Logan Mize – Still That Kid – CD-Review

Still That Kid - Album Art

Logan Mize möchte auch nach fast einer Dekade recht erfolgreichen Treibens im New Country Business sich das Kind im Manne bewahren. Das proklamiert er jetzt auf seiner dritten Big Yellow Dog Music-Produktion nicht nur mit dem Titel des Albums „Still That Kid“, sondern auch ganz klar mit einem der Center-Tracks „I Ain’t Gotta Grow Up“, der gleich in zwei Versionen (einmal mit Unterstützung von Willie Jones) enthalten ist.

Der aus Clearwater, Kansas, stammende Musiker bewegt sich immer noch so ein wenig in der Warteschleife zum ganz großen Durchbruch. Immerhin hat er es zum schon zum Tour-Support von vielen Stars der Szene wie Lady Antebellum, The Band Perry, LeAnn Rimes, Eric Church, Dierks Bentley, der Charlie Daniels Band, Blake Shelton (auf der Blake Shelton Country Cruise), Stoney LaRue, Hank Williams, etc. geschafft.

2016 sorgte er für viel Aufsehen, als er in Eigenregie über seine sozialen Netzwerke eine Solo-Akustik-Tournee buchte und dabei in weniger als zwei Monaten mehr als 20.000 Meilen in einem 1989er Chevy-Kombi namens “Glenn” zurücklegte. Logan war auf dieser Tour sein eigener Sound- und Lichttechniker und spielte Akustikshows, die Fans im ganzen Land begeisterten.

Er ist übrigens verwandt mit Billy Mize. Dieser prägte früher ganz stark den Bakersfield-Sound mit, den man unter anderem von Country-Ikonen wie Merle Haggard und Buck Owens kennt. Und das spürt man auch meines Erachtens ein wenig unterschwellig an der Rhythmusgebung seiner Songs, auch wenn diese natürlich eindeutig im ganz modernen New Country verankert sind.

Das Werk besteht insgesamt aus dreizehn angenehm zu hörenden Stücken, wobei, wie anfangs erwähnt „I Ain’t Gotta Grow Up“ und „Grew Apart“ jeweils in unterschiedlichen Darreichungsformen eingespielt wurden.

Letztgenannter Song, einmal mit Donovan Woods und mit Alexandra Kay performt, wobei die aus Illinois stammende Sängerin, mit ihrer zauberhaften, zwischen Kate Bush und Dolly Parton pendelnden Engelsstimme, hier einen herrlichen Counterpart zu Logans mannsstarkem Gesangsorgan bildet, hat für mich, gerade in der zweiten Version, das größte Hitpotential.

Dass er auch kompositorische Qualitäten verinnerlicht hat, beweisen seine beiden jeweils mit Blake Chaffin kreierten Tracks „American Livin’“ (hymnische, slide-bestückte Hommage an das amerikanische Kleinstadtleben) und „Prettiest Girl In The World“ (melancholische Ballade mit weinender Steel und klirrender Mandoline).

Ein nicht unerheblicher Anteil der Lieder wie „Who Didn’t“, „Gone Goes On And On“, „Get ‘Em Together“ (klasse Duett mit der ebenfalls toll singenden Clare Dunn) und „Practice Swing“ folgt in ihrer Struktur ein wenig dem Erfolgsrezept (Midtempo-Strophe, markanter euphorischer Powerrefrain) dem vom Superstar-Duo Florida Georgia Line.

Insgesamt überzeugt Logan Mize auf dem von Daniel Agee produzierten „Still That Kid“ mit einem durchgehend melodischen und abwechslungsreich anzuhörenden Silberling. Es könnte der Durchbruch werden, zumindest aber der Initialschritt, um aus dem Schatten der heutig Etablierten herauszutreten. Möge er dabei trotzdem seinen jugendlichen Elan und Charme, den er dabei an den Tag legt, auch in Zukunft weiterhin bewahren.

Big Yellow Dog Music (2021)
Stil: New Country

01. American Livin’
02. I Ain’t Gotta Grow Up
03. Who Didn’t
04. Grew Apart feat. Donovan Woods
05. Gone Goes On And On
06. Prettiest Girl In The World
07. Hometown
08. Get ‘Em Together feat. Clare Dunn
09. Practice Swing
10. Slow
11. Something Just Like This
12. Grew Apart feat. Alexandra Kay
13. I Ain’t Gotta Grow Up feat. Willie Jones

Logan Mize
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Lime Tree Music

Whitney Duncan – Heartbreaker – digital EP-Review

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Es ist wohl müßig, sich Gedanken darüber zu machen, wie viele Männerherzen Whitney Duncan schon im Laufe ihrer Sturm- und Drangzeit gebrochen hat, an einer großen Schar an glühenden Verehrern dürfte es der hübschen Blondine sicherlich nicht gemangelt haben.

Fakt ist aber, dass sie nach einer gescheiterten ehelichen Kurzliason, seit 2014 mit dem ‚Survivor: South Pacific‘-Reality Show-Kandidaten Keith Tollefson, wenn man es den Bildern ihres Facebook-Acounts und ihrem aktuellen Video zu „Lightweight“ entnehmen darf, sehr glücklich verheiratet ist.

Ich wurde 2009 in der damalig hier bei uns noch gern gesehenen Sendung ‚Country Roads‘ auf sie aufmerksam, als dort ihr Videoclip zum schönen, sommerlich gute Laune verbreitenden Song „Skinny Dippin'“ vorgestellt wurde.

Kurz darauf besorgte ich mir auch ihre unter Major-Fahne produzierte, ebenfalls angenehm zu hörende CD „Right Road Now“, auf der dieser Track enthalten war. Besonders angetan war ich von ihrer frech klingenden Stimme aber auch ihrem kompositorischen Können zu den frisch und knackig klingenden Liedern.

Das war dann aber auch schon, musikalisch gesehen, ihre erfolgreichste Zeit. Seither gibt es außer einem in Eigenregie entstandenen Minialbum „One Shot“ und ein paar Single-Versuchen nichts mehr Weltbewegendes zu vermelden. Im Gespräch blieb sie eher in den Staaten durch Teilnahme an Reality-Formaten wie der oben angeführten ‚Survivor‘-Show oder auch ‚The Amazing Race‘ (zusammen mit Gatte Tollefson).

Jetzt meldet sich die ursprünglich aus Scotts Hill, Tennessee, stammende Singer/Songwriterin (übrigens Cousine von Jonathan Singleton) mit einem weiteren Kurzwerk „Heartbreaker“ erneut auf musikalischem Parkett zurück. Fünf kurzweilige, in unterschiedlichen Tempi und Stimmungen erzeugte Songs, die von Produzent Michael Carter (Luke Bryan, Cole Swindell) sehr variabel, teilweise mit schönem rockigen Flair in Szene gesetzt wurden.

Nach dem ersten Hören ohne irgendwelche Hintergrundinfos hatte ich zunächst vermutet, dass Dann Huff seine Finger im Spiel haben könnte, aber auch die Herren Rob McNelley, James Mitchell und Adam Shoenfeld sind jederzeit zu mitreißend hymnischer, Hintergrund-, Fill- und E-Gitarren-Soli-Arbeit in der Lage.

Klasse hier auch Billy Pandas prägnantes bärenstarkes Akustikgitarrenspiel sowie Dave Cohens zurückhaltende Keys-Variationen (Orgel, Piano, Synthie), die beide zum stimmigen Gesamtergebnis ihren gehörigen Teil, neben den stimmlichen Qualitäten der Protagonistin und den brillanten E-Gitarristen, beitragen.

So verschwimmen am Ende die Stilarten wie New Country Richtung Lindsay Ell („Homesick“, „Damn I Do“), Heidi Newfield, Shania Twain (das launige „All She Wants„) gekonnt mit melodischem Rock à la Robin Beck oder Pop der Marke Pink. Mit der melancholischen Titelliedballade (mit heulend-seufzender Slide-E-Gitarre) schließt ein knapp 17 Minuten währendes, gelungenes Comeback.

Es hat Spaß gemacht, mal wieder was von Whitney Duncan gehört zu haben, eine ganze CD wäre sicherlich noch schöner gewesen. Wie dem auch sei, mit „Heartbreaker“ ist es ihr auf jeden Fall gelungen, mein musikalisches Herz erneut zu gewinnen. Die EP kann man auf den einschlägigen Portalen zum Download erwerben.

Fire Sign Music (2021)
Stil: New Country

01. Homesick
02. Lightweight
03. All She Wants
04. Damn I Do
05. Heartbreaker

Whitney Duncan
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Morgan Wallen – Dangerous – Do-CD-Review

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Das nenne ich für 2021 direkt mal eine Ansage! Der Shooting Star von 2018, Morgan Wallen, der mit seinem Platin-dekorierten Debütalbum „If I Know Me“, direkt Platz 3 der Country Billboard Album Charts erstürmte und seitdem mit diversen Top-10-Singles (darunter zwei Nr.1-Hits), die Nashville-Szene aufmischt, legt bei seinem Zweitwerk „Dangerous“ gleich mal eine Doppel-CD mit satten 30 Tracks nach!

Es scheint dafür zu sprechen, dass der ehemals hochtalentierte, nur durch eine Ellbogenverletzung gestoppte Youngster, letztendlich zum New Country konvertierte Musiker, entweder kein Vertrauen in die Schnelllebigkeit im Business zu besitzen scheint oder aber von einem Höchstmaß an Selbstvertrauen in das eigene musikalische kreative Können gezeichnet ist.

Die Wahrheit liegt sicherlich irgendwo mitten drin, Fakt ist, dass die Idee zu diesem opulenten Werk aus einem Spaß mit seinem Manger heraus entstanden ist, allerdings sich seither auch schon ein immenser Fundus an verheißungsvollen Liedern angesammelt hatte. Die meisten anderen Künstler samt ihrer Labels, so mutmaße ich es einfach mal, hätten mit diesem hochwertigen Material, die Zeit auf sechs Jahre mit drei Alben ‚gestreckt‘.

Die wieder von Joey Moi (acoustic guitar, background vocals, electric guitar, programming) mit einigen Co-Producern produzierte Doppel-CD, wurde dabei natürlich von absoluten Könnern wie u. a. Tom Bukovac (electric guitar), Dave Cohen (keys & b3), Paul Franklin (steel guitar), Wes Hightower (background vocals), Jerry Roe (drums & percussion), Jimmie Lee Sloas (bass), Ernest Keith Smith (background vocals), Bryan Sutton (acoustic Guitar, banjo, dobro, mandolin, resonator), Ilya Toshinskiy (acoustic guitar) und Derek Wells (electric guitar), grandios passend zu Wallens rauchig-heiser knödelndem Gesang (eine Art Mischung aus Travis Tritt und Frankie Ballard) eingespielt.

Morgan kann gleich bei sechzehn Tracks die Songwriter-Credits mit für sich beanspruchen, dazu gesellt sich geradezu ein Heer an klangvollen Kompositeuren wie u. a. Ashley Gorley, Michael Hardy, Josh Osborne, Rhett Akins, Josh Thompson, Rodney Clawson, Lee Thomas Miller, Josh Kerr, Shane McAnally, Hillary Lindsey, Dallas Davidson, Marv Green, Ben Hayslip, Luke Laird und Ben Burgess, der dazu bei „Outlaw“ eine vokale Gastpräsenz aufweist. Auch einige aktuelle Kollegen wie Thomas Rhett („Your Bartender“), Jason Isbell (tolle Adaption seines „Cover Me Up“),  Devin Dawson und Eric Church (Quittin‘ Time“) zählen zur exquisiten Liste der Ideengeber mit dazu.

Ein weiteres starkes Duett gibt es bei „Only Thing That’s Gone“, wo Chris Stapleton seine unnachahmliche Stimme mit einbringt. Das Gesamtwerk bietet insgesamt klassisch modernen, ausnahmslos melodischen New Country, mit all seinen Facetten.

Das Team Wallen-Moi, verzichtete dabei wohltuend auf allzu poppige Attitüden (die nur in wenigen Ausnahmen wie bei „Warning“, „Dangerous“ oder „Heartless“ und dazu noch sehr erträglich). Im Vordergrund stehen ganz klar die vielen filigran gespielten Saiteninstrumente, wie Akustik- und E-Gitarre, Mandoline (herrlich Bryan Sutton), Dobro und Steel. Klasse auch Dave Cohens dezent eingebrachten Keys- und B3-Einlagen. Auf CD 2 weisen einige Tracks wie „Somethin‘ Country“, „Country A$$ Shit“ oder „Whatcha Think Of Country Now“ sogar leicht (southern) rockige Reminiszenzen an unsere geliebten The Cadillac Three auf.

Insgesamt muss man bei diesem monströsen Doppelsilberling schon von purer Reizüberflutung sprechen. Vom eröffnenden entspannten „Sand In My Boots“ bis zum finalen ergreifenden ‚Leaving-Song‘, „Quittin‘ Time“, kann man sich gar nicht so schnell über den vorhergehenden Song freuen, wie man schon wieder vom nächsten, zum faszinierenden Zuhören animiert wird. Es gibt nahezu gar keinen Ausfall, selbst von Füllern kann kaum gesprochen werden.

Zu meinen persönlichen Favoriten zählen neben den schon genannten, Ohrwurm-Tracks wie „Wasted On You“, „Somebody’s Problem“ und „7 Summers“ (beide Richtung Midland), „Neon Eyes“, „Your Bartender“,  „More Than My Hometown“ (alle CD1), „Rednecks, Red Letters, Red Dirt“, „Blame It On Me“, „Me On Whiskey“, das flockige „Need A Boat“, „Silverado For Sale“ und „Livin‘ The Dream“ (alle CD2).

Morgan Wallen setzt mit „Dangerous“ direkt in den ersten Tagen des Jahres ein ganz großes Ausrufezeichen. Was für eine Ansage an die gehobene Konkurrenz! Man muss kein Prophet sein, um ihn bereits jetzt schon zu den Abräumern in Sachen Awards, Chartplatzierungen und Verkäufen in 2021 zu proklamieren.

„Dangerous“ von Morgan Wallen ist hochdosierter, wahnsinnig guter New Country-Stoff mit ganz gefährlichem Suchtpotenzial. Demnach absolute Kaufempfehlung beim Musikdealer ihres Vertrauens!

Big Loud / Republic / Universal (2021)
Stil: New Country

Tracks:
CD1
01. Sand In My Boots
02. Wasted On You
03. Somebody’s Problem
04. More Surprised Than Me
05. 865
06. Warning
07. Neon Eyes
08. Outlaw (feat. Ben Burgess)
09. Whiskey’d My Way
10. Wonderin‘ Bout The Wind
11. Your Bartender
12. Only Thing That’s Gone (feat. Chris Stapleton)
13. Cover Me Up
14. 7 Summers
15. More Than My Hometown

CD2
01. Still Goin‘ Down
02. Rednecks, Red Letters, Red Dirt
03. Dangerous
04. Beer Don’t
05. Blame It On Me
06. Somethin‘ Country
07. This Bar
08. Country A$$ Shit
09. Whatcha Think Of Country Now
10. Me On Whiskey
11. Need A Boat
12. Silverado For Sale
13. Heartless (Wallen Album Mix)
14. Livin‘ The Dream
15. Quittin‘ Time

Morgan Wallen
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Universal Music Group

Russell Dickerson – Southern Symphony – CD-Review

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Der aus Union City, Tennessee, stammende Musiker mit seinem zweiten Album! Russell Dickerson, der bereits mit seinem Gold-dekorierten Debüt „Yours“ und diversen Singles daraus, einen erfolgreichen Einstieg mit einigen Top-10-Platzierungen ins Music Business gefeiert hatte, weiß, wo in der Musikhauptstadt der USA, der Hase langläuft.

Schließlich hat er einen Bachelor-Hochschulabschluss an der dortigen, berühmten Belmont-Universität vorzuweisen. Jetzt hat er erneut mit Langzeit-Freund Casey Brown, der schon den Erstling in vielerlei Hinsicht (Produzent, diverse Musikinstrumente und Co-Writer) begleitet hatte und Dann Huff (als Co-Produzent), den zweiten Streich mit „Southern Symphony“ ausklamüsert (klasse übrigens auch das coole Cover wie seiner Zeit bei Kid RocksBorn Free„).

Russell liefert zehn wunderbar kurzweilige und eingängige  New Country-Songs, die exzellent den Spagat zwischen ’nicht zu poppig‘ und ‚doch noch Country-kompatibel genug‘ meistern. Ein Erfolgsgarant dafür ist seine starke Charakterstimme und das fulminante versierte E-Gitarrenspiel von Huff.

Hier weiß man sofort, ohne auch nur eine Backgroundinformation zum Album gelesen zu haben, dass er seine Finger, im wahrten Sinne des Wortes, im Spiel hat.  Unverkennbar wieder Huffs hymnisch anmutende Soli.

Herausstechende Songs sind neben dem tollen Opener „Never Gets Old“ (mit Skynyrd-umwehten E-Gitarren), unzweifelhaft der pathetische Lovesong „Love You Like I Used To“ (klasse Powerrefrain, zwei heulende Southern-E-Soli von Huff), der wieder die Top-5 der Billboard-Single-Charts erklommen hat und die launig-süffige Kooperation mit dem Erfolgsduo Florida Georgia Line bei „It’s About Time“.

Weiterhin wissen u. a. das wunderbar countryesk-melancholische Titelstück „Southern Symphony“ (mit allem was Country ausmacht: Dobro, Steel, Diddle, einfühlsame Gitarren – einfach klasse instrumentiert und gesungen) oder auch der melodische Schmachtfetzen „Come To Jesus“ in einem durchgehend überzeugenden Zweitwerk zu gefallen.

Und wenn Dickerson seiner Liebsten beim finalen „Waiting For You“ voller Inbrunst samt poppiger 90er-Jahre-Keys und -Sirenen-Sax-Soli gesteht, dass er sein ganzes Leben auf sie gewartet habe, dann wartet man schon jetzt gespannt auf seine weitere musikalische Entwicklung.

Russell Dickersons „Southern Symphony“ beinhaltet eine perfekt von Huff arrangierte, moderne New Country-Sinfonie in zehn Sätzen (meist in Midtempo-/Powerrefrain-Struktur). Stoff für Freunde von Interpreten wie Kip Moore, Chase Rice, Billy Currington, Canaan Smith, David Nail, Phil Vassar & Co., der bestens unterhält. Dickes Kompliment an Russell Dickerson und sein ihn umgebendes Team!

Triple Tigers/Membran (2020)
Stil: (Country) Pop

01. Never Gets Old
02. Home Sweet
03. All Yours, All Night
04. Love You Like I Used To
05. Forever For A Little While
06. It’s About Time (feat. Florida Georgia Line)
07. Honey
08. Southern Symphony
09. Come To Jesus
10. Waiting For You

Russell Dickerson
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Oktober Promotion

Lee Brice – Hey World – CD-Review

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Mit seiner Hitsingle „A Woman Like You“ oder spätestens mit dem Nr. 1-Album „I Don’t Dance“, ist Lee Brice in der Gilde von Nashvilles Premium-Interpreten angekommen. Im Prinzip haben aber alle seine vier bisherigen Werke mit Plätzen unter den Top-10 glänzen können.

Der ehemalige Footballer hat (wenn auch eher gezwungener Maßen durch eine Verletzung) mit  der Entscheidung, ins Musikbusiness umzuswitchen und sich auf seine dortigen Fähigkeiten zu konzentrieren, alles richtig gemacht.

Dass Brice, der zunächst eher mit Kompositionen für Jason Aldean oder Garth Brooks auf sich aufmerksam gemacht hatte, ein richtig Guter ist, wusste man dann schon nach seinen ersten Stücken vom Debüt.

Für sein fünftes Werk „Hey World“ liefert er mit satten 15 Tracks wieder die volle Breitseite an modernem und erfolgreichem New Country Mainstream, und weiß dabei voll zu überzeugen. Angenehm ist hier besonders, dass bei Brice nicht, wie bei vielen Künstler in seiner Kategorie, die offensichtliche Gewinnmaximierung  in Richtung Pop- und Countrycharts zugleich, an erster Stelle steht, sondern zunächst die Songqualität als entscheidender Faktor im Raume stehen gelassen wird, frei nach dem Motto, der Rest kommt dann gegebenenfalls von alleine.

„Hey World“ ist einfach der nächste Schritt in meinem Leben. Wo ich bin, wer ich bin, was ich liebe, was ich fühle, von den Songs über die Produktion bis zur Reihenfolge der Stücke, mein Ziel war es immer, besser und besser zu werden, in dem, was ich tue – und das wird auch immer mein Ziel sein. Abgesehen von meiner Familie, meiner Frau und meinen Freunden, ist die Musik der Ort, an dem ich am wahrhaftigsten bin,“ fasst Brice seine momentane Gefühlswelt in Corona-Zeiten zusammen.

Und er bringt auf „Hey World“ wieder sehr gekonnt knackige New Countrytracks wie den fluffigen Opener „Atta Boy“, die launig süffigen Mitgröler „“More Beer“ und „If You“, das stadiontaugliche „Good Ol‘ Boys“ (tolles Southern E-Solo), das traditionell gehaltene „Country Knows“ (mit Steel und Dobro), mit ein paar anschmiegsamen Balladen wie „Memory I Don’t Mess With“ (herrlicher Ohrwurm!), „Save The Roses“ (Marke Bon Jovi), „Lies“ (kammermusikartig) und einigen geschmackvollen soul-poppigen Sachen der Marke Marc Broussard („Don’t Need No Reason“, „Do Not Disturb“, „Hey World„), nahezu perfekt ins richtige Lot.

Dazu bekommt man noch das herrlich tanzbare „Soul“ (also, wer da keinen sofortigen Bewegungsdrang verspürt, ist vermutlich nicht mehr unter den Lebenden oder ein wirklich unverbesserlicher Tanzmuffel….),  die ausgekoppelte Erfolgssingle „One Of Them Girls“ (eine wunderbare Hommage an alleinerziehende Powerfrauen – siehe Video) und das schöne pettyeske Duett mit Carly Pearce, „I Hope You’re Happy Now„, das auch schon im Februar auf ihrem Album im Februar platziert gewesen ist.

Und wenn er in diesen Zeiten beim abschließenden nachdenklichen Titelsong „Hey World, leave me alone, don’t call me up today, I won’t be picking up the phone“ mit seiner Wahnsinnsstimme inbrünstig heraussingt und mit den Worten „bei all den Dingen, die derzeit auf der Welt passieren und bei der Geschwindigkeit, die wir als Gesellschaft an den Tag legen, wünscht man sich manchmal, dass alles mal stoppt – einfach um schätzen zu lernen, was man hat, die Leute leiden und das kann man einfach nicht ignorieren”, vieles Heutige genau auf den Punkt bringt, nimmt man das dem Protagonisten auch so ab.

Insgesamt somit ein New Country-Album der Premium-Klasse in allen Belangen, nicht zu vergessen auch die tolle Instrumentierung (besonders die Gitarristen glänzen mit vielen kleinen Feinheiten). In der Tat, Lee Brice wird seinem Anspruch, immer besser und besser zu werden, auf „Hey World“, absolut gerecht. Wenn er mir zuhören könnte, würde ich ihm jetzt glatt zurufen: Hey Lee Brice, Gratulation, saustarke Scheibe!

Curb Records (2020)
Stil: New Country

01. Atta Boy
02. One Of Them Girls
03. More Beer
04. Memory I Don’t Mess With
05. Save The Roses
06. Good Ol‘ Boys
07. Don’t Need No Reason
08. Do Not Disturb
09. Soul
10. Sons and Daughters
11. Country Knows
12. Lies
13. If You
14. I Hope You’re Happy Now
15. Hey World (featuring Blessing Offor)

Lee Brice
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Lime Tree Music

Chris Stapleton – Starting Over – CD-Review

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Review: Michael Segets

Chris Stapleton kann als der Shooting Star des New Country bezeichnet werden. Seit seinem Solo-Debüt „Traveller“ (2015) folgten zwei Alben, die ebenso Spitzenpositionen in den amerikanischen Charts aufwiesen. Auch viele seiner Singles erreichten Gold- oder Platinstatus. Grammy-Auszeichnungen und weitere Ehrungen folgten auf dem Fuß. Mit „Starting Over“ legt Stapleton nun einen Longplayer vor, der durchaus das Potential hat, erneut die Hitlisten zu stürmen. Der Titeltrack als erste Single stieß in der Country-Kategorie bereits in die Top 10 vor.

Angesichts der Erfolgswelle, auf der der in Kentucky geborene Stapleton schwimmt, besteht für ihn kein Grund, einen Neustart vorzunehmen. Der Titel der aktuellen Scheibe sollte daher nicht so interpretiert werden, dass Stapleton nun eine völlig neue Richtung einschlägt. Stattdessen konzentriert er sich weiterhin auf seine Qualitäten als Songwriter und zeigt sich dabei äußerst flexibel, wenn Country, Blues, Rock und Soul auf seinem Werk verschmelzen.

Das Album wird von eher langsameren Titeln dominiert. Stapleton streut aber an den richtigen Stellen fetzige Nummern ein, wie den Blues Rock „Devil Always Made Me Think Twice“ oder den Country-Rock-Kracher „Arkansas“. Auch das starke „Watch You Burn” kommt mit stampfendem Rhythmus und rauem Gesang rockig daher. Schließlich setzt dort der All Voices Chor ein und führt das Stück zu seinem fulminanten Abschluss. Stapleton schrieb den Song in Kooperation mit Mike Campbell. Der Gitarrist der Hearbreakers, der Band von Tom Petty, bringt seine Kunst an den Saiten mehrfach ein. Dabei setzt seine E-Gitarre – egal ob wuchtig („Whiskey Sunrise“) oder filigran („Joy Of My Life“) – stets Akzente, die die Stücke nochmals aufwerten.

Mit von der Partie ist auch ein weiterer Heartbreaker, Benmont Tench, dessen Orgel vor allem bei „Maggie’s Song“ hervorsticht. Der harmonische Track mit eingängigem Refrain wird von Stapletons Frau Morgane im Background begleitet. Die femininen Harmonien beeindrucken besonders bei „Old Friends“. Der Song stammt ebenso wie „Worry B Gone“ von Guy Clark. Unter den vierzehn Titeln findet sich noch eine Cover-Version von John Fogertys „Joy Of My Life“.

Bei den Eigenkompositionen schlägt Stapleton mal bluesige Töne an, wie bei der zweiten Single „Cold“, die gegen Ende orchestrale Ausmaße annimmt, und mal soulige, die beim radiotauglichen Midtempo-Song „You Should Probably Leave“ schon fast poppige Regionen erreichen. In den meisten Beiträgen scheint aber Stapletons Affinität zum Country durch, so bei den Balladen „When I’m With You“ und „Nashville, TN“. Für den entsprechenden Flair sorgt Paul Franklin an der Pedal Steel.

Der mittlerweile nach Tennessee übergesiedelte Stapleton setzt mit dem dunklen „Hillbilly Blood“ ein Highlight. Intensiver Gesang und hervorragende Rhythmusarbeit durch seine bewährten Mitstreiter J. T. Cure (Bass) und Derek Mixon (Schlagzeug) zaubern einen atmosphärisch dichten Song.

Das wiederum von Dave Cobb produzierte „Starting Over“ verspricht die Erfolgsserie von Chris Stapleton fortzusetzen. Stapleton beweist, dass er mit Recht zu den führenden Songwritern in Nashville gezählt wird. Er zeigt dabei Facetten, die vielleicht auf seinen früheren Alben nicht so deutlich zutage treten. Stapleton setzt insgesamt aber auf Kontinuität statt auf große Innovationen, was ja nicht verkehrt erscheint, wenn das, was er macht, so gut ist.

Mercury Records Nashville (2020)
Stil: New Country

Tracks:
01. Starting Over
02. Devil Always Made Me Think Twice
03. Cold
04. When I’m With You
05. Arkansas
06. Joy Of My Life
07. Hillbilly Blood
08. Maggie’s Song
09. Whiskey Sunrise
10. Worry B Gone
11. Old Friends
12. Watch You Burn
13. You Should Probably Leave
14. Nashville, TN

Chris Stapleton
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Universal Music Group

Cam – The Otherside – CD-Review

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Satte fünf Jahre sind schon wieder vergangen, seit Cameron Ochs, alias Cam, mit ihrem zweiten Album und gleichzeitigem Major-Debüt „Untamed“ (enthielt den Smash-Hit „Burning House“), die Herzen der Kritiker im Sturm eroberte und die Weichen für die andere, erfolgreiche Seite ihrer Karriere in Nashville, gestellt hatte.

Nun liefert sie mit „The Otherside“ den lang ersehnten Nachfolger, mittlerweile unter dem RCA-Unterlabel Triple Tigers, nachdem ein, sich nicht als charttauglich erweisender Song namens  „Road To Happiness“, zum Zerwürfnis mit dem bis dato federführenden Arista-Label geführt hatte.

Produziert hat sie das Werk gemeinsam mit Tyler Johnson (Harry Styles, Sam Smith) und Grammy-Gewinner Jeff Bhasker (Kanye West, Bruno Mars).

Die Scheibe mit ihren elf Tracks bietet durchgehend angenehmes Hörvergnügen, die reduzierte Rhythmusgebung, meist mit einer halbakustisch klingenden Gitarre und percussionartigen Drum-Claps, bietet ihrer leicht näselnden, aber sehr variablen Stimme, einen perfekten Untergrund.

Das ganze klingt dann, als wenn sie sich mit Tracy Chapman, Shania Twain, Emmylou Harris und Stevie Nicks zu einer Art musikalischem Brainstorming versammelt hätte und deren Anstöße für die Umsetzung der neuen Tracks, hat einfließen lassen.

Meine persönlichen Favoriten sind das keltisch-folkige Titelstück „The Other Side“ (klingt fast wie alten Friedensmusiker Bots, geschrieben von Cam noch zusammen mit dem kürzlich verstorbenen Tim Bergling (Avicii), das lässige groovende „Changes“ mit wunderschönem Refrain und Pfeif-Intermezzo und der durch untypisches Kirchenglockengeläut ummantelte coole Barroom Blues „Happier For You“ (mit claptoneskem Slide, klasse Piano und jeder Menge emotionalem Flair).

Die 36-jährige Sängerin jongliert auf „The Otherside“ insgesamt stilsicher mit Country-, Pop-, Folk- und Singer-/Songwriter-Requisiten und bezaubert dazu mit ihrem tollem ausdrucksstarken Gesang.

Und wenn die lockenköpfige Blondine in der  finalen Pianoballade so schön eindringlich und inbrünstig, fast schon flehend am Ende „take it from a girl like me“ singt, hat ihr der Autor des Reviews schon längst aus der Hand gefressen…

Triple Tigers / RCA Records (2020)
Stil: New Country

01. Redwood Tree
02. The Otherside
03. Classic
04. Forgetting You
05. Like A Movie
06. Changes
07. Till There’s Nothing Left
08. What Goodbye Means
09. Diane
10. Happier For You
11. Girl Like Me

Cam
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Sony Music

Tanya Tucker – Live From The Troubadour – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

9081 Santa Monica Boulevard, West Hollywood, Los Angeles, ist die Adresse einer legendären Konzert-Location, die seit über 60 Jahren Musikgeschichte schreibt. „The Troubadour“ ist das renommierte Venue auf den Album-Covern vieler prominenter Namen, wie z.B. Neil Diamond (1970), Carole King und James Taylor (2010) oder der Band Wilco (1996), die dort Konzert-Auftritte für einen Longplayer einspielten. In diese lange Reihe exklusiver Club-Performings hat sich im vergangenen Jahr auch die Country-Ikone Tanya Tucker eingereiht und nun mit „Live From The Troubadour“ ihr drittes Live-Album aufgenommen – 15 gefeierte Tracks, geprägt von Tanyas unverwechselbarer Stimme und einer Top-Begleitband.

Die inzwischen 62-jährige Country-Lady aus Texas ist seit fast fünf Jahrzehnten im Musik-Business aktiv (bereits 1997 erfolgte die Aufnahme in die Country Music Hall of Fame) und konnte über die Zeit in fast allen Award-Kategorien Preise abräumen. Das Studio-Album „While I’m Livin‚“ wurde bei den 2020 Grammys als bestes Country-Album des Jahres ausgezeichnet. So enthält „Live From The Troubadour“ natürlich zum großen Teil Songs aus diesem preisgekrönten Longplayer, allen voran „Bring My Flowers Now“, der als bester Country-Song 2020 prämiert wurde.

Die neue Live-Scheibe ist natürlich auch ein kleines ‚Best-of‘-Werk und bringt acht schöne Versionen älterer Country-Klassiker und Nr. 1-Titel, wie u.a. „Delta Dawn“, „Blood Red And Goin‘ Down“ oder „Strong Enough To Bend“ und „Jamestown Ferry“ aus Tuckers langer Karriere zurück auf den Plattenteller. Die Konzert-Atmosphäre vor 500 begeisterten Fans vermittelt durch die persönlichen Ansagen und Publikum-Backgrounds, eine fast schon private Party-Stimmung, die mit dem Medley aus „I’m On Fire/Ring Of Fire“ (eine ungewöhnliche Bruce Springsteen/Johnny Cash Cover-Version) einen zusätzlichen Höhepunkt erfährt.

Tanya Tucker hat mit dem Album „Live From The Troubadour“ – die Music Hall profitiert dabei übrigens durch einen Anteil aus den Einnahmen der LP-Verkäufe – eine familiär klingende Country-Scheibe veröffentlicht und begeistert mit der Auswahl an älteren und jedoch ebenso neuen Tracks. Tuckers Performance zeigt, dass ihr auch generationsübergreifend der Spagat zwischen klassischer Country-Musik und modernen Chart-orientierten Melodien mühelos gelingt.

Fantasy Records (Universal Music) (2019)
Stil: Country

Tracklist:
01. Would You Lay With Me (In A Field Of Stone)
02. Jamestown Ferry
03. What’s Your Mama’s Name, Child
04. Blood Red And Goin’ Down
05. Strong Enough To Bend
06. I’m On Fire / Ring Of Fire
07. Mustang Ridge
08. The Wheels Of Laredo
09. I Don’t Owe You Anything
10. High Ridin’ Heroes
11. Hard Luck
12. Interlude
13. Bring My Flowers Now
14. Texas (When I Die)
15. It’s A Little Too Late
16. Delta Dawn

Tanya Tucker
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Oktober Promotion

Justin Moore – Live At The Ryman – CD-Review

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In Tagen, wo Konzerte aufgrund der bekannten Problematiken, eher andächtigen Klassik-Veranstaltungen – nur ohne die dort typische hohe Arschlochdichte im Publikum – gleichen, kommt Justin Moore mit einem frenetisch-spektakulären Live-Album, aufgenommen im ausverkauften Ryman-Auditorium, in Nashville, Tennessee, noch in der guten alten Vor-Corona-Zeit, um die Ecke.

Der ursprünglich aus dem kleinen Dorf Poyen in Arkansas stammende, 2002 nach Nashville übergesiedelte Künstler, zieht dabei alle Register und präsentiert einen mustergültigen Querschnitt aus seinen allesamt mega-erfolgreichen fünf Alben (keines schlechter als Platz 3, dreimal sogar Platz 1), serviert dazu on top mit Chris Janson, David Lee Murphy und Ricky Skaggs illustre Gäste.

Der an diesem Abend gesanglich und kommunikativ blendend aufgelegte Moore kann sich dazu auf eine sensationell gut auftrumpfende Begleitband, bestehend aus den superben E-Gitarristen Perry Coleman II (auch background vocals) und Josh Cross, dem famosen Keyboarder Kory Caudil (auch background vocals) , sowie der blendenden Rhythmusfraktion mit David Dubas (bass) und Powerdrummer Tucker Wilson (mit vielen ‚volumigen‘ Trommelhageln), verlassen, die sich mindestens zu 50% für das Gelingen dieses herrlichen Events mitverantwortlich zeigt.

Mit „Hank It“ und „Backwoods“ hat das einstige Basketball-Talent direkt zwei Einsteiger der Marke ‚besser geht’s nicht‘ parat, die sofort für mächtig Alarm sorgen. Da muss dann direkt die wunderschöne Ballade „Flyin’ Down A Back Road“ zum Durchatmen, aber auch zum Mitsingen des über die gesamte Dauer textfesten und immer wieder eingebundenen Publikums, herhalten.

Danach liefert er quasi ein, auch von der Anordnung mustergültiges Best Of-Programm (mit vielen seiner stimmungsvollen Hits wie u. a. „You Look Like I Need A Drink“, „Kinda Don’t Care“, „Til My Last Day“, „If Heaven Wasn’t So Far Away“ ab, das auch in großen ausverkauften Stadien, optimal seinen Zweck erfüllen würde.

Nach dem southern-rockigen „Bed Of My Chevy“ wird mit dem Einbinden der o. a. angeführten Gäste in den etwas traditionelleren Country-Modus umgeswitcht. Chris Janson begeistert neben seinem kauzigen Gesang auch mit einem klasse Harp-Solo beim Hank Williams jr.-Outlaw-Klassiker „Country State Of Mind“. David Lee Murphy erweist sich als idealer Partner beim Waylon Jennings-Feger „I Ain’t Living Long Like This“ und Neo-Traditionalist Ricky Skaggs ebenso beim schunkligen Heuler „Honey (Open That Door)“.

Das patriotische „Small Town USA“ (mit natürlich inbrünstigem Publikumsgesang und tollen Twin-E-Gitarren) ist die passende Initialzündung für ein Finale der Extraklasse, das mit dem textlich vulgären, oder gerade deswegen, höchst unterhaltsamen „I Could Kick Your Ass“ (klasse wie Justin das letzte Wort der Titelzeile „Aääääääs“ als seinen letzten Vokal-Akt im Hauptteil auseinanderzieht, danach folgt ein starkes Instrumentaloutro der Band) und der abermals launigen Zugabe „Point At You“, die wie eine Jam-Session aus The Who (Orgel), den Stones (E-Gitarren-Rhythmus), Skynyrd (E-Soli)und Bruce-Springsteen (Powergesang) rüberkommt (plus Verabschiedung von Band und Gästen), stimmungsmäßig kaum zu toppen ist. Southern New Country-Live-Stoff at its best!

Schade, dass dieser furiose Justin Moore-Gig nicht auch in visueller Form als DVD oder Blu-ray festgehalten wurde, dafür wird es einem aber leicht gemacht, das dementsprechende Kopfkino, ganz ohne virale Übertragungsrisiken, einzuschalten. Dafür erhält man nach dem Kauf  absolut tolle Musik (in dieser Hinsicht allerdings mit höchster Ansteckungsgefahr) in einem Top-Sound samt grandioser Stimmung, exklusiv in seinem Wohnzimmer. Man gönnt sich in diesen Zeiten ja sonst nichts…!

Valory Records/Universal (2020)
Stil: New Country

01. Hank It
02. Backwoods
03. Flyin’ Down A Back Road
04. You Look Like I Need A Drink
05. Somebody Else Will
06. Bait A Hook
07. Kinda Don’t Care
08. Til My Last Day
09. If Heaven Wasn’t So Far Away
10. Lettin‘ The Night Roll
11. Bed Of My Chevy
12. Country State Of Mind (featuring Chris Janson)
13. I Ain’t Living Long Like This (featuring David Lee Murphy)
14. Honey (Open That Door) (featuring Ricky Skaggs And The Whites)
15. Small Town USA
16. I Could Kick Your Ass
17. Point At You

Justin Moore
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Universal Music Group

Keith Urban – The Speed Of Now – Part 1 – CD-Review

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Als ich 1999 Keith Urbans nach sich selbst betiteltes Studioalbum rezensierte, kannte ihn hier in Deutschland so gut wie niemand, geschweige, dass von ihm berichtet wurde. Schon damals prophezeite ich (ich zitiere mich selbst): „Keith Urban, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, wird die Erfolgsleiter emporklettern und schon bald zu den nicht mehr wegzudenkenden Größen in Nashvilles New-Country-Szene gehören.“

2007, als ich ihn zum ersten Mal live im Kölner E-Werk erlebt hatte, stand er im Rahmen seiner Nicole Kidman-Liaison bereits in der Yellow-Press und auch musikalisch steckte er schon mitten im Big Business. Sein genreübergreifendes Talent war längst erkannt. Mit seinem ersten Nummer-1-Album „Be Here“ 2004 war der gebürtige Neuseeländer in die oberste Riege der Nashville-Stars aufgestiegen.

Seitdem arbeitet Urban höchsterfolgreich daran, die bestmögliche Schnittmenge zwischen Rock, Pop und Country auf seinen Alben zu realisieren und versucht, wenn nötig, auch noch weitere, von Aktualität bestimmte Strömungen, wie z. B. R&B oder Hip Hop, etc. wohl dosiert mit einzuflechten.

Und so verhält es sich auch auf seinem neusten Werk „The Speed Of Now – Part 1“, das mit 16 Stücken voll bepackt ist. Auch wenn der poppige Opener mit Gästen wie Breland und Disco-Ikone Nile Rogers (Chic) „Out The Cage“ schön schmissige und treibende Elemente aufweist, muss man als eher Country- und Rock-verwurzelter Kritiker erstmal tief durchatmen und hofft zugleich, dass dies nicht der rote Faden für den weiteren Verlauf des Werkes sein möge.

Dem ist dann auch nicht so (lediglich die unsäglichen, momentan leider wohl unverzichtbaren Drum-Loops in Dauerschleife nerven etwas), auch wenn es zunächst mit Chartblick, im Star-Duett mit Pop-Sternchen Pink, mit einem für beider Verhältnisse, eher braven Schmuse-Ballädchen, weitergeht.

Mit dem stadiontauglichen „Live With“ findet Urban dann aber in die Spur und serviert ein immer, auf ins Ohr gehende Melodien bedachtes Konglomerat aus Rock, Pop und Country in allen Tempi und Stimmungen, vollgestopft mit Hitpotential (potentielle Kandidaten: „Superman“, „Soul Food“, „Ain’t It Like A Woman“, „With You“,  das karibisch-angehauchte „Polaroid“), wobei er seine variablen Gitarren-, bzw. Ganjo-Künste immer wieder akzentuiert aufblitzen lässt.

Ja, beim starken Southern Rocker „Forever“ , wo er am Ende sogar mal richtig die ‚E-Gitarren-Sau‘ raushängen lässt, läuft er sogar zur Form seiner ganz frühen Tage auf. Auch das trashige, in Big & Rich-Manier polternde „Tumbleweed“ mit starkem Wah-Wah-Solo, macht richtig Laune. Und am Ende gibt es mit „We Were“ einen saustarken Song gleich in zweifacher Version: Einmal Urban solo (hätte ich persönlich aber eher irgendwo in den Anfangsbereich des Albums platziert) und direkt anschließend als finalen Track mit Eric Church als Co-Sänger, in dieser Fassung zusammen mit dem oben erwähnten „Forever“ für mich das Highlight des Longplayers.

Mit „The Speed Of Now – Part 1“ hat der ewig-junge Sonnyboy wieder sein Gespür für die Zeit erwiesen, und in diesen Tagen mit High-Speed, Platz 1 in den Billboard-Country-Album-Charts erklommen. Die Scheibe gefällt tatsächlich mit jedem Hördurchgang besser. Der Titel suggeriert bereits einen Nachfolger mit ähnlichem Konzept. Keith Urban scheint weiterhin heiß darauf zu sein, auch in Zukunft, ganz oben mitzumischen.

Capitol Nashville/Universal (2020)
Stil: New Country

01. Out The Cage (mit Breland & Nile Rogers)
02. One Too Many
03. Live With
04. Superman
05. Change Your Mind
06. Forever
07. Say Something
08. Soul Food
09. Ain’t It Like A Woman
10. With You
11. Tumbleweed
12. God Whispered Your Name
13. Polaroid
14. Better Than I Am
15. We Were
16. We Were (mit Eric Church)

Keith Urban
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