Vanesa Harbek – Visiones – CD-Review

Review: Gernot Mangold

Bisher ist die Argentinierin Vanesa Harbek in der Bluesszene noch als Geheimtipp zu sehen. Vor etwa 5 Jahren entschloss sie sich, ihren Wohnsitz aus Südamerika nach Berlin zu verlegen. Einer der Gründe war nach eigener Aussage, dass es Frauen in ihrer Heimat sehr schwer haben, sich in der dort von Männern dominierten Musik-Szene durchzusetzen.

Ihre Musik auf den Blues zu reduzieren, wird der Protagonistin allerdings nicht gerecht. Vielmehr gelingt es ihr, Elemente von Tango, Samba und Blues miteinander verschmelzen zu lassen. So ist ihr mit dem dritten Studioalbum „Visiones“ ein authentisches Album gelungen, auf dem Harbek sich entschieden hat, sowohl Songs in Englisch wie auch ihrer Muttersprache Spanisch zu singen.

Gefühlvoll, zuweilen melancholisch, öffnet Harbek dem Zuhörer ihr Seelenleben und verarbeitet so auch in „Te Extrano Buenos Aires“ die Sehnsucht nach ihrer weit entfernten Heimat und ihrer Familie, dass man sich beim Zuhören auch in eine südamerikanische Bar versetzt fühlt oder beschreibt das Grauen einer Beziehung in „Hell In Paradise“.

Neben ihrem filigranen Gitarrenspiel mit kurzen Soloparts, setzt die Argentinierin auch gekonnt Akzente, wenn sie die Trompete einbringt. Vermutlich bewusst verzichtet Harbek auf dem Studioalbum auf lange furiose Soli, um die Stimmung des Albums nicht zu zerstören.

Das „Visiones“ für Harbek ein Schritt ins Rampenlicht sein kann, liegt mit Sicherheit auch an der perfekten Produktion und den Begleitmusikern des Albums. Der umtriebige Martin Engelien, erkannte schon vor einiger Zeit ihre musikalische Qualität und begleitete sie auch live auf einer Clubtour.

So lag es nahe, dass Engelien, der das Album produzierte, auch seine Qualität am Bass einbrachte und hochkarätige Begleitmusiker gewinnen konnte. Bernie Bovens zeigt einmal mehr, warum er ein gefragter Studiodrummer ist, Pitti Hecht bringt mit den Percussions einen besonderen Flair und Thomas Hufschmidt sorgt an den Keyboards für eine immense Soundfülle.

Mit „Visiones“ ist Vanesa Harbek ihr bisheriges Meisterstück gelungen, in dem sie, unterstützt von einer starken Begleitband, all ihre musikalischen Fertigkeiten ausspielen kann. So verwundert es nicht, dass auch das Fernsehen auf sie aufmerksam geworden ist und sie mit „Te Extrano Buenos Aires“ einen Song des neuen Werks im Morgenmagazin präsentieren konnte. Damit hat Vanesa Harbek einen wichtigen Schritt gemacht, sich in die Reihe populärer Bluesmusikerinnen einzureihen, sodass es diesbezüglich nicht nur bei einer Vision bleiben soll.

Line up:
Vanesa Harbek (vocals, guitars, tromp)
Martin Engelien (bass)
Thomas Hufschmidt (keys)
Berni Bovens (drums)
Pitti Hecht (percussion)

A1 Records (2022)
Stil: Blues Rock

Tracklist:
01. Positive Day
02. Te Extrano Buenos Aires
03. It’s Crazy
04. Muriendo Un Poco Cada Dia
05. Feeling So Bad
06. Hell In Paradise
07. Tal Vez Manana
08. Trying
09. Vuelvo Al Sur
10. Many Years
11. Nonches De Soledad
12. Boring Says

Vanesa Harbek
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Broken Silence
A1 Records

Sean Webster Band – Three Nights Live – CD-Review

Im Anschreiben der betreuenden Agentur zu Sean Websters zu besprechendem Live-Album heißt es: Ich bin mir sicher, auch du kennst das: Da steht eine Band auf der Bühne, von der du zuvor nie etwas gehört hast, dich aber schon mit den ersten Tönen abholt und direkt mitnimmt. Ein magischer Moment mit Gänsehaut-Feeling.

Und in der Tat verhielt es sich bei mir in Sachen Sean Webster zwar ähnlich, aber etwas anders: Nach einem der Gigs  im Leverkusener topos (ich weiß nicht mehr welcher)  lief seine CD „Leave Your Heart At The Door“ und ich hatte mich sofort in seinen Song „Wait Another Day“ (hier leider nicht vertreten) verliebt. Auf Nachfrage bei topos-Macher Klemens Kübber, wer denn da gerade lief, folgte die Auflösung und die sofortige Einladung zur 39. Riverboat-Shuffle auf der MS Eureka, wo die Sean Webster Band auftreten würde.

Das ließen wir uns natürlich nicht nehmen und erlebten im Prinzip auf dieser Schifffahrt schon das hautnah, was auch diese schöne CD, die an drei seiner Lieblingsspielorte in England aufgenommen wurde, exzellent wiedergibt. Zudem erwiesen sich der Protagonist und seine Bandkollegen dort bei einem Gespräch als äußerst sympathische und umgängliche Personen.

„Three Nights Live“ bietet gut Eineinviertelstunde bärenstarken Blues Rock britischer Herkunft. Webster punktet sowohl mit seiner unglaublichen Reibeisenstimme, die eine starke Portion an Soul aufweist, als auch mit melodischem Songwriting und seinem gefühlvollen Les Paul-E-Gitarrenspiel. Es gelingt ihm und seiner Band, die meist ruhigen Stücke sehr atmosphärisch in Szene zu setzen und tolle Soli zu integrieren, die trotz einer gewissen Länge nie überladen wirken. Orgeleinlagen und kräftiger werdendes Drumming sind dann weitere probate Mittel, die  Intensität des Ganzen phasenweise zu verstärken.

Rocken und Grooven kann er aber auch, wie er es dann u. a. bei Tracks wie „Hands Of Time“, „Highway Man“ oder dem abschließenden „You Got To Know“ offenbart.

Dazu hat er ein klasse ‚Händchen‘, was die Neuinterpretation von Coversongs betrifft. Hier liefert er mit John Mayers „Slow Dancing In A Burning Room“ und Keith Urbans „‚Til The Summer Comes Around“, zwei Killersongs, die den eh schon starken Originalen auf absoluter Augenhöhe begegnen.

