Joe Bonamassa – Royal Tea – CD-Review

Joe_300

Review: Jörg Schneider

Joe Bonamassa ist und bleibt ein unermüdliches Arbeitstier mit einem Bekanntheitsgrad wie ihn auch Eric Clapton genießt. Bonamassa und seine Musik zu beschreiben, hieße daher sicherlich Eulen nach Athen tragen. In die fast schon unübersehbare Anzahl an veröffentlichten Alben der letzten zwanzig Jahre reiht sich nun auch sein neuestes Werk „Royal Tea“ ein, für dessen Einspielung Bonamassa den ehemaligen UFO– und Whitesnake-Gitarristen Bernie Marsden sowie Peter Brown (er hat früher für Cream Texte geschrieben) gewinnen konnte.

Als weitere Musiker sind Michael Rhodes am Bass, Reese Wynans an den Keyboards, Anton Fig an den Drums und Jules Holland am Piano dabei. Aufgenommen wurde die CD in den berühmten Londoner Abbey Road Studios, in denen neben den Beatles u. a. auch schon Pink Floyd und Oasis zu Gast waren. Produziert hat den Lonplayer letztendlich wieder Kevin Shirley, der bereits Bands und Musiker wie Aerosmith, Iron Maiden, Beth Hart und Joe Satriani unter seinen Fittichen hatte.

Alle Songs stehen natürlich in der Tradition des englischen Blues Rock. So auch der Opener „When One Door Opens“, der zwar mit einem klassischen Orchestral-Intro beginnt, sich dennoch über ein lyrisches Mittelteil zu einem richtig harten Kracher entwickelt, um anschließend wieder zu einem ruhigen und melodiösen Ende zu finden.

Der folgende Titeltrack „Royal Tea“ stampft hart, aber gemächlich, garniert mit ein paar netten Background Vocals. Ein lupenreiner Slowblues hingegen ist „Why Does It Take So Long To Say Goodbye“, ein Song in dem Bonamassa die Trennung von seiner Lebensgefährtin verarbeitet. Und auch in „A Conversation With Alice“ klingen persönliche Momente des Protagonisten an: er beschäftigt sich hier mit Gesprächen, die er einmal anlässlich einer Krise mit einer Therapeutin geführt hatte. Und das mit offenbar heilsamer Wirkung, denn der Song startet mit einem flotten Gitarrenriff und strahlt auch im weiteren Verlauf eine Stück weit Lebensfreude aus.

Tieftönerliebhaber kommen mit „Lookout Man“ auf ihre Kosten, hier hat Michael Rhodes ausgiebig Gelegenheit, den Song mit einer fetten Basslinie zu untermalen und das Eingangsmotiv von „High Class Girl“ mit Reese Wynans an den Keyboards erinnert ein wenig an den frühen 60’ger Jahre Hit „Green Onions“ von Booker T & The MG’s und zieht sich wiederkehrend durch den gesamten Song.

„I Didn’t Think She Would Do It“ ist ein echter Blues Rock-Kracher mit allem was dazu gehört, ein treibender Rhythmus gepaart mit kraftvollem Gesang und flirrenden, wilden Gitarrensoli vom Meister himself. Dem Titel alle Ehre machend beginnt „Beyond The Silence“ schwermütig-düster und vermittelt das Gefühl eines heraufziehenden Gewitters mit zwischendurch immer wieder aufblitzenden Keyboardblitzen.

Völlig aus dem musikalischen Rahmen der Scheibe fallen die letzten beiden Stücke des Albums. „Lonely Boy“ ist purer Rock’n Roll mit fetzendem Pianogeklimper und satter Gebläseunterstützung. Im Gegensatz dazu steht dann „Savannah“. Melodiös und countrybeeinflusst bildet der Track den wunderschönen Abschluss ein vielseitigen Albums mit facettenreichen Songs.

Unter dem Strich steht „Royal Tea“ ganz in der Tradition des britischen Blues Rock und ist sicher nicht nur für Bonamassa Fans interessant, sondern für jegliche Anhänger rockiger, handgemachter Gitarrenklänge. „Royal Tea” erscheint am 23. Oktober 2020 in verschiedenen Ausführungen. Wahlweise als CD im limitierten Tincase, als Doppel-LP in farbigem Vinyl oder in der „Luxusversion“ als 48 seitiges Artbook mit CD und Doppel-LP. Wie auch immer, die Anschaffung lohnt und wird viel Freude bereiten.

Mascot Label Group (2020)
Stil: Blues-Rock

Tracklist:
01. When One Door Opens
02. Royal Tea
03. Why Does It Take So Long To Say Goodbye
04. Lookout Man
05. High Class Girl
06. A Conversation With Alice
07. I Didn’t Think She Would Do It
08. Beyond The Silence
09. Lonely Boy
10. Savannah

Joe Bonamassa
Joe Bonamassa bei Facebook
Another Dimension

Ana Popovic – 16.10.2020, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

Pop_haupt

‚Los Angeles‘ war für mich das Stichwort der Woche. Zunächst im Rahmen des gerad frischen Reviews zum großartigen Gig der neuformierten Eagles im gigantischen, an drei Tagen ausverkauften FORUM in der zum Los Angeles County zählenden Stadt Inglewood, dann in Bezug auf die mittlerweile in LA lebende Serbin Ana Popovic.

Auch wenn sich die Blondine in den zwanzig Jahren, in denen sie sich jetzt schon im Blues Rock-Business erfolgreich behauptet, durchaus einen weltweiten Namen gemacht hat, dürfte der Weg in eine solche Location weiterhin ambitioniert sein, an diesen Freitag Abend  hieß es für sie im heimischen Schwarzen Adler zu Rheinberg (der natürlich auch weltberühmt ist), Traditionsclubatmosphäre zu ‚atmen‘.

Und das ist in diesen unsäglichen Corona-Zeiten, die besonders die Veranstaltungsbranche samt vieler Künstler an den Rande des Ruins treibt, ja auch schon etwas. Ernst Barten war schon von Beginn an, als einer ihrer besonderen Förderer zu sehen, deshalb kommt sie auch immer wieder gerne in den Vierbaumer Kulttempel. Auch bei den Zuschauern ist sie äußerst beliebt, so war der Saal, trotz der bedingten Einschränkungen, durchaus  gut frequentiert.

Und wie das so ist in diesen Wochen und Monaten der Entbehrungen ist, wurde ihr kurz zuvor, auch noch an anderer Stelle, ein Strich durch die Rechnung gemacht. Weil ihrer geplanten Rhythmusfraktion in New York am Flughafen die Ausreise kurzfristig verweigert wurde, war spontanes Improvisieren angesagt. So gab es an diesem Abend im Schwarzen Adler ein Konzert, dass man vermutlich in dieser Form wohl nicht mehr erleben wird.

Pünktlich um 20:00 Uhr betrat die Protagonistin ’nur‘ mit Keyboarder Michele Papadia im Schlepptau, die demnach übersichtliche Bühne. Die beiden stellten dann ein immerhin, mit 21 Stücken (u. a. mit Tracks wie „Fearless Blues“, „Virtual Ground“, „New Coat Of Pain“, „License To Steal“, Johnnie Ray“, „How’d You Learn To Shake It Like That“) versehenes, durchaus gut unterhaltendes Programm (inklusiv zweier Zugaben) kurzfristig auf die Beine.

Ana, die den kompletten Leadgesang inne hatte, wechselte zwischen Akustik- und ihrer abgewetzten Stratocaster-E-Gitarre hin und her, bediente vom Rhythmusspiel, über viele Soli , sowohl in konventioneller, wie auch slidender Art (in ihrer typischen Schnellspielart), alle erdenklichen Facetten der Saitenkunst. Sie gab sich auch zwischen den Stücken recht kommunikativ und redete sich so auch ein bisschen den zur Zeit spürbaren Frust von der Seele.

Michele Papadia ließ sich natürlich ebenfalls nicht lumpen und reizte vom Organ bis zum E-Piano ebenfalls alle Möglichkeiten (teilweise schöne HT-Einlagen) seiner Doppelkeyboardanlage aus.

Die anwesenden Zuschauer bedachten den engagierten Auftritt mit viel lautem Applaus und verabschiedeten das spielfreudige Duo, das wirklich das Beste aus der Situation rausgeholt hatte, nach den beiden Zugaben „Woman To Love“ und dem furiosen „Can’t You See What You’re Doing To Me“, wo Ana nochmal richtig Gas auf ihrer Strat gab,  zurecht mit stehenden Ovationen.

So blieb am Ende für alle Anwesenden, was die lange Liste der Popovic-Konzerte im Schwarzen Adler betrifft,  immerhin ein denkwürdiger Abend mit Seltenheitswert.

Line-up:
Ana Popovic (lead vocals, acoustic and electric guitar)
Michele Papadia (keys)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ana Popovic
Ana Popovic bei Facebook
Schwarzer Adler

Patrik Jansson Band – IV – CD-Review

PJB_300

Review: Jörg Schneider

Die Patrik Jansson Band ist, 2007 gegründet, eine noch vergleichsweise junge schwedische Combo. 2011 erschien ihr Debutalbum, 2014 folgte das von der Kritik hoch gelobte „Here We Are“ und 2017 erschien „So Far To Go“ mit melodischem Blues und Bluesrock. Und jetzt wiederum drei Jahre später erschien am 02. Oktober das vierte Album der Band, ganz unspektakulär mit „IV“ betitelt. Spätestens seit dem 2018‘er Grolsch Blues Festival dürften die vier Schweden auch hier bei uns in Deutschland zumindest den Blues-Afficinados bekannt sein.

Patrik Jansson, der ursprünglich in jungen Jahren als Schlagzeuger in Jazz- und Bluesbands startete, frönt auf dem neuen Album als Gitarrist und Sänger gemeinsam mit seinen Jungs ausgiebig dem Blues. Seine Kumpanen sind Lars Eriksson an den Keyboards, Thomas Andersson am Bass und Martin Forsstedt hinter der Schießbude.

Allerdings darf man keine Bluesscheibe im klassischen Sinne erwarten. Es ist eher eine moderne Art des Blues, zwar mit Versatzstücken des Chicagoblues („Same Thing All Over Again“), aber auch mit jazzigen Elementen („She Said What“, ein flottes Instrumentalstück), die vorwiegend von Lars Eriksson an den Tasten geliefert werden und mitunter an Barmusik aus vergangenen Zeiten erinnern („Love Will Find A Way“).

Die Songs sind musikalisch sicherlich auf hohem Niveau komponiert und eingespielt, klingen aber auch recht clean. Dies ist jetzt nicht negativ gemeint, schließlich lag der Fokus auf einem Songwriting, das den Hörer mit eingängigen Melodien und tollen Arrangements einfangen und begeistern soll. Was zweifelsohne auch gelungen ist. Eine raues Bluesding, das den Dreck der Straße und den Seelenschmerz schmecken lässt, ist es allerdings nicht geworden, allenfalls der Slowblues „Nothing But The Blues“ kann dieses Feeling ansatzweise transportieren.

Die Art und Weise wie Patrik Jansson seine Gitarre spielt, weist aber durchaus Parallelen zu Walter Trouts und Robert Crays Gitarrenstil auf und Lars Eriksson mit seinen Keyboards kommt auf fast allen Stücken eine tragende Rolle zu.

Im Übrigen sollte jetzt im November eine Tournee durch die Niederlande, Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien und Frankreich starten, ob diese aber unter den derzeitigen Umständen durchführbar ist, ist leider mehr als fraglich.

Label: Sneaky Foot Records (2020)
Stil: Blues

Tracks:
01. She Aint Gonna Come Back Any More
02. A Love Like Yours
03. Love Will Find A Way
04. Same Thing All Over Again
05. She Said What
6. Play Me Some Blues
07. Someone Who Treats You Right
08. Only The Lonely
09. Nothing But The Blues

Patrik Jansson Band
Patrik Jansson Band bei Facebook

Vanesa Harbek II – 26.09.2020, Tanzpalast Besserberg, Kleve – Konzertbericht

VH_haupt

Die Ansage von Martin Engelien vor dem letzten Song des Konzertes im Klever Tanzpalast Besserberg hatte eine große Aussagekraft über das Konzert, aber auch um das ganze Geschehen in der Kulturlandschaft in Corona-Zeiten.

Zunächst bedankte er sich, wie zuvor schon die Protagonistin Vanesa Harbek bei den Besuchern, die trotz der widrigen Wetterverhältnisse und der Pandemiebedingungen, den Weg in die bestens hergerichtete Location gefunden hatten.

Er appellierte an die Besucher, denen, die aus oft nachvollziehbaren Gründen, Veranstaltungen meiden, zu berichten, was alles getan wird, um mit möglichst großer Sicherheit und einem Konzept, das von den Gesundheitsämtern individuell geprüft wird, Konzerte, wenn auch im kleineren Rahmen, durchzuführen. Nur durch Konzertbesuche, werden die Locations und auch die Künstler zumindest teilweise finanziert, sodass am Ende des Jahres für manche Clubs nicht ganz die Lichter ausgehen und totale Funkstille einkehrt.

Leider waren auch an diesem Abend in Kleve, wo mit Abständen von über zwei Metern zwischen den Tischen, alles für eine bestmögliche Sicherheit gesorgt wurde, viele Plätze freigeblieben. Die Anwesenden mit viel Applaus und nicht zuletzt die Band, waren aber Garant dafür dafür, dass es im Tanzpalast Besserberg an diesem Abend recht laut war.

Im nach dieser Ansage folgenden Cover des Santana-Klassikers „Oye Como Va“ zeigten die Musiker nochmals nachhaltig, was in ihnen steckte. Die Harbek, stimmlich bestens aufgelegt, wurde im Backgroundgesang von Engelien unterstützt. Sie ließ ihre spielerischen Qualitäten in mehreren eingestreuten, zum Teil ausufernden Soli, aufflammen. Engelien nutzte den Tieftöner nicht nur zur Rhythmusgrundlage, sondern auch als Solo-Instrument

Last but not least zeigte Berni Bovens an den Drums, dass er ein Meister seines Rhythmusfachs ist und scheinbar tiefenentspannt, ohne großen Schnickschnack, mit Drumsoli ohne Highspeed und Krawall auch begeistern kann. Im Solo des letzten Songs bediente er die Drums so behutsam, dass man fast eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Vom Einstieg des Trios mit dem Freddie King-Instrumental „Hideaway“ über eine Mischung aus Harbeks eigenen Songs sowie einigen gelungenen Coverstücken, wussten im zweiten Set besonders die Bluesversion von „Black Magic Woman“ und eine sehr rockige Variante von „Going Down“ zu überzeugen.

In den Eigenkreationen offerierte Vanesa, dass sie nicht nur eine exzellente Gitarristin ist, sondern auch das Songwriting versteht. Dabei präsentierte die Argentinierin, die seit etwa einem Jahr in Berlin lebt, Stücke in Ihrer Muttersprache Spanisch, wie auch in Englisch. Die meisten Ansagen machte sie allerdings in gut verständlichem Deutsch, zuweilen wurde sie dabei von Martin Engelien assistiert. Für mich herausragend waren dabei der „Vanesa Tango“, wo ihre musikalischen Wurzeln erkennbar waren und „Hell In Paradise“, wo sie eine ehemalige Beziehung beschrieb, in der selbst in der schönsten Umgebung, das Leben zur Hölle werden.

Die etwas über zwei Stunden Musik vergingen wie im Fluge und die Fans, die erschienen waren, hatten an diesem Abend alles richtig gemacht. Schön wäre es, wenn das nächste Mal die Resonanz wieder so wäre, wie die Klasse der Musiker es verdient gehabt hätte. Dann wird Harbek vermutlich ein neues Album im Gepäck haben, auf das man bei dem im Tanzpalast Besserberg gebotenen Leistungen gespannt sein darf.

Ein Besonderer Dank geht auch an das Team vom Tanzpalast, welches sich freundlich um die Gäste kümmerte und auch mehr Besuch verdient gehabt hätte. Vielsagend in dieser Hinsicht auch die Ansage von Engelien vor der Pause, wo er darum warb, diese nicht nur für einen Besuch am Merchstand zu nutzen, sondern auch den Laden mit einem eventuell zusätzlichen bestellten Getränk zu unterstützen.

Line-up:
Vanesa Harbek II (lead vocals, electric guitar)
Martin Englien (bass, vocals)
Berni Bovens (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Vanesa Harbek
Vanesa Harbek bei Facebook
Tanzpalast Bresserberg Kleve

Kirk Fletcher – My Blues Pathway – CD-Review

Flet_300

Review: Jörg Schneider

Der 41-jährige, aus Kalifornien stammende und jetzt in der Schweiz lebende, Afroamerikaner Kirk Fletcher gilt als einer der besten Blues-Gitarristen weltweit. Als Sohn eines Baptistenpfarrers lernte er bereits in seiner Kindheit die Gospel- und Bluesmusik kennen und schätzen. So geprägt, ist es nicht verwunderlich, dass seine musikalische Ausrichtung tief im Rhythm & Blues und in der Soulmusik verankert ist.

Sein neuestes Album „My Blues Pathway“, welches jetzt Ende September in den Handel kommt, lebt daher auch von all diesen Einflüssen, insbesondere aber dem Soul, gepaart mit funkigen Elementen. Alle zehn Songs des Albums sind modern arrangiert, mit viel, aber nie störenden Bläsern im Hintergrund. Als i-Tüpfelchen kommt dann noch Fletchers warme und gefühlvolle Stimme hinzu.

Eingespielt im Hertz Workz Studio (Los Angeles) mit namhafter Unterstützung von Charlie Musselwhite an der Harmonika, Josh Smith an der Resonator-Gitarre und Robert Crays langjährigem Bassgitarristen Richard Cousins, der auch an zwei Titeln („No Place To Go“ und „Love Is More Than A Word“) mitgearbeitet hat, ist ein absolut hörenswertes Album entstanden.

Bereits der Midtempo-Opener des Albums „Ain’t No Cure For The Downhearted“ besticht durch Fletchers funkiges Gitarrenspiel und legt den Grundstein für die weitere musikalische Ausrichtung der folgenden Tracks. Der Song selbst handelt im wesentlichen von der Suche nach dem Glück, welches man nur in sich selbst finden kann.

No Place To Go“ wurde bereits im Juli diesen Jahres als Single veröffentlicht (siehe das verlinkte Video), welches sehr schön die gesamte Stimmung des Albums wiedergibt.

Auch mit „Love Is More Than A Word“, einem Song über verlorene Liebe, und dem mit autobiografischen Inhalten versehenen „Struggle For Grace“, geht es ruhig und entspannt weiter.

„I’d Rather Fight Than Switch“ ist eine beschwingt dargebrachte Coverversion, die der Sänger und Saxophonist A. C. Reed bereits im Jahre 1965 veröffentlicht hat. Aber natürlich beherrscht Kirk Fletcher auch den klassischen Slow-Blues, hier zu hören in „Heart So Heavy“, wenngleich wieder leicht funkig angehaucht.

Auch „Fattening Frogs For Snakes“, ursprünglich aus der Feder von Sonny Boy Williamson stammend, ist eine tolle Bluesnummer. Gut tanzbar ist das flottere Instrumentalstück „D Is For Denny“, eine Eigenkomposition zu Ehren von Denny Freeman, der in den 90’ern einen großen musikalischen Einfluss auf Fletcher ausübte.

Der letzte Song des Albums „Life Gave Me A Dirty Deal“, ist ein ruhiger Deltablues mit Charlie Musselwhite an der Bluesharp und Josh Smith an der Resonator-Gitarre und bietet einen perfekten Abschluss für diese insgesamt sehr gut gemachte Scheibe.

Auch wenn fast alle Songs des Albums in Stil und Tempo recht ähnlich sind, wird es nie langweilig zu zuhören. Die Musik ist so etwas von relaxed, dass man sie am liebsten träumend bei einem Sundowner im Sonnenuntergang genießen möchte.

Fletchers eigenen Worten zufolge, ist es ihm wichtig eine eigene Stimme als Musiker zu finden und Musik zu machen, die aus seinem Herzen entspringt. Mit dem vorliegenden Werk ist ihm das absolut gelungen.

Im Übrigen bleibt noch zu sagen, dass Fletchers diesjährige Deutschland-Tour Corona-bedingt abgesagt werden musste, aber im Frühjahr des kommenden Jahres nachgeholt werden soll. Wir dürfen gespannt sein.

Label: Cleopatra Records
Stil: Blues

Tracks:
01. Ain’t No Cure For The Downhearted
02. No Place To Go
03. Love Is More Than A Word
04. Struggle For Grace
05. Sweet Soul Music
06. I’d Rather Fight Than Switch
07. Heart So Heavy
08. Fattening Frogs For Snakes
09. D Is For Denny
10. Life Gave Me A Dirty Deal

Kirk Fletcher
Kirk Fletcher bei Facebook
Another Dimension

Andreas Diehlmann Band – Mercy On Me – CD-Review

Diehl_300

Wer uns zwecks Rezension seine Musik schickt und dabei irgendwelchen Mumpitz veröffentlicht, kann anschließend keine Gnade erwarten und muss dann auch mit dementsprechender Kritik leben können.

Bei einem versierten und studierten Musiker wie Andreas Diehlmann ist die Wahrscheinlichkeit,  diesbezüglich enttäuscht zu werden, allerdings ungefähr so hoch wie ein Deutscher Meistertitel von Bayer Leverkusen im Fußball.

Diehlmann bleibt auf seinem neusten Studio-Werk „Mercy On Me“ der von Anfang an eingeschlagenen 9-Stücke-Linie treu. Die Band ist auf der Tieftöner-Position verändert, für Volker Zeller zupft jetzt Jörg Sebald songdienlich den Bass, Tom Bonn bearbeitete wie gewohnt das Schlagzeug.

Nach einem düster gehaltenen, leicht Western-eingefärbten E-Bariton-Gitarrenintro, steigt das Trio mit „Price To Pay“ mit knackigem Southern Rock samt zweier integrierter E-Gitarren-Soli (zunächst Slide, am Ende konventionell, aber von herrlich fulminanter Natur) ins Geschehen ein.

Wie schon bei seinem Konzert im Duisburger Cafe Steinbruch, treten im weiteren Verlauf wieder deutlich spürbar seine zwei Herzen für ZZ Top und Jimi Hendrix (diesmal aber eher untergeordnet) ans Licht. Mit dem von ‚Ahahah‘-Gesängen-umwobenen Texas Blues „Evil Ways“ würde Andreas wohl jeden Billy-Gibbons-Stimm-Imitatoren-Wettbewerb locker gewinnen. Auch das folgende „Leave Me Alone“ mit starken „Just Got Paid“-Reminiszenzen, lässt kein Zweifel an Diehlmans Faible für die Langbarträger aus Houston, Texas.

Das E-Gitarren-Outro geht fließend ins Intro zum Hendrix-umwehten Psychedelic Blues Rocker „Black Moon“ über. Auch hier wieder zwei typische Soli im Stile des einstigen Gitarrenhelden, besonders das zweite hätte mit seiner Schärfe und Wucht eine ordentliche Schneise in den Mariuanha-Nebel der typischen Kommunenparties der siebziger Jahre geschlagen.

„Come On Over“ entpuppt sich dagegen wieder als schöner ‚dreckiger‘ rhythmischer Southern Rocker mit eindeutig definierter Absichtserklärung („I know what I want and what I want is you, babe“). Erinnert an Bands wie Rebel Pride, Preacher Stone & Co. und ist mein persönlicher Favorit der CD.

Das markanteste Stück ist allerdings wohl das 7 Minuten und 44 Sekunden lange „Shadows Of Memories“. Die von Andreas gespielte Orgel lässt in diesem atmosphärischen slowbluesigen Track unweigerlich unterschwellige „With A Little Help From My Friends“-Erinnerungen aufkommen. Im End-E-Gitarrensolo offeriert der Protagonist eindrucksvoll, dass er auch Allman Brothers ‚kann‘.

Die restliche drei Sachen mit „Got To Get Over It“, „You Got No Clue“ und dem starken Titelstück-Stomper „Mercy On My“ bewegen sich dann erneut wieder auf klarer Texas Blues Rock-Welle Marke ZZ Top.

Andreas Diehlmann, der alle Tracks geschrieben hat,  liefert mit „Mercy On Me“ das wohl beste Album seiner bisherigen Karriere ab. Er entwickelt sich von seiner spielerischen Klasse her, immer mehr hin zu einer Art deutschem Joe Bonamassa. Sein Flehen um Milde ist von daher völlig unbegründet. Eine gnadenlos gute Scheibe!

Eigenproduktion (2020)
Stil: (Texas) Blues Rock

Tracklist:
01. Price To Pay
02. Evil Ways
03. Leave Me Alone
04. Black Moon
05. Come On Over
06. Got To Get Over It
07. You Got No Clue
08. Shadows Of Memories
09. Mercy On Me

Andreas Diehlmann Band
Andreas Diehlmann Band bei Facebook

12-4-2 – 10.09.2020, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

12_haupt

Endlich wieder mal ein Gig für mich im Schwarzen Adler nach dem Lockdown! Ernst Barten und sein Team hatten alles Erdenkliche und Vorgeschriebene bewältigt, um die Kultlocation in Rheinberg-Vierbaum in der Corona-Zeit auch rockmusikalisch wieder in Gang zu bringen.

Mit dem Projekt 12-4-2 (12 Guitar Strings – 4 Bass Strings – 2 Drum Sticks), alias Ben Granfelt (Lenningrad Cowboys, Wishbone Ash, Guitar Slingers), Stratocaster-Ass Thomas Blug, Martin Engelien (Klaus Lage Band, Go Music) und Berni Bovens hatte er auf hochkarätige Musiker gesetzt.

Angesichts der tollen Besetzung war es nicht zu verstehen, dass sich gerade mal zwischen 30-40 Zuschauer an dem für 90 Leute ausgelegten Abend eingefunden hatten. Dementsprechend frustriert zeigte sich Ernst Barten vor Beginn des Gigs. Viele der üblichen Stammgäste waren vermutlich immer noch wegen des vermeintlichen Ansteckungsrisikos und einer gewissen Verunsicherung auf der heimischen Couch verharrt.

Die anwesenden Leute sollten ihr Kommen allerdings nicht bereuen. Profis wie Granfelt, Blug, Engelien und Bovens zeigten sich von der spärlichen Kulisse unbeeindruckt und performten, als wenn sie vor ausverkaufter Hütte spielen würden.

Während sich Blug und Bovens ganz auf ihr exzellentes spielerisches Können konzentrierten, führten die beiden charismatischen Persönlichkeiten Granfelt und Engelien mit Ansagen durch den Abend, wobei Engelien sich einige Male zur schwierigen kulturellen Situation ausließ, sich für das Vertrauen der Betreiber und Besucher bedankte, aber auch seine Freude zum Ausdruck brachte, dass endlich wieder erste Schritte gemacht werden, um die Szene langsam wieder in Gang zu bringen. Er appellierte angesichts der bevorstehenden kühleren Zeiten, Vertrauen in die Behörden und Clubs zu leisten, die alles dafür tun, um ein Ansteckungsrisiko nahezu gen Null zu minimieren.

Das Quartett begab sich dann samt diverser Instrumentalnummern (u. a. „One Earth“ aus Engeliens Corona-Hilfe-Album), einiger Cover-Stücke („Baker Street“, Breathe“) und Liedern aus Granfelts („My Soul To You“, „Melodic Relief“, „Faith, Hope & Love“, Wayward Child“, „Almighty Blues“, „Going Home“) und Blugs („My House Is Green“, „I Won’t Forget“, „The Witching Hour“) Solo-Fundi auf einen Streifzug durch die Rockmusik und umriss dabei fast alle Facetten von Blues-, klassischen, Prog-, Southern- bis hin zu Melodic Rock-Anleihen.

Hier standen natürlich die filigranen E-Gitarren-Künste der beiden Hexer Granfelt (Les Paul und Stratocaster) und Blug (Stratocaster) im Vordergrund, die unzählige quirlige Soli abließen, sich duellierten, aber sich dann auch durchgehend in der hohen Kunst des sich ‚blind‘ verstehenden Twinspiels zusammenfanden.

Engelien beweis mit seinem energiegeladenen, treibenden und anpassungsfähigen Pumpspiel und diverser Solo-Grooves, dass er noch lange nicht zum alten Eisen der Tieftöner-Szene zählt, und gab phasenweise auch den gut gelaunten Moderator zwischen Granfelt und Blug. Den Schmunzler des Abends hatte jedoch Drummer Berni Bovens auf seiner Seite, als er ein eher bedächtig-langsames, im Jazz verankertes Drum-Solo servierte und dann gegen Ende auf die Uhr schaute, nach dem Motto „ich bin jetzt fertig, wann steigt ihr endlich wieder ein, Jungs?“.

Mit dem schon vom Titel her prädestinierten Granfelt-Rausschmeißer „Going Home“ als Zugabe beendete der Vierer unter tosendem Applaus des Publikums zwei fulminante Stunden, bei denen absolute Spielfreude und filigranes Können im Vordergrund des Geschehens standen.

Trotz aller verständlicher Enttäuschung war Ernst Barten angesichts der tollen Vorstellung zum Schluss aber doch sichtlich erleichtert, endlich wieder echtes ‚Rockmusikleben‘ in den Adler gebracht zu haben. Man kann nur wünschen, dass er zum anstehenden Ana Popovic-Gig am 15. und 16. Oktober – Corona hin oder her – wieder mit der verdienten Resonanz belohnt wird.

Line-up:
Ben Granfelt (lead vocals, electric guitars)
Thomas Blug (electric guitar)
Martin Engelien (bass, bgv)
Berni Bovens (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ben Granfelt
Ben Granfelt Band bei Facebook
Thomas Blug
Thomas Blug bei Facebook
Martin Engelien
Martin Engelien bei Facebook
Schwarzer Adler, Rheinberg

Peter Parcek – Mississippi Suitcase – CD-Review

Parc_300

Von Buddy Guy wurde er bei einer Backstage-Visite, als Peter Parcek sich eine herumliegende Gitarre schnappte und losspielte, mit dem Satz „You’re as bad as Eric Clapton, and I know Eric Clapton“ geadelt.

Der in Boston lebende Gitarrist und Songwriter bringt jetzt mit „Mississippi Suitcase“ seinen dritten Longplayer auf den Markt, nachdem er mit den Vorgängern „The Mathematics Of Love“ und „Everybody Wants To Go To Heaven“ von der Kritikerschaft für seine außergewöhnlichen Gitarrenkünste, bereits in höchsten Tönen gelobt wurde.

Für mich persönlich, der zwar schon viel Blues Rock in seinem Leben gehört hat, ist Parcek allerdings bisher noch ein absolut unbeschriebenes Blatt. Der Protagonist bietet auf den insgesamt 11 Tracks, drei Eigenkompositionen, die er am Anfang (Stück 1 – „The World Is Upside Down“- ein Peter Green-beeinflusster psychedelischer Slide-Blues Rocker), in der Mitte (Stück 6 – „Mississippi Suitcase (Slight Return)“ – ein typischer Blues Club Song mit E-Gitarren-Orgel-Schwerpunkten) und am Ende (Stück 11 – „A Head Full Of Ghosts“ – ein atmosphärisches, dezent progressives E-Gitarren-Instrumental mit Green-/Pink Floyd-Flair) folgerichtig platziert hat.

Dazwischen hat er in zwei Vierer-Blöcken, Songs aus vielen Epochen der Musikgeschichte ausgewählt, die auf ihn einen besonders bleibenden Eindruck hinterlassen haben, wie z. B. Peter Greens bei John Mayalls Bluesbreakern veröffentlichtes „The Supernatural“ (für Parcek war das Herangehen nach eigenen Worten ‚a mountain to climb‘) oder der Beatles-Song „Eleanor Rigby“, den er hier in einer reinen Instrumentalversion serviert.

Highlights sind aus meiner Sicht die gelungene Umsetzung von Dylans „Beyond Here Lies Nothin“ aus 2009, die hier auch mit viel Peter Green-Esprit- und Gefühl daherkommt, das claptoneske, Harp-verzierte (Micky Raphael) „Life’s A One Way Ticket“ (mit zusätzlicher E-Gitarrenpräsenz von Luther Dickinson) und der lässig gespielte Velvet Underground-Klassiker „Waiting For The Man“ (ebenfalls sehr slide-trächtig, mit sphärischen Orgelklängen von Promigast Spooner Oldham, und am Ende mit wildem E-Gitarren-Geschwurbel).

Der Vergleich Guys mit Mr. Slowhand kommt nicht von ungefähr. Handwerklich ist Parcek ebenfalls in der Lage, alles aus einer E-Gitarre herauszuholen, was geht, vor allem das Einsetzen von Effekten diversester Art in den Soli, ist teilweise atemberaubend, jedoch auf Dauer auch etwas anstrengend. Ein Greg Koch fällt mir da vielleicht als technische Referenzgröße ein. Aber besonders in vokalen Dimensionen liegt er sehr in der Nähe des britischen Gitarrengotts, mehr sogar noch beim kürzlich verstorbenen Peter Green. Grundsätzlich, so glaube ich, könnte Peter mit seinem Können in Rockbands jeder Couleur mitwirken, sicherlich auch problemlos im Southern Rock.

„With my new „Mississippi Suitcase“, Ive tried to create an album that’s timeless and yet entirely in the moment – an album that could get as deeply under the skin of the listener as it got under mine. I had to dig into my soul and face adversity to do it, and sometimes play through the pain, but it was worth it, and every note on the album comes straight from the heart.“ Dies vom Künstler selbst zur Intention.

Fazit: Peter Parcek beweist auf „“Mississippi Suitcase“, dass er alle Veranlagungen hat, ein Spitzen-Bluesmusiker zu werden, was bis jetzt fehlt, sind wohl die Songwriterqualitäten der Altmeister, unsterbliche Sachen zu kreieren. Das wird künftig wohl der übergeordnete Maßstab sein, wenn man zu den ganz Großen zählen will, wobei es letztendlich die Frage ist, ob Parcek das überhaupt möchte.

Eigenproduktion (2020)
Stil: Blues Rock

Tracklist:
01. The World Is Upside Down
02. Everybody Oughta Make a Change
03. Beyond Here Lies Nothin
04. The Supernatural
05. Life’s A One Way Ticket
06. Mississippi Suitcase (Slight Return)
07. Eleanor Rigby
08. Until My Love Come Down
09. She Likes To Boogie Real Low
10. Waiting For The Man
11. A Head Full Of Ghosts

Peter Parcek
Peter Parcek bei Facebook

Eamonn McCormack – 28.08.2020, Kantine-Biergarten, Köln – Konzertbericht

MC_Haupt

Konzerte in Corona-Zeiten zu veranstalten, bedeutet für alle Beteiligten, vom Veranstalter, über die Künstler, bis hin zu den Besuchern, dass man sich an bestehende Regelungen hält muss, dass diese zumindest im derzeit möglichen Rahmen stattfinden können.

Markus Neu und seinem Team von der Kantine haben es geschafft, bereits diverse Open Air-Konzerte im dortigen, weitläufigen Biergarten, durchzuführen.

An diesem Abend machte Eamonn McCormack, der zurzeit eigentlich nur eine Solo-Akustik-Tour macht, in der Kantine Halt. Zum Glück gelang es Marcus Neu weit im Vorfeld, den mittlerweile in Hessen lebenden Iren McCormack davon zu überzeugen, in Köln mit Band aufzutreten, da die Bühne und die Location unter Berücksichtigung aller Auflagen dies möglich macht.

So stießen an diesem Abend mit Edgar Karg am Bass, der aus Bielefeld anreiste und Max Jung-Poppe an den Drums, der den Weg aus Gießen gefunden hatte, und am selben Abend wieder zu seiner hochschwangeren Frau zurückfuhr, hinzu.

Es entwickelte sich im Verlauf ein ganz besonderer Abend für die etwa 80 Besucher. Erstmals stellte Eamonn mit seiner Band das im Winter eingespielte und im Frühjahr veröffentlichte Album „Storyteller“ live vor. Es handelte sich somit praktisch um ein verspätetes Release-Konzert und das ohne Eintrittspreis, sondern nur mit umhergehendem Hut in der Pause zwischen den zwei Sets, in denen fast das komplette Werk präsentiert wurde.

Kurz vor acht Uhr betrat Marcus mit dem besagten Hut auf dem Kopf die Bühne, gab ein paar Anekdoten zu früheren Auftritten Eamonns im Yardclub zum Besten, erklärte noch ein paar Regeln, auch wie man sich beim angesagten Regen verhalten solle, um Corona-konform zu bleiben, was zum Glück aber ausblieb. Der Wettergott war mit der Band und den Besuchern und bis auf einige Tropfen, blieb es trocken.

„From Town To Town“ vom 2017er Album „Like There’s No Tomorrow“ war ein gut gewählter Opener in dem er direkt einen Song vorlegte, bei dem klar erkennbar war, wessen Geistes Kind Eamonn ist. Blues Rock im Stile seines Vorbildes Rory Gallagher war hier direkt präsent.

Mit dem rockigen „Gypsy Woman“ und dem anklagenden bluesigen „Help Me Understand“ folgten die ersten Stücke des aktuellen Albums, welche gut beim Publikum ankamen. Dies war bei den weitgehend bluesaffinen Besuchern auch nicht zu erwarten, da es das Album in mehreren europäischen Ländern in den Bluescharts bis zur Nummer 1 geschafft hatte, was der sympathische McCormack in einer Ansage zu einem der Songs nicht ohne Stolz erwähnte.

Nach „Heal My Faith“ vom gleichnamigen Album von 2012 spielte die Band ein Rock’n’Roll-Medley, in welchem er einige Songpassagen abänderte und den Corona-Virus aufforderte, endlich zu verschwinden.

Nach dem Medley, wurden mit „With No Way Out“, einem fast zornig vorgetragenen Bluessong und „Cowboy Blues“ wieder zwei neue Lieder vorgestellt. Im letzteren ließ er Country und Blues ein klein wenig verschmelzen, um letztendlich doch bei seiner Leidenschaft, dem Blues zu landen.
Nach „A Night In The Life Of An Old Blues Singer“ und dem Gallagher-geprägten „That’s Rock’n’Roll“ beendete Eamonn mit Band den verdientermaßen mit viel Applaus bedachten ersten Set.

In der Pause, stand er am Merchandising-Stand bereit, um CDs zu verkaufen und zu signieren, aber auch um Gespräche mit den Fans zu führen. Dabei zeigten sich alle diszipliniert und zogen wie es sich in der derzeitigen Situation gehört, den Mund/Nasenschutz auf. Die Geduld, die Eamonn McCormack bei diesen Gesprächen an den Tag legte sorgten dafür, dass Marcus Neu schon leicht nervös wurde und freundlich und charmant darum bat, nach der Show die Verkaufsaktivitäten weiterzuführen, da es sonst zu spät mit Set 2 würde.

Gesagt, getan, die Band betrat die Bühne und legte direkt zu Beginn des zweiten Sets für mich einen der Höhepunkte des Konzertes hin. Bei „The Great Famine“ besang Eamonn gefühlvoll, manchmal fragend, warum es in seiner Heimat Irland im 18. Jahrhundert zu einer großen Hungerkatastrophe kam, die nicht nur für viele Tote sorgte, sondern auch zu einer Flucht aus dem Land, insbesondere auch nach Amerika führte.

Freundlich, wie er ist, fragte er dann, ob er denn ein Liebeslied spielen dürfe. Zugegeben, eine rhetorische Frage auf die es nur die Antwort ja geben konnte. Im gefühlvollen ruhigen „Every Note I Play“ besang er zum einen den Alltag im Hotelzimmer auf einer Tour aber auch wie er bei jeder Note, die er spielt, an seine Frau denkt.

Nach dem rockigen „When You Cross The Line“ ging die Präsentation der neuen Songs weiter. In “Cold Cold Heart“ und „South Dakota Bound“ ließ er ein wenig Boogie und Southern Flair einfließen, besondere Akzente setzte er, wie in allen Stücken, mit eingestreuten und zum Teil ausufernden Soli.

Nach dem älteren „Lousy Day“ wurde es noch einmal bedächtig und Eamonn brachte die Zuhörer mit „In A Dream“ sprichwörtlich zum Träumen. Dies war aber nur die Ruhe vor dem Sturm. Mit dem rockenden „Make My Move“, wären die Besucher normalerweise in Bewegung versetzt worden, wenn Sie sich nicht an die bestehenden Regeln zu  halten hätten gemusst und es wurde das Finale-Furioso eingeläutet, welches mit dem Gallagher Klassiker „Shadow Play“ einen würdigen Abschluss hatte.

Animiert durch lautstarke Zugabe Forderungen ließen sich die Drei nicht lange bitten und legten mit „Moving On“ und „Johnny Be Good“ noch zwei würdige Zugaben nach, um nach etwa zwei Stunden Spielzeit ein restlos zufriedenes bis begeistertes Publikum zurückzulassen. Im Anschluss stand man dann noch für das hier kostenlose Meet and Greet bereit.

In den Gesprächen war immer wieder herauszuhören, wie McCormack begeistern konnte, aber auch, wie seine beiden jungen Mitstreiter ein wichtiger Bestandteil dieses gelungenen Abends waren. Die beiden studierten Musiker, Max Jung-Poppe, am Schlagzeug und Edgar Karg am Bass trafen jeden Ton und gaben mit ihrer starken Rhythmusarbeit Eamonn McCormack letztendlich die Grundlage, seine Stärken als Gitarrist auszuleben.

Keiner der Beteiligten wird bereut haben, den Weg in die Kantine gefunden zu haben. Damit schließe ich auch die drei Musiker ein, denen anzusehen war, mit welcher Freude sie endlich mal wieder ihre Musik live präsentieren konnten. Ein besonderer Dank auch an Marcus Neu und die Mitarbeiter in der Kantine, die mit ihrer freundlichen Art, den Rahmen für diesen Blues Rock-Abend legten.

Line-up:
Eamonn McCormack (lead vocals, electric guitars)
Eddy Karg (bass)
Max Jung-Poppe (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Eamonn McCormack
Eamonn McCormack bei Facebook
Kantine, Köln

Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws – 20.08.2020, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

Ded_haupt

Es war der Moment, auf den ich seit dem 05.03.2020 sehnsüchtig gewartet habe. Das war nämlich der letzte Tag, an dem ich dieses Jahr ein Konzert besucht habe. Da hatte die Marcus King Band schon im Zuge erster Coronafälle in Köln noch einen saustarken Gig abgeliefert. Ab da, außer CD- und EP-Reviews, gähnende Leere in unserem Magazin.

Die Kulturszene, besonders in unseren bevorzugten Sphären, wurde von der Politik sträflich im Stich gelassen (wen wundert es bei Politikern der Marke Jens Spahn?), die Rede von Verzweiflung bis zum Bangen um die nackte Existenz grassierte allerorts, von den Betreibern, Veranstaltern bis hin zu den Künstlern selbst.

Mittlerweile gibt es erste dezente Bemühungen, mit ganz kleinen Schritten, auch im Konzertgeschehen, unter Einhaltung von Auflagen, wieder Fuß zu fassen. „Kein Rock ’n‘ Roll ist auch keine Lösung“ meinte Kuturrampenchef Markus ‚Pille‘ Peerlings‘ und tat sich mit Schlachtgarten-Betreiber Kolja Amend zusammen, um langsam wieder erste Gigs zu veranstalten.

An diesem Abend des 20. Augusts hatte sich die texanisch-niederländische Combo Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws angesagt, ein wunderbarer Act, um wieder ins Geschehen hineinzufinden. Also machten sich Kollege Gernot und ich zeitgemäß nach Krefeld auf, um aus der für uns neuen Location zu berichten.

Es waren maximal 99 Besucher zugelassen, deren Grenze auch knapp unter Maximum erreicht wurde. Alle mussten sich brav registrieren und sich in bestimmten Situationen an die Maskentragpflicht halten. Ansonsten konnte man sich unter Einhaltung der Abstandswahrung ohne Maske an seinem Platz bewegen. Schön wieder mal die vielen bekannten Gesichter zu sehen, die sonst in der Rampe oder bei Gigs der Bluesszene anzutreffen sind, aber auch einige neue Leute. Insgesamt ein schönes und angenehmes Ambiente.

Um 20:00 ergriff Pille (Kompliment übrigens für den Kinnbart!) das Mikro zur Ansage, kurze Zeit später kamen Dede, Johnny & Co. auf die Bühne, um mit dem rhythmischen „Did You Plan To Leave Me Now“ und „Wade In The Water“, den drückend schwülen Temperaturen angemessen, südstaatlich-blues rockig einzuheizen.

Die charismatische Texanerin, ganz in schwarz gekleidet, wieder mit den obligatorischen fingerlosen Handschuhen agierend, lief von Anbeginn zu Höchstform auf. Sowohl mit grandioser Stimme (die vorbeirauschenden Züge im abendlichen Hintergrund hatten gegen sie absolut keine Chance, geräuschmäßig Paroli zu bieten), starkem E-Gitarrenspiel (ihre vielen quirligen Soli immer mimisch/stimmlich mitbegleitend) als auch raunzender Violine (herrlich, wenn sie oft in bester Domina-Manier den Bogen bestimmend in die Luft hielt), der sie sogar Wah-Wah-Töne entlockte, animierte sie die Audienz immer wieder zu teils staunenden Beifallsbekundungen.

Aber auch Johnny Clark gab auf seiner Stratocaster und Gibson Les Paul (die kam meistens bei Songs mit Slide-Parts zum Einsatz) einen starken Counterpart ab. Ab und zu, wie u. a. beim schönen Hendrix-Cover „Hey Joe“ oder „Alaska“ übernahm er auch die schön rauchig gesungenen Lead Vocals. Die Rhythmusfraktion mit Ray Oostenrijk und Leon Toonen konzentrierte sich unaufgeregt, gänzlich auf ihren Job.

„You Are Love“, „Crocuses“, „Drinkin‘ Again“, das slow-bluesige „What It Is Ain’t What it Ain’t“, „Vermillion Allure“ und das eine Pause einläutende „Flowers Under The Bridge“ hinterließen bei mir besonderen Eindruck im immer noch schwül-warmen Krefelder Schlachtgarten, der eher einer Location in den Bayous Louisianas glich.

Schwarze Wolken und sporadisch runter fallende Tropfen während der 10-minütigen Unterbrechung, erzeugten ein paar angstvolle Blicke gen Himmel, wurden aber von der stimmlichen Urgewalt Priests samt Androhung eines „Texas Hurricane“ schnell zum Weiterziehen ‚überzeugt‘. Mit Tracks wie u. a. dem bereits erwähnten „Alaska“, dem abermals swampigen „Lynched At The Crossroad“, (Dede singt phasenweise durch ein Megafon), dem countryesken „Strawberry Party“ und dem Abschluss des Hauptteils „Cotton Candy“, steigerte sich Stimmung im Publikum kontinuierlich, sodass es um 22:00 Uhr noch in die Verlängerung ging.

Nach dem stimmungsvollen Freddie King-Cover „Palace Of The King“ und dem herrlichen „Spinning Down“ (Dede und Johnny mit Wechselgesang, sägende Fiddle) als Finale erhoben sich die Leute zu stehenden Ovationen. Man merkte allen Beteiligten die herabfallende Last an, die sich in den vergangenen Monaten in den meisten Köpfen angehäuft hatte.

Von der Dame an der Getränkeausgabe, dem Licht- und Tontechniker, der Band Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws, den engagierten Organisatoren Pille und Kolja, über die diszipliniert agierenden Besucher, trugen alle zu einem denkwürdigen Abend mit toller Musik bei, der hoffentlich peu à peu wieder in die kulturelle Normalität zurückführt. Rock ’n‘ Roll ist von daher immer eine Lösung!

Line-up:
Dede Priest (lead vocals, electric guitar, fiddle)
Johnny Clark (electric guitar, vocals, lead vocals)
Ray Oostenrijk (bass)
Leon Toonen (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Dede Priest
Johnny Clark & The Outlaws
Johnny Clark & The Outlaws bei Facebook
Dede Priest bei Facebook
Schlachtgarten Krefeld
Kulturrampe Krefeld