig in Bewegung befindliche Rick Steiling am Bass und der zuweilen stoisch wirkende Manfred Plötz an den Drums, die auf den Punkt ablieferten. Nicht zu vergessen, Mark Maher, der an den Keyboards oft einen psychedelischen Touch in den Sound brachte.

Nachdem der Start mit den zwei alten Songs geglückt war, präsentierte die Band mit „Shaking Me Down“, dem verträümten „Hurting Kind“ und „Winds Wild Early“ direkt drei Stücke vom aktuellen, 2018 erschienen Album „Prodigal Dreamer“, welche vom zu diesem Zeitpunkt schon begeistert mitgehenden Publikum, sehr gut angenommen wurden und sich stilistisch nahtlos am Altbekannten orientierten. Im weiteren Verlauf war der absolute Schwerpunkt auf Songs des ersten und des aktuellen Albums gelegt, welche fast vollständig durchgespielt wurden.

Aber auch einige Lieder des zweiten Werks „At The Sound Of The Bell“, wie „She Came Shining“ und „Standing Here With You“ fanden ihren Platz auf der Setliste, die immerhin 23 Stücke umfasste und in der sich altes, wir sprechen hier von Songs, die über 40 Jahre alt sind, mit aktuellem Material abwechselten. Schön war auch die Passage, als mit „Paris“, „Winter Blue“uns „Hard Times“ drei sehr melodiöse Songs vom aktuellen Longplayer aneinandergereiht waren und Surkamp in einem Übergang über seine Karriere als Musiker sprach.

Beim anschließenden hart performten „Canadian Rain“ ging dann so richtig die Post ab. Hier hatte die Rythmussektion mit einem minutenlangen Solo seinen großen Auftritt, wo Steiling seinen Bass nach allen Regeln der Kunst furios und posend bearbeitete und nur zu Recht vom Publikum begeistert mit Ovationen bedacht wurde.

Interessant war der Beginn von „Aria“, wo Plötz die Drums so ertönen ließ, wie Trommler in alten Zeiten Armeen begleiteten. Den Leadgesang übernahm zunächst Surkamps Frau Sara, um sich dann mit ihrem Gatten abzuwechseln.

Zum Ende der Show setzte Pavlov’s Dog dann wieder auf Tracks des ersten Albums „Pampered Menial“. Nach „Natchez Trace“ und „Episode“ ging es bei „Theme From Subway Sue“ noch einmal ordentlich zur Sache. Danach verließ das Septett unter Ovationen die Halle. Durch lautstarke Zugabeforderungen im Piano, welches sich in einen kleinen Hexenkessel verwandelt hatte, blieb der Band nichts anders übrig, als noch einmal die Bühne zu betreten.

Die beiden Zugaben hatten es dann noch einmal in sich und waren der absolute Höhepunkt des Konzertes. Das treibende fast hardrockende „Song Dance“ wurde gekrönt von einem phantastischen Solo, in dem sich Malachowski an der Gitarre und Steiling an der Geige sprichwörtlich die Bälle zuschmissen und auch Surkamp noch seinen Senf dazu gab. Den Abschluss machte dann das wohl bekannteste Stück der Band. Das melodische „Julia“, auch mit einem furiosen Gitarrengewitter im Mittelteil, war sozusagen der krönende Abschluss eines etwa zweistündigen Konzertes.

Dass es sich bei Pavlow’s Dog um eine Band handelt, in dem Surkamp zwar der Mastermind ist, zeigte sich noch einmal nach dem Konzert, als alle Bandmitglieder an einer schnell bereitgestellten Tischreihe im Konzertsaal Platz nahmen und geduldig Autogrammwünsche der zahlreichen Fans erfüllten.

Ganz nach dem Motto des Pavlow’schen Hundes haben Surkamp und seine Frauen und Mannen an dem Abend eine Glocke geläutet, die dafür sorgen wird, dass den Anwesenden das Wasser im Mund zusammenlaufen wird, wenn sie, wie angekündigt, auch im nächsten Jahr wiederkommen werden.

