The Blind Dog Mayer Group – Live Studio Session – From The Shadow Of The Castle – EP-Review

Wenn sich deutsche Bands oder Interpreten amerikanischem Liedgut verschrieben haben, und mir ihre CDs ohne vorherige Absprache zugesendet haben, sollten sie, nach meinen vielen verfassten Reviews in dieser Hinsicht, wissen, dass sie sich auf sehr, sehr dünnem Eis bewegen.

So geschehen jetzt von einem Act mit dem imposanten Namen The Blind Dog Mayer Group, 2025 Gewinner des 43. Deutschen Rock- und Pop-Preises in der Kategorie ‚Beste deutsche Blues Rock Band‘. Das professionell erscheinende Auftreten mittels einer Agentur dahinter ließen, mich positiv gestimmt an die Sache herangehen, zumal ich tatsächlich in letzter Zeit mit ebenfalls prämierten deutschen Bands wie Stone Water, Blue Deal oder LUKE gute Erfahrungen gemacht hatte.

Mit der EP „The Blind Dog Mayer Group – Live Studio Session – From The Shadow Of The Castle – EP-Review legt das saarländische Quartett, bestehend aus Leader Blind Dog Mayer (lead vocals, harp), Dirk Lenz (guitars, bgv), Michael Jung (bass, bgv) und Marco Schmieden (drums), ein Kurz-Studio-Debüt vor, das sich musikalisch gekonnt in Richtung E-Gitarren- und Harp-orientiertem Rock,- Blues- und Southern Rock in Form von Eigenkreationen bewegt, wie man es damals noch so von Bands wie ZZ Top, Ten Years After, Allman Brothers, Mountain, Foghat, Ted Nugent oder der J. Geils Band u.v.m. in den Ohren hat.

Soweit, so gut. Das Hörergebnis wird allerdings durch den, sich durch das Werk ziehenden deutsch-akzentuierten Leadgesang auf Schulenglisch-Niveau und noch schlimmer, die wirklich schon fast schräg anmutenden Harmoniegesänge, erheblich getrübt. Da kann auch der Zusatz ‚Live Studio Session‘ nicht als Entschuldigung hinhalten.

Ich verstehe ja, dass man als vermeintlicher Macher der Band auch im Vordergrund am Mikro stehen möchte, aber abseits von aller Euphorie, hilft aus meiner Sicht zum Weiterkommen auch immer eine selbstkritische ehrliche Betrachtung auf das gesamte Schaffen. Ein tatsächlich amerikanisch klingender Sänger und gegebenfalls dezente weibliche BGVs (oder gar keine) wären aus meiner Sicht hier zielführender gewesen.

Die vorliegende EP der The Blind Dog Mayer Group lässt auf der instrumentellen Basis keine Wünsche offen  (mein Favorit ist das schön basslastig funkende „Call Me Blind Dog“), was den Gesang und die Harmoniegesänge aber betrifft, wäre der blinde Hund aus meiner Sicht gut beraten, auch mal sein Gehör checken zu lassen…

Blues Note Records (2026)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Anthem Of The Lost Sock
02. Call Me Blind Dog
03. Moonshine Gasoline
04. Harley Rider
05. That’s What I Saw
06. Shiny Culry Red Hair

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CONCERTBÜRO HIMMRICH

Grainne Duffy – What Am I Supposed To Do – CD-Review

Gráinne Duffy habe ich zu meiner eigenen Schande leider etwas aus den Augen verloren (vielleicht auch ein wenig ihrer überwiegenden Präsenz in den Staaten geschuldet). Ich hatte die Irin vor vielen Jahren mal, als ich gerade im Begriff war, Sounds Of South aufzubauen, im urigen Leverkusener topos gesehen und war von ihrer Performance hellauf begeistert gewesen.

Eine tolle, leicht angeraute Stimme und ein gitarrenorientierter, melodischer Blues Rock sowie eine sympathische Aura, hinterließen einen bleibenden Eindruck, allerdings ergab sich danach irgendwie nie eine weitere Option eines Live-Besuchs oder eines Reviews ihrer Scheiben, die ja immer mal wieder in der Zwischenzeit bis heute erschienen.

Nun konnte ich endlich zum Erscheinen ihres neuen Werks „What Am I Supposed To Do“, aufgenommen in den 64 Sound Studio in Los Angeles, die Gelegenheit beim Schopfe packen. Eine Scheibe mit (leider nur) neun Stücken, unter Mitwirkung vieler bekannter musikalischer Persönlichkeiten, sei es bei der Produktion mit Marc Ford (The Black Crowes)  und Grammy-Gewinner-Justin Stanley, oder wie u. a. Drummer Kenny Aronoff (John Mellencamp, Bob Dylan, Bruce Springsteen, Paul McCartney), Bassist Jørgen Carlsson (Gov’t Mule), Keyboarder Peter Levin (Blind Boys Of Alabama), Marc Ford, Langzeitgitarrist Paul Sherry. 

Sieben Eigenkompositionen (Duffy alleine oder in Kooperation mit Paul Sherry) stehen zwei markanten Adaptionen „Tragedy“ (von Peter Wolf, 2010 auf dessen Award-prämiertem Solo-Album „Midnight Souveniers“ erschienen) und der „Little Willie“ John-Klassiker „Need Your Love So Bad“ (überwiegend bekannt durch Peter Green und die Allman Brothers) gegenüber.

Auffällig ist hier eigentlich bei fast allen Tracks die deutliche Inspiration der klassischen Rockmusik der 70-90er Jahre, es wimmelt nur so von instrumentellen ‚Zitaten‘ wie Bad Co. („Early In The Morning“), den Stones („Streets Of Love“), Quireboys, Frankie Miller, beim tollen Duett mit Paul Sherry („Tragedy“), Kim Carnes („Hurts Just The Same“), The Faces („Takin‘ My Heart Away“) oder den Beatles und Free („Got To Give It Up“).

Lediglich „Need Your Love So Bad“, das wahrlich gut umgesetzt ist, kann den Vergleich mit der ‚dreckigen‘ Version der Allman Brothers am Ende nicht ganz standhalten.

Insgesamt ist Gráinne Duffy mit „What Am I Supposed To Do“ ein launiger, gut ins Ohr gehender Longplayer gelungen, der absolut meinen Geschmack trifft und diesen Sommer noch öfter in meinem Player landen wird. Schön wäre auch mal wieder ein Live-Erlebnis in unseren Sphären.

Eigenproduktion (2026)
Stil: Classic-, Blues-, Country Rock

Tracklist:
01. Early In The Morning
02. What Am I Supposed To Do
03. Streets Of Love
04. Tearing Me Apart
05. Tragedy
06. Hurts Just The Same
07. Takin‘ My Heart Away
08. Got To Give It Up
09. Need Your Love So Bad

Grainne Duffy
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Sean Webster – Light Of Day – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Die Karriere des Briten Sean Webster hat einst damit begonnen, dass er die drei Kings, B.B., Albert und Freddy, entdeckte oder Buddy Guy und Gary Moore. Auch heute noch gehört er der Blues- oder Blues-Rock-Szene an. Aber er hat auch längst neue Pfade beschritten und sein Spektrum ausgeweitet.

Gleich der erste Song der neuen CD unterstreicht das nachdrücklich. „Since I Met You“ kommt sehr melodisch und luftig-locker daher – und durchaus radiotauglich, was aber wohl so oder so bedeutungslos ist, denn ein Interpret aus der Ecke Blues (Rock) wird von den Radioanstalten ohnehin ignoriert.

The Bitch Has Gone“, der zweite Titel, zeigt dann die andere Seite Sean Websters: ein kraftvoller Blues Rocker mit mächtigen Gitarrenriffs, ehe das bluesig-balladenhafte „Always Gone“, unterlegt von Axel Zwinselmans gefühlvoller Keyboardarbeit, die nächste Abwechslung bietet.

In dieselbe Richtung geht „Carried Away“, eine instrumental wie gesanglich opulente Power-Ballade. Dass Sean Webster und seine Mannen, zu denen noch Floris Poesse am Bass und Rob van der Linde an den Drums gehören, ohnehin ein Händchen für geradezu hymnische Balladen haben, zeigt auch Richard Marx‘ „Your Eyes On Me“, die einzige Fremdkomposition.

Aber natürlich findet man ihn auch, den Blues alter Schule. „There’s A War“ oder „I’m Not Going“ gibt Websters manchmal an Joe Cocker erinnerndes Organ die richtige Würze. Über sein packendes Gitarrenspiel brauchen wir nicht mehr reden…

Bevor das erwähnte „Your Eyes On Me“ den Rausschmeißer bildet, zeigt der Midtempo Rocker „War And Poverty“ noch einmal, wie man mit den klassischen Instrumenten Gitarre, Keyboards, Bass und Drums, gepaart mit einer kräftigen Röhre, einen kraftstrotzenden Klangteppich produzieren kann. Da darf man die Lautsprecher ruhig ein bisschen aufdrehen – der Nachbar soll schließlich auch mal wieder gute Rockmusik hören…

Eigenproduktion (2026)
Stil: Blues Rock, AOR

Tracklist:
01. Since I Met You
02. The Bitch Has Gone
03. Always Gone
04. Carried Away
05. Light Of Day
06. Love’s A Ghost
07. There’s A War
08. I’m Not Going
09. War And Poverty
10. Your Eyes On Me

Sean Webster Band
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m2-music

Andreas Diehlmann Band – Cold Wind On A Dark Black Night – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Tja, was macht man, wenn einem der kalte Wind in einer dunklen schwarzen Nacht um die Ohren pfeift? Keine schlechte Idee ist sicherlich, einfach zu Hause zu bleiben – und die neue CD von Andreas Diehlmann und seinen Mitstreitern Jörg Sebald (Bass) und Martin Gunkel (Drums) aufzulegen.

Wäre der Gitarrist, Sänger und Songschreiber jenseits des Atlantiks geboren statt in Kassel, wäre er wohl Stammgast in den Billboard Blues Charts, was sein neues Album nachdrücklich unterstreicht, das vor kräftigem Blues Rock in allen Facetten und darüber hinaus nur so strotzt.

Los geht’s volle Kraft voraus mit „Hey Man“, wobei die Gitarre sämtliche „Aufräumarbeiten“ übernimmt. Bei „On The Road Again“, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Hit von Canned Heat aus dem Jahr 1968, dominiert ein treibender Boogie-Rhythmus.

„Thunderbolt“, der Titelsong über eine verflossene Liebe, die einen nicht loslässt, „Miss Fortune“ oder „Long Way Home“ sind dann genau die dynamischen Blues Rocker, wofür Adreas Diehlmann 2022 und 2025 bei den German Blues Awards die Auszeichnung als beste Band abgeräumt hat.

Bei der Rock-Ballade „Alone“, die an Gary Moore erinnert, wird einen Gang runtergeschaltet. Richtig bluesig wird’s bei „Carol“, bei dem Diehlmanns markant-rauchige Stimme besonders gut zum Ausdruck kommt, während „The Blues“ leicht funkig durch die Gehörgänge groovt.

Einzige Fremdkomposition ist „Help me“, das von Sonny Boy Williamson II, Willie Dixon und Ralp Bass, einem renommierten Produzenten und Förderer von James Brown, geschrieben wurde. Ach so: Nach diesem Stück nicht gleich die Repeat-Taste drücken. Als Hidden Track gibt es noch ein kurzes akustisches Instrumentalstück.

Mountain Meadow Studio (mms) (2026)
Stil: Blues Rock

Tracks:
1. Hey Man
2. On The Road Again
3. Thunderbolt
4. Alone
5. Cold Wind On A Dark Black Night
6. Miss Fortune
7. Long Way Home
8. Carol
9. The Blues
10. Help Me
11. Hidden Track

Andreas Diehlmann Band
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M2 Music

Krissy Matthews & The Vikings – Rock And Roll Soldier – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Es ist ja schön, wenn Kinder früh mit Musik und Instrumenten in Berührung kommen. Wenn Krissy Matthews in seiner Biographie allerdings schreibt, er sei als Dreijähriger mit seinem Vater beim Roy-Orbison-Hit „Pretty Woman“ auf der Bühne gestanden, kann man sich schon fragen, was Little Krissy da wohl hat gemacht hat. Sei’s drum.

30 Jahre später ist der britisch-norwegische Gitarrist ein angesehenes Mitglied der Blues Rock-Szene. Er gehört zum Stammpersonal der Hamburg Blues Band und war auch schon mit Layla Zoe auf Tournee. Auf der CD „Krissy Matthews & Friends“ von 2024 hat er sich mit zahlreichen Mitmusikern umgeben, wobei „Ain’t Got No Troubles On The Road“ mit Chris Farlowe sicher ein Höhepunkt war.

Auch sein neues Werk, aufgenommen mit seinen norwegischen Weggefährten Trond Hansen (Bass) und Kare Amundsen (Schlagzeug), weist etliche Gäste auf. Dabei dürfte der amerikanische Gitarrist Tommy Castro, flotte 71 Jahre alt und seit Jahrzehnten im Geschäft, wohl der renommierteste sein. Wenn’s um Krissy Matthews geht, fällt gern mal der Begriff Hansdampf in allen Gassen. Beim rauen, ungeschliffenen Titelsong „Rock ’n‘ Soldier, der anders geschrieben wird als auf dem Cover, lässt der Hans gleich mal mächtig Dampf ab (sorry, das konnten wir uns jetzt nicht verkneifen).

Weiter geht’s mit dem „44 Blues“, im Original ein Piano-Blues von Roosevelt Sykes aus dem Jahr 1929, dem Matthews ein treibendes Blues-Rock-Gewand verpasst hat. Wenn man so will, ersetzt Will Wilde mit seinem kernigen Mundharmonikaspiel das Piano. Stark! Mit dem Cover „Fell In Love With A Girl“ von den White Stripes vollzieht Krissy eine Art Kehrwende. Tora Daa säuselt geradezu lieblich ins Mikro, ehe sich Matthews mit seinem Gesang und der Gitarre einmischt und die Sache geraderückt.

Später gibt’s denselben Song noch einmal. Nur hatte Joss Stone 2003 in ihrer Version aus dem „Girl“ einen „Boy“ gemacht. Jetzt hat Silje Hagen den Gesangspart mit einem kräftigen Schuss Soul in der Stimme übernommen.

Der „Pharao Blues“ ist ein kraftvoller Blues Rocker mit Tommy Castro an der zweiten Gitarre nach dem Motto: Zuerst spielt der eine ein Solo, dann der andere – danach geht’s von vorn los, und Stina Stenerud mischt als Sängerin auch noch mit.

Songs mit einem „Catfish“ im Titel gibt es einige. So alt wie der, den
Matthews & The Vikings interpretieren, dürfte keiner sein. Das Original, ein akustischer One-Man-Blues von Robert Petway, stammt aus dem Jahr 1941. Die kürzeste Beschreibung für Krissys Version: Gitarre satt. Die CD beschließt „Sjitfest“, ein Gitarren-Boogie mit Hans Theessink als Gast. Dazwischen gibt’s mit „Mormor“ auch mal einen Rock ’n‘ Roll alter Schule.

Ruf Records (2026)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Rock ’n‘ Roll Soldier
02. 44 Blues
03. Fell In Love With A Girl
04. Pharo Blues
05. Teasin‘ Times
06. Tore Hund
07. Fell In Love With A Boy
08. Mormor
09. Catfish
10. Sjitfest

Krissy Matthews
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Brooke Lynn Promotion

Seth James – Motormouth – CD-Review

Ich habe zu Seth James im Jahr 2009 mit seinem Album „That Kind Of Man“ gefunden, damals aber eher aufgrund meiner New Country-Affinität. Für dieses Werk hatte der Texaner mit vielen klingenden Namen wie u. a. Chris Stapleton, Jay Knowles, Al Anderson, Tony Arata oder Mark Selby Songs geschrieben, die dann auch noch vom ‚Who Is Who‘ der Nashville-Studiomusiker eingespielt wurden.

Das Werk hatte aber letztendlich wenig mit dieser Musikart zu tun (eher mehr mit Country-/Roots Rock) und zeigte schon damals seine Ambitionen als Allrounder. Zwei Jahre später hatte ich das Vergnügen ihn als Mitglied von Cody Canada & The Departed live im Kölner Blues Shell sehen zu dürfen. Da war dann eher Red Dirt Rock angesagt. Das ist allerdings jetzt schon lange her und ich muss zugeben, dass ich ihn mittlerweile leider ein wenig aus den Augen verloren hatte.

Jetzt, wie es der Zufall wollte, erreichte mich aus den Staaten eine Email mit der Ankündigung seines neuen Longplayers „Mothermouth“, das, neben ihm, erneut viele prominente Songwriter aufweist, dazu wieder eine ganze Armada von Klassemusikern bei der Einspielung und on top noch den vielfachen Grammy-Gewinner Kevin McKendree als Produzent – quasi eine Qualitätsgarantie, ohne überhaupt einen Ton schon gehört zu haben.

Diesmal steht das Album deutlich im Zeichen des souligen Blues-/Blues Rocks mit wenigen kleinen Ausflügen in artverwandte angrenzende Bereiche (Country – /Southern Rock – z. B. bei Leon Russells “High Horse”). Die omnipräsente Basis bilden James und McKendree, Rob McNelley an der Gitarre, Steve Mackey am Bass, Lynn Williams am Schlagzeug, und auch diverse Mitglieder der berühmten The Time Jumpers beim Bakersfield-Country-angehauchten „I’ll Be Gone” oder dem abschließenden Barroomheuler “Start A Brand New Day”.

Die involvierte, ebenfalls prominente Horn Section (u. a. mit Jim Hoke) und auch diverse weibliche Backgroundsängerinnen, vermitteln hier das soulige Flair. James hat fünf der insgesamt 13 Stücke mitkreiert, die restlichen stammen aus Federn bekannter Musiker wie u. a. Colin Linden, Delbert McClinton, Al Anderson, Guy Clark oder Leon Russell.

Meine persönlichen Favoriten sind Stücke, bei denen die beiden Hauptprotagonisten James und McKendree (der liefert hier in Sachen Tastenspiel mit Piano, E-Piano, HT-Piano und Organ wirklich alles, was möglich ist) ihren Stempel aufsetzen: wie zum Beispiel beim herrlich groovende Opener „“Why Should I Suffer”, dem Titelstück „Motormouth”, “I Can’t Find Your Mind” oder  bei “Just A Thought”. Klasse auch der Schunkler “I Can’t Wait” unter vokaler Mitwirkung von Delbert McClinton und mit Jim Hoke, diesmal am Akkordeon.

Insgesamt ist „Motormouth“ eine einzige Lehrstunde von absoluten Könnern in Sachen souligem Blues, bei dem der Spielspaß deutlich spürbar im Vordergrund stand und ‚Allrounder‘ Seth James den perfekten Repräsentant an der Front sowie Kevin McKendree als Strippenzieher abgeben. Großes Blues-Kino!

Qualified Records (2026)
Stil: Blues (Soul)

01. Why Should I Suffer
02. Motormouth
03. I’m In Trouble
04. It’s Later Than You Think
05. I’ll Be Gone
06. High Horse
07. I Can’t Find Your Mind
08. Just A Thought
09. I Can’t Wait
10. I Got To Know
11. Lonely Avenue
12. I Feel The Burden
13. Start A Brand New Day

Seth James
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Aristo Media Group

Robin Trower – Live! (50th Anniversary Edition) – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Klar, als Freund gepflegter Gitarrenklänge, ob nun der Gattung Rock, Blues Rock oder dem reinen Blues zugehörig, kennt man Robin Trower seit Jahrzehnten. Noch heute ist der 81-Jährige, der 1967 mit Procol Harum und dem Welthit „A Whiter Shade Of Pale“ ins Rampenlicht trat, ständiger Gast der Billboard Blues Charts, wobei ihm auch die Nummer eins nicht fremd ist.

Auch hierzulande hat er nach wie vor seine Fangemeinde. So kam 2022 seine CD „No More Words To Conquer“ auf Platz 75 der deutschen Charts, was allein schon deshalb erstaunlich ist, weil es nach so vielen Jahren und Dutzenden Alben das erste und bislang einzige Mal war.

Dabei gehörte der gebürtige, von Jimi Hendrix beeinflusste Londoner in den siebziger und achtziger Jahren zu den „Gitarrengöttern“. In den USA gab es für seine Alben „Bridge Of Sighs“, „For Earth Below“, „Long Misty Days“ und „In City Dreams“ Gold für jeweils über eine halbe Million verkaufter Exemplare. Die nun in der „50th Anniversary Edition“ neu aufgelegte CD „Robin Trower Live!“ schaffte es 1976 bis auf Platz zehn der Billboard 200 und in Großbritannien auf 15.

Der berühmte Funfact am Rande: Trower erzählte später, die Band habe gar nicht gewusst, dass die Show in Stockholm aufgezeichnet wurde. Bassist und Sänger James Dewar, Drummer Bill Lordan und er selbst dachten, sie würde lediglich für eine Radiosendung spielen. „Deshalb waren wir locker und ungezwungen und haben eine unserer besten Shows gespielt.“

Die Neuauflage mit aufwändigem Booklet und dem Remix von 2026 enthält fünf bisher unveröffentlichte Titel und bietet damit zum ersten Mal die komplette Setlist des Konzerts vom 3. Februar 1975. Auf der zweiten CD mit dem Originalmix gibt es die sieben Stücke, die es seinerzeit auf die LP geschafft haben.

Mehr war in jenen Tagen nicht üblich, wobei der längste Titel, „Daydream“, immerhin acht Minuten lang ist. Der ist im Remix plötzlich über neun Minuten, indem nun einfach ein paar Worte von Robin Trower zu hören sind, die es im Original nicht gab; auch der Beifall der Fans fällt länger aus.

Chrysalis Records (2026)
Stil: Blues Rock

Tracks:
CD 1: Complete Concert – 2026 Mix
01 Day of the Eagle *
02 Bridge of Sighs *
03 Gonna Be More Suspicious *
04 Fine Day *
05 Lady Love
06 Daydream
07 Too Rolling Stoned
08 I Can’t Wait Much Longer
09 Alethea
10 Little Bit Of Sympathy
11 Confessin’ Midnight *
12 Rock Me Baby

CD 2: Original 1975 Version
01Too Rolling Stoned
02 Daydream
03 Rock Me Baby
04 Lady Love
05 I Can’t Wait Much Longer
06 Alethea
07 Little Bit Of Sympathy
*Previously unreleased

Robin Trower
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Muddy What? – 27.03.2026, topos, Leverkusen – Konzertbericht

Auf einen Besuch im urigen topos hatte ich mich schon seit längerem gefreut (nicht zuletzt auch wegen der rheinischen Frohnaturen, die man dort immer wieder trifft). Jetzt ergab sich endlich die Gelegenheit, beim Gig der aufstrebenden und sehr umtriebigen deutschen Blues Rock Band Muddy What? dort aufzulaufen.

Die trat diesmal im kleinen Leverkusener Kult-Club als Trio auf. Voranstehend natürlich das Geschwister-Paar Ina und Fabian Spang als Masterminds, an diesem Abend ergänzt durch den Drummer Domi Back.

Muddy What? hat kürzlich ihr neustes Studiowerk „Neon Soul“ auf den Markt gebracht, das es natürlich diesmal schwerpunktmäßig zu bewerben galt. Das swamprockig stampfende  Titelstück wurde dann auch direkt nach einem instrumentellen Opener im ersten Set in den Vordergrund gestellt.

Beim folgenden atmosphärischen „Spider Legs“ gab es für Ina Spangs filigranes Mandolinensolo den ersten verdienten Szenenapplaus. Apropos Mandoline: Mit diesem Instrument bringt die Band natürlich frischen Wind in die doch oft ein wenig  verkrustet erscheinende Blues Rock-Szene, für mich als Country-Liebhaber  eine äußerst willkommene Begleiterscheinung.

Das mit ein wenig Marshall Tucker-Flair durchzogene „Lost Symphony“ und eine sehr eigenwillige, aber auch sehr gelungene Version von „Jumping Jack Flash“ bildeten weitere Highlights in Set 1.

Set 2, das etwas mehr im Zeichen von Covermusik stand, wurde direkt mit einem weiteren Stones-Klassiker eingeleitet. „Sympathy For The Devil“ heizte sofort wieder ein und animierte das topos-Publikum, die berühmten „Woo-Woo“-Harmonies mitzusingen.

Mit dem „Lonesome Road Blues“  huldigte das Trio den wohl namensgebenden Inspirator, Das funkige „Uncontainable“ vom neuen Album, bestach wieder mit Mandolinengezupfe, der starke Slowblues „Letters On A Line“ (auch vom neuen Longplayer), löste nochmals Szenenapplaus aus.

„Voodoo Chile“ in einer kurzen knackigen Version und „Shine A Light“ von den Stones bildeten den Abschluss des Hauptteils. Und wer noch nicht genug Stones-Adaptionen gehört hatte, bekam mit „Honky Tonk Women“ als Zugabe einen oben drauf gesetzt. Hier begaben sich die Drei von der Bühne aus ins dicht gedrängte Publikum. Klasse das integrierte Ticker-Intermezzo von Domi Back mit seinen Drum-Sticks an den absichernden Metallstützen des Denkmal-geschützten topos.

Ein launiges Konzert von Muddy What?, das den Blues Rock mit seiner frischen unverbrauchten Note auch für jüngere Publikumsschichten öffnen könnte. Nach dem Gig stand das sympathische Trio für unser obligatorisches VIP-Bild zur Verfügung. Wer Lust hat, kann Spang & Co. in unseren Sphären morgen nochmal in Recklinghausen sehen, bitte die Zeitumstellung beachten!

Line-up:
Fabian Spang – lead vocals, electric guitar
Ina Spang – electric guitar, mandolin
Domi Back – drums

Text und Bilder: Daniel Daus
Fotografische Unterstützung: Andreas Braun, Gerwin Jakubowski (VIP-Bild)

Muddy What?
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topos Leverkusen

Gabe Stillman – What Happens Next? – CD-Review

Ja, in der Tat. Was passiert als nächstes im Blues Rock, fragen auch wir uns immer wieder. In letzter Zeit haben wir einige interessante Leute mit neuen Alben von unseren amerikanischen Freunden zugesendet bekommen.

Ein weiterer interessanter Bursche ist zweifellos Gabe Stillman, der mittlerweile auf Mike Zitos Gulf Coast Records-Label unter Vertrag ist und mit „What Happens Next?“ seinen zweiten Longplayer veröffentlicht.

Der aus Williamsport, Pensylvannia, stammende US-Amerikaner hat sich 2019 durch seinen Sieg bei der International Blues Challange als bester Gitarrist in den Vordergrund gespielt und den damit verbundenen Gibson Guitar Award abgesahnt. Zudem landete er mit seinem Debütwerk in den Top 10 der Billboard Blues Charts. Das schürt erfahrungsgemäß in der heutigen schnelllebigen Zeit hohe Erwartungshaltungen.

Das Album beinhaltet insgesamt neun Stücke, wobei sieben Tracks aus der Feder des Protagonisten stammen. Gut gefällt mir das unterschwellige Southern-Flair, das bei einigen Liedern wie dem Opener und Titelstück „What Happens Next?“ , „Someone In My Mirror“ (schöner selbstironischer Text), beide southern-soulig, „Shame, Shame“ (mit Anson Funderburgh als Gast) , „Screamin‘“ und „Living Your Life“, durch eingebrachte Hammond-Orgel-Elemente (a là Gregg Allman, gespielt von Eric Roberts) ) eine gewisse Allman Brothers-Note offenkundig wird (klasse als Double Leads E-Gitarre-Organ bei  letztgenanntem „Living Your Life“). Dazu kommen auch die immer wieder eingestreuten typischen weiblichen BGVs (gesungen durch Alice Spencer).

Der Kracher ist Werks ist der klassisch aufgebaute Slowblues „The Man I’m Supposed To Be“, in dem Gabe dann im mitreißenden Soloteil den Beweis für sein exzellentes E-Gitarrenspiel erbringt.

Lediglich bei „I’ve Got To Use My Imagination“ (Hit aus dem Jahr 1973 der Funk-Soul Gruppe Gladys Knight & The Pipes) und „Gentle On My Mind“ (John Hartford) handelt es sich dann um Stillman-Neuinterpretationen alter, viel gecoverter Klassiker.

Erstgenannter Song besticht mit einer reifen Stimmvariation Stillmans im Vergleich zu den anderen Songs (da klingt sie überwiegend noch sehr jung), das finale „Gentle On My Mind“ hat mit eingebundener Akustikgitarre (samt Slide) und einem Saxofonpart (Mark Kazanoff) ebenfalls Überraschungsmomente.

Über das, was in der Causa Gabe Stillman als nächstes passiert, kann nur spekuliert werden. Fest steht, dass er mit „What Happens Next?“ den nächsten markanten  Schritt unternommen hat, sich in der Blues Rock-Szene als neuer unverbrauchter Impulsgeber zu zementieren. Gabe Stillman wird seinen Weg gehen, da bin ich mir sicher!

Gulf Coast Records (2026)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. What Happens Next?
02. Yesterday’s Donuts
03. The Man I’m Supposed To Be
04. Someone In My Mirror
05. Shame Shame
06. Screamin‘
07. I’ve Got To Use My Imagination
08. Living Your Life
09. Gentle On My Mind

Gabe Stillman
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Ben Brandt – Solid Ground – CD-Review

Im Moment werden wir wieder von unseren Freunden Devious Planet aus Amerika mit vielen neuen Namen (zumindest für mich) geflutet, Ben Brandt, der jetzt mit seiner neuen CD „Solid Ground“ vorstellig wird, ist einer davon.

Wenn man seiner Biografie Glauben schenken darf, hat er fast direkt nach Verlassen der Säuglingsstation, sein Interesse am Gitarrenspiel entdeckt. Die ersten Riffs spielte er auf der Gitarre seines Großvaters mit 3 Jahren, mit 10 gründete er 1999 schon seine erste eigene Band.

Seither begleitet das Instrument sein Leben und er hat bis dato mit vielen bekannten Interpreten wie Shemekia Copeland, Albert Cummings, Los Lonely Boys, Gary Hoey, Eric Steckel, The Record Company, King Solomon Hicks, Billy Price, Coco Montoya, Jared James Nichols, Davy Knowles oder Blackberry Smoke zusammengearbeitet.

Schon nach den ersten Hördurchgängen wird einem klar, dass Ben sich wenig um die üblichen Konventionen im Blues Rock scherrt, der testest die Grenzen aus, wobei Spielfreude im Kontext zu seinen Mitspielern (starke Vorstellung von Ted Pecchio am Bass) klar im Vordergrund steht. Produziert und ebenfalls gitarrentechnisch und mit BGVs unterwegs ist hier der uns bekannte JD Simo, den ich vom Stil her ähnlich in Erinnerung habe.

Brandt ist nicht der Übersänger, man spürt sofort, dass hier der instrumentelle Teil der wichtigere ist, der Hang zu Improvisationen (u. a. „Burning Bridges“, „Under The Weight Of Us“) ist unverkennbar. Vieles erinnert mich an den Rock der 70er Jahre, wo psychedelische Noten eine gewisse Bedeutung hatten. Die drei jeweils etwas über eine Minute währenden eingestreuten Instrumental-Intermezzi („Matthew’s Tire Part 1-3), bringen dazu eine gewisse Unruhe in das Gesamtwerk.

So richtig warm mit dem Songkonvolut werde ich erst gegen Ende des Silberlings mit den Stücken „The Seeker“ (The Who-Cover) und „Little Something“, die die ein wenig Southern-Esprit Marke The Black Crowes versprühen. Standesgemäß beendet Brandt die neue CD mit einem Psychedelic-Touch bei „Scramblin‘ (The Well)“, das mich weitläufig an Bad Companies „Seagull“ erinnert.

Wer auf rauen, unpoliert und authentisch gespielten Rock mit 70er-Flair steht, der ist bei Ben Brandt und seinem neuen Longplayer „Solid Ground“ in jedem Fall an der richtigen Stelle.

Katalex Records (2026)
Stil: Blues Rock

01. Solid Ground
02. Matthew’s Tire Part 1
03. Burning Bridges
04. Fine Line
05. Parasite Blues
06. Matthew’s Tire Part 2
07. Under The Weight Of Us
08. Matthew’s Tire Part 3
09. The Seeker
10. Little Something
11. Scramblin‘ (The Well)

Ben Brandt
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