Kenny Wayne Shepherd – Trouble Is… 25 – CD-Review

Zum 25-jährigen Jubiläum seines genialen Albums “Trouble Is” hat Kenny Wayne Shepherd (KWS) eine komplette Neuaufnahme des Meisterwerks aus dem Jahre 1997 aufgelegt. Die nochmalige Einspielung der Songs fand live im Studio mit der damaligen Crew statt (nur Bassist Tommy Shannon musste leider ersetzt werden). Auch wieder mit dabei ist Jerry Harrison (ehemals Modern Lovers bzw. Talking Heads-Mitglied) – diesmal als Co-Produzent.

Entsprechend der ursprünglichen Songlist beginnt “Trouble Is…25” ebenfalls mit “Slow Ride”, einer Jimi Hendrix- soundigen Hit-Single des Albums, die ihren schon damals absolut überragenden, jungen Solo-Gitarristen in gekonnt experimenteller Spielweise brillieren lässt. Mit “True Lies” folgt ein großartiger Übergang zum Southern-Texas Format eines Stevie Ray Vaughan, das straight-rockmäßig die Fingerfertigkeit von Shepherd strapaziert.

Das inzwischen als Mainstream-Rock-Klassiker geltende dritte Stück “Blue On Black” zelebriert unverändert die eindrucksvolle Saiten-Technik, wurde aber erst im April 1998 ausgekoppelt. Der anhaltende Erfolg des Original-Longplayers erforderte im Dezember 1998 weiterhin eine vierte Single: Bob Dylans schneller Rocksong “Everything Is Broken” wird als Southern-Cover gebührend präsentiert und verschafft dem bereits sehr erfolgreichen Album ein Jahr nach dem Release nochmals weiteren Respekt, obwohl es schon durch die Super-Top-Version von Jimi Hendrix’ “I Don’t Live Today” mehr als begeistern konnte.

Unverändert spielte KWS in der 25-er Session ausdrücklich auf dem alten Equipment und seiner 61er Fender Stratocaster und überließ die Vocals wieder Noah Hunt, der insbesondere auf dem grandiosen Blues-Harp Titel (Original Harp-Solo von James Cotton) und der zusätzlichen Hit-Single „Somehow, Somewhere, Someway”, wie auf dem gesamten Longplayer, seine tiefen Spuren hinterlässt. Auch die Mid-Tempo Ballade “I Found Love (When I Found You)” und die wuchtig, rockende Blues-Nummer “King’s Highway” firmieren unter Klassiker-Status eines junggebliebenen Longplayers, der mit “Nothing To Do With Love” außerdem ein Bonnie Tyler-Cover vertragen kann – Foot-Stomping mitreißend serviert.

Dem legendären Stevie Ray Vaughan könnten die beiden letzten Stücke “Chase The Rainbow” und der Titel-Instrumental-Track “Trouble Is” gewidmet sein – jeder für sich eine einzigartige Reminiszenz. Irgendwie verloren gegangen scheint demgegenüber leider der 1997er Bonus.Track “Voodoo Child”, eine leidenschaftliche 10 Minuten Version der Jimi Hendrix-Nummer, die nur auf der ersten Japan-Ausgabe erschienen ist. Dafür hat die Neuauflage eine andere Zugabe zu bieten: mit “Ballad Of A Thin Man” von Bob Dylans “Highway 61 Revisited” – LP wurde ein Top-Blues Cover Bonus zusätzlich eingespielt.

“Die neue Aufnahme war für mich eine echte Reise in die Vergangenheit”, so Kenny Wayne Shepherd über die Studio-Zeit für “Trouble Is…25”. Angesichts der außergewöhnlichen künstlerischen Klasse des inzwischen berufserfahrenen Gitarren-Virtuosen wird seine Jubiläums-Tour 2023 mit dem Nr. 1 Blues-Album auch für die Fans in Deutschland ein besonderer Leckerbissen werden.

Provogue Records (2022)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Slow Ride
02. True Lies
03. Blue On Black
04. Everything Is Broken
05. I Don’t Live Today
06. (Long) Gone
07. Somehow, Somewhere, Someway
08. I Found Love (When I Found You)
09. King’s Highway
10. Nothing To Do With Love
11. Chase The Rainbow
12. Trouble Is
13. Ballad Of A Thin Man

Kenny Wayne Shepherd
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Mascot Label Group

Sean Webster Band – 18.11.2022, Gdanska, Oberhausen – Konzertbericht

Zweites von drei Konzerten innerhalb von vier Tagen! Nach Peter Frampton am Mittwoch im größeren Rahmen ging es wieder zurück an die ‚Basis‘. Zur Wahl stand die Sean Webster Band in Leverkusen oder die Sean Webster Band in Oberhausen an. Da wir bis dato im Gdanska in Oberhausen noch nie vorstellig waren und die Location für mich persönlich geografisch deutlich günstiger liegt, ging es dann diesmal ins Ruhrgebiet.

Auf der Hinfahrt kamen dann Erinnerungen auf, als ich an der Sporthalle vorbei kam, in der ich vor langer Zeit die letzten fünf Jahre meiner bewegten Tischtenniskarriere verbracht hatte. Nur wenige Minuten später war ich in der Nähe des Gdanskas angelangt.

Die Lokalität am Oberhausener Altmarkt hat ein wenig was von unserem einstigen Bluesflaggschiff in meiner Heimatstadt Rheinberg, dem Schwarzen Adler. Vorne eine typische Kneipe, dann ein freundlich gestalteter Restaurantbereich, und daran angeschlossen ein schlauchförmiger langgezogener Raum, der bestens für kulturelle Aktivitäten kompatibel ist.

Auch wenn ich mir kaum vorstellen kann, dass der eher wie ein Alt-68er wirkende Gdanska-Ansager Jürgen Reinke in der Bundeswehr gedient hat, stand er bei seiner Einleitung ganz in militärischer Tradition mit Schere und Maßband auf der Bühne und schnitt es zum Konzert 831 wieder ein wenig kürzer, 1000 ist die Zielmarke , die er in jedem Fall noch erreichen möchte.

Um 20:20 Uhr legte die Sean Webster Band, die wir ja mal vor vier Jahren mal auf einem Schiff beleuchtet hatten, mit dem treibendem Blues Rocker „You Got To Know“ direkt energiegeladen los. Mit dabei, diesmal auf festem Untergrund, wieder Websters etatmäßige Rhythmusfraktion, bestehend aus Drummer Ruud Gielen und dem schlaksigen Bassisten Floris Poesse, als neue Personalie war Keyboarder Axel Zwinselman zugegen, der sich als sehr belebendes Element der Band herausstellte.

Mit dem folgenden „Forever Gone“ ging es schön groovig weiter. Hier schön glänzte der Protagonist mit seiner herrlich rauen Reibeisenstimme und seinen ersten E-Gitarrensoli. Kaum zu glauben, dass so ein talentierter Musiker phasenweise seine eigentliche Passion an den Nagel gehängt hatte, um in Australien seinen Lebensunterhalt als Waldarbeiter zu bestreiten.

Mit dem herrliche Slowblues „I Was Wrong“ gab Sean schon einen Ausblick auf sein neues im nächsten Jahr herauskommendes Studio-Album, dem noch weitere brandneue Tracks wie u. a. „Not Me & You“ und „You Should Probably Leave“ (beides melodisch-fluffige und eingängige Nummern mit einem dezenten 90er-Rock-Flair) während des Hauptsets folgten.

Gespickt war die Setlist natürlich auch mit grandios gestalteten Coverstücken, von denen „I Put A Spell on You“ (Screaming Jay Hawkins) und das Keith Urban-Lied „‚Til The Summer Comes Around“ (allein das intensive Instrumentalintro war zum Niederknien) herausragten. Klasse hier immer wieder das Zusammenspiel von Webster mit Zwiselman und den dann immer wieder aufbrausenden Rhythmusleuten Gielen (mit satten Polterattacken) und Poesse (der sowohl mit Bass-Streicheleinheiten als auch ganz wildem Gezupfe).

Mit dem brutal starken „Hear Me Now“ aus Websters eigenem Fundus war die Zeit verflogen und das in Blueskreisen immer wieder gerne aufgegriffene „I’d Rather Go Blind“ in einer abwechslungsreichen bärenstarken Version (mit Tempo- und Atmosphärenwechseln) bildete das Finale des Hauptteils.

Die Anwesenden im für derzeitige Verhältnisse gut besuchten Gdanska waren aus dem Häuschen und ließen das Quartett natürlich nicht ohne das fulminant shufflige „Highway Man“ und eine Adaption von „The Thrill Has Gone“ als Zugaben in den verdienten Feierabend.

Auf dem Rückweg fragte ich mich spontan, was ein Joe Bonamassa eigentlich soviel besser macht als ein Sean Webster (außer natürlich die bis ins kleinste Detail durchorganisierte PR in eigener Sache), zumal der Brite auch noch der ‚ohren‘-scheinlich deutlich bessere Sänger ist? Naja, zumindest protegiert der amerikanische Bluesstar mittlerweile auch zunehmend aufkommende Acts mit seinem Label und den Cruises durch die Meere der Welt. Vielleicht fällt dabei ja auch in Zukunft mal ein Blick auf die großartige Sean Webster Band.

Für mich persönlich verbleibt angesichts der tollen neuen Stücke erst einmal die Vorfreude auf einen sicherlich starken neuen Longplayer, den wir dann zu gegebener Zeit auch gerne wieder reviewen werden!

Line-up
Sean Webster – Lead vocals, electric guitar
Ruud Gielen – Drums
Axel Zwinselman – Keys
Floris Poesse – Bass

Bilder: Klemens Kübber
Text: Daniel Daus

Sean Webster Band
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m2-music
Gdanska Oberhausen

Peter Frampton – 16.11.2022, Mitsubishi Electric HALLE, Düsseldorf – Konzertbericht

Ich glaube jeder, der sich als Fan von Rockmusik bezeichnet und eine dementsprechende Sammlung an Tonträgern besitzt, wird in dieser sicherlich „Frampton Comes Alive“ aus dem Jahr 1976 inkludiert haben, eines der wohl bekanntesten und erfolgreichsten Live-Alben aller Zeiten.

Auch ich besitze sie als Doppel-LP und habe sie mir als Verfechter der CD natürlich dann irgendwann auch in digitaler Version zugelegt. Das ist aber schon lange her und ich muss zu meiner eigenen Schande gestehen, dass ich trotz meiner unzähligen Konzertbesuche bis dato, den mittlerweile in Nashville lebenden Briten nie live gesehen habe. Umso schöner, dass der Veranstalter Sparkassenpark Mönchengladbach, uns jetzt die Möglichkeit in der Düsseldorfer Mitsubishi Electric HALLE dazu ermöglicht hat.

Zunächst konnte aber der britische Gitarrist und Songwriter Jack Broadbent für eine knappe halbe Stunde sich mit seinem eigenwilligen Stil, der sich überwiegend in Deltablues-Sphären bewegte, u. a. mit Tracks aus seinem aktuellen Werk „Ride“, als Alleinunterhalter der Audienz vorstellen.

