Taylor McCall – Black Powder Soul – CD-Review

Review: Michael Segets

Das Cover von Taylor McCalls „Black Powder Soul” mit dem untoten Gunslinger hat mich direkt angesprochen. In einem Interview sagt McCall, dass der Mann auf dem Titelbild sein Inneres visualisiert – jemanden, der seinen Dämonen entgegentritt. Zu erwarten wäre bei der Aufmachung und dem Titel eine Scheibe, die sich einen Schritt neben den üblichen Konventionen des Countrygenres bewegt. Auf seinem Debütalbum zeigt sich McCall musikalisch von mehreren Seiten, wobei der Country entgegen der Vorannahme eine untergeordnete Rolle spielt.

Zum einen bewegen sich seine Songs in Singer/Songwriter-Bahnen. Wie auf „Man Out Of Time“ reicht auch auf „White Wine“ eine reduzierte Begleitung aus, um eine leicht wehmütige Stimmung zu erzeugen. McCalls schön angeraute Stimme kommt bei dem erdigen „So Damn Lucky“ besonders zur Geltung. Dieses Highlight unter den ruhigen Stücken punktet mit einer Mundharmonika-Passage. Eine Orgel untermalt das melodiöse „Wide Open“. Hier mischt sich ein bisschen Country mit hinein. Bereits „Red Handed“ weicht mit seiner expressiven Instrumentaleinlage vom typischen Singer/Songwriter-Stil ab. Erneut überzeugen Stimme und Gesang von McCall.

Die zweite Gruppe von voller instrumentierten Songs ist aggressiver und meist am Rock angelehnt. Beim dunklen Titelstück setzt nach dem Gitarrenintro zuerst der Gesang, dann Percussion und Schlagzeug ein, was eine gelungene Spannungskurve erzeugt. Vor dem stampfenden Rhythmus liegt die mit etwas Hall versehene Stimme von McCall. Der Song gipfelt in einem krachenden Gitarrenpart, der zwar nicht als filigran zu bezeichnen ist, sich aber prima in das Stück einpasst. „Hells Half Acre“ wartet ebenfalls mit härteren Riffs auf, die in einen Call-And-Response-Modus mit dem Gesang treten.

Neben den beiden Stücken gehört das mit gospelmäßigem Chor begleitete „Surrender Blues“ zu den Highlights der CD. Zu diesen ist das – vor allem im Refrain – an Steve Earle erinnernde „Highway Will“ ebenfalls zu zählen. Mit den Lyric-Videos zu „Highway Will“ und „So Damn Lucky“ pickt McCall zwei starke Stücke heraus.

Wurden bislang die Titel, die in der Singer/Songwriter-Tradition stehen, von denen mit breiterer Band im Rücken unterschieden, treten bei den letztgenannten weitere Facetten zutage. „Crooked Lanes“ spiegelt mit seinem fast hecktischen Rhythmus, der von einem trockenen Schlagzeug und Percussion getrieben wird, eine rockige Seite wider, bei „South Of Broadway“ machen sich Einflüsse des Blues bemerkbar. Diese treten im neunminütigen „Lucifer“ noch deutlicher hervor. Das Gesamtwerk entzieht sich so eindeutigen Genrezuordnungen.

Der in South Carolina aufgewachsene McCall brachte sich autodidaktisch das Gitarrenspiel bei, nachdem er mit sieben Jahren sein erstes, von seinem Vater gebaute Instrument bekommen hatte. Der begeisterte Angler machte diese Leidenschaft zwischenzeitlich zum Beruf, bevor er eine Karriere im Musikbusiness anvisierte. Besonders wichtig war es McCall, seinen Großvater auf seinem ersten Longplayer zu ehren. Dieser ist auf dem Gospel „Old Ship Of Zion“ zu hören, der als Prelude und Outro das Album rahmt.

Auf „Black Powder Soul“ von Taylor McCall stehen Americana, Rock und Blues nebeneinander und verschmelzen in einigen Tracks so ineinander, dass ein abwechslungsreiches und originelles Debüt entstanden ist. Die Scheibe hat Tiefe und gewinnt bei jedem Durchlauf weitere Schichten. McCalls Stimme und Songwriting lassen auf weitere Werke hoffen.

Black Powder Soul Music – Thirty Tigers/Membran (2021)
Stil: Americana/Rock and more

Tracks:
01. Old Ship Of Zion Prelude
02. Black Powder Soul
03. Red Handed
04. White Wine
05. Crooked Lanes
06. Hells Half Acre
07. Man Out Of Time
08. Surrender Blues
09. South Of Broadway
10. Wide Open
11. Highway Will
12. So Damn Lucky
13. Lucifer
14. Old Ship Of Zion Outro

Taylor McCall
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Larkin Poe & Nu Deco Ensemble – Paint The Roses: Live In Concert – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Bereits in den 1960er Jahren haben Rockbands (u. a. Deep Purple) Orchester-Kooperationen in Live-Konzerten eingespielt. Das ist auch heute noch oft eine Herausforderung für alle Beteiligten (siehe z. B. Metallica: „S&M“ (1999) und S&M2 (2020), Kiss (2003)). Etwas leichter hatten es die beiden US-Bluesrockerinnen von Larkin Poe, die über eine klassische Grundausbildung (Violine und Piano) verfügen. Trotzdem muss die außergewöhnliche Performance mit dem Nu Deco Ensemble für Megan und Rebecca Lovell eine neue Erfahrung gewesen sein. Ihre erste Live-Aufnahme „Paint The Roses“ wurde während eines Gast Auftrittes am 12. Dezember 2020 im North Beach Bandshell, Miami Beach, Florida, anlässlich einer Live-Stream-Show des renommierten Orchesters aufgezeichnet und enthält überwiegend Songs ihres Billboard Blues Charts Nr. 1-Albums „Self Made Man“.

Die Einleitung von „Paint The Roses“ beginnt allerdings mit der alten Gospel-Nummer „Sometimes“ von Folk-Ikone Bessie Jones, traditionell rhythmusintensiv und im Mittelteil durch die orchestrale Bläserbegleitung modern ausgestaltet, jedoch unverändert eine Roots-Rock-Reminiszenz. Als weiteres Highlight folgt das Medley „Back Down South/Blue Sky“ mit dem Allman Brothers-Track als grandioser Orchester Interpretation, einer vehementen Southern-Rock-Betonung und einem Dankeschön an die großen Brüder der „kleinen“ Schwestern. Das innovative Orchesterpassagen auch mit älteren Lovell-Songs großartig harmonisch übereinstimmen, beweist „Mad As A Hatter“ aus dem Jahre 2012 mit nahezu experimenteller Ausrichtung – jedoch passend zu den bewegenden Lyrics der ursprünglichen Folk-Blues-Nummer.

