Jimmie Allen – Tulip Drive – CD-Review

Jimmie Allen ist nicht nur ein in der Country- und Pop-Szene gut vernetzter Musiker, sondern auch auch ein sehr familiärer Mensch. Erkennen kann man das an den bisherigen Titeln seiner zuvor veröffentlichten Alben.  Sein Debüt „Mercury Lane“ hebt den Namen der Straße hervor, in der er aufgewachsen ist. Der Nachfolger „Bettie James“ zollt seinen Großeltern Tribut (Bettie hieß seine Großmutter, James hieß sein Großvater), die für ihn eine immens wichtige Rolle im Leben gespielt zu haben scheinen.

Denn auch das aktuelle Album „Tulip Drive“, hat mit diesen zu tun, dort lebten diese nämlich bis zu ihrem Tode. Und zu guter Letzt beinhaltet das neue Werk auch noch mit der aktuellen Single „Down Home“ eine emotionale Aufarbeitung seiner Beziehung zu seinem verstorbenen Vater vor und nach dessen Tod. Seine TV-Premiere feierte die in den Medien hochgelobte Single in der „The Late Late Show“ bei US-Talkmaster James Corden.

Satte 17 Stücke umfasst der neue Longplayer, alle von Allen mit diversen aus dem Pop- und Nashville-Umfeld bekannten Co-Writern  wie u. a. Ashley Gorley, Zach Crowell,  Jesse Frasure, Brandon Day, Matt Jenkins, Jon Nite, Ross Copperman, geschrieben, und einer ebenso so großen Armada von Leuten wie Jason Evigan, Gian Stone, Ash Bowers , Vinny Venditto, Vic “BillboardKiller” Martin, Jesse Frasure, Keith Hetrick, Ilya Toshinskiy und Eric Torres zum Teil mit ihm selbst produziert.

Die Countrynote wird nur noch durch fein gespielte E-Gitarren (mit diversen schönen Kurz-Soli) und ein paar Alibi-Steel-Eingaben hochgehalten, der Hauptfokus ist mittlerweile klar in Richtung Pop mutiert. Das kann man auch klar an den Gastpräsenzen bei den Duetten ablesen, die sich ausschließlich aus dieser Sparte mit Interpreten CeeLo Green & T Pain, Katie Ohh, Aadyn und last but not least Superstar und Latino-Diva Jennifer Lopez beim, von beiden inbrünstig gesungenen „​On My Way““ rekrutieren.

Alle Songs bestechen durch eine gewisse sommerliche Leichtigkeit und eine angenehm ins Ohr fließende Melodik, so dass eine durchgehende Radiotauglichkeit attestiert werden kann. Fans von Acts wie u. a. Thomas Rhett, Old Dominion oder Brett Young & Co. sind hier an der richtigen Adresse.

Aus dem Rahmen fällt dabei „Pesos“, das die typische südamerikanische Lebensfreude im Samba-Manier (mit Mariachi-Trompeten im Hintergrund) perfekt widerspiegelt. Alle anderen Tracks von Jimmie Allens neuer CD laden geradezu zum relaxten Cruisen in einem Cabriolet bei seichten Temperaturen ein, und dabei muss man sich keinesfalls nur auf den „Tulip Drive“ beschränken…

Stoney Creek Records / BBR Music Group / BMG (2022)
Stil: New Country (Pop)

Tracklist:
01. Be Alright
02. What I’m Talkin Bout
03. Kissin You
04. ​Down Home
05. Settle On Back
06. Pesos (feat. CeeLo Green & T Pain)
07. Love In The Living Room
08. ​On My Way (feat. Jennifer Lopez)
09.Broken Hearted (feat. Katie Ohh)
10. Habits & Hearts
11. Right Now
12. Wouldn’t Feel Like Summer
13. Undo
14. Get You a Girl
15. Keep Em Coming
16. Every Time I Say Amen
17. You Won’t Be Alone (feat. Aadyn)

Jimmie Allen
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Matt Horan – You Ain’t Country – Vinyl-Review

Review: Michael Segets

Mit seinem starken Solo-Debüt „Tears From The Mountain” sowie dem begeisternden Auftritt in der Kulturrampe letztes Jahr, hat sich Matt Horan in mein Herz gespielt. Entsprechend gespannt war ich auf den dort angekündigten Longplayer.

Während er auf seinem ersten Album als American Folk Singer stilsicher allein mit Gitarre oder Banjo unterwegs war, holte er sich für „You Ain’t Country“ die C.A.F. Band (Country As Fuck Band) ins Boot. Eine Band im Rücken zu haben ist für Horan nichts Neues. Über eine Dekade war er der Frontmann von Dead Bronco.

Dead Bronco nahm zwar eine Tribute-EP für Hank Williams auf, die Ausrichtung der Band ging aber eher in Richtung Punk oder Dark Folk. Nach der Auflösung der Band will Horan mit seinen Soloprojekten einen anderen Weg gehen. Auf seinem aktuellen Album kehrt er zu seinen Wurzeln, die im Country liegen, zurück.

Seinem Hang zum frühen Country lässt Horan zum Abschluss des neuen Werks freien Lauf. Mit Jodeln und Pedal Steel feiert er ihn mit der Ballade „Call To My Kin“. Dieser Beitrag setzt sicherlich einen Kontrapunkt zu den anderen Stücken, obwohl zuvor der Honky Tonk „Going Insane“ mit seinem Twang musikalisch ebenfalls eher traditionellen Bahnen folgt. „Cocaine Carolina“ kann gleichfalls in die Kategorie der Stücke eingereiht werden, die sich deutlich am Country klassischer Machart orientieren.

Der bereits von Johnny Cash eingespielte Song stellt das einzige Cover neben den neun Eigenkompositionen dar. Diese schlagen meist ein ordentliches Tempo – wie der Titeltrack – an, wobei auch einzelne langsame Beiträge („Paid In Blood“) eingestreut sind.

Weit entfernt von dem oftmals glattgebügelten Sound der Marke Nashville lässt uns Matt Horan an seiner Interpretation des Country teilhaben. Seine unmittelbare und raue Auslegung typischer Genre-Elemente, teilweise angereichert durch eine alternativ-punkige Attitüde, loten dessen Möglichkeiten aus. Tradition und Progressivität stehen nebeneinander und verschmelzen bei einigen Kompositionen. „You Ain`t Country“ hält somit spannende und intensive Hörerlebnisse bereit.

Dort, wo Horan spielerisch mit den Elementen des Country umgeht, läuft er zu Hochform auf. Der Opener „That’s Evil“ und „Appalachia“ sind zwei Uptempo-Nummern, die einen herrlich ungeschliffen, wild wirkenden Sound anschlagen. Einen maßgeblichen Anteil daran hat Horans Gesang. Mit ihm punktet er ebenso bei „Abilene“ und „Prodigal Son“.

Neben dem Eröffnungstrack zählt der letztgenannte Song zu meinen Favoriten auf dem Longplayer. Ebenfalls bemerkenswert ist „Conversing With The Devil“. Bei dem Song entfernt sich Horan rhythmisch weiter vom Country als bei den anderen Tracks und erzeugt dabei eine besonders dunkle Atmosphäre.

Für den Rhythmus der C. A. F. Band sind Fernando Chiquito an den Drums und Chus Cardin am Upright Bass verantwortlich. Gabi Perez steuert Pedal Steel und Dobro bei. Mit seinem hervorragenden Gitarrenspiel unterstützte Alex Atienza Horan bereits bei der zurückliegenden Tour.

Dead Bronco kündigte noch für Mai und Juni einige Konzerte in Europa – auch wieder in der Kulturrampe – an. Nach der plötzlichen Auflösung der Band wurden die Auftritte abgesagt. Wann Horan zukünftig den alten Kontinent besucht, bleibt daher offen. Der Weltenbummler lebte in den letzten Jahren hauptsächlich in Spanien. Als junger Familienvater verlagerte er seinen Lebensmittelpunkt nun allerdings zurück nach Davie, Florida. Zu wünschen wäre, dass er sich dennoch – gegebenenfalls mit der C. A. F. Band – bald wieder in unseren Gefilden blicken lässt.

Cowboy Trash Records (2022)
Stil: Country

Tracks:
01. That’s Evil
02. Going Insane
03. Prodigal Son
04. Abilene
05. Cocaine Carolina
06. Appalachia
07. Paid In Blood
08. You Ain’t Country
09. Conversing With The Devil
10. Call To My Kin

Matt Horan

49 Winchester – Fortune Favors The Bold – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Die Winchester Street im Russell County, Virginia, hat in der letzten Zeit ein größeres, mediales Interesse erfahren. Grund dafür ist die musikalische “Liebeserklärung” der Band 49 Winchester, die vor 8 Jahren in dem rund 2000 Einwohner zählenden Städtchen gegründet wurde und nun auf ihrem 4. Album “Fortune Favors The Bold” der entlegenen Heimat ein Denkmal setzt.

Doch der Reihe nach: Als 4 Nachbarschaftsfreunde 2014 begannen, gemeinsam Songs zu schreiben und unter dem Bandnamen 49 Winchester ihr Debüt-Album in Eigenregie veröffentlichten, folgten sie von Anfang an ihren eigenen Ideen. Diese konsequenten Independent-Jahre wurden mit den Alben “Wind” (2018) und “III” (2020) fortgesetzt, wobei zahlreiche Festivalauftritte und Tournee-Termine zunehmenden Erfolg brachten. Das führte schließlich dazu, dass die “rapidly rising band” nun bei New West Records ihren neuen Longplayer “Fortune Favors The Bold” released.

Die Vorab-Single “Annabel” kennzeichnet gleich von Beginn an den melodischen Sound von 49 Winchester, sowie das exzellente Story-Telling des Songwriters, Gitarristen und Sängers Isaac Gibson. Insgesamt gilt für alle Stücke: ein bodenständiger Alt-Country-Rock-Folk und Southern-Soul-Stil wird konsequent kombiniert. In der “Heimweh-Ballade” an seine Hometown in “Russell County Line” (“If you wonder where my heart is”) krönt Gibson seine Leidenschaft mit einem Gänsehaut-Poetic-Country-Feeling: ein Flaggschiff-Song! Neben dem Singer/Songwriter Gibson glänzen Chase Cafin (Bass), Bus Shelton (Electric-Guitar), Noah Patrick (Steel-Guitar), Don Eanes (Piano, Hammond B3, Keys) und Dillon Cridlin (Drums) auf dem neuen Album, das zusammen mit Stewart Myers in verschiedenen Studios produziert wurde.

Wiederentdeckte musikalische Traditionen zu integrieren und gleichzeitig die eigenen Songs zu behaupten, verwirklichen 49 Winchester auch im wunderbaren Southern Rock-Titel “All I Need” mit entsprechenden Skynyrd-Riffs, starken Hammond-Keys und passenden Gibson Lead-Vocals. Dass seine Stimme neben eigenen Akzenten ebenso ein John Fogerty-Muster drauf hat kann beim schnellen “Hillbilly Daydream” nacherlebt werden. Eine ebenso Story- und Refrain-orientierte Nummer ist “Damn Darlin’” (”Oh, Nashville you broken my heart”) – mit tollem Hammond-Solo, schöner Lyric-Bridge, sowie einer Erinnerung an Tom Petty-Variationen im neuen Gewand: ein Straight Banger!

Mit dem Titel-Song “Fortune Favors The Bold” folgt ein Mid-Tempo-Track, ein immer wieder herrlicher Hammond-Sound trifft auf klasse Vocal Begleitung und wird zielsicher zum Top-Song aufgebaut. Für den Country-Blues “Second Chance”, dürfte als Konzertausgabe sicher viel Live-Potenzial möglich sein; ebenso wie bei der eindrucksvollen Southern-Ballade “Neon”, die ihre Strahlkraft erst nach und nach entwickelt. Das letzte Stück “Last Call” wird zum schnellen J.J. Cale/CCR-Piano-Rock und rundet das Album als Rock’n’Roll “Oldie” Nummer perfekt ab.

49 Winchester haben mit ihrem 4.Album endgültig das Durchbruch-Release auf Klassiker-Niveau erreicht. Schon vor diesem Masterpiece hatten die Southern Rocker von Whiskey Myers die Zeichen der Zeit erkannt und 49 Winchester für die kommende Tour als Vorband gebucht. Auch dies bestätigt: “Fortune Favors The Bold”!

New West Records (2022)
Stil: Southern-Rock, New Country

Tracks:
01. Annabel
02. Man’s Best Friend
03. Russell County Line
04. All I Need
05. Hillbilly Daydream
06. Damn Darlin’
07. Fortune Favors The Bold
08. Second Chance
09. Neon
10. Last Call

49 Winchester
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Oktober Promotion

Aaron Raitiere – Single Wide Dreamer – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Wer das Glück hatte, auf der Songwriters Expo (2020) in Ventura, Kalifornien, Aaron Raitiere Solo mit Akustik-Versionen vorab zu erleben, bekam einen kleinen Vorgeschmack von “Single Wide Dreamer”, dem lang erwarteten, ersten Longplayer des hochtalentierten Singer/Songwriters. So eröffnet das Debüt-Album auch gleich mit drei Songs aus der Ohrwurm-Kategorie.

Das Titelstück hat Klassiker-Qualität, mit seinem Wortspiel-Refrain und typischen Sprechgesangs-Parts erinnert es an Songs von Kris Kristofferson und Johnny Cash. Die starken Refrain-betonten Lyrics in “Everybody Else” folgen dem Schema eines Geschichten-erzählenden melodischen Country-Titels. Diese Feel Good-Mentalität heimatlicher Verbundenheit verkörpert Raitiere ebenfalls in “For The Birds” – angeblich geschrieben am Tag nachdem sein Haus in Flammen aufging – ein flockig-lockerer Folk-Track mit starker E-Gitarre und coolem Text.

Aaron Raitiere, der über einen Uni-Abschluss in Geschichte verfügt, sieht sich auch in der Tradition berühmter Country-Künstler, wie Ramblin’ Jack Elliott und insbesondere Shel Silverstein, der in seinem grandiosen Songwriting als Wortspiel-Akrobat hohe “Hürden” setzte. Die Gute-Laune-Prägung herrlicher Story-Songs kommt bei “Cold Soup” und “At Least We Didn’t Have Any Kids” geradezu überlegen und songtechnisch hervorragend zur Geltung. Mit “Dear Darlin’” folgt danach ein genial-zerbrechlicher Love-Letter-Song: ein akustisches Sprechgesang Melodram, unschlagbarer Schreibkunst – einfach liebevoll gemacht!

Seine langjährige Erfahrung in der Gilde der sehr geschätzten Songschreiber in Nashville, hat erfolgreiche Tracks für Ashley McBryde, Midland, The Oak Ridge Boys, Shooter Jennings, Brent Cobb, Miranda Lambert und Anderson East – um nur einige zu nennen – hervorgebracht. Die letzten beiden (East und Raitiere sind seit 15 Jahren befreundet) haben sich als Produzenten von “Single Wide Dreamer” persönlich engagiert und with a little help from their friends (z. B. Bob Weir, Dave Cobb, Ashley Monroe, Waylon Payne) hat East Überzeugungsarbeit geleistet: “Friends thought I needed a record”, so Raitiere.

Entstanden sind insgesamt (leider nur) 12 Albumtitel (bei wesentlich mehr Material), aber alle sämtlich zündende Aufnahmen, wie das ausgefallen, experimentelle, an typische Lou Reed Passagen erinnernde “Your Daddy Hates Me” oder das etwas von Paul Simon inspirierte “Worst I Ever Had”, dessen Folk-Kleinod-Charakter trotz rauher Stimmlage musikalisch erhalten bleibt. Aaron Raitieres starke individuelle Handschrift wird auch in der Love-Song-Ballade “Tell Me Something True” durch seine immer wieder anpassungsfähigen Vocals betont und bringt nicht nur hier textlich eine Meisterleistung.

Der aus Dauville, Kentucky, stammende Songwriter ist seit 2000 in der Musikszene gerade wegen seiner anspruchsvollen, einfallsreichen Texte ein vielbeschäftigter Master of Fine Arts. Seine Gabe, Witz und Ironie in Feinheiten gestylt mit musikalischen Stilmitteln passgenau zu verbinden, zeigt eindeutig der Titel “You’re Crazy”. Zum frühen Johnny Cash Rockabilly-Country-Rock wird ein parodiehaft übertriebener Lee Hazlewood/Lovin Spoonful Medley geboten (Crazy, aber mitreißend). Das hohe Niveau der gesamten Aufnahmen wird zum Schluss dann noch mal getoppt: durch den ultimativen Country-Werbe-Song “Time Will Fly”. Wieder ein leichtfüßiger Refrain-getragener Country-Rock, der den Longplayer in all seinen Varianten erfasst und zu voll aufgedrehter Lautstärke verleitet: Ein absoluter Ausklang für ein Top-Album!

Wenn ein Meister seines Fachs die musikalische Schatzkiste öffnet, entsteht ein Album, wie “Single Wide Dreamer” von Aaron Raitiere. Eine ultimative Produktion, die jederzeit 5 Sterne verdient und für die der Singer/Songwriter erneut eine Music-Award-Nominierung verdient hätte.

Dinner Time Records (2022)
Stil: Country

Tracks:
01. Single Wide Dreamer
02. Everybody Else
03. For The Birds
04. Cold Soup
05. At Least We Didn’t Have Any Kids
06. Dear Darlin’
07. Your Daddy Hates Me
08. Worst I Ever Had
09. Can’t Rain All The Time
10. Tell Me Something True
11. You’re Crazy
12. Time Will Fly

Aaron Raitiere
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Joshua Hedley – Neon Blue – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Für Joshua Hedley war es mit 19 Jahren sicherlich keine einfache Entscheidung, von Naples, Florida nach Nashville, TN., zu gehen, um dort in Kneipen und Clubs auf Konzertbühnen Country-Music zu spielen. Der Gitarrist, Fiddle-Player, Songwriter und Sänger lernte so von der „Pieke“ auf sein musikalisches Handwerk, während seine Freunde zum College gingen.

Künstler, wie Ray Price, George Jones und Glen Campbell waren in dieser Zeit seine Vorbilder und die Vorliebe für Old-School-Country bestimmte die Stilrichtung seines Debut-Albums „Mr. Jukebox“ (2018). Dessen Titel kam durch Hedleys bemerkenswerte Bühnenfähigkeit zustande, auf Wunsch des Publikums nahezu jeden klassischen Country-Song stilecht nachzuspielen.

Auf seinen ersten Longplayer folgten schließlich ein Auftritt in Nashvilles größter Konzertarena als „Opener“ für Jack White (The White Stripes) und die ersten Planungen für das Nachfolgealbum „Neon Blue“. Rechtzeitig konnte Hedley seinen Alkoholkonsum wieder in den Griff bekommen und mit einigen Co-Writer-Freunden die Anforderungen der erfahrenen Produzenten Skylar Wilson und Jordan Lehning erfüllen. Entstanden ist dabei eine Art Konzeptalbum, das den Country-Sound zu Beginn der 90er Jahre einfängt und in zeitgenössischen Arrangements nostalgisch und zugleich modern interpretiert.

Zutaten für die melodiösen Songs sind vor allem swingende Fiddle-Parts und wimmernde Steel-Guitars, die in ihrer traditionellen Ausrichtung mit stark betonten Refrains typische Stücke „der alten Country-Schule“ aufbauen. Selbst Alleskönner, wie Garth Brooks wären mit Titeln, wie „Broke Again“, „Wonder If You Wonder“ oder „Neon Blue“ in ihrem Element: energiegeladener Country-Rock vom Feinsten!

Auch Glen Campbell hätte bestimmt mit „Found In A Bar“, „Free“ oder „Let’s Make A Memory“ ebenfalls sicher keine Probleme gehabt. Das zum Mitsingen auffordernde Stück „Bury Me With My Boots On“ klingt nach einem altbekannten Klassiker und die Balladen „Down To My Last Lie“ oder „Old Heartbroke Blues“ markieren eine abwechslungsreiche Songfolge.

Diesen „Good-Old-Country-Style“ hat Joshua Hedley lange Jahre in Robert’s Western World, einem Szene-Honkytonk am Rande von Music-City in stundenlangen Konzerten eingeübt. Er nennt die Location liebevoll eine selten gewordene, zeitlose „Oase“, eine Bastion der musikalischen Nostalgie des ursprünglichen Country, deren Bühne er immer verbunden bleibt und dies zum Abschluss des Longplayers mit der Heimweh-Hymne „River In The Rain“ mehr als eindrucksvoll symbolisiert.

Joshua Hedleys zweites Album „Neon Blue“ vermittelt die absolute Verbundenheit mit der Musik, die er mit einfachen Worten beschreibt: „The sound is modern, but it’s still discemibly country“! Eine Aussage, die in ihrer großzügigen Bescheidenheit als Understatement eines Anwärters auf eine Nominierung für das „Album Of The Year“ uneingeschränkt neue Fans bescheren dürfte.

New West Records (2022)
Stil: Country

Tracks:
01. Broke Again
02. Country & Western
03. Old Heartbroke Blues
04. The Last Thing In The World
05. Down To My Last Lie
06. Free (One Heart)
07. Neon Blue
08. Bury Me With My Boots On
09. Found In A Bar
10. Let’s Make A Memory
11. Wonder If You Wonder
12. River In The Rain

Joshua Hedley
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Charley Crockett – Lil’ G. L. Presents: Jukebox Charley – CD-Review

Review: Michael Segets

Charley Crocketts Veröffentlichungen folgen Schlag auf Schlag, zuletzt im Halbjahresrhythmus. Die Schlagzahl kann er einlegen, da er sich gerne am Fundus der Country- oder Bluesgeschichte bedient und ältere Titel covert. Unter seinem alter ego Lil‘ G. L. greift er auf „Lil’ G. L. Presents: Jukebox Charley” erneut in die Schatzkiste des Countrys aus vergangenen Tagen.

Ähnlich wie Lucinda Williams, die sich in ihrem Coverprojekt Beiträgen des Genres aus den 1960ern zuwandte, gewinnt auch Crockett den Songs einen eigenen Sound vor allem durch seinen Gesang ab. Da seine Arrangements semi-akustisch gehalten sind, wirken sie jedoch in einem stärkeren Maße traditionsverbunden. Mit seinem New Traditional Country schwimmt Crockett zurzeit auf einer Erfolgswelle. Er verzeichnet mittlerweile 155 Millionen Streams – die Hälfte davon im vergangenen Jahr. Sein letztes Album „Music City USA“ hielt sich sechs Wochen auf Platz 1 der Americana-Radio-Charts. Crockett hat also wenig Grund, etwas grundlegend zu ändern.

Bei der Auswahl der Stücke meint Crockett allerdings, ein Risiko eingegangen zu sein, da er auf keine geläufigen Titel setzt. Mit Ausnahme von Willie Nelson („Home Motel“) ist mir die Riege der Songwriter unbekannt. Dies sagt natürlich wenig über die grundsätzliche Qualität der Musik, aber insgesamt bleiben die einzelnen Tracks und Interpretationen tastsächlich kaum im Ohr.

Wie gewohnt setzt Crockett auf Twang und Steel Pedal („Lonely In Person“, „Jukebox Charley“, „Out Of Control“). Etwas Varianz bringt er durch Pfeifen („Where Have All The Honest People Gone”) und Doo Wop im Background („Heartbreak Affair”) ein. Ein paar Balladen („Same Old Situation”) stehen neben den Midtempo-Stücken in herkömmlicher Country-Manier („Battle With The Bottle”, „ Between My House And Town”). Insgesamt stellt „Jukebox Charley” ein unaufgeregtes und unaufregendes Album dar, das sich an Traditionalisten richtet.

Aber Crockett kennt seine Zielgruppe und beweist mit der Auswahl seiner ersten Single einmal mehr ein sicheres Händchen. „I Feel For You” ist der beste Track des Longplayers und spricht mit einem eingängigen Refrain sowie einer souligen Performance nicht allein die Country-Enthusiasten an. Weitere Highlights des Albums sind der lockere Opener „Make Way For A Better Man” sowie das Traditional „Diamond Joe”. Kurz vor Schluss folgt dann noch „Six Foot Under”, das unter den Songs hervorsticht.

Charley Crockett ist ein Arbeitstier. Nicht nur die schnelle Folge seiner Veröffentlichungen, sondern auch sein unermüdliches Touren zeigen dies. Bis Mitte Mai sind 35 Auftritte in den USA angekündigt, dabei supportet er zweimal Willie Nelson. Wann er wieder nach Europa kommt, bleibt noch offen.

Mit „Lil’ G. L. Presents: Jukebox Charley” setzt Charley Crockett seine Reihe von Coveralben fort. Er nimmt sich eher unbekannten Songs aus der Frühzeit des Country an und arrangiert diese gewohnt stilvoll. Neben ein paar Highlights erscheinen die Titel und Interpretationen im Vergleich zu früheren Longplayern etwas schwächer. Crockett revolutioniert das Genre nicht, hält es aber in Erinnerung. Bislang ist das Konzept aufgegangen und so bleibt zu vermuten, dass auch dieses Album seine Hörer findet.

Son Of Davy – Thirty Tigers/Membran (2022)
Stil: Country

Tracks:
01. Make Way For A Better Man
02. I Feel For You
03. Lonely In Person
04. Diamond Joe
05. Where Have All The Honest People Gone
06. Home Motel
07. Jukebox Charley
08. I Hope It Rains At My Funeral
09. Heartbreak Affair
10. Battle With The Bottle
11. Out Of Control
12. Six Foot Under
13. Same Old Situation
14. Between My House And Town

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Paul Cauthen – Country Coming Down – CD-Review

Review: Michael Segets

Paul Cauthen führt mit „Country Coming Down“ den Weg fort, den er auf „Room 41“ einschlug. Country, Disco, R&B und etwas Rap treffen sich in einer eigenwilligen Kombination. Das funktioniert mal besser, mal weniger gut. Cauthen verbindet Provokation mit einer Portion Selbstironie, wenn man beispielsweise das „Video zur Single „Country As Fuck“ anschaut. Der Song sollte laut gespielt werden und zählt sicherlich zu den eher gelungen Experimenten auf der CD.

Cauthen nutzt elektrische Spielereien oftmals so ausgiebig, dass Songs wie „Country Clubbin‘“, „Campagne And A Limo 2“ oder „Cut A Rug“ letztlich mit Country nicht mehr viel zu tun haben und auch sonst weder Fisch noch Fleisch sind. Der Bariton von Cauthen, der für den Country gemacht scheint, baut einen künstlichen, gewollt wirkenden Kontrast zur instrumentellen Gestaltung der Titel auf. Das Schlagzeug hört sich bei einigen Tracks sehr nach Plastik an. „High Heels“ könnte mit dem eingängigen Refrain eine gute Nummer sein, wenn das Arrangement erdiger wäre.

Seine Stimmgewaltigkeit stellt Cauthen bei „Caught Me At A Good Time“ in den Vordergrund. Auf „Till The Day I Die“ erzeugt sein Gesang eine gewisse Dramatik, die nicht von der eher poppigen Untermalung unterstützt wird. Deutlich stimmiger ist da „Roll On Over“, bei dem Cauthen auf effektheischende Einsprengsel verzichtet und sich auf seine Stimme konzentriert sowie auf eine solide Bandbegleitung setzt.

Höhepunkt des Albums stellt „Fuck You Money“ dar. Cauthen rockt hier unterstützt von kräftigen Riffs und Solo der E-Gitarre. Im Gegensatz dazu und zu den anderen Stücken zeigt sich Cauthen beim Titeltrack von einer akustischen Seite. Zum Abschluss des Longplayers kommt somit ein ruhiger, runder Countrysong zu Gehör.

Paul Cauthen bereichert als Produzent (Leah Blevins) und mit seinen eigenen Veröffentlichungen die Country-Sparte und überschreitet deren Grenzen. Der Einbezug elektrischer Elemente und die Verbindung zu populären Musikstilen war auf „Room 41“ noch innovativ, auf Dauer bleibt aber fraglich, ob dieses Konzept tragfähig ist. Vielleicht bin ich aber auch schon zu alt, um mich länger auf diesen Sound einzulassen.

„Country Coming Down“ kann als Fortführung seines vorangegangenen Albums angesehen werden. Die synthetischen Elemente der Musik im Zusammenspiel mit seiner Stimme bilden ein Spannungsfeld, das nicht durchgängig zündet. Der innovative Einfall dieser Verbindung scheint ausgeschöpft zu sein. Vollständig überzeugt letztlich nur das rockige „Fuck You Money“. Hoffentlich kündigt sich mit ihm eine neue Richtung an, in der Paul Cauthen seiner Kreativität und seinem bissigen Humor freien Lauf lässt.

Velvet Rose – Thirty Tigers/Membran (2022)
Stil: Country and more

Tracks:
01. Country As Fuck
02. Caught Me At A Good Time
03. High Heels
04. Country Clubbin’
05. Campagne And A Limo 2
06. Fuck You Money
07. Cut A Rug
08. Till The Day I Die
09. Roll On Over
10. Country Coming Down

Paul Cauthen
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High South – Peace, Love & Harmony Revisited – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Zwei Jahre nach ihrem letzten Studio-Album ist die US-Band High South aus Nashville, TN, mit einer Limited-Doppel-CD Edition erneut am Start. „Peace, Love & Harmony Revisited“ ist die gelungene Fortsetzung des bisherigen Westcoast Sounds, der u.a. an die stilprägende Epoche von Crosby, Stills and Nash, The Eagles und The Byrds grandios erinnert.

Mit 11 feinen Studio-Tracks, zum Teil Alternativ-Versionen eigener Kompositionen, aber auch ansprechenden Cover-Songs, wie „Ventura Highway“ (America), „The Weight“ (The Band), „Suite Judy Blue Eyes“ (CSN) und nicht zu vergessen „If You Want Get To Heaven“ (Ozark Mountain Daredevils) liefern High South eine ganze Reihe musikalischer Glanzstücke ab, die auf dem zweiten Silberling durch einen Konzert-Mitschnitt „Live in Woodstock“ und 13 Tracks ergänzt werden.

Als Produzent ist Josh Leo (u.a. Glenn Frey, Nitty Gritty Dirt Band) wieder mit von der Partie, der für die Studio-Sessions erfahrene Gastmusiker eingeladen hatte. Neben Devon Pangle (John Fogerty Band), Jack Pearson (The Allman Bothers), Steve Mackey (The Wallflowers) waren auch Tony Harrell (u. a. Toby Keith) und NIR Z (u. a. John Mayer) Special-Guests.

Diese Unterstützung ist bei den neuen Eigenkompositionen wie zum Beispiel „Every Road Feels Like Home“ und „420 on 62“ zu spüren, die durch starke Gitarren- und Harmonica-Parts neben den durchweg erstklassigen Gesangsharmonien besonders auffallen.

Eine mitreißende Konzertstimmung bietet auch die live in Woodstock-CD mit den beiden Erstveröffentlichungen („Dig It“ und „Candy Apple Jane“). Die Aufnahmen lassen die Ausstrahlung der Band und den begeisternden Sound des allgegenwärtigen Westcoast-Spirits zwischen Americana und Country in eigener Faszination freien Lauf.

Die drei High South-Mitglieder Kevin Campos (Vocals, Acoustic-Guitar), Jamey Garner (Vocals, Acoustic-Guitar, Harmonica) und Phoenix Mendoza (Vocals, Acoustic & Electric Guitar, Horns) haben mit der „Revisited“ – Ausgabe eine bemerkenswerte Ergänzung zum „Peace, Love & Harmony“ Album (2020) nachgelegt.

Der neue Longplayer kommt rechtzeitig zur bevorstehenden Tournee 2022, die ab dem 01.04. in über 25 Locations in Deutschland, Österreich und der Schweiz terminiert ist. Auch für Fans von Tom Petty, den Doobie Brothers, CSN, und den Eagles ist „Peace, Love & Harmony Revisited“ von High South ein gut produziertes musikalisches Sammlerstück, das den besonderen Spaß an den legendären Sounds der Westcoast-“Gründerjahre“ aufrechterhält.

Eigenproduktion (2022)
Stil: Folk Rock, Westcoast, Country

Tracks:
CD 1
01. Peace, Love And Harmony (Alternate Version)
02. If You Wanna Get To Heaven
03. Every Road Feels Like Home
04. 420 ON 62
05. All Over But The Cryin
06. Slow Burn
07. All I Want Is You
08. Ventura Highway
09. Suite: Judy Blue Eyes
10. The Weight
11. Joshua Tree (Acoustic Version)

CD 2 (Live in Woodstock)
01. If You Wanna Get To Heaven
02. Dig It
03. 420 On 62
04. Ghost Town
05. Joshua Tree
06. Leaving California
07. Roll That Stone Away
08. Make It Better
09. Everybody’s Getting High On Something
10. Let’s Get High
11. Candy Apple Mary
12. Peace, Love And Harmony
13. Love Ain’t Gonna Let You Down

High South
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Elles Bailey – Shining In The Half Light – CD-Review

Elles Bailey zählt zu den Künstlerinnen, die bei den Dingen, die wir in ihrer Sache bisher im SoS beleuchtet haben, allesamt restlos überzeugen konnte. Zum einen bei ihren beiden starken Konzerten 2018 und 2019 im heimeligen topos in Leverkusen und auf ihren beiden bis dato veröffentlichten Silberlingen, wobei sie bei ihrem Debüt „Wildfire“ sogar den geschätzten Kollegen Segets begeisterte, der ja für seinen überwiegenden Faible für eher verschrobene Musik bekannt ist.

Am 25. Februar erscheint nun ihr drittes Werk „Shining In The Half Light“, das zum ersten Mal (vermutlich der Pandemie und auch den zu dieser Zeit zu erwartenden Mutterfreuden der Protagonistin geschuldet) komplett in den Middle Farm Studios  im englischen Devon entstanden ist (bei den Vorgängern war Elles ja zum Teil auch nach Nashville gereist).

Assistiert und geholfen haben ihr in Sachen Songwriting Leute wie Ash Tucker, Will Edmunds, Martin Harley, Matt Owens von der Indie-Folk-Band Noah And The Whale, Alex Maile, Tamara Stewart, Brett Boyett sowie ihr sympathischer Gitarrist Joe Wilkins, der sich auch wieder für die formidable Saitenarbeit verantwortlich zeigt. 

Bassist Matthew Waer, Jonny Henderson an den Keys und Drummer Matthew Jones vervollständigten den instrumentellen Teil, Izo Fitzroy, Jade Elliot sowie Andrusilla Mosley sorgten für herrlich gospelige Harmoniegesänge, Dan Weller (Enter Shikari) übernahm die Produktion der Scheibe.

Elles Bailey ist für mich eindeutig die amerikanischste Britin, die ich bisher rezensieren durfte. Nicht nur ihrer Stimme wegen, die mich zu einem großen Teil in ihrer Gewalt und Variabilität an die grandiose Sängerin Wynonna erinnert, sondern vor allem dank des stark südstaatlich geprägten Sounds, der von swampigen Slide-Gitarren, Southern Rock-artigem und countryesken Sound, nicht zu vergessen den weiblichen Backgroundvocals, bestimmt wird.

Gerade die drei ersten Stücke „Cheats And Liars„, „The Game“ und „Stones“ werden unserer Southern Rock-Klientel Freudentränen in die Augen treiben, was aber auch für die ruhigeren Sachen gilt, die nur so vor Southern Soul und Countryfeeling strotzen und bei denen die überragenden Lead vocals von Bailey noch besser zum Tragen kommen.

Klaro, bei Tracks wie dem mit wummernder Orgel und rockigen E-Gitarren angeschobenen „Sunshine City“, das auch gut auf Whitesnakes damaliges „Ready ‚An Willing“ gepasst hätte, oder dem abschließenden Titelsong „Shining In The Half Light“ mit einem unterschwelligen psychedelischen Bad Co.-Flair, blinzelt der britische Ursprung dann auch mal hervor.

Kommen wir am Ende zu den Ungerechtigkeiten dieser Welt. Während ihrer Landsmännin Adele die Welt stilübergreifend zu zu Füße liegt, vom Finanziellen ganz zu schweigen, wird Elles Bailey wohl, trotz einiger Aufseher, wie die Wahl zum ‚UK Blues Artist of the Year 2021‘ oder einer Nominierung zum ‚Artist of the Year‘ bei den UK Americana Awards 2022, weiterhin eher ihrem sparteninternen Insiderstatusleben fristen müssen.

Dabei kann sie auf eine mindestens ebenso, wenn nicht sogar  ausdrucksstärkere Stimme als der Star aus London verweisen und die bessere Musik, wie es auch „Shining In The Half Light“ wieder beweist, macht sie ohnehin schon immer…

Outlaw Music – (2022)
Stil: Blues/(Southern) Rock/Country/Roots

01. Cheats And Liars
02. The Game
03. Stones
04. Colours Start To Run
05. Different Kind Of Love
06. Who’s That
07. Sunshine City
08. Halfway House
09. Riding Out The Storm
10. Shining In The Half Light

Elles Bailey
Elles Bailey bei Facebook
V2 Records & Bertus Musikvertrieb

 

 

 

Kommen wir am Ende zu den Ungerechtigkeiten dieser Welt. Während ihrer Landsmännin Adele die Welt stilübergreifend zu zu Füße liegt, vom Finanziellen ganz zu schweigen, wird Elles Bailey wohl weiterhin, trotz einiger Aufseher, wie die Wahl zum ‚UK Blues Artist of the Year 2021‘ oder einer Nominierung zum ‚Artist of the Year‘ bei den UK Americana Awards 2022, eher ihrem sparteninternen Insiderstatus fristen müssen.

Dabei kann sie auf eine mindestens ebenso, wenn nicht sogar  ausdrucksstärkere Stimme verweisen und die bessere Musik macht sie ohnehin schon immer…

Outlaw Music – (2022)
Stil: Blues/(Southern) Rock/Country/Roots

01. Cheats And Liars
02. The Game
03. Stones
04. Colours Start To Run
05. Different Kind Of Love
06. Who’s That
07. Sunshine City
08. Halfway House
09. Riding Out The Storm
10. Shining In The Half Light

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Kommen wir am Ende zu den Ungerechtigkeiten dieser Welt. Während ihrer Landsmännin Adele die Welt stilübergreifend zu zu Füße liegt, vom Finanziellen ganz zu schweigen, wird Elles Bailey wohl weiterhin, trotz einiger Aufseher, wie die Wahl zum ‚UK Blues Artist of the Year 2021‘ oder einer Nominierung zum ‚Artist of the Year‘ bei den UK Americana Awards 2022, eher ihrem sparteninternen Insiderstatus fristen müssen.

Dabei kann sie auf eine mindestens ebenso, wenn nicht sogar  ausdrucksstärkere Stimme verweisen und die bessere Musik macht sie ohnehin schon immer…

Outlaw Music – (2022)
Stil: Blues/(Southern) Rock/Country/Roots

01. Cheats And Liars
02. The Game
03. Stones
04. Colours Start To Run
05. Different Kind Of Love
06. Who’s That
07. Sunshine City
08. Halfway House
09. Riding Out The Storm
10. Shining In The Half Light

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Walk That Walk – You Good.?! – CD-Review

Walk That Walk ist ein Quartett, das sich bis dato einen Namen in der Bostoner Blues-Szene gemacht hat, aber, zumindest auf diesem Album mit dem Titel „You Good.?!“, ihren Blues mit Elementen bereichert, die man eher in südstaatlichen Gefilden wahrnimmt.

Dies kann man schon an den genutzten Instrumenten des Bandleaders, Lead-Vokalisten (tolle raue Stimme irgendwo zwischen Roger Chapman und Billy Gibbons) und auch Produzenten dieses Werks, Chuck ‚Poppa C‘ DeSnyder, erkennen, der sich für Gitarren, Slide und Dobro verantwortlich zeigt, aber auch denen des Gastmusikers Pappy Biondo, der mit Gitarre, Banjo, Fiddle und Dobro eine wichtige Rolle spielt.

Das etatmäßige Line-up wird noch durch Jon ‚Gutlet‘ Reese am Bass, James ‚Stickman‘ Waldron an der Mundharmonika und Alan Waters am Schlagzeug vervollständigt. Weitere recht markante Akzente setzen Rebecca Jean Smith mit schönen weiblichen Harmonyvocals und der überragende Ray Paczkowski, der mit einigen Orgelspielereien und viel Pianogeklimper ebenfalls einen wesentlichen Stempel aufdrückt.

Meine beiden Favoriten der CD sind direkt der Opener „I’m The Man“, der durch seinen „After Midnight“-Groove mit reichlich J.J. Cale-Flair daherkommt und das originell gemachte „All Kinds Of Alcohol“, wo DeSnyder und die weitere Gastsängerin namens Queen E, zu einer bluesigen Untermalung, eine Art  typische Thekenunterhaltung führen und sich ein humorvolles Frage- und Antwortspiel liefern. Klasse gemacht, schön finde ich die Passage, wo er sie fragt: „Whatya think of my singin‘? Sie: „You know what I tell people about your singin‘?“ Er: „Well, what do you say?“ Sie:  I tell ‚em that you are a really good guitar player!“

„Country Boy Strong“ kommt, wie es der Titel vermuten lässt, countrylastig, in „Detroit Rumble“ werden Musiker aus der Region wie u. a. Bob Seger und Mitch Ryder textlich gewürdigt, der Rest ist klasse und authentisch performter Blues, mal rockiger, mal traditioneller, wobei die hier und da eingebrachte quäkige Harp auch für ein wenig Deltaspirit sorgt.

Da ich mal davon ausgehe, dass Walk That Walk in unseren Sphären eine eher unbekannte Variable darstellen, darf man der hiesigen Blues-Interessen-Gemeinde ihr Album „You Good.?!“ guten Gewissens als Tipp empfehlen. Wirklich gut gemacht!

Eigenproduktion (2021)
Stil: Blues & More

Tracklist:
01. I’m The Man
02. You Good.?!
03. Detroit Rumble
04. After Hours
05. The Workin‘ Blues
06. Country Boy Strong
07. Gone Fishin‘
08. All Kinds Of Alcohol
09. It’s Cocktail Time

Walk That Walk
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