The Electric Alley, 08.12.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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The Electric Alley bildeten gestern Abend für Gernot und mich, den Abschluss (sofern wir uns nicht noch für irgendetwas Ungeplantes spontan entscheiden sollten) eines intensiven Konzertjahres 2017, in dem wir alleine aus unserer lieb gewonnenen Kulturrampe satte 19 mal berichtet haben.

Nachdem ich am Montag bei Chantel McGregor aufgrund der ungeheuren Fülle an Aufgaben und dementsprechenden Belastungen in meinem richtigen Job, mal gepasst hatte, war die Präsenz beim Deutschland-Debüt, des sich im Portfolio von Teenage Head Music befindlichen Quartetts aus dem spanischen Cadiz, natürlich Pflicht, zumal es noch mal die Gelegenheit gab, sich von den vielen bekannten, ebenso Musikverrückten wie u. a. Manny Montana samt Ehefrau, KR-Ikone Mario Scholten (hatte angesichts des herrlichen Wetters großzügig den Vorzug im gemütlichen Outdoor-Bereich an der Kasse bekommen), Techniker Malte, SoS-Mitarbeiter Michael Segets und natürlich ‚Mr. Kulturrampe‘ Pille aus dem alten, noch bestehenden Jahr zu verabschieden (und bereits die ersten Pläne für 2018 zu schmieden).

Um die 60 Zuschauer sorgten für einen Erstaufritt der jetzt gerade nicht mega-mäßig bekannten Iberer für einen ordentlichen Rahmen, die auch für mich Neuland waren, da Gernot den Review zu ihrem immer noch aktuellen Album „Get Electrified!“ von 2015  geschrieben hatte.

Der unterhaltsame engagierte Gig, der sich stilistisch überwiegend im Bereich des melodischen Hard Rocks einordnen lässt, untermauerte im Prinzip Gernots verfasste Thesen, die Band samt ihres eigenständig kreierten Materials, in die Nähe der bekannten Interpreten des Genres wie Alice Cooper, Aerosmith, Bon Jovi oder Guns’n Roses zu rücken. Aus meiner Sicht könnte man durchaus auch noch Acts wie AC/DC, Black Crowes, House Of Lords, Little Caesar, etc. in den erweiterten Dunstkreis aufnehmen.

Und so spielten sich die vier Musiker, angeführt von Sänger und Gitarrist Jaime Moreno (dessen in Düsseldorf lebende Schwester zum Gig angereist war) mit viel Dampf (eröffnet wurde mit dem fetzigen „Up In Flames“) durch ausgewählte Tracks ihrer beiden Alben „Backward States Of Society“ und „Get Electrified!“. Lead Gitarrist Nando Perfumo glänzte mit vielen quirligen Soli auf seiner schwarzen Les Paul, der athletische Sergio Reyes Gamaza am Bass (einmal mit toller Gesangskurzeinlage) und Drummer Rafa Gonzales bildeten eine überaus kraftvolle Rhythmusfraktion.

Der Bezug zu unserem Magazin wurde durch das, mit einem integrierten „Can’t You See“-Intermezzo verzierte, southern rockige „Live While You’re Alive“ gewahrt, das aus meiner Sicht neben Stücken wie „Go Go Go“ (vielleicht der Song mit dem höchsten Wiedererkennugswert), den atmosphärischen Midtempotracks „Free My Soul“ (sehr emotional gesungen) und „Eagles Fly Solo“ (teils soulig, teils hymnisch), auch zu den Highlights des Hauptteils zählte.

Die stürmischen „Alley, Alley“-Rufe der begeisterten anwesenden Rampen-Besucher wurden mit zwei Zugaben, u. a. mit dem Titelstück des 2015er-Werkes „Get Electrified!“ angemessen zufriedengestellt. Insgesamt ein knackiger Abend mit The Electric Alley, der zum vorgezogenen Wochenausklang mal so richtig die Ohren durchgepustet hat.

Unser Dank nochmals an alle Beteiligten, die dazu beigetragen haben, dass in solchen, mit viel Herzblut bedachten Locations wie der Kulturrampe, noch unzählige weitere niveauvolle musikalische Auflagen dieser Art folgen mögen. Man sieht sich im neuen Jahr bei Rhino Bucket!

Line Up:
Nando Perfumo – Lead Guitar, Background Vocals
Jaime Moreno – Lead Vocals, Electric Guitar
Sergio Reyes Gamaza – Bass, Background Vocals
Rafa Gonzales – Drums

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

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Hogjaw, 13.10.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Nach dem, so ein wenig noch im Fahrwasser der guten alten klassischen Southern Rock-Zeiten schwimmenden Gig von Skinny Molly am letzten Wochenende, gab es gestern mit Hogjaw einen Abend aus der Abteilung ‚bedingungslose Attacke‘.

Die Band aus Arizona mit ihrem wuchtigen rauschebärtigen Frontmann Jonboat Jones (so in etwa stellt man sich einen typischen Holzfäller vor), Zweitgitarrist Jimmy Rose, dem agilen Derwisch am Bass, Evis DD, und Powertrommler J. ‚Kwall‘ Kowalski, hat sich im Laufe der letzten Jahre hier bei uns eine stetig wachsende Fangemeinde erarbeitet und so durfte sich Kulturrampenchef Pille Peerlings nach einer kleinen Durststrecke in den letzten Wochen, was die Besucherzahlen anging, endlich wieder über ein ausverkauftes Haus freuen.

Im Fokus stand an diesem Abend Hogjaws neues Album „Way Down Yonder“, das vom sehr selbstbewusst auftretenden Quartett natürlich auch ordentlich abgegrast wurde.

Zum Auftakt gab es direkt ein heftiges ‚Brett‘ mit ihrem dafür prädestinierten Opener „Rollin‘ Thunder“,  gefolgt von „Beast Of Burdon (Roll On)“, „Brown Water“ und „Where Have You Gone“.

Für mich ein Highlight des ersten Sets war „North County Way“. Zu meiner großen Überraschung erwies sich hier Jimmy Rose mit einer starken Lead vocals-Performance als ernst zu nehmende Ergänzung/Alternative zu Jonboats insgesamt doch immer sehr hölzern und monoton rüberkommenden, allerdings zum Sound der Band ganz gut passenden, Gesang.

Über „Am I Wrong“, „Build My Pride“,“Back Home Today“ wurde die Pause mit dem grandios gespielten „County Line“ (hier war wirklich alles drin, von Soli, über Twins bis zum obligatorischen langen Finish, was das Southern Rock-Gitarrenherz begehrt) anvisiert. Danach brauchte man dann auch ein kühles Bier!

Die zweite Phase wurde dann mit dem für Hogjaw-Verhältnisse recht ruhigen „The Fog“ begonnen. Aber Tracks wie „Never Surrender“ und „Hells Half“ bliesen dann sofort wieder zum Angriff. Das swampig stampfende Titelstück ihres neuen Werkes „Way Down Yonder“ (toller Song) war beste Absatz-Werbung zum Verkauf des Silberlings.

„Road Of Fools“ (gesungen von Drummer ‚Kwall‘, der insgesamt, vom seinem stetig krachenden Spiel her, fast besser in eine Heavy Metal-Truppe passen würde; etwas mehr Sensibilität würde zum Teil hier dem Sound der Band ganz gut tun), das bärenstarke, episch umwehte „I Will Remain“ und das zu dritt gesungene, überlaut ausgesteuerte, „Redemption“ (war schon grenzwertig, mein linkes Ohr dröhnt jetzt noch) läuteten die ganz heiße Endphase des Gigs ein.

Ihr berühmt berüchtigtes „Gitsum“ (das Video zu kennen, ist vermutlich bei jedem Einstellungsgespräch bei Heckler & Koch oder SIG Sauer ein existenzielles Muss – da verballern die schießwütigen Bandmitglieder in knapp 5 Minuten mit sämtlich erdenklichem Waffen-Arsenal mehr Munition, als ich, während meiner elf Monate in der Sportkompanie). Glück für Pille, dass während der obligatorischen Harmonieparts, nicht noch in die Decke der Rampe geschossen wurde…

Mit „This Whiskey“ von ihrem Debütwerk „Devil In The Details“ gab es dann zum Abschluss des Hauptteils noch mal fulminanten Southern Rock in bester Skynyrd-Tradition. Die frenetisch geforderten Zugaben wurden mit dem rhythmisch rockenden „Fire, Fuel & Air“ sowie dem atmosphärisch servierten „Blacktop“ bestens gekontert.

Fazit: Hogjaw erobern mit authentisch und dynamisch performten Southern Rock die Herzen der Anhänger und und untermauern ihren Status als einer der ‚Rising Acts‘ im Genre.

Line-up:
Jonboat Jones (lead vocals, electric guitar)
Jimmy Rose (electric guitar, vocals)
Elvis DD (bass)
J. ‚Kwall‘ Kowalski (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Kulturrampe Krefeld

Hogjaw, 29.09.2017, Blue Notez, Dortmund – Konzertbilder

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2. Tourtag der Hogjaw-„Way Down Yonder“-Tour im Dortmunder blue notez club. Vor gut gefülltem Haus spielte die sympathische Südstaatengruppe aus Arizona ein tolles Konzert. Bereits nach den ersten Songs war klar, dass es hier heute Abend nur straighten Southern Rock gibt. Es kommt schon sehr homogen daher, was Sänger und Gitarrist Jonboat Jones, Jimmy Rose an der Leadgitarre, Elvis DD am Bass und Kwal, der Drummer an Sound abliefern. Das erste Set endet nach sieben Titeln mit dem Hammersong „County Line“ (inklusiv einem nicht enden zu scheinenden E-Gitarrensolo).

Nach kurzer Pause ging es durch das zweite Set. Ein Kracher folgt dem nächsten. Nach über zwei Stunden plus zweier Zugaben ist Schluss. Ein rundherum zufriedenstellender Gig. Diese Truppe sollte man gesehen haben. Gelegenheit gibt es auf der Tour noch genug. Unter anderem auch in Krefeld!

Line-up:
Jonboat Jones (lead vocals, electric guitar)
Jimmy Rose (electric guitar, vocals)
Elvis DD (bass)
J. ‚Kwall‘ Kowalski (drums)

Text und Bilder: Peter Schepers

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Blue Notez Dortmund

Robert Jon & The Wreck – Wreckage Vol. 1 – CD-Review

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Die Süd-Kalifornier Robert Jon & The Wreck stehen  in unseren Augen für eine neue junge Generation an Südstaaten-Rockern. Nicht, dass sie dabei das Rad neu erfinden – auch sie bedienen sich natürlich der altbewährten Zutaten – wirken aber viel frischer, kreativer und hungriger als der mittlerweile schwer in die Jahre gekommene Rest der arrivierten Vertreter dieser Zunft.

Mit „Wreckage Vol. 1“, einer Ansammlung von B-Seiten und Outtakes, leisten sie sich jetzt den Luxus, direkt parallel zu ihrem gerade auf den Markt gekommenen neuen Album zur aktuellen Tour (wir haben ja wieder ihr Konzert in der Krefeder Kulturrampe beleuchtet), ihre stetig anwachsende Fanbasis, noch mit weiterem Stoff zu verwöhnen.

Im Gegensatz zu ihren letzten beiden Werken, wo ihre kompositorische und technische Weiterentwicklung deutlich spürbar in den Vordergrund gerückt wurde, erhält man hier, die quasi unbändige Variante der Band, so wie man sie bei ihren mitreißenden Live-Auftritten erlebt.

Die Songs kommen mit ihrem ungeschliffenen Charakter rau und kompromisslos rockend rüber, ja man fühlt sich zum Teil in die frühere analoge Anfangszeit des Southern Rocks zurückversetzt.

Fronter Robert Jon Burrison singt hier regelrecht gegen ein instrumentelles Bollwerk seiner Kollegen an, wobei Kristopher Butcher mit seinen furiosen E-Gitarren- und Slideeinlagen, Steve Maggiora mit variablen Keys (HT-Piano, Orgel, E-Piano) und Andrew Espantman mit seinem wüst polterndem Drumming immer wieder auffällig in Erscheinung treten.

Sämtliche Tracks spielen sich im gehoben Midtempo bis Uptempo ab und haben zum Teil einen dezenten psychedelischen 70er-Touch (u. a. „Water“, „Cry Of Love“). Zeit zum Durchatmen ist so gut wie Fehlanzeige.

Robert Jon & The Wrecks „Wreckage Vol. 1“ ist somit quasi ein schöner Nachspann als auch Goodie  zu ihren starken Konzerten der vergangenen Wochen, sowie dem grandiosen aktuellen Album. Nicht nur aus Vollständigkeitsgründen kann man auch hier bedenkenlos zugreifen, die Jungs bereiten einfach in jeder Hinsicht Spaß und sind immer ihr Geld wert!

Eigenproduktion (2017)
Stil: Southern Rock

01. Rhythm Of The Road
02. Georgia Mud
03. Don’t Let The Fire Burn Out
04. Breaker
05. Back Around
06. Water
07. On The Run
08. Raised By Wolve
09. Breaking Down The Road
10. Let Her Go
11. Cry Of Love
12. Gypsy Of Love

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Jive Mother Mary, 16.09.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Nach Robert Jon & The Wreck im August präsentierten „Pille“ Peerlings und Teenage Head Musik mit Jive Mother Mary eine weitere hochkarätige Southern-Rock-Band in der Krefelder Kulturrampe. Frontmann Mason Keck und seine drei Mitstreiter zogen das Publikum von Beginn an in ihren Bann.

Der Titel „Feeling Fine“, mit dem die Band aus Alamance, North Carolina, loslegte, war zugleich Programm für die nächsten hundert Minuten. Die Begeisterung, mit der Jive Mother Mary den Auftritt bestritten, schwappte direkt auf die Gäste der Kulturrampe über. Dass mit „Long Odds“ und „Burning Up The Highway“ zwei bislang unveröffentlichte Songs auf den Opener folgten, ist zwar ungewöhnlich, tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Beim zweitgenannten übernahm Gitarrist Tyler Schulz anfänglich die lead vocals. Keck und Schulz legten sich anschließend bei „Down South Manifesto“ mit zweistimmigem Gesang und Twin-Gitarren mächtig in Zeug.

Perfekt eingespielt und voller Elan jamte die Band „Have A Cigar“. Die beiden Gründungsmitglieder Mason Keck und Schlagzeuger Seth Aldridge verstehen sich blind, was bei ihren Langhaarfrisuren sehr vorteilhaft ist. Bassist Will Sanders war nicht nur hier, sondern während des gesamten Konzerts in ständiger Bewegung und auch Tyler Schulz arbeitete kräftig, wie sein durchgeschwitztes T-Shirt bewies. Schön war, dass Sänger und Gitarrist Mason Keck immer wieder Kontakt zum Publikum aufbaute und auch physisch die Nähe zu ihm suchte. So stellte er sich bei seinen Gitarrensoli oft an den Bühnenrand und stieg auch zweimal von ihm herunter, sodass man sein filigranes Wirken unmittelbar beobachten konnte.

Einen ersten Höhepunkt erreichte das Konzert bei dem Rockstück „Outta Love“ von dem Album „All Fall Down“ (2009). Das folgende „I Tried To Let Go“, das Keck als „Southern Rock ’n Roll” bezeichnet, ließ den satten Klang des Schlagzeugs von Aldridge besonders gut zur Geltung kommen. Nach dem ruhigeren Song „The Ride“ kochte die Stimmung des Publikums bei dem kraftvollen „Move On Home“. Die aufgenommene Fahrt wurde durch das countryfizierte „Hollywood“ etwas abgebremst. Man hätte auch mit dem tanzbaren und melodischen Rocker „Save Me“ den Schwung direkt mitnehmen können. Hier spielte Mason Keck zunächst souverän mit einer gerissen Saite weiter, um dann doch noch auf seine zweite Gitarre umzusteigen.

Mit „Planes, Trains & Automobiles“, „Ba Dum“ und dem Eagles-inspirierten „Great Decline“ steuerte das Konzert auf sein Ende zu. Den Abschluss des Hauptsets bildete „Home“. Bei dem grandiosen Song setzt die Gitarre von Schulz gelungene Akzente in das Spiel von Keck, der zudem bewies, dass er auch in höheren Tonlagen gesanglich sicher unterwegs ist. Wenn darüber hinaus der Titel gemeinsam von den Bandmitgliedern in die Mikros gerufen wird, entwickelt der Song eine ungeheure Wucht. Eine Textzeile lautet wie die letzten EP: „Home Is Where Your Heart Is“.

Die Jungs von Jive Mother Mary spielen mit so viel Leidenschaft, dass sie auf der Bühne zuhause sein müssen! Die Band zählt in ihrer Heimat North Carolina zu den anerkanntesten Live-Acts und konnte in Krefeld beweisen, dass dieser Status berechtigt ist. Die Live-Versionen der Stücke haben mich zumeist mehr überzeugt, als die mir bekannten Studio-Aufnahmen.

„The Climb“ und das sofort wiederzuerkennende „Keep On Keepin‘ On“ stellten die erste Zugabe dar. Damit hatten die Amerikaner alle Tracks der letzten beiden EPs im Programm. Da das Publikum die Band noch nicht gehen lassen wollte, gab sie als spontane Zweit-Zugabe „I Can Still Be Your Man“. Der ältere Song, war wohl zeitweise in Vergessenheit geraten und wurde nun erstmals live performt.

Jive Mother Mary liefern Southern Rock auf hohem Niveau. In Erinnerung bleibt vor allem das virtuose Gitarrenspiel von Mason Keck, begleitet von seiner eindrucksvollen Mimik. Dabei hatten seine Instrumental-Einlagen genau das richtige Maß. Sie waren ausgedehnt, aber nicht so lang, dass die Grundanlage der Songs in den Hintergrund getreten wäre.

Nach Daniels fast überschwänglichem Lob der niederländischen Konzertkultur anlässlich des vortägigen Auftritts von Sass Jordan wollte ich heute eigentlich einen Hinweis auf die treue Fan-Basis der Kulturrampe einbauen. Allerdings fehlten viele der üblichen Verdächtigen. Zum Glück haben einige neue Liebhaber von guter Live-Musik den Weg zum Krefelder Großmarkt gefunden.

Jive Mother Mary und die unverzagten Veranstalter hätten ein volleres Haus verdient gehabt. Vielleicht hat der Umstand, dass dies die erste Deutschlandtour der Band ist – oder die verhältnismäßig geringe Anzahl an (aktuellen) Veröffentlichungen – dies verhindert. Die Band zeigte sich aber begeistert von Publikum und der Location. Schlagzeuger Seth Aldridge kündigte an, bald mit einer neuen CD im Gepäck zurückzukommen. Das wäre dann eine zweite Chance – die wirklich jeder nutzen sollte – um Jive Mother Mary live zu erleben.

Line-up:
Mason Keck (lead vocals, electric guitar, vocals)
Tyler Schulz (electric guitar, vocals, lead vocals)
William Sanders (bass, vocals)
Seth Aldridge (drums, vocals)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Michael Segets

Jive Mother Mary
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Kulturrampe Krefeld

Robert Jon & The Wreck – Same – CD-Review

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Robert Jon & The Wreck sind mittlerweile sowas  wie Lieblinge unseres Magazins. Dies beruht allerdings nicht (nur) auf persönlichen Sympathien, diesen Status hat sich die Band in jeder Hinsicht auf ehrliche Weise und kontinuierlich erarbeitet.

Die fünf Burschen aus Orange County, Süd-Kalifornien, schauen unter der Fahne von Teenage Head Musich seit Jahren regelmäßig in Deutschland vorbei und haben sich auf der Bühne zu einer Parade-Southern Rock Band gesteigert, die heute mit keinem noch so berühmten Vertreter des Genres, einen Vergleich zu scheuen braucht. Bestes Beispiel war wieder einmal ihr grandioses Konzert in der Krefelder Kulturrampe vor einigen Tagen.

Aber auch auf kreativer Ebene lassen die Jungs um ihren Fronter Robert Jon Burrison nicht locker. Ihr neues, nach sich selbst benanntes, acht Stücke umfassendes  Werk, begeistert von vorne bis hinten.

Dabei zeigen sie, wie auch schon live in Krefeld, wo sie bereits einen Großteil der Tracks vorgestellt hatten, ein dezent neues Gesicht. Es geht nämlich sehr soulig und funkig zu, auch an weibliche Backgroundgesänge, kann ich mich jetzt zu früheren Zeiten, spontan nicht erinnern. Das an die Allman Brothers angelehnte Grundambiente, bleibt aber natürlich, nicht nur aufgrund Kristopher Butchers Slide-Spiel, omnipräsent.

Launige Stücke wie „Old Friend“, „Let It Go“, „I Know It’s Wrong“ und die fantastisch groovenden „High Time“ (klasse Backgroundvocals von Anesha Rose, plustriges Saxofon von Adrian Olmos) sowie „I Got My Eyes On You“ animieren in den Refrains zum Mitsingen und gehen auch größtenteils direkt ins Tanzbein. Da ging selbst der sonst auf der Bühne etwas introvertiert wirkende Robert Jon Burrison bei der Performance in Krefeld richtig aus sich heraus.

Das achteinhalb Minuten währende, jammige  Instrumental „Witchcraft“ ist zwar letztendlich kein Hexenwerk, allerdings eine würdevolle und stark gespielte Verneigung vor ABB-Stücken wie „High Falls“, „Jessica“, „Pegasus“ & Co., wobei Burrison, Butcher, Magiorra, Pelusi und Espantman ihr filigranes Können ausgiebig darlegen.

Den ruhigen Part auf dieser CD haben die Southern Soul Ballade „Shine On“ und das Veranda-mäßige „Forever Isn’t Long Enough“ inne. Bei letztgenanntem, recht melancholischem Lied (mit schöner Akustikgitarre und entspanntem Slide untermalt) sieht man die Burschen vorm geistigen Auge irgendwo vor einer Südstaaten-Villa relaxt musizieren, wobei Jon zwischenzeitlich genüsslich an seinen obligatorischen Whiskeyglas nippt.

Fazit: Eine erneute, durchgehend gelungene Scheibe von Robert Jon & The Wreck, die zumindest Hoffnung macht, dass die Lücke,  die in Sachen Allman Brothers durch den Tod von Gregg Allman wohl für immer entstanden ist, auch in Zukunft sehr stilvoll mit musikalischem Leben gefüllt wird.

Wer sich von dem famosen Live-Können des Quintetts überzeugen möchte, sollte z. B. die Gelegenheit am 09.09. im Dortmunder Blue Notez unbedingt nutzen!

Eigenproduktion (2017)
Stil: Southern Rock

01. Old Friend
02. Let It Go
03. I Know It’s Wrong
04. Shine On
05. High Time
06. I Got My Eyes On You
07. Witchcraft
08. Forever Isn’t Long Enough

Robert Jon & The Wreck
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Robert Jon & The Wreck, 24.08.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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High Noon fürs SoS! Unsere Freunde Robert Jon & The Wreck kehrten zum dritten Mal in die Kulturrampe ein, was natürlich ausverkaufte Hütte bedeutete. Schon beim letztjährigen Auftritt wusste der Fünfer um Leader Jon Burrison mit einer fantastischen Vorstellung zu überzeugen, sodass die spannende Frage war, ob es da überhaupt noch ein gewisses Steigerungspotential gab.

Aber rollen wir das Feld von vorne auf. KR-Chef Pille Peerlings musste zurück zur Basis und Dienst an der Kasse schieben, während es Urgestein Mario Scholten diesmal vorbehalten blieb, die kalifornische Band anzusagen. Mario läutete den Gig mit der Bitte um ein Ständchen für Keyboarder Steve Maggiora ein, denn der hatte an diesem Tag Geburtstag, der das Publikum natürlich lauthals nachkam.

Dann ging es mit altbekannten Stücken wie „Good Lovin‘“ (klasse Maggioras ‚unterkühlte‘ Keyboard-Klänge), „The Devil Is Your Only Friend“ und „Blame It On The Whiskey“ direkt in die Vollen, wobei der Faible der Jungs für die Allman Brothers klar zum Ausdruck kam, was nicht nur bei Kristopher Butchers, an Duane Allmans angelehntes Slidespiel, zu erkennen war. Butcher hatte im Vergleich zum Vorjahr gewichtsmäßig ordentlich abgenommen und wirkte jetzt fast wie ein Strich in der Landschaft.

Die Burschen aus Orange County hatten aber auch ein neues 8-Stücke-Kurzwerk mit dabei (Besprechung folgt demnächst), aus dem dann allesamt starke Songs wie „Old Friend“, „Let It Go“, „I Know It’s Wrong“ oder „High Time“ erstmals präsentiert wurden. Also auch in kreativer Hinsicht, lassen die Burschen nicht locker. Highlight vor der Pause, die mit dem ebenfalls neuen „I Got My Eyes On You“ eingeläutet wurde, war sicherlich die sensationelle Version von „Cold Night“ von der „Good Life Pie“-Scheibe, bei der Kristopher Butcher sich mit gleich drei Solo-Passagen (am Ende mit kleinem „Jessica“-Intermezzo) in einen regelrechten Rausch spielte.

Nach dem Break wurde erstmal kräftig in Allman-Tradition gejammt. „Tightrope“ ist da der passende Song aus ihrem eigenen Fundus, an diesem Abend fast 20 Minuten lang. Hier hatte dann auch die Rhythmusfraktion, bestehend aud Dave Pelusi und dem spindeldürren, aber wie ein Kraftprotz trommelnder Andrew Espantman (überragend wieder sein agil wirbelndes Drumming) Gelegenheit zu ausgiebigem Solieren. Espantman wurde dann auch zurecht mit heftigen Klatschrhythmen der Anwesenden gefeiert.

Das schöne „Mary Anne“, der launige Schunkler „Old Friend“ (da schwang selbst Burrison das Tanzbein auf der Bühne) und das stoneske „Rollin‘“ (Maggiora mit klimperndem HT-Piano, Publikums-Einbindung beim Refrain) standen für Teil 2 dieses wahrlich grandiosen Gigs. Der lauthals ‚erzwungenen‘ Zugabe wurde mit einer regelrecht krachenden Version von „Gypsy Love“ (Butcher mit quirilgem Wah-Wah-Spiel) nachgekommen. Fettes Psychedelic-Rock-Feeling der 70er Jahre in der Rampe.

Ich glaube, sowohl alle Leute, die eigentlich durchgehend begeistert mitgegangen waren, als auch die anwesenden SoS-Kollegen Mangold und Segets, waren sich einig, mit Robert Jon & The Wreck das bisherige, und kaum zu toppende Konzert-Highlight des Jahres in der Kulturrampe gesehen und gehört zu haben.

Ach ja, da war doch noch die Frage nach dem Steigerungspotential. Uns gefiel, dass die Burschen, anders als bei den vorherigen Auftritten, wo sie sich doch mehr introvertiert gaben und um rein spielerische Klasse bemüht waren, diesmal den Austausch mit dem Publikum suchten. Gut, Jon redet immer noch nicht wie ein Wasserfall vor den Liedern, aber ihm und seinen Kumpels war der Spaß sichtlich anzumerken (es wurde viel gelächelt und auch zum Mitsingen und Klatschen animiert) was sich natürlich auf die tolle Atmosphäre bestens auswirkte. Somit war es ein nahezu perfekter Abend, der Robert Jon & The Wreck zum ganz heißen Kandidaten in unserem Magazin für den Titel ‚Konzert des Jahres‘ avancierte.

Kurz-Fazit: Großartiger, dynamischer Southern Rock in proppenvoller Rampe, die am Ende einem Hexenkessel glich. Ganz starker Live-Tobak!

Line-up:
Robert Jon Burrison (lead vocals, electric guitar)
Kristopher Butcher (electric guitar, vocals)
Dave Pelusi (bass, vocals)
Andrew Espantman (drums)
Steve Maggiora (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Robert Jon & The Wreck
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Kulturrampe Krefeld

Them Vibes – Electric Fever – CD-Review

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Them Vibes, eine weitere Band aus der Musikerschmiede Nashville, bringen mit „Electric Fever“ ihren zweiten Longplayer in der seit 2013 bestehenden Bandgeschichte heraus. Sie gründeten sich in der Underground Rockszene East Nashvilles, ein erstes Indiz dafür, dass nicht der typische Nashville-Sound zu erwarten ist. Them Vibes sind auch nicht dem klassischen amerikanischen Mainstream zuzuordnen. Auf diesem Werk sind ganz klar die Einflüsse der frühen Stones- und Beatles-Ära zu hören, aber auch Southern Rock-Ingredienzien à la Black Crowes.

Beim Opener „Shoot The Messenger“ fühlt man sich zu Beginn an die Glamrock-Ära im Stile von T Rex zurückversetzt, während der folgende Titelsong „Electric Fever“ eine gelungene, funkig-soulig gespielte, durchaus radio- und Rockdisko-taugliche Nummer ist.

Die folgenden, eher ruhigen Songs mit klar erkennbarem Southern Rock-Touch schließen im gewissen Sinne die Lücke, die die Black Crowes hinterlassen haben. Dabei sind in den Songs immer wieder psychedelische Akzente gesetzt, die auch aus den Federn der Stones, Beatles oder Led Zeppelin hätten stammen können. Schön ist, dass es dem Quintett dabei aber gelingt, einen eigenen modernen Stil zu entwickeln und man nicht in die Richtung einer Art Coverband abdriftet.

Mit „Hangin“ wird es dann eine Spur härter. Hier wird aufgezeigt, dass Rock’n’Roll noch lebt. Wie es sich für Bands aus dem Rockgenre gehört, ist mit „Stay“ auch eine eher getragene Hymne, die früher die Feuerzeuge, heute die Taschenlampenfunktion der Handys aktiviert. Den Abschluss bildet mit „Waiting On The Gold“ ein akkustischer Song, der einem Country-umwobenen Nashville-Track am nächsten kommt.

Them Vibes ist mit „Electric Fever“ ein abwechselungsreiches Album gelungen, welches durch die vielen stilistischen Einflüsse niemals langweilig wird und dennoch in gewisser Weise einen roten Faden erkennen lässt. Wer auf modernen Southern Rock und Rockmusik im Stile der alten Sones und Beatles steht, wird auf der Scheibe mit Sicherheit einige Lieder nach seinem Geschmack finden.

Schön wäre, wenn es Teenage Head Music gelänge, die Band nach Europa zu lotsen, da bei dem Material ein abwechselungsreiches gitarrenorientiertes Livegewitter zu erwarten ist.

Alex Haddad – guitars
Larry Florman (Brother Love) – vocals
Kyle Lewis – guitar
Judd Fuller – bass
Sarah Tomek – drums

Review: Gernot Mangold

Teenage Head Music (2017)
Stil: Rock

01. Shoot The Messenger
02. Electric Fever
03. Love Will Never Fade Away
04. Who Do You Love
05. Comin Down On You
06. Sha La Loo Ya
07. Dance All Night
08. Hangin
09. Out Of The Blue
10. Stay
11. New Religion
12. Waiting On The Gold

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The Vegabonds – 16.06.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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The Vegabonds in der Krefelder Kulturrampe! Eine Band, auf die ich mich schon geraume Zeit gefreut habe, weil ich ihre Entwicklung eigentlich seit Anbeginn ihres Treibens mitverfolge. Schön, dass ich jetzt endlich mal die Gelegenheit hatte, sie live zu erleben, nachdem ich bei ihrem letzten Deutschland-Besuch verhindert war.

Wie wir von Teenage Head Tour-Manager Dieter ‚Heavy-d‘ Bossaerts vor dem Gig erfuhren, hatte der Nachmittag für die Jungs gar nicht gut begonnen. Keyboarder Beau Cooper kannte sich mit den elektrischen Begebenheiten unseres Landes nicht ganz so aus und hatte, mangels eines angebrachten Adapters, erstmal sein Arbeitsgerät mutmaßlich komplett in die ewigen Jagdgründe geschickt.

Rampentechniker ‚Mondo Hausmeister‘ konnte aber noch auf die Schnelle, ein Ersatz-Keyboard organisieren. Cooper hatte dann zu Anfang auf dem ungewohnten Teil, auch erstmal so seine Probleme, mit den richtigen Klängen ins Spiel zu finden. Beim Begutachten der Bühne vor dem Konzert fiel mir allerdings zunächst die wunderschön manuell gestaltete Trackliste ins Auge. Ich kann mich eigentlich nicht erinnern, je mal ein so liebevoll handschriftlich und skizziertes Teil in dieser Hinsicht gesehen zu haben.

Pünktlich um 21:00 Uhr schritt Markus ‚Pille‘ Peerlings zu kurzen knappen Ansage und die fünf Burschen (Daniel Allen, Richard Forehand, Beau Cooper, Paul Bruens und Bryan Harris) läuteten ihre, in zwei Sets (jeweils gut eine Stunde dauernd) geteilte New South Rock-Show auf dem Fuße, mit dem sehr melodischen, durchaus radiotauglichen „Where We Used To Go“ von ihrem aktuellen Longplayer „What We’re Made Of“ ein.

Der kam natürlich mit weiteren Songs wie „Best Of Me“ (stoneskes Powerstück, fettes Finale), „Ghost Town“ (atmosphärisch, Slidespiel), „Blood To Roam“ (Black Crowes-Flair), dem Titelstück (Bariton-E-Gitarre, klasse E- und Piano-Solo-Stafette), „Oh My Lord“ (poppig, schöne Tempowechsel), „Cruise On“ (slidende Telecaster, mit ordentlich Dampf am Ende) und  „Hope She’s Still Mine“ (swampiger Stampfer) reichhaltig zum Zuge.

Erwähnenswert im ersten Set sind noch die am selben Tag veröffentlichte neue Single des Quintetts „Long Haired Country Boy“ (eigenwillig interpretierte Charlie Daniels-Cover-Nummer mit kurzem „Jessica“-E-Gitarren-Übergang in „Midnight Rider“ zu Ehren des kürzlich verstorbenen Gregg Allman), mein Favorit des Abends, das fluffige, Red Dirt-umwehte „The Wanderer“ und das neue Stück „Help Is On The Way“ (melodische E-Gitarren-Hook), das beweist, dass Allen & Co. weiterhin auf hohem kreativen Level tätig sind.

Im zweiten Abschnitt zeigte besonders der überragende Richard Forehand (unaufgeregt, aber ungemein quirlig, filigran und sehr Southern-typisch spielend) bei „Gimme Shelter“ den längst ihren Absprung verpasst habenden alten Herren, was man heutzutage gitarrentechnisch aus ihren Songs herausholen kann.

Höhepunkt hier sicher das 70ies-mäßige „Ballad Of The Movers And Shakers“ in das zur Freude von Fotograf und Freund klassischen und psychedelischen Liedgutes, Gernot Mangold, noch „Whole Lotta Love“ von Led Zeppelin eingebunden wurde. Stark gemacht! Ein toller Abschluss des Hauptteils.

Spätestens jetzt machte das begeisterte Publikum richtig lautstark Alarm und es gab mit dem Skynyrd-umwehten „Georgia Fire“ und dem dezent rootsigen „American Eyes“ noch zwei Zugaben.

Auch wenn, wie auf der Trackliste (die im Laufe des Konzerts doch leicht modifiziert wurde) aufgeführt, das eigentlich als Rausschmeißer vorgesehene „The Hammer“ nicht mehr performt wurde (vermutlich angesichts der schon späten Stunde und der bevorstehenden 600 km-Fahrt am nächsten Tage Richtung Osten), hatten die Vegabonds – und da waren sich wohl alle einig – ein Hammer-Konzert in der Kulturrampe abgeliefert!

Line-up:
Daniel Allen (lead vocals, acoustic guitar)
Beau Cooper (keys, vocals)
Richard Forehand (electric guitar, vocals)
Paul Bruens (bass)
Bryan Harris (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Greasy Tree – Same – CD-Review

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Review: Michael Segets

Das selbstbetitelte Debüt von Greasy Tree bietet 42 Minuten kraftvollen Blues Rock. Greasy Tree sind Cameron Robert (guitar, vocals), Dustin ‚Red‘ Dorton (bass, vocals) und Jacob Brumley (drums, vocals). Die jungen Männer aus Jonesboro, Arkansas, haben sich über die Zusammenarbeit mit Teenage Head Music gefunden und sind in den letzten zwei Jahren unter anderem auf diversen Festivals aufgetreten.

Bei ihrem in Memphis eingespielten Album wurden sie von Pete Matthews (Devon Allman, Evanescence, Paul Simon) sowie Toby Vest unterstützt. Die klare Produktion verzichtet auf Spielereien und konzentriert sich stattdessen auf die Qualitäten der Band. Greasy Tree loten die Spannbreite des Blues Rock aus und integrieren unterschiedliche musikalische Stilrichtungen in ihre Songs, ohne dass dies aufgesetzt oder bemüht wirkt. Die Band verarbeitet Einflüsse von Blues, Rock, Funk und Soul eigenständig, sodass ihr insgesamt ein stimmiges Album gelingt. Der Nachteil eines so vielfältigen Angebots liegt naturgemäß darin, dass sich der Hörer je nach musikalischem Geschmack eventuell mehr von dem einen oder weniger von dem anderen Element gewünscht hätte.

Die Gitarrenriffs, die kraftvolle und an den richtigen Stellen raue Stimme von Cameron Robert prägen den Opener „Don’t Worry About Me“. Ein kurzes Gitarrensolo und der mehrstimmige Background-Gesang gegen Ende des Stücks setzen die richtigen Akzente, um auf die nächsten Songs neugierig zu machen. Mit dem treibenden „Let Love Go“ legt die Band einen Zahn zu. Nach einem fast sanften Gitarrenintermezzo setzen die rockigen Riffs wieder ein und Robert offenbart seine Shouter-Fähigkeiten. Neben dem eingängigen Refrain von „Sweet Sugar“ mischen sich durch die Breaks und das Bassspiel von Dustin ‚Red‘ Dorton Funk-Anleihen in den Song. Auch Schlagzeuger Jacob Brumley dreht bei diesem Song mächtig auf. Abwechslungsreiche Gitarreneinsätze sorgen zusätzlich für überraschende Momente.

Bei „Time, Love and Space“ schalten Greasy Tree einen Gang runter. Spannung erhält die Midtempo-Nummer durch das kraftvolle Schlagzeug und die Intensitätssteigerung des Gesangs.  „Goin‘ Home“ zeigt die Band von ihrer gefühlvollen, Blues-orientieren Seite. Der Refrain wartet mit einem Tempowechsel und stampfendem Rhythmus auf. „Shame (Behind the Bottle)“ ist ein weiterer Blues, bei dem Robert seine Gefühle über eine unglückliche Kombination von Alkohol und Liebe herauslässt. Beschwingt und lässig wirkt hingegen das Soul-durchtränkte „Love That Lady“, das mit passendem Harmoniegesang gute Laune verströmt. Mit „Wiskey“ ist die Band dann wieder beim Thema Alkohol. Hier wird Dorton Raum gegeben, sein Können am Bass zu zeigen.

Das über sechs Minuten lange „Greasy“ startet mit einem Funk-Einschlag. Den zweiten Teil des Stücks prägt ein ausgiebiges, zunächst getragenes Gitarrensolo, das zum Ende Fahrt aufnimmt und so zum Refrain des Anfangsteils überleitet. Robert legt sich als Sänger und Gitarrist bei „She Wild“, dem knackigen Abschluss der CD, nochmal intensiv ins Zeug.

Der Blues Rock von Greasy Tree, der seine Wurzeln in den 60er und 70er Jahren hat, ist weit davon entfernt, angestaubt zu wirken. Vielleicht bietet die CD keine großen Innovationen, aber das abwechslungsreiche Songwriting, die Musiker, die ihre Instrumente beherrschen, und die passende Stimme von Cameron Robert hebt die Band deutlich aus dem Mittelmaß heraus. Insgesamt debütiert Greasy Tree mit einem gelungenen Album, das Lust darauf macht, mehr von der Band zu hören.

Teenage Head Music (2016)
Stil: Blues Rock

01. Don’t Worry About Me
02. Let Love Go
03. Sweet Sugar
04. Time, Love, And Space
05. Goin‘ Home
06. Shame (Behind The Bottle)
07. Love That Lady
08. Whiskey
09. Greasy
10. She Wild

Greasy Tree
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