Tom Petty – Finding Wildflowers (Alternate Versions) – CD-Review

Finding Wildflowers 300

Review: Michael Segets

Die Veröffentlichungspolitik mancher Label ist aus Fanperspektive schon recht fragwürdig. Dass manche Alben in unterschiedlichen Editionen rauskommen, mag ja noch angehen, unfair wird es, wenn diese unterschiedlichen Ausgaben nach und nach – eventuell angereichert durch ein oder zwei Bonusstücke – erscheinen. Als eingeschworener Fan ist man dann quasi gezwungen, das gleiche Album ein zweites Mal zu kaufen. Bei „Finding Wildflowers“ von Tom Petty verhält es sich etwas anders.

Letztes Jahr wurde „Wildflowers & All The Rest“ in unterschiedlichen Versionen herausgebracht. Die Standard-Ausgabe umfasst neben dem Originalalbum ein zweites, dessen Erscheinen ursprünglich von Petty geplant, aber nicht realisiert wurde. Weitere Editionen ergänzten Demotracks, Live-Aufnahmen und einzelne unveröffentlichte Titel. Diejenigen, die sich mit der normalen oder Deluxe-Edition begnügten, können nun ein Upgrade erwerben, das keine Überschneidungen zu diesen Ausgaben aufweist und bisher lediglich in der Super-Deluxe-Variante – meines Wissens bereits vergriffen – erhältlich war.

„Finding Wildflowers“ bietet im Wesentlichen alternative Einspielungen der Wildflower-Songs sowie drei weitere Titel. Die früheren Versionen der bekannten Songs klingen rauer und unterscheiden sich dadurch auch atmosphärisch etwas von den schließlich herausgegebenen. Die einzelnen Instrumente sind nicht so verbunden abgemischt, wodurch der Soundteppich nicht so voll klingt. Dadurch sind die einzelnen Musiker differenzierter zu unterscheiden. Die Rohvarianten entwickeln dabei durchaus ihren Charme und manche Tracks, die auf der Original-CD vielleicht etwas süßlich geraten sind, gewinnen in der reduzierteren Alternative. „Only A Broken Heart”, „House In The Woods”, „Wake Up Time” sowie „Don’t Fade On Me” erhalten so einen neuen Anstrich.

Schlagzeug und Gitarren hören sich bei „Wildflowers” erdiger und der rauer an und geben besonders dem sowieso guten „Honey Bee“ nochmal einen anderen Kick mit. „Cabin Down Below“ ist einmal in einer akustischen Version vertreten, die – anders als vermutet – ebenfalls mit Schlagzeug eingespielt und nicht auf eine Gitarre beschränkt ist. Die zweite Variante punktet mit einem Klaviersolo. Der Track läuft eine Minute länger als das Original. Bei den anderen Songs sind die zeitlichen Abweichungen geringer.

Wenn man die ursprünglich veröffentlichten Aufnahmen mit den neuen vergleicht, lassen sich durchaus Änderungen im Detail feststellen. Bei „You Wreck Me“ fällt das Gitarrensolo anders aus und das Klavier ist dominanter, bei „Good To Be King“ tritt der Backgroundgesang deutlicher in Erscheinung. Die Liebhaber von Tom Pettys Musik werden sicherlich Spaß am genaueren Abgleich der Tracks finden. Für diese sind dann bestimmt auch die zuvor nie gehörte Single „You Saw Me Comin‘“, die Studioeinspielung von „Drivin’ Down To Georgia“ sowie das lediglich als B-Seite von „You Don’t Know How It Feels” veröffentlichte „Girl On LSD“ interessant. Von der erfolgreichen Auskopplung von „Wildflowers“ fehlt eine alternative Aufnahme ebenso wie von „Time To Move On“ und „To Find A Friend“.

„Finding Wildflowers (Alternate Versions)“ stellt eine willkommene Ergänzung für Fans von Tom Petty dar, die die Investition in die Super-Deluxe-Ausgabe des vorangegangenen „Wildflowers & All The Rest“ gescheut hatten. Ihnen bietet sich nun die Möglichkeit, ihre Sammlung zu komplettieren. Die Fan-Basis von Tom Petty scheint auch dreieinhalb Jahre nach seinem Tod noch breit genug zu sein, damit sich eine solche Veröffentlichung für ein Major-Label rechnet. Dabei sind die alternativen Versionen sorgsam produziert und ausgewählt, sodass nicht der Eindruck entsteht, dass auf leicht verdientes Geld geschielt wird. Stattdessen präsentieren sich die altbekannten Stücke in einer neuen Form, die es verdient, gehört zu werden.

Eine weitere gute Nachricht für Fans von Tom Petty: Parallel zu „Finding Wildflowers (Alternate Versions)“ erscheint in Kürze ein Tribute-Album von Lucinda Williams, auf dem sie ihre Interpretationen seiner Songs vorstellt.

Warner Records/Warner Music (2021)
Stil: Rock, Americana

Tracks:
01. A Higher Place
02. Hard On Me
03. Cabin Down Below
04. Crawling Back To You
05. Only A Broken Heart
06. Drivin’ Down To Georgia
07. You Wreck Me
08. It’s Good To Be King
09. House In The Woods
10. Honey Bee
11. Girl On LSD
12. Cabin Down Below (Acoustic Version)
13. Wildflowers
14. Don’t Fade On Me
15. Wake Up Time
16. You Saw Me Comin’

Tom Petty
Warner Records
Oktober Promotion

The Lloyd Carter Band – Nothing To Lose – CD-Review

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„Nothing To Lose“ – was für ein Titel in diesen (beschissenen) Zeiten! Okay, wenn man eh schon total am Boden liegt, mag das stimmen, aber für viele Menschen, die sich Jahre lang abgeschuftet haben, um sich etwas aufzubauen und jetzt alles ohne persönliche Schuld von unfähigen und konzeptlosen Politikern aus den Händen gerissen bekommen, klingt das wie bittere Ironie.

Gerade unsere geliebte Musikbranche weiß davon sicherlich, im wahrsten Sinne des Wortes, ein Lied zu singen, wo ja bekanntlich seit vielen vielen Monaten auch so gut wie gar nichts geht. Wohl dem, der hier – wie auch immer – genügend Rücklagen gebildet hat oder so dick im Geschäft ist, dass ihm die derzeitige Situation eh nichts anhaben kann.

Wenn ich persönlich, ohne jetzt ins Detail gehen zu wollen, hier schildern würde, was ich seit Beginn der Corona-Krise, alles an Verlusten erlitten habe, würde sich wohl jeder fragen, warum ich, statt hier das SoS-Magazin (samt der involvierten Kollegen) mühsam aufrecht zu erhalten, nicht längst bei irgendeinem Psychiater auf der Couch in Dauertherapie liege.

Dennoch ist es gerade die Musik, die im Moment auch ein bisschen Freude und mentalen Ausgleich bereitet.  Lloyd Carter, der Kopf der gleichnamigen The Llloyd Carter Band, der bei Kaylor Girl Promotions, einer Agentur, zu der ich seit einigen  Sister Hazel-Reviews ein sehr nettes Verhältnis pflege, unter den Fittichen ist, schickte mir seine signierte Debüt-CD und das mit einer netten handschriftlich verfassten Bitte, diese doch zu reviewen.

Dem komme ich natürlich gerne nach, zumal es auch noch genau der Stoff ist, den ich von Herzen liebe! Der aus Georgia stammende Lloyd kommt, wie so oft in den Staaten, aus einer Familie mit langer Musiktradition. Er entdeckte sein dementsprechendes Faible auf der High School und brachte sich diverse Instrumente selbst bei.

