T.H. & The Boneshakerz – Last Train To Graceland – CD-Review

2019 hatte Tim Husung bereits ein Album namens „Love, Soul, Rock ‚N‘ Roll“ komplett in Eigenregie veröffentlicht. Für das neue Werk „Last Train To Graceland“ firmiert er (lead vocals/guitars/harp) jetzt mit seinen Kollegen Robin Brieseck (bass, bgv), Daniel Geist (keys) Jan Le Grow (guitar, bgv) und Volker Britz (drums, percussion) als T.H. & The Boneskakerz.

Insgesamt sind es dann letztendlich zehn Stücke geworden, wobei man das ca. einminütige Instrumentalintro abziehen darf. Musikalisch kann man Husungs eigene Einschätzung „echte, handgemachte Rockmusik mit Herz und Eiern“ durchaus teilen, in songtechnischer, instrumenteller und auch aus Produktionssicht, erhält man einen schönen retro-umfärbten, meist härteren Rockmix, der auch dezentes südstaatliches Espirit (Richtung ZZ Top, Molly Hatchet, Raging Slab, The Four Horsemen, etc.) versprüht.

Leider kann der amerikanisch versuchend zu klingende Haupt-Protagonist, wie so oft bei Bands aus unseren Landen, auch in diesem Fall, seine wahre Herkunft gesanglich nicht verbergen. Zumindest in den Refrains, wo es partiell mehr in kreischende Gefilde geht, die man so aus Hard Rock-Kreisen a là Rose, Keifer, Bon Jovi & Co. kennt, und bei denen auch noch Harmoniegesänge zum Teil untergemischt sind, kann man dieses Manko etwas kaschieren.

Instrumentell wird man dafür mit satten E-Gitarren, wummernden Orgeleinlagen, mal einem Harp-Intermezzo und dem kräftigen Drumming von Britz bei sehr klarem Sound ‚entschädigt‘. Die eigens kreierten Songs besitzen auch durchaus ihren Wiedererkennungswert. Das beschriebene kann man stellvertretend im Song „Thunder Road“ begutachten, zu dem die Band einen Videoclip gedreht hat.

Am Ende reicht es sicherlich für geneigte Leute (die dann vielleicht auch nicht ganz so pingelig sind wie ich), um mit den Burschen, besonders live, zwei unterhaltsame Stunden zu erleben. Die Release-Party zur CD (gestaltet als Klappdigipak mit inkludiertem Steckbooklet) wird am 19.04.2024 im Werkhof Hohenlimburg stattfinden.

Timezone Records (2024)
Stil: Hard Rock & More

Tracks:
01. Intro
02. Keep On Moving
03. Let’s Get High
04. Rock’n’Roll Heart
05. Run Baby Run
06. Fly Like An Eagle
07. Thunder Road
08. Last Train To Graceland
09. It’s Alright Mama
10. Fire

T.H. & The Boneshakerz
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Joe Bonamassa – 09.04.2024, Lanxess Arena, Köln – Konzertbericht

Ich habe immer so das Gefühl, dass die gediegene Blues-Klientel den Begriff ‚Weiterentwicklung‘ scheut, wie der Teufel das Weihwasser. Gerade im Fall Joe Bonamassa habe ich es schon so oft vernommen, dass alles, was der aus New York stammende Musik-Tausendsassa heute betreibt, reflexartig verdammt wird und auf seine (angeblich) brillanten Anfangstage verwiesen wird.

Ich persönlich sehe das allerdings komplett anders, ich finde, dass er sich, besonders seit seiner Zusammenarbeit mit Musikern der Nashville-Extraklasse-Garde und auch vor allem gesanglich deutlich gegenüber den Frühzeiten verbessert hat. Dazu verfolgte er von Beginn an, was ich als völlig legitim erachte, einen klaren Plan, sich mit seinem extravaganten Können und Talent, aus der Überschaubarkeit der kleinen und mittleren Locations herauszuspielen.

Und mit mir haben das scheinbar auch die am gestrigen Abend anwesenden ca. 4.500 Zuschauer in der ansprechend gefüllt aussehenden bestuhlten Lanxess-Arena so gesehen, die von der Altersstruktur sehr schön durchmischt gewesen ist. Heißt wohl, dass es Bonamassa mittlerweile gelingt, die in diesem Metier oft festgefahrenen Altersstrukturen zu durchbrechen und die Blues (Rock)-Musik auch für nachfolgende Generationen attraktiv zu gestalten. Von daher, aus meiner Sicht, alles richtig gemacht.