Der als „New master of slide guitar“ gerufene Musiker wirbelte dabei wie von einer Tarantel gestochen mit einem  Flachmann auf dem Hals seiner Gitarre herum und erntete nach dem finalen Ray Charles-Cover-Stück „Hit The Road Jack“ den gebührenden Applaus für eine engagierte und sympathische Performance.

Während der kurzen Pause kam eine humorvolle Ansage an unsere Handy-infizierte Spezies, doch diese bitte nur im Rahmen der ersten drei Stücke zu benutzen und es dann auszuschalten. Dies führte zum Einen, dass am Anfang eine große Meute in Richtung Fotograben stürmte, aber von den Ordnern dann wieder schnell in die Schranken verwiesen wurde. Für diese wurde es dann natürlich auch ab Stück 4 zum reinsten Spießroutenlauf mit den immer wieder aufleuchtenden Displays, denn Respekt und eine gewisse Regelakzeptanz, scheinen sich in dieser Ego-Gesellschaft leider zu Fremdworten entwickelt zu haben.

Dazu hatte ich auch noch das Glück in kurzer Entfernung einen Besucher der Marke Wichtigtuer neben mir zu haben, der durch regelmäßige Zwischenrufe seine scheinbar mangelnde Aufmerksamkeit im bisherigen Leben, auf diese Art und Weise zu kompensieren versuchte.

Ansonsten stimmte aber alles an diesem Abend (Sound, Licht, Stimmung) und ich muss schon vorab konstituieren, dass dieses Konzert mit Abstand das absolute Jahreshighlight darstellte und auch in meiner persönlichen Alltime-Favorite-Liste sicherlich unter den ersten Zehn landen würde.

Im Gegensatz zum Gig von Joe Bonamassa vor gut einem halben Jahr an gleicher Stelle, präsentierte sich hier ein Protagonist, bei dem trotz seiner charismatischen Bühnenpräsenz das Kollektiv nie außer Acht gelassen wurde, sprich, sein ebenfalls hochkarätiges Begleitensemble, bestehend aus Nashville-Paradebassist Steve Mackey (der war übrigens bei beiden Konzerten die gemeinsame Schnittmenge), Drummer Dan Wojciechowski, Co-Gitarrist Adam Lester und dem überragenden Rob Arthur (keys, electric and acoustic guitar, vocals) wurde von seiner Seite deutlich der gebührende Respekt (musikalisch wie auch menschlich) gezollt.

Frampton, durch seine tückische fortschreitende Muskelerkrankung IBM deutlich gezeichnet, musste den Gig auf dem Stuhl sitzend vollziehen, demnach passten sich auch die anderen Musiker entsprechend an, lediglich Rob Arthur war durch das ständige Wechseln der Keys und zwischenzeitlich zu den Gitarren (da saß er dann auch wie die anderen) läuferisch unterwegs.

Zum Glück scheint die Motorik des mittlerweile über Siebzig-jährigen in Armen und Händen noch nicht entscheidend beeinträchtigt zu sein, Peter glänzte mit seinen unzähligen quirligen, aber auch sehr gefühlvollen Gitarreneinlagen, auch seine Stimme hat nichts von ihrer Markanz und Ausstrahlung verloren.

Apropos Stimme: Es gab natürlich vor so gut wie jedem Stück eine Anekdote aus seinen Glanzzeiten, da u. a. war von einem sondergefertigtem grünen Bob Ludwig-Drumkit und von einer bei einem Flugzeugcrash verloren geglaubten Les Paul-Gitarre die Rede, die über Ebay und andere wundersame Weisen wieder in Framptons Besitz gelangt sind (und an diesem Abend auch zum Einsatz kamen), Scheidung, Gitarrenkaufsucht, wilden Parties in seinem Haus in der Nähe der Abbey Road, wo an einem regnerischen Abend plötzlich ein wildfremdes Pärchen vor der Tür stand und für gleich drei Wochen am Stück um Unterkunft bat (daraus entstand „The Lodger“), zwei feuchtfröhlichen Wochen mit Alvin Lee und Gattin von drei geplanten auf den Bahamas, wo nichts ging, in denen aber eigentlich ein Album entstehen sollte oder wie man den Zorn von Panama-Diktator Manuel Noriega wegen eines gecanzelten Gigs auf sich zog und nur mit viel Glück aus dem Land entschwinden konnte. Alles natürlich in klarstem Gentleman-Englisch und mit jeder Menge eigenwilligem britischem Humor überliefert.

Klar, dass neben Sachen wie dem standesgemäßen Opener „Baby (Something’s Happening)“, „Lying“, „It’s A Plain Shame“, „All I Wanna Be Is By Your Side“, „I’ll Give You Money“, die alle ihre besonderen Momente hatten und zum Teil auch durch die große Leinwand im Hintergrund visuell sehr passend unterlegt wurden, die Hitstücke wie „Show Me The Way“, „Lines On My Face“, „Baby I Love Your Way“ oder „Do You Feel Like We Do“ (mit den bekannten Talkbox-Einlagen) im Fokus, aber auch das in einer starken Instrumentalversion gebrachte „Georgia On My Mind“ oder das Soundgarden-Cover „Black Hole Sun“ und die beiden Tracks aus Peters Humble Pie-Zeit, „4 Day Creep“ und „I Don’t Need No Doctor“, wussten absolut zu gefallen.

Als das Quintett dann am Ende noch eine Killerverson vom Beatles-Klassiker „While My Guitar Gently Weeps“ nachlegte, gab es kein Halten mehr auf den Stühlen. Mehrminütige Standing Ovations zogen den sichtlich bei der letzten Vorstellung seiner Europa-Tournee gerührten Vollblutmusiker nochmals zu seinem Mikro zurück und er bedankte sich bei allen Involvierten auf herzlichste Weise. Auch wenn man Frampton ansah, dass er realisierte, dass es vermutlich sein letzter Auftritt in Düsseldorf war, verabschiedete er sich doch mit einem optimistisch gestimmten „Never Say Never“.

Wir erwidern: „Alles Gute Peter Frampton, was immer da noch kommen mag! Danke für dieses grandiose Musikerlebnis!“

Line-up:
Peter Frampton (lead vocals, electric and acoustic guitar, talk box, percussion)
Steve Mackey (bass)
Rob Arthur (keys, electric and acoustic guitar, vocals)
Dan Wojciechowski (drums)
Adam Lester (electric and acoustic guitar, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Peter Frampton
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Jack Broadbent
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SparkassenPark Mönchengladbach Promotion
Mitsubishi Electric HALLE, Düsseldorf

Joanne Shaw Taylor – Nobody‘s Fool – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Seit Joanne Shaw Taylor vor zwanzig Jahren im zarten Alter von ‚Sweet Sixteen‘ von Dave Stewart entdeckt wurde, hat es die Britin geschafft, sich zu einer der besten Gitarristinnen im Rockbusiness zu entwickeln. Nach ihrem 2021‘er „The Blues Album“ und dem im gleichen Jahr erschienenen Livealbum „Blues From The Heart“ steht nun ihr neuestes Werk in den Startlöchern.

Auch „Nobody‘s Fool“ wurde, genau wie die Vorgängerscheibe, von Joe Bonamassa und Josh Smith produziert und erscheint am 28. Oktober auf Bonamassas Plattenlabel KTBA Records. Diesmal wieder als ein reines Studioalbum, das mit elf exquisiten Tracks glänzt. Fast alle Songs hat sie selbst komponiert. Nur „Missionary Man“ (Dave Stewart, The Eurythmics) stammt nicht aus ihrer Feder und bei ein paar anderen Songs haben u. a. Josh Smith und Joe Bonamassa zumindest mitgewirkt.

Überraschenderweise hebt sich aber Joannes neue Scheibe in musikalischer Hinsicht deutlich von ihren Alben zuvor ab. Klar, immer noch ist ihre soulige, teils leicht heisere, Altstimme für den Sound mitbestimmend und auch ihre kraftvollen Gitarrenriffs und Hooklines sind so, wie man sie kennt. Trotzdem kommen viele der elf Albumtracks recht poppig und durchaus mit Radioqualitäten versehen rüber. Der Titelsong „Nobody‘s Fool“ liefert gleich ein Beispiel dafür. Da ist ihre einzigartige Stimme, verpackt in einen leicht fluffigen Popsong, bei man sogar ganz zarte Americanaelemente herauszuhören glaubt.

In eine ähnliche mainstreamige Richtung geht auch das gut tanzbare „Won‘t Be Fooled Again“ mit Joe Bonamassa als Gastgitarrist. Zuvor liefert Joanne allerdings noch einen Tune ab („Bad Blood“), dessen dumpfes Intro glatt für einen Krimi geschrieben worden sein könnte, der schließlich aber auch ins Poppige abdrifted, um mit der wiederkehrenden Eingangssequenz einen musikalischen Kontrast zu bilden. Ganz anders „Just No Getting Over You“. Der Song erhält durch eine Bläsersektion einen leicht soulig-funkigen Touch.

Dass Joanne Shaw Taylor auch besinnlich kann, zeigt sie mit gleich zwei Liedern. Da sind zum Einen der einfühlsam vorgetragene Slowblues „Fade Away“ mit Klavierbegleitung und Tina Guo am Cello und zum Anderen gegen Ende der Scheibe „The Leaving Kind“ an dessen Entstehung Joe Bonamassa mitgewirkt hat. Mit „Then There‘s You“ gibt‘s dann auch ’ne richtig hart treibende Blues Rock-Nummer auf die Ohren, die aber umgehend von „Runaway“, einer poppig-fröhlichen Melodie im Singer-Songwriter-Stil, abgelöst wird.

Wo sonst als bei „Missionary Man“ kann Dave Stewart endlich als Gastgitarrist einsteigen. Und dennoch unterscheidet sich der Track erheblich vom Eurythmics-Original. Bei der Neuinterpretation verzichtet Joanne allerdings auf das Harp- unterstützte Intro und gesanglich ist ihre Stimme auch nicht so hart wie die von Annie Lennox. Gastgitarristin Carmen Vandenberg (Bones UK) darf sich in „Figure It Out“ die Ehre geben, einem Track, der mit gefühlten mehr als 100 beats per Minute hektisch nach vorn schießt. Der bereits erwähnte Slowblues „The Leaving Kind“ holt den Hörer letztendlich wieder runter, bevor das Album mit dem fröhlichen und lebensfrohen „New Love“ versöhnlich endet.

Nun lässt sich vortrefflich darüber streiten, ob sich Joanne Shaw Taylor mit ihrem neuen Album musikalisch weiterentwickelt hat oder ob sie sich lediglich auf einen kommerzielleren Pfad begeben möchte. Musikalisches Neuland ist das Album auf jeden Fall. Bitte nicht falsch verstehen, die Scheibe ist einerseits auf ihre Art wirklich gut, aber eben ganz anders als Joannes Vorgängeralben und dürfte daher den Geschmack von Hardcore-Bluesfans nicht so ganz treffen.

