Anderson East – Maybe We Never Die – CD-Review

Erfolgreiche und talentierte Musiker haben in der Regel den großen Vorteil mit ebenso erfolgreichen und angesagten Produzenten zusammenarbeiten zu können. Anderson East ist nicht erst seit seinem Durchbruch mit dem Vorgänger „Encore“ 2018 in diese Kategorie einzuordnen. East und seine Band haben weltweit ausverkaufte Shows gespielt (wir durften seinem energiegeladenen Gig in Köln beiwohnen) und waren zu Gast u. a. bei angesagten TV-Shows wie „Jimmy Kimmel Live!“ (ABC), „The Late Show with Stephen Colbert“ (CBS), „CBS This Morning Saturday“, „TODAY“ und „Late Night with Seth Meyers“ (NBC) oder „Austin City Limits“ (PBS).

Bei „Encore“ und auch auf „Delihah“ zuvor hatte er bereits mit dem in diesen Zeiten omnipräsent erscheinenden Producer Dave Cobb bereits hervorragend zusammengearbeitet. Da ist es natürlich irgendwie klar, dass man dieses funktionierende Konstrukt auch für das neue Werk „Maybe We Never Die“ beibehalten möchte, zumal beide seither auch labeltechnisch miteinander verflochten sind.

Dass Cobb, der dafür bekannt ist, besonders auf die stimmliche Ausstrahlung seiner Protagonisten fokussiert zu sein, immer mal für eine Überraschung gut ist, zeigt sich besonders auf diesem Werk. Auch hier merkt man sofort, dass er eindeutig die vokale Präsenz von East in den Vordergrund stellt und stimmlich wieder eine tolle Leistung aus ihm ‚herausgekitzelt‘ hat, aber der Sound und die Stimmung des Werkes differieren zum Vorgänger  erheblich.

Wir bewegen wir uns zwar wieder klar in der Gattung Soul, dennoch hat man das Gefühl sich in ganz anderen Sphären zu befinden. Während auf „Encore“ alles auf ein warmes southern-souliges Flair mit typischen Bläser-Arrangements ausgerichtet war (wie ich sie auch vom Gig in der Domstadt in Erinnerung habe), durchziehen jetzt kühl, kammermusikartig, ja teilweise hypnotisch wirkende Loop-, Synthie-, String- und mollgetränkte Piano-Sequenzen die nach wie vor melodischen Tracks, die aber aus meiner Sicht eher in hippen neon-beleuchteten Tanzclubs in New York zur ihrer wahren Entfaltung kommen würden.

Man höre sich mal das von einem groovenden, disco-mäßigen Gitarren- und Bass-Rhythmus geführte „Drugs“ an, dass durch Andersons Falsetto-Gesang fast in Bee Gees-Gefilden wildert. Beim starken Opener „Maybe We Never Die“ beißen sich warmer Strophengesang und falsetto-artiges Kreischen im Refrain förmlich. Trotzdem ein toller Song. Auch der trance-artig (be)rauschende „Jet Black Pontiac“ bohrt sich tief in das Musik-Langzeit-Gedächtnis.

Teilweise meint man auch, einen modernen Mick Hucknell (Simply Red) vor sich zu haben („Madelyn“, „Hood Of My Car“, „If You Really Love Me“). Faszinierend auch das abschließende „Interstellar Outer Space“, bei der Easts emotionale Gesangs-Gala-Vorstellung zu sakral anmutendem Glockengeläut immer wieder von künstlich elfenhaft-piepsigen ‚Aahs‘, wie aus einer anderen Galaxie, durchzogen wird. 

Über das Album sagt der in Alabama geborene und in Nashville-lebende Singer-Songwriter: „Ich wollte mit dieser Platte etwas Einzigartiges schaffen. Ein Stück Musik, das in seiner Gesamtheit weiß, wo es steht und dennoch den Blick hinter den Vorhang wagt. Ich bin sehr stolz auf die Entstehungsgeschichte und das Endergebnis. Meine große Dankbarkeit gilt den Menschen, die ihre wundervollen Talente eingesetzt haben und dieses Album zu dem gemacht haben, was es ist. “

Am Ende sind es aber vor allem die eingängigen Refrains bei allen Liedern und die konsequente, musikalisch stimmige Machart, die das Werk „Maybe We Never Die“ von Anderson East zu etwas besonderem und gut hörbarem machen. Es hat schon, wenn man sich darauf einlässt, große Klasse, was Cobb und er da kreiert haben. Zu suchen hat es, wenn man allerdings ehrlich ist, in diesem Magazin so gut wie garnichts. Deshalb nur an recht variabel-ausgelegte Leute unter unserer Klientel zu empfehlen.

Elektra/Low Country Sound (Warner Music) (2021)
Stil: Soul

01. Maybe We Never Die
02. Lights On
03. Madelyn
04. Drugs
05. I Hate You
06. Hood Of My Car
07. Falling
08. Jet Black Pontiac
09. Like Nothing Ever Happened
10. If You Really Love Me
11. Just You & I
12. Interstellar Outer Space

Anderson East
Anderson East bei Facebook
Oktober Promotion

Lea McIntosh – Blood Cash – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Lea McIntosh wuchs in schwierigen Verhältnissen mit Drogen, Gewalt und kriminellem Chaos auf. Diese Erfahrungen thematisiert sie zwar nicht auf ihrem ersten Blues-Album „Blood Cash“, welches in den nächsten Tagen in den Handel kommt, einen leicht düsteren Einfluss scheinen sie teilweise aber dennoch zu haben. Insgesamt umfasst die Scheibe sieben feine Originalsongs, die sie zusammen mit ihrem Gitarristen Travis Cruse komponiert und geschrieben hat. Unterstützt werden die beiden von Myron Dove (Bass), Deszon Claiborne (Schlagzeug), Eamann Flynn (Keyboards) und Andy Just (Mundharmonika).

Der Titelsong „Blood Cash“ besticht einerseits durch Leas raue und zugleich warme Alt-Stimme, aber ebenso auch durch Travis Cruses rotziges Gitarrenspiel auf der Akustikgitarre. Zusammen mit der frech gespielten Mundharmonika ergibt dies einen schnörkellosen, dreckigen Old-School-Blues-Sound. Ganz anders der folgende, über fünf Minuten lange und Soul beeinflusste Track „Blue Stoned Heart“ der einen tollen, leicht jazzigen Gitarrenpart im Mittelteil enthält.

Bei „Tennessee Hurricane“ handelt es sich um eine melodische, balladeske Bluesnummer, angereichert mit sphärischen, psychedelischen Gitarrenklängen. Auch in „Fantasy Woman“ schimmern soulige Elemente durch, wobei Lea McIntoshs warme Stimme mitunter, besonders am Ende des Songs, einen recht lasziven Eindruck vermittelt, wenn sie nahezu beschwörend den Songtitel refrainartig wiederholt. Der flotte Groove von „Purple Suede Boots“ geht unmittelbar in die Beine, nicht zuletzt auch wegen der von Andy Just furios und treibend gespielten Mundharmonika.

Mit „Soul Stripper“ gibt es dann den einzigen Slowblues auf der Scheibe, sehr melodiös und einmal mehr getragen von Leas kräftiger, aber einfühlsamen Stimme. Das spritzig-funkige „The Fire Is Coming“ beendet schließlich das überaus abwechslungsreiche Debütalbum der aus der Gegend von San Francisco stammenden Sängerin.

Für ein Erstlingswerk ist das Album verdammt gut geraten. Alle Kompositionen überzeugen durch Leas authentische, kräftige und zugleich warme Stimme, aber auch durch das kongeniale Gitarrenspiel von Travis Cruse. Schade nur, dass lediglich sieben Songs den Weg auf die Scheibe gefunden haben. Gerne würde man mehr von ihr hören. Aber da geht in Zukunft bestimmt noch so einiges. Wir dürfen also sehr gespannt sein und freuen uns schon jetzt auf das Nachfolgealbum.

Label: Shark Park Records
Stil: Soul, Blues

Tracks:
01. Blood Cash
02. Blue Stoned Heart
03. Tennessee Hurricane
04. Fantasy Women
05. Purple Suede Boots
06. Soul Stripper
07. The Fire Is Coming

Lea McIntosh
Lea McIntosh bei Facebook

Paulie Cerra Band – 23.07.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

Cer-haupt

An einem schönen Sommerabend stand Paulie Cerra mit seiner Band auf der Bühne des Krefelder Schlachtgartens. Nachdem der Vorverkauf bis eine Woche vor dem Konzert eher träge verlief, entschlossen sich doch einige Fans der gepflegten Bluesmusik kurzfristig zu erscheinen, sodass der Schlachtgarten dann letztlich mit etwa 110 Besuchern recht gut besucht war.

Nach einer kurzen Bandankündigung durch Pille Peerlings bahnte sich das Quartett unter dem Applaus der Fans den Weg mitten zwischen den Tischreihen, was ein bisschen an einen Einzug von Gladiatoren erinnerte.

Hier handelte es sich aber eher um einen Einmarsch von Spitzenköchen der Bluesmusik, die in den folgenden etwa 140 Minuten Spielzeit etwas ganz besonderes präsentierten. Blues gespickt mit einer Prise Soul und einigen Spitzen von Funk. Da aber auch das Auge den Geschmack indirekt beeinflusst, zauberte der Lichttechniker des Schlachtgartens ein Bühnenlicht, was für so eine kleine Location schon beeindruckend ist. Damit sorgte er dafür, dass das bereitete musikalische Menü von der Bühne auch visuell bei den Gästen bestens ankam.

Cerra, vielen auch bekannt als Saxophonist von Joe Bonamassa (da haben wir ihn auch schon in Köln und Düsseldorf erlebt), zeigte seine spielerischen Qualitäten auch an den Keyboards und glänzte mit einer beeindruckenden Stimmbreite. Neben seinem spielerischen Können war er ein toller als Entertainer zwischen den Songs, wobei er auch stets darauf bedacht war, seine Band ins rechte Licht zu stellen.

An erster Stelle stand dabei Billy Haynes, der Bassist, der Tina Turner in den Anfangsjahren ihrer Solokarriere begleitete. Dass Haynes den Bass sitzend spielte tat der Qualität keinen Abbruch und die spielerische Leichtigkeit und die positive Stimmung, die er auf die Bühne brachte, waren schon beeindruckend. Neben dem Bass unterstützte er Cerra auch noch in einigen Songs als Backgroundsänger.

Aber auch Drummer Alvino Bennett wurde mehrfach hervorgehoben. Er flog zuweilen mit einer Leichtigkeit über die Drums, konnte aber auch, wenn es gewollt war, energisch hervorpreschen.

Last but not least Ben Forrester an der Gitarre. Der jüngste aus der Band, mit Cowboyhut und Feder, zeigte an seiner Gibson Les Paul, warum ihn Cerra für die Tour mit ins Boot genommen hatte. Ob fingerpickend, slidend oder in bester Blues-, zuweilen auch in Southern-Manier, zelebrierte der Könner seine E-Gitarren-Soli regelrecht.

Das Arrangement des ganzen Konzertes mit Songs, zumeist aus der Feder Cerras stammend, wobei das letzte Album „Hell & High Water“ größtenteils durchgespielt wurde, sorgte auch im Publikum für eine Stimmung, wie ich sie bei einem Konzert im Schlachtgarten bisher noch nicht erlebt habe. Von verträumt, bis hin zu enthusiastisch mitgehend waren alle Parameter vertreten. Besonders die letzten Songs wurden vom Publikum stehend mit Szenenapplaus begeistert abgefeiert.

Nachdem die Band nach dem letzten Song gebührend verabschiedet wurde und sich wieder den Gang durchs Publikum gebahnt hatte, kam Cerra nochmals auf die Bühne, um sich solo am Piano noch einmal zu verabschieden.

Nachdem dann Ceras endgültig die Bühne verlassen hatte, zog Kolja Amend vom Schlachtgarten noch einmal ein kurzes Resümee, in dem er seine Gefühle zu dem Konzert zum Ausdruck brachte. Ein Satz sagt dabei alles: „Ich habe immer noch eine Gänsehaut“.

Wer Paulie Cerra mit seiner Band auf der Tour noch erleben will, muss sich sputen, da sie sich zum Ende neigt. Es lohnt sich absolut, solch musikalische Hochkaräter, auch wenn sie bei Topstars ’nur‘ in der ‚zweiten Reihe‘ spielen, als eigenständigen Topact zu erleben.

Line-up:
Paulie Cerra – lead vocals, keys, saxophone
Ben Forrester – guitar
Billy Haynes – bass
Alvino Bennett – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Paulie Cerra
Paulie Cerra bei Facebook
Schlachtgarten Krefeld
Kulturrampe Krefeld

The Marcus King Band – Soul Insight – CD-Review

cover The Marcus King Band - Soul Insight 300

Review: Stephan Skolarski

Das anhaltende Sammlerinteresse nach zusätzlichen Vinyleditionen bisheriger CD-Releases motiviert manche Band zur Wiederveröffentlichung (fast) vergriffener Longplayer. Diese erfreuliche Entwicklung erreichte auch den amerikanischen Singer/Songwriter und Gitarristen Marcus King, dessen Debut-Album nun als schwarze Doppel-LP wieder erhältlich ist.

Der damals erst 19-jährige Gitarren-Virtuose aus Greenville, South-Carolina, hatte im Oktober 2015 mit „Soul Insight“ einen grandiosen Einstand. Ein Werk, das stilübergreifend Southern Rock, Blues, Psychodelic-Jam-Improvisationen, Soul, Funk, Jazz und Country-Ansätze einfühlsam und explosiv verbindet. Die junge Formation war zuvor mit Marcus King (Lead Vocals, Slide Resonator Guitar), Jack Ryan (Drums), Anthony House (Bass) und Alex Abercrombie (Organ und Keys) Tournee Opener für Johnny Winter, die Foo Fighters und Gov’t Mule, deren Mastermind, Warren Haynes, die Band auf seinem Label zuerst unter Vertrag nahm.

Die sämtlich von Marcus King komponierten Songs reichen in ihren Dimensionen dementsprechend von Vorbild-Einflüssen der Allman Brothers („Boone“, „Keep Moving“) und Stevie Ray Vaughan („No Decency“), Gary Clark jr. („Dyin“) bis zu Warren Haynes himself („Always“); dabei werden zu den stets atemberaubenden Guitar-Passagen und Kings Südstaaten-akzentuierten Lead-Vocals starke Solo-Einlagen (Orgel, Saxophon und Bläser) arrangiert. Zwei Instrumentalstücke (u. a. „Booty Stank“) bilden den Southern-Psychodelic-Jam-Rock Anteil der Scheibe, die in modifizierten Soul/Jazz-Varianten Santana-Improvisationen einbezieht.

Der Versuch, das geniale Guitar-Phänomen Marcus King, auch als Performer und Produzenten, zu beschreiben, führt unweigerlich in eine familienbezogene, tiefgründig verwurzelte Musiktradition, die über frühkindliche Förderung und väterliche Vorbildfunktion wesentliche Grundsteine legte. So ist die Virtuosität des jungen Marcus King auf „Soul Insight“ bereits stilbildend und „electrifying“ und im Akustik-Country-Rock „I Won’t Be Here“ zum Abschluss des Albums nochmals „traditional classic“.

Im Rückblick auf einen inzwischen kometenhaften Aufstieg hat Marcus King mit seinem Debüt „Soul Insight“ alle damaligen Vorhersagen (siehe auch unser Review aus dem Jahr 2018) ausgiebig bestätigt. So auch die von Warren Haynes, seinem Mentor (2015) im Rolling Stone Magazin: „There’s this young guitar player singer from South-Carolina named Marcus King, who is starting to stir up quite a bit of dust, and I think the potential for his music is endless…..“. Eine Aussage, die der talentierte Guitarrissimo mit sprichwörtlicher Begeisterung erfüllt.

Fantasy Records (2021)
Stil: Southern Rock, Blues, Soul, Country

Tracks:
01. Always
02. Boone
03. Fraudulant Waffle
04. Honey
05. Dave’s Apparition Interlude
06. Everything
07. No Deceny
08. Dyin’
09. Booty Stank
10. Opie
11. Keep Moving
12. I Won’t Be Here

The Marcus King Band
The Marcus King Band bei Facebook
Oktober Promotion

Steve Cropper – Fire It Up – CD-Review

Steve Cropper Fire It Up Albumcover

Review: Jörg Schneider

Steve Cropper dürfte wahrscheinlich nur einem sehr kleinen Kreis interessierter Leute als Musiker bekannt sein. Gleichwohl hat er sich in den mehr als letzten 60 Jahren als Soulgitarrist und auch als Produzent und Songschreiber einen Namen gemacht. Bei Booker T. & The MG’s spielte er in deren Evergreen „Green Onions“ die Gitarre und war später auch Gründungsmitglied der Blues Brothers. Auch die Hits „Midnight Hour“ (Wilson Pickett), „Sitting On The Dock Of The Bay“ (Otis Redding) oder „Soul Man“ (Sam and Dave) und andere Soul Hits gehen auf sein Mitwirken als Komponist zurück und vom Rolling Stone Magazin wurde er in die Top 40 der größten Gitarristen aller Zeiten aufgenommen.

Mit „Fire It Up“ bringt Steve Cropper nun tatsächlich sein erstes Soloalbum seit 1967 auf den Markt. Und natürlich enthält es lauter Soul-Titel, insgesamt dreizehn Stück. Das 2011 erschienene Album „Dedicated: A Salute To The 5 Royales Songs“ war eher ein gemeinsames Werk mit BB King, Steve Winwood, Brian May u. v. a.

Es startet und endet mit „Bush Hog“, ein soulig-funkiges Instrumentalstück, genau so frisch und ganz im Stil der MG’s, wie er auch – für die Älteren unter uns – auf seinem erstem Soloalbum „With A Little Help From My Friends“ aus dem Jahr 1967 zu hören ist. Der Titelsong „Fire It Up“ mit seinem typischen R&B-Rhythmus, zündenden Bläsersätzen und dem, ein wenig an den bereits erwähnten Kulthit „Soul Man“ erinnernden Intro, ist ein Energielieferant ersten Grades mit einem grandiosen Robert C. Reale als Sänger.

Beruhigend hingegen ist „One Good Turn“, der Song fließt mit einer 60’er Jahre- Attitude gemächlich von Note zu Note dahin mit einem warmen Gitarrensolo in der Songmitte, gefolgt von „I’m Not Havin’ It“, einem kraftvollen Midtempostück. Auch „Out Of Love“ kommt ganz im Stil des Soul der 60’er Jahre daher. Mit dem am klassischen R&B orientierten, aber etwas ungeschliffener klingenden “Far Away“ hatte Cropper die Veröffentlichung seines neuen Albums angekündigt. Es wird getragen von souligen Bläser-Riffs und schwingenden Keyboardeinlagen.

Auch die nachfolgenden Songs „Say You Don’t Know Me“, “She’s So Fine“ (etwas flotter und treibender), „Two Wrongs“ (bluesiger) und „Heartbreak Street“ bleiben dem bekannten Soulstil treu. Gleiches gilt für „The Go-Getter Is Gone“, es klingt aber durch die stakkatohaften Pianoeinlagen etwas mehr nach Rock ’n’ Roll.

Schließlich endet das Album mit einem Doule-Feature des bereits eingangs gespielten „Bush Hog“. Unwillkürlich fragt man sich nun, ob Cropper hier nach elf durchaus schwungvollen, groovenden und tanzbaren Nummern das Material oder die Ideen ausgegangen sind. Schade an sich. Da hätte mehr kommen können.

Steve Cropper war und ist ein Meister des Soul und sein Album ist insgesamt eine tolle Reminiszenz an diese Zeit. Von daher dürfte die Scheibe aber eher für die Junggebliebenen unter uns interessant sein, deren musikalische Prägephase in den 60’ger Jahren des letzten Jahrhunderts stattgefunden hat. Freunde des Southern Rock oder reinen Blues werden hier also nicht unbedingt auf ihre Kosten kommen.

An alle Soulfreaks: Das Album ist ab heute, den 23. April 2021, im Handel erhältlich.

Label: Mascot Label Group (2021)
Stil: Soul

Tracks:
01. Bush Hog Part 1
02. Fire It Up
03. One Good Turn
04. I’m Not Havin’ It
05. Out Of Love
06. Far Away
07. Say You Don’t Know Me
08. She’s So Fine
09. Two Wrongs
10. Heartbreak Street
11. The Go-Getter Is Gone
12. Bush Hog Part 2
13. Bush Hog

Steve Cropper
Steve Cropper bei Facebook
Mascot Label Group
Another Dimension

Svenja Schmidt & Jan Bierther Trio – 11.02.2021, JuBB, Essen-Werden – Youtube Stream-Konzertbericht      

Jubb_haupt

Zu Zeiten von Corona versuchen Veranstalter wie auch Bands irgendwie den Kontakt zu Fans aufrecht zu erhalten. Dies gelingt momentan nur durch Videos und Livestreams, was natürlich nicht den Reiz von Livekonzerten ersetzen soll und kann. Viele kleine Clubs oder Veranstalter setzten schon seit geraumer Zeit auf Veranstaltungsreihen, um zu relativ festen Zeiten, verlässlich Liveauftritte von Musikrichtungen anzubieten, welche oft eher ein Nischendasein haben.

Jan Bierther veranstaltet schon seit einiger Zeit eine Reihe unter dem Motto ‚Jazz im JuBB‘, die natürlich seit Monaten nicht mehr in der gewohnten Form stattfinden kann. Aus diesem Anlass entschloss er sich zusammen mit dem Jugend- und Bürgerzentrum JuBB in Essen-Werden, im Saal des Zentrums, die Reihe in Onlineform fortzusetzen.

Diese Konzertreihe beschreibt Bierther als eine Herzensangelegenheit. Als Jugendlicher war er selbst oft Gast in diesem Jugendzentrum, das aus einem alten Gerichtsgebäude entstanden ist. Nach seiner Musikstudienzeit in den Niederlanden kehrte er später wieder in seine Heimatstadt Essen zurück, und initiierte dort auch die Konzertreihe ‚Jazz im Jubb‘.

Dass an diesem Abend Svenja Schmidt mit dem Jan Bierther Trio im Rahmen der Konzerttour auftrat, mag auf den ersten Blick irritierend sein, da Jazzeinflüsse hier eher peripher angesagt waren. Musikalisch standen an dem Abend Rock, Soul und Motown im Mittelpunkt. Der Bezug ist eher in der Besetzung der Band zu sehen, wo Bierther an der Gitarre, Dirk Leibenguth an den Drums, als Essener Urgesteine, unterstützt von Martin Engelien am Bass, an diesem Abend, die Combo der Rock- und Soulröhre Svenja Schmidt bildeten, die zudem am E-Piano glänzte.

Das Konzert, welches in zwei Sets von je etwa 45 Minuten übertragen wurde, war auch nur realisierbar durch die Unterstützung hiesiger Geschäftsleute, unter anderem einem ortsansässigen Biobäcker, welcher zudem eine Jazz-Mottotorte für die Künstler zubereitet hatte. Die Pause zwischen den Sets wurde zudem genutzt, um Werbung für eine kürzlich produzierte CD mit Highlights aus bisherigen Konzerten von ‚Jazz im JuBB‘ zu machen.

Nun aber zum eigentlichen Konzert, ohne Zuschauer im Saal, der bestuhlt etwa 100 Gästen Platz bietet. Den Start machte das Trio alleine mit dem etwa 10-minütigen Instrumental „Alles dreht sich“ aus der Feder Bierthers, das sofort Platz für Improvisationen der Musiker ließ.

Danach stieg auch Svenja Schmidt ein und es begann eine kurzweilige Zeitreise durch 60 Jahre-Musikgeschichte. Das Besondere dabei war, dass die Stücke nicht wie die Originalsongs runtergespielt wurden, sondern immer wieder jammende Phasen eingeschoben wurden. Einige Songs erhielten durch die kräftige Soulstimme Schmidts zudem ein ganz besonderes Flair.

Besonders hervorzuheben war der Rihanna-Hit „Love On The Brain“, der zuweilen den instrumentalen Charakter alter Fleetwood Mac-Songs hatte. In Stevie Wonders „Superstition“ konnten alle Musiker mit ausufernden Hammersoli ihr spielerisches Repertoire beweisen. Im, durch Marvin Gaye bekannt gewordenen Motown-Klassiker „Heard It Through The Grapevine“, der bekanntlich auch von vielen großen Bands, unter anderem CCR gecovert wurde, konnte Schmidt ihre gesangliche Qualität nachhaltig beweisen.

Den Abschluss machte „Nights In White Satin“, dem Schmidt mit ihrer Soulstimme eine ganz besondere Note gab. Auch hier glänzte Bierther mit feinster Gitarrenarbeit in einen Solo, das zunächst filigran, fast zerbrechlich wirkend, begann, um zum Ende hin geradezu zu explodieren.

Es ist schwer ein Fazit zu einem Onlinekonzert zu fassen, da das wichtige Interagieren von Band und Fans fehlt. Was ich als einziger Gast auf jeden Fall sagen kann, ist, dass der Sound im Saal bestens ausgesteuert war, alle Instrumente differenziert und klar hörbar waren.

Wenn man eine durchgehende Besucherzahl von 120 mit Spitzen bis zu 150 Zuhörern sieht, was höher als die Kapazität des Saales ist und die positiven Kommentare im Stream betrachtet, kann das Projekt als gelungen angesehen werden, was seitens des Veranstalters am Ende auch so gesehen wurde. Erwähnenswert ist auch, dass sich die ersten 30 Interessierten am Tag des Konzertes beim Biobäcker kostenlos eine Konzertsnacktüte abholen konnten.

Ein Dank an den Veranstalter und an Martin Engelien, der mich fragte, ob ich als einziger Vertreter eines Magazins, über den Abend berichten wolle.
Wer Spaß an Konzerten mit großer Nähe zu den Künstlern in einer feinen Location hat, sollte die Seite des JuBB in Essen öfters mal im Auge behalten. Neben der Jazzreihe finden dort in regelmäßigen Abständen auch Americana-Konzerte statt, wenn es die Zeit wieder zulässt.

Line-up:
Svenja Schmidt – Gesang, E-Piano
Jan Bierther – Gitarre
Dirk Leibenguth – Schlagzeug
Martin Engelien – Bass

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Jan Bierther bei Facebook
Svenja Schmidt
Jugend- und Bürgerzentrum Werden
Jazz im Jubb

Eric Clapton’s Crossroads Guitar Festival 2019 – DVD-Review

ClapCross_300

Review: Jörg Schneider

Leider stand mir für das bereits erfolgte Review des Festival-Doppelalbums die gleichnamige DVD noch nicht zur Verfügung. Daher jetzt nachträglich noch ein paar Worte zum Video-Mittschnitt. Es gibt ihn auf zwei DVDs bzw. zwei Blu Ray Discs.

Beide Versionen enthalten im wesentlichen die selben Tracks, wie sie auch auf den CDs zu finden sind. Zusätzlich gibt es noch eine kurze filmische „Introduction“, in welcher man die Location in Dallas samt Umgebung etwas kennenlernt und der US-Schauspieler Bill Murray das Festival in launiger Manier anmoderiert.

Was einem erst beim Anschauen der DVDs so richtig bewusst wird, ist die Tatsache, dass ein großer Teil der von Clapton für das Festival verpflichteten Musiker bereits der Generation 70+ (Andy Fairweather Low, Bonnie Raitt, Buddy Guy (84!), Peter Frampton, Jeff Beck, Albert Lee und natürlich Clapton selbst) angehören, bzw. kurz davor stehen (Sonny Landreth, Keb‘ Mo’, Gustavo Santaolalla, Jimmie Vaughan, Robert Cray).

Um so freudiger nimmt man zur Kenntnis mit welch großartiger Spielfreude die alten Herren noch immer durch das Programm toben können. Vor allem Buddy Guy brettert, immer wieder angestachelt von Jonny Lang, mit nicht nachlassender Energie, durch seinen 2018‘er Hit „Cognac“ und spielt die Zuhörer auf seiner Gitarre schon fast schwindelig.

Den Abschluss der ersten DVD bilden drei Songs mit Jeff Beck, nachdem dieser zu den Takten von „Space For The Papa“ im weißen Schlabber-Overall lässig auf die Bühne geschlendert ist.

Die zweite DVD steht dann überwiegend im Zeichen der jüngeren Gitarristen und Musiker und beginnt mit einer harten Nummer von Robert Randolph, der sitzend mit flirrender und quäkender Gitarre auf den Oberschenkeln, durch die Nummer „Cut Em Loose“ rockt. Rockig geht‘s dann auch weiter bis Keb Mo‘ („Am I Wrong“) und John Mayer („Slow Dancing In A Burning Room“) mit zwei Bluesnummern wieder etwas Ruhe in die Sache bringen.

Der im ersten Review bereits geschilderte, hervorragende akustischen Eindruck von Lianne La Havas bekommt nun auch mit ihrem Auftritt ein äußerst sympathisches Gesicht.

Bevor es dann nach Gary Clark jr., Vince Gill, Albert Lee und Bradley Walker (er zelebriert im Rollstuhl sitzend einen wunderschön schmalzigen Südstaatenblues) zum großen Finale mit Clapton und Ensemble kommt, muss allerdings Bill Murray, der am zweiten Tag des Festivals seinen 70’sten Geburtstag feierte, die auf der nach einem Geburtstagsständchen von Clapton überreichten Geburtstagstorte, Kerzen auspusten.

Im Nachspann sind dann nochmals Doyle Bramhall ll und die Tedeschi Trucks Band mit „Going Going Gone“ zu hören.

Insgesamt ist es mit den beiden DVDs gelungen, eine rundherum sehr gute Zusammenfassung der zwei Festivaltage, die von Bill Murray mit wechselnden, etwas exzentrischen Kopftüchern, launig moderiert wurden, zu präsentieren. In akustischer wie auch in optischer Hinsicht bieten sie einen 4-stündigen Musikgenuss, der so manchen musikalischen Leckerbissen enthält. Wer also noch kein Weihnachtsgeschenk hat, die DVDs, bzw. Blu Ray Discs sind für den Anlass sicherlich eine top Wahl.

RHINO / Warner Music (2020)
Stil: Rock, Blues, Soul

Tracklist:

DVD1:
01. Introduction
02. Native Stepson – Sonny Landreth
03. Wonderful Tonight – Eric Clapton & Andy Fairweather Low
04. Lay Down Sally – Eric Clapton & Andy Fairweather Low
05. Million Miles – Bonnie Raitt, Ken Mo’ & Alan Darby
06. Sons Gonna Rise – Citizen Cope with Gary Clark Jr.
07. Lait De Ushuaia A La Quiaca – Gustavo Santaolalla
08. I Wanna Be Your Dog – Doyle Bramhall II with Tedeschi Trucks Band
09. Thats How Strong My Love Is – Doyle Bramhall II with Tedeschi Trucks Band
10. Lift Off – Tom Misch
11. Cognac – Buddy Guy & Jonny Lang
12. Everything Is Broken – Sheryl Crow with James Bay
13. Every Day Is A Winding Road – Sheryl Crow with James Bay
14. Retrato – Daniel Santiago & Pedro Martins
15. B-Side- Kurt Rosenwinkel with Pedro Martins
16. Baby Please Come Home – Jimmie Vaughan with Bonnie Raitt
17. I Shiver – Robert Cray
18. How Long – The Marcus King Band
19. Goodbye Carolina – The Marcus King Band
20. While My Guitar Gently Weeps – Peter Frampton with Eric Clapton
21. Space For The Papa – Jeff Beck
22. Big Block – Jeff Beck
23. Caroline No – Jeff Beck

DVD2:
01. Cut Em Loose – Robert Randolph
02. Hold Back The River – James Bay
03. When We Were On Fire – James Bay
04. Mas Y Mas – Los Lobos
05. Am I Wrong – Keb‘ Mo’
06. Slow Dancing In A Burning Room – John Mayer
07. How Blue Can You Get – Tedeschi Trucks Band
08. Shame – Tedeschi Trucks Band
09. Ís Your Love Big Enough – Lianna La Havas
10. I Say A Little Prayer – Lianna La Havas
11. Feed The Babies – Gary Clark Jr.
12. I Got My Eyer On You Locked Loaded – Gary Clark Jr.
13. Pearl Cadillac – Gary Clark Jr.
14. Tonight The Bottle Let Me Down – Vince Gill with Albert Lee & Jerry Douglas
15. Tulsa Time – Vince Gill with Albert Lee & Jerry Douglas
16. Drifting Too Far From The Shore – Bradley Walker with Vince Gill, Albert Lee         & Jerry Douglas
17. Happy Birthday (to Bill Murray)
18. Badge – Eric Clapton
19. Layla – Eric Clapton with John Mayer & Doyle Bramhall II
20. Purple Rain – Eric Clapton & Ensemble
21. High Time We Went – Eric Clapton & Ensemble
22. Going Going Gone – Doyle Bramhall ll with Tedeschi Trucks Band

Eric Clapton’s Crossroads Guitar Festival
Eric Clapton
Eric Clapton bei Facebook
Oktober Promotion

Eric Clapton’s Crossroads Guitar Festival 2019 – CD-Review

ClapCross_300

Review: Jörg Schneider

Bereits 1999 organisierte Eric Clapton den Vorläufer des jetzigen Festivals zur finanziellen Unterstützung des Crossroads Center, einer Therapieeinrichtung in Antigua für Drogen- und Alkoholabhängige. 2004 wurde daraus das inzwischen mit Kultstatus behaftete „Crossroads Guitar Festival“. Seitdem hat es unter Führung von Clapton regelmäßig, mit Ausnahme von 2016, alle drei Jahre stattgefunden, zuletzt in 2013.

Nun ist das Festival im Herbst letzten Jahres zum fünften Mal zurückgekehrt und natürlich wieder mit von Clapton handverlesenen Gitarristen und Musikern der Spitzenklasse. Wer von ihm ausgewählt wird und auf dem Festival auftreten darf, kann sich sicherlich mit Recht zur Creme de la Creme der Blues- und Rockmusik zählen.

Mit dabei sind, wie in allen Jahren zuvor auch, die Blues- und Rock-Urgesteine Buddy Guy, und Jeff Beck, sowie Doyle Bramhall ll, Jimmie Vaughan, John Mayer, Robert Cray, Robert Randolph, Sonny Landreth und Vince Gill. Stattgefunden hat das Event am 20. und 21. September letzten Jahres in Dallas mit vielen weiteren Größen der Blues und Rock Szene (Andy Fairweather Low, Peter Frampton, Sheryl Crow, Los Lobos, Bonnie Raitt, Keb‘ Mo‘).

Eine besondere Erwähnung verdienen Doyle Bramhall II, Susan Tedeschis und Derek Trucks Version von „I Wanna Be Your Dog“, dem Punk-Klassiker von Iggy Pop und den Stooges sowie die Clapton Songs „Lay Down Sally“, „Wonderful Tonight“ und „Layla“. Die beiden erstgenannten Songs performt der Meister mit Andy Fairweather Low und „Layla“ mit Doyle Bramhall ll und John Mayer.

Im Laufe des Konzertes erweist Clapton dann auch noch zusammen mit Peter Frampton seine Reminiszenz an George Harrison, und dies, wie könnte es anders sein, mit „While My Guitar Gently Weeps“. Zusätzlich gibt‘s gegen Ende des Festivals noch den Cream-Klassiker „Badge“, der allerdings in Claptons moderner Version nicht so überzeugend klingt.

Vor allem müssen aber die im Line-up auftauchenden talentierten bzw. jüngeren und zumindest hierzulande wahrscheinlich mehr oder weniger unbekannteren Künstler hervorgehoben werden. Sie haben das Festival enorm bereichert.
Citizen Cope ist bereit seit 1995 in Sachen Blues, Soul und Folk unterwegs. Nach seinen Auftritten in 2010 und 2017 war er auch letztes Jahr wieder mit einem Song dabei. Zusammen mit Gary Clark Jr. jammt er den Song „Sons Gonna Rise“, ein hörenswerter, melodiöser Blues mit schönem Gesangsolo im Mittelteil.

Ganz anders Gustavo Santaolalla. Er stammt aus Argentinien und gilt als Mitbegründer des Latin-Rock. Mit „Lait De Ushuaia A La Quiaca“ liefert er ein relaxtes Latin-Instrumental auf der Gitarre ab, begleitet von einer Violine.

Auch „Lift Off“, gespielt von dem erst 25-jährigen Briten Tom Misch, ist ein hervorragendes Instrumentalstück, in dem er vorwiegend auf dem unteren Teil des Gitarrenhalses die Saiten zupft.

Pedro Martins und Daniel Santiago hingegen sind brasilianische Jazzgitarristen. Mit „Retrato“, einer ruhigen, südamerikanischen Gitarrennummer mit leichten Flamenco-Einflüssen, schmeicheln sich die beiden, hervorragend aufeinander eingespielt, in unsere Gehörgänge. In „B-Side“ wird Kurt Rosenwinkel, ein US-Jazzgitarrist der in Berlin lebt und bereits 2013 mit von der Partie war, dann auch noch einmal von Pedro Martins unterstützt. In dem Song stehen ebenfalls wieder weiche und melodiöse Klänge im Vordergrund.

Am meisten beeindruckt hat den Schreiber dieser Zeilen allerdings die jamaikanisch-griechische Sängerin Lianne La Havas. In ihrer Ballade „Is Your Love Big Enough“ überzeugt sie mit klarer Jazz-Stimme und einem minimalistisch-einprägsamen Gitarrenlauf.

Mit „I Say A Little Prayer“ hatten bereits Dionne Warwick in 1957 und 10 Jahre später auch Aretha Franklin Erfolg. Lianne La Havas gelingt es diese zwei in die Jahre gekommenen Stücke nur mit ihrer zarten Stimme und dezenter Gitarre zu entstauben und in einem ansprechenden modernen Gewand leicht jazzig zu präsentieren. Toll!

Eine weitere Überraschung des Festivals war sicherlich die aus South Carolina stammende Marcus King Band. Ihr Titel „How Long“ geht mächtig ab und erinnert durch flotte Bläsersätze an vergangene Soul-Zeiten. Ganz anders, und dennoch absolut hörenswert, ist „Goodbye Carolina“, ein einfühlsamer Südstaaten Blues getragen von Marcus Kings leicht heiserer Stimme.

Den krönenden Abschluss des Festival bilden schließlich nach fast vierstündigem Hör- bzw. Videogenuss die Nummern „Purple Rain“ und „High Time We Went“, die der Meister beide mit dem gesamten Ensemble intoniert und zelebriert.

Insgesamt wurden 43 Songs des zweitägigen Festivals der Nachwelt auf CD, DVD, Blue Ray und Vinyl erhalten. Über den Ladentisch gehen die Teile seit dem 20.11.2020.

Eine kleine Kostprobe des Events gibt’s auf YouTube mit der Marcus King Band – „Goodbye Carolina“, Lianne La Havas – „I Say A Little Player“ und Eric Clapton – „Badge“ zu sehen und zu hören.

RHINO / Warner Music (2020)
Stil: Rock, Blues, Soul

Tracklist:
01. Native Stepson – Sonny Landreth
02. Wonderful Tonight – Eric Clapton & Andy Fairweather Low
03. Lay Down Sally – Eric Clapton & Andy Fairweather Low
04. Million Miles – Bonnie Raitt, Ken Mo’ & Alan Darby
05. Sons Gonna Rise – Citizen Cope with Gary Clark Jr.
06. Lait De Ushuaia A La Quiaca – Gustavo Santaolalla
07. I Wanna Be Your Dog – Doyle Bramhall II with Tedeschi Trucks Band
08. Thats How Strong My Love Is – Doyle Bramhall II with Tedeschi Trucks Band
09. Going Going Gone – Eric Clapton & Tedeschi Trucks Band
10. Lift Off – Tom Misch
11. Cognac – Buddy Guy & Jonny Lang
12. Everything Is Broken – Sheryl Crow with James Bay
13. Every Day Is A Winding Road – Sheryl Crow with James Bay
14. Retrato – Daniel Santiago & Pedro Martins
15. B-Side- Kurt Rosenwinkel with Pedro Martins
16. Baby Please Come Home – Jimmie Vaughan with Bonnie Raitt
17. I Shiver – Robert Cray
18. How Long – The Marcus King Band
19. Goodbye Carolina – The Marcus King Band
20. While My Guitar Gently Weeps – Peter Frampton with Eric Clapton
21. Space For The Papa – Jeff Beck
22. Big Block – Jeff Beck
23. Caroline No – Jeff Beck
24. Cut Em Loose – Robert Randolph
25. Hold Back The River – James Bay
26. When We Were On Fire – James Bay
27. Mas Y Mas – Los Lobos
28. Am I Wrong – Keb‘ Mo’
29. Slow Dancing In A Burning Room – John Mayer
30. How Blue Can You Get – Tedeschi Trucks Band
31. Shame – Tedeschi Trucks Band
32. Ís Your Love Big Enough – Lianna La Havas
33. I Say A Little Prayer – Lianna La Havas
34. Feed The Babies – Gary Clark Jr.
35. I Got My Eyer On You Locked Loaded – Gary Clark Jr.
36. Pearl Cadillac – Gary Clark Jr.
37. Tonight The Bottle Let Me Down – Vince Gill with Albert Lee & Jerry Douglas
38. Tulsa Time – Vince Gill with Albert Lee & Jerry Douglas
39. Drifting Too Far From The Shore – Bradley Walker with Vince Gill, Albert Lee         & Jerry Douglas
40. Badge – Eric Clapton
41. Layla – Eric Clapton with John Mayer & Doyle Bramhall II
42. Purple Rain – Eric Clapton & Ensemble
43. High Time We Went – Eric Clapton & Ensemble

Eric Clapton’s Crossroads Guitar Festival
Eric Clapton
Eric Clapton bei Facebook
Oktober Promotion

Miss Emily – Live At The Isabel – CD-Review

Misse_300

Review: Jörg Schneider

„Live At The Isabel“ ist ein Zusammenschnitt von vier Konzerten, die Emily Fennell, so ihr bürgerlicher Name, von Oktober 2017 bis Februar 2020 im Isabel Bader Centre For The Performing Arts in Kingston, ihrer Wahlheimat, in Ontario, Kanada gegeben hat. Ihre Songs transportieren Einflüsse von Soul und Motown Classic, aber auch von Gospel und Blues, teils mit jazzigen Zutaten gewürzt, wobei die Soul- und Blueselemente überwiegen.

Unterstützung hat die Kanadierin dabei auf ihren Konzerten von zahlreichen Sessionmusikern u. a. mit Kontrabass, Orgel, Klavier, Saxophon und Background Vocals erhalten. Sie selbst singt natürlich die Leadvocals, spielt aber auch E-Gitarre, Akustikgitarre und Piano.

Insgesamt haben es aus ihren Konzerten fünfzehn Songs auf ihre Live-CD geschafft. Über die Hälfte davon sind Eigenkompositionen, aber auch Adaptionen vom Bill Withers („Who Is He“), Wayne Thompson („The Letter“), Bert Russell („Cry To Me“) und Per Gessle („It Must Have Been Love“) sind dabei.

Der Longplayer startet gospelig-fröhlich mit dem Piano getragenen „Sometimes It‘s Better To Lose“ und gibt einen ersten Vorgeschmack auf die stimmlichen Qualitäten der Protagonistin. Soulige Anleihen bieten das modern arrangierte Bill Withers-Midtempo-Stück „Who Is He“, der Bert Russell-Klassiker „Cry To Me“ (mit leichtem Gospel-Feeling, erzeugt von wunderschönen Background vocals).

Fast alle anderen Songs lassen sich unter dem Oberbegriff „Blues“ zusammenfassen. Dort stechen besonders die Titel „Three Words“ und „Long Time Running“ hervor. Im ersteren Song wird Miss Emily lediglich, genau wie auf „Dear CBC“, durch ein Piano begleitet und in dem anderen Titel singt sie fast a-capella, da hier nur eine sehr, sehr dezent gespielte Gitarre als Untermalung zu hören ist. Und auch „Blue Is Still Blue“ ist mit einem vorsichtigen Schlagzeug im Hintergrund sehr minimalistisch instrumentiert.

All das bringt natürlich Miss Emilys warme Stimme in all ihren Facetten hervorragend zu Geltung und die aus der Feder von Per Gessle stammende Ballade „It Must Have Been Love“, mit der bereits Roxette 1987 einen Hit landen konnte, wird von ihr zart und gefühlvoll interpretiert. Ebenso einfühlsam schmeichelt sie sich mit „My Friend“ und „Beautiful You“ in unsere Ohren ein.

Einen dezent jazzigen Anstrich weisen „The Sellout“ (mit schönem Background-Chor) und das abwechselnd ergeben und trotzig wirkende „No“ auf.
Gut tanzbare Songs muss man auf diesem Album allerdings schon fast suchen. Lediglich „Land Of Greed“ und natürlich der Box Tops-Klassiker „The Letter“, hier in einem frischen, rockigen Gewand mit jazzigem Gebläse, zählen dazu.

Abschließend präsentiert Miss Emily dann noch eine weitere Eigenkompositionen namens „Hold Back The River“, dem ein rhythmisches Klatschen zu Grunde liegt und das stellenweise an Peggie Lee’s „Fever“ aus den 60’er Jahren erinnert.

In der jetzigen Zeit, in der wir uns gezwungenermaßen mehr zuhause aufhalten und dort die längeren Abende genießen müssen, bietet die Scheibe ausreichend Stoff, um zu relaxen und zu entspannen.

Miss Emily hat eine umwerfende Alt-Stimme, die sie in einigen Songs zusätzlich mit einem schönen Timbre würzt. Nicht umsonst wurde sie noch zu Beginn des Jahres bei den Maple Blues Awards in Toronto als beste Sängerin des Jahres 2019 ausgezeichnet.

Eigenproduktion (2020)
Stil: Blues, Soul

Tracks:
01. Sometimes It‘s Better To Lose
02. Land Of Greed
03. Who Is He
04. Three Words
05. The Letter
06. Blue Is Still Blue
07. Dear CBC
08. The Sellout
09. Long Time Running
10. Cry To Me
11. My Friend
12. No
13. It Must Have Been Love
14. Beautiful You
15. Hold Back The River

Miss Emily
Miss Emily bei Facebook

Billy Walton Band – Dark Hour – CD-Review

Billy Walton Band - Dark Hour_300

Review: Jörg Schneider

Nachdem ich die Billy Walton Band im November letzten Jahres bei uns in Krefeld in der Kulturrampe live genießen konnte, war ich natürlich sehr gespannt auf die neue Scheibe, die jetzt seit kurzem in den Läden ist. Da die Band aus New Jersey stammt, war es natürlich naheliegend, dass sie die CD in den dortigen Cambridge Sound Studios eingespielt hat. Dabei zur Seite gestanden ist der für einen Grammy nominierte Soundtechniker Jim Salamone.

Herausgekommen ist dabei, wie nicht anders zu erwarten, ein musikalisch abwechslungsreiches und tontechnisch hervorragendes Album mit insgesamt zwölf Tracks, auf denen Billy Walton Gitarre spielt und singt, William Paris den Bass zupft und ebenfalls Gesangseinlagen beisteuert.

Tom Petraccaro am Saxophon und Bruce Krywinski jr. an der Trompete bilden die Bläsersektion, während Eric Safka an der Hammondorgel für die nötige Untermalung sorgt und Francis Valentino an den Drums den richtigen Drive liefert. Hinzugesellen sich noch ein paar weitere Studiomusiker/innen u. a. für Gesang und Tambourine.

„Dark Hour“ ist der Nachfoger von „Soul Of A Man“ aus 2017, welches allerdings wesentlich souliger geprägt ist. Auf dem neuen Werk geht es deutlich rockiger und härter zu, ohne aber auf soulig-funkige und bluesige Einflüsse zu verzichten, was die Scheibe insgesamt sehr abwechslungsreich macht.

Als Einstieg dient die kräftige Rocknummer „Think Of Me“ mit quäkendem Wah-Wah Gitarrensound und einem hardrockigem Intro, gefolgt von einem nicht weniger fetzigen Track namens „Long Slow Descent“ mit tollen Syntheziser-Sequenzen, die entfernt an die Rockmusik der frühen 70‘er Jahre à la Uriah Heep erinnern. Entspannend und den Ohren schmeichelnd gönnt das melodiöse und funkig-soulige „Can‘t Love No One“, welches genau wie „You Don‘t Need Me“ im Vorfeld bereits als Single ausgekoppelt wurde, dem Zuhörer dann eine kleine Verschnaufpause.

„You Don‘t Need Me“ ist begleitend zu Waltons Gesang, relativ sparsam instrumentiert, immer wieder unterbrochen von brachialen, gewitterähnlichen Basseinlagen, aber mit einem ruhigen, versöhnlichen Ausgang. Ein sehr starker Song, der sich von den übrigen Stücken des Album abhebt.

Mit „Long Way Down“ spielen Billy Walton und seine Jungs einen schönen, souligen Slowblues, der mit gefälligen Bläsern beginnt und im weiteren Verlauf auch ein wenig Southern-Atmosphäre versprüht.

Bei „Confusion“ hingegen ist der Titel Programm, der Midtempo-Song startet tatsächlich etwas experimentell-konfus, geht dann aber wieder ins Soulige über, woran nicht zuletzt die Bläsersektion einen großen Anteil hat.

In dem atemlos wirkenden „Goldmine“ gibt Francis Valentino mit seinen treibenden Drums die Schlagzahl vor, die von Waltons Gitarrenriffs im Stil der 70’er Jahre aufgegriffen wird. Ein bisschen ruhiger mit dezenten Bläsern und gospeligen Background Vocals kommt dann „Free World“ daher und auch das klassische „Funky Fever“ macht seinem Namen alle Ehre.

Die folgenden zwei Titel sind Cover-Songs. Das ist zum Einen „Cold Day In Hell“ (ursprünglich von Gary Moore geschrieben) und zum Anderen „Cortez The Killer“ (Neil Young). Während ersteres ein flotter Soul-Track mit unauffällig im Hintergrund agierenden Bläsern ist, wirkt der langsame, balladeske „Killer Song“ eher düster.

„People Talking“ geht fast als Instrumentalstück durch. Erst bei genauerem Zuhören stellt man fest, dass Billy Walton auch singt. Wobei sein Gesang wirklich mit der Musik verschmilzt und so ein diffuser Eindruck von Gesprächen entsteht, „People Talking“ eben.

„Dark Hour“ ist unter dem Strich ein interessantes und hörenswertes Album, auf dem Billy Walton seine vielfältigen musikalischen Fähigkeiten als Gitarrist und Sänger unter Beweis stellt, auch, oder gerade weil sich die CD doch sehr von den Vorgängern unterscheidet.

Und letztendlich konnte sich Billy Walton auf seine hervorragende Band verlassen. William Paris, Tom Petraccaro, Bruce Krywinski, Eric Safka und Francis Valentino unterstützen ihn perfekt aufeinander abgestimmt, Chapeau meine Herren!

Harmonized Records/Bertus (2020)
Stil: Soul, Blues, Rock

Tracks:
01. Think Of Me
02. Long Slow Descent
03. Can‘t Love No One
04. You Don‘t Need Me
05. Long Way Down
06. Confusion
07. Goldmine
08. Free World
09. Funky Fever
10. Cold Day In Hell
11. Cortez The Killer
12. People Talking

Billy Walton Band
Billy Walton Band bei Facebook
Bertus Musikvertrieb GmbH