The Richie Scholl Band – Same – CD-Review

Der aus Rockford, Queensland, Australien, stammende, seit 2007 in Nashville lebende Musiker Richie Scholl, hatte bereits auf seinem letzten Album „Southern“ keinen Hehl daraus gemacht, für welche Musik er eine große Vorliebe besitzt.

Seitdem ist allerdings schon eine geraume Zeit vergangen. Mittlerweile hat er mit Drummer Derek Smith (zum Teil hier auf dieser Scheibe mit wüsten Poltereinlagen) und dem umtriebigen Nashville-Bassisten Brian Powell (u. a.  Clint Black, Ashley McBryde, Zakk Wylde, Joe Diffie, Lee Brice) ein festes Trio gebildet und firmiert nun unter The Richie Scholl Band.

Richie hat alle Songs des neuen Debütwerks geschrieben und es zusammen mit Blake Padilla satt und klar produziert, letztgenannter steuerte auch ein paar dezente Keys und Backgroundvocals bei.

Scholl, der seine Wurzeln in AC/DC und den Black Crowes verankert sieht, überrascht mit einem überwiegend treibend zu Sache gehenden Rockalbum, wobei seine gewohnt starke Les Paul-E-Gitarrenarbeit, inklusiv diverser quirliger Soli, vielen Tracks eine spürbare südstaatliche Note verpasst.

Sehr deutlich wird das bereits bei den Openern „Taking Flight“ und „No Man’s Land“, die fast in Great White-Manier straight drauf los rocken und stampfen, aber durch Scholls Mittel- und Endsoli ein (Neu-) skynyrdsches Zusatzflair erhalten. 

Die kommerziellsten Avancen dürfte „Can’t Go Back“ besitzen, ein Song irgendwo zwischen Bon Jovi und 38 Special zu ihren mainstreamigeren Phasen.

Die „Psycho Sadie“ überrascht mit einer Molly Hatchet typischen-E-Hook und ein wenig Zak Daniels & The One Eyed Snake-Charakter.

An 38 Special und ZZ Top (Scholl mit einigen knarzigen Soli-Reminiszenzen an deren „Eliminator“-Werk) erinnern Tracks wie das shuffelnde „Monkey Show“, das texas-bluesige „Mama“ (Scholl hier mit quäkiger Harp als Soloergänzug zur E-Gitarre und Padilla mit schönen Orgelschwurbeleien) und der satte Boogie „The One I Want“ (könnte auf einer der ersten beiden Alben von 38 sein).

Hinter „G.G.C.G.“ verbergen sich die Lieblingspielzeuge des Mannes, nähmlich Guns, Girls, Cars und (old) Guitars, ein zünftiger Redneck-Rocker vom Kaliber „Kick It In The Sticks“ von Brantley Gilbert.

Für Liebhaber des southern-angehauchten Psychedelic Rocks hat Richie dann noch mit „Lockdown“ einen Led Zep-inspirierten Stomper mit starker E-Hook und erneut quirligem Solo in petto.

Folgerichtig für ein starkes Southern Rock-Werk kommt dann mit „Angel On My Shoulder“ das absolute Highlight des Werks am Schluss. Ein hymnisches E-Gitarrenintro (in Dann Huff-Manier), melancholischer Gesang, ein emotionaler Refrain zum Mitsingen, hallende Orgel, geile E-Soli – Southern Rock-Herz, was willst du mehr?

Die Richie Scholl Band überzeugt mit ihrem Debütwerk auf ganzer Linie. Wie Richie mir per Mail mitteilte, tourt das Trio zur Zeit in den Regionen der Staaten, die Pandemie-bedingt, kulturell nicht sanktioniert werden. Ich bin mir sicher, dass diese Band mit gestandenen Nashville-Musikern, sowohl in den CD-Playern der Southern Rock-Freunde bei uns, helle Freude auslösen wird, als auch live in den hiesigen Clubs (samt europäischem Umfeld) abräumen würde.

Mein lieber Scholli, verdammt gute Musik!

Line-up:

Richie Scholl: Lead Vocals, guitars, harmonica
Derek Smith : Drums
Brian Powell: Bass, Background vocals
Blake Padilla: Keys, Background vocals

Eigenproduktion (2022)
Stil: Rock / Southern Rock

01. Taking Flight
02. No Man’s Land
03. Can’t Go Back
04. Psycho Sadie
05. Monkey Show
06. Mama
07. The One I Want
08. G.G.C.G.
09. Lockdown
10. Angel On My Shoulder

The Richie Scholl Band
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Neil Young & Crazy Horse – Barn – CD-Review

Review: Gernot Mangold

Für das neue Album „Barn“ hat Neil Young seine langjährigen Weggefährten von Crazy Horse eingefangen. Wenn man bedenkt, dass Young 1969, also vor 52 Jahren erstmals mit der Band auftrat, wird einem vor Augen geführt, wie lange die Karriere des kanadischen Amerikaners mittlerweile andauert.

Wie schon das Debütalbum erscheint das aktuelle Werk bei Reprise Records und auch seine Begleitband Crazy Horse umweht noch das Flair der Anfangszeiten. Dass Nils Lofgren dabei den langjährigen Gitarristen Frank „Poncho“ Sampedro, der gesundheitlich bedingt nicht mehr dabei ist, ersetzt, passt ins Bild, da dieser zu Anfangszeiten auch bei Crazy Horse aktiv war.

Passend zur rohen lyrischen Schönheit der Songs wurde das Album in einer restaurierten Scheune in den Rocky Mountains aufgenommen. Genau an einen solchen Ort fühlt man sich auch versetzt, wenn die ersten Töne von „Song Of The Season“ erklingen. Mundharmonika, akustische Gitarren und ein Akkordeon untermalen den Song passend zu Neil Youngs Stimme, zuweilen mit schönen Harmoniegesängen seiner Mitstreiter, wie zu Zeiten, als Neil Young den „Sugar Mountain“ besang.

Was danach folgt, ist wie eine Zeitreise durch die Karriere von Neil Young zusammen mit Crazy Horse. Im rauen „Heading West“ zeigt Young sein rockiges Gesicht, welches sein Schaffen in vielen Phasen seit des legendären „Zuma“- Albums, insbesondere mit Crazy Horse prägte. Schön hier das Piano, das dem Song eine gewisse Milde verleiht.

Stilistisch ähnlich, das fast klagend vorgetragene „Canerican“ mit schönen Harmoniegesängen, wo er Veränderungen in seiner Heimat besingt. In diesem Stück wird einem im kurzen abschließenden Gitarrensolo auch klar, warum Neil Young von manchen als Vorreiter des Grunge gesehen wurde.

Songs wie „Change Ain`t“ und „Shape Of You“ führen den Zuhörer noch einmal in die folkige bluesangehauchte Frühphase Youngs, mit seinem charakteristischen Mundharmonikaspiel, wie auch das verträumt melancholische „They Might Be Lost“, das auch nahtlos auf „Harvest Moon“ gepasst hätte.

Richtig losgelassen wird Crazy Horse dann bei „Human Race“ mit harten verzerrten Gitarren und einem für Young typischen Gitarrensolo, in dem Young kritisch den Umgang der Menschen mit der Welt reflektiert. Im ruhigen, prägend vom Piano begleiteten „Thumblin` Trough The Years“ scheint Young zu beschreiben, wie er zuweilen durch die Jahre getaumelt ist, um mit „Welcome Back“ seine psychedelische Seite, besonders in der zweiten Songhälfte, zu zeigen.

Dabei ist die Struktur des Stückes, wie auch das Gitarrenspiel eher ruhig, aber dennoch unverkennbar im typischen Crazy Horse-Stil. Durchaus geschickt, legt Young zum Abschluss des Albums noch eine wichtige Botschaft nach. Im ruhigen folkigen „Don`t Forget Love“ weist er noch einmal darauf hin, was gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit nicht vergessen werden sollte.

Mit „Barn“ ist es Neil Young, zusammen mit seiner großen musikalischen Liebe Crazy Horse gelungen, noch einmal ein Ausrufezeichen zu setzen und zu beweisen, dass weder bei ihm noch bei seinen Mitstreitern der Rost angesetzt hat. Interessant an dem Album ist auch, dass es der Protagonist mit der Songauswahl schafft, viele seiner Stile der letzten über 50 Jahre miteinander zu verknüpfen und so sowohl die Fans aus der Hippiezeit, wie auch aus der rauen Zeit mit dem Wilden Pferd, bestens zu bedienen.

Band:
Neil Young: guitar, piano, harmonica, vocals
Billy Talbot: bass, vocals
Ralph Molina: drums, vocals
Nils Lofgren: guitar, piano, accordion, vocals

Reprise Records/Warner Music (2021)
Stil: Rock

Tracks:
01. Song Of The Season
02. Heading West
03. Change Ain`t Never Gonna
04. Camerican
05. Shape Of You
06. They Might Be Lost
07. Human Race
08. Thumblin` Trough The Years
09. Welcome Back
10. Don`t Forget Love

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Oktober Promotion

Bruce Springsteen And The E Street Band – The Legendary 1979 No Nukes Concerts – CD/DVD-Review

Review: Michael Segets

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft wirft Bruce Springsteen ein ansprechend gestaltetes Boxset mit zwei CDs und einer DVD beziehungsweise Blueray-Disc mit dem Titel „The Legendary 1979 No Nukes Concerts“ auf den Markt. Das Cover mit geprägtem silbernen Schriftzug, das 24-seitige Booklet mit Fotos und Liner Notes von Jon Kilk sowie ein Reprint einer Konzertkarte als Gimmick zeigen, dass der Aufmachung viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Aber auch die Ton- und Bildqualität lässt nichts zu wünschen übrig, wenn man bedenkt, dass das Ursprungsmaterial über vierzig Jahre alt ist.

Ein halbes Jahr nach dem Reaktorunfall im Kernkraftwerk Three Mile Island in Harrisburg, Pennsylvania, wurde das Festival No Nukes veranstaltet, dessen Titel eine eindeutige politische Botschaft sendete. Keine sieben Jahre später ereignete sich die Tschernobyl-Katastrophe und Fukushima folgte 2011. Ein Umdenken in der Energie- und Klimapolitik ist ein zäher Prozess, bei dem kritische Stimmen nicht konsequent gehört werden. Damals erhoben viele Musiker die ihre: Bonnie Riatt, James Taylor, Crosby, Stills & Nash, The Doobie Brothers, Jackson Browne, Tom Petty, Bruce Spingsteen und andere mehr.

Am 21. und 22. September 1979 leistete Bruce Springsteen mit der E Street Band seinen Beitrag zu dem Festival und feierte im New Yorker Madison Square Garden so quasi in seinen dreizigsten Geburtstag hinein. Von den Konzerten fanden 13 Songs den Weg auf die CDs. Auf dem Video sind die identischen Songs vertreten, die circa hälftig von den beiden Abenden stammen.

Die erste CD startet mit drei kräftigen Rocker von seinem damals aktuellen Album „Darkness On The Edge Of Town“ („Prove It All Night“, „Badlands“, The Promised Land“). Danach gab es einen Vorgeschmack auf das seinerzeit in den Startlöchern stehende Doppelalbum „The River“ mit dem Titeltrack und „Sherry Darling“. Es folgen drei Klassiker von seinem Durchbruch „Born To Run“ („Born To Run“, „Thunder Road“, „Jungleland“). „Rosalita (Come Out Tonight)“ stammt schließlich von seinem zweiten Longplayer und zählt zu den bewährten Stücken seines Live-Repertoires.

Neben den Eigenkompositionen sind vier Cover vertreten. „Stay“ und „Detroit Medley“ – auch als „Devil With The Blue Dress Medley“ bezeichnet – wurden bereits auf dem allgemeinen No-Nukes-Sampler veröffentlicht, der einen Querschnitt durch die Songs der beteiligten Musiker bot. „Quarter To Three“ sowie das seltener performte „Rave On“ beschließen den zweiten Longplayer beziehungsweise das Video.

Da die Auftritte beider Abende bereits über Springsteens Webseite im Rahmen seiner regelmäßigen erscheinenden Konzertreihe veröffentlicht wurden, bietet „The Legendary 1979 No Nukes Concerts“ für eingefleischte Fans musikalisch nichts Neues. Wenn diese nicht sowieso alles kaufen, was der Boss herausbringt, dann spricht eventuell die optimierte Soundqualität für den Erwerb.