Für alle anderen, die gern mal über den Bluestellerrand blicken möchten, ist der Kauf des Silberlings sicherlich eine Überlegung wert. Und auch für diejenigen, die eher einen etwas poppigeren Sound bevorzugen, ohne dabei auf Blueselemente verzichten zu wollen, ist „Nobody‘s Fool“ bestimmt eine gute Anschaffung.

KTBA Records (2022)
Stil: Blues Rock, Pop

Tracks:
01. Nobody‘s Fool
02. Bad Blood
03. Won‘t Be Fooled Again (feat. Joe Bonamassa)
04. Just No Getting Over You (Dream Cruise)
05. Fade Away (feat. Tina Guo)
06. Then There‘s You
07. Runaway
08. Missionary Man (feat. Dave Stewart)
09. Figure It Out (feat. Carmen Vandenberg)
10. The Leaving Kind
11. New Love

Joanne Shaw Taylor
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Another Dimension

Corky Laing’s Mountain – Support: Atrio – 02.11.2022, Harmonie, Bonn – Konzertnachlese

On Stage Promotion brachte mit Corky Laing’s Mountain ein Rockurgestein in die Bonner Harmonie und nutzte dabei die Möglichkeit, dass sich die aus Hessen kommende Blues Rock-Band Atrio vor breiterem Publikum präsentieren konnte. Leider ging der Plan nur zum Teil auf, trotz Werbung durch den Promoter und auch durch die Harmonie fanden nur etwa 70 Fans den Weg in die Location.

Gegen 20 Uhr starteten Atrio ihren etwa 40 minütigen Gig und verkürzten den Fans die Wartezeit mit energiegeladenem harten Blues Rock, der bei den Zuschauern auch gut ankam, und demnach nicht mit Applaus zwischen den Songs sparten. Schön war zu beobachten, wie sich Mountain Gitarrist Richi Scarlett für einige Songs neben die Bühne begab und die Supportband moralisch unterstütze.

Line-up:
Lars Gurgler: Guitars & Vocals
Gian Kuca Paris: bass
Sascha von Struve: drums

Als die Umbaupause beendet war, betraten dann zunächst Richi Scarlet und Bernt Ek die Bühne und nur wenig später gesellte sich Corky Laing unter dem Applaus der Fans zu den beiden. Nach einer kurzen Begrüßung legten die drei mit „Long Red“ gleich los wie die Feuerwehr. In der Folge präsentierte die Band einen Querschnitt aus den erfolgreichen Jahren von Mountain. Neben krachenden Rocksongs wie „Mississippi Queen“ oder „Never In My Life“ zeigte das Trio mit dem balladesken „Theme For An Imanginary Western“, dass sie Ihre Instrumente auch gefühlvoll einsetzen können.

Im Gesang wechselten sich Laing und Ek ab, wobei der schwedische Bassist insbesondere bei den eher ruhigen Tracks mit seiner etwas weicheren Stimme überzeugen konnte, während Laing für die rauheren Songs verantwortlich war. Zudem bewies Corky, dass er auch ein guter Entertainer ist, der mal über sich selbst lachen kann, als er die eine oder andere Anekdote aus seiner Vergangenheit mit Mountain in die Ansagen zwischen den Songs einbaute.

So erfuhren die Besucher etwas über Goldene Schallplatten für Songs, an denen er keinen Anteil hatte, wie für den Ten Years After-Klassiker „Going Home“, der dann natürlich gecovert wurde oder eine verschwundene Jacke von Keith Moon, wo Laing seine Hände mit im Spiel hatte. Dass Laing danach den Dylan-Evergreen „Like A Rolling Stone“ in Form eines Schlagzeugsolos spielte, mag nicht nur als Homage an Dylan zu sehen sein, sondern auch für Keith Moon, dessen Drumspiel er bewunderte.

So vergingen knapp 100 Minuten musikalischer Rockhistorie wie im Fluge und die leider zu wenigen Besucher hatten ihr Kommen mit Sicherheit nicht bereut. Abgerundet wurde der musikalisch schöne Abend dadurch, dass sich Laing und seine Band nach der Show die Zeit für Smalltalk am Merchandising-Stand nahmen.

Ein Dank neben dem an die Musiker an die Harmonie für den gastfreundlichen Empfang und On Stage Promotion, die trotz eines nicht befriedigenden Vorverkaufs das Konzert durchgezogen haben. Daher die Bitte, wie auch bei anderen Clubs, schaut mal, was an Gigs stattfindet und besucht diese mal wieder, sodass die Rockkultur in den kleinen Clubs weiterlebt.

Line-up:
Richi Scarlett: Guitar
Bernt Ek: Bass & Vocals
Corky Laing: Drums & Vocals

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Corky Laing’s Mountain
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Atrio
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Harmonie Bonn
Onstage Promtion

Larkin Poe – Blood Harmony – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Vollblut Enthusiasmus und hochtalentierte, musikalische Frauenpower bestimmen das neue Album “Blood Harmony”, der inzwischen in Nashville ansässigen Southern- und Blues-Rock-Formation “Larkin Poe”. Die ursprünglich aus Atlanta, Georgia, dem Süden der USA, stammenden Rebecca und Megan Lovell können, um es vorneweg zu sagen, mit dem 6. Studio-Longplayer (siehe auch frühere SoS-Berichte) den kraftvollen und mitreißenden Stil ihrer Vorgängerscheiben weiter verbessern und auch durch soulige Bluesvarianten vollauf begeistern.

Ein Beispiel hierfür ist der eigentlich weiche und harmonische erste Track “Deep Stays Down”, der sich bis zum explosiven A-capella Finale durchgängig steigert. Der von den Lovells als feminines Gegenstück zu Screamin’ Jay Hawkins Erfolg “I Put A Spell On You” konzipierte Titel “Bad Spell” propagiert den besagten Larkin Poe-Powersound – am besten in voller Lautstärke.

Mit “Georgia Off My Mind” folgt ein temperamentvoller Southern-Rocker, in dem man die geschäftigen Highway-Touren nicht nur gedanklich nachempfinden kann. Die von den beiden Multi-Instrumentalistinnen (Rebecca zuständig für Lead-Vocals und Guitar, Megan für Lap-Steel und Harmony-Gesang) komponierten 11 Songs wurden fast schon selbstverständlich im hauseigenen Studio produziert.

Die Lovells kombinieren in ausgiebiger, traditionsbewusster Mentalität Geschichten, Gefühle und persönliche Erlebnisse und verbinden virtuose, musikalische Wurzeln zu kreativen Southern-Country, Blues-Rock-Gebilden, die feminine Impulse kunstvoll stilisieren. So sind “Strike Gold” und “Southern Comfort” auch natürlich gesangsstarke Songs, mit südstaatlich rauen Komponenten. Der Boogie-Titel “Bolt Cutters & The Family Name” siedelt dabei nicht unweit des berühmten 1933er James Baker-Klassikers “Black Betty”, der vor Jahren von der Band “Ram Jam” gecovert wurde.

Demgegenüber bringt der Album Titel-Track “Blood Harmony” – nicht zufällig – bluesbasierte selbstaufbauende Klangräume zur Geltung, die eben so nicht nur von ungefähr natürlich zwischen Vocals und Guitar familienharmonisch funktionieren. Selbst Texas-Rock Ikone Billy F. Gibbons von ZZ Top hat die Zeichen der Zeit richtig erkannt und die Lovell-Sisters zum stärksten Track seines Solo-Albums „Hardware“ (“Stackin’ Bones”) eingeladen – eine besondere Auszeichnung durch den Guitar-Champion für die aufstrebenden, jungen Talente.

Neben den rauen Hard-Riff-Tönen (z. B. “Kick The Blues”), glänzen daher ebenso auf “Blood Harmony”, ruhigere Kompositionen, es werden mit “It Might As Well Be Me” – in Janis Joplin-Anklängen – und über “Lips As Cold As Diamond” auch Slow-Blues Stücke gebührend umgesetzt. Nach langer Tournee durch Europa war das Sisters-Duo am 15.09.2022 für einen kurzen TV-Auftritt bei “Ina’s Nacht” und lieferte mit Band auf engstem Raum ein phänomenales Set und zu bewies, dass eine starke Blues-Rock Formation den Laden gehörig aufmischen kann.

Seit Gründung der Band (2014) war es für Larkin Poe nur ein kleiner Schritt, um vom ursprünglichen Folk und Bluegrass Trio in die Oberklasse der jungen Southern Blues Rock-Generation aufzusteigen. Mit dem Album “Blood Harmony” gelingt es den Lovell-Schwestern durch diese besonders betont-familiäre Übereinstimmung auf alten Pfaden neue Maßstäbe zu setzen.

Tricki Woo Records (2022)
Stil: Blues Rock, Roots Rock, Southern Rock

Tracks:
01. Deep Stays Down
02. Bad Spell
03. Georgia Off My Mind
04. Strike Gold
05. Southern Comfort
06. Bolt Cutters & The Family Name
07. Blood Harmony
08. Kick The Blues
09. It Might As Well Be Me
10. Summertime Sunset
11. Lips As Cold As Diamond

Larkin PoeEmily Nenni
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Another Dimension

Vanesa Harbek – 27.10.2022 – to hoop, Rheinberg – Konzertnachlese

Im Rahmen der „Visiones“-Tour spielte Vanesa Harbek mit ihrer Band auch im Rheinberg Alpsrayer to hoop vor. Mittlerweile ist es Sami Durak gelungen, das to hoop als Konzertstätte für Bluesmusiker in Rheinberg zu etablieren. 

Die leider zu wenigen Besucher sollten ihr Kommen an dem Abend allerdings nicht bereuen. Immmer noch ist es für Veranstalter in der Region oft schwierig, Zuschauer in die Clubs zu locken, während Konzerte von Harbek in den Tagen zuvor in den Niederlanden recht gut besucht waren.

Mit ihren Begleitmusikern, Martin Engelien am Bass und Thomas Lieven an den Drums, legte sie zwei etwa 50 minütige Sets hin, bei denen ihr aktuelles Album „Visiones“ natürlich im Mittelpunkt stand. Gespickt wurden die eigenen Songs noch durch stark interpretierte Covervisionen wie „Oye Como Va“ oder „Proud Mary“, die zum Ende hin die Fans zu stehenden Ovationen veranlassten.

Neben ihrem Fähigkeiten an der Gitarre zeigte Harbek bei zwei Songs, dass sie auch eine ausgezeichnete Trompeterin ist und so zusätzliche Akzente in die Stücke setzte. Stilistisch bewegte sie sich vom Blues bis hin in Richtung Flamenco, wo auch ihre heimatlichen Wurzeln, insbesondere bei den auf spanisch gesungenen Songs, zum Vorschein kam.

Nach der Tour wird es direkt ins Studio gehen, wo das nächste Album eingespielt wird und man das Motto sehen kann, nach der Tour ist vor der Tour. Man darf gespannt sein, was die Argentinierin im nächsten Jahr präsentieren wird. Nach dieser Vorstellung in Alpsray wird sie bestimmt wieder ein gern gesehener Gast sein.

Es bleibt zu hoffen, dass dann mehr Musikfans den Weg ins to hoop finden werden und die Mühen von Sami Durak belohnt werden, Kultur in Rheinberg zu erhalten. Wer auf Bluesmusik steht, sollte öfters mal auf der Seite des to hoop nachschauen, es wird in den nächsten Monaten einige Überraschungen geben.

Line-up:
Vanesa Harbek – guitars, trumpet, lead vocals
Martin Engelien – bass, vocals
Thomas Lieven – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Vanesa Harbek
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to hoop

Ally Venable Band – 03.11.2022 – to hoop, Rheinberg – Konzertbericht

Texas Honey‚ Ally Venable zum Auftakt ihrer Europa-Tournee im to hoop in Rheinberg-Alpsray! Besitzer Sami Durak hat ohne Zweifel  das in Rheinberg existierende Blues-Vakuum erkannt und sich hier durch kontinuierliche und gute Arbeit, in letzter Zeit eindeutig die aktuelle Hoheit gesichert.

Und so war das ehemalige Bürgerzentrum für einen Donnerstag Abend auch recht ordentlich gefüllt. Viele Blues-Experten wollten sich das momentane musikalische Treiben, der durch den Rufschen Blues Caravan (wir hatten sie 2019 in Dortmund begutachtet) bekannten Sängerin und Gitarristin aus dem Lonestar-State, nicht entgehen lassen.

Die langhaarige Protagonistin kam nach Samis feuriger Eingangsrede gewohnt hochgestiefelt und in knappem Lederfummel mit ihren beiden Mitstreitern Isaac Pulido (drums) und Elijay Bedford (6-string bass) auf die Bühne und ließ es in Set 1 so richtig abgehen.  Eine knallharte Blues Rock-Performance, wobei das Wort ‚Rock‘, und zwar in der härteren Manier, das Geschehen bestimmte.

Was das Mädel allein schon im Bill Withers-Cover „Use Me“ zum Auftakt an krachenden Riffs und Soli abfeuerte, war schon atemberaubend und richtungsweisend für die ersten 50 Minuten des Gigs. Einen erheblichen Anteil hatte allerdings auch der noch recht jugendlich wirkende Drummer Isaac Pulido, der aber ebenfalls mit vielen deftigen Poltereilagen für viel Dampf im texanischen Blues Rock-Kessel sorgte.

Mit den folgenden Stücken „Hard Change“, „Sad Situation“ und „Heart of Fire“ stand dann ihr aktuelles gleichnamiges Album im Mittelpunkt des Geschehens (zwischendurch gab es noch das von Wah_Wah-Soli durchzogene „Real Gone“), bevor mit der Bessie Smith-Nummer (die Dame ist eines der großen Blues-Vorbilder von Ally)  „Back Water Blues“ (mit tollem Gesangs- und E-Gitarrenintro von Ally) im etwas traditionelleren Stil die Pause eingeläutet wurde.

Dort eilte sie sofort zum CD-/LPs-Verkaufen und -Signieren Teil 1, im zweiten Set ging es mit „Road To Nowhere“, dem herrlichen Slowblues „Comfort in My Sorrows“ und „Bring On The Pain“ doch etwas gemäßigter zu. Der Vorteil war, dass hier dann auch Allys stimmliche Qualitäten mehr in den Vordergrund treten konnten. Eine wirklich gelungene und auch schwungvoll gestaltete Version vom B.B. King-Schinken „The Thrill is Gone“ mit „Miss You“-Kurz-Intermezzo führte schon zum Schlussstück des Hauptteils.

Da wurde dann mit dem Instrumental „Lenny“ einer weiteren texanischen Blues Rock-Größe, Stevie Ray Vaughan, ausgiebig die Ehre erwiesen und alle drei Beteiligten konnte sich an ihren Arbeitsgeräten nochmals ausgiebig ‚zeigen‘. Stark hier vor allem die sphärische Mittelpassage.

Mit frenetischem Applaus wurde mit dem in Blues-Kreisen gern gecoverten „Going Down“ dem Trio dann noch eine furiose Zugabe herausgelockt. Da hielt es die junge Texanerin nicht mehr auf der Bühne und nach Einzelpassagen ihrer Mitstreiter gab es dann noch ein Gitarrensolo im Stile einer Table-Blueserin auf dem Tisch inmitten ihrer begeisterten Audienz. Charmeur Sami half ihr dann ganz gentleman-like wieder herunter zum Boden.

Apropos ‚Texas Honey“: Der Song, einer meiner Lieblingstitel von ihr, war der einzige, der mir an diesem Abend ein wenig gefehlt hatte. Dafür hatte Ally dann aber am Ende auch noch Zeit für das obligatorische SoS-VIP-Bild mit Sami und dem Magazin-Chef persönlich. Insgesamt eine sehr überzeugende Leistung zum Tourstart der Ally Venable Band. Danke, Honey!

Line-up:
Ally Venable – electric guitars, lead vocals
Elijah Bedford  – bass
Isaac Pulido – drums

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ally Venable
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to hoop
Ruf Records

Joost de Lange Band – Hypnotized – CD-Review

Review: Gernot Mangold

Die in Antwerpen ansässige Joost de Lange Band bringt mit „Hypnotized“ das mittlerweile sechste Studioalbum heraus. Dabei ist dem Powertrio um Mastermind Joost de Lange ein beachtliches Werk gelungen, das die Bandbreite vom Blues aus der Richtung Rory Gallagher oder Jimmy Hendrix über Rock bis hin zum Hard- und zuweilen Southern Rock umspannt.

Tricky ist der Einstieg in die CD, wo das rockige „I Won’t Follow“ mit einigen Riffs eingeläutet wird, die an das Intro des Golden Earing-Klassikers „Radar Love“ erinnern, um dann in eine schnörkellose Bluesnummer einzumünden, die einen Refrain mit hohen Wiedererkennungswert hat. Schon im ersten Song zeigt sich die Klasse seiner Begleitmusiker Ramses Donvil an den Drums und Mitchell Goor am Bass, die eine groovende Grundlage legen, in die Joost immer wieder feine Gitarrensoli einstreut.

Herausragend ist der Titeltrack „Hypnotized“, mit einem slidenden Intro und Ende des Tracks auf dem Dobro. Prägnant sind dabei neben dem emotionalen, fast melancholischen Gesang der pulsierende Tieftöner.

Neben den meist eher härteren Nummern zeigt er beim balladesken „Love, Fear and Uncertainty“, dass er mit seiner Band auch die eher ruhige Gangart beherrscht, wobei er in den Song ein furioses Solo integriert. Mit dem gradlinigen krachenden „Shout It All Out“ nähert sich Joost de Lange denn dem Hard Rock mit grungigen Einflüssen. Schön ist hier auch das Songwriting mit einem einprägsamen Refrain.

Abgeschlossen wird der durchgängig starke Longplayer mit dem rockigen „Rush“, mit stampfenden Bass, und energievollen, dynamischen Drums, zu denen Joost de Lange gekonnt Akzente mit seiner Gitarre setzt.

Spätestens mit ihrer neuen Scheibe „Hypnotized“ hat sich die Joost de Lange Band  im Bereich des eher harten Blues Rocks etabliert und man darf gespannt sein, wie das Trio die neuen Sachen, die live einige Möglichkeiten zur Improvisation geben, präsentieren wird.

Band:
Joost de Lange – Vocals & Guitars
Mitchell Goor – Bass
Ramses Donvil – Drums

Eigenproduktion (2022)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. I Won`t Follow
02. Mixed Emotions
03. Hypnotized
04. Love, Fear and Uncertainty
05. The Unknown
06. Shout It All Out
07. Take Me Higher
08. Beyond The Horizon
09. Walk The Line
10. Rush

Joost de Lange Band
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Patrik Jansson – Game Changer – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Der Schwede Patrik Jansson legt im Oktober mit „Game Changer“ sein neustes Werk als Soloalbum vor. Er spielt nicht nur sämtliche Instrumente selbst, Jansson hat auch alle zehn Songs selbst geschrieben, aufgenommen und produziert. Es ist also ein Soloalbum im wahrsten Sinne des Wortes. Lediglich Tommy Schneller als Saxophonspieler und Jesper Larsson an der Mundharmonika sind auf zwei Songs als Gastmusiker zu hören. „Game Changer“ ist Teil 1 aus einer Reihe von insgesamt drei Scheiben, die Jansson für die nächste Zeit geplant hat.

Wo Patriks musikalische Wurzeln liegen – er wurde in jungen Jahren durch Led Zeppelin, Deep Purple, Black Sabbath und anderen Bands dieses Genres musikalisch sozialisiert – offenbart sich in den kraftvoll rockenden Tracks „I Still Want You“, „Show Me Your Love Is Real“ und „Leave Me Alone“.

Sie sprießen nur so vor Hard Rock-Elementen aus den 70’er Jahren. Dass Patrik Jansson aber auch anderen Musikrichtungen gegenüber aufgeschlossen ist, zeigen das wunderbar groovende Reggaestück „Time To Make Some Changes“ mit einer beherrschenden und an „UB 40“ erinnernden Bläsersektion sowie das jazzige und von Weather Report beeinflusste Instrumentalstück „Something‘s Gotta Give“ mit einem Schlagzeugsolo des Schweden und Tommy Schneller am Saxophon.

„A Wonder Of Nature“ wiederum kommt eher fröhlich-poppig daher, verfeinert mit leicht funkigen Motown-Gewürzen. Besonderen Gefallen habe ich beim Hören der Platte allerdings an dem schrammeligen, wild fetzenden „Feel Bad Boogie“ mit treibendem Schlagzeug und Jesper Larsson, der sich an seiner Mundharmonika die Lunge aus dem Leib bläst, gefunden. Eine weitere Reminiszenz an die 70‘er Jahre ist das mit teils verhallter Gitarre eingespielte Instrumentalstück „Rays Of The Sun“. Und mit „Hurts To See Her Go“ und „Know Where I Belong“ kommen auch die reinen Bluesfreunde nicht zu kurz.

Mit seinem neuen Album „Game Changer“ ist Patrik Janson also ein großer, abwechslungsreicher Wurf gelungen, der von den vielfältigen musikalischen Einflüssen in seiner Karriere zeugt. Dem Schweden gelingt es, gewaltig arrangierte Rockstatements, Reggaeelemente, Jazz und etwas Pop zu einer einzigartigen Scheibe zu kombinieren. Von mir daher fünf Sterne für diesen hörenswerten Longplayer. Euer Geld könnt ihr für ihn ab dem 28. Oktober loswerden. Es lohnt sich!

Sneaky Foot Records (2022)
Stil: Blues Rock & More

Tracks:
01. I Still Want You
02. A Wonder Of Nature
03. Feel Bad Boogie
04. Rays Of The Sun
05. Time To Make Some Changes
06. Something‘s Gotta Give
07. Show Me Your Love Is Real
08. Leave Me Alone
09. Got To Take A Stand
10. Hurts To See Her Go
11 . Know Where I Belong

Patrik Jansson
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