Midnight Shine – High Road – CD-Review

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Eigentlich ist es nur meiner Sympathie für kanadische Interpreten zu verdanken, dass diese Scheibe in Sounds Of South besprochen wird. Es nimmt in letzter Zeit doch Überhand, dass wir ungefragt mit eher inkompatiblen Sachen bemustert werden, dann auch noch, wie in diesem Fall, mit Downloads.

Midnight Shine ist eine Band aus James Bay, Ontario, die vor kurzem mit „High Road“ ihren dritten Longplayer herausgebracht hat. Mastermind dieses Ensembles ist Adrian Sutherland, produziert haben das Werk in einem schönen transparenten Klang John-Angus MacDonald (The Trews) und Tim Vesely (Rheostatics).

Geboten bekommt man ausnahmslos melodischen, radiofreundlichen bis sogar hittauglichen Indie-Rockpop (mit der mir nicht so liegenden typischen etwas dünnen Gesangsstimme), der sich in einem Rahmen von Britpop, teilweise durchaus stadiontauglichem Mainstream Rock über Heartland-, Indie, und ganz dezenten Roots-/Americana-Anleihen bewegt.

Centerstück ist die Verbeugung vor Kanadas Parade-Songwriter Neil Young mit einer Coverversion von „Heart Of Gold„, die ihren Reiz durch Einbindung von indianischen Hintergrundgesängen sowie der letzten Strophe hat, die in Cree, einer Ureinwohner-Sprache, die im, in Ontario ansässigen Mushkegowuk-Council verbreitet ist, gesungen wird. Toll hier auch das Akustik-Slide-Solo sowie die Young-typisch plusternde Mundharmonika.

Weitere Highlights für mich sind der piano-lastige Opener „Leather Skin“ mit kurzem Slide-Solo am Ende, das rockig treibende, ebenfalls E-Slide-unterlegte „Lonely Boy“ sowie die retro-behaftete hittaugliche Powerballade „I Need Angels“ (mit kurzen Twin-Solo) zum Abschluss.

Midnight Shine untermauern mit „High Road“ ebenfalls den guten Eindruck, den ich bisher von kanadischen Acts erhalten habe. Auch wenn die Scheibe bis auf die paar kurzen Slide- und die eine Twin-Einlage recht wenig mit unserer Thematik zu tun hat, kann man die CD durchaus guten Gewissens an Leute als Geheimtipp empfehlen, die ein offenes Ohr für die oben beschriebenen Musikbereiche haben.

Eigenproduktion (2019)
Stil: (Roots/Indie) Rockpop

01. Leather Skin
02. Cold Water
03. High Road
04. Velocity
05. Survivor
06. Words I Could Have Said
07. Heart of Gold
08. Lonely Boy
09. Sister Gold
10. I Need Angels

Midnight Shine
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Greywood Records

Vanja Sky – 12.03.2019, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Nachdem Vanja Sky, im Rahmen von Rufs Blues Caravan, bereits letztes Jahr an der Seite von Mike Zito und Bernard Allison durch Deutschland tingelte und dort auch schon überzeugte, besuchte Sie erstmals den Kölner Yard Club im Rahmen Ihrer ersten Solotour.

Die junge Kroatin, die erst seit wenigen Jahren Gitarre spielt, hatte ihr Debutalbum „Bad Penny“ im Gepäck, von dem sie auch fast jeden Song spielte und ergänzte erwartungsgemäß ihre Show mit mehreren Coversongs. Wie meist im Yard Club, der leider mit etwa 40-50 Fans nur mäßig besucht war, begann das Konzert recht pünktlich gegen 20:15 Uhr.

Vanja in einem weißen Kleid mit roten Blumen gekleidet, brachte auch durch ihre erfrischende und natürliche Art eine regelrechte Wohlfühlstimmung in den Club und interagierte immer wieder mit dem Publikum.

Mit dem Opener „Hard Working Woman“ legte Sie direkt einen feinen Bluessong aus der eigenen Feder hin. Unterstützt wurde Sie dabei von Ihrer Band, Eduard Jimmy Matesic an der zweiten Lead Guitar, der mit einigen starken Soli glänzte, Hanser Schüler an den Drums und Roger Inniss, Rufs Tausendsassa am Bass.

Dem Cream-Klassiker „Strange Brew“, den Sie gekonnt aufs Parkett legte, ließ sie mit „Do You Wanna?“, „Inside Pain“ und „Give Me Back My Soul“ drei Songs vom eigenen Album folgen, ehe Sie sich an Stevie Ray Vaughns „Pride & Joy“ wagte und mit dem selbst geschrieben „Crossroads Of Life“ einen der Höhepunkte des Konzerts folgen ließ.

Psychedelisch beginnend, steigerte sich das Stück mit hohen Wiederekennungswert in eine starke Bluesnummer, die mit dem entsprechenden Applaus belohnt wurde. Dem frühen Fleetwood Mac Klassiker „Oh Well“ gab Sie mit Ihrer Stimme eine ganz eigene Note.

Schön war dabei, wie die Band harmonierte, Vanja sich immer wieder zu Matesic begab, um sich in Soli zu duellieren oder, Seite an Seite mit Inniss stehend, performte. Beiden, wie auch dem Drummer Hanser Schüler war anzumerken, mit welchem Spaß sie bei der Sache waren und sie die positive Stimmung aus dem Publikum aufnahmen.

Danach legte Sky die elektrische Gitarre für einen Song auf Seite und spielte eine gefühlvolle Version des Traditionals „House Of The Rising Sun“, das durch die Animals bekannt wurde. Dies tat sie in einer solch intensiven Art, dass ihre Begleiter mit geschlossenen Augen, scheinbar träumend, in den Song einsetzten.

Hanser bewies hier, dass er neben dem druckvollen Schlagzeugspiel auch mit viel Ruhe und Gefühl sein Instrument spielen kann, um so nicht die traumhafte Atmosphäre zu zertrümmern und nur leichte Akzente zu setzen.

Dem bluesigen „All Night“ folgten das rockige „Don‘t Forget To RnR“ und das Black Crowes-Cover „Twice As Hard“, in dem alle Musiker tolle Soli einbrachten. Besonders hervorzuheben ist hier das mehrminütige Agieren von Roger Inniss an seinem 6-Saiter, bei dem er eindrucksvoll offenbarte, was aus diesem Instrument mit dem nötigen spielerischen Können heraus zu holen ist.

Mit dem leicht balladesken „Married Man“ gab Sky dann Einblicke in Ihr Seelenleben. Schön war zu sehen, wie das Publikum diesen speziellen Moment wahr nahm und scheinbar anmutig lauschte, so auch Inniss, der erst später mit seinem Bass einsetzte.

Gegen Ende des Konzertes legte Sie mit „Bad Penny“, dem ganz stark interpretierten, „Going To My Hometown“, bei dem Matesic sie an der Mandoline begleitete und „Shadow Play“, drei Songs ihres Idols Rory Gallagher hin.

Es mündete darin, dass Sie selbst, auf der Bühne liegend, ihre Gitarre bespielte und Matesic ihr anschließend ganz im Stile eines Gentlemans, wieder aufhalf.

Nach einer eigenwilligen, gesanglich starken Version von „Whole Lotta Love“ gab es als letzten Song noch eine hart rockende Version des Troggs Klassikers „Wild Thing“ und die Band verabschiedete sich vom gut mitgehenden Audienz.,

Der anhaltenden Applaus dafür sorgte, dass mit einem stark vorgetragenen, groovenden „Hit Me With The Blues“ einer der stärksten Songs, die fällige Zugabe bildete. Nach etwa 90 Minuten war der gelungene Auftritt der Nachwuchskünstlerin beendet.

Sicher gibt es noch die eine oder andere Ecke glatt zu schleifen, aber in punkto Publikumsnähe, positiver Ausstrahlung, braucht sie sich vor wenigen in der Szene zu verstecken.

Es wird spannend, wie sich die junge Kroatin weiter entwickeln wird. Mit der Unterstützung der heutigen Musiker, ist zu erwarten, dass man in der Zukunft noch einige Positives von ihr hören wird, und sie auch bei den weiteren Konzerten der Tour, ihre Fans begeistern wird.

Ein Dank auch an Marcus Neu, der immer wieder jungen Künstlern im Yard Club die Chance gibt, sich zu beweisen. Schön wäre es, wenn dies auch besuchsmäßig mehr gewürdigt werden würde, dass dies in Zukunft entsprechend fortgesetzt werden kann.

Line Up:
Vanja Sky – Vocals, Gitarre
Eduard Jimmy Matesic – Gitarre, Mandoline
Roger Inniss – Bass
Hanser Schüler – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Vanja Sky
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Ruf Records
Yard Club Köln

Joseph Parsons – Digging For Rays – CD-Review

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Review: Michael Segets

Joseph Parsons erlebte ich 2013 im Essener Grend als Mitglied der US Rails. Mittlerweile ist Parsons aus der Truppe ausgestiegen, verfolgte aber mit Hardpan ein anderes Bandprojekt und war mit Todd Thibaud als Duo Parsons Thibaud unterwegs. Neben diesen Kollaborationen ist er auch solo sehr aktiv. Mit „Digging For Rays“ legt Joseph Parsons nun sein 13. Studioalbum vor, das er mit seiner bewährten Begleitband einspielte: Ross Bellenoit an der elektrischen Gitarre, Freddi Lubitz am Bass und Sven Hansen am Schlagzeug.

Dass Parsons schöne Melodien entwickeln und poetische Texte verfassen kann, stellt er auf seiner neuen CD erneut unter Beweis. Mit seiner markanten, weich und zugleich voll klingenden Stimme drückt er seinen Songs einen eigenen Stempel auf. Die Stimme von Parsons bringt beispielsweise auf „Sad Parade“, von seiner akustischen Gitarre begleitet, Emotionen unmittelbar rüber. Der pure Klang des Stücks macht es zu meinem Favoriten auf der Scheibe.

Als weitere langsamere Songs sind das sphärisch untermale „Long Road”, „Today“ – mit einem schönen Gitarrensolo – und „Piracy“ vertreten. Sie wirken harmonisch und melodiös. „Piracy“ kann live gespielt und weniger opulent arrangiert zu einem hervorragenden Teil von Parsons Repertoire werden. In der vorliegenden Version ist es mir einen Tick zu poppig geraten.

Gleiches gilt für einige andere Titel. Bei einzelnen Stellen von „Beautiful Lie“ kommt mir die englische Band Latin Quarter in den Sinn. Der Song ist eingängig, aber die Klangsphären vor allem am Ende des Stücks gehen schon stark in Richtung Pop. Bei „Come Around“ empfinde ich die gesprochene Passage störend. Der helle Soundteppich und der Klang des Schlagzeugs auf „Living Things“ liegen ebenfalls nicht auf meiner Linie.

