Marcus King – El Dorado – CD-Review

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Gerade mal Anfang Zwanzig, bringt der aus Geenville, South Carolina, stammende Marcus King mit „El Dorado“, bereits schon das vierte Album auf den Markt.

Neu ist, dass er hier jetzt ganz unter eigener Fahne firmiert und die Musik noch stärker auf seine Vorstellungen fixiert zu haben scheint.

Dafür hat er sich mit dem Songwriter, Sänger und Gitarrist von The Black Keys, Dan Auerbach, zusammengetan, der die neuen zwölf Stücke in seinem eigenen Studio in Nashville, mit eingespielt und produziert hat. Auch mit dabei prominente Musiker wie u. a. Gene Chrisman (drums) und Bobby Woods (keys).

Im Prinzip, soweit ich die beiden anderen bisher hier reviewten Alben noch im Sinn habe, ist der größte Unterschied das Weglassen der Bläserelemente. Die Musik bewegt sich wieder in einem breiten Rahmen aus Country-, (Southern) Soul-, Gospel, R &B, Blues- und Rock-Ingredienzien, allerdings harmonisch ineinander greifend, umwittert meistens von ein gewissen Retro-Charme.

Getragen wird sie von Kings eigenwilliger, hell-raspeliger Stimme und seinem feinen Gibson-ES-E-Gitarrenspiel. Bei den countresken Sachen wie u. a. „Young Man Dream“, „Sweet Marionna“ , „Beautiful Stranger“ oder „Too Much Whiskey“ (ziemlich unverhohlen abgekupfert bei Charlie Daniels‘ „Trudy“) hört man die Pedal Steel wimmern, bei letztgenanntem kommt auch eine Harp zum Einsatz. Zuweilen finden auch retromäßige Streicher in ausgewählte Tracks („Break Me“, „No Pain“).

Ansonsten spielen (E-) Piano und Organ für die atmosphärische Note eine große Rolle, die Backgroundsängerinnen sorgen für einiges an Gospel- und Soul-Flair.

Richtig gerockt wird beim stampfenden „The Well“ (erinnert an die Band Of Heathens), „Say You Will“ (psychedelische Note, saustarkes E-Gitarrensolo) und „Turn It Up“ (hat was von den alten Free).

Mein persönlicher Favorit des Werks ist der wunderbare Blues-Schwofer „Wildflowers & Wine„.

Wie bereits erwähnt, passt alles sehr gut zusammen. Trotzdem hat man auf „El Dorado“ bei Marcus King, wie einst bei den Jägern nach dem Goldland in Südamerika,  noch den Eindruck eines Suchenden nach dem richtigen Weg.

Fest steht aber schon jetzt, dass ihm angesichts seines außerordentlichen Talents, eine goldene musikalische Zukunft bevorsteht. Wir werden ihn live demnächst in der Kölner Kantine anchecken, wo er am 05. März auftreten wird.

Fantasy Records (2020)
Stil: Blues Rock, Southern Rock, Country, Soul

01. Young Man Dream
02. The Well
03. Wildflowers & Wine
04. One Day She Is Here
05. Sweet Mariona
06. Beautiful Stranger
07. Break
08. Say You Will
09. Turn It Up
10. Too Much Whiskey
11. Love Song
12. No Pain

The Marcus King Band
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Oktober Promotion

Randy Rogers & Wade Bowen – Watch This: Live From Dallas – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Die grandiose Heimspiel-Atmosphäre ihrer jährlichen „Hold My Beer And Watch This“-Tour hautnah einzufangen und den Fans eine „Best-Of-Favorites“-Scheibe zu präsentieren, ist den beiden US-Singer/Songwritern Wade Bowen und Randy Rogers mit dem Album „Watch This: Live From Dallas“ mehr als hervorragend gelungen.

Der fantastische Live-Auftritt der beiden Texaner ist nur so gespickt mit Songs, die laut New York Times „Country music based in the genre’s rich outlaw tradition“ verkörpern und die der Dallas Observer schlicht als „red-blooded heartland rock“ beschreibt.

Die 16 Stücke (sowie die persönliche Geschichte „Jimmy Bowen“) der „well chosen performance“ überzeugen durch ihre natürliche und stilgerechte Country-Darbietung, die Randy Rogers mit „This Is What This Tour Is All About“ bezeichnet. Rogers, der in seiner bald 20-jährigen Bandgeschichte schon mehrmals mit seinen Alben auf SoS zu Gast war (z.B. „Hommade Tameles-Live At Floore’s“) gilt daheim als texanische Country-Institution.

Auch der 42-jährige Wade Bowen ist u. a. mit seinem Solo-Projekt „Live At Billy Bob’s Texas“ im Vorjahr bei uns zu Recht sehr positiv aufgenommen worden und hat im August 2019 sogar vier Deutschland-Konzerte gespielt.

Dass die beiden Freunde auch gemeinsam ihr Handwerk verstehen und sich bei den Auftritten super ergänzen, machen die Aufnahmen „Live From Dallas“ von Beginn an deutlich. Die durchweg mit weiteren, erstklassigen Musikern besetzte Begleitband meistert die umfangreiche Playlist routiniert und die eigenen Country-Perlen „In The Next Life“, „Hanging Out In Bars“ und „Kiss Me In The Dark“ fehlen dabei ebenso wenig im Programm, wie traditionell arrangierte Love-Songs („Til It Does“ bzw. „Tonight’s Not The Night“).

Selbstverständlich ist mit der alten Kris Kristofferson-Nummer „Help Me Make It Through The Night“ ein bekanntes Cover mit dabei, das den Schwung an die Abschluss-Tracks „In My Arms Instead“ und „I Had My Hopes Up High“ weiter gibt und diese ebenso publikumswirksam rüber bringt, wie die häufig mit Zusatzapplaus quittierten Solo-Parts.

Nach ihrem Studio-Werk „Hold My Beer Vol. 1“ (2015) haben Wade Bowen und Randy Rogers mit ihrem 2. Album „Watch This-Live in Dallas“ die Reihe ihrer Konzert-Aufnahmen fortgesetzt und beweisen nicht nur den vielen Country-Rock-Freunden in Texas, dass sie ihre musikalische Stilrichtung jederzeit mitreißend performen können.

Lil‘ Buddy Toons (2019)
Stil: Country

Tracklist:
01. In The Next Life
02. Hanging Out In Bars
03. Songs About Trucks
04. Buy Myself A Chance
05. Jimmy Bowen
06. Good Luck With That
07. Til It Does
08. Tonight‘s Not The Night
09. West Texas Rain
10. It‘s Been A Great Afternoon
11. Lady Bug
12. Saturday Night
13. Kiss Me In The Dark
14. Standards
15. Help Me Make It Through The Night
16. In My Arms Instead
17. I Had My Hopes Up High

Wade Bowen
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Randy Rogers Band
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Larry Fleet – Workin’ Hard – CD-Review

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Review: Michael Segets

Herrlich harmonischer Country mit einer großen Portion Soul – so lässt sich das Debütalbum „Workin’ Hard” von Larry Fleet umschreiben. Dass es zu der Aufnahme kam, ist einer glücklichen Fügung geschuldet. Bei einer Scheunenparty spielte Fleet einige Titel und wurde von dem zufällig anwesenden Jake Owen angesprochen, den Fleets Talent begeisterte.

Von da an änderte sich das Leben von Fleet schlagartig. Vorher im Bauwesen tätig, war die Musik für den Mann aus Chattanooga, Tennessee, bloß eine Nebenbeschäftigung. Owen bestärkte ihn, seinen Job aufzugeben und mit ihm auf Tour zu gehen. Endgültig Feuer fing Fleet, als er für Willie Nelson eine Show eröffnen durfte. Nelson holte ihn dann während seines Sets mit auf die Bühne, womit sich ein Traum für Fleet erfüllte.

Neben Nelson, Merle Haggard und Waylon Jennings zählen auch Otis Redding sowie Marvin Gaye zu seinen Einflüssen, wodurch sich die Kombination aus Country und Soul erklären lässt. Zwei Jahre nach seinem Entschluss, tiefer in die Musikszene einzutauchen, liegt nun Fleets erstes Album vor. In dem titelgebenden „Workin‘ Hard“ bearbeitet er seine Herkunft und die Wende in seiner Biographie.

Während mit dem Opener „Tied Down“ und „Somethin’ Cold, Somewhere Hot” traditionsverbundener Country in einer modernisierten Form geboten wird, kommen die Soul-Anteile bei „Lied About Love“ und „Boys With Nothin’” stärker zum Tragen. Stellenweise gerät dabei Marc Broussard als Vergleichsgröße in den Sinn. Die Mischung von Country und Soul macht sich vor allem bei „Baby, You Do“ und „Mix ‘Em With Whiskey“ bezahlt. Das letztgenannte Stück stellt daher auch meinen Anspieltipp dar.

Fleet schiebt mit „Best That I Got“ und dem erdigen Titelsong zwei Balladen ein. Ansonsten bewegen sich die anderen Tracks in einem unaufgeregten mittleren Tempobereich. Bei einigen Beiträgen sorgt ein dezenter Backgroundgesang für weitere Harmonien. Diese wirken aber nicht süßlich, sondern geben den Songs zusätzlich eine gewisse Würze.

Wer in der Vorweihnachtszeit mal fünfundzwanzig Minuten für einen entspannten und entspannenden Mix aus Country und Soul hat, liegt mit „Workin‘ Hard“ richtig. Das Album von Larry Fleet ist eine geeignete Untermalung für eine kurze Auszeit bei einer Tasse Kaffee oder einem anderen Getränk – vielleicht mit Whiskey gemischt.

Big Loud Records (2019)
Stil: Country, Soul

Tracks:
01. Tied Down
02. Somethin’ Cold, Somewhere Hot
03. Lied About Love
04. Mix ‘Em With Whiskey
05. Baby, You Do
06. Best That I Got
07. Boys With Nothin’
08. Workin’ Hard

Larry Fleet
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Big Loud Records

Arkansas Dave – Live At Music In The Park – Montreux Jazz Festival – CD-Review

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Viele bekannte Musiker haben im Laufe ihrer Karriere die Einladung zum renommierten Montreux Jazz Festival genutzt, um den Auftritt als Live-Scheibe zu veröffentlichen, wie z.B. Van Morrison, Canned Heat, Deep Purple.

Dass der US-amerikanische Blues Rocker, Arkansas Dave, das Montreux Konzert vom 05. Juli 2018 bereits als sein zweites Album auf den Markt bringt – das Solo Debüt war damals gerade erst erschienen – lässt die schnell gereifte Überzeugung vermuten, dieser Auftritt vor einem verwöhnten und kritischen Publikum rechtfertige den Ruf auf die angesehene Bühne.

Der aus Little Rock, Arkansas, stammende und nach Austin, TX, „ausgewanderte“ Gitarrist, Sänger und Songwriter, Dave Pennington wollte diese Live-Aufnahme, nach eigener Aussage, als den Höhepunkt einer 25 Shows umfassenden Europa Konzertreise, unbedingt veröffentlichen. Das Album zeigt eine hervorragend eingespielte Band, mit großer Bläser Combo, die durchgängig den Sound von Arkansas Dave begleitet.

Nach der Ansage durch den Veranstalter beginnt Dave mit der vielversprechenden Begrüßung „We play some Rock ’n‘ Roll“ und setzt diese Ankündigung sofort zielstrebig mit „Bad To Being Good“, einer schnellen Rock Nummer, und dem folgenden „Think Too Much“ – beides vom selbst betitelten Solo Album – unmittelbar in die Tat um.

„Come Back To Me“, ein ebenfalls schöner, bläsergestützter Blues, bildet anschließend den Übergang zu „Bad Water“, einem großartigen Blues-Rock-Song, dessen schneller Refrain im Wechsel mit den langsamen Gesangspassagen in der 7-Minuten Live-Fassung bleibenden Eindruck hinterlässt. Die Interpretation des Tom Waits Songs „Chocolate Jesus“ ist eine ambitionierte Aufnahme, inklusive passender Bläser- und Gitarrensoloarbeit.

Das etwas an „The Doors“ angelehnte „Squeaky Clean“, wirkt durch seinen wiederkehrenden, dominanten Sprechgesang in Form eines eigenwilligen Blues-Tracks und erinnert damit an „alte Zeiten“. Als schöner Soul-Blues kommt „The Wheel“ angerollt, und leitet über in den langsamen Blues-Song „Rest Of My Days“, der erneut die Stärke der eingespielten Background-Bläser-Truppe unter Beweis stellt. Dieser fette Bläser-Sound wird auch auf „Honey Bee“, einem Stück von Tom Pettys „Wildflowers“-LP fortgesetzt, das als Blues-Rock-Version für das Konzert typisch ist.

Dies gilt ebenso für das treibende Medley „Black Draws/Let’s Have A Party“, das gegen Ende des Gigs als schneller Rock’n’Roll-Song konzipiert ist und die Band in eine intensive Jam-Session führt. Der eigentliche Abschluss-Track „On My Way“ wird als starker Texas-Blues-Boogie im Stile von Canned Heat auf den Punkt gebracht; leider kommt hierbei die Vorstellung der einzelnen Band-Mitglieder mit ihren persönlichen Solo-Einsätzen etwas zu kurz.

Insgesamt ist das Album „Arkansas Dave In Concert“ die gelungene Performance einer noch jungen Blues-Rock-Formation, die ihre eigene musikalische Ausrichtung auch nach dem zweiten Longplayer und prominenten Einfluss-Effekten hoffentlich noch weiter zielstrebig konsequent ausbauen kann.

Big Indie Records (2019)
Stil: Blues, Country

Tracklist:
01. Intro
02. Bad At Being Good
03. Think Too Much
04. Come Back To Me
05. Bad Water
06. Chocolate Jesus
07. Squeaky Clean
08. The Wheel
09. Rest Of My Days
10. Honey Bee
11. Diamonds
12. Black Draws/Let’s Have A Party
13. On My Way

Arkansas Dave
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Oktober Promotion

Ned LeDoux – Next In Line – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Schon mit dem Albumtitel seines zweiten Longplayers „Next In Line“ lässt Country-Musiker Ned LeDoux keinen Zweifel daran, welches musikalische Erbe uns erwartet: Er ist als „nächster in der Reihe“ und meint damit die musikalischen Stiefel seines Vaters Chris LeDoux, der über 30 Jahre lang im Musik-Business aktiv war (inklusive 30 LP-Veröffentlichungen). Die Country-Musik liegt eindeutig im Blut und verpflichtet, die Familientradition fortzusetzen.

Seit 1998 spielte Ned als Drummer bei „Western Underground“, der Begleitband seines Vaters, und spürte den „Stallgeruch“ der Country-Szene, wie er es beschreibt: „Once I got the taste oft he road, and being in front of a crowd and just the sound of it, it was…freedom.“

Nach seinem erfolgreichen Debüt „Sagebrush“ (2017) bringt der mittlerweile 42-jährige aus Kaycee, Wyoming, nun sehr persönliche Geschichten und Erfahrungen in das neue Album ein. Viele Songs der LP handeln von den eigenen Country-Roots und den Personen, die ihn als Vorbilder geprägt haben. So widmet LeDoux in familiärer Verbundenheit gleich mehrere Songs seinem Großvater („Worth It“), seinem Bruder („A Cowboy Is All“) und natürlich seinem Vater („Homegrown Western Saturday Night“).

Besonders seine Jahre als Drummer von „Western Underground“ haben die Songauswahl für „Next In Line“ beeinflusst. Ned LeDoux wollte Tempo-Songs, die er selbst gerne am Schlagzeug spielen würde. An seiner Seite ist wieder der erfahrene Produzent Mac McAnally, mit dem Ned bereits das Vorgängeralbum eingespielt hat.

Der erste Song „Old Fashioned“ ist so ein Stück über seine Vergangenheit:„This song pretty much describes where I came from and the lessons I learned growing up that I still carry on to this day.“ Diese Begeisterung aus den Anfangsjahren hat sich Ned erhalten und die Tracks spiegeln durchweg einen bodenständigen Sound, wie z.B. das mit flinker Fiddel und famoser Lap-Steel Begleitung intonierte „Dance With You Spurs On“. Auch der folgende Titelsong „Next In Line“ vermittelt diese, glaubwürdige Atmosphäre einer unkomplizierten Country-Hymne, die in ihren Lyrics die eigentliche Intention des Songwriters deutlich macht.

Der Radio-Chart-Hit des Albums ist „Where You Belong“, ein Up-Beat-Song im Heartland-Rock-Charakter, und ebenfalls ein Stück, das seine Heimatliebe zum Ausdruck bringt. Auf „Just A Little Bit Better“ spielt LeDoux zusammen mit Produzent Mac McAnally, der neben Chris Stapleton als Songwriter gewirkt hat. Für einen Cover-Song wagt sich Ned an John Fogertys „Almost Saturday-Night“ und liefert eine klassische Country-Version des alten Rock-Krachers ab.

Mit einer ausdrucksstarken Hommage an seinen 2005 verstorbenen Vater beendet Ned LeDoux „Next In Line“ und punktet insgesamt durch seine überzeugende und natürliche Mentalität. Auf dem langen Weg zu musikalischen Ehren ist „Next In Line“ ein weiterer, großer Schritt und zeigt den starken Willen ein besonderes Erbe anzutreten – ein ehrgeiziges Ziel… für den nächsten in der Reihe.

Powder River Records (2019)
Stil: Country, New Country

Tracklist:
01. Old Fashioned
02. Worth It
03. Dance With You Spurs On
04. Next In Line
05. A Cowboy Is All
06. Where You Belong
07. Travel Alone
08. Path Of Broken Dreams
09. Just A Little Bit Better (feat. Mac McAnally)
10. Almost Saturday Night
11. Great Plains
12. Chris LeDoux Intro
13. Homegrown Western Saturday Night

Ned LeDoux
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Holman Autry Band – Roots – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Der ungebrochene Ehrgeiz, das „eigene Ding“ zu machen, ist in der 12-jährigen Bandgeschichte der Holman Autry Band aus Madison County, Georgia, die konstante musikalische Triebfeder geblieben. Auch ihre neue, fünfte Scheibe „Roots“ entwickelt trotz vertrauter Einflüsse, die aus den weiten Gefilden des Southern und Country Rock zu spüren sind, ein maßgeschneidertes Eigenleben. Diese Maßarbeit verdankt die Combo u.a. wieder einmal Davis Causey, ihrem Freund und Produzenten, der den 12 „Original“ Holman Autry Songs den großartigen Studio-Sound verpasst.

Schon mit dem ersten Track „Keys In The Truck“ kommt die Band in der schnellen Südstaaten-Rock-Kategorie“ (Dickey Betts lässt grüßen) auf Touren. Sie erinnert im nächsten sehr eingängigen Country-Rock „Square“ an ihre Idole und im Refrain augenzwinkernd daran, dass die Holman Autrys einen Vergleich mit diesen bisweilen nicht scheuen müssen. Die Bandmitglieder Brodye Brooks (Lead Gitarre), Casey King (Vocals und Bass Gitarre), Josh Walker (Vocals und Rhythmus Gitarre) und Brandon Myers (Schlagzeug) sind alle „self-taught musicians“, die sich schon seit der Highschool-Zeit kennen und bei Sounds of South mittlerweile als Review-Stammgäste angekommen sind.

In der Interpretation, das gesamte Album als „Black Label Country“, also einer eigenen Stilrichtung zu bezeichnen, hat die Band auch den Titelsong „Roots“ melodisch einfallsreich und in gewisser Weise experimentell ausgestaltet – ein klassischer Mid-Tempo Südstaaten-Rock verbindet sich mit typischen Gospel-Soul-Rhythmen zum Ohrwurm. Dass diese spirituellen Wurzeln in der Country-Musik ebenfalls ihren Platz haben, belegt die folgende einfühlsame Akustik-Nummer „Jesus In Jail“ nicht nur im Storytelling, sondern bringt, wie der fünfte Titel „Cotton Gin“, althergebrachte Folk- und Bluegrass-Weisen wörtlich ins Spiel einer mehr als unterhaltsamen Scheibe.

Ein Portrait der amerikanischen Provinz und deren originellen Eigenheiten gelingt der Holman Autry Band weiterhin beim geradezu „leichtfüßig“ daher kommenden „Dam Fishing“, das im Country Rock Stil und Mitsing-Refrain wirkungsvoll hängen bleibt. Sowie bei der mittel-schweren Blues-Rock-Nummer „Louisiana Lucy“ mit ausgeprägter E-Gitarren-Dominanz. Die gefühlvoll-angenehme Gitarren-Arbeit auf dem achten Stück „Small Price“ findet ihre vertraute Klangatmosphäre vergleichbar durchaus bei den Eagles wieder, während die „Great American Tragedy“ als intensive Southern-Rock-Sound-Collage mit balladenartiger Struktur auch bei den Drive-By Truckers für Begeisterung gesorgt hätte.

Diese unbekümmerte, aber gleichwohl erfrischende, eigene Songschmiede der Holman Autry Band liefert im Anschluss mit „Something Old“ schließlich wie selbstverständlich den alternativen Mid-Tempo Highway-Country-Song, der vom Riff-Gewitter des markanten Southern-Rock-Blues „Your Own Desaster“ im unverkennbaren Skynyrd-Mythos abgelöst wird. Den Abschluss der Scheibe bildet die langsame Country-Rock-Ballade „Where The Song Went“ und fordert damit unvermittelt zum „Play It Again!“ auf.

Nach „Sweet Southern Wind“ (2009) und „Electric Church“ (2016) hat die Holman Autry Band mit dem bemerkenswerten Album „Roots“ erneut einen starken Longplayer vorgelegt, der ihre Songwriting-Qualitäten nochmals bestätigt und die musikalischen Wurzeln der Gruppe im breiten Umfeld des Southern- und Country-Rock energiegeladen präsentiert.

Eigenproduktion (2019)
Stil: Southern Rock, Country

01. Keys In The Truck
02. Square
03. Roots
04. Jesus In Jail
05. Cotton Gin
06. Dam Fishing
07. Louisiana Lucy
08. Samall Price
09. Great American Tragedy
10. Something Old

Holman Autry Band
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North Mississippi Allstars – Up And Rolling – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Zurück zu den musikalischen Wurzeln! Das scheint der Leitgedanke der North Mississippi Allstars auf ihrer neuen CD „Up And Rolling“ zu sein.

Was das Stöbern in alten Fotoalben doch so alles bewirken kann: Die Inspiration für die Aufnahmen kam den Dickinson-Brüdern durch Bilder des texanischen Fotografen Wyatt McSpadden der 1996 die Hill Country Blues-Szene in Mississippi dokumentierte. Die Songs auf dem 10. Studioalbum sind daher in erster Linie eine Würdigung und Anerkennung regional beachteter Künstler wie Otha Turner und Junior Kimbrough.

Die große Bedeutung der Einflüsse dieser Künstler durchströmt die Recordings der Band, die damit auch ihre eigene biographische Note ins Album einbringt. Das leicht desert-rockige aber vom Fife-And-Drum-Stil dominierte „Call That Gone“ ist ein außergewöhnlicher und exzentrischer Einstieg ins neue Album.

Der nicht nur Sound-technisch im Spill The Wine-Style produzierte Titel-Track „Up And Rolling“ ist ein auch textlich in Drogen-Bezügen verankerter Song und erinnert noch mal an die „Botschaft“ dieses Longplayers: „We love to play these hill country blues ‚til you satisfied“.

Der Staple Singers Vintage-Gospel-Track und unwiderstehliche Stomper „What You Gonna Do?“ auf dem sich Mavis Staples höchstpersönlich dazu gesellt, ist eine berauschende Version des Hits vom 1965er Album „Freedom Highway“. Die Dickinson-Brüder haben zudem weitere hochkarätige Gäste für den Longplayer versammelt.

Auf dem T-Bone Walker Track „Mean Old World“ überkommt sogar dem Americana-Rocker Jason Isbell der Blues und auch Duane Betts scheint sich fernab des Southern-Rocks pudelwohl zu fühlen, als sich der Song am Ende zu einem 6-minütigen Boogie-Jam entwickelt.

Aber auch der Roadhouse Blues “Out On The Road” unter Beteiligung von Cedric Burnside (Sohn von Blues-Legende R.L. Brunside), das dunkel gestimmte „Lonesome In My Home“, das funkige “Bump That Mother” sowie die sozial-kritischen Ausflüge auf “Living Free” zeigen die vielseitigen Song-Arrangements dieser in Bestform aufgelegten North Mississippi Allstars.

Kris Kristoffersen-Country und Garth Brooks-Tendenzen gibt es auf dem Gospel getränkten “Take My Hand, Precious Lord”, auf dem ebenfalls Cedric Burnside mitwirkt. Das letzte Stück „Otha‘s Bye Bye Baby“ ist eine nachträgliche Ehrerbietung an Otha Turner, das Luther Dickinson 1996 mit dem Blues-Veteranen aufgenommen hat und damit jetzt einen denkwürdigen Schlusspunkt unter das neue Album setzt.

„Up And Rolling“ von den North Mississippi Allstars ist ein facettenreicher Longplayer, der sich gegen den überbordenden Pop-Arrangement-Trend in der Blues- und Country-Musik wendet und voller herzhafter, biographischer Komponenten und Bezüge der Südstaaten-Band ist.

Luther und Cody Dickinson zeigen mit ihrer neuen Scheibe, dass man mit kreativen Ideen und herausragenden Songwriting-Skills heutzutage immer noch ein klassisches Blues-Country-Album in der Tradition ihrer Heimat produzieren kann.

New West Records (2019)
Stil: Blues-Rock, Roots-Rock, Country

Tracklist:
01. Call That Gone
02. Up And Rolling
03. What You Gonna Do? (feat. Mavis Staples)
04. Drunk Outdoors
05. Peaches
06. Mean Old World (feat. Jason Isbell and Duane Betts)
07. Out On The Road (feat. Cedric Burnside)
08. Lonesome In My Home
09. Bump That Music
10. Living Free
11. Take My Hand, Precious Lord (feat. Cedric Burnside)
12. Otha‘s Bye Bye Baby (feat. Otha Turner)

North Mississippi Allstars
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The Highwomen – Same – CD-Review

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The Highwomen sind ein neu formiertes Quartett, bestehend aus den vier Singer-/Songwriterinnen Brandi Carlile, Maren Morris, Amanda Shires und Natalie Hemby.

Wer unser Magazin aufmerksam liest, dem sind diese Namen, auch wenn keiner davon in unserer Interpretenskala zu finden ist, im einen oder anderen Artikel sicherlich schon mal begegnet.

Unweigerlich erinnert man sich an die Country-Super-Combo The Highwaymen, mit den allerdings gestandenen und allseits bekannten Recken Johnny Cash, Willie Nelson, Waylon Jennings und Kris  Kristofferson, die Mitte der Achtziger bis Mitte der Neunziger, mal im Kollektiv ein paar Zusatz-Dollar zu generieren suchten.

Marren Morris ist die mit Abstand jüngste im Bunde, allerdings vielleicht nicht zuletzt durch ihre Auftritte hier bei uns, vermutlich die kommerziell erfolgreichste.

Brandi Carlile hat uns vor kurzem besonders durch ihre starke Mitwirkung bei Tanya Tuckers Comeback Album erfreut.

Die Texanerin Amanda Shires ist für ihr filigranes Fiddle-Spiel, Gesänge in Richtung Emmylou Harris-Dolly Parton und als Ehefrau von Jason Isbell vordergründig bekannt.

Natalie Hemby hat neben ihren eigenen Sachen mit und für so ziemlich alles was Rang und Namen in der New Country-Szene hat Stücke kreiertm wie zum Beispiel die Eli Young Band, Carrie Underwood, Little Big Town, Keith Urban, Toby Keith, Blake Shelton, nur um ein paar zu nennen.

Ihre musikalische DNA wird direkt im schönen, mit einer Mark Knopfler-mäßig E-Gitarre begleiteten Opener „Highwomen“ proklamiert: „We’re the Highwomen, we sing of stories still untold, we carry the sons you can only hold, we are the daughters of the silent generations, you send our hearts to die alone in foreign nations, and may return to us as tiny drops of rain, but we will still remain.”

Im weiteren Verlauf erhält man trotz Unterstützung prominenter Gäste wie Sheryl Crow (Backgroundgesang, Bass), Yola (Gesang, Backgroundgesang), Dave Cobb (akustische/elektrische Gitarre), Jason Isbell (akustische/elektrische Gitarre), Phil Hanseroth (Bass, Backgroundgesang), Tim Hanseroth (Gitarre, Backgroundgesang), Chris Powell (Drums) und Peter Levin (Piano und Keyboards), recht dezent instrumentierte, countryeske Stücke (ähnlich wie auf Tanya Tuckers Album), die auf die Entfaltung der unterschiedlichen Gesangstypen und der vielen Harmoniegesänge, sowie die niveau- und humorvollen Texte (herrlich u. a. „Redesigning Women“, “My Name Can’t Be Mama”) fokussiert ist.

Mein Favorit ist das von von Jason Isbell mit kreierte und von Maren Morris angeführte, mit entspannt surrendem Slide hinterlegte, dezent Southern-angehauchte „Old Souls“. Hier stimmt von der Instrumentierung (klasse Slide-Solo) bis zu den Gesängen (Stevie Nicks-/Fleetwood Mac-Touch) einfach alles. Tolle Nummer.

Wer Spaß an beschriebenem Liedgut hat, und vielleicht die eine oder andere Bildungslücke mit (überwiegend traditioneller) Countrypowerfrauenmusik schließen möchte, der liegt bei den den vier Highwomen mit Morris, Hemby, Carlile und Shires goldrichtig. Ein absolut gelungenes Werk. Daher kann die Empfehlung nur lauten: „Take the Highwomen!“

MCA Nashville (2019)
Stil: Country Rock

01. Highwomen
02. Redesigning Women
03. Loose Change
04. Crowded Table
05. My Name Can’t Be Mama
06. If She Ever Leaves Me
07. Old Soul
08. Don’t Call Me
09. My Only Child
10. Heaven Is A Honky Tonk
11. Cocktail And A Song
12. Wheels Of Laredo

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Charley Crockett – The Valley – CD-Review

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Review: Michael Segets

Charley Crockett hatte vergangenen Monat in der Kulturrampe im Rahmen seiner diesjährigen Europatournee Halt gemacht. Die letzten Konzerte in Spanien sind gerade gelaufen und die nächsten in den Vereinigten Staaten angekündigt. Nicht nur, wenn Crockett auf Konzertreise ist, erscheint er als rastloser Geist. Bereits als Jugendlicher trampte er durch die Staaten, lebte später in Europa und Afrika.

Ständig on the Road charakterisiert er seine selbst gewählte Lebensweise auf „The Way I’m Livin‘ (Santa Rosa)“ oder „Motel Time Again“. Ebenfalls autobiographische Züge trägt der Titelsong des neuen Albums „The Valley“. Bei ihm schildert Crockett seine Herkunft und die Anfänge seiner Sehnsucht, die ihn immer wieder in die Ferne zieht.

So unstet sein Lebenswandel auch erscheint, so bleibt er doch musikalisch auf seiner Linie, die zwischen Country und Blues liegt. Hatte er sich auf seinem Chart-Erfolg „Lil G.I.‘s Blue Bonanza“ (2018) dem Blues zugewandt, schlägt die Nadel bei „The Valley“ wieder stärker in Richtung Country aus, was sich ja bereits bei der Show in der Kulturrampe abzeichnete.

Da sind schnellere Varianten vorhanden, wie das einprägsame „Big Gold Mine“, oder auch langsame, wie „10,000 Acres“ und „Change Yo‘ Mind“. Die meisten Country-Nummern (u. a. „Excuse Me“ oder „Maybelle“), bewegen sich aber im mittleren Tempo. Die Titel orientieren sich von Machart und Instrumentalisierung mit Geige, Steel Pedal und Slide an den Genreklassikern. Sie haben den typischen Twang. Den erzielt Crockett auch auf „River Of Sorrow“, bei dem er Orgel und Trompete einbaut.

Unter den Country-Songs, die dem herkömmlichen Muster folgen, heben sich „It’s Nothing To Me“, auf dem Crockett etwas tiefer singt, und „Borrowed Time“ besonders hervor. Die Single, die Crockett zusammen mit Evan Felke (Turnpike Troubadours) geschrieben hat, glänzt durch einen sofort ins Ohr gehenden Refrain, auf dem Crocketts besonderer, metallischer Gesang hervorragend zur Geltung kommt.

Intensiv sind die beiden Songs „5 More Miles“ und „7 Come 11“. Bei ihnen wendet sich Crockett mehr seiner bluesigen Seite zu. „If Not The Fool“ ist in zwei Versionen auf dem Album vertreten. Die längere Version enthält ein gedämpft schnarrendes Trompetensolo, unterscheidet sich aber sonst nicht wesentlich von der anderen. Selbst in der Langversion knackt der langsame Blues nicht die vier Minutenmarke. Crocketts Stücke sind sowieso meist sehr kurz und selten länger als drei Minuten.

Schließlich findet sich ein vom Banjo begleiteter Folksong auf der Scheibe, der die Legende um John Henry aufgreift. Mit „9 Pound Hammer“ reiht sich Crockett ebenbürtig in die Tradition von Pete Seeger, Leadbelly oder Johnny Cash ein. Mit ihm erhöht Crockett die Klangvarianz auf seinem Longplayer, der insgesamt von ähnlich aufgebauten Country-Nummern geprägt wird.

Die Differenzierungen im Country-Bereich stellen ja eine Wissenschaft für sich dar. Ich habe letztens gelesen, dass es so etwas wie New-Traditional-Country gibt. Die Bezeichnung trifft die Mehrzahl der Songs von Crockett auf „The Valley“ ganz gut. Dabei gelingen ihm einige sehr schöne, eingängige Genrebeiträge. Tendenziell stechen aber die starken Titel mit Blues-Einschlag auf dem Album hervor. Sie bringen Abwechslung in das Werk und bleiben von ihm eher im Gedächtnis.

Son Of Davy / Thirty Tigers
Stil: Country, Blues

Tracklist:
01. Borrowed Time
02. The Valley
03. 5 More Miles
04. Big Gold Mine
05. 10,000 Acres
06. The Way I’m Livin‘ (Santa Rosa)
07. 7 Come 11
08. If Not the Fool (Long Version)
09. If Not the Fool (Short Version)
10. Excuse Me
11. It’s Nothing To Me
12. Maybelle
13. 9 Pound Hammer
14. River Of Sorrow
15. Change Yo‘ Mind
16. Motel Time Again

Charley Crockett
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Charley Crockett – 27.08.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Zum Abschluss der Sommerferien öffnete die Kulturrampe ihre Pforte für Charley Crockett. Mit der letztjährigen Top-Ten-Platzierung seines Albums „Lil G.I.‘s Blue Bonanza“ in den Blues-Charts ist Crockett in Amerika schon kein Geheimtipp mehr. Hierzulande hält sich sein Bekanntheitsgrad noch eher in Grenzen. So füllte sich nach einem schwülen Tag die Krefelder Kult-Location auch nur zur Hälfte.

Allerdings nahm ein Fan-Trupp aus Schwelm die 80-km-Anreise auf sich, um den Texaner und seine Band live zu erleben. Auffällig war zudem die relativ hohe Frauenquote unter den Besuchern. Der markante, metallische Gesang Crocketts und sein stylischer Retro-Look mögen dafür verantwortlich sein.

Pünktlich um 21.00 Uhr startete Crockett mit der aktuellen Auskopplung „5 More Miles“ aus seinem im September erscheinenden Album „The Valley“. Bei dem flotten Einstieg mit dem bluesinfiltrierten Stück sorgte Alexis Sanchez an der E-Gitarre für den besonderen Drive.

Zwar wurde mit „The Race Is On“ und „Lots Of Luck“ sein Chart-Erfolg berücksichtigt, den ersten Abschnitt des Konzerts dominierten aber die Titel des neu angekündigten Longplayers. Neben der starken ersten Single „Borrowed Time“ blieb vor allem „Big Gold Mine“ im Gedächtnis. „Maybelle“ – mit Pfeifeinlage – und „River Of Sorrow“ gab Crockett ebenso zum Besten wie die von „In The Night“ (2016) stammenden „Baby 1-2-3“ und „I Am Not Afraid“.

Charley Crockett ist schon in jungen Jahren durch die Staaten getrampt und lebte zeitweise in Frankreich, Spanien und Nordafrika. Seinen Freiheitsdrang sowie das Bedürfnis unterwegs zu sein, thematisiert er in „The Valley“ und „The Way I’m Livin‘ (Santa Rosa)“. Leider hat er weder zu diesen, noch zu anderen Songs, Erläuterungen gegeben.

Ich hätte mir ein paar Ansprachen oder eine stärkere Interaktion mit dem Publikum gewünscht. Angesichts der hohen Temperatur in der Rampe schien es die meisten Anwesenden allerdings nicht gestört zu haben, dass Crockett die Setlist straight durchspielte. Textsicher unterstützten sie ihn bei einigen Titeln und waren froh, dass sich Crockett nach dem Auftritt Zeit für Gespräche und Fotosessions in dem kühleren Vorraum der Rampe nahm.

Im zweiten Abschnitt der Show versammelte sich die Band, mit Ausnahme des Drummers Mayo Valdez, im Kreis um ein Mikro. Zum „Banjo-Pickin‘“ tauschte Crocket seine akustische Gitarre gegen ein Banjo aus und Multiinstrumentalist Kullen Fox griff zur Mandoline. Die Aufstellungsform ermöglichte es den Musikern abwechselnd – je nachdem, wie nah sie sich zum Mirko positionierten – in den Vordergrund zu treten. Eine schöne Idee, die ich so noch nicht auf der Bühne gesehen hatte.

Crockett bewegt sich auf seinen Longplayern zwischen Country und Blues. Während im ersten Teil des Konzerts der Schwerpunkt auf Country-Nummern lag, wurde die stilistische Bandbreite nach dem Banjo-Intermezzo größer. Mit Rock ’n Roll, R&B und Blues präsentierte Crockett und seine Männer eine gelungene Mischung.

Schwerpunktmäßig wurden in dieser Phase Tracks von der Scheibe „Lonesome As A Shadow“ (2018) gespielt. „How Long Will I Last“, „Lil‘ Girl’s Name“, „Oh So Shaky” und ich meine auch „The Sky’d Become Teardorps” sowie „Ain’t Gotta Worry Child”. Zuvor performte die Band „I Wanna Cry“ und „Goin’ Back To Texas” von diesem Album.

Colin Colby wechselte vom Upright- zum E-Bass und Crockett packte die E-Gitarre aus. Der Frontmann lebte dann auch auf der Bühne auf und präsentierte einzelne Tanzeinlagen. Während des gesamten Konzerts setzte Kullen Fox mit Keybord, Akkordeon und Trompete immer wieder schöne Akzente.
Natürlich durfte der Schunkler „Jamestown Ferry“ nicht fehlen, den es zu Beginn der Zugabe gab. Nach 75 Minuten verließen die Texaner, die ihre standesgemäßen Hüte trotz der Hitze nicht ablegten, die Bühne.

Charley Crockett hat einige hervorragende Songs im Programm. Er und seine Band lieferten insgesamt eine abwechslungsreiche Show, die im ersten Teil vielleicht ein etwas zu gleichförmiges Tempo hatte. Wie dem auch sei, die angereisten Fans waren hoch zufrieden und sogar Markus Peerlings ließ es sich nicht nehmen, der Band im Saal seiner Kulturrampe zu lauschen.

Crockett setzt nach seinem letzten Gig in Deutschland seine Europa-Tour in den Niederlanden, Belgien, England, Frankreich und Spanien bis Mitte September fort. Zur Veröffentlichung seines neuen Albums „The Valley“ kehrt Crockett nach Amerika zurück, wo sich weitere Shows anschließen.

Line-up:
Charley Crockett (lead vocals, guitar, banjo)
Alexis Sanchez (guitar)
Kullen Fox (accordion, keys, trumpet, mandolin, vocals)
Colin Colby (bass, vocals)
Mayo Valdez (drums)

Text und Bilder: Michael Segets

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