Jeff Dale And The South Woodlawners – Blues Power – CD-Review

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Die Amis scheinen wirklich einen Narren an unserem Magazin gefressen zu haben, besonders aus der dortigen Blues-Szene. Diese Woche lagen gleich fünf Exemplare unterschiedlicher Akteure in meinem Briefkasten.

Einer davon ist Jeff Dale, der sich, ich spaße mal, vermutlich, weil er aus dem südlichen Teil Chicagos abstammt, in irgendeiner Form, mit unserem Magazin verbunden fühlt. In seiner Stadt ist er nach vierzig Jahren Leben und Spielen für den Blues eine Institution, hierzulande, behaupte ich mal, werden nur eingefleischte Bluesfans mit seinem Namen was anfangen können.

Nach zwei Alben in den 80er Jahren ist Dale mit den South Woodlawners seit 2009 zugange und hat mittlerweile sechs Platten eingespielt. Produziert hat er sein neues Werk „Blues Power“ zusammen mit Marvin Etzioni (u. a. The Counting Crows, Stephen Stills, Judy Collins).

Was die involvierten Musiker betrifft, muss ich Blues-Banause größtenteils passen, selbst sogar, Asche auf mein Haupt, bei dem Gründungsmitglied von Chicago, Lee Loughnane, der hier bei „Middle Class Moan“ mitplustert.

Lediglich bei den Stücken 8-10 kamen meine grauen Zellen leicht in Wallung, hier sind die Musiker von Hunter And The Dirty Jacks, deren Debüt ich mal vor drei Jahren reviewt hatte, als Unterstützung für Jeff zugange. Ihre eigene Mucke unterscheidet sich allerdings zum hiesigem Treiben enorm.

Die Musik selbst ist dem für die Stadt typischen bläser- und E-gitarrenlastigen Blues auf sehr traditioneller Basis zuzuordnen und, ohne die Metropole zu kennen, wie geschaffen für verräucherte, alkohol-geschwängerte Clubs, falls es heute sowas überhaupt noch gibt.

Meine Favoriten sind der, in Richtung J.J. Grey groovende Opener „Toxic Stew“, die atmosphärischen, mit Streichern versehenen „One Step From A Broken Man“ (Cello) und „Stone Cold“ (tolle Violine) sowie das in J.J. Cale-Manier introvertiert vor sich hin shuffelnde „Black Crow“.

Das Besondere ist vielleicht Dales ziemlich schräg anmutender Gesang (puh, zumindest für meine Gehörgänge), der dem Ganzen eine kauzige, authentische und recht individuelle Note verpasst. Dieser Umstand verleiht der ganzen Sache in jedem Fall Sympathiepunkte. Ich persönlich tue mich, ehrlich gesagt, mit solchem Stoff recht schwer, hier sind am Ende bei „Blues Power“ eher die Puristen, Traditionalisten und wirklichen Kenner der Szene gefragt.

Pro Show Bidness (2019)
Stil: Blues

01. Toxic Stew
02. Good Luck Woman
03. Blues Power
04. Middle Class Moan
05. One Step From A Broken Man
06. Best Kind Of Trouble
07. Stone Cold
08. Let’s Buzz
09. Undercover Man
10. Black Crow
11. Can I Boogie

Jeff Dale And The South Woodlawners
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Beth Hart – 01.07.2019, RuhrCongress, Bochum – Konzertbericht

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Nachdem der Opening-Act, Kenny Wayne Sheperd mit seinen Mannen, in der mit über 2.000 Zuschauern gefüllten RuhrCongress Halle zu Bochum, eine famose Blues Rock-Show abgeliefert hatte, galt es für die gerade von einer Erkältung genesene Kalifornierin Beth Hart samt ihrer Mitstreiter Jon Nichols, Bob Marinelli und Bill Ransom, als Headliner (in der USA war es ja genau anders herum), in unseren Sphären, dieser hohen Bürde gerecht zu werden.

Die in Los Angeles ansässige Protagonistin, auch bestens bekannt für ihre Zusammenarbeit mit Joe Bonamassa, lief quasi zur Hintertür in die Halle ein und bahnte sich mit „Love Gangster“ somit ihren Weg fast bis zum Ende des Songs, von der hintersten Reihe, mitten durchs Publikum, nach vorne zur Bühne.

Da auch hier nur bei insgesamt drei Tracks zu fotografieren erlaubt war und Gernot samt Fotokollegen ganz seitlich rechts unten in der Halle positioniert waren, und mit „Saved“ und „Baddest Blues“ (Beth erstmals am Piano) zwei nicht allzu lang währende Nummern folgten, war der Fotografier-Spaß von nur recht kurzer Natur bemessen (von daher gibt es diesmal auch nicht ganz so opulente Galerien zu begutachten, Gernot hat aber einen tollen Job gemacht, siehe unten).

Eines ist bei der sich gerne barfüßig bewegenden und kommunikationsfreudig gebenden Künstlerin sicher: auf bei Konzerten vorangegangenen Setlisten, ist kein Verlass. Ähnlich wie bei der Tedeschi Trucks Band, wählt sie meist spontan nach ihrem Gusto, aus dem reichhaltigen Fundus ihrer eigenen Lieder und verehrten Covernummern und mischt diese auch munter durch.

So ging es diesmal weiter von „Don’t Explain“ (schönes Nichols E-Solo), über das karibisch angehauchte „Let’s Get Together“, dem rhythmisch rockigeren „Fat Man“, zur über drei Tracks währenden Akustik-Session. Die wurde mit den beiden Bonamassa-Kooperationen „A Sunday Kind Of Love“ und „If I Tell I Love You“ sowie dem schlafwandlerischen „Lullaby Of The Leaves“, nebeneinander, zu viert sitzend am vorderen Bühnenrand, performt.

Für das atmosphärische „Setting Me Free“ (hymnisches Gitarrensolo von Nichols) und das launige „As Good As It Gets“ kehrte Beth an ihr Piano zurück, bei letztgenanntem mit Schifferklaviereinlagen.

Dass sie es auch an der Akustikklampfe drauf hat, bewies ihre stimmlich von Hauchen und Fauchen umgarnte Solovorstellung bei „Isolation“. Der emotionale Schlussverlauf des Hauptteils mit den, ihrem Ehemann (der sie von ihren Trink-, Drogen- und persönlichen Problemen wieder in die ‚Spur‘ gebracht hat) und ihrem Vater bedachten Songs wie „As Long As I Have A Song“ und „Tell Her You Belong To Me“, löste natürlich Zugaberufe und Beifallsgetrampel aus, es wurde Nachschub einfordert.

Der fiel dann mit dem Trio „Sinner’s Prayer“ (Nichols slidend), „Love Is A Lie“ und der emotionalen Ballade „No Place Like Home“ (Beth alleine am Molltöne verbreitenden Piano im Stile einer Melissa Etheridge),  nochmals ordentlich aus, sodass eine Gesamtspielzeit von 90 Minuten erreicht wurde.

Insgesamt Beth Hart, wie man sie kennt, mit einer gesangsgewaltigen, emotionalen, überwiegend stark auf die charismatische Protagonistin fixierten Show. Leichter Punktsieger an diesem Abend war für mich persönlich allerdings Kenny Wayne Sheperd.

Danke an Jenny Dore von 3Dog Entertainment für die gewohnt unkomplizierte Akkreditierung.

Line-up:
Beth Hart (lead vocals, piano, acoustic guitar)
John Nichols (electric and acoustic guitar, vocals)
Bob Marinelli (bass)
Bill Ransom (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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RuhrCongress Bochum

Kenny Wayne Sheperd – 01.07.2019, RuhrCongress, Bochum – Konzertbericht

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Toll geschnürtes Paket gestern Abend im Bochumer RuhrCongress: Das einstige Blues Rock-Wunderkind, heute bereits ein gestandener Musiker, Kenny Wayne Sheperd und die kalifornische (Blues-) Rockröhre Beth Hart, zogen gut 2.200 Zuschauer in die Halle und sorgten für stimmungsvolle Unterhaltung.

Der aus Shreveport, Louisiana stammende Paradegitarrist hatte mit Weltklassedrummer Chris Layton (u. a. Stevie Ray Vaughan’s Double Trouble, Storyville, Arc Angels), Sänger Noah Hunt, dem starken Tastenspieler Joe Krown und Bassist Scott Nelson hervorragende ‚Rückendeckung‘ für seine unzähligen filigranen und ordentlich s(c)hep(p)ernden Soli.

Am Start hatte er sein kürzlich auch von uns reviewtes Album „The Traveler„, das mit den drei Eröffnungstracks (hier durfte auch nur fotografiert werden) „Woman Like You“, der Buffalo Springfield-Nummer „Mr. Soul“ (Neil Young-Fan Gernot Mangold sofort hoch erfreut) und „I Want You“, dann auch direkt in den Vordergrund gestellt wurde. Bei letztgenanntem Lied, sowie später beim Elmore James-Cover „Talk To Me Baby“ (mit herrlichem HT-Geklimper von Krown) übernahm der Protagonist dann auch das Frontmikro, das ansonsten Noah Hunt inne hatte.

Meine Favoriten im Set waren allerdings die ruhigeren und atmosphärischen Stücke wie „Heat Of The Sun“ und „Turn To Stone“ (James Gang), bei denen Kennys ausschweifende fingerfertige Saitenkünste (bei letztem phasenweise an Skynyrd erinnernd) am besten zum Tragen kamen.

Grandios auch das einst mit Mark Selby und Ehefrau Tia Sillers zusammen komponierte „Blue On Black“ und die fulminante Version vom, als Finale gebrachten Hendrix-Klassiker „Voodoo Chile“, bei dessen Schlussakkorden sich das Publikum zu stehenden Ovationen aus den Sitzen der bestuhlten Kongresshalle erhob.

Eine einstündige Blues Rock-Gala der Kenny Wayne Sheperd Band und eine tolle Einstimmung zu Beth Hart!

Line-up:
Kenny Wayne Sheperd (electric guitar, vocals, lead vocals)
Noah Hunt (lead vocals, electric and acoustic guitar, percussion)
Joe Krown (keys)
Scott Nelson (bass)
Chris Layton (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Kenny Wayne Sheperd
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RuhrCongress Bochum

Tom Euler – Blues Got My Back – CD-Review

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Erfreulich, dass unser Magazin selbst in US-Staaten wie Virginia einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben scheint. Diesmal wurde uns die neue CD des ‚2018 Winner of the Male Artist of the Year in Jazz/Blues/Soul‘ beim Josie Music Award, Tom Euler, „Blues Got My Back“ zur Begutachtung zugesendet.

Der Protagonist, schnell als ‚the young guy with the old soul‘, für seine Art des Blues-Performens betituliert, hat neben einer EP zuvor „Fool Me Once“, seinen Bekanntheitsgrad durch den Support von Acts wie u. a. Delbert McClinton, Patty LaBelle, Tas Cru oder Thompson Square steigern können.

Auf seinem neuen Silberling „Blues Got My Back“ ist er, wie es sich für einen Solo-Akteur gehört, auch omnipräsent. Er hat die 10 Stücke selbst getextet und komponiert, sowie auch das Gesamtwerk produziert. Selbst ein Bild für das Coverartwork hat er beigesteuert.

Musikalisch unterstützt wird er auf diesem Werk im kleinen Kreis seiner Band mit Lucy Kilpatrick (piano, keyboards, backing vocals), Michael Behlmaar (drums, backing vocals) und Jose’ Roberts (bass, backing vocals). Tom selbst wirkt am Frontmikro und spielt vornehmlich E- und sporadisch Akustikgitarre (am besten zu hören beim abschließenden „Thoughts Of You“).

Das Album, startend mit dem druckvollen Titelsong, bietet Blues Rock immer mit einem gewissen unterschwellen Retro-Charme und dezenten Southern-Flair, wobei mich Euler nicht nur rein äußerlich, sondern auch mit seiner, sich in Tenor-Sphären bewegenden Stimme, an Aynsley Lister erinnert.

Mit unserem Magazin sind die dezent ABB-verwobenen Tracks wie „Bridge You Ain’t Burnt“ oder „Tough Guy“, der Black Crowes-umwehte Rock ’n Roll-Schunkler „Rock N‘ Roll These Days“ (nomen est omen – klasse HT-Piano von Kilpatrick) und das Instrumental „Tricky Business“ (erinnert an Skynyrds „I Know A Little“) sowie das southern-shufflige „More To Life“, als besonders kompatibel einzustufen, der Rest bewegt sich eher in den klassischen Spielarten des Blues (Rocks).

Eulers Stärken liegen natürlich, sonst bräuchte er in diesem Genre wohl auch gar nicht erst vorzusprechen, in seinem dynamischen E-Gitarrenspiel. Auch Lucy Kilpatrick setzt mit diversen Tasteneinlagen einige markante Akzente, während die Leistung der Rhythmusfraktion als solide und ‚mannschaftsdienlich‘ eingestuft werden kann.

Ob Euler sich im großen Haifischbecken der Blues-Szene behaupten kann, wird erst die weitere Zeit zeigen, ein Anfang ist mit „Blues Got My Way“ gemacht. Da wird aber sicherlich noch jede Menge ‚Klinkenputzen‘ auf ihn zukommen. Southern Rock-Freunde können unbesorgt mal reinschnuppern und sich ihr eigenes Urteil bilden.

Eigenproduktion (2019)
Stil: Blues Rock

01. Blues Got My Back
02. Bridge You Ain’t Burnt
03. Played Your Part
04. Rock N‘ Roll These Days
05. Broken Soul
06. Forgive Me
07. Tricky Business
08. Tough Guy
09. More To Life
10. Thoughts of You

Tom Euler
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Jackie Venson – 18.06.2019, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Ich muss konstatieren, dass ich ziemlich unvoreingenommen, böse Zungen könnten auch sagen ‚unvorbereitet‘, mit dem Kollegen Mangold zum Jackie Venson-Gig in den Yard Club nach Köln gefahren bin. Nachdem sie vor geraumer Zeit bei den Austin Music Awards zur besten Gitarristin der Stadt ausgezeichnet wurde, und Austin ist in musikalischer Hinsicht nun wahrlich nicht Kleinkleckersdorf, war ich eigentlich von einer E-Gitarren-lastigen, klassischen texanischen Blues Performance ausgegangen. Um ein wenig Gefühl für die Titel ihre Lieder zu bekommen, hatte ich lediglich mal ihre jüngeren Setlisten durchstöbert.

Angekommen in der Domstadt, war schon vom Bühnenaufbau zu erkennen, dass es nur eine Zwei-Personen-Performance geben würde, allerdings war am Rande des Mikros der Protagonistin ein Sampler-Gerät positioniert (ähnliches kannten wir bereits z. B. von den Lindsay Ell-Vorstellungen), von dem Jackie dann im Verlauf des Gigs auch reichhaltig Gebrauch machte.

Was die Zuschauerzahlen an einem Dienstag in der etwas abseits des pulsierenden Kölner Lebens gelegenen Location betrifft, wurden meine bösen Vorahnungen bestätigt, es hatten sich gerade mal 30 Leute eingefunden. Nichtsdestotrotz lieferte die junge sympathische Texanerin mit ihrem blinden Drummer Rodney Hyder, eine unterhaltsame Show, bei der besonders ihre spielerischen Qualitäten an der E-Gitarre (unzählige quirlige Soli) nachhaltig untermauert wurden.

Aufgrund der vielen Synthie-Sequenzen, die sie mit dem Sampler einspielte, dem Sade-ähnlichen und auch ziemlich hall-lastigen Gesang, Phil Collins-mäßiger Drum-Intermezzi, fühlte man sich in Verbindung mit claptonesken Saiteneinlagen in die Achtziger Jahre zurückversetzt. Alben wie „August“ oder „Behind The Sun“ von Mr. Slowhand, aber auch Santana mit Sachen der Marke „Zebob“, „Shango“, & Co. aus Zeiten meines gerade beginnenden Erwachsenenalters, kamen aus den längst verborgen gedachten Sparten des Langzeitgedächtnis wieder zum Vorschein.

Auch die nicht unwesentlich eingestreuten Reggae- und R&B-Elemente, bildeten mit Vensons fulminanter E-Gitarrenarbeit eine interessante, teilweise groovige und funkige Symbiose, und ließen so manche rhythmisch-motorische Fähigkeiten, der, wie wir, überwiegend in die Jahre gekommenen Besucher, wieder aufblühen.

Jackie stieg mit Tracks wie u. a. „Mysterious“ aus diesen Stilrichtungen in den Gig ein und beendete im Zugabenteil mit Stücken wie „Lost In Time“ oder „Back To Earth“ ihr Köln-Debüt auf ähnlicher Linie.

Klar, dass vieles aus ihrem im April veröffentlichten Werk „Joy“ angeboten wurde, das, soweit es meine Notizen richtig vermerkt haben, fast komplett, bis auf ganz wenige Ausnahmen, vollständig abgearbeitet wurde (u. a. mit „Never Say Die“, „Next Life“, „Joy“, „Afterglow“).

Richtig klassisch-bluesig (rockig) wurde es eigentlich nur in einer über zwei Tracks währenden Phase mittels „Try To Believe“ und „Rollin‘ On“.

Am Ende wurde die junge Texanerin allerdings mit viel Beifall zum Merchandising-Stand entlassen, wo sie noch so einige CDs aus ihrem bisherigen Fundes veräußern konnte. Mir persönlich kam das Ganze, bei aller Sympathie und tollem Gitarrenwirken, insgesamt doch etwas zu ’synthetisch‘ rüber, ich würde die wild-gelockte Musikern zukünftig lieber gerne mal im klassischen Line-up, ergänzt um einen echten Bassisten und gegebenenfalls einen richtigen Keyboarder (ohne den technischen Firlefanz) sehen.

Line-up:
Jackie Venson (lead vocals, electric guitar, sampling)
Rodney Hyder (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Jackie Venson
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Yard Club Köln

Ash Wilson Trio – 08.06.2019, topos, Leverkusen – Konzertbericht

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Der Name der britischen Familie Wilson taucht, was unsere Live-Berichterstattungen in der ersten Jahreshälfte betrifft, jetzt bereits schon zum dritten Male auf. Zunächst sorgte Ashley mit seinem fulminanten E-Gitarrenspiel für die Würze bei Sari Schorrs Auftritt in Dortmund, dann legte Bruder Philip mit seiner Drum-Power die Grundlage bei Laurence Jones‘ starker Performance in Arnheim und jetzt war wieder Ashley in eigener Sache unterwegs und machte im Rahmen einer Einladung für das 20. Fürther New Orleans-Festivals, quasi als Generalprobe, noch einen Stop als Ersatz für den erkrankten Ben Poole, im Leverkusener topos.

Das Verhältnis in der britischen Blues Rock-Szene scheint von einem hohen Maß an Kollegialität gezeichnet zu sein, immer wieder erleben wir eine Durchmischung der diversen Acts, man hilft sich untereinander. So konnte Ash jetzt seine hier bisher eher etwas weniger bekannten Fronter-Qualitäten, mit dem viel auch als Produzent beschäftigten und umtriebigen Wayne Proctor (u. a. King King, Ben Poole, Ryan McGarvey) am Schlagzeug und Bassist Steve Amadeo (Ian Parker, Aynsley Lister), in exquisiter Umgebung präsentieren, wobei sein erstes Soloalbum „Broken Machine“, nebst einem brandneuen Song („I’m Gonna Get You“) und ein paar Cover-Nummern, natürlich den Löwenanteil inne hatte.

Der Teil der Leute, der dem Treiben der Frankfurter Fußball-Mafia in Weißrussland vor der Glotze an diesem Abend die kalte Schulter gezeigt hatte, sollte sein Kommen nicht bereuen. Die drei Burschen lieferten ein Lehrstück in Sachen moderner Interpretation des Blues Rock-Genres ab, das sich vor allem durch instrumentelle Finesse, Spielfreude und Teamgeist auszeichnete, sprich, die Freude im Kollektiv zu Performen, war omnipräsent.

Ash Wilson, der bis auf eine Ausnahme („Words Of A Woman“) mit einer mintgrün-weißen Stratocaster ‚unterwegs‘ war, stieg samt seiner beiden Begleiter, mit dem psychedelisch-umwehten „Peace And Love“ (klasse hier direkt seine Zwischengesangspassage ohne Mikro) in den Gig ein. „World’s Gone Crazy“ (70er-Flair), das shufflig groovende „The Revalator“, die beiden Peter Green-angehauchten „The Hitcher“ und „The Whiskey Blues“ (ganz stark!), sowie der Titeltrack des besagten Albums (mit dezenten David Gilmour-Kurz-Fills), erzeugten zurecht reichhaltigen Applaus der Anwesenden.

Der Protagonist sorgte mit seiner sympathischen und kommunikativen Art (sagte viele Stücke an und gab auch, wie zum Beispiel vor „Words Of A Woman“, kleine Anekdoten zur Entstehung Preis) für eine ausgezeichnete Atmosphäre und ließ zum Teil atemberaubende quirlige Soli vom Stapel. Wayne Proctor zeichnete sich durch sein bewährtes Feingefühl am Schlagzeug aus, das sich von angebrachter Zurückhaltung, bis zu Gas geben in der entsprechenden Situation, abbildete. Steve Amadeo erwies sich dabei als kongenial zupfender Rhythmus-Partner, nicht zuletzt erkennbar bei seinem fulminanten Solo bei „Out Of Time“ im zweiten Abschnitt des Gigs.

Der brachte auch, wie schon zuvor, mit Stücken wie unter anderen dem rockigen „Show Me How To Love You“, den sehr gut gecoverten „Drivin South“ (Hendrix-Instrumentalnummer) und „Real Mutha For Ya“ (Johnny Guitar Watson), dem ebenfalls funkigen „Lonely Room“, bis zum abschließenden „Queens Of The Stoneage-Song „Make It Wi Chu“ (mit launiger Publikums-Mitsing-Interaktion), ein hohes Maß an Qualität an den Tag, und legte in der Intensität sogar noch zu.

Trotz der anstrengen Anreise von der Insel und dem bevorstehenden Festival sam Fahrt dorthin, schonte sich das Trio nicht und bewies mit „Oh Well/Green Manilishi“ in der Zugabe, nochmals seine Empathie für Greensches Wirken als wichtiger Einflussgeber der Szene.

Am Ende signierte Ashley noch seine an die Frau, beziehungsweise an den Mann gebrachten CDs, redete bei einem Gläschen Rotwein, noch ein Weilchen mit uns und stand mit den Kollegen natürlich auch für das obligatorische SoS-VIP-Bild Spalier. Ein toller Abend mal wieder in Leverkusens Musik-Kultstätte! Auch die Besucher in Fürth dürfen sich heute auf filigrane Blues Rock-Kost vom Feinsten freuen.

Line Up:
Ashley Wilson – Lead vocals, electric guitar
Steve Amadeo – Bass
Wayne Proctor – Drums

Bilder: Gernot Mangold
Facebook-Video: Klemens Kübber
Text: Daniel Daus

Ash Wilson
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topos Leverkusen

Keb‘ Mo‘ – Oklahoma – CD-Review

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Eines muss man dem Blues-/Blues Rock-Genre ja lassen. Es ist nach wie vor, was gute Veröffentlichungen angeht, eine musikalische Bank. Da ich trotzdem nicht der ausgewiesene Experte bin, muss ich zu meiner eigenen Schande mal wieder gestehen, dass ein bereits gestandener, mehrfach Grammy-dekorierter Musiker wie Keb‘ Mo’, bisher an mir vorübergegangen ist.

Schön, dass sich jetzt die Gelegenheit ergab, sein neustes Werk „Oklahoma“, mal unter die Lupe zu nehmen. Keb‘ Mo‘, oder bürgerlich Kevin Roosevelt Moore, ist schon seit den 1970er Jahren aktiv, u. a. spielte er für Papa John Creach und die Monk Higgins Band.

1980 floppte sein erstes Album, sodass er sich erst 1994 wieder unter dem jetzigen Namen an potentielle Käuferschichten seiner Kreationen wagte. Aber seit dieser Zeit läuft es. Mo‘ ist bei den Grammy-Awards Dauergast und konnte mit seinen Werken „Just Like You“, „Slow Down“, „Keep It Simple“ und „TajMo“ (zusammen mit Taj Mahal) den Titel für das beste zeitgenössische Bluesalbum einheimsen.

Auch „Oklahoma“, wo er sich beim gleichnamigen Titelsong mit den Besonderheiten des Wirbelsturm-geplagten Staates und seinen Menschen, in künstlerischer Form auseinandersetzt, dürfte gute Chancen besitzen, für diverse Auszeichnungen vorgesehen zu werden.

Mir gefällt vor allem die musikalische Bandbreite die Keb‘ in sein Songspektrum, das sich natürlich überwiegend auf einem Bluesfundament aufbaut, einfließen lässt, und auch countrytypischen Instrumenten wie Fiddle und Lap Steel („Oklahoma“), oder Mandoline („Don’t Throw It Away“) und Dobro (beim deltabluesigen „Ridin‘ On A Train), nicht den Zugang verwehrt.

Ganz stark ist direkt der coole swampige Opener „I Remember You“, der ein wenig an den guten Tony Joe White reminiszieren lässt, nicht zu vergessen, das  J.J. Cale-typische E-Solo, das sofort einen weiteren Bezug zum Albumtitel hervorruft.

Zu erwähnen sind neben Mo‘s charismatischem Gesang, auch die illustren Gäste wie Robert Randolph (Lap Steel auf „Oklahoma“), Taj Mahal (Harp bei „Don’t Throw It Away“ und „I Should’ve“), Rosanne Cash beim souligen „Put A Woman In Charge“ (Co-vocals), Christian-/Latin-Pop Star Jaci Velasquez (Co-vocals bei „This Is My Home“) und seine Ehefrau Robbie Brooks Moore, die am Ende vokal auf der Cello-unterlegten,  für heiratswillige Musikerpärchen, bestens geeigneten Hochzeitshyme, „Beautiful Music“, mitschmachtet.

Produziert hat den sehr schön klar und transparent klingenden Longplayer Colin Linden (Blacky And The Rodeos). Keb‘ Mo’s neuer Silberling „Oklahoma“ überzeugt auf allen Ebenen. Ob auch wieder Grammy-geschmückt oder nicht, gibt es für mich nur ein Kurz-Fazit: Just Beautiful Music!

Concord Records (Universal Music) (2019)
Stil: Blues & More

Tracks:
01. I Remember You
02. Oklahoma
03. Put A Woman In Charge
04. This Is My Home
05. Don’t Throw It Away
06. The Way I
07. Ridin‘ On A Train
08. I Should’ve
09. Cold Outside
10. Beautiful Music

Keb‘ Mo‘
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Oktober Promotion

Catfish – Burning Bridges – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Die noch junge britische Bluesrocktruppe hat seit ihrer Gründung das mittlerweile dritte Album vorgelegt. Bereits die ersten beiden Scheiben „So Many Roads“ (2015) und „Broken Man“ (2017) erreichten auf Anhieb internationale Anerkennung. Letzteres wurde gar von der Independant Blues Broadcasters Association zum Album des Jahres 2017 gewählt.

Catfish, das sind der 24-jährige Frontmann und Gitarrist Matt Long, sein Vater Paul Long an den Keyboards, Adam Pyke am Tieftöner und Kevin Yates an den Drums. Den Gesang steuern Vater und Sohn gleichermaßen bei, wobei Matt Longs Bassstimme und Pauls tenorartige Stimmlage einen markanten Kontrast bilden. Tolle Unterstützung im Background gibt dazu es von Alice Armstrong.

Apropos Musikstil: Catfish präsentiert sich auf dem neuen Album absolut nicht als reinrassige Blues- oder Bluesrockband, weshalb mir auch eine Klassifizierung der Scheibe als Blues oder Blues Rock schwerfällt. Vielmehr verarbeiten die vier Musiker auch Einflüsse aus dem Metal-Bereich, besonders deutlich zu hören auf „The Root Of All Evil“ und „Under The Gun“.

Aber auch der Opener „Up In Flames“, der sich zu einer immer bedrohlicher werdenden Soundkulisse entwickelt, geht tendenziell in diese Richtung und fegt den Zuhörer mit seinem gewaltigen Bombastsound hinweg.

Regelrecht melödiös sind allerdings die einfühlsame Bluesballade „Ghosts“ und das sehr, sehr schöne „One More Chance“, auf dem nur die beiden Longs mit Piano und Gesang zu hören sind. Für mich der beste Track auf dem gesamten Album.

Die bluesige Seite der Band kommt kommt am ehesten auf „Soulbreaker“ mit A-Capella-Intro und Rootsanleihen sowie dem triefenden Slowblues „Archangel“ oder dem gewaltigen „Too Far To Fall“ zum Ausdruck. Elemente des Blues Rock blitzen in „Break Me Down“ und „The Big Picture“ auf.

Insgesamt hinterlässt das komplette Album den Zuhörer aber wohl eher in einer düstern und schweren Gemütslage. Zum wilden Abfeiern ist es daher aus Sicht des Rezensenten nicht geeignet und vom Genuss des Silberlings bei depressiver Verstimmung wird daher dringend abgeraten (smiley). Daran kann auch der letzte, leicht spacig-epische, aber auch basslastige, 10 Minuten-Song „Exile“ als Finale wenig ändern.

Die British Blues Rock-Award-Gewinner-Band Catfish beschreitet auf ihrem neuen Werk „Burning Bridges“, nicht alltägliche Pfade für dieses Gefilde. An den schweren Düstersound muss man sich allerdings zunächst gewöhnen.

Eigenproduktion (2019)
Stil: Blues Rock And More

01. Up In Smoke
02. Break Me Down
03. Ghosts
04. The Root Of All Evil
05. Soulbreaker
06. Too Far To Fall
07. Archangel
08. The Big Picture
09. Under The Gun
10. One More Chance
11. Exile

Catfish
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Doyle Bramhall II, 01.06.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Pünktlich zum meteorologischen Sommeranfang stiegen die Temperaturen im Ruhrgebiet auf entsprechende Werte. Trotz des guten Wetters und der Konkurrenz durch das Champions League-Finale, füllte sich das Piano ab 20:00 Uhr merklich, dass die Besucher den Liveclub zu etwa zwei Drittel füllten.

Um 20:30 Uhr betrat Bramhall, im Gegensatz zum letzten Konzert in Dortmund, wo er mit einer 5-Mann Band auftrat, diesmal in klassischer Dreierbesetzung auf. Im Publikum sah man auch das eine oder andere Eric Clapton-Shirt, auch als Hinweis auf die Qualität Bramhalls, der ja in verschiedensten Bands als Musiker mitwirkte, unter anderem auch bei Roger Waters und besagtem Mr. Slowhand, zu dessen Band er auch nach dem Dortmunder Konzert hinzustoßen wird, um ihn auf der anstehenden Europatour zu unterstützen.

Entsprechend groß waren auch die Erwartungen der Fans. Soviel schon einmal vorweg genommen, sie sollten nicht enttäuscht werden. Doyle Bramhall II mit dunkler Jeans, schwarzem T-Shirt, Hut mit breiter Krempe und Federn und einer Sonnenbrille bekleidet, seine Mitstreiter im Look der 60er bis 80er Jahre, sollten in der Show den Anwesenden stilgerecht zeigen, dass Musik, die ihre Wurzeln in dieser Zeit hatte, etwas aufgepeppt, immer noch attraktiv sein kann.

Mit „Problem Child“ vom Album „Welcome“ wurde das Publikum willkommen geheißen. Schon hier zeigte sich, dass Bramhall und seine zwei Mitstreiter auch in kleiner Besetzung einen voluminösen Sound auf die Bretter des schmucken Piano zaubern können. Man konnte der Band hier schon die Spielfreude anmerken. Die stressige Anreise mit Staus und Soundscheck, der noch andauerte, als sich die Pforten des Piano schon geöffnet hatten und die Besucher noch in der Kneipe verweilen mussten, ehe der Saal etwas verspätet dann geöffnet wurde, schien wie weggeflogen.

Mit der southern-umhauchten Ballade „So You Want It To Rain“ zeigte Bramhall bereits seine Extraklasse an der halbakustischen Gibson, später an verschiedenen Fender-Modellen. Auch Adam Minkoff am Bass, feste Größe als Bramhall-Mitstreiter und Chris St.Hilaire an den Drums, konnten schon hier die Anwesenden begeistern. Bramhall überzeugte hier, aber auch in vielen anderen Songs, nicht durch Saitenhexerei, wo manche Gitarristen versuchen Geschwindigkeitsrekorde im Saitenanschlag aufzustellen, sondern durch ausgefeilte Spieltechnik und absolut gefühlvolles, auf den Punkt gebrachtes Spiel.

Dies zeichnete auch die beiden Begleiter aus, wo das Schlagzeug nicht als Trommelbude zweckentfremdet wurde, sondern St. Hilaire seine Drumsticks mit Bedacht einsetzte, um in schnelleren Phasen, auch eine große Dynamik zu entwickeln. Adam Minkoff mit ganz starken Bassplel rundete den Sound gekonnt ab.

Schön waren auch die Harmoniegesänge der drei, die als belebendes Stilelement, gekonnt eingesetzt wurden. Dies kam auch beim Paradestück, dem bluesigen „November“ vom „Rich Man“ Album zum tragen, wo Adam Minkoff den Bass bei Seite legte und sich den Keyboards widmete.

Danach folgten mit „Love And Pain“, „Everything You Need“ und „Searchin‘ For Love“, drei Songs des aktuellen Albums „Shades“, von dem Bramhall selbst sagt, dass ihm damit das Werk gelungen ist, in dem er alles verknüpft wurde, was für ihn bedeutsam ist. Alles drei sehr gefühlvolle blues-soulig-emotionale Songs.

Dabei offerierte der slow gespielte Blues „Searching For Love“ eindrucksvoll, warum Bramhall seit 2000 festes Bestandteil der Clapton Band ist und auch einen Anteil am Songwriting und der Produktion hat. Diese ‚Liebe‘ zu Doyles Musikstil ging sogar soweit, dass Clapton, Bramhall-Songs auf seinen Studioalben coverte.

Nachdem er in diesem Stück sprichwörtlich nach Liebe gesucht hatte, fand er diese im folgenden „Izabella“, einem Hendrix-Cover (es muss ja nicht immer „Hey Joe“ oder „Purple Haze“ sein). Jimmy,  der bildlich neben der Bühne auf einem großen Bild an der Wand hängt, schaute Doyle Bramhall in Hochform genüsslich zu, wie er mit Band seine Musik wieder zum Leben erweckte.

Mit „The Veil“ einer ruhigen Ballade, dem bluesigen „Mama Can’t You Help Me“,  von „Rich Man“, deutete Bramhall an, dass er zumindest in musikalischer Hinsicht, ein reicher Mann ist. Einmal mehr starkes Songwiting, über die meist filigranen spielerischen Fähigkeiten braucht nichts mehr erwähnt zu werden, aber auch gesanglich mit differenzierenden Stimmlagen war sein Können omnipräsent. Interessant war, wie in einer Zwischenpassage von allen Dreien die Melodie von „Walk On The Wildside“ gesanglich intoniert wurde. Einfach passend zu einem von guter Laune geprägten Konzert.

Mit „Angel“ einem der schönsten Hendrix-Songs, war der emotionale Höhepunkt des Abends erreicht. Nach diesem sehr gefühlvollen Track, wurde es mit „Hands Up“ rauher, eingeläutet von Minkhoff mit einem starken Basssolo, während Bramhall und St. Hilaire dem Spiel nebeneinander sitzend lauschten, was zum Ende hin psychedelisch, fast Doors-ähnlich ausuferte und das Finale Grande einläutete.

Doyle kündigte einen Lovesong an und mancher der Besucher rieb sich zunächst verwundert die Augen. Schon beim ersten Anschlag der Gitarre fand ich mich ein paar Jahrzehnte zurückversetzt. Nachdem Matthias Johannson das Trio an den Keyboards zum Quartett erweitert hatte, folgte eine starke, vom Punk der Stooges umwehte Version des Klassikers „I Wanna Be Your Dog“. Eine absolut positive Überraschung im Set.

Als Zugabe gab es dann noch eine losgelöste Version der Beatles-Nummer „She Said“, die auch hart interpretiert wurde und das begeisterte Publikum nach 90 Minuten intensiver Livemusik in das restliche Wochenende schickte.

Bramhall ließ es sich trotz des engen Terminkalenders und der anstehenden Reise in Richtung Clapton nicht nehmen, am Merchandise-Stand nicht nur vorbei zu schauen. Er nahm sich alle Zeit, den zahlreichen Foto-und Autogrammwünschen bestens gelaunt und auch humorvoll nachzukommen. So hatte der Abend einen runden Abschluss gefunden und die Fans konnten entweder zufrieden beschwingt den Heimweg antreten oder noch auf ein paar Absacker in der gemütlichen Kneipe des Pianos verweilen.

Ein besonderer Dank wieder an Jenny Dore und 3Dog Entertainment für die Akkreditierung, aber auch an das gesamte Team des Pianos, das eine, wie immer, gastfreundliche Atmosphäre schaffte. Ein Freund von mir, der das erste Mal mit im Piano war, sagte auf der Rückfahrt, dass er selten einen Laden mit solch einem Flair und  einem dem Gast so zugewendeten Personal gesehen hat. Er, wie auch Doyle Bramhall II, werden vermutlich/hoffentlich nicht das letzte Mal dort gewesen sein, sodass Livemusik, dort wo sie ursprünglich hingehört, auch in Zukunft weiterleben wird.

Line-up:
Doyle Bramhall II (Lead vocals, electric guitar, vocals)
Chris St. Hilaire Cole (Drums, vocals)
Adam Minkoff (Bass, keys, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Doyle Bramhall II
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Kenny Wayne Sheperd – The Traveler – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Einen besseren Albumtitel hätte man sich für die neue LP von Kenny Wayne Shepherd kaum vorstellen können. „The Traveler“ ist nicht nur die fast perfekte Beschreibung und vielleicht ein Synonym für seine bisherige Karriere, sondern auch ein wichtiger Ausdruck für die geänderte, persönliche Einstellung und Sichtweise des Gitarristen.

Der mittlerweile 41-jährige US-Amerikaner aus Louisiana ist bereits seit Mitte der 90er Jahre sehr erfolgreich in der Blues-Szene unterwegs und hat die oftmals noch staubigen Blues-Klassiker seiner Vorbilder in die ‚Neuzeit‘ überführt – der Blues-Musik damit ein breiteres Publikum erschlossen.

So beginnt das zehnte Studioalbum mit dem zielstrebigen Blues-Rocker „Woman Like You“, der noch viel von den musikalischen Einflüssen vergangener Jahre aufweist. Thematisch hat sich KWS auf dieser Scheibe jedoch neuen Blues-Stories gewidmet, da für ihn – wie er anmerkt – inzwischen andere Gedanken und Gefühle in den Fokus gerückt sind, die er in den acht Eigenkompositionen umfassend verarbeitet. Hierzu gehört eindeutig das laute „Long Time Running“, eine R’n’B-Nummer ohne Kompromiss, das die Scheibe gekonnt in das nächste Highlight treibt.

„I Want You“ ist ein funkiger Blues mit intensiver Bläser-Unterstützung, der sich auch gut auf einem Bonamassa-Longplayer machen würde und durch schöne, straighte Soli die ausgedehnten sechs Minuten allemal rechtfertigt. Die softe, akustisch-gestylte Ballade „Tailwind“ erinnert an das herrliche „Lay It On Down“ vom gleichnamigen Album (2017) und verbreitet unwillkürlich einen Hauch von Country Feeling, das durch Kennys Gesang und ein dynamisches Gitarren-Solo einfühlsam zelebriert wird.

Der Song ist zugleich die Inspiration und der Namensgeber für das gesamte Album, so Shepherd: „Wir reisen alle zusammen durch dieses Ding, das man Leben nennt. Die momentanen Zeiten und Spannungen sind verrückt und sind ein Test für uns als Gesellschaft.“

Mit „Take It On Home“ begibt sich Shepherd erneut gerne in die Randbereiche zwischen Country und Southern-Rock und bestätigt sein Songwriter-Talent in Form dieser eingängigen Ballade, die für viele US-Radio-Shows eingeplant sein dürfte. Auch die soulige Blues-Rock-Nummer „Better With Time“ markiert im fast fröhlichen Sound die Anfänge der Allman Brothers Band, nur im modernen Gewand und exzellent – wie die anderen Tracks – von Marshall Altman produziert.

Weitere Höhepunkte der Scheibe sind die beiden Cover-Versionen alter Hits; zum einen der von Neil Young stammende Buffallo Springfield-Song „Mr. Soul“, den Shepherd schnell und geradlinig, aber superb zum Besten gibt und zum anderen, das Joe Walsh-Stück „Turn To Stone“, das hier die verdiente Anerkennung bekommt. Beide Songs werden nach wiederholten Live-Darbietungen endlich auf Platte serviert.

Nicht zu vergessen: ein nächstes Album mit Shepherds anderem Band-Projekt „The Rides“ (u.a. zusammen mit Stephen Stills und Barry Goldberg) steht schon in den Startlöchern.

„The Traveller“ von Kenny Wayne Shepherd gehört insgesamt eindeutig schon jetzt zu den Top Blues-Alben 2019 und wird seine Wirkung auf die kommende Generation zukünftiger Blues-Enthusiasten nicht verfehlen. Shepherd festigt nochmals seinen Status als einer der führenden und einflussreichsten Blues-Songwriter und -Gitarristen.

Das neue Werk fügt sich daher nahtlos in die Spitzenklasse seiner bisherigen Arbeit ein. Die in Kürze anstehende Konzert-Reise vom „Traveler“ sollte deshalb unbedingt beachtet werden.

Provogue (Mascot Label Group) (2019)
Stil: Blues Rock

01. Woman Like You
02. Long Time Running
03. I Want You
04. Tailwind
05. Gravity
06. We All Alright
07. Take It On Home
08. Mr. Soul
09. Better With Time
10. Turn To Stone

Kenny Wayne Sheperd
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