Henrik Freischlader – 15.01.2020, Alte Molkerei, Bocholt – Konzertbericht

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Knapp ein Jahr, nachdem Henrik Freischlader letztmalig ein begeistert aufgenommenes Konzert in Bocholt abgeliefert hatte, kehrte er wieder in die ehrenamtlich, mit viel Liebe zum Detail geführte Alte Molkerei zurück. Entsprechend herzlich war der Empfang in der diesmal im Gegensatz zum Vorjahr etwas weniger besuchten Location, die dennoch gut gefüllt war.

Der Tag in der Woche kann ein Grund gewesen sein, aber auch, dass es seit dem letzten Jahr kein neues Songmaterial gegeben hat. Dies merkte Freischlader selbst zu Beginn des Konzertes an, beruhigte die Fans aber direkt, dass er einiges im Programm ausgetauscht hat.

Damit sollte er auch Recht behalten, es entwickelte sich ein Gig, der im Vergleich zum Vorjahr rauer daherkam, da er einige Songs aus der Triozeit wieder präsentierte. Zudem hielt er sich bei den Ansagen merklich zurück, was aber nicht bedeuten soll, dass er den Kontakt zum Publikum nicht suchte und auch fand.

Passend dazu war auch seine Werbung für die neu erschienen Liveplatte, die ein Mitschnitt eines gesamten Konzertes darstellt, wo er schmunzelnd erzählte, dass man bei den Ansagen vorspulen oder bei einer LP auf 45 stellen könne.

In den etwa 100 Minuten präsentierte Freischlader mit Band einen Querschnitt durch alle Schaffensphasen und begann mit „The Blues“, was dann auch für weiteren Verlauf Programm bleiben sollte.

Lieder wie das folgende „Lord Have Mercy“, wurden durch Saxofon und Keyboards aufgepeppt, ohne von ihrem rauen Charakter einzubüßen. Mit „Share Your Money“, griff er nur einmalig auf sein letztes Studio-Album zurück und hielt somit sein Versprechen, den Zuschauern ein neues Programm mit alten Songs zu bieten, was auch sehr gut aufgenommen wurde.

Gut gewählt waren auch die beiden Coversongs „Need Your Love So Bad“ von Peter Green und eine fulminante Version des Hendrix-Klassikers „Foxy Lady“.

Der Höhepunkt für mich war allerdings eine Extendet Version von „Bad Dreams“, was zuweilen psychedelische Züge annahm und in dem neben Freischlader, insbesondere Roman Babik an den Keyboards und Marco Zügner am Saxofon, mit ausufernden Soli glänzen konnten, wofür sie auch einige Male verdienten Szenenapplaus erhielten.

Unterstützt wurden sie dabei mit der wie immer zuverlässigen Rhythmussektion um Drummer Moritz Meinschäfer, der souverän, sichtlich gute Laune versprühend, seine Instrumente von zurückhaltend ruhig bis hin zu rasant wirbelnd bearbeitete und Bassist Armin Alic, der seinen Tieftöner immer wieder als belebendes Element einsetzte.

Henrik Freischlader und Band gelang es, die Besucher der „Alten Molkerei“ durch ihre Bühnenpräsenz zu begeistern, wobei auch merklich der Funke vom Publikum immer wieder auf die Band übersprang, dass sich ein für beide Seiten schöner Abend, gefüllt mit handgemachter Bluesmusik, ergab.

Nach dem Auftritt nahm sich Henrik noch Zeit zum Plausch mit den Besuchern in der Kneipe der Molkerei, welche sich als guter Gastgeber erwies, um Platten zu signieren, aber auch schon Karten für das Release-Konzert des neuen Albums, welches im Sommer erscheint, in der Wuppertaler Waldbühne zu verkaufen, wovon auch etliche Gäste Gebrauch machten.

Ein Dank noch einmal für die kurzfristige Akkreditierung durch Florence Miller mit ihrer Agentur und den herzlichen Empfang durch das Team der Alten Molkerei, die es geschafft haben, nur mit ehrenamtlicher Arbeit solch ein Kulturzentrum ins Leben zu rufen und ein vielfältiges Kulturprogramm in verschiedenen Genres anzubieten.

Line-up:
Henrik Freischlader (lead vocals, electric guitar)
Roman Babik (keys)
Armin Alic (bass)
Moritz Meinschäfer (drums)
Marco Zügner (saxophone)

Text+Bilder: Gernot Mangold

Henrik Freischlader
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Alte Molkerei Bocholt

Marcus King – El Dorado – CD-Review

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Gerade mal Anfang Zwanzig, bringt der aus Geenville, South Carolina, stammende Marcus King mit „El Dorado“, bereits schon das vierte Album auf den Markt.

Neu ist, dass er hier jetzt ganz unter eigener Fahne firmiert und die Musik noch stärker auf seine Vorstellungen fixiert zu haben scheint.

Dafür hat er sich mit dem Songwriter, Sänger und Gitarrist von The Black Keys, Dan Auerbach, zusammengetan, der die neuen zwölf Stücke in seinem eigenen Studio in Nashville, mit eingespielt und produziert hat. Auch mit dabei prominente Musiker wie u. a. Gene Chrisman (drums) und Bobby Woods (keys).

Im Prinzip, soweit ich die beiden anderen bisher hier reviewten Alben noch im Sinn habe, ist der größte Unterschied das Weglassen der Bläserelemente. Die Musik bewegt sich wieder in einem breiten Rahmen aus Country-, (Southern) Soul-, Gospel, R &B, Blues- und Rock-Ingredienzien, allerdings harmonisch ineinander greifend, umwittert meistens von ein gewissen Retro-Charme.