Neben den kritischen Anmerkungen lässt sich aber auch positives verzeichnen: „Dreaming” beginnt mit akustischer Gitarre und entwickelt sich nicht zuletzt durch die einsetzende E-Gitarre zu einem spannenden Rocksong. Ein ähnliches Tempo, aber mit etwas dunklerer Atmosphäre, schlägt der Opener „Wide Awake“ an. Er hat von den Titeln des Albums den deutlichsten Wiedererkennungswert. Als Bonustrack gibt es das Stück in deutscher Sprache, mit der Parsons seine derzeitige Wahlheimat würdigt. Parsons‘ Akzent bei „Hellwach“ ist durchaus sympathisch. Seine Betonung erinnert mich an Herman van Veen.

Parsons „Digging For Rays“ ist nicht sein bestes, aber ein solides Album. Die Melodien und Songstrukturen sowie Parsons‘ Stimme bilden dessen Fundament, das bei einigen Songs durch die poppig geratenen Arrangements überlagert wird. Man darf gespannt sein, wie die Stücke live wirken, denn Parsons tourt wieder ausgiebig durch Deutschland, wobei er u. a. am 24. März im JZ Karo in Wesel Station macht.

Meer Music/Blue Rose Records/Soulfood (2018)
Stil: Rock, Pop

Tracks:
01. Wide Awake
02. Come Around
03. Living Things
04. Beautiful Lie
05. Today
06. Piracy
07. Sad Parade
08. Dreaming
09. Long Road
10. Hellwach (Bonus-Track)

Joseph Parsons
Joseph Parsons bei Facebook
Bluerose Records
Soulfood
Oktober Promotion
JZ Karo

Jasmine Wynants-Granfelt – In My Mind – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Am 6. März veröffentlicht Jasmine Wynants-Granfelt, nachdem sie mit verschiedenen Bands schon einige Platten auf den Markt gebracht hat, ihr erstes Solo-Album “In My Mind”.

Die Ankündigung der neuen Platte auf ihrer Webseite beginnt mit einem mystischenText: „♥ I want to look into Your eyes for Eternity…swim in the Mystery of Your Soul…fall into the Pumping of Your Heart…climb onto the Wandering of Your Feet..lost in The Hole in the Universe ♥”

Passend zu diesem das vieldeutig interpretierbare psychedelisch angehauchte Plattencover, der in Belgien geborenen, in Singapur und den Niederlanden aufgewachsenen Wynants-Granfelt, die es wegen der Liebe zur finnischen Musikszene 2011 nach Helsinki zog. Ob das finnische Wetter, wie auf der Homepage beschrieben, auch eine Rolle spielte, sei dahingestellt.

Auf dem Tonträger erwarten einen 11 Songs, die mit einer Ausnahme, dem Cover „Wild Frontier“ von Gary Moore, alle von ihr selbst geschrieben sind. Produziert ist es von Magnus Axberg und Ben Granfelt, der auch alle Gitarren einspielte und dem Werk einen entsprechenden Charakter verleiht. Wer aber glaubt, dass es sich um ein Granfelt-Album mit seiner Frau als Vokalistin handelt, ist allerdings auf dem Holzweg.

Mit „The Gravedigger’s Wife“ beginnt die Scheibe direkt furios grunge-punk-rockend im Stile alter Billy Idol-Sachen, was durch Wynants-Granfelts leicht schnoddrigen Gesangsstil in diesem Song noch unterstützend wirkt

„Extraordinary Man“ ist eine Art Homage an den britischen Comedian Ricky Gervais, dem sie zu Beginn des Liedes fast eine Art Heiratsantrag macht (wie kann Ben Granfelt bei solch einem Text weiter ruhig seine Gitarre spielen?), dies aber zum Ende relativiert. „Don’t worry I am married, I’m not looking for a score“. Ben und Ricky können somit beide beruhigt sein, sie liebt nur die Art von Humor und gibt damit auch einen Einblick in ihre Seele.

„In My Mind“ beeindruckt zunächst mit einem orientalisch angehauchten Intro, dem Jasmine auch ihre facettenreiche Stimme entsprechend anpasst. Mit „Song For Him“ zeigt sie, dass sie auch radiotaugliche Songs der Kategorie Stevie Nicks kann, wobei sie allerdings stimmlich rauer und wilder, wie auch im folkigen „Trudyanne“, daherkommt.

Ihre Flexibilität im Songwriting wird spätestens in dem Moment klar, wo dem Grunge-umwehten „Bye Bye Babydoll“ das fast swingende „Pimp“ folgt. Einer der absoluten Highlights der Platte ist das rockige „For What It’s Worth“, in dem Ben Granfelts Gitarrenspiel herausragt.

Im weitesten Sinne erinnert es mich in einigen Passagen an einen meiner Favoriten der Guitar Slingers, „This Is Forever“. Diesem Topsong wird mit dem Gary Moore Cover „Wild Frontier“ in einer akustisch, folkig, keltisch interpretierten Version ein weiterer Höhepunkt nachgelegt, wobei Jasmine mit sanfter gefühlvoller Stimme fast träumerisch daherkommt.

Nach dem swingenden „Mr. Postman“ gibt Jasmine Wynants-Granfelt im letzten Song noch einmal einen Einblick in ihre Seele. Beim folkig-lastigen „Cigarettes“ bekennt sie, dass es wohl Momente gibt, in denen sie für eben solche sterben würde.

Als Fazit kann gesagt werden, dass Jasmine Wynants-Granfelt mit „In My Mind“ einen ganz starken und abwechslungsreichen Longplayer hingelegt hat. Trotz der vielen Stilelemente ist er in sich kompakt und demnach ohne Längen, da man immer wieder (positiv) überrascht wird.

Neben der facettenreichen Stimme Jasmins setzt natürlich auch das Gitarrenspiel Ben Granfelts, der nicht umsonst einige Jahre bei Wishbone Ash spielte, viele Glanzpunkte. Aus diesen Gründen absolute Kaufempfehlung, und die Hoffnung, dass Wynants-Granfelt diese Songs, am besten mit ihrem Gatten auch in den hiesigen Clubs zum Besten gibt.

Als Service gibt es auf der Webseite Wynants-Granfelts die Texte von allen Songs schon vor der Veröffentlichung des Albums.

Supersounds Music (2019)
Stil: Rock

01. The Gravediggers’s Wife
02 Extraordinary Man
03. In My Mind
04. Song For Him
05. Trudyanne
06. Bye Bye Babydoll
07. Pimp
08. For What It’s Worth
09 Wild Frontier
10. Mr. Postman
11. Cigarettes

Jasmine Wynants-Granfelt
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Rosedale – 23.02.2019, Blue Notez, Dortmund – Konzertbericht

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Nachdem Rosedale am Vortag in Köln im Deutschlandfunk einige Songs für den Radiosender live eingespielt hatten, ging es an einem frühlingshaften Samstagabend nach Dortmund, um sich im hiesigen Blue Notez Club, den meist bluesbegeisterten Fans zu präsentieren.

Im Gepäck hatten sie neben dem im Herbst 2018 erschienen Albums „Wide Awake“ auch ihren Erstling „Long Way To Go“, der 2017 erschienen war. Kurz nach 20:00 Uhr betrat die Band um die jungen Fronter Amandyn Roses, als stimmgewaltige Sängerin, aber auch Entertainerin und Charlie Fabert, einen wahren Hexer an der Gitarre, die Bühne des recht gut besuchten Clubs. Wenn man bedenkt, dass die Band, abgesehen von einem Festival in Weert, hier erstmals als Newcomer in der Region auftrat, ist das schon erfreulich.

Schon beim Betreten der Bühne genossen sie sichtlich den Applaus der Besucher zur Begrüßung. Dieser sollte sich dann in den zwei, je etwa einstündigen Sets des Abends, in enthusiastische Ausmaße steigern. Die fünf Musiker präsentierten den Fans dabei eine bunte Mischung ihrer beiden Platten, gespickt mit einigen stark interpretierten Coversongs.

Mit „Racing At The Wheel“, „Smoking Gun“ und „ Fireplace“ widmeten Sie den Beginn der Show dem neuen Album und es gelang fast von Beginn an, das Publikum zu begeistern und zum Mitklatschen und Mitsingen von Textpassagen zu animieren.

Sie spielten die Bluessongs in einem zum Teil rockigen als auch souligen Gewand, wobei Fabert seine Gitarre phasenweise zweistimmig bespielte und mit tollen Soli in verschiedenen Tempi begeisterte. Ihm war dabei zu jedem Zeitpunkt anzumerken, mit welcher Freude er sich fast in Exstase spielte. Auch Roses spielte zu Teil divenartig mit dem Publikum, wobei das nicht negativ gemeint ist.

Sie stellte einen tollen Kontakt zu den Fans her, und man merkte ihr und der Band an, wie sie die Stimmung im Blue Notez sprichwörtlich in sich aufsaugten.

Mit „Nutbusch City Limits“ von Ike und Tina Turner legten sie das erste Cover in einer ganz eigenen bluesigen Interpretation nach; gewagt aber gelungen, was auch am Applaus der Audienz erkennbar war. Weiter ging es mit einem Griff in den Erstling „Long Way To Go“ und die Band zauberte „Soul Posession“ und „Bad News“ auf die Bretter des Blue Notez.

Nach dem ‚Neuling‘ “The Sun Won‘t Rise Today“ verließen alle, bis auf die beiden Fronter die anderen die Bühne und es wurde eine gefühlvolle Version des Gil Scott Heron Klassikers „I‘ll Take Care Of You“ vorgetragen. Im roten Licht der Bühne präsentierten die beiden den Song mit ganz ruhig integrierten Passagen, in denen man die sprichwörtliche Stecknadel im Heuhaufen hätte fallen hören können.

Hier auch ein Kompliment an das Publikum, welches ein feines Gespür hatte, wann der Zeitpunkt für lauten Applaus und wann der für eine fast ehrfürchtige Ruhe gegeben war. Nach diesem emotionalen Highlight schickte Charlie Fabert die Besucher in eine Pause, um sich an der Theke des Clubs noch einmal fürs zweite Set zu stärken.

Diese Pause nutzte der Lichttechniker des Clubs, um schnell zwei defekte Fronscheinwerfer auszutauschen, sodass die eh schon recht gut ausgeleuchtete Bühne in einem noch besseren Licht stand. Hier schon einmal ein Kompliment an den wirklich guten und differenzierten Sound und die schönen Lichteffekte, zu denen auch die metallenen Traumfänger der Band sorgten, die das Hintergrundbild, für ein traumhaftes Konzert darstellten.

