Lukas Nelson & Promise Of The Real  – Naked Garden – CD-Review

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Review: Michael Segets

Wahrscheinlich hat Lukas Nelson den SoS-Review seiner letztjährigen CD „Turn Off The News (Build A Garden)“ gelesen und die dort geäußerte Kritik, dass das Album streckenweise überproduziert wirkt, beherzigt. Mit „Naked Garden“ schieben Lukas Nelson & Promise Of The Real eine erdigere Scheibe nach, die alternative Versionen von Tracks des Vorgängeralbums und neun Stücke umfasst, die es seinerzeit nicht auf den Tonträger geschafft hatten.

Die Truppe erwischte während der sechstägigen Session in den Shangri-La Studios, Malibu, wohl einen produktiven Lauf. Nachdem „Turn Off The News (Build A Garden)“ erschienen war, blieb daher der Eindruck zurück, dass noch ein Epilog zu dem Album nötig wäre, der die Stimmung und die Energie wiedergibt, die im Studio die Band erfasste.

So sind einige Lacher, Unterhaltungen und Nebenbemerkungen konsequenter Weise auch nicht weggeschnitten worden. Die musikalische Perfektion stand bei „Naked Garden“ nicht im Vordergrund, wobei klangtechnisch keine Einschränkungen gemacht wurden. Produziert hat die Schiebe wieder John Alagia. „Bad Case“ ist in einer frühen Version vertreten.

Das Rockstück ist deutlich rootsiger als auf der zuvor erschienen Scheibe und nun vollständig überzeugend. Das stripped down Arrangement der erneut veröffentlichten Titel funktioniert gut. Die neuen Versionen haben durchgängig die Nase gegenüber den vorangegangenen vorn. Dies gilt sowohl für „Out In LA“, das sowieso zu meinen Favoriten zählte, als auch für „Civilized Hell“. Der Song ist sogar in einer rockigen und einer akustischen Interpretation auf „Naked Garden“ zu finden. „Stars Made Of You“ und „Where Does Love Go“ sind auch besser als vorher, gehören aber immer noch nicht zu den starken Stücken von Lukas Nelson & Promise Of The Real.

Die minimalistische Produktion verhindert den süßlichen Beigeschmack nicht, den Lukas Nelson & Promise Of The Real oftmals ihren Titeln des unteren und mittleren Tempobereichs hinzufügen. Befindet sich „Movie In My Mind“ auf der Grenze zum Schmalz, überschreitet Nelson diese bei „Focus On The Music“ oder „Fade To Black“. Im Dreivierteltakt walzt sich die Band durch „The Way You Say Goodbye“ als Hommage an den frühen Country der fünfziger und sechziger Jahre.

Percussion und Rhythmusarbeit auf den locker rockigen Nummern „Back When I Cared“ und „Couldn’t Break your Heart“ stechen besonders hervor. Diese sind ebenfalls beim souligen „My Own Wave“ auffällig, wobei das Stück einen funkigen Einschlag hat. Noch deutlicher wird die Funk-Anleihe beim Jam „Speak The Truth“. Der Song bleibt aber melodiös und erdig. Er stellt sicherlich einen der besten Originalbeiträge auf der CD dar, der die Atmosphäre im Studio gelungen transportiert.

Neben der alternativen Version von „Bad Case“ ist das neue „Entirely Different“ das Highlight des Albums. Das über siebenminütige Southern-Epos eröffnet den Longplayer mit klasse Gitarre und stimmigen Tempowechseln.

Der Verzicht auf große Arrangements auf „Naked Garden“ macht sich bezahlt. Der erdigere Sound steht Lukas Nelson & Promise Of The Real sehr gut zu Gesicht. Der Nachschlag zu „Turn Off The News (Build A Garden)” übertrifft daher den vorangegangenen Hauptgang. Dabei zeigt sich erneut, dass die Stärke der Band in den rockigeren Tönen liegt.

Fantasy Records (2020)
Stil: New Country/Rock

Tracks:
01. Entirely Different
02. Civilized Hell (Alternate Version)
03. Back When I Cared
04. Movie In My Mind
05. Focus On The Music
06. My Own Wave
07. Fade To Black
08. Out In LA (Extendend Version)
09. Couldn’t Break Your Heart
10. Speak The Truth
11. Civilized Hell (Acoustic Version)
12. Bad Case (Alternate Version)
13. Stars Made Of You (Alternate Mix)
14. Where Does Love Go (Alternate Mix)
15. The Way Your Say Goodbye

Lukas Nelson
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Fantasy Records
Oktober Promotion

Brian Fallon – Local Honey – CD-Review

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Review: Michael Segets

Nach einigen eher durchwachsenen Neuerscheinungen im Americana-Bereich, erscheint mit „Local Honey“ von Brian Fallon das erste herausragende Album 2020 dieses Genres, das vollständig überzeugt. Mit The Gaslight Anthem feierte Fallon große Erfolge. Er – wie Bruce Springsteen in New Jersey geboren – stand schon mit dem Boss auf der Bühne. Seit 2016 wandelt der Heartlandrocker auf Solopfaden und schaut bereits auf die beiden Alben „Painkiller“ (2016) und „Sleepwalkers“ (2018) zurück.

„Local Honey“ schlägt nun neue Wege ein. Hinsichtlich der Produktion verabschiedet sich Fallon von dem Major-Vertrag bei Universal und veröffentlicht die CD auf seinem eigenen, vor Kurzem gegründeten Label Lesser Known Records. Konzeptionell wählt er einen ruhigeren Grundton und schraubt damit die aggressiveren Elemente seiner bisherigen Veröffentlichungen zurück, ohne seine Wurzeln zu verleugnen, die nun mal im Rock liegen. Dies bedeutet aber nicht, dass er zahm geworden wäre.

Die Songs haben durchweg eingängige Melodien und entwickeln dank Fallons Gesang atmosphärische Dichte. So erlebt man Fallons Gefühlswelt von dem Opener „When You‘re Ready“, in dem er die Verbindung zu seiner heranwachsenden Tochter besingt, bis zu dem abschließenden Liebeslied „You Have Stolen My Heart“ nach. Inhaltlich wollte sich Fallon auf dem Album ganz mit der Gegenwart auseinandersetzen.

Er verzichtet daher in seinen Texten auf die Aufarbeitung der Vergangenheit oder die Entwicklung von großen Zukunftsplänen. Zurzeit scheint er in eine situierte Lebensphase eingetreten zu sein, in der seine Gefühlslage zu weniger aufwühlenden, aber dennoch intensiven Songs führt.

Das erstklassige „Vincent“ ist der reduzierteste Beitrag auf der CD und damit ein Americana-Stück in Reinform. Mit ihm betritt Fallon Neuland. Auch beim starken „I Don*t Mind (If I‘m With You)“, bei „Horses“ und „Hard Feelings“ zeigt er, dass seine Songs stripped down funktionieren. Etwas opulenter inszeniert sind „21 Days“ sowie „Lonely For You Only“, die sich auf seinen vorherigen Rockalben ohne Bruch einfügen würden.

Auch die vergleichsweise ruhigen Töne, die Fallon auf der CD anstimmt, werden von einem kräftigen Rhythmus getragen. So sind alle Songs dynamisch und viele bleiben durch später einsetzende Instrumente besonders spannend. Die Variationen in Fallons Stimme tragen ihr Übriges dazu bei, dass keine Langeweile aufkommt. Seine Songs auf „Local Honey“ treffen ins Mark.

Die wunderbaren Melodien in Kombination mit seinem ausdrucksstarken Gesang gehen ins Ohr und setzen sich dort fest. Bedauerlich ist lediglich, dass das Vergnügen Brian Fallon zu lauschen, nach einer guten halben Stunde schon vorbei ist. Aber dann lässt man die Scheibe halt nochmal durchlaufen.

Lesser Known Records/Thirty Tigers (2020)
Stil: Americana, Rock

Tracks:
01. When You’re Ready
02. 21 Days
03. Vincent
04. I Don’t Mind (If I’m With You)
05. Lonely For You Only
06. Horses
07. Hard Feelings
08. You Have Stolen My Heart

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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Broken Witt Rebels – OK Hotel – CD-Review

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Mit den Broken Witt Rebels verbinde ich aktuell zunächst die Erinnerung an ihren guten Auftritt 2017 als Support von The Cadillac Three im Kölner Luxor. Damals kristallisierte sich schon die markante Stimme ihres Fronters Danny Core als echtes Pfund heraus, auch ihre Stücke hoben sich angenehm von dem ab, was man in der Regel so von Vorbands serviert bekommt.

Im Jahr danach bezeichnete sie der Kollege Skolarski beim Review ihrer Debüt-CD als die britische Antwort auf die Kings Of Leon. Interpreten wie The Gaslight Anthem, Rival Sons, Kaleo oder die Alabama Shakes werden weiterhin als Bezugsgrößen zu ihrer Musik genannt.

Was mir hier sofort auffällt ist, dass auf dem neuen Longplayer „OK Hotel“ Jaren Johnston von besagten The Cadillac Three, einen bleibenden Eindruck beim Quartett, bestehend aus Danny Core (vocals), James Tranter (guitar), Luke Davis (bass), James Dudley (drums), hinterlassen zu haben scheint.

Zu dessen Art, Stücke zu kreieren und auch zu strukturieren, entdecke ich viele Parallelen, wie es zum Beispiel beim Opener  „Running With The Wolves“ (sehr schön dynamisch), „Caught In The Middle“, „Give It Up“ und „Love Drunk“ recht gut, allerdings weniger amerikanisch, in den überwiegend eingängigen Refrains, zum Ausdruck kommt.

Bei den Broken Witt Rebels schlagen dann aber doch eher die britischen Wurzeln durch, gerade das E-Gitarrenspiel von Tranter, hat deutlich keltischeren Charakter, oft blinzelt auch das U2-typische Heartland-Flair hindurch. Die meisten Tracks auf dem von Dwight Baker (The Wind And The Wave) in Austin, Texas, produzierten Werk folgen dem Schema, atmosphärisches Midtempo in den Strophen, emotionaler Refrain (mit starker energiegeladener Core-Stimme), dazu ein paar, recht simpel gehaltene E-Gitarren-Soli.

Vereinzelt wird auch Sozialkritik verarbeitet wie man es schon bei den Titeln wie „Money“ (schöner Rock-Stampfer) oder dem wütenden „Rich Get Richer“, erahnen kann.

Am Ende einer hörenswerten Scheibe zollen sie der Verbundenheit zu ihrer Heimatstadt Tribut, da heißt es: „And in Birmingham is where I found my feet, and in Birmingham is where I’ll lose my teeth.“ Angespielt wird hier allerdings nicht auf das Laufen lernen oder die Milchzähne, sondern auf die innerstädtische Rivalität der Fußballs Clubs Aston Villa und Birmingham City. Hier ist dann auch mal eine schöne Akustikgitarre präsent. Aus meiner Sicht der beste Track.

Die CD kommt in einem doppelseitigen Pappschuber mit eingelegtem Booklet, das alle Texte zu den Liedern beinhaltet.

Sollte der Corona-Virus nicht weiterhin den Interpreten, Veranstaltern, Clubs und Konzertbesuchern einen Strich durch die Rechnung machen, kann man das britische Quartett bei uns in Deutschland zu folgenden Terminen aufsuchen:

27.04.2020 (DE) Hamburg – Nachtwache
28.04.2020 (DE) Köln – Blue Shell
29.04.2020 (DE) Berlin – Musik & Frieden

Snakefarm Records – Universal Music (2020)
Stil: Rock

01. Running With The Wolves
02. Money
03. OK Hotel
04. Caught In The Middle
05. Take You Home
06. Broken Pieces
07. Save My Life
08. Give It Up
09. Around We Go
10. Fearless
11. Love Drunk
12. Rich Get Richer
13. Birmingham

Broken Witt Rebels
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Head Of PR

WellBad – 26.02.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Donnerstag Abend, strömender Regen, Deutschland im Würgegriff von Corona und dennoch finden etwa 150 Fans den Weg ins Piano zum ersten WellBad-Konzert in dieser Location.

Unter sphärischer Musik vom Band betreten die Musiker die Bühne und Daniel Webat begrüßt auf eindrucksvolle Weise dramatisch und psychedelisch die Besucher, und erzählt, was sie an dem Abend erwarten werde. Beeindruckend wie er durch seine schauspielerische Leistung, dabei alle in seinen Bann zog.

Im weiteren Verlauf stellte er zwischen aber auch während der Songs wild gestikulierend, zuweilen mit diabolisch rollenden Augen, immer wieder den Kontakt her. Famos dabei seine Stimmgewalt, mit der er vermutlich in vielen Musikgenren Fuß fassen könnte.

Mit dieser Fähigkeit ist auch das Besondere der Band aus Hamburg beschrieben, die so richtig in keine musikalische Schublade passt, was auch nach Aussage vom Drummer Jonas vom Orde, Fluch und Segen zugleich sein kann. Als was soll die Band angekündigt werden? Es finden sich in den Songs Elemente vom Blues, Rock, Jazz, Hipp Hop und einiges mehr wieder. WellBad versuchen mit ihrem eigenen Stil ihren Weg zu finden, ohne sich in irgendein Korsett pressen zu lassen.

Und da sind wir auch direkt beim Segen, der sich auch an diesem Abend zeigte. Das Konzert entwickelte von Beginn an eine enorme Dynamik und die Band überraschte mit verschiedensten Stilen auch innerhalb der einzelnen Songs, dass gar nicht die Chance war, in einem Einheitsbrei wegzudösen. Dies wäre auch spätestens bei einem der Urschreie Welbats unmöglich gewesen, mit dem er auch jeden Virus hätte vertreiben können.

Diese Durchmischung ist aber nur möglich durch die hohe Qualität der einzelnen Musiker. Arne Vogeler bearbeitete seine Gitarren in bester Hard Rock-Manier, aber auch in der Art großer Bluesgitarristen. Stefan Reich, das Tier am Bass, ständig in Bewegung, ließ seine Finger, auch in einem starken Solo, über den Bass gleiten, wobei er immer den passenden Ton traf.

Glänzend auch seine Einlagen am Kontrabass. Sein Partner in der Rhythmussektion, Jonas vom Orde bearbeitete seine Drums von ruhig gefühlvoll bis hin zu ekstatisch, als wenn er seine Drums in Kleinholz zerschlagen würde. Beeindruckend dabei sein mehrminütiges Solo zum Ende der Show. Joachim Refardt, der im Studio auch die Trompete spielt, konnte sich live ganz auf seine Tasteninstrumente konzentrieren, da die Band von einem Bläsertrio unterstützt wurde, welches den Songs nochmals eine größere Fülle gaben.

Insgesamt begeisterten WellBad im knapp zweistündigen Konzert die Besucher restlos, wobei für mich die blueslastigen Stücke wie „Mountain“, „Coalmine“ und das schon fast in einer Jamsession endende „Patience“ als letzte Zugabe die Höhepunkte waren.

Wer sich nicht nur stur auf eine Musikrichtung beschränkt und Spaß daran hat, wie eine Band verschiedenste Genres letztendlich in einem ganz eigenen Stil verknüpft, wird bei WellBad bestens aufgehoben sein. Man wird in Zukunft noch einiges von den Hanseaten erwarten können.

Ein Dank wieder einmal an das Team vom Piano für die problemlose Akkreditierung, welches auch jungen Bands die Chance gibt, sich angemessen zu präsentieren. Man sollte auf jedem Fall die Veranstaltungsvorschau vom Musiktheater Piano und von 3dog Entertainment studieren, da kommt in diesem Jahr noch einiges auf den Musikliebhaber zu!

Daniel Welbat – Vocals & Acoustic guitar
Joachim Refardt – Keys & Trumpet
Arne Vogeler – E-Guitar
Stefan Reich – Bass
Jonas vom Orde – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

WellBad
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Wishbone Ash – Coat Of Arms – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Auch im 50. Jahr ihres Bestehens ist Wishbone Ash um Mastermind Andy Powell nicht müde und bringt mit „Coat Of Arms“ ein weiteres Studioalbum auf den Markt. Das dargestellte Cover in edler Hochglanzoptik, passend zum Jubiläum, sagt schon für sich einiges aus, was den Hörer erwarten wird. Den Hintergrund bildet die zum visuellen Markenzeichen gewordene Wünschelrute, vielleicht ein Indiz dafür, dass Wishbone Ash ihre musikalischen Wurzeln weiterverfolgen.

Das viergeteilte Schild vor der Wünschelrute macht dann detailliertere Aussagen. Zwei gekreuzte Gitarren, für die sich durchs Album ziehenden Twinguitars, eine Harfe spielende Meerjungfrau, als Hinweis für manchen verträumten ruhigen Song steht, eine Faust für kraftvolle Musik, eine Weltkugel, als Zeichen, ihrer musikalischen Weltoffenheit, sowie ein Helm und ein Schwert auf dem Schild als Zeichen für die keltischen Akzente in der Musik, die dem Hörer in fast jedem Song begleiten.

„Coat Of Arms“ ist das erste Werk, das von der aktuellen Besetzung eingespielt wurde und es ist erfreulich, dass insbesondere Mark Abrahams bei den meisten Songs im Songwriting mitverantwortlich ist. Lyrics sind natürlich Chefsache und wurden von Andy Powell, seiner Frau oder seinem Sohn geschrieben, der bei einigen Songs auch für das musikalische Arrangement und begleitende Instrumente verantwortlich ist. Diese familiäre Unterstützung gab es aber auch schon auf dem Vorgängeralbum.

Auch auf diesem Opus ziehen sich natürlich die Twinguitars wie ein roter Faden durch das Gesamtwerk, wobei härtere Riffs immer wieder durch malerisches Gitarrenspiel durchbrochen werden und die Songstruktur sich innerhalb der Songs immer wieder wandelt. Dies ist beim Opener „We Stand Alone“ und im Titelsong „Coat Of Arms“ auch klar zu erkennen, wo sich hardrockende Passagen mit sanften Passagen wechseln, ohne dass dabei eine chaotische Struktur erfolgen würde.

Diese Stücke offenbaren vor allem, dass Andy Powell ein goldenes Händchen besitzt, kongeniale Partner als Gitarristen zu finden, was Mark Abrahams auch in den Liveshows der letzten beiden Jahre hinlänglich bewies.

Besonders stark sind die eher ruhigen, sehr melodiösen Stücke wie „Empty Man“ oder „Floreana“, wo neben dem lieblichen Gitarrenspiel natürlich die angenehme Stimme Powells eine große Rolle spielt. Wie bei Wishbone Ash üblich, stimmt bei der Umsetzung der Songs jeder Ton. Die Rhythmussektion, um die nun schon langjährigen Begleiter Powells, Bob Skeat am Bass und Joe Crabtree an den Drums, leistet hier eine perfekte Arbeit, sodass die Tracks in sich alle sehr homogen rüber kommen. Die eher ruhige fast erzählende Songstruktur setzt sich in den nächsten Stücken fort, bis mit „Too Cool For AC“ wieder Fahrt aufgenommen wird. Schön hier, wie sich Abrahams und Powell im Gitarrenspiel abwechseln.

Mein persönlicher Favorit ist das rockige und treibende „Back In The Day“ mit sehr schönen eingängigen Gitarrenpassagen und Refrains mit hohen Wiedererkennungswert. Bei „Déjà Vu“ fühlt man sich stimmungsmäßig ins Mittelalter zurückversetzt, wo Elemente des keltischen Folkrocks im Vordergrund stehen. „When The Love Is Shared“ erinnert vom Song her an alte Zeiten und im abschließenden “Personal Halloween” finden sich jazzige und swingende Elemente wieder.

Somit ist  Wishbone Ash wieder ein starkes Album geglückt. Es herrscht also immer noch Leben in dieser mittlerweile 50 Jahre alten Band. Dies ist nicht nur im Studio erkennbar, sondern auch auf den jedes Jahr stattfindenden Touren, wo man sich nicht nur auf den alten Lorbeeren ausruht, sondern immer wieder neue Songs ins Programm einbaut. Damit entgeht Wishbone Ash der Gefahr zur eigenen Coverband zu verkommen. Von daher absolute Kaufempfehlung von „Coat Of Arms“ und der Tipp, sich diese Songs nicht entgehen zu lassen, wenn das Quartett auf den Bühnen unserer Regionen wieder präsent sein wird.

Line-up:
Andy Powell – guitars, mandolin, vocals
Mark Abrahams – guitars
Bob Skeat – bass
Joe Crabtree – drums

SPV (2020)
Stil: Southern Rock

Tracklist:
01. We Stand As One
02. Coat Of Arms
03. Empty Man
04. Floreana
05. Drive
06. Its Only You I See
07. Too Cool For Ac
08. Back In The Day
09. Déjà Vu
10. When The Love Is Shared
11. Personal Helloween

Wishbone Ash
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SPV Steamhammer

Bywater Call – 22.02.2020, Blue Notez Club, Dortmund – Konzertbericht

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Kurz vor Ende der 7-wöchigen Tour durch Europa spielten die Kanadier Bywater Call im Dortmunder Blue Notez vor. Nachdem wir schon vom Konzert in der Krefelder Kulturrampe berichtet hatten, bot sich nun die Möglichkeit zu sehen, ob der fulminante dortige Auftritt so langer Zeit ‚on the road‘ wiederholbar ist. Zudem hatte ich einen Freund, der Musik studiert hat, dabei, der neben dem emotionalen Empfinden, auch einen anderen, professionelleren Blick auf das Konzert hatte.

Der Keller im Blue Notez war um 8:00 Uhr gut gefüllt und auch Pille Peerlings, Chef der Krefelder Kulturrampe, hatte den Weg nach Dortmund gefunden, um das Konzert unabhängig des Veranstalterstresses zu verfolgen. Pünktlich betrat dann die Band zunächst ohne Sängerin Meghan Parnell die Bühne, um ein kraftvolles Intro hinzulegen. Schon hier war die Dynamik und Harmonie der Musiker zu erkennen.

Nach einigen Minuten stieß dann auch die zierliche Fronterin hinzu und die Band legte ein knapp 100 minütiges zweigeteiltes Set hin, welches in großen Teilen dem von vor etwa 6 Wochen entsprach, was aber auch nicht verwunderlich ist, da die jungen Kanadier noch nicht so lange auf dem Markt sind und fast nur eigenes Sonmaterial präsentierten, dabei auch ein Lied, das erst auf dem nächsten Album im Herbst offiziell veröffentlicht wird.

Es ist schwer, Stücke aus einem durchweg starken southern-, soul- und blues-beeinflussten Konzert herauszuheben. Emotional war natürlich „Sign of Peace“, im Zuge der Geschehnisse der letzten Woche in Deutschland, ein Highlight. Leider gibt bei uns, aber auch vielen anderen Ländern nationalistische, rassistische Parteien, denen man nur das Zeichen des Mittelfingers zeigen kann. Nun aber weg von politischen Gedanken zu einem traumhaften Konzertabend.

Der Band gelang es praktisch von Beginn an, das Publikum mitzunehmen, wobei Energiebündel Meghan Parnell mit der kraftvollen Stimme, immer wieder den Kontakt herstellte und zuweilen die Besucher zum Mitsingen animierte, das auch trefflich gelang. Besonders sympatisch war dabei, dass sie sich nicht divenhaft in den Vordergrund spielte, sondern sich auch optisch in vielen Phasen zurückhielt, wenn die anderen Musiker Soloparts hinlegten.

Beeindruckend war das meist fingerpickende Bottleneckspiel von Dave Barnes an der Gitarre, dem es gefühlsmäßig gelang, die Weiten der kanadischen Landschaften in die Songs zu zaubern. Teilweise schien er dabei wie ein Derek Trucks in seine Musik versunken zu sein, dass er gar nicht mitbekam, was sich um ihn herab abspielte.

In die beiden prägenden Bestandteile der Band, den Gesang und die Gitarre, fügten sich die anderen Instrumente harmonisch und auf den Punkt gespielt ein, dass am Ende das homogene Werk exzellenter Musiker stand, von denen noch einiges zu erwarten ist, wenn es gelingt diesen Esprit beizubehalten. Alan Zemaitis an den Keyboards und am E-Piano untermalte zuweilen mit sphärischen Soundteppichen , glänzte aber auch mit starken Soli, oft in rasantem Tempo.

Den beiden Bläsern, Julian Nalli am Saxofon und Trompeter Stephen Dyte brachten ein weiteres Element in die southernrockige Musik von Bywater Call . Der leicht soulige Einschlag gab den Stücken etwas liebliches, wobei beide Musiker in ausgedehnten Soli ihr Können bewiesen, aber auch nur punktuell eingesetzt den Stücken, eine besondere Würze gaben. Des Weiteren übernahmen sie immer wieder Percussionparts, mit Schellenkränzen, die dann von mehreren Musikern gleichzeitig eingesetzt wurden, um einen imaginären räumlichen Kreis zu bilden.

Last but not least die Rhythmussektion um den nun bärtigen Drummer Bruce McCarthy (in Krefeld noch rasiert), der mit einer spielerischen Leichtigkeit, gemeinsam mit dem Bassisten Mike Meusel das Fundament des Septetts bildete. Beide glänzten ebenfalls in mehreren kurzen Soloparts, dass letztendlich, wie es sich für eine gute Band gehört, alle Musiker ihren Anteil hatten und nicht nur der spielerische Apendix eines Fronters waren.

Nach etwa 90 Minuten verabschiedete sich die Band, die aber nach frenetischen Zugabeforderungen für zwei Zugaben zurück kam. Zunächst betraten nur Meghan Parnell und Dave Barnes die Bühne. Mit „Swing Low“ folgte dann der für mich musikalische Höhepunkt. Barnes begleitete Parnell zum Einstieg allein an der Gitarre, deren Stimme in diesem ruhigen Part des Songs noch einmal voll zur Geltung kam. Nach einiger Zeit betrat dann der Rest der Band die Bühne und stieg nach und nach in das Stück ein, das dann immer mehr an Dynamik gewann und jammend endete.

Das Konzert endete mit „I Am“ ähnlich wie es begann. Nachdem Parnell ihren Gesangspart beendet hatte, verließ sie die Bühne und überließ diese dem Rest der Band, die das Konzert in einem mehrminütigen Jam beendete. Bywater Call wussten somit schon bei ihrem ersten Europatrip das Publikum zu begeistern, dass diese Tour mit Sicherheit keine Eintagsfliege war.

In manchen Momenten war es Meghan Parnell anzumerken, wie ergriffen sie von der positiven Resonanz der Besucher war, die auch in den Songs nach Soloparts nicht sparsam mit Applaus umgingen. Nach knapp 2 Stunden Musik war der Abend aber noch nicht beendet und die sieben Musiker nahmen sich noch Zeit für die zahlreichen Fans am Merchendisestand.

Teenage Head Music-Mastermind Manny Montana hat es mal wieder geschafft, ein Kleinod aus Amerika nach Europa zu holen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn Bywater Call einen ähnlichen Weg einschlagen würden wie Blackberry Smoke, die vor Jahren auch von ihm über den großen Teich gebracht wurden.

Wer es verpasst hat, Bywater Call auf dieser Tour zu sehen, hat Anfang Mai noch einmal die Chance dies nachzuholen, wenn die Band am ersten Maiwochenende auf dem Moulin Blues Festival in Ospel, zwischen Venlo und Eindhoven, und im Kölner Yard Club spielen wird.

Ein Dank auch an die nette Aufnahme im Blue Notez Club, einem Veranstaltungsort, in dem in den nächsten Wochen noch einige Highlights auf die Besucher warten, als ein perfekter Gastgeber.

Line-up:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar,bgv)
Alan Zemaitis (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Bywater Call
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Teenage Head Music
Blue Notez Club Dortmund

Climax Blues Band, 16.02.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

CBB- haupt

Zur Climax Blues Band habe ich bis heute ein eigenartiges Verhältnis gehabt. Obwohl ihre Scheibe „Gold Plated“ und später auch „Shine On“, seit frühsten Sammlerzeiten in meinem LP-Bestand vor sich hinstauben (ich bin ja ein absoluter CD-Verfechter), kann ich mich an kaum einen Song außer ihrem Ohrwurm „Couldn’t Get It Right“, der in unser damaligen Musikkneipe oft gespielt wurde, bewusst erinnern.

So richtig habe ich auch nie den Drang verspürt, mich mit der Musik der Briten auseinander zu setzen, obwohl ich die Band eigentlich an sich sympathisch fand. So bin ich dann mit Kollegen Gernot auch eher aus Respekt vor dem langjährigen konstanten Wirken der Band (jetzt über 50 Jahre!), die Reise ins geliebte Musiktheater Piano recht unbedarft angetreten, um die Woche Sonntags Abends entspannt ausklingen zu lassen, sieben Tage zuvor mussten wir ja wegen des heftigen Sturms beim Blues Caravan leider passen.

Das aktuelle Line-up beinhaltet zwar kein Mitglied mehr aus der Gründerphase, die Herren Glover, Simpson, Adams und Hunt sind aber schon seit Urzeiten mit dabei. Letztgenannter ist zu Fuß nicht mehr so gut dabei (kam mit Gehstock teils unsicheren Schrittes auf die Bühne), hat dafür aber seine Quirligkeit in der Fingern bewahren können und lieferte so manches tolles E-Gitarrensolo ab.

Relativ ’neu‘ dabei sind Fronter Graham Dee (seit 2012, mit engagierter Performance, sehr angenehme Stimme) und Saxofonist Boysey Battrum, dessen Lungenflügel und Backen, die wohl am meisten beanspruchten menschlichen Organe, beziehungsweise Körperteile, während des Konzerts abgaben.

In der knapp zur Hälfte gefüllten Lütgendortmunder Location präsentierte das Sextett den überwiegend 40-60-jährigen Besuchern, einen breitgefächerten Soul-Funk-Blues Rock, der sich vor allem in der Spielfreude der beteiligten Musiker entfachte. Toller Rhythmusteppich von Simpson und Adams, markanter Gesang von Dee, variable Keyboardspielereien vom Spaßvogel der guten englischen Schule, George Glover, immer irgendwann durchzogen von Battrums famosen Saxofon-Plustereien und/oder Hunts E-Soli, bildeten eigentlich das immer wieder kehrende Grundschema, ohne dass es allerdings langweilig wurde.

Die Band versteht sich heute als eigenständiges Kollektiv, das eigentlich weniger auf die Historie zurückschaut und eher das ‚Hier und Jetzt‘ im Fokus hat. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass ihr aktuelles Album „Hands Of Time“ mit Tracks wie „Straight Down In The Middle“ (Opener), „17th Canal Street“, „What’s Your Name“, „The Cat“ (alle in Set 1) und „Hands Of Time“, „Ain’t That A Kick In The Head“, „Hard Luck“ (mit Vorstellung und Soli aller Beteiligten) und „Wrong Time“ (alle im 2. Part), hier den Löwenanteil der Spielzeit einnahm.

Zwischen durch gab es mit „The Seventh Son“ und „Spoonful“ noch zwei, auf CBB-Art interpretierte Willie Dixon-Klassiker und natürlich auch kurz vor Ende oben besagtes „Couldn’t Get It Right“ (mit schönem Gesangsinttro von Dee zu sanftem Orgelhall Glovers im abgedunkelten Piano, bevor dann die Band richtig einstieg). Schön diesen Klassesong mal nicht von einer dieser vielen unsäglichen heutigen Coverbands, sondern von absoluten Könnern, serviert zu bekommen.

Die Zugabewünsche des im kompletten Verlauf des Gigs begeistert mitgehenden Publikums, wurden dann mit dem launigen Boogie „Towards The Sun“ auf dem Fuße erfüllt. Am Ende war es eine kurzweilige, musikalisch unterhaltsame Show der Climax Blues Band, der auch in Zukunft noch einiges an Kreativität zuzutrauen ist. Hat sich gelohnt hinzufahren!

Graham Dee – lead vocals
George Glover – keys, vocals
Neil Simpson – bass
Roy Adams – drums, percussion
Boysey Battrum – saxophone
Lester Hunt – electric guitar, vocals

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Climax Blues Band
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Musiktheater Piano
Onstage Promotion

Harper And Midwest Kind – Rise Up – CD-Review

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Einen Künstler, der ein Didgeridoo einsetzt, hatten wir, wenn ich mich bisher recht entsinne, noch nicht in unserem Magazin. Der aus Australien stammende Peter D. Harper, mittlerweile aber schon lange in Detroit lebend, zollt damit seinen heimatlichen Wurzeln Tribut und bringt dieses eigenwillige Instrument geschickt in seine Blues Rock-Musik ein.

Bei uns hier dürfte er einigen Leuten noch vom Grolsch-Blues-Festival 2018 bekannt sein, für meine Wenigkeit ist er bis dato absolutes Neuland gewesen.

Wer sich dieser Musikrichtung verschrieben hat und auch noch Harper heißt, für den ist natürlich dann auch die Mundharmonika Pflicht. Auch hier macht der Multi-Instrumentalist seinem Namen alle Ehre und verleiht diversen Tracks mit den typisch quäkigen Einlagen seine Würze.

Harper und seine spielstarke Unterstützung Midwest Kind bieten auf ihrem 2. Longplayer „Rise Up“ sehr variable Musik, die gerne auch über den Tellerrand hinausschaut.

Da gibt es mit „Blues I Can’t Use“ einen mit reißenden Slides bestückten Southern Rocker erster Güte oder auf „Heavy Horses“ (tolles Duett mit Bobbi Llewellyn) schöne relaxt-shufflige Roots-/Americana-Kost, und das bereits erwähnte (immer wohl dosierte) Didgeridoo gibt so manchem Track wie u. a. dem Opener „Rise Up“ (besonders beim Instrumentalausklang) noch leicht spaciges Flair.

Manchmal scheint mir Harper auch ein Faible für ZZ Tops Rhythmusuntermalungen aus der „Eliminator“-Zeit zu haben. Das schimmert bei der einen oder anderen Instrumentalpassage immer wieder durch.

Ansonsten liefern der Protagonist und seine Mitstreiter angenehm ins Ohr fließende Blues Rock-Musik, zum Teil sehr atmosphärisch und auch mit sozial kritischen Untertönen („Rise Up“, „Hateful“, „World’s Insane“), wobei er hier klar Kante für Mensch, Friede und Natur zeigt.

Meine Favoriten sind neben dem bereits erwähnten Southern Rock-Stück, das soulig groovende „Still Got You“ und das mit einem Hauch von Steely Dan (typisches E-Piano) rüberkommende „Peaceful“ ganz am Ende. Toll hier auch das knarzende Akustikgitarrensolo. Ein starker Abschluss einer wirklich sehr abwechslungsreich und trotzdem stimmig gestalteten CD.

Somit zählen Harper And Midwest Kind, das kann man schon jetzt sagen, sicherlich zu den ganz positiven Überraschungen des Jahres 2020. Leute, die gerne mal neue oder eher unbekannte Künstler entdecken wollen, sind hier an der richtigen Stelle. Klare Kaufempfehlung meinerseits! Die CD kann man ab heute erwerben!

Access Records (2020)
Stil: Blues Rock & More

Tracks:
01. Rise Up
02. Blues I Can’t Use
03. I Still Got You
04. Hateful
05. Heavy Horses
06. Talk To Me
07. World’s Insane
08. Welcome Home
09. Let You Go
10. Peaceful

Harper And Midwest Kind
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Haley Johnsen – 03.02.2020, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Markus Peerlings packt „Caesar’s Pallets“ wieder aus! Den Anfang der diesjährigen Reihe von Solo-Konzerten im Wohnzimmer der Kulturrampe machte Haley Johnson. Durch ihre erfolgreiche Teilnahme beim Song-Contest American Idol erlangte sie in Amerika bereits einen hohen Bekanntheitsgrad. Im vergangenen Jahr promotete sie ihr Debüt-Album „Golden Days“ auf ihrer ersten Europa-Tour. Nun kehrte die talentierte Songwriterin mit frisch im Londoner Studio One aufgenommen Akustik-Versionen nach Deutschland zurück.

Bei Ihrer Premiere in Krefeld zeigte sie sich beeindruckt von der coolen Location. Die Rampe ist nach ihrer Aussage der hipste Veranstaltungsort, in dem sie bislang auftrat. Damit erzählte Johnsen den Anwesenden zwar nichts Neues, aber gefreut hat es alle und Pille wahrscheinlich am meisten.

Mit ganz verschiedenen musikalischen Einflüssen aufgewachsen fügt Haley Johnsen diese in einem souveränen Mix aus Americana, Blues und Rock zusammen. Dabei gibt sie dieser Mischung auf ihrem Longplayer, der mit kompletter Band eingespielt wurde, einen poppigen Anstrich. Im intimen Rahmen der Kulturrampe kamen ihre Qualitäten als Songwriterin und ihre tolle Stimme, die bei der instrumental reduzierten Begleitung stärker in den Vordergrund traten, viel besser zur Geltung.

Die junge Amerikanerin bewies eine verblüffende Souveränität auf der Bühne. Locker und selbstironisch philosophierte sie über den unterschiedlichen Kohlesäuregehalt deutscher Mineralwässer, leitete Songs mit Anekdoten und Hintergrundinformationen ein und nutzte auch sonst jede Gelegenheit, mit dem Publikum in Kontakt zu treten.

Mit viertelstündiger Verspätung kam Johnsen aus den Katakomben der Rampe, legte die nagelneue, akustische Fender-Gitarre an, schnallte sich Schellen um den Fuß und gab mit der Stomp Box den Rhythmus für den Opener „I’ll See You Around“ vor. Richtig Fahrt nahm „Everything Comes Back Again“ auf. Mit scheppernden Akkorden rockte Johnsen den Song, den sie mit 16 Jahren geschrieben hatte.

Nach dem ebenfalls mitreißenden „Sideways“ von ihrer EP „When You Lit The Sky“ (2017) folgte mit „Feel The Water“ die erste Ballade. Diese begann sehr sanft, steigerte dann aber die Dynamik durch fast schon rausgeschriene Gesangspassagen. Johnsen hat eine klare, volle Stimme, die sie den verschiedenen Stimmungen der Songs problemlos anpassen kann.

Inspiriert durch die Version von Eva Cassidy präsentierte Johnsen dann „Autum Leaves“ als klassisches Folkstück. Diesen Titel spielte sie zum ersten Mal auf dieser Tour, deren Halbzeit sie feierte. Die Songwriterin hat noch weitere drei Wochen On The Road vor sich und verlässt Deutschland erstmal in Richtung Dänemark.

Als Haley Johnsen zur elektrischen Gitarre griff, zog das Tempo im letzten Drittel des ersten Sets nochmal an. Kräftige Rhythmen („City Of Me“), teilweise begleitet von einem staubiger Gitarrensound leiteten dann zum vorläufigen Finale über. Für dieses holte sie ihren Freund und Tour-Manager Jonny Shewell auf die Bühne und sang mit ihm „Perfect Life“ im Duett.

Die kurze Pause wurde mit dem fetzigen „Lift Me Up“ beendet. Während Johnsen dort ihre akustische Fender hart bearbeitete, zeigte sie vor allem beim Intro zu „Crazy On You“ – einem Song von Heart –, dass sie auch filigrane Fingerarbeit an den Saiten beherrscht.

Nach „Cinderella“, wohl einem Stück mit großer persönlicher Bedeutung für die Sängerin, folgte mit „Tear Drop Canvas“ ein weiterer Titel des Longplayers „Golden Days“. Die erdigeren, handgemachten Versionen, die Johnsen bei der Show darbot, überzeugten weit mehr als die opulenter produzierten Studioaufnahmen. Als Singer/Songwriter gewinnt Haley Johnsen deutlich Konturen und sticht unter den Musiksternen ihrer Generation hervor. Dass sie musikalisch vielseitig ist, zeigt auch ihre Beteiligung an der Electronic-Band Big Wild, obwohl dies auch unter der Rubrik Jugendsünden zu verbuchen sein kann.

In der Mitte des zweiten Sets räumte sie den Platz am Mikro für Jonny Shewell, der seinen Song „Famous“ vorstellte und dabei sein Gesangstalent offenbarte. Für die letzten beiden Stücke „Weekend“ und „Keep On Saying Goodbye“ packte Johnsen erneut die E-Gitarre aus und heizte dem Publikum nochmal mächtig ein.

Ich hätte nicht gedacht, dass dreißig Leute so einen johlenden und klatschenden Tumult veranstalten können. Obwohl Johnsen – ganz Profi – darauf hinwies, dass sie nur für zwei 45-Minuten-Sets engagiert worden wäre, ließ sie sich nicht lange bitten und gab mit „If It Makes You Happy“ von Sheryl Crow sowie dem Schmachtfetzen „Blue Bayou“ von Linda Ronstadt zwei Cover als Zugabe. Die beiden Titel standen den Originalen in nichts nach, was zeigt, über welche Spannweite sie musikalisch und gesangstechnisch verfügt.

Haley Johnsen lieferte eine Performance mit großem Unterhaltungswert, abwechslungsreicher Songauswahl und hervorragendem Gesang. Mit ihrem natürlichen Auftreten spiele sie sich direkt ins Herz der Zuhörer. In besser Gesellschaft kann man einen verregneten Montagabend kaum verbringen. Für die nächsten Veranstaltungen ab März zieht „Caesar‘s Pallets“ auf die Terrasse der Rampe. Die Open-Air-Konzerte auf dem Großmarkt sind eine schöne Idee, sofern das Wetter mitspielt.

Line-Up:
Haley Johnsen (vocals, guitar)
Jonny Shewell (vocals)

Bilder und Bericht: Michael Segets

Haley Johnsen
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Kulturrampe

Music & Stories – 29.01.2020 – Dortmund, Warsteiner Music Hall – Festivalbericht

WM-haupt

Der Konzertreihe Music & Stories konnte nichts besseres passieren, dass drei britische Hochkaräter der Rockmusik gleichzeitig ihr 50-jähriges Bandjubiläum feiern. Was lag da näher als Wishbone Ash, Nazareth und Uriah Heep gemeinsam zu einem Konzertabend auf die Bühne zu bitten.

In der Dortmunder Warsteiner Music Hall fand diese Reihe mit dem 14. Konzertabend nun ihren Abschluss. Gespannt waren viele auf das Konzept, Livemusik mit Talkelementen zu verknüpfen. Als Moderator führte Andy Scott, bekannt als Gitarrist der legendären Sweet durch den Abend. So standen jeweils zwischen den 60-minütigen Sets (Uriah Heep spielte etwa 80 Minuten), Musiker der Bands auf der Bühne zu einer Gesprächsrunde zur Verfügung.

Dies hatte den Effekt, dass die ohnehin recht kurz gestalteten Umbaupausen, den Besuchern noch einmal durch Anekdoten aus 50 Jahren Musikhistorie, verkürzt wurden, wobei sich Scott als charmanter „Gastgeber“ zeigte und die Musiker mit Humor auf die Vergangenheit zurückblickten. Neben lustigen Sachen, wie ein Sturm von Frisbeescheiben auf die Bühne während eines Gigs, kamen aber auch nachdenkliche Geschichten zum Vorschein.

Genannt sei nur, als Andy Powell anmerkte, dass er auf einer Tour mit Nazareth mal festgestellt hatte, dass Schotten doch die trinkfestesten Briten wären und dabei den Nazareth Basser Pete Agnew ansprach, dieser aber darauf konterte, dass er vor Jahren vor der Entscheidung Trinken oder Leben stand, und seitdem dem Alkohol abgesagt hätte.

Als besonderen Service hatte der Veranstalter eine App zur Verfügung gestellt, in der die Gespräche direkt simultan übersetzt wurden. Dies war für viele jedoch nicht notwendig, da sich die britischen Musiker Mühe gaben, langsam und auch in einem sehr verständlichen Englisch zu sprechen, dass man dem Inhalt gut folgen konnte.

Das Wichtigste für die Besucher waren aber vermutlich die drei Konzerte, wobei Wisbone Ash sehr pünktlich um 19:00 Uhr den Anfang machte, sodass die sehr gut organisierte Veranstaltung an einem Mittwoch Abend bis 23:00 Uhr durchgeführt werden konnte.

WA-Teh

Wishbone Ash legten direkt mit „The King Will Come“, „Warrior“ und „Throw Down The Sword“ los und offerierten, was perfekte Twin-Guitars-Musik ist. Powell und Abrahams lieferten sich Sologefechte, die in sich stimmig und absolut harmonisch waren. Mit diesen drei Klassikern hatten sie direkt den Zugang zum Publikum gefunden und und es folgten weitere 45 Minuten der hohen Gitarrenspielkunst.

Doch auch Joe Crabtree an den Drums und Bob Skeat hatten genug Gelegenheit sich als exzellente Musiker zu präsentieren. Die Spielfreude der Briten war für jeden auch an der Mimik der bestens gelaunten Musiker ersichtlich.

Mit „We Stand As One“ folgte auch ein ganz neuer Song, wodurch auch noch einmal verdeutlicht wurde, dass Wishbone Ash eine Band ist, die sich nicht nur auf alten Werken ausruht. Dies traf aber auch für die beiden anderen Acts des Abends zu.

Mit „Jail Bait“, „Phoenix“ und “Blowin‘ Free“ als Zugabe folgten noch drei weitere Klassiker und 60 Minuten waren wie im Fluge vergangen. Herausragend war natürlich „Phoenix“ mit psychedelischen Soloparts und es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Powell fragte, ob es denn auch Besucher gäbe, die das Musiktheater Piano kennen, wo die Band die letzten Jahre immer im Januar auftrat und ihm diese Shows in absolut angenehmer Erinnerung geblieben sind.

Direkt nach dem Gig stand die gesamte Band den Besuchern am Merchandising-Stand zur Verfügung, was noch einmal die Publikumsnähe der Mannen um Powell verdeutlichte, mit der sie sich bestimmtt neue Freunde geschaffen haben.

Line-up Wishbone Ash:
Andy Powell – guitar, vocals
Marc Abrahams – gutar
Bob Skeat – Bass, background vocals
Joe Crabtree – Drums

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Mit Nazareth wurde es dann eine Spur härter. Das hart rockende „Miss Misery“ und der folgende Kracher „Razamanaz“ brachten das Publikum direkt auf Betriebstemperatur.

Zum Abkühlen ließen die Schotten eine schöne Version des Joni Mitchel-Covers „This Flight Tonight“ und mit „Dream On“ eine ihrer Parade-Balladen folgen. Carl Sentance, der seit einigen Jahren den Leadgesang inne hat, überzeugte dabei mit einer starken Bühnenpräsenz und war stimmlich absolut auf der Höhe.

Jimmy Murrison, wie immer seine Gitarre ohne Plektron bearbeitend, bewies, dass er spielerisch die Bandbreite von Schmusesongs bis zum Heavy Metal abbilden kann. Father and Son, Pete Agnew am Bass und Lee Agnew am Schlagzeug zeigten, dass Familie auch auf der Bühne gut funktionieren kann. Pete, immer mit einem Lächeln oder schelmischen Grinsen, machte klar, dass er auch mit 73 Jahren, als einziges verbliebenes Gründungsmitglied, ins 51. Jahr der Bandgeschichte zu gehen gedenkt.

Danach wurde es wieder eine Spur härter und die Band mischte unter ältere Songs wie dem Crazy Horse-Cover „Beggars Day“ und „Hair Of The Dog“ mit „Change“, „Changin‘ Times“ und „Tattoed On My Brain“ drei Stücke vom aktuellen Album, die von den Fans auch sehr gut angenommen wurden.

Der Abschluss der Show wurde mit dem bekanntesten Stück von Nazareth, der Everly Brothers-Adaption „Love Hurts“ eingeläutet, wo Sentance mit schmachtenden Gesang für den einen oder anderen melancholischen Moment bei den Besuchern gesorgt haben dürfte. Mit dem Bonnie Dobson-Stück „Morning Dew“ aus der Anfangszeit von Nazareth wurde das Konzert beendet.

Beeindruckend hier der instrumentelle Einstieg in den Song, wo insbesondere Pete Agnew am Bass mit einem donnernden Lauf überzeugte, bis Murrison mit der Gitarre in diesen psychedelischen Song einstieg und Sentance erst nach einigen Minuten gesanglich hinzu stieß.

Nazareth gehören noch lange nicht zum alten Eisen und haben durch die später hinzugekommenen Musiker, immer wieder frischen Wind in die Band bekommen. Nach dem Konzert stand dann Carl Sentance am Mercendisestand für die Fans bereit, Pete hatte keine Zeit, da er für die anschließende Talkrunde bereitstehen musste.

Line-up Nazareth:
Carl Sentance – vocals
Jimmy Murrison -guitars
Pete Agnew – Bass vocals
Lee Agnew – drums

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Nachdem die letzte Gesprächsrunde beendet war, verdunkelte sich die Halle zunächst und in einem folgenden Lichtgewitter begannen die britischen Hardrockveteranen von Uriah Heep mit „Grazed By Heaven“ ihre Show.

Sänger Bernie Shaw überzeugte direkt durch eine entsprechende Hardrockpräsenz mit einigen Posen und perfformte die Songs auch stimmlich gewohnt sicher. Mick Box das verbliebene Gründungsmitglied, das die Band über die Jahre auch zusammengehalten hat, steuerte zu jedem Stück starke Soli bei, wobei er zuweilen so tat, als würde er seine Griffhand wie bei einer Marionette mit der linken Hand steuern.

Mit „Too Scared To Run“, „Take Away My Soul“ ging es hard bis haevy weiter. Drummer Russell Gilbrook schien sich zuweilen die Seele aus dem Leib zu trommeln, Davey Rimmer am Bass posierte über die Bühne und hatte als besonderen visuellen Effekt, zuweilen den Lauf des Basses blau beleuchtet. Phil Lanzon an den Keyboards gab den Stücken die gewohnte Uriah Heep-Fülle.

Das etwas langsamere, aber dennoch hart performte „Rainbow Demon“ wurde mit einem starken Keyboard-Intro durch Lanzon eingeläutet, bis die restliche Band einstieg. Der folgende Klassiker „Gypsy“ brachte die Fans zum Toben und beim anschließenden „Look At Yourself“, bei dem auch die Bandmitglieder vorgestellt wurden, gab es einem furiosen instrumentalen Schlussteil.

Danach folgte einer der absoluten Höhepunkte der Uriah Heep -how. Shaw kündigte einen Song mit langen Intro und langen Outro an. Lanzon stieg zunächst mit der Orgel ein und die Band legte eine sphärische Version der Hymne „July Morning“ auf die Bühne.

Beim vermutlich bekanntesten Stück von Uriah Heep, bei dem zunächst Box mit der Akustikgitarre und Shaw singend alleine auf der Bühne anwesend waren, wurde das Publikum zum Mitsingen eingeladen, dem dieses auch nachhaltig nachkam. Danach läutete der Rest der Band dann das Ende des Konzertabends ein, auf den mit „Sunrise“ und „Easy Livin’“, noch zwei Zugaben folgten.

Herausragend dabei das furios gespielte „Easy Livin’“ als Rausschmeißer, der die Halle noch einmal zum Kochen brachte und einen würdigen Abschluss eines 5-stündigen Konzerts inklusive Talkabend bildete.

Line-up Kenny Wayne Shepherd:
Kenny Wayne Shepherd (electric guitar, vocals, lead vocals)
Noah Hunt (lead vocals, electric and acoustic guitar, percussion)
Bernie Shaw – vocals
Mick Box – guitar, vocals
Davey Rimmer – Bass
Russell Gilbrook – drums
Phil Lanzon – Keyboards

Fazit: Mit Music & Stories hat die PACO Agency eine beeindruckende Konzertreihe durch 14 Städte promotet. Die Kombination aus Livemusik und Talkelementen kann als gelungen angesehen werden, wozu auch die authentische Art von Andy Scott beitrug, der in den Konversationen unaufdringlich und charmant so mache Geschichte aus den Musikern, bzw. alten Freunden und deren gemeinsamer Erlebnisse herauskitzelte.

Über die Qualität der Musik zu reden ist in diesem Fall nicht mehr notwendig, es muss aber erwähnt werden, dass sowohl die Ton- wie auch die Lichttechniker, ganze Arbeit geleistet haben. Auch die gesamte Crew und Security leisteten durch koordinierte Arbeit, ihren Beitrag zu einem harmonischen und absolut runden Abend, der zeigte, dass dieses Konzept auch in Zukunft präsentabel erscheint.

Ein besonderer Dank an Karina Kahl von der PACO Agency für die problemlose Akkreditierung und an Tourmanager Ingo Joa, der den Kontakt hergestellt hat.

Bilder und Bericht: Gernot Mangold

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