Crystal Shawanda – Church House Blues – CD-Review

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Hatte mich zu Anfang des Jahres noch die mir bis dato unbekannte Betty Fox mit ihrer Band in Verzückung geraten lassen, ist es jetzt Crystal Shawanda, die mich mit ihrem neuen Werk „Church House Blues“ regelrecht vom Hocker reißt.

Groß geworden im Wikwemikong Reservat auf der Insel Manitoulin im Norden von Ontario in Kanada, startete sie 2008 mit ihrem Debütalbum „Dawn Of A New Day“ (übrigens auch ein Synonym für ihren Nachnamen) zunächst durchaus erfolgreich mit Major-Vertrag im New Country-Genre (immerhin erreichte es auf dem Fuße Platz 16), was ihr u. a. Supports bei Stars wie Brad Paisley und Dierks Bentley einbrachte.

Ihre wahre Passion bliebaber, auch wenn sie heute weiterhin in Nashville lebt, der Blues. “The whole time I was singing Patsy Cline on stage, I was singing Etta James at home”, wie Shawanda es einst in einem Interview ausdrückte. Ihr mittlerweile 6. Studiowerk „Church House Blues“ (es ist allerdings keine bluesige Kirchengospelmusik, wie der Name es vielleicht suggeriert) wurde von ihrem Ehemann Dewayne Strobel produziert, der sich auch noch als Co-Writer und Gitarrist in den Credits wiederfindet.

Mit Starbassist Dave Roe, Lynyrd Skynyrd-Keyboarder Peter Keys, Saxofonistin Dana Robbins (Delbert McClinton) und den McCrary Sisters holte sie sich dazu durchaus prominente Unterstützung mit ins Haus. Die durchgehend tollen, demnach hervorragend instrumentell in Szene gesetzten zehn Tracks auf dem Album, erhalten ihre Krone allerdings natürlich durch Crystals phänomenale Reibeisen-Stimme aufgesetzt.

Ich mochte es ja schon immer, wenn Sänger/innen nicht nur einfach den Text ‚runterspulen‘, sondern sich mit ihrer ganzen Emotion und Energie, vokal in ihre Songs ‚hineinlegen‘. Kolleginnen wie Landsmännin Sass Jordan, andere rauchig-kratzige Röhren wie u. a. Beth Hart, Dana Fuchs, Lisa Mills, Bekka Bramlett oder Dale Krantz sind dabei spontan einfallende zeitgenössische Referenzgrößen. Crystal, geht hier, so kommt es auf jeden Fall rüber, zu jeder Zeit bis an die Grenzen ihres Könnens.

Einen Schwerpunkt bilden hier mit Stücken wie „Evil Memory“ (Killer-Barroom-Ballade), „Rather Be Alone“ (dezent psychedelisch), „When It Comes To Love“ (mit einer „A Whiter Shade Of Pale“-Note) und das Berge versetzende „Bigger Than The Blues“ (beide Lieder traumhaft schön – Gänsehautgarantie!) herrliche slow-bluesige Balladen, bei denen ihre Charakterstimme besonders zu beeindrucken weiß.

Die restlichen Sachen bewegen sich auch eher im gedämpften Tempobereich, variieren aber schön mit souligen („Move Me“, „I Can Take It“), klassisch-bluesigen („Church House Blues“), retromäßigen („Hey Love“, „Blame It On The Sugar“ – Motown lässt grüßen) und delta-bluesigen („New Orleans Is Sinking“ – klasse Harp von Stephen Hanner, grandioser swampiger Rausschmeißer am Ende) Modifikationen.

Sehr gut gefällt mir auch das oft atmosphärische Bariton-E-Gitarrenspiel (viele Soli) von Dewayne Strobel, das viel Peter Green-Flair in sich trägt, sowie die einfühlsamen Orgeluntermalungen und Pianoklänge von Keys und Jesse O’Brien.

Cyrstal Shawandas „Church House Blues“ wird, da lege ich mich jetzt schon fest, in jedem Fall unter meinen Top-3-Alben des Jahres landen, wahrscheinlich sogar ganz oben. Eine göttliche Scheibe, die einen in Zeiten oft schweren Gemüts durchgehend fasziniert und bis zum Ende fesselt.

Eine famose Stimme und eine starke Begleitband samt herrlichem Songmaterial aus der ganzen Breite des Genres verschmelzen hier zu einer nahezu perfekten Einheit. Um bei den Superlativen zu bleiben: Bigger than the blues – defenitely!

New Sun Records/True North (2020)
Stil: Blues/Blues Rock

01. Church House Blues
02. Evil Memory
03. Move Me
04. Rather Be Alone
05. When It Comes To Love
06. Hey Love
07. Blame It On The Sugar
08. Bigger Than The Blues
09. I Can’t Take It
10. New Orleans Is Sinking

Crystal Shawanda
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Bezugsquelle: Bärchen Records

The Proven Ones – You Ain’t Done – CD-Review

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Ich kann als mäßiger Blues (Rock)-Experte nur schwer abschätzen, in wie weit The Proven Ones 2018 mit ihrem Debütwrk „Wild Again“ hierzulande bleibenden Eindruck hinterlassen, geschweige denn, überhaupt zur Kenntnis genommen wurden.

Fest steht, dass das Quintett mit schillernden Leuten besetzt ist (man spricht in den Staaten sogar von einer Supergroup), die in Bands wie u. a. The Fabulous Thunderbirds, Ronnie Earl And The Broadcasters, The Radio Kings, The James Harman Band, Rod Piazza And The Mighty Flyers, The Mannish Boys oder Sugar Ray and the Bluetones ihr Können schon nachhaltig nachgewiesen haben. Nicht zu vergessen auch Präsenzen auf der Bühne oder im Studio bei John Lee Hooker, Big Mama Thornton, Chuck Berry, Big Walter Horton, Big Joe Turner, Otis Rush, Bo Diddley und diversen anderen Acts.

Bei The Proven Ones handelt es sich um die Herren Kid Ramos (guitars, vocals), Anthony Geraci (keys), Willie J. Campbell (bass), Jimi Bott (drums, percussion) und Brian Templeton (lead vocals, harmonica), die jetzt den Nachfolger „You Ain’t Done“ hinterherlegen. Kein geringer als der uns bestens bekannte Mike Zito hat an der Akustikgitarre und als Co-Produzent, auch noch seine Qualitäten mit eingebracht.

Beim Songwriting haben sich diesmal alle Musiker beteiligt. Dadurch gibt es mit dem latin-rockigen, in bester Santana-Manier performten „Nothing Left To Give“ (Geraci) oder dem zwischen Delta-Blues und New Orleans Dixie pendelnden „I Ain’t Good For Nothin'“ (Ramos) auch mal Ausflüge aus dem ansonsten sich durchziehenden südstaatlich angehauchten Blues Rock-Schema.

Nach einem kurzen gut einminütigen Spielerei-Intro geht es mit „Get Love“ sofort knackig los. Ein energiegeladener southern souliger Blues Rocker mit herrlicher Ramos-E-Gitarre, Piano, gurgelnder Orgel und zünftiger Bläserfraktion, wobei einem sofort JJ Grey und seine Mofro in den Sinn kommen.

Trompetenspieler Joe ‚Mack‘ McCarthy und Saxophonist Chris Mercer setzen dann auch im weiteren Verlauf immer wieder ihre Duftmarken. Auch die folgenden „Gone To Stay“ (schön punkige Drums), das Titelstück „You Ain’t Done“ (Stones goes Southern, herrliche Slide-Gitarre, klasse BGVs von LaRhonda Steele) und „Already Gone“ (Acapella-Intro, starker Gesang von Templeton, der bei oft Assoziationen mit Malford Milligan hervorruft) haben allesamt ordentlich ‚Wums‘.

Kommen wir zu meinen drei Favoriten, die etwas ruhigeren „Whom My Soul Loves“ (southern-souliger Ohrwurm im Duett von Templeton und der brillanten Gastsängerin Ruthie Foster), „Milinda“ (eine Art Symbiose aus „Sweet Melissa“ und „Layla“) und das flockig schunkelnde „She’ll Never Know“ (klasse E-Fills von Ramos, dazu ein Solo wie einst bei den Allman Brothers).

Der pianoträchtige Stampfer „Fallen“ und das an „Honky Tonk Woman“ reminiszierende „Favorite Dress“ (typischer Stones-E-Gitarrenrhythmus) lassen am Ende keine Wünsche offen, die prominenten Musiker werden ihren hohen Vorschusslorbeeren absolut gerecht. Somit wurde „You Ain’t Done“ eingehend auf bewährte Art überprüft und erhält letztendlich verdient das Sounds Of South-Gütesiegel. Absolut empfehlenswert!

The Proven Ones sind übrigens für das beliebte 29. Grolsch Blues-Festival in Schöppingen Ende Mai gebucht, ob es mit dem Auftritt klappt, ist aufgrund der bekannten Corona-Problematik allerdings erstmal Kaffeesatzleserei.

Gulf Coast Records (2020)
Stil: Blues Rock

01. Get Love (Intro)
02. Get Love
03. Gone To Stay
04. You Ain’t Done
05. Already Gone
06. Whom My Soul Loves
07. Milinda
08. Nothing Left To Give
09. She’ll Never Know
10. I Ain’t Good For Nothin‘
11. Fallen
12. Favorite Dress

The Proven Ones
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Gulf Coast Records

Eric Steckel – Grandview Drive – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Dass Eric Steckel mit gerade mal 30 Jahren zu einem der besten Bluesgitarristen zählt, hatte schon John Mayall erkannt. Nun diverse Jahre nach dem Lob Mayalls, einige Alben später und immer noch eher am Beginn einer Musikerkarriere, hat Steckel mit „Grandview Drive“ seinen mittlerweile siebten Longplayer herausgebracht. Mit diesem Werk untermauert der Musiker aus den Staaten seine Extraklasse.

Dies bezieht sich nicht nur auf seine Künste die Saiten der Gitarre zu beackern, er sticht auch durch exzellentes Songwriting hervor. Dabei bedient er nicht nur die Bluesfans, sondern beweist, dass man auch im Trio einen klasse Southern Rock bringen kann. Auf seiner eigenen Webseite wird sein Stil als Heavyblues bezeichnet, was auch nicht unpassend ist.

Zugegeben, auf dem Album kann er mehrere Gitarren übereinander einspielen und setzt auch das Piano gekonnt als harmonisches Instrument ein. Dass er die Songs aber auch zu dritt dynamisch und kraftvoll auf die Bühne bringen kann, hat er unlängst bewiesen, als er ein Programm im Dortmunder Musiktheater Piano spielte, wo knapp die Hälfte dieser CD auf der Setlist standen. Gekonnt ist eben gekonnt.

Nun aber zum Eigentlichen. Mit „Take My Love To Town“ geht es sofort southernrockig los. Knallharte Riffs, gemischt mit einer Prise Boogie und Blues, entwickelt sich ein harter Rocksong in Richtung Molly Hatchet mit diversen Soli, wo er sich nicht hinter den dementsprechenden Legenden zu verstecken braucht.

Bei „Dream For 2“ nimmt er zunächst den Fuß vom Gaspedal. Ruhig beginnend mit Pianoklängen folgt ein Rocksong, der mich im späteren Verlauf, wenn die Gitarrenarbeit, aber auch der Gesang einsetzen, an die Glanzzeiten Santanas zu Zeiten von „Inner Secrets“ erinnert.

Dass Eric Steckel auch den klassischen, eher ruhigen Blues in den Fingern und der Stimme hat, zeigt er beim passend betitelten „Same Old Blues“ Sich am Piano begleitend, zaubert er eine innige Stimmung, in die dann ein für ihn eher langsames Gitarrensolo, passend zur Grundstimmung, einsetzt.

Ein Kracher ist das hart rockende „Best Of You“, mit einem sehr virtuosen Solo Richtung Allman Brothers. Das neu aufgelegte „When Ignorence Turns To Bliss“ ist ein klasse Southern Song, der auch auf eine der alten Skynyrd-Platten gepasst hätte. Der an und für sich ruhige Grundrhythmus des Stückes wird dabei mehrfach von absolut furiosen Soli zerrissen.

Was Steckel dann aus dem Marshall Tucker-Klassiker „Can’t You See“ macht, ist dann wahre Extraklasse. Aus dem eher beschaulichen Original entfacht er in phasenweise einen Song mit knallharten Gitarrensoli.

Ruhiger wird es beim balladesken „Good Days, Bad Days“. Hier setzt Steckel auch unterstützend da Piano ein. In diesem verträumten Song zeigt er, dass er neben brachial und schnell, auch gefühlvoll seine Saiten bearbeiten kann. Sehr harmonisch und passend ist auch sein Gesang.

Mit Gitarrenriffs, die an Frees „All Right Now“ erinnern, beginnt „You Never Will“. Auch im weiteren Verlauf bleibt er auf der Free- oder Bad Company-Linie und zeigt, dass man deren Stil auch in die Moderne transportieren kann.

„Since I Been Loving You“ ist ein eher ruhiger Bluessong, in den er zunächst immer in Sequenzen kurz seine Gitarre aufjaulen lässt, bevor er sich zum Ende hin, in einem Gitarrengewitter entlädt, wobei er auch noch das Piano partiell einsetzt.

„Promised Land“ hat einen tollen Groove, in dem man sich ein klein wenig an die sehr positiven Songstrukturen des jungen Peter Frampton erinnern kann. Das Album schließt Steckel mit „Solid Ground“, einem harter Bluessong ab, in dem natürlich nicht das entsprechende Solo zum Ende des Songs fehlen darf.

Eric Steckel ist mit „Grandview Drive“ eine beeindruckende Platte gelungen, in dem er, bis auf die Drums, alle Instrumente selbst eingespielt hat und sich als Multiinstrumentalist präsentiert. Der Titel „Grandview Drive“, es gibt in eine gleichnamige Straße mit traumhaften Blick in Illinois, kann spätestens nach diesem Album auch auf Steckel angewendet werden.

Hier gibt es berechtigte Aussichten, dass ein begnadeter Gitarrist, sich im Blues, aber auch im Southern-Genre etablieren wird. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen mit dem sympathischen Musiker, wenn die Welt sich nach Corona, wieder in gewohnten Bahnen dreht, um zu erleben, wie Mr. Fasthand die Gitarre erklingen lässt.

Eric Steckel – Gitarren, Piano, Bass, Gesang
Don Plowman – Drums, Percussion

Eric Steckel Music (2020)
Stil: Heavy Blues, Southernrock

Tracks:
01. Take My Love To Town
02. Dream For 2
03. Same Old Blues
04. Best With You
05. When Ignorence Turns To Bliss
06. Can`t You See
07. Good Days, Bad Days
08. You Never Will
09. Since I Been Loving You
10. Promised Land
11. Solid Ground

Eric Steckel
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Albert Castiglia – Wild And Free – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Albert Castiglia hat in den letzten Jahren hinsichtlich seines Veröffentlichungsvolumens ein wahrlich hohes Arbeitspensum hingelegt. Seit 2004 im Geschäft, ist „Wild And Free“ sein mittlerweile elftes Album, wobei er seit 2014 nahezu jährlich ein neues Album rausgehauen hat. Sein vorletzter Longplayer „Up All Night“ wurde an dieser Stelle vom Kollegen Mangold äußerst positiv beleuchtet. Insofern war ich natürlich auf sein neuestes Werk recht gespannt.

Es ist ein kraftvolles, elektrisierendes Live-Album geworden, aufgenommen im Januar diesen Jahres in einem Club in Florida, welches sicherlich in erster Linie seine Hard-Core-Fans ansprechen dürfte. Produziert hat es wieder niemand geringeres als Mike Zito. Da wundert es dann auch nicht, dass es bei Zitos Gulf Coast Records veröffentlicht wurde.

Leider kommt die Atmosphäre, die ein Live-Konzert sonst ausmacht, auf diesem Mitschnitt nicht so recht zur Geltung, da die normale „Geräuschkulisse“ eines solchen Gigs weitestgehend herausgefiltert bzw. ausgeblendet wurde. Aber auch so kommen die treibenden, verschwitzten Songs gut rüber.

Gleich zu Beginn geht Albert Castiglia mit „Big Dog“ und „Hoodoo On Me“ in die Vollen. Beide Stücke werden, wie andere auch (z. B. „I Been Up All Night“, „Keep On Swinging“ und „I Tried To Tell Ya“) durch flirrende, jaulende und quietschende Gitarren beherrscht, wobei der Opener „Big Dog“ mit einem richtigen Rockgewitter startet und durchaus Anleihen zu Jimi Hendrix aufweist.

Das schönste Stück des Longplayers ist für meinen Geschmack der ruhiger gehaltene und melodiöse, knapp 10-minütige Slowblues mit dem kurzen Titel „Heavy“, welcher durch ein sehr differenziertes, klares Gitarrenspiel überzeugt. Nach dieser kleinen Erholungspause geht‘s mit dem temporeichen und gut tanzbaren „Get Your Ass In The Van“ weiter, eine flotte Rock’n’Roll infizierte Boogie-Woogie Nummer.

„Searching The Desert For The Blues“ hingegen präsentiert sich wieder bluesiger und gemächlicher mit eingängigen weiblichen Background-Stimmen in den Refrains. Auch das folgende „To Much Seconal“ wirkt sich durch seinen typisch traditionellen Bluesrhythmus beruhigend auf die Gefühlslage des Hörers aus. Mit „Loving Cup“ und „I Tried To Tell Ya“ ist es dann aber wieder aus mit der Ruhe. Flirrende und quietschende Gitarrenklänge sind jetzt wieder tonangebend, bevor die Scheibe mit der 8-minütigen, harten und boogiemässigen Instrumentalnummer „Boogie Funk“ endet.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Albert Castiglia zwar kein begnadeter Sänger, aber ein wahnsinnig guter und fingerfertiger Gitarrist ist. Jedes der Stücke ist für sich betrachtet absolut hörenswert, aber in seiner Gesamtheit dürfte die Scheibe für den Gehörsinn vieler sicherlich auch überfordernd sein. Das Album empfiehlt sich also hauptsächlich für Castiglia-Fans und für Leute mit einer ausgeprägten Affinität zu wilden, flirrenden und quietschenden Gitarrensounds.

Gulf Coast Records (2020)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Big Dog
02. Hoodoo On Me
03. I Been Up All Night
04. Heavy
05. Get Your Ass In The Van
06. Searching The Desert For The Blues
07. Keep On Swinging
08. To Much Seconal
09. Loving Cup
10. I Tried To Tell Ya
11. Boogie Funk

Albert Castiglia
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Eamonn McCormack – Storyteller – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Schon bei einem Gespräch, nach seinem Auftritt im November 2019 bei den Leverkusener Jazztagen, kündigte mir Eamonn McCormack an, dass 2020 ein neues Album erscheinen wird. Nun ist es soweit, dass am 03. April seine CD „Storyteller“ veröffentlicht wird. McCormack hat das Album mit seiner Begleitband, Edgar Karg am Bass und Max Jung-Poppe an den Drums, die schon in Leverkusen mit ihm auftraten, eingespielt. Zusätzlich steuerte Arne Wiegmand, der das Album auch produzierte, zu einigen Stücken noch die Keyboards und Orgel bei.

Passend ist der Titel „Storyteller“ gewählt, da der Ire in seinen Songs sein Heimatland, persönliche Themen, sowie auch aktuelles Weltgeschehen thematisiert. Stilistisch bleibt McCormack seinen Wurzeln treu. In den Songs finden sich immer wieder Elemente, die an sein großes Vorbild Rory Gallagher, als auch Thin Lizzy, erinnern.

Mit dem ersten Stück, „The Great Famine“ wird direkt die Latte hoch gelegt. Eingeläutet von Kirchenglocken, beschreibt McCormack klagend-melancholisch die Hungersnot im 19. Jahrhundert in Irland, ausgelöst durch eine Krankheit, die die Ernten der Hauptnahrungsquelle vernichtete, und in deren Folge Millionen seiner Landsleute starben und viele das Land Richtung Amerika verließen. In mehreren Soli, zum Teil an David Gilmour erinnernd, beweist er hier schon seine Extraklasse als Gitarrist.

Die ersten Riffs von „Gypsy Woman“ lassen den Spirit eines Rory Gallagher erleben, was sich durch den gesamten Song zieht. Gelungen ist auch das Mundharmonikaspiel, welches dezent im Mittelteil eingesetzt wird.

In „Help Me Understand“, einem tollen eher schleppenden Bluessong, bittet er Gott zu verstehen, was auf der Welt passiert und das vor den Zeiten von Corona. Er klagt dabei indirekt die heutigen Generationen an und betet für die Kinder, die in dieser verrückten Welt weiter leben müssen.
Bei „ The One On“ gelingt es McCormack aus verschiedensten Stilen einen in sich geschlossenen Song zu schreiben.

Ein Intro, was Richtung „The Boys Are Back in Town“ von Thin Lizzy erinnert, düstere Passagen, Marke Tito & Tarantula, aufgehellt durch Mandolinenspiel, welches einen keltischen Einschlag bringt, begleitet mit einem fast sprechenden Gesang, sind zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, aber spätestens beim zweiten Hören, wird einem die Komplexität des Stückes bewusst.

Das Blues und Country durchaus kombinierbar sind zeigt McCormack slidend im „Cowboy Blues“. Bei der Klasse des Albums ist es eine gute Entscheidung von ihm gewesen, dass er sich letztendlich für den Blues entschieden hat.

Nach dem erfrischenden Vorsong folgt mit „In A Dream“ ein langsamer Bluessong, der zum träumerischen Schwelgen einlädt. Gelungen ist hier auch die malerische Unterstützung an der Orgel. Ähnlich, aber weitaus melancholischer, geht es beim folgenden „ Every Note I Play“ weiter. Ein Liebeslied, in dem er das Leben auf Tour im Hotelzimmer und die Gedanken an seinen Schatz beschreibt. Klasse auch die Soli zum Teil mit der Orgel verbunden, die von der Klarheit her, ein wenig an Santana erinnern.

„With No Way Out“ reißt den Zuhörer jäh aus all seinen Träumen. Im fast zornigen Blues Rocker beschreibt er eine Frau, die ein lebendiger Albtraum ist, aus dem es kein Entkommen gibt. Das furiose Solo zum Ende hin, könnte als Lösung gesehen werden, diesem zu entkommen.
Beim bluesigen „Cold Cold Heart“ zieht der Boogie mit ein. Neben der tollen Arbeit der Rhythmussektion, gibt das dezent eingesetzte Piano, dem Stück eine zusätzliche Würze.

In „South Dakota Bound“, wo noch einmal folkige und buesige Elemente verschmelzen und McCormack ein knackiges Solo in Southern Rock-Maanier einfließen lässt, beschreibt seine Liebe zum Motorradfahren mit Freunden durch die Berge. Ein Song, der durchaus auch Platz in einem Roadmovie haben könnte.

Abgeschlossen wird das Werk schließlich mit dem knackigen Rocksong „Make My Move“, in dem wieder seine Vorliebe im Gitarrenspiel zu Gallagher, aber scheinbar auch zu Thin Lizzy zum Vorschein kommt. Er beschreibt hier passend zu seinem Leben, dass man, wenn man es versucht, (fast) alles erreichen kann.

McCormack hat mit seinem siebten Album „Storyteller“ auf jedem Fall erreicht, in die Riege der besten europäischen Bluesgitarristen zu stoßen. Schön wäre, wenn dieses Werk, verdienter Maßen, auch zu mehr Beachtung McCormacks führen würde. Ich bin gespannt, wann McCormack mit seiner Band die neuen Stücke auch in Deutschland live präsentieren wird.

Für Freunde der eher rockigen Bluesmusik wird es auf jedem Fall lohnenswert sein, einen Musiker zu besuchen, der mit seiner Band den Blues im Stile eines Rory Gallagher weiter leben lässt. Von daher eine Kaufempfehlung, welche die Wartezeit auf seine neuen Liveauftritte verkürzt.

Saol Records (2020)
Stil: Blues Rock

01. The Great Famine
02. Gypsy Women
03. Help Me Understand
04. The One On
05. Cowboy Blues
06. In A Dream
07. Every Note That I Play
08. With No Way Out
09. Cold Cold Heart
10. South Dakota Bound
11. Make My Move

Eamonn McCormack
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Eric Steckel – 12.03.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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In Anbetracht der momentanen Situation – Veranstaltungen werden reihenweise abgesagt – ist es schwer, einen ganz normalen Konzertbericht zu verfassen. Schon einige Zeit vor Veranstaltungsbeginn schilderte mir Jenny Dore vom Musiktheater Piano und Veranstalter 3dog Entertainment sichtlich geschockt die momentane Situation.

Im Laufe des Tages erfolgten schon mehrere Absagen durch Künstler für Konzerte in den nächsten Wochen, was insbesondere für kleinere Veranstaltungsorte existenzgefährdend sein könnte. Bei ausbleibenden Besuchern oder abgesagten Konzerten bleiben die laufenden Kosten, für Mitarbeiter, Gebäude, Gagen etc. bestehen. Es bleibt zu hoffen, dass Andeutungen der Politik, dass es Hilfestellungen geben werde, diese auch an den richtigen Adressen, im benötigten Maße ankommen.

Nun aber zum Erfreulichen. Das Konzert von Eric Steckel und Band fand, wie geplant, statt. Steckel hatte sich im Vorfeld geäußert, dass er ja da wäre, warum sollte er dann nicht spielen. Nach und nach kamen die Besucher, mache kauften auch Karten für spätere Konzerte. Ein kleiner Lichtblick zumindest, dass man trotz des derzeitigen Wirrwarrs eine Zukunft sieht, wenn irgendwann wieder Normalität eintritt.

Kurz nach Acht legte dann Eric Steckel vor leider viel zu wenig Besuchern los wie die Feuerwehr. Trotz der überschaubaren Besucherzahl ließ er sich die sichtbar gute Laune, seine Musik zu präsentieren, nicht nehmen. Mit „Solid Ground“, einem hart rockenden Bluessong präsentierte er den Fans direkt ein Stück vom aktuellen Album „Grandview Drive“.

Schon beim Opener kam die spielerische Extraklasse Steckels zur Geltung, wobei ihm Joe Kamps am Bass und Tony Boyd eine solch fette Rhythmusgrundlage hinlegten, dass er sich mit exzessiven Soli darauf austoben konnte. An dem Strickmuster, welches die Anwesenden von Beginn an begeisterte, änderte sich bei „Juke Joint“ nichts. Bluesgrundlage, harte Gitarrenriffs, rasante Soli und eine dazu passende bluesige Stimme.

Mit „Feels Like Home“ brachte Steckel einen Hauch von Southern Rock ins Piano. Dabei braucht er sich weder stimmlich noch mit dem Gitarrensolo hinter Genregrößen zu verstecken und spätestens jetzt war jedem klar, warum John Mayall schon vor Jahren lobende Worte für den heute 30-jährigen Steckel fand, als er schon mit 18 Jahren sein ersten Album veröffentlichte.

Nach diesem fulminanten Einblick in die frühen Schaffensphasen war wieder neuer Stoff angesagt. Nach “Take My Love To Town” folgte das fast balladesk beginnende “Can’t You See”, das er dann gitarrentechnisch mit einem ausladenden Solo der Marke Allman Brothers Band abschloss. Bei “When Ignorence Turns To Bliss“ , einem Song von seinem Debüt, welchen er auf dem aktuellen Silbering noch einmal neu auflegte, wurde es dann wieder bluesiger, wobei erneut das quirlige Gitarrenspiel begeisterte.

“Best With You” spiegelte vom Titel ein klein wenig die Stimmung im Piano wieder, wo sowohl die Band wie auch die Zuschauer gemeinsam das Beste aus den wiedrigen Begleitumständen machten. Mit “We’re Still Friends” zog dann zunächst ein Hauch von Melancholie durchs Piano, ein langsamer Bluessong, bei dem zu Beginn einige Töne an Jimi Hendrix erinnerten, der sich von einem riesigen Bild neben der Bühne vermutlich wohlwollend und staunend das Treiben auf der Bühne betrachtete.

Die Hauptbestandtteile bildeten zunächst ein langsames Solo Steckels, in bluesiger Manier eines Gary Moores, und ein Drumsolo von Tony Boyd, der scheinbar versuchte, den Putz von den Wänden des Piano zu holen. Fein auch wie sich Steckel und Kamps am Bass zum Ende des Liedes hin regelrecht duellierten.

“Empty Promises” , ein klasse Southern Rocker läutete dann langsam das Ende der fulminaten Show ein, dem mit “Tennessee” noch ein zunächst harter Bluestrack folgte, in den Steckel aber wieder Klasse Soli in bester Southern-Manier einstreute, die zuweilen auch in Richtung der guten alten Outlaws gingen.

Unter brandendem Jubel der Fans verließ die Band die Bühne, um nach kurzer Zeit noch mit “She’s 19 Years Old “ noch eine letzte Zugabe nachzulegen.

Ein etwa 100-minütiges Konzert hatte so einen würdigen Abschluss gefunden, und Steckel wird vermutlich nicht das letzte Mal in Dortmund Halt gemacht haben. Von diesem recht jungen Musiker ist in der Zukunft noch einiges zu erwarten, ob in Richtung Southern- oder Bliues Rock spielt dabei keine Rolle, beides war an dem Abend in Dortmund Klasse!

Ein Dank geht wieder einmal an Jenny Dore vom Musiktheater Piano für die Akkreditierung und, dass es gelungen ist, solch einen Ausnahmegitarristen ins Piano zu holen. Es bleibt zu hoffen, dass die nun feststehenden Absagen der nächsten Konzerte ein baldiges Ende haben werden und es wieder zu solchen Highlights kommt, wie dem mit Eric Steckel!

Line up:
Eric Steckel- vocals, guitar
Tony Boyd – drums
Jos Kamps – bass

Text und Bilder: Gernot Mangold

Eric Steckel
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Thorbjørn Risager & The Black Tornado – 07.03.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Nachdem Thorbjorn Risager & The Black Tornado vor genau einem Monat die ausverkaufte Kulturrampe gerockt hatten, stand nun das Dortmunder Musiktheater Piano auf dem Programm. Trotz des parallel stattfindenden Spiels der Dortmunder Borussia war das Piano mit über 350 Besuchern bestens gefüllt.

Die Songauswahl entsprach erwartungsgemäß weitgehend der aus dem Krefelder Konzert. Interessant war, wie Risager und seiner Band es gelingen würde, die doch entschieden größere Location einzunehmen. Auch Pille Peelings, Mastermind der Krefelder Kulturrampe hatte sich auf den Weg nach Dortmund gemacht, um die Dänen aus der Sicht des Zuschauers in Ruhe anzuschauen.

Er, wie auch die anderen Besucher sollten nicht enttäuscht werden. Es entwickelte sich ein stimmungsvolles Konzert, in der die Band von der ersten Minute an die Besucher mitnahm (schöne stimmgewaltige Mitsingpassagen bei „Rock ’n‘ Roll Ride“). Das es sich um eine regelrechte Band handelt und nicht nur um einen Fronter, der von Musikern begleitet wird, zeigte sich indem, dass alle Musiker ein Stück ansagten und alle hinlänglich in Solopassagen ihre Freiräume hatten.

Risager überzeugte mit beeindruckenden Stimmvolumen und einigen starken Gitarrensoli, Joachim Svensmark begeisterte mit furiosen Gitarrensoli, wo er sich scheinbar selbst in einen Rausch spielte oder als er mit einem Geigenbogen das Intro zu „Never Givin‘ In“ spielte und auch bei einigen Tracks den Backgroundgesang beisteuerte. Emil Balsgaard klimperte an den Tasteninstrumenten zuweilen rasante Soli, aber genauso auch gefühlvolle Pianopassagen, wie bei der ersten Zugabe, als er alleine Risager begleitete.

Søren Bøjgaard bearbeitete meist mit stoischer Ruhe seinen Tieftöner, steuerte aber auch zuweilen eindrucksvolle Bassspuren mit dem Synthesizer bei. Martin Seidelin, wie gewohnt, bestens gelaut, bespielte seine Drums von gefühlvoll zurückhaltend bis hin zu einhämmernd, je nachdem, was eben für die Songs notwendig war.

Die Bläsersektion um Hans Nybo am Saxofon und Peter W. Kehl an der Trompete legte nicht nur tolle Passagen und Soli mit ihren Instrumenten hin, sondern waren auch die Animateure, die mit Tanz und Klatscheinlagen die Zuschauer zum Mitgehen brachten. Zudem unterstützten sie Risager auch als Backgroundsänger. Gelungen auch, wie Nybo bei „Sin City“ das Blatt einer Kreissäge als Percussioninstrument nutzte.

Thorbjorn Risager & The Black Tornado ist es wieder mal gelungen, mit einer bunten Mischung alter Songs, herausragend dabei das treibende „Hold My Lover Tight“ zum Ende des ersten Sets, und „All I Want“, „Paradise“, „Rock ’n‘ Roll Ride“ und „Baby Please Don’t Go“, aber auch neuen Songs wie „Sin City“, „Never Givin` In“ oder „Over The Hill“, restlos zu begeistern.

Ein besonderer Dank wieder einmal dem Musiktheater Piano für einen fantastischen Abend, dem noch in diesem Monat einige weitere Highlights folgen werden.

Line-up:
Thorbjørn Risager (lead vocals, guitar)
Joachim Svensmark (guitars, keys, vocals)
Emil Balsgaard (Keys)
Søren Bøjgaard (bass)
Martin Seidelin (drums, percussion, vocals)
Hans Nybo (saxophone, vocals)
Peter W Kehl (trumpet, percussion, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Julian Sas – 06.03.2020, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Ausverkauftes Haus im Schwarzen Adler, wobei das Konzert, was die meisten Besucher nicht wussten, auf der Kippe stand. Grund dafür war nicht die Hysterie um den Corona-Virus, sondern dass Julian sich beim Beladen des Tourbusses verhoben hatte. Spätestens als Ernst Barten, vor den Zugaben die Bühne betrat und Julian noch einmal einen besonderen Dank aussprach, trotz des lädierten Rückens aufzutreten, kam die Sache ans Abendlicht.

Diese Energieleistung des Niederländers eine über zweistündige Show durchzustehen hatte mehrere Gründe: Gute Medizin, Meditation und ein begeistert mitgehendes Publikum vom ersten Song an, welches Sas sprichwörtlich unter Strom setzte, sodass der Schmerz wohl übertüncht wurde.

Pünktlich um 8:00 Uhr begann Sas mit seiner Band gewohnt dynamisch, voller Power das Konzert und reihte einen Kracher an den anderen. Zwischen Songs aus allen Phasen seines Schaffens streute er auch einige Coversongs vom Feinsten, unter Anderem eine wie gewohnt starke Version von „Hey Joe“ mit kurzen Intro von „Angel“, sowie „Little Wing“ als letzte Zugabe und auch den guten alten „Bullfrog Blues“.

Beeindruckend aber auch die Energie der eigenen Lieder wie „Driftin` Boogie“, „Comin Home“ oder „Boogie All Around“ bei denen er bewies, dass er ein Meister des Powerblues und Boogie ist. Wie er seine Gitarren auch slidend bearbeitete und Soli regelrecht in den Adler schoss, war schon klasse. Dabei wurde er natürlich von seiner Band unterstützt, wo er in der Vorstellung deutlich machte, dass die drei Musiker für ihn mehr als nur Musiker sind, sondern auch Freunde.

Diese Harmonie war auch jederzeit spürbar, wobei Sas und Keyboarder Roland Bakker sich zuweilen zu Höchstleistungen bei Soli anstachelten und Bakker den Songs zudem eine harmonische Untermalung gab. Fotis Anagnostou wirbelte zuweilen wild posend am Bass und legte mit Lars-Erik van Elzakker an den Drums die Grundlage für den Powersound. Bemerkenswert war dabei insbesondere der Part von van Elzakker, der erst vor ziemlich genau einem Jahr zur Band hinzustieß und spätestens jetzt auch musikalisch seinen Platz in der Band gefunden hat.

Dass die Band aber auch ruhig kann, offerierte „Anything“, wo Sas die Unfähigkeit der heutigen Politik an den Pranger stellte. Seine eigene Einstellung untermauerte er ohne große Worte mit Friedenstaubenaufklebern an zwei seiner Gitarren.

Gegen 22:40 Uhr war der Zauber dann vorbei und die Besucher verließen, nach der Stimmung zu urteilen, hochzufrieden den Schwarzen Adler. Aber auch Julian und seine Band hatten den Abend sichtlich genossen, was sich zum Einen an mehreren Gesten des Dankes, aber auch an immerhin vier Zugaben (trotz des lädierten Rückens) bemerkbar machte. Dieser Abend offenbarte einmal mehr, wie wichtig es war, den Schwarzen Adler zu erhalten.

Ein Dank wieder einmal an Ernst Barten, der weiter das Booking unterstützt, für die problemlose Akkreditierung, dem es immer wieder gelingt, tolle Acts nach Rheinberg-Vierbaum zu holen. Schön wäre es, wenn auch kommende Interprten, wie Dede Priest, Matt Schofield oder Josh Smith ähnlich stark besucht werden. Es wird sich auf jedem Fall lohnen, auch diese Konzerte zu besuchen.

Line-up:
Julian Sas (lead vocals, electric & slide guitar)
Roland Bakker (piano, organ)
Fotis Anagnostou (bass)
Lars-Erik van Elzakker (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Julian Sas
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Schwarzer Adler

WellBad – 26.02.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Donnerstag Abend, strömender Regen, Deutschland im Würgegriff von Corona und dennoch finden etwa 150 Fans den Weg ins Piano zum ersten WellBad-Konzert in dieser Location.

Unter sphärischer Musik vom Band betreten die Musiker die Bühne und Daniel Webat begrüßt auf eindrucksvolle Weise dramatisch und psychedelisch die Besucher, und erzählt, was sie an dem Abend erwarten werde. Beeindruckend wie er durch seine schauspielerische Leistung, dabei alle in seinen Bann zog.

Im weiteren Verlauf stellte er zwischen aber auch während der Songs wild gestikulierend, zuweilen mit diabolisch rollenden Augen, immer wieder den Kontakt her. Famos dabei seine Stimmgewalt, mit der er vermutlich in vielen Musikgenren Fuß fassen könnte.

Mit dieser Fähigkeit ist auch das Besondere der Band aus Hamburg beschrieben, die so richtig in keine musikalische Schublade passt, was auch nach Aussage vom Drummer Jonas vom Orde, Fluch und Segen zugleich sein kann. Als was soll die Band angekündigt werden? Es finden sich in den Songs Elemente vom Blues, Rock, Jazz, Hipp Hop und einiges mehr wieder. WellBad versuchen mit ihrem eigenen Stil ihren Weg zu finden, ohne sich in irgendein Korsett pressen zu lassen.

Und da sind wir auch direkt beim Segen, der sich auch an diesem Abend zeigte. Das Konzert entwickelte von Beginn an eine enorme Dynamik und die Band überraschte mit verschiedensten Stilen auch innerhalb der einzelnen Songs, dass gar nicht die Chance war, in einem Einheitsbrei wegzudösen. Dies wäre auch spätestens bei einem der Urschreie Welbats unmöglich gewesen, mit dem er auch jeden Virus hätte vertreiben können.

Diese Durchmischung ist aber nur möglich durch die hohe Qualität der einzelnen Musiker. Arne Vogeler bearbeitete seine Gitarren in bester Hard Rock-Manier, aber auch in der Art großer Bluesgitarristen. Stefan Reich, das Tier am Bass, ständig in Bewegung, ließ seine Finger, auch in einem starken Solo, über den Bass gleiten, wobei er immer den passenden Ton traf.

Glänzend auch seine Einlagen am Kontrabass. Sein Partner in der Rhythmussektion, Jonas vom Orde bearbeitete seine Drums von ruhig gefühlvoll bis hin zu ekstatisch, als wenn er seine Drums in Kleinholz zerschlagen würde. Beeindruckend dabei sein mehrminütiges Solo zum Ende der Show. Joachim Refardt, der im Studio auch die Trompete spielt, konnte sich live ganz auf seine Tasteninstrumente konzentrieren, da die Band von einem Bläsertrio unterstützt wurde, welches den Songs nochmals eine größere Fülle gaben.

Insgesamt begeisterten WellBad im knapp zweistündigen Konzert die Besucher restlos, wobei für mich die blueslastigen Stücke wie „Mountain“, „Coalmine“ und das schon fast in einer Jamsession endende „Patience“ als letzte Zugabe die Höhepunkte waren.

Wer sich nicht nur stur auf eine Musikrichtung beschränkt und Spaß daran hat, wie eine Band verschiedenste Genres letztendlich in einem ganz eigenen Stil verknüpft, wird bei WellBad bestens aufgehoben sein. Man wird in Zukunft noch einiges von den Hanseaten erwarten können.

Ein Dank wieder einmal an das Team vom Piano für die problemlose Akkreditierung, welches auch jungen Bands die Chance gibt, sich angemessen zu präsentieren. Man sollte auf jedem Fall die Veranstaltungsvorschau vom Musiktheater Piano und von 3dog Entertainment studieren, da kommt in diesem Jahr noch einiges auf den Musikliebhaber zu!

Daniel Welbat – Vocals & Acoustic guitar
Joachim Refardt – Keys & Trumpet
Arne Vogeler – E-Guitar
Stefan Reich – Bass
Jonas vom Orde – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

WellBad
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Ben Rice & RB Stone – Out Of The Box – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Das von Ben Rice und RB Stone selbst produzierte Album „Out Of The Box“ ist schon einzigartig. Das Projekt entstand vor dem Hintergrund, die Vielseitigkeit von Cigar-Box-Gitarren zeigen zu wollen, aber auch deren Erbauer zu fördern. Dabei ist es den beiden Musikern gelungen den nicht unbedingt vorhersehbaren Sound 3, 4 und 6-saitiger Cigar-Box-Gitarren zu einer Mischung aus Blues und Rock’n’Roll mit etwas Americana zu verschmelzen.

Auf der Scheibe finden sich 11 Songs, dank des schrammeligen Sounds der Cigar-Box- Gitarren mit durchaus mit hohem Wiedererkennungswert, von denen 10 Stücke ausschließlich von Ben Rice und RB Stone selbst geschrieben wurden. Ben Rice wurde in der Vergangenheit bereits für zahlreiche Blues Awards nominiert, von denen er in 2019 drei gewonnen hat. Auch RB Stone kann mit 18 veröffentlichten Album, teilweise mit Blues Awards Nominierungen, auf eine ähnliche Erfolgsserie zurück blicken.

Mit „Hot Rod Mama“, „Hey Politician“ und dem etwas brachial anmutenden „The Swamp East Boogie“ präsentieren Rice und Stone puren, verschwitzten Roots Rock im Schrammelsound, wogegen „Hoodoo Workin’ Overtime“ eine flotte Rock’n’Roll-Nummer mit 50’er Jahre Anmutung ist, die mitunter an den Sound der „Stray Cats“’ erinnert.

Gemächlichere und auch melodischere Klänge gibt’s mit „Train Of Time“ und „Easy Rollin’ Down The Road“, zwei wunderbare Slow Blues Stücke mit Mississippi-Delta-Feeling.

Americana-Anleihen mit J. J. Cale-Vibe („Jesus Needs A Gig“), Hill Country („Meet Your Maker“ und „Bad Blood On Mean Whiskey“) und auch Southern-Einflüsse („Crushin’ On The Bartender“) runden das musikalische Angebot auf diesem Album ab. Nach rund 40 Minuten endet die CD dann mit dem Instrumentalrocker „Lobo Jam“.

Insgesamt ist „Out Of The Box“ ein spannendes musikalisches Projekt. Der schrammelige Sound der aus Zigarrenkisten selbstgebauten E-Gitarren ist beim ersten Hören sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig, macht aber viel Spaß, wenn man sich erst einmal darauf eingelassen hat. Empfehlenswert ist die Scheibe für Leute, gern auch mal über Tellerrand des ‚normalen‘ Blues hinaus schauen möchten.

Label: Middle Mountain Music (2020)
Stil: Blues, Rock’n’Roll

Tracks:
01. Hot Rod Mama
02. Easy Rollin’ Down The Road
03. Hey Politician
04. Hoodoo Workin’ Overtime
05. The Swamp East Boogie
06. Jesus Needs A Gig
07. Meet Your Maker
08. Bad Blood On Mean Whiskey
09. Crushin’ On The Bartender
10. Train Of Time
11. Lobo Jam

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