Mit dem Titelsong von „Long Way To Go“ ging es dann in die zweite Hälfte des Gigs. Nach dem rockenden „Drifting“ folgte der Eddie King-Klassiker “Hideaway“ mit einer langen instrumentalen Phase, in der alle ihr Können als Solisten beweisen konnten. Überhaupt muss gesagt werden, dass die drei Musiker die leicht im Hintergrund standen, einen erheblichen Anteil am Gelingen des Konzerts hatten. Séraphin Palmeri glänzte an den Keyboards. Mal erzeugte er Klangteppiche mal legte er furiose Soli ein.

Denis Palatin an den Drums bewies, dass er ein Könner seines Faches ist und neben Speed auch die gefühlvollen Einlagen beherrscht. Im zweiten Part konnte er auch mit einem furiosen Solo glänzen.

Pili Tempo beackerte seinen Bass stoisch, meist im Hintergrund stehend, absolut souverän und hatte seinen großen Auftritt im Intro von „“When Evil Sets Its Sights On You“, das er über etwa eine Minute stark einleitete und Besucher hinter mir zu Aussagen, wie “das ist ganz groß“ hinriss.

Stark und Gefühlvoll war auch die Tracy Chapman-Nummer „Sorry“, die Roses und Fabert zu zweit vortrugen. Eine ‚Extended Version‘ von „The Kind Of Man“ beendete zunächst den Hauptteil. Toller Gesang, klasse Soloeinlagen aller Musiker und ein Gitarrensolo von Fabert, welches sich über Minuten hinzog versetzten das Publikum in fast ungläubiges Staunen.

Als Zugabe legten die Fünf noch „Go Your Mojo Working“ von Muddy Waters nach. Nach Endes des Konzertes dauerte es aber noch einige Zeit, bis das Blue Notez sich leerte. Gefühlt jeder zweite der Besucher begab sich an den Merchandising-Stand, an dem Managerin Florence Miller alle Hände voll zu tun hatte, um die Besucher mit CDs zu versorgen, die dann auch direkt von den Künstlern signiert wurden. Dabei nahmen sie sich auch Zeit für einen kurzen Plausch und für das eine oder andere Fanfoto.

Abschließend noch ein Dank an alle Beteiligten für einen tollen Abend, an dem Rosedale eine starke Werbung in eigener Sache betrieb. Mit Sicherheit wird es nicht ihre letzte Präsenz in Dortmund gewesen sein und vermutlich wird jeder der Anwesenden beim nächsten Mal mindestens einen zusätzlichen Besucher ins Schlepptau nehmen.

Line Up:
Amandyn Roses : Lead vocals
Charlie Fabert : Guitars
Séraphin Palmeri : Keyboards
Denis Palatin : Drums
Pili Tempo : Bass

Text und Bilder: Gernot Mangold

Rosedale
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Blue Notez Dortmund

Reese Wynans and Friends – Sweet Release – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Reese Wynans braucht man eingefleischten Fans der Blues- und Southern-Rock-Szene eigentlich nicht mehr vorzustellen! In den letzten Jahren vor allem als „rechte Hand“ von Joe Bonamassa bekannt, ist eine Albumveröffentlichung von Reese unter eigenem Namen längst überfällig gewesen. Der Keyboarder wird als Studio- und Begleitmusiker bereits seit fast 50 Jahren hoch geschätzt. Er agierte nie ganz vorne im Rampenlicht, konnte aber seine Qualitäten und Erfahrungen als Musiker jahrzehntelang vielfältig einbringen, sodass er 2015 sogar in die Rock and Roll Hall of Fame berufen wurde.

Um seine Bedeutung für den Blues hervorzuheben, hier ein kurzer Abriss seiner musikalischen Biografie: Schon Ende der 1960er spielte der heute 71-jährige US-Amerikaner in einer Vorgängergruppe der Allman-Brothers-Band mit Dickey Betts und Berry Oakley. Die prägendste und produktivste Phase seiner Musikkarriere bestand in der 5-jährigen Zusammenarbeit mit Gitarren-Phänomen Stevie Ray Vaughan. In den letzten 20 Jahren hat er seinen Weg konsequent weiterverfolgt und an den schwarz-weißen Tasten viele Blues- und Southern-Größen (z.B. John Mayall, Buddy Guy, Joe Ely) unterstützt. Einige von ihnen haben sich für Reese auf diesem Longplayer die Ehre gegeben.

Das Album ist vor allem eine Retrospektive seiner Karriere geworden mit vielen Erinnerungsstücken, so zum Beispiel das erste Cover „Crossfire“, das neben „Say What!“, „Riviera Paradise“ und „Hard To Be“ zum Quartett der Stevie Ray Vaughan-Songs gehört. Auf diesen Stücken haut Reese so energiegeladen in die Tasten, wie zu seiner Double Trouble Zeit. Soul-Legende Sam Moore beweist auf „Crossfire“, dass seine Stimme noch die gleiche charmante Ausstrahlung wie früher verbreitet.

Wer glaubt, es reicht, Joe Bonamassa als Produzenten an seiner Seite zu haben, der auch noch auf fünf Titeln seine Gitarre „sprechen“ lässt („Sweet Release“, „Hard To Be“, „Riviera Paradise“, „Take The Time“ und „So Much Trouble“), hat die Rechnung ohne Kenny Wayne Shepherd gemacht. Die Gitarren-Ikone begleitet Reese Wynans u.a. fulminant auf der Arc Angels-Nummer „Shape I’m In“. Für das Titelstück (im Original von Boz Scaggs) hat sich Wynans einen ganzen Chor zusammengestellt und gleich acht verschiedene Lead Vocals untergebracht, die prominent von Warren Haynes angeführt werden und eine entspannte Southern-Rock-Ballade erschaffen.

Den Abschluss des Longplayers – der die Bezeichnung wirklich verdient hat, mit seinen 13 Titeln und insgesamt 70 Minuten Spielzeit – bildet das Beatles-Cover „Blackbird“, auf dem Reese Wynans die ganze „Stage“ für sich hat und ein meisterhaftes, instrumentales Grand-Piano-Lehrstück improvisiert.

Bedenken, „Sweet Release“ könnte ein ‚Alterswerk‘ sein, werden sich von Beginn an schnell in Luft auflösen. Die LP ist eine große Blues-Jam-Party und verbreitet die befreiende Atmosphäre, den Spaß und die Frische eines junggebliebenen Blues-Rock-Altmeisters.

Provogue – Mascot Label Group – (2019)
Stil: Blues Rock

Tracklist:
01. Crossfire
02. Say What!
03. That Driving Beat
04. Your Killing My Love
05. Sweet Release
06. Shape I’m In
07. Hard To Be
08. Riviera Paradise
09. Take The Time
10. So Much Trouble
11. I’ve Got A Right To Be Blue
12. Soul Island
13. Blackbird

Reese Wynans
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Netinfect Promotion

Rival Sons – Support: The Sheepdogs – 24.02.2019, Essigfabrik, Köln – Konzertbericht

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Die in Deutschland noch nicht so populären Sheepdogs konnten sich im Vorprogramm einer Band in der ausverkauften Essigfabrik einem größeren Publikum präsentieren. Einzig der erst später zur Band gestoßene Gitarrist Jimmy Bowskill tourte vor Jahren schon einmal mit seiner Band durch Europa. In der Kölner Kantine trat er damals im Vorprogramm der legendären Wishbone Ash auf.

Die fünf Kanadier taten dies mit Bravour und konnten die Besucher, die vornehmlich für den Hauptact gekommen waren, mit ihrem Southern Rock-artigen Stil begeistern. Die drei Musiker im Vordergrund erfüllten auch vom Aussehen viele Klischees bezogen auf den Musikstil; Bärte, lange Haare Hut etc. Insbesondere die Jugendfreunde Ewan Currie und Ryan Gullen, die als Hauptgründer der Band zu sehen sind, erinnerten mich sofort an den Schlag Mensch, den ich vor über 25 Jahren am Rande der Rocky Mountains in Kneipen traf: Urige Kanadier, Holzfäller mit rauer Schale, aber einem ehrlichen kumpelhaften Kern.

Ewan Currie, der Fronter, überzeugte gesanglich und unterstützte den meist als Leadgitarristen fungierenden Jim Bowskill, der mit einigen Southern Rock-typischen Soli glänzte, sodass ein satter Gitarrensound die Essigfabrik erfüllte. Sam Corbett an den Drums und Ryan Gullen am Bass legten eine Klasse Rhythmusgrundlage und steuerten Backgroundgesang bei, was den Songs eine gute Note verlieh.

Zudem legte Gullen am Bass einige ansehnliche Posen hin. Welche Bedeutung ein gut eingesetztes Piano hat, bewies Shamus Currie eindrucksvoll, sowohl in kurzen Soli, wie auch beim Legen von Klangteppichen. Zudem offenbarte er bei „Help Us All“, dass er auch die Posaune beherrscht und diese auch ein gutes Stilelement in der Rockmusik sein kann. Die Keys übernahm für den Song der Fronter Ewan Currie. Leider waren die knapp 40 Minuten viel zu schnell vorbei.

Zudem hatte ich das Vergnügen nicht nur meinen Freund Marcus Neu von der Kantine/Yardclub samt Frau vor der Halle zu treffen, sondern auch den sympathischen Gitarristen von den Sheepdogs Jim Bowskill, mit dem ich mich noch kurz unterhielt und erfuhr, dass die Band im Sommer im Yucca in Köln auftreten werde, und wir uns gerne vorher noch zu einem Gespräch treffen können, um uns über Musik und den Alltag auszutauschen.

Dem werde ich auch gerne nachkommen, da Marcus mir verriet, dass es da einige wirklich interessante Anekdoten zu dem Ausnahmegitarristen, aber bestimmt auch zu der bei uns noch nicht so bekannten Band gibt. Die Sheepdogs bestätigen sowohl musikalisch, wie auch menschlich die positiven Erfahrungen, die wir mit kanadischen Bands wie u. a. Shred Kelly oder Samantha Martin & Delta Sugar, die wir in den letzten Monaten bei Konzerten gemacht haben.

Wer auf gitarrenorientierte Rockmusik mit Southern-Flair steht, dem sei angeraten Mitte des Jahres zu schauen, ob die Sheepdogs in einer Halle in der Nähe auftreten. Im Konzertanzeiger steht in Köln der 10. Juni im Kölner Yuca Club auf dem Programm und es ist zu erwarten, dass die Band die Besucher in diesem relativ kleinen Club mit ihrer Spielfreude und ehrlichen Musik, begeistern wird.

Der Headliner des Abends, Rival Sons, boten einen Querschnitt aus älteren und aktuellen Songs samt zweier Zugaben. Fotografieren war – verstehe diesen Unsinn, wer will – nur bei The Sheepdogs erlaubt.

Line-up Rival Sons:
Jay Buchanan (lead vocals)
Scott Holiday (guitars)
Mike Miley (drums)
Dave Beste (bass)
Todd E. Ögren-Brooks (keys)

Line-up The Sheepdogs:
Ewan Currie (lead vocals, guitar, keys)
Ryan Gullen (bass, vocals)
Sam Corbett (drums, vocals)
Jimmy Bowskill (guitars)
Shamus Currie (keyboards, trombone, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Oktober Promotion
Essigfabrik Köln

Samantha Martin & Delta Sugar, 22.02.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Nach knapp zwei Monaten Liebesentzug war es am 22.02.2019 endlich wieder soweit: Kulturrampen-Time! Dafür schien das Wiedersehen um so leidenschaftlicher zu werden, denn mit Samantha Martin & Delta Sugar hatte sich ein überaus heißer Blues-Soul-Rock-Act in großer Septett-Formation aus dem kanadischen Ontario im kleinen Krefelder Club angesagt.

Auch KR-Macher Markus Pille Peerlings musste dringend seine Akkus wieder aufladen und war aus einer länger-wöchigen Reha-Phase nun wieder für große musikalische Events und Taten einsatzbereit. Er feierte ebenfalls seine diesjährige Konzert-Premiere in seinem zweiten ‚Wohnzimmer‘.

21:15 Uhr schlängelte sich die Band um ihr anführendes Energiebündel Samantha Martin durch die proppenvolle Location, um mit Tracks wie dem satt groovenden Opener „Rocky“, dem CCR-angehauchten „All Night Long“ oder dem herrlichen Schwofer „Gonna Find It“ schwül-heiße New Orleans-Frenchquarter-Atmosphäre im Auditorium zu verbreiten.

Die kleine aber durchaus charismatische Fronterin überzeugte mit gewaltiger Energie und Emotionalität in ihrer Stimme und ansteckender Bühnenpräsenz, die von den beiden dunkelhäutigen Sängerinnen Sherie Marshall und Mwansa Mwansa (was für eine Erscheinung!), noch weitere vokale Vehemenz in Sachen Harmonien und Backgrounds erhielt.

Aber auch die beiden überragend agierenden Curtis Chaffey (mit akribisch genauem E-Gitarrenspiel) und Andrew Moljgun mit seinen Keyboard-Klimpereien sowie einigen furiosen Saxofoneinlagen, als auch die satt groovende Rhythmusfraktion, bestehend aus Ian MacEwan am Bass und ‚Babyface‘ Stephen Adu am Schlagzeug, hatten erheblichen Anteil daran, dass es in der Rampe wie in einem Hexenkessel brodelte.

Das Publikum tanzte, wippte und tobte schon im ersten Set, das mit dem swampigen Stomper „Don’t Shoot“, dem Stones-Cover „Happy“ sowie dem progressiv-umwobenen „My Crown“, weitere intensive Highlights bot.

Klar, dass der Umsatz an kühlen Gersten-Getränken nicht nur in der folgenden Pause florierte. „Feel Good“, der Opener des zweiten Abschnittes, stand quasi metaphorisch für den Rest der Show.  Die Stimmung und Begeisterung in der Rampe steigerte sich von Minute zu Minute, man blickte allseits in beglückte und euphorisierte Gesichter.

Mein persönlicher Favorit  des Abends, das countryeske Lucinda Williams-Stück „Fruits Of My Labor“ (sinnbildlich auch vielleicht auch als Belohnung für Pille Peerlings grandiose Arbeit zu sehen) sowie das furiose Cover-Trio mit „Hard To Handle , „Proud Mary“ (mit Duett-Einbindung unseres Facebook-Freundes ‚Mod Idul‘), und „The Letter“ in jeweils grandiosen Versionen brachten zum Abschluss die Grundmauern der Rampe regelrecht ins Wanken.

Jedem Besucher war am Ende klar, dass Manny Montanas Teenage Head Music mit Samantha Martin & Delta Sugar wieder mal ein absolutes Ass aus dem Ärmel gezogen hatte. Ein unvergesslicher Abend in Krefelds-Parade-Rock Club und zugleich schon ein früher Konzerthöhepunkt 2019!

Line-up:
Samantha Martin (lead vocals, acoustic guitar)
Curtis Chaffey (electric guitar)
Ian MacEwan (bass)
Stephen Adu (drums)
Andrew Moljgun (keys, saxophone)
Sherie Marshall (bgv)
Mwansa Mwansa (bgv, percussion)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Samantha Martin & Delta Sugar
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld
Jörg Schneider Webseite

Tommy Castro & The Painkillers – 17.02.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Castro_haupt

Tommy Castro & The Painkillers standen bei mir dieses Jahr ganz oben auf meiner To-Do-Liste, zum einen, weil die Band zu meiner eigenen Schande in Sachen Live-Auftritte bisher absolut an mir vorüber gegangen ist und nicht zuletzt wegen ihres mir einzig bekannten Albums „Stompin‘ Ground“, das mir außerordentlich gut gefiel.

Pünktlich, auftragsgetreu und zielgerichtet wie echte Killer, legten Leader Tommy Castro, Langzeitweggefährte Randy McDonald, mit seinem mintgrünen Bass, Tastenvirtuose Mike Emerson und Schlagzeuger Bowen Brown um 20:00 Uhr mit dem funkigen Instrumental „Shakalak“ den Grundstein für einen vor Spielfreude strotzenden Gig.

Gebracht wurde ein Querschnitt aus Castros seit 1994 währender Karriere, durchzogen mit ein paar Covernummern von schillernden Musikern wie Taj Mahal, Buddy Miles, John Lee Hooker und Elvin Bishop. Protegiert wurde dazu ihr aktuelles Werk „Killin‘ It Live“, eine, wie der Titel es schon andeutet, ebenfalls in dieser Form gestaltete Live-Scheibe, aus der dann gleich sieben Stücke performt wurden.

Castro konzentrierte sich insgesamt mehr auf den klassischen Blues Rock alter Schule, die zum Teil recht radiofreundlichen Tracks von „Stompin‘ Ground“ blieben außen vor, was man an den hier gebrachten Tracks wie „Blues All Around Me“, „Enough Is Enough“ und Them Changes“ dieses Werks erkennen kann.

Was herausstach war die freundliche und sympathische Bühnenpräsenz der Kalifornier, die zudem in eine begeisternde, wie schon oben angedeutete Spielfreude mündete. Tommys unzählige filigrane, quirlige und zum Teil regelrecht furiose E-Gitarren-Soli (z. B. bei John Lee Hookers „Serves Me Right To Suffer“) auf seiner eigens für ihn konzipierten Delaney-Castrocaster (nur einmal beim Trump-kritischen „Enough Is Enough“ wechselte er zur Gibson Les Paul, wo er dann kurz auch seine Slide-Künste andeutete) und Mike Emersons variables Tastenspiel mit viel Honkytonk-Geklimper, Orgelgeschwurbel und E-Piano-Geglucker, standen dabei meist im Rampenlicht.

Die unaufgeregt agierende Rhythmusfraktion mit Randy McDonald und Bowen Brown konnte sich mit zwei kurzen Soli an ihren Instrumenten und Harmoniegesängen profilieren. Nach dem Buddy Miles-Klassiker „Them Changes“ zum Ende des Hauptsets gab es dann fulminant abgehenden Southern Rock mit Elvin Bishops „Party ‘Til The Cows Come Home“ und den Rausschmeißer „Common Ground“ vom 2015er-Album „Method To Madness“ als Zugabendank für die tolle Stimmung im Publikum.

An diesem launigen Abend im Dortmunder Musiktheater Piano ist es Tommy Castro und seinen Painkillern bestens gelungen, den Schmerz, den das heutige Leben nun mal teilweise so mit sich bringt, musikalisch vergessen zu lassen – auf jeden Fall zumindest für gute 105 Minuten! Insgesamt ein toller, mitreißender Killer-Gig des Quartetts aus San Francisco!

Line-up:
Tommy Castro: Lead vocals, electric and slide guitar
Randy McDonald: Bass, vocals
Mike Emerson: Keyboards
Bowen Brown: Drums, vocals

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Tommy Castro & The Painkillers
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

HER – Black And White – CD-Review

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Nach ihrem launigen Konzert im Kölner Yard Club vor gut zwei Wochen überreichte uns Monique Staffile auch ihr neues Studiowerk „Black And White“ zum Reviewen.

Die CD kommt diesmal Coverart-technisch in einem recht spartanisch gehaltenen, passend zur Thematik, gewählten schwarz-weiß bedruckten Papp-Schuber, wobei sich auf der Rückseite, nebst zweier Gesichtsausschnitte von Monique an den Rändern, alle relevanten Infos zum Album befinden (Titel, Musiker, etc.).

Während ihres Gigs hatte sie bereits Stücke wie „A Plan“, „You Don’t Want Me Anymore“, „Black And White“ und das emotionale, einigen bereits Verstorbenen in Moniques Bekanntenkreis gewidmete „Right Now“ – auf diesem Longplayer der melodischste und emotionalste Track – bereits vorgestellt. Hier im Studio klingt alles natürlich deutlich besser und klarer ausgesteuert als auf der Bühne.

Zu meinem persönlichen Leidwesen, gibt es auch diesmal keinen Schwenk zurück zu ihrer mehr Countryrock-umwehten Her & Kings County-Zeit. Sie und ihr musikalischer Gefährte Caleb ‚KBC‘ Sherman, der wieder vom Songwriting, instrumentellen Wirken bis zur Produktion eingebunden ist, haben sich weiterhin in einen aufmüpfigen New Wave-umwitterten Poprock kalibriert, sei es britischer, aber auch durchaus deutsch anmutender Natur, wobei mir hier Acts wie Nina Hagen oder Ideal in den Sinn kommen.

Aufgrund Moniques gut zu dieser Stilart passenden Rotzgöhren-Stimme kann dies auch durchaus nachvollzogen werden. Auf meinem Notizzettel habe ich neben dem treibenden „You Don’t Want Me Anymore“ und „Right Now“, noch das in Siebziger Rockmanier stampfende „Hide“ (klimpriges Piano), das atmosphärisch schleichende „Oh My God“ sowie das Hagen-mäßig schrille Synthie-trächtige „Make Believe“ als Anspieltipps vermerkt.

Fazit: Die aus Brooklyn stammende und in Nashville lebende Monique Staffile, alias HER, hat ihren Stil gefunden und geht diesen Weg konsequent weiter. Ihre neue CD „Black And White“ bietet klare Kante, kaum Schattierungen dazwischen und somit ganz viel New York und so gut wie gar kein Tennessee mehr.

Eher weniger meine Welt, vor allem nicht im heimischen Wohnzimmer, aber was bleibt, ist natürlich weiterhin der große Sympathiebonus, denn Monique trägt das Herz am rechten Fleck.

Eigenproduktion (2019)
Stil: New Wave / Rock / Pop

01. Break Me
02. A Plan
03. You Don’t Want Me Anymore
04. Black And White
05. Hide
06. Oh My God
07. Strike A Fire
08. Right Now
09. Make Believe
10. Love Story

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