Dazu verfasst der von Leuten wie Keith Whitley, Steve Perry, Kenny Rogers oder Conway Twitty inspirierte Protagonist mittlerweile seit über 30 Jahren Texte, von denen diverse auf diesem elf Tracks umfassenden Werk, in adäquates Songmaterial in Szene gesetzt wurden.

Wir bewegen uns hier überwiegend im 90er Jahre umwobenen New Country, supplementiert durch Stile wie Southern Rock, AOR und auch eine Brise warmherzigen Soul („Come Dance With Me„, „When We Say Goodbye“).

Einen nicht unerheblichen Anteil am Gelingen dieses Longplayers haben auch seine beiden Songwriting-Partner Henry McGill (grandiose E-Gitarrenarbeit in allen südstaatlichen Spiel-Varianten) und Gary DiBenedetto, der das Werk nicht nur in seinem Studio wunderbar transparent produziert hat, sondern sich auch für die hervorragend abgestimmten Keyboard-Elemente (Grand Piano, Synthies, Organ, E-Piano) und ein sehr markantes Pedal Steelgitarren-Spiel (erinnert mich in seiner Prägnanz an das von Pat Severs von den Pirates Of The Misssissippi) verantwortlich zeigt.

Lloyds gewichtige Stimme, die sich in Sphären von Ronnie Dunn, Rich O’Toole, Frank Foster bis hin zu Trace Adkins bewegt, überzieht das herrlich eingängige und hochmelodische Songkonvolut zudem mit einem deutlich spürbaren Charisma.

Der Opener und Titelstück zugleich ist ein wie für unsere Klientel passgerecht gestalteter, satt stampfender und polternder Southern Country Rocker, der das Herz sofort höher schlagen lässt – genau mein Ding!

Viele Tracks wie „Live Life Well“, „Autumn Leaves„, „Can’t Never Could„, „Better Days“ oder  „His Last Chance“ bewegen sich im balladesken oder Midtempobereich, thematisch verwurzelt natürlich im typischen Wertesystem und Lebensgefühl des Südens, garniert mit einer hohen Portion Pathos und Emotionalität in Carters Gesang.

Für die Uptempo-Würze sorgen dann die geschickt dazwischen platzierten rockigeren Lieder wie das swampige „That Baby Will Run“ (heulend fiepende E-Fills, klasse Solo) oder, last but not least, das furios abgehende „It’s Friday Night“, bei dem kein anderer als Colt Ford mit einer launigen Rap-Einlage, seinen typischen Stempel aufdrückt. Klasse!

Fazit: Das Debüt der Lloyd Carter Band steht, wie so oft, für das unermesslich und schier unerschöpflich zu sein scheinende, kreative Potential der südstaatlichen Country Rock-Musik.

Wer Acts wie u. a. Diamond Rio, Darryl Worley, Vince Gill, Tracy Lawrence, John Michael Montgomery, Trace Adkins, Garth Brooks, Rich O’Toole, Lonestar, Travis Tritt, Tim McGraw, Brooks & Dunn, Pirates Of The Misssissippi, Frank Foster und wie sie alle heißen, die den New Country der 90er noch entscheidend mitgeprägt haben, gerne hört, darf sich über die gelungene Reinkarnation mittels der Lloyd Carter Band freuen.

Ein Werk, das man sich nach dem Motto „Nothing To Lose“ ‚blind‘ zulegen kann. Absolute Kaufempfehlung!

Song Box Records (2020)
Stil: New Country

01. Nothing To Lose
02. Live Life Well
03. Autumn Leaves
04. Come Dance With Me
05. That Baby Will Run
06. Can’t Never Could
07. Better Days
08. It’s Friday Night
09. His Last Chance
10. When We Say Goodbye
11. Hand You Hold

The Lloyd Carter Band
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Kaylor Girl Promotions

Neil Young & Crazy Horse – Way Down In The Rust Bucket – CD-Review

NeYo_300

Review: Gernot Mangold

Etwa 30 Jahre, nachdem Neil Young mit Crazy Horse das Album „Ragged Glory“ eingespielt hatte, bringt er mit „Way Down In The Rust Bucket“ ein Livealbum, vom ersten Konzert der folgenden Tour im The Catalyst in Santa Cruz auf den Markt. Jetzt könnte man sich die Frage stellen, ob es sein muss, so einen alten Mitschnitt zu veröffentlichen.

Der Titel, frei übersetzt „Ganz unten im Rosteimer“ könnte es vermuten lassen. Ich sehe die Anspielung eher im titelmäßigen Zusammenhang zum legendären Livealbum „Live Rust“, welches knapp 12 Jahre später ein würdiges Nachfolgewerk hätte finden können.

Weil Neil Young ein gut verwaltetes Archiv in entsprechender Qualität hat, hat dieses Werk den Weg aus den „Rosteimer gefunden, das einen guten Einblick in die Schaffensphase gibt, als er auch Grunge Bands wie Pearl Jam inspirierte.

Nun aber zum Inhalt. Das Album umfasst nahezu das gesamte Konzert vom 13.11.1990, welches in drei Sets geteilt war (das auf CD bzw. Vinyl fehlende „Cowgirl In The Sand“ befindet sich allerdings auf der DVD). Es wird somit ein Konzertereignis authentisch wiedergegeben und nicht, wie so oft, ein Zusammenschnitt von einer Vielzahl von Konzerten oder nur ein “Best Of“ eines Gigs.

Schon im leicht countryesken „Country Home“ beginnt ein gitarrenlastiger Ritt von Neil Young mit dem Crazy Horse, der mit „Surfer Joe And Moe The Sleaze“ vom vielfach unterschätzten Album „Reactor“ Fahrt aufnimmt. Auf jeden einzelnen Song entsprechend einzugehen, würde nun den Rahmen sprengen.

Neil Young präsentiert auf jedem Fall große Teile des damals aktuellen Albums „Ragged Glory“ und verzichtet auf einige Hits erfolgreicher Alben wie „Harvest“, „Rust Never Sleeps“ oder dem kurz zuvor erschienenen „Freedom“. Schon da zeigte sich, dass Neil Young-Konzerttouren sich teils gravierend von der vorherigen unterscheiden.

Anders als viele andere Musiker, stellt er das aktuelle in den Vordergrund und umgibt es mit Perlen aus der Vergangenheit, die jeweils aus anderen Kisten gefischt werden. Neben den meist harten Songs von „Ragged Glory“, wie dem rotzige „F+!#in‘ Up“ und dem fast schon mystischen, sich über 13 Minuten hinziehenden „Love And Only Love“ mit sphärischen Gitarrenpassagen, stellt das zu dieser Zeit schon über 13 Jahre alte Album „Zuma“ einen zweiten Schwerpunkt. In den Songs klagt Young zum Teil fast wütend singend und spielend die damalige Kolonisierung Mittelamerikas an, womit Sie von der Songauswahl bestens zu den harten Sachen von „Ragged Glory“ passen.

Neben einer ausgiebigen Version von „Danger Bird“ ragt natürlich das zunächst träumerisch wirkende „Cortez The Killer“ als Zugabe heraus, wo von Young eine scheinbar traumhafte Kultur und deren Untergang beschrieben wird. Beendet wird das Stück, eingerahmt von Gitarrensoli, die regelrechte Klangteppiche erzeugten, gebührend mit dem Satz „Cortez, What a Killer“. Dieser Satz kann auch symbolisch unter anderen Vorzeichen genommen werden. Mit dem letzten Gitarrenton wurde ein Killerkonzert beendet – nichts geht mehr.

Zu erwähnen ist, dass zudem noch starke Versionen, unter anderem vom rockigen „Cinamon Girl“, dem hymnischen „Like A Hurricane“ sowie einer besonderen Perle präsentiert wurden. Mit „Homegrown“ spielte er einen Song von einem Album, das, nachdem es aus persönlichen Gründen Jahrzehnte in einer „Kiste“ lag und als Nachfolger vom legendären „Harvest“ geplant war, erst letztes Jahr veröffentlicht wurde (sozusagen auch aus dem Rosteiner geholt).

Einen erheblichen Anteil an dem energiegeladenen Konzert hat natürlich auch Crazy Horse, die Band, welche Neil Young über weite und erfolgreiche Phasen der Karriere begleitet hat, womit ich die Leistungen der anderen Begleitformationen in keinster Weise schmälern will. Wer Fan des rockenden Neil Young ist, wird seinen Gefallen an diesem starken Konzertmitschnitt haben. Ebenso ist es empfehlenswert für Rock und Grungefans. Wer allerdings den ruhigen folkigen Neil Young erwartet, wird eher enttäuscht sein.

Das Album ist in verschiedenen Versionen von CD, Vinyl bis zu einem Boxset mit DVD erhältlich und sollte inwelcher Art auch immer, in keiner gut sortierten Tonträger-sammlung fehlen.

Band:
Neil Young: Vocals & Guitar
Frank „Poncho“ Sampedro: Guitar
Billy Talbot: Bass
Ralph Molina: Drums

Reprise Records (2021)
Stil: Rock

Tracks:
CD 1
01. Country Home
02. Surfer Joe And Moe The Sleaze
03. Love To Burn
04. Days That Used To Be
05. Bite The Bullet
06. Cinnamon Girl
07. Farmer John
08. Over And Over
09. Danger Bird
10. Don’t Cry No Tears
11. Sedan Delivery

CD 2
01. Roll Another Number (For The Road)
02. F+!#in‘ Up
03. T-Bone
04. Homegrown
05. Mansion On The Hill
06. Like A Hurricane
07. Love And Only Love
08. Cortez The Killer

Neil Young
Oktober Promotion

Svenja Schmidt & Jan Bierther Trio – 11.02.2021, JuBB, Essen-Werden – Youtube Stream-Konzertbericht      

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Zu Zeiten von Corona versuchen Veranstalter wie auch Bands irgendwie den Kontakt zu Fans aufrecht zu erhalten. Dies gelingt momentan nur durch Videos und Livestreams, was natürlich nicht den Reiz von Livekonzerten ersetzen soll und kann. Viele kleine Clubs oder Veranstalter setzten schon seit geraumer Zeit auf Veranstaltungsreihen, um zu relativ festen Zeiten, verlässlich Liveauftritte von Musikrichtungen anzubieten, welche oft eher ein Nischendasein haben.

Jan Bierther veranstaltet schon seit einiger Zeit eine Reihe unter dem Motto ‚Jazz im JuBB‘, die natürlich seit Monaten nicht mehr in der gewohnten Form stattfinden kann. Aus diesem Anlass entschloss er sich zusammen mit dem Jugend- und Bürgerzentrum JuBB in Essen-Werden, im Saal des Zentrums, die Reihe in Onlineform fortzusetzen.

Diese Konzertreihe beschreibt Bierther als eine Herzensangelegenheit. Als Jugendlicher war er selbst oft Gast in diesem Jugendzentrum, das aus einem alten Gerichtsgebäude entstanden ist. Nach seiner Musikstudienzeit in den Niederlanden kehrte er später wieder in seine Heimatstadt Essen zurück, und initiierte dort auch die Konzertreihe ‚Jazz im Jubb‘.

Dass an diesem Abend Svenja Schmidt mit dem Jan Bierther Trio im Rahmen der Konzerttour auftrat, mag auf den ersten Blick irritierend sein, da Jazzeinflüsse hier eher peripher angesagt waren. Musikalisch standen an dem Abend Rock, Soul und Motown im Mittelpunkt. Der Bezug ist eher in der Besetzung der Band zu sehen, wo Bierther an der Gitarre, Dirk Leibenguth an den Drums, als Essener Urgesteine, unterstützt von Martin Engelien am Bass, an diesem Abend, die Combo der Rock- und Soulröhre Svenja Schmidt bildeten, die zudem am E-Piano glänzte.

Das Konzert, welches in zwei Sets von je etwa 45 Minuten übertragen wurde, war auch nur realisierbar durch die Unterstützung hiesiger Geschäftsleute, unter anderem einem ortsansässigen Biobäcker, welcher zudem eine Jazz-Mottotorte für die Künstler zubereitet hatte. Die Pause zwischen den Sets wurde zudem genutzt, um Werbung für eine kürzlich produzierte CD mit Highlights aus bisherigen Konzerten von ‚Jazz im JuBB‘ zu machen.

Nun aber zum eigentlichen Konzert, ohne Zuschauer im Saal, der bestuhlt etwa 100 Gästen Platz bietet. Den Start machte das Trio alleine mit dem etwa 10-minütigen Instrumental „Alles dreht sich“ aus der Feder Bierthers, das sofort Platz für Improvisationen der Musiker ließ.

Danach stieg auch Svenja Schmidt ein und es begann eine kurzweilige Zeitreise durch 60 Jahre-Musikgeschichte. Das Besondere dabei war, dass die Stücke nicht wie die Originalsongs runtergespielt wurden, sondern immer wieder jammende Phasen eingeschoben wurden. Einige Songs erhielten durch die kräftige Soulstimme Schmidts zudem ein ganz besonderes Flair.

Besonders hervorzuheben war der Rihanna-Hit „Love On The Brain“, der zuweilen den instrumentalen Charakter alter Fleetwood Mac-Songs hatte. In Stevie Wonders „Superstition“ konnten alle Musiker mit ausufernden Hammersoli ihr spielerisches Repertoire beweisen. Im, durch Marvin Gaye bekannt gewordenen Motown-Klassiker „Heard It Through The Grapevine“, der bekanntlich auch von vielen großen Bands, unter anderem CCR gecovert wurde, konnte Schmidt ihre gesangliche Qualität nachhaltig beweisen.

Den Abschluss machte „Nights In White Satin“, dem Schmidt mit ihrer Soulstimme eine ganz besondere Note gab. Auch hier glänzte Bierther mit feinster Gitarrenarbeit in einen Solo, das zunächst filigran, fast zerbrechlich wirkend, begann, um zum Ende hin geradezu zu explodieren.

Es ist schwer ein Fazit zu einem Onlinekonzert zu fassen, da das wichtige Interagieren von Band und Fans fehlt. Was ich als einziger Gast auf jeden Fall sagen kann, ist, dass der Sound im Saal bestens ausgesteuert war, alle Instrumente differenziert und klar hörbar waren.

Wenn man eine durchgehende Besucherzahl von 120 mit Spitzen bis zu 150 Zuhörern sieht, was höher als die Kapazität des Saales ist und die positiven Kommentare im Stream betrachtet, kann das Projekt als gelungen angesehen werden, was seitens des Veranstalters am Ende auch so gesehen wurde. Erwähnenswert ist auch, dass sich die ersten 30 Interessierten am Tag des Konzertes beim Biobäcker kostenlos eine Konzertsnacktüte abholen konnten.

Ein Dank an den Veranstalter und an Martin Engelien, der mich fragte, ob ich als einziger Vertreter eines Magazins, über den Abend berichten wolle.
Wer Spaß an Konzerten mit großer Nähe zu den Künstlern in einer feinen Location hat, sollte die Seite des JuBB in Essen öfters mal im Auge behalten. Neben der Jazzreihe finden dort in regelmäßigen Abständen auch Americana-Konzerte statt, wenn es die Zeit wieder zulässt.

Line-up:
Svenja Schmidt – Gesang, E-Piano
Jan Bierther – Gitarre
Dirk Leibenguth – Schlagzeug
Martin Engelien – Bass

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

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Svenja Schmidt
Jugend- und Bürgerzentrum Werden
Jazz im Jubb

Bones Owens – Same – CD-Review

cover Bones Owens - Bones Owens 300

Review: Michael Segets

Was scheppert da aus den Boxen? Es ist das Debütalbum von Bones Owens! Da gibt es keine Schnörkel, sondern Rhythmus, Gitarre und Gesang. Owens spielt seinen Rock, der an den Garage der sechziger Jahre erinnert, gerade heraus. Sound und Songs sind auf das Wesentliche reduziert und meist in rund drei Minuten verpackt. Von den ersten fünf Tracks knackt nur „White Lines“ um ein paar Sekunden diese Marke und das auch nur wegen der Rückkopplungen am Ende.

Sänger und Gitarrist Bones Owens, der mit bürgerlichem Namen Caleb Owens heißt, wird von dem Schlagzeuger Julian Dorio und dem Bassisten Jonathan Draper begleitet. Live im Studio eingespielt – weil Owens davon überzeugt ist, dass dies eine gewisse Anspannung mit sich bringt, die das Beste von sich und den Mitstreitern zum Vorschein treten lässt – klingt der Longplayer auch entsprechend rau und ungeschliffen. Paul Moak (Marc Broussard) produzierte das Album und stellte sein Studio in Nashville für die Aufnahmen zur Verfügung.

Nur das Duo The Sideshow Tragedy ist mir aktuell bekannt, das noch in minimalistischer Besetzung in vergleichbaren Rockgefilden unterwegs ist. Owens Songs sind allerdings deutlich eingängiger. Unterstützung holt er sich bei Regina McCrary (Bob Dylan, Buddy Guy), die im Background singt, und vereinzelt füllen Keys den Sound („Blind Eyes”).

Mit dem akzentuierten Rhythmus, den scharfen Gitarrenriffs und der manchmal technisch verzerrten Stimme vereint die Scheibe von der ersten Minute an vieles von dem, was Rock ausmacht. Mit „Good Day“, „Lightning Strike“ und „Keep It Close” sind bereits drei Videos im Netz. Mit dieser Songauswahl hat Owens die stärksten Stücke von dem Album herausgepickt. Allerdings stehen „Country Man“, der eher ein mittleres Tempo vorlegt, sowie das sehr schön melodische „When I Think About Love” den bereits ausgekoppelten Tracks in nichts nach.

„Ain’t Nobody“ rockt vergleichsweise gemäßigt, wohingegen die Gitarrenriffs und das treibenden Schlagzeug bei „Wave“ eher eine härtere Gangart einschlagen. Selbst das gleichförmige „Come My Way“ entwickelt seinen Reiz. Die Licks der dunklen Gitarre prägen die Atmosphäre von „Tell Me“. Mit den Texten verarbeitet Owens eine Übergangsphase, das von Trennungen geprägt war, nicht nur bezogen auf Beziehungen, sondern auch von seinem Leben am Rande der Selbstzerstörung. Die zahlreichen Tätowierungen des Mannes aus Missouri mögen davon Zeugnis ablegen.

Das im Vergleich mit den anderen Tracks verhaltene, aber immer noch von der kräftigen Gitarre geprägte Abschlussstück „Keep On Running“ knüpft an die vorangegangene EP „Make Me No King“ (2017) an, auf der Owens Musik eine Mischung aus Americana und Blues bot. Der Richtungswechsel auf seinem aktuellen Werk wurde nicht zuletzt durch seine Live-Erfahrungen bei Yelawolf und Mikky Ekko sowie seine Touren mit Whiskey Myers und Reignwolf beeinflusst.

Owens angekündigte Auftritte im April sind bereits ausgebucht. Angesichts der Corona-Lage mag dies optimistisch sein, aber mit seinem selbstbetitelten Debütalbum empfiehlt er sich für einen Besuch seiner Konzerte. Bones Owens gradlinige Songs sind bestens geeignet, um laut gehört zu werden. Kompositionen und Arrangements sind vielleicht nicht ultra-komplex, aber mit Herz gespielt. Manchmal braucht es halt lediglich eine gute Song-Idee, einen treibenden Rhythmus und kräftige Gitarren.

Black Ranch Records/Thirty Tigers-Membran (2021)
Stil: Rock

Tracks:
01. Lightning Strike
02. Good Day
03. White Lines
04. When I Think About Love
05. Wave
06. Blind Eyes
07. Keep It Close
08. Ain’t Nobody
09. Come My Way
10. Country Man
11. Tell Me
12. Keep On Running

Bones Owens
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Black Pistol Fire – Look Alive – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Die Band Black Pistol Fire ist in Europa noch eher als Geheimtipp zu sehen, könnte aber auch hier in der Sparte ‚Grunge trifft Blues und Southern Powerrock‘ seine Fans gewinnen. In Kanada, wo die beiden Bandmitglieder Kevin McKeown und Eric Owen, die sich seit dem Kindergarten kennen, ihre Heimat haben, schafften sie es immerhin 2018 schon mit dem Song „Lost Cause“ für 14 Wochen in den Charts präsent zu sein.

Nun bringen die mittlerweile in Austin/Texas lebenden Musiker mit „Look Alive“ das nächste Album auf den Markt, welches vor Dynamik und Kraft nur so strotzt. Dies ist besonders erstaunlich, wenn man bedenkt, dass die Stücke zum großen Teil zu zweit eingespielt sind und somit von einem Powerduo gesprochen werden kann.

Harte Gitarrenriffs und einprägende Melodien begleiten durch das gesamte Album und Gitarrist McKeown überzeugt auch durch einen kraftvollen Gesang, der mich stimmlich an Ben Ringel von den Delta Saints erinnert. Eric Owen, die Einmann-Rhythmusfraktion bearbeitet die Drums mal wild, als gäbe es kein Morgen, aber auch gefühlvoll zurückhaltend, falls es der Song erfordert.

Zudem erzeugt er durch den Basssynt. zuweilen mystisch psychedelische Klangwelten, die den Stücken einen großen Volumenumfang geben. Als Anspieltipp sei „Always On My Mind“ empfohlen, in dem das Duo seine gesamte Bandbreite an stilistischen Elementen einfließen lässt, und der auch live ein Kracher sein könnte.

Es kann auf jedem Fall gesagt werden, dass den beiden Kanadiern mit „Look Alive“ ein starkes Album gelungen ist, welches auch die Grundlage zu einer hoffentlich bald folgenden Tour sein können. Skeptiker können – glaube ich – beruhigt werden, die zwei können ihre Songs auch ohne Begleitmusiker auf der Bühnen rocken, was sie in der Vergangenheit auch bei Festivals wie Lollapaooza oder Bannaroo schon nachhaltig bewiesen haben.

Band:
Kevin McKeown: Vocals, Guitars
Eric Owen: Drums & Bass Synt.
Gastmusiker:
Emily Wolfe: Guitars auf “Beyond The Blue
Tameca Jones: Vocals auf “Never Enough“
Matt Melli: Hammond Organ auf “Beyond The Blue“
Nick Joswick: Synth Keys auf “Look Alive“

Black Hill Records (2021)
Stil: Blues, Rock

Tracks:
01. Look Alive
02. Pick Your Poison
03. Holdin Up
04. Never Enough
05. Wildfire
06. Hope In Hell
07. Black Halo
08. Temper Temper
09. Level
10. Always On My Mind
11. Beyond The Blue

Black Pistol Fire
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Black Hill Records

Lucero – When You Found Me – CD-Review

Lucero 300

Review: Michael Segets

Lucero veröffentlicht seit über zwanzig Jahren völlig unbemerkt von mir Musik. Auf ein Dutzend Studio-Alben und drei Livemitschnitte blickt die Band aus Memphis, Tennessee, bereits zurück. 2008 brachte die Band sogar ein Album auf einem Major-Label – Universal Music – heraus.

„When You Found Me“ macht jedenfalls Lust, sich zukünftig auch mit deren Backkatalog auseinanderzusetzen. Bei den ersten Durchläufen fallen die kräftigen Gitarren und der mal volle, mal leicht kratzig-nasale Gesang des Frontmanns Ben Nichols angenehm auf.

Die Stimme könnte beim Opener „Have You Lost Your Way” vielleicht etwas weiter nach vorne ausgesteuert sein, aber dennoch entwickelt der Song mit seinem breiten, durch E-Gitarren erzeugten Klangteppich eine ansteigende Dynamik. Auch beim folgenden „Outrun The Moon“ wird eine Spannungskurve erzeugt, allerdings durch den einprägsamen Refrain. Die Instrumentalpassagen sind bei der ersten Single außerdem deutlich differenzierter.

Nach dem bereits gelungenen, rockigen Einstieg folgt ein erstes absolutes Highlight des Albums. Beim countryfizierten „Coffin Nails“ verzichtet Lucero auf dominante elektrische Gitarren und stellt den eindringlich gesungenen Refrain ins Zentrum. Die Band liefert einen starken Song ab, der Reckless Kelly ins Gedächtnis ruft.

„Pull Me Close Don’t Let Go” hingegen zieht mich nicht in seinen Bann. Die sphärischen Klänge und die oftmalige Wiederholung einer Textzeile lassen den Track eher dahinplätschern. Hier setzt Lucero – nach Angabe der Presseinformation – zum ersten Mal einen Synthesizer ein. Der ist ebenso auf „Good As Gone” zu hören. Der Track erlangt durch die Keys den Charme der achtziger Jahre und erinnert an das damalige New Age. Gleichwohl rockt der Song ebenso wie „All My Live”, der Anleihen beim Grunge hat. Lucero bedient sich also in der Rocktradition, ohne dass die Tracks wirklich retro klingen.

Nach Aussage von Nichols wollte er einen klassischen Rock-Sound für den Longplayer. Das von Matt Ross-Spang (Jason Isbell, Drive-By Truckers) produzierte Album löst diesen Anspruch ein, wobei die anderen Bandmitglieder Rick Steff (Keys), Brain Venable (Gitarre), Roy Berry (Schlagzeug) und John C. Stubblefield (Bass) ihren Anteil haben.

Das erdige „The Match“ geht in Richtung Roots Rock und liegt damit genau auf meiner musikalischen Wellenlänge. Eine Steigerung liefert noch der hervorragende Heartland-Knaller „Back In Ohio”. Bei der Abfolge der Gitarrenakkorde und bei den Klavierläufe kommt der Vergleich mit Nils Lofgrens Blütezeit in den Sinn. Eine kurze Saxophon-Passage gibt dem Sound einen zusätzlichen Drive. Das Jahr ist noch jung, aber der Titel wird es auf meinen persönlichen Best-Of-2021-Sampler sicher schaffen.

Mit seinen Zäsuren ist der kräftige Rocker „A City On Fire“ kompositorisch eindrucksvoll. Hardrock-hymnisch angehaucht schallt er wuchtig aus den Boxen. Der Text im Refrain wird im Wechsel von Nichols und dem Background seiner Mitstreiter gesungen. Am Ende setzt sich ein Klavier vor den kräftigen Rhythmus. Bekommen die Hörer hier die volle Breitseite, steht dazu der balladeske Titeltrack in deutlichem Kontrast. „When You Found Me“ erinnert wiederum an Reckless Kelly und schließt das Album ruhig und melodiös ab.

Nichols, der vor vier Jahren Vater einer Tochter geworden ist, greift seine Lebenssituation in einigen Texten auf. Mit der rockig-aggressiven Ausrichtung der Scheibe und anderen, leicht bitteren Lyrics kann sie allerdings nicht als zahm oder familientauglich bezeichnet werden.

Auf „When You Found Me“ verarbeitet Lucero eine breite Palette an Rockeinflüssen. Vielleicht zünden nicht durchgängig alle Songs, aber mit den außerordentlichen „Back In Ohio“ und „Coffin Nails“ spielt die Band in der obersten Liga des Heartland Rock beziehungsweise des Alternative Country mit.

Liberty & Lament – Thirty Tigers/Membran (2021)
Stil: Rock

Tracks:
01. Have You Lost Your Way
02. Outrun The Moon
03. Coffin Nails
04. Pull Me Close Don’t Let Go
05. Good As Gone
06. All My Live
07. The Match
08. Back In Ohio
09. A City On Fire
10. When You Found Me

Lucero
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Eric Clapton’s Crossroads Guitar Festival 2019 – DVD-Review

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Review: Jörg Schneider

Leider stand mir für das bereits erfolgte Review des Festival-Doppelalbums die gleichnamige DVD noch nicht zur Verfügung. Daher jetzt nachträglich noch ein paar Worte zum Video-Mittschnitt. Es gibt ihn auf zwei DVDs bzw. zwei Blu Ray Discs.

Beide Versionen enthalten im wesentlichen die selben Tracks, wie sie auch auf den CDs zu finden sind. Zusätzlich gibt es noch eine kurze filmische „Introduction“, in welcher man die Location in Dallas samt Umgebung etwas kennenlernt und der US-Schauspieler Bill Murray das Festival in launiger Manier anmoderiert.

Was einem erst beim Anschauen der DVDs so richtig bewusst wird, ist die Tatsache, dass ein großer Teil der von Clapton für das Festival verpflichteten Musiker bereits der Generation 70+ (Andy Fairweather Low, Bonnie Raitt, Buddy Guy (84!), Peter Frampton, Jeff Beck, Albert Lee und natürlich Clapton selbst) angehören, bzw. kurz davor stehen (Sonny Landreth, Keb‘ Mo’, Gustavo Santaolalla, Jimmie Vaughan, Robert Cray).

Um so freudiger nimmt man zur Kenntnis mit welch großartiger Spielfreude die alten Herren noch immer durch das Programm toben können. Vor allem Buddy Guy brettert, immer wieder angestachelt von Jonny Lang, mit nicht nachlassender Energie, durch seinen 2018‘er Hit „Cognac“ und spielt die Zuhörer auf seiner Gitarre schon fast schwindelig.

Den Abschluss der ersten DVD bilden drei Songs mit Jeff Beck, nachdem dieser zu den Takten von „Space For The Papa“ im weißen Schlabber-Overall lässig auf die Bühne geschlendert ist.

Die zweite DVD steht dann überwiegend im Zeichen der jüngeren Gitarristen und Musiker und beginnt mit einer harten Nummer von Robert Randolph, der sitzend mit flirrender und quäkender Gitarre auf den Oberschenkeln, durch die Nummer „Cut Em Loose“ rockt. Rockig geht‘s dann auch weiter bis Keb Mo‘ („Am I Wrong“) und John Mayer („Slow Dancing In A Burning Room“) mit zwei Bluesnummern wieder etwas Ruhe in die Sache bringen.

Der im ersten Review bereits geschilderte, hervorragende akustischen Eindruck von Lianne La Havas bekommt nun auch mit ihrem Auftritt ein äußerst sympathisches Gesicht.

Bevor es dann nach Gary Clark jr., Vince Gill, Albert Lee und Bradley Walker (er zelebriert im Rollstuhl sitzend einen wunderschön schmalzigen Südstaatenblues) zum großen Finale mit Clapton und Ensemble kommt, muss allerdings Bill Murray, der am zweiten Tag des Festivals seinen 70’sten Geburtstag feierte, die auf der nach einem Geburtstagsständchen von Clapton überreichten Geburtstagstorte, Kerzen auspusten.

Im Nachspann sind dann nochmals Doyle Bramhall ll und die Tedeschi Trucks Band mit „Going Going Gone“ zu hören.

Insgesamt ist es mit den beiden DVDs gelungen, eine rundherum sehr gute Zusammenfassung der zwei Festivaltage, die von Bill Murray mit wechselnden, etwas exzentrischen Kopftüchern, launig moderiert wurden, zu präsentieren. In akustischer wie auch in optischer Hinsicht bieten sie einen 4-stündigen Musikgenuss, der so manchen musikalischen Leckerbissen enthält. Wer also noch kein Weihnachtsgeschenk hat, die DVDs, bzw. Blu Ray Discs sind für den Anlass sicherlich eine top Wahl.

RHINO / Warner Music (2020)
Stil: Rock, Blues, Soul

Tracklist:

DVD1:
01. Introduction
02. Native Stepson – Sonny Landreth
03. Wonderful Tonight – Eric Clapton & Andy Fairweather Low
04. Lay Down Sally – Eric Clapton & Andy Fairweather Low
05. Million Miles – Bonnie Raitt, Ken Mo’ & Alan Darby
06. Sons Gonna Rise – Citizen Cope with Gary Clark Jr.
07. Lait De Ushuaia A La Quiaca – Gustavo Santaolalla
08. I Wanna Be Your Dog – Doyle Bramhall II with Tedeschi Trucks Band
09. Thats How Strong My Love Is – Doyle Bramhall II with Tedeschi Trucks Band
10. Lift Off – Tom Misch
11. Cognac – Buddy Guy & Jonny Lang
12. Everything Is Broken – Sheryl Crow with James Bay
13. Every Day Is A Winding Road – Sheryl Crow with James Bay
14. Retrato – Daniel Santiago & Pedro Martins
15. B-Side- Kurt Rosenwinkel with Pedro Martins
16. Baby Please Come Home – Jimmie Vaughan with Bonnie Raitt
17. I Shiver – Robert Cray
18. How Long – The Marcus King Band
19. Goodbye Carolina – The Marcus King Band
20. While My Guitar Gently Weeps – Peter Frampton with Eric Clapton
21. Space For The Papa – Jeff Beck
22. Big Block – Jeff Beck
23. Caroline No – Jeff Beck

DVD2:
01. Cut Em Loose – Robert Randolph
02. Hold Back The River – James Bay
03. When We Were On Fire – James Bay
04. Mas Y Mas – Los Lobos
05. Am I Wrong – Keb‘ Mo’
06. Slow Dancing In A Burning Room – John Mayer
07. How Blue Can You Get – Tedeschi Trucks Band
08. Shame – Tedeschi Trucks Band
09. Ís Your Love Big Enough – Lianna La Havas
10. I Say A Little Prayer – Lianna La Havas
11. Feed The Babies – Gary Clark Jr.
12. I Got My Eyer On You Locked Loaded – Gary Clark Jr.
13. Pearl Cadillac – Gary Clark Jr.
14. Tonight The Bottle Let Me Down – Vince Gill with Albert Lee & Jerry Douglas
15. Tulsa Time – Vince Gill with Albert Lee & Jerry Douglas
16. Drifting Too Far From The Shore – Bradley Walker with Vince Gill, Albert Lee         & Jerry Douglas
17. Happy Birthday (to Bill Murray)
18. Badge – Eric Clapton
19. Layla – Eric Clapton with John Mayer & Doyle Bramhall II
20. Purple Rain – Eric Clapton & Ensemble
21. High Time We Went – Eric Clapton & Ensemble
22. Going Going Gone – Doyle Bramhall ll with Tedeschi Trucks Band

Eric Clapton’s Crossroads Guitar Festival
Eric Clapton
Eric Clapton bei Facebook
Oktober Promotion

Nikolausrock im Gocher Kastell, 05.12.2020 – Konzertbericht

NR_haupt

Oft werden Konzertjahre in Locations mit einem Abschlusskonzert unter einem zum Weihnachtsfest passenden Motto beendet, wobei meist noch einmal eine volle Hütte garantiert ist.

Im Konzertjahr 2020 verlief allerdings vieles anders als geplant. Bis Anfang März ging alles noch in geordneten Bahnen ab. Große Touren und Festivals waren für den weiteren Verlauf des Jahres angesagt. Doch schon zu diesem Zeitpunkt machte sich bei Veranstaltern, Bands, Locations aber auch Technikern Unruhe breit, da die Corona-Pandemie sich auch in Europa ausbreitete. Mitte März kam es dann durch den Lockdown zu einem jähen Ende von Veranstaltungen und eine ganze Branche lag brach.

Im Sommer keimte ein bisschen Hoffnung auf und unter strengen Hygieneauflagen fanden Konzerte im eher überschaubaren und kleineren Rahmen statt. Steigende Coronafallzahlen sorgten zunächst für weitere Einschränkungen und ich erinnere mich an das letzte Go Music-Konzert in Kleve, wo Martin Engelien schon orakelte, dass der Winter, was Konzerte betrifft, ganz still werden könnte.

Kurz danach war durch den so genannten Wellenbrecher-Lockdown klar, dass ab Ende Oktober für den Rest des Jahres und vermutlich bis weit ins nächste Jahr, keine Live-Konzerte mit Besuchern stattfinden werden.

Einige Musiker stellten deshalb, oft in Eigenregie, in den letzten Monaten Livestreams ins Netz, um den Fans wenigstens in dieser Form Livemusik anzubieten.

In der Kleinstadt Goch, nahe der niederländischen Grenze, übernahmen „Gocher erleben“, „KulTOURbühne Goch“, „Gocher Stadtmarketing“, „Magic Sound Veranstaltungstechnik“ und „Mahomedia“ die Initiative, um mit dem Nikolausrock im Gocher Kastell einen Konzertabend als Livestream zu organisieren, um etwas Licht in die pandemische Stille zu bringen.

Was aus dieser Initiative entstand, war dann mehr als nur ein normaler Livestream eines Konzertes. Dominick Loock von „Magic Sound Veranstaltungstechnik“ kam auf die Idee, da es in der Gesellschaft viele Menschen mit Höreinschränkungen gibt, mit Thorsten Rose und Megg Rose, zwei Gebärdendolmetscher einzubinden, die im Livestream eingeblendet, abwechselnd agierten.

Dabei wurden nicht unbedingt die Texte eins zu eins übersetzt, sondern auch die Stimmung der Songs beschrieben. Auf diese Art und Weise kam es auf diesem Sektor zur oft beschworenen Inklusion, was in diesem Fall als absolut gelungen anzusehen ist.

Ein weiterer Aspekt, der sehr positiv war, dass der Auszubildende des Veranstaltungstechnikers endlich sein theoretisch erlangtes Wissen, in der Praxis anwenden konnte. Der Saal des Kastells gab durch seine großzügige Raumgestaltung die Möglichkeit vom Equipment her, aus dem Vollen zu schöpfen. Effekte vom Nebel, über aufsteigende Luftblasen, Schneeflocken, Glitzerfontänen, kamen dabei zum Einsatz.

Ein Bühnenaufbau, der ein dreidimensionales Bühnenbild generierte, eine großzügige Lichttechnik und modernen Aufnahmetechniken mit einer Vielzahl von Kameras, eine davon an einem schwenkbaren Kranarm montiert, gaben die Möglichkeit, aus einer Vielzahl von Perspektiven die beiden Konzerte des Abends abzubilden.

Vor und während der Übertragung wurde penibel auf die bestehenden Hygieneregeln geachtet. Die Techniker hielten einen Mindestabstand, welcher meist weit über 1,5 Metern lag, zudem wurden alle Beteiligten auch die anwesenden Fotografen vom Veranstalter mit FFP 2 Masken ausgestattet und zwischendurch wurde auch der Saal durchgelüftet.

Dies war die Grundlage, dass für die Zuschauer am Bildschirm, neben dem auditiven, auch ein visuelles Erlebnis geboten werden konnte. Durchgehend waren 320 – 370 Endgeräte im Stream zugeschaltet und bis 2 Tage nach dem Konzert, gab es etwa 3500 Aufrufe. Die Kommentare zu dem Livestream waren dabei durchweg positiv, sodass der große Aufwand als gerechtfertigt bezeichnet werden kann.

Auch für die Musiker war dieser Abend unter den beschriebenen Möglichkeiten etwas Besonderes. Nach Monaten endlich mal wieder ein Liveauftritt. Vor dem Konzert ergab sich die Möglichkeit, mit Martin Engelien über den Abend zu sprechen. Er beschrieb, dass er noch gar nicht richtig einordnen kann, was ihn auf der Bühne erwartet.

In seiner langjährigen Karriere hatte er schon viele Auftritte, welche im Fernsehen mit ähnlichen technischen Möglichkeiten auch live übertragen worden sind. Aber dort war dann doch in der Sendung Publikum, von dem eine Resonanz ausging.

Nach dem Konzert beschrieb er, dass es nicht gestört habe, ohne Publikum zu spielen, da er wusste, dass viele Fans am Bildschirm zuschauen. Zudem kam von den wenigen arbeitenden Anwesenden doch augenscheinlich rüber, dass es gefiel.

Nach dem Konzert sah er die ganzen positiven Kommentare, was ihn insbesondere auch für den Veranstalter als Lohn für die Mühe freute. Bemerkenswert für ihn war auch, dass er es bei Liveauftritten, damals noch zu Klaus Lage-Zeiten, selbst in der Hitparade, nicht erlebt hatte, dass ein solcher technischer Aufwand betrieben wurde.

Charly T., der schon für Marius Müller Westenhagen und Gianna Nannini die Drumsticks schwang, resümierte nach dem Konzert, dass das Ganze zum Teil schon ein wenig bizarr anmutete. Ein Drumsolo und keine Resonanz, wie kommt das Konzert beim Betrachter an?

Das war etwas anderes als ein Videoclip, um einen Song zu promoten, es war ein ganzes Konzert ohne anwesendes Publikum. Svenja Schmidt empfand den Abend als ein ganz tolles Erlebnis, was mit Sicherheit auch an der gebotenen Technik lag.

Ward Palmen von der niederländischen Band Queen Must Go On versuchte über die Kamera, Kontakt mit den Zuschauern aufzunehmen, was scheinbar auch gelang, da er berichtete, während des Konzertes, Rückmeldungen aus Kommentaren im Livestream erhalten zu haben.

Als Fotograf war es auch ein gewöhnungsbedürftiges Bild, wie ein Sänger vor einer leeren Halle in eine Kamera singt, als wenn ihm die Hände der Fans entgegen gereicht werden.

Was auch gesagt werden muss, dass beide Bands sich absolut mit der besonderen Situation arrangierten und es scheinbar gelang, auszublenden, ohne Vorort-Publikum auskommen zu müssen.

Martin Engelien spielte mit seiner Go Music-Besetzung einen gewohnt starken Act, in dem teilweise sehr alte Coversongs, in ein modernes rockiges Gewand gekleidet wurden. Im Gegensatz zu Konzerten vor Publikum wurden jammende Passagen eher zurückgestellt, was mit Sicherheit eine gute Entscheidung war, da diese von der Live-Interaktion leben.

Francesco Marras, Gitarrist von Tygers of Pan Tang vermittelte den Songs eine Prise Hard Rock und Svenja Schmidt gab Klassikern wie „Nights In White Satin“ eine Note, dass man geneigt ist zu sagen, dass ein Cover sich nicht hinter dem Original zu verstecken braucht, sofern man den Song kreativ und gut  interpretiert. Martin Engelien moderierte gewohnt galant durch den Set und bildete mit Charly T. die starke Rhythmussektion.

Schön war zu hören, wie einer der Techniker dem Lichtmischer kurz sagte, dass er jetzt mal mehr pinkes Licht machen solle, um das passende Ambiente zu schaffen, in dem Francesco Marras „Comfortably Numb“ mit abschließenden Hard Rock-Solo zum Besten geben konnte.

Als zweite Band spielten die Niederländer Queen Must Go On“ ein Potpourri von Queen-Songs aus allen Schaffensphasen. Ward Palmen poste dazu in bekannter Mercury-Manier und zeigte sich auch stimmlich nahe am Original.

Neben ihm stand Gitarrist Ralph Derksen visuell im Mittelpunkt, während die Rythmusfraktion sich eher im Hintergrund hielt, was aber nicht die spielerische Leistung schmählern soll. Den Abschluss des Konzertabends machte dann, wie es sich gehört „We Are The Champions“ mit abschließenden Glitterkonfettiregen und ein durchgehend gelungener Abend hatte seinen Abschluss gefunden.

Die eigentlichen Champions des Abends waren aber die Macher, die mit ihrem Know How in der Bühnentechnik und dem Bereitstellen finanzieller Mittel, diesen Event ermöglicht haben. An diesem Abend hat die Stadt Goch mit ihrer Unterstützung gezeigt, dass nicht nur Phrasen in den jetzigen Zeiten weiterhelfen, sondern Taten, mit denen zumindest ein Zeichen für die Kultur gesetzt wird.

Es fällt schwer nach einem solchen Abend ein Fazit zu fällen. So gut der Abend arrangiert war, so toll wie alle Beteiligten, vom Lichttechniker bis zum Kameramann gearbeitet haben, hoffe ich, dass im nächsten Jahr wieder normale Konzerte mit Publikum stattfinden, dass die Besucher in den Genuss kommen, die Musik wieder live zu spüren und vor Ort erleben können.

Dies schließt dann nicht aus, dass auch Livestreams in dem hier gebotenen Format erfolgen, wobei mit Publikum in einer vollen Halle manche Techniken schwer einsetzbar sind.

Ein besonderer Dank gilt Dominick Loock, der es mir sehr kurzfristig ermöglicht hat, live vor Ort an diesem Event teilzunehmen und darüber berichten zu können.

Veranstalter und Verantwortliche:

Thorsten Matenaers von Gocher erleben
Dr. Stephan Mann von der Kulturbühne
Rüdiger Wenzel vom Gocher Stadtmarketing
Dominik Loock & Team von Magic Sound Veranstaltungstechnik
Marvin Hoffmann von Mahomedia

Bands:

Line-up Go Music:
Martin Engelien – Bass
Charly T. – Drums
Svenja Schmidt – Vocals, Piano
Francesco Marras – Guitar, Vocals

Line-up Queen Must Go On:
Ward Palmen – Vocals, Piano
Ralph Derksen – Guitar
Geert Horvers – Bass
Erwin van Welie – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Martin Engelien
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Queen Must Go On
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Eric Clapton’s Crossroads Guitar Festival 2019 – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Bereits 1999 organisierte Eric Clapton den Vorläufer des jetzigen Festivals zur finanziellen Unterstützung des Crossroads Center, einer Therapieeinrichtung in Antigua für Drogen- und Alkoholabhängige. 2004 wurde daraus das inzwischen mit Kultstatus behaftete „Crossroads Guitar Festival“. Seitdem hat es unter Führung von Clapton regelmäßig, mit Ausnahme von 2016, alle drei Jahre stattgefunden, zuletzt in 2013.

Nun ist das Festival im Herbst letzten Jahres zum fünften Mal zurückgekehrt und natürlich wieder mit von Clapton handverlesenen Gitarristen und Musikern der Spitzenklasse. Wer von ihm ausgewählt wird und auf dem Festival auftreten darf, kann sich sicherlich mit Recht zur Creme de la Creme der Blues- und Rockmusik zählen.

Mit dabei sind, wie in allen Jahren zuvor auch, die Blues- und Rock-Urgesteine Buddy Guy, und Jeff Beck, sowie Doyle Bramhall ll, Jimmie Vaughan, John Mayer, Robert Cray, Robert Randolph, Sonny Landreth und Vince Gill. Stattgefunden hat das Event am 20. und 21. September letzten Jahres in Dallas mit vielen weiteren Größen der Blues und Rock Szene (Andy Fairweather Low, Peter Frampton, Sheryl Crow, Los Lobos, Bonnie Raitt, Keb‘ Mo‘).

Eine besondere Erwähnung verdienen Doyle Bramhall II, Susan Tedeschis und Derek Trucks Version von „I Wanna Be Your Dog“, dem Punk-Klassiker von Iggy Pop und den Stooges sowie die Clapton Songs „Lay Down Sally“, „Wonderful Tonight“ und „Layla“. Die beiden erstgenannten Songs performt der Meister mit Andy Fairweather Low und „Layla“ mit Doyle Bramhall ll und John Mayer.

Im Laufe des Konzertes erweist Clapton dann auch noch zusammen mit Peter Frampton seine Reminiszenz an George Harrison, und dies, wie könnte es anders sein, mit „While My Guitar Gently Weeps“. Zusätzlich gibt‘s gegen Ende des Festivals noch den Cream-Klassiker „Badge“, der allerdings in Claptons moderner Version nicht so überzeugend klingt.

Vor allem müssen aber die im Line-up auftauchenden talentierten bzw. jüngeren und zumindest hierzulande wahrscheinlich mehr oder weniger unbekannteren Künstler hervorgehoben werden. Sie haben das Festival enorm bereichert.
Citizen Cope ist bereit seit 1995 in Sachen Blues, Soul und Folk unterwegs. Nach seinen Auftritten in 2010 und 2017 war er auch letztes Jahr wieder mit einem Song dabei. Zusammen mit Gary Clark Jr. jammt er den Song „Sons Gonna Rise“, ein hörenswerter, melodiöser Blues mit schönem Gesangsolo im Mittelteil.

Ganz anders Gustavo Santaolalla. Er stammt aus Argentinien und gilt als Mitbegründer des Latin-Rock. Mit „Lait De Ushuaia A La Quiaca“ liefert er ein relaxtes Latin-Instrumental auf der Gitarre ab, begleitet von einer Violine.

Auch „Lift Off“, gespielt von dem erst 25-jährigen Briten Tom Misch, ist ein hervorragendes Instrumentalstück, in dem er vorwiegend auf dem unteren Teil des Gitarrenhalses die Saiten zupft.

Pedro Martins und Daniel Santiago hingegen sind brasilianische Jazzgitarristen. Mit „Retrato“, einer ruhigen, südamerikanischen Gitarrennummer mit leichten Flamenco-Einflüssen, schmeicheln sich die beiden, hervorragend aufeinander eingespielt, in unsere Gehörgänge. In „B-Side“ wird Kurt Rosenwinkel, ein US-Jazzgitarrist der in Berlin lebt und bereits 2013 mit von der Partie war, dann auch noch einmal von Pedro Martins unterstützt. In dem Song stehen ebenfalls wieder weiche und melodiöse Klänge im Vordergrund.

Am meisten beeindruckt hat den Schreiber dieser Zeilen allerdings die jamaikanisch-griechische Sängerin Lianne La Havas. In ihrer Ballade „Is Your Love Big Enough“ überzeugt sie mit klarer Jazz-Stimme und einem minimalistisch-einprägsamen Gitarrenlauf.

Mit „I Say A Little Prayer“ hatten bereits Dionne Warwick in 1957 und 10 Jahre später auch Aretha Franklin Erfolg. Lianne La Havas gelingt es diese zwei in die Jahre gekommenen Stücke nur mit ihrer zarten Stimme und dezenter Gitarre zu entstauben und in einem ansprechenden modernen Gewand leicht jazzig zu präsentieren. Toll!

Eine weitere Überraschung des Festivals war sicherlich die aus South Carolina stammende Marcus King Band. Ihr Titel „How Long“ geht mächtig ab und erinnert durch flotte Bläsersätze an vergangene Soul-Zeiten. Ganz anders, und dennoch absolut hörenswert, ist „Goodbye Carolina“, ein einfühlsamer Südstaaten Blues getragen von Marcus Kings leicht heiserer Stimme.

Den krönenden Abschluss des Festival bilden schließlich nach fast vierstündigem Hör- bzw. Videogenuss die Nummern „Purple Rain“ und „High Time We Went“, die der Meister beide mit dem gesamten Ensemble intoniert und zelebriert.

Insgesamt wurden 43 Songs des zweitägigen Festivals der Nachwelt auf CD, DVD, Blue Ray und Vinyl erhalten. Über den Ladentisch gehen die Teile seit dem 20.11.2020.

Eine kleine Kostprobe des Events gibt’s auf YouTube mit der Marcus King Band – „Goodbye Carolina“, Lianne La Havas – „I Say A Little Player“ und Eric Clapton – „Badge“ zu sehen und zu hören.

RHINO / Warner Music (2020)
Stil: Rock, Blues, Soul

Tracklist:
01. Native Stepson – Sonny Landreth
02. Wonderful Tonight – Eric Clapton & Andy Fairweather Low
03. Lay Down Sally – Eric Clapton & Andy Fairweather Low
04. Million Miles – Bonnie Raitt, Ken Mo’ & Alan Darby
05. Sons Gonna Rise – Citizen Cope with Gary Clark Jr.
06. Lait De Ushuaia A La Quiaca – Gustavo Santaolalla
07. I Wanna Be Your Dog – Doyle Bramhall II with Tedeschi Trucks Band
08. Thats How Strong My Love Is – Doyle Bramhall II with Tedeschi Trucks Band
09. Going Going Gone – Eric Clapton & Tedeschi Trucks Band
10. Lift Off – Tom Misch
11. Cognac – Buddy Guy & Jonny Lang
12. Everything Is Broken – Sheryl Crow with James Bay
13. Every Day Is A Winding Road – Sheryl Crow with James Bay
14. Retrato – Daniel Santiago & Pedro Martins
15. B-Side- Kurt Rosenwinkel with Pedro Martins
16. Baby Please Come Home – Jimmie Vaughan with Bonnie Raitt
17. I Shiver – Robert Cray
18. How Long – The Marcus King Band
19. Goodbye Carolina – The Marcus King Band
20. While My Guitar Gently Weeps – Peter Frampton with Eric Clapton
21. Space For The Papa – Jeff Beck
22. Big Block – Jeff Beck
23. Caroline No – Jeff Beck
24. Cut Em Loose – Robert Randolph
25. Hold Back The River – James Bay
26. When We Were On Fire – James Bay
27. Mas Y Mas – Los Lobos
28. Am I Wrong – Keb‘ Mo’
29. Slow Dancing In A Burning Room – John Mayer
30. How Blue Can You Get – Tedeschi Trucks Band
31. Shame – Tedeschi Trucks Band
32. Ís Your Love Big Enough – Lianna La Havas
33. I Say A Little Prayer – Lianna La Havas
34. Feed The Babies – Gary Clark Jr.
35. I Got My Eyer On You Locked Loaded – Gary Clark Jr.
36. Pearl Cadillac – Gary Clark Jr.
37. Tonight The Bottle Let Me Down – Vince Gill with Albert Lee & Jerry Douglas
38. Tulsa Time – Vince Gill with Albert Lee & Jerry Douglas
39. Drifting Too Far From The Shore – Bradley Walker with Vince Gill, Albert Lee         & Jerry Douglas
40. Badge – Eric Clapton
41. Layla – Eric Clapton with John Mayer & Doyle Bramhall II
42. Purple Rain – Eric Clapton & Ensemble
43. High Time We Went – Eric Clapton & Ensemble

Eric Clapton’s Crossroads Guitar Festival
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