Line-up:
David Surkamp – Gitarre, Gesang
Sara Surkamp – Gitarre, Gesang
Abbie Steiling – Geige, Gesang
David Malachowski – Gitarre
Mark Maher – Keyboards
Rick Steiling – Bass
Manfred Plötz – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Billy Walton Band – 13.11.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Bereits seit 2007 tourt die US-amerikanische Billy Walton Band immer wieder durch Europa und bringt einen wilden Mix aus der amerikanischen Rock- und Soul-Landschaft auf unsere Bühnen. Und dieses Jahr spielen die sieben Jungs noch zwei Konzerte in Deutschland, eines davon fand jetzt in der kultigen Kulturrampe in Krefeld statt. Den zweiten Auftritt gibt’s dann am 16.11.2019 in der Kulturwerkstatt Buer in Melle.

Kurz nach 20:30 Uhr betraten die äußerst gut aufgelegten Musiker die kleine Rampenbühne und legten sich sofort mit zündenden Rhythmen kräftig ins Zeug, wobei die ersten drei Songs fast nahtlos ineinander übergingen. Der Opener „Worried Blues“ war durch längere Instrumentalpassagen (Gitarre und Keys) gekennzeichnet, dazu mit schönen Akzenten durch die Bläserfraktion. Flott ging’s dann im Jersey-Sound („Something Better“ vom neuen Album „Soul Of A Man“) à la Southside Johnny weiter, mit dem Billy Walton in der Vergangenheit bereits zusammen gespielt hatte.

Das dritte Stück der Anfangssequenz („Save The Million“) war dann eine fetzige Rock’n’Roll Nummer mit mehrstimmigen Background Vocals der Bläser. Sehr schön auch das leicht jazzig angehauchte Stück „Cold Day“ und das soulig startende „I Don’t Know“ (ebenfalls von neuesten Werk), bei dem sich die Band zunächst etwas zurückgehalten hat, um Billy Walton die Bühne für ein filigranes Gitarrensolo zu überlassen und den Song dann wieder gemeinsam ziemlich rockig zu beenden.

Nach insgesamt sieben längeren Tracks hatte sich die absolut sympathische Band schließlich eine Pause verdient und beendete das erste Set. Insbesondere schaffte es der verschmitzt lachende Billy Walton immer wieder das Publikum auch durch seinen Witz und seine Spontanität zu begeistern.

Sei es, dass er die nicht funktionierende Discokugel unter der Rampendecke dazu nutzte, die Gäste zum Schwenken ihrer der Arme zu animieren, um dann auf das Kommando „Disco Sound“ kurz den Klassiker „Funky Town“ anzuspielen, sei es dass er ein Loblied auf das deutsche Bier anstimmte oder sich bei einen anwesenden Gast aus Tönisvorst, bei dem er letztes Jahr ein Wohnzimmerkonzert gespielt hatte, für den Kontakt zu Pille Peerlings bedankte.

Nach einer kurzen Pause stürmte die Band dann wieder die Bühne und begann das zweite Set mit „Hell n Highwater“, vom aktuellen Longplayer „Soul Of A Man“, was zunächst aber ganz unspektakulär mit einer Eingangssequenz von „Country Roads“ startete. Auch die folgenden Stücke präsentierten sich ganz im Soulstil des vergangenen Jahrhunderts, mit vielen Bläsern und tollen Gitarrenriffs.

Die Gäste goutieren es mit reichlich Beifall und klatschen kräftig mit. Zwischendurch ließ es sich Billy Walton nicht nehmen, eine augenzwinkernde Schilderung seiner Heimat New Jersey und der dortigen leckeren Eiscreme zu geben. Eine flotte, in die Beine gehende Nummer war auch „Till Tomorrow“, bei der der Niederländer Roland Smeets mit einem klasse Trompetensolo glänzen konnte.

Das herausragende Stück des zweiten Sets war allerdings der Schluss-Song „Mountain“, der mit den ersten Takten mehrerer Rockklassiker, in einer Art Unterhaltung zwischen Walton und Paris am Bass, startete, um dann in ein leicht psychedelisches Stück mit sphärischen Klängen überzugehen. Was einen Gast zu der begeisterten Bemerkung „intergalaktisch“ hinriss.