Getragen wird sie von Kings eigenwilliger, hell-raspeliger Stimme und seinem feinen Gibson-ES-E-Gitarrenspiel. Bei den countresken Sachen wie u. a. „Young Man Dream“, „Sweet Marionna“ , „Beautiful Stranger“ oder „Too Much Whiskey“ (ziemlich unverhohlen abgekupfert bei Charlie Daniels‘ „Trudy“) hört man die Pedal Steel wimmern, bei letztgenanntem kommt auch eine Harp zum Einsatz. Zuweilen finden auch retromäßige Streicher in ausgewählte Tracks („Break Me“, „No Pain“).

Ansonsten spielen (E-) Piano und Organ für die atmosphärische Note eine große Rolle, die Backgroundsängerinnen sorgen für einiges an Gospel- und Soul-Flair.

Richtig gerockt wird beim stampfenden „The Well“ (erinnert an die Band Of Heathens), „Say You Will“ (psychedelische Note, saustarkes E-Gitarrensolo) und „Turn It Up“ (hat was von den alten Free).

Mein persönlicher Favorit des Werks ist der wunderbare Blues-Schwofer „Wildflowers & Wine„.

Wie bereits erwähnt, passt alles sehr gut zusammen. Trotzdem hat man auf „El Dorado“ bei Marcus King, wie einst bei den Jägern nach dem Goldland in Südamerika,  noch den Eindruck eines Suchenden nach dem richtigen Weg.

Fest steht aber schon jetzt, dass ihm angesichts seines außerordentlichen Talents, eine goldene musikalische Zukunft bevorsteht. Wir werden ihn live demnächst in der Kölner Kantine anchecken, wo er am 05. März auftreten wird.

Fantasy Records (2020)
Stil: Blues Rock, Southern Rock, Country, Soul

01. Young Man Dream
02. The Well
03. Wildflowers & Wine
04. One Day She Is Here
05. Sweet Mariona
06. Beautiful Stranger
07. Break
08. Say You Will
09. Turn It Up
10. Too Much Whiskey
11. Love Song
12. No Pain

The Marcus King Band
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Oktober Promotion

Vanesa Harbek & Band – 10.01.2020, topos, Leverkusen – Konzertbericht

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Hatte im Bereich der CD-Reviews bei mir mit Betty Fox bereits eine Blondine den Auftakt vor einigen Tagen bestritten, fiel nun das ‚Ius primae noctis‘ auf Vanesa Harbek, die argentinische Blues-Queen. Diesbezüglich ist natürlich nur der erste abendliche Konzertbesuch des Jahres gemeint!

Die war schon, ähnlich wie vor knapp einem Jahr, mit ihren beiden etatmäßigen Mitstreitern Lukasz Gorczyca am Bass und Tomek Dominik an den Drums, im Rahmen ihrer, sich noch durch den gesamten Januar ziehenden Deutschland-Tour, wieder im urigen Leverkusener topos vorstellig.

Trotz ihrer letztjährigen guten Leistung hielt sich die Zuschauerresonanz, vermutlich mal wieder wegen des wirklich ungemütlichen Wetters, in einem sehr überschaubaren Rahmen. Nur recht wenige, aber auch einige Stammleser unseres Magazins, hatten sich vor der kleinen Bühne und um den Thekenbereich eingefunden.

Vanesa (hatte vom Outfit her die Netzstrumpfhose diesmal gegen eine signalrote Hose mit kniehohen Stiefeln eingetauscht, um den Hals hatte sie wieder u. a. ihre lange rote Perlenkette mit Kreuz, die sich zwischenzeitlich immer wieder auf den Body ihrer Gitarre legte) spielte sich zum Auftakt des zweiteiligen Sets mit dem Standard-Klassiker „Hideaway“ die Finger warm, um dann mit Tracks wie „Rooster Blues“, If You Love Me“, Something’s Got A Hold On Me“, identisch zum letzten Mal, in den Gig hineinzufinden.

Üblicher Bestandteil eines Vanesa Harbek-Konzerts ist natürlich auch, ihrer Heimat Tribut zu zollen, was im Anschluss mit „Vuelvo Al Sur“, einem Lied von Astor Piazzolla, der als Begründer des Tango Nuevo Berühmtheit erlangt hat, und „Vanesca Tango“ (beide mit spanischem Gesang), emotional belegt wurde.

Mit „Hell In Paradise“ wurde dann wieder in englischer Sprache mit einem Ex-Freund ‚abgerechnet‘, der Schunkler „Sitting On A Boat Dog“ und das shufflige „Killing Floor“ (schöner Schlagabtausch zwischen Vanesa und Lukasz im Instrumental-Bridge) beendeten die erste Dreiviertel-Stunde.

Nach der Pause, die für erste Merchandise-Aktivitäten und Getränkebestellungen genutzt wurde, ging es mit „Chitlins Con Carne“ (Bass-Solo Gorczyca) ruhig weiter, um dann aber mit „Pride & Joy“, in Rock’n’Roll-Manier, Gas zu geben.

„Te Extraño Buenos Aires“, „En El Abismo“ und später die bärenstarke Coverversion von „Oye Como Va“ bildeten einen weiteren lateinamerikanischen Part im zweiten Abschnitt. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass beim Umzug Vanesas von der argentinischen Hauptstadt in die deutsche nach Berlin, so ein wenig das dortige feurige Temperament auf der Strecke geblieben ist.

Mit das Highlight für mich persönlich war die brandneue Ballade „Big Love“ (aus der Feder von Lukasz Gorczyca), in der die schlaksige Blondine ein fulminantes E-Solo auf ihrer Stratocaster hinzauberte. Die Eric Clapton-Adaption „Further Up On The Road“ gab am Ende den geplanten Rausschmeißer.

Das Trio wurde aber nicht so einfach in den Feierabend gelassen und musste dann mit einer Klasse-Version von „Proud Mary“ (tolle Tempozunahme im Schlussbereich des Stückes) und dem Blues-Retro-Schunkler „Take A Look At Yourself“ in die Nachspielzeit.

Insgesamt ein ordentlicher Konzertauftakt 2020 mit der sympathischen und engagiert spielenden Vanesa Harbek Band (am Ende hatte die Protagonistin für jeden Anwesenden ein Ohr und ließ sich natürlich auch noch mit so manch rheinischer Frohnatur zusammen ablichten…) , der deutlich mehr Zuschauer verdient gehabt hätte.

Line-up:
Vanesa Harbek (lead vocals, electric guitar)
Lukasz Gorczyca (bass)
Tomek Dominik (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus
Video: Klemens Kübber

Vanesa Harbek
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topos Leverkusen

Ana Popovic – 08.12.2019, Club Volta, Köln – Konzertbericht

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Im Vergleich zu bisherigen Konzerten die ich bisher von ihr besucht habe, hat Ana Popovic im gut gefüllten Club Volta, ihre Begleitband aus dem letzten Jahr, um eine Bläsersektion erweitert.

Nach der im Musikgeschäft üblichen akademischen Viertel-Stunde betrat die Band zunächst ohne Ana Popovic die Bühne und legte jammend los. Popovic stieß dann unter den Applaus der Besucher nach einigen Minuten hinzu und stieg in diesen Shuffle mit ein.

Neben alten Songs präsentierte Popovic auch einige Stücke des aktuellen Albums „Like On The Top“, in dem es vielfach um die Rolle der Frau u. a. in der Musikszene geht, was sich auch in den Ansagen widerspiegelte. Sie meinte, dass es deutlich mehr Geschlechtsgenossinnen wagen sollten, gegen die insbesondere im Blues scheinbare, männliche Übermacht, die Gitarre in die Hand zu nehmen.

Vom Stil her hat Popovic sich selbst ein klein wenig vom klassischen Blues entfernt, was aber nicht als Kritikpunkt zu verstehen ist. Schon während der Touren in den letzten Jahren implementierte sie jazzige, funkige und soulige Elemente, wie auch un diesem Abend, im Kölner Volta Club.

Die Bläser verliehen dabei dem Sound einen gewissen Bigband Charakter und Ana lieferte sich einige Duelle mit ihnen, die mit berechtigten Szenenapplaus bedacht wurden.

Burns am Bass gab einen teilweise stampfenden aber auch funkigen Unterton in den Rhythmus und begeisterte mit einigen Soli und als Begleiter von Kelley bei dessen starken Solopart an den Drums. Michele Papadia bediente wie gewohnt seine Keys, wobei er bei manchen Passagen scheinbar auf die Tasten einzuschlagen schien. Last but not least war da natürlich noch die eigentliche Protagonistin des Abends.

Angesteckt von der guten Stimmung im Volta Club zeigte die gebürtige Serbin, ihre Fähigkeiten als Entertainerin, aber auch als starke Gitarristin. Ihrem Treiben sah vom Merchandisingstand nicht ohne, in diesem Fall berechtigten Stolz, ihr Vater Milton Popovic, im Takt der Musik mitgehend, zu.

Nach etwa 90 Minuten legte das Sextett ein furioses Medley hin, in dem alle Musiker ihre Parts hatten und Popovic dann mit großem Applaus die Bühne verließ, während der Rest der Band noch über Minuten weiter jammte. Der Soundmischer war, ebenso wie das Publikum, so begeistert von diesem Track, dass er in der Annahme, jetzt könne nichts mehr kommen, schon kurz nach dem Finale, das Konzert mit Musik vom Band beendete und auch das Saallicht erhellte.

In einem Gespräch später mit Keyboarder Michele Papadia sagte dieser, dass eigentlich noch ein Song geplant war, wo dann auch Ana wieder gekommen wäre. Sei es drum, auch ohne diese ‚verpasste‘ Zugabe war es ein starker Auftritt, der auch entsprechend vom Publikum gewürdigt wurde, in dem auch einige jüngere Musikfans vertreten waren, was leider im Bluesgenre meistens viel zu wenig der Fall ist.

Nach der Show stand Popovic und ihr Vater, der den Besuchern auch aus einem gemeinsamen Album mit der Tochter bekannt war, noch für Smalltalk und das Erfüllen von Autogrammwünschen geduldig und bestens gelaunt zur Verfügung.

Ein Dank auch an Manuel Banha von 2GetherConcert für die sehr kurzfristige problemlose Akkreditierung für diesen Abend.

Line-up:
Ana Popovic (lead vocals, electric guitar)
Cory Burns (bass, vocals)
Jerry Kelley (drums)
Michele Papadia (keys, vocals)
Claudio Giovagnoli (saxophone)
Davide Ghidoni (trumpet)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Ana Popovic
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Club Volta
2GetherConcert

Andreas Diehlmann Band – 06.12.2019, Café Steinbruch, Duisburg – Konzertbericht

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Berührungspunkte mit Andreas Diehlmann und seiner Band gab es im SoS bis dato nur anhand von CD-Reviews, Besuche eines Konzertes in unseren Gefilden scheiterten leider immer wieder ganz kurzfristig aufgrund privater Gegebenheiten.

Kollege Jörg Schneider hatte die drei letzten Werke des Kasselaners  „Your Blues Ain’t Mine„, „Your Blues Ain’t Mine Tour, Live 2019„und „Point Of No Return“ begeistert reviewt und jetzt ergab sich im nahe gelegenen Cafe Steinbruch in Duisburg am Nikolaustag nochmals eine günstige Gelegenheit.

Trotz des üblen, ungemütlichen Regensauwetters an diesem Abend war die Location recht gut gefüllt und so konnte das Trio mit dem Protagonisten und seinen beiden Mitstreitern Volker Zeller (sehr agil – sah aber aus wie ein in den Achtziger Jahren zurückgelassener Halbstarker aus einer Starsky & Hutch-Episode) und der stoisch, nicht aus der Ruhe zu bringende, trommelnde Tom Bonn, in einem würdigen Rahmen, ihr zweigeteiltes Programm vorstellen.

Nach dem Greenschen „Oh Well“ als Auftakt, kristallisierte sich nicht nur durch die performten „All Along The Watchtower“ und „Hey Joe“ schnell heraus, welcher Musiker zu den Präferenzen des Fronters zählt. In den ausschließlich auf der Stratocaster gespielten Eigenkreationen wie „Full Grown Man“, dem schönen Slowblues „Don’t Go“ , „Point Of No Return“, „I Don’t Know“ und schließlich „Soulshine“ (mit integriertem „No Woman No Cry“, als auch Publikumsgesangseinbindung), ließ er immer wieder Hendrix-typische Wah-Wah-Psychedelic-Elemente in seine vielen filigranen Soli, einfließen.

Diehlmanns kommunikative Art (scherzte über seine verflossenen Frauen, Castingshows, etc.) trug dabei nicht unerheblich zur angenehmen Atmosphäre im Steinbruch bei.

Nach etwa 20-minütiger Pause kippte nach „Going Down“ (Don Nix-Cover mit schöner Battle zwischen Diehlmann und dem schlagkräftigen Zeller) das ‚Blatt‘ mit dem Einsatz der Les Paul im zweiten Part zugunsten von Texas Blues & Boogie Rock à la ZZ Top, was man anhand von  Tracks wie „Blue Jean Blues“, „La Grange“ (für einen Besucher gespielt) oder „Just Got Paid“ aber auch den eigenen (teilweise dezent southern rockigen) Sachen wie u. a. „Rita“ (wieder für eine Ex), „Nothing But The Blues“, „Deadman Walking“ (mein Favorit des Gigs), dem herrlichen Stampfer „Head Down Low“ und „Long Forgotten Nightmare“, klar vor Augen und Ohren geführt bekam.

Als Rausschmeißer und zugleich zweite Zugabe gab es statt dem eigentlich geplanten „Little Wing“ mit „Purple Rain“ (besser zum Wetter passend), nochmals einen stark performten Klassiker (tolles End-Solo von Andreas) serviert.

Fazit: Die Andreas Diehlmann Band offerierte an diesem Abend im Cafe Steinbruch mit einer sympatischen, überaus spielfreudigen als auch gesanglich  und instrumentell ansprechenden Vorstellung, dass man sich vor der großen internationalen Konkurrenz, wie auch partiell im eigenen Lande (Freischlader, Gross & Co.), nicht zu verstecken braucht. Ein paar weniger von diesen vielen omnipräsenten Klassikern, dafür noch mehr Stücke aus dem eigenen Fundus (die ja wahrlich nicht schlecht sind), würden dabei, aus meiner Sicht, einer noch stärkeren Profilschärfe gut tun.

Line-up:
Andreas Diehlmann (lead vocals, electric guitars)
Volker Zeller (bass, vocals)
Tom Bonn (drums)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Andreas Diehlmann Band
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Café Steinbruch Duisburg
Jörg Schneider Webseite

Danny Bryant & Bigband – 27.11.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Nachdem Danny Bryant in der Vorwoche im Quartett im Schwarzen Adler schon ein begeisterndes Konzert abgeliefert hatte, spielte er an einem Mittwoch nun mit seiner Bigband im Gepäck im Dortmunder Musiktheater Piano vor. Trotz des eigentlich ungünstigen Termins, zeitgleich blamierte sich der BVB in Barcelona, war das Piano jedoch gut gefüllt.

Pünktlich um 8:00 Uhr begann sich die auf zwei Ebenen angelegte Bühne zu füllen. Mit vier Bläsern und dem Schlagzeug war der obere Teil schon proppevoll und unten warteten Keyboarder, Bassist und der zusätzliche Gitarrist, bis sich unter dem Applaus der wartenden Fans Danny Bryant dann als Letzter sehen ließ.

Eine kurze aber herzliche Begrüßung von Danny an die Fans und schon ging es los. Sprichwörtlich zum Opener „Holding All The Cards“ hatten Bryant und Band alles im Griff, wobei sie schon nach drei Stücken die Karten neu mischten und das in der Setlist als Zugabe aufgeführte „Guntown“ schon vorzogen. Die Songauswahl war sehr ähnlich zu der vom Konzert in der Vorwoche, wobei die Perfomance durch die große Besetzung natürlich eine andere war und so nicht das Gefühl aufkam, zweimal dasselbe Konzert gesehen zu haben.

„Guntown“, schon im Adler ein Highlight, gewann durch die Bläsersektion noch einmal an Intensität. In einer losgelösten Version von „Unchained“ hatten alle Musiker ihren Solopart und wurden zu Recht vom Publikum mit Szenenapplaus bedacht.

Zum Ende erfüllte Melancholie den Saal, als Stevie Watts an den Keyboards das Intro zu „Painkiller“ einspielte, danach Marc Raner nun mit akustischer Gitarre einsetzte und ein stimmlich bestens aufgelegter Bryant die Besucher fast träumen ließ. Die Rythmussektion um Paul Mallatratt am Bass und Schlagzeuger Dave Raeburn, hielt sich bedächtig zurück, um die Atmosphäre des Liedes nicht zu zerstören, die durch die dezent einsetzenden Bläser noch verstärkt wurde.

Nach etwa sieben Minuten war es dann soweit, Watts spielte an den Keys das scheinbare Outro, bis mit drei Schlägen von Raeburn an den Drums ein fulminantes mehrminütiges Solo Bryants einsetzte, in dem er dann fortwährend von allen Musikern bis zum fast hymnischen Ende unterstützt wurde.

Kurz danach war das Hauptset beendet, aber durch die Stimmung und Zugabeforderungen animiert, legte die Band nach kurzer Zeit noch einmal eine klasse Version des Hendrix-Klassikers „Little Wing“ nach. Dieser (Hendrix) betrachte von einem großen Bild neben der linken Bühnenseite das Treiben und hätte mit Sicherheit Spaß an dem gehabt, was die Band mit seinem Song machte.

Danach war dann scheinbar Feierabend. Das Licht ging an, Sound kam vom Band aus den Boxen aber die meisten Zuschauer verweilten noch im Saal und applaudierten. Die ersten standen schon am Merchandisestand. Als es in der Halle wieder laut wurde und die Band unter ’stehenden Ovationen‘ noch einmal die Bühne betrat, um noch einen letzten starken Rausschmeißer, Bryant nun mit seiner Gibson Firebird slidend, drauf zu setzen. Dann war aber nach etwa 120 Minuten energiegeladenen Blues Rocks zumindest musikalisch Feierabend.

Der großartige Abend wurde dann abgerundet, als alle Musiker sich im Merchandisebereich aufhielten, mit Fans Smalltalk hielten und einiges an Autogrammwünschen erfüllten.

Bryant bewies innerhalb von kurzer Zeit, dass er ein begnadeter Livemusiker ist, dem es im Sturm gelingt ein Publikum in seinen Bann zu ziehen, da er gleich drei ‚Waffen‘ sein Eigen nennen kann: Seine Qualitäten als Gitarrist, eine starke Stimme und eine Band, die ihn auf höchsten Niveau mit absoluter Spielfreude unterstützt. Wie gut, dass es Clubs in der Größe des Piano gibt, in der solche Musik ihre angemessene Plattform findet.

Die Leute, welche überlegt hatten, das Konzert zu besuchen, dann aber doch vor der Glotze das Treiben der gut bezahlten Balltreter des BVB verfolgten, haben an diesem Abend mit Sicherheit die falsche Entscheidung getroffen!

Line-up:
Danny Bryant (lead vocals, electric guitar)
Paul Mallatratt (bass)
Dave Raeburn (drums)
Stevie Watts (keys)
Marc Raner (guitars)
David Maddison (trumpet)
Alex Maddison (trombone)
Lauren Young (tenor saxophone)
Mark Wilkinson (baritone saxophone)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Danny Bryant
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Musiktheater Piano

Danny Bryant – 21.11.2019, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Quasi das letzte hochklassige Blues Rock-Ereignis im Schwarzen Adler unter der Ägide von Ernst Barten – nach 37-jähriger Leidenschaft für diese Musik und unendlich vielen Parademusikern der Szene, die an diesem Ort bis heute ihre Spuren hinterlassen haben.

Da brauchte man keine hellseherischen Fähigkeiten sein Eigen nennen zu können, dass ein Künstler des Genres wie Danny Bryant, ein regelrecht musikalisches Schwergewicht im wahrsten Sinne des Wortes, nochmals alles an Können in die Waagschale werfen würde. Der Vierbaumer Bluestempel war an diesem Abend dementsprechend gut besucht.

Nach pünktlichem Beginn mit „Holding All The Cards“ (zunächst zum Warmspielen im Trio, bis dann der Protagonist dazu stieß) und schon einer Mörderfassung von „Guntown“ direkt im Anschluss, hatte man schon den Mund offen stehen und fragte sich völlig geflasht, ob da überhaupt noch Steigerungspotential für den weiteren Verlauf vorhanden ist.

Auch wenn „Guntown“ am Ende tatsächlich mein persönliches Lieblingsstück des Gigs blieb, folgte jedoch im zweiteilig angelegten Gig, eine einzige Gala in Sachen moderner Blues Rockmusik. Bryant stellt für mich mit seiner tollen Stimme, seinem filigranen E-Gitarrenspiel und seiner Ausstrahlung, im Moment die Speerspitze der britischen Szene dar!

Im Mittelpunkt stand natürlich sein aktuelles Werk „Means Of Escape“ ,das mit Tracks wie u. a. „Warning Signs (In Her Eyes)“, „Nine Lives“, dem ebenfalls überragenden „Where The River Ends“ (tolles Piano Watts), „Mya“ und dem grandiosen Titelsong (dezent an „All Along The Watchtower“ erinnernd) und „Tired Of Trying“ sehr ordentlich bemustert wurde, aber auch brillante Bryantsche Modifikationen von Klassikern wie „Whole Lotta Shakin‘ Goin‘ On“ (Elvis), „Little Wing (Hendrix) und „Knockin‘ On Heavens Door“ (Dylan).

Bei den beiden Publikumsfavoriten „Heartbreaker“, mit integriertem Solieren aller Beteiligten, oder „Painkiller“ (mit famosem Schrei Dannys ohne Mikro am Ende) ließen die Musiker erst gar keinen Schmerz aufkommen. Überhaupt was ist das für eine Klasse-Truppe, die Danny da am Start hat: die Rhythmusfraktion mit ‚Professor‘ Paul Mallatratt am Bass und dem über das ganze Konzert mit riesigem Spass in den Backen trommelnden Dave Raeburn sowie dem famos klimpernden Stevie Watts (Piano, Orgel), der Bryant an seiner rot-weißen Stratocaster entweder untermalte oder mit klasse Soli (z. T. in Honkytonk-Manier) die Stirn bot.

Am Ende wurde es richtig Texas-Boogie-bluesig a la ZZ Top (u. a. bei „Hurting Time“ mit wildem Slidegeschwurbel als 1. Zugabe), als der Brite seine anderen mitgebrachten Gitarren wie die Gibson Firebird und eine weiße Strat (zum finalen phantastischen „Knockin‘ On Heavens Door“) aus dem Regal zog.

Kaum war dieser überragende Auftritt beendet, stürmten Bryant und Watts auch schon zum Merchandising-Tisch, um die zurecht stark nachgefragten Utensilien wie CDs, LPs oder Bilder zu signieren. Beide hatten auch noch Zeit, für ein Foto mit Ernst Barten mir und dem Logo für unsere VIP-Galerie.

Wer nach diesem herrlichen Danny Bryant-Konzert, unter den Anwesenden, noch keine Genossenschaftsbeteiligung im Rahmen des Fortbestehens des Adlers gezeichnet hat, müsste eigentlich zu Hause auf dem Fuße die Webseite ‚www.adler-erhalten.de‘ aufgesucht haben, um den Beitrittsbogen auszufüllen und umgehend in die Post zu geben. Solche mitreißenden, regelrecht ansteckenden Ereignisse im Sinne von Ernst Barten haben es doch verdient, erhalten zu bleiben, oder nicht?

Ein großer Dank von Sounds Of South-Seiten an diesen für seine immense Lebensleistung im Dienste der Blues Rock-Musik und der hiesigen Kultur! Jetzt müssen auch neue Falkner ran, um den Adler in Schwung zu halten. Lasst es uns anpacken, liebe Genossen!

Line-up:
Danny Bryant (lead vocals, electric guitar)
Paul Mallatratt (bass)
Dave Raeburn (drums)
Stevie Watts (keys)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Danny Bryant
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Schwarzer Adler

Ben Poole – 17.11.2019, blues, Rhede – Konzertbericht

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„Vor einem Jahr war Ben Poole das erste Mal da. Wer nicht zugegen war, hatte echt was verpasst, ein Mega-Konzert.“ So begrüßte André Knoch die Gäste in seiner Location. Ben Poole hatte fünf Konzerte in fünf Tagen hinter sich und freute sich zum Tourabschluss in Deutschland wieder im blues in Rhede zu sein.

Diesmal war er als Trio gekommen, um seine neue Live Doppel-CD vorzustellen. Die hatte er mit Wayne Proctor (u. a. früher King King) an den Drums und Steve Amadeo (u. a. Aynsley Lister) am Bass eingespielt . In Rhede stand er mit diesen hochkarätigen Musikern auf der Bühne. Mit „Take It No More“ legten sie sofort richtig los. Ben Poole, in großer Spiellaune, legte sich richtig in die Saiten. Vom ersten Stück an gab es lange intensive Gitarrensoli.

Besonders bei „Don’t Cry For Me“ zeigte er viel Emotion beim Gitarrenspiel und bezog auch seinen Basser stark mit ein. „Let’s have some fun tonight“ kündigte er an und unterhielt sein Publikum mit Späßen, ausgefeiltem Spiel und viel Spontanität. Nach einer Stunde und einer kurzen Pause stellte er seinen engen Freund Guy Smeets vor. Wie auch vor einem Jahr spielte der junge Gitarrist mit ihm gemeinsam den rockigen Blues.

Dabei begeisterten beide vor allem mit einem Cover von Eric Claptons „Old Love“. Bei diesem Song, den Ben seinem Tourmanager und Fahrer Mike widmete, verloren sich beide in eindringlichen Soli auf ihren Arbeitsgeräten. Guy Smeets setzte sich dabei auf die Bühnenkannte und spielte ganz leise sein Solo, eine besondere Stimmung. Auch das Freddy King-Stück „Have You Ever Loved A Women“ durfte nicht fehlen.

Einer der Höhepunkte war sicherlich „Too Tired“. Wie im Original von Gary Moore und Albert Collins wechselten sich hier die beiden Gitarristen ab. Ben Poole und Guy Smeeds lieferten sich bei dem knapp 10 minütigen Stück intensive Gitarrenbattles und zeigten dabei beide ihr ganzes Können samt ihrer ungemeinen Spielfreude.

Zusammen mit Wayne Proctor und Steve Amadeo hat Ben eine Traum-Besetzung gefunden, die die reichlich erschienenen Besucher begeisterte und mit viel Applaus bedacht wurde. Nach knapp drei Stunden Spiel und Späßen endete der Abend für die Besucher des blues.

Line-up:
Ben Poole (lead vocals, electric guitar)
Steve Amadeo (bass)
Wayne Proctor (drums)
Special guest:
Guy Smeets (guitars, bgv)

Text und Bilder: Martina Middeke

Ben Poole
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Blues Rhede

Blues Night – Leverkusener Jazztage – 07.11.2018, Leverkusen, Forum – Festivalbericht

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Kaum zu glauben, aber die Leverkusener Jazztage feiern dieses Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum. Eine Veranstaltungsreihe, die sich über die Zeit einen großen Nahmen gemacht hat und aus dem Musikkalender auch für den WDR-Rockpalast nicht mehr wegzudenken ist. Großartige Jazzmusiker haben hier in den Jahren ein Gastspiel abgeliefert, aber auch andere Musiksparten wurden in die Jazztage integriert. So stellt auch die Blues Night einen festen Bestandteil dar, die auch wieder vom Rockpalast aufgezeichnet wurde und am 25.11.2019 von 00:45 – 4:15 Uhr ausgestrahlt wird. Das Programm hatte es in sich und es verdient in dieser Form festgehalten zu werden.

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Pünktlich, wie im Programm angekündigt, wurde die erste Band vorgestellt und Eamonn McCormack betrat mit seinen beiden jungen Bandmitgliedern Edgar Karg am Bass und Max Jung-Poppe an den Drums die Bühne des gut gefüllten Forums. Der mittlerweile 57-jährige Gitarrist aus Dublin mag für viele ein unbeschriebenes Blatt sein. Dass es sich aber um einen großartigen Blueskünstler handelt, bewies er schon in der Vergangenheit, als er mit Größen wie Rory Gallagher, Nils Lofgren, aber auch unter dem Pseudonym Samuel-Eddy für ZZ Top und Robert Plant, Konzerte eröffnete.

Seine „Liebe“ zur Musik von Rory Gallagher, war während der ganzen Show erkennbar, was auch an den gemeinsamen irischen Wurzeln liegen mag. In den 30 Minuten, die ihm zur Verfügung standen, lieferte er mit seinen Jungs einen starken Blues Rock-Auftritt, der auch beim Publikum entsprechend ankam. Den Beginn bestritt er mit „From Town To Town“ vom aktuellen Album „Like There’s No Tomorrow“, in dem er seine eigene Reise als Musiker von Dublin bis nach Memphis beschreibt. Die folgenden Lieder, „Down And Out“, „Funkytown“ und „Heal My Faith“, alle mit treibender Rhythmussektion und hart gespielten Soli im Stile Gallaghers, mündeten schließlich in „Falsely Accused“, in dem auch Rory mal als Gastmusiker seinen Anteil hatte, aber alle aus der Feder McCormacks stammten.

Fast logische Konsequenz war, dass zum Abschluss des Auftritts mit „Shadow Play“ ein Song von gecovert wurde, der scheinbar wie ein Schatten über die Bühne geschwebt war. In einem Gespräch mit McCormack und Jung-Puppe nach dem Konzert, schilderten diese noch einmal die besondere Atmosphäre der gut besuchten Show und die daraus resultierende Spielfreude, die ihnen aber auch zu jedem Moment des Konzertes anzumerken war. Nach der Show nahm sich McCormack ausgiebig Zeit, um am gut besuchten Merchandising-Stand den Fans, von denen er an diesem Abend mit Sicherheit einige hinzugewonnen hatte, zur Verfügung zu stehen.

Line-up Eammon McCormack:
Eamonn McCormack (lead vocals, electric guitars)
Eddy Karg (bass)
Max Jung Poppe (drums)

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Nach einer kurzen Umbauphase, an dieser Stelle kann schon einmal die gut geplante Organisation hervorgehoben werden (die Sets begannen fast minutengenau wie geplant), wurde dann die Kris Barras Band angekündigt. Die Briten legten gleich, mit „Ignite (Light It Up)“ und „Counterfeit People“ los wie die Feuerwehr. Der Beginn war somit identisch mit einem Konzert, vor einigen Wochen in Dortmund, was aber auch nicht verwunderlich ist, da der Auftritt praktisch im Rahmen der eigenen Tour stattfand und der junge Brite auch erst sein zweites Album herausgebracht hat. Für den heutigen Abend hatte er danach aber dann einige Songs ausgetauscht.

So brachte er mit „I Got Time“ ein Stück mit einem gehörigen Southern-Flair auf die Bretter. Mit „What You Get“ und „Vegas Son“ folgten noch einmal zwei krachend vorgetragene Tracks des aktuellen Werks, bei denen der am Bass wild posende Elliott Blackler und Billy Hammett an den Drums, wie ein Derwisch spielend, eine Basis legten, die Josiah J. Manning mit zum Teil virtuosen Keyboardspiel füllte. Einer der Höhepunkte eines starken Konzertes folgte dann mit „Watching Over Me“, einer Hommage an seinen Vater, bei der Barras sich in Soli sprichwörtlich die Seele aus dem Leib spielte, um in einem Moment scheinbar in sich gekehrt in Richtung Himmel zu zeigen, von wo aus sein Vater, dem Titel des Liedes nach, ein Auge auf ihn wirft.

Bluesig bis hart rockend ging es dann mit „Not Fading“ weiter, um mit „Devil’s Done Right“, Blues und Boogie im Stile von ZZ Top zu performen.
„Lovers Or Loosers“ leitete Manning mit einem psychedelischen Keyboard-Intro ein, in das Barras dann südstaaten-ähnlich seine Gitarre einspielte um kurz vor dem Finale etwas Dampf aus dem Kessel zu nehmen. Ähnlich, mit starken Slide Einlagen, folgte als erste Zugabe mit „Hail Mary“ ein Song, der auch Südstaatenrockern gut zu Gesicht gestanden hätte.

Das Finale Furioso war dann eine scheinbar nicht endende Version von „Going Down“, mit furiosen Gitarrensoli, Bassläufen, krachenden Drums und zünftigen Keyboardeinlagen. Nach etwa einer Stunde verabschiedete sich dann eine bestens aufgelegte Kris Barras Band von begeisterten Publikum. Es ist erstaunlich, mit welcher Bühnenpräsenz der junge Brite, der erst wenige Jahre im Musikgeschäft ist, einen Draht zum Publikum herstellt und auch jedem seiner Mitstreiter die Räume gibt, sich zu präsentieren, sodass der Name ‚Band‘ in diesem Fall absolut zutreffend ist. Wie McCormack nahm sich auch Barras nach dem Konzert ausgiebig Zeit für die Fans, die zahlreich am Merchandising-Stand warteten.

Line-up Kris Barras Band:
Kris Barras (lead vocals, electric guitar)
Elliott Blackler (bass, vocals)
Josiah J. Manning (keys, vocals)
Billy Hammett (drums)

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Um 21:45 betrat dann der Main-Act, Kenny Wayne Shepherd, diesmal im Vergleich zum Konzert im Sommer mit Beth Hart, mit „Bigband“ die Bühne. Zur bekannten Besetzung mit Noah Hunt (guitar, vocals), Scott Nelson (bass), Joe Krown (keyboards) und Chris Layton (drums) gesellten sich an diesem Abend noch Joe Sublett (saxophone) und Mark Pender (trumpet) hinzu. Diesmal ergänzte Shepherd die Setlist um einige Songs, da ihm als Headliner ein größerer Spielraum gegönnt wurde.

Nach einem dramaturgischen Intro vom Band mit Bandvorstellung ließ Shepherd in dieses tiefe Töne seiner Gitarre klingen, sodass man diese scheinbar am Körper spüren konnte, um dann mit „Woman Like You“ die Show zu eröffnen. Durch die Bläsersektion wurde der Sound noch voluminöser als er ohnehin schon war. Nachdem ein sichtlich gut gelaunter Protagonist das Leverkusener Publikum begrüßt hatte, legte er den von Neil Young geschriebenen Buffalo Springfield-Klassiker „Mr. Soul“ in einer harten bluesrockigen Version nach.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt hatte die Band die Fans hinter sich gebracht. Neben dem wie gewohnt starken Gitarrenspiel Shepherds, konnte auch Noah Hunt gesanglich voll überzeugen. Im weiteren Verlauf unterstützte er Shepherd, der dann auch in vielen Songs den Leadgesang übernahm, sowohl an der elektrischen als auch der akustischen Gitarre. Über die spielerische Klasse Laytons an den Drums Worte zu verlieren erübrigt sich. Diese bewies er schon an der Seite von Stevie Ray Vaughan in Band sowie Storyville oder Arc Angels, etc. und bot Shepherd zusammen mit Scott Nelson, der den Bass auf den Punkt brachte, die Grundlage, sich in vielen der Songs an der Gitarre auszutoben, was er beim knüppelhart performten „Long Time Running“ auch entsprechend tat.

Bei „I Want You“ hatte dann Keyboarder Joe Krown seinen ersten ganz großen Auftritt mit einem überzeugenden Honkytonk-Solo. Ganz stark das folgende „Diamonds & Gold“ mit treibenden Rhythmus, einer fast singenden Gitarre Shepherds und starken Rhythmusspiel von Hunt, der sich dazu die Gitarre umgeschnallt hatte. Hervorzuheben auch der wechselweise Gesang der beiden Genannten. Beim Elmore James-Cover „Talk To Me Baby“ wurde es dann richtig bluesig und Joe Sublett am Saxofon und Mark Fender an der Trompete sorgten für regelrechtes Bigband-Feeling, was das Publikum sichtlich begeisterte.

Mit „Heat Of The Sun“ und „Down For Love“ wurde es etwas ruhiger und leichtes Southern-Luft erfüllte das Forum, welches sich bei „Turn To Stone“ fortsetzte und nur durch den Slowblues „Shame, Shame, Shame“ (natürlich mit brachialem Gitarrensolo endend) kurz unterbrochen wurde. Darauf verließ die Band die Bühne, um nach frenetischem Applaus, für insgesamt drei Zugaben noch einmal zurückzukommen.

Das Southern-lastigen „Blue On Black“, wieder mit starken Soloeinlagen Shepherds, sowie das treibende „I’m A King Bee“ (toller Gesang von Noah Hunt) leitete dann ein furioses Finale ein. In einer ausgedehnten Version des Jimi Hendrix-Klassikers „Voodoo Child (Slight Return)“ entfachte Shepherd brachiale Soli, die er bildlich in Richtung Publikum abfeuerte. Seine furiose Bläsersektion, Krown mit Soloeinlagen am Keyboard und die stampfende Rhythmussektion um Layton und Nelson, erstürmten die Halle regelrecht. Das danach nichts mehr kommen konnte, war eigentlich jedem klar.

Line-up Kenny Wayne Shepherd:
Kenny Wayne Shepherd (electric guitar, vocals, lead vocals)
Noah Hunt (lead vocals, electric and acoustic guitar, percussion)
Joe Krown (keys)
Scott Nelson (bass)
Chris Layton (drums)
Joe Sublett (saxophone)
Mark Pender (trumpet)

Fazit: Dem Team um Fabian Stiens ist es gelungen, hochkarätige Künstler für diesen Abend zu gewinnen, die, auch wenn der Blues verschieden interpretiert wurde, gut zusammen passten. So kam es nicht zu Brüchen im Festival. Auffallend war ein sehr präsentes, immer zuvorkommendes Team, was einen fast familiären Charakter entstehen ließ. Einen großen Anteil an der gelungenen Veranstaltung hatten natürlich auch die bestens aufgelegten Künstler und ein Publikum, das sich durchaus anspornend auf die Musiker auswirkte. Ein Lob auch an die Soundtechniker, die einen gut differenzierten Sound in die Halle brachten und die Lichttechniker, die mit abwechslungsreichen Effekten, auch optisch unterstützten.

Ein Dank an Shooter Promotions und Fabian Stiens für die Akkreditierung und die Möglichkeit sich zum Fotografieren recht uneingeschränkt bewegen zu können, dass es gar nicht nötig war, aus dem abgesperrten Bereich vor der Bühne zu agieren, wo man dann eher die Kamaeraleute des Rockpalast gestört hätte, da das Forum mit seiner terassenförmigen Architektur auch so viele Möglichkeiten bietet.

Bilder und Bericht: Gernot Mangold

Eamonn McCormack
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The Kris Barras Band
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Kenny Wayne Shepherd
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Shooter Promotions
Leverkusener Jazztage

Laurence Jones Band – 30.10.2019, Musiktheater Piano, Dortmund- Konzertbericht

Jones-haupt

Die britische Blues Rock-Szene hat sich mittlerweile, zumindest was unsere Konzertberichterstattung betrifft, fest in unserem Magazin etabliert. Jetzt bot sich in unserem geliebten Musiktheater Piano in Dortmund nochmals der Besuch von Laurence Jones mit seiner Band an, der uns bereits schon im April dieses Jahres in Arnheim überzeugt hatte.

Die Zuschauerresonanz blieb für einen Blues Rocker seiner Güteklasse ein wenig hinter den Erwartungen zurück. Ob es am Tag mitten in der Woche oder am gleichzeitig stattfindenden Fußballmatch zwischen Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach (2:1) lag, dass potentielle Genre-Kundschaft wie auch einige sonstige Stammgäste fernblieben, darüber kann nur gemutmaßt werden, fest steht, die deutlich attraktivere Begegnung fand jedenfalls parallel in Essen statt (Niederrheinpokalspiel SpVg Schonnebeck – Rot-Weiss Essen 0:9)…

Wie dem auch sei, um 20:20 Uhr betrat der Protagonist und sein durch zwei Umbesetzungen verändertes Line-up (jetzt dabei Jack Alexander Timmis am Bass und Abbie Adi als Backroundsängerin) die Bretter des Pianos und legte mit dem neuen „I‘m Waiting“ schon mal die erste rockige Duftmarke hin.

Im weiteren Verlauf gab es mit Stücken wie „Wipe Those Tears Dry“, dem treibenden „Stay“, „Heart Is on Fire“, „Beautiful Place“ „Quite like You“, „Mistreated“ schon eine ordentliche Portion aus seinem aktuellen Album, wