Jessy Martens And Band – Tricky Thing – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Lange Zeit war es ruhig um diese kleine hanseatische Powerfrau mit der unglaublichen Bluesröhre. Jetzt ist Jessy Martens kraftvoller denn je mit ihrer Band zurück und legt mit ihrem neuen Album „Tricky Thing“ ein Werk vor, das sich nicht wirklich in eine Schublade pressen lässt.

Mal kommen ihre melancholischen Songs richtig bluesig daher, dann wieder eher mit Anleihen aus dem Jazz („Pack Of Lies“, ein soulig beschwingtes Stück mit passender Pianobegleitung, dessen Rhythmus in die Beine geht und zum Abtanzen einlädt) oder auch wie im Titelsong „Tricky Thing“, stimmlich und vom Arrangement her, an Amy Winehouse erinnernd, mit einem Gänsehaut erzeugendem Soulfeeling.

Die klare Sopran-Stimme der nur 1,52 m großen Gewinnerin des German Blues Award und des Deutschen Rockpreises ist mit den Jahren reifer und facettenreicher geworden. So kommt Ihre vokale Bandbreite z. B. besonders gut auf dem souligen „Undercover“ zur Geltung. Oft klingt sie auch nur zart und zerbrechlich und dann aber wieder rau und bluesig wie beim Opener „Stronger“, einem schönen Uptempo Blues über das Verlassen werden.

Eher zurückhaltend arrangiert ist dagegen der 6-minütige Blues „Hush Now“ mit zart gesungenen Refrains und bluestypischen Gitarreneinlagen. „Insanity“ hingegen ist ein sehr rhythmischer überschäumender Gute-Laune-Song, während der Slowblues „Fire“ einen wunderschönen Rahmen für Jessy Martens klaren Sopran bildet. Mit einem richtig hart-rockigen Intro und Extro geht’s dann auf „Home“ weiter, wobei der Mittelteil eher dem jazzig-souligen Grundstil des Albums entspricht.

Die beiden letzten Stücke der CD bieten dann einen sinnlich nachdenklich Ausklang, wobei „By Your Side“ weniger melancholisch und im Vergleich zu „Giants’’ richtig fröhlich klingt. „Giants“ überzeugt dafür mit wehmütigem Timbre, klaren Gitarrenklängen und Pianobegleitung – so richtig zum Chillen und Träumen.

Langweilig ist die Scheibe also nie, aber sie ist doch insgesamt eher für gemütliche, zweisame Couchabende geeignet. Die weiblichen und romantisch veranlagten Leserinnen dieses Magazin werden sicherlich ihre helle Freude an dem Album haben, für hartgesottene Americana- und Southern Rock-Fans ist das Teil allerdings wahrscheinlich zu soft. Allerdings sind, und dies kann nicht oft genug betont werden, die gesanglichen Qualitäten von Jessy Martens wirklich überragend.

P.S.
Achtung! Zur Scheibe wird es in Sounds Of South in Verbindung mit Netinfect Promotion Ende September noch ein Gewinnspiel geben!

Line-Up:
Jessy Martens – Lead vocals
Dirk Czuya – Electric guitar, background vocals
Christian Hon Adameit – Bass, background vocals
Markus „Mosch“ Schröder – Keyboards
Christian Kolf – Drums

Jayfish Records – (2017)
Stil: Blues, Soul

01. Stronger
02. Pack Of Lies
03. Hush Now
04. Tricky Thing
05. Insanity
06. Undercover
07. Fire
08. Home
09. By Your Side
10. Giants

Jessy Martens And Band
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Netinfect Promotion

Sass Jordan – Support: Chris Caddell And The Wreckage – 15.09.2017, Arnheim, Luxor Live – Konzertbericht

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Ein Gig, auf den ich mich dieses Jahr schon seit längerem gefreut habe, war der von Sass Jordan, die anlässlich des 25-jährigen Jubileums ihres Paradealbums „Racine“  (jetzt zeitgleich neu eingespielt, wieder aufgelegt als „Revisted“-Ausgabe, siehe unsere Besprechung), in Europa tourt.

Die Kinnlade ging natürlich immens runter, als das geplante Konzert im Kölner Jungle Club wegen zu geringem Kartenabsatzes kurzfristig abgesagt wurde. Der deutsche Michel besucht in der Domsadt scheinbar lieber anonyme Kommerz-orientierte Massenveranstaltungen zu horrenden Preisen – Metallica lassen grüßen.

Sounds Of South, das Magazin, das immer auf Zack und flexibel ist, reagierte sofort, und organisierte  in Verbindung mit Brooke-Lynn Promotion noch spontan eine Akkreditierung für den Gig im niederländischen Arnheim, übrigens Gernots und mein erster Auslandseinsatz in Sachen Live-Berichterstattung seit Bestehen dieses Magazins.

An dieser Stelle muss ich mal eine Lanze für unser Nachbarland brechen. Als Hundebesitzer und demnach passionierter langjähriger Zeeland-Urlauber bewundere ich immer wieder den Sinn für deren Gemeinschaftsleben, die recht entspannt und gebildet wirkenden Menschen, u. a. auch besonders die Pflege der dortigen Infrastruktur.

Das Land scheint nicht von einer, durch eine kleine elitäre geldgeile Klicke, infiltrierten selbstsüchtigen und entrückten Politikerschaft sowie einer weitestgehend unfähigen und nicht belastbaren Beamtenschaft delegiert zu werden. Und so auch in Arnheim: Eine einladende Stadtstruktur, perfekte Straßen, gepflegte Sauberkeit, wohin das Auge blickte, ein durch Elektrobusse befahrener Stadtkern, bezahlbare Parkhäuser (2 Euro für den Abend), dazu eine wunderbar hergerichtete Konzert-Location, eine straffe, freundliche Top-Organisation des Events eingeschlossen.  Der gerechte Lohn: Ein volles Haus (geschätzt etwas mehr als 500 Leute)!

