Kris Barras Band – Light It Up – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Nachdem Dudley Taft letzten Freitag (06.09.) bereits den Startschuss für eine tonangebende Blues-Rock-Woche meinerseits geliefert hat, übernimmt jetzt Kris Barras aus Devon, UK, sprichwörtlich den Staffelstab, um diese ausgelassen abzurunden. Seit einiger Zeit steht der 32-jährige Gitarrist und Sänger bei der großen Mascot Label Group unter Vertrag, bei der auch Genre-Kollegen wie Joe Bonamassa, Beth Hart, Black Stone Cherry und Kenny Wayne Shepherd sind und legt mit „Light It Up“ nun sein drittes Studioalbum vor.

Zu Beginn seiner Musikkarriere hatte er mit Schwierigkeiten zu kämpfen und somit schaffte er den eigentlichen Durchbruch erst vor drei Jahren. Aber dann ging alles ganz schnell: „Lucky 13“ (2016), „The Divine And Dirty“ (2018) heißen die Longplayer, die ihn in den Mittelpunkt der neuen britischen Blues-Szene gebracht haben. Auf der neuen Scheibe lässt er sich vom Erfolg der Vorgänger nicht blenden, sondern startet wild mit dem knackigen Opener „What You Get“ auf dem er zusätzlich von markanten Background-Sängerinnen im Refrain begleitet wird.

Bei „Vegas Son“ kann Barras nach eigener Aussage zu seinem Lieblings-Riff abrocken und auf dem folgenden „Ignite (Light It Up)“ glänzt er durch seine Gitarrenarbeit. Zu den Songs „Ignite (Light It Up)“, „What You Get“ und „Vegas Son“ wurden zusätzlich bildgewaltige Musikvideos aufgenommen, die auf YouTube zu sehen sind. Das Riff von „6AM“ geht unter die Haut und wechselt zu dem langsameren „Rain“ und das Barras angeblich in nur 20 Minuten geschrieben hat. Josiah J Manning, der Keyboard-Player und gleichzeitig auch Produzent des Albums, führt gefühlvoll durch den Song.

„Let The River Run Through You“ beweist die ganze Klasse der Kris Barras Band – begleitet von Barras Finger-picking-Style und der immer wieder als Duett aufgehenden Performance der einsetzenden Background-Sängerin. Die Dynamik verändert sich hingegen schlagartig mit der ausgefeilten und eingängigen Hook-Line von „Bullet“. Ein Stück härter geht es dann sogar noch mit dem hard-rockigen „Wound Up“ und Riff im Deep Purple-Sound.

Der Party-Rock-Song „What A Way To Go“ setzt neue Akzente für ein Blues-Album und auf „Not Fading“ besinnt er sich auf den englischen Electric-Blues-Roots der 1960er Jahre. Das hymnenartige „Pride Is Forever“ beendet das Werk. Aber auch Fans des Hard-Rock werden auf ihre Kosten kommen. Seit 2018 ist Barras auch als Frontmann der Supersonic Blues Machine aktiv und hat im Zuge dieser Formation u. a. auch zusammen mit Billy Gibbons ein Konzert in Essen absolviert (siehe in diesem Rahmen auch unser Interview mit Kris).

Kris Barras ist Teil einer jungen englischen Blues-Generation, an der wir uns in Sound-of-South immer wieder erfreuen. „Light It Up“ ist ein modernes Blues-Rock-Album, das neue Maßstäbe, insbesondere in der europäischen Blues-Szene, setzen wird. Kris Barras tourt mit seiner Band im September auf unserem Kontinent und wird seinen temperamentvollen Blues auch in Deutschland performen.

Mascot Label Group/Provogue (2019)
Stil: (Southern) Rock

01. What You Get
02. Broken Teeth
03. Vegas Son
04. Ignite (Light It Up)
05. 6AM
06. Rain
07. Counterfeit People
08. Let The River Run
09. Bullet
10. Wound Up
11. What A Way To Go
12. Not Fading
13. Pride Is Forever

The Kris Barras Band
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Another Dimension

Julian Sas – 08.09.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Sas Haupt

Nachdem die niederländische Fußball-Nationalmannschaft am letzten Freitag über die Deutsche hinweggefegt war, galt das Gleiche in Sache des holländischen Bluesgitarrist Julian Sas im Dortmunder Musiktheater Piano.

Pünktlich um 8:00 Uhr betrat Sas mit seiner Band die Bühne im mit etwa 300 Zuschauern gut besuchten Piano. Mit „Home Feeling“ hatte er direkt den passenden Opener gewählt, um seine Empathie zur Location, als auch, dem an diesen Abend absolut begeisterungsfähigen Publikum, auszudrücken.

Bei „18 Wheels“ durchwehte ein Hauch von Southern Rock das Piano. Fotis Anagnostou am Bass und Lars-Eric van Elzakker an den Drums legten einen treibenden Grundrhythmus, der Sas alle Möglichkeiten gab, Soli einzustreuen und sich mit John Lord-Fan Roland Bakker an den Keys einige hitzige Duelle zu liefern. Schon zu diesen Zeitpunkt hatten Band und Publikum eine Art Symbiose gebildet, die sich gegenseitig anstachelte.

Mit „Is This What They Call The Blues“ begab sich Sas dann wieder zu seinen Blueswurzeln, um mit „Believe To My Soul“ ein Statement darüber abzugeben, dass das, was er tut, aus vollster Überzeugung geschieht, was für jeden dann auch klar erkennbar war.

Das folgende fast schon hart rockende „Stand Your Ground“ brachte die Besucher endgültig zum ausgelassenen Mitwippen oder Mittanzen.
Schon die ersten Klänge von „Coming Home“ zeigten die Richtung des Songs an. Klangmelodien und eine Stimmung, die an den Klassiker „Freebird“ von Lynyrd Skynyrd erinnerten. Sas legte hier ein Stück hin, mit dem er sich hinter keiner Top-Southern-Band verstecken braucht.

Bei „Drifting Boogie“ war der Name Programm. Eine dynamische Mischung aus Boogie und Blues, die zuweilen an die guten alten ZZ Top erinnerte.

Ein fast schon epischer Moment des Abens war der Slowblues „Lost And Found“, zum Teil melancholisch gefühlvoll auch vom Gesang her, mit einem Solo der Extraklasse, in dem Sas bewies, dass es nicht nur auf das Tempo ankommt, sondern ein Solo auch mit dem Grundtenor des Songs einhergehen muss. In diesem Song waren auch stilistische Ähnlichkeiten zum Vorbild vieler Bluesmusiker zu erkennen, dem leider zu früh verstorbenen Rory Gallagher.

Mit der weiteren Boogienummer „Tale Spreader“ nahm Sas direkt wieder Fahr auf und erstickte direkt jeden Hauch von aufkommender Melancholie, um mit „Make My Water“ eine starke eher hartes Bluesstück nachzulegen, das Bakker an den Keyboards immer wieder auflockerte.

Beim DylanKlassiker „Highway 61 Revisited“ offerierte Sas, dass Covernummern in Shows ihre Berechtigung haben, zumindest, wenn sie keine Verschlechterung des Originals darstellen. Diese harte Interpretation des Songs sorgte im Publikum auf jedem Fall für Begeisterung.

Bei „Anything“, einem leicht psychedelischen, sehr ruhigen Track, nahm Julians kurz etwas Tempo aus der Show, wobei er aber immer wieder Akzente mit der Gitarre setzte und Bakkers Tastenspiel dem Sound das nötige Volumen gaben.

Der „Workingmans Blues“ ging, es wie der Titel schon ausdrückt, ganz klar Richtung Blues. Sphärisch wurde es bei „Howling Wind“ mit ganz tollem Keyboard-Intro. Auch durch Sas‘ Art Art zu Singen, fühlte ich mich an den CSN&Y-Klassiker „Almost Cut My Hair“ erinnert.
Im Stile von ZZ Top wurde dann mit „Sugarcup Boogie“ wieder das Gaspedal betätigt und es kam wieder Bewegung ins Publikum.

Schon „Makin My Return“ wies auf Julians Vorbild Jimmy Hendrix hin, was spätestens besonders deutlich wurde, als unmittelbar darauf psychedliesches Gespiel von Bakker und Julian an der Gitarre „Hey Joe“ einleiteten. Sas und Band zelebrierten diesen Rock-Evergreen regelrecht über knapp 10 Minuten, wo sich auch Fotis Anagnostou am Bass mit starker Mimik und Posen einbrachte.

Vergessen waren schnell die lautstarken Forderungen eines Fans, bezüglich eines Rory Gallagher-Liedes, das Sas charmant und dennoch eindeutig verneinte. In meinen Augen eine richtige und nachvollziehbare Entscheidung. Es handelte sich ja schließlich um ein Julian Sas Konzert und keine Wunschshow, die dann in letzter Konsequenz in einem Coverabend enden würde, wenn jeder Besucher sich Stücke alter Bluesgrößen wünschen könnte.

„Makin My Return 2“ leitete dann stilgerecht „Hey Joe“ aus. Mit „Devil Got My Number“ stand dann der zunächst der letzte Song auf dem Programm, in der Bandleader salvenartig hard-rockend Gitarrensoli Richtung Publikum abschoß. Sas und Kumpanen verabschiedeten sich dann ausgiebig und bestens gelaut und wurden frenetisch vom Publikum gefeiert.

Durch die Zugabeforderungen animiert, ließ Sie sich das Quartett aber nicht lange bitten und legte mit dem furiosen „Bullfrog Blues“, der direkt mit „Boogie All Around“ verschmolz, noch einmal starke Zugaben auf die Bühne. Nach knapp zweieinhalb Stunden war dann ein atemberaubender Abend vorüber, der viel Facetten vom Blues, Boogie, Southern- und Hardrock vereinte.

Schön waren aber auch die vereinzelt eingestreuten Coversongs, denen die Musiker aber ihren eigenen Stil einhauchten. Julian Sas und Band erwiesen sich an dem Abend als absolut blind eingespieltes Team, obwohl Drummer van Elzakker erst im Frühjahr bei der Band eingestiegen war und jetzt einen Klasse Job macht.

Schon nach wenigen Minuten stand Sas dann am Merchandise Stand den wartenden Fans zur Verfügung und man spürte, dass er immer noch vom Publikumzuspruch während der Show zehrte.

Ein besonderer Dank an das gesamte Team des Piano für die Gastfreundschaft. On Stage Promotions für die Zusatzinformationen zur Tournee, aber auch für die schon vorab ausgehändigte Setlist. Julian sagte mir im Gespräch nach dem Konzert, dass er eigentlich ohne eine solche spiele und öfters mal in der Show umswitche, dies aber heute nicht tun konnte, weil er dann auch, wie mir angekündigt, spielen wollte.

Dies war auch am stark abweichenden Programm gegenüber dem Frühjahrs-Gig im Schwarzen Adler in Rheinberg zu erkennen. Der Band wünsche ich eine gute Reise Richtung Wien und genau so viel Spaß auf der Tour durch das östliche Europa.

Line-up:
Julian Sas (lead vocals, electric & slide guitar)
Roland Bakker (piano, organ)
Fotis Anagnostou (bass)
Lars-Erik van Elzakker (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Julian Sas
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Andreas Diehlmann Band – Point Of No Return – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

An Andreas Diehlmann kommt man nicht mehr vorbei, wenn es um gut gemachten, ehrlichen Blues und Bluesrock made in Germany geht. Seine Schaffenskraft scheint unerschöpflich: das Debüt Album „ADB“ aus 2017, 2018 dann „Your Blues Ain’t Mine“, Anfang des Jahres dann das zugehörige Live Album und nun seine neue Scheibe „Point Of No Return“, wiederum eingespielt mit seiner treuen Gefolgschaft Volker Zeller am Bass und Tom Bonn an den Drums.

Auch sein neuestes Werk bietet wieder ziemlich straighten Blues und Bluesrock mit kräftigen Basslinien und bluestypischen Gitarrenriffs. Neun starke Songs (alles Eigenkompositionen ohne Coversongs) mit einer Spieldauer von knapp 45 Minuten hat Andreas Diehlmann in seinem Kasseler Mountain Meadow Studio diesmal auf den Silberling gebrannt. Allerdings ist die neue Scheibe, im Vergleich zu den Vorgängern, mitunter durchaus etwas härter und rockiger geraten.

Zunächst aber geht es mit der Oldschool Bluesnummer „You Are My Woman“ los, die die Verzweiflung nur so ausstrahlt, was durch Diehlmanns rauchig-raue Stimme noch verstärkt wird. Mit „Point Of No Return“ zeigt er dann, dass er auch die harte Tour musikalisch beherrscht. Ein toller Bluesrocktrack mit quietschend verzerrten Gitarrenriffs.

Ansonsten gibt’s noch einen schönen Klammerblues mit dem Titel „Don’t Go“ sowie das traditionell angelegte „I’m A King Bee“, während die Freunde einer etwas härteren Gangart bei den restlichen Songs „Sweet Mama“, „Nothing Like The Blues“, Here Comes The Rain“ oder auch „Deadman Walking“ (mit leicht psychedelisch anmutendem Intro) auf ihre Kosten kommen. „Long Forgotten Nightmare“ fällt ebenfalls in diese Kategorie, ein herrlicher Texas-Rock Stampfer in bester ZZ Top-Manier, neben dem Blues „I‘m A King Bee“ mein persönliches Highlight der CD.

„Point Of No Return“ ist ein kraftvolles Album mit dem sich Andreas Diehlmann und seine Band nun endgültig in die Oberliga, nicht nur der deutschen, sondern auch der internationalen Bluesmusiker, gespielt haben. Mir persönlich hat es wahnsinnig gut gefallen und es ist selbst nach dem x-ten Hören nicht langweilig geworden. Die CD sollte also in keiner Sammlung der Blues- und Bluesrock-Afficinados fehlen.

Für erste Eindrücke könnt ihr auf der Facebook-Seite der Band in ein paar der Songs des Albums rein hören, auf dem Ladentisch liegt sie allerdings erst ab dem 13.09.2019, aber das ist ja schon bald.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Blues/Blues Rock

Tracklist:
01. You Are My Woman
02. Point Of No Return
03. Don’t Go
04. Long Forgotten Nightmare
05. Sweet Mama
06. Nothing But The Blues
07. I’m A King Bee
08. Deadman Walking
09. Here Comes The Rain

Andreas Diehlmann Band
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Dudley Taft – Simple Life – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Mit der dunklen Sonnenbrille, seinem langen Bart und dem schwarzen Cowboy-Hut könnte sich Dudley Taft auch problemlos und stilecht als Gitarrist bei ZZ TOP einfügen, aber vorher hat er noch so einiges auf dem Herzen, das er mit seinem 7. Album „Simple Life“ unbedingt loswerden muss.

Da wäre zum einen die politische Situation in den USA, die Taft auf „In Your Way“ und „Don’t Let Them Get Away“ unverblümt anspricht („There’s no sense I can make/Of this fool without a plan“) und seine Enttäuschung über die Politik der Republikanischen Partei offen zeigt („But it turns out he’s an asshole – a man who’s got no soul“). Zum anderen ist der neue Longplayer auch ein Ausdruck sprudelnder Lebendigkeit, voller Glück und Emotionen.

Der 53-jährige US-Amerikaner aus Washington, D.C. ist mit sich im Reinen und blickt optimistisch in die Zukunft. Vor allem die kleinen alltäglichen Dinge und Erlebnisse, zusammen mit seiner Familie, waren eine Inspirationsquelle für die neuen Songs.

Die CD wird durch den harten Blues-Rock „Give Me A Song“ und dominierende Schlagzeug-Beats eröffnet. Tafts, wie aus einem alten Radio klingende, leicht verzehrte Stimme, wechselt hierbei aus den Strophen in einen melodischen Gesang im Refrain. „I want a simple life“ singt Taft auf dem Blues und Southern-rockigen Titeltrack, der sich von den anderen Stücken textlich nochmals durch seine geradlinige und persönliche Offenheit abhebt. Die fesselnde Blues-Ballade „I Can’t Live Without You“ wird durch ein hingebungsvolles Gitarrensolo des überzeugten Bartträgers stark zu Ende „gebluest“.

Existenziellen Fragen widmet sich Taft auf „Never Fade“ und setzt musikalisch wieder einen Glanzpunkt in Form eines leidenschaftlichen Gitarrensolos. „Pouring Down“ geht musikalisch in die Richtung von Black Stone Cherry, ein guter Mix aus Blues, Hard- und Southern-Rock. „Shine“ führt diesen Weg mit einer zusätzlichen Prise Grunge, als Rückbesinnung zur Musikrichtung seiner Jugend, fort. Ein prägender Song des Albums ist sicherlich das sechsminütige Warren Haynes-Cover „If Heartaches Were Nickels“, auf dem sich Dudley Taft gefühlvoll in die sensiblen Strophen einarbeitet.

Den typischen, rauen Blues-Rock-Stil seiner bisherigen Alben behält er auf „Simple Life“ bei. Die Tracks weisen größtenteils eine ähnliche Struktur auf: markante, harte und gitarrenlastige Blues-Rock Parts werden von melodiösen Refrains abgelöst. Er ist da ein Stück weit vergleichbar mit Stevie Ray Vaughan oder Joe Bonamassa. „Back To You“ zieht den powervollen Schlussstrich unter eine Blues-Rock-Scheibe mit nachdenklichen und auch aufrüttelnden Songtexten.

„Simple Life“ stellt eine intensive Reise durch Dudley Tafts Gefühlswelten dar. Er spricht Themen an, die ihn persönlich bewegen und erfreut sich an den oftmals einfachen und vertrauten Sachen, die Sicherheit geben und glücklich machen können. Die aktuelle Scheibe kommt als anspruchsvolles, tiefgründiges Album rüber, musikalisch und sprachlich ausgefeilt.

Besonders zu erwähnen ist außerdem das sehr schön ausgestaltete CD-Package, das alle Texte und einige Fotos umfasst. Aktuell ist er noch bis Oktober in Europa auf Tour und auch in Deutschland live zu erleben!

Bungalo Records (2019)
Stil: Blues Rock

01. Give Me a Song
02. Simple Life
03. I Can’t Live Without You
04. In Your Way
05. Don’t Let Them Get Away
06. Death By Bliss
07. Bombs Away
08. If Heartaches Were Nickels
09. Never Fade
10. Pouring Down
11. Shine
12. Back To You

Dudley Taft
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m2-music

Arsen Shomakhov – Rain City Blues – CD-Review

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Ein russischer Gitarrist und Songwriter in Kanada, der Blues Rock-Musik macht. Ein echter Geheimtipp? Vielleicht ein zweiter kommender Ilya Toshinsky? Fragen, die mir beim Einlegen der neuen CD von Arsen Shomakhov durch den Kopf schossen.

Mit „Rain City Blues“ bringt er sein bereits viertes Album unter komplett eigener Fahne heraus, vom Titel her eine schöne Metapher, sowohl für die klimatischen Bedingungen, die seinem derzeitigen Wohnort Vancouver nachgesagt werden, als auch über seine musikalischen Präferenzen.

Shomakhov bietet keinen Blues Rock von der Stange, mit dem man die große Masse erreichen kann. Seine ausnahmslos selbst (zum Teil zusammen mit Darrell Mayes) kreierten Stücke, kommen mit einem gewissen (swingenden) Retro-Charme daher, allerdings auch in Verbindung mit experimentierfreudigen, jamartigen Kurzeinlagen oder verschachtelten Stimmungs- und Rhythmuswechseln, die seiner Musik letztendlich einen eigenen Stempel aufsetzen.

Während der shufflige Opener „Full Time Lover“ noch im Zeichen des Gastharpers Aki Kumar steht, setzen sein quirliges E-Gitarrenspiel sowie die Hammond- und Pianoklänge des Produzenten und Multiinstrumentalisten Kid Andersen im weiteren Verlauf die Hauptakzente.

Die gitarrentechnische Versiertheit und Experimentierfreudigkeit Shomakhovs kommt vor allem in den drei Instrumentalstücken „Strolling In San Jose“, „Three Arrows“ und „Hello, Little Bird“ zum Ausdruck.

Als meine Favoriten des Albums entpuppen sich das fröhlich groovende „Sunset Beach“ und das mit einem dezentem Southern Blues-Touch (ZZ Top/Allman Brothers) versehene Titelstück „Rain City Blues“ (irgendwo in der Nähe von „Dust My Broom“ und „Statesboro Blues“).

Der Rest ist eher was für Traditionalisten, deren Neugier aufgrund der oben beschriebenen Attitüden geweckt wird. Aus meiner Sicht, könnte vor allem der recht unscheinbar wirkende Gesang von Arsen Shomakhov, etwas mehr Gift vertragen, wenn man als Solokünstler in diesem hart umkämpften Genre herausstechen möchte…

Eigenproduktion (2019)
Stil: Blues (Rock)

Tracklist:
01. Full Time Lover
02. No More!
03. Sunset Beach
04. Women And Whiskey
05. Strolling In San Jose
06. Rain City Blues
07. Boogaloo
08. Three Arrows
09. Sitting On a Fence
10. Hello, Little Bird

Arsen Shomakhov
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Ryan McGarvey – Support : The Blues Vaccination, 01.09.2019 – Musiekcentrum De Bosuil, Weert, Konzertbericht

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Zu einer in Deutschland eher untypischen Zeit stand ein Konzert des aus Albuquerque stammenden Ryan McGarvey im niederländischen Weert auf dem Programm. Schon um 15:00 Uhr öffneten sich die Türen des schönen Veranstaltungsortes de Bosuil.

Die Wartezeit bis 16 Uhr, wo die Vorband Blues Vaccination beginnen sollte, verkürzten sich die Besucher mit Smalltalk. Einige kamen auch aus Deutschland und ein Hardliner hatte sich sogar von Kent/England auf den Weg in die Niederlande gemacht. Es handelte sich um einen harten Kern von Fans, die Ryan McGarvey auf zahlreichen Konzerten begleiten, in den man direkt integriert war.

Interessant war auch ein Gespräch mit einem aus Düsseldorf stammenden Gitarrentechniker, der ein klein wenig über die Tour und anstrengende Fahrten quer durch Europa (teilweise bis Barcelona zur Bluescruise) berichtete.

Pünktlich um 16:00 Uhr begann die aus der Nähe von Roermond stammende Combo Blues Vaccination mit dem Vorprogramm. Die erst seit kurzen bestehende Band spielte einen bunten Mix verschiedener Interpreten und bewies dabei ihre spielerischen Fähigkeiten. Stephan Bastiaens überzeugte stimmlich bei allen Songs, die Rhythmusfraktion um Erwien Gelen an den Drums und Jules Meffels am Bass sorgte für eine starke Grundlage.

Besonders stark war der treibende Rhythmus zu Joe Bonamassas „Slow Train“. Stark auch der junge Gitarrenhexer Tom Renet, der bei machen Soli kaum zu bremsen war. Aber auch die anderen Songs, wie z.B. „Sloe Gin“ (Tim Curry, aber ebenfalls von Bonamassa performt), oder „Everyday I Have The Blues“ (u. a. B.B. King, Jimi Hendrix) brachte das Quartett souverän auf die Bühne und die Anwesenden sparten nicht mit dem berechtigten Applaus.

Zu der guten Stimmung trug auch bei, dass die Band sehr gut abgemischt war und ihr eine Spielzeit von etwa 70 – 80 Minuten gewährt wurde, was im Umgang mit Vorbands nicht immer der Fall ist. Somit ein Kompliment für den Support. Schön wäre es, wenn sie nach dem Einstieg mit Coversongs, eine Weiterentwicklung mit eigenem Material vollziehen würden.

Nach einer relativ kurzen Umbaupause betraten dann Ryan McGarvey und Band die zunächst spärlich beleuchtete, leicht vernebelte Bühne.  Mit “Right Side Of The Dirt” vom aktuellen Album “Heavy Hearted” legte das Trio gewohnt dynamisch los. Mit Logan Miles Nix und Artha Meadors an seiner Seite scheint der Protagonist mittlerweile sein ideales, prächtig harmonierendes Kollektiv gefunden zu haben, das Ryan mit gekonnten Rhythmusspiel alle Freiheiten für sein exzellentes Gitarrenspiel lieferte. An der druckvollen Gangart änderte sich auch bei den folgenden Songs wenig.

Nach “Little Red Riding Hood” von „The Road Chosen“ folgte mit “Ain’t Enough Whiskey” von “Heavy Hearted” ein Song, der vermutlich die Gefühlslage McGarveys nach dem Verlust seines Vaters widerspiegelte.

Nach „Fading Away”, “Surrendered” und “Pennies” brachte er mit “I Wish I Was Your Man” den Track, welchen er sonst oft zum Konzerteinstieg spielt. Dies zeigt, dass McGarvey immer wieder die Setliste wechselt und nicht, wie bei anderen Acts, ewig dieselben Songs runtergenudelt. Er präsentierte auch einen Querschnitt durch all seine Schaffensphasen, was verdeutlicht, dass sowohl das ältere, wie auch das neue Material für ihn von Bedeutung ist.

Danach legte McGarvey seine E-Gitarre bei Seite und ließ sich die akustische reichen. Dies änderte bei „Six Feet” allerdings nichts an der Dynamik der Songs. Auch akustisch ließt er es zunächst in Begleitung der Band krachen.

Mit der wunderschönen Ballade „My Heart to You” durchwehte ein Hauch von Melancholie das de Bosuil. McGarvey alleine auf der passend moderat illuminierten Bühne bewies, dass in zurückgenommener Art und Weise das Publikum begeistern kann.

Mit „Four Graces”, einem akustischen Inferno, riss er das Publikum anschließend jäh aus allen Träumen. Nach “So Close To Heaven” kam das hart rockende „Memphis“, bei dem sich auch seine Mitstreiter wieder austoben konnten.

Mit dem sphärischen psychedelischen „Mystic Dream“ kam dann das absolute Highlight der Show. Über knapp 10 Minuten entlockte McGarvey seiner Gibson Les Paul Töne und Klangteppiche, die das Publikum immer wieder ins Staunen versetzen. Filigranes Spiel wechselt mit brachialen Passagen, in denen McGarvey einen Belastungstest für alle Regler und Schalter an seiner Gitarre durchzuführen scheint. Es sei vorweggenommen, die Les Paul hat es überlebt und das Publikum war begeistert.

Nachdem das Trio kurz die Bühne verlassen hatte, kam zunächst Logan Miles Nix alleine auf die Bühne, setzte sich hinter sein Schlagzeug und lieferte ein schon in Richtung Hardrock gehendes Drum Solo ab, in das dann Artha Meadors mit seinem Bass einstieg, um den letzten Song „Joyride“ einzuläuten. Dieser wurde in einer ‚Extended Version‘ den Zuschauern vorgetragen, sodass auch Meadors seine Soloeinlage hatte, den Bass am Gurt durch die Luft schleuderte, um ihn am Ende in die Zuschauer zu halten, damit diese die Saiten anschlagen konnten.

Knapp 100 Minuten waren wie im Fluge vergangen und die Erwartungen der Besucher wurden gänzlich erfüllt. Dies lag neben den gut aufgelegten Künstlern auch am differenziert ausgesteuerten Sound, einer abwechslungsreichen Ausleuchtung der Bühne, aber auch am, wie immer freundlichen Personal des de Bosuil und natürlich dem begeisterungsfähigen Publikum.

Nach der Show standen Ryan & Co. noch am Merchandise-Stand, um Smalltalk zu halten und CDs zu signieren.  Ein Dank auch an Manni Küsters und Ryan McGarvey für die problemlose Akkreditierung sowie die Zeit für ein Interview kurz nach dem Konzert, als auch die Möglichkeit, von der, beim Konzert nicht genutzten Empore, fotografieren zu dürfen.

Line-up The Blues Vaccination:
Stephan Bastiaens (lead vocals)
Tom Renet (electric guitar)
Jules Meuffels (bass)
Erwin Gielen (drums)

Line-up Ryan McGarvey:
Ryan McGarvey (lead vocals, guitars)
Artha Meadors (bass)
Logan Miles Nix (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Ryan McGarvey
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Musiekcentrum De Bosuil Weert

J.P. Soars – Let Go Of The Reins – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Mit „Let Go Of The Reins“ löst sich Soars, der auch Mitglied bei Southern Hospitaly (mit Damon Fowler, Victor Wainwright, Chris Peet und Terrance Grayson) war, von seiner Stammbegleitband Red Hoots. Die Inspiration zum neuen Album kam, als Soars auf einer Blues Cruise jammte.

Zusammen mit seinem Red Hots-Wegbegleiter Chris Peet am Bass , sonst eigentlich dessen Drummer und Tab Benoit am Schlagzeug, der das Album auch produzierte, spielten Soars und Mitmusiker das Album in 5 Tagen im Whiskey Bayou Studio ein.

Schon der erste Song, „Been Down So Long“, an Stevie Ray Vaughan reminiszierend, allerdings nicht so brachial wie dieser, kann schon mit harmonischen Instrumenten, toller Interaktion von Gitarre und Hammond Orgel, sowie gesanglich überzeugen. „If You Wanna Get To Heaven“, einer meiner Favoriten des Albums, erinnert vom Rhythmus, aber auch von der Stimme her, an die guten alten BTO.

Das „Freddie King Thing“ führt den Hörer wieder zurück zum musikalischen Thema des ersten Songs. Das härter gespielte „Let Go On The Reins“, mit einem fast durchgängig konstanten Rhythmusspiel, ohne dabei langweilig zu wirken, geht schon eher Richtung Rock mit psychedelischen Einschlägen. „Crow’s Nest“, ein fast schon funkig beginnender Song, der dann aber schnell einen jammenden Charakter entwickelt, stellt als Instrumental, das spielerische Können der Protagonisten in den Vordergrund.

“Lonely Fire“, bei dem etwas Fahrt aus dem Werk genommen wird, entpuppt sich  als eine starke, fast schon träumerisch daher kommende Nummer, mit ganz starken Gitarrenspiel Soars.

Nach der Ruhe des einsamen Feuers, wird es mit „Have Mercy On My Soal“ wieder sehr rockig mit einigen Countryeinschlägen. Schön, wie Soars, je nach Thema der Songs, seine Stimme sehr variabel einsetzt. Mit „Let It Ride“ bleibt Soars auf der Countryschiene, der Besucher von Clubs dieses Einschlags mit Sicherheit begeistern wird.

Im Instrumental „Minor Blues“ zeigt die Band weiter ihre Variabilität. Blues, Swing und Jazz verschmelzen ineinander und es wird eine Barroom-Atmosphäre suggeriert.

„Time To Be Done“ bringt Soars und Band wieder zum ursprünglichen Blues-Thema zurück. Auch hier glänzt Soars mit zum Teil fast schon southern-ähnlichem Gitarrenspiel. Durch den Einsatz der Hammond Orgel erhält der Song eine fulminante Voluminösität.

Zum Abschluss entführt der Protagonist den Zuhörer noch einmal mit dem countryesken „Old Silver Bridge“ in die Weiten der Prärie.

J.P. Soars ist mit „Let Go Of The Reins“ ein hörenswertes, und durch die viele Einflüsse geprägtes, sehr abwechslungsreiches Album gelungen, was unter den Fans der beschriebenen Genres mit Sicherheit seinen Anklang finden wird.

Line Up:
J.P. Soars – Vocals, Electric & Acoustic Guitars, Dobro, Merlin Dulcimer
Chris Peet – Bass Guitar
Tab Benoit – Drums, Pedal Steel Guitar (Track 8), Acoustic Guitar (Track 1), Background Vocals (Track 2)
Tillis Verdin – Hammond Orgel (Tracks 1, 2, 3, 5, 6, 10)

Whiskey Bayou (H’Art) (2019)
Stil: (Southern Soul) Blues Rock

01. Been Down So Long
02. If You Wanna Get To Heaven
03. Freddie King Thing
04. Let Go Of The Reins
05. Crow’s Nest
06. Lonely Fire
07. Have Mercy On My Soal
08. Let It Ride
09. Minor Blues
10. Time To Be Done
11. Old Silver Bridge

J.P. Soars
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Sean Webster Band – 39. Riverboat-Shuffle auf der MS Eureka – 17.08.2019 – Konzertbericht

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Es war vor ein paar Monaten, als vor einem dieser vielen tollen Konzerte im Leverkusener topos, ich erinnere mich nicht mehr genau bei welchem, eine herrliche CD im Vorfeld lief, die sofort meine Aufmerksamkeit auf sich zog.

Auf Nachfrage bei topos-Macher Klemens Kübber stellte sich heraus, dass es sich dabei um das Werk „Leave Your Heart At The Door“ eines gewissen Sean Webster und seiner Band handelte, die, so muss ich zu meiner eigene Schande gestehen, in meinem nun wirklich nicht kleinen Musikwissensspektrum, bis dato, völlig an mir vorübergegangen war.

AQ2A0581„Der hat schon öfter im topos gespielt und wird demnächst bei der traditionell stattfindenden, nächsten 39. Riverboat Shuffle des Trägervereins, mit dabei sein, da könnt ihr ja gerne auch kommen“, konstatierte Klemens in seiner gewohnt hilfsbereiten Art. Und so landeten Gernot und ich dann auch prompt auf der Gästeliste des Briten bei der anstehenden Schifffahrt mit der MS Eureka über den Rhein Richtung Köln und zurück.

AQ2A0065 - KopieLeider hatte es der Wettergott an diesem Tag nicht gut gemeint. Ausgerechnet an diesem Datum hatte sich von morgens an der berühmte linksrheinische Nieselregen nach langer Pause zurückmeldet, und veranlasste, beim Warten in der langen Schlange zum Einlass auf das mit ca. 450 Leuten restlos ausverkauften Boot, zum Öffnen der Regenschirme.

Das Konzept dieses Events sieht vor, dass auf den beiden inneren Decks des Schiffes, jeweils zwei Bands in stündlichen Abfolgen, drei mal parallel spielen, so dass jeder sich seinem Favoriten widmen oder auch alle Acts, zumindest partiell, mitverfolgen konnte. Mit an Bord waren diesmal das Celtic-Folk-Ensemble Garden Of Delight, das Duo Korn & Sauter mit Band und Mr.B.Fetch, sowie die besagte Sean Webster Band.

Nach dem anfänglichen Treiben, samt Platzfindung und Bestellungen, ging es um 19:00 Uhr, noch vor Anker, mit Garden Of Delight und Mr.B. Fetch zum Aufwärmen los. Bei meinem ersten Erkundungsgang hinterließen zumindest die Folkmusiker im Unterdeck mit partiellen Eigenkreationen (z. B. ein Lied über ihre Heimatstadt Offenbach) einen ganz sympathischen Eindruck.

AQ2A0102Ihr Sänger Michael M. Jung erinnerte mich rein äußerlich an den Ex-Rot-Weiss Essen- und Fußball-Nationalspieler Frank Mill, mit langem schütteren grauen Haar allerdings aussehend, wie nach der Rückkehr von einem 3-jährigen Selbstfindungstrip aus einer einsamen Berghütte in den schottischen Highlands. Bei beiden Acts herrschte schon sehr gute Stimmung an Board.

AQ2A0645Spätestens als Webster und seine drei Begleiter, Ruud Gielen an den Drums, Hilbrand Bos an den Keys und der schlaksige Floris Poesse am Bass, nach der Abfahrt um 20:00 Uhr ihren ersten starken Set mit Stücken wie „Give Me The Truth“, „Hands Of Time“, „Slow Dancing“, „Heart Still Bleeds“, „Hear Me Now“ und dem B.B. King-Klassiker „Thrill Has Gone“ vor nur wenigen Interessierten (die teilweise dazu noch despektierlich brabbelten) abgewickelt hatten und die zweite Welle zu rollen begann, offerierte sich, wie der deutsche Michel im Bereich der Ü40-/Ü50-Generation in Sachen Musik zu ticken scheint: Bei aufheiternden Getränken und schönem Ambiente, mutiert er bei Covermusik aus dem bewährten unsäglichen WDR 2-Wiederkäuer-Fundus, zum spät pubertierenden, abtanzenden Feierbiest. Da wird aus dem langsam schon zu rebellieren beginnenden Körper, nochmal alles an Energie herausgeholt, was möglich ist.

AQ2A0287Danach blieb für gute, kreative und eigenständige Blues Rockmusik keine Zeit, da musste dann bei einer Zigarette oder abkühlendem Getränk auf den Außendecks, lieber die einstige Sturm- und Drangzeit oder auch nur die vergangene Arbeitswoche reflektiert werden. Korn & Sauter mit ihren Kollegen fielen übrigens aufgrund der Parallelität zu Webster durchs Bewertungsraster. Bei einer kurzen Stippvisite meinerseits, ließen sie mit einem dieser Alltime-Cover-Nerv-Songs, „Johnny B. Goode“, allerdings auch keine positiven Stimulanzien in meinen Gehörgängen zurück.

So mussten die vier ‚Websteraner‘, die eine neue Live-Scheibe mit im Gepäck hatten, auch in Set 2, diesmal mit Tracks wie dem herrlichen Schwofer „The Mayor“, „C’mon Suzie“, „Broken Man“, einer Mörderversion von „I’d Rather Go Blind“ (was für eine grandiose Gesangsmeisterleistung von Sean!), „I Got The Blues“ und dem herrlichen Keith Urban-Lied „Til The Summer Comes Around“, den Part des Pausenfüllers oder Regenerationsacts für die tanzwütige Mehrheit abgeben. Verkehrte Welt…

Nach der dritten Coverphase aus der Mr.B.Fetch-Hit-Berieselungsmachinerie (zu deren Ehrenrettung muss ich aber gestehen, dass sie einen für ihre Berufung, entsprechend passablen Job erledigten und mit „Couldn’t Get It Right“ von der Climax Blues Band vorher mal eine Überraschung in petto hatten), die ich dann überwiegend am Oberaußendeck zum Begutachten der leuchtenden Kölner Nacht-Skala, samt angestrahltem Kölner Dom, verbracht hatte, musste Sean und sein megastarkes niederländisches Begleittrio (Kompliment an alle drei Musiker!) gegen 0:00 Uhr zur finalen Runde ran, als das Schiff im ‚Heimathafen‘ bereits wieder angelegt hatte.

AQ2A0510Auch hier ließen sich die Burschen von den nur wenigen Musikkundigen, die noch standhaft geblieben waren und noch nicht die Heimreise angetreten hatten, nicht beirren und holten nochmals alles aus sich an Spielfreude heraus. Da wurde u. a. zwischen zünftigen Rockern wie „She Has Got The Devil In Her“ und „You Got To Know“ und dem überragenden „Mr. Highwayman“ (mit Vorstellung und Soli aller Beteiligten und einem furiosen Instrumentalausklang) sowie der John Mayer-Abschlussballade „Gravity“ hin- und hergependelt. Websters großartiger Reibeisengesang und seine hymnischen Les Paul-Soli verursachten weitere diverse Gänsehautmomente.

Insgesamt war es somit eine tolle Riverboat-Shuffle in wunderbarem maritim-musikalischen Ambiente mit einer superben Sean Webster Band samt ihrem absolut sympathischen Leader als dickstem Fisch an der Angel. Der musikalische ‚Beifang‘ ist geschenkt und hierzulande einfach notwendig, um solch besucherintensive und außergewöhnliche Projekte schultern zu können.

AQ2A0596Am Ende versprach mir der Protagonist dann noch, dass er meinen Lieblingssong von ihm aus anfangs erwähnter CD, „Wait Another Day“, der diesmal nicht auf der Agenda stand, bei seinem nächsten Gig im topos aufführen wird. Vielen Dank an Sean Webster, Klemens Kübber und alle Involvierten zur Realisierung dieses Events. Ein toller, nicht alltäglicher Abend!

Sean Webster Band
Sean Webster – Lead vocals, electric guitar
Ruud Gielen – Drums
Hilbrand Bos – Keys
Floris Poesse – Bass

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Sean Webster Band
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Jazz Lev e.V.

Jeff Dale And The South Woodlawners – Blues Power – CD-Review

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Die Amis scheinen wirklich einen Narren an unserem Magazin gefressen zu haben, besonders aus der dortigen Blues-Szene. Diese Woche lagen gleich fünf Exemplare unterschiedlicher Akteure in meinem Briefkasten.

Einer davon ist Jeff Dale, der sich, ich spaße mal, vermutlich, weil er aus dem südlichen Teil Chicagos abstammt, in irgendeiner Form, mit unserem Magazin verbunden fühlt. In seiner Stadt ist er nach vierzig Jahren Leben und Spielen für den Blues eine Institution, hierzulande, behaupte ich mal, werden nur eingefleischte Bluesfans mit seinem Namen was anfangen können.

Nach zwei Alben in den 80er Jahren ist Dale mit den South Woodlawners seit 2009 zugange und hat mittlerweile sechs Platten eingespielt. Produziert hat er sein neues Werk „Blues Power“ zusammen mit Marvin Etzioni (u. a. The Counting Crows, Stephen Stills, Judy Collins).

Was die involvierten Musiker betrifft, muss ich Blues-Banause größtenteils passen, selbst sogar, Asche auf mein Haupt, bei dem Gründungsmitglied von Chicago, Lee Loughnane, der hier bei „Middle Class Moan“ mitplustert.

Lediglich bei den Stücken 8-10 kamen meine grauen Zellen leicht in Wallung, hier sind die Musiker von Hunter And The Dirty Jacks, deren Debüt ich mal vor drei Jahren reviewt hatte, als Unterstützung für Jeff zugange. Ihre eigene Mucke unterscheidet sich allerdings zum hiesigem Treiben enorm.

Die Musik selbst ist dem für die Stadt typischen bläser- und E-gitarrenlastigen Blues auf sehr traditioneller Basis zuzuordnen und, ohne die Metropole zu kennen, wie geschaffen für verräucherte, alkohol-geschwängerte Clubs, falls es heute sowas überhaupt noch gibt.

Meine Favoriten sind der, in Richtung J.J. Grey groovende Opener „Toxic Stew“, die atmosphärischen, mit Streichern versehenen „One Step From A Broken Man“ (Cello) und „Stone Cold“ (tolle Violine) sowie das in J.J. Cale-Manier introvertiert vor sich hin shuffelnde „Black Crow“.

Das Besondere ist vielleicht Dales ziemlich schräg anmutender Gesang (puh, zumindest für meine Gehörgänge), der dem Ganzen eine kauzige, authentische und recht individuelle Note verpasst. Dieser Umstand verleiht der ganzen Sache in jedem Fall Sympathiepunkte. Ich persönlich tue mich, ehrlich gesagt, mit solchem Stoff recht schwer, hier sind am Ende bei „Blues Power“ eher die Puristen, Traditionalisten und wirklichen Kenner der Szene gefragt.

Pro Show Bidness (2019)
Stil: Blues

01. Toxic Stew
02. Good Luck Woman
03. Blues Power
04. Middle Class Moan
05. One Step From A Broken Man
06. Best Kind Of Trouble
07. Stone Cold
08. Let’s Buzz
09. Undercover Man
10. Black Crow
11. Can I Boogie

Jeff Dale And The South Woodlawners
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Beth Hart – 01.07.2019, RuhrCongress, Bochum – Konzertbericht

Beth-haupt

Nachdem der Opening-Act, Kenny Wayne Sheperd mit seinen Mannen, in der mit über 2.000 Zuschauern gefüllten RuhrCongress Halle zu Bochum, eine famose Blues Rock-Show abgeliefert hatte, galt es für die gerade von einer Erkältung genesene Kalifornierin Beth Hart samt ihrer Mitstreiter Jon Nichols, Bob Marinelli und Bill Ransom, als Headliner (in der USA war es ja genau anders herum), in unseren Sphären, dieser hohen Bürde gerecht zu werden.

Die in Los Angeles ansässige Protagonistin, auch bestens bekannt für ihre Zusammenarbeit mit Joe Bonamassa, lief quasi zur Hintertür in die Halle ein und bahnte sich mit „Love Gangster“ somit ihren Weg fast bis zum Ende des Songs, von der hintersten Reihe, mitten durchs Publikum, nach vorne zur Bühne.

Da auch hier nur bei insgesamt drei Tracks zu fotografieren erlaubt war und Gernot samt Fotokollegen ganz seitlich rechts unten in der Halle positioniert waren, und mit „Saved“ und „Baddest Blues“ (Beth erstmals am Piano) zwei nicht allzu lang währende Nummern folgten, war der Fotografier-Spaß von nur recht kurzer Natur bemessen (von daher gibt es diesmal auch nicht ganz so opulente Galerien zu begutachten, Gernot hat aber einen tollen Job gemacht, siehe unten).

Eines ist bei der sich gerne barfüßig bewegenden und kommunikationsfreudig gebenden Künstlerin sicher: auf bei Konzerten vorangegangenen Setlisten, ist kein Verlass. Ähnlich wie bei der Tedeschi Trucks Band, wählt sie meist spontan nach ihrem Gusto, aus dem reichhaltigen Fundus ihrer eigenen Lieder und verehrten Covernummern und mischt diese auch munter durch.

So ging es diesmal weiter von „Don’t Explain“ (schönes Nichols E-Solo), über das karibisch angehauchte „Let’s Get Together“, dem rhythmisch rockigeren „Fat Man“, zur über drei Tracks währenden Akustik-Session. Die wurde mit den beiden Bonamassa-Kooperationen „A Sunday Kind Of Love“ und „If I Tell I Love You“ sowie dem schlafwandlerischen „Lullaby Of The Leaves“, nebeneinander, zu viert sitzend am vorderen Bühnenrand, performt.

Für das atmosphärische „Setting Me Free“ (hymnisches Gitarrensolo von Nichols) und das launige „As Good As It Gets“ kehrte Beth an ihr Piano zurück, bei letztgenanntem mit Schifferklaviereinlagen.

Dass sie es auch an der Akustikklampfe drauf hat, bewies ihre stimmlich von Hauchen und Fauchen umgarnte Solovorstellung bei „Isolation“. Der emotionale Schlussverlauf des Hauptteils mit den, ihrem Ehemann (der sie von ihren Trink-, Drogen- und persönlichen Problemen wieder in die ‚Spur‘ gebracht hat) und ihrem Vater bedachten Songs wie „As Long As I Have A Song“ und „Tell Her You Belong To Me“, löste natürlich Zugaberufe und Beifallsgetrampel aus, es wurde Nachschub einfordert.

Der fiel dann mit dem Trio „Sinner’s Prayer“ (Nichols slidend), „Love Is A Lie“ und der emotionalen Ballade „No Place Like Home“ (Beth alleine am Molltöne verbreitenden Piano im Stile einer Melissa Etheridge),  nochmals ordentlich aus, sodass eine Gesamtspielzeit von 90 Minuten erreicht wurde.

Insgesamt Beth Hart, wie man sie kennt, mit einer gesangsgewaltigen, emotionalen, überwiegend stark auf die charismatische Protagonistin fixierten Show. Leichter Punktsieger an diesem Abend war für mich persönlich allerdings Kenny Wayne Sheperd.

Danke an Jenny Dore von 3Dog Entertainment für die gewohnt unkomplizierte Akkreditierung.

Line-up:
Beth Hart (lead vocals, piano, acoustic guitar)
John Nichols (electric and acoustic guitar, vocals)
Bob Marinelli (bass)
Bill Ransom (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Beth Hart
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RuhrCongress Bochum