Bywater Call – 11.06.2022, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

In Rheinberg, meiner Heimatstadt, in der ich jetzt 56 meiner insgesamt 59 Lenze wohnhaft bin, war am letzten Wochenende Stadtfest, das Corona-bedingt, jetzt schon diverse Male abgesagt worden war. Verlass beim musikalischen Rahmenprogramm war, wie sooft in der Vergangenheit, wieder mal auf die Ideenlosigkeit der kulturell Verantwortlichen in diesem Ort, die sich, wie gewohnt, überwiegend auf Amateur-Coverbands fokussiert hatten.

Gottseidank, gibt es (natürlich auch in Rheinberg, wir haben mit dem Schwarzen Adler und dem to hoop zwei gute Clubs) genug Menschen, die entsprechende Synapsen zu solchen Dingen in ihrer DNA verankert haben, einer davon ist sicherlich Markus ‚Pille‘ Peerlings, der mit seiner liebevoll und kreativ geführten Kulturrampe in Krefeld, trotz begrenzter Mittel, immer wieder für ein, von Diversität und hochklassigem Niveau geprägtes Angebot mit seinem Namen steht.

So war an diesem Abend die Entscheidung leicht, denn das aus Toronto, Kanada, stammende Septett Bywater Call hatte sich nach ihrem begeisternden Auftritt vor knapp 2 1/2 Jahren wieder an gleicher Stätte angesagt. Also klarer Fall, klimaneutraler Fingerabdruck hin oder her, statt die bequeme Variante zu Fuß in Rheinbergs Innenstadt zu wählen, ab ins 25 km entfernte Krefeld.

Ehrlicher Weise muss ich attestieren, dass während des Gigs auch nicht alles ganz rund lief. Die Band wirkte am vorletzten Abend ihrer ausgiebigen Europa-Tournee etwas ausgelaugt, die Fronterin Meghan Parnell schien gesundheitlich angeschlagen (sie hüstelte immer wieder und klammerte sich oft an ihr Wasserglas), es gab kleinere technische und spielerische Pannen, was aber guten den Gesamteindruck des Gigs absolut nicht in Frage stellen soll.

Bywater Call eröffneten mit „One Before“ und spielten sich im weiteren Verlauf durch ein zweiteiliges Set, das schon mit Stücken aus ihrem demnächst erscheinenden neuen Album „Remain“ (vor Ort konnte man es schon am Merchandisingstand erwerben) gespickt war. Ihr jam-soul-rockiger, spielfreudiger Stil auf Basis einer stimmstarken Frontfrau, erinnerte natürlich immer wieder an die Tedeschi Trucks Band.

Basierend auf starker Rhythmusgrundlage durch Drummer Bruce McCarthy und Mike Meusel (mit markantem Groove) konnte sich der Rest der Musiker in den instrumentellen Zwischenteilen immer wieder mit Soli profilieren. Gitarrist Dave Barnes, der mich rein optisch eine eine Kreuzung aus Derek Trucks und Robert Habeck erinnerte, griff natürlich auf die Trucks-typischen Slide-Soli zurück, die beiden Blasmusiker Stephen Dyte und Julian Nalli hatten auch Spaß am Betätigen der vor ihnen stehenden Cowballs, die sie hier und da als perkussive Unterstützung für McCarthy einsetzten.

Meine Favoriten des Abends waren die schöne Ballade „Remain“ und der BC-Song mit dem bislang wohl höchsten Wiedererkennungswert „Silver Lining“. Am Ende sammelten die Musiker nochmals alle ihre Kräfte und erfüllten die lautstark geforderte Zugabe der begeistert mitgehenden Rampenbesucher mit „AM“, wo alle Involvierten nochmals namentlich vorgestellt wurden und sich mit ihren Kurzsoli ‚in eigener Sache zeigen‘ konnten.

Am Ende stellte sich, trotz der kleinen marginalen Beanstandungen, die Entscheidung, Bywater Call in der Kulturrampe zu besuchen, als richtig heraus. Man sollte kreativen Acts immer den Vorzug vor Coverbands geben. Und das kann man in diesen urigen Clubs wie der Rampe einfach am besten!

Line-up:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar, bgv)
Alan Zemaitis (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Kulturrampe Krefeld

Samantha Martin & Delta Sugar, 05.11.2021, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Was für ein Abend mit Samantha Martin & Delta Sugar in der erstmals seit langem wieder ausverkauften Kulturrampe. Ok, ganz so viele Konzertgelegenheiten hat es seit dem Corna-bedingten Lockdown in der Krefelder Location ja auch noch nicht gegeben. Aber immerhin fand auch parallel zur gleichen Zeit ein Mega-Sport-Event im naheliegenden Mönchengladbach statt (Borussia Mönchengladbach Ü23 – Rot-Weiss Essen 1:2). Wie bekannt, war man ja in den etwas wärmeren Zeiten mit Open-Air-Events in den ebenfalls schönen Schlachtgarten ausgewichen.

Apropos schön, in dieser Phase haben Leute um Pille Peerlings herum, mit viel Engagement der Rampe ein neues Antlitz verpasst, das ich an diesem Abend zum ersten Mal in Augenschein nehmen durfte. Der Outdoor-Bereich wurde relativ unscheinbar aufgewertet, im Großen und Ganzen so belassen, er wirkt aber trotzdem deutlich einladender.

Der entscheidende Durchbruch wurde allerdings durch einen Durchbruch der Wand zwischen dem ‚Kneipenbereich‘ und dem Bühnenareal erreicht, der der Location ein deutlich großzügigeres und ‚luftigeres‘ Ambiente vermittelt. Gemütlichkeit wird durch die vielen schönen Accessoires, die stilvolle Beleuchtung und noch eine rötlich verziegelte Seitenwand vermittelt. Alles in Allem ein echtes Kompliment an die Macher, klasse Arbeit!

Gegen 21:15 Uhr betrat Rampenchef Pille Peerlings wie gewohnt zur Ansage die im bisherigen Format belassene, enge Querbühne und ließ in spitzzüngiger humorvoller Manier seine Begrüßungsworte in Richtung der zahlreich erschienenen Audienz los. Danach folgte dann stante pede die recht klein gewachsene, aber mit umso größerer Stimme gesegnete Kanadierin Samantha Martin und ihr Begleit-Line-up und verwandelte die Rampe in zwei Sets mit ihrer unwiderstehlichen Mischung aus Funk, Soul, Blues, Country und Rock, in einen brodelnden Tanzkessel.

Im Fokus stand natürlich ihr neues Album „The Reckless One“ mit vielen Tracks wie u. a, „Love Is All Around“, „Don’t Have To Be“, So I Always Know“, I’ve Got Afeeling“, „Pass Me By“ und „Lovin You Is Easy“, aber auch Sachen des Vorgängers „Run To Me“ wie „Good Trouble“, „You Are The Love“ oder „All Night Long“.

Mein Favorit des ersten Sets war allerdings das swampig-countryeske, an Lucinda Williams erinnernde „Dark Angel“, wo der wieder mit seinem unaufdringlichen, aber sehr quirligen Begleit- und Hintergrund-E-Gitarrenspiel glänzende Curtis Chaffey ein herrliches Solo in bester Southern Rock-Qualität hinlegte.

Auch der rauschebärtige Keyboarder Jeff Heisholt trug ebenso, wie die satt groovende Rhythmusfraktion mit dem starken Drummer Will Fisher und Bassist Ian MacEwan, mit seiner weitgefächerten Tasten-Arbeit (Orgel, E-Piano, HT-Piano) viel zum prallen Gesamtsound der Kanadier bei. Die beiden Backgroundsängerinnen Sherie Marshall (mit beeindruckender Afro-Mähne) und Aisha Jarvis sorgten allein schon durch ihre Präsenz samt ihrer gospeligen-souligen ‚Uuhs‘ und ‚Aahs‘ für weitere vokale Würze zur Stimmgewalt der bestens aufgelegten und energiegeladenen Fronterin.

Grandiose Stimmung (wie heiß es in der Rampe zuging, kann man auch auf der unten anhängenden schönen Bildergalerie des Kollegen Mangold gut nachvollziehen) erzeugten natürlich besonders die gelungenen Coverversionen wie das fröhlich rockende „Happy“ der Stones in Set 2, aber besonders die beiden Zugabennummern am Anfang mit „Proud Mary“, das mit seinem langsameren Beginn (samt Publikumsmitsinginteraktion) und umso temperamentvollen Umschwung in eine Speedversion, am Ende sofort mal die, durch den Durchbruch verursachte Statikveränderung der Rampe auf eine harte Probe stellte. Das Publikum tanzte, tobte und wollte Nachschlag.

Zum Runterkommen gab es dann noch mit „Sweet Love“ von Lucinda Williams eine echte Perle. Samantha fing zunächst alleine mit der Akustikgitarre singend an, dann gesellten sich peu à peu Gitarrist Chaffey (mit gefühlvollem E-Solo), die beiden Backgroundsängerinnen und letztendlich Keyboarder Jeff Heisholt dazu (die Rhythmusfraktion durfte sich schon das Feierabendbier gönnen) und ließen diesen herrlichen Abend, im Country-Ambiente sanft und dennoch stimmungsvoll ausklingen.

Wie schon vor knapp drei Jahren bei ihrem Gig an gleicher Stelle bewiesen Samantha Martin & Delta Sugar, dass ihre Auftritte immer als Pflichttermin eines rockmusikbegeisterten Konzertgängers im Kalender stehen sollten. Kaum war der Gig vorbei, stand die sympathische und lebensfreudige Protagonistin schon wieder am Merchandising-Stand im gemütlichen Thekenbereich zum Signieren und Smalltalk für ihre Fans zur Verfügung. Mit eines der echten Highlights dieses Jahres!

Line-up:
Samantha Martin (lead vocals, acoustic guitar, percussion)
Curtis Chaffey (electric guitar)
Ian MacEwan (bass)
Will Fisher (drums)
Jeff Heisholt (keys)
Sherie Marshall (bgv, percussion)
Aisha Jarvis (bgv, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Kulturrampe Krefeld

Robert Jon & The Wreck, 29.09.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

Nach ihrer bereits starken Leistung auf der Open Air Bühne der Kölner Kantine war es natürlich klar, dass wir uns auch den zweiten Gig in hiesigen Gefilden von Robert Jon & The Wreck nicht entgehen lassen würden, zumal es sich diesmal um den schönen Krefelder Schlachtgarten handelte, der ja bekannter Weise seit Corona-Zeiten mit der Kulturrampe eine tolle Kooperation betreibt, in der man in dieser Phase bereits durch Dick und Dünn gegangen ist.

Und auch dieser Tag, beziehungsweise Abend war zunächst mal nichts für schwache Nerven, bis kurz vor Konzertbeginn hatte es wie aus Eimern gegossen, selbst kurz vor 20:30 Uhr tröpfelte es noch und tiefschwarze Wolken hingen immer noch über dem schönen Biergarten.

Direkt vor dem Gig sollte es dann auch zu den emotionalsten Szenen kommen. Als Rampenchef Pille Peelings die Bretter der Bühne zur Ansage betrat, entlud sich bei ihm der ganze Ballast der vergangenen Monate. Er erzählte, wie er sich beim Song “Tired Of Drinking Alone” der auftretenden Protagonisten sich des Öfteren den Frust von der Seele getrunken hatte, er ist halt ein Typ, kein Wunder als Herzblut-Konzertveranstalter und -Musiklocation-Betreiber, der das pulsierende Leben um sich herum gewohnt ist.

Er zitierte natürlich seinen Kooperationspartner, Kolja Amend, für den er ebenfalls warme Worte parat hatte, auf die Bühne und schenkte ihm als Dank die neue, signierte Scheibe “Shine A Light On Me Brother“. Auch Kolja bedankte sich bei den Anwesenden für die Treue und die tolle Zusammenarbeit mit Pille, wobei sich beide am Ende herzlich umarmten. Also echte Gänsehautmomente, bevor es überhaupt losging.

Auch der Wettergott schien gerührt, hielt aber seine Tränen zurück, sprich es konnte ohne Regen losgehen. Danach rockten Robert Jon Burrison und seinen Jungs mit Vollgas los und legten vor den knapp 200 Zuschauern einen begeisternden Auftritt hin, der von der Setlist des zweiteiligen Hauptteils her, so gut wie deckungsgleich mit der Kölner Veranstaltung daherkam.

So macht es in diesem Bericht eher Sinn, vielleicht nur kurz auf die kleinen Unterschiede einzugehen. Der ebenfalls tolle Gig in der Domstadt hatte den Vorteil eines lauen Sommerabends mit kalifornischen Temperaturen und eines am Anfang der Tour stehenden, noch recht entspannt wirkenden Quintetts.

Hier kam aufgrund des weitläufigen Geländes sowie der Bestuhlung und der wesentlich geringeren Resonanz erst gegen Ende, als sich alle erhoben hatten auch dementsprechende Stimmung auf. Der Krefelder Gig bei, wie in guten alten Zeiten, dicht gedrängt stehendem und so gut wie ausverkauftem Publikum, begann nach dem emotionalen Einstieg, sofort in Hexenkessel-Manier und trieb die Jungs nochmals zu absoluten Höchstleistungen.

Highlights für mich im ersten Set das “Blue Sky”-mäßige “Everday” vom neuen Album und das von The Band-Flair-umwobene “Death Of Me”. Im dann immer furioser abgehenden zweiten Teil gefiel mir besonders die Verspieltheit bei manchen Intros, klasse zum Beispiel die psychedelische Einleitung bei “Don’t Let Me Go”, bei denen dann auch Bassist Warren Murrel sich im ‚Bollwerk‘ um ihn herum, mal ‚zeigen‘ konnte.

Beim launigen Titelsong des neuen Werkes “Shine A Light On Me Brother“ und dem grandios performten “Old Friend” hatte die Stimmung schon den Siedepunkt so gut wie erreicht, als der besagte Wettergott dann doch noch passend zum Titel “Cold Night” choreographisch eingriff und eine ungemütlich windige Regenbrise in die kalte Nacht herunterschickte.

Das juckte angesichts der Killerversion dieses Songs allerdings so gut wie Niemanden, die mit einer ebenso überragenden Speed-Zugabe von “On The Run” (einziger Unterschied zu Köln – dort war es “High Time”) in einem gelungenen Abschluss von Robert Jon & The Wreck mündete, wo ich selbst den Kollegen Mangold selten so agil fotografieren gesehen habe, wie bei diesem Track. Zu erwähnen ist natürlich auch wieder die perfekte Licht- und Soundqualität im Schlachtgarten sowie die höchst erfreuliche Nachricht, dass es schon bald auch in der Kulturrampe wieder mit Konzerten weitergeht.

Line-up:
Robert Jon Burrison (lead vocals, electric guitar)
Henry James (electric guitar, vocals)
Warren Murrel (bass)
Andrew Espantman (drums, vocals)
Steve Maggiora (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Kulturrampe, Krefeld
Schlachtgarten, Krefeld

Robert Jon & The Wreck – Shine A Light On Me Brother – CD-Review

„Shine A Light On Me Brother“ heißt das neue Werk von Robert Jon & The Wreck. Ich behaupte mal, dass wohl kein anderes Magazin aus unseren Breitengraden das kalifornische Quintett um ihren Leader Robert Jon Burrison journalistisch so ins Licht gesetzt hat, wie wir es bisher getan haben.

Wir waren von Anfang an dabei, als die Jungs vor gerade mal 30 Zuschauern, ihre ersten Gehversuche in unseren Landen getätigt haben, wir haben ihre kontinuierliche gute Entwicklung mit vielen Artikeln begleitet, ihren überraschenden Umbruch samt dem Gang in diese schwere Corona-Zeit mit verfolgt und sind auch jetzt wieder zur Stelle, wo es heißt, Licht am Ende des Covid-Tunnels zu erblicken und das nächst höhere Level in Sphären von Blackberry Smoke zu erklimmen.

2019 war eigentlich der Grundstein gelegt, ein klasse Album „Take Me Higher“ herausgebracht (dazu mit „Last Light On The Highway“ ein weiteres im Entstehen), Auftritte bei der Ramblin Man Fair mit Größen wie Foreigner und der Chris Robinson Brotherhood oder bei der Sea Mediterranean Blues Cruise mit Joe Bonamassa, Peter Frampton oder Eric Gales, um in 2020 nicht nur bei Festivals, sondern auch in größeren Hallen, live durchzustarten. Keyboarder Steve Maggiora wurde parallel sogar in das neue Line-up von Toto integriert. Dann grätschte, wie für viele Menschen, Corona böse dazwischen.

Wie nicht anders zu erwarten, blieben die Burschen nicht untätig. Funktionierend wie ein Schweizer Uhrwerk gibt es zur anstehenden Europa-Herbst-Tournee das neue, oben angeführte Werk.

Aus meiner Sicht ist es nicht nur bis dato ihr bestes, sondern auch kommerziell ambitioniertestes Album geworden. Ihre musikalische Unbekümmertheit und Unabhängigkeit bleibt weitestgehend erhalten und dennoch spürt man omnipräsent eine gewisses Bestreben, sich weiteren ‚Kundenkreisen‘ zu öffnen.

Zuträglich sind da sicherlich auch die, auf den angesprochenen Events geknüpften Beziehungen. Wer kann sich schon den Luxus leisten, die Backgrounddamen von Joe Bonamassa, Mahalia Barnes (Tochter von Jimmy Barnes), Juanita Tippins und Prinnie Stevens, anheuern zu können? Die geben vielen Tracks und Burrisons etatmäßig gutem Gesang natürlich ordentliches Zusatzfeuer. Bestes Beispiel ist direkt der im Skynyrd-Stil der Neunziger Jahre gehaltene Opener und Titelsong „Shine A Light On Me Brother„.

Was mich diesmal besonders überzeugt, ist vor allem die Melodik und Eingängigkeit der Refrains. Man braucht gerade mal zwei Hördurchgänge, um bereits das Langzeitgedächtnis zur nachhaltigen Abspeicherung zu animieren. Steve Maggiora klimpert sehr viel in Billy Powell-typischer HT-Manier und lässt die Orgel meist organisch hallen, das ‚Wunderkind‘ Henry James an der Lead-Gitarre spielt seine Soli nie ausufernd, sondern fast wie bei Spitzen-Gitarristen in Nashville, immer genau auf den Punkt.

Das mit Crowd-Harmoniegesängen und Bettsschem Solo durchzogene, herrlich dahinschunkelnde „Everday“ avanciert dabei zu meinem derzeitigen Lieblingssong. „Ain’t No Young Love Song“ mit seiner euphorischen Springsteen-Note dürfte der erfolgversprechendste Single-Kandidat sein. Das bluesige „Chicago“ wurde schön passend zum Titel mit plusternden Bläsern und Sax-Solo bestückt. Im melancholischen „Hurricane“ offeriert Burrison seine countryeske Seite, beim fluffigen „Desert Sun“ weiß das „Jessica“-mäßige Akustikgitarren-Intro samt folgendem ABB-Flair zu gefallen.

Als Pendant/Update zum früheren „Mary Anne“ erweist sich „Anna Maria“, das atmosphärisch packende „Brother“ mit Blackberry Smoke- und Outlaws-Tupfern als weiteres Highlight und das im treibenden Bakersfield-Stil gehaltene „Radio“ (klasse die Tippeldrums von Andrew Espantman, tolle kurze HT-Piano-/E-Gitarren-Duelle) gibt sich am Ende überhaupt nicht radio-tauglich, sondern eher als launiger Party-Kracher.

„We gotta keep movin‘ in the right direction“ singt Robert Jon Burrison im stampfenden „Movin'“ mit klarer Strategie nach vorne, überzeugend aus sich heraus. Angesichts ihrer kontinuierlichen und exzellenten Leistungen können wir hier  nur ein glasklares „Yes you are!“ konstatieren.

Wir freuen uns daher schon sehr, der Umsetzung der neuen Stücke von „Shine A Light On Me Brother“, die sicherlich  morgen, dem 02.09.2021 auf der Open Air Bühne der Kölner Kantine einen Schwerpunkt bilden werden, beiwohnen zu dürfen. Der dazu fällige Konzertbericht als weiteres Spotlight auf die Band versteht sich von selbst…

Eigenproduktion (2021)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Shine A Light On Me Brother
02. Everyday
03. Ain’t No Young Love Song
04. Chicago
05. Hurricane
06. Desert Sun
07. Movin‘
08. Anna Maria
09. Brother
10. Radio

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Vertrieb: In-Akustik

Robert Jon & The Wreck – Last Light On The Highway – CD Review

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Review: Gernot Mangold

Mit „Last Light On The Highway“ bringen die Southern Rocker aus Kalifornien nun bereits ihr achtes Album auf den Markt. Schon die letzten Scheiben und Liveauftritte in der Vergangenheit haben gezeigt, dass die Band mittlerweile zu den absoluten Highlights des Southern Rock gehören. Nicht umsonst hat ein Joe Bonamassa die Band im letzten Jahr mit auf die Blues Cruise genommen, hat sich doch die Klasse der Band sogar bis zu ihm herumgesprochen.

Gespannt haben die Fans deshalb auf das Nachfolgealbum von „Take Me Higher“ gewartet, wobei die Kalifornier in Sachen Kreativität absolut nicht als faul zu bezeichnen sind und man, wie oft bei anderen, Jahre auf neue Musik warten muss.

In „Last Ligt On The Highway“ überzeugt die Combo aus Orange County in jeder Hinsicht. Neben dem tollen Songwriting, in dem die Bandbreite neben Southern Rock über Balladen, sowie bluesige Songs mit County reicht, kommt natürlich die musikalische Leistung aller Bandmitglieder zum Tragen.

Unterstützung haben sie sich dabei in einigen Tracks von Gastmusikern geholt, sodass zum Teil Bläser den Songs eine besondere Würze geben, aber auch weiblicher Backgroundvocals, den ohnehin oft vorgetragenen Harmoniegesang noch einmal aufpeppen. Robert Jon überzeugt neben dem Gitarrenspiel mit seiner kraftvollen klaren Stimme, die er aber auch gefühlvoll in ruhigen Songs wie „One Last Time“ einsetzt.

Steve Maggiora, der umtriebige Keyboarder baut immer wieder Honkytonkpassagen in die Soli ein und gibt dem Sound eine absolute Fülle. Schön auch sein Intro zur Ballade „Tired Of Drinkin Alone“, wobei dies auch das prägende Instrument des Songs ist und die anderen Musiker erst im späteren Verlauf ihre Anteile haben. Vom Stil her erinnert der Song in Phasen auch an die alten REO Speedwaggon.

Klasse natürlich die Gitarrenarbeit des jungen Henry James, der den Songs in seinen Soli eine Würze gibt, die zuweilen in Passagen an die legendären Allman Brothers erinnert.

Dass die Band mit Andrew Espantman, dem Wirbelwind an den Drums und Warren Murrel am Bass über eine exzellente Rhythmusfraktion verfügt, zieht sich durch das ganze Album, wobei sie von dynamisch und treibend bis hin zu dezent unterstützend, je nach Bedarf, den Sound mitprägen.

Es ist schwer aus einem Werk ohne Längen oder Schwächen Stücke besonders hervorzuheben. Deshalb nur soviel, was zu Beginn mit dem brillant harmonischen Southern Rock-Song „Oh Miss Carolina“ beginnt, bei dem man sich mit geschlossenen Augen die Weiten der Prärien vorstellen kann, bis zum abschließenden „Last Light On The Highway“ in zwei Parts, in dem psychedelische Pianotöne mit krachenden Gitarren wechseln, wird der Hörer in den Bann der Band gefangen.

Man kann sagen, dass „Last Light On The Highway“ das bisher kompletteste Album der Band ist und für mich eines der besten Southern Rock-Alben der letzten Jahre ist. Manch alte Southern Rock-Band singt davon, dass der Southern Rock niemals sterben wird. Robert Jon & The Wreck beweisen dies mit dem neuen Werk nachdrücklich. Von daher absoluter Tipp, nicht nur für Genre-Fans.

Empfehlenswert wird es sein, die Band live zu besuchen, wenn sie die neuen Songs präsentieren und mit Sicherheit noch einige Solopassagen mehr in die Songs einbauen werden.

Eigenproduktion (2020)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Oh Miss Carolina
02. Work It Out
03. Can`t Stand It
04. Tired Of Drinking Alone
05. Do You Remember
06. This Time Around
07. Don`t Let Me Go
08. One Last Time
09. Gold
10. Last Light On The Highway Pt. 1
11. Last Light On The Highway Pt. 2

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Bywater Call – 17.01.2020, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Vor knapp einem Jahr standen Samantha Martin & Delta Sugar auf der Rampe und lieferten einen bemerkenswerten Auftritt ab. Bywater Call hat dieselben Wurzeln: Beide Bands stammen aus Toronto, sind bei Gypsy Soul Records unter Vertrag und mit Teenage Head Music unterwegs. Musikalisch sind die Formationen mit ihrer Kombination von Blues, Rock und Soul ebenfalls auf einer Wellenlänge. Gemeinsam ist ihnen zudem, dass die Frontfrauen über grandiose Stimmen verfügen. Das gelungene Debütalbum von Bywater Call schürte zusätzlich die Erwartungen an das Konzert.

Pünktlich um 21 Uhr gingen die Scheinwerfer für Bywater Call an, was insofern bemerkenswert ist, da die Kulturrampe dank einer erfolgreichen Spendenaktion nun über eine neue Lichtanlage verfügt. Sämtliche Technik funktionierte einwandfrei, wobei die Aussteuerung des Sounds bei dem Gedränge des Septetts auf der Bühne sicherlich keine leichte Aufgabe war. Die Stimme von Meghan Parnell kam voll zur Geltung – nach Einschätzung mancher Konzertbesucher noch besser als auf der CD.

Das Publikum in der ausverkauften Location geriet unmittelbar in Schwingungen, als die Band mit „Arizona“ loslegte. Nach dem staubigen Bottle-Neck-Intro von Dave Barnes stieg die zierliche Frontfrau mit dem gewaltigen Organ auf die Bühne und nahm die Zuhörerschaft auf eine abwechslungsreiche Reise durch ihre musikalische Welt mit.

Auf der Bühne erwies sich Meghan Parnell als wahres Energiebündel, das ständig unterwegs war und Mitstreiter sowie Publikum fest im Griff hatte. Von der Bühnenpräsenz standen die anderen Musiker im Schatten der Sängerin, bekamen aber alle die Gelegenheit, ihr Können an ihren Instrumenten bei den immer wieder eingestreuten Soli zu beweisen. Den Anfang machten bei „This One’s On“ Alan Zemaitis an den Keys und Dave Barnes an der Gitarre.

Nach der Mischung aus Honky Tonk und Gospel bei „Gone At Last“ begann das bluesige „If You Want“ mit dem Saxophon von Julian Nalli und gipfelte dann in einer Schlagzeugeinlage von Bruce McCarthy. Der andere Bläser – Stephen Dyte an der Trompete – erhielt dann sein erstes Solo zum Einstieg in „Walk On By“. Der als erste Single ausgewählte Song stellte zusammen mit dem rockigen „Forgive“ den ersten Höhepunkt des Konzerts dar.

Im weiteren Verlauf des Abends coverten Bywater Call von The Band „Ophelia“ und „The Weight“ – mit ausgiebigen Bassläufen Mike Meusels eingeleitet – sowie „In The Right Place“ von Dr. John. Bei diesem hatten die beiden Bläser ein längeres Call And Response Intermezzo, das wie die Soli euphorisch von der Menge bejubelt wurde. Andere Stellen des Auftritts erinnerten an die Tedeschi Trucks Band oder The Commitments.

Neben den Covern stellten die Kanadier ein paar neue Titel vor. Bei „Sea We Swim“ spielte Meghan Parnell ihre Stimme erneut voll aus. Vor allem aber „I Remain“ ist ein Stück, auf dessen Veröffentlichung ich mich jetzt schon freue. Als langsamer Blues beginnend entwickelte das Stück eine ungeheuerliche Dynamik und steigerte sich zu einem bombastischen Finale.

Toll war auch „Silver Lining“ von dem aktuellen Longplayer. Von diesem performte die Band ebenso „Bring Me Down“ sowie eine rockigere Version – einschließlich Wechselgesang mit dem Publikum – von „Over And Over“, die mich mehr überzeugte als die Studioversion. Da eine Saite von Dave Barnes Gitarre riss, spielte er „Talking Backwards“ auf den verbliebenen fünf. Das tat dem klasse Rocktitel aber keinen Abbruch.

Mit diesem aufputschenden Ende des neunzigminütigen Hauptsets wollte sich das Publikum verständlicherweise nicht zufrieden geben. Die Band ließ sich auch nicht lange bitten und kam für die Zugabe schnell wieder auf die Bühne. Zuschauerrufe forderten „Hometown“, das eigentlich zu einem früheren Zeitpunkt auf der Setlist vorgesehen war. Die Ballade avancierte anscheinend nicht nur zu meinem Lieblingsstück des aktuellen Albums.

Der einzige Wehmutstropfen des Abends war, dass die Rufe nicht erhört wurden. Aber an dieser Stelle wäre der getragene Titel auch nicht passend gewesen. Das Konzert bot eine ausgewogene Mischung von langsameren und schnelleren Songs, bei der Bywater Call ein sehr gutes Gespür für die Dramaturgie bewies. So gab es abschließend das ebenfalls starke „Swing Low“ und das flotte, unveröffentlichte „Way I Am“, bei dem die Gäste nochmals eine ausgiebige Gelegenheit hatten, einen Gesangspart zu übernehmen.

Am Merchandise-Stand bildete sich eine Schlange von Autogrammjägern, die neben den frischen Eindrücken noch eine Trophäe mit nach Hause nehmen wollten. Die sieben Kanadier standen dann auch noch lange für Gespräche bereit und ließen so einen musikalisch hochkarätigen Freitagabend ausklingen.

Einen Vergleich mit dem letztjährigen Auftritt von Samantha Martin & Delta Sugar braucht Bywater Call nicht zu scheuen. Die hohen Erwartungen erfüllten die charismatische Meghan Parnell und ihre versierte Begleitung mühelos. Stellte sich im Vorfeld noch die Frage, ob die Band die Qualität ihrer Songs auf der Bühne umsetzen kann, lässt sich nun konstatieren, dass Bywater Call als Live-Act in der Lage ist, diesbezüglich noch eine Schippe drauf zu legen. Dieser Auftakt des Konzertjahres 2020 für SoS in der Kulturrampe legt die Messlatte hoch für die kommenden Gigs.

Line-up:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar,bgv)
Alan Zemaitis (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

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Them Dirty Roses – 12.10.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Der zweite Auftritt in Krefeld von Them Dirty Roses bescherte der Kulturrampe erneut ein ausverkauftes Haus. Nach dem schweißtreibenden Auftritt des letzten Jahres hatte sich die Band aus Nashville ja auch wärmstens für einen weiteren Konzertabend empfohlen.

Viele Besucher des ersten Konzerts sind daher wieder in die Rampe gepilgert. Einhellige Meinung nach der Show war, dass die Band nochmal einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht hat.

Nach einem kurzen, von Rückkopplungen geprägten Intro, ließen die Jungs mit dem starken „Grew Up In The Country“ direkt zu Beginn des Abends keinen Zweifel daran, aus welcher Richtung der (Southern-)Wind weht. Das Publikum ließ sich sofort mittreiben, sodass bereits nach den ineinander gespielten „Molly“ und „Wiskey In My Cup“ der Saal kochte.

„A Bad Hand“, das sich auf der Deluxe-Ausgabe der beiden EPs von Them Dirty Roses findet, heizte weiter ein. Auch die folgenden, bislang unbekannten Stücke funktionierten unglaublich gut und taten der Stimmung keinen Abbruch. Nach „You Can’t“ und dem melodiösen, mit Riffs a la Lynyrd Skynyrd versehenen „Sunday Drunk“ streute die Band mit „Black Magic Lady“ ein langsameres Stück ein.

Die Rampe hatte sich in der Zwischenzeit temperaturmäßig ganz schön aufgeladen. Ein verständnisvoller Gast spendierte der schwitzenden Truppe eine Runde, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Die zeigte sich vom Altbier begeistert und Gitarrist Andrew Davis hatte sichtlich Spaß am Plöp des Bügelverschlusses. Hier erwies sich die Rampe erneut als Forum interkulturellen Austauschs.

Die Band interagierte untereinander sowie mit dem Publikum prima. Auf der Bühne wurde gescherzt, die Besucher zum Klatschen oder Mitsingen animiert. „What Your Daddy Doesn’t Know“ gefiel mir daher noch besser als die Studioversion und auch der einprägsame Gesangspart des noch unveröffentlichten „Hate Me“ war schnell einstudiert.

Die kurzen Ansagen von Frontmann James Ford vor den Titeln haben das hohe Tempo des Konzerts nicht gestört, sondern erhielten den Fluss nahtlos aufrecht. Im späteren Verlauf übernahm Bassist Ben Crain mehrmals die Moderation, so bei dem nicht ganz jugendfreien „Back Seat Virgin“.

Them Dirty Roses spielten ihre Songs durchgängig mit viel Druck. Besonders im Gedächtnis blieb dahingehend das kraftvolle Schlagzeug-Intro zu „Trouble“ von Frank Ford. Der jüngere Bruder von James leitete zudem das letzte Drittel des Hauptsets durch ein Solo an Fellen und Becken ein, das von den Anwesenden ausgiebig bejubelt wurde.

Daneben fanden aber auch filigranere Passagen ihren Platz, wenn beispielsweise Gitarrist Andrew Davis seine Soli performte. Davon gab es einige während der Show. Die hatten, wie etwa bei „Songs About you“, genau die richtige Länge. Das heißt für mich, dass sie nicht ausuferten, sondern sich in den erkennbar bleibenden Song integrierten.

Das einzige Cover war „Mississippi Queen“ von Mountain. Ansonsten setzten „Them Dirty Roses“ einen Schwerpunkt auf ihre neuen Stücke, die voraussichtlich im März veröffentlicht werden. „The Good Life“ ist ein Hammer-Song, aber auch „Holy Roller“ entwickelt einen tollen Spannungsbogen. Nach der Bandvorstellung endete das neunzigminütige Set erdig rockend mit „Hits And Pills“.

Die jungen Männer ließen sich nicht lange bitten und legten ihre Southern-Hymne „Cocaine And Wiskey“ sowie das mit gemeinsamen Headbanging versehene „Shake It“ als Zugabe obendrauf. Haare flogen sowieso den ganzen Abend, sowohl auf, als auch abseits der Bühne. Ben Crain und Andrew Davis traten in einen Wettstreit, wer die interessantere Performance bietet. Das ist schwer zu entscheiden, da beide unheimlich unterhaltsam sprangen, kreisten, posten.

Es war ein besonderer Abend mit „Them Dirty Roses“, an dem sich Band und Publikum hervorragend aufgelegt zeigten. Frank Ford lobte im Gespräch nach dem Auftritt dann auch den Spirit, der in der Location herrschte. Für mich gehört die Show zu den absoluten Highlights dieses Konzertjahres.

Der Auftritt schürte zudem die Neugier auf das neue Album. Mittlerweile spielt die Band in einer Liga mit Robert Jon & The Wreck oder Hogjaw, die alle bei Teenage Head Music unter Vertrag stehen. Bei der nächsten Tour gehört die Band auf alle Fälle zu den Pflichtterminen für Southern Rocker.

Line-up:
James Ford (lead vocals, electric guitar)
Andrew Davis (electric guitar, vocals)
Ben Crain (bass, vocals)
Frank Ford (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

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Hogjaw, 22.06.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Nachdem Robert Jon & The Wreck am Vorabend mit feiner Leistung, weitere Standards im heutigen New Southern Rock-Bereich gesetzt hatten, war es einen Tag später den Elefanten im Genre-Porzellan-Laden, Hogjaw, vorbehalten, die frisch renovierte Kulturrampe, in Scherben zu zerlegen.

Chef Markus ‚Pille‘ Peerlings hatte die vier Amis aus Phoenix, Arizona, um ihren wuchtigen Fronter Jonboat Jones, als Dampfwalze angekündigt und die kamen dann dieser im Verlauf des Gigs auch mit der gebührenden Vehemenz nach.

Direkt mit dem wüsten Opener „Rollin‘ Thunder“, gab es schon ordentlich Zunder. Gas und nochmals Gas, schien das Motto zu sein, das Jonboat Jones für die nächsten Tracks unter seiner Regie wie „Beast Of Burden (Roll On)“, „Where Have You Gone“ und „Brown Water“ ausgegeben zu haben schien. Drummer J. ‚Kwall‘ Kowalski wirbelte schon hier wie das ‚Animal‘ von der Muppets-Show auf seiner Anlage herum.

Bei „North Carolina Way“ übernahm Lead-Gitarrsit Jimmy Rose das Front-Mikro, eines meiner Highlights des Konzerts (leider nur einmalig – könnte gerne öfter singen). Das atmosphärische „I Will Remain“ bot das erste Mal, wenn man das bei Hogjaw überhaupt so formulieren kann, dezenten Spielraum zum Durchatmen.

„Hells Half Way Of Mine“ erinnerte, wie so manch anderes auch, an Molly Hatchet zu „Flirtin‘ With Disaster“-Glanz-Zeiten. Beim Ted Nugent-umwehten „Am I Wrong“ konnte sich nun auch Kwall leadgesangstechnisch einbringen (später nochmal bei „Road Of Fools“), er zog danach auch immer mehr die Ansagen vor den Stücken an sich. Das überragende „County Line“, mit einer schier nicht enden wollenden Jam-Schlacht (mit Twins und allem Southern-Drum und Dran), trieb allen Anwesenden die Schweißtropfen auf die Stirn, sodass selbst ich kurzzeitig, zwecks Biernachschub, meinen angestammten Platz verlassen musste.

Das Titellied vom letzten Studioalbum „Way Down Yonder“ (mit launiger Publikums-Mitschrei-Interaktion), das tolle „Redemption“, das fulminant abgehende „Never Surrender“, „Road Of Fools“ und der Stampfer „El Camino“ schmetterten in Richtung Schlussgerade.

Zum letzten Track des Hauptteils fiel mir spontan folgende fiktive Geschichte ein, die, frei übersetzt, in etwa so verlaufen hätte sein können: Elvis Hogjaw nach dem Konzert mit einem Fairtrade-Sakko-bekleideten Zottelhaar- und Bartträger am Stehtisch. Der hat ein Glas Bio-Leitungswasser in der Hand und sagt mit noch leicht gerötetem Kopf: „Herr Elvis, I bin der Toni Holzleitner von den Grünen.“

Jetzt schon hoch erregt: „Ich möchte Ihnen mitteilen, dass meine Partei in Deutschland, das Verherrlichen von Waffen, aufs Schärfste verurteilt!“ Dann völlig außer sich: „Hier hat die Bundesregierung inklusiv des Innenministers, auf ganzer Linie, grenzenlos versagt!“ Elvis Hogjaw (kopfschüttelnd einen saftigen Schluck aus der Bierpulle nehmend): „Toni, Gi tsum Teufel…!“

Der verlässt den Tisch echauffiert, kehrt zu seiner Begleiterin Kathrin Boring-Eckzahn zurück an die Theke und bestellt völlig konsterniert zwei ‚Berliner Weiße mit Schuss‘. Die (Nase rümpfend) in ihrer berühmt arrogant-herablassenden Art: „Mensch Anton, dich kann man wirklich nur vom Hof jagen!“

„Gitsum“, immer wieder schön zu hören, nicht nur am Ostermontag, sondern auch an diesem Abend, der Klassiker der Band (wer ihn noch nicht kennt und in der Lage ist, manches nicht ganz so bierernst zu nehmen, siehe nebenstehenden Link).

Als das Quartett mit „This Whiskey“ noch einen weiteren hymnischen Song mit langem Gitarrenfinish als Zugabe losließ, wusste man, das die Männer um Jonboat Jones alles gegeben hatten und sich den Gang in den Theken-/Merch-Bereich mit kühlen Drinks mehr als wohl verdient hatten. Die Rampe hatte, bildlich gesehen, dem ‚Up In Flames‘-Tour-Motto getreu, buchstäblich in Flammen gestanden.

Aus meiner Sicht der bisher mit Abstand stärkste Gig, den ich von Hogjaw gesehen hab. Ein weiterer unvergessener Southern Hard Rock-Abend in Krefelds Kultclub!

Line-up:
Jonboat Jones (lead vocals, electric guitar)
Jimmy Rose (electric guitar, vocals, lead vocals)
Elvis DD (bass)
J. ‚Kwall‘ Kowalski (drums, vocals, lead vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Robert Jon & The Wreck, 21.06.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Gerade in den Tagen, wo Lynyrd Skynyrd, nochmal einen mustergültigen Versuch gestartet haben, den letzten verklärten Southern Rock-Fans in Deutschland mit ihrem unsäglichen Coverprogramm von sich selbst, noch einige Euronen aus der Tasche zu ziehen (Ronnie Van Zant wird sich angesichts des lieblosen Treibens wohl vermutlich ständig im Grabe rumdrehen…), tut es gut zu wissen, dass es auch noch diverse hungrige und kreative Acts im Genre gibt, bei denen monetäre Aspekte, zunächst mal, hinten angestellt werden.

Ein Glücksfall hierbei sind Robert Jon & The Wreck, deren wirklich famose Entwicklung ich von Anfang an mitverfolgt habe. Mit begonnen hat ihre Geschichte zweifellos an dem Ort, wohin sie jetzt zum wiederholten Male zurückgekehrt sind, unserer geliebten Kulturrampe. Auch nicht zu vergessen der lange Atem und der Glaube an die Kalifornier seitens Teenage Head Music, der sich mittlerweile immer mehr zu rentieren scheint.

Zunächst wurde aber zu Konzertbeginn, Rampenchef Markus ‚Pille‘ Peerlings in seiner frisch renovierten Location, mit einem Ständchen zum 50-jährigen Geburtstag, lauthals beglückwünscht. Nach seiner Ansage gab das Quintett um seinen charismatischen Leader Jon Burrison mit „Going Down“ vom neuen Werk „Take Me Higher“ sofort Vollgas.

Das schöne an den Jungs: Trotz kontinuierlicher Präsenz bei uns, schaffen es die Kalifornier bisher immer wieder, neue Akzente zu setzen. Letztes Mal war es die brillante Einführung der Neumitglieder Warren Murrel und des Leadgitarristen Harry James, jetzt halt wieder mit einer neuen Scheibe mit Eigenkreationen, die dann mit Tracks wie u. a. „Makes Me Wanna Yell“, „Take Me Higher“, „Something To Remember Me by“ und „Coming Home“ gebührend vorgestellt wurde. Und auch spielerisch scheint die Truppe erneut eine kleine Schippe oben drauf gelegt zu haben.

Whiskey-Liebhaber Robert Jon (superbe vokale Präsenz, tolle Gitarrenzuarbeit) und Keyboarder Steve Maggiora (mit gewohnt variablen Keys-Einsätzen) bilden das erfahrene Grundgerüst, die beiden ‚Hungerhaken‘ Henry James, diesmal mit etwas gestutzter Afro-Mähne, wieder in hippiesker Montur (mit unzähligen konventionellen als auch Slide-Soli) und Drummer Andrew Espantman (was für  ein Trommelwirbler) sorgen mit der treibenden Bedienung ihrer Instrumente, für den immensen Drive, der das Kollektiv letztendlich so auszeichnet, und der fleißig zupfende Bassist Warren Murrell tummelt sich vergnügt irgendwo mitten drin.

Die Stücke „Cannonball“ und „Whipping Post“ zum Ende des ersten, beziehungsweise Beginn des zweiten Sets, boten rein instrumentelle Finesse und Spielfreude pur im allmanesken Ambiente. Das herrliche „Old Friend“, das fantastische „Cold Night“ (der wie entfesselt spielende James nicht mehr zu bremsen) gegen Ende und die beiden Zugaben „Mary Anne“ sowie „On The Run“ hatten die Rampenbesucher längst zu frenetischen Begeisterungsstürmen hingerissen.

Ganz großes Southern Rock-Kino in der aufgehübschten Kulturrampe. Lynyrd Skynyrd war gestern, die Zukunft des Genres müsste, wenn es so etwas wie Gerechtigkeit gibt, eigentlich Robert Jon & The Wreck vorbehalten sein!

Line-up:
Robert Jon Burrison (lead vocals, electric guitar)
Henry James (electric guitar, vocals)
Warren Murrel (bass)
Andrew Espantman (drums, vocals)
Steve Maggiora (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Kulturrampe Krefeld

Robert Jon & The Wreck – Live From Hawaii – CD-Review

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Review: Michael Segets

Robert Jon And The Wreck gehören nach einhelliger Meinung der SoS-Redaktion zu den derzeitigen Top-Acts des Southern Rocks. Seit 2015 macht die Band auf ihren Europatouren regelmäßig Station in der Krefelder Kulturrampe sowie im Dortmunder Blue Notez. Zu jeder Tour hatte sie eine neue Veröffentlichung im Gepäck. Im letzten Oktober brachten Robert Jon And The Wreck ihre erste Live-CD „Live From Hawaii“ mit.

Die Kalifornier kommen am Wochenende erneut nach Krefeld und Dortmund, was für mich Anlass war, die Live-Aufnahme in letzter Zeit öfter aufzulegen. Dabei ist mir aufgefallen, dass eine Besprechung der Scheibe – eigentlich Chefsache – (Aufruhr gegen den Vorgesetzten, Herr Segets? – Anmerkung, der Red.) auf SoS bislang ausstand. Diese soll nun nachgeholt werden.

Die Aufnahme aus Hawaii fängt die Atmosphäre, die Robert Jon And The Weck live versprühen, sehr gut ein und bietet acht bereits von den Studioalben bekannte Stücke. Auf der Bühne nehmen sich die Bandmitglieder mehr Zeit, um sich an ihren Instrumenten auszutoben. Das ist für Bands aus dem Genre nicht ungewöhnlich und reißt die Fans im Publikum häufig zu Begeisterungsstürmen hin.

Robert Jon And The Wreck zelebrieren über siebzehn Minuten hinweg „Tightrope“. Bei dem reinen Instrumentalstück zeigen die Neuzugänge Henry James, der für Kristopher Butcher die Lead Gitarre übernimmt, und Bassist Warren Murrel, der Dave Pelosi ersetzt, dass sie sich perfekt in das Bandgefüge einpassen. Auch Band-Urgestein Andrew Espantman erhält hier Gelegenheit zu einem ausgiebigen Solo an seinem Schlagzeug.

Der Klassiker „Cold Night“ knackt die zwölf Minutenmarke. Ich bekenne mich dazu, dass ich kein Liebhaber ausgedehnter Instrumentalpassagen bin. Bei Konzerten sind sie meist noch im Toleranzbereich – wenn man den Musikern bei der Arbeit zusieht, hat man ja auch noch ein visuelles Erlebnis. Auf ein Live-Album der Band gehören die langen Stücke, die in gewohnt souveräner Art performt werden, aber selbstverständlich drauf.

Ansonsten trifft die Songauslese vollständig meinen Geschmack. Von ihrem stärksten Album „Glory Bound“ (2015) wählen Robert Jon And The Wreck die besten Songs: „Blame It On The Whiskey“, „The Devil Is Your Only Friend“ und „When I Die“. Vor allem das letztgenannte Stück unterscheidet sich deutlich von der Studioversion. Der Sound wird hier von Steve Maggioras Keyboards hervorragend getragen.

Von ihrem damals aktuellen, selbstbetitelten Studioalbum aus dem Jahr 2017 nimmt die Band lediglich das lockere „I Know It’s Wrong“ auf, trifft damit allerdings eine weitere gute Entscheidung. „Hey Hey Mama“ und „Rollin‘“ – bei dem Sänger Robert Jon Burrison seine Mitstreiter vorstellt – stammen von „Good Life Pie“ (2016) und gehören mittlerweile zu dem klassischen Live-Repertoire der Band. Einzig die Ballade „Mary Anne“, bei der sich die Band auf Konzerten von einer anderen Seite zeigt, kann bei der Auswahl vermisst werden.

Die Versionen auf „Live From Hawaii“ sind sehr nah an denen, die ich auf den letzten beiden Touren in der Kulturrampe gehört habe. Die CD ist nicht nur für die Besucher der Konzerte ein Erinnerungsstück, sondern bietet hervorragenden Southern Rock. Bei den erfrischenden, alternativen Interpretationen zu den Studioaufnahmen kommen Liebhaber ausgedehnter Instrumentalpassagen ebenso auf ihre Kosten wie die, die es etwas straighter mögen. Der Mitschnitt bietet zudem eine gelungene Einstimmung auf die kommenden Auftritte, für die Robert Jon And The Wreck bereits neues Material am Start haben.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Blame It On The Wiskey
02. Hey Hey Mama
03. The Devil Is Your Only Friend
04. Cold Night
05. When I Die
06. I Know It’s Wrong
07. Tightrope
08. Rollin’

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