The Boneshakers – One Foot In The Groove – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Bereits 1997 veröffentlichten „The Boneshakers ihr erstes Funk-Blues Album „Book Of Spells“. Nun, 25 Jahre später, erinnern sie mit ihrer neuen Scheibe „One Foot In The Groove“ soundmässig an ihr Debut. Zu hören sind die Originalmusiker von 1997: Sergio Gonzales am Schlagzeug, Nathan Brown am Bass, Jon Gilutin an den Keys, The Texacali Horns (Joe Sublett, Mark Pender) sowie Randy Jacobs ehemaliger Bandkollege von Was (Not Was) Sir Harry Bowens, Gesang. Zusätzlich wird die Truppe durch die Sängerin Jenny Langer (Moonshine Society) verstärkt.

Auffallend ist, dass das Album lediglich zwei Eigenkompositionen („Big Legged Man“ und „Powerful Notions“) enthält. Bei den übrigen acht Tracks handelt es sich um Adaptionen, von denen der Stonesklassiker „Let‘s Spend The Night Together“ sicherlich die bekannteste Nummer ist. Allen gemein ist aber, dass ihnen die Knochenschüttler eine neue funkige Seele einhauchen.

Die zehn Songs des Longplayers lassen sich daher ohne wenn und aber in eine Schublade mit der Aufschrift „Funk aus Detroit“ stecken, wobei die Tracks durchaus auch bluesige Elemente („I Am The Blues“, „Ain’t Got The Fever No More“, „I Forgot To Be Your Lover“, „Ice Cream And Cigarettes“) enthalten. Natürlich stehen Jacobs‘ herausragende Fertigkeiten als Funkgitarrist immer im Vordergrund, stets begleitet von klaren und präzisen Bläsersätzen (Saxophon und Trompete) der „Texcali Horns“. Den Gegenpart dazu bildet Jenny Langers kraftvoller Gesang, ohne den das Album sicherlich nur halb so gut wäre.

Allerdings muss der potentielle Hörer der Stilrichtung des Funk schon sehr zugetan sein, wenn ihm die Platte wirklich gefallen soll. Hardcoreblueser und Southernrocker werden an dem Werk wohl eher weniger Gefallen finden, wenngleich es sich musikalisch auf sehr, sehr hohem Niveau bewegt. So sagt Don Fagenson, aka Don Was, von „Was (Not Was)“, dessen Bandmitglied Jacobs in den 80‘er Jahren war, dass „One FootIn The Groove“ das bisher beste Album der „Boneshakers“ sei. Es erscheint am 30. September bei dem Label Take It To The Bridge Records.

Label: Take It To The Bridge Records
Stil: Funk, Soul, Blues

Tracks:
01. Mr. Alice Doesn‘t Live Here Anymore (Bob Dylan/Don Was/David Was)
02. Let‘s Spend The Night Together (Mick Jagger/Keith Richards)
03. I Am The Blues (Julian Burdock)
04. Ain‘t Got The Fever No More (Steven van Zandt)
05. Big Legged Man (Randy Jacobs/Jenny Langer)
06. One Foot In The Groove (Donnie Fritts)
07. I Forgot To Be Your Lover, feat. Bernard Fowler (William Bell/Booker Jones)
08. Ice Cream And Cigarettes (Sophie Baudry)
09. More, More, More (Clarence Reid)
10. Powerful Notions (Randy Jacobs)

The Boneshakers
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Jade MacRae – 04.09.2022 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Nachdem Jade MacRae nur einige Tage zuvor zusammen mit Mahalia Barnes im Krefelder Schlachtgarten aufgetreten war, die nun, für Auftritte mit ihrem Vater Jimmy Barnes, zusammen mit ihrem Mann die Band verlassen hatte, gab es jetzt zum ersten Mal, einen Soloauftritt von ihr mit Band auf der Bühne zu bestaunen. Leider war das Dortmunder Piano nur spärlich besucht, was für den Veranstalter natürlich aus finanzieller Sicht auf Dauer nur schwer zu stemmen ist.

Nun aber zu den positiven Aspekten des Abends. Die mit vielen Vorschusslorbeeren angekündigte, in Neuseeland gebürtige Australierin, konnte diese, von der ersten Minute des Konzertes an, bestätigen. Gestützt durch ihre Band, drückte sie den Songs durch ihre beeindruckende Stimme, ihren Stempel auf. Dabei spielte es keine Rolle, ob es eher in Richtung Soul, Blues, Funk oder Rock ging.

Neben ihrer Stimme gelang es ihr aber auch, durch ihre offene und positive Art, das Dortmunder Publikum direkt zu auf ihre Seite zu ziehen und zu begeistern, das nicht an Applaus, auch für ihre musikalischen Begleiter, sparte. Schön und interessant war, wenn sie etwas zur Entstehung oder den Beweggründen der sehr persönlichen Songs sagte. Bei Ansagen für Songs, die ihrem Vater oder ihrem zweiten Ehemann gewidmet waren, versprühte sie auch ihren charmanten Humor.

Ben Forrester offenbarte mit so manchem Solo, welch ausgezeichneter Gitarrist er ist. In der groovigen ersten Zugabe „Meltdown“ mit Honkytonk-Einschlag brachte er noch einen gewisses Southerenflair herein. Aber auch Aaron Ottignon gab den Tracks an den Keyboards mit einigen Soli seine eigene Note.

Wichtige Grundlage, für den bestens abgemischten und abgestimmten vollen Sound, waren die eher im Hintergrund agierenden Hamish Stuart an den Drums und Bassist Mike Haselwood, die sich aber in einem Solo zumindest sporadisch profilieren konnten.

Zum Ende des Konzertes dankte Jade noch einmal den Anwesenden für die gute Stimmung und auch dem Piano, dass sie in dieser schönen Location auftreten durfte und gerne wiederkommt. Dass sie dabei die Zuschauer bat, dass dann jeder bitte zumindest einen Freund mitbringt, wird mit Sicherheit auch dem Piano gefallen.

Direkt nach dem Ende nahmen sich insbesondere Jade MacRae und Ben Forrester alle Zeit am Merchandisingstand, um diesen beeindruckenden Konzertabend rund ausklingen zu lassen.

Line-up:
Jade MacRae (lead vocals, bgv, percussion)
Ben Forrester (electric guitar)
Aron Ottignon (keys, bgv)
Mike Haselwood (bass, bgv)
Hamish Stuart (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Jade MacRae
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EBF Music
Musiktheater Piano Dortmund
3dog-Entertainment

Charley Crockett – The Man From Waco – CD-Review

Review: Michael Segets

Seit 2015 bringt Charley Crockett quasi jährlich ein neues Album mit Eigenkompositionen heraus und findet daneben noch Zeit, unter seinem alter ego „Lil‘ G. L.“ Coverprojekte umzusetzen. Auf seinem nunmehr elften Longplayer „The Man From Waco“ gewinnt Crockett seinem Sound eine neue Dimension ab. Er revolutioniert zwar nicht seinen Stil, aber die Scheibe klingt deutlich erdiger als die vorherigen. Crockett fährt Twang und Honky Tonk zurück und auch Slide und Steel Pedal kommen merklich reduzierter zum Einsatz. Dennoch bleibt unverkennbar, auf wessen Konto „The Man From Waco“ geht, wofür Crocketts außergewöhnlicher Gesang Garant ist.

Crockett, der seine Musik als Gulf And Western bezeichnet, orientiert sich diesmal weniger am klassischen Country, auch wenn einzelne Stücke wie „Name On A Billboard” an diesen anknüpfen. Zwar schöpft Crockett gelegentlich aus den Vollen, was Twang und Slide betrifft („Just Like Honey”), doch die Country-Nummern „Cowboy Candy“, „All The Way From Atlanta“ und „July Jackson“ sind wesentlich geerdeter. Besonders gelungen ist „Black Sedan“, dem Crockett, begleitet von Klavier, Percussion und Gitarren unterschiedlicher Klangfarben, eine interessante Soundvariation abgewinnt.

Die Stücke bewegen sich wie sonst auch zumeist im unteren bis mittleren Tempobereich, unterscheiden sich aber deutlich voneinander. Das semi-akustisch gehaltene „Time Of The Cottonwood Trees” sowie das etwas voller begleitete „Odessa” sind zwei ruhige, jedoch starke Songs. Besonders atmosphärisch ist „Horse Thief Mesa” durch die Background-Vocals. Schön staubig wirkt der Titeltrack, der mit seinen Trompeten in das Grenzgebiet zu Mexiko versetzt, so wie auch die Landschaft auf dem Albumcover nahelegt. Musik und Story könnten einem Westernfilm entstammen. Auf der Neueinspielung von „Trinity River“, das bereits auf „Stolen Jewel“ (2015) zu finden ist, und der Single „I’m Just A Clown” unterstützen die Bläser den Soul, den Crockett in die beiden Stücke legt.

Die gesamte Band spielte die Tracks quasi live im Studio mit nur wenigen Overdubs ein. Crockett entschied sich dazu, sie nicht weiter zu mastern – im Rückblick ein weiser Entschluss, der auch von dem Produzenten Bruce Robison getragen wurde. Stellten sich bei der hohen Veröffentlichungsdichte und den doch häufig ähnlichen Arrangements in letzter Zeit leichte Ermüdungserscheinungen ein, entwickelt das neue Werk einen rauen Charme, der sich von den vorherigen abhebt. Die Songs wurden zum Teil von Crockett alleine geschrieben, zum Teil in Kollaboration mit anderen Musikern. Einzelne Einschübe bei „Tom Turkey” sind Bob Dylans „Billy 4” von dem Soundtrack „Pat Garrett & Billy The Kid” entnommen.

Charley Crockett präsentiert seine Eigenkompositionen in einem ungewohnt ungeschliffenen und erdigen Arrangement. Der modifizierte Sound bringt die Qualität der Songs unverstellt zur Geltung, sodass „The Man From Waco“ um Längen abwechslungsreicher erscheint als Crocketts letzte Longplayer. Das neue Album stellt eine Zäsur in seiner beachtlichen Veröffentlichungsliste dar, daher darf man auf das nächste Werk gespannt sein, das sicherlich nicht lange auf sich warten lässt. Vielleicht bietet sich vorher die Gelegenheit, Crockett live zu sehen. Bislang sind zwei Konzerte im November mit den Spielorten Köln und Berlin angekündigt.

Son Of Davy – Thirty Tigers (2022)
Stil: Country, Soul

Tracks:
01. The Man From Waco Theme
02. Cowboy Candy
03. Time Of The Cottonwood Trees
04. Just Like Honey
05. I’m Just A Clown
06. Black Sedan
07. The Man From Waco
08. Trinity River
09. Tom Turkey
10. Odessa
11. All The Way From Atlanta
12. Horse Thief Mesa
13. July Jackson
14. The Man From Waco Theme
15. Name On A Billboard

Charley Crockett
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Jade MacRae & Mahalia Barnes – Support: Bywater Call – 26.08.2022 – Schlachtgarten Krefeld – Konzertbericht

Für das Konzert der beiden stimmgewaltigen Australierinnen Jade MacRae und Mahalia Barnes (Tochter von Jimmy Barnes) zeigte sich der Schlachtgarten in Krefeld von seiner besten Seite. Wo sich bei unserem letzten Besuch noch feinsteiniger Untergrund als Zuschauerfläche im Biergarten befand, war jetzt eine schöne Holzterrasse samt eines Gestells mit einer ausfahrbaren Dachkonstruktion darauf, sodass man für etwaige Regenfälle blitzschnell gewappnet ist.

Wir hatten die beiden Protagonistinnen zuvor bisher einige Male in Köln, bzw. in Düsseldorf ’nur‘ als Backgroundsängerinnen bei Joe Bonamassa erlebt (wo man ihr vokales Potential natürlich schon erkennen konnte), jetzt bot sich aber die Gelegenheit, sie auch mal hautnah an der Front begutachten zu können.

Ein großer Beweis der Hochachtung vor den Damen war, dass der Autor dieser Zeilen, einen der wichtigsten, an diesem Abend parallel stattfindenden, gesamtdeutschen Fußballklassiker zwischen Rot-Weiss Essen und dem FC Erzgebirge Aue, dafür sausen ließ.

Als Opener traten aber zunächst Bywater Call auf, die schon vor wenigen Monaten mit einem Gig in der benachbarten Kulturrampe vorstellig gewesen waren und sich diesmal mit einer reduzierten Spielzeit von gut einer Stunde präsentieren konnten.

Diese erledigten sie mit Stücken wie u. a. „Bring it Back / Ties That Bind“, dem Stephen Stills-Cover „Love The One You’re With“, „Lover Down Slow“, „Forgiveness“ in bekannter Weise mit charismatischem Gesang ihrer Fronterin Meghan Parnell und diversen jammingen Passagen, die mit viel Slide von Gitarrist Dave Barnes und den beiden Bläsern Stephen Dyte und Julian Nalli in der Tradition von Acts wie der Tedeschi Trucks Band oder den Allman Brothers zum Besten gegeben wurden. Eine gelungene Einstimmung für den Auftritt der beiden Gesangsröhren MacRae und Barnes.

Recht geben muss ich Markus ‚Pille‘ Peerlings zu seinem Eingangsstatement bei der Ansage, dass eigentlich 500.000 Leute (statt tatsächlich um die 150) bei so einem Event teilhaben müssten und alle, die nicht aus wirklich vertretbaren Gründen anwesend wären, einfach nur doof sind. Ein paar der üblichen Quasselköppe waren natürlich auch wieder mal dabei, die solch eine tolle Performance in den ruhigen Momenten, leider nicht zu schätzen wussten.

Ansonsten passte aber alles. MacRae und Barnes samt ihrer starken Begleitband machten von der ersten Sekunde des Openers „Nobody But You“ an klar, dass es im folgenden Verlauf heiß zur Sache gehen würde. Beide teilten sich die Leadvocals im Groben und Ganzen recht schwesterlich, wobei Jade aufgrund ihrer etwas temperamentvolleren und emotionaleren Art, gefühlt etwas die Oberhand inne hatte.

Beide boten dann im weiteren Verlauf das ganz große Einmaleins der Gesangeskunst, sei es im Lead-, aber auch in den Harmoniegesängen. Da gibt es im Blues-, Soul- oder Funkbereich wohl kaum was Besseres am Mikro zu bieten. Die Hintergrundsektion mit Hamish Stuart und Mike Haselwood agierte routiniert, das andere Duo ‚Ben & Ben‘ alias Ben Rodgers an der Stratocaster und Ben Forrester an der Gibson ES, der uns auch vor geraumer Zeit mit der Allen- Forrester Band in der Rampe bereits sehr positiv aufgefallen ist, lieferte immer wieder punktuell filigrane E-Soli ab.

Schöne Akzente setzte auch Keyboarder Aron Ottignon, der sehr variabel agierte (E- und HT-Piano, Organ) und mit seinen Synthie-Einlagen im Stile von Steve Winwood, sporadisch die 80er Jahre dezent aufleben ließ.

Ausrufezeichen habe ich bei meinen Notizen an Songs wie „No Matter What I Do“, „How Can We Live“ oder dem Joe South-Evergreen „Games People Play“ gemacht, nett war die Geste, Bywater Call-Sängerin Meghan Parnell zum letzten Track des Hauptteils, dem gelungenen CCR-Cover „Proud Mary“, quasi als Junior-Partner, mit auf die Bühne zu holen.

Den Höhepunkt erreichte der Gig dann allerdings mit den beiden Zugaben der herrlichen Ballade „Handle With Care“ (gesungen von Jade) und dem E-Piano unterlegten Schunkler „Meltdown“ (im Parallel-Duett-Gesang beider), wo noch mal so richtig ’shaky‘ gegroovt wurde. Ein Hammerabschluss.

Unser Dank gilt Menschen wie Eva Forrester von EBF Music, Kolja Amend vom Schlachtgarten und Markus ‚Pille‘ Peerlings von der Kulturrampe, die mit ihrem unbändigen Einsatz und Optimismus es immer wieder schaffen, musikbegeisterten Leuten, diese wunderbaren Momente zu ermöglichen. 

Line-up Bywater Call:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar, bgv)
John Kervin (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Line-up Jade MacRae & Mahalia Barnes:
Jade MacRae (lead vocals, bgv, percussion)
Mahalia Barnes (lead vocals, bgv, percussion)
Ben Forrester (electric guitar)
Ben Rodgers (electric guitar, bgv)
Aron Ottignon (keys, bgv)
Mike Haselwood (bass, bgv)
Hamish Stuart (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Jade MacRae
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Bywater Call
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EBF Music
Teenage Head Music
Schlachtgarten Krefeld
Kulturrampe Krefeld

Blues Caravan – 20.04.2022, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Ähnlich wechselhaft wie in diesen Zeiten ging es scheinbar auch beim diesjährigen Blues Caravan 2022 zu. Zunächst war mit Eddie 9V, Ghalia Volt und Katie Henry geplant, dann sollte es Ryan Parry an der Gitarre richten, was dann allerdings von Will Jacobs erledigt wurde. 

An diesem Abend im schönen Dortmunder Piano wurde Ghalia Volt durch den Wirbelwind Whitney Shay ersetzt, die ja schon 2020 ihre Visitenkarte abgegeben hatte. Die nicht nur musikalisch kraftvolle Rhythmusfraktion bestand dann etatmäßig aus Ex-Rozedale-Drummer Denis Palatin und Tomek German. Denis hatte die Bühne mit seinen eigens für den Blues Caravan künstlerisch hergestellten Windfängern optisch aufgewertet. Er kann also nicht nur auf Felle und Becken trommeln.

Pünktlich um 20:00 Uhr sagte Mastermind und Labelinhaber Thomas Ruf seine ‚Schäfchen‘ an und es wurde mit dem obligatorisch kreierten Titelsong zur Reihe „Hop On A Ride“ dynamisch im Voll-Line-up mit wechselnden Leadgesangsparts der einzelnen Protagonisten losgelegt. 

Feststellen konnte man im für einen Mittwoch-Abend ordentlich gefüllten Piano, dass die Musiker (Palatin mal ausgenommen), deutlich jünger waren, als die, wie so oft in der Blues-Szene, in die Jahre gekommene Kundschaft (ich schließe mich da natürlich mit ein…).  Aber schön, dass zumindest auf der Künstlerseite der Nachwuchs nicht abzubrechen scheint.

Nach dem launigen Auftakt durfte dann zunächst Will Jacobs sein Können offenbaren. Er präsentierte sich bei Songs wie u. a. „One Day At A Time“, „Have You Ever Loved A Woman“ (klasse hier sein phasenweise ohne Mikro performter Gesang), „Funky Woman“ oder „Got Your Mojo Working“ als guter Sänger und mit seinem Spiel auf Stratocaster und Gibson Les Paul als quirlger und variabler E-Gitarrist. Er beherrscht die Bandbreite von Blues, Soul, Rock bis dezent hin zum Country souverän. Eine starke Vorstellung von ihm.

Er blieb dann auf der Bühne, um die zierliche Katie Henry zu supporten, die dann ihre Stärken am E-Piano, aber auch an der Telecaster-E-Gitarre in Roots-Manier einbrachte. In Ihrem Programm hatte die sympathische Amerikanerin natürlich überwiegend Tracks wie „Nothing To Lose“, „Empty Cup“, „On My Way“ oder „Bury Me“ aus dem vom Kollegen Schneider zurecht hochgelobten aktuellen Album „On My Way“ am Start. Von der jungen Dame ist noch einiges in Zukunft zu erwarten. Klasse Mädel!

Folgerichtig bestritt dann die temperamentvolle Whitney Shay den Abschlusspart der Solovorstellungen. Die umtriebige rothaarige Kalifornierin verwandelte dann die Bühne des Pianos mit Tracks wie „Love’s Creeping Up On You“ „Getting In My Way“, „Boy, Sit Down“, „A Woman Rules The World“, „Stand Up!“ und „Get Down With It“ in eine Rhythm and Blues- und Soul-Arena. Eine ansteckende Performance voller Energie!

Am Ende schloss sich mit der Rückkehr von Katie Henry dann wieder der Kreis und mit u. a. „Voodoo Woman“ und dem CCR-Klassiker „Fortunate Son“ sowie zweier Zugaben („You Got To Move“) gab es einen schönen Ausklang mit allen Beteiligten.

Während der Pause und nach dem Gig standen die Akteure dann mit Thomas Ruf den Besuchern zur Verfügung und wir konnten auch noch unsere Bilder für die VIP-Galerie schießen. Eine weitere überzeugende Ausgabe des Blues Caravan-Konzepts. Weiter so Thomas Ruf & Co.!

Line-up:
Will Jacobs (lead vocals, electric guitar, vocals)
Katie Henry (lead vocals, electric guitar, Keys, vocals)
Whitney Shay (lead vocals, percussion, vocals)
Tomek Germann (bass)
Denis Palatin (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Will Jacobs
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Katie Henry
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Whitney Shay
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Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Sugaray Rayford – In Too Deep – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich den schwarzen Sänger Caron Nimoy „Sugaray“ Rayford aus Texas, dessen musikalische Ursprünge in der Gospel- und Soulmusik liegen, bisher noch nicht auf dem Radar hatte, obwohl er bereits fünf Alben veröffentlicht hat und dreifacher Blues Music Award-Gewinner ist. Sein letztes Album „Somebody Save Me“ wurde sogar für einen Grammy Award in der Kategorie „Bestes zeitgenössisches Blues Album“ nominiert.

Mit „In Too Deep“ kommt nun am 4. März sein neuestes Werk in die Läden. Es enthält 10 tolle Songs, alle geprägt von großartigen Soulmelodien, versetzt mit funkigen Akzenten (so z. B. die beiden ersten Songs des Albums „Invisible Soldier“ und „In Too Deep“) und einer gehörigen Portion Bluesfeeling („No Limit To My Love“ und „Golden Lady Of The Canyon“).

In „ Gonna Lift You Up“, einem fröhlich-flotten Tanzflächenkracher, blitzt dann auch noch etwas Rayfords Gospel-Prägung auf. Einzig und allein fällt „Please Take My Hand“ ein wenig aus dem Rahmen. Rhythmisches Klatschen und eine Basstrommel, sowie eine hier und da eingestreute Triangel begleiten Rayfords Sprechgesang. Mit „United We Stand“ endet die Scheibe schließlich so wie sie begonnen hat: äußerst schmissig und funky.

Die zündende Musik des Albums ist flott arrangiert und wirkt frisch und lebendig, was sicherlich zu einem großen Teil auch daran liegt, dass alle beteiligten Musiker, und das sind mit 14 Sängern, Sängerinnen und Instrumentalisten nicht gerade wenige, ihr Handwerk aufs Beste verstehen. Und natürlich muss auch die prägnante und einprägsame Stimme des Chefs erwähnt werden.

Trotz der teilweise nicht unbedingt einfachen Songthemen (posttraumatische Belastungsstörungen, Bürgerrechte, soziale Gerechtigkeit) bietet die Scheibe von Anfang bis Ende totalen Hörgenuss und verleitet dazu, das Tanzbein nachhaltig zu schwingen. Spaß und gute Laune sind also garantiert, nicht nur für Anhänger des Soul. Ich werde jedenfalls künftig versuchen, den mir bis dato unbekannten Texaner nicht aus den Augen zu verlieren.

Label: Forty Below Records
Stil: Soul, Blues

Tracks:
01. Invisible Soldier
02. In Too Deep
03. No Limit To My Love
04. Under The Crescent Moon
05. Miss Information
06. Please Take My Hand
07. One
08. Gonna Lift You Up
09. Golden Lady Of The Canyon
10. United We Stand

Sugaray Rayford
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Eric Krasno – Always – CD-Review

Ich bin ja ein ausgesprochener Fan von Musik, bei der man gemütlich auf der Couch im heimischen Wohnzimmer relaxen kann. Die neue Scheibe „Always“ vom zweifachen Grammy-Gewinner Eric Krasno ist so ein typischer Fall. Der hat sich für seinen vierten Longplayer, wo er neun der insgesamt zehn Tracks selbst oder mithilfe von einigen Co-Writern kreiert hat, mit dem Multiinstrumentalisten Otis McDonald zusammengetan.

Beide haben gemeinsam produziert und auch die meisten Instrumente bedient: Krasno das Mikro und den saitentechnischen Part, McDonald Drums, alles, was Tasten hat und Harmoniegesänge. Bei einzelnen Songs kommt dann immer mal punktuelle Verstärkung dazu (Bläser, weibliche und männliche BGVs).

Der Hörer bekommt einen überwiegend entspannt verlaufenden souligen Blues geboten, wobei Krasnos E-Gitarrenkünste und -Soli die Palette großer Blueskoryphäen wie Peter Green, Eric Clapton & Ben Poole oder Laurence Jones als Vertreter der jüngeren Generation (bei deren souligeren Stücken), aber auch von Leuten wie David Gilmour, Walter Becker oder Artisten, die im southern-souligen Bereich aktiv sind, abdeckt. Letzteres ist vermutlich ein Resultat seiner Zusammenarbeit mit Acts wie der Tedeschi Trucks Band und der Marcus King Band.

Gerade Krasnos Stimme, die aus meiner Sicht irgendwo zwischen Sting und Steve Winwood zu verorten ist, passt hervorragend zu dem dem lässigen Konvolut aus Soul, Pop, Rock und Blues. Beeindruckend ist vor allem die Umsetzung von Bob Dylans „The Man In Me“ von einem 70er-geprägten, sperrigen Folksong zu einer warmen Southern Soul-Nummer. Kaum wiederzuerkennen. Insgesamt ist Eric auf einer ähnlichen musikalischen Schiene unterwegs, wie zur Zeit der ihm vom Typ her ähnelnde Doyle Bramhall II.

Ein wenig aus dem Rahmen fällt das abschließende „Always With You“ mit seinem spirituell-esoterischen Touch, bei dem Victoria Canal ihre Stimme mit einhaucht. Ein guter Song zum Runterkommen, könnte glatt zu einem Hit in den Yoga-Charts avancieren.

Nicht passieren sollte es bei einem namhaften Label wie Provogue Records und einem Künstler von Krasnos Kaliber, dass zwei Songs in der Covergestaltung durchgehend in der falschen Reihenfolge benannt werden: „Where I Belong“ kommt als 6. Lied, „Leave Me Alone“ als siebter Track und nicht umgekehrt. Hier wurde scheinbar beim Korrekturleser gespart.

Apropos Coverartwork: Was die nackte, braungebrannte und scheinbar schwangere Schönheit unter sonniger Palmenkulisse im Zusammenhang mit dem CD-Titel „Always“ symbolisiert, darüber kann nur spekuliert werden. Vielleicht eine Kausalität zwischen einer Wohlfühlatmosphäre und einem andauernden Drang zur Fortpflanzung, oder ‚immer lockt das Weib‘? Echt – keine Ahnung, der Hobbypsychologe macht jetzt erstmal ein Nickerchen auf der dem Sofa…

Label: Provogue Records
Stil: Blues, Soul

Tracks:
01. Silence
02. So Cold
03. Lost Myself
04. The Man In Me
05. Always Together
06. Leave Me Alone
07. Where I Belong
08. Good Thing
09. Hold Tight
10. Always With You (feat. Victoria Canal)

Eric Krasno
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Keb‘ Mo‘ – Good To Be… – CD-Review

Keb‘ Mo‘ oder Kevin Moore, wie er bürgerlich eigentlich heißt, hatte mit seinem starken Vorgängerwerk „Oklahoma“ direkt mein Herz gewonnen. Da ich ja primär nicht in den Blues-Regionen unterwegs bin, hatte ich dabei fast schon ein schlechtes Gewissen, den heute 70-jährigen Musiker, dessen großes Vorbild Robert Johnson ist,  angesichts seiner erbrachten Leistungen und Honorierungen, bis dato nicht auf dem Schirm gehabt zu haben.

Mit seinem neuen Werk „Good To Be…“ versucht er seine nun 11 Jahre währende Lebenszeit in Nashville mit seinen Erlebnissen aus seiner 2.000 Meilen entfernten Heimatstadt Compton in Oklahoma zu verknüpfen (Anlass war der Kauf und die Renovierung des Hauses seiner kürzlich verstorbenen Mutter) und quasi somit eine musikalische Retrospektive zu erstellen, die in den Siebziger Jahren dort begann und in Music City  erfolgreich weiter geführt wurde.

Für die Produktion hat er diesmal Vince Gill (drei Tracks) und Tom Hambridge gewinnen können. Moore lässt dabei Blues, Soul und Country harmonisch mit sympathischen und humorvollen Texten verschmelzen. Kritik am gescheiterten letzten Präsidenten („The President lost, but he don’t want to go“) gibt es im, mit herrlich quäkender Mundharmonika durchzogenen „Medicine Man“.

Starke vokale Gastpräsenzen gibt es von Darius Rucker (bei „Good Strong Woman“) und Kristin Chenoweth, überwiegend ist der countryeske Einfluss von Gill, aber auch der von Eric Clapton bei den bluesigeren Sachen (z. B. bei der Adaption des Bill Withers-Klassikers „Lean On Me“ von 1972) zu spüren. Überragend für mich der Slowblues „Dressed Up In Blue“, der so ein wenig Erinnerungen an  „Still Got The Blues“ von einem anderen Moore, namens Gary, aufkommen lässt, aber auch so freudige Countryschunkler wie „Good Strong Woman“ oder „’62 Chevy“. 

Wer seine Wurzeln mit einer derart spielerischen und musikalischen Leichtigkeit sowie positiver Energie verarbeitet wie Keb‘ Mo‘, der muss mit seinem Leben einfach im Reinen sein. Es macht Spaß, sich beim Zuhören von „Good To Be…“, gemeinsam mit ihm darüber zu erfreuen. Zudem scheinen Heimatgefühle im Bauch das Kreieren von guten Songs zu beflügeln. Und da wird von Moore auch in den nächsten Jahren sicherlich noch so einiges kommen.

Rounder Records-Concord/Universal Music (2022)
Stil: Blues & More

Tracks:
01. Good To Be (Home Again)
02. So Easy
03. Sunny And Warm
04. Good Strong Woman
05. Medicine Man
06. Marvelous To Me
07. Lean On Me
08. Like Love
09. Dressed Up In Blue
10. ’62 Chevy
11. Louder
12. So Good To Me
13. Quiet Moments

Keb‘ Mo‘
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Oktober Promotion

Big Llou Johnson – Bigman – CD-Review

Review: Jörg Schneider

„Bigman“ ist das lang erwartete zweite Album von Big Llou Johnson, einem Multitalent des Showbiz. In den Staaten ist Mr. Johnson nicht nur als Singer/Songwriter, sondern auch als Schauspieler, Sprecher, Produzent und Event-Gastgeber erfolgreich. Sein Markenzeichen ist sicherlich seine warme und sonore, an Barry White erinnernde Stimme, zu der Frauenherzen wahrscheinlich reihenweise dahinschmelzen dürften.

Bereits sein erstes Album „They Call Me Big Llou“ wurde mit einem Blues Music Award belohnt und auch sein neuestes Werk „Bigman“ dürfte wohl ähnlich erfolgreich werden. Obwohl es, genau betrachtet gar kein reines Bluesalbum ist. Es enthält zwar viele Blueselemente, insbesondere aus dem Chicagoblues (Chicago ist Big Clou Johnsons’ Heimatstadt), ist aber im Wesentlichen eher eine Mischung aus Soul und Swing. Zudem wecken einige der Songs aufgrund ihrer Instrumentierung und Musikalität Erinnerungen an den großen Frank Sinatra.

Es ist viel ‚brass‘ dabei, in fast allen Songs bilden treibende oder auch ruhige, malende Bläsersätze die Grundlage, oftmals kombiniert mit stimmigen Piano- und Keyboardklängen sowie harmonischen Chorsängerinnen, mal im Hintergrund und auch mal gleichberechtigt.

Der Opener „Lightnin’ Strike“ kommt sofort mit druckvollen Bläsern, Gitarren im Chicagostyle und einem schönen Chorrefrain zur Sache, gefolgt von dem zum Tanzen einladenden und an den MoTown-Sound erinnernden „Big Man“. Gute Laune pur! Bluesig wird es sodann, wenn „Chill On Cold“ ertönt. Der Song beginnt mit einem starken Harp-Intro, zu dem sich noch ein schöner Old-School Keyboard-Soundteppich gesellt. Mit „Let’s Misbehave“ geht es ziemlich moody weiter. Die Piano- und Saxophoneinlagen verleihen dem Stück einen typischen Barsound im Stil von Frank Sinatra. Auch „Chucky Ducky“ stößt in die gleiche Richtung, allerdings mit einigen Gitarrenriffs etwas flotter arrangiert.

Ganz anders der leicht countrymäßig angehauchte Blues „Sunshine On Yo Face“. Hier spielt Big LLou Akustikgitarre im Fingerpickingstil, unterstützt von der Violinistin Anne Harris. Bei „Stuff To Do“ möchte man sich dann nicht mehr ausruhen, der Track geht als beschwingter Boogie, in dem sich Mr. Johnson einen gesanglichen Dialog mit seinem Chor liefert, wieder voll in die Beine. So strapaziert kehrt alsdann mit dem melodischen Slowblues „I Got The Fever“ mit vorherrschendem Piano und Bläsern wieder mehr Ruhe ein, die sich in „Never Got Over Me“, einem verzweifelt klingenden Blues mit Violinenklängen fortsetzt. Schließlich endet die Scheibe, mit viel Bläsern angereichert in dem Midtempo-Chicagoblues „Beezthatwaysometimes“.

Das Album ist also sehr abwechslungsreich und vereint viele Musikstile, weshalb es, wie bereits gesagt, nicht als reines Bluesalbum durchgehen kann. Aber es übt eine starke Faszination aus, nicht zuletzt wegen Big Llou Johnsons’ sonorer Basstimme, die sehr schön mit den Stimmlagen der weiblichen Chorsängerinnen kontrastiert. Für Soul- und Swingfans ist das Album sicherlich ein „Must-Have“, und für Anhänger der reinen Bluesmusik ist es wahrscheinlich zumindest sehr interessant.

Label: GoldenVoice Audio Recordings / Musicale LTD
Stil: Blues, Soul

Tracks:
01. Lightnin’ Strike
02. Big Man
03. Chill On Cold
04. Let’s Misbehave
05. Chucky Ducky
06. Sunshine On Yo Face (feat. Anne Harris)
07. Stuff To Do
08. I Got The Fever
09. Never Get Over Me
10. Beezthatwaysometimes

Big Llou Johnson
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Samantha Martin & Delta Sugar, 05.11.2021, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Was für ein Abend mit Samantha Martin & Delta Sugar in der erstmals seit langem wieder ausverkauften Kulturrampe. Ok, ganz so viele Konzertgelegenheiten hat es seit dem Corna-bedingten Lockdown in der Krefelder Location ja auch noch nicht gegeben. Aber immerhin fand auch parallel zur gleichen Zeit ein Mega-Sport-Event im naheliegenden Mönchengladbach statt (Borussia Mönchengladbach Ü23 – Rot-Weiss Essen 1:2). Wie bekannt, war man ja in den etwas wärmeren Zeiten mit Open-Air-Events in den ebenfalls schönen Schlachtgarten ausgewichen.

Apropos schön, in dieser Phase haben Leute um Pille Peerlings herum, mit viel Engagement der Rampe ein neues Antlitz verpasst, das ich an diesem Abend zum ersten Mal in Augenschein nehmen durfte. Der Outdoor-Bereich wurde relativ unscheinbar aufgewertet, im Großen und Ganzen so belassen, er wirkt aber trotzdem deutlich einladender.

Der entscheidende Durchbruch wurde allerdings durch einen Durchbruch der Wand zwischen dem ‚Kneipenbereich‘ und dem Bühnenareal erreicht, der der Location ein deutlich großzügigeres und ‚luftigeres‘ Ambiente vermittelt. Gemütlichkeit wird durch die vielen schönen Accessoires, die stilvolle Beleuchtung und noch eine rötlich verziegelte Seitenwand vermittelt. Alles in Allem ein echtes Kompliment an die Macher, klasse Arbeit!

Gegen 21:15 Uhr betrat Rampenchef Pille Peerlings wie gewohnt zur Ansage die im bisherigen Format belassene, enge Querbühne und ließ in spitzzüngiger humorvoller Manier seine Begrüßungsworte in Richtung der zahlreich erschienenen Audienz los. Danach folgte dann stante pede die recht klein gewachsene, aber mit umso größerer Stimme gesegnete Kanadierin Samantha Martin und ihr Begleit-Line-up und verwandelte die Rampe in zwei Sets mit ihrer unwiderstehlichen Mischung aus Funk, Soul, Blues, Country und Rock, in einen brodelnden Tanzkessel.

Im Fokus stand natürlich ihr neues Album „The Reckless One“ mit vielen Tracks wie u. a, „Love Is All Around“, „Don’t Have To Be“, So I Always Know“, I’ve Got Afeeling“, „Pass Me By“ und „Lovin You Is Easy“, aber auch Sachen des Vorgängers „Run To Me“ wie „Good Trouble“, „You Are The Love“ oder „All Night Long“.

Mein Favorit des ersten Sets war allerdings das swampig-countryeske, an Lucinda Williams erinnernde „Dark Angel“, wo der wieder mit seinem unaufdringlichen, aber sehr quirligen Begleit- und Hintergrund-E-Gitarrenspiel glänzende Curtis Chaffey ein herrliches Solo in bester Southern Rock-Qualität hinlegte.

Auch der rauschebärtige Keyboarder Jeff Heisholt trug ebenso, wie die satt groovende Rhythmusfraktion mit dem starken Drummer Will Fisher und Bassist Ian MacEwan, mit seiner weitgefächerten Tasten-Arbeit (Orgel, E-Piano, HT-Piano) viel zum prallen Gesamtsound der Kanadier bei. Die beiden Backgroundsängerinnen Sherie Marshall (mit beeindruckender Afro-Mähne) und Aisha Jarvis sorgten allein schon durch ihre Präsenz samt ihrer gospeligen-souligen ‚Uuhs‘ und ‚Aahs‘ für weitere vokale Würze zur Stimmgewalt der bestens aufgelegten und energiegeladenen Fronterin.

Grandiose Stimmung (wie heiß es in der Rampe zuging, kann man auch auf der unten anhängenden schönen Bildergalerie des Kollegen Mangold gut nachvollziehen) erzeugten natürlich besonders die gelungenen Coverversionen wie das fröhlich rockende „Happy“ der Stones in Set 2, aber besonders die beiden Zugabennummern am Anfang mit „Proud Mary“, das mit seinem langsameren Beginn (samt Publikumsmitsinginteraktion) und umso temperamentvollen Umschwung in eine Speedversion, am Ende sofort mal die, durch den Durchbruch verursachte Statikveränderung der Rampe auf eine harte Probe stellte. Das Publikum tanzte, tobte und wollte Nachschlag.

Zum Runterkommen gab es dann noch mit „Sweet Love“ von Lucinda Williams eine echte Perle. Samantha fing zunächst alleine mit der Akustikgitarre singend an, dann gesellten sich peu à peu Gitarrist Chaffey (mit gefühlvollem E-Solo), die beiden Backgroundsängerinnen und letztendlich Keyboarder Jeff Heisholt dazu (die Rhythmusfraktion durfte sich schon das Feierabendbier gönnen) und ließen diesen herrlichen Abend, im Country-Ambiente sanft und dennoch stimmungsvoll ausklingen.

Wie schon vor knapp drei Jahren bei ihrem Gig an gleicher Stelle bewiesen Samantha Martin & Delta Sugar, dass ihre Auftritte immer als Pflichttermin eines rockmusikbegeisterten Konzertgängers im Kalender stehen sollten. Kaum war der Gig vorbei, stand die sympathische und lebensfreudige Protagonistin schon wieder am Merchandising-Stand im gemütlichen Thekenbereich zum Signieren und Smalltalk für ihre Fans zur Verfügung. Mit eines der echten Highlights dieses Jahres!

Line-up:
Samantha Martin (lead vocals, acoustic guitar, percussion)
Curtis Chaffey (electric guitar)
Ian MacEwan (bass)
Will Fisher (drums)
Jeff Heisholt (keys)
Sherie Marshall (bgv, percussion)
Aisha Jarvis (bgv, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Samantha Martin & Delta Sugar
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