Beim Jordan-Abend wurden direkt zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die Kanadierin wurde von Chris Caddell begleitet, der als Vorband mit den beiden anderen involvierten Musikern Cassius Pereira und Derrick Brady, die Gelegenheit erhielt, für sein Solo-Projekt Werbung zu machen.

Das Trio (blues-) und (southern-) rockte mit einer wuchtigen Intensität, wobei sich Caddell  als angenehmer Sänger und starker E-Gitarrist (auch als Slide-Spieler) profilieren konnte. Stücke wie „From The Wreckage“, „Workin'“, „The Rescue“, „Through My Hands“ und die abschließenden „Ohio“ (fette rockige Version zur Freude des Neil Young-Liebhabers Gernot) und „Killing Me“ füllten eine toll performte erste halbe Stunde. Ich habe selten eine so gute Vorgruppe erlebt.

Nach einer halben Stunde Pause in dem eindrucksvoll gestalteten Konzertsaal, den die drei Burschen auch zum Kleidungswechsel nutzten, ging es mit der Protagonistin der Veranstaltung im Quartett weiter.

Schon der Auftakt mit den vier „Racine“-Stücken „If You Gonna Love Me“, „Who Do You Think You Are“, „Where There’s A Will“ und der herrlichen Ballade „Remind Me“ ließ einem wohlige Schauer, den Rücken runter laufen. Das Publikum, wie auch wir beiden, waren absolut begeistert und sofort auf Betriebstemperatur!

Sass Jordan ist einfach eine einnehmende Frontfrau. Für Ihr Alter immer noch toll aussehend, körperlich absolut erstklassig in Form, sympathisch, kommunikativ, dazu diese extravagante Stimme, sowohl zahm wie ein Lamm, aber auch überwiegend kräftig und aggressiv wie ein beute-hungriges Raubtier.

Sass, wie sich ihren Ansagen entnehmen ließ, wohl nicht zum ersten Mal an dieser Stelle auftretend, zeigte sich gut gelaunt, redefreudig, tanzte, gestikulierte, schlängelte mit den Armen, ließ die blonde Mähne wehen und zog mit einem gut ausgewähltem Programm ihres Schaffensspektrums, die Leute über die gesamte Dauer in ihren Bann. Auch hier bewiesen die drei Mitstreiter wieder ihre instrumentelle Klasse (Caddell mit toller Rhythmus-, Fill- und auf den Punkt gebrachter Solo-Arbeit an der E-Gitarre, der ungemein agile Brady mit seinem pumpenden Bass – beide auch mit guten Harmoniegesängen – sowie der heftig polternde Pereira).

Und so schloss sich in einem erstklassigen Wechselbad der musikalischen Gefühle, mit Songs wie „Mobile Again“, „Shuffle“ (herrliches Slide-Solo von Caddell, Schatten-Box-Einlage von Sass am Ende), dem fulminanten „Pissin‘ Down“ (Jordan knurrt regelrecht zum Abschluss des Liedes), dem grandiosen „The Feeling’s Gone“ (Sass mit schrillem Cockerschem Urschrei), dem stampfenden „Ugly“, „Damaged“ und „High Road Easy“, der „Racine“-Kreis des Hauptteils mit dem allseits beliebten „Make You A Believer“, das den Saal in euphorische Sphären bewegte.

Die nicht lange auf sich warten lassenden Zugaben wurden mit einer unter die Haut gehenden Cover-Version vom einstigen Stevie Nicks-Debütwerk „Bella Donna“, „Stop Dragging My Heart Around“ (damals im Duett mit Tom Petty), bei dem Sass und Chris diesmal duettierten, und dem knackigen „So Hard“ zelebriert.

Ein Wahnsinns-Abend, der in allen Belangen überzeugte. Selbst Kollege Gernot, bei dem meine anfängliche Überzeugungsarbeit gefruchtet hatte, war richtig ‚von den Socken‘. Ich bin mir relativ sicher, gestern mit Sass Jordan & Band, das vermutliche Konzert-Highlight des Jahres 2017 erlebt zu haben. Einfach wunderbar!

Danke an Birgit Bräckle von Brooke-Lynn Promotion und SJ-Tour-Manager Wouter Bakker für die verlässliche und spontane Unterstützung.

Line-up Chris Caddell And The Wreckage:
Chris Caddell (lead vocals, electric guitar)
Derrick Brady (bass, vocals)
Cassius Pereira (drums)

Line-up Sass Jordan:
Sass Jordan (lead vocals)
Chris Caddell (electric guitar, vocals)
Derrick Brady (bass, vocals)
Cassius Pereira (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Brooke Lynn Promotion
Luxor Live, Arnheim

SIMO – Rise & Shine – CD-Review

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Mit ihrem zweiten Longplayer „Rise & Shine“ ist den Mannen um JD Simo am Mikro und den Gitarren ein starkes, psychedelisch angehauchtes Album gelungen, dessen Qualitäten dem Zuhörer vielleicht erst nach mehrmaligem Hören bewusst werden.

Ergänzt durch Elad Shapiro am Bass und Adam Abrashoff an den Drums, präsentiert sich die Band, welche sich selbst dem Genre Psych Soul zuordnet, in Spiellaune, die durchgehend psychedelischen Charakter aufweist, aber außer Soul auch vielfältige Elemente beinhaltet, die dem Blues, Hardrock, Funk, aber auch der Southern Rock-Sparte zugeordnet werden können. Diese Vielfältigkeit zeigt sich besonders im Song „Meditation“, der zunächst funkig, Prince-ähnlich daherkommt, um im Refrain vom Volumen her, an Songs der „Use Your Illusions“-Ära der Guns’n’Roses anzuknüpfen.

Mit „I Want Love“ gelingt eine bluesig soulige Ballade. Bei „The Climb“ wird das pschedelische Gitarrenspiel mehrfach von Passagen unterbrochen, die ein wenig an Melodien aus Italowestern erinnern und nahezu einige Beziehungspunkte zum Heimatort der Band, nämlich Nashville, erahnen lassen, um im Folgesong „Light The Candle“ ein Szenario zu erzeugen, welches auch in die Zeiten der Jimmy Hendrix Experience gepasst hätte.

„Be With You“ beweist, dass Southern-Rhythmen auch im psychedelischen Gewand eindrucksvoll daherkommen können. Die akustisch melancholische Bluesnummer „The Light“ verbindet Gefühle vom „House Of The Rising Sun“, aber auch morbider alter Doors-Tracks und leitet in den 13 minütigen Abschlusssong über. „I Pray“, sehr gitarrenorientiert, zum Teil orientalisch angehaucht, eignet sich auf Konzerten für ausladende Jamsessions.

Fazit: Das Stück „Meditation“ sagt vom Titel schon viel aus, wie die Scheibe auf den Zuhörer wirken kann. Insgesamt eine starke CD, mit abwechslungsreichem Gesang, einer im Vordergrund stehenden E-Gitarre, mit verschiedensten Stilrichtungen, die von einer sicheren Ryhytmussektion am Bass und Drums unterstützt wird. Wer auf reinen Mainstream steht, könnte beim Hören allerdings überfordert sein oder wegen des überaus psychedelischen Charakters, erst bei diversen Hördurchgängen und entsprechender Atmosphäre, den entsprechenden Zugang finden. Interessant wird sein, wie Simo und Genossen, nur zu dritt, die Songs auf die Bühne bringen.

Provogue (Mascot Label Group) (2017)
Stil: Psychedelic Rock

01. Return
02. Meditation
03. Shine
04. People Say
05. Don’t Waste Time
06. I Want Love
07. The Climb
08. Light The Candle
09. Be With You
10. The Light
11. I Pray

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Netinfect Promotion

Savoy Brown – Witchy Feelin‘ – CD-Review

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Manchmal ist es wie verhext. Da kennt man eine Band schon Urzeiten vom Namen her, hatte mit ihr aber irgendwie nie Berührungspunkte. So muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich von Savoy Brown nicht einen einzigen Tonträger in meiner nicht gerade kleinen Sammlung stehen habe, obwohl die Band um ihre einzige Konstante, Kim Simmonds, ja in Sachen Veröffentlichungen bereits seit 1965 zugange ist.

Jetzt hat mich Ruf Records unfreiwillig einfach mal zu meinem Glück gezwungen und mir den aktuellen Silberling „Witchy Feelin‘“ zugeschickt. Und der bereitet wirklich große Freude. Ganz spartanisch eingespielt im klassischen Trio mit Simmonds (vocals, guitars), Pat DeSalvo am Bass und Garnett Grimm am Schlagzeug, erhält man eine schön E-gitarrenlastige Blues Rock-Scheibe mit einem ganz eigenwilligen Charme.

Kreiert und auch produziert hat sämtliche Stücke natürlich Kim Simmonds, der auf dieser Scheibe auch ganz klar der Herr im Hause ist. Seine Rhythmusfraktion bietet hier die ledigliche, aber sehr gekonnte Grundlage für seinen dezent knöchrigen/kauzigen Gesang (ähnlich wie Tony Joe White) und seine exzellente und variable E-Gitarrenarbeit. Simmonds hat das Gespielte in einem sehr schön volumigen und transparenten Klangambiente eingefangen, sodass man beim Hören fast den Eindruck hat, die Band würde live im Wohnzimmer spielen.

Dass Simmonds ja schon ganz frühzeitig Amerika für das Wirken von Savoy Brown entdeckt hatte, erkennt man an Tracks wie dem swampingen „Livin‘ On The Bayou“ und der Bottleneck-bestimmten Phase des Albums mit den drei Songs „Vintage Man“, dem überragend relaxt vorgetragenen „Standing In The Doorway“ und „Memphis Blues“, wo ordentlich geslidet und gesurrt wird.

Ansonsten gibt es knackigen und eingängigen Blues Rock mit den typischen E-Gitarrenkomponenten. Vielleicht noch hervorhebenswert der längste Song der CD, „Thunder, Lighning & Rain“, mit ziemlich exzessivem Wah-Wah-Geniedel und das herrlich entspannte Instrumental „Close To Midnight“ als Finale, das mich ein wenig an eine Mischung aus Peter Greens damaligen „In The Skies“ und „Slabo Day“ erinnert.

Savoy Brown mit ihrem Gitarrenhexer Kim Simmonds legen mit „Witchy Feelin‘“ eines der 2017er-Highlight-Alben im Blues Rock-Genre hin. Klasse Stücke, toller Sound, dazu ein launiges Cover-Artwork. Und es hat in jedem Fall dazu geführt, dass ich die Truppe, in Zukunft intensiver im Auge behalten werde! Absolute Kaufempfehlung!

Ruf Records (2017)
Stil: Blues Rock

01. Why Did You Hoodoo Me
02. Livin‘ On The Bayou
03. I Can’t Stop The Blues
04. Witchy Feelin‘
05. Guitar Slinger
06. Vintage Man
07. Standing In A Doorway
08. Memphis Bluesd
09. Can’t Find Paradise
10. Thunder, Lightning & Rain
11. Close To Midnight

Savoy Brown
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Ruf Records

Krissy Matthews, 04.09.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Zum Auftakt seiner Europa-Sommer-Tour gab sich Krissy Matthews am 4. September mal wieder mit seiner Band (Sam Weston, bass und Kev Hickman, drums) in der Krefelder Kulturrampe, die Ehre. Schade nur, dass an diesem Abend auch Deutschland gegen Norwegen kickte und das Konzert wohl deshalb nur vor einer handvoll unverzagter Bluesrock-Fans stattfand.

Der Spielfreude, mit der Krissy Matthews mit seiner Band zu Werke ging und der Stimmung im Saal, tat dies allerdings keinen Abbruch. Das Trio gab in zwei Sets einen bunten Strauss älterer und neuer Songs zum Besten, die vom wenigen Publikum begeistert abgefeiert und abgetanzt wurden. Dabei konnte Krissy Matthews erneut seine Klasse als Blues-Gitarrist unter Beweis stellen.

Hervorzuheben sind auch seine beiden Mitstreiter. Kev Hickman verausgabte sich mit seinem Elan hinter der Schießbude, wobei ihm der Spaß am Trommeln förmlich ins Gesicht geschrieben stand und einen derart extrovertierten Bassisten wie Sam Weston dürfte es wohl schwerlich ein zweites Mal geben.

Nach rund zwei Stunden und zwei Zugaben war das Konzert dann zu Ende und die Gäste gingen glücklich und zufrieden nach Hause. Insgesamt war es ein toller Abend, auch wenn Band und Pille Peerlings als Macher der Kulturrampe, ein größeres Publikum verdient gehabt hätten. Und an alle Daheimgebliebenen: ihr habt echt was verpasst!

Line-up:
Krissy Matthews (lead vocals, electric guitar)
Sam Weston (bass, vocals)
Kev Hickman (drums)

Bericht und Bilder: Jörg Schneider

Krissy Matthews
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Kulturrampe Krefeld
Jörg Schneider

Walter Trout – We’re All In This Together – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Seit über 50 Jahren steht der mittlerweile 66-jährige Walter Trout nun auf den Brettern, die die Welt bedeuten und spielte in dieser Zeit u. a. in den Bands von John Lee Hooker, John Mayall und bei Canned Heat. Als Virtuose auf der Bluesgitarre hat er seine Fans unter älteren wie jüngeren Blues-Afficinados. Nach seiner schweren Lebererkrankung mit anschließender Lebertransplantation in 2014 verarbeitete er seine beinahe tödlich verlaufende Erkrankung auf den beiden eher etwas düsteren Alben „The Blues Came Calling“ (2014) und „The Battle Scares“ (2015). Nun legt er nach seinem 2016’er Album „Live In Amsterdam“ mit „We’re All In This Together“ wieder eine Scheibe vor, die förmlich vor Spiel- und Lebensfreude strotzt.

Und wieder hat er für dieses Album, genau wie für sein 2006’er Projekt „Full Circle“ zahlreiche namhafte Gastmusiker unterschiedlicher Bluesspielarten um sich geschart. Die Liste liest sich wie das „Who is Who“ der Bluesmusik: dabei sind Veteranen wie John Mayall, Charlie Musselwhite und Edgar Winter aber auch „jüngere“ Talente wie z. B. Mike Zito, Joe Bonamassa und Trouts Sohn Jon und viele, viele mehr.

Für jeden seiner 14 Gastmusiker hat Walter Trout einen Song sozusagen passend auf den Leib geschrieben. Dank moderner Technik wurden die Titel allerdings nicht gemeinsam im Studio eingespielt, sondern jeweils separat aufgenommen und im Nachhinein mit Trouts Band bestehend aus Sammy Avila, Johnny Griparic und Mike Leasure im Studio zusammengefügt. Lediglich Joe Bonamassa lies es sich nicht nehmen für die Aufnahmen bei Walter Trout im Studio höchstpersönlich aufzukreuzen.

Opener ist der flotte, rhythmisch stampfende Blues-Shuffle „Gonna Hurt Like Hell“ mit dem noch relativ jungen US-Blues-Talent Kenny Wayne Sheperd, einem Song über im weitesten Sinn Genuss und Reue, über weite Strecken getragen von einem schönem Gitarrenwechselspiel zwischen Trout und Shepherd. Der für seine ungewöhnliche Slide-Grifftechnik bekannte Sonny Landreth, dessen musikalische Wurzeln im Jazz und Rhythm and Blues des Mississippi Deltas liegen, ist Gastmusiker auf dem nächsten Song des Albums: „Ain’t Going Back“ kommt herrlich groovend und gute Laune verbreitend daher.

Zu Charlie Musselwhite muss man an sich nicht viel sagen. Er ist ein Meister auf der Bluesharmonika und zeigt dies auch im folgenden Stück „The Other Side Of The Pillow“, einem etwas schwermütigen Stück, bei dem sein Mundharmonikaspiel die Verzweiflung, die aus Trouts Stimme und seiner Gitarre schreit, perfekt unterstreicht.

„She Listens To The Blackbird Sing“ mit Mike Zito (Mitbegründer der „Royal Southern Brotherhood“) an der Gitarre ist wiederum recht melodiös und vom Stil her irgendwo zwischen den späten Allman Brothers und Lynyrd Skynyrd angesiedelt. Für das folgende, im Stil des viel zu früh verstorbenen Freddie King gehaltene Gitarreninstrumentals „Mr. Davis“ hat Walter Trout niemand geringeres als als den Jazz-Blues-Fusion-Gitarristen Robben Ford, mit dem er auch zusammen bei „The Supersonic Blues Machine“ spielt, verpflichtet.

Auch der im nächsten Song „The Sky Is Crying“ kraftvoll performende Warren Haynes ist ein musikalisches Schwergewicht, ist er doch langjähriges Mitglied der „Allman Brothers Band“. Ganz anders das nächste Stück „Somebody Goin’ Down“, im Gegensatz zu den bisherigen Songs des Albums ist es ein im funkiges, aber auch recht heavy angelegtes, von Eric Gales interpretiertes, Stück. Eher melodiös und mit schönen Bläsersätzen arrangiert bietet „She Steals My Heart Away“ dem Texaner Edgar Winter den nötigen Rahmen seine Saxofonkünste unter Beweis zu stellen.

„Crash And Burn“ wiederum ist ein typischer Chigaco-Blues mit Joe Louis Walker an der Stromgitarre. Mundharmonika getragen und ebenfalls aus der Ecke des Chicago-Blues stammend, ist der folgende Track „Too Much To Carry“ mit dem mehrfach für den ‚Blues Music Award’ nominierten John Németh. „Do You Still See Me At All“ ist eine feine, melodiös komponierte, von Vater Walter Trout und Sohn Jon gespielte Bluesperle.

Härter, aber durchaus tanzbar, geht‘s dann wieder mit Randy Bachman (ehemals „Guess Who“ und „Bachmann-Turner-Overdrive“) auf „Got Nothin‘ Left“ zur Sache. Mein persönliches Highlight, wenn man von Highlight auf diesem Album überhaupt sprechen kann, alle Songs sind auf ihre Art grandios, ist das ruhige, unplugged dargebotene Delta-Blues Stück „Blues For Jimmy T.“ mit John Mayall an der Mundharmonika. Einfach klasse. Bei dem letzten Titel des Albums, der gleichzeitig auch der Titelsong ist und stilistisch an „Electric Mud“ von Muddy Waters erinnert, hat Joe Bonamassa tatkräftig in die Saiten gegriffen.

Fazit: „We’re All In This Together“ ist ein abwechslungsreiches Blues-Album, welches in keiner Sammlung fehlen sollte. Zu etwas besonderem wird es natürlich auch dadurch, dass Walter Trout hier zu seiner alten Energie und Lebensfreude zurückgefunden hat. Wie sagte er doch in einem Interview u. a. zu diesem Album: „Ich will mich wieder in dieses spannende Leben stürzen, es bei den Eiern packen und nicht wieder loslassen.“ Und genau das kommt auf dieser Scheibe rüber. Well done, Walter!

Line-Up:
Walter Trout – Vocals, Guitar
Sammy Avila – Keyboards
Johnny Griparic – Bass
Mike Leasure – Drums

Provogue – Mascot Label Group – (2017)
Stil: Blues Rock

01. Gonna Hurt Like Hell (feat. Kenny Wayne Shepherd)
02. Ain’t Goin‘ Back (feat. Sonny Landreth)
03. The Other Side Of The Pillow (feat. Charlie Musselwhite)
04. She Listens To The Blackbird Sing (feat. Mike Zito)
05. Mr. Davis (feat. Robben Ford)
06. The Sky Is Crying (feat. Warren Haynes)
07. Somebody Goin‘ Down (feat. Eric Gales)
08. She Steals My Heart Away (feat. Edgar Winter)
09. Crash And Burn (feat. Joe Louis Walker)
10. Too Much To Carry (feat. John Nemeth)
11. Do You Still See Me At All (feat. Jon Trout)
12. Got Nothin‘ Left (feat. Randy Bachman)
13. Blues For Jimmy T. (feat. John Mayall)
14. We’re All In This Together (feat. Joe Bonamassa)

Walter Trout
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Jonny Lang – Signs – CD-Review

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Review: Michael Segets

Es gibt wohl kaum einen Text über Jonny Lang, in dem nicht darauf verwiesen wird, dass er als Blues-Wunderknabe mit fünfzehn Jahren seine ersten Erfolge feierte. Dies war Mitte der 1990er. Seitdem arbeitete er mit einigen Blues- und Rockgrößen zusammen, wie B. B. King, den Rolling Stones, Aerosmith oder Buddy Guy. Nun legt er nach einer vierjährigen Pause mit „Signs“ sein achtes Album vor und präsentiert sich als gereifter Gitarrenvirtuose, der dem Blues einen neuen Anstrich geben will. Dabei finden Elemente aus Funk und Rock ihren Platz. Die Texte kreisen und die Themen Selbstfindung und Selbstbestimmung.

Das vorab ausgekoppelte „Make It Move“ kommt als stampfender und groovender Blues daher. Lang holt bei den hohen Intermezzos alles aus seiner Stimme heraus und setzt so einen Kontrapunkt zu dem tiefen, mehrstimmigen Background im Chorus. Meinem Favoriten der Scheibe folgen mit „Snakes“ und „Last Man Standing“ zwei gelungene, schnelle Rockstücke. Vor allem der letztgenannte Song lässt es mit dem treibenden Schlagzeug richtig krachen. Das dem Longplayer namengebende „Signs“ bietet Bluesrock mit guter Gitarrenarbeit, aber der gepresste, hoch gesungene Refrain ist zunächst gewöhnungsbedürftig, entwickelt aber bei mehrmaligem Hören durchaus einen Reiz.

Die nächsten Stücke unternehmen Ausflüge in die Grenzbereiche des Bluesrock und überschreiten sie. Bei „What You’re Made Of“ integriert Jonny Lang Funk-Elemente. Während der Refrain eingängig ist, überzeugt das Stück mit seinen Breaks und Langs Ausflügen in stimmliche Höhen nicht in Gänze. Mit dem hypnotischen Anfang, dem Einsatz von Halleffekten und dem bombastischen Refrain knüpft die zweite Vorabauskopplung „Bitter End“ an die Rockhymnen der 1980er Jahre an. Locker und schon beinahe poppig erscheint hingegen „Stronger Together“, das sommerliche Gefühle aufkommen lässt.

Jonny Lang liefert anschließend mit „Into The Light” einen kraftvollen Rocksong ab, der ein Highlight in der zweiten Hälfte des Longplayers darstellt. Im reduzierten „Bring Me Back Home“ ist ein sehr gefühlvolles Gitarrensolo hervorzuheben. Auch in „Wisdom“ ist die Gitarrenarbeit hervorragend. Der emotionsgeladene Bluessong wäre ein würdiger Abschluss des Albums gewesen, denn das pathetische „Singing Songs“ stellt für mich den schwächsten Track dar.

Nach starkem Anfang kann Jonny Langs neues Werk weitgehend – aber nicht vollständig – überzeugen. Dass er ein außerordentlicher Gitarrist ist, steht dabei nicht in Frage. Manche Gesangspassagen sind hingegen Geschmackssache. Bei den Songs wird ein Bluesrock-Purist wohl eine Auswahl treffen. Dennoch bietet das Album einige Perlen, die es zu entdecken gilt.

Provogue – Mascot Label Group – (2017)
Stil: Blues Rock

01. Make It Move
02. Snakes
03. Last Man Standing
04. Signs
05. What You’re Made Of
06. Bitter End
07. Stronger Together
08. Into The Light
09. Bring Me Back Home
10. Wisdom
11. Singing Songs

Jonny Lang
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Blues ’n Jazz Meeting (5tes) – 05.08.2017, Walzwerk, Dinslaken – Festivalbericht

Für das bereits 5. Open Air Blues ’n Jazz Meeting – für Gernot und mich Premiere –  hatten die Organisatoren um Klaus Diessner mit zwei deutschen Acts, den Duisburgern The BlueBones und dem niedersächsischen Emsemble, der Tommy Schneller Band, sowie dem britischen Blues Rocker Ben Poole und seinen Mannen, wieder einen schmucken und musikalisch bunten Blumenstrauß, im sehr einladend wirkenden, historisch industriell anmutenden Ambiente der Lokalität am Walzwerk in Dinslaken, zusammengestellt.

Mit etwas Verspätung, die den sintflutartigen Regenfällen am Nachmittag geschuldet war, begann das uns, bis dato, nicht bekannte Quartett The Blue Bones, mit ihrem immerhin 21 Stücke umfassenden Programm. Die vier, allesamt mit überschaubarer Haarpracht ausgestatteten Protagonisten, hatten sich dafür in feine Anzüge gekleidet.

Ihre Setliste war überwiegend geprägt von knackig abgehendem, zum Teil Harp-bestückten Rhythm ’n Blues in der Tradition von Dr. Feelgood, was natürlich u. a. auch in den Adaptionen ihrer  Klassiker „As Long As The Price Is Right“ und „Milk And Alkohol“ zum Ausdruck kam. In manchen, recht punkig ausgelegten Tracks, meinte Kollege Gernot manchmal auch die Stooges ein wenig durchschimmern zu hören.

Zu meinen Favoriten zählten Songs wie das ZZ-Top-umwehte „Boogie Baby“ und „Tell Me No Lies“, bei dem Gitarrist Kai Kaschura sich mit schönem E-Solo ins Publikum begab. Mit dem Gassenhauer „See You Later Alligator“ verabschiedete die Truppe.

Ach ja, auch wenn es natürlich als Joke gemeint war:  Sänger Torsten Peters hatte mitbekommen, dass ich mir, wie gewohnt, in Ewald Lienen-Manier fleißig Notizen auf meinem Block zum Gig geschrieben hatte und dann hinter mir einen Beamten der allseits geliebten GEMA-Behörde vermutet. Wer einen der wichtigsten deutschen, hart arbeitenden freiberuflichen Musik-Journalisten (kleiner Scherz meinerseits) derartig öffentlich diskreditiert, begibt sich natürlich, gerade, was das folgende Review betrifft, auf ganz ganz dünnes Eis…

Nichtsdestotrotz, die Burschen machten trotz einiger Längen und ein wenig fehlender Variabilität, einen überaus passablen Job als Anheizer des Festivals.

Line-up:
Torsten Peters (lead vocals, harp)
Kai Kaschura (electric guitar)
Dominik Hayck (bass)
Ralf Persin (drums)

Als mittlerer Act startete der eigentliche Anlass unseres Besuchs, der britische Blues Rock-Wunderknabe, Ben Poole, der uns ja mit seinem Gig im heimischen Schwarzen Adler im Februar schon in Verzückung hatte geraten gelassen.

Mit geändertem Line-up – diesmal mit King King-Drummer Wayne Proctor und Beau Bernard (The Upper Room) als Rhythmus-Fraktion – servierte er den mittlerweile knapp 400 Anwesenden, eine weitere Lehrstunde  in Sachen heutig gebotenem, modernen Blues Rock. Was für ein Feuerwerk an Spielfreude und Dynamik!

Die Trackliste bestand aus ähnlichen Ingredienzien wie in Rheinberg, allerdings in nummerisch verifizierter Form. Grandios Pooles Version des Freddie King-Stückes, bekannt aber eher durch die Derek And The Dominos, „Have You Ever Loved A Woman“, das von Ben zunächst solo eingeleitet wurde und nachher mit Einsetzen der Band in einem wahren Spielrausch endete.

Toll auch „Longing For A Woman“, das mit herrlichem Southern Rock-Flair im Stile einer Marshall Tucker Band zu Glanzzeiten, rüberkam. Fantastisch auch der Gary Moore gewidmete Slow Blues „Time Might Never Come“ und das vom  ersten Album stammende, wahnsinnig atmosphärische „Hanging In A Balance“, bei dem Ben ebenfalls ein ganz intensives Bad in der Menge genoss und dabei so ziemlich bis in den hintersten Winkel der Location wanderte und seinem Road Manager so manche Sorgenfalte bescherte.

Die Kicks des Konzerts waren neben Pooles ‚Mörder‘-Soli sicher auch die furiosen E-Piano- und Orgel-Einlagen des wieder brillant aufspielenden Keyboarders Joe Mac, zum Teil auch in Duellen mit Ben. Proctor und Bernard hauchten der Musik vielleicht etwas mehr Gefühl und Seele ein, als es im Adler der Fall war.

Die Briten aus Brighton brachten mit der vehement eingeforderten und launigen Zugabe „Let’s Go Upstairs“ das Publikum zum Schluss in absolute Tanzstimmung. Die Jungs schienen sich für den letztjährig unverschuldet verpassten Auftritt, besonders ins Zeug gelegt zu haben. Erneut eine fantastische Darbietung, ganz großes Blues Rock Kino!

Line-up:
Ben Poole (lead vocals, electric guitar)
Joe Mac (keys, vocals)
Beau Bernard (bass, vocals)
Wayne Proctor (drums)

Für Tommy Schneller und seine Begleit-Combo war mit dem Poole-Auftritt die Messlatte als Headliner des Festivals in fast unerreichbare Höhen gelegt. Und ich muss auch zugeben, dass ich so meine Bedenken hatte, ob der Spannungsbogen weiter aufrecht gehalten werden konnte, zumal sich das Besucherfeld dann auch schon ein wenig gelichtet hatte.

Der Schwenk in nun soulige, bzw. dezent angejazzte Rockmusik, war zunächst auch etwas gewöhnungsbedürftig. Aber Schneller hatte seine feste Fangemeinde zugegen und spätestens mit der sehr charmant gebrachten Ballade „For The Ladies“, in der Tommy bei diversen, im Publikum anwesende Damen mit kleinen wunderbaren Saxofon-Solo-Ständchen punktete, hatte er auch meine Sympathien gewonnen. Sehr stimmungsvoll!

Im weiteren Verlauf wurde natürlich gegroovt und gesoult, was das Zeug hielt, der gute Gitarrist Jens Filser mit seinem filigranen Spiel hatte dabei gegen eine regelrechte ‚Bläser-Wand‘ anzukämpfen. Mein Favorit des Gigs waren die Southern-umwehten „Backbeat“ (Titelstück von Schnellers, hier auch ausgewogen präsentierten Studioalbums – mit klasse Slide-Spiel von Filser) und das einem Club in Brunswick, Georgia, angedachte „Tipsy’s“.

Mit „Laut Hör Ich Dich Denken“ und „Lass Die Seele Fliegen“ (mit Publikums-Mitsing- Interaktion) als Zugabe, gab es auch zwei deutsch gesungene Kreationen. Insgesamt ein sehr gelungener und kommunikativ mitnehmender Auftritt der Tommy Schneller Band, die sich hinter Acts amerikanischer Kollegen wie Josh Hoyer oder JJ Grey wahrlich nicht zu verstecken braucht und somit den Abschluss eines weitgehend sehr ansprechenden Festivals mit toller Kulisse bildete.

Line-up:
Tommy Schneller (lead vocals, saxophone)
Robert Hunecke (bass)
Raphael Becker Foss (drums)
Jens Filser (electric guitar, vocals)
Helge Adam (keys, vocals)
Dieter Kuhlmann (trombone, vocals)
Gary Winters (trumpet, vocals)

P.S. Vielen Dank an Florence Miller und Klaus Diessner für die kurzfristig arrangierte Akkreditierung. Das 6te Event steht, falls erwünscht,  ganz sicher auch im nächsten Jahr auf unserer To-Do-Liste!

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

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Matt Schofield – 27.07.2017, Blue Notez, Dortmund – Konzertbericht

Matt-Haupt

Da wir uns im Moment, zumindest was die von präferierte Live-Musik angeht, so ein wenig in einem kleinen Sommerloch befinden, passte es natürlich ganz hervorragend, dass es dem Blue Notez Club, der ja auch für sein ausgewogenes und anspruchsvolles Programm bekannt ist, gelungen war, den exzellenten britischen, Awards-dekorierten Gitarristen Matt Schofield wieder nach Dortmund zu locken.

Zudem habe ich mich gefreut, mal wieder mit unserem Fotografen Peter Schepers, der ja quasi im Blue Notez ‚zu Hause‘ ist, einen gemeinschaftlichen Konzertbericht zu erstellen. Matt und seine Mitstreiter Drummer Jamie Little, Bassist Carl Stanbridge sowie Tastenmann Dan Moore eröffneten um 20.15 Uhr ihren am Ende etwas über 100 Minuten dauernden Gig (inklusive einer Zugabe) mit dem groovigen Opener „What I Want Hear“, der Dank Moores Orgelspiel auch ein wenig Allman-Flair aufwies.

Matt, der übrigens vor fünf Jahren schon einmal an gleicher Stelle aufgetreten war, ließ die Organisatoren sich über eine prall gefüllte Location freuen. Ich habe bei meinen bisherigen Besuchen im Blue Notez auch noch nicht so viele Besucher schon zu Einlass-Beginn vor der Pforte stehen sehen. Die Band legte mit „Live Wire“ direkt ein starkes Stück nach, auch hier schwebte dezente Südstaaten-Luft mit, den Song könnte man sich durchaus auch im Warren Haynes-Umfeld vorstellen.

Als eines seiner persönlichen Lieblingsstücke in einem Greatest Hits-Programm, ohne wirklich je einen Greatest Hit gehabt zu haben, bezeichnete der Protagonist den Slowblues (sehr schön sperrig gespielt) „See Me Through“. Schofield zeigte natürlich nicht nur hier mit seinen vielen brillanten Soli, warum er etliche Male zum besten britischen Gitarristen ausgezeichnet wurde.

Aber auch ein harmonisch agierendes Kollektiv scheint ihm ungeheuer wichtig zu sein. So durften sich seine Mitspieler, die er auch immer wieder zwischendurch vorstellte, bei „Siftin‘ Thru Ashes“ zum ersten Mal mit integrierten Solo-Parts ihr Können präsentieren. Das im Stile der großen Blues-Meister wie Albert Collins & Co recht retro gebrachte „I Don’t Know What I’d Do“ und das knackige, claptoneske „Ship Wrecked“ waren die nächsten Stationen.

Was ein guter Sänger im Blues Genre wert ist, zeigte sich dann beim Gastauftritt von Jay Stollman, der dem Quartett bei zwei Tracks (u. a. „Don’t Take Advantage Of Me“) am Frontmikro assistierte. Toll sein energiegeladener und emotionaler Gesang (aus meiner Sicht eigentlich sogar fast mehr für’s Hard Rock-Genre prädestiniert), der mich ein wenig an Chris Ousey erinnerte. Stollman erwies sich als echter Zusatz-Farbtupfer.

„Where Do I Have To Stand“ war dann das absolute Highlight des Gigs. Matt brillierte in zwei intensiven filigranen E-Gitarren-Solo-Passagen auf seiner stark beanspruchten Stratocaster, wobei ich Klänge von David Gilmour bis hin sogar zu Ted Nugent zu entdecken glaubte. Toll, was der Mann alles auf seinem Arbeitsgerät abzuliefern weiß.

Zum Ende gab es noch ein Instrumental mit erneutem Solieren aller Beteiligten, wobei hier Jamie Littles percussion-artiges Agieren mit den Händen zu Beginn des Drum-Solos ordentlich Eindruck machte und eine retro-bluesige Zugabe, mit der Matt Schofield und seine Mannen die restlos begeisterte Audienz auf den Heimweg verabschiedete. Natürlich nicht, bevor am Merchandising-Stand, dann noch alle Autogramme und Fotografie–Wünsche erfüllt wurden. Insgesamt ein sehr starker Abend im Blue Notez, in der Matt tolle Werbung für den Blues Rock und nicht zuletzt auch in eigener Sache ablieferte. Klasse!

Line-up:
Matt Schofield (lead vocals, electric guitar)
Dan Moore (keys)
Carl Stanbridge (bass, vocals)
Jamie Little (drums)
Jay Stollman (guest lead vocals)

Bilder: Peter Schepers
Bericht: Daniel Daus

Matt Schofield
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Jay Stollman
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Blue Notez Dortmund

Shaman’s Harvest – Red Hands Black Deeds – CD-Review

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Das neue, bereits 6. Album „Red Hands Black Deeds“ der  seit 1996 bestehenden, aus Missouri stammenden, mir bis dato unbekannten Band Shaman’s Harvest, habe ich rein verdachtsmäßig angefordert. Das Video zur ihrer aktuellen, sehr dynamisch polternden Single „The Come Up“ war auf meiner Facebook-Seite gelandet und hatte mein Interesse geweckt, zumal ich auch ein ganz dezentes unterschwelliges Southern-Flair entdeckt zu haben glaubte.

Das Quintett um Fronter Nathan Hunt legt laut eigener Aussage, ein Werk vor, das dunkler und vielschichtiger ist als bisherige Sachen der Formation. Auch textlich wagen sich Shaman’s Harvest in neue Gefilde vor und beziehen zu den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Problemen der USA, gerade im Hinblick der neuen Situation dank Donald Trump, auch aktuell Stellung. „Das Album ist voller Kontraste, ein Nebeneinander von Gut und Böse oder Richtig und Falsch. Es endete in einem Konzept, obwohl das gar nicht unsere Intention war“, so Hunt weiter.

Der Titelsong kommt als eine Art Prelude, bevor das kräftige, treibende „Broken Ones“ und die besagte Single zunächst mächtig Dampf machen. Bei mir werden zum Teil Assoziationen zu Acts wie Nickelback, Hinder & Co. geweckt.  Gleiches gilt für Stücke wie „So Long“ und das episch anmutende „The Devil In Our Wake“.

Der Bezug zu unserem Magazin wird durch Tracks wie „Off The Tracks“ (schön knarzig, Tempowechsel, Powerrefrain), das bluesige und sehr atmosphärische „Long Way Home“, „Blood Throphies“ (Southern Rock-E-Gitarren-Solo), das wunderbare, leicht folkige „Tusk And Bone“ (tolles Slide-Solo gegen Ende) oder dem an „Scavengers“ angeschlossenen countryesken Hidden Track „Hookers And Blow“ hergestellt.

Produziert hat Keith Armstrong und dabei auf digitale Effekte ausnahmslos verzichtet, wodurch sich ein gewisses Vintage-Flair wie ein roter Faden ausbreitet. Insgesamt ist „Red Hands Black Deeds“ von Shaman’s Harvest ein, in jeder Hinsicht, sehr anspruchsvoll gestalteter bzw. eingespielter Longplayer. Wer es gerne rockig (manchmal mit einem Hauch von Southern), durchaus sehr melodisch, aber mit einem gewissen Grummeln im Magen präferiert, wird sich dieses Teil, wie die geifernde Hyäne (Titel) und der hungrige Geier (Back) auf dem Cover, zu seiner Beute machen!

Provogue – Mascot Label Group – (2017)
Stil: Rock

01. Red Hands Black Deeds
02. Broken Ones
03. The Come Up
04. A Longer View
05. Soul Crusher
06. Off The Tracks
07. Long Way Home
08. The Devil In Our Wake
09. Blood Trophies
10. So Long
11. Tusk And Bone
12. Scavengers
13. Hookers And Blow (Hidden track)

Shaman’s Harvest
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