Nach diesem schwungvollen und schweißtreibenden Konzert mit ausschließlich Gute-Laune-Musik ohne Ende wollte das Publikum die Band natürlich nicht ohne Zugaben von der Bühne entlassen. Dieser Bitte kamen die Jungs selbstverständlich gern nach und spielten als erstes eine improvisierte und witzige Komposition, bevor Walton und die Bläsersektion auf sein Kommando die Bühne verließen und mitten im Publikum kräftig jammten.

Billy Walton und Band werden im nächsten Jahr hoffentlich wieder in die Rampe kommen, zumal Billy diese während des Gigs schon als tolle Rock’n Roll-Location bezeichnet hatte.

Vielen Dank auch an Pille Peerlings, der es immer versteht, sagenhaft gute Acts auf die Bühne zu bringen, für die unkomplizierte Akkreditierung!

Line-up:
Billy Walton – Gitarre, Gesang
William Paris – Bass, Gesang
Francis Valentino – Schlagzeug
Eric Safka – Keyboard
Roland Smeets – Trompete
Bruce Krywinski – Trompete
Tom Petraccaro – Saxophon

Text und Bilder: Jörg Schneider

Billy Walton Band
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Kulturrampe Krefeld
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Blues Night – Leverkusener Jazztage – 07.11.2018, Leverkusen, Forum – Festivalbericht

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Kaum zu glauben, aber die Leverkusener Jazztage feiern dieses Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum. Eine Veranstaltungsreihe, die sich über die Zeit einen großen Nahmen gemacht hat und aus dem Musikkalender auch für den WDR-Rockpalast nicht mehr wegzudenken ist. Großartige Jazzmusiker haben hier in den Jahren ein Gastspiel abgeliefert, aber auch andere Musiksparten wurden in die Jazztage integriert. So stellt auch die Blues Night einen festen Bestandteil dar, die auch wieder vom Rockpalast aufgezeichnet wurde und am 25.11.2019 von 00:45 – 4:15 Uhr ausgestrahlt wird. Das Programm hatte es in sich und es verdient in dieser Form festgehalten zu werden.

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Pünktlich, wie im Programm angekündigt, wurde die erste Band vorgestellt und Eamonn McCormack betrat mit seinen beiden jungen Bandmitgliedern Edgar Karg am Bass und Max Jung-Poppe an den Drums die Bühne des gut gefüllten Forums. Der mittlerweile 57-jährige Gitarrist aus Dublin mag für viele ein unbeschriebenes Blatt sein. Dass es sich aber um einen großartigen Blueskünstler handelt, bewies er schon in der Vergangenheit, als er mit Größen wie Rory Gallagher, Nils Lofgren, aber auch unter dem Pseudonym Samuel-Eddy für ZZ Top und Robert Plant, Konzerte eröffnete.

Seine „Liebe“ zur Musik von Rory Gallagher, war während der ganzen Show erkennbar, was auch an den gemeinsamen irischen Wurzeln liegen mag. In den 30 Minuten, die ihm zur Verfügung standen, lieferte er mit seinen Jungs einen starken Blues Rock-Auftritt, der auch beim Publikum entsprechend ankam. Den Beginn bestritt er mit „From Town To Town“ vom aktuellen Album „Like There’s No Tomorrow“, in dem er seine eigene Reise als Musiker von Dublin bis nach Memphis beschreibt. Die folgenden Lieder, „Down And Out“, „Funkytown“ und „Heal My Faith“, alle mit treibender Rhythmussektion und hart gespielten Soli im Stile Gallaghers, mündeten schließlich in „Falsely Accused“, in dem auch Rory mal als Gastmusiker seinen Anteil hatte, aber alle aus der Feder McCormacks stammten.

Fast logische Konsequenz war, dass zum Abschluss des Auftritts mit „Shadow Play“ ein Song von gecovert wurde, der scheinbar wie ein Schatten über die Bühne geschwebt war. In einem Gespräch mit McCormack und Jung-Puppe nach dem Konzert, schilderten diese noch einmal die besondere Atmosphäre der gut besuchten Show und die daraus resultierende Spielfreude, die ihnen aber auch zu jedem Moment des Konzertes anzumerken war. Nach der Show nahm sich McCormack ausgiebig Zeit, um am gut besuchten Merchandising-Stand den Fans, von denen er an diesem Abend mit Sicherheit einige hinzugewonnen hatte, zur Verfügung zu stehen.

