Eamonn McCormack – Storyteller – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Schon bei einem Gespräch, nach seinem Auftritt im November 2019 bei den Leverkusener Jazztagen, kündigte mir Eamonn McCormack an, dass 2020 ein neues Album erscheinen wird. Nun ist es soweit, dass am 03. April seine CD „Storyteller“ veröffentlicht wird. McCormack hat das Album mit seiner Begleitband, Edgar Karg am Bass und Max Jung-Poppe an den Drums, die schon in Leverkusen mit ihm auftraten, eingespielt. Zusätzlich steuerte Arne Wiegmand, der das Album auch produzierte, zu einigen Stücken noch die Keyboards und Orgel bei.

Passend ist der Titel „Storyteller“ gewählt, da der Ire in seinen Songs sein Heimatland, persönliche Themen, sowie auch aktuelles Weltgeschehen thematisiert. Stilistisch bleibt McCormack seinen Wurzeln treu. In den Songs finden sich immer wieder Elemente, die an sein großes Vorbild Rory Gallagher, als auch Thin Lizzy, erinnern.

Mit dem ersten Stück, „The Great Famine“ wird direkt die Latte hoch gelegt. Eingeläutet von Kirchenglocken, beschreibt McCormack klagend-melancholisch die Hungersnot im 19. Jahrhundert in Irland, ausgelöst durch eine Krankheit, die die Ernten der Hauptnahrungsquelle vernichtete, und in deren Folge Millionen seiner Landsleute starben und viele das Land Richtung Amerika verließen. In mehreren Soli, zum Teil an David Gilmour erinnernd, beweist er hier schon seine Extraklasse als Gitarrist.

Die ersten Riffs von „Gypsy Woman“ lassen den Spirit eines Rory Gallagher erleben, was sich durch den gesamten Song zieht. Gelungen ist auch das Mundharmonikaspiel, welches dezent im Mittelteil eingesetzt wird.

In „Help Me Understand“, einem tollen eher schleppenden Bluessong, bittet er Gott zu verstehen, was auf der Welt passiert und das vor den Zeiten von Corona. Er klagt dabei indirekt die heutigen Generationen an und betet für die Kinder, die in dieser verrückten Welt weiter leben müssen.
Bei „ The One On“ gelingt es McCormack aus verschiedensten Stilen einen in sich geschlossenen Song zu schreiben.

Ein Intro, was Richtung „The Boys Are Back in Town“ von Thin Lizzy erinnert, düstere Passagen, Marke Tito & Tarantula, aufgehellt durch Mandolinenspiel, welches einen keltischen Einschlag bringt, begleitet mit einem fast sprechenden Gesang, sind zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, aber spätestens beim zweiten Hören, wird einem die Komplexität des Stückes bewusst.

Das Blues und Country durchaus kombinierbar sind zeigt McCormack slidend im „Cowboy Blues“. Bei der Klasse des Albums ist es eine gute Entscheidung von ihm gewesen, dass er sich letztendlich für den Blues entschieden hat.

Nach dem erfrischenden Vorsong folgt mit „In A Dream“ ein langsamer Bluessong, der zum träumerischen Schwelgen einlädt. Gelungen ist hier auch die malerische Unterstützung an der Orgel. Ähnlich, aber weitaus melancholischer, geht es beim folgenden „ Every Note I Play“ weiter. Ein Liebeslied, in dem er das Leben auf Tour im Hotelzimmer und die Gedanken an seinen Schatz beschreibt. Klasse auch die Soli zum Teil mit der Orgel verbunden, die von der Klarheit her, ein wenig an Santana erinnern.

„With No Way Out“ reißt den Zuhörer jäh aus all seinen Träumen. Im fast zornigen Blues Rocker beschreibt er eine Frau, die ein lebendiger Albtraum ist, aus dem es kein Entkommen gibt. Das furiose Solo zum Ende hin, könnte als Lösung gesehen werden, diesem zu entkommen.
Beim bluesigen „Cold Cold Heart“ zieht der Boogie mit ein. Neben der tollen Arbeit der Rhythmussektion, gibt das dezent eingesetzte Piano, dem Stück eine zusätzliche Würze.

In „South Dakota Bound“, wo noch einmal folkige und buesige Elemente verschmelzen und McCormack ein knackiges Solo in Southern Rock-Maanier einfließen lässt, beschreibt seine Liebe zum Motorradfahren mit Freunden durch die Berge. Ein Song, der durchaus auch Platz in einem Roadmovie haben könnte.

Abgeschlossen wird das Werk schließlich mit dem knackigen Rocksong „Make My Move“, in dem wieder seine Vorliebe im Gitarrenspiel zu Gallagher, aber scheinbar auch zu Thin Lizzy zum Vorschein kommt. Er beschreibt hier passend zu seinem Leben, dass man, wenn man es versucht, (fast) alles erreichen kann.

McCormack hat mit seinem siebten Album „Storyteller“ auf jedem Fall erreicht, in die Riege der besten europäischen Bluesgitarristen zu stoßen. Schön wäre, wenn dieses Werk, verdienter Maßen, auch zu mehr Beachtung McCormacks führen würde. Ich bin gespannt, wann McCormack mit seiner Band die neuen Stücke auch in Deutschland live präsentieren wird.

Für Freunde der eher rockigen Bluesmusik wird es auf jedem Fall lohnenswert sein, einen Musiker zu besuchen, der mit seiner Band den Blues im Stile eines Rory Gallagher weiter leben lässt. Von daher eine Kaufempfehlung, welche die Wartezeit auf seine neuen Liveauftritte verkürzt.

Saol Records (2020)
Stil: Blues Rock

01. The Great Famine
02. Gypsy Women
03. Help Me Understand
04. The One On
05. Cowboy Blues
06. In A Dream
07. Every Note That I Play
08. With No Way Out
09. Cold Cold Heart
10. South Dakota Bound
11. Make My Move

Eamonn McCormack
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Eric Steckel – 12.03.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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In Anbetracht der momentanen Situation – Veranstaltungen werden reihenweise abgesagt – ist es schwer, einen ganz normalen Konzertbericht zu verfassen. Schon einige Zeit vor Veranstaltungsbeginn schilderte mir Jenny Dore vom Musiktheater Piano und Veranstalter 3dog Entertainment sichtlich geschockt die momentane Situation.

Im Laufe des Tages erfolgten schon mehrere Absagen durch Künstler für Konzerte in den nächsten Wochen, was insbesondere für kleinere Veranstaltungsorte existenzgefährdend sein könnte. Bei ausbleibenden Besuchern oder abgesagten Konzerten bleiben die laufenden Kosten, für Mitarbeiter, Gebäude, Gagen etc. bestehen. Es bleibt zu hoffen, dass Andeutungen der Politik, dass es Hilfestellungen geben werde, diese auch an den richtigen Adressen, im benötigten Maße ankommen.

Nun aber zum Erfreulichen. Das Konzert von Eric Steckel und Band fand, wie geplant, statt. Steckel hatte sich im Vorfeld geäußert, dass er ja da wäre, warum sollte er dann nicht spielen. Nach und nach kamen die Besucher, mache kauften auch Karten für spätere Konzerte. Ein kleiner Lichtblick zumindest, dass man trotz des derzeitigen Wirrwarrs eine Zukunft sieht, wenn irgendwann wieder Normalität eintritt.

Kurz nach Acht legte dann Eric Steckel vor leider viel zu wenig Besuchern los wie die Feuerwehr. Trotz der überschaubaren Besucherzahl ließ er sich die sichtbar gute Laune, seine Musik zu präsentieren, nicht nehmen. Mit „Solid Ground“, einem hart rockenden Bluessong präsentierte er den Fans direkt ein Stück vom aktuellen Album „Grandview Drive“.

Schon beim Opener kam die spielerische Extraklasse Steckels zur Geltung, wobei ihm Joe Kamps am Bass und Tony Boyd eine solch fette Rhythmusgrundlage hinlegten, dass er sich mit exzessiven Soli darauf austoben konnte. An dem Strickmuster, welches die Anwesenden von Beginn an begeisterte, änderte sich bei „Juke Joint“ nichts. Bluesgrundlage, harte Gitarrenriffs, rasante Soli und eine dazu passende bluesige Stimme.

Mit „Feels Like Home“ brachte Steckel einen Hauch von Southern Rock ins Piano. Dabei braucht er sich weder stimmlich noch mit dem Gitarrensolo hinter Genregrößen zu verstecken und spätestens jetzt war jedem klar, warum John Mayall schon vor Jahren lobende Worte für den heute 30-jährigen Steckel fand, als er schon mit 18 Jahren sein ersten Album veröffentlichte.

Nach diesem fulminanten Einblick in die frühen Schaffensphasen war wieder neuer Stoff angesagt. Nach “Take My Love To Town” folgte das fast balladesk beginnende “Can’t You See”, das er dann gitarrentechnisch mit einem ausladenden Solo der Marke Allman Brothers Band abschloss. Bei “When Ignorence Turns To Bliss“ , einem Song von seinem Debüt, welchen er auf dem aktuellen Silbering noch einmal neu auflegte, wurde es dann wieder bluesiger, wobei erneut das quirlige Gitarrenspiel begeisterte.

“Best With You” spiegelte vom Titel ein klein wenig die Stimmung im Piano wieder, wo sowohl die Band wie auch die Zuschauer gemeinsam das Beste aus den wiedrigen Begleitumständen machten. Mit “We’re Still Friends” zog dann zunächst ein Hauch von Melancholie durchs Piano, ein langsamer Bluessong, bei dem zu Beginn einige Töne an Jimi Hendrix erinnerten, der sich von einem riesigen Bild neben der Bühne vermutlich wohlwollend und staunend das Treiben auf der Bühne betrachtete.

Die Hauptbestandtteile bildeten zunächst ein langsames Solo Steckels, in bluesiger Manier eines Gary Moores, und ein Drumsolo von Tony Boyd, der scheinbar versuchte, den Putz von den Wänden des Piano zu holen. Fein auch wie sich Steckel und Kamps am Bass zum Ende des Liedes hin regelrecht duellierten.

“Empty Promises” , ein klasse Southern Rocker läutete dann langsam das Ende der fulminaten Show ein, dem mit “Tennessee” noch ein zunächst harter Bluestrack folgte, in den Steckel aber wieder Klasse Soli in bester Southern-Manier einstreute, die zuweilen auch in Richtung der guten alten Outlaws gingen.

Unter brandendem Jubel der Fans verließ die Band die Bühne, um nach kurzer Zeit noch mit “She’s 19 Years Old “ noch eine letzte Zugabe nachzulegen.

Ein etwa 100-minütiges Konzert hatte so einen würdigen Abschluss gefunden, und Steckel wird vermutlich nicht das letzte Mal in Dortmund Halt gemacht haben. Von diesem recht jungen Musiker ist in der Zukunft noch einiges zu erwarten, ob in Richtung Southern- oder Bliues Rock spielt dabei keine Rolle, beides war an dem Abend in Dortmund Klasse!

Ein Dank geht wieder einmal an Jenny Dore vom Musiktheater Piano für die Akkreditierung und, dass es gelungen ist, solch einen Ausnahmegitarristen ins Piano zu holen. Es bleibt zu hoffen, dass die nun feststehenden Absagen der nächsten Konzerte ein baldiges Ende haben werden und es wieder zu solchen Highlights kommt, wie dem mit Eric Steckel!

Line up:
Eric Steckel- vocals, guitar
Tony Boyd – drums
Jos Kamps – bass

Text und Bilder: Gernot Mangold

Eric Steckel
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Thorbjørn Risager & The Black Tornado – 07.03.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Nachdem Thorbjorn Risager & The Black Tornado vor genau einem Monat die ausverkaufte Kulturrampe gerockt hatten, stand nun das Dortmunder Musiktheater Piano auf dem Programm. Trotz des parallel stattfindenden Spiels der Dortmunder Borussia war das Piano mit über 350 Besuchern bestens gefüllt.

Die Songauswahl entsprach erwartungsgemäß weitgehend der aus dem Krefelder Konzert. Interessant war, wie Risager und seiner Band es gelingen würde, die doch entschieden größere Location einzunehmen. Auch Pille Peelings, Mastermind der Krefelder Kulturrampe hatte sich auf den Weg nach Dortmund gemacht, um die Dänen aus der Sicht des Zuschauers in Ruhe anzuschauen.

Er, wie auch die anderen Besucher sollten nicht enttäuscht werden. Es entwickelte sich ein stimmungsvolles Konzert, in der die Band von der ersten Minute an die Besucher mitnahm (schöne stimmgewaltige Mitsingpassagen bei „Rock ’n‘ Roll Ride“). Das es sich um eine regelrechte Band handelt und nicht nur um einen Fronter, der von Musikern begleitet wird, zeigte sich indem, dass alle Musiker ein Stück ansagten und alle hinlänglich in Solopassagen ihre Freiräume hatten.

Risager überzeugte mit beeindruckenden Stimmvolumen und einigen starken Gitarrensoli, Joachim Svensmark begeisterte mit furiosen Gitarrensoli, wo er sich scheinbar selbst in einen Rausch spielte oder als er mit einem Geigenbogen das Intro zu „Never Givin‘ In“ spielte und auch bei einigen Tracks den Backgroundgesang beisteuerte. Emil Balsgaard klimperte an den Tasteninstrumenten zuweilen rasante Soli, aber genauso auch gefühlvolle Pianopassagen, wie bei der ersten Zugabe, als er alleine Risager begleitete.

Søren Bøjgaard bearbeitete meist mit stoischer Ruhe seinen Tieftöner, steuerte aber auch zuweilen eindrucksvolle Bassspuren mit dem Synthesizer bei. Martin Seidelin, wie gewohnt, bestens gelaut, bespielte seine Drums von gefühlvoll zurückhaltend bis hin zu einhämmernd, je nachdem, was eben für die Songs notwendig war.

Die Bläsersektion um Hans Nybo am Saxofon und Peter W. Kehl an der Trompete legte nicht nur tolle Passagen und Soli mit ihren Instrumenten hin, sondern waren auch die Animateure, die mit Tanz und Klatscheinlagen die Zuschauer zum Mitgehen brachten. Zudem unterstützten sie Risager auch als Backgroundsänger. Gelungen auch, wie Nybo bei „Sin City“ das Blatt einer Kreissäge als Percussioninstrument nutzte.

Thorbjorn Risager & The Black Tornado ist es wieder mal gelungen, mit einer bunten Mischung alter Songs, herausragend dabei das treibende „Hold My Lover Tight“ zum Ende des ersten Sets, und „All I Want“, „Paradise“, „Rock ’n‘ Roll Ride“ und „Baby Please Don’t Go“, aber auch neuen Songs wie „Sin City“, „Never Givin` In“ oder „Over The Hill“, restlos zu begeistern.

Ein besonderer Dank wieder einmal dem Musiktheater Piano für einen fantastischen Abend, dem noch in diesem Monat einige weitere Highlights folgen werden.

Line-up:
Thorbjørn Risager (lead vocals, guitar)
Joachim Svensmark (guitars, keys, vocals)
Emil Balsgaard (Keys)
Søren Bøjgaard (bass)
Martin Seidelin (drums, percussion, vocals)
Hans Nybo (saxophone, vocals)
Peter W Kehl (trumpet, percussion, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Julian Sas – 06.03.2020, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Ausverkauftes Haus im Schwarzen Adler, wobei das Konzert, was die meisten Besucher nicht wussten, auf der Kippe stand. Grund dafür war nicht die Hysterie um den Corona-Virus, sondern dass Julian sich beim Beladen des Tourbusses verhoben hatte. Spätestens als Ernst Barten, vor den Zugaben die Bühne betrat und Julian noch einmal einen besonderen Dank aussprach, trotz des lädierten Rückens aufzutreten, kam die Sache ans Abendlicht.

Diese Energieleistung des Niederländers eine über zweistündige Show durchzustehen hatte mehrere Gründe: Gute Medizin, Meditation und ein begeistert mitgehendes Publikum vom ersten Song an, welches Sas sprichwörtlich unter Strom setzte, sodass der Schmerz wohl übertüncht wurde.

Pünktlich um 8:00 Uhr begann Sas mit seiner Band gewohnt dynamisch, voller Power das Konzert und reihte einen Kracher an den anderen. Zwischen Songs aus allen Phasen seines Schaffens streute er auch einige Coversongs vom Feinsten, unter Anderem eine wie gewohnt starke Version von „Hey Joe“ mit kurzen Intro von „Angel“, sowie „Little Wing“ als letzte Zugabe und auch den guten alten „Bullfrog Blues“.

Beeindruckend aber auch die Energie der eigenen Lieder wie „Driftin` Boogie“, „Comin Home“ oder „Boogie All Around“ bei denen er bewies, dass er ein Meister des Powerblues und Boogie ist. Wie er seine Gitarren auch slidend bearbeitete und Soli regelrecht in den Adler schoss, war schon klasse. Dabei wurde er natürlich von seiner Band unterstützt, wo er in der Vorstellung deutlich machte, dass die drei Musiker für ihn mehr als nur Musiker sind, sondern auch Freunde.

Diese Harmonie war auch jederzeit spürbar, wobei Sas und Keyboarder Roland Bakker sich zuweilen zu Höchstleistungen bei Soli anstachelten und Bakker den Songs zudem eine harmonische Untermalung gab. Fotis Anagnostou wirbelte zuweilen wild posend am Bass und legte mit Lars-Erik van Elzakker an den Drums die Grundlage für den Powersound. Bemerkenswert war dabei insbesondere der Part von van Elzakker, der erst vor ziemlich genau einem Jahr zur Band hinzustieß und spätestens jetzt auch musikalisch seinen Platz in der Band gefunden hat.

Dass die Band aber auch ruhig kann, offerierte „Anything“, wo Sas die Unfähigkeit der heutigen Politik an den Pranger stellte. Seine eigene Einstellung untermauerte er ohne große Worte mit Friedenstaubenaufklebern an zwei seiner Gitarren.

Gegen 22:40 Uhr war der Zauber dann vorbei und die Besucher verließen, nach der Stimmung zu urteilen, hochzufrieden den Schwarzen Adler. Aber auch Julian und seine Band hatten den Abend sichtlich genossen, was sich zum Einen an mehreren Gesten des Dankes, aber auch an immerhin vier Zugaben (trotz des lädierten Rückens) bemerkbar machte. Dieser Abend offenbarte einmal mehr, wie wichtig es war, den Schwarzen Adler zu erhalten.

Ein Dank wieder einmal an Ernst Barten, der weiter das Booking unterstützt, für die problemlose Akkreditierung, dem es immer wieder gelingt, tolle Acts nach Rheinberg-Vierbaum zu holen. Schön wäre es, wenn auch kommende Interprten, wie Dede Priest, Matt Schofield oder Josh Smith ähnlich stark besucht werden. Es wird sich auf jedem Fall lohnen, auch diese Konzerte zu besuchen.

Line-up:
Julian Sas (lead vocals, electric & slide guitar)
Roland Bakker (piano, organ)
Fotis Anagnostou (bass)
Lars-Erik van Elzakker (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Julian Sas
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Schwarzer Adler

WellBad – 26.02.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Donnerstag Abend, strömender Regen, Deutschland im Würgegriff von Corona und dennoch finden etwa 150 Fans den Weg ins Piano zum ersten WellBad-Konzert in dieser Location.

Unter sphärischer Musik vom Band betreten die Musiker die Bühne und Daniel Webat begrüßt auf eindrucksvolle Weise dramatisch und psychedelisch die Besucher, und erzählt, was sie an dem Abend erwarten werde. Beeindruckend wie er durch seine schauspielerische Leistung, dabei alle in seinen Bann zog.

Im weiteren Verlauf stellte er zwischen aber auch während der Songs wild gestikulierend, zuweilen mit diabolisch rollenden Augen, immer wieder den Kontakt her. Famos dabei seine Stimmgewalt, mit der er vermutlich in vielen Musikgenren Fuß fassen könnte.

Mit dieser Fähigkeit ist auch das Besondere der Band aus Hamburg beschrieben, die so richtig in keine musikalische Schublade passt, was auch nach Aussage vom Drummer Jonas vom Orde, Fluch und Segen zugleich sein kann. Als was soll die Band angekündigt werden? Es finden sich in den Songs Elemente vom Blues, Rock, Jazz, Hipp Hop und einiges mehr wieder. WellBad versuchen mit ihrem eigenen Stil ihren Weg zu finden, ohne sich in irgendein Korsett pressen zu lassen.

Und da sind wir auch direkt beim Segen, der sich auch an diesem Abend zeigte. Das Konzert entwickelte von Beginn an eine enorme Dynamik und die Band überraschte mit verschiedensten Stilen auch innerhalb der einzelnen Songs, dass gar nicht die Chance war, in einem Einheitsbrei wegzudösen. Dies wäre auch spätestens bei einem der Urschreie Welbats unmöglich gewesen, mit dem er auch jeden Virus hätte vertreiben können.

Diese Durchmischung ist aber nur möglich durch die hohe Qualität der einzelnen Musiker. Arne Vogeler bearbeitete seine Gitarren in bester Hard Rock-Manier, aber auch in der Art großer Bluesgitarristen. Stefan Reich, das Tier am Bass, ständig in Bewegung, ließ seine Finger, auch in einem starken Solo, über den Bass gleiten, wobei er immer den passenden Ton traf.

Glänzend auch seine Einlagen am Kontrabass. Sein Partner in der Rhythmussektion, Jonas vom Orde bearbeitete seine Drums von ruhig gefühlvoll bis hin zu ekstatisch, als wenn er seine Drums in Kleinholz zerschlagen würde. Beeindruckend dabei sein mehrminütiges Solo zum Ende der Show. Joachim Refardt, der im Studio auch die Trompete spielt, konnte sich live ganz auf seine Tasteninstrumente konzentrieren, da die Band von einem Bläsertrio unterstützt wurde, welches den Songs nochmals eine größere Fülle gaben.

Insgesamt begeisterten WellBad im knapp zweistündigen Konzert die Besucher restlos, wobei für mich die blueslastigen Stücke wie „Mountain“, „Coalmine“ und das schon fast in einer Jamsession endende „Patience“ als letzte Zugabe die Höhepunkte waren.

Wer sich nicht nur stur auf eine Musikrichtung beschränkt und Spaß daran hat, wie eine Band verschiedenste Genres letztendlich in einem ganz eigenen Stil verknüpft, wird bei WellBad bestens aufgehoben sein. Man wird in Zukunft noch einiges von den Hanseaten erwarten können.

Ein Dank wieder einmal an das Team vom Piano für die problemlose Akkreditierung, welches auch jungen Bands die Chance gibt, sich angemessen zu präsentieren. Man sollte auf jedem Fall die Veranstaltungsvorschau vom Musiktheater Piano und von 3dog Entertainment studieren, da kommt in diesem Jahr noch einiges auf den Musikliebhaber zu!

Daniel Welbat – Vocals & Acoustic guitar
Joachim Refardt – Keys & Trumpet
Arne Vogeler – E-Guitar
Stefan Reich – Bass
Jonas vom Orde – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

WellBad
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Ben Rice & RB Stone – Out Of The Box – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Das von Ben Rice und RB Stone selbst produzierte Album „Out Of The Box“ ist schon einzigartig. Das Projekt entstand vor dem Hintergrund, die Vielseitigkeit von Cigar-Box-Gitarren zeigen zu wollen, aber auch deren Erbauer zu fördern. Dabei ist es den beiden Musikern gelungen den nicht unbedingt vorhersehbaren Sound 3, 4 und 6-saitiger Cigar-Box-Gitarren zu einer Mischung aus Blues und Rock’n’Roll mit etwas Americana zu verschmelzen.

Auf der Scheibe finden sich 11 Songs, dank des schrammeligen Sounds der Cigar-Box- Gitarren mit durchaus mit hohem Wiedererkennungswert, von denen 10 Stücke ausschließlich von Ben Rice und RB Stone selbst geschrieben wurden. Ben Rice wurde in der Vergangenheit bereits für zahlreiche Blues Awards nominiert, von denen er in 2019 drei gewonnen hat. Auch RB Stone kann mit 18 veröffentlichten Album, teilweise mit Blues Awards Nominierungen, auf eine ähnliche Erfolgsserie zurück blicken.

Mit „Hot Rod Mama“, „Hey Politician“ und dem etwas brachial anmutenden „The Swamp East Boogie“ präsentieren Rice und Stone puren, verschwitzten Roots Rock im Schrammelsound, wogegen „Hoodoo Workin’ Overtime“ eine flotte Rock’n’Roll-Nummer mit 50’er Jahre Anmutung ist, die mitunter an den Sound der „Stray Cats“’ erinnert.

Gemächlichere und auch melodischere Klänge gibt’s mit „Train Of Time“ und „Easy Rollin’ Down The Road“, zwei wunderbare Slow Blues Stücke mit Mississippi-Delta-Feeling.