Durch die Orchestrierung erhalten die Larkin Poe Stücke neue Ausdrucksstärke und außergewöhnliches Klangvolumen; das Nu Deco Ensemble beweist seine eigene, bemerkenswerte und teilweise extravagante Inszenierung der Kompositionen durch die klassische Note. Tracks, wie „Every Bird That Flies“ und „Self Made Man“ wachsen als Folge der Orchester-Aufarbeitung in kraftvollen Live-Versionen über sich hinaus. Die spannende und begeisternde Aufzeichnung des Larkin Poe-Gastkonzertes ist leider mit nur 30 Minuten etwas kurz geraten, wobei der erhebliche, künstlerisch musikalische Aufwand für die Instrumentalisierung dieser orchestralen Begleitung von sieben Stücken nicht zu unterschätzen sein dürfte.

Der Live-Longplayer „Paint The Roses“ bietet ein Klassik-Blues-Rock-Ereignis der besonderen Art, oder wie es Megan Lovell im American Songwriter Interview ausdrückt: „This event feels like a homecoming to us“. Larkin Poe knüpfen mit ihrem neuen Album an erfolgreiche Orchester-Rock Releases der letzten Jahrzehnte an.

Tricki-Woo Records/Proper/Bertus (2021)
Stil: Blues, Klassik

Tracks:
01. Sometimes
02. Back Down South/Blue Sky
03. Mad As A Hatter
04. Danger Angel
05. Tears Of Blue To Gold
06. Every Bird That Flies
07. She’s A Self Made Man

Larkin Poe
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Nu Deco Ensemble
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Another Dimension

Melissa Etheridge – One Way Out – CD-Review

Review: Michael Segets

Beim ersten flüchtigen Durchlauf von „One Way Out” dachte ich, dass Melissa Etheridge wie in ihren frühen Jahren klingt. Dieser Eindruck täuschte nicht, denn die Ursprünge der Songs gehen tatsächlich bis in die 1980er zurück. Damals hatten die Stücke nicht den Weg auf ein Album gefunden. Diese Entscheidung muss aus irgendwelchen konzeptionellen Gründen gefallen sein, denn bei den Tracks handelt es sich nicht um Ausschuss- oder B-Ware.

Die Stücke gerieten in Vergessenheit, bis Etheridge ein Boxset über ihre Karriere plante. Sie trommelte ihre Weggefährten 2013 zusammen und spielte die Tracks gemeinsam mit Gitarrist John Shanks (Stevie Nicks, Sheryl Crow), Bassisten Kevin McCormick (Jackson Browne, Nils Lofgren) und Schlagzeuger Fritz Lewak (Jackson Browne, Vonda Shepard) ein.

Das Boxset wurde aufgrund eines Labelwechsels jedoch nie realisiert und Etheridge wandte sich neuen Projekten zu. Es gingen weitere sieben Jahre ins Land, bis ihr die Aufnahmen wieder ins Gedächtnis kamen. Angereichert mit zwei Livemitschnitten eines Konzerts von 2002 in Los Angeles liegen die sieben Songs auf „One Way Out“ nun als eigenständige Veröffentlichung vor.

Volle Gitarren, kräftige Mundharmonika und treibender Rhythmus dominieren den Titeltrack, der zugleich als erste Single ausgekoppelt wurde. „One Way Out“ erscheint vielleicht noch einen Tick härter als ich die Songs aus ihren musikalischen Anfangsjahren in Erinnerung habe. Auch sonst legt sich Etheridge mächtig ins Zeug. Mit Mundharmonika-Sprengseln nimmt beispielsweise „For The Last Time” Fahrt auf und steigert sich zu einem Refrain, bei dem sich Etheridge quasi die Seele aus dem Leib singt.

Die Studioaufnahmen wirken wie aus einem Guss, wobei sich die einzelnen Stücke voneinander abheben. In „As Cool As You Try” ist ein Gitarrensolo eingebaut – so cool wie der Titel verspricht. Die Hu-Hus auf „Save Myself” erinnern an die Rolling Stones. Mit „That Would Be Me” rockt Etheridge in für sie klassischer Manier, erneut unter Einsatz der Mundharmonika.

Neben den fünf allesamt erstklassigen Rockern streut Etheridge zwei langsamere Songs ein. Auch mit diesen knüpft die zweifache Grammy- und Oscar-Preisträgerin stilistisch an ihre frühen Erfolge an. Das Ende von „I’m No Angel Myself” untermalen gefühlvolle Gitarrenvibes. Während sie dort ihre Stimmgewalt zeigt, lebt „Wild Wild Wild“ von dem sensiblen Gesang, bei dem Etheridges markante Stimmfarbe voll zur Geltung kommt.

Mit den beiden Live-Mitschnitten hebt sich die Spiellänge der CD auf Album-Niveau, wobei sie die konzeptionelle Anlage des Werks durchbrechen. Ich bin kein Fan von Longplayern, auf denen Studio- und Liveaufnahmen gemischt sind, aber die beiden straight rockenden Songs „You Have No Idea” und „Life Goes On” lassen die Energie erahnen, die Etheridge auf der Bühne entwickelt. Es wäre schade gewesen, wenn die beiden, meines Wissens bislang unveröffentlichten, Titel weiterhin in der Schublade verschwunden geblieben wären. Als Bonus-Tracks stellen sie eine ideale Ergänzung des Streifzugs durch fast vergessene Aufnahmen dar.

Melissa Etheridge gräbt auf „One Way Out“ Schätze aus, die bislang in ihrem Fundus schlummerten. Durch die Bank wecken sie Erinnerungen an ihre ersten Veröffentlichungen. Auf den Songs rockt Etheridge fern jeglicher Nostalgie frisch wie in jungen Jahren.

Anmerkung der Red.: Der Veröffentlichungstermin der physischen Version ist kurzfristig auf den 01.10.2021 verschoben worden!