Line-up Eammon McCormack:
Eamonn McCormack (lead vocals, electric guitars)
Eddy Karg (bass)
Max Jung Poppe (drums)

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Nach einer kurzen Umbauphase, an dieser Stelle kann schon einmal die gut geplante Organisation hervorgehoben werden (die Sets begannen fast minutengenau wie geplant), wurde dann die Kris Barras Band angekündigt. Die Briten legten gleich, mit „Ignite (Light It Up)“ und „Counterfeit People“ los wie die Feuerwehr. Der Beginn war somit identisch mit einem Konzert, vor einigen Wochen in Dortmund, was aber auch nicht verwunderlich ist, da der Auftritt praktisch im Rahmen der eigenen Tour stattfand und der junge Brite auch erst sein zweites Album herausgebracht hat. Für den heutigen Abend hatte er danach aber dann einige Songs ausgetauscht.

So brachte er mit „I Got Time“ ein Stück mit einem gehörigen Southern-Flair auf die Bretter. Mit „What You Get“ und „Vegas Son“ folgten noch einmal zwei krachend vorgetragene Tracks des aktuellen Werks, bei denen der am Bass wild posende Elliott Blackler und Billy Hammett an den Drums, wie ein Derwisch spielend, eine Basis legten, die Josiah J. Manning mit zum Teil virtuosen Keyboardspiel füllte. Einer der Höhepunkte eines starken Konzertes folgte dann mit „Watching Over Me“, einer Hommage an seinen Vater, bei der Barras sich in Soli sprichwörtlich die Seele aus dem Leib spielte, um in einem Moment scheinbar in sich gekehrt in Richtung Himmel zu zeigen, von wo aus sein Vater, dem Titel des Liedes nach, ein Auge auf ihn wirft.

Bluesig bis hart rockend ging es dann mit „Not Fading“ weiter, um mit „Devil’s Done Right“, Blues und Boogie im Stile von ZZ Top zu performen.
„Lovers Or Loosers“ leitete Manning mit einem psychedelischen Keyboard-Intro ein, in das Barras dann südstaaten-ähnlich seine Gitarre einspielte um kurz vor dem Finale etwas Dampf aus dem Kessel zu nehmen. Ähnlich, mit starken Slide Einlagen, folgte als erste Zugabe mit „Hail Mary“ ein Song, der auch Südstaatenrockern gut zu Gesicht gestanden hätte.

Das Finale Furioso war dann eine scheinbar nicht endende Version von „Going Down“, mit furiosen Gitarrensoli, Bassläufen, krachenden Drums und zünftigen Keyboardeinlagen. Nach etwa einer Stunde verabschiedete sich dann eine bestens aufgelegte Kris Barras Band von begeisterten Publikum. Es ist erstaunlich, mit welcher Bühnenpräsenz der junge Brite, der erst wenige Jahre im Musikgeschäft ist, einen Draht zum Publikum herstellt und auch jedem seiner Mitstreiter die Räume gibt, sich zu präsentieren, sodass der Name ‚Band‘ in diesem Fall absolut zutreffend ist. Wie McCormack nahm sich auch Barras nach dem Konzert ausgiebig Zeit für die Fans, die zahlreich am Merchandising-Stand warteten.

Line-up Kris Barras Band:
Kris Barras (lead vocals, electric guitar)
Elliott Blackler (bass, vocals)
Josiah J. Manning (keys, vocals)
Billy Hammett (drums)

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Um 21:45 betrat dann der Main-Act, Kenny Wayne Shepherd, diesmal im Vergleich zum Konzert im Sommer mit Beth Hart, mit „Bigband“ die Bühne. Zur bekannten Besetzung mit Noah Hunt (guitar, vocals), Scott Nelson (bass), Joe Krown (keyboards) und Chris Layton (drums) gesellten sich an diesem Abend noch Joe Sublett (saxophone) und Mark Pender (trumpet) hinzu. Diesmal ergänzte Shepherd die Setlist um einige Songs, da ihm als Headliner ein größerer Spielraum gegönnt wurde.

Nach einem dramaturgischen Intro vom Band mit Bandvorstellung ließ Shepherd in dieses tiefe Töne seiner Gitarre klingen, sodass man diese scheinbar am Körper spüren konnte, um dann mit „Woman Like You“ die Show zu eröffnen. Durch die Bläsersektion wurde der Sound noch voluminöser als er ohnehin schon war. Nachdem ein sichtlich gut gelaunter Protagonist das Leverkusener Publikum begrüßt hatte, legte er den von Neil Young geschriebenen Buffalo Springfield-Klassiker „Mr. Soul“ in einer harten bluesrockigen Version nach.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt hatte die Band die Fans hinter sich gebracht. Neben dem wie gewohnt starken Gitarrenspiel Shepherds, konnte auch Noah Hunt gesanglich voll überzeugen. Im weiteren Verlauf unterstützte er Shepherd, der dann auch in vielen Songs den Leadgesang übernahm, sowohl an der elektrischen als auch der akustischen Gitarre. Über die spielerische Klasse Laytons an den Drums Worte zu verlieren erübrigt sich. Diese bewies er schon an der Seite von Stevie Ray Vaughan in Band sowie Storyville oder Arc Angels, etc. und bot Shepherd zusammen mit Scott Nelson, der den Bass auf den Punkt brachte, die Grundlage, sich in vielen der Songs an der Gitarre auszutoben, was er beim knüppelhart performten „Long Time Running“ auch entsprechend tat.

Bei „I Want You“ hatte dann Keyboarder Joe Krown seinen ersten ganz großen Auftritt mit einem überzeugenden Honkytonk-Solo. Ganz stark das folgende „Diamonds & Gold“ mit treibenden Rhythmus, einer fast singenden Gitarre Shepherds und starken Rhythmusspiel von Hunt, der sich dazu die Gitarre umgeschnallt hatte. Hervorzuheben auch der wechselweise Gesang der beiden Genannten. Beim Elmore James-Cover „Talk To Me Baby“ wurde es dann richtig bluesig und Joe Sublett am Saxofon und Mark Fender an der Trompete sorgten für regelrechtes Bigband-Feeling, was das Publikum sichtlich begeisterte.

Mit „Heat Of The Sun“ und „Down For Love“ wurde es etwas ruhiger und leichtes Southern-Luft erfüllte das Forum, welches sich bei „Turn To Stone“ fortsetzte und nur durch den Slowblues „Shame, Shame, Shame“ (natürlich mit brachialem Gitarrensolo endend) kurz unterbrochen wurde. Darauf verließ die Band die Bühne, um nach frenetischem Applaus, für insgesamt drei Zugaben noch einmal zurückzukommen.

Das Southern-lastigen „Blue On Black“, wieder mit starken Soloeinlagen Shepherds, sowie das treibende „I’m A King Bee“ (toller Gesang von Noah Hunt) leitete dann ein furioses Finale ein. In einer ausgedehnten Version des Jimi Hendrix-Klassikers „Voodoo Child (Slight Return)“ entfachte Shepherd brachiale Soli, die er bildlich in Richtung Publikum abfeuerte. Seine furiose Bläsersektion, Krown mit Soloeinlagen am Keyboard und die stampfende Rhythmussektion um Layton und Nelson, erstürmten die Halle regelrecht. Das danach nichts mehr kommen konnte, war eigentlich jedem klar.

Line-up Kenny Wayne Shepherd:
Kenny Wayne Shepherd (electric guitar, vocals, lead vocals)
Noah Hunt (lead vocals, electric and acoustic guitar, percussion)
Joe Krown (keys)
Scott Nelson (bass)
Chris Layton (drums)
Joe Sublett (saxophone)
Mark Pender (trumpet)

Fazit: Dem Team um Fabian Stiens ist es gelungen, hochkarätige Künstler für diesen Abend zu gewinnen, die, auch wenn der Blues verschieden interpretiert wurde, gut zusammen passten. So kam es nicht zu Brüchen im Festival. Auffallend war ein sehr präsentes, immer zuvorkommendes Team, was einen fast familiären Charakter entstehen ließ. Einen großen Anteil an der gelungenen Veranstaltung hatten natürlich auch die bestens aufgelegten Künstler und ein Publikum, das sich durchaus anspornend auf die Musiker auswirkte. Ein Lob auch an die Soundtechniker, die einen gut differenzierten Sound in die Halle brachten und die Lichttechniker, die mit abwechslungsreichen Effekten, auch optisch unterstützten.

Ein Dank an Shooter Promotions und Fabian Stiens für die Akkreditierung und die Möglichkeit sich zum Fotografieren recht uneingeschränkt bewegen zu können, dass es gar nicht nötig war, aus dem abgesperrten Bereich vor der Bühne zu agieren, wo man dann eher die Kamaeraleute des Rockpalast gestört hätte, da das Forum mit seiner terassenförmigen Architektur auch so viele Möglichkeiten bietet.

Bilder und Bericht: Gernot Mangold

Eamonn McCormack
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The Kris Barras Band
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Kenny Wayne Shepherd
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Shooter Promotions
Leverkusener Jazztage

Doyle Bramhall II, 06.11.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Doyle Bramhall II zum zweiten Mal in diesem Jahr im Musiktheater Piano in Dortmund! Nachdem er bereits im Juni im schönen Club gespielt hatte, überraschte er Jenny Dore wohl mit dem Angebot, jetzt noch mal einen Zwischenstopp an der Lütgendortmunder Straße tätigen zu wollen.

An diesem nasskalten November-Abend musste allerdings auch der prominente Texaner, der ja immerhin von Leuten wie Roger Waters oder Eric Clapton als Gitarrist gebucht wird, zur Kenntnis nehmen, dass es mitten in der Woche, nur sehr schwer bei uns ist, richtig viele Leute vom heimischen Sofa wegzulocken. Die Zuschauerzahl hätte wie letzte Woche schon bei Laurence Jones, bei solch einer Qualität, doch gerne etwas höher ausfallen dürfen.

Mit 20-minütiger Verspätung kam das Trio auf die Bühne. Nach kurzem Warmspielen zum psychedelisch angehauchten Opener „Love & Pain“ ließ es der wieder recht egozentrisch, introvertiert und wortkarg rüberkommende Protagonist (so hatte ich ihn auch bei meinem ersten Besuch in Erinnerung), zunächst mit Tracks wie „Mama Can’t Help“, „November“, „Everthing You Need“ oder „Searching For Love“ recht melodisch angehen.

Der neue Drummer Tony Leone ist ja ähnliche Charaktere von der Chris Robinson Brotherhood gewohnt und auch Bramhalls konstanter Mitstreiter Adam Minkoff (mit Haaren wie Schafswolle auf dem Kopf), der wieder durch seine Vielseitigkeit glänzte (Keys und Bass, einmal sogar gleichzeitig) und diesmal stärker bei den Vocals eingebunden war, scheinen den Protagonisten bei seinem filigranen Gitarrenwirken ziemlich gelassen hinzunehmen.

Ab dem Hendrix-Cover „Izabella“ und spätestens mit dem Stooges-Song „I Wanna Be Your Dog“ wurde es ziemlich psychedelisch, jammig, teilweise punkig (auch bei „Green Light Girl“ als Abschluss des Hauptteils) und für meine Gehörgänge oft zu frickelig und technisch. End-60er-/Anfang-70er-Rock-affine Leute, die wohl auch die größte Gruppe unter den Anwesenden darstellten, werden demnach ganz gut auf ihre Kosten gekommen sein. Auch Doyle hatte in dieser Phase zumindest ab und zu Spass in den Backen und lächelte kurzzeitig in Richtung seiner Begleitmusiker. Er ließ sich sogar mal zu einer Ansage wie „What day is it?“ hinreißen.

Erst mit den Zugaben, dem weiteren Hendrix-Klassiker „Angel“, der allerdings mit zunehmender Dauer im Gitarrenpart auch sehr kräftig aufbrauste und dem atmosphärischen „So You Want It To Rain“ (Bramhall temporär mit dezentem Southern-Spiel), wurde der Gig wieder wieder etwas gemäßigter beendet. Ich persönlich hätte mir mal ein zwei Stücke aus seiner Arc Angels-Zeit gewünscht, aber es geht ja hier nicht um meine Befindlichkeiten.

Immerhin ließ der Meister sich dann am Merchandising-Stand sehen, und wirkte da eigentlich ganz herzlich, weniger unnahbar als auf der Bühne und erfüllte ganz gelassen Autogramm- und Fotowünsche (u. a. auch einen schönen großformatigen Schnappschuss des Kollegen Mangold). Insgesamt also ein qualitativ hochwertiger musikalischer Abend (Doyle spielt schon toll Gitarre), der aber eher dem Charakter einer ‚Vorlesung‘ für Musikstudenten von einem in sich gekehrten Lehrmeister glich. Für eine packendere Stimmung und mehr Begeisterung an einem nasskalten ungemütlichen Mittwoch-Abend in der Arbeitswoche muss man ein Publikum letztendlich doch deutlich mehr mitnehmen.

Line-up:
Doyle Bramhall II (lead vocals, electric guitar, vocals)
Tony Leone (drums, vocals)
Adam Minkoff (bass, keys, vocals, lead vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Doyle Bramhall II
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Laura Cox – Burning Bright – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Nach dem 2017 erschienenen „Hard Blues Shot“ gibt es jetzt das zweite Album der jungen Französin. „Burning Bright “ ist schwer in ein bestimmtes Genre zu kategorisieren, da sie mit ihrer Band mehrere Musikstile im neuen Material aufgreift. Was aber klar zu erkennen ist, dass sie ohne große Schnörkel in der Rockmusik der alten Hard Rock-Bands ihre stilistischen Mittel findet.

Im Songwriting findet sie dabei die Unterstützung ihres Gitarristen Mathieu Albiac, der spieltechnisch auch auf Konzerten in den letzten Jahren eben in der beschriebenen Sparte von Musikern zuzuordnen ist.

Wie schon auf der Tour erlebt, als Cox und Band weitaus härter zu Werke gingen, als vor etwa zwei Jahren, macht mit „Fire Fire“ ein stampfender Hard Rocksong den Auftakt, der bei Deep Purple-Fans, gemeint sind die aus den Anfangszeiten, mit Sicherheit für Entzücken sorgen wird. Ähnlich rockend geht es mit „Bad Luck Blues“ weiter.

Mit „Last Breakdown“ und „Looking Upside Down“ nehmen die Franzosen den Fuß vom Gaspedal und landen im Mainstream. Dass Laura Cox auch ein Herz für den Southern Rock hat (in Rheinberg spielte sie beispielsweise ja auch „Simple Man“), offeriert sie hier auch gesanglich im balladesken „Just Another Game“, wobei die Gitarren-Soloparts, z. T. slidend, nicht so ausufernd, sondern dezenter daherkommen, als bei manchen Southern-Vertretern.

„Here’s To War“ ist wieder ähnlich dem Stil der Rockladys in den 90er Jahren und mit „Freaking Out Loud“ lässt die Französin, wie es der Titel verspricht, wieder ordentlich krachen, was in „As I Am“ seine Fortsetzung findet.

Etwas ruhiger wird es mit den Südstaaten-umhauchten „River“, dem es vielleicht gut getan hätte, wenn sie und Albiac die Zügel von ihren Gitarren genommen hätten und, wie live in ihren Songs erlebt, ein Gitarrengewitter abgebrannt hätten.

Den Abschluss macht passend für das Album das balladeske „Letters To The Otherside“. Insgesamt ist Laura Cox mit Band ein ansprechendes Album gelungen, das sich gut durchhören lässt, aber innerhalb des Songmaterials sowohl klassische Härte aber auch Mainstream aufweist, wobei Mainstream nicht schlecht sei muss.

Wenn man im Nachgang das neue Album und das letzte Konzert, in dem Sie schon neues Material spielte, vergleicht, zeigt sich, dass Laura Cox mit ihren jetztigen Mitstreitern eher Livemusiker sind, wo dem Studiomaterial im Konzert noch etwas Würze beigegeben wird und der Mainstream aus den Songs geschossen wird.

Line Up:
Laura Cox – Vocals, Guitar, Lap Steel, Banjo
Mathieu Albiac – Guitar
Francois C. Delacoudre – Bass
Antonin Guerin – Drums

Earmusic (Edel) (2019)
Stil: Rock

Tracklist:
01. Fire Fire
02. Bad Luck Blues
03. Last Breakdown
04. Looking Upside Down
05. Just Another Game
06. Here’s To War
07. Freaking Out Loud
08. As I Am
09. River
10. Letters To The Otherside

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