Americana-Anleihen mit J. J. Cale-Vibe („Jesus Needs A Gig“), Hill Country („Meet Your Maker“ und „Bad Blood On Mean Whiskey“) und auch Southern-Einflüsse („Crushin’ On The Bartender“) runden das musikalische Angebot auf diesem Album ab. Nach rund 40 Minuten endet die CD dann mit dem Instrumentalrocker „Lobo Jam“.

Insgesamt ist „Out Of The Box“ ein spannendes musikalisches Projekt. Der schrammelige Sound der aus Zigarrenkisten selbstgebauten E-Gitarren ist beim ersten Hören sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig, macht aber viel Spaß, wenn man sich erst einmal darauf eingelassen hat. Empfehlenswert ist die Scheibe für Leute, gern auch mal über Tellerrand des ‚normalen‘ Blues hinaus schauen möchten.

Label: Middle Mountain Music (2020)
Stil: Blues, Rock’n’Roll

Tracks:
01. Hot Rod Mama
02. Easy Rollin’ Down The Road
03. Hey Politician
04. Hoodoo Workin’ Overtime
05. The Swamp East Boogie
06. Jesus Needs A Gig
07. Meet Your Maker
08. Bad Blood On Mean Whiskey
09. Crushin’ On The Bartender
10. Train Of Time
11. Lobo Jam

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Erja Lyytinen – 13.02.2020, Zentrum Altenberg, Oberhausen – Konzertbericht

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Im Rahmen ihrer „Another World“-Tour spielte Erja Lyytinen mit ihrer Band das 10. Konzert innerhalb der letzten knapp zwei Wochen in Oberhausen im Zentrum Altenberg.

Der Geplante Support Piledriver fiel für den Tag aus. Impuls Promotion hatte aber kurzerhand den Recklinghauser Eddie Wagner eingeladen, der solo slidend den Besuchern die Wartezeit verkürzte. Mit Humor präsentierte er gecoverte Versionen von Klassikern wie David Bowies „Heroes“ in der deutschen Version oder den 10CC-Song „I’m not In Love“ aber auch eine textlich veränderte Version des Steigerliedes und Songs über die jetzt bald renaturisierte Emscher.

Gegen kurz nach Acht betrat dann Erja Lyytinen mit Gefolgschaft die Bühne und begrüßte sehr charmant in recht gutem Deutsch die Besucher. Was folgte, zeigte, dass Lyytinen nicht umsonst als Gitarristin hoch gelobt ist. Eine zum Teil rasante Fahrt durch Rock und Blues, sorgte immer wieder für Szenenapplaus. Unterstützt wurde sie dabei von ihren drei jungen Begleitern, Miika Aukio an den Keyboards, dem Bassisten Tatu Back und Iiro Laitinen an den Drums.

Passend zum Titel der Tour stellten Songs der aktuellen Platte den Großteil der Setlist. Nach dem krachenden „Don’t Let A Good Woman Down” folgten mit „Cherry Overdrive“ und „Hard As Stone” direkt zwei Tracks aus diesem Werk, die von den Besuchern begeistert angenommen wurden.

Lyytinen spielte diese sehr rau und hart, teilweise mit Fusion-Elementen, dass man sich zuweilen an einen Blues im Stile von Jimi Hendrix zurückversetzt fühlte. Ein wenig der Härte nahm den Stücken zuweilen das harmonische Keyboardspiel Kuoppalas. Stark auch das rockige „Black Ocean“ , dem mit „People Get Ready“ eine erste gefühlvolle Ballade folgte, in der auch Basser Tatu Back und Drummer Iiro Latinen bewiesen, dass sie neben druckvoll treibend auch leise unterstützend wirken können. Überhaupt kann gesagt werden, dass sich das Quartett in jeder Beziehung als harmonische Einheit präsentierte.

Mit „Everything’s Fine” fand auch ein älterer Song aus 2008 Berücksichtigung in der Setlist. Dies auch völlig zurecht, da Lyytinen sich hier in einem furiosen mehrminütigen Solopart austoben konnte, der die Anwesenden in Begeisterung versetzte. Auch im Titelsong der Tour „Another World“ ging es in der Art weiter. Furiose Soli, stimmlich auf den Punkt, bewies sie, dass ihr mit dem neuen Material etwas Großes gelungen ist, was auch das folgende „Snake In The Grass“ mit Boogie- und Southernelementen untermauerte.

Danach nahm Lyytinen mit „Slowly Burning“, wie es der Titel schon verheißt, wieder etwas Fahrt heraus und es folgte ein sehr ruhiges bluesiges Stück, in dem auch ihre Stimme voll zur Geltung kam.

Sehr emotional wurde es dann mit dem gefühlvollen „Wedding Day“. Plötzlich verließ Lyytinnen die Bühne, um sich unter das Publikum zu mischen und über mehrere Minuten scheinbar einzelnen Besuchern ein Ständchen in Form eines kurzen Solos zu spielen. Spätestens hier war jedem Besucher klar, wie wichtig Lyytinen die Beziehung oder Einbeziehung der Zuschauern ist.

Wir haben diesbezüglich im letzten Jahr auch schon andere Einstellungen erleben können. Das krachende „Rocking Chair“ beendete dann den Hauptset. Alle Musiker durften sich noch einmal austoben und Lyytinen gelang es die Zuschauer zum Mitsingen zu animieren. Die letzten Minuten des Stückes überließ Erja ihren Mitstreitern, wo insbesondere Laitinen sich in einem mehrminütigen Drumsolo profilieren konnte.