Als Pflichtkauf für Fans erweist sich das Boxset vor allem durch das Video. Mit mehreren Kameras und entsprechend mit oft wechselnden Perspektiven fängt es die energiegeladene Atmosphäre der Show in einer Qualität ein, die für diese Zeit ungewöhnlich ist. Die Bilder steigern das Konzerterlebnis nochmal erheblich und wecken an manchen Stellen auch nostalgische Gefühle, wenn es ein Wiedersehen mit Tom Petty, Clarence Clemons und Danny Federici gibt. Zu sehen, wie Tom Petty bei „Stay“ mit einer Fluppe im Mundwinkel auf die Bühne schlurft, ist einfach cool.

Das Boxset „The Legendary 1979 No Nukes Concerts” versammelt eine Auswahl klassischer Stücke von Springsteen And The E Street Band aus der zweiten Hälfte der 1970er in remasterter Soundqualität. Das wirkliche Highlight der Veröffentlichung stellt die DVD oder Blueray dar, die die damalige Konzertatmosphäre bei den erstklassigen Songs mit abwechslungsreichen Bildern ins Wohnzimmer holt. Dabei schwingt etwas Nostalgie an vergangene Tage mit, aber Musik und Show bleiben zeitlos.

Columbia Records/Sonic Music (2021)
Stil: Rock

Tracks:
01. Prove It All Night
02. Badlands
03. The Promised Land
04. The River
05. Sherry Darling
06. Thunder Road
07. Jungleland
08. Rosalita (Come Out Tonight)
09. Born To Run
10. Stay
11. Detroit Medley
12. Quarter To Three
13. Rave On

Bruce Springsteen
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Columbia/Sony Music

Jeffrey Halford & The Healers – Beware Of Worthless Imitations, Vol. 1 (1999-2019) – CD-Review

Review: Michael Segets

Der in Kalifornien lebende Jeffrey Halford ist wieder in seiner Heimat zurückgekehrt, nachdem seine Europa-Tour letzten Monat endete. Die Konzerte habe ich verpasst, aber dennoch gaben sie Anlass, mal in das hierzulande wenig bekannte Werk des Songwriters rein zu hören. Dafür bietet sich die Best-Of-Scheibe „Beware Of Worthless Imitations, Vol. 1 (1999-2019)“ geradezu an.

Der als Straßenmusiker seine Karriere beginnende Halford tourte bereits mit einigen namhaften Größen wie Taj Mahal, Los Lobos, George Thorogood, Gregg Allman, Etta James, John Hammond, Guy Clark und Robert Earl Keen. Auf der Compilation blickt er auf zwanzig Jahre seines Musikschaffens zurück und wählte dafür zwanzig Songs von sieben Alben aus. Die Stücke sind chronologisch auf der CD versammelt und geben so einen Einblick in die Stationen seiner musikalischen Entwicklung.

Das Album beginnt mit dem starken Roots-Rocker „Bad Luck“, das wie „Creole Moon“ von „Kerosene“ (1999) stammt. Danach folgen zwei Tracks („Radio Flyer“, „Lost And Found“) unter Beteiligung von Chuck Prophet (Green On Red). Im Original wurden sie gemeinsam mit „Satchel’s Fastball“, bei dem The Gospel Hummingbirds mitwirken, auf „Hunkpapa“ (2001) veröffentlicht. Neben weiteren rockigen Stücke („Nine Hard Days“, „Watching The Trains“) finden sich akustisch gehaltene Songs („Railbirds“, „Sea Of Cortez“) auf der Zusammenstellung. Eine besondere Dynamik entwickelt „Rainmaker“, das zu den herausstechenden Songs gehört. Weniger überzeugend ist „West Towards South“, bei dem Halford mit seinem Sprechgesang eher experimentelle Töne anschlägt.

„Lousiana Man“ groovt, nicht zuletzt durch die Orgel von Augie Meyers (Sir Douglas Quintett, Texas Tornados, Bob Dylan). Diese treibt auch durch den Tex-Mex „In A Dream“. Einen Ausflug in den Country unternimmt „Deeper Than Hell“. Ansonsten sind mehrere Titel dem Americana zuzuordnen, der in einer meist rockigen Richtung interpretiert wird. Abwechslungsreich ist der Gitarreneinsatz. Eine Resonator-Gitarre ist bei „North Beach“ sowie bei „Elvis Shot the Television“ zu hören. Eine dunkle, staubige Atmosphäre erzeugen die Saiten auf „Mexiko“, eine sanfte der Slide bei „Two Jacksons“. Die Melodie einer akustischen Gitarre trägt „10,000 Miles“.

In seiner Werkschau „Beware Of Worthless Imitations, Vol. 1 (1999-2019)“ zeigen Jeffrey Halford & The Healers mehrere Facetten. Zwischen Rock und Americana verarbeiten sie Einflüsse von Gospel und Country, wobei auch moderate Experimente ihren Platz finden. Insgesamt gibt das Album einen abwechslungsreichen Einblick in den bisherigen Output von Halford, bei dem der Eindruck entsteht, dass sich in jüngerer Zeit eine Entwicklung in Richtung Americana abzeichnet. Um dies zu bestätigen, müssten der Backkatalog näher gesichtet und die nächste Veröffentlichung abgewartet werden. Auf meiner Konzertliste stehen Jeffrey Halford & The Healers jedenfalls, wenn sie wieder den Sprung über den Atlantik machen.

Continental Song City – in-Akustik (2020)
Stil: Rock, Americana

Tracks:
01. Bad Luck
02. Creole Moon
03. Radio Flyer
04. Lost And Found
05. Satchel’s Fastball
06. Nine Hard Days
07. Watching The Trains
08. Railbirds
09. Louisiana Man
10. In A Dream
11. Mexico
12. Rainmaker
13. North Beach
14. Two Jacksons
15. Door ‘3
16. Elvis Shot The Television
17. 10,000 Miles
18. West Towards South
19. Deeper Than Hell
20. Sea Of Cortez

Jeffrey Halford & The Healers
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Stash – Walk The Walk – CD-Review

Review: Michael Segets

Ted Russell Kamp, Rich McCulley und Joey Peters haben Stash in Leben gerufen. Im Musikbusiness sind die drei keine Neulinge, legen jetzt aber mit „Walk The Walk“ ihr gemeinsames Debüt vor. Ted Russell Kamp verdiente sich seine Sporen als Bassist. So spielte er bei Waylon Jennings und lange Zeit in der Band dessen Sohns Shooter Jennings oder heimste einen Grammy mit Tanya Tucker ein. Jüngst begleitete er auch Marilyn Manson. Seine Songs wurden von Shooter Jennings, The Statesboro Revue und Micky & The Motorcars aufgenommen.

Seit den 1990ern veröffentlicht er Solo-Alben, die vor allem in Europa erfolgreich waren. Rich McCulley ist ebenfalls seit zwanzig Jahren als Solokünstler unterwegs und wirkte an einigen Filmmusiken mit. Die Film- und Werbeclip-Branche stellt zurzeit das Hauptbetätigungsfeld von Joey Peters dar. Er war Drummer bei Grant Lee Buffalo – mit dem Frontmann Grant-Lee Phillips– und Cracker. Derzeit aktiv ist er bei Rusty Truck.

Alle drei arbeiten als Produzenten für andere Musiker und haben das Heft nun ebenso bei ihrer CD selbst in die Hand genommen. Bei so viel Erfahrungen und dem breiten musikalischen Background verwundert es nicht, dass „Walk The Walk“ routiniert eingespielt wirkt. Die alten Hasen verzichten auf die Unterstützung weiterer Musiker mit Ausnahme von „Talk The Talk“, auf dem Anna Maria Rosales die Vocals ergänzt.

Auf dem Erstlingswerk schlägt Stash überwiegend einen rockigen Weg ein. Dabei gehen manche Tracks in Richtung Countryrock („Queen Of The Highway”, „One Step Ahead Of The Law”), andere wecken Erinnerungen an den Gitarrenrock der 1980er („You’re The One”). Gute Laune verbreitet „Hey, Hey, Hey“, der aus der Anfangszeit des Rock ‘n Roll stammen und eine Nummer der Blues Brothers sein könnte. Ebenfalls ein hohes Tempo geht „One Track Mind“. Deutlich rauer gibt sich „What I Need” oder auch „Catch Me If You Can”, bei dem E-Gitarren und Mundharmonika den Sound bestimmen.

Das Trio zeigt zudem seine Nähe zum Outlaw-Country. Da kommen traditionell Banjo („Smoke And Mirrors”) und Mandoline („Into The Sunset”) zum Einsatz, aber Stash trumpft bei „Ain’t That Kind Of Man“ auch noch mit Trompete und Posaune – beide gespielt vom Multiinstrumentalisten Kamp – auf. Während sich „Sweet Salvation Of The Dawn” stilistisch in der gleichen Schiene bewegt, fällt der Schmachtfetzen „By Your Side“ aus dem Rahmen.

Sowohl im Rock- als auch im Country-Bereich überzeugen die von den Bandmitgliedern gemeinsam geschriebenen Songs. Sie sind geradeaus verfasst und dennoch abwechslungsreich. Die Stimme von Kamp ist nicht außerordentlich markant, gewinnt aber bei mehrmaligen Durchläufen. Der Kalifornier kommt im Februar auf Konzerttour nach Europa, wo man sich dann ein Bild seiner Live-Qualitäten machen kann – sofern die Umstände es zulassen.

Mit Stash betritt eine neue Band die Rock- und Country-Bühne, die von der langjährigen Erfahrung ihrer Mitglieder – Ted Russell Kamp, Rich McCulley und Joey Peters – profitiert. Handgemacht eingespielt und gradlinig produziert spiegeln die Anspieltipps „What I Need” und „Ain’t That Kind Of Man“ die beiden Seiten von „Walk The Walk“ wider.

Eigenproduktion (2021)
Stil: Rock, Country

Tracks:
01. Smoke And Mirrors
02. Catch Me If You Can
03. Queen Of The Highway
04. You’re The One
05. Into The Sunset
06. One Step Ahead Of The Law
07. One Track Mind
08. Ain’t That Kind Of Man
09. Talk The Talk
10. Sweet Salvation Of The Dawn
11. What I Need
12. By Your Side
13. Hey, Hey, Hey

Stash
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Carl Carlton & The Songdogs – 17.11.2021, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Vor etwa 20 Jahren scharrte Carl Carlton, ein gebürtiger Friese, eine Gruppe hochkarätiger Musiker um sich, mit der er seine tief im Blues und R´n´B verwurzelten musikalischen Ideen in Songs umzusetzen gedachte. Vater des Gedankens war kein geringerer als Robert Palmer, mit dem er bis zu dessen Tod etwa 10 Jahre zusammen arbeitete.

So entstanden Carl Carlton & The Songdogs, zu deren Stammbesetzung bis zur ersten Auflösung, temporäre Musiker wie Palmer, Levon Helm und Garth Hudson von The Band, Sonny Landreth, Ronnie Wood, um nur einige zu nennen, beiwohnten. Dass Carlton selbst als Produzent für Eric Burdon, Joe Cocker oder Paul Young arbeitete und Udo Lindenberg, Marius Müller Westernhagen Peter Maffay und Wolfgang Niedecken über Jahre begleitete, sei nur am Rande erwähnt, um eine Vorstellung zu haben, wer an dem Abend im Musiktheater Piano zu Gast war.

Nach einer erfolgreichen Reunion 2019 stand nun die Stammbesetzung von Carl Carlton & The Songdogs im Rahmen der „High In A Sweet“-Release Tour auf der Bühne, zu der im späteren Verlauf noch ein Überraschungsgast hinzustieß.
In den etwa zwei Stunden zeigte die Band, warum sie schon zu Anfangszeiten von den Kritikern hochgelobt worden ist.

Die Setlist umfasste Songs aus den bisherigen Studioalben der Band aber auch eine hochklassig gespielte Coversongs von Musikern, die Carlton bei seiner Musik beeinflusst haben. So nannte er Gregg Allman, bevor er den Allman Brothers-Klassiker „Jessica“ mit einer regelrechten Jamsession im Mittelteil präsentierte, als einen dieser Musiker, welche nun im Himmel in einer Supergroup spielen könnten.

Auch der vor kurzen verstorbenen Stones Legende Charlie Watts wurde mit „Can´t You Hear Me Knocking“ als erste Zugabe eine Aufwartung gemacht, die auch den wie im Original eigentlich durch Zufall aufgenommenen improvisierten Jam nicht ausließ.

Der Großteil der Songs stammte dann aber doch aus der Feder Carltons, ließ aber keine Zweifel an den Einflüssen zu. „Lifelong Guarantee“ mit klasse Honkytonk-Pianoeinlage von Pascal Kravetz hätte auch Platz auf jeder der alten rauen Stones-Platten haben können. Hier zeigte sich auch, wie bei den anderen Songs, die Klasse seiner Band, in der visuell auf der Bühne, in erster Reihe mit Carlton, zwei Urgesteine von Mothers Finest in die Saiten griffen oder diese zupften.

Moses Mo wechselte sich mit Carlton bei der Lead- und Rhythmus-Gitarre ab und wirbelte zuweilen tanzend über die Bühne während er sein Instrument bearbeitete. Dass Carlton zuweilen daneben stand, um das Treiben zu bestaunen, ist auch als Anerkennung der Spielkunst zu sehen. Dabei nutze er nicht nur seine Finger, um die Saiten in Vibration zu bringen, sondern zeigte, dass es auch mit den Zähnen gelingen kann, wenn man es eben kann.

Ganz stark auf sein Auftritt bei „God`s Gift To A Man“, als er zu Beginn des Songs an den Bühnenrand sprang, einige knackige Riffs in die Menge schleuderte und ein rockender Bluessong folgte, der einen gedanklich an die ganz alten AC/DC erinnerte.

Wyzard am Bass bestätigte fortwährend, dass der Rhythmus bei Ihm im Blut steckt und sorgte neben Drummer Bertram Engel für die volle Grundlage der Songs. Mit seiner Kleidung hätte er auch bei Bob Marley gut in die Band gepasst und bei „Love, Understanding & Respect“ und „Kingston“ zeigte er auch tanzend, seine Reggae-Affinität. Stark, wie die Band hier Reggae und Bluesrock ineinander verschmelzen ließen. Zu denken gab Carlton beim ersten Song, was der Einzug von harten Drogen in Jamaica für negative Spuren hinterlassen hat.

Mitten im Konzert wurden für einen Song Barhocker auf die Bühne gestellt und Carlton bat die Schauspielerin und Musicalsängerin Melanie Wiegmann auf die Bühne. Zunächst gab es mit „Love Hurts“ einen Song, der vielen durch Nazareth bekannt ist, aber erstmals von den Everly Brothers veröffentlicht wurde und auch von vielen anderen Musikern gecovert wurde.

Carlton und Wiegmann lehnten sich mit ganz dezenter Unterstützung der Band aber an der Version von Emmylou Harris an. Danach wurde es wieder lauter und Carlton und Wiegmann performten einen Grateful Dead-Song, der nach Aussage Carltons einer der letzten gesungenen Songs von Gregg Allman vor dessen Tod war. In „Black Muddy River“ brachte die Band einen gehörigen Southern Flair in die Halle (hier auch starke Gesangspassagen von Pascal Kravetz), welcher dann im Instrumental „Jessica“ mündete, wo ein Feuerwerk an Gitarren- und Keyboardsoli einen in die Weiten der Südstaaten versetzten.

Stark auch „Coming Home“ und „Moonlight in New York“, in dem sich Carton vom Songwriting her Richtung Tom Petty bewegte und auch seine Qualitäten als Gitarrist zuweilen slidend offerierte. In einem Konzert ohne Längen gelang es Carl Carlton & The Songdogs die etwa 120 Besucher in die Welt der Garde alter Songwriter zu versetzen und von der momentanen Situation um Corona abzulenken. Passend beendete er das Konzert dann mit dem Lennon-Stück „Instant Karma“, das dieser mit Yoko Ono veröffentlichte und brachte gewissermaßen das Piano leuchten und ein Strahlen in die Augen der Zuschauer.

Ein besonderer Dank geht an das Piano, dem es zu so unplanbaren Zeiten weiter gelingt, so großartige Künstler in den Westen zu holen und so die Kultur weiterleben lässt.

Line-Up:
Carl Carlton – vocals, guitar
Moses Mo – guitar, backing vocals
Pascal Kravetz – keyboards, organ, backing vocals
Wyzard – bass, backing vocals
Bertram Engel – drums, backing vocals
Special Guest: Melanie Wiegmann – vocals

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Carl Carlton & The Songdogs
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Erja Lyytinen Band – Support: Ivy Gold 07.11.2021, Harmonie, Bonn – Konzertbericht

Schon um 19:00 Uhr begann der Konzertabend in der Harmonie Bonn. Den Auftakt machten die Newcomer von Ivy Gold, die Anfang des Jahres ihr Debütalbum herausgebracht haben und nun das erste Mal überhaupt live aufgetreten sind. Hinter Ivy Gold verstecken sich durchaus namhafte Musiker. Um das Ehepaar Manou und Sebastian Eder haben sich international renommierte Musiker versammelt, die nun erstmals das Album „Six Dusty Winds“ live vorstellen konnten.

Mit Applaus begrüßten die Fans, welche die Harmonie etwa zu einem Drittel füllten, die Band und Manou stellte diese kurz vor. Dabei merkte man ihr zunächst das Lampenfieber vor diesem ersten Auftritt noch leicht an, was sie auch nicht verhehlte. Im weiteren Verlauf machte Sie die Ansagen mal auf Deutsch, aber auch in Englisch, sodass auch ihre Musiker diese verstanden.

Die aus den Staaten stammende Rhythmussektion um Tal Bergmann, der u. a. auch schon für Joe Bonamassa, Billy Idol oder Roger Daltrey die Drumsticks schwang und Basser Kevin Moore sorgten für die passende, zuweilen groovende bluesige Grundlage der Band. Keyboarder Anders Olinder, der auch schon für Peter Gabriel und Glenn Hughes aktiv war, gab den Songs zuweilen einen progressiven Hauch, wenn er die Harmonie in Klangteppiche hüllte, glänzte aber auch mit kurzen Soloeinlagen.

Im Mittelpunkt stand allerdings Sängerin Manou, deren Nervosität schnell schon beim ersten Song „This Is My Time“ verflogen war und zu deren klarer, eher hohen Stimme das Gitarrenspiel Sebastian Eders zuweilen fast wie ein kongenialer Partner wirkte. Der war irgendwie ein ruhender Pol, zuweilen in sein Gitarrenspiel vertieft, an den sich die extrovertiertere Manou zuweilen auch optisch anlehnen konnte.

Man merkte der Band von Beginn an, mit welcher Spielfreude sie sich endlich live zeigen konnte. Bassist Moore hatte praktisch das ganze Konzert ein Lächeln im Gesicht und Tal Bergmann konnte in einem Solo sein Können unter Beweis stellen, wo er dann wie entfesselt loslegte.

In den knapp 50 Minuten, die der Band zur Verfügung stand, wurde inklusiv der Zugabe „Without You“ das gesamte Album präsentiert. Nach dem letzten Song bedankte und verabschiedete sich eine sichtlich gerührte Manou vom gut mitgehenden Publikum, welches in Anlehnung an den Titel des letzten Songs auch einen Anteil an einer gelungenen Premiere der Band hatte.

Nur wenige Minuten später standen die Musiker am Merchandisingstand für die Fans zum Smalltalk zur Verfügung und rundeten so einen gelungenen Premierenabend ab. In dieser Form ist von der internationalen Formation von Ivy Gold noch einiges zu erwarten.

Line-up: Ivy Gold
Manou: lead vocals
Sebastian Eder: guitars
Anders Olinder: keyboards
Kevin Moore: bass
Tal Bergmann: drums

Nach einer etwa 30-minütigen Umbaupause betrat dann Erja Lyytinnen, scheinbar nur mit einem grobmaschigen Netz bekleidet mit ihrer Band die Bühne. Die Sittenwächter oder womöglich eifersüchtige Ehefrauen können an dieser Stelle aber direkt beruhigt werden, auf das, was man durch das scheinbare Netz schaute, war hellbraun beiger Stoff.

Schon mit der Begrüßung zu Beginn des Konzertes brachte die charmante Finnin die Besucher direkt hinter sich und es sollen rasante knapp 100 Minuten Powerblues folgen, bei denen natürlich Erja meist im Mittelpunkt des Geschehens stand. Sichtlich gut gelaunt moderierte sie teilweise humorvoll posend die Songs an und wies augenzwinkernd darauf hin, dass sie sich passend zum Tag, in ihre Sonntagsgarderobe geschmissen hatte. Das sie den Titel ‚Queen of Sliding‘ nicht umsonst trägt, bewies sie bei einigen zuweilen furiosen Soli, wo sie mit dem Bottleneck regelrecht über die Saiten ihrer Gitarren jagte.

Einen großen Anteil, dass Lyytinen sich zuweilen losgelöst austoben konnte, hatten natürlich die jungen Musiker ihrer bewährten Begleitband. Visuell stand dabei Tatu Back mit Lyytinen in der ersten Reihe und steuerte nicht nur einen wummernden, oft groovenden Bass inklusive eines kurzen Solo bei und unterstütze die auch stimmlich bestens aufgelegte Finnin mit Backgroundgesang. Iiro Laitinen, der andere Part der Rhythmussektion, sorgte mit meist energiegeladenen und stampfenden Drumpassagen für einen Rhythmus, der die anderen zuweilen vor sich hertrieb.

Dass er aber nicht nur schnell und krachend kann, offerierte er in ruhigen Passagen, wo er mit seinen Sticks die Drums scheinbar zu streicheln schien. An den Keyboards sorgte Miika Aukio für einen vollen Sound, in welchem er die Gitarrenarbeit Lyytinens untermalte und auch mit einigen stakkatoartigen kurzen Soli prägende Elemente setzte.

Lyytinen und Band gelang es an diesem Abend die Besucher, welche zum Teil auch tanzend mitgingen, von Beginn an, auch mit einigen Texas Blues-rockigen Sachen im Rhythmusstil von ZZ Top zu begeistern und so verging das Konzert wie im Flug. Unter dem frenetischen Applaus der Fans legte die Band noch zwei Zugaben nach. Nach einer kurzen Anleitung von Erja Lyytinen, in welcher sie den Zuschauern in einem Crashkurs einige finnische Worte beibrachte, beendete Sie das Konzert mit einem verrockten finnischen Traditional samt gesanglicher Unterstützung der Fans.

Wie gewohnt ging Lyytinen von der Bühne weg, direkt zum Merchandisingstand, um diverse Fanartikel zu signieren. Sie machte sich sogar die Mühe, die Fans nach deren Namen zu fragen und sich diesen buchstabieren zu lassen, sodass alle mit einem persönlich signierten Tonträger zufrieden den Heimweg antreten konnte.

Nach dem Konzert gab es dann noch den Hinweis, dass Lyytinnen im Oktober 2022 nicht nur bei der Bluesnacht im Kölner Bürgerhaus Stollwerck den Support für Walter Trout und Julian Sas machen wird, sondern auch wieder in der Harmonie zu Gast sein wird.

Ein besonderer Dank an die Harmonie und die Bands für die problemlose Akkreditierung sowie den netten Empfang an diesem begeisternden Konzertabend mit einem bestens abgemischten Sound. Auch ein Kompliment an die Lichttechnik, für die visuelle Untermalung der Musik.

Line-up: Erja Lyytinen Band
Erja Lyytinen: guitars & lead vocals
Miika Aukio: keyboards
Tatu Back: bass & vocals
Iiro Laitinen: drums 

Text und Bilder: Gernot Mangold

Erja Lyytinen
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Ivy Gold
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Harmonie Bonn

Samantha Martin & Delta Sugar, 05.11.2021, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Was für ein Abend mit Samantha Martin & Delta Sugar in der erstmals seit langem wieder ausverkauften Kulturrampe. Ok, ganz so viele Konzertgelegenheiten hat es seit dem Corna-bedingten Lockdown in der Krefelder Location ja auch noch nicht gegeben. Aber immerhin fand auch parallel zur gleichen Zeit ein Mega-Sport-Event im naheliegenden Mönchengladbach statt (Borussia Mönchengladbach Ü23 – Rot-Weiss Essen 1:2). Wie bekannt, war man ja in den etwas wärmeren Zeiten mit Open-Air-Events in den ebenfalls schönen Schlachtgarten ausgewichen.

Apropos schön, in dieser Phase haben Leute um Pille Peerlings herum, mit viel Engagement der Rampe ein neues Antlitz verpasst, das ich an diesem Abend zum ersten Mal in Augenschein nehmen durfte. Der Outdoor-Bereich wurde relativ unscheinbar aufgewertet, im Großen und Ganzen so belassen, er wirkt aber trotzdem deutlich einladender.

Der entscheidende Durchbruch wurde allerdings durch einen Durchbruch der Wand zwischen dem ‚Kneipenbereich‘ und dem Bühnenareal erreicht, der der Location ein deutlich großzügigeres und ‚luftigeres‘ Ambiente vermittelt. Gemütlichkeit wird durch die vielen schönen Accessoires, die stilvolle Beleuchtung und noch eine rötlich verziegelte Seitenwand vermittelt. Alles in Allem ein echtes Kompliment an die Macher, klasse Arbeit!

Gegen 21:15 Uhr betrat Rampenchef Pille Peerlings wie gewohnt zur Ansage die im bisherigen Format belassene, enge Querbühne und ließ in spitzzüngiger humorvoller Manier seine Begrüßungsworte in Richtung der zahlreich erschienenen Audienz los. Danach folgte dann stante pede die recht klein gewachsene, aber mit umso größerer Stimme gesegnete Kanadierin Samantha Martin und ihr Begleit-Line-up und verwandelte die Rampe in zwei Sets mit ihrer unwiderstehlichen Mischung aus Funk, Soul, Blues, Country und Rock, in einen brodelnden Tanzkessel.

Im Fokus stand natürlich ihr neues Album „The Reckless One“ mit vielen Tracks wie u. a, „Love Is All Around“, „Don’t Have To Be“, So I Always Know“, I’ve Got Afeeling“, „Pass Me By“ und „Lovin You Is Easy“, aber auch Sachen des Vorgängers „Run To Me“ wie „Good Trouble“, „You Are The Love“ oder „All Night Long“.

Mein Favorit des ersten Sets war allerdings das swampig-countryeske, an Lucinda Williams erinnernde „Dark Angel“, wo der wieder mit seinem unaufdringlichen, aber sehr quirligen Begleit- und Hintergrund-E-Gitarrenspiel glänzende Curtis Chaffey ein herrliches Solo in bester Southern Rock-Qualität hinlegte.

Auch der rauschebärtige Keyboarder Jeff Heisholt trug ebenso, wie die satt groovende Rhythmusfraktion mit dem starken Drummer Will Fisher und Bassist Ian MacEwan, mit seiner weitgefächerten Tasten-Arbeit (Orgel, E-Piano, HT-Piano) viel zum prallen Gesamtsound der Kanadier bei. Die beiden Backgroundsängerinnen Sherie Marshall (mit beeindruckender Afro-Mähne) und Aisha Jarvis sorgten allein schon durch ihre Präsenz samt ihrer gospeligen-souligen ‚Uuhs‘ und ‚Aahs‘ für weitere vokale Würze zur Stimmgewalt der bestens aufgelegten und energiegeladenen Fronterin.

Grandiose Stimmung (wie heiß es in der Rampe zuging, kann man auch auf der unten anhängenden schönen Bildergalerie des Kollegen Mangold gut nachvollziehen) erzeugten natürlich besonders die gelungenen Coverversionen wie das fröhlich rockende „Happy“ der Stones in Set 2, aber besonders die beiden Zugabennummern am Anfang mit „Proud Mary“, das mit seinem langsameren Beginn (samt Publikumsmitsinginteraktion) und umso temperamentvollen Umschwung in eine Speedversion, am Ende sofort mal die, durch den Durchbruch verursachte Statikveränderung der Rampe auf eine harte Probe stellte. Das Publikum tanzte, tobte und wollte Nachschlag.

Zum Runterkommen gab es dann noch mit „Sweet Love“ von Lucinda Williams eine echte Perle. Samantha fing zunächst alleine mit der Akustikgitarre singend an, dann gesellten sich peu à peu Gitarrist Chaffey (mit gefühlvollem E-Solo), die beiden Backgroundsängerinnen und letztendlich Keyboarder Jeff Heisholt dazu (die Rhythmusfraktion durfte sich schon das Feierabendbier gönnen) und ließen diesen herrlichen Abend, im Country-Ambiente sanft und dennoch stimmungsvoll ausklingen.

Wie schon vor knapp drei Jahren bei ihrem Gig an gleicher Stelle bewiesen Samantha Martin & Delta Sugar, dass ihre Auftritte immer als Pflichttermin eines rockmusikbegeisterten Konzertgängers im Kalender stehen sollten. Kaum war der Gig vorbei, stand die sympathische und lebensfreudige Protagonistin schon wieder am Merchandising-Stand im gemütlichen Thekenbereich zum Signieren und Smalltalk für ihre Fans zur Verfügung. Mit eines der echten Highlights dieses Jahres!

Line-up:
Samantha Martin (lead vocals, acoustic guitar, percussion)
Curtis Chaffey (electric guitar)
Ian MacEwan (bass)
Will Fisher (drums)
Jeff Heisholt (keys)
Sherie Marshall (bgv, percussion)
Aisha Jarvis (bgv, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Samantha Martin & Delta Sugar
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Danny Bryant – The Rage To Survive – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Seit dem 29. Oktober liegt nun Danny Bryants zwölftes Album in den Läden und wartet auf hoffentlich zahlreiche Käufer aus der Blues Rock-Fraktion. Es trägt den Namen „The Rage To Survive“ und kann nach seinem 2019‘er Vor-Corona-Album „Means Of Escape“ durchaus als eine Aufarbeitung der bei Bryant durch die Pandemie hervorgerufenen Emotionen und Erfahrungen verstanden werden, die der Brite in gefühlvollen und nachdenklich stimmenden Texten verarbeitet und zu Gehör bringt. Und selbstverständlich stammen auch alle Melodien und Arrangements aus seiner Feder.

Zudem wurde die Scheibe in den bekannten Chapellier-Studios in Lincolnshire, GB, aufgenommen, wobei es Bryant ein besonderes Anliegen war, die Platte live einzuspielen, um all die in der Corona-Zwangspause aufgestaute Energie zusammen mit seinen Mitstreitern rauszulassen und rüberzubringen. Was den Jungs nach meiner Ansicht auch prima gelungen ist, das Album deckt die gesamte Gefühlsbreite von hoch emotional bis rockig-hart ab.

Der kraftvoll-raue Titeltrack „The Rage To Survive“ mit seinen teilweise sägenden Gitarrenriffs macht sofort unmissverständlich klar, wohin die musikalische Reise dieser CD in weiten Teilen führt. „Trouble With Love“ stampft zwar etwas weniger rockig, besticht aber durch eine harte Basslinie.

Das folgende „Invisible Me“ (6:30 Minuten Spielzeit !) ist ein sehr gefühlvoller, aber tiefschwarzer Blues mit einem feinen Trompetenintro, gefolgt von Pianoklängen und Bryants leicht verhalltem Gesang, an das sich das von Keyboarduntermalung beherrschte Midtempo-Stück „Rescue Me“ anschließt.

Zur Halbzeit nimmt „Falling Tears“ im Vergleich zu den vorherigen Songs eine Sonderstellung ein, handelt es sich doch um einen rein akustisch gespielten, sehr schönen Blues. Mit „Make Me Pay“ gibt‘s dann einen ordentlichen Oldschool-Blues Rock mit wabernden Keys und dezentem Pianogeklimper im Back auf die Ohren, danach lädt „Rain Stopped Play“ zum Relaxen und Träumen ein und das flotte Instrumentalstück „Looking Good“ kommt mit seinen Bläsersätzen leicht jazzig daher. Ein treibender, in die Beine gehender, Rock’n’Roll-Knaller ist dann noch einmal „Till The Bottle Runs Dry“ bevor die Scheibe mit der ruhigen Ballade „Westport“ zu Ende geht.

Mit „The Rage To Survive“ legt Danny Bryant sein wohl persönlichstes und ausdrucksstärkstes Album vor und zeigt einmal mehr seine großen Qualitäten als Gitarrist, aber auch als feinfühliger Texter und Songwriter. Seine raue und teilweise etwas kehlig klingende Stimme passt wunderbar zu seinen ehrlichen Songs und geben ihnen den letzten Schliff. Und letztendlich kommt es ja auch nur auf die Emotionen an.

Wer nun neugierig geworden ist, hat dieses Jahr im November/ Dezember reichlich Gelegenheit Danny Bryant live zu erleben (siehe dazu auch unsere Konzerttipps). 

Jazzhaus Records (2021)
Stil: Rock / Blues

Tracks:
01. The Rage To Survive
02. Trouble With Love
03. Invisible Me
04. Rescue Me
05. Falling Tears
06. Make Me Pay
07. Rain Stopped Play
08. Looking Good
09. Till The Bottle Runs Dry
10. Westport

Danny Bryant
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Another Dimension

The Cold Stares – 28.10.2021, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Die aus den Staaten kommenden The Cold Stares sind erstmals auf Europatour und machten auch im Dortmunder Musiktheater Piano Halt. Dass Newcomer oft einen schweren Stand haben, zeigte sich an der Besucherzahl, die ziemlich übersichtlich war und erhebliche Lücken im Publikum offenbarte, was wieder das Risiko der Veranstalter, aber auch der Künstler gerade in der jetzigen Zeit zeigt, wo vielen das Infektionsrisiko bei Veranstaltungen noch immer zu groß ist.

Umso beachtlicher, dass das Musiktheater Piano und 3Dog Entertainment dennoch wagten, die hierzulande noch recht unbekannte Band zu engagieren, was sich aus musikalischer Sicht auf jedem Fall gelohnt hat. Als das Duo die Bühne betrat, mag so mancher, der ohne Vorwissen das Piano besucht hatte, sich erst einmal die Augen gerieben haben.

Der untere Teil der Bühne gehörte dem Sänger und Gitarristen Chris Tapp und der erhöhte Teil dem Drummer Brian Mullins. Nachdem Chris Tapp die Band kurz vorgestellt hatte und zum Ausdruck brachte, wie sie sich freuen, in dieser schönen Location bei ihrer ersten Europatour zu spielen, jagten die Zwei über knapp 70 Minuten von Song zu Song.

Der Großteil der Songs kam von den eigenen mittlerweile drei Alben inklusiv ihres aktuellen Werkes „Heavy Shoes“ und wenigen, eingestreuten Coverstücken, wie z. B. das legendäre „Whipping Post“, was die beiden in einer straighten schnörkellosen Hard Rock-Nummer präsentierten.

Beeindruckend war, mit welcher Dynamik und welchem Soundvolumen das neu renovierte altehrwürdige Musiktheater Piano beschallt wurde, was von der Klasse der Musiker zeugt. Chris Tapps kraftvoller Gesang erinnerte zuweilen an Phil Lynott, genau wie auch das Gitarrenspiel bei manchen Sogs auch zu Thin Lizzy gepasst hätte. Einige eher getragene hart rockende Songs erinnerten an düstere Phasen von Black Sabbath und Brian Mullins hämmerte bei vielen Songs so auf die Drums ein, dass man glauben konnte, eine Reinkarnation von John Bonham würde hinter den Drums sitzen.

Nach etwa 65 Minuten Spielzeit legte das Duo mit „Mojo Hand“ ihren vermutlich bekanntesten Song als Zugabe nach, welcher auch der Trailer des Videogames „Cyberpunk 2077“ ist und über 10 Mio. Streams auf Youtube hat. Trotz der hierzulande einer mit 70 Minuten eher kurzen Spielzeit, gab es nur zufriedene Gesichter im Publikum, da diese auf der Überholspur ohne Schnörkel bestritten wurde. Nach der Show nahmen sich die beiden Musiker noch ausgiebig Zeit für die Fans am Merchandisingstand, aber auch auf der Bühne, wo Tapp einem Fan seine Gitarre in die Hand gab und mit diesem darüber plauderte.

Von The Cold Stares wird in Zukunft, wenn sie ihre rohe dynamische Art beibehalten, noch Einiges zu erwarten sein, nicht umsonst hat mit der Mascot Label Group ein Schwergewicht die Band in diesem Jahr unter Vertrag genommen. Der Auftritt des Abends im Piano wird vermutlich nicht der letzte dort gewesen sein und mit der Werbung, die die Band für sich gemacht hat und dem großen Label im Rücken, ist zu erwarten, dass dann auch die Zuschauerzahl um einiges höher sein wird.

Line-up:
Chris Tapp – vocals, guitar
Brian Mullins – drums

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

The Cold Stares
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment