Walter Trout – Survivor Blues – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Mit seinem 2017’er spielfreudigen Album „We’re All In This Together“ setzte Walter Trout musikalisch auf bekannte Gastmusiker, denen er die Songs ihrem Stil entsprechend quasi auf den Leib zugeschnitten hatte, ohne seine eigene Virtuosität dahinter zu verstecken. Jetzt, ein gutes Jahr später, heißt sein neuestes Werk „Survivor Blues“. Ein durchaus zweideutiger Name, kann er doch als Anspielung auf seine per Transplantation geheilte lebensbedrohliche Lebererkrankung aufgefasst werden.

Oder aber als Hinweis, dass gute Bluessongs immer überleben. Schließlich widmet sich Trout auf seiner neuesten CD weniger oft gehörten oder gespielten Juwelen des Bluesgenres, wobei er die Klassiker nicht einfach nur gecovert hat (das würde sicherlich auch nicht seinem Anspruch an die eigene Musikalität entsprechen). Vielmehr hat Trout sie liebevoll neu arrangiert und in ein moderneres Gewand gekleidet.

So finden sich auf dem Album Titel des Mississippi-Bluesers Jimmy Dawkins („Me My Guitar And The Blues“) oder Sunnyland Slim, einem dem Delta-Blues verschriebenen Pianisten („Be Careful How You Vote“). Des Weiteren ist jeweils eine Nummer von Luther Johnson („Woman Don’t Lie“) und Hound Dog Taylor („Sadie“) auf dem Langspieler vertreten. Auch ein Titel seines Mentors, Lehrmeisters und Freundes John Mayall („Nature’s Disappearing“) darf natürlich nicht fehlen. Dazu gesellen sich zudem noch Songs von Otis Rush („It Takes Time“), Mississippi Fred McDowell (Goin’ Down To The River“) und J.B. Lenoir („God’s Word“).

Bei den Arrangements verzichtete Trout vielfach auf die im Original vorkommenden schwelenden Keyboard-Soundteppiche und ersetzte sie durch frische Klänge aus der Bluesharp. Der so erzeugte klarere Sound katapultiert die Tracks in die Jetztzeit, so z. B. „Me My Guitar and The Blues“ und der Stampfer „Be Careful How You Vote“. Auch das ruhigere, im Original traditionellere „Woman Don’t Lie“ präsentiert sich hier im raueren Chicago-Stil, wobei die Originalversion etwas gefälliger daher kommt. Aber das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Die beste Interpretation ist jedoch nach Ansicht des Rezensenten John Mayalls 1970’er umweltkritischer Song „Nature’s Disappearing“. Hier stimmt einfach alles, ein frischerer Sound und auch gesanglich eine Verbeugung vor dem Großmeister des weißen Blues.

Eingespielt hat Trout sein neues Werk in Robbie Kriegers Studio, dem ehemaligen Gitarristen der Doors. In „Goin’ Down To The River“ ist er sogar als Gastmusiker zu hören. Ansonsten setzt sich Walter Trouts Band auf dieser CD aus Johnny Griparic am Bass, Skip Edwards an den Keys und Walters langjährigem Drummer Michael Leasure zusammen. Das erklärte Ziel der Musiker war, die alten Songs nicht einfach nur nachzuspielen, sondern in die heutige Zeit zu transferieren. Das ist der Truppe um Walter Trout mit diesem hörenswerten Album absolut gelungen.

Nach eigenem Bekunden durchlebt er im Moment die beste Zeit seines Lebens. Man darf also jetzt schon gespannt sein, mit welchem Projekt der Bluesrock-Titan Walter Trout demnächst aufwartet.

Provogue – Mascot Label Group – (2019)
Stil: Blues Rock

01. Me My Guitar and The Blues
02. Be Careful How You Vote
03. Woman Don’t Lie ( feat. Sugaray Rayford)
04. Sadie
05. Please Love Me
06. Nature’s Disappearing
07. Red Sun
08. Something Inside Of Me
09. It Takes Time
10. Out Of Bad Luck
11. Goin’ Down To The River (feat. Robby Krieger)
12. God’s Word

Walter Trout
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Netinfect Promotion

 

Vanesa Harbek & Band – 18.01.2019, blues, Rhede – Konzertbericht

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Es war bereits 21:20 als André Knoch seine Gäste zum ersten Konzert 2019 begrüßte. „Wir freuen uns heute auf die Bluesqueen aus Argentinien, unsere erste Künstlerin aus Südamerika“, sagte er und überließ der Band die Bühne.

Vanesa Harbek, in ihrem gewohnten Bühnenoutfit mit Netzstrümpfen und glitzernden Hotpants, legte sofort los mit „Hide Away“ von Freddy King, das stark nach der Version von John Mayalls Bluesbreakers und Eric Clapton klang. Blues Rock mit heftigem Rhythmus und dicht am Original. Bedauerlich, dass sich noch nicht sehr viele Gäste eingefunden hatten, nur gut 30 Leute standen an den Tischen.

Unbeeindruckt davon ging es mit einer starken Gitarre und dem „Rooster Blues“ von Lightnin’ Slim weiter. Zu ihrer Besonderheit gehört auch der Gang durch das Publikum mit ihrer Gitarre. Mit einem „Gracias“ bedankte sie sich für jeden Applaus.

Aber sie hatte nicht nur englische Bluesklassiker im Gepäck. Mit „Vuelvo Al Sur“ spielte sie einen klassischen Tango aus ihrer Heimat im Bluesgewand. Als sie nach nur 35 Minuten eine Pause ankündigte war das schon überraschend früh.

Die Pause nutzte ich, um etwas mehr über die Künstlerin zu erfahren. Vanesa Harbek stammt aus Buenos Aires in Argentinien. Sie hat deutsche und jugoslawische Großeltern. Deshalb schickte ihr Vater sie auf eine deutsche Schule. Daher spricht sie recht gut deutsch. im Alter von sechs Jahren lernte sie Klavier spielen. Mit 12 hörte sie das erste mal Eric Clapton und es war um sie geschehen.

Jetzt wollte sie nur noch Blues auf der Gitarre spielen. Ihre Eltern unterstützten das. Später studierte Vanesa Klassische Komposition. Ihre musikalischen Vorbilder sind neben Mr. Slowhand auch  Albert Collins, Freddy King und Randy Weston. Sie mag Jazz und Tango und hat eine Vorliebe, diese drei Stilrichtungen zu mischen. Mittlerweile lebt sie seit zwei Jahren in Berlin und tourt mit ihrer Band durch Europa.

Nach der Pause waren bekannte Klassiker mit dabei wie unter anderem „Thore Down“ (Freddy King), „Hit The Road Jack“ (Ray Charles) und „Oye Como Va“ von Santana. Im zweiten Teil hatte ihr Bassist Lukasz Gorczyca die Gelegenheit, bei zwei längeren Bass-Soli, sein Können zu zeigen. Ihre Bandmitglieder gaben eine guten Rhythmus vor, blieben insgesamt aber etwas blass. Später gab es mit “Vanesca Tango“ noch ein eigenes Lied .

Die Musik stammt vom Bassisten, der Text von Vanesa Harbek. Hier mischte sich gekonnt viel Tango mit etwas Blues. Leidenschaftlich vorgetragen mit vielen rollenden Rs und sehr intensiven Gitarren-Soli.

Insgesamt ein sehr rockiger Abend mit einem leidenschaftlichen Rhythmus, dem sich niemand entziehen konnte. Rundherum wippten Füße und Köpfe im Takt mit. Leider war auch dieser zweite Teil wieder nur 35 Minuten lang. Das ist doch sehr kurz. Nach der Zugabe verabschiedete sie sich mit „Muchas gracias“.

Line-up:
Vanesa Harbek (lead vocals, guitars)
Lukasz Gorczyca (bass)
Tomek Dominik (drums)

Text und Bilder: Martina Middeke

Vanesa Harbek
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Blues Rhede

Henrik Freischlader – 11.01.2019, Alte Molkerei, Bocholt – Konzertbericht

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Im Rahmen der aktuellen „Old School“-Tour machte Henrik Freischlader mit seiner Band auch Halt in Bocholt. Im gemütlichen Foyer der Kulturstätte Alte Molkerei, mit Bar und diversen Ausstellungsbildern an den Wänden, hatten sich schon einige Fans zum Klönen eingefunden. Um kurz vor Neun füllte sich die Halle dann relativ schnell. Der verantwortlichen Kulturinitiative ist es gelungen ein kleines Schmuckstück für Konzerte dieser Größenordnung zu bieten, denn  jeder der Besucher hatte durch den mehrstufigen und tribünenartigen Aufbau, einen tollen Blick auf die gut ausgeleuchtete Bühne.

Mit sichtlichem Stolz kündigte der Veranstalter püntklich um neun Uhr an, dass es endlich, nach mehrmaligen Versuchen in den letzten fünf Jahren, gelungen ist, einen Termin zu finden, an dem der aus Wuppertal stammende Bluesmusiker, auch der Alten Molkerei endlich mal einen Besuch abstattet.

Ein sichtlich gut aufgelegter Henrik Freischlader betrat mit seinen Mitstreitern die Bühne und fragte in seiner charmanten Art, wie es den Leuten geht, wünschte noch einmal alles Gute für das neue Jahr und kündigte direkt an, dass er einiges aus dem aktuellen Album „Hands On The Puzzle“ promoten werde.

Diesen Ausdruck benutzte er augenzwinkernd, da er nach dem Konzert einiges auf CD, aber auch richtig  ‚oldschool‘ auf Vinyl anzubieten habe. Doch damit genug der Vorrede.

Mit „Community, Imunitty“ und „Love Straight“ bot die Band zu Beginn direkt zwei Songs vom aktuellen Tonträger, welche eher ruhig, swingend und mit einem Hauch von Jazz daherkamen. Auffällig war das sehr harmonisch aufeinander abgestimmte Gitarren- und Saxofonspiel. Hier geht Freischlader mit dem derzeitigen Werk scheinbar bewusst auch etwas neue Wege, was beim Publikum aber sichtbar gut ankam.

Mit „Too Cool For Me“ legte Freischlader dann eine für ihn typische Bluesnummer von „Get Closer“ nach. Schmunzelnd merkte er bei der Anmoderation an, dass dieser tolle Song eigentlich nie ein Hit war. Vielleicht ist es auch gut so, dass Freischlader nie den Weg des radiotauglichen Mainstreams gegangen ist und somit nicht im Moloch der auswechselbaren Musiker landete.

Mit diesem ‚Nichthit‘ nahm das Konzert an Fahrt auf und Freischlader legte mit „Master Plan“ aus dem Jahr 2016 direkt einen Song aus „Openess“ nach, in dem er das Publikum zum Mitsingen und Klatschen einlud. Dem wurde gerne nachgegangen. und es entwickelte sich eine schöne Interaktion zwischen Bühne und Audienz. Henrik merkte am Ende des Tracks über sich selbst an, wie schwer es ihm persönlich fällt, bei anderen Konzerten mitzusingen.

Mit „Cuttin‘ In“ von Johnny Guitar Watson folgte eine von insgesamt drei Covernummern, die er gekonnt in seine eigenen Songs einbettete. Nach diesem Intermezzo alter Stücke widmeten sich Henrik und seine Mitstreiter, bis auf die beiden letzten Lieder, nur noch dem aktuellen Longplayer, welcher somit fast komplett vorgestellt wurde. Für meinen Geschmack kamen die Songs live auch mit mehr Pep rüber, was ich persönlich als sehr positiv empfand.

Die folgenden Songs „Share Your Money“ „Rat Race Carousel“, “Those Strings”, “Animal Torture”, “I Don`t Work” und “Winding Stair” bot das Quintett in einer begeisternden Form, wobei Freischlader an der Gitarre und Marco Zügner am Saxophon sich entweder die Melodien gegenseitig ‚zuschmissen‘ oder gemeinsam im Einklang darboten. Dieses Interagieren der beiden Instrumente stand sowohl visuell im Vordergrund (da sich die beiden Musiker auf der Bühne auch meist vorn im Rampenlicht bewegten), wie auch auditiv, da dieses Zusammenspiel eine Art musikalisches Skelett des neuen Albums darstellt.

Das bedeutete aber nicht, dass die drei restlichen Musiker hinten anstehen mussten. Moritz Meinschäfer am Schlagzeug, Armin Alic am Bass und Roman Babik an den Keyboards hatten genügend Zeit, in kürzeren oder auch längeren Soloeinlagen, ihr spielerisches Können unter Beweis zu stellen.

Beim letzten Song, einem weiteren Johnny Guitar Watson-Cover. “Ain’t That A Bitch”, stellte Henrik in seiner angenehmen Art noch einmal einen Zusammenhang zu „I Don’t Work“ her, insofern, dass Arbeit manchmal die sprichwörtliche ‚Bitch‘ sei. Er und seine Bandkollegen sehen ihr Treiben allerdings auf der Bühne nicht als Arbeit, da ihnen auch dieser Abend sichtlich Spaß machte. Bei diesem Song glänzten alle Musiker mit diversen Soli, wobei das ausladende Gitarrensolo des Hauptprotagonisten in seiner Intensität und Variabilität schon beeindruckend war.

Jeder Abend geht leider einmal zu Ende. Das Quintett ließ sich, nachdem es die Bühne verlassen hatte, jedoch  nicht lange bitten, um als Zugabe noch eine Version der Extraklasse des Donny Hathaway-Klassikers “I Love You More Than You’ll Ever Know” nachzulegen. Das Publikum war restlos begeistert. Nach ziemlich genau zwei Stunden abwechslungsreicher Blues Rock-Musik war dann endgültig Schluss. Freischlader verlegte den Verkauf der Merchandise-Artikel dann kurzerhand auf die Bühne, wo zudem mit der  gesamten Band gefachsimpelt und diverse Musikträger unterzeichnet wurden.

Fazit: Freischlader und Band konnten das bluesbegeisterte Publikum in der Alten Molkerei in Bocholt absolut zufrieden stellen und offerierten, dass ein Liveerlebnis doch ganz andere Dimensionen hat, als ein im Studio abgemischtes Album zu Hause zu hören. Einen gehörigen Anteil hatte auch die ausgesprochen schönen Location samt ihrem zuvorkommenden Personal.

Ein in allen Punkten gelungener Abend hatte so einen schönen Abschluss gefunden. Fans handgemachter Bluesmusik kann nur geraten werden zu schauen, ob Konzerttermine der Freischlader Band auch in deren Nähe zu finden sind. Nähe kann manchmal dabei auch relativ gesehen werden, ich erinnere mich an den Fan, mit dem ich nach dem Konzert ein nettes Gespräch hatte, der eigens hierfür aus Alkmaar angereist war, um später hocherfreut die Rückfahrt anzutreten.

Solange es solch einen Typus Mensch noch gibt, braucht man sich über Livemusik keine Sorgen zu machen. In dem Sinne, besucht weiter Konzerte! Mein Dank an Florence Miller für die, wie immer, unproblematische Akkreditierung.

Line-up:
Henrik Freischlader (lead vocals, electric guitar)
Roman Babik (keys)
Armin Alic (bass)
Moritz Meinschäfer (drums)
Marco Zügner (saxophone)

Text+Bilder: Gernot Mangold

Henrik Freischlader
Florence Miller Agency bei Facebook
Alte Molkerei Bocholt

Chris O’Leary – 7 Minutes Late – CD-Review und Gewinnspiel

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Der aus Mount Vernon, New York, stammende Chris O‘Leary, dürfte in unserem Lande vermutlich nur Blues-Insidern bekannt sein. Mit „7 Minutes Late“ veröffentlicht er jetzt sein 5. Album, neben einer Live-Scheibe, sein 4. Studiowerk.

Americana-Fans könnte er vielleicht durch die Mitwirkung in Levon Helms Begleittruppe The Barnburnes eventuell geläufig, sein. Hier war er immerhin sechs Jahre für den 2012 verstorbenen Mitbegründer von The Band tätig.

Chris O‘Leary hat sich in eigener Sache (mittlerweile ohne den Zusatz ‚Band‘ firmierend) mit Haut und Haaren dem Blues der guten alten Schule verschrieben, allerdings mit all seinen unterschiedlichen Facetten. Als passionierter Harpspieler werden natürlich unweigerlich Assoziationen in Richtung von Akteuren wie James Cotton, Howlin‘ Wolf oder Paul Butterfield geweckt.

Der 12 Stücke umfassende Neuling ist vom Rhythm ‘n Blues-lastigen Opener „What The Devil Make Me Do“ (hätte auch gut in den legendären Blues Brothers-Film integriert werden können) bis zum finalen Slowblues “Daddy’s Here” (mein persönlicher Favorit) ein Sammelsurium an Untersektionen des Genres wie u. a. Barroom Blues („Your Day Will Come“), Texas Blues („One More Chance To Love“), Delta Blues („She Ain’t Coming Back“), Southern Swing-Blues („Circus Left Town“ – mit ABB-ähnlichem E-Gitarrensolo), Soul Blues (“Unbelievable”), klassischer Harp Blues (“Bones”) oder bluesiger Dixieland (“Crazy“).

Sämtliche Stücke sind sehr ausführlich und intensiv instrumentiert und werden nach sich anbahnendem Ende meist noch weiter verlängert, was sich bei O’Leary so als kleines Stilmittel zu erweisen scheint. Sicherlich auch ein Zeichen für die spürbare Spielfreude der Beteiligten im Studio wie Andrei Korbanics (drums, percussion), Matt Raymond (bass), Peter Hopkinson (guitar), Greg Gumpel (guitar, mandolin, bgv), Jeremy Baum,(keys), Andy Stahl (tenor sax, bgv), Chris Difrancesco (baritone, alto, tenor sax, clarinet, bgv) und Gästen wie Jimmy Voegli (keys), Pete Kanaras (guitar) sowie Chris Vitarello (guitar).

Produziert haben Ben Elliott (Savoy Brown, Hubert Sumlin, Sean Chambers) und der Protagonist Chris O’Leary selbst, der von der Intensität seiner Stimme her an einen Malford Milligan (Storyville, Big Cat) erinnert. Ohne O’Leary je performen gesehen zu haben, würde ich live auf eine echte ‚Rampensau‘ tippen.

Der Titelsong „7 Minutes Late“ (als einziger textlich abgedruckt) ist ein atmosphärisch ziemlich bedrückender Blues mit beklemmendem Ende, den depressiv veranlagte Menschen vor allem in dieser Jahreszeit nicht unbedingt als Lieblingstrack auswählen sollten.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, heiß es in einer Redensart. „7 Minutes Late“ von Chris O’Leary kann ab dem 18.01.2019 käuflich erworben werden. Blues-Traditionalisten sollten den Termin und Erwerb nicht verpassen.

American Showplace Music (2019)
Stil: Blues & More

01. What The Devil Made Me Do
02. Your Day Will Come
03. One More Chance At Love
04. Second Time Around
05. She Ain’t Coming Back
06. Circus Just Left Town
07. Seven Minutes Late
08. Unbelievable
09. Bones
10. Heartbreak Waiting To Happen
11. Driving Me Crazy
12. Daddy’s Here

In Zusammenarbeit mit American Showplace Music verlosen wir ein Exemplar dieser CD.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

In welcher Band hat Chris O’Leary sechs Jahre lang mitgewirkt?

a) Levon Hat & The Barnburners
b) Levon Helm & The Barnburners
c) Levon Cap & The Barnburners

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 18.01.2019 an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern eine/n Gewinner/in aus, der/die dann umgehend benachrichtigt und mit der CD beliefert wird.

Chris O’Leary
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American Showplace Music

Shaw Davis & The Black Ties – Tales From The West – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Nach der Debütplatte ist „Tales From The West“ das zweite Werk des 2016 gegründeten Trios um den Fronter Shaw Davis. Hierzulande ist das Powertrio ein noch unbeschriebenes Blatt, 2017 gewannen es die South Florida Blues Challange und das Blues Magazine sprach bei Davis sogar von einem neuen jungen Gitarrenhelden, an dem man noch viel Spaß haben werde. Erste Lorbeeren konnte sich die Band schon im Vorprogramm bekannter Größen, wie Mike ZitoAlbert Castiglia oder Matt Schofield einheimsen.

Nun aber zum aktuellen Album. Wie schon die Vorbilder Jimmy Hendrix und Stevie Ray Vaughan – nur um zwei zu nennen – es erahnen lassen, spielt die Band einen eher rauen, härteren Stil des Blues.

Der Opener offeriert sofort schon, dass Davis & Co. nicht im Mainstream einzuordnen sind. In „Take My Hand“ gelingt es der Band wavige, zum Teil psychedelische Züge einfließen zu lassen, wobei sich rasante Parts mit eher ruhigeren Gesangspassagen abwechseln.

Mutig ist das Zappa-Cover „Willie The Pimp“, welches in einem harten, schleppenden Blues-Stil präsentiert wird. Davis‘ prägnante, aber auch sehr klare Stimme und mehrere E-Gitarrensoli, entweder klar im Vordergrund oder aber im Hintergrund, geben dem Song eine ordentliche Strahlkraft. Bobby van Stone an den Drums und Patrick Stevenson am Bass legen wie in allen Songs eine starke Rhythmusgrundlage für das schnörkellose, oft ins psychedelische abdriftende Gitarrenspiel des Protagonisten.

Im Titelsong „Tales From The West“ fühlt man sich zunächst an die legendären Doors erinnert, wobei das Gewand auch durch Southern Rock-ähnelnde Intermezzi einen modernen erfrischenden Touch erhält.

Das rockig fetzige „Mamma Told Me“ lässt den oft rohen, harten Bluesstil eines Stevie Ray Vaughans wieder aufleben, ohne dass das Gefühl aufkommt, es würde sich um einen Abklatsch handeln. Interessant dabei der Beginn des Gitarrensolos zum Ende des Songs, welches sich aus dem Rhythmus von „Hey Joe“, des damaligen Gitarrengottes Jimmy Hendrix, entwickelt.

Das folgenden „Fire Inside“ ist stilistisch eine logische Folge des Vorgängers, mit Reminiszenzen an sein  „Crosstown Traffic“ , allerdings hier moderner und härter gespielt.

„Know Where You Been“ mit klassischer Bluesuntermalung und starken Soli, lässt erahnen, warum von einem neuen jungen Gitarrenhelden gesprochen wird.

Im, wie der Name es schon verlauten lässt, groovenden „Atomic Groove“, geht es insbesondere im Mittelpart wieder leicht psychedelisch zu, wobei der Blues aber, wie in allen Tracks das Grundgerüst bildet.

Das Junior Kimbrough-Cover „I Gotta Try You Girl“ behält trotz vieler Tempowechsel innerhalb eines Songs seine Homogenität.

Das abschließende „My Friend“, ein zunächst sehr ruhiges Lied, holt den Zuhörer wieder auf den Boden zurück, um diesen dann aber mit fulminanten Soli jäh aus allen Träumen zu reißen.

Liebhaber von Blues-Musik mit rauer E-Gitarrenkunst werden an diesem Album mit Sicherheit Gefallen finden. Positiv zu vermerken ist auch das Stimmvolumen des Fronters, da es oft genug starke Gitarristen gibt, bei denen die Vocals nicht mit ihrer Instrumentenfertigkeit Schritt halten können.

Wenn Shaw Davis & The Black Ties mal den Sprung über den Teich wagen sollten, ist davon auszugehen, dass die Besucher sich auf furiose Blues Rock-Unterhaltung mit viel Spielraum für Improvisationen einstellen können.

Shaw Davis – Gitarre, Vocals
Bobby van Stone – Drums/Percussion
Patrick Stevenson – Bass, Vocals

Grooveyard Records (2018)
Stil: Hard Rock

Tracks:
01. Take My Hand
02. Willie The Pimp
03. Tales From The West
04. Mamma Told Me
05. Fire Inside
06. Know Where You Been
07. Atomic Groove
08. I Gotta Try You Girl
09. My Friend

Shaw Davies & The Black Ties
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Katie Henry – High Road – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Die nächste junge Blues-Front-Frau veröffentlicht ihre Debüt-LP und liefert damit eine bemerkenswerte Eigenproduktion ab. Nachdem in Sounds of South bereits regelmäßig Blues-Women präsentiert wurden – u.a. Jessy Martens, Sari Schorr, Dana Fuchs, Beth Hart oder Rachelle Coba – kommt nun die US-Amerikanerin Katie Henry erstmals dazu.

Als Produzent für die Debüt-Scheibe war der erfahrene Studiomusiker John Ginty beteiligt. Dieser durfte bereits auf Alben von Santana, Warren Haynes oder den Punkern von Bad Religion mitwirken und in der Robert Randolph Family Band eigene spielerische Akzente am Keyboard setzen. Aufgenommen wurde „High Road“ im American Showplace Studio von Ben Elliott (Eric Clapton, Keith Richards). Namhafte Gastmusiker sind ebenfalls vertreten, mit Marcus Randolph, Anthony Krizan (Spin Doctors) und Billy Harvey.

Das Grundgerüst für ein sehr gutes Album ist also schon einmal vorhanden und Katie Henry geht sogleich sehr zielstrebig zur Sache. Der erst ein wenig bizarr klingende Orgel Sound auf „Nowhere Fast“ ergänzt sich perfekt mit Katies Gitarrenspiel und ergibt einen beat-getriebenen, schnörkellosen Blues-Song. Auf dem gospeligen „Chapels“ wird sie einprägsam von Marcus Randolph (Family Band) an der Pedal Steel Gitarre begleitet.

Das Titelstück „High Road“ lässt Katies ausdrucksstarke Blues- und Soul-Stimme noch stärker in den Vordergrund treten, als bei den anderen Tracks. Die Musik ist dafür minimalistischer mit einem eher moderaten Rhythmus ausgestaltet und Bill Harvey (Patti Griffin Band) unterstützt an einigen Stellen den Gesangspart. Waren die bisherigen Tracks weitestgehend geradlinig produziert, so ist der Slow Blues „Carry You“ mit seinen knapp 7 Minuten ein Song, der als Glanzstück des Albums herausragt. Das soulige „Gypsy Sister“ könnte auch eine Maroon 5 Nummer sein, aber das harte Gitarrensolo zum Ende hin, zeigt, dass Katie Henry auch den Blues-Rock beherrscht.

Auch auf „Roll Away“ spielt die US-Blues-Frau leidenschaftlich mit dem Refrain und lässt das ebenso starke „Takes a Lot“ als Abschlusstrack nochmals funkig in einem powervollen Gitarrenjam aufleben. Hervorzuheben ist die vielseitig versierte Band, die Katies Songs, in denen sie viele persönliche Erfahrungen schildert („Nothing To Lose“, „Someday“), sehr wirkungsvoll spielt.

„High Road“ ist ein modernes, zeitgemäßes Blues-Album, das den traditionellen Blues-Stil bewahrt und gleichzeitig frische, lebendige Sounds einfließen lässt. Mit „High Road“ befindet sich Katie Henry auch musikalisch voll auf der Überholspur!

Eigenproduktion (2018)
Stil: Blues Rock

Tracklist:
01. Nowhere Fast
02. Nothing to Lose
03. Chapels
04. High Road
05. Carry You
06. Gypsy Sister
07. Dead Man’s Hands
08. Someday
09. Roll Away
10. Takes a Lot

Katie Henry
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Robben Ford – Purple House – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Für sein neues Album „Purple House“ hat sich der US-amerikanische Fusiongitarrist und Sänger Robben Ford drei Jahre Zeit gelassen. Sein letztes Album „Into The Sun“ erreichte einen beachtenswerten Platz 2 in den Billboard Blues Charts. Immerhin hatte er sich ja auch u. a. so prominente Gastmusiker wie Warren Haynes, Keb’ Mo‘ und Sonny Landreth für das Album um sich geschart.

Umso gespannter war ich jetzt natürlich auf sein neuestes Werk. Robben Ford spielt hier ganz souverän mit Einflüssen aus Soul, Jazz und Blues und arrangiert diese zu teilweise recht funkigen Stücken. Seine musikalische Herkunft als Fusiongitarrist tritt in all seinen Songs unverkennbar zu Tage. Miles Davis, Chick Corea und B. B. King, mit denen er schon für mehrere Projekte zusammengespielt hat, haben in seiner Musik eben ihre Spuren hinterlassen, was absolut positiv zu verstehen ist.

Vielmehr greift er deren Stilelemente auf, variiert sie geschickt und gibt so seinen Songs, zusammen mit seiner stets präsenten Stimme, einen eigenen unverwechselbaren Charakter. Insgesamt besticht Robben Ford auf seiner neuen CD als ein Gitarrist, der es immer wieder schaff,t seinem Instrument einen bemerkenswert klaren Sound zu entlocken.

Gleich der erste Track seines Albums „Tangle With Ya“ beginnt mit einer kraftvollen Schlagzeugperformance während im Folgenden soulige Gebläsesätze und funkige Backgroundvocals den treibenden Rhythmus aufrecht erhalten. Die musikalische Ausrichtung des Longplayers ist damit vorgegeben und setzt sich mit „Bound For Glory“, „Cotton Candy“ (schöne, pfundige Basslinie) und „Somebody’s Fool“ fort, wobei der letzt genannte Track eine durchaus etwas härtere Gangart anschlägt.

Wahre Ohrwurmqualitäten besitzt das relaxte „What I Haven’t Done“, getragen von Robben Fords einprägsamen, balladenhaften Gesang, angereichert mit fein arrangierten Bläser-Akzenten. Fürs Chillen nach einem anstrengenden Tag bieten sich „Empty Handed“ (ein verträumter Slowblues mit leicht verhallten und sphärischen Klangbildern), das sehr melodiöse und leicht jazzig-soulige „Wild Honey“ sowie „Break In The Chain“ mit countryartigem Intro im Singer/Songwriter-Stil an, wobei Bluessängerin Shemekia Copeland, ganz in der Tradition von Koko Taylor und Etta James, eine äußerst harmonische gesangliche Verstärkung bietet.

„Purple House“ ist also keine reinrassige Bluesscheibe, da Robben Fords Musikstil sehr stark von Soul-, Funk- und Jazz-Einflüssen geprägt ist. Sie bietet aber schön arrangierte Stücke, die man/frau sich immer wieder gern anhören wird.

earMUSIC (2018)
Stil: Blues, Fusion

Tracks:
01. Tangle With Ya
02. What I Haven’t Done
03. Empty Handed
04. Bound For Glory
05. Break In The Chain
06. Wild Honey
07. Cotton Candy
08. Somebody’s Fool
09. Willing To Wait

Robben Ford
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Networking Media

Eamonn McCormack – 25.11.2018, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Im Rahmen seiner Herbst- Tour machte Eamonn McCormack Halt in Köln. Leider scheint der sympathische Ire dem Kölner Publikum kein Begriff zu sein, da der Besuch ausbaufähig ist. Schön ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass der Manager des Yard Clubs, Marcus Neu, wegen der Fähigkeiten des mittlerweile 56 jährigen McCormack, auch in Zukunft Konzerte mit plant, da er den Grundsatz lebt, dass Qualität sich letztendlich durchsetzt. Eben diese war an diesem Abend zur Genüge vorhanden.

Pünktlich um 20:15 Uhr betrat McCormack mit seiner Band die Bühne in klassischer Blues-Besetzung mit Gitarre, Bass und Schlagzeug, um mit „From Town To Town“ die Anwesenden auf eine Reise durch den irisch-keltischen Blues zu nehmen, wie er seinen Stil in einem Gespräch nach dem Konzert definierte. Schon beim Opener war seine Affinität zu seinem Vorbild, dem legendären Rory Gallagher, zu erkennen. Gradliniger, zuweilen ungezügelter Blues Rock ohne irgendwelche Effekthascherei, vorgetragen von einem McCormack in Höchstform, mit einer unvergleichlichen Spielfreude, die letztendlich in ein fast zweieinhalbstündiges Konzert mündete, das die leider zu wenig Anwesenden sprichwörtlich von den Hockern der aufgestellten Stehtische riss.

Einen großem Anteil daran hatten auch seine beiden Begleitmusiker, Eddy Karg am Bass und Max Jung Poppe an den Drums, die mit ihrer starken Rhythmusarbeit, die Grundlage für viele Uptempo- bis Highspeed-Soli McCormacks lieferten.

Nach einigen Songs gelang McCormack vom Aufbau des Konzertes her ein kleiner Geniestreich. Direkt nach „Missing You“ folgte mit „Calling Card“ einer der großen Gallagher-Klassiker. Spätestens jetzt hatte er alle Anwesenden in seinen Bann gezogen, die teils mittanzend oder nur still genießend, den stark arrangierten Liedern folgten.

Danach kamen mit „Funky Town“ und „Rock Me Baby“ zwei Stücke von „Kindred Spirits“, einem zu empfehlenden Album, mit in den 90er Jahren aufgenommenen Liedern, in welchen er von schillernden Größen wie Rory Gallagher, Jan Akkerman, Hermann Brood und Keith Donald unterstützt wurde.

An das klassische Blues-Stück „Nite In The Life Of An Old Blues Singer“ wurde ein Medley aus alten Rock’n’Roll-Highlights angeschlossenf, bei dem die Band bewies, dass Blues und Rock schön miteinander verknüpft werden können.

Nach  „When You Cross The Line“ und „Heal My Faith“, in guter alter Gallagher-Manier vorgetragen, kam es zu einem kurzen Bruch im sonst vor Dynamik strotzenden Konzert. Poppe und Karg verließen die Bühne und Eamonn performte mit der Akkustikgittarre und Harp zwei sehr gefühlvolle Tracks. Einer fast rührenden Version des Hendrix Klassikers „Angel“ folgte mit „No Airs And Graces“ eine Hommage an sein Vorbild Gallagher. Bis auf zwei Besucher, die sich munter unterhielten, hörten alle verträumt zu, was eine der  Anwesenden dazu veranlasste, sie sprichwörtlich zusammenzustauchen.

Danach war bis auf das schöne Gitarrenspiel, den harmonischen Gesang und eingestreute Harpklänge nichts mehr zu hören. Manches regelt sich auch oft, wenn mal ein Machtwort gesprochen wird…

Mit „That’s Rock’N’Roll“ nahm das Konzert wieder Fahrt auf, um mit dem Instrumental „Mystica“ stilistisch kurz vom Blues der Marke Gallagher abzuweichen. Augen zu und man hätte meinen können, Gary Moore hätte mit auf der Bühne gestanden!

“Internet Star”, “Lousy Day” und “Down And Out” wurden in bewährter Manier vorgetragen, wobei sich McCormack bei einem Lied durchs Publikum bewegte, und scheinbar für jeden Einzelnen ein paar Noten spielte, um mit einer Bierflasche als Bottlenack den Song zu beenden. Mehr Publikumsnähe bei einem Konzert geht nicht.

„Mit My Saving Angel“ wurde es noch einmal ruhiger. McCormack  setzte sich auf eine Box und trug den Song ohne elektronische Verstärkung seiner Stimme leise begleitet von seiner E-Gitarre, den ehrfurchtsvoll lauschenden Zuschauern im Storytelling-Stil vor.

Der Ausklang mit den Highlights „Falsely Accused“ und „Shadow Play“, mit einem ausladenden Solo zum Ende, stand wieder ganz im Zeichen Gallaghers.

Als Zugaben legte die Band noch „Moving On“ und „Johnny Be Good“ nach, wobei Eamonn in einem Refrain dem Johnny noch ein Winter folgen ließ.
Nach positiv turbulenten knapp zweieinhalb Stunden verabschiedete sich McCormack vom Publikum, um den gebührenden Applaus zu empfangen. Im Anschluss stand der Ire für Smalltalks und Fotos am Merchandising-Stand bereit und erwies sich trotz des leider geringen Zuschauerzuspruchs bestens gelaunt und erfreut über ein ansonsten tolles Blues Rock-Konzert in Yard Club. Er gab sich dabei als charmanter Mensch mit dem viel über Vergangenes in seiner Karriere aber auch über die Gegenwart geklönt werden konnte.

Es ist zu hoffen, dass in der Zukunft, nach diesem fulminanten Auftritt viele Blues Rock-Fans die Chance nutzen, einem solchen Abend beizuwohnen. Mein Dank gilt zudem Marcus Neu, der es wieder möglich gemacht hat, dass handgemachte Musik im Yard Club geboten wird. Sowohl der Sound- und Licht-Techniker als auch der Mann an der Theke, der während der Show bei der Band anfragte, ob sie noch etwas zu trinken haben wollen, machten einen hervorragenden Job.

Line-up:
Eamonn McCormack (lead vocals, electric guitars)
Eddy Karg (bass)
Max Jung Poppe (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Eamonn McCormack
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Yard Club, Köln

Beth Hart – Live At The Royal Albert Hall – CD/DVD-Review

Beth 300

Review: Michael Segets

2018 ist ein Jahr der hochkarätigen Live-Veröffentlichungen. Unter anderem John Mellencamp, Little Steven, Jason Isbell legten vor und auch Beth Hart meldete sich mit „Front And Center“ bereits aus New York. Pünktlich zum Advent setzt Hart diese Serie fort und bringt ihren Auftritt in der Royal Albert Hall in London vom vierten Mai diesen Jahres auf Bild- und Tonträgern heraus.

Beth Hart muss hier nicht eigens vorgestellt werden. Die Blues-Musikerin dient oft genug als Referenz für andere Künstlerinnen des Genres. Nicht zuletzt durch ihre Zusammenarbeit mit Joe Bonamassa ist sie einem breiten Publikum bekannt. Für diejenigen, die sich noch nicht mit ihrem Repertoire auseinandergesetzt haben, bietet „Live At The Royal Albert Hall“ einen sorgsam ausgewählten Querschnitt ihres bisherigen, gut zwanzigjährigen, musikalischen Schaffens. Das Programm reicht von Titeln ihrer letzten Studio-Aufnahme „Fire On The Floor“ (2016) bis zurück zu ihrem Debüt-Werk „Immortal“ (1996).

Beth Hart wählt einen ungewöhnlichen Einstieg für ihr Konzert. Ganz auf ihre Stimme vertrauend schreitet sie „As Long As I Have A Song” a capella singend durch den Zuschauerraum in Richtung Bühne. Dort erwarten sie Jon Nichols an der Gitarre, Bob Marinelli am Bass und Bill Ransom am Schlagzeug, der den kraftvoll Startschuss für das rockige „For My Friends” gibt. Bereits hier brilliert Nichols mit einem ausgedehnten Solo an der E-Gitarre.

Temporeich geht es mit dem Blues Rocker „Lifts You Up“ weiter, bevor die Band mit „Close To My Fire” einen Gang runter schaltet. Nicols betätigt ausgiebig das Tremolo seiner Gitarre, sodass Country-typische Vibrationen den Song begleiten. Einen noch deutlicheren Country-Einschlag hat das hervorragende „Bang Bang Boom Boom“.

Beth Hart, die mittlerweile am Piano Platz genommen hat, lässt die beiden locker-rockenden und gute Laune verströmenden „Good As It Gets“ und „Spirit Of God“ folgen. Nach dem jazzigen „Baddest Blues“ erlebt das Konzert mit „Sister Heroine“ einen seiner Höhepunkte. Den berührenden, vom Klavierspiel sowie dem hier fast zerbrechlich wirkenden Gesang von Hart getragenen und wohl kurzfristig auf die Setlist gekommenen Song widmet sie ihrer verstorbenen Schwester. Beeindruckend fügt sich ein Gitarrensolo von Nichols in die Liedstruktur ein, die eine unglaubliche Dramatik entwickelt.

Anschließend legt Beth Hart das dynamische, eher experimentelle „Baby Shot Me Down“ nach. Ihre gewaltige Stimme spielt sie dann beim rockenden „Waterfall“ aus, bei dem härtere Gitarrenriffs den Ton angeben.

Die Mitte des Konzerts markiert „Your Heart Is As Black As Night”. Den Blues performt Hart in ihrem kleinen Schwarzen stilecht auf einem Hocker sitzend. Die bis hierher genannten zwölf Songs finden sich auf der ersten CD. Sie spiegeln die enorme Bandbreite von Harts Musik und die Vielzahl unterschiedlicher Stimmungen wider, die sie mit ihr erzeugen kann.

Balladen bilden den Schwerpunkt im zweiten Teil des Konzerts. Zuvor legt sich Hart aber bei dem Boogie „Saved” tempomäßig nochmal richtig ins Zeug und gibt Nichols Raum erneut sein Können an der Gitarre zu zeigen.

Nichols und Hart greifen bei „The Ugliest House On The Block” zu akustischen Gitarren. Bei „Spiders In My Bed” wechselt Hart zum akustischen Bass. Mit den beiden Songs verarbeitet Hart persönliche – mal eher amüsante, mal eher bittere – Erinnerungen in bester Singer/Songwriter-Tradition.

Danach singt Beth Hart vier Stücke allein am Klavier. Die sehr intensive Ballade „Take It Easy On Me” wird durch Überblendungen und langsame Kamerafahrten äußerst stimmungsvoll unterstützt. Filmtechnisch stellt der Titel sicherlich einen Höhepunkt der DVD dar. Es folgen „Leave The Light On”, „Mama This One’s For You” und „My California”. Emotional ist Beth Hart voll bei der Sache, zumal sie die einzelnen Titel Menschen widmet, die ihr viel bedeuten – so ihrer Mutter, die im Saal anwesend ist.

Das ansonsten sehr abwechslungsreiche Konzert verliert durch die verhältnismäßig lange Solo-Performance von Hart vielleicht etwas an Schwung, sorgt aber in dieser Phase durch den leidenschaftlichen Einsatz der Musikerin für Gänsehaut-Momente.

Nachdem die Band für die Zugabe wieder auf die Bühne zurückgekehrt ist, heizt sie bei „Trouble“ dem Publikum mächtig ein. Gegen Ende des Konzerts konzentriert sich Hart schließlich auf ihre musikalische Domäne: den Blues. Auf das spannungsgeladene „Love Is A Lie“ und das sanftere „Picture In A Frame“ folgt „Caught Out In The Rain“ als krönender Abschluss des zweistündigen Sets.

Auf der DVD finden sich als Extras ein dreiminütiges „Behind The Scenes“, das Impressionen der Konzertvorbereitung und alternative Perspektiven während des Auftritts einfängt, und ein fast halbstündiges „Interview“, bei dem Hart über Stationen ihrer musikalischen Karriere spricht. Auch während des Konzerts leitet sie viele Stücke mit persönlichen Bemerkungen ein.

Mit der Varianz der Stücke hinsichtlich aufgegriffenen Stileinflüssen, Tempo, Instrumentalisierung und Atmosphäre unterstreicht Beth Hart ihre Stellung als Ausnahmekünstlerin. Ich hätte mir mein Lieblingsstück von ihr „Thru The Window Of My Mind“ gewünscht, von dem meines Wissens noch keine Live-Version auf einem offiziellen Silberling existiert. Aber das ist keine Kritik an den vorliegenden Bild- und Tonträgern, an denen es weder technisch noch musikalisch ernstlich etwas auszusetzen gibt.

„Live At The Royal Alber Hall“ verkürzt das Warten auf Weihnachten oder sollte zumindest bei Blues-Fans unter dem Tannenbaum liegen.

Provogue/Mascot Label Group/Rough Trade (2018)
Stil: Blues/Blues Rock and more

Tracks:
01. As Long As I Have A Song
02. For My Friends
03. Lifts You Up
04. Close To My Fire
05. Bang Bang Boom Boom
06. Good As It Gets
07. Spirit Of God
08. Baddest Blues
09. Sister Heroine
10. Baby Shot Me Down
11. Waterfalls
12. Your Heart Is As Black As Night
13. Saved
14. The Ugliest House On The Block
15. Spiders In My Bed
16. Take It Easy On Me
17. Leave The Light On
18. Mama This One’s For You
19. My California
20. Trouble
21. Love Is A Lie
22. Picture In A Frame
23. Caught Out In The Rain

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Ben Poole – 18.11.2018, blues, Rhede – Konzertbericht

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Am Sonntag stellte Ben Poole seine neue CD „Anytime You Need Me“ im Blues in Rhede vor und feierte gleichzeitig seinen Tourabschluss. Da gab es Partystimmung und einige Überraschungen.

Endlich konnte André Knoch mal Wunschkandidat Ben Poole im blues in Rhede präsentierten. Der  Brite hatte sein oben angeführtes Werk mit im Gepäck und beendete seine zweimonatige Tour. Eine weitere Besonderheit war der Special Guest Guy Smeets.

Poole & Co. starteten direkt mit einem älteren Hit „Let‘s Go Upstairs“ und weiter ging es mit „Win You Over“, bei dem Keyboarder Joe Mac für den richtigen Groove sorgte. Mit „Take It No More“ wurde das erste Stück des neuen Longplayers vorgestellt und damit die Musik rockiger, als auch die Gitarrenriffs härter, bevor mit „The Question Is Why“ wieder etwas Tempo zurückgenommen wurde.

Leider musste Ben Poole dabei sein Solo unterbrechen, um eine laute Störung zu beenden. Die 17 Minuten lange Freddy King-Adaption von „Have You Ever Loved A Woman“ war einer der Höhepunkte. Eingeleitet wurde es durch ein langes intensives Gitarrensolo, mal leise mal laut, von Ben Poole ohne Beteiligung der weiteren Musiker.

Es folgte ein langes melodiöses Solo von Joe Mac, der die Keys wie ein Konzertpianist spielte. Zum Ende konnte auch Schlagzeuger Stéphane Avellaneda sein dynamisches Können beweisen. Mit dem neuen Stück „Further On Down The Line“ verabschiedete man sich nach einer Stunde in die Pause.

Zu Beginn der zweiten Hälfte stellte Ben Poole seinen guten Freund und Gitarristen Guy Smeets vor. Der junge Niederländer stand in seinem Können dem Protagonisten in nichts nach und unterstützte ihn kräftig. Wurde in der ersten Hälfte noch nach Setlist gespielt, beherrschte jetzt Spontanität und Improvisation die Szenerie. Die Bandmitglieder reagierten auf die Entwicklung. Es wurde ordentlich gejammt.

Ben Poole und Guy Smeets steigerten sich regelrecht in Gitarrenbattles hinein und integrierten auch Joe Mac in ein solches Scharmützel. Beau Barnard bekam seine Soliergelegenheit und zeigte eine tolle Basslinie. Wieder auffallend waren die kraftvollen Improvisationen von Drummer Stéphane Avellaneda. Der Spaß kam ebenfalls nicht zu kurz. Da wurde auch mal „Wannabe“ von den Spice Girls angestimmt, um es unter Gelächter wieder zu beenden.

Eines der musikalischen Highlights war sicher „Old Love“ von Eric Clapton, das auch in der Version von King King sehr bekannt ist. Dabei setzte sich Ben Poole zeitweise auf den Bühnenrand und überließ einem vortrefflichen Guy Smeets das großartige Gitarrensolo.

Die Überraschung des Abends begann aber damit, dass jemand Drummer Stéphane Avellaneda zwei Esslöffel reichte. Der fing sofort an, damit seine Drums zu spielen. Dabei riss es ihn vom Sitz. Zusammen mit Ben Poole sprang er von der Bühne ins Publikum. Jetzt war nichts mehr vor ihm und seinen Löffeln sicher.

Während Ben Poole auf einen Barhocker hüpfte und von dort oben, mitten im Publikum Gitarre spielte, trommelte sich Stéphane mit den Löffeln auf Biergläsern, Bierflaschen, Heizungsrohren oder an der Raumdecke in Rage. Joe Mac und Guy Smeets waren mit Drumsticks in den Händen ins Publikum gefolgt und trommelten ebenfalls auf allem, was Töne abgab, mit. Tolle Partystimmung in der Band und im Publikum!

Damit endete dieses ungewöhnliche und bemerkenswerte Konzert nach insgesamt drei Stunden, wobei ein bestens gelaunter Ben Poole später noch fleißig Autogramme gab und für den einen oder anderen Smalltalk mit den Anwesenden seine Zeit fand.

Line-up:
Ben Poole (lead vocals, guitars)
Beau Barnard (bass, bgv)
Stéphane Avellaneda (drums)
Joe Mac (Keys, bgv)
Special guest:
Guy Smeets (guitars, bgv)

Text und Bilder: Martina Middeke

Ben Poole
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Blues Rhede