Arkansas Dave – Live At Music In The Park – Montreux Jazz Festival – CD-Review

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Viele bekannte Musiker haben im Laufe ihrer Karriere die Einladung zum renommierten Montreux Jazz Festival genutzt, um den Auftritt als Live-Scheibe zu veröffentlichen, wie z.B. Van Morrison, Canned Heat, Deep Purple.

Dass der US-amerikanische Blues Rocker, Arkansas Dave, das Montreux Konzert vom 05. Juli 2018 bereits als sein zweites Album auf den Markt bringt – das Solo Debüt war damals gerade erst erschienen – lässt die schnell gereifte Überzeugung vermuten, dieser Auftritt vor einem verwöhnten und kritischen Publikum rechtfertige den Ruf auf die angesehene Bühne.

Der aus Little Rock, Arkansas, stammende und nach Austin, TX, „ausgewanderte“ Gitarrist, Sänger und Songwriter, Dave Pennington wollte diese Live-Aufnahme, nach eigener Aussage, als den Höhepunkt einer 25 Shows umfassenden Europa Konzertreise, unbedingt veröffentlichen. Das Album zeigt eine hervorragend eingespielte Band, mit großer Bläser Combo, die durchgängig den Sound von Arkansas Dave begleitet.

Nach der Ansage durch den Veranstalter beginnt Dave mit der vielversprechenden Begrüßung „We play some Rock ’n‘ Roll“ und setzt diese Ankündigung sofort zielstrebig mit „Bad To Being Good“, einer schnellen Rock Nummer, und dem folgenden „Think Too Much“ – beides vom selbst betitelten Solo Album – unmittelbar in die Tat um.

„Come Back To Me“, ein ebenfalls schöner, bläsergestützter Blues, bildet anschließend den Übergang zu „Bad Water“, einem großartigen Blues-Rock-Song, dessen schneller Refrain im Wechsel mit den langsamen Gesangspassagen in der 7-Minuten Live-Fassung bleibenden Eindruck hinterlässt. Die Interpretation des Tom Waits Songs „Chocolate Jesus“ ist eine ambitionierte Aufnahme, inklusive passender Bläser- und Gitarrensoloarbeit.

Das etwas an „The Doors“ angelehnte „Squeaky Clean“, wirkt durch seinen wiederkehrenden, dominanten Sprechgesang in Form eines eigenwilligen Blues-Tracks und erinnert damit an „alte Zeiten“. Als schöner Soul-Blues kommt „The Wheel“ angerollt, und leitet über in den langsamen Blues-Song „Rest Of My Days“, der erneut die Stärke der eingespielten Background-Bläser-Truppe unter Beweis stellt. Dieser fette Bläser-Sound wird auch auf „Honey Bee“, einem Stück von Tom Pettys „Wildflowers“-LP fortgesetzt, das als Blues-Rock-Version für das Konzert typisch ist.

Dies gilt ebenso für das treibende Medley „Black Draws/Let’s Have A Party“, das gegen Ende des Gigs als schneller Rock’n’Roll-Song konzipiert ist und die Band in eine intensive Jam-Session führt. Der eigentliche Abschluss-Track „On My Way“ wird als starker Texas-Blues-Boogie im Stile von Canned Heat auf den Punkt gebracht; leider kommt hierbei die Vorstellung der einzelnen Band-Mitglieder mit ihren persönlichen Solo-Einsätzen etwas zu kurz.

Insgesamt ist das Album „Arkansas Dave In Concert“ die gelungene Performance einer noch jungen Blues-Rock-Formation, die ihre eigene musikalische Ausrichtung auch nach dem zweiten Longplayer und prominenten Einfluss-Effekten hoffentlich noch weiter zielstrebig konsequent ausbauen kann.

Big Indie Records (2019)
Stil: Blues, Country

Tracklist:
01. Intro
02. Bad At Being Good
03. Think Too Much
04. Come Back To Me
05. Bad Water
06. Chocolate Jesus
07. Squeaky Clean
08. The Wheel
09. Rest Of My Days
10. Honey Bee
11. Diamonds
12. Black Draws/Let’s Have A Party
13. On My Way

Arkansas Dave
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Oktober Promotion

Ned LeDoux – Next In Line – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Schon mit dem Albumtitel seines zweiten Longplayers „Next In Line“ lässt Country-Musiker Ned LeDoux keinen Zweifel daran, welches musikalische Erbe uns erwartet: Er ist als „nächster in der Reihe“ und meint damit die musikalischen Stiefel seines Vaters Chris LeDoux, der über 30 Jahre lang im Musik-Business aktiv war (inklusive 30 LP-Veröffentlichungen). Die Country-Musik liegt eindeutig im Blut und verpflichtet, die Familientradition fortzusetzen.

Seit 1998 spielte Ned als Drummer bei „Western Underground“, der Begleitband seines Vaters, und spürte den „Stallgeruch“ der Country-Szene, wie er es beschreibt: „Once I got the taste oft he road, and being in front of a crowd and just the sound of it, it was…freedom.“

Nach seinem erfolgreichen Debüt „Sagebrush“ (2017) bringt der mittlerweile 42-jährige aus Kaycee, Wyoming, nun sehr persönliche Geschichten und Erfahrungen in das neue Album ein. Viele Songs der LP handeln von den eigenen Country-Roots und den Personen, die ihn als Vorbilder geprägt haben. So widmet LeDoux in familiärer Verbundenheit gleich mehrere Songs seinem Großvater („Worth It“), seinem Bruder („A Cowboy Is All“) und natürlich seinem Vater („Homegrown Western Saturday Night“).

Besonders seine Jahre als Drummer von „Western Underground“ haben die Songauswahl für „Next In Line“ beeinflusst. Ned LeDoux wollte Tempo-Songs, die er selbst gerne am Schlagzeug spielen würde. An seiner Seite ist wieder der erfahrene Produzent Mac McAnally, mit dem Ned bereits das Vorgängeralbum eingespielt hat.

Der erste Song „Old Fashioned“ ist so ein Stück über seine Vergangenheit:„This song pretty much describes where I came from and the lessons I learned growing up that I still carry on to this day.“ Diese Begeisterung aus den Anfangsjahren hat sich Ned erhalten und die Tracks spiegeln durchweg einen bodenständigen Sound, wie z.B. das mit flinker Fiddel und famoser Lap-Steel Begleitung intonierte „Dance With You Spurs On“. Auch der folgende Titelsong „Next In Line“ vermittelt diese, glaubwürdige Atmosphäre einer unkomplizierten Country-Hymne, die in ihren Lyrics die eigentliche Intention des Songwriters deutlich macht.

Der Radio-Chart-Hit des Albums ist „Where You Belong“, ein Up-Beat-Song im Heartland-Rock-Charakter, und ebenfalls ein Stück, das seine Heimatliebe zum Ausdruck bringt. Auf „Just A Little Bit Better“ spielt LeDoux zusammen mit Produzent Mac McAnally, der neben Chris Stapleton als Songwriter gewirkt hat. Für einen Cover-Song wagt sich Ned an John Fogertys „Almost Saturday-Night“ und liefert eine klassische Country-Version des alten Rock-Krachers ab.

Mit einer ausdrucksstarken Hommage an seinen 2005 verstorbenen Vater beendet Ned LeDoux „Next In Line“ und punktet insgesamt durch seine überzeugende und natürliche Mentalität. Auf dem langen Weg zu musikalischen Ehren ist „Next In Line“ ein weiterer, großer Schritt und zeigt den starken Willen ein besonderes Erbe anzutreten – ein ehrgeiziges Ziel… für den nächsten in der Reihe.

Powder River Records (2019)
Stil: Country, New Country

Tracklist:
01. Old Fashioned
02. Worth It
03. Dance With You Spurs On
04. Next In Line
05. A Cowboy Is All
06. Where You Belong
07. Travel Alone
08. Path Of Broken Dreams
09. Just A Little Bit Better (feat. Mac McAnally)
10. Almost Saturday Night
11. Great Plains
12. Chris LeDoux Intro
13. Homegrown Western Saturday Night

Ned LeDoux
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Oktober Promotion

Holman Autry Band – Roots – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Der ungebrochene Ehrgeiz, das „eigene Ding“ zu machen, ist in der 12-jährigen Bandgeschichte der Holman Autry Band aus Madison County, Georgia, die konstante musikalische Triebfeder geblieben. Auch ihre neue, fünfte Scheibe „Roots“ entwickelt trotz vertrauter Einflüsse, die aus den weiten Gefilden des Southern und Country Rock zu spüren sind, ein maßgeschneidertes Eigenleben. Diese Maßarbeit verdankt die Combo u.a. wieder einmal Davis Causey, ihrem Freund und Produzenten, der den 12 „Original“ Holman Autry Songs den großartigen Studio-Sound verpasst.

Schon mit dem ersten Track „Keys In The Truck“ kommt die Band in der schnellen Südstaaten-Rock-Kategorie“ (Dickey Betts lässt grüßen) auf Touren. Sie erinnert im nächsten sehr eingängigen Country-Rock „Square“ an ihre Idole und im Refrain augenzwinkernd daran, dass die Holman Autrys einen Vergleich mit diesen bisweilen nicht scheuen müssen. Die Bandmitglieder Brodye Brooks (Lead Gitarre), Casey King (Vocals und Bass Gitarre), Josh Walker (Vocals und Rhythmus Gitarre) und Brandon Myers (Schlagzeug) sind alle „self-taught musicians“, die sich schon seit der Highschool-Zeit kennen und bei Sounds of South mittlerweile als Review-Stammgäste angekommen sind.

In der Interpretation, das gesamte Album als „Black Label Country“, also einer eigenen Stilrichtung zu bezeichnen, hat die Band auch den Titelsong „Roots“ melodisch einfallsreich und in gewisser Weise experimentell ausgestaltet – ein klassischer Mid-Tempo Südstaaten-Rock verbindet sich mit typischen Gospel-Soul-Rhythmen zum Ohrwurm. Dass diese spirituellen Wurzeln in der Country-Musik ebenfalls ihren Platz haben, belegt die folgende einfühlsame Akustik-Nummer „Jesus In Jail“ nicht nur im Storytelling, sondern bringt, wie der fünfte Titel „Cotton Gin“, althergebrachte Folk- und Bluegrass-Weisen wörtlich ins Spiel einer mehr als unterhaltsamen Scheibe.

Ein Portrait der amerikanischen Provinz und deren originellen Eigenheiten gelingt der Holman Autry Band weiterhin beim geradezu „leichtfüßig“ daher kommenden „Dam Fishing“, das im Country Rock Stil und Mitsing-Refrain wirkungsvoll hängen bleibt. Sowie bei der mittel-schweren Blues-Rock-Nummer „Louisiana Lucy“ mit ausgeprägter E-Gitarren-Dominanz. Die gefühlvoll-angenehme Gitarren-Arbeit auf dem achten Stück „Small Price“ findet ihre vertraute Klangatmosphäre vergleichbar durchaus bei den Eagles wieder, während die „Great American Tragedy“ als intensive Southern-Rock-Sound-Collage mit balladenartiger Struktur auch bei den Drive-By Truckers für Begeisterung gesorgt hätte.

Diese unbekümmerte, aber gleichwohl erfrischende, eigene Songschmiede der Holman Autry Band liefert im Anschluss mit „Something Old“ schließlich wie selbstverständlich den alternativen Mid-Tempo Highway-Country-Song, der vom Riff-Gewitter des markanten Southern-Rock-Blues „Your Own Desaster“ im unverkennbaren Skynyrd-Mythos abgelöst wird. Den Abschluss der Scheibe bildet die langsame Country-Rock-Ballade „Where The Song Went“ und fordert damit unvermittelt zum „Play It Again!“ auf.

Nach „Sweet Southern Wind“ (2009) und „Electric Church“ (2016) hat die Holman Autry Band mit dem bemerkenswerten Album „Roots“ erneut einen starken Longplayer vorgelegt, der ihre Songwriting-Qualitäten nochmals bestätigt und die musikalischen Wurzeln der Gruppe im breiten Umfeld des Southern- und Country-Rock energiegeladen präsentiert.

Eigenproduktion (2019)
Stil: Southern Rock, Country

01. Keys In The Truck
02. Square
03. Roots
04. Jesus In Jail
05. Cotton Gin
06. Dam Fishing
07. Louisiana Lucy
08. Samall Price
09. Great American Tragedy
10. Something Old

Holman Autry Band
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North Mississippi Allstars – Up And Rolling – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Zurück zu den musikalischen Wurzeln! Das scheint der Leitgedanke der North Mississippi Allstars auf ihrer neuen CD „Up And Rolling“ zu sein.

Was das Stöbern in alten Fotoalben doch so alles bewirken kann: Die Inspiration für die Aufnahmen kam den Dickinson-Brüdern durch Bilder des texanischen Fotografen Wyatt McSpadden der 1996 die Hill Country Blues-Szene in Mississippi dokumentierte. Die Songs auf dem 10. Studioalbum sind daher in erster Linie eine Würdigung und Anerkennung regional beachteter Künstler wie Otha Turner und Junior Kimbrough.

Die große Bedeutung der Einflüsse dieser Künstler durchströmt die Recordings der Band, die damit auch ihre eigene biographische Note ins Album einbringt. Das leicht desert-rockige aber vom Fife-And-Drum-Stil dominierte „Call That Gone“ ist ein außergewöhnlicher und exzentrischer Einstieg ins neue Album.

Der nicht nur Sound-technisch im Spill The Wine-Style produzierte Titel-Track „Up And Rolling“ ist ein auch textlich in Drogen-Bezügen verankerter Song und erinnert noch mal an die „Botschaft“ dieses Longplayers: „We love to play these hill country blues ‚til you satisfied“.

Der Staple Singers Vintage-Gospel-Track und unwiderstehliche Stomper „What You Gonna Do?“ auf dem sich Mavis Staples höchstpersönlich dazu gesellt, ist eine berauschende Version des Hits vom 1965er Album „Freedom Highway“. Die Dickinson-Brüder haben zudem weitere hochkarätige Gäste für den Longplayer versammelt.

Auf dem T-Bone Walker Track „Mean Old World“ überkommt sogar dem Americana-Rocker Jason Isbell der Blues und auch Duane Betts scheint sich fernab des Southern-Rocks pudelwohl zu fühlen, als sich der Song am Ende zu einem 6-minütigen Boogie-Jam entwickelt.

Aber auch der Roadhouse Blues “Out On The Road” unter Beteiligung von Cedric Burnside (Sohn von Blues-Legende R.L. Brunside), das dunkel gestimmte „Lonesome In My Home“, das funkige “Bump That Mother” sowie die sozial-kritischen Ausflüge auf “Living Free” zeigen die vielseitigen Song-Arrangements dieser in Bestform aufgelegten North Mississippi Allstars.

Kris Kristoffersen-Country und Garth Brooks-Tendenzen gibt es auf dem Gospel getränkten “Take My Hand, Precious Lord”, auf dem ebenfalls Cedric Burnside mitwirkt. Das letzte Stück „Otha‘s Bye Bye Baby“ ist eine nachträgliche Ehrerbietung an Otha Turner, das Luther Dickinson 1996 mit dem Blues-Veteranen aufgenommen hat und damit jetzt einen denkwürdigen Schlusspunkt unter das neue Album setzt.

„Up And Rolling“ von den North Mississippi Allstars ist ein facettenreicher Longplayer, der sich gegen den überbordenden Pop-Arrangement-Trend in der Blues- und Country-Musik wendet und voller herzhafter, biographischer Komponenten und Bezüge der Südstaaten-Band ist.

Luther und Cody Dickinson zeigen mit ihrer neuen Scheibe, dass man mit kreativen Ideen und herausragenden Songwriting-Skills heutzutage immer noch ein klassisches Blues-Country-Album in der Tradition ihrer Heimat produzieren kann.

New West Records (2019)
Stil: Blues-Rock, Roots-Rock, Country

Tracklist:
01. Call That Gone
02. Up And Rolling
03. What You Gonna Do? (feat. Mavis Staples)
04. Drunk Outdoors
05. Peaches
06. Mean Old World (feat. Jason Isbell and Duane Betts)
07. Out On The Road (feat. Cedric Burnside)
08. Lonesome In My Home
09. Bump That Music
10. Living Free
11. Take My Hand, Precious Lord (feat. Cedric Burnside)
12. Otha‘s Bye Bye Baby (feat. Otha Turner)

North Mississippi Allstars
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Oktober Promotion

The Highwomen – Same – CD-Review

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The Highwomen sind ein neu formiertes Quartett, bestehend aus den vier Singer-/Songwriterinnen Brandi Carlile, Maren Morris, Amanda Shires und Natalie Hemby.

Wer unser Magazin aufmerksam liest, dem sind diese Namen, auch wenn keiner davon in unserer Interpretenskala zu finden ist, im einen oder anderen Artikel sicherlich schon mal begegnet.

Unweigerlich erinnert man sich an die Country-Super-Combo The Highwaymen, mit den allerdings gestandenen und allseits bekannten Recken Johnny Cash, Willie Nelson, Waylon Jennings und Kris  Kristofferson, die Mitte der Achtziger bis Mitte der Neunziger, mal im Kollektiv ein paar Zusatz-Dollar zu generieren suchten.

Marren Morris ist die mit Abstand jüngste im Bunde, allerdings vielleicht nicht zuletzt durch ihre Auftritte hier bei uns, vermutlich die kommerziell erfolgreichste.

Brandi Carlile hat uns vor kurzem besonders durch ihre starke Mitwirkung bei Tanya Tuckers Comeback Album erfreut.

Die Texanerin Amanda Shires ist für ihr filigranes Fiddle-Spiel, Gesänge in Richtung Emmylou Harris-Dolly Parton und als Ehefrau von Jason Isbell vordergründig bekannt.

Natalie Hemby hat neben ihren eigenen Sachen mit und für so ziemlich alles was Rang und Namen in der New Country-Szene hat Stücke kreiertm wie zum Beispiel die Eli Young Band, Carrie Underwood, Little Big Town, Keith Urban, Toby Keith, Blake Shelton, nur um ein paar zu nennen.

Ihre musikalische DNA wird direkt im schönen, mit einer Mark Knopfler-mäßig E-Gitarre begleiteten Opener „Highwomen“ proklamiert: „We’re the Highwomen, we sing of stories still untold, we carry the sons you can only hold, we are the daughters of the silent generations, you send our hearts to die alone in foreign nations, and may return to us as tiny drops of rain, but we will still remain.”

Im weiteren Verlauf erhält man trotz Unterstützung prominenter Gäste wie Sheryl Crow (Backgroundgesang, Bass), Yola (Gesang, Backgroundgesang), Dave Cobb (akustische/elektrische Gitarre), Jason Isbell (akustische/elektrische Gitarre), Phil Hanseroth (Bass, Backgroundgesang), Tim Hanseroth (Gitarre, Backgroundgesang), Chris Powell (Drums) und Peter Levin (Piano und Keyboards), recht dezent instrumentierte, countryeske Stücke (ähnlich wie auf Tanya Tuckers Album), die auf die Entfaltung der unterschiedlichen Gesangstypen und der vielen Harmoniegesänge, sowie die niveau- und humorvollen Texte (herrlich u. a. „Redesigning Women“, “My Name Can’t Be Mama”) fokussiert ist.

Mein Favorit ist das von von Jason Isbell mit kreierte und von Maren Morris angeführte, mit entspannt surrendem Slide hinterlegte, dezent Southern-angehauchte „Old Souls“. Hier stimmt von der Instrumentierung (klasse Slide-Solo) bis zu den Gesängen (Stevie Nicks-/Fleetwood Mac-Touch) einfach alles. Tolle Nummer.

Wer Spaß an beschriebenem Liedgut hat, und vielleicht die eine oder andere Bildungslücke mit (überwiegend traditioneller) Countrypowerfrauenmusik schließen möchte, der liegt bei den den vier Highwomen mit Morris, Hemby, Carlile und Shires goldrichtig. Ein absolut gelungenes Werk. Daher kann die Empfehlung nur lauten: „Take the Highwomen!“

MCA Nashville (2019)
Stil: Country Rock

01. Highwomen
02. Redesigning Women
03. Loose Change
04. Crowded Table
05. My Name Can’t Be Mama
06. If She Ever Leaves Me
07. Old Soul
08. Don’t Call Me
09. My Only Child
10. Heaven Is A Honky Tonk
11. Cocktail And A Song
12. Wheels Of Laredo

The Highwomen
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Charley Crockett – The Valley – CD-Review

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Review: Michael Segets

Charley Crockett hatte vergangenen Monat in der Kulturrampe im Rahmen seiner diesjährigen Europatournee Halt gemacht. Die letzten Konzerte in Spanien sind gerade gelaufen und die nächsten in den Vereinigten Staaten angekündigt. Nicht nur, wenn Crockett auf Konzertreise ist, erscheint er als rastloser Geist. Bereits als Jugendlicher trampte er durch die Staaten, lebte später in Europa und Afrika.

Ständig on the Road charakterisiert er seine selbst gewählte Lebensweise auf „The Way I’m Livin‘ (Santa Rosa)“ oder „Motel Time Again“. Ebenfalls autobiographische Züge trägt der Titelsong des neuen Albums „The Valley“. Bei ihm schildert Crockett seine Herkunft und die Anfänge seiner Sehnsucht, die ihn immer wieder in die Ferne zieht.

So unstet sein Lebenswandel auch erscheint, so bleibt er doch musikalisch auf seiner Linie, die zwischen Country und Blues liegt. Hatte er sich auf seinem Chart-Erfolg „Lil G.I.‘s Blue Bonanza“ (2018) dem Blues zugewandt, schlägt die Nadel bei „The Valley“ wieder stärker in Richtung Country aus, was sich ja bereits bei der Show in der Kulturrampe abzeichnete.

Da sind schnellere Varianten vorhanden, wie das einprägsame „Big Gold Mine“, oder auch langsame, wie „10,000 Acres“ und „Change Yo‘ Mind“. Die meisten Country-Nummern (u. a. „Excuse Me“ oder „Maybelle“), bewegen sich aber im mittleren Tempo. Die Titel orientieren sich von Machart und Instrumentalisierung mit Geige, Steel Pedal und Slide an den Genreklassikern. Sie haben den typischen Twang. Den erzielt Crockett auch auf „River Of Sorrow“, bei dem er Orgel und Trompete einbaut.

Unter den Country-Songs, die dem herkömmlichen Muster folgen, heben sich „It’s Nothing To Me“, auf dem Crockett etwas tiefer singt, und „Borrowed Time“ besonders hervor. Die Single, die Crockett zusammen mit Evan Felke (Turnpike Troubadours) geschrieben hat, glänzt durch einen sofort ins Ohr gehenden Refrain, auf dem Crocketts besonderer, metallischer Gesang hervorragend zur Geltung kommt.

Intensiv sind die beiden Songs „5 More Miles“ und „7 Come 11“. Bei ihnen wendet sich Crockett mehr seiner bluesigen Seite zu. „If Not The Fool“ ist in zwei Versionen auf dem Album vertreten. Die längere Version enthält ein gedämpft schnarrendes Trompetensolo, unterscheidet sich aber sonst nicht wesentlich von der anderen. Selbst in der Langversion knackt der langsame Blues nicht die vier Minutenmarke. Crocketts Stücke sind sowieso meist sehr kurz und selten länger als drei Minuten.

Schließlich findet sich ein vom Banjo begleiteter Folksong auf der Scheibe, der die Legende um John Henry aufgreift. Mit „9 Pound Hammer“ reiht sich Crockett ebenbürtig in die Tradition von Pete Seeger, Leadbelly oder Johnny Cash ein. Mit ihm erhöht Crockett die Klangvarianz auf seinem Longplayer, der insgesamt von ähnlich aufgebauten Country-Nummern geprägt wird.

Die Differenzierungen im Country-Bereich stellen ja eine Wissenschaft für sich dar. Ich habe letztens gelesen, dass es so etwas wie New-Traditional-Country gibt. Die Bezeichnung trifft die Mehrzahl der Songs von Crockett auf „The Valley“ ganz gut. Dabei gelingen ihm einige sehr schöne, eingängige Genrebeiträge. Tendenziell stechen aber die starken Titel mit Blues-Einschlag auf dem Album hervor. Sie bringen Abwechslung in das Werk und bleiben von ihm eher im Gedächtnis.

Son Of Davy / Thirty Tigers
Stil: Country, Blues

Tracklist:
01. Borrowed Time
02. The Valley
03. 5 More Miles
04. Big Gold Mine
05. 10,000 Acres
06. The Way I’m Livin‘ (Santa Rosa)
07. 7 Come 11
08. If Not the Fool (Long Version)
09. If Not the Fool (Short Version)
10. Excuse Me
11. It’s Nothing To Me
12. Maybelle
13. 9 Pound Hammer
14. River Of Sorrow
15. Change Yo‘ Mind
16. Motel Time Again

Charley Crockett
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Charley Crockett – 27.08.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Zum Abschluss der Sommerferien öffnete die Kulturrampe ihre Pforte für Charley Crockett. Mit der letztjährigen Top-Ten-Platzierung seines Albums „Lil G.I.‘s Blue Bonanza“ in den Blues-Charts ist Crockett in Amerika schon kein Geheimtipp mehr. Hierzulande hält sich sein Bekanntheitsgrad noch eher in Grenzen. So füllte sich nach einem schwülen Tag die Krefelder Kult-Location auch nur zur Hälfte.

Allerdings nahm ein Fan-Trupp aus Schwelm die 80-km-Anreise auf sich, um den Texaner und seine Band live zu erleben. Auffällig war zudem die relativ hohe Frauenquote unter den Besuchern. Der markante, metallische Gesang Crocketts und sein stylischer Retro-Look mögen dafür verantwortlich sein.

Pünktlich um 21.00 Uhr startete Crockett mit der aktuellen Auskopplung „5 More Miles“ aus seinem im September erscheinenden Album „The Valley“. Bei dem flotten Einstieg mit dem bluesinfiltrierten Stück sorgte Alexis Sanchez an der E-Gitarre für den besonderen Drive.

Zwar wurde mit „The Race Is On“ und „Lots Of Luck“ sein Chart-Erfolg berücksichtigt, den ersten Abschnitt des Konzerts dominierten aber die Titel des neu angekündigten Longplayers. Neben der starken ersten Single „Borrowed Time“ blieb vor allem „Big Gold Mine“ im Gedächtnis. „Maybelle“ – mit Pfeifeinlage – und „River Of Sorrow“ gab Crockett ebenso zum Besten wie die von „In The Night“ (2016) stammenden „Baby 1-2-3“ und „I Am Not Afraid“.

Charley Crockett ist schon in jungen Jahren durch die Staaten getrampt und lebte zeitweise in Frankreich, Spanien und Nordafrika. Seinen Freiheitsdrang sowie das Bedürfnis unterwegs zu sein, thematisiert er in „The Valley“ und „The Way I’m Livin‘ (Santa Rosa)“. Leider hat er weder zu diesen, noch zu anderen Songs, Erläuterungen gegeben.

Ich hätte mir ein paar Ansprachen oder eine stärkere Interaktion mit dem Publikum gewünscht. Angesichts der hohen Temperatur in der Rampe schien es die meisten Anwesenden allerdings nicht gestört zu haben, dass Crockett die Setlist straight durchspielte. Textsicher unterstützten sie ihn bei einigen Titeln und waren froh, dass sich Crockett nach dem Auftritt Zeit für Gespräche und Fotosessions in dem kühleren Vorraum der Rampe nahm.

Im zweiten Abschnitt der Show versammelte sich die Band, mit Ausnahme des Drummers Mayo Valdez, im Kreis um ein Mikro. Zum „Banjo-Pickin‘“ tauschte Crocket seine akustische Gitarre gegen ein Banjo aus und Multiinstrumentalist Kullen Fox griff zur Mandoline. Die Aufstellungsform ermöglichte es den Musikern abwechselnd – je nachdem, wie nah sie sich zum Mirko positionierten – in den Vordergrund zu treten. Eine schöne Idee, die ich so noch nicht auf der Bühne gesehen hatte.

Crockett bewegt sich auf seinen Longplayern zwischen Country und Blues. Während im ersten Teil des Konzerts der Schwerpunkt auf Country-Nummern lag, wurde die stilistische Bandbreite nach dem Banjo-Intermezzo größer. Mit Rock ’n Roll, R&B und Blues präsentierte Crockett und seine Männer eine gelungene Mischung.

Schwerpunktmäßig wurden in dieser Phase Tracks von der Scheibe „Lonesome As A Shadow“ (2018) gespielt. „How Long Will I Last“, „Lil‘ Girl’s Name“, „Oh So Shaky” und ich meine auch „The Sky’d Become Teardorps” sowie „Ain’t Gotta Worry Child”. Zuvor performte die Band „I Wanna Cry“ und „Goin’ Back To Texas” von diesem Album.

Colin Colby wechselte vom Upright- zum E-Bass und Crockett packte die E-Gitarre aus. Der Frontmann lebte dann auch auf der Bühne auf und präsentierte einzelne Tanzeinlagen. Während des gesamten Konzerts setzte Kullen Fox mit Keybord, Akkordeon und Trompete immer wieder schöne Akzente.
Natürlich durfte der Schunkler „Jamestown Ferry“ nicht fehlen, den es zu Beginn der Zugabe gab. Nach 75 Minuten verließen die Texaner, die ihre standesgemäßen Hüte trotz der Hitze nicht ablegten, die Bühne.

Charley Crockett hat einige hervorragende Songs im Programm. Er und seine Band lieferten insgesamt eine abwechslungsreiche Show, die im ersten Teil vielleicht ein etwas zu gleichförmiges Tempo hatte. Wie dem auch sei, die angereisten Fans waren hoch zufrieden und sogar Markus Peerlings ließ es sich nicht nehmen, der Band im Saal seiner Kulturrampe zu lauschen.

Crockett setzt nach seinem letzten Gig in Deutschland seine Europa-Tour in den Niederlanden, Belgien, England, Frankreich und Spanien bis Mitte September fort. Zur Veröffentlichung seines neuen Albums „The Valley“ kehrt Crockett nach Amerika zurück, wo sich weitere Shows anschließen.

Line-up:
Charley Crockett (lead vocals, guitar, banjo)
Alexis Sanchez (guitar)
Kullen Fox (accordion, keys, trumpet, mandolin, vocals)
Colin Colby (bass, vocals)
Mayo Valdez (drums)

Text und Bilder: Michael Segets

Charley Crockett
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Kulturrampe Krefeld

Vince Gill – Okie – CD-Review

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Der in Norman, Oklahoma, geborene Vince Gill, ist weit über Nashville hinaus, eine musikalische Institution. Er hat so ungefähr alles an Auszeichnungen eingeheimst, was möglich ist und mit mit allem, was Rang und Namen hat, schon das Studio oder die Bühne geteilt.

Zuletzt ist der Mann mit der warmen Tenorstimme und dem vornehmlich so fein klingenden Telecasterspiel als Glenn Frey-Ersatz, von niemand Geringeren als den Eagles, als Neu-Mitglied angeheuert worden.

Mit seinem neuen Album „Okie“ bekennt er sich jetzt seiner geographischen Wurzeln, würdigt aber, schon von einigen Songtiteln her deutlich erkennbar, auch wichtige musikalische Bezugsgrößen, wie seine Ehefrau Amy Grant („When My Amy Prays“) oder die beiden, 2016 verstorbenen Country-Ikonen Guy Clark („Nothin‘ Like A Guy Clark Song“) und Merle Haggard („A World Without Haggard“).

Das mit Co-Writern wie u. a. Jason Isbell, Charlie Worsham oder Hayes+Carll verfassten Liedern bespickte Album, bewegt sich überwiegend im ruhigeren Modus, und wird oft von einer gesanglichen Melancholie Gills getragen.

Schönes, meist klares Akustikgitarrenspiel, dezente E-Gitarren- und Pianotupfer, sowie eher sanfte Drums, mit eher perkussionshaftem Charakter (zum Teil mit Pinselsticks), runden diese eher intim anmutende Atmosphäre entsprechend ab.

Ich weiß nicht, wie es dem Leser geht, aber bei dem Wort ‚Okie‘ kommt mir zu allererst immer die Assoziation mit J.J. Cale in den Sinn. Und der hinterlässt dann auch beim vorletzten Track in kauziger Manier, „The Old Man Of Mine“, bei Vince Gill, ganz offensichtlich seine Spuren.

Im bereits erwähnten, letzten Song offenbart Gill schließlich, im Haggardschen Liedgut, den Antrieb und seine musikalische Motivation gefunden zu haben. Das tut er mit den, voller Pathos, zu weinender Steelgitarrenbegleitung, gesungenen Abschlussworten : „It was my greatest inspiration, that’s the reason why I sing the Blues“.

Insgesamt eine Scheibe, die ich vermutlich öfter bei verregneten Herbst- oder Wintertagen im heimatlichen Wohnzimmer auf der Couch zum Relaxen in den CD-Player legen werde.

MCA Nashville (2019)
Stil: Country Rock

01. I Don’t Wanna Ride The Rails No More
02. The Price Of Regret
03. Forever Changed
04. An Honest Man
05. What Choice Will You Make
06. Black And White
07. The Red Words
08. When My Amy Prays
09. A Letter To My Mama
10. Nothin‘ Like A Guy Clark Song
11. The Old Man Of Mine
12. A World Without Haggard

Vince Gill
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Charlie Wooton Project – Blue Basso – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Charlie Wooton mag vielen als Mitglied von Royal Southern Brotherhood bekannt sein. Allerdings ist der musikalische Horizont des Bassisten um einiges weiter, was auf dem Album, benannt nach seinem Lieblingsbass, schnell erkennbar ist.

Schon im Instrumental „Jaceaux“, dem Opener der Scheibe, ist die spielerische Bandbreite von Jazz über Rock bis Funk zu erkennen. In diesem Song spielen Wooten und Dough Wimbish von Living Colour eine Art Twin Bass, als Tribut des schon vor über 30 Jahren verstorbenen Superbassers Jaco Pastorious.

Soulig bis swingend geht es dann mit „Reflections“ weiter, wo die talentierte Sängerin Arsene Delay, wie in den meisten folgenden Tracks, den Gesang beisteuert, der zuweilen an die junge Sade erinnert. Stilistisch ähnlich folgt das sehr harmonische „I Dont Know“, in dem neben dem exzellenten Bassspiel Wootons, auch die Mitstreiter, Daniel Groover an der Gitarre, Jermal Watson an den Drums und Kefko Komat an den Keyboards, ihre Klasse zeigen. Unterstützt werden sie dabei vom uns bestens bekannten Gastmusiker Damon Fowler an der Lap Steel Guitar.

Bei „Come On Over“ wird in die bisherigen Zutaten noch eine Prise Blues gestreut, um mit „Dime“ eine tolle instrumentale Jazznummer nachzulegen. Bei  „One Night“, ein eher wieder ruhigerer bluesiger Song mit einer Prise Soul, steht die Stimme Delays im Vordergrund.

Stark ist das funkige Bass- und Keyboard-Intro zu „Fulton Alley“, was zum groovigen Ende hin, psychedelische Züge annimmt. In „Tell Me A Story“ kommt Wootons Arbeit bei Royal Southern Brotherhoon am meisten zum Vorschein. Ein bluesiges Southernflair durchhaucht diesen starken Song in dem Sonny Landreth die Slideguitar, wie im folgenden „Front Porch, mit leichtem Countryeinschlag, einbringt.

Den Abschluss macht eine funkige Version des Rolling Stones-Klassikers „Miss You“, bei dem Delay das Lied stimmlich in ein ganz anderes viel souligeres Ambiente hüllt, als von den Stones bekannt.

Mit „Blue Basso“ ist Wooton ein starkes Album gelungen, welches aber durch seine Komplexität, Zeit, Ruhe und auch Konzentration beim Zuhören verlangt, um die ganzen Feinheiten und technischen Fähigkeiten der Musiker entsprechend wahrnehmen zu können. Besonders live gäbe es viel Potential,  die Songs in jammenden Gewändern zu präsentieren.

Musiker:
Charlie Wooton – Bass
Daniel Groover – Guitar
Jermal Watson – Drums
Kefko Komakt – Keyboards

Featuring:
Arsene Delay – Vocals

Special Guests:
Sonny Landreth – SlideGuitar („Front Porch“, „Tell Me A Story“)
Anders Osborne – Guitar („One Night“)
Dough Wimbish – Bass („Jaceaux“)
Eric McFadden – Guitar („Miss You“)
Damon Fowler – Lap Steel („I Don’t Know“)

Endless Blues Records (2019)
Stil: Blues Rock

Tracklist:
01. Jaceaux
02. Reflections
03. I Don’t Know
04. Come On Over
05. Dime Note
06. One Night
07. Fulton Alley
08. Tell Me A Story
09. Front Porch
10. Miss You

Charlie Wooton
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Tanya Tucker – While I’m Livin‘ – CD-Review

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Diven-Time in Sounds Of South. Country-Ikone Tanya Tucker bringt nach 17 Jahren Pause mit „While I’m Livin‘“ wieder neues Studiomaterial auf den Markt. Produziert und musikalisch mitgewirkt hat Shooter Jennings.

Die aus Seminole, Texas stammende Musikerin ist seit Kindertagen im Geschäft und hat so ziemlich alle Höhen (Nummer 1-Hits, Major-Verträge, Goldene Schallplatten, Grammy-Nominierungen, Awards) und Tiefen (Alkohol- und Drogenprobleme) des Business durchgemacht.

Jetzt scheint sie, wie es das Titelbild mit dem aufbrausenden Pferd am Strand vor rauschender Meeresbrandung suggeriert, noch mal abheben zu wollen. Dafür hat sie sich dem Songwriter-Trio Brandi Carlile (auch Co-Produzentin) sowie den Zwillingen Tim und Phil Henseroth, anvertraut, die bis auf wenige Coverstücke hier den Löwenanteil des kreativen Parts, sowie natürlich auch diverse Instrumente und Harmoniegesänge übernommen haben.

Die zehn Stücke bieten klassischen Storyteller-Country im Stile der bekannten charismatischen Größen des Genres, sehr geschmackvoll und dezent instrumentiert, so dass der Fokus auf Tuckers starker Stimme omnipräsent ist.

Shooter Jennings beschränkt sich auf diverse sparsame Tastenuntermalungen, Brandi Carlile ist bis auf die Piano-Ballade am Schluss, wo sie Piano spielt, mit starken Vokal-Harmonien ‚unterwegs‘.

Beide werden von der Tucker in höchsten Tönen gelobt: „Brandi ist wirklich nicht von dieser Welt. Sie ist talentiert, klug, lustig, immer mit vollem Einsatz dabei und hat ein Herz aus Gold“, sagt Tucker über die Zusammenarbeit. „Ich liebe sie einfach. Sie war wie mein Schatten, als wir im Studio waren. Jedes Mal, wenn ich mich umdrehte, war sie da. Und Shooter, ich kenne ihn, seit er ein Baby war. Er ist derjenige, der uns alle zusammengebracht hat. Die dabei entstandene Musik ist anders als alles, was ich je gemacht habe.“

Tanya selbst präsentiert sich gesangstechnisch in bester Verfassung. Was mir besonders gefällt, ist, dass sie sich spürbar der Songs annimmt, als hätte sie sie selbst verfasst.

Ein Kompliment auch an das Songwriter-Trio, das sich für die tollen Texte (u. a. „I Don’t Owe You Anything“, „Hard Luck“, „Rich“), die man im beigefügten Booklet mitverfolgen kann, verantwortlich zeigt.

Von den beiden sanft Southern-angehauchten Openern „Mustang Ride“ und „The Wheels Of Laredo“ (schönes Marshall Tucker-Flair am Ende mit der einsetzenden E-Gitarre), über das rotzig, aufmüpfig gesungene „I Don’t Owe you Anything“, die Herz-Schmerzballade „The Day My Heart Goes Still“ (zirpende Mandoline, raunzendes Cello), das „Lucille“-mäßige „High Ridin‘ Horses“, den launigen Mitgröltrack „Hard Luck“, bis zum finalen pathetischen Moll-Piano-getränkten „Bring Me Flowers Now“, gibt man sich den involvierten Künstlern und natürlich besonders Tuckers Stimme, entspannt lauschend hin.

Tanya Tucker feiert mit „While I’m Livin‘“ ein beeindruckendes Comeback, das selbst einen wie mich, welcher der eher klassischen Art des Country nie besonders viel abgewinnen konnte, absolut positiv überrascht. In dieser Konstellation dürfte die Diva noch für so manche Überraschung gut sein, ohne dass wieder eine Ewigkeit vergeht.

Fantasy Records (Universal Music) (2019)
Stil: Country

Tracklist:
01. Mustang Ride
02. The Wheels Of Laredo
03. I Don’t Owe You Anything
04. The Day My Heart Goes Still
05. High Ridin’ Heroes
06. The House That Built Me
07. Hard Luck
08. Rich
09. Seminole Wind Calling
10. Bring My Flowers Now

Tanya Tucker
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