Tanya Tucker – Live From The Troubadour – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

9081 Santa Monica Boulevard, West Hollywood, Los Angeles, ist die Adresse einer legendären Konzert-Location, die seit über 60 Jahren Musikgeschichte schreibt. „The Troubadour“ ist das renommierte Venue auf den Album-Covern vieler prominenter Namen, wie z.B. Neil Diamond (1970), Carole King und James Taylor (2010) oder der Band Wilco (1996), die dort Konzert-Auftritte für einen Longplayer einspielten. In diese lange Reihe exklusiver Club-Performings hat sich im vergangenen Jahr auch die Country-Ikone Tanya Tucker eingereiht und nun mit „Live From The Troubadour“ ihr drittes Live-Album aufgenommen – 15 gefeierte Tracks, geprägt von Tanyas unverwechselbarer Stimme und einer Top-Begleitband.

Die inzwischen 62-jährige Country-Lady aus Texas ist seit fast fünf Jahrzehnten im Musik-Business aktiv (bereits 1997 erfolgte die Aufnahme in die Country Music Hall of Fame) und konnte über die Zeit in fast allen Award-Kategorien Preise abräumen. Das Studio-Album „While I’m Livin‚“ wurde bei den 2020 Grammys als bestes Country-Album des Jahres ausgezeichnet. So enthält „Live From The Troubadour“ natürlich zum großen Teil Songs aus diesem preisgekrönten Longplayer, allen voran „Bring My Flowers Now“, der als bester Country-Song 2020 prämiert wurde.

Die neue Live-Scheibe ist natürlich auch ein kleines ‚Best-of‘-Werk und bringt acht schöne Versionen älterer Country-Klassiker und Nr. 1-Titel, wie u.a. „Delta Dawn“, „Blood Red And Goin‘ Down“ oder „Strong Enough To Bend“ und „Jamestown Ferry“ aus Tuckers langer Karriere zurück auf den Plattenteller. Die Konzert-Atmosphäre vor 500 begeisterten Fans vermittelt durch die persönlichen Ansagen und Publikum-Backgrounds, eine fast schon private Party-Stimmung, die mit dem Medley aus „I’m On Fire/Ring Of Fire“ (eine ungewöhnliche Bruce Springsteen/Johnny Cash Cover-Version) einen zusätzlichen Höhepunkt erfährt.

Tanya Tucker hat mit dem Album „Live From The Troubadour“ – die Music Hall profitiert dabei übrigens durch einen Anteil aus den Einnahmen der LP-Verkäufe – eine familiär klingende Country-Scheibe veröffentlicht und begeistert mit der Auswahl an älteren und jedoch ebenso neuen Tracks. Tuckers Performance zeigt, dass ihr auch generationsübergreifend der Spagat zwischen klassischer Country-Musik und modernen Chart-orientierten Melodien mühelos gelingt.

Fantasy Records (Universal Music) (2019)
Stil: Country

Tracklist:
01. Would You Lay With Me (In A Field Of Stone)
02. Jamestown Ferry
03. What’s Your Mama’s Name, Child
04. Blood Red And Goin’ Down
05. Strong Enough To Bend
06. I’m On Fire / Ring Of Fire
07. Mustang Ridge
08. The Wheels Of Laredo
09. I Don’t Owe You Anything
10. High Ridin’ Heroes
11. Hard Luck
12. Interlude
13. Bring My Flowers Now
14. Texas (When I Die)
15. It’s A Little Too Late
16. Delta Dawn

Tanya Tucker
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Oktober Promotion

Justin Moore – Live At The Ryman – CD-Review

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In Tagen, wo Konzerte aufgrund der bekannten Problematiken, eher andächtigen Klassik-Veranstaltungen – nur ohne die dort typische hohe Arschlochdichte im Publikum – gleichen, kommt Justin Moore mit einem frenetisch-spektakulären Live-Album, aufgenommen im ausverkauften Ryman-Auditorium, in Nashville, Tennessee, noch in der guten alten Vor-Corona-Zeit, um die Ecke.

Der ursprünglich aus dem kleinen Dorf Poyen in Arkansas stammende, 2002 nach Nashville übergesiedelte Künstler, zieht dabei alle Register und präsentiert einen mustergültigen Querschnitt aus seinen allesamt mega-erfolgreichen fünf Alben (keines schlechter als Platz 3, dreimal sogar Platz 1), serviert dazu on top mit Chris Janson, David Lee Murphy und Ricky Skaggs illustre Gäste.

Der an diesem Abend gesanglich und kommunikativ blendend aufgelegte Moore kann sich dazu auf eine sensationell gut auftrumpfende Begleitband, bestehend aus den superben E-Gitarristen Perry Coleman II (auch background vocals) und Josh Cross, dem famosen Keyboarder Kory Caudil (auch background vocals) , sowie der blendenden Rhythmusfraktion mit David Dubas (bass) und Powerdrummer Tucker Wilson (mit vielen ‚volumigen‘ Trommelhageln), verlassen, die sich mindestens zu 50% für das Gelingen dieses herrlichen Events mitverantwortlich zeigt.

Mit „Hank It“ und „Backwoods“ hat das einstige Basketball-Talent direkt zwei Einsteiger der Marke ‚besser geht’s nicht‘ parat, die sofort für mächtig Alarm sorgen. Da muss dann direkt die wunderschöne Ballade „Flyin’ Down A Back Road“ zum Durchatmen, aber auch zum Mitsingen des über die gesamte Dauer textfesten und immer wieder eingebundenen Publikums, herhalten.

Danach liefert er quasi ein, auch von der Anordnung mustergültiges Best Of-Programm (mit vielen seiner stimmungsvollen Hits wie u. a. „You Look Like I Need A Drink“, „Kinda Don’t Care“, „Til My Last Day“, „If Heaven Wasn’t So Far Away“ ab, das auch in großen ausverkauften Stadien, optimal seinen Zweck erfüllen würde.

Nach dem southern-rockigen „Bed Of My Chevy“ wird mit dem Einbinden der o. a. angeführten Gäste in den etwas traditionelleren Country-Modus umgeswitcht. Chris Janson begeistert neben seinem kauzigen Gesang auch mit einem klasse Harp-Solo beim Hank Williams jr.-Outlaw-Klassiker „Country State Of Mind“. David Lee Murphy erweist sich als idealer Partner beim Waylon Jennings-Feger „I Ain’t Living Long Like This“ und Neo-Traditionalist Ricky Skaggs ebenso beim schunkligen Heuler „Honey (Open That Door)“.

Das patriotische „Small Town USA“ (mit natürlich inbrünstigem Publikumsgesang und tollen Twin-E-Gitarren) ist die passende Initialzündung für ein Finale der Extraklasse, das mit dem textlich vulgären, oder gerade deswegen, höchst unterhaltsamen „I Could Kick Your Ass“ (klasse wie Justin das letzte Wort der Titelzeile „Aääääääs“ als seinen letzten Vokal-Akt im Hauptteil auseinanderzieht, danach folgt ein starkes Instrumentaloutro der Band) und der abermals launigen Zugabe „Point At You“, die wie eine Jam-Session aus The Who (Orgel), den Stones (E-Gitarren-Rhythmus), Skynyrd (E-Soli)und Bruce-Springsteen (Powergesang) rüberkommt (plus Verabschiedung von Band und Gästen), stimmungsmäßig kaum zu toppen ist. Southern New Country-Live-Stoff at its best!

Schade, dass dieser furiose Justin Moore-Gig nicht auch in visueller Form als DVD oder Blu-ray festgehalten wurde, dafür wird es einem aber leicht gemacht, das dementsprechende Kopfkino, ganz ohne virale Übertragungsrisiken, einzuschalten. Dafür erhält man nach dem Kauf  absolut tolle Musik (in dieser Hinsicht allerdings mit höchster Ansteckungsgefahr) in einem Top-Sound samt grandioser Stimmung, exklusiv in seinem Wohnzimmer. Man gönnt sich in diesen Zeiten ja sonst nichts…!

Valory Records/Universal (2020)
Stil: New Country

01. Hank It
02. Backwoods
03. Flyin’ Down A Back Road
04. You Look Like I Need A Drink
05. Somebody Else Will
06. Bait A Hook
07. Kinda Don’t Care
08. Til My Last Day
09. If Heaven Wasn’t So Far Away
10. Lettin‘ The Night Roll
11. Bed Of My Chevy
12. Country State Of Mind (featuring Chris Janson)
13. I Ain’t Living Long Like This (featuring David Lee Murphy)
14. Honey (Open That Door) (featuring Ricky Skaggs And The Whites)
15. Small Town USA
16. I Could Kick Your Ass
17. Point At You

Justin Moore
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Universal Music Group

Keith Urban – The Speed Of Now – Part 1 – CD-Review

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Als ich 1999 Keith Urbans nach sich selbst betiteltes Studioalbum rezensierte, kannte ihn hier in Deutschland so gut wie niemand, geschweige, dass von ihm berichtet wurde. Schon damals prophezeite ich (ich zitiere mich selbst): „Keith Urban, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, wird die Erfolgsleiter emporklettern und schon bald zu den nicht mehr wegzudenkenden Größen in Nashvilles New-Country-Szene gehören.“

2007, als ich ihn zum ersten Mal live im Kölner E-Werk erlebt hatte, stand er im Rahmen seiner Nicole Kidman-Liaison bereits in der Yellow-Press und auch musikalisch steckte er schon mitten im Big Business. Sein genreübergreifendes Talent war längst erkannt. Mit seinem ersten Nummer-1-Album „Be Here“ 2004 war der gebürtige Neuseeländer in die oberste Riege der Nashville-Stars aufgestiegen.

Seitdem arbeitet Urban höchsterfolgreich daran, die bestmögliche Schnittmenge zwischen Rock, Pop und Country auf seinen Alben zu realisieren und versucht, wenn nötig, auch noch weitere, von Aktualität bestimmte Strömungen, wie z. B. R&B oder Hip Hop, etc. wohl dosiert mit einzuflechten.

Und so verhält es sich auch auf seinem neusten Werk „The Speed Of Now – Part 1“, das mit 16 Stücken voll bepackt ist. Auch wenn der poppige Opener mit Gästen wie Breland und Disco-Ikone Nile Rogers (Chic) „Out The Cage“ schön schmissige und treibende Elemente aufweist, muss man als eher Country- und Rock-verwurzelter Kritiker erstmal tief durchatmen und hofft zugleich, dass dies nicht der rote Faden für den weiteren Verlauf des Werkes sein möge.

Dem ist dann auch nicht so (lediglich die unsäglichen, momentan leider wohl unverzichtbaren Drum-Loops in Dauerschleife nerven etwas), auch wenn es zunächst mit Chartblick, im Star-Duett mit Pop-Sternchen Pink, mit einem für beider Verhältnisse, eher braven Schmuse-Ballädchen, weitergeht.

Mit dem stadiontauglichen „Live With“ findet Urban dann aber in die Spur und serviert ein immer, auf ins Ohr gehende Melodien bedachtes Konglomerat aus Rock, Pop und Country in allen Tempi und Stimmungen, vollgestopft mit Hitpotential (potentielle Kandidaten: „Superman“, „Soul Food“, „Ain’t It Like A Woman“, „With You“,  das karibisch-angehauchte „Polaroid“), wobei er seine variablen Gitarren-, bzw. Ganjo-Künste immer wieder akzentuiert aufblitzen lässt.

Ja, beim starken Southern Rocker „Forever“ , wo er am Ende sogar mal richtig die ‚E-Gitarren-Sau‘ raushängen lässt, läuft er sogar zur Form seiner ganz frühen Tage auf. Auch das trashige, in Big & Rich-Manier polternde „Tumbleweed“ mit starkem Wah-Wah-Solo, macht richtig Laune. Und am Ende gibt es mit „We Were“ einen saustarken Song gleich in zweifacher Version: Einmal Urban solo (hätte ich persönlich aber eher irgendwo in den Anfangsbereich des Albums platziert) und direkt anschließend als finalen Track mit Eric Church als Co-Sänger, in dieser Fassung zusammen mit dem oben erwähnten „Forever“ für mich das Highlight des Longplayers.

Mit „The Speed Of Now – Part 1“ hat der ewig-junge Sonnyboy wieder sein Gespür für die Zeit erwiesen, und in diesen Tagen mit High-Speed, Platz 1 in den Billboard-Country-Album-Charts erklommen. Die Scheibe gefällt tatsächlich mit jedem Hördurchgang besser. Der Titel suggeriert bereits einen Nachfolger mit ähnlichem Konzept. Keith Urban scheint weiterhin heiß darauf zu sein, auch in Zukunft, ganz oben mitzumischen.

Capitol Nashville/Universal (2020)
Stil: New Country

01. Out The Cage (mit Breland & Nile Rogers)
02. One Too Many
03. Live With
04. Superman
05. Change Your Mind
06. Forever
07. Say Something
08. Soul Food
09. Ain’t It Like A Woman
10. With You
11. Tumbleweed
12. God Whispered Your Name
13. Polaroid
14. Better Than I Am
15. We Were
16. We Were (mit Eric Church)

Keith Urban
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Universal Music

Brent Cobb – Keep ‚Em On They Toes – CD-Review

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Brent Cobb zählt mit seinen gerade mal 34 Lenzen schon zu den ganz großen Songwritern des Southern-umwobenen Country.  Nicht umsonst wurde der zwischenzeitlich in Nashville ansässige, heute aber wieder in seinem Ursprungsstaat Georgia mit seiner Familie lebende Cousin des bekannten Produzenten Dave Cobb, von Stars wie u. a. Luke Bryan, Miranda Lambert, Little Big Town, der Eli Young Band oder Kenny Chesney zwecks seiner Songideen heiß umworben.

Anders als auf seinen drei vorangegangenen Werken fokussiert sich Cobb auf seinem neuen, zehn Stücke umfassenden Werk (37 Minuten Spielzeit) auf eine, von Minimalismus geprägte Essenz, holt aber dennoch ein Maximum an Qualität und Schönheit aus den Tracks heraus.

Alles ist auf seinen ruhigen Storyteller-Gesang und eine klare Akustikgitarrenuntermalung ausgerichtet, hinzu kommen dann meist unaufgeregte percussionartige Rhythmus-Claps, ein wenig Orgel, Piano sowie die E-Gitarre, des öfteren  quietscht und raunzt eine Fiddle oder es quäkt eine Mundharmonika.

Grandios sind die oft in den Refrains eingebrachten weiblichen Harmoniegesänge, sensationell der quasi mit etwas Zeitversetzung parallel gelegte Gesang von Nikki Lane im herrlichen „Soap Box“, ganz großes Country-Kino. Gleiches gilt für das in den Solopassagen praktizierte heulende Twinspiel von Fiddle und Mundharmonika in „Shut Up And Sing“.

Mit „Good Times And Good Lovin'“ (schöner Schunkler mit Piano und Fiddle), „Sometimes I’m A Clown“ (Schwofer mit Fiddle-Solo), „This Side Of The River“ (herrlich hier das sanfte Southern Rock-E-Gitarren-Solo) gibt es drei Ohrwürmer am Stück, allesamt wieder mit diesen typisch-südstaatlichen weiblichen Harmonies.

Das einzig etwas flottere, bluesig gebrachte „Dust Under My Rug“ ist mein Adaptionstipp für keinen Geringeren als einen Herrn Eric Clapton, der dürfte ganz sicher großen Gefallen an diesem Stück mit unterschwelligem J.J. Cale-Flair haben.

Lediglich zum Schluss hätte ich alleine schon vom Titel her und dem Finale des atmosphärisch-progressiven Liedes „The World Is Ending“ (Brent singt nach dem letzten Refrain „end!“ und das Stück stoppt abrupt) mit dem in Gregg Allman-Manier gebrachten „Little Stuff“ in der Reihenfolge getauscht.

Großes Kompliment übrigens auch an Brad Cook für die wunderbar anschmiegsame Produktion. „Für mich fühlt es sich beim Hören dieses Albums an, als säße ich mit jemandem zusammen und führe ein Gespräch, wie mit einem alten Freund, den man schon lange nicht mehr gesehen hat. Es gibt nichts Schöneres, als einem Album zu folgen, das ruhig und gesprächig ist,“ so Brents Fazit zu seinem „Keep ‚Em On They Toes“-Gesamtwerk.

Und in der Tat – ich persönlich würde es als ‚warm and cozy Southern Country stuff‘ bezeichnen. Wirklich absolut vom Feinsten. Einfach famos dieser Brent Cobb! Ein ganz heißer Kandidat für das Album des Jahres! Kaufen!!!

Ol‘ Buddy Records (2020)
Stil: (Southern) Country

01. Keep ‚Em On They Toes
02. Shut Up And Sing
03. Good Times And Good Lovin‘
04. Sometimes I’m A Clown
05. This Side Of The River
06. Dust Under My Rug
07. Soap Box
08. When You Go
09. The World Is Ending
10. Little Stuff

Brent Cobb
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Oktober Promotion

Elizabeth Cook – Aftermath – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Dass amerikanische Country-Musik hierzulande manchmal auf wenige Superstars und eine Stilrichtung reduziert wird, hat für interessierte Fans dieses Genres mitunter den Nachteil einer erheblich eingeschränkten Berichterstattung. Sounds Of South hat es sich daher auch zur Aufgabe gemacht, einem hier kaum bekannten, aber gleichwohl (in den Staaten) arrivierten Kreis von Künstlern eine ‚Bühne‘ zu bieten.

Zu diesen in Deutschland leider bisher weitgehend unbeachtet gebliebenen ‚Country Women‘ gehört zweifellos Elizabeth Cook, die vor gut 20 Jahren in Nashville debütierte und mit ihren über 400 Auftritten in der Grand Old Opry eine Bestmarke hält. Cook, die aus Florida stammt und 2014 den AM-Award in der Kategorie „Outlaw Female“ gewann, moderiert seit Jahren zudem ihre eigene Radio Show „Apron Strings“ bei Sirius XM Radio. Ihre vier Auftritte in der Late Night Show von David Lettermann sind durchweg sehenswert und gekrönt von einem Duett mit Jason Isbell und dem Townes Van Zandt-Cover „Pancho And Lefty“.

Nach einer Zeit schmerzlicher, familiärer Einschnitte und Erfahrungen legt Elizabeth Cook nun mit „Aftermath“ ein autobiographisches Album vor und verarbeitet ihre Erinnerungen in 12 Eigenkompositionen. Zusammen mit Produzent Butch Walker (Weezer, Green Day, Taylor Swift) hat Cook eine Palette aus Americana, Folk und Country-Songs arrangiert, die ihre Reflektionen gefühlvoll, wie beim Opener „Bones“, im rhythmischen Psych-Rock oder bei „Bad Decisions“ als Alternativ-Track bodenständig wiedergeben. Diese Nachwirkungen ihrer persönlichen Rückschläge werden als ‚zweite Ernte‘, wie es Cook beschreibt (ein Synonym für „Aftermath“), ausgebreitet und auch akustisch-experimentell, z.B. in „When She Comes“ oder der ansprechenden Country-Ballade „These Days“, geradezu hautnah und verwundbar beschrieben.

Eindrucksvolle Story-Telling-Songs („Stanly By God Terry“ oder „Half Hanged Mary“) verbreiten ihre vertraulichen Lyrics im passenden Sound-Gewand, das etwas an Stevie Nicks erinnert. Old-School Country-Stücke werden bei „Thick Georgia Woman“, einer Ode über Südstaaten-Frauen und „Two Chords And A Lie“ wirkungsvoll aufgeboten, um das Spektrum des Albums in seiner Vielfalt des Great American Country zu unterstreichen. Hervorzuhebende Höhepunkte bilden gleichzeitig die intensive Ballade „Daddy, I Got Love For You“, sowie der an den John Prine-Klassiker angelehnte Song „Mary, The Submissing Years“ (im Original „Jesus, The Missing Years“), ein typischer Country Talking Blues, der zum Abschluss den Longplayer vollendet.

Elizabeth Cook, die von National Public Radio (einer gemeinnützigen US-Medienorganisation) als „Treasure Of The Americana Singer/Songwriter Scene“ bezeichnet wurde, hat mit ihrem 7. Album „Aftermath“ ein erfrischend authentisches Werk eingespielt, das ihre persönliche Unabhängigkeit und musikalische Resilienz nach schwierigen Zeiten bemerkenswert offen und ehrlich thematisiert – eine charismatische, Stimme aus Nashville, die ihr wirkungsvolles Songwriting erneut unter Beweis stellt.

Agent Love (2020)
Stil: Country

Tracklist:
01. Bones
02. Perfect Girls Of Pop
03. Bad Decisions
04. Daddy, I Got Love For You
05. Bayonette
06. These Days
07. Stanley By God Terry
08. Half Hanged Mary
09. When She Comes
10. Thick Georgia Woman
11. Two Chords And A Lie
12. Mary, The Submissing Years

Elizabeth Cook
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Oktober Promotion

Tim McGraw – Here On Earth – CD-Review

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Hier auf Erden zählt Tim McGraw zu den zweifellos größten Countrystars der letzten Dekaden. Da können ihm von den heute lebenden Künstlern vielleicht gerade noch Garth Brooks, George Strait oder Alan Jackson, annähernd das Wasser reichen.

Ein kurzer Auszug in die ihn umgebende Superlative: Er hat weltweit mehr als 50 Millionen Platten verkauft und die Charts mit 43 weltweiten Nr. 1-Singles und 16 Nr. 1-Album-Veröffentlichungen dominiert. Er hat 3 Grammy Awards, 16 Academy of Country Music Awards, 14 Country Music Association Awards gewonnen. Zu seinen großen Erfolgen in seiner Karriere gehören die Ernennung zum meistgespielten Künstler des Jahrzehnts für alle Musikgenres beim BDS Radio und die Auszeichnung für „Something Like That“ als meistgespielter Song eines Jahrzehnts für alle Musikgenres.

Auch wenn meiner Ansicht nach die stärkste Zeit, von 1995 mit seinem Album „All I Want“ bis zum Werk mit seinen Dancehall Doctors 2002, recht lang zurückliegt, hält man jedoch bei einer Neuveröffentlichung von seiner Seite, immer gespannt den Atem an.

Nach einem kurzen Intermezzo mit Gattin Faith Hill bei Arista Nashville ist McGraw nun zu Big Machine Records zurückgekehrt und veröffentlicht mit „Here On Earth“ sein insgesamt 16. Studioalbum und hat passend dazu satte 16 Tracks eingesungen.

Angesichts seiner überragenden Erfolge ist der Protagonist nie auf großartige Kreativität angewiesen gewesen, bei ihm und seinem Langzeit-Spezi Byron Gallimore, der diesen Longplayer wieder mit Tim zusammen produziert hat, war es immer die Kunst, leibgeschneiderte Lieder einzukaufen.

So tauchen dann auch hier wieder eine Armada von arrivierten Songwritern (Tom Douglas, Shane McAnally, Wendell Mobley, Neil Thrasher, Marv Green, etc.) auf, die für absolute Topqualität und Hitgarantien stehen. Schön, dass Tim dann auch immer als Pusher für andere Musiker wie Jaren Johnston (The Cadillac Three), Lori McKenna oder den Warren Brothers fungiert, und kontinuierlich auf deren kompositorische Dienste zurückgreift.

Eingespielt haben die Songs natürlich auch die üblichen Qualitätsgaranten auf diesem Niveau wie u. a. Ilya Toshinsky, Gordon Mote, Shannon Forrest, Michael Landau, Glenn Worf und Dan Dugmore.

Am Anfang des Werkes hat man beim Streicher-untermalten „L.A.“, dem Elton John-inspirierten „Chevy Spaceship“ oder dem keltisch angehauchten Titelsong, so das Gefühl, als wenn der Protagonist, passend zum Sternen-verzierten Firmament auf dem Cover, musikalisch in neue Galaxien entschweben möchte.

Danach pendelt sich eigentlich aber alles im gediegenen Midtempobereich ein, der schön instrumentiert, seiner prägnanten Stimme den Raum zur Entfaltung gibt. Die stärkste Phase der CD spielt sich aus meiner Sicht zwischen den Tracks 6-8 ab, dem beschwingt groovenden „Good Taste In Women“, dem Piano-E-Gitarren-verzierten „Hard To Stay Mad At“ und McGraws Adelung von Sheryl Crow im gleichnamigen Song, wo er der Musikerin ein emotionales Denkmal (vermutlich für ihr Lebenswerk) setzt. Für mich das Highlight der CD.

Bei Stücken wie „7500 OBO“ und „If I Was A Cowboy (herrlich hymnisches E-Gitarren-Solo)“ lässt er sporadisch die Stärken aus seiner Frühzeit aufblitzen, mit dem zum Muttertag als Single mal wieder perfekt platzierten „I Called Mama“ gibt es den gefühlsbetonten Stoff für die US-Charts.

Klasse gemacht ist das spacige Cover-Artwork. Das Titelfoto gibt es auf er Rückseite des 9-seitigen Faltbooklets noch mal als Poster. Fazit: Tim McGraw erweist sich trotz allen Stardoms als geerdeter Künstler und festigt mit seinem neuen, durchgehend angenehm zu hörenden Longplayer „Here On Earth“ auch weiterhin den Status Quo als einer der maßgebenden (New) Countrymusiker dieser Zeit.

Big Machine Records/Universal (2020)
Stil: New Country

01. L.A.
02. Chevy Spaceship
03. Here On Earth
04. Damn Sure Do
05. Hallelujahville
06. Good Taste In Women
07. Hard To Stay Mad At
08. Sheryl Crow
09. Not From California
10. Hold You Tonight
11. 7500 OBO
12. If I Was A Cowboy
13. I Called Mama
14. Gravy
15. War Of Art
16. Doggone

Tim McGraw
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Universal Music

Lindsay Ell – Heart Theory – CD-Review

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Einen Grund, so grimmig drein zu schauen, wie auf dem Cover ihres neuen Longplayers „heart theory“, dürfte Lindsay Ell in Wirklichkeit eigentlich gar nicht haben. Denn es läuft, zumindest was die Musikkarriere betrifft, doch ausgesprochen gut.

Mit viel Fleiß und Können hat sich sich die gebürtige Kanadierin, in die Riege der weiblichen Nashville-Stars im Mainstream-New Country-Segment à la Underwood, Rimes, Morris, Ballarini, Barrett & Co. vorgearbeitet, nicht zuletzt wurde sie von großen Stars wie u. a. Keith Urban, Luke Bryan, Buddy Guy, Big & Rich, Ronnie Dunn oder Chris Isaak schon als Support bei ihren Touren gebucht.

Ell_450Dass sie sich aber auch nicht zu schade ist, ‚Klinken zu putzen‘, bewies sie z. B. gerade bei uns in Deutschland , wo sie zuletzt (noch in der Vor-Corona-Zeit) gleich zweimal im kleinen Kölner Blue Shell auftrat, einmal beim Gig mit Unterstützung von Walker McGuire, das andere Mal als Headlinerin der SOUND OF NASHVILLE-Reihe von Semmel Entertainment. Dabei entpuppte sie sich als kleiner lebenslustiger Wirbelwind ohne Berührungsängste, den man eigentlich sofort in sein Herz schließt.

Apropos Herz, wie es allerdings in ihrem Privat-, beziehungsweise ihrem Liebesleben aussieht, darüber kann man allerdings nur spekulieren. Die Texte ihrer Stücke des neuen Werkes, das in zwölf Tracks sieben Phasen der Trauer behandelt, lassen da allerdings nicht viel Gutes vermuten. Schock, Leugnung, Wut, Verhandeln, Depression, Austesten und Akzeptanz, sind die Schlagworte, um die es hier in erster Linie geht.

„Wenn Musiktheorie die Wissenschaft der Musik ist, dann ist ‚heart theory‘ die Wissenschaft des Herzens. Ich hoffe, dieses Album kann ein Trost sein, wenn man ihn braucht, eine Bestätigung, wenn man sich wieder mal selbst daran erinnern muss, an sich zu glauben – oder einfach ein Blick auf das, was einen zu dem gemacht hat, was man heute ist“, so die Protagonistin zur Intention ihres Handelns.

Der von Dann Huff produzierte Longplayer bringt dann Lindsays Stärken auch in allen Belangen auf den Punkt: Ihr Songwriting-Talent mittels eingängiger und melodischer Country Pop-Rock-Lieder, meistens mit Powerrefrains (darunter sind aber auch ein paar ruhigere Nummern), ausdrucksstarker Gesang und tolle Gitarrenarbeit. Ich glaube, kein anderer als Huff kann Gitarrensoli besser in Szene setzen, und hier ergänzen sich beide in nahezu allen Stücken exzellent. Damit der Nashville-Nimbus gewahrt bleibt, wurde natürlich auch die eine oder andere Steel-Eingabe untergebracht („i don’t lovE you“, „good on you“, „make you“).

Ell2In ihren Kölner-Konzerten vermerkte sie ihren ausgesprochenen Faible für John Mayer, den man hier in Tracks wie u. a. „Hits me“, „good on you“ oder „The oTHEr side“, besonders in den E-Gitarren-Soli, wiederfindet. Trotz aller überwiegend textlicher Negativ-Stimmung gibt es mit dem Titel „ReadY to love“ zum Abschluss, dann doch den positiven Blick nach vorne, wo Ell „I’m ready to feel, to trust and to love again“ energisch und voller Emotion intoniert.

Für den, der sich über die eigenartige Schreibweise der Titel wundert, hier die Auflösung: Die Großbuchstaben, ergeben aneinandergereiht, genau den Titel des Albums.

Stoney Creek Records (2020)
Stil: New Country

01. Hits me
02. how good
03. i don’t lovE you
04. wAnt me back
05. get oveR you
06. wrong girl
07. body language of a breakup
08. good on you
09. The oTHEr side
10. gO to
11. make you
12. ReadY to love

Lindsay Ell
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Luke Bryan – Born Here Live Here Die Here – CD-Review

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Luke Bryans Werdegang in Nashville ist seit Beginn des neuen Jahrtausends eine einzige Erfolgsgeschichte, auch wenn es zunächst einige Zeit brauchte, um in ‚Music City‘ Fuß zu fassen. Spätestens aber mit seinem Debütalbum „I‘ll Stay Me“ im Jahre 2007 und seinem ersten Nr.1-Werk „Tailgates & Tanlines“ hat sich der ursprünglich aus Leesburg, Georgia stammende Countrymusiker unter den Superstars der Szene etabliert.

Mit heimatverbunden Schlagwörtern „Born Here Live Here Die Here” schickt er seinen nun mehr 7. Longplayer ins Rennen um die Billboard-Pole-Position, der allerdings mit nur 10 Tracks und knapp 35 Minuten Spielzeit auch sein wohl kürzestes Stelldichein abgibt. Bei New Countrykünstlern wird ja die oft fehlende Authentizität kritisiert, oft heißt es, dass von Dingen gesungen wird, die man gar nicht erlebt hat.

Auch der der Titel seiner neuen CD könnte hierzu ein willkommener Anlass sein, denn Bryan hat seinen Lebensmittelpunkt ja längst vom ländlichen Georgia in die berühmte Musikmetropole Tennessees verlegt. Da er jedoch aufgrund des tödlichen Autounfalls seines Bruders lange seine Passion zu Gunsten der Familie hinten anstellte und von seinem Vater geradezu genötigt wurde, sein Glück in Nashville zu versuchen, hat das Titelstück bei ihm trotzdem durchaus seine glaubwürdigen Züge.

Was mir diesmal gut gefällt, ist das Bryan ein gutes Gespür für die im Moment schweren Zeiten der meisten seiner Landsleute aufweist. So trägt er diesmal, eigentlich unüblich für Künstler seines Status‘, alles andere als dick auf und serviert ein unaufgeregtes, angenehm ins Ohr fließendes Werk, bei dem man sehr gut entspannen kann.

Die Produzenten Jody und Jeff Stevens, die vielen bekannten Songwriter (diesmal mit starker Präsenz von dem uns auch gut bekannten Josh Thompson) und ausgezeichneten Musiker wie u. a. JT Corenflos, Adaam Shoenveld,  Rob McNelley, John Willis, Ilya Toshinsky, Greg Morrow, Mark Hill, tun ihr Übriges zum Gelingen des Projekts.

Den aufheiternden Momenten mit Stücken wie dem Opener „Knockin‘ Boots“, „What She Wants Tonight“, dem süffigen „One Margarita“ (mit integrierter Huldigung von Musikern wie Jimmy Buffett, Bob Marley und Kenny Chesney) und dem flockigen Rausschmeißer „Down To One“, stehen mit dem Titelstück, dem Ohrwurm „Too Drunk To Drive“ (Keith Urban-Anfangstage-Flair), dem retro-mäßigen „Little Less Broken“, dem Vater-Sohn-Stück „For A Boat“ und „Where Are We Goin’“ (geschrieben von Bryan und Brent Cobb, tolle Harmonies von Chancie Neal), eher unspektakuläre, einfühlsame Songs über das familiäre Alltagsleben gegenüber.

Emotionaler Höhepunkt, ist natürlich „Build Me A Daddy“, ein Song, in dem ein kleiner Junge seinen Vater (ein bei einem Einsatz verstorbener Soldat), von einem Handwerker in kindlicher Naiivität nahe seiner Idealvorstellungen nachgebildet haben möchte. Das dürfte besonders im patriotischen Amerika, natürlich den Nerv der Leute treffen.

Luke Bryan überrascht auf seinem neuen Werk „Born Here Live Here Die Here” mit Zurückhaltung und Einfühlsamkeit und liefert doch eines seiner stärksten Alben ab. Manchmal braucht es halt nicht viel mehr als einen guten Sänger, einige schöne Melodien mit einem klasse gespielten E-Gitarrensolo, um einen Musikkritiker wie mich zu überzeugen. Gut gemacht, Luke Bryan!

Capitol Records/ Universal Music (2020)
Stil: New Country

01. Knockin‘ Boots
02. What She Wants Tonight
03. Born Here Live Here Die Here
04. One Margarita
05. Too Drunk To Drive
06. Build Me A Daddy
07. Little Less Broken
08. For A Boat
09. Where we Are Goin‘
10. Down To One

Luke Bryan
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Universal Music

The Chicks – Gaslighter – CD-Review

cover The Chicks - Gaslighter_300

Dass es beim Comebackalbum „Gaslighter“ nach satten 14 Jahren Pause der ehemaligen, vielfach Grammy-prämierten Dixie Chicks nicht ohne großes Tamtam in diesen Zeiten einhergehen würde, war so sicher wie das Amen in der Kirche.

Die Ära Trump, #MeToo, Corona und die neu aufkommende Rassendiskussion boten da genügend Zündstoff, um sich als politisch motivierter Act, hochaktuell zu profilieren.

Da wurde zunächst mal das symbolträchtige Wort ‚Dixie‘ als Synonym für den Süden aus dem Bandnamen verbannt und publicity-wirksam neu unter The Chicks firmiert. Ich finde es persönlich ein wenig kurz gedacht. Zum einen hat das Wort die drei Damen, als es gut lief, lange Zeit nicht gestört, zum anderen sollte man, als Menschen, die gelernt haben, differenziert zu denken, Leute nicht anhand von Symboliken über einen Kamm scheren, sondern sie nach ihrem Handeln beurteilen. Viele Arschlöcher, aber auch genügend gute und anständige Menschen  (ich hoffe sogar überwiegend), gibt es überall auf der Welt, auch im Süden der USA.

Der Titel des Albums „Gaslighter“, der in der Psychologie eine Form von psychischer Gewalt bzw. Missbrauch durch Leute bezeichnet, mit der Opfer gezielt desorientiert, manipuliert und zutiefst verunsichert werden, kann natürlich breitgefächert interpretiert werden und bietet der Kritikerschaft, wer da jetzt alles angesprochen sein könnte, Diskussionsstoff en masse.

Das von Jack Antonoff (u. a. Taylor Swift, Lorde, St. Vincent, Lana Del Rey, Kevin Abstract, Carly Rae Jepsen) zusammen mit den Dreien produzierte Werk bietet insgesamt musikalisch eine solide New Countrykost.

Die immer noch etwas jungenhafte Stimme von Natalie Maines (Vater Lloyd ist mit ein paar Steeleinlagen auch vertreten), die man mögen muss, bildet den kräftigen Mittelpunkt, die Kolleginnen Marty Maguire und Emily Strayer sorgen für die obligatorischen Harmoniegesänge und beweisen, dass sie auf ihren Instrumenten (Violine, Viola, bzw. Banjo, Akusikgitarre, Mandoline, Dobro und Ukulele nichts verlernt haben.

Die wohl markantesten Tracks wie das Titellied „Gaslighter“ (eingängiger kräftiger Refrain) und das musikalisch schön swampig gestaltete „March March“ wirken natürlich mit den dazugehörenden plakativen Videos im Hintergrund noch besser.

Ansonsten bieten die restlichen Lieder, recht reduzierten, aber immer genau auf den Punkt gebrachten New Country, der in der zweiten Hälfte phasenweise allerdings auch ein wenig ermüdend wirkt.

Von einem Meisterwerk zu sprechen, halte ich von daher für etwas übertrieben. Im Prinzip ist den Chicks bei ihrer ‚Rückkehr‘ ein ordentliches Album mit ein paar Highlights gelungen, das musikalisch aber nicht viel mehr hergibt, als man es von Acts wie z. B. Little Big Town, The Highwomen oder Mary Gauthier, Lori McKenna, etc. in den letzten Jahren (aber natürlichvon weniger politischer Natur und unglamouröser inszeniert) bereits vielfach geboten bekommen hat.

Monument (Sony) (2020)
Stil: New Country

Tracklist:
01. Gaslighter
02. Sleep at Night
03. Texas Man
04. Everybody Loves You
05. For Her
06. March March
07. My Best Friend’s Weddings
08. Tights on my Boat
09. Julianna Calm Down
10. Young Man
11. Hope It’s Something Good
12. Set Me Free

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Brett Eldredge – Sunday Drive – CD-Review

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Beim Namen Brett Eldredge befällt mich ein gewisser Wehmut. War er es doch als letzter New Country-Künstler, den ich in einem Live-Konzert erleben durfte und zwar im Kölner Carlswerk. Das war im Januar diesen Jahres. Dann kam irgendwann Corona…

Dort gab er sich, wie auch schon auf seinen ganzen Alben, als smarter, lebhafter und noch voller Tatendrang agierender Fronter, dessen Erfolg in Nashville nicht von ungefähr kommt. Dazu ist er noch ein echter Frauentyp und ausgestattet mit einer tollen Charakterstimme. Beim Konzert zeigte er, speziell im Akustikpart, allerdings auch seine gefühlvollere Seite.

Die rückt jetzt auch im neuen, von Daniel Tashian und Ian Fitchuk produzierten Album „Sunday Drive“ (beide zeichneten sich auch für Kacey Musgraves’ „Golden Hour“ verantwortlich) schwerpunktmäßig in den Fokus.

Bre_450Statt radiotauglichem pop-rockigem New Country für die Billboard-Charts, konzentriert Eldredge sich auf (besonders für ihn) zurückhaltend instrumentierten Singer/Songwriter-Stoff, bei dem Piano, Streicher (manchmal sogar auch ein wenig kammermusikartig) und Akustikgitarren, samt ganz dezenter Countryingredenzien (E-Gitarre, Mandoline, Steel) im Vordergrund stehen.

Besonderer Vorteil: Seine eh schon fantastische Stimme, rückt noch intensiver in den Vordergrund, teilweise kommen sogar Assoziationen mit Charismatikern wie Jackson Browne, Billy Joel, Ray Charles, Bruce Hornsby, sogar Frank Sinatra („Fix A Heart“, „Paris Illinois“) bis hin zu Phil Vassar, Radney Foster oder Pat Green (diese Scheibe erinnert mich z. B. sehr an seine „Songs We Wished We’d Written“-Sachen) aus dem countryesken Bereich auf.

Es macht wenig Sinn hier einzelne Tracks hervorzuheben, auch wenn ich nicht verhehlen möchte, dass das southern-soulige „Magnolia“, „When I Die“ (ABB-„Melissa“-Note“) und „Gabrielle“ (mit schöner pettyesken Akustikgitarren-Zwischenenhook), sicherlich zu meinen Favoriten zählen.

Brett Eldredges „Sunday Drive“ eignet sich gewiss nicht nur für ‚Sonntagsfahrer‘. Eigentlich kann man die CD bei nahezu jeder Gelegenheit als perfekte Hintergrundmusik nutzen, bei der sowohl schön entspannt, allerdings gerne auch intensiv zugehört werden darf. Tolle Scheibe, der neue Stil passt zu Brett Eldredge!

Warner Music (2020)
Stil: New Country

01. Where The Heart Is
02. The One You Need
03. Magnolia
04. Crowd My Mind
05. Good Day
06. Fall For Me
07. Sunday Drive
08. When I Die
09. Gabrielle
10. Fix A Heart
11. Then You Do
12. Paris Illinois

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