Der Gig an diesem Abend in der Domstadt, um es vorwegzunehmen, war absolut fantastisch, der bis dato eindeutig beste Auftritt, den ich von ihm plus seinem aktuellen Begleitensemble, bestehend aus der kräftigen Rhythmusfraktion Calvin Turner und Lamar Carter, den Backgroundsängerinnen Jade MacRae und Danniele De Andrea, sowie den etatmäßigen Begleitern Josh Smith und Reese Wynans, erlebt habe.

Wir hatten Plätze ganz vorne in der Nähe der Bühne, der Sound war wunderbar transparent. Joe wirkte von Beginn an locker wie nie, allein schon die beiden ruhigeren Sachen in der Anfangsphase „24 Hour Blues“ und „Self Inflicted Wounds“ waren phänomenal. Sehr stark präsent von Beginn an waren die beiden Backgroundsängerinnen, die mit ihrer ansteckenden Ausstrahlung und ihren kräftigen Vokalorganen einen herrlichen Counterpart zum Fronter abgaben.

Auch alle anderen Akteure wurden diesmal deutlich stärker eingebunden (der agile und viel Power gebende Carter mit Drumsolo innerhalb von“ Just Got Paid“, Altmeister Wynans mit Orgel- und HT-Soli (z. B. „Lazy Poker Blues“) sowie vielen gefühlvollen Untermalungen bei Joes Soli (grandios u. a. beim progressiven „The Last Matador Of Bayonne“) und sogar Rhythmusgitarrist Josh Smith konnte sich diesmal als Solist bei einigen Gelegenheiten profilieren („Self Inflicted Wounds“, „Shout About It“, „Lazy Poker Blues“, dazu schöne Twins mit Joe bei „Mountain Time“).

Joe selbst spielte sich, egal, ob auf den unterschiedlichen Gibson -oder Fendermodellen unterwegs, zum Teil in einen wahren Rausch und demonstrierte nachhaltig seine unglaubliche Fingerfertigkeit. In den ruhigeren Phasen seiner Soli (da erwies sich die Audienz erstaunlich empathisch, es waren überhaupt keine ‚Dazwischenquatscher‘ auszumachen) gab es mehrfach echte Gänsehautmomente.

Spätestens nach der Vorstellung der Band und den stehenden Ovationen der gesamten Arena für Reese Wynans (quasi für seine musikalische Lebensleistung), ging es dann stehend (viele strömten dann vorne an die Bühne) in eine fulminante Zweithälfte mit weiteren Highlightsongs wie „Heart That Never Waits“, „It Is Safe To Go Home“ und dem „Lazy Poker Blues“.

Der unterhaltsame Reigen der vielen, dem Blues angelehnten Stilen (klasse Songauswahl und auch -anordnung), die hier perfekt gemischt wurden, ging dann zum Ende in die Southern-Phase über, wo ZZ Tops „Just Got Paid“ mit einem nahezu infernalen Instrumentalteil geboten wurde, und mit dem Fan-Favoriten „Mountain Time“ (mit ABB-Flair), Wasser auf unsere speziellen Mühlen gegossen wurde.

Fazit: Auch wenn Eric Clapton zuschauertechnisch vielleicht momentan immer noch größeren Zuspruch im Genre genießen sollte, hat ‚Smokin‘ Joe‘ in aktiver, kreativer und spielerischer Hinsicht längst das Zepter im Blues-Olymp übernommen. Die reale Nummer 1 des 21. Jahrhunderts heißt demnach mittlerweile eindeutig Joe Bonamassa!

Vielen Dank an Mark Dehler von Netinfect Promotion, der uns dieses tolle Ereignis ermöglicht hat!

Line-up:
Joe Bonamassa (lead vocals, electric guitar)
Josh Smith (electric guitar)
Reese Wynans (keys)
Calvin Turner (bass)
Lamar Carter (drums)
Dannielle De Andrea (vocals)
Jade MacRae (vocals, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Joe Bonamassa
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Netinfect Promotion
Lanxess Arena, Köln

Elles Bailey – Live At The Fire Station – CD-Review

Bild

Es ist tatsächlich schon wieder fünf Jahre her, dass ich Elles Bailey und ihre Band zum letzten Mal live auf der Bühne erlebt habe. Zwischenzeitlich hatte ich aber noch das Vergnügen, ihre beiden starken Studio-CDs „Road I Call Home“ und „Shining In the Half Light“ reviewen zu dürfen.

Irgendwie kam mir dann neulich mal in den Sinn, zu checken, ob es denn nicht irgendwas neues bezüglich ihrer Person zu vermelden gibt. Und tatsächlich, es existiert seit kurzem eine brandneue Live-CD, passt ja dann gut. Kaum hatte ich die sympathische Künstlerin angeschrieben, waren wenig Zeit später die Files zum Album und sämtliche Begleitinfos zugegen.

Das Album wurde in Sunderland (wo ich tatsächlich auch schon mal zu Jugendzeiten, bei einem meiner bisherigen zwei England-Besuche gewesen bin), wie es der Albumtitel schon proklamiert, in einer Location namens ‚The Fire Station‘ aufgenommen, Alarm gab es wohl allerdings dann nur musikalisch auf der Bühne. Bailey scheint von dem Auftrittsort überaus angetan zu sein, wie es zwischenzeitlich immer wieder bei den Songs zum Ausdruck kommt.

Die Chemie um die Protagonistin herum muss nach wie vor stimmen, die Besetzung mit Joe Wilkins (guitars, backing vocals), Matthew Waer (bass, backing vocals), Matthew Jones (drums) bildet weiterhin das Grundgerüst, lediglich der klasse agierende Jonny Henderson (hammond organ, piano, backing vocals ) und Demi Marriner (backing vocals, tambourine) sind als neue, zusätzliche Personalien im Vergleich zu ihren damaligen topos-Auftritten (die damals natürlich unter anderen Vorzeichen stattfanden) zu vermelden.

Das Spiel, bzw. den Gig beginnen Bailey und Band mit dem launigen „The Game“, ein gut gewählter Einstieg. Beim Zeigefinger-erhebenden „Stones“ (Don’t throw stones!) lässt Joe Wilkins mit ersten Slide-Einlagen keinen Zweifel daran, dass er ein gehöriges Maß an Southern Rock im Blut hat. Die beiden nachfolgenden, ruhiger angesiedelten „Colours Start To Run“ (Killer-Ballade) und „Perfect Storm“ sind einfach nur zum Niederknien.

Im weiteren Verlauf präsentiert die Protagonistin mit ihrem starken Ensemble viele Eigenkreationen samt zweier toll gewählter Fremdkompositionen („Over the Hill“ und „Long As I See the Light“ – hier begegnet Elles John Fogerty in weiblicher Form absolut auf Augenhöhe, Gänsehaut garantiert), wobei das letzte, immer noch aktuelle Studio-Album „Shining In The Half Light“ naturgemäß den Schwerpunkt bildet. Schön, dass mein absolutes Lieblingsstück von ihr, das flott groovende „Help Somebody“, auch vertreten ist.

Alle Beteiligten haben ihre zahlreichen Glanzmomente (selbst die starke Backgroundsängerin Demi Marriner darf beim endgültigen Rausschmeißer „Sunshine City“ mit einem furiosen Solopart ihre vokale Klasse herausstellen).

Die von amerikanischer Musik stark beeinflusste Hauptakteurin Elles Bailey agiert hier fast wie eine junge Bonnie Raitt zu ihren besten Zeiten in der britischen Variante. Jeder der insgesamt 16 Tracks zündet, somit kann man dieses Elles Bailey-Konzert in der ehemaligen sunderländischen Fire Station als ein einziges musikalisches Feuerwerk charakterisieren! Ganz heißer Stoff!

Outlaw Music – (2024)
Stil: Blues/(Southern) Rock/Country/Roots

01. Cheats And Liars
02. The Game
03. Stones
04. Colours Start To Run
05. Perfect Storm
06. Spinning Stopped
07. Shining In the Half Light
08. Help Somebody
09. Medicine Man
10. Halfway House
11. Cheats and Liars
12. Over The Hill
13 Hole In My Poket
14. Long as I See the Light
15. Riding Out the Storm
16. Sunshine City

Elles Bailey
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V2 Records & Bertus Musikvertrieb

Ana Popovic – 21.03.2024, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Wie schon im letzten Jahr sorgt Ana Popovic sorgt für ein ausverkauftes Musiktheater Piano in Dortmund. Am, von ihr beschriebenen Jetlag – sie kam erst im Laufe des Tages aus Amerika in Deutschland an – ist ihr nichts anzumerken.

Knapp zwei Stunden Blues mit Soul- und Jazz-Einflüssen sorgen für beste Stimmung wobei sie ihren Begleitmusikern den Raum für etliche Soli lässt. Stark ist, wie sie sich mit Michele Papadia an den Keyboards, Claudio Giovagnoli am Saxophon und Davide Ghidoni an der Trompete ergänzt.

Aber auch Cory Burns mit einem mehrminütigen Bass-Solo, in das am Ende Jerry Kelley an den Drums einsteigt, können ihre Klasse beweisen.

Die Setlist umfasst zum großen Teil Songs des letzten Albums „Power“, das auch schon im letzten Jahr im Mittelpunkt stand, für mein Empfinden aber stärker und druckvoller präsentiert wird.

So ist es nicht verwunderlich, dass es nach dem letzten Song zu lautstarken Zugabeforderungen kommt, aus denen das fast hymnisch vorgetragene „Slow Dance“, incl. einer kleinen Tanzeinlage mit Giovagnoli herausragt und ein Abend mit Popovic in Hochform endet.

Line-up:
Ana Popovic (lead vocals, electric guitar)
Cory Burns (bass, vocals)
Jerry Kelley (drums)
Michele Papadia (keys, vocals)
Claudio Giovagnoli (saxophone)
Davide Ghidoni (trumpet)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Ana Popovic
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Musiktheater Piano, Lütgendortmund

Mitch Ryder – 22.02.2024 – Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertnachlese

Das Mitch Ryder auch mit knapp 79 Jahren seine Fans hat, zeigt sich daran, dass der Schwarze Adler schon einige Tage vorher ein volles Haus gemeldet hat. Nachdem er im letzten Jahr das ganze Konzert sitzend sang, ist er nach medizinischen Behandlungen in der Lage, fast die ganze Zeit zu stehen, auch wenn ihm anzumerken ist. dass er sehr unsicher ist, als er sich zu Beginn des Konzerts zu seinem Mikro begibt.

In dem Moment, als er aber anfängt zu singen, fühlt man sich in Zeiten zurückversetzt, als er vor etwa 45 Jahren in Deutschland seinen Durchbruch in einer der Rockpalast-Nächte hatte. Mit seiner kraftvollen Stimme sorgt er vom ersten Song an dafür, dass die Besucher zuweilen gebannt zuhören oder ausgelassen mitgehen. Es ist eindrucksvoll, welche Vitalität Ryder mit seinem Charme und seiner sichtbaren Freude ausstrahlt, dass man bei geschlossenen Augen fast vergessen könnte, dass das Leben doch seine Spuren an dem begnadeten Sänger hinterlassen hat.

Einen großen Anteil an diesem magischen Abend im Schwarzen Adler hat auch seine aus Ostberlin stammende Begleitband Engerling, die ihn schon seit über drei Dekaden auf Tourneen in Deutschland begleitet. Zwei Stunden Blues Rock-Musik vergehen so wie im Flug. In seine eigenen Songs, wo für mich das emotionale „Do You Feel Allright?“ und das rockige „Tough Kid“ herausragen, streut er einige gekonnt gecoverte Stücke ein, denen er ein Ryder-Gewand überstülpt.

Stark der Stones-Oldie „Heart Of Stone“ und das Konzert abschließende „Soulkitchen“ von den Doors, das er schon 1979 beim Rockpalast Auftritt im Programm hatte. Hier zeigen die beiden Gitarristen Heiner Witte und Gisbert Piatkowski mit langen Soli, was in ihnen steckt. Wolfram Bodag an den Keyboards bringt ein Doors-Feeling in den Saal und offeriert, dass er auch die Mundharmonika bestens spielen kann.

Zum Ende des Konzerts verlässt Ryder durch die Zuschauer den Saal durch den Seiteneingang und überlässt den Musikern für ein längeres Outro die Bühne. Nachdem sie den verdienten Applaus des Publikums erhalten hatten, stellten sie symbolisch den Barhocker, auf dem Ryder bei einigen Stücken saß, bei der Verabschiedung vor sich. Bei der heute gezeigten Spielfreude ist nicht auszuschließen, dass Mitch Ryder auch nächstes Jahr noch einmal vorbei schaut.

Setlist:
The Thrill of It All
Red Scar Eyes
Long Hard Road
Ain’t Nobody White
All the Fools It Sees
Freezin‘ in Hell
Heart of Stone (The Rolling Stones cover)
Take Me to the River (Al Green cover)
Yeah, You Right
That’s Charm
Do You Feel Alright?
When You Were Mine (Prince cover)
Tough Kid
It Wasn’t Me (Chuck Berry cover)
Betty’s Too Tight
Soul Kitchen (The Doors cover)

Line-up:
Mitch Ryder – lead vocals, percussion
Wolfram Bodag – keyboards, harp
Heiner Witte – guitars
Manne Pokrandt – bass
Hannes Schulze – drums
Gisbert Piatkowski – guitars

Text und Bilder: Gernot Mangold

Mitch Ryder
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Schwarzer Adler, Rheinberg

30 Jahre Ruf – 06.02.2024 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertnachlese

Zum 30-jährigen Bestehen von Ruf Records hat sich Thomas Ruf etwas Besonderes einfallen lassen. Ähnlich dem seit vielen Jahren erfolgreichen Format Blues Caravan schickt er drei Künstler auf eine Tour und macht dabei auch Halt im Dortmunder Musiktheater Piano.

Im für einen Dienstag Abend ordentlich besuchten Piano macht die junge Pianistin Katie Henry den Anfang. Im etwa 30-minütigen Auftritt präsentiert sie ausschließlich Songs aus dem Album, das zunächst exklusiv auf der Tour zu erwerben ist. Begleitet wird sie dabei von Allisons Drummer Matthew Mwangi der bei einigen Soli zeigt, dass er auch ein guter Gitarrist ist, von George Moye am Bass und Ron an den Drums. Die bluesrockigen Songs „Love Like Kerosene“ und „Voodoo Woman“ sowie das balladeske „Wake Up Time“ ragen aus dem starken Set besonders heraus.

Ohne Umbaupause geht es dann mit der aufstrebenden Texanerin Ally Venable weiter, die sich auf der fetten Grundlage von Ej Bedfort am Bass & synth sowie Isaac Pulido an den Drums mit starken Soli austoben kann. Die meisten Stücke sind eher härterer Blues Rock. Stark das Buddy Guy-Cover „Justifyin“ und „Tribute to SRV“, mit dem sie das erste Set des Konzertabends abschließt. Spätestens bei dem Song ist zu hören, welch begnadete Gitarristin sie ist, die in dieser Homage an SRV auf dessen Spuren wandelt.

Nach etwa 30 Minuten Pause betritt dann Bernard Allison mit seiner Band unter dem Applaus der Bluesfans die Bühne und liefert einen knapp 90 minütigen Gig ab, der für beste Stimmung sorgt. Er lässt zuweilen Reggae und Soul in den Blues einfließen und kreiert damit seinen ganz eigenen Stil.

Dabei kann er sich absolut auf seine Band verlassen. George Moye am Bass und Matthew Mwangi an den Drums legen nicht nur eine starke Rhythmusarbeit hin, sie zeigen auch in kurzen Soloparts ihre musikalische Klasse. Neben dem bestens aufgelegten Allison steht Keyboarder Eric Robert mit teilweise explosiven Soli einige Male im Zentrum des Geschehens.

Der Star des Abends ist aber Bernard Allison, Gefühlvolle Soli wechseln sich mit furiosen Einlagen ab und sorgen einige Male für Szenenapplaus. Zudem zeigt er eine große Nähe zum Publikum, mit dem er des Ofteren regelrecht flirtet.
Neben eigenen Track wie „So Excited“, „Night Train“ und „Bad Love“ ragt eine krachende Extended-Version des Hendrix-Klassikers „Voodoo Child“ heraus. Für die letzten drei Stücke bekommt Allison dann Verstärkung auf die Bühne. Bei „Serious“ wird die Band von Ally Venable als zweite Gitarristin und Katie Henry als zweiter Keyborderin unterstützt. So entwickelt der Song eine besondere Dynamik für das mittlerweile enthusiastisch mitgehende Publikum, worauf passend SRV´s „The House is Rockin`“ folgt.

Mit einer knapp 20 minütigen jammenden Version von „Going Down“, zu der aich alle Musiker auf der Bühne einfinden, endet ein würdiges Jubiläums-Konzert. In der Form erlebt man den oft gecoverten Song selten. Gitarren-Soli wechseln sich mit Keyboard- bzw. Synthie- Intermezzi ab und die drei Schlagzeuger lösten sich an den Drums ab oder sorgen durch Percussionarbeit für einen fetten Sound.

Mit Ovationen werden die Musiker verabschiedet, denen jederzeit anzumerken war, mit welcher Freude sie den Blues an dem Abend zelebrierten. Sie erzeugten somit schon eine gewisse Vorfreude auf den im Frühjahr kommenden Blues Caravan.

Setlist Katie Henry:
Nobody’s Fault But Mine (Blind Willie Johnson cover)
Love Like Kerosene
Voodoo Woman
Wake Up Time 
Get Goin‘ Get Gone
Clear Vision

Setlist Ally Venable:
Real Gone
Justifyin’ (Buddy Guy cover)
Don’t Lose Me
Comfort In My Sorrows
Tribute To SRV

Setlist Bernard Allison:
So Excited
Night Train
Bad Love
Change Your Way of Living
Too Many Women
I Believe
Voodoo Child (Slight Return) (The Jimi Hendrix Experience cover)
Serious (Luther Allison cover) (with Katie Henry and Ally Venable)
The House Is Rockin‘ (Stevie Ray Vaughan cover) (with Katie Henry and Ally Venable)
Going Down (The Alabama State Troupers cover) (with Katie Henry and Ally Venable)

Line-up:
Katie Henry – keyboards & vocals
Matthew Mwangi – guitars
George Moye – bass
Ron – drums
Ally Venable – guitars & vocals
Ej Bedfort – bass & synth
Isaac Pulido – drums
Bernard Allison – guitars & vocals
George Moye – bass
Eric Robert – keyboards
Matthew Mwangi – drums

Text & Bilder Gernot Mangold

Ruf´s Blues Caravan
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Musiktheater Piano

Vanja Sky – 03.02.2023 – Gasoline Blues Club, Geldern – Konzertnachlese

Vanja Sky setzt mit ihrer Band die „Reborn“-Tour am linken Niederrhein im Gasoline Blues Club in Geldern fort. Die Setlist hat keine Überraschungen, es ist aber festzustellen, dass die Band sich weiter gefestigt und weiterentwickelt hat. Vanja Sky und Guenther Haas harmonieren bestens mit ihrem Gitarrenspiel und Bassist Werner Kolb und Sebastian Harder an den Drums sorgen für eine starke Rhythmusgrundlage.

So entsteht im mit etwa 200 Besuchern gut gefüllten Club schnell die entsprechende Stimmung, die sichtbar von der Band genossen wird. So legt eine bestens aufgelegte Sky ein entfesseltes Konzert hin, bei dem sie ständig den Kontakt mit den Fans sucht und findet und sich auch nach dem knapp zweistündigen Konzert geduldig Zeit für die Fans am Merchandising-Stand nimmt.

Ein Blick auf die Seite vom CulturKreis Gelderland ist durchaus lohnenswert, da dieser im Gasoline Blues Club in regelmäßigen Abständen attraktive Blues-Musiker nach Geldern holt, wie Veronique Gayot am 20.04.2024.

Line-up:
Vanja Sky – lead vocals, guitars
Guenther Haas – guitars, backing vocals
Werner Kolb– bass
Sebastian Harder – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Vanja Sky
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CulturKreis Gelderland

Leaving Spirit – Guide To The Spirit World – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Die Würzburger Band Leaving Spirit veröffentlicht mit “Guide To The Spirit World” innerhalb von 5 Jahren bereits ihr drittes Album. Der gesamte Produktionsprozess des Longplayers, einschließlich Songwriting, Mastering, Cover-Design und Promotion, ist komplett in Eigenregie abgelaufen.

Mit “Freak Show” beginnt die intensive Spurensuche auf dem Weg zur “Spirit World”, die, wie sie es ausdrücken, “durch staubige Wüsten, Kakteenlandschaften und unendliche Horizonte” führt. Die Ballade “Holy Mountain Man” – im Stile sehr früher Deep Purple oder Julie Driscoll Einflüsse – inklusive schöner Guitar/Organ-Soli und mit Frontfrau Paula Frecot an den Vocals wird so zu einem Favoriten des Longplayers.

Mit southern-soundigen Klängen erweitert “Bad Dream” die abwechslungsreiche Tracklist durch angenehm, warme, bluesige Stimmungsbilder. Die Song-Palette umfasst auch temporeiche, hard-rockin’ Tracks, auf denen (u. a. “I Don’t Care” und “Ol’ Frina”), die Keyboard-Sounds herausragen. Zum guten Schluss bietet “Old Austin” einen Ohrwurm Refrain, der seinen feinen Vorbildern im Südstaaten-Blues Rock gewachsen ist und zur Live-Hymne ausgebaut werden kann.

Nach den Alben “Things Change” (2019) und “100% Leaving Spirit” (2022) haben Leaving Spirit eine Scheibe eingespielt, die musikalische Identität und Verbundenheit mit dem Blues- und Roots Rock-Genre erkennen lässt. Auf der upcoming Tour, die insgesamt 40 Konzerttermine (davon 28 in Deutschland) umfasst, sollte jeder unbedingt die Live-Möglichkeit für den Southern Rock – Made in Germany – ergreifen.

Eigenproduktion (2024)
Stil: Blues Rock, Roots Rock, Southern Rock

Tracks:
01. Freak Show
02. Golden
03. Holy Mountain Man
04. Bad Dream
05. Ride A Wild Horse
06. I Don’t Care
07. Ol‘ Frina
08. Night Of Justice
09. Old Austin

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GeminiiDRAGON – 3 – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Im Mai 2022 hatten wir das ambitionierte Solo-Debut von Sängerin GeminiiDRAGON (Jessica Harper) “Fighting Fire With Fire” besprochen und uns gefreut, die Scheibe könnte vielleicht der hoffnungsvolle Beginn einer jungen Erfolgsstory werden. Heute, keine 2 Jahre später, bestätigt die US-Künstlerin unseren ersten Eindruck. Das neue Album mit dem Titel “3” ist wieder ein sehr vielseitiges Studiowerk, das von ihrem Gitarristen und Partner Christian Simeon produziert wurde. Jessica Harper und Christian Simeon haben zudem sämtliche Songs gemeinsam geschrieben und damit die Scheibe unverkennbar auf die hochtalentierte Stimme von GeminiiDRAGON zugeschnitten.

Mit gekonnt heiseren Blues-Vocals wird der erste Titel “I Wanna Know” so zum rauen Rock-Track und gibt die Richtung des Longplayers als Kombination von Soul, Rock und Blues unterschiedlicher Richtungen dynamisch vor. Vom melodischen Storytelling (“Desert Heart”), geht es über Led Zeppelin behaftete Einflüsse, die jedoch von einer Frontfrau bestimmt werden in “Clowns”, bis hin zu ebenso ausdrucksstarken, bluesigen Mid-Tempo-Nummern, wie “Wasted Time” oder “Great Day”.

Der eindrucksvolle Texas-Blues “You Ain’t Up To No Good” wurde unter starker Beteiligung des jungen Gitarristen TJ Wong und des Harmonica-Players Chad Rupp zum ausgesprochenen Top-Titel, eine Mixtur aus ZZ Top und Stevie Ray Vaughan. Mit “A Fool For You” erlebt der 70er Blues sein Comeback und die kraftvollen Vocals von GeminiiDRAGON meistern den rockigen “Klassiker” aus eigener Handschrift auch hier mit bestechenden, virtuosen Fähigkeiten. Eine einprägsame Nummer liefert die Scheibe im modernen Memphis Soul-Blues-Gewand ab. “Last Train To Thibodaux”, eine Hommage an ihre Heimatstadt wird zur smoothigen Herzenssache des Albums. Dieses beendet mit einer Reprise aus dem 2. Longplayer “Equinox” die Tracklist. “The Ballad Of Willie Mae & George” erscheint als traditioneller Roots-Blues in modifizierter Version.

Die aus dem Louisiana Bayou stammende Sängerin GeminiiDRAGON hat mit dem aktuellen Longplayer “3” ihre Liebe zum Blues und Rock der 60er und 70er Jahre leidenschaftlich interpretiert. Als neues, talentiertes Gesicht der US-Blues-Szene hat sie in kurzer Zeit einen Sprung auch auf UK-Festival-Bühnen geschafft und wird hoffentlich auch bei uns bald live zu erleben sein.

Nepotism Recordings/Lightning In A Bottle Records (2024)
Stil: Blues, Blues-Rock

Tracks:
01. I Wanna Know
02. Desert Heart
03. Clowns
04. Wasted Time
05. Great Day
06. You Ain’t Up To No Good
07. Cherokee
08. A Fool For You
09. Caught Up In Your Love
10. Last Train To Thibodaux
11. Ballad Of Willie Mae & George (The Reprise)

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Danny Bryant – 07.12.2023, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

Endlich mal wieder ein Blues Rock-Abend im Schwarzen Adler. Ernst Barten hatte für Danny Bryant und seine Band angerichtet und sowohl der Gastronomiebereich vorne als auch der Konzertsaal waren proppevoll. Um 20:15 Uhr betraten zunächst Bryants Mitspieler für ein kurzes Warmspielen auf die Bühne, ein paar Momente später trat der Protagonist hinzu und ließ erstmal die Finger über seine weiße Stratocaster fliegen, um sich dann in „The Animal In Me“ vom neuen Album „Rise“ hineinzuspielen. Ein fulminanter Auftakt, bei dem auch Keyboarder Jamie Pipe mit den Stempel aufdrückte (klasse Wechselsoli mit Danny im Mittelteil).

Die beiden anschließenden „Rescue Me“ und „Guntown“, letzteres eine Killerballade, ließen die Grenzen von Blues- und Southern Rock fließend verschwimmen und sorgten schon früh für innerliche Begeisterungsstürme des Autors. Nicht nur das Titelstück des neuen Werkes „Rise“ bekam auch durch die ‚Unterfütterung‘ des zweiten Gitarristen Marc Raner, eine sehr rockige Note. Beide harmonierten über den gesamten Verlauf richtig gut, Marc griff zwischendurch auch mal zur Akustikgitarre („Guntown“, „Painkiller“) und konnte beim herrlichen Unchained“, wo alle Beteiligten sich in eigener Sache ‚zeigen‘ konnten (Drummer Dave Raeborn wieder mit seiner herrlich mitnehmenden mimischen Art), mit einem sphärischen Wah-Wah-Solo glänzen.

So jagte ein Highlight das andere wie u. a. das wunderbare „Scarlett Street“ (mit Bryant-Leisespiel-Solo), „Prisoner Of The Blues“ mit schon fast Skynyrd-trächtigen E-Soli, das grandiose „Painkiller“ mit sensationeller Keyboard-Einlage von Pipe, dem Hard Rock-Stampfer „The Rage To Survive“, bis hin zum Retro-Rock’n‘ Roller „Bullfrog Blues“ zum Abschluss des Hauptteils.

Vor „Painkiller“ teilte Danny der Audienz mit, dass es nun der 42. Tag der Tour wäre und besonders er ziemlich müde wäre (was man ihm allerdings nur im Gesicht ansah), solche erhaltenswerten Locations wie der Adler mit seinem begeisterungsfähigen Publikum, aber immer der Antrieb wären, nochmal Alles aus sich herauszuholen.

Besagtes Publikum ‚erzwang‘ mit tosendem Applaus und vehementen Zugabe-Rufen dann noch die Nachschläge „Looking Good“, ein quirliges Instrumental, und das melodische Dylan-Cover „Girl From The North Country“ als endgültiges Finale. Kollege Mangold und ich waren uns nach dem Gig einig, obwohl seine Konzerte eigentlich immer stark waren, den bis dato besten Danny Bryant an diesem Abend gesehen zu haben. Ich gehe sogar weiter, dass es vielleicht mein Live-Highlight des Jahres 2023 gewesen ist!

Line-up:
Danny Bryant (lead vocals, electric guitar)
Marc Raner (electirc guitar, acoustic guitar)
Paul Mallatratt (bass)
Dave Raeburn (drums)
Jamie Pipe (keys)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Danny Bryant
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Schwarzer Adler