Wer die Sean Webster Band noch nicht kennen sollte, dem sei angeraten, sich zeitnah mit ihr zu beschäftigen. „Three Nights Live“ bietet hier eine gute Zusammenfassung, aber auch seine Studiowerke sollten dabei auf keinen Fall außer Acht gelassen werden. Webster zählt jedenfalls in meinem persönlichen Ranking mit Danny Bryant, Ben Poole, King King und Lawrence Jones zu den Top-5 der britischen Blues Rocker, die man noch für faires Geld in den hiesigen Clubs antreffen kann.

Band:
Sean Webster – lead vocals, electric guitar
Ruud Gielen – drums, bgv
Hilbrand Bos – keys, bgv
Floris Poesse – bass, bgv

Inakustik (2020)
Stil: Blues Rock

Tracklist:
01. Give Me The Truth
02. Hands Of Time
03. Slow Dancing In A Burning Room
04. Heart Still Bleeds
05. Hear Me Now
06. Don’t Feel The Same
07. The Mayor
08. ‚Til The Summer Comes Around
09. Highway Man
10. You Got To Know

Sean Webster Band
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m2-music

Big Daddy Wilson – 12.11.2021, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Big Daddy Wilson gehört zu den Ausnahmen, der in den ungewissen Coronazeiten den Weg über den großen Teich in die so genannte alte Welt gemacht haben. Dabei machte er auch Halt im Dortmunder Musiktheater Piano, wo er schon vor der Pandemie einen recht gut besuchten Auftritt hatte. Bedingt durch die verständlichen Maßnahmen, eine Ungewissheit und auch Angst bei manchen Musikfans, war der Besuch dieses Mal leider eher zurückhaltend.
Die Bluesfans, die sich auf den Weg zu dem Konzert gemacht haben, sollten aber in den Genuss eines tollen Konzertabends kommen.

Um 20:30 Uhr betrat die italienische Begleitband zunächst ohne Big Daddy Wilson die Bühne und legte erst einmal ein instrumentales Intro hin, während der Bandleader von den meisten unbemerkt am seitliche Bühnenaufgang mit einem Lächeln im Gesicht auf den Moment wartete, bis er unter dem Applaus der Fans die Bühne betrat. Er bedankte sich schon zu Beginn für das Kommen  und wie schön es für ihn und die Band ist, wieder auf einer Bühne vor Publikum stehen zu können. Er erwähnte auch kurz das aktuelle Album „Hard Time Blues“, das mit sieben Songs auf der Setlist gewissermaßen im Mittelpunkt stehen sollte.

Mit “I Know” und „Ain´t Got No Money” vom 2019 erschienenem Album „Deep In My Soul” wählte Big Daddy Wilson zunächst zwei altbewährte Songs zum Einstieg, um dann kompakt in einem Block das im September erschienene Album zu präsentieren.

Zuweilen bekam man den Eindruck, dass Wilson seine Fans in den Ansagen und den Songs auf eine Reise in seine eigene Kindheit, aber auch in die Geschichte seiner Vorfahren entführen würde. Bei „Poor Black Children“ konnte man sich regelrecht die Situation derer vorstellen und bei „Yazoo City“ wurde einem textlich, aber auch vom fast klagenden Gesang, die Misere der damals und zum Teil auch noch heute unterdrückten Bevölkerungsgruppe vor Augen geführt.

Nach „I Can´t Help But Love You” verließ Big Daddy Wilson die Bühne und überließ diese seiner Begleitband, welche verdientermaßen bei „Down In Mexico“ allein im Mittelpunkt stand. Hier bewies Caesare Nolli, dass er nicht nur ein richtig guter Gitarrist ist (bei manchen Soli fühlte ich mich ein klein wenig an den Carlos Santana in den Frühzeiten erinnert), sondern auch ein exzellenter Sänger ist.

Um beim Gesang zu bleiben – dass es sich bei Big Daddy Wilson um einen begnadeten charismatischen Bluessänger mit der entsprechenden Tonbandbreite handelt, ist bekannt. Ein I-Tüpfelchen war aber der harmonische Backgroundgesang aller Begleitmusiker, insbesondere bei den Refrains.

Nach dieser gelungenen Einlage seiner Band stieß Big Daddy Wilson wieder hinzu und ließ noch sieben ältere Songs folgen, wo insbesondere „Crazy World“, in dem er den Zustand der Welt beschreibt, und das folgende positive „Love Is The Key“ herausragten.

Die Grundlage eines tollen Abends war natürlich die italienische Begleitband um Caesare Nolli, der zuweilen mit einer stoischen Leichtigkeit die Saiten seiner Fender mit einigen feinen Soli gespickt bearbeitete, Enzo Messina, der neben der Untermalung der Songs auch mit mehreren Soli am Keyboard begeistern konnte und die Rhythmussektion mit Nik Taccori an den Drums und Paolo Legramandi am Bass, der neben der dynamischen Rhythmusbegleitung auch mit einer feinen Soloeinlage glänzen konnten.

Der Band um Big Daddy Wilson war es an diesem Abend gelungen, einen Hauch von Blues und Soul in das Piano zu bringen und fast von Beginn an dafür zu sorgen, dass die Fans im Takt der Songs mitgingen. Besonders hervorzuheben war dabei die sympathische Ausstrahlung, die von Wilson ausging, die er mit dem Satz untermauerte, dass Sie hier wären, um dafür zu sorgen, dass die Besucher, von der Musik erfüllt, positiv in die Zukunft blicken mögen. Bei seinen Gesten hatte man den Eindruck, er würde am liebsten das gesamte Publikum umarmen.

Zudem zeigte er Verständnis für den eher übersichtlichen Besuch und wünschte sich von den Anwesenden, dass diese im Freundeskreis dafür sorgen, dass beim nächsten Mal das Piano wieder gut gefüllt ist. In dem Sinne, ein Konzerttipp für das nächste Jahr, seht euch Big Daddy Wilson an und lasst euch in seine Blueswelt mitnehmen.

Line-up:
Big Daddy Wilson – lead vocals
Caesare Nolli – guitar
Paolo Legramandi – bass
Nik Taccori – drums
Enzo Messina – keyboards

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Big Daddy Wilson
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Dion – Stomping Ground – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Der inzwischen 82-jährige Dion Dimucci, der in den 60’er Jahren so großartige Hits wie „The Wanderer“, „Runaround Sue“ oder „Ruby Baby“ geschrieben hat und neben John Mayall (88 Jahre) sicherlich zu den Urgesteinen des ‚weißen‘ Blues gezählt werden kann, legt nun am 19. November sein neuestes Album „Stomping Ground“ vor. Sein neues Werk schließt nahtlos an sein 2020’er Album „Blues With Friends“ an, auf dem er bereits zahlreiche Größen der Bluesszene versammelt hatte, um gemeinsam ein dem Blues gewidmetes Album einzuspielen.

Und so finden sich auch auf seiner neuesten Scheibe Gastmusiker wie Joe Bonamassa, Eric Clapton, Boz Scaggs, Mark Knopfler, Patti Scialfa, Bruce Springsteen, Keb‘ Mo‘, Billy F. Gibbons, Rickie Lee Jones, Marcia Ball, Peter Frampton und G.E. Smith, mit denen Dion Dimucci gegenseitige Bewunderung und Respekt verbindet. Es enthält zudem ein Vorwort von Pete Townshend und eine Einführung von Dion selbst. Produziert wurde das Album von Wayne Hood mit Dimuccis Unterstützung und auf Bonamassas Label KTBA Records wurde es veröffentlicht (als CD und Doppel-LP).

Bis auf „Red House“, ein langsam rollender Song mit Keb Mo’ und Slide-Klängen, im Original von Jimi Hendrix, stammen alle Songs von Dion und seinem Songwriting-Partner Mike Aquilina. Dennoch hauchen die Gastmusiker den Songs ihren jeweils eigenen Stil ein, seien es z. B. Mark Knopflers warmes Gitarrenspiel in „Dancing Girl“, Sonny Landreths Slide Gitarre in „Crying Shame“ oder Billy F. Gibbons’ relaxtes Gitarrenspiel in dem leicht souligen „My Stomping Ground“.

Gleich der erste Track mit Joe Bonamassa „Take It Back“ geht kraftvoll stampfend im typischen Bluesrhythmus mächtig in die Beine, dem „Hey Diddle Diddle“ und „If You Wanna Rock“ mit G. E. Smith bzw. Eric Clapton in nichts nachstehen. „There Was A Time“ ist ein schmachtender Slowblues mit Peter Frampton und „The Night is Young“ ist eine melodiöses Musikstück mit Joe Menza und Wayne Hood. Richtig schön old school mit Piano und Bläsern kommt „That’s What The Doctor Said“ mit Steve Conn daher.

Bruce Springsteen und seine Frau Patti Scialfa prägen das relaxte „Angel In The Alleyways“ mit ruhigem Gitarrenspiel und Scialfas harmonischem Gesang, während das flotte „I’ve Got To Get To You“ mit Box Scaggs wieder zum Tanzen einlädt. Als flotter Boogie mit Pianounterstützung (Marcia Ball) und Bigband-Charakter (Jimmy Vivino) präsentiert sich dann „I Got My Eyes On You Baby“. Das verträumte „I’ve Been Watching“ mit Ricky Lee Jones (Gesang) und Wanne Hood (Gitarre) bildet schließlich den Abschluss eines gelungenen Albums.

Mit „Stomping Ground“ präsentiert Dion also eine abwechslungsreiche Scheibe, der förmlich anzuhören ist, dass alle beteiligten Musiker mit viel Spaß dabei waren, um ein sattes Album zu produzieren. Es sollte in keiner gut sortierten Blues-Sammlung fehlen.

Label: KTBA Records
Stil: Blues

Tracks:
01. Take It Back (feat. Joe Bonamassa)
02. Hey Diddle Diddle (feat. G. E. Smith)
03. Dancing Girl (feat. Mark Knopfler)
04. If You Wanna Rock ’n’ Roll (feat. Eric Clapton)
05. There Was A Time (feat. Peter Frampton)
06. Cryin’ Shame (feat. Sonny Landreth)
07. The Night is Young (feat. Joe Menza & Wayne Hood)
08. That’s What The Doctor Said (feat. Steve Conn)
09. My Stomping Ground (feat. Billy F. Gibbons)
10. Angel In The Alleyways (feat. Patti Scialfa & Bruce Springsteen)
11. I’ve Got To Get To You (feat. Box Scaggs, Joe Menza & Mike Menza)
12. Red House (feat. Keb Mo’)
13. I Got My Eyes On You Baby (feat. Marcia Ball & Jimmy Vivino)
14. I’ve Been Watching (feat. Ricky Lee Jones & Wayne Hood)

Dion
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Another Dimension

Erja Lyytinen Band – Support: Ivy Gold 07.11.2021, Harmonie, Bonn – Konzertbericht

Schon um 19:00 Uhr begann der Konzertabend in der Harmonie Bonn. Den Auftakt machten die Newcomer von Ivy Gold, die Anfang des Jahres ihr Debütalbum herausgebracht haben und nun das erste Mal überhaupt live aufgetreten sind. Hinter Ivy Gold verstecken sich durchaus namhafte Musiker. Um das Ehepaar Manou und Sebastian Eder haben sich international renommierte Musiker versammelt, die nun erstmals das Album „Six Dusty Winds“ live vorstellen konnten.

Mit Applaus begrüßten die Fans, welche die Harmonie etwa zu einem Drittel füllten, die Band und Manou stellte diese kurz vor. Dabei merkte man ihr zunächst das Lampenfieber vor diesem ersten Auftritt noch leicht an, was sie auch nicht verhehlte. Im weiteren Verlauf machte Sie die Ansagen mal auf Deutsch, aber auch in Englisch, sodass auch ihre Musiker diese verstanden.

Die aus den Staaten stammende Rhythmussektion um Tal Bergmann, der u. a. auch schon für Joe Bonamassa, Billy Idol oder Roger Daltrey die Drumsticks schwang und Basser Kevin Moore sorgten für die passende, zuweilen groovende bluesige Grundlage der Band. Keyboarder Anders Olinder, der auch schon für Peter Gabriel und Glenn Hughes aktiv war, gab den Songs zuweilen einen progressiven Hauch, wenn er die Harmonie in Klangteppiche hüllte, glänzte aber auch mit kurzen Soloeinlagen.

Im Mittelpunkt stand allerdings Sängerin Manou, deren Nervosität schnell schon beim ersten Song „This Is My Time“ verflogen war und zu deren klarer, eher hohen Stimme das Gitarrenspiel Sebastian Eders zuweilen fast wie ein kongenialer Partner wirkte. Der war irgendwie ein ruhender Pol, zuweilen in sein Gitarrenspiel vertieft, an den sich die extrovertiertere Manou zuweilen auch optisch anlehnen konnte.

Man merkte der Band von Beginn an, mit welcher Spielfreude sie sich endlich live zeigen konnte. Bassist Moore hatte praktisch das ganze Konzert ein Lächeln im Gesicht und Tal Bergmann konnte in einem Solo sein Können unter Beweis stellen, wo er dann wie entfesselt loslegte.

In den knapp 50 Minuten, die der Band zur Verfügung stand, wurde inklusiv der Zugabe „Without You“ das gesamte Album präsentiert. Nach dem letzten Song bedankte und verabschiedete sich eine sichtlich gerührte Manou vom gut mitgehenden Publikum, welches in Anlehnung an den Titel des letzten Songs auch einen Anteil an einer gelungenen Premiere der Band hatte.

Nur wenige Minuten später standen die Musiker am Merchandisingstand für die Fans zum Smalltalk zur Verfügung und rundeten so einen gelungenen Premierenabend ab. In dieser Form ist von der internationalen Formation von Ivy Gold noch einiges zu erwarten.

Line-up: Ivy Gold
Manou: lead vocals
Sebastian Eder: guitars
Anders Olinder: keyboards
Kevin Moore: bass
Tal Bergmann: drums

Nach einer etwa 30-minütigen Umbaupause betrat dann Erja Lyytinnen, scheinbar nur mit einem grobmaschigen Netz bekleidet mit ihrer Band die Bühne. Die Sittenwächter oder womöglich eifersüchtige Ehefrauen können an dieser Stelle aber direkt beruhigt werden, auf das, was man durch das scheinbare Netz schaute, war hellbraun beiger Stoff.

Schon mit der Begrüßung zu Beginn des Konzertes brachte die charmante Finnin die Besucher direkt hinter sich und es sollen rasante knapp 100 Minuten Powerblues folgen, bei denen natürlich Erja meist im Mittelpunkt des Geschehens stand. Sichtlich gut gelaunt moderierte sie teilweise humorvoll posend die Songs an und wies augenzwinkernd darauf hin, dass sie sich passend zum Tag, in ihre Sonntagsgarderobe geschmissen hatte. Das sie den Titel ‚Queen of Sliding‘ nicht umsonst trägt, bewies sie bei einigen zuweilen furiosen Soli, wo sie mit dem Bottleneck regelrecht über die Saiten ihrer Gitarren jagte.

Einen großen Anteil, dass Lyytinen sich zuweilen losgelöst austoben konnte, hatten natürlich die jungen Musiker ihrer bewährten Begleitband. Visuell stand dabei Tatu Back mit Lyytinen in der ersten Reihe und steuerte nicht nur einen wummernden, oft groovenden Bass inklusive eines kurzen Solo bei und unterstütze die auch stimmlich bestens aufgelegte Finnin mit Backgroundgesang. Iiro Laitinen, der andere Part der Rhythmussektion, sorgte mit meist energiegeladenen und stampfenden Drumpassagen für einen Rhythmus, der die anderen zuweilen vor sich hertrieb.

Dass er aber nicht nur schnell und krachend kann, offerierte er in ruhigen Passagen, wo er mit seinen Sticks die Drums scheinbar zu streicheln schien. An den Keyboards sorgte Miika Aukio für einen vollen Sound, in welchem er die Gitarrenarbeit Lyytinens untermalte und auch mit einigen stakkatoartigen kurzen Soli prägende Elemente setzte.

Lyytinen und Band gelang es an diesem Abend die Besucher, welche zum Teil auch tanzend mitgingen, von Beginn an, auch mit einigen Texas Blues-rockigen Sachen im Rhythmusstil von ZZ Top zu begeistern und so verging das Konzert wie im Flug. Unter dem frenetischen Applaus der Fans legte die Band noch zwei Zugaben nach. Nach einer kurzen Anleitung von Erja Lyytinen, in welcher sie den Zuschauern in einem Crashkurs einige finnische Worte beibrachte, beendete Sie das Konzert mit einem verrockten finnischen Traditional samt gesanglicher Unterstützung der Fans.

Wie gewohnt ging Lyytinen von der Bühne weg, direkt zum Merchandisingstand, um diverse Fanartikel zu signieren. Sie machte sich sogar die Mühe, die Fans nach deren Namen zu fragen und sich diesen buchstabieren zu lassen, sodass alle mit einem persönlich signierten Tonträger zufrieden den Heimweg antreten konnte.

Nach dem Konzert gab es dann noch den Hinweis, dass Lyytinnen im Oktober 2022 nicht nur bei der Bluesnacht im Kölner Bürgerhaus Stollwerck den Support für Walter Trout und Julian Sas machen wird, sondern auch wieder in der Harmonie zu Gast sein wird.

Ein besonderer Dank an die Harmonie und die Bands für die problemlose Akkreditierung sowie den netten Empfang an diesem begeisternden Konzertabend mit einem bestens abgemischten Sound. Auch ein Kompliment an die Lichttechnik, für die visuelle Untermalung der Musik.

Line-up: Erja Lyytinen Band
Erja Lyytinen: guitars & lead vocals
Miika Aukio: keyboards
Tatu Back: bass & vocals
Iiro Laitinen: drums 

Text und Bilder: Gernot Mangold

Erja Lyytinen
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Ivy Gold
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Harmonie Bonn

Ben Granfelt Band – 25.10.2021, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Der 25.10.2021 kann als ganz besonderer Montagabend seit Bestehen der Krefelder Kulturrampe gesehen werden. Erstmals seit 600 Tagen ohne Konzerte, fand endlich wieder ein Konzert auf der schrägen Bühne der statt, nachdem seit März 2020 coronabedingt die Events auf das Openair-Gelände des Schlachtgartens verschoben worden waren.

Schon am Eingang der Rampe zeigte sich, dass Pille Peerlings und sein Team die eventfreie Zeit genutzt haben, um den Laden etwas aufzuhübschen. Eine Überdachung über den vorgelagerten kleinen Biergarten mit einem Bildschirm, der live das Geschehen in der Rampe überträgt, sorgt dafür, dass auch draußen die Besucher geschützt sind und beim frische Luft schnappen das Konzert weiter verfolgen können.

Beim Betreten der Innenräume konnte man bei langjährigen Rampengängern ein Staunen feststellen. Das Ziegelmauerwerk, das von seinem, in die Jahre gekommenen Putz befreit worden war und die nun freiliegende Holzdeckenkonstruktion sowie ein riesiger fensterartiger Durchbruch von der Kneipe zum Konzertsaal, geben der Location deutich mehr Gemütlichkeit und eine scheinbar größere Weite.

Um diesen Umbau und das Wiederaufleben der Kulturrampe entsprechend zu würdigen, kamen Ben Granfelt und Band gerade Recht. Zunächst betrat Pille Peerlings unter dem Applaus der etwa 80 Besucher, was für einen Montagabend eine beachtliche Zahl ist und bei 100 zugelassenen Gästen eine sehr gute Auslastung bedeutet, die Bühne. Symbolisch zerriss er den Zettel, der jetzt schon so lange darauf hinwies, dass im Moment keine Veranstaltungen hier durchgeführt werden, und gab zum Besten, dass Rock`n`Roll doch eine Lösung ist, und bat den schon im Publikum wartenden Ben Granfelt samt Band auf die Bühne.

Im Sturm eroberte der charismatische Finne die Herzen der Fans. In einer Mischung aus Englisch und Deutsch machte Granfelt die Ansagen und gab manches zum Entstehen der Songs und aus dem Geschehen um die Band preis, sowie zum Beispiel den Wiederkauf seiner alten hellblauen Fender- Gitarre, die er mal aus Geldnot verkauft hatte und plötzlich in einem Pfandhaus stehen sah und wie er dann von einem Freund beim Rückkauf unter die Arme gegriffen wurde.

Was sich musikalisch in den zwei Sets über insgesamt über zwei Stunden abspielte, war dann atemberaubend. Unterstützt von seiner Rhythmussektion um Bassisten Masa Maijanen, der zum Glück von einer schweren Coronaerkrankung wieder genesen ist und dem jungen Drummer Jari Salminen, feuerte Granfelt ein regelrechtes Feuerwerk an seinen beiden Gitarren ab, was zeigte, dass er mit Sicherheit zu den Topgitarristen in der Szene zählt.

Auch stimmlich hat Granfelt sich so weiterentwickelt, dass diese nicht im Gewitter der Instrumente untergeht. Die Songauswahl an dem Abend war eine bunte Mischung aus älteren eigenen Songs, einigen Tracks aus dem aktuellen Studioalbum „True Colours“ sowie Coverversionen, die in der präsentierten Form schon etwas Besonderes waren.

Hervorzuheben aus dem ersten Set, war das emotionale „Last Notes“, im Andenken an seinen Vater, „My Soul To You“ und natürlich „Faith Hope & Love“, das er in seiner Zeit für Wishbone Ash geschrieben hatte und seine Qualitäten im Songwriting beweist. Beeindruckend war, wie er die Gitarre in den Soloparts regelrecht singen ließ.

War das erste Set schon ziemlich fulminant, verstand es Granfelt im zweiten Set noch einen drauf zu setzen. Das schon dem Titel nach anmutende Instrumental „Oriental Express“, das einen scheinbar in die Welt des Orients transportierte, machte die Virtuosität Granfelts, aber auch die Dynamik und Spielfreude der gesamten Band deutlich und sorgte für einige exstatisch mittanzende Fans.

Mit „Breathe“ wurde es vor dem Finale Furioso noch einmal etwas ruhiger und Granfelt bewies, dass man diesen Song auch als Trio präsentieren kann, ohne das etwas fehlt. Einer der absoluten Höhepunkte war dann, als Granfelt den J.J. Cale-Song „Cocaine“ ankündigte und sagte, dass er diesen in einer Hendrixversion spielen würde. Nach einem kurzen Intro („Crosstown Traffic“) erklang das für Cocaine typische Riff, aber in einer Geschwindigkeit und Dynamik, welche deutlich machte, warum Eric Clapton als Slowhand betitelt wird.

Hier war Fasthand Granfelt am Werke, der fast dafür sorgte, dass die Decke der Rampe abhob. Dass ein bisschen „Sunshine Of Your Love“ von Cream eingebaut wurde und die letzte Strophe in bester Bob Marley-Manier gespielt wurde, sei nur an Rande erwähnt.

Zum Abschluss kündigte er noch das obligatorische, fast hymnische „Going Home“ an, nach dem fast nichts mehr gehen kann, er sich in der Anmoderation aber noch den Spielraum für eine Zugabe gab. Da die Fans genug Lärm machten, fing Granfelt an von einer Nacht im Hotel in Hamburg zu erzählen, wo er aufwachte und glaubte er wäre David Gilmour. Daraus entstand ein Instrumental „Late Night In Hamburg“, dass vom Gitarrensound und Feeling auf Pink Floyd-Scheiben gepasst hätte und einen würdigen Abschluss eines eindrucksvollen Konzertabends bildete.

Direkt von der Bühne weg, begab sich Granfelt und der Rest der Band zum Smalltalk und Signieren von Fanutensilien zum Merchandisingstand und zeigte auch dort mit einer Gelassenheit und guten Laune die Seite, die Fans an Musikern überaus schätzen.

Ein besonderer Dank, neben den Musikern, gilt natürlich Pille Peerlings und seinem Team, die dieses Ereignis in einer runderneuerten Kulturrampe ermöglichten. Fortsetzungen folgen, Rock`n`Roll ist eine Lösung!

Line-up:
Ben Granfelt – guitars, lead vocals
Masa Maijanen – bass
Jari Salminen – drums

Ben Granfelt
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Kulturrampe Krefeld

Joe Bonamassa – Time Clocks – CD-Review und Gewinnspiel

Bei Joe Bonamassa schien die Zeit schon immer ein wenig schneller voranzuschreiten als bei anderen Kollegen seiner Zunft. Seit Start unseres Magazins passiert jedes Jahr, gefühlt alle paar Monate, irgendetwas neues, sei es in Sachen Studio- oder Live-Alben, DVDs, Konzerte oder Kooperationen mit anderen oder Produktionen für andere Interpreten.

Mit „Time Clocks“ war es jetzt wieder an der Zeit für ein neues Studioalbum, immerhin steht 2022, natürlich auch bei uns, eine neue Tour (Deutschland-Termine siehe am Ende des Reviews) an.

Was als erstes auffällt, wenn man den neuen Tonträger in der Hand hält, ist das fantastische mystisch anmutende Artwork des berühmten Grafikers Hugh Syme (Rush, Aerosmith, Megadeath). Ein tolles Dreifach-Klappdigipak mit eingelegtem 24-seitigen Booklet, das neben einem kurzen Einführungsstatement von Joe, natürlich alle Songtexte, relevante Infos zu Musikern, Producern, Aufnahmestudio, etc. sowie tolle metaphorische Bilder im Stile der einstigen Hipgnosis-Klassiker enthält.

Desweiteren nimmt man zur Kenntnis, dass sich der Protagonist dem die letzten Jahre prägenden Nashville-Umfeld etwas zu entziehen scheint. Für das neue Werk ist er wieder in sein heimatliches Umfeld in New York zurückgekehrt, statt Michael Rhodes und Reese Wynans sind jetzt Steve Mackey und Lachy Doley neben Anton Fig und den etatmäßigen Backgroundsängerinnen Mahalia Barnes, Juanita Tippins und Prinnie Stevens die Begleiter. Produziert hat natürlich Bonamassa-Langzeit-Spezi Kevin Shirley.

Trotzdem kann man schon an den involvierten Co-Writern wie u. a. Charlie Starr (Blackberry Smoke), James House oder Tom Hambridge erkennen, dass ein gewisses südstaatliches Faible in Joe weitergepflegt zu werden scheint, was viele Tracks mit Allman Brothers-/Warren Haynes– und auch Skynyrd-mäßigen E-Gitarrenparts und Stimmungen in den Refrains und Bridges untermauern („Notches“, „The Heart That Never Waits“, „Questions And Answers“ und „Hanging On A Loser“), nicht zu vergessen die gospeligen Vocals des omnipräsenten australischen Background-Trios. 

Obwohl die meisten Stücke ausgiebig ausstaffiert sind, bringt Bonamassa sich diesmal E-Gitarrentechnisch eher akzentuiert ein und legt deutlich mehr Wert auf die Qualität seiner Solo-, Fill und Rhythmus-Arbeit (wenn man das bei ihm überhaupt so artikulieren darf). Lediglich beim finalen, mit vielen Stimmungswechseln durchzogenen „Known Unknowns“ lässt er dann doch noch ein längeres claptoneskes Gewitter ab.

Viele folkig-orientalische Tupfer (u. a. Flöte, selbst ein Didgeridoo ist bei den ersten beiden Tracks eingebunden) tragen zu einer  Stimmungsvielfalt bei, manchmal wie beim hymnischen Titelsong „Time Clocks“ geht es phasenweise bombastisch wie zu einstigen Meat Loaf-Zeiten zu. Ein Lied wie „Curtain Call“ würde man eher von Metallica erwarten als von Smokin‘ Joe himself. Auch die keltische Co-Writer-Handschrift und Hard Rock-Note von Ex-Whitesnake-Mitglied Bernie Marsden bei „The Loyal Kind“ ist unverkennbar.

Meine persönlichen Favoriten sind der atmosphärische Slowblues „Mind’s Eye“ samt mitreißend-hymnischem Refrain und der shuffelnde, durch Mark und Bein gehende Southern Blues Rocker „Hanging On A Loser“, bei dem sich Bonamassa (famoses ABB-Slide, tolles konventionelles E-Spiel) und der überragende Lachy Doley (klirrendes Organ und HT-Piano) sich immer wieder die Bälle gegenseitig zu werfen. Atemberaubender Groove!

Joe Bonamassa zeigt sich auch mit „Time Clocks“ weiterhin als ‚Hansdampf in allen Gassen‘. Diesmal überzeugt vor allem die progressive Art, seinen Blues Rock weiterzuentwickeln. Sein Gitarrenspiel ist gewohnt exzellent, auch sein Gesang, der mir zu Beginn seiner Karriere überhaupt nicht gefiel, ist mittlerweile in der Lage, sich jedem Stimmungsbild anzupassen.  Das Songmaterial findet trotz seiner diversen Elemente, Verschachtelungen und Eingaben am Ende immer harmonisch zusammen. 

Ich komme am Ende, auch wenn bei Joe Bonamassa die Uhren ja schon immer rasant tickten, nicht herum, auch in Kombination mit dem tollen Cover-Artwork, bei „Time Clocks“ von einem absolut zeitlosen Meisterwerk zu sprechen. Smokin‘ Joe at his best!

Deutschland-Live Termine:

26.04.22 Hannover
27.04.22 Saarbrücken
29.04.22 Frankfurt a.M.
01.05.22 Berlin
03.05.22 Düsseldorf

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In Zusammenarbeit mit der Mascot Label Group und Netinfect Promotion verlosen wir eine „Time Clocks“-CD.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

In welcher Stadt wurde das Album „Time Clocks“ eingespielt?

a) New York
b) New Orleans
c) New Hampton

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 29.10.2021 an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern eine(n) Gewinner/in aus, der/die dann umgehend benachrichtigt und mit der CD beliefert wird.

Das Gewinnspiel ist beendet.

Die richtige Antwort hieß ‚New York‘!

Über eine tolle CD von Joe Bonamassa darf sich

Andreas Brüseke aus Lünen

freuen, dem der Gewinn in den nächsten Tagen zugeht!

Sounds Of South wünscht viel Spaß damit!

Provogue Records/Mascot Label Group (2021)
Stil: Blues Rock & More

01. Pilgrimage
02. Notches
03. The Heart That Never Waits
04. Time Clocks
05. Questions And Answers
06. Mind’s Eye
07. Curtain Call
08. The Loyal Kind
09. Hanging On A Loser
10. Known Unknowns

Joe Bonamassa
Joe Bonamassa bei Facebook
Netinfect Promotion

Double Bill: Joanna Connor and Eamonn McCormack – 21.10.2021, Yard Club, Köln – Konzertbericht

Mit dem Iren Eamonn McCormack und der aus Chicago kommenden Amerikanerin Joanna Connor besuchten zwei Hochkaräter der Bluesszene den Kölner Yard Club. Leider nur etwa 50 Bluesfans sollten ihr Kommen allerdings nicht bereuen. Die beiden Haupakteure, jeweils begleitet von Eamonns deutscher Begleitband mit Max Jung-Poppe an den Drums und Bassist Eddy Karg, lieferten ein weit über zweistündiges Konzert, das in drei Parts ohne Pause dazwischen gegliedert war.

Zunächst zeigte Joanna Connor in einem etwa 45 minütigen Set, warum sie zu einer der besten Bluesgitarristinnen gezählt wird (nicht umsonst hat Joe Bonamassa ihr aktuelles Album produziert und sie auf die Mittelmeer Bloescruise 2022 eingeladen) und präsentierte eine Mischung alter Songs, gekonnter Coverstücke und auch Stücke, wie „I Feel So Good“ vom aktuellen Album „4801 South Indiana Avenue„.

Nach kurzen anfänglichen Abmischungsproblemen war schnell der richtige Sound gefunden und die Fans konnten einen klar definierten, gut differenzierten Sound genießen. Joanna begeisterte die Fans mal slidend über die Saiten huschend, mal fingerpickend, bis hin zu fast in den Hardrock gehender Soloarbeit, wobei das Grundthema immer der Blues blieb.

Auch stimmlich zeigte sich Connor bestens aufgelegt, dass schon die ersten 45 Minuten für eine prächtige Stimmung bei den Fans sorgten, und die Besucher nach dem Led Zep-Cover „When The Levee Breaks“ sie mit Ovationen und Zugabeforderungen verabschiedeten. Den Zugabeforderungen kam sie mit dem Hinweis, dass sie zum Ende mit McCormack noch etwas jammen würde, zunächst nicht nach und nahm während Eamonn die Bühne betrat hinter der Bassbox auf der Bühne Platz, um das Treiben des Iren, oft im Takt mitwippend zu verfolgen.

Im Mittelpunkt des etwa 50 minütigen Auftritt des Irens standen Songs des aktuellen Albums „Storyteller“, wie das melancholische „The Great Famine“ oder die krachenden Blues Rock-Nummern „Gypsy Woman“ oder „With No Way Out“ sowie die zwei stark gespielte Gallagher-Songs.

„Calling Card“ und das abschließende „Shadow Play“, das gewissermaßen die Inspiration des Vorbilds widerspiegelte und zum Ausdruck gab, dass dieser gedanklich irgendwie mit dabei ist. Gespickt wurde das Set dann noch von einigen älteren Nummern wie „From Town To Town“ oder „Heal My Faith“, in der ein bestens gelaunter McCormack seine Virtuosität, aber auch Energie an seinen Gitarren zum Besten gab und zeigte, dass er auch stimmlich überzeugend ist.

Nach diesen zwei ‚Solo‘-Darbietungen erhob sich Joanna Connor von ihrem Logenplatz auf der Bühne und es folgten nochmals etwa 45 Minuten Bluespower. Neben zwei eigenen Songs, Connors „Cut You Loose“ und McCormacks „Falsely Accused“ präsentierten sie noch einige Blues-/Rockklassiker wie „Rock Me Baby“ oder „Johnny Be Good“, bei denen sie sich regelrecht die Solis hin und her schmissen, als gäbe es kein Morgen mehr.

In diesen oft jammenden Passagen hatten auch Max Jung-Poppe mit feinen Drumeinlagen, wo er mit den Sticks so durch die Luft wirbelte, dass man befürchten musste, er hebt gleich ab und Eddy Karg mit akzentuierten Bassläufen einen erheblichen Anteil. Danach wusste man jedenfalls, weshalb sie Eamonn schon seit einigen Jahren in seine Band geholt hat.

Nach noch einer frenetisch geforderten Zugabe und etwa 140 Minuten Powerblues nahmen sich Connor und McCormack noch die Zeit zum Smalltalk und Signieren verschiedenster Fanutensilien und rundeten so einen absolut gelungenen Musikabend ab, der leider nur das Manko hatte, dass der Besuch, wie bei vielen Veranstaltungen zur Zeit, eher zu wünschen lässt und es Veranstaltern wie auch Musikern nicht leicht macht.

Ach ja, am Sonntag wird das Rheinenergiestadion mit 50.000 Zuschauern gegen Leverkusen ausverkauft sein (???, der Kollege Mangold meint sicherlich das Spitzenspiel am heutigen Samstag 1. FC Köln U 23 – Rot Weiss Essen – Anm. der Red.), was mich als FC Fan natürlich erfreut. Schön wäre es, wenn auch die Musikfreunde zumindest dafür sorgen könnten, dass die Clubs mit den bestehenden Vorschriften zumindest zur Hälfte gefüllt sind und Kultur auch finanziell über die Runden kommt.

Damit an dieser Stelle ein ausdrücklicher exemplarischer Dank an Marcus Neu und die Kantine/Yardclub und Künstler wie McCormack und Connor, die trotz des finanziellen Risikos das Kulturleben am Leben halten.

Line-up:
Joanna Connor (lead vocals, electric guitars)
Eamonn McCormack (lead vocals, electric guitars)
Eddy Karg (bass)
Max Jung Poppe (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Yard Club, Köln

Carl Verheyen – 06.10.2021, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Carl Verheyen trat mit einer exquisiten Band im Musiktheater Piano auf. Enttäuschend war an diesem Abend der Besuch, gerade einmal knapp 50 Musikfreunde hatten sich eingefunden. Wenn man bedenkt, dass mit Verheyen, langjähriger Gitarrist von Supertramp, Chad Wackerman, der in den 80er Jahren Drummer in der Frank Zappa Band war, und Alphonso Johnson, der unter anderem bei Weather Report von 1985–1992 für die tiefen Töne sorgte, in seiner Band hatte, ist dies umso schwerer zu verstehen. Diejenigen, die den Weg ins Piano gefunden hatten, brauchten ihr Kommen auf jedem Fall nicht zu bereuen.

Ab 19:45 Uhr verkürzte der aus der Nähe von Washington, DC, stammende, aber schon seit Jahren im Allgäu lebende Jeff Aug mit seinem etwa 30-minütigen Auftritt die Wartezeit, indem er seine Künste nur instrumental an der Akustikgitarre bewies und mit seinen Songs die Besucher zuweilen in Traumwelten abgleiten ließ. Sein Statement und der Dank an die Anwesenden, aber auch die Veranstalter von 3Dog Entertainment und das Musiktheater Piano sprach für sich, dass ohne die Genannten keine Clubkultur möglich ist.

Nach einer kurzen Umbaupause betrat dann Carl Verheyen mit seiner Band unter großem Applaus die Bühne. Es folgte ein Auftritt, in welchem Verheyen neben Songs wie „Sundial“, „Clawhammer Man“, und „Kaningie“ (mit feinem Drumsolo von Wackerman vom aktuellen Album „Sundial“) zum Großteil eigene Stücke präsentierte und dabei bis ins Jahr 1988 zurückgriff und beim „Highland Shuffle“ einem verträumten Instrumental vom Album „No Borders“ seine Virtuosität unter Beweis stellte und mit zwei furiosen Soli die Besucher wieder aus ihren Träumen riss.

Mit dem bluesigen „Dragonfly“ stellte er einen Song fürs kommende Album auf den Prüfstand, welcher der Resonanz entsprechend, den Test wohl bestanden hat. Zum Ende des Konzertes streute Verheyen auch noch drei stark vorgetragene Coverversionen ein. Zunächst Dylans „My Backpages“ und in den beiden Zugaben den B.B. King-Song „After a While You’ll Be Sorry“, den er alleine vortrug, bevor seine Mitstreiter zum abschließenden „Angel“ von Jimmy Hendrix (dessen riesiges Portrait auf der linken Bühnenseite vermutlich mit Genuss zuschaute), wieder dazu stießen, um dem Konzert einen würdigen Abschluss gaben.

Als Fazit kann gesagt werden, dass ein trotz der geringen Resonanz ein gut gelaunter Carl Verheyen den Besuchern einen schönen und eindrucksvollen Konzertabend geboten hat und er danach den Fans noch zum Smalltalk vor der Bühne bereitstand. Sein filigranes aber auch rasantes Spiel an der Gitarre hatte dabei natürlich eine klasse Rhythmusgrundlage, wo Chad Wackerman zeigte, warum Zappa ihn in seine Band geholt hatte und Alphonso Johnson bewies, weshalb neben den beiden anfangs genannten Bands, auch ein Musiker wie David Gilmour ihn in seine Tourband aufnahm.

Wackerman setzte trotz der spielerischen Dynamik die Drums so akzentuiert ein, dass die Songs nicht zerschossen wurden und Johnson brachte einige jazzige und auch funkige Noten in die Stücke. Etwas skurril war, dass beide eine Maske trugen, was nach der derzeitigen Verordnung nicht mehr notwendig ist.

Zum Abschluss noch ein Gedanke zu der eher traurigen Besucherzahl an diesem Abend, im Angesicht der Qualität der Musiker. Über Monate wurde demonstriert, wurde gefordert, dass die Politik etwas für die Kultur machen muss. Jetzt sind seit einigen Wochen die Regelungen so, dass wieder in Clubs Konzerte stattfinden dürfen. Eigentlich wäre eher zu erwarten gewesen, dass die nach Kultur lechzenden Musikfans die Veranstalter unterstützen und gerade die kleineren Clubs besuchen, die ein erhebliches finanzielles Risiko eingehen, solche hochwertigen Bands zu buchen.

Wenn jetzt Veranstalter oder Clubs finanzielle Einbußen machen, liegt dies mit Sicherheit nicht an der Politik, sondern daran, dass, aus welchem Grund auch immer, Konzerte nicht entsprechend besucht werden. Jetzt liegt es an den Musikfans, dafür zu sorgen, dass die lokalen Clubs weiter bestehen können und das geht nur mit der Unterstützung der Fans. Deshalb die Bitte auf die Veranstaltungshinweise der Clubs zu schauen und diese dann auch entsprechend zu frequentieren. Schon am nächsten Wochenende geht es im Piano mit Yasi Hofer und Ezio weiter, wo ein Besuch in jedem Fall lohnend ist.

Line-up:
Carl Verheyen – vocals, guitar
Alphonso Johnson – bass
Chad Wackerman – drums

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Carl Verheyen
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Jeff Aug
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Thorbjørn Risager & The Black Tornado – 26.09.2021, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Etwa 120 Besucher und Thorbjørn Risager & The Black Tornado sorgten im Piano, wie schon einige Tage zuvor im Schwarzen Adler, mächtig für Stimmung.

Neben der spielerischen Klasse der Musiker, begeisterten die Dänen die Fans mit humorvollen Ansagen, die zuweilen in Richtung Poetry Slam gingen. Besonders hervortaten sich dabei die beiden Bläser Nybo und Kehl, die nebenbei auch noch verschiedenste „Percussioninstrumente“ bis hin zu einer Kreissägenscheibe bedienten und mit Tanzeinlagen für prächtige Laune sorgten.

Besonders gefällt, dass Risager auf der Bühne den anderen Musikern genügend Freiräume gibt, um zu zeigen, was in Ihnen steckt. Bärenstark die Rhythmussektion, mit dem sich zuweilen in Ekstase trommelnden Martin Seidelin und dem meist stoisch den Bass bearbeitenden Søren Bøjgaard, der bei einigen Songs mit dem Synthie das Piano zum vibrieren brachte. Auch der meist zurückhaltend wirkende Emil Balsgaard zeigte des Öfteren in Soloparts seine Extraklasse an den Keyboards.

Im Vordergrund standen allerdings meist ein bestens gelaunter und stimmlich brillanter Thorbjørn Risager, der auch seine Klasse an der Gitarre mit einigen Soli bewies und Joachim Svensmark, der mit seinen furiosen Soli und einem psychedelischen Intro, in dem er mit einem Geigenbogen die Gitarrensaiten in Schwingungen versetze, neben dem Publikum, sichtbar auch Risager zum Staunen brachte.

Die Nähe zu den Fans zeigten die Dänen nach der Konzertfete, indem sie bestens gelaunt zum Smalltalk im Merchandising-Bereich zur Verfügung standen.

Line-up:
Thorbjørn Risager (lead vocals, electric guitar)
Joachim Svensmark (electric guitars, percussion, vocals)
Emil Balsgaard (keys)
Søren Bøjgaard (bass, synthie)
Martin Seidelin (drums, percussion, vocals)
Hans Nybo (saxophone, percussion, vocals)
Peter W Kehl (trumpet, percussion, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
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Musiktheater Piano Dortmund