Prinz Grizzley – Tilda – CD-Review

Review: Michael Segets

Der Alpen-Western „Das finstere Tal” (2014) ist ein Beispiel dafür, dass typische Motive und Stilmittel des Westernfilms weltweit zirkulieren und auch vor Österreich nicht haltmachen. Ähnlich verhält es sich mit Americana und Country im musikalischen Bereich, was Prinz Grizzley mit „Tilda“ eindrucksvoll belegt. „Tilda“ braucht sich hinter den amerikanischen Veröffentlichungen in diesem Bereich nicht zu verstecken.

Der Kopf hinter Prinz Grizzley ist C. H. Comper, der auch alle vierzehn Titel geschrieben hat. Unter diesen finden sich drei kurze Instrumentals. Bei „The Long March (Troubled Times Ahead)” mit dramatischen Trompeten und orchestralem Anstrich stand Ennio Moricone Pate. Einen Kontrapunkt setzt das am Celtic-Folk orientierte „Dance Of The Shovel (The Foreign Son)”. „The Bridge Shuffle (Death Of A Boy)“ stellt eher ein Klangexperiment dar, das musikalisch verzichtbar erscheint, im Kontext des Albumkonzepts aber seine Berechtigung hat.

Den thematischen Rahmen des Longplayers bildet die Lebensgeschichte der Großeltern von Prinz Grizzley, die vor allem durch die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs geprägt ist. Geschildert werden Situationen, in denen hart arbeitende Menschen versuchen, sich durchzuschlagen und den Wunsch nach heimatlicher Geborgenheit hegen. Die Sicherheit der Existenz ist aber stets gefährdet, wobei sich die Art und Ausprägung deren Bedrohung von zeitgeschichtlichen Faktoren abhängig zeigt. Das Spannungsfeld von Hoffnungen und Ängsten, Alltäglichem und Ausnahmesituationen, das Prinz Grizzley exemplarisch auf dem Album bearbeitet, erscheint daher universell und auch in den heutigen, krisengeschüttelten Zeiten aktuell. Zwischen dem intensiven Opener „Put Me Down (A Foreign Man)“, das nur von Stimme und akustischer Gitarre getragen wird, und dem fast schon klerikal anmutenden Abschluss „Watch Me Rising (Rest Easy My Old Heart)“ gibt Prinz Grizzley so einen Einblick in ein breites Spektrum an Gedanken und Gefühlen der Protagonisten seiner Songs, die durchaus nachvollziehbar sind.

Die Mehrzahl der Stücke ist am Folk orientiert, wobei bei einigen auch ein Country-Einschlag nicht zu verkennen ist. „A Mountain To Be Taimed (The Struggeling)“, das melodiöse „Pull Me Up (Not Everything Is Perfect)” oder das ruhige, gefühlvolle „Guess I Need Protection (Homecomming)” sind gelungene Beiträge, die in der Singer/Songwriter-Tradition stehen. Ein Höhepunkt ist sicherlich „WWII (Surviving)”, auf dem Prinz Grizzley nasaler singt und dabei die Klangfarbe seiner Stimme verändert.

Das mit Slide versehene „Rose On The Garbarge Hill (The Daughter)”, das akustisch gehaltene „Tilda Lee (Processing A Loss)“ sowie das flotte „Reign On, Queen Of The Mountains (A Price To Pay)” gehen in Richtung Alternative Country. Auch diese Beiträge sind gelungen. „The Calling (Settling Down)” kann als Gospel bezeichnet werden. Hier und auch an anderen Stellen tauchen religiöse Motive in den Texten auf. Letztlich geht es aber auf dem Album um existenzbedrohende Ereignisse, die über das Leben hereinbrechen sowie die Art, wie Menschen mit ihnen umgehen. In diesem Sinne ist das Coverbild, das im Hintergrund den Vulkanausbruch von Mount St. Helens 1980 zeigt, symbolträchtig.

Auf „Tilda“ erzählt Prinz Grizzley Geschichten, die an das Leben seiner Großeltern angelehnt sind – Geschichten von Wurzeln und Entwurzelung, von Träumen und Traumata. Neben der schlüssigen Gesamtkonzeption überzeugt der österreichische Singer/Songwriter mit einigen bemerkenswerten Titeln zwischen Folk, Country, Americana und Gospel.

DoWhWa Records (2026)
Stil: Americana, Country

Tracks:
01 Put Me Down (A Foreign Man)
02 A Rose On Garbage Hill (The Daughter)
03 Dance Of The Shovel (The Foreign Son)
04 Reign On, Queen Of Mountains (A Price To Pay)
05 A Mountain To Be Tamed (The Struggling)
06 Moon Over Green Mountains (Falling In Love)
07 The Calling (Settling Down)
08 Pull Me Up (Not Everything is Perfect)
09 The Long March (Troubled Times Ahead)
10 WWII (Surviving)
11 Guess I Need Protection (Homecoming
12 Bridge Shuffle (Death Of A Boy)
13 Tilda Lee (Processing A Loss)
14 Watch Me Rising (Rest Easy My Old Heart)

Prinz Grizzley
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Rola Music

Dallas Burrow – Modern Day Vagabond – CD-Review

 

Wieder mal ein neuer Name in Sounds Of South, mit dem es sich zu beschäftigen gilt. Der texanische Singer/Songwriter Dallas Burrow, wie so oft mit musikalischem Erbgut versehen (sein Vater Mike Burrow ist ebenfalls auf dem Terrain seit langem unterwegs und auf diesem Album mit vertreten), hat schon diverse EPs, CDs und Live-Scheiben herausgebracht.

Jetzt liefert er mit „Modern Day Vagabond“ einen Longplayer ab, der allein schon von den vielen illustren Gastpräsenzen her erahnen lässt, man es hier mit einem aufstrebenden Künstler zu tun bekommt.

Frei nach dem Motto ‚Lustig ist das Vagabundenmusikleben‘ wird Burrow von Leuten wie Grammy Gewinner Adam Odor (The Chicks, Silverada) und The Great Divide’s Mike McClure (Cross Canadian Ragweed, Turnpike Troubadours) in Sachen Produktion begleitet, als Stamm-Musiker sind McClure an der Akustikgitarre und Odor am Bass, Cameron Martin als Drummer, Asleep at the Wheel’s Katie Shore an der Fiddle, sowie  Kullen Fox — lange Zeit Multiinstrumentalist für Charley Crockett am Piano, Organ und Akkordeon mit dabei.

Am Ende waren auch noch weitere klingende Namen wie Mark Tokach (Charlie Robison Band), Larry Chaney (Edwin McCain), Colin Brooks (Band of Heathens), Donny Silverman (Townes Van Zandt), Mitglieder von West Texas Exiles und der legendäre Multiinstrumentalist Lloyd Maines involviert.

Dazu kommen noch die ganzen vokalen Gastpräsenzen von Susan Gibson, Will Sexton, Kelly Willis (die habe ich mal vor über 20 Jahren in Utrecht live gesehen), Kelley Mickwee, Mike McClure und Burrows Vater, Mike Burrow, die dem musikalisch eh schon abwechslungsreich gestalteten Longplayer noch weitere Goodies bescheren.

Dallas Burrow selbst erinnert mich von der Stimme her an Bobby Houck von The Blue Dogs, wie auch an deren Art Musik zu machen (u. a. „Modern Day Vagabond“, „Full Circle“, „Walking Side By Side“, „Time Is Now“, „Old Time Revival“), allerdings ist der Protagonist deutlich traditioneller unterwegs und stilistisch (zumindest hier) auch etwas breiter aufgestellt.

Mutig finde ich ausgerechnet den düstersten und mit etwas Southern Rock-Flair bedachten Song „Underdog“ zur Single auszuwählen. Beim Steel-getränkten, an die Pirates Of The Mississippi erinnernden „Memories“ gibt Dallas‘ Vater Mike mit Harmoniegesängen und kurzer kauziger Lead vocals-Solo-Einlage sein Stelldichein.

‚Mr. Red Dirt‘ Mike McClure verpasst „Whole Different Angle“ sein typisches Flair, „All I Want Is You“ sticht mit seinem souligen Charakter etwas heraus, genauso wie das stark Folk-geprägte Townes Van Zandt-Cover „Rake“ (nur mit Gesang, Mandoline und Flöte) am Ende.

Odor und McClure haben das Gesamtwerk relativ ’natur-belassen‘, man kann schon fast von einem Live-Charakter sprechen. Man kommt sich vor wie als Gast auf einer sommerlichen Musiker-Garten-Party, wo alle, die spielen können, ihre Instrumente mitgenommen haben, sich mit allen, die auch singen können auf einer improvisierten Bühne mit dem Gastgeber zusammenfinden, um gemeinsam geschmackvolle Countrymusik & More zu zelebrieren. Sehr unterhaltsam!

Forty Below Records (2026)
Stil: Country & More

Tracklist:
01. Modern Day Vagabond
02. Let ItShine
03. Miracle
04. No Problem
05. Full Circle
06. Walking Side By Side
07. Oldest Secret
08. Time Is Now
09. Memories
10. Underdog
11. Whole Different Angle
12. Can’t Turn Around
13. All I Want Is You
14. Rake

Dallas Burrow
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Ian Noe – Canyon Falls Trailer Band – CD-Review

Review: Michael Segets

Ich kann mich fast als Fan der ersten Stunde von Ian Noe outen. Das Debütalbum „Between The Country“ (2019) mit Songs wie „Letter To Madeline“, „Meth Head“ oder „Irene (Ravin‘ Bomb)“, nahm mich direkt für ihn ein. Die letzten beiden Songs finden sich neben zwei anderen bereits auf der selbst herausgegebenen EP „Off This Mountaintop” (2017), die ich kurz nach dem ersten Album auftreiben konnte. Auf dem zweiten Album „River Fools & Mountain Saints“ (2022) bestätigte Noe seine Qualität als Songwriter. Er gehört neben Taylor McCall zur jungen Generation dieser Zunft, die bemerkenswerte Alben abliefern. Seine Storys verpackt Noe zumeist in ruhige Folk-Balladen, die er variationsreich und stimmungsvoll arrangiert.

Die ersten beiden Longplayer bilden nach Noe mit „Canyon Falls Trailer Band” eine Einheit, die mit dem neuen Werk als Trilogie ihren Abschluss findet. Dabei wirkt das aktuelle Album quasi wie das Prequel zu den vorherigen. Folk und Country gehen auf ihm Hand in Hand und versetzen in die ländlichen Regionen der Appalachen und ihrer Folklore. Die Songs klingen ursprünglicher und in stärkerem Maße traditionsverhaftet als seine vorherigen. Aber Noe reproduziert nicht lediglich das Bekannte, sondern gewinnt einen eigenständigen, spielerischen Umgang mit den Traditionen.

Die Titel wurden innerhalb einer Woche im Studio aufgenommen und danach einem aufwendigen Bearbeitungsprozess unterzogen. Das Resultat lässt sich hören: Die erdige Grundausrichtung mit Live-Feeling bleibt erhalten, zudem integrieren sich musikalische Feinheiten unaufdringlich in den Sound. Bei der Einspielung konnte Noe auf die Kompetenz von Charlie McCoy (Mundharmonika), Billy Contreras (Geige) und Russ Pahl (Pedal Steel) zurückgreifen.

Das sechszehn Tracks umfassende Doppelalbum dreht sich um den einzigen, aber legendären Auftritt der fiktiven „Canyon Falls Trailer Band“. Die Stories der einzelnen Songs sind im Leben und Lebensgefühl Kentuckys, der Heimat von Noe, verwurzelt. Noe zeigt ein Händchen für Situationen und Menschen, wobei mich seine Stimme und Gesang immer wieder einfangen.

Der Longplayer bietet sich an, in Gänze gehört zu werden. Der Grundton ist eher balladesk, wobei Noe durchaus auch mal flottere Töne anschlägt. Die Single „The Heidelberg Fisherman’s Ball“ ist eine runde Midtempo-Nummer, „Another Night Like That“ ein Honky Tonk und „Redneck Mess“ nimmt sogar eine Wendung in Richtung Rock. Bei den Balladen läuft Moe zu der Form seiner früheren Veröffentlichungen auf („Antartica“, „Bible County“, „Return Of The Interstellar Angels“, „Jukebox Blues“). Das Highlight unter den langsamen Titeln stellt für mich „Tobacco Moon“ dar. Aber auch andere Beiträge haben es in sich wie „Whiskey To Work“ oder „Kentucky Hurricane“, bei denen Noe deutlicher Country-Pfaden folgt.

Mit „Canyon Falls Trailer Band” legt Ian Noe erneut ein Album vor, für das ohne Einschränkungen eine Empfehlung ausgesprochen wird. Zwischen Folk und Country besinnt sich der Songwriter aus Kentucky auf seine Wurzeln. Noe sieht mit dem aktuellen Werk den ersten Zyklus seines musikalischen Schaffens abgeschlossen. Man darf daher gespannt sein, zu welchen Ufern er zukünftig aufbricht.

Lock 13 Records/Thirty Tigers – Open (2026)
Stil: Folk, Country

Tracks:
01. Canyon Falls Trailer Band
02. The Heidelberg Fisherman’s Ball
03. Tobacco Moon
04. She’s Familiar (In the Strangest Ways)
05. Kentucky Hurricane
06. What I’d Give
07. Redneck Mess
08. Antarctica
09. Another Night Like That
10. Bible County
11. Leeann
12. Return Of The Interstellar Angels
13. Whiskey To Work
14. Jukebox Blues (For Blaze Foley)
15. Dixie Speed
16. Kickin’ It In Nashville

Ian Noe
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Texas Hippie Coalition – Stoned Cowboys – Digital Album-Review

Review: Michael Segets

Ihr fünfundzwanzigjähriges Jubiläum begeht die Texas Hippie Coalition (THC) mit einem Doppelschlag. Sie bringt zeitgleich ihren neunten und zehnten Longplayer heraus. Wenn man sich nun fragt, warum nicht ein Doppelalbum in den Regalen steht, dann lautet die Antwort, dass die getrennte Veröffentlichung durch die unterschiedlichen Stile gerechtfertigt ist. „Stoned Cowboys“ und „Band Of Outlaws“ unterscheiden sich musikalisch deutlich.

Beim letztgenannten Werk verfolgen THC konsequent das, was sie Red Dirt Metal nennen. Das Quintett um Bandleader Big Dad Rich brettert ohne Kompromisse los. Verschnaufpausen gönnt sich die Band kaum. Zwar gibt es mal ein Intro oder eine Passage, die etwas zurückgenommen sind, aber die Songs gehen durchweg ein hohes Tempo mit ordentlichem Wumms. „Band Of Outlaws“ erscheint noch einen Tick härter und konsequenter als „Gunsmoke“. Die Zielgruppe liegt hier eindeutig auf Metal-Fans.

Etwas anders verhält es sich bei „Stoned Cowboys“. Die CD könnte für unseren Leserkreis interessanter sein. Wenn Big Dad Rich zum Einstieg bei „Damned Ol‘ Country Song“ verspricht, „we’re about to go Country“, dann legt er das Genre auf seine eigene Art und Weise aus. „Stoned Cowboys“ ist letztlich ein Rockalbum, das mehrfach auf den Country rekurriert. So kommt beim erwähnten Stück eine Geige zum Einsatz oder etwas Slide bei dem erstklassigen „Songs In The Rain“. „High In The Saddle“ oder „Rope The Wind“ gehen nicht nur thematisch, sondern auch musikalisch noch als Countrybeiträge durch.

Kräftig schallende Gitarren, treibender Rhythmus sowie der Gesangsstil beim Opener „Fire Fire“ und dem folgenden „Last Of The Outlaws“ zeigen, dass die Band im Rock der härteren Gangart verwurzelt ist. Während „No Relations“ deutlich erdiger in Richtung Southern angelegt ist, stammen Rhythmus und Gitarrenlauf bei „Down Comes A Hammer“ aus der Hardrock-Sparte. „Bring Me The Moon“ vereint die beiden Spielarten des Rock.

Die Songs des Albums bleiben melodiös und wären mit den brachial wirkenden Stücken von „Band Of Outlaws“ nicht ohne Bruch vereinbar gewesen. Gesanglich zeigt Big Dad Rich – beispielsweise auf „Put The Gun Down“ – einige Facetten, die ich bei den anderen mir bekannten Veröffentlichungen von THC noch nicht wahrgenommen hatte. Die Bandkonstellation mit Cord Pool und Nevada Romo an den Gitarren, Rado Romo am Bass sowie Joey Mandigo am Schlagzeug ist seit „Gunsmoke“ allerdings konstant geblieben. Das Cover zeigt die Portraits der Musiker in Stein gemeißelt. Mount Rushmore und Deep Purple lassen hier grüßen. Aber der Albumname ist natürlich wieder doppeldeutig.

Der Genre-Mix aus Hardrock, Southern und Country, den die Texas Hippie Coalition auf „Stoned Cowboys“ verfolgt, habe ich in dieser Kombination noch nicht oft gehört. Big Dad Rich und seine Mannen legen ein originelles Album vor, das den Spieß umdreht und nicht Country mit Rock kombiniert, sondern Rock mit Country. Das funktioniert.

BIGDADRECORDS (2026)
Stil: Rock

Tracks:
01. Fire Fire
02. Last Of The Outlaws
03. Put The Gun Down
04. No Relation
05. Damned Ol’ Country Song
06. Writing Songs In The Rain
07. High In The Saddle
08. Bring Me The Moon
09. Down Comes A Hammer
10. Rope The Wind

Texas Hippie Coalition
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Head First Entertainment

Jack Browning – Painted Skies. Country And Western – CD-Review

Review: Michael Segets

Jack Browning ist mehrfach von der Muse geküsst. Neben der Malerei lebt er seine kreative Ader als Musiker aus. Auf seiner zweiten Scheibe „Painted Skies“ mit selbst gestaltetem Artwork frönt er dem Country und Western, wie der Untertitel zutreffend verrät. Das Album beginnt dann auch mit der flotten Country-Nummer „Speak Your Mind (But Ride A Fast Horse)“. Für den gelungenen Auftakt gibt Browning selbst Blackberry Smoke und Tom Petty als Referenzen an. Inwieweit man diese Verbindungen dort heraushört, sei dahingestellt.

Bei den beiden anschließenden Songs verarbeitet Browning Kindheitserinnerungen. Der Hintergrund von „Champagne Taste“ – ein Honky Tonk mit schönen Bar Piano – liegt in einem Erlebnis mit seiner Großmutter, die ihm Limonade als Champagner verkauft hat. Etwas bitterere Erinnerungen hat Browning wohl an seinen Vater. Mit „High Hopes“, auf dem ausnahmsweise eine Geige – von Crosby Coford gespielt – Einsatz findet, verarbeitet er frühe Traumata. Das Songwriting lässt Vergleiche zu BJ Barham (American Aquarium) zu, was Browning in meinen Augen adelt. Mit „Muhlenberg County Stars“ gehört der Track zu meinen Favoriten unter den Balladen und neben dem Opener zu denen des Albums insgesamt. Anders als auf Vinyl befindet sich auf der CD eine zweite, akustische Version von „Muhlenberg County Stars“, die Browning allein in Begleitung von Christiano Pochesci an der Steel Pedal performt.

Der in London geborene Browing steht in Sachen Western-Feeling seinen amerikanischen Kollegen in nichts nach („Gut Feelin‘“, „Factory Reset“). Der typische Slide ist auf manchen Stücken wie dem Titelsong sehr präsent. Er findet sich auch beim „James Alley Blues“, der ursprünglich von Richard Brown stammt und von Willie Watson bearbeitet wurde. Browning arrangiert ihn nun als klassischen Country. Der Engländer tourte bereits im Ursprungsland des Genres und trat zusammen mit Chris Stapleton, Vincent Neil Emerson oder The White Buffalo auf.

Zwei Beiträge fallen aus dem Gesamtbild etwas heraus. Der eine ist „Junkyard Dog“, der als stampfender Blues daherkommt. Browning bedient sich eines Stimmverzerrers und Oscar Lloyd lässt mit seiner Trompete New Orleans aufleben. Der andere stellt meines Erachtens die einzige Schwachstelle des Albums dar. „The Perimeter“ wird von dem Gast Joe David Walters nicht gesungen, sondern gesprochen. Im Hintergrund wird er von einer elektrischen Gitarre stimmungsvoll untermalt und in einzelnen Passagen erzeugt die Band eine gewisse Dynamik, die aber letztlich verpufft. Der knapp zweiminütige Track würde sich als Intro eignen, wenn es danach mit härteren Riffs richtig losginge. Der folgende Song „Heavy Is The Head“ beginnt aber zurückhaltend. Die anfänglich staubige, in den Wilden Westen versetzende Atmosphäre gipfelt erst am Ende in einem kräftigen Gitarrensolo. Das Stück lässt den vorherigen Durchhänger allerdings schnell vergessen.

Jack Browning legt mit „Painted Skies“ ein Country-Album vor, das gängigen Pfaden folgt. Dabei überzeugen vor allem die Balladen. Aber auch bei den Uptempo-Nummern zeigt er, dass er fest im Sattel sitzt. Unter diesen lässt sich „Speak Your Mind (But Ride A Fast Horse)“ hervorheben. Ich hoffe, dass meine Anmerkungen nicht dazu führen, dass ich mir ein schnelles Pferd suchen muss.

Too Fine Records (2026)
Stil: Country

Tracks:
01. Speak Your Mind (But Ride A Fast Horse)
02. Champagne Taste
03. High Hopes
04. James Alley Blues
05. The Perimeter
06. Heavy Is The Head
07. Junkyard Dog
08. Wire
09. Muhlenberg County Stars
10. Gut Feelin‘
11. Factory Reset
12. Painted Skies
13. Muhlenberg County Stars (acoustic)

Jack Browning
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Too Fine Records
Continental Record Service

Carly Pearce – Honest Woman – CD-Review

Carly Pearce hat sich seit ihrem Debüt im Jahre 2017 mit viel Fleiß in die Top-Garde der weiblichen Country-Künstlerinnen hervor gearbeitet. Der ganz große Wurf  in Sachen Alben oder Singles ist allerdings dabei ausgeblieben. Das Maß aller Dinge ist unter den Kolleginnen schon seit geraumer Zeit Ella Langley, der es sogar gelungen ist, den ‚Dominator‘ Morgen Wallen vom Thron zu stürzen.

Wir hatten Anfang letzten Jahres mal die Freude, sie zusammen mit Wade Bowen im Schlepptau, der übrigens in den nächsten Wochen mit „The Version Of Me You Get“ einen starken neuen Longplayer an den Start bringen wird (Review natürlich auch bei uns), uns in Köln von der sympathischen Präsenz der aus Kentucky  stammenden Künstlerin (heute in Nashville lebend) live überzeugen zu können.

Jetzt in den Tagen, wo ihr langjähriges Idol, Dolly Parton, leider das Zeitliche gesegnet hat (Carly hat ja früher lange in ihrem Dollywood-Freizeitpark als Sängerin gearbeitet), bringt sie mit „Honest Woman“ ihr fünftes Album auf den Weg.  Mit satten 16 Tracks ist das Werk üppig bestückt, die traditionelle Countrymusik steht dabei deutlich im Mittelpunkt.

Lediglich das peppige und eingängige „She Don’t“ sticht in dieser Hinsicht etwas heraus. Ansonsten gibt es ein fein instrumentiertes Konvolut (mit viel Banjo, Dobro, Fiddle, Mandoline, Steel) an Tracks in allen Tempi, das irgendwie angenehm und klar produziert dahinfließt, ohne aber einen großen Wow-Effekt auszulösen.

Der sicherlich nicht unklug gewählte Ansatz, auf „If I Don’t Leave I’m Gonna Stay“ mittels eines Duetts mit Riley Green, es der o. a. derzeitigen Platzhirschin ambitioniert mit einem emotionalen Song gleich zu tun, ist mit nur Platz 40 in den Charts aber eher verpufft.

Weitere Gastpräsenzen gibt es von den Bluegrass-Koryphäen Dan Tyminski bei „Who’s Lying Here“ sowie  von Molly Tuttle und Dan Tyminski auf „What If You Loved Me“. Ein Highlight in Verbindung mit einem gut gemachten Video, ist „Same Circus“, das ihre scheinbar etwas schwierige Einstellung zur Männerwelt einmal mehr thematisiert. „Machen Frauen tendieren halt dazu, sich den falschen Mann auszusuchen“, sagt allerdings meine Gattin auch des Öfteren zu mir…

Carly Pearce hat weiterhin meine uneingeschränkte Sympathie. Mit „Honest Woman“ betreibt sie – könnte man meinen – teilweise immer noch, wie auf den Alben zuvor, trotz neuer Beziehung, Wundenlecken in Sachen gescheiterter Schnellehe mit Michael Ray unter dem Deckmantel der Rückbesinnung auf die Countrywurzeln. Für Selbstironie ist mir das mittlerweile – so lange anhaltend – doch ein wenig ‚too much‘.

Irgendwann finde ich, Aufrichtigkeit hin oder her, sollte mal Schluss mit dem Thema und der Blick wieder nach vorne gerichtet sein. Ehrlich gesagt, trotz vieler neuer Songs mit einigen guten Ideen, namhafter Gastpräsenzen, insgesamt ein guter, aber eher unspektakulärer ‚Auftritt‘!

Stoney Creek / BMG Nashville (2026)
Stil: New Country

01. Dream Come True
02. Church Girl
03. She Don’t
04. You Can Have Him
05. How Long
06. WWJD
07. Same Circus
08. Happy For Myself
09. If I Don’t Leave I’m Gonna Stay (Carly Pearce And Riley Green)
10. I Don’t Have The Heart
11. He Don’t Like My Dogs
12. Leave My Heart Alone
13. Who’s Lying Here (feat. Dan Tyminski)
14. Daisy
15. What If You Loved Me (feat. Molly Tuttle And Dan Tyminski)
16. Why God Why Me

Carly Pearce
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Lime Tree Music

Midland – Stages – CD-Review

Seit Midland, alias Mark Wystrach, Cameron Duddy und Jess Carson, sich nach einer Hochzeit, die sie gemeinsam besucht hatten, zu einem musikalischen Country-Trio im Jahr 2016 zusammengeschlossen hatten, ging es ab da eigentlich nur noch steil bergauf. Der berühmte ‚Dosenöffner‘ war damals ihr Mega-Hit „Drinkin‘ Problem“.

Mit ihrem 6. Album „Stages“ ziehen sie quasi ein Resümee bezüglich dieser Zeit und versuchen das Geschehene, beziehungsweise ihre erfolgreiche Entwicklung, in neue Songs zu kanalisieren, die aber diesmal erheblich im traditionellen Sektor des kalifornischen und texanischen Country verwurzelt sind.

„The title is really a tribute to all the places where we’ve made our stand, but it’s also about all the phases and stages we’ve been through to get here“, so Cameron Duddy . Erkennbar sind diese ‚Stufen‘ auch an den Fahrzeugen, die sie zu ihren Konzerten hinschipperten: Es begann mit einem Pickup, dann im Familien-Van, mittlerweile im großen Tourbus.

Und Fronter Mark Wystrach ergänzt: “And the more you dig into country’s roots, the more there is to work with, We’ve always had real respect for the original Texas and California country, so this album lets us pull all that through the songs we’ve written and found to really focus on what matters to us.”

In der Tat geht es diesmal, wie schon zu Anfang erwähnt, überwiegend traditionell zu, mit Trent Willmon hat man da natürlich einen idealen Produzenten gefunden, der sich auf diesem Terrain bestens auskennt. Ich finde das in unseren Sphären etwas schwierig, da muss man schon eine ziemliche Affinität zu Fiddle und Pedal Steel als auch zu Dancehall-tauglicher Musik aufweisen, ich bin da eher nicht so der prädestinierte ‚Ansprechpartner‘.

So  stehen die Ausrufezeichen in meinen Notizen vor dem, mit Akustik- und E-Bariton-Gitarren verzierten melancholisch klingenden Opener „Marlboro Man“, dem im Eagles, Marke „Tequila Sunrise“-kreierten „Shooting Memories With Tequila“, dem im David Lee Murphy-Stil rockenden „Glass Half Empty“ und dem radiotauglichen Duett mit Mackenzie Carpenter „I Wish You Would“.

Midland kommen Ende Juni zu ein paar Gigs nach Europa, wobei Deutschland am 22.06.2026 im Münchener Backstage Werk berücksichtigt wird. 

Blue Highway Records (2026)
Stil: Country

01. Marlboro Man
02. One Day You Won’t
03. Shooting Memories With Tequila
04. Walk A Mile
05. Glass Half Empty
06. I Wish You Would
07. Up In Texas
08. Drinkin’ Dark Whiskey
09. Drunk Enough
10. Vaquero

Midland
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Ella Langley – Dandelion – CD-Review

Da wollte ich doch tatsächlich mal wissen, wem es gelungen ist, Morgan Wallens Albumdauervormachtstellung in den Billboard-Charts, wenn auch vermutlich nur temporär, zu durchbrechen.

Es handelt sich um die junge, aus Hope Hull, Alabama stammende Ella Langely, die 2024  mit ihrem Debüt-Longplayer „Hungover“ und der inkludierten Single „You Look Like You Love Me“ im Duett mit Riley Green erste Achtungserfolge erzielt hatte und jetzt mit dem nachfolgenden Longplayer „Dandelion“ förmlich durch die Decke geht.

Manchmal muss man halt zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein. Nach dem Hype um eine andere Kollegin aus Alabama, scheinen jetzt die großen Tage dieser jungen Dame gekommen zu sein. Dass sie auch noch bildhübsch aussieht, was vermutlich auch nicht von Nachteil ist, sei am Rande erwähnt.

Laut Langley hat der Titel (Dandelion = Löwenzahn) für sie selbst symbolische Bedeutung in Sachen Unvergänglichkeit, Hoffnung, Heilung und Widerstandsfähigkeit. Attribute mit denen sie ihr eigene Entwicklung verbindet.

Die achtzehn Tracks beginnend und endend mit einem Traditional Intro und Outro „Froggy Went A Courtin'“), bieten eigentlich soliden, eher traditionell ausgerichteten (New-) Country-Stoff, es gibt unzählige Scheiben, die mir deutlich besser gefallen, aber auch deutlich weniger Erfolg aufwiesen. Allerdings, je öfter man einzelne Tracks hört, desto deutlicher wird die Strahlkraft und die dementsprechende Wirkung.

Das Engrow der Stücke hat die Protagonistin im Verbund mit bekannten Songwritern wie u. a. Brett Tyler, Luke Dick, John Nite, Laura Veltz oder aber auch Kollegen wie Hardy oder Miranda Lambert kreiert, letztgenannte hat ihr auch samt Ben West in Sachen Produktion assistiert.

Auch bei den vielen involvierten Musikern stößt man auf bekannte Namen wie u. a.  Charlie Worsham, Tom Bukovac, Dave Cohen, Lonnie Wilson oder  Rob McNelley, die ein Qualitätsprodukt garantieren.

Center-Song ist zweifellos der Ohrwurm „Choosin‘ Texas“ der so ein wenig dem Hit „Drinkin‘ Problem“ nacheifert. Überhaupt hat die Langley-Scheibe viel Midland-Esprit, eben mit weiblicher Stimmnote, und die ist zweifellos klasse. Also eine erfolgsversprechende Mischung, die Billboard-Charts lügen nicht.

Und so bekommt man eine gut angeordnete Mischung aus eingängigen Ohrschmeichlern wie „Dandelion“, „We Know Us“, „Be Her„, „Bottom Of Your Boots“, „Speaking Terms“, „Broken“, „Butterfly Season“ (Frauenpower zusammen mit Miranda Lambert), oder das in einer Akustikversion gespielte „Most Good Things Do“ (mein Lieblingssong) und traditionell angefärbten Countryheulern wie „I Gotta Quit“, „It Wasn’t God Who Made Honky Tonk Angels“ und dem Schwofer „Last Call For Us.

Ella Langley ist die Country-Künstlerin der Stunde, das steht jedenfalls fest. Mit „Dandelion“ hat sie der Kollegin Kacey Musgraves, ihr nächstes Nr.1-Album förmlich vermiest, hält die Morgan Wallen-Album-‚Armada‘ seit einigen Wochen in Schach und steht auch mit den inkludierten Tracks „Choosin’Texas“, „Be Her“ und „I Can’t Love You Anymore“ in den Song-Charts mit einem Triple an der Spitze. Da scheint sich ein schönes Duell für die nächsten Jahre anzubahnen. Die Frage zunächst bleibt, wann der Dominator wieder zurückschlägt?

Columbia Records/Sony Music (2026)
Stil: (New) Country

Tracks:
01. Froggy Went A Courtin‘ – Intro
02. Dandelion
03. Choosin‘ Texas
04. We Know Us
05. Low Lights
06. Be Her
07. You & Me Time
08. Loving Life Again
09. Bottom Of Your Boots
10. Speaking Terms
11. I Gotta Quit
12. It Wasn’t God Who Made Honky Tonk Angels
13. Last Call For Us
14. Broken
15. Somethin‘ Simple
16. Butterfly Season
17. Most Good Things Do
18. Froggy Went A Courtin‘ – Outro

Ella Langley
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Sony Music

Kacey Musgraves – Middle of Nowhere – CD-Review

Die Karriere der Singer/Songwriterin Kacey Musgraves ist seit ihrem Debüt „Same Trailer Different Park“ im Jahr 2013 eine einzige Erfolgsgeschichte. Jeder bisher veröffentlichte Longplayer  landete auf Platz 1 der Country Billboard Charts.

Seither hagelte es acht Grammys  (u. a. das Album des Jahres für „Golden Hour“) und vielfache weitere Auszeichnungen in diversen Rubriken für die humorvolle und sympathische Texanerin. Sie stammt ja aus einer Kleinstadt mitten im Nichts des Lonestar States und auch beziehungstechnisch schien es wohl in letzter Zeit nicht rund gelaufen zu sein. Somit erscheint der Titel ihres neuen Werkes „Middle of Nowhere“ auch in metaphorischer Hinsicht eine aktuelle und treffende Beschreibung des Istzustandes, den es hier aufzuarbeiten galt.

Und es ist ihr mit Brillanz gelungen, natürlich auch, weil hier nichts dem Zufall überlassen wurde. In der Zusammenarbeit beim Songwriting und der glasklaren Produktion wurde mit Leuten wie u. a. Daniel Tashian und Ian Fitchuk wieder auf Altbewährtes gesetzt. Zusätzliche Glanz verbreiten Gastpräsenzen von Künstlern wie Willie Nelson, Miranda Lambert, Billy Strings und Gregory Alan Isakov.

Die neuen Songs bestechen durch ihre Simplizität bei maximaler Effektivität. Das sind alles wunderbar ‚leichtfüßige‘ Melodien, arrangiert mit lockeren, transparent ausgesteuerten Akustik- und E-Gitarren, sowie typischen Steeleinlagen für das Countrylabel. Die Drums, sporadisch immer wieder  loopähnlich eingesetzt, geben Tracks wie „Dry Spell„, „Back On The Wagon“, „I Believe In Ghosts“, Loneliest Girl In The World“, „Everybody Wants To Be A Cowboy“, „Rhinestoned“ oder „Mexico Honey“ dieses radiotaugliche Esprit, das natürlich von Musgraves‘ betörender Stimme den endgültigen Kick enthält. Einfach zum Dahinfließen.

Und für die Traditionalisten sorgen atmosphärischen Lieder mit Western Touch wie „Abilene“ und „Coyote“, als auch humorvolle Schunkler der Marke „Horses and Divorces“ (allein schon der Titel ist klasse) und „Uncertain, TX“ (beide mit integrierten Akkordeonklängen) für das entsprechende Gegengewicht. Am Ende ist es der Protagonistin gegönnt, bei „Hell On Me“ die gescheiterte Beziehung unter schmerzvollem Gesang zu reflektieren.

Mit dem neuen Album „Middle of Nowhere“ (das Coverbild wurde übrigens von Kaceys Schwester fotografiert)  sollte es zumindest in beruflicher Hinsicht wieder vollauf ins Rampenlicht gehen. Eine erneute Top-Platzierung in den Charts liegt durchaus im Bereich des Möglichen. Und vielleicht klappt es dann ja auch wieder mit der Liebe. Die Liste der Verehrer dürfte sehr sehr lang sein…

Lost Highway Records (2026)
Stil: New Country

01. Middle of Nowhere
02. Dry Spell
03. Back On The Wagon
04. I Believe In Ghosts
05. Abilene
06. Coyote
07. Loneliest Girl In The World
08. Everybody Wants To Be A Cowboy
09. Horses and Divorces
10. Uncertain, TX
11. Rhinestoned
12. Mexico Honey
13. Hell On Me

Kacey Musgraves
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Universal Music

The Imaginaries – Fever – CD-Review

Hinter den Imaginaries verbirgt sich das verheiratete Paar Maggie McClure und Shane Henry, beide ursprünglich aus Oklahoma stammend, jetzt in LA lebend. Sie besitzen eine große mediale Erfahrung in allen Bereichen, die Zusammenführung als Musikduo ergab irgendwann fast zwingend daraus.

„Fever“ ist das zweite ‚echte‘ Album des Duos (neben diversen Seitenprojekten) und allein der Blick auf die involvierten illustren Gäste zeigt, dass die beiden bereits ein hohes Ansehen in der Musikszene genießen. Auch wenn manchen Songtitel dazu verführen, an alte Klassiker zu denken, sei hier erwähnt, dass es sich in der Gesamtheit ausnahmslos um aktuelle Eigenkreationen handelt

Das Werk startet mit dem herrlich treibenden und rockenden Titelsong „Fever“, samt starker Vocals der Protagonisten (da zeigen die beiden jeweils solo als auch bei den Harmonies, natürlich fortlaufend, wie man es am Mikro macht) .

Sofort mit dem absoluten Highlight zu beginnen, ist für mich immer ein wenig problematisch, da der Spannungsbogen doch ein wenig nach hinten abflacht, auch wenn das Niveau im weiteren Verlauf sicherlich hier nicht von schlechten Eltern ist.

Zunächst geht es im ersten Drittel Schlag auf Schlag weiter. Bei „Wishing Well“ unterstützt der ehemalige Bros. Landreth-Gitarrist Ariel Posen, ein Track, bei dem die hinterbliebenen Eindrücke ihrer Zusammenarbeit mit dem Brian Setzer Orchestra durchschimmern.

Bei „Crossroads“(wie oben angedeutet, nicht der Robert Johnson-Evergreen) lässt kein geringerer als Blues-Tausendsassa Joe Bonamassa seinen Bottleneck über die Saiten fliegen und Vince Gill verleiht dem countryesken Schunkler „Whole Lotta Livin'“ den typischen Bariton-Twang mit seiner Telecaster. Trotzdem alles keine Lieder, die trotz der hochkarätigen Gastpräsenz, wirklich vom Hocker reißen.

Im zweiten und dritten Drittel gibt es  mit Tracks wie u. a. den flockigen New Country-Stücken „I Knew It Was You“ und „Little By Little“ (beide Marke Lady A), dem Tex-Mex-angehauchten „Buzzard’s Roost“, dem folkigen „Breaker“ und dem pettyesken “ Riding That High“ immer wieder diverse Aufhorcher.

Trotzdem will am Ende bei „Fever“ (übrigens auch sehr gelungenes Hochglanz-Coverartwork) von den Imaginaries merkwürdiger Weise trotz vieler guter Ansätze nicht so richtig erhöhte Temperatur aufkommen.

Eigenproduktion (2025)
Stil: Americana

Tracks:
01. Fever
02. Wishing Well
03. Crossroads
04. Whole Lotta Livin‘
05. Constant
06. I Knew It Was You
07. Buzzard’s Roost
08. Little By Little
09. Breaker
10. Riding That High
11. Here For You
12. Lucky Ones

The Imaginaries
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