Begeisternde Zugabevorderungen sorgten dafür, dass sich die Band nicht lange bitten ließ, um für zwei weitere Lieder zurückzukommen. Humorvoll, mit Hinweis, dass sie dieses Stück auch schon für ihre beiden sechsjährigen Zwillinge gespielt habe, folgte nun ein Intro in Form von „Old McDonalds Had A Farm“ teilweise auf finnisch singend, wobei die Zuschauer sie beim Refrain tatkräftig unterstützen. Nach etwa einer Minute wurde dann der Schalter umgelegt und in den Hendrix Klassiker „Crosstown Traffic“ gedriftet, den sie in ihrer gewohnten Spielart klasse interpretierte.

Nach diesem wie entfesselt gespielten Song wurden die Besucher mit dem fast 20 Jahre alten harmonischen und ruhigen „Wildflower“ wieder heruntergekühlt und ein schöner Konzertabend hatte einen würdigen Abschluss gefunden.

Nach dem Konzert nahm sich Lyytinen noch Zeit für zahlreiche Unterhaltungen, wo sie noch einmal ihren Charme bewies und dass Finnen nicht Icemänner/frauen sein müssen.

Lyytinen wird im Herbst noch einmal nach Deutschland kommen und wer sie auf dieser Tour nicht gesehen hat, dem kann nur angeraten werden, dies dann nachzuholen.

Ein Dank an Klemens Kübber der den Kontakt zu Lyytinen und Impuls Promotion hergestellt hat und die danach folgende problemlose Akkreditierung.

Line-up:
Erja Lyytinen (lead vocals, guitars)
Iiro Laitinen (drums)
Miika Aukio (keys)
Tatu Back (bass)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Erja Lyytinen
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Zentrum Altenberg Oberhausen

Dave Warmerdam Band – Play – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Die Dave Warmerdam Band hat mit dem Erreichen des Halbfinales bei einer Blues Challange in Memphis sehr erfolgreich teilgenommen. Was hat diese Information mit einer Plattenrezension zu tun? In ihrem Internetauftritt beschreibt die Band, welche Ambitionen sie hat und mit welchen Kosten diese verbunden sind, die durch Liveauftritte bisher (noch) nicht abgedeckt sind. So kam die Idee eines Crowdfundings und die Aufnahme eines 300 Exemplare limitierten Livealbums, um diesen Traum Memphis zu verwirklichen. Zudem hat die Band im letzten Jahr bei den niederländischen Blues Awards für Aufsehen gesorgt hat, als sie diesen Wettbewerb bravourös gewonnen hat.

Bei der Dave Warmerdam Band steht das Piano im Mittelpunkt und stellt in den meisten Songs das dominierende Element dar, was auch nicht verwunderlich ist, da der Bandleader eben dieses Instrument bedient und nicht wie bei den meisten Bluesbands entweder Gitarristen oder SängerInnen die Hauptprotagonisten sind.

Auf dem insgesamt starken Livealbum „Play“ präsentiert die Band eine Mischung von einfühlsamen ruhigen Bluessongs wie „Tennessee Whiskey“, wo der ausdrucksstarke Gesang von Janne Timmer im Vordergrund steht, und die anderen Musiker sich zunächst sehr im Hintergrund halten, um im späteren Verlauf des Songs präsenter zu werden und mit schönem Harmoniegesang das Stück abzuschließen, sowie Songs in alter Fleetwood Mac-Manier wie „Our Fire Still Burns On“, der stilistisch in manchen Passagen auch an den von vielen Musikern gecoverten Etta James-Klassiker „I’d Rather Go Blind“ erinnert, bei dem Sonny Ray Van den Berg mit einem gefühlvollen Gitarrensolo glänzen kann, in das Warmerdam später seine Keyboards entsprechend einbringt.

Einen starken Part bildet auch die Rhythmussektion um Drummer Rick van den Voort und Bassist Lars Hoogland, die auf den Punkt abliefern und so eine perfekte Basis für die Songs hinlegt.

Mit „Proud Mary“ covert die Band einen CCR-Evergreen, wobei sie das Stück zunächst in ein sehr slow-bluesiges Gewandt hüllen, sodass dieser zunächst kaum erkennbar ist. Dies ändert sich jedoch ab dem Mittelteil, in dem die Band dann Richtig Vollgas gibt, Warmerdam mit furiosen Geklimper, und auch Janne Timmer zeigt, dass sie rockig singen kann und sich so ein Powerbluessong entwickelt, bei dem sich zu guter Letzt auch Van Den Berg an der Gitarre mal austoben kann.

Der Dave Warmerdam Band ist mit „Play“ ein absolut hörenswertes Livealbum mit 12 Tracks gelungen, was auch als Werbung in eigener Sache gesehen werden kann und durchaus als Appetizer für die nächste Tour geeignet ist, bei der sie auch im Frühjahr im Kölner Yard Club Station machen werden. Ist ist der der Band zu wünschen, dass sie dann genug bluesbegeisterte Fans dorthin lockt, um die entsprechende Audienz zu haben.

Dave Warmerdam Band:
Janne Timmer – vocals
Dave Warmerdam – keys & vocals
Sonny Ray van den Berg – guitar
Lars Hoogland – bass
Rick van de Voort – drums

Tracklist:
01. Where The Fuck Is The Truck
02. Daddy Why Don`t You Touch Me How To Play The Blues
03. Tears Ain`t Fun
04. Tennessee Whiskey
05. Sweet Lover
06. Our Fire Still Burns On
07. The Mirrored Mask
08. Mean Man
09. Strange Fruit
10. Proud Mary
11. I Won`t Complain
12. Play

Dave Warmerdam Band
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Harper And Midwest Kind – Rise Up – CD-Review

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Einen Künstler, der ein Didgeridoo einsetzt, hatten wir, wenn ich mich bisher recht entsinne, noch nicht in unserem Magazin. Der aus Australien stammende Peter D. Harper, mittlerweile aber schon lange in Detroit lebend, zollt damit seinen heimatlichen Wurzeln Tribut und bringt dieses eigenwillige Instrument geschickt in seine Blues Rock-Musik ein.

Bei uns hier dürfte er einigen Leuten noch vom Grolsch-Blues-Festival 2018 bekannt sein, für meine Wenigkeit ist er bis dato absolutes Neuland gewesen.

Wer sich dieser Musikrichtung verschrieben hat und auch noch Harper heißt, für den ist natürlich dann auch die Mundharmonika Pflicht. Auch hier macht der Multi-Instrumentalist seinem Namen alle Ehre und verleiht diversen Tracks mit den typisch quäkigen Einlagen seine Würze.

Harper und seine spielstarke Unterstützung Midwest Kind bieten auf ihrem 2. Longplayer „Rise Up“ sehr variable Musik, die gerne auch über den Tellerrand hinausschaut.

Da gibt es mit „Blues I Can’t Use“ einen mit reißenden Slides bestückten Southern Rocker erster Güte oder auf „Heavy Horses“ (tolles Duett mit Bobbi Llewellyn) schöne relaxt-shufflige Roots-/Americana-Kost, und das bereits erwähnte (immer wohl dosierte) Didgeridoo gibt so manchem Track wie u. a. dem Opener „Rise Up“ (besonders beim Instrumentalausklang) noch leicht spaciges Flair.

Manchmal scheint mir Harper auch ein Faible für ZZ Tops Rhythmusuntermalungen aus der „Eliminator“-Zeit zu haben. Das schimmert bei der einen oder anderen Instrumentalpassage immer wieder durch.

Ansonsten liefern der Protagonist und seine Mitstreiter angenehm ins Ohr fließende Blues Rock-Musik, zum Teil sehr atmosphärisch und auch mit sozial kritischen Untertönen („Rise Up“, „Hateful“, „World’s Insane“), wobei er hier klar Kante für Mensch, Friede und Natur zeigt.

Meine Favoriten sind neben dem bereits erwähnten Southern Rock-Stück, das soulig groovende „Still Got You“ und das mit einem Hauch von Steely Dan (typisches E-Piano) rüberkommende „Peaceful“ ganz am Ende. Toll hier auch das knarzende Akustikgitarrensolo. Ein starker Abschluss einer wirklich sehr abwechslungsreich und trotzdem stimmig gestalteten CD.

Somit zählen Harper And Midwest Kind, das kann man schon jetzt sagen, sicherlich zu den ganz positiven Überraschungen des Jahres 2020. Leute, die gerne mal neue oder eher unbekannte Künstler entdecken wollen, sind hier an der richtigen Stelle. Klare Kaufempfehlung meinerseits! Die CD kann man ab heute erwerben!

Access Records (2020)
Stil: Blues Rock & More

Tracks:
01. Rise Up
02. Blues I Can’t Use
03. I Still Got You
04. Hateful
05. Heavy Horses
06. Talk To Me
07. World’s Insane
08. Welcome Home
09. Let You Go
10. Peaceful

Harper And Midwest Kind
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Blues Caravan – 09.02.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbilder

BC2020-haupt

Blues Caravan 2020 mit Jeremiah Johnson, Whitney Shay und Ryan Perry. Das Sturmtief Sabine machte dem etablierten Team Mangold-Daus (und vermutlich auch noch einigen anderen) jedoch einen Strich durch die Rechnung. Da mussten wir aus Vernunftsgründen leider passen.

Adam Zegarmistrz Glagla zählte jedoch zu den Uentwegten, die, laut seiner eigenen Aussage, eine begeisterte Show geliefert bekamen, und war für Sounds Of South zur Stelle, sodass wir zumindest eine eine Bildergalerie liefern können, die sein Statement visuell untermauert.

Vielen Dank lieber Adam!

Line-up:
Jeremiah Johnson (lead vocals, electric guitar, vocals)
Whitney Shay (lead vocals, vocals)
Ryan Perry (lead vocals,electric guitar, vocals)
Roger Inniss (bass)
Amanda Dal (drums)

Bilder: Adam Zegarmistrz Glagla

Jeremiah Johnson
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Whitney Shay
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Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment