Drake Milligan – Jukebox Songs – EP-Review

Mit dem aus Arlington, Texas, stammenden Drake Milligan funktc seit geraumer Zeit in der Country-Neo-Traditionalisten-Szene Nashvilles ein weiterer interessanter Akteur dazwischen. Milligan, der bis dato mit Elvis Presley-Verkörperungen (in der CMT-Serie „Sun Records“) und im Film „Nobody“ Bekanntheitsgrad erlangt hat, konnte sich trotz bescheidener Erfolge in Kontests wie „American Idol“ und „America’s Got Talent“, immerhin einen Plattenvertrag bei Stoney Creek Records, dem beliebten Unterlabel der BBR Music Group, für sich verbuchen.

Nach seinem Debüt-Album „Dallas/Forth Worth“ schickt man ihn jetzt wieder mit einer Kurz-EP „Jukebox Songs“ ins Rennen, die vier Stücke umfasst und gerade mal gute 12 Minuten dauert. Wie Künstler dieses Stils es so an sich haben, erhält man hier den bewährten, zwischen Charisma und Pathos pendelnden angenehmen (Bariton-) Gesang und die typisch traditionell basierte Instrumentalisierung, die sich auf schönen Gitarren (Akustik- und E-), Fiddle, Steel und Keys aufbaut.

Der herrlich fluffige und melodische Opener „What I Couldn’t Forget“ wirkt dabei sofort als Eisbrecher und mündet über den etwas flachen Schunkler „I Got A Problem“ und das atmosphärische „Don’t Leave Me Loving You“ am Ende in einen launigen Barsong in „Friends in Low Places“-Manier, der so einfach wie treffend die Intention eines Kneipenbesuchs charakterisiert: „The Reason we’re all here, Jukebox Songs and Barstool Beers„!

Nach nicht einmal einer Viertelstunde ist der nette Quickie mit Drake Milligan schon wieder vorbei. Ein ausbaufähiges Talent hat der Bursche ohne Zweifel. Stoff für Freunde von Blake Shelton, Garth Brooks, George Strait & Co. Nicht umsonst hat der diesem Countrytypus nahe stehende Trent Willmon produziert.

Stoney Creek Records (2024)
Stil: New Country

Tracklist:
01. What I Couldn’t Forget
02. I Got A Problem
03. Don’t Leave Me Loving You
04. Jukebox Songs and Barstool Beers

Drake Milligan
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Lime Tree Music

Randall King – Into The Neon – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Seine erste Deutschland-Tour im vergangenen Jahr musste in größere Venues (Sold-Out) verlegt werden – bisher nahezu einmalig für einen US-Country-Musiker in unseren Breiten – und so ist Randall King auch bei uns eigentlich kein Geheimtipp mehr. Der Singer/Songwriter aus Texas hatte 2016 mit der EP “Another Bullet” seine Solo-Karriere gestartet, das Debut-Album “Randall King” 2018 nachgelegt und mit dem Longplayer “Shot Glass” 2022 endgültig den Durchbruch geschafft. Dass Billboard den 33-jährigen als “Hardcore-Country-Sänger” bezeichnet, der im Jahr ca. 130 Konzerte absolviert, belegt nicht zuletzt die puren Entertainement-Qualitäten, die auch solo-akustisch überzeugen.

Gleiches gilt für seine neue Scheibe “Into The Neon”. Deren 18 Titel strotzen förmlich vor Selbstbewusstsein, Vielseitigkeit und Energie, ein Studiowerk mit sämtlich radiotauglichen Songs. Der Auftakt der LP gelingt bereits mit dem Opener “One Night Dance”, einer modernen, aber trotzdem traditionell klingenden Nummer, die ebenso, wie die nachfolgenden “Somewhere Over Us” und dem unverwüstlichen “When My Baby’s In Boots” für ausverkaufte Konzertarenen perfekt geeignet sind. Die Zahl dieser hochkarätigen Glanzstücke mit Unterstützung von Produzenten-Mastermind Jared Conrad gewährleistet eine abwechslungsreiche Tracklist, die fast für zwei Longplayer gereicht hätte. Neben dem catchigen Riff von „What Doesn’t Kill You“ hebt sich auch die wundervolle Ballade „Hang Of Hanging On“ als Ohrwurm und Vorab-Single mit harmonischen String-Varianten hervor.

Die Verbundenheit zum Lone Star State hat sicher dazu beigetragen, dass King seine musikalische Heimat im Neo Traditional Country gefunden hat. Begründet wurde die Stilrichtung angeblich vom Texaner und “King of Country Music” George Strait, der wie Keith Whitley, Gary Allan und Dierks Bentley den noch jungen Musiker beeinflussten. Als gesangliches Vorbild lernte Randall King schon früh auf längeren Fahrten im Wagen seiner Eltern die Songs von Whitley und eine ausdrucksstarke Stimmlage des sogenannten Country Twang, die auch Willie Nelson meisterlich beherrscht.

Der stetige Wechsel von traditionellen und modernen Neo-Country-Elementen zieht sich durch das gesamte Album und Tracks wie „Burns Like Her“, “Good Feelin’”, „Damn You Look Good“ fügen sich dort nahtlos ein und stehen dem Opener dabei in nichts nach. Die rockig-dynamische Abfolge mitreißender Titel (“Coulda Been Love” oder “Hard To Be Humble”) wird durch schöne Guitar-Steel Passagen in den Balladen „The One You’re Waiting On“ und „I Could Be That Rain“ sowie dem Titelsong vielseitig ergänzt.

Der neue Longplayer “Into The Neon” von Randall King hebt den Musiker auf das nächste Level, und damit auf eine Ebene mit anderen großen Country-Namen, wie z. B. Eric Church oder Jason Aldean. Dies wird zusätzlich durch seinen gefeierten Support-Act bei Garth Brooks-Konzerten unterstrichen und spätestens die Performance in der Grand Ole Opry in Nashville am 22.01.2022 adelte Randalls bis dahin junge Karriere. Die neuen Songs, denen die im Country-Genre schwierige Gratwanderung zwischen traditionell und zukunftsweisend mühelos gelingt, können spätestens im März beim C2C-Festival in Berlin bejubelt werden.

Warner Music Nashville (2024)
Stil: New Country

Tracklist:
01. One Night Dance
02. Somewhere Over Us
03. When My Baby’s In Boots
04. What Doesn’t Kill You
05. Hang Of Hanging On
06. Burns Like Her
07. Good Feelin‘
08. The One You’re Waiting On
09. Into The Neon
10. Tonk Til I Die
11. But It Ain’t
12. Coulda Been Love
13. Damn You Look Good
14. Hard To Be Humble
15. Right Things Right
16. As Far As We Go
17. I Could Be That Rain
18. I Don’t Whiskey Anymore

Randall King
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Lime Tree Music

Charles Esten – Love Ain’t Pretty – CD-Review

Ich bin zwar eigentlich nicht abergläubisch, aber das erste CD-Review des Jahres hat für mich immer so einen wegweisenden Charakter, was vielleicht in den nächsten 12 Monaten so alles kommen mag. Diesmal hat der amerikanische Schauspieler und Musiker Charles Esten (bekannt für seine Hauptrolle in der Fernsehserie „Nashville“, aber auch für viele Beteiligungen in Spielfilmen mit u. a. Kevin Costner und Hilary Swank) mit seinem Debütalbum „Love Ain’t Pretty“ das ‚Recht der ersten Besprechung‘ in 2024 erwirkt.

Wir hatten bereits vor vier Jahren mal die Gelegenheit, das in Pittsburgh geborene Multitalent live auf der Bühne zu erleben, allerdings nur solo, ohne Bandbegleitung. Auf seinem mit 14 Tracks gefüllten Erstling, produziert von Marshall Altman (Marc Broussard, Frankie Ballard, Eric Paslay), gibt es aber natürlich die Nashville-übliche, hochwertige instrumentelle Begleitung.

Der fleißige Songschreiber hat hier mit vielen bekannten Co-Writern der Szene wie u. a. Brian Maher, Brad Crisler, James LeBlanc, Eric Paslay, Gary Burr, Leslie Satcher oder John Nite zusammengearbeitet und es ist ein herrlich abwechslungsreiches New Country-Album samt hohem Wiedererkennungswert entstanden, das demnach nachhaltige Wirkung hinterlässt. Nicht zuletzt auch wegen Estens beeindruckendem Gesang, der in seiner Variabilität und Emotionalität, seinem talentierten Schauspieltalent mehr als gerecht wird.

Melancholie, Fröhlichkeit und Power spiegeln sich in einem gesunden Verhältnis in den Songs wider, sodass der Spannungsbogen von der ersten bis zur letzten Minute des Werkes erhalten bleibt. Nach ruhigem, aber nie langweiligen Beginn (man höre sich allein die beiden herrlichen E-Slide-Soli beim starken Titelstück “Love Ain’t Pretty” und bei “A Little Right Now” an), kommt mit dem Billy Joel-Piano-mäßigen “One Good Move” und dem Southern Rock-Dampfer „I Ain’t“ sowie dem beschwingten “Another Song About You” erstmals Schwung in die Scheibe.

Wunderbar das mit typischen 90er Synthie- und E-Gitarrenflair bedachte “When Love Ain’t Love”, das auch aus der damaligen Fleetwood Mac-Phase stammen könnte. Heartland-Noten haben das folkige “Back In My Life Again” oder auch das ‚Simple Minds-/U2- goes Country‘ umwehte „“Down The Road“, das nicht nur von Eric Paslay mitgeschrieben, sondern auch am Mikro begleitet wird. Der unbeschwerte Schunkler „Make You Happy“ lässt momentan unweigerlich den Wunsch nach wärmeren Temperaturen aufkommen.

Mit den wieder ruhigeren “Willing To Try” (wunderbare Country-Storytelling-Ballade), „Maybe I’m Alright” (grandios bluesige Killer-Ballade. gesanglich  im Stile von Marc Broussard oder Michael Mc Donald und mein Lieblingstrack der CD) sowie dem erneut sehr melancholischen “Somewhere In The Sunshine” als Schlusspunkt, der nochmals seine gesamte vokale Bandbreite beinhaltet, entlässt uns Charles Esten und verbreitet viel Vorfreude auf seinen, demnächst im Mai wieder anstehenden Auftritt in Köln, sofern er dann eine richtige Band im Rücken haben sollte.

Charles Estens neues Werk „Love Ain’t Pretty“ somit in wenigen Schlagworten zusammengefasst: Pretty Damn Music!

Eigenproduktion (2024)
Stil: New Country

Tracklist:
01. Love Ain’t Pretty
02. A Little Right Now
03. One Good Move
04. In A Bar Somewhere
05. I Ain’t
06. Another Song About You
07. When Love Ain’t Love
08. Candlelight
09. Back In My Life Again
10. Make You Happy
11. Willing To Try
12. Maybe I’m Alright
13. Down The Road (feat. Eric Paslay)
14. Somewhere in the Sunshine

Charles Esten
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Stone Senate – 16.12.2023, Blue Notez Club, Dortmund – Konzertbericht

Mit geübten Blick auf die türkis-farbene Epiphone-E-Gitarre mit dem Motörhead-Aufkleber von Stone Senate-Fronter Clint Woolsey, war dem erfahrenen Konzertbesucher sofort klar, als die Band pünktlich um 20:00 Uhr die Bühne des Blue Notez betrat, dass wir es im Verlauf des Abends, mit der eher härteren Variante des Southern Rocks zu tun bekommen werden.

Stone Senate, ein Quintett, überwiegend Nashville-basiert, das dieses Jahr zum ersten Mal unter der Teenage Head Music-Fahne Europa musikalisch bereist und im Blue Notez Club in Dortmund das letzte Konzert der Tour bestritt, legte dann auch mit fünf Stücken aus der eigenen Feder sehr rockig los, sodass zum Teil Assoziationen mit den Black Stone Cherry (u. a. „Letter of Deperture“) aufkamen.

Mit ‚Hüne‘ Clint Woolsey haben sie einen echt imposanten Leader  und Rhythmusgitarristen am Mikrofon, der sich gegen die restliche Gitarren-Power (James Beau Edwards und Ted Hennington) nicht nur mit rauchiger Stimme, sondern auch mit sympathischer und kommunikativer Präsenz zu behaupten wusste.

Die eigentliche Rhythmusfraktion, bestehend aus dem stark am Bass aufspielenden Kieran Cronley (der wirkte schon fast wie ein dritter Leadgitarrist und machte den etatmäßigen Saitenzupfern ordentlich Dampf unterm Kessel) und dem heftig trommelnden Drummer David “DZ” Zettler (am Mississippi zu Hause), sorgte immer wieder für einen ordentlichen Drive. Letztgenannter “DZ” bewies dann beim Allman Brothers-Cover „Don’t Keep Me Wonderin'“ (zuvor gab es noch „The Shape I’m In “ von The Band), dass er ebenfalls einen fantastischen Lead-Sänger abgibt.

Bei diesen beiden Stücken wurde dann u. a. noch Mundharmonikaspieler Chris Sauerbrey für ein paar plusternde Einlagen mit involviert (später dann nochmal beim George Strait-Country-Schunkler „The Fireman“ in einer Skynyrd-ähnlichen Variante). Die beiden Leadgitarristen James Beau Edwards und Ted Hennington taten das, was man in einer Southern Rock-Combo zu tun hat: Sie glänzten mit vielen quirligen Soli und begaben sich dazu immer wieder in Double Leads-Passagen.

Mit dem progressiven „Lazy River“ (mit an „Jessica“ erinnerndem Instrumentalfinale) wurde es zum ersten Mal etwas ruhiger. Über das Skynyrd-mäßige „Whiskey Helps“, das in ‚Black Stone Cherry meets Nickelback‘-Manier gebrachte „Against the Light“, „Always Never Fades“ (mit herrlichem Twin-Part), dem brandneuen „Shine“ (wieder BSC-Note), dem erneut progressiv-angehauchten „Ghost“ (tolle Wechselsoli von Edwards und Hennington) ging es dann in die Endphase des kurzweiligen Gigs.

Hier wurde das mit hymnischen E-Soli bestückte „Hard To Stay Warm“ von den beiden, mit AC/DC-Reminiszenzen bedachten Tracks „All the Broken Piece“ und „Down“ (Abschluss des Hauptteils) eingerahmt. Das begeistere Blue Notez-Publikum konnte Stone Senate dann noch zu einer Zugabe motivieren, die mit einer zünftigen Interpretation von ZZ Tops „Beer Drinkers And Hell Raisers“, bei der Woolsley und Zettler sich dem Texas-Original gemäß, wie einst Gibbons und Hill, in den Leadvocals abwechselten, in sehr launiger Form erbracht wurde.

Insgesamt ein gelungener Auftritt von Stone Senate bei Ihrem Einstand in Dortmund, wobei sich die einzelnen Musiker auch im Nachgang beim Smalltalk als sehr nette Typen erwiesen und natürlich auch noch für das obligatorische VIP-Bild mit unserem Logo zur Verfügung standen. Danke auch an ‚Knipser‘ Peter Schepers für die tollen Bilder!

Setlist:
Cemetery Song
Right Side Up
Dead and the Dying
Martha
Letter of Deperture
The Shape I’m In (The Band cover)
Don’t Keep Me Wonderin‘ (The Allman Brothers Band cover)
Lazy River
Whiskey Helps
Against the Light
The Fireman (George Strait cover)
Always Never Fades
Shine
Ghost
All the Broken Piece
Hard to Stay Warm
Down
Zugabe:
Beer Drinkers And Hell Raisers (ZZ Top Cover)

Line-up:
Clint Woolsey (lead vocals, electric guitar)
James Beau Edwards (electric guitar)
Ted Hennington (electric guitar, bgv)
Kieran Cronley (bass)
David “DZ” Zettler (drums, bgv, lead vocals)
Chris Sauerbrey (harmonica)

Bilder: Peter Schepers
Text: Daniel Daus

Stone Senate
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Teenage Head Music
Blue Notez Club Dortmund

Chris Stapleton – Higher – CD-Review

Seit seinem Schwenk vom erfolgreichen Songlieferant für das ‚Who Is Who‘ der Neshville-New Countrymusiker-Elite (u. a. George Strait, Kenny Chesney, Tim McGraw, Luke Bryan), über zwei eher bedeutungslose Bandbeteiligungen (The SteelDrivers und die Southern Rock-Combo The Jompson Brothers) zum eigenständigen Solo-Interpreten, ging es für den aus Lexington, Kentucky, stammenden Chris Stapleton nur noch hoch hinaus.

Ab seinem Debütalbum „Traveller“ im Jahr 2015, das sofort bei den ACM-Awards abräumte, hat Stapleton quasi mit jedem neu erscheinenden Werk quasi den Platz an der Pole-Position der Billboard Country-Charts abonniert. Auch „Higher“, soviel kann vorweg genommen werden, dürfte in dieser Hinsicht keine Ausnahme bilden.

Wieder mal liefert der Protagonist mit 14 Tracks einen üppigen und hochklassigen Longplayer, der von Dave Cobb, Morgane Stapleton und ihm selbst produziert und im RCA Studio A in Nashville aufgenommen wurde. Neben ihm (Gesang, Akustikgitarre, E-Gitarre, Slide-E-Gitarre) sind auf dem Album auch Cobb (Akustikgitarre, E-Gitarre), J.T. Cure (Bass), Paul Franklin (Pedal Steel), Derek Mixon (Schlagzeug), Morgane (Hintergrundgesang, Synthesizer, Tamburin) und Lee Pardini (Orgel, Klavier) instrumentell involviert.

Allein schon die beiden southern-umwehten E-Gitarren-Soli (zunächst Slide im Mittelteil und konventionell im Ausklang) beim melancholischen Country-Opener „What Am I Gonna Do“ lassen den Rezensenten ins Schwärmen geraten. Auch das im Anschluss folgende „South Dakota“ ist eindeutig Stoff für Southern Rock-Liebhaber.

Der Star des Albums ist die außergewöhnliche Stimme Stapletons, die man wirklich unter Millionen sofort heraushört. Dieses Pfund weiß der für seine Effizienz bekannte Star Producer Dave Cobb natürlich zu nutzen und hat das musikalische Drumherum, das man hier auch durchaus als vielschichtig bezeichnen kann,  dementsprechend einfühlsam angepasst.

So gibt es auf dem Country-Fundament neben Southern Rock-Ingredienzien auch blues-soulige- („Think I’m In Love With You“, „Loving You On My Mind“) und folkige Elemente („The Bottom“, „Mountains Of My Mind“) zu bestaunen. Herrlich, wenn Chris bei manch tollen Songs wie z. B. „Loving You On My Mind“ oder dem grandiosen Titelstück „Higher“ von seiner rotzig frechen Stimme teilweise spielend leicht in kreischende Falsetto-Sphären umschwenkt.

Was mir auf diesem Werk besonders gut gefällt ist, dass durch viele Tracks ein Hauch von bekannten Stücken weht, die aber tatsächlich nur in der Assoziation hervorgerufen werden. Das atmosphärische „The Fire“, das von Fleetwood Mac-Flair durchzogen ist oder das fulminante „White Horse“, das an große Clapton-/Winwood-Zeiten erinnert, dienen als Paradebeispiele.

Daneben gibt es viele kleine Country-Ohrwürmer mit weinender Steel und schönen Harmoniegesängen von Ehefrau Morgane wie „Trust“ (mit wunderschönem Text), „It Takes A Woman“, „The Day I Day“ oder „Weight Of Your World“. Etwas aus dem Rahmen fällt eigentlich nur der finale Track „Mountains Of My Mind“, wo Stapleton lediglich zur Akustikgitarrenbegleitung singt. Hört sich wie eine Art Demosong an, der noch auf weitere instrumentelle Ausfeilung wartet, aber natürlich zum Schluss nochmals Chris‘ exquisite Stimmkunst besonders unterstreicht.

Am Ende stellt sich mir nach dieser beeindruckenden CD eigentlich nur die Frage, ob der mehrfach Grammy- und Award-gekrönte Chris Stapleton, der eh schon ganz oben im New Country-Olymp steht, mit „Higher“ noch höher hinaus kann. Sein Anspruch in dieser Hinsicht ist hier jedenfalls omnipräsent. Ein ganz heißer Kandidat bei mir für das Album des Jahres.

Mercury Records Nashville (2023)
Stil: New Country

Tracks:
01. What Am I Gonna Do
02. South Dakota
03. Trust
04. It Takes A Woman
05. The Fire
06. Think I’m In Love With You
07. Loving You On My Mind
08. White Horse
09. Higher
10. The Bottom
11. The Day I Die
12. Crosswind
13. Weight Of Your World
14. Mountains Of My Mind

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Oktober Promotion
Universal Music Group

Various Artists – A Tribute To The Judds – CD-Review

Ich muss zu meiner eigenen Schande mal wieder gestehen, dass ich nicht eine einzige Platte von The Judds alias Mutter Naomi (leider letztes Jahr verstorben) und Tochter Wynonna Judd,, in meiner nicht gerade kleinen Sammlung von Country-/New Country-Scheiben stehen habe. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass sich meine Begeisterung für traditionell angehauchte Damen-Countrymusik lange in Grenzen hielt und erst in den letzten Jahren so ein wenig aufgeblüht ist.

Das Solo-Debüt von Wynonna im Jahre 1992 war allerdings auch eine der ersten Genre-CDs, die ich mir in der zu dieser Zeit langsam aufkommenden New Country-Euphorie (ausgelöst durch Garth Brooks) hier zugelegt habe. Wenn ich jetzt diesen wunderbar von ‚Jung und Älter‘ der Szene umgesetzten Tribute Sampler anhöre, wird mir erst richtig bewusst, wie viele Songs des mit unzähligen Auszeichnungen prämierten Duos ich trotzdem kenne, beziehungsweise sich, auf welchen Wegen auch immer, in mein Langzeitgedächtnis eingeschlichen haben.

Das schöne an dieser Scheibe ist natürlich die Diversität, die durch die Einbindung der vielen mannigfaltigen Gesangscharaktere gewährleistet ist und den Stücken einen neuen Reiz geben, ohne die Achtung vor den Originalen abzulegen. Gerade auch die involvierten Musiker wissen hier genau, was zu tun ist, dass diese Strukturen in ihren Grundfesten erhalten bleibt.

Wenn man sich bei den ersten zwei Tracks alleine die involvierte Damen-Prominenz (Reba McEntire, Carly Pearce, Jennifer Nettles, Gabby Barrett, Lainey Wilson und Dolly Parton) anhört, erahnt man den Stellenwert, den das Duo in Nashville inne hatte.

Und so werden alle Register auf Höhe des heutig gespielten Traditional-Country gezogen: Klirrende Akustikgitarren, klimperndes Piano, weinende Steel, knarziges Dobro (klasse bei „John Deere Tractor“), eine bräsige Southern Harp („I Know Where I’m Going“) und typische E-Gitarren begleiten in allen Tempi und Stimmungen, die oft markanten Stimmen der Künstler wie u. a. von   LeAnn Rimes, Gwen Stefani, Blake Shelton oder Jamey Johnson.

Flottere Stücke wie „Have Mercy“ oder „Had A Dream (For The Heart) “ erinnern von Akustikgitarrenspiel her an die Art wie Skynyrd auf der damaligen „Endangered Species“ agiert hat.

Am Ende gibt es dann mit dem Duett von Trisha Yearwood und Wynonna herself ganz großes Diven-Gesangskino beim „I Heard It Through The Grapevine“-umwehten, swampigen  Countryblueser „Cry Myself To Sleep“. Den Rausschmeißer bestreitet dann der angesagte Rapper Jelly Roll in einem weiteren Duett mit der R&B-Sängerin K. Michelle samt The Fisk Jubilee Singers-Gospel-Chor in Form von „Love Can Build A Bridge“,als eine Art „We Are The World“-Country-Nummer.

Danach sind die gut 50 Minuten wie im Fluge hinüber, und man ist ist sich der Bedeutung der Judds für die Zeit ihres erfolgreichen Wirkens eindeutig bewusst. Ein toller Sampler, den man sich zu vielen Gelegenheiten in den Player legen kann. Eine wunderbare Verneigung vor einem großen Stück Country Musik-Zeitgeschichte in Nashville. Ein klares Must-Have!

Track List:
01. Girls Night Out – Reba McEntire, Carly Pearce, Jennifer Nettles, Gabby Barrett
02. Mama He’s Crazy – Lainey Wilson and Dolly Parton
03. Why Not Me – Megan Moroney
04. Grandpa (Tell Me ‘Bout The Good Old Days) [feat. Sonya Isaacs] – Cody Johnson
05. Rockin’ With The Rhythm Of The Rain – Ashley McBryde and Shelly Fairchild
06. Young Love (Strong Love) – Ella Langley and Jamey Johnson
07. Have Mercy – LeAnn Rimes
08. Love Is Alive – Gwen Stefani and Blake Shelton
09. Had A Dream (For The Heart) – Wendy Moten and O.N.E The Duo
10. I Know Where I’m Going – Barnett, Lynne & West
11. Let Me Tell You About Love – Carl Perkins and Raul Malo
12. John Deere Tractor – Rob Ickes & Trey Hensley and Molly Tuttle
13. Cry Myself To Sleep – Wynonna Judd and Trisha Yearwood
14. Love Can Build A Bridge – Jelly Roll, K. Michelle, and The Fisk Jubilee Singers

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Jason Aldean – Highway Desperado – CD-Review

Der aus Macon, Georgia stammende Jason Aldean, zählt seit seinem erfolgreichen Debüt-Werk im Jahre 2005 zu den großen Top-Stars der New Country-Szene. Auch alle folgenden Werke konnten den Nimbus eines Top-10-Albums wahren, gleich sieben davon schafften es bis an die Pole-Position.

„Highway Desperado“ ist nun schon seine 12. Platte und hat schon vor Erscheinen mit der vorab ausgekoppelten Single „Try That In A Small Town“ (sowohl Nr. in den Billboard Country-Charts als auch in den Billboard Top 100) für mächtig Zündstoff gesorgt.

Das polarisierende Video prangert mit Gewaltszenen von Demonstrationen, die man in unseren Sphären aus Städten wie Hamburg und Berlin kennt, die Zustände in Metropolen an, und suggeriert nicht nur textlich, dass solche Dinge auf dem Land nicht möglich wären, bzw. anders geregelt würden, was man natürlich als äußerst fragwürdig, auch zurecht als diskussionswürdig, u. a. zum Beispiel im Hinblick auf Verherrlichung von Waffengebrauch und Selbstjustiz, erachten kann.

Ich denke Aldean hier allerdings böse Absichten zu unterstellen, wäre vermessen, schließlich ist er ja schon selbst bei einem seiner Gigs fast Opfer eines Amokschützen geworden. Nichtsdestotrotz ein klasse Country Rock-Song mit viel Southern-Touch.

Zur Einstimmung bietet der Opener „Tough Crowd“ direkt den Stoff, den wohl kein anderer aktuell besser in Szene setzen kann. Eine emotionale Aldean-Hommage an seine Fans. Ein Studiosong, der passend zur Thematik mit Stadion-Livegeräuschen vorn, in der Mitte und am Ende untermalt und ergänzt wurde.

Danach gibt es fortwährend  eingängigen Stoff (meist von seinen Bandmitgliedern Kurt Allison und Tully Kennedy mit diversen weiteren prominenten Co-Writern kompositorisch in Szene gesetzt) , der manchmal so ein wenig ‚Bryan Adams goes Country‘-Touch aufweist (u. a. „Knew You’d Come Around“, „Get Away From You“. Knackig produziert hat natürlich ein weiteres Mal sein Langzeitweggefährte Michael Knox.

Jason selbst ist an den beiden Stücken „Hungover In A Hotel“ (melancholische Ballade mit Powerrefrain) und dem grandiosen Titelstück „Highway Desperado“ als finalem Touchdown beteiligt, den man als würdigen Nachfolger seines Megastücks „My Kinda Party“ deklarieren darf. Epischer Southern Rock-Stoff vom Feinsten.

Jason Aldean bietet auf seinem 14 Stücke umfassenden neuen Album „Highway Desperado“ ein durchgehendes Hitkonglomerat mit Stadion-tauglichem Arena-Country Rock. Man sieht förmlich vorm geistigen Auge seine Audienz die Strophen und Refrains der eingängigen Tracks mitsingen.

Der fleißige Protagonist mit der unverkennbaren Stimme, füllt mit diesem Werk so ein wenig das momentane Vakuum, dass seine Hauptkonkurrenten Luke Combs und Morgen Wallen mit ihren schon einige Monate zurückliegenden Alben hinterlassen haben.

Zudem bietet er mit seinen Top-Nr.1-Hit „Try That In A Small Town“ aufsehen- und diskussionswürdigen Stoff von besonders medialem Interesse. So geht Business in den Top-Regionen. Rein musikalisch gesehen, durchaus mit das packendste und beste Album seiner Karriere. 

Broken Bow Records (2023)
Stil: New Country

01. Tough Crowd
02. Let Your Boys Be Country
03. Knew You’d Come Around
04. Hungover In A Hotel
05. Try That In A Small Town
06. Whiskey Drink
07. Whose Rearview
08. I’m Over You
09. Rather Watch You
10. Breakup Breakdown
11. Get Away From You
12. Changing Bars
13. From This Beer On
14. Highway Desperado

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Dan + Shay – Bigger Houses – CD-Review

New Country-Duos haben eigentlich immer klasse Karten in Nashville, sofern Sie sich als substantiell und nachhaltig erweisen, als auch mit guter Strategie unterwegs sind. Montgomery Gentry, Brooks & Dunn oder Big & Rich aus eher schon vergangener Zeit, Florida Georgia Line, die Brothers Osborne, Maddie & Tae und eben auch Dan + Shay dienen als Vorzeigebeispiele aus jüngeren Tagen.

Dan Smyers und Shay Mooney machen nunmehr seit zehn Jahren als Duo zusammen Musik und haben in der Zeit mehr als 11 Milliarden Streams, insgesamt 49 Platin- und Gold-Zertifizierungen allein in den USA aufzuweisen und mehrere internationale #1-Singles sowie Auszeichnungen en masse angehäuft.

Im kommenden Frühjahr werden sie dann sogar als Coaches in der 25. Staffel der Emmy-ausgezeichneten Sendung „The Voice“ in den Staaten mitwirken. Als erstes Coaching-Duo in der Geschichte der Sendung werden sie neben Reba McEntire, John Legend und Chance the Rapper zu sehen sein.

Nun bringen sie mit „Bigger Houses“ ihren 5. Longplayer auf den Markt. Auch dieser lässt in Sachen Hitpotential keine Wünsche offen, jeder Song der insgesamt 12 vertretenen Tracks ist tatsächlich ein weiterer Hitkandidat! Klar, dass bei Ihnen die Kernkompetenz in den Lead- und Harmoniegesangskünsten liegt, ich habe allerdings selten ein Werk zu Ohren bekommen, wo Country- und Pop-Elemente so exzellent verschmelzen, ohne auch nur den geringsten Vorwurf der Berechenbarkeit aufkommen zu lassen.

Das ist in erster Line auch ein Verdienst der Nashville-Studio-Musiker, die eine wunderbar leichtverträgliche Musikkost mit fluffigen Melodien und Refrains avisieren und die countrytypischen Instrumente wie Fiddle Steel, HT-Piano, Bariton-E-Gitarren Dobro oder Mandoline absolut fein dosiert mit einfließen lassen.

Am Ende bekommt man ein Konglomerat, das dezent in Eagles-/Midland-Arealen („Heartbreak On The Map“, „Neon Cowgirls“, „Bigger Houses“) wildert, aber überwiegend den einstigen Glanz der Rascal Flatts ganz stark wieder aufleben lässt.

Auch wenn das reine Coverbild was Anderes suggeriert, Dan + Shay lieben es scheinbar gerne ‚big‘. „Bigger Houses“ wir in diesem Jahr einer der ganz großen Abräumer werden. Absolut hochwertiger Countrypop, der einfach gute Laune macht. Mit das beste Album in ihrer bisherigen Karriere.

Warner Music (2023)
Stil: New Country

01. Breakin‘ Up With A Broken Heart
02. Save Me The Trouble
03. Heartbreak On The Map
04. Always Gonna Be
05. For The Both Of Us
06. Then Again
07. Heaven + Back
08. What Took You So Long
09. Missing Someone
10. We Should Get Married
11. Neon Cowgirls
12. Bigger Houses

Dan + Shay
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Oktober Promotion

The Delta Saints – 24.08.2023 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Vor über fünf Jahren spielten die Delta Saints das letzte Mal in der Krefelder Kulturrampe. Damals stand im Raum, dass es die letzte Tour der Band sei und zumindest eine Pause eingelegt werden soll. Nachdem die Band jetzt für ein Konzert in Nashville im Frühjahr aufspielte, gelang es Teenage Head Music wieder, die Band für eine kurze Europatournee zu gewinnen. Eine der sieben Stationen ist somit erneut die Krefelder Kulturrampe, in der die Band bereits einige begeisternde Auftritte hatte.

So war es nicht verwunderlich, dass Pille Peerlings die Band vor ausverkauften Haus begrüßen durfte. Es entwickeln sich etwa 100 Minuten, in der die Delta Saints agierten, als hätte es die lange Pause nicht gegeben. Schon vom ersten Song geht das Publikum bei fast tropischen Klimabedingungen frenetisch mit und es entwickelt sich ein unvergesslicher Musikabend und viele Fans fragen sich nach dem Konzert, ob dies eine einmalige kurze Reunion war oder der Beginn eines Neuanfangs.

Neben den stark, auf den Punkt gespielten eigenen Songs, wo „California“, „Heavy Fammer“, „Death Letter Jubilee“ und der Rausschmeißer „A Bird Called Angola“ herausragten, performtet die Band auch eine eindrucksvolle Version des Otis Redding-Klassikers „Hard To Handle“.

Wie in der Kulturrampe üblich, gesellten sie die fünf Musiker nach der Show im Kneipenbereich am Merchandising-Stand unter das Publikum und runden so einen tollen Konzertabend ab, der Lust auf mehr macht oder einfach als sentimentale Erinnerung stehen bleibt. Er hat in jedem Fall  Pille in seinem letzten Jahr als Rampenverantwortlichen, nach dem Konzert sichtlich ein Tränchen der Rührung ins Gesicht getrieben.

Line-up:
Ben Ringel (lead vocals, guitars, percussion)
Dylan Fitch (electric guitar)
David Supica (bass)
Vincent “Footz” Williams (drums)
Nate Kremer (keys, percussion)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Kulturrampe
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Lori McKenna – 1988 – CD-Review

Nachdem Lori McKenna auf ihrem letzten Album „The Balladeer“ eher die typische Singer-/Songwriter-Klientel bedient hatte, nimmt sie drei Jahre später mit ihrem neuen Werk „1988“ wieder mehr Kurs in Americana-/roots-rockigere Gefilde. Das Album hat sie nach dem Jahr benannt, in dem sie mit ihrem Mann Gene das Ehebündnis geschlossen hat. Beide sind heute noch verheiratet und haben fünf Kinder.

Ja, beim Titel „1988“ denkt man natürlich automatisch daran, wie das Jahr damals persönlich für einen selbst gelaufen ist und ich muss schon etwas innerlich recherchieren, bis man es wieder halbwegs einordnen kann. 5 Jahre nach meinem Abitur im Jahr 1983, trafen wir uns alle erstmalig wieder zu einer gemeinsamen Feier (ich fristete zu dieser Zeit  noch dem Junggesellendasein), eine Tradition die wir von da an alle 5 Jahre bis zum heuteigen Tag fortführen, im kommenden November sind es dann 40 Jahre, unfassbar…

Sportlich hatte ich mit zwei erfolgreichen Tischtennis-Bundesliga-Saisons (83/84 und 86/87) bereits den Zenit meiner Karriere überschritten, auch wenn es mir drei Jahre später 1990 noch gelang, in der 2. Bundesliga eine komplette ungeschlagene Halbserie mit 17 siegreichen Spielen in Folge hinzulegen, was von keinem Spieler mehr in den zehn folgenden Jahren bis zu meinem Ausscheiden aus dem höherklassigen Ballsport wiederholt werden konnte.

Beruflich befand ich mich nach Wehrdienst in der Sportfördergruppe in Köln, Ausbildung zum Industriekaufmann in Paderborn noch in der Findungsphase, bis ich 1991 dann im Medienbusiness gelandet bin, dem ich bis zum heutigen Tage noch verbandelt bin.

Musikalisch fördert meine LP-/CD-Sammlung nicht viel  im Jahr 1988 Herausragendes zu Tage, der Southern Rock wurde mit dem Einzug von Synthesizer-Klängen zum Teil übel kommerzialisiert (u. a. 38 Special „Rock’N’Roll Stragedy“,  Outlaws „Soldiers Of Fortune“), so würde ich hier das Debüt von Melissa Etheridge, „Long Cold Winter“ von Cinderella und die wohl eher unbekanntere Scheibe „Memory In The Making“ von einem John Kilzer als Highlights in der Retrospektive hervorheben.

2005 hatte ich dann mal das Vergnügen, die Grammy-dekorierte Protagonistin beim Blue Highways Festival (u. a. mit Interpreten wie Bernie Leadon, Jim Lauderdale, Son Volt, Kelly Willis und Chuck Prophet) im kleinen Saal der Vredenburg in Utrecht live erleben zu dürfen.

Schon damals konnte man ihr Potential als brillante Songwriterin erahnen, was nicht zuletzt durch unzählige Credits für Stars der New Country-Szene wie u. a. Faith Hill, Sara Evans, Tim McGraw, Keith Urban, Little Big Town, Carrie Underwood, Taylor Swift und sogar auch für Lady Gaga in vermutlich finanzielle Unabhängigkeit mündete.

So kann sich Lori im Rahmen ihrer eigenen Musikveröffentlichungen ein gewisses Maß an Entscheidungsfreiheit gönnen, diesmal also, wie anfangs erwähnt, etwas roots-rockiger im Ambiente. So dominieren Gesang, Akustik- und typisch gespielte E-Gitarren samt Bass- und Drum-Rhythmus-Grundlage das Geschehen, ganz dezent klingen auch mal Organtöne durch.

Die Texte mit den eingängigen Refrains sind gewohnt intelligent und überwiegend autobiografisch angefärbt, die Musik hat was von den Chicks (auch der Stimmähnlichkeit zu Natalie Maines geschuldet – „The Old Woman In Me“, „Happy Children“), Sheryl Crow (u. a. „Killing Me“), einem weiblichen Will Hoge („Days Are A Honey“, „The Town In Your Heart“), Miranda Lambert („1988“) oder auch viel unterschwelliges Tracy Chapman-Flair („Growing Up“, „Wonder Drug“, „Letting People Down“) und weiß bis zum ultimativen Abschluss, dem schmerzhaften „The Tunnel“ durchgehend zu begeistern.

“I like doing solo shows, but I really like it when we’re all together, That’s another reason why this record sounds the way it does. I really wanted it to sound like a band, because it’s so fun to play live that way“, so McKenna zu ihrem neuen, von Dave Cobb produzierten und mit eingespielten neuen Werk „1988“.  Die Zielvorgabe ist aus meiner Sicht perfekt umgesetzt! Mit das stärkste Album ihrer Karriere!

CN Records-Thirty Tigers/Membran (2023)
Stil: Americana

Tracks:
01. The Old Woman In Me
02. Happy Children
03. Killing Me (feat. Hillary Lindsey)
04. Days Are A Honey
05. 1988
06. Growing Up
07. Wonder Drug
08. The Town In Your Heart
09. Letting People Down
10. The Tunnel

Lori McKenna
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