BMG Rights Management/Warner (2021)

Stil: Rock

Tracks:
01. One Way Out
02. As Cool As You Try
03. I’m No Angel Myself
04. For The Last Time
05. Save Myself
06. That Would Be Me
07. Wild Wild Wild
08. You Have No Idea (Live)
09. Life Goes On (Live)

Melissa Etheridge
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Netinfect Promotion

Samantha Fish – Faster – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Manchmal ist das Streben nach musikalischer Vielseitigkeit eine Verlockung, um die künstlerischen Möglichkeiten bis an die Grenzen des Genres auszudehnen. Diesen Eindruck vermittelt die US-amerikanische Blues-Rockerin Samantha Fish auf ihrem neuen Album „Faster“. Nachdem sie für ihr Debüt „Runaway“ (2012) mit dem Blues-Music Award ausgezeichnet wurde, hat die Musikerin aus Kansas City in den letzten 10 Jahren eine Reihe abwechslungsreicher Longplayer vorgelegt. Die Bandbreite der wesentlich im Blues und Rock’n’Roll beheimateten 32-jährigen Gitarristin, Sängerin und Songschreiberin reichte dabei vom Rhythm and Blues, über Soul, Delta-Country bis zum Blues, wie u. a. auf dem letzten Album aus „Kill Or Be Kind“ (2019).

Die Fortsetzung der Blues-Rock Ambitionen wird auf der neuen Scheibe durch den Titelsong „Faster“ gleich zu Beginn kräftig vorangetrieben. Ein Gitarren-Stück mit groovendem Beat – ein strammer Opener, der anschließend mit „All Ice, No Whiskey“ ohne Abstriche ein funkiges Pendant bekommt. Die in diesem Zuge gleichermaßen bluesrockig nachfolgende Single „Twested Ambition“ reiht sich hervorragend in diesen Abschnitt der LP ein. Überhaupt hat die erstmalige Zusammenarbeit von Samantha Fish und Starproduzent Martin Kierszenbaum (u.a. Lady Gaga, Sting) tiefgreifende Pop-Spuren hinterlassen.

Nach diesem heftigen Einstieg in den Longplayer wird jedoch mit dem vierten Song „Hypnotic“ die weitere Erwartungshaltung arg strapaziert. Dieses funk-orientierte Sound-Experiment markiert offen einen Bruch der bisherigen Stilrichtung, auch getrieben von Samanthas angelehnten Vocals, erinnert an frühere Prince-Klassiker im Pop-Bereich. Die temporeichen Songs „Forever Together“, „Crowd Control“ und „Imaginary War“ können jedoch trotz der stimmlichen Ausdrucksstärke von Samantha Fish und der Guitar-Energie, nur bedingt die Erwartungen erfüllen, die das Vorgänger-Album ausgelöst hat.

Samanthas selbstbewusste Kommentierung „I try to do something different with every album“ wird nicht zuletzt in Form der Guest-Performance von Rapper Tech N9ne beim folgenden Song „Loud“ deutlich. Einer Komposition, die als großartige Mischung von Keyboards und Guitar plus Rapp-Einlage gewertet werden kann. Die reife Blues Rock-Nummer „Better Be Lonely“ und der starke Rock’n’Roll „So Called Lover“ versöhnen Blues-Fans zum Ende hin. Die als Final-Track und Kontrastpunkt zum Albumtitel abschließende Ballade „All The Words“ ist symbolträchtig und grenzüberschreitend: nur Gitarre, Bass und Klavier begleiten Samanthas tiefgründige Interpretation.

Samantha Fish hat in ihrer bisher sehr erfolgreichen Karriere häufig neue Elemente aus Jazz, Country, Soul und Blues in ihre Musik aufgenommen. Sie bewegt sich mit ihrem neuen Longplayer „Faster“ neben altbekannten Stilmotiven aus Blues und Rock teilweise auf dem Terrain von Funk, Dance und Pop ohne ihre eigentliche Herkunft hinter sich zu lassen. „Faster“ ist ein Album, das Intuition, Spielfreude und Vielfalt anzubieten hat und über einen reinen Pop-Entertainment-Charakter weit hinaus geht.

Concord Records (2021)
Stil: Blues Rock and more

Tracks:
01. Faster
02. All Ice No Whiskey
03. Twisted Ambition
04. Hypnotic
05. Forever Together
06. Crowd Control
07. Imaginary War
08. Loud (featuring Tech N9ne)
09. Better Be Lonely
10. So Called Lover
11. Like A Classic
12. All The Words

Samantha Fish
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Oktober Promotion

12-4-2 – 26.08.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

Nach einigen erfolgreichen Konzerten im letzten Jahr ging das von Martin Engelien ins Leben gerufene Projekt 12-4-2 nun weiter. Die zwölf Gitarrenseiten wurden wie zuvor von Ben Granfelt und Thomas Blug bedient, der Viersaiter, wie gewohnt, vom Meister selbst, nur die zwei Drumsticks wechselten in die Hände von Mel Gaynor, der schon bei den Simple Minds aktiv war.

Pünktlich nachdem die Regenschauer sich weiter Richtung Süden verzogen hatten, kündigte Pille Peerlings die Band an und unter dem Applaus von etwa 90 Besuchern, die trotz der unsicheren Wetterlage den Weg zum Schlachtgarten gefunden hatten, betrat die Band im wieder schön illuminierten Gelände die Bühne.

Schon beim einleitenden Instrumental „One Earth“ zeigte die Band, welch exzellente Musiker auf der Bühne stehen. Granfelt und Blug schmissen sich ähnlich wie bei Wishbone Ash, wo Granfelt auch einige Jahre spielte, fast synchron twinguitarmäßig, die Melodien zu und die Rhythmusfraktion sorgte für eine volle, energiegeladene Grundlage und glänzte zuweilen auch mit starken Soloeinlagen. Es folgte eine bunte Mischung aus Songs, meist aus der Feder Granfelts und Blugs, welche mit einigen Coversongs gespickt waren, die es in sich hatten.

Nach dem Intro kündigte Granfelt mit einem Augenzwinkern den ersten eigenen Song an und es folgte eine starke Version des Gerry Rafferty Klassikers „Baker Street“ wo das Saxophon gar nicht vermisst wurde, da Granfelt und Blug an den Gitarren dies durch krachende Soli ersetzten.

Danach zeigte der von Granfelt als bester deutscher Gitarrist auf der Bühne vorgestellte Thomas Blug, bei „My House Is Green“, dass er ein genau so feines Händchen im Songwriting wie an den Gitarrensaiten hat. Dass der Song instrumental war, fiel gar nicht großartig auf, da man zuweilen das Gefühl hatte, die beiden Gitarristen würden ihr Instrumente singen lassen.

Beim folgenden „Breathe“ zeigte ein stimmlich bestens aufgelegter Granfelt, dass er mit Sicherheit zu der Topgarde der Gitarristen zählt, wobei er hier auch von Blug unterstützt wurde und die zweistimmigen Gitarren dem Song ein ganz neues Flair gaben. Nahtlos reihte sich das psychedelisch angehauchte Instrumental „Melodic Relief“ von Granfelts letzter Platte an, welches mit einigen jammenden Passagen aufwartete, wo alle Musiker ihr Können zeigen konnten.

Das verträumte „Faith, Hope & Love“ mag manchem als Wisbone Ash-Cover vorgekommen sein, es stammte aber aus Granfelts Zeit bei der Band und aus seiner Feder. Stark war hier, wie sich Granfelt und Blug perfekt ergänzten und für Begeisterung bei den Besuchern sorgte.

Zum Ende des Sets kam dann ein furioser Auftritt vom Drummer Mel Gaynor. Eine deftig rockende Version von „Superstition“, mit treibenden Drumbeats wurde von ihm passend dynamisch gesungen.

Nach einer kurzen Pause ging es dann mit „Freeway Jam“ und „Victorious“ weiter. Bei der Anmoderation seines Songs „Hey Stranger“ sorgte Ben Granfelt mit einer Freudschen Fehlleistung für Applaus. Er schilderte Situationen, wenn er auf Tourneen durch Städte geht, in Cafes sitzt, z. B. auch in Krefeld und man mit Fremden ins Gespräch kommt und sich vorstellt und er sich dann als Ben Krefeld benannte, was Engelien später bei der Vorstellung von ihm noch einmal unter dem Applaus der Besucher später aufnahm.

Das folgende „I Won’t Forget“ von Blug war eine passende Einleitung für „My Soul To You“ von der gleichnamigen Scheibe von Granfelt, wo er die Gitarre im Stile eines Mark Knopflers erklingen ließ. Zum Ende des zweiten Sets folgten Blugs „Whitching Hour“ und das fulminante „Almighty Blues“, angekündigt als ein Stück, das so 20 – 25 Minuten dauert. Warum die Zeitangabe von Bedeutung für Pille Peerlings und Kolja Amend von Bedeutung war, wusste zu diesem Zeitpunkt niemand.

Ein Solo der vier Musiker jagte das nächste und man hatte den Eindruck sie würden sich in einen regelrechten Rausch spielen, was für Standing Ovations sorgte. Unter lautstarken Zugabeforderungen verließ die Band die Bühne und wurde von Peerlings und Amend in Empfang genommen.

Was kaum einer bemerkt hatte, der Schlachtgarten bekam Besuch vom Ordnungsamt, das eine Beschwerde eines besorgten Krefelder Bürgers erhalten hatte, die zeigte, dass es neben Corona noch andere, vielleicht viel schlimmere und nachhaltigere Probleme für die Kultur unter freiem Himmel gibt: Nämlich Spaßbremsen, die um 22:30 Uhr nicht in der Lage sind, Musik von Außen zu ertragen.

Vielleicht hätte es ja auch gereicht, die Fenster zu schließen oder einfach die Glotze etwas lauter zu machen. Es gab auf jedem Fall die Auflage, dass das Konzert nach dem gerade begonnenen Song zu beenden sei. Dass danach weiter Züge über die direkt neben dem Gelände liegende Bahntrasse rumpelten, sei dabei nur am Rande erwähnt. Wegen der sehr stringenten Ansage des Ordnungsamtes machten sich die beiden Veranstalter Sorgen, da sie dachten, die 20 – 25 Minuten wären ein Scherz gewesen, aber schnell erkannten Sie, dass der Song für mehrere Jampassagen ausgelegt war.

Die Band kam dann noch einmal auf die Bühne, um sich zu verabschieden und es wurde erklärt, warum es keine weiteren Stücke gab. Trotz dieses abrupten Endes erlebten die Besucher ein ganz starkes Konzert, auch ohne das obligatorischen „Going Home“ bei Gigs mit Ben Granfelt und alle Anwesenden werden mit Sicherheit erneut dabei sein, wenn diese Musiker wieder zusammen auftreten. Dies wird dann aber vermutlich unter anderen Voraussetzungen stattfinden.

Bei den Konzerten im letzten Jahr stellten Granfelt und Blug fest, dass es richtig Spaß bereitet, gemeinsam was zu machen. Dies veranlasste Engelien zur Überlegung, Mel Gaynor an den Drums dazu zu holen und aus dem temporären Projekt eventuell eine eigenständige Band zu machen. In diesem Fall darf man sich schon jetzt auf eine absolut starke Liveband freuen.

Line-up:
Ben Granfelt (lead vocals, electric guitars)
Thomas Blug (electric guitar)
Martin Engelien (bass, bgv)
Mel Gaynor (drums, lead vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Kulturrampe, Krefeld
Schlachtgarten, Krefeld

Willie Nile – The Day The Earth Stood Still – CD-Review

Review: Michael Segets

Woher nimmt der 73jährige die Energie, am laufenden Band Alben herauszubringen, auf denen er wie ein Jungspund rockt? Mit „The Day The Earth Stood Still“ veröffentlicht Willie Nile den vierten Longplayer in den letzten fünf Jahren. Seit seinem Debüt im Jahr 1980 stehen jetzt zwanzig Tonträger im Katalog, wenn die Live-CDs und seine EP mitgezählt werden. Dabei kam es nach dem zweiten Album zu Rechtsstreitigkeiten, die seine musikalische Karriere erst einmal ausbremsten. Nach zehnjähriger Abstinenz meldete sich Nile erst Anfang 1990er zurück. Mit „Streets Of New York“ startete er dann 2006 richtig durch. Seitdem scheint seine Produktivität keine Grenzen mehr zu kennen.

Nach „New York At Night“ (2020), einem Stimmungsbild seiner Wahlheimat, wendet sich Nile nun in seiner scharfzüngigen Art wieder politischen und sozialkritischen Themen zu. Er knüpft damit an „Children Of Paradise“ (2018) an, was sich auch im Stil der Covergestaltung zeigt.

Willie Nile macht auf „The Day The Earth Stood Still” wieder sein Ding. „Where There’s A Willie, There’s A Way” ist daher das Programm der CD. Der Song weist Anleihen bei The Clash auf und sollte dementsprechend laut gehört werden. „Off My Medication” lässt es ebenso richtig krachen. Wofür die Jugend Aufputschmittel braucht, erreicht man im Alter wohl bereits, wenn die Medikamente weggelassen werden. „Sanctuary“ rockt hingegen in melodiöseren Bahnen. Bei „Expect Change“ und „Time To Be Great” setzt Nile die eingeschlagene Richtung fort. Ein Schelm, wer die Titel als Abgesang auf die Ära Trump sieht.

„The Justice Bell For John Lewis” würdigt den im letzten Jahr verstorbenen, afro-amerikanischen Bürgerrechtler und Kongressabgeordneten der Demokraten. Anfänglich auf Klavierbegleitung reduziert entwickelt der Song später hymnische Züge. Neben den zeitgeschichtlichen Bezügen greift Nile aber auch die Liebesthematik auf, die wohl zeitlos ist. Dies tut er beim Midtempo-Stück „Way Of The Heart“ sowie beim über weite Passagen akustisch gehaltenen „I Will Stand“. „I Don’t Remember You“ hat vor allem im Einstieg einen Country-Einschlag. Die harmlos wirkende Melodie versieht Nile mit einem wunderbar bissigen Text.

Auf dem Longplayer sind also wieder einige äußerst gelungene Willie-Nile-Werke zu hören. Zu meinen Favoriten zählen der Titelsong, der zu den besten gehört, die sich auf seinen letzten Werken finden, sowie „Blood On Your Hands“, das durch die Beteiligung von Steve Earle zusätzlichen Reiz gewinnt.

Willie Nile liefert in schneller Folge hochwertige Alben ab. „The Day The Earth Stood Still” reiht sich ohne Qualitätsverlust in seine Veröffentlichungen der letzten Jahre ein. Nile spielt mit leichten Modifikationen seines Sounds, wobei dessen Wiedererkennungswert erhalten bleibt. Insgesamt gelingt ihm so eine abwechslungsreiche Scheibe, auf der die kräftig rockenden Songs den Gesamteindruck prägen.

River House Records/Indigo (2021)
Stil: Rock

Tracks:
01. The Day The Earth Stood Still
02. Sanctuary
03. Where There’s A Willie, There’s A Way
04. Blood On Your Hands
05. The Justice Bell For John Lewis
06. Expect Change
07. I Don’t Remember You
08. Off My Medication
09. I Will Stand
10. Time To Be Great
11. Way Of The Heart

Willie Nile
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D-A-D – Support: Bonsai Kitten, 15.08.2021 , Dubois Arena, Essen – Konzertbericht

Weil sich Indoorveranstaltungen weiterhin problematisch gestalten, ergab sich für den Essener Hard Rock-Tempel Turock die Möglichkeit, einige Konzerte open air in der Dubois Arena in Essen-Borbeck zu veranstalten. Die ursprünglich als Boxarena in den 50er-Jahren wie ein Amphitheater gebaute Location gab einen schönen äußeren Rahmen, wobei der einzige kleine Nachteil die Bühne war, die ebenerdig ist, sodass die Zahl der Sitzmöglichkeiten im inneren Raum aufgrund von Sichtbeeinträchtigungen nur sehr begrenzt war.

Dafür war auf den relativ steilen Rängen genügend Platz, um das Konzert zu verfolgen. Pünktlich um 19:00 Uhr betraten die aus Berlin kommenden Bonsai Kitten die Bühne und legten direkt rockig los. Im Mittelpunkt standen die Sängerin Tiger Lilly Marleen, die mit ihrer extrovertierten Art mit glitzernden Outfit schnell den Zugang zum Publikum fand und Gitarrist Andre „Wally“ Wahlhäuser mit einigen rockenden Soli.

Bassist Spoxx und Drummer Marc Reign sorgten für die nötige Rhythmusgrundlage in dem etwa 40-minütigen Auftritt, in dem die Band zum Großteil Songs des aktuellen Albums „Love And Let Die“ präsentierten. Zum Ende des D-A-D-Konzertes stand die ganze Band geduldig und gut gelaunt noch den Besuchern für Smalltalk, Fotos oder das Zeichnen von Fanartikeln zur Verfügung. Sehr sympathisch und fanfreundlich war dabei beim Verkauf der Vinylalben der Hinweis, dass die fürs Auge schönen, aber etwas teureren farbigen Vinyls in der Soundqualität schlechter wären, als die klassisch schwarze Pressung.

Nach einer etwa 40 minütigen Umbaupause betraten dann die vier Dänen unter dem Applaus der Fans die Bühne. Nach einer kurzen Begrüßung durch Fronter Jesper Binzer, in der er zum Ausdruck brachte, dass er froh sei, das erste Konzert im Ausland seit Beginn von Corona zu haben, legten D-A-D direkt los wie Danish Dynamite.

Den relativ weiten Abstand von der Bühne zum Publikumsbereich überbrückten die Binzer-Brüder immer wieder, indem sie die Bühne verließen und direkt vor den Zuschauern spielten, was natürlich von den Fans dankbar aufgenommen wurde. Jesper Binzer trug eine, einer Paradeuniform ähnelnde, blaue Jacke mit gelben Ornaten und bildete so mit seiner Gibson Flying V einen optischen Blickfang und brachte mit seiner symphatischen Art und teilweise deutschen Ansagen direkt das Publikum hinter sich.

Sein Bruder Jacob, ganz in schwarz gekleidet und seinem markanten Hut, glänzte mit vielen Soli und seiner fast schon stoischen Ruhe, mit welcher er seine verschiedenen Gitarren, meist eine Gibson Les Paul, bearbeitete. Stig Pedersen war wie so oft natürlich ein optisches Highlight. Eine enge rote Hose, Plateau-Stiefel, die in noch einmal um etwa 10 cm größer machten, eine schwarze Jacke, die statt eines Kragens wild nach oben stehende Federn hatte und dazu natürlich die selbstgebauten zweiseitigen Tieftöner, wobei er sich diesmal auf nur fünf Varianten beschränkte.

Wie so meist begann er mit dem Bass mit Plexiglascorpus, um nach einigen Songs auf den oberen Teil des hinteren Kotflügel eines Oldtimers mit Rückbeleuchtung zu wechseln. Später durfte dann noch der Bass, wo Korpus und Kopf der Gitarre vertauscht waren, bestaunt werden und zum Abschluss gab es den legendären Raketenbass, diesmal leider ohne pyrotechnische Effekte. Erstaunlich war, mit welcher Sicherheit sich Stig auf seinen Stiefeln auf der Bühne bewegte und dabei nicht an Posen sparte.

Laust Sonne, wie gewohnt mit einem Anzug, beackerte die Drums, welche er im späteren Verlauf trotz Aufforderung Jesper Binzers nicht zerstörte.D-A-D gestalteten die Setlist so, dass nahezu alle Schaffensphasen der Band sich wieder fanden. Schon früh im Programm wurden die Besucher mit „Jihad“ auf Betriebstemperatur gebracht und auch das wieder ins Programm aufgenommene „Helpyourselfish“ begeisterte die Anwesenden. Passend dazu trug Pedersen einen Gitarrengurt mit den legendären Fischgräten, welche aus dem D-A-D Emblem, dem Büffelkopf, gebildet ist.

Das bluesige „A Prayer For The Loud“ vom gleichnamigen aktuellen Album zeigte, dass D-A-D auch dieses Genre beherrscht, wobei Jesper Binzer dies optisch fast wie ein Gebet zelebrierte. Danach gab sich ein Klassiker nach dem anderen die Hand und sorgte dafür, dass die Stimmung nicht abflaute. Ob „Riding With Sue“ oder das psychedelische „Monster Philosophy“ und die den Hauptteil abschließenden hardrockenden Nummern „Rim Of Hell“, „Bad Craziness“ und „Evil Twin“: Alle zeigten, warum D-A-D seit Jahrzehnten eine treue Fangemeinde haben, denen manchmal auch eine Anfahrt von über 600 km nicht zu weit ist.

Nach lautstarken Zugabeforderungen ließen die vier Dänen die Fans nicht lange warten und legten noch drei furiose Zugaben nach, wobei, wie nicht anders zu erwarten, der ‚motherfuckende‘ Tag danach („Sleeping My Day Away“) und das abschließende „It’s After Dark“ den krönenden Abschluss bildeten. Bei „Sleeping My Day Away“ konnte Jesper Binzer noch einmal mit famosen Gitarreneinlagen glänzen und bei „It`s After Dark“ zeigt Stig Pedersen, dass er auch gesanglich einiges zu bieten hat. Beide verabschiedeten sich im passenden dunkelblauen Licht sich dann abwechselnd vom Publikum.

Es gab danach noch einige weitere Zugabeforderungen, aber jedem müsste klar sein, dass nach „It’s After Dark“ nichts mehr kommen kann und darf. Dieser Song ist schon gleich einem Ritual der Abgesang auf jedem Konzert von D-A-D, und das darf nach etwa 100 Minuten Vollgas auch so sein!

Manch einer wartete vergeblich auf „Laugh And A Half“ oder „Grow Or Pay“ oder „I Won`t Cut My Hair“ und was da noch alles hätte kommen können. Aber ist es nicht viel schöner, wenn nicht immer dieselben Songs gespielt werden, sondern innerhalb des Repertoires mal getauscht wird, sodass nicht, wie bei einigen Bands, über Jahrzehnte praktisch das gleiche Konzert gespielt wird.

Fazit: Der Liebe Gott hatte vermutlich das Gebet zum Lautsein zu Beginn des Konzertes erhört und dafür gesorgt, dass das Wetter bis nach dem Konzert sommerlich warm geblieben ist, und ich die ersten Regentropfen erst auf der Windschutzscheibe hatte, als ich das Stadtgebiet von Essen verlassen hatte.

So ergab sich für die Fans ein rundum gelungener Konzertabend, in einer netten Location, in der auch für das leibliche Wohl gesorgt wurde, mit zwei Bands, die einfach Bock machen und selbst auch Freude haben, ihre Songs präsentieren zu dürfen.

Ein besonderer Dank gilt neben den Musikern und den Technikern für Sound und Licht dem Team des Turock für den reibungslosen und entspannten Ablauf, sowie Dragon Productions, hier besonders an Jörg Düsedau, für die wie immer problemlose Korrespondenz vor dem Konzert bezüglich einer Fotoerlaubnis, aber auch während des ganzen Abends (in dem Sinne Moin nach Hamburg, bis zum nächsten Mal).

Line-up D-A-D:
Jesper Binzer – lead vocals, guitar
Jacob Binzer – guitars, vocals
Stig Pedersen – bass, vocals
Laust Sonne – drums, vocals

Line-up: Bonsai Kitten
Tiger Lilly Marleen – lead vocals
Andre „Wally“ Wahlhäuser – guitars, vocals
Spoxx – bass, vocals
Marc Reign – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Turock, Essen
DRAGON Productions

The Cold Stares – Heavy Shoes – CD-Review

Review: Jörg Schneider

The Cold Stares sind ein Duo aus Indiana, bestehend aus Chris Tapp (Saiteninstrumente, Keyboards, Vocals) und Brian Mullins (Drums, Percusssion). Beide haben eine bewegte und teils düstere Lebensgeschichte hinter sich und insbesondere Chris Tapp war wohl nie auf Rosen gebettet. So ist es naheliegend, dass sich ihre Erfahrungen auch in den zwölf Songs ihres neuen Albums „Heavy Shows“ wiederspiegeln, welches nun am 13. August in die Läden kommt.

In den Staaten sind die beiden keine Unbekannten mehr, sind sie doch in der Vergangenheit u. a. bereits mit den Rival Sons und der 70’er Jahre-Rocktruppe Grand Funk Railroad aufgetreten.

Bis auf eine Ausnahme („In The Night Time“) sind alle Tracks des Albums roh, heavy und basslastig. In den übrigen Songs brettern Tapp und Mullins knallhart durch die Rock ’n’ Roll-, oder besser gesagt Hard-Rock-Gefilde, in denen sich auch schon Led Zeppelin oder Black Sabbath seinerzeit ausgetobt hatten, angereichert mit Blues, Desert Rock, Garage und einem Schuss Gothic. Insofern ist ihr Album durchaus auch als eine Reminiszenz an vergangene Zeiten zu sehen.

Gleich der Opener „Heavy Shows“, der schwierige Beziehungen behandelt und an den Sound von Black Sabbath erinnert, legt den Grundstein für die weitere musikalische Reise auf dem Longplayer. Auch mit „40 Men Dead“, einer Geschichte über einen amoklaufenden Kriegsheimkehrer, geht es punkig-wüstenrockig weiter. In „Take This Body From Me“ geht es um verbotene Liebe und „Hard Times“ thematisiert das Pech, welches einen im Leben verfolgen kann.

Auch „In The Night Time“ schwelgt in vergangenen Sounds, die Keyboardsequenzen wecken Erinnerungen an den Oldie-Hit „Green Onions“ von „Booker T and The MG’s“ und ist von dem „Tag der Toten“, einem mexikanischen Fest, inspiriert. Andere Songs beschäftigen sich mit der Suchtproblematik („Save You From You“), emotionaler Folter (das Led-Zeppelin-artige „Prosecution Blues“) und Manipulation („Election Blues“).

Über das Album sagt Chris Tapp selbst, dass er versucht, seine Geschichten mit dem Blick eines Edgar Allen Poe oder eines William Faulkners zu erzählen und auch visuelle Eindrücke vor dem geistigen Auge hervorzurufen. Die Songs beleuchten damit sehr authentisch und ehrlich verschiedene Aspekte und Abgründe des menschlichen Daseins.

„Heavy Shoes“ ist ein starkes Album, das vor allem die Freunde einer rohen und härteren Gangart mit Anleihen aus vergangenen Hard Rock-Zeiten ansprechen wird.

Label: Mascot Label Group
Stil: Rock, Blues

Tracks:
01. Heavy Shoes
02. 40 Dead Men
03. Take This Body From Me
04. Hard Times
05. In The Night Time
06. Strange Light
07. Prosecution Blues
08. It’s A Game
09. Save You From You
10. You Wanted Love
11. Election Blues
12. Dust In My Hands

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Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws – 26.06.2021, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Gute acht Monate ist es jetzt her, dass ich ein Live-Konzert besucht habe, für den Inhaber eines Rock-Musikmagazins eigentlich eine regelrechte  Horrorvorstellung. Dabei muss ich zugeben, dass es mir nach der langen Pause sogar ein wenig schwer fiel, wieder in Gang zu kommen. Trotzdem überwog natürlich die Freude, dass die Kulturszene, dank der momentan überschaubaren Inzidenzzahlen, endlich aufatmen darf und wieder erste Steps im Hinblick auf eine zukünftige Normalisierung tätigen kann. Trotzdem schwebt ein Bangen vor weiteren Rückschlägen immer noch irgendwie mit.

Der Schwarze Adler war jedenfalls optimal gerüstet. Unkomplizierte Corona-Schnelltests im nebenstehenden kleinen Anbau, eine abstandskonforme, sehr gemütlich, mit kleinen Lampen inszenierte Tischanordnung (gefiel mir sehr gut) mit den entsprechenden Formularen darauf zur Nachverfolgung. Ideal natürlich auch zum Verfassen meiner Konzertnotizen. Ist es da als Adler-Genosse schon legitim, hier von einem Home-Office-Arbeitsplatz zu reden…?

Was für eine Welt?! Ehrlich gesagt, würde ich alles lieber, wie früher, eng stehend, kaum was sehend im Dunklen, mit dem einen oder anderen Ellbogen von vorne, der Seite oder im Rücken, in kaum lesbarer Schrift festhalten. Sicherheitstechnisch gesehen, passte aber alles somit auf den Punkt! Kompliment an das Adler-Team für die perfekte Organisation!

Zu Gast war mit Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws ein mit unserem Magazin eng verbundenes und geschätztes Quartett, dessen Debüt-Auftritt in der hiesigen Blues-Kultstätte nach zwei Verschiebungen, jetzt im dritten Anlauf endlich realisiert werden konnte. Und auch hier stieg die charismatische Texanerin Dede Priest mit ihrem niederländischen Begleittrio in Form von Johnny Clark (alias Hans Klerken), Leon Toonen und Ray Oostenrijk, absolut pünktlich um 20:00 Uhr nach kurzer Begrüßung durch Ernst Barten auf die Bühne und fügte mit ihrem stürmischen „Texas Hurricane“, dem ausgeklügelten Adler-Lüftungssystem zum Auftakt mit einer wahren Stoßlüftung eine weitere vorbeugende Komponente hinzu.

Klasse direkt hier Dedes Hendrix-angelehntes Wah-Wah-E-Gitarrenspiel mit Hilfe ihres Cry Baby Pedal-Effektgerätes, das sich als eines ihrer fortlaufenden Trademarks (für Nichtkenner der Band) herauskristallisierte, ebenso wie die mimisch-gesangliche Begleitung eines jeden ihrer Soli. Ein weiteres unabdingbares Musik-Utensil ist natürlich ihre Violine, passend zu ihrem gypsy-mäßigem Kleidungsstil an diesem Abend (dazu die gewohnten schwarzen fingerlosen Handschuhe), die dann beim folgenden Stomper „Vermillion Allure“ ihren ersten Einsatz fand.

Ihr Counterpart, Johnny Clark, der schon beim aktuellen Album „When Birds Were Snakes“ gefühlt etwas präsenter erscheint, durfte seine knochige Stimme zum ersten Mal am Ende von „Mudslide“ einbringen. Neben Leadgesangseinsätzen bei „Superlovely“, „Make That Double A Double“, „Alaska“ und der Merle Travis Country-Folk-Klassiker-Adaption von 1947 „16 Tons“ (im Wechselgesang mit Dede zum Abschluss des Hauptteils), beschränkte er sich überwiegend auf das Zuspiel mit seinen beiden Les Paul- und Stratocaster-E-Gitarren, wobei sein Faible für Creedence Clearwater Revival-typische Klänge öfter zum Ausdruck kamen. Aber auch das eine oder andere Solo (konventionell oder geslidet) ließ er sich natürlich nicht nehmen. Guter Mann!

Drummer Leon Toonen war die Freude, sein Hand-Fuß-Koordinierungsvermögen am Schlagzeug endlich wieder vor Publikum präsentieren zu können, am deutlichsten anzumerken, sein Gesicht strahlte über den gesamten Verlauf des Gigs, während sich sein immer sehr introvertiert wirkender Rhythmuskollege Ray Oostenrijk, lieber der hochkonzentrierten Tieftönerarbeit widmete.

Am Ende standen zwei tolle Parts (samt kurzer Zwischenpause) mit über 20 Songs zu Buche, wobei sich neben dem oben erwähnten Opener „Texas Hurricane“, noch die beiden balladesken Ohrwürmer „Hyssop Blossoms (I Could Lie But I Won’t)“, „It’s Getting Late“ sowie der Titeltrack ihres ersten Albums „Flowers Under The Bridge“, der gegen Ende in eine wahre Wah-Wah-E-Gitarren-Orgie mündete und dem folkigen „Whisper & Whistle“ (Johnny mit Akustikgitarre und Dede an der Violine nur im Duett als erste von drei Zugaben), als meine persönlichen Favoriten eines hochwertigen Abends herauskristallisierten.

Schade, dass durch die Pandemie-bedingten Vorgaben samt der anfangs erwähnten Gemütlichkeit dem typischen Adler-Hexenkessel, der sich bei solch starken Gigs üblicherweise entwickelt, quasi ein imaginärer Riegel vorgeschoben wurde. Unter normalen Voraussetzungen hätte das texanisch-niederländische Quartett die Vierbaumer Kultstätte sicherlich im Sturm erobert.

So blieb es zunächst bei viel anerkennendem Applaus der zufriedenen Anwesenden und der Hoffnung, dass Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws demnächst mal vor voller Hütte samt brodelnder Atmosphäre, in unbeschwerten Zeiten, ihre Klasse offerieren können. Die Visitenkarte, die von der Band hinterlassen wurde, war jedenfalls auf ganzer Linie überzeugend.

Line-up:
Dede Priest (lead vocals, electric guitar, fiddle, voclas, percussion)
Johnny Clark (electric guitar, acoustic guitar, vocals, lead vocals)
Ray Oostenrijk (bass)
Leon Toonen (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Dede Priest
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Toto – With A Little Help From My Friends – CD-/Blu-ray-Review

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Auf den ersten Blick mag hier ein Review über Toto sicherlich etwas ungewöhnlich erscheinen, für mich persönlich als Initiator dieses Magazins gibt es allerdings doch diverse Gründe, warum ich mich für eine Rezension ihrer neuen Live-CD-/Blu-ray (edel gestaltetes Klapp-Digipak) entschieden habe.

Zum einen zählen die Kalifornier für mich zu den typischen Bands, die es spätestens mit ihrem damaligen Ersthit „Hold The Line“ samt seines prägnanten Pianointros, in die Beachtung eines jeden Rockfans, egal welcher Couleur, geschafft hatten und dank kontinuierlicher kreativer Leistungen, weiterer Hits und charismatischer Musiker, bis heute eine gewisse Akzeptanz behalten haben.

Dazu habe ich in früheren, weniger spezialisierten Mags als diesem, bei denen ich mitgewirkt habe, ganze viele Scheiben aus diesem Musikdunstkreis mit Freude besprochen.

Einer der beiden eigentlichen Hauptgründe ist allerdings, dass ich dank eines Steve Lukather-Gigs in Bochum, mal einen Musiker der von mir hochgeschätzten Southern Rock-Band Laidlaw, die aus meiner Sicht um die Jahrtausendwende herum, drei vorzügliche Alben kreiert hatten, persönlich kennenlernen durfte. Und zwar deren Mastermind Craig deFalco, der auf dieser Tour als Gitarrentechniker dabei gewesen ist.

Der andere ist unser guter Freund Steve Maggiora, der Keyboarder von unseren bestens bekannten Southern Rock-Lieblingen Robert Jon & The Wreck, der mittlerweile als Neu-Mitglied für das aktuelle Toto-Line-up angeheuert und integriert wurde. Für ihn vermutlich so was wie ein tastentechnischer Ritterschlag.

Apropos neues Toto-Line-up: Unter den Fittichen von Gründer David Paich als musikalischer Direktor wurde um Steve Lukather herum mit einer gelungenen Mischung aus erfahrenen und jungen hungrigen Akteuren, der Beginn einer neuen und nachhaltigen Ära eingeläutet.

Zu den bereits genannten Leuten gesellen sich der auch schon zu früheren Tagen präsente Joseph Williams als Leadsänger mit seiner markanten Tenorstimme, der frühere Huey Lewis And The News-Bassist John Pierce, der Multiinstrumentalist und Sänger Warren Ham (saxophone, percussion, flute), sowie die Ex Ghost-Note-Musiker Dominique „Xavier“ Taplin (früher auch Prince) am ersten Keyboard und Robert „Sput“ Searight am Schlagzeug dazu.

Das für ein globales Streaming Event in Los Angeles aufgezeichnete Konzert gibt es jetzt in den verschiedenen digitalen Formaten zu erwerben, uns liegt, wie bereits oben erwähnt, die CD-/Blu-ray-Variante vor.

Vorab muss leider gesagt werden, dass der Pandemie-bedingte, eingeschränkte äußere Rahmen, den tollen Leistungen der beteiligten Akteure leider nicht gerecht wird. Eine sehr sterile dunkle (Fabrik-) Atmosphäre, ab und ab und zu mal ein paar vereinzelte Klatscher der umstehenden Techniker nach den Liedern, so macht Livemusik sicherlich nur bedingt Spaß.

Die Musiker zeigten sich von dem spartanischen Drumherum allerdings völlig unbeeindruckt. Getragen von der neuen Band-Chemie und der weltweiten Aufmerksamkeit (wenn auch nur an den Bildschirmen), ließen sie ihrer Spielfreude freien Lauf, teilweise in einem wahren Rausch, man höre nur das Ende vom rockigen „White Sister“ mit finalem Drumsolo als Übergang zu „You Are The Flower“ – fantastisch!

So gut wie jeder konnte sich samt seines Instrumentes oder mittels Gesang gebührend einbringen, wenn auch Williams als Hauptleadsänger und Lukather (teilweise Leadgesang) mit seinen unzähligen quirligen E-Gitarren-Soli, natürlich als tragende Säulen fungierten.

Rock, Pop, AOR, Melodic Rock mit vielen progressiven Elementen, die Superhits „Hold The Line“ und „Rosanna“ in famosen Versionen und weitere hochmelodische Songs mit viel Luft für Improvisationen, machen dieses tolle Konzert im Wesentlichen aus.

Am Ende mit dem Hinzugesellen von David Paich sind dann gleich drei Keyboards beim ‚Finale Furioso‘ mit „Rosanna“ und dem Beatles-Hit (bekannt aber eher durch Joe Cocker) „With A Little Help From My Friends“ am Start. Bei letztgenanntem Klassiker mit vielen wechselnden Lead-Gesängen kann besonders Steve Maggiora mit dem berühmten Cocker-Schrei-Part glänzen.

Insgesamt ein trotz des sterilen Rahmens beeindruckendes Musikerlebnis, das die schon immer währende Spielqualität der Kultband bestätigt, und das starke Line-up mit viel Bedacht, und gutem Konzept, in ein neues Zeitalter weiterführt.

Als weitere Menüpunkte gibt es noch den Trailer und eine Dokumentation, bei der alle Beteiligten zur vergangenen, aktuellen und zukünftigen Toto-Historie ausgiebig zu Wort kommen. Besonders darf man allerdings auf die geplante Europa-Tour in 2022 gespannt sein, dann hoffentlich wieder unter normalen Bedingungen,  in ausverkauften Locations und gerne mit Sounds Of South-Berichterstattung…

Mascot Label Group (2021)
Stil: Rock

CD und Blu-ray-Trackliste (identisch):
01. Till The End
02. Hold The Line
03. Pamela
04. Kingdom Of Desire
05. White Sister
06. You Are The Flower
07. I Won’t Hold You Back
08. Stop Loving You
09. Band Introductions
10. Home Of The Brave
11. Rosanna
12. With A Little Help From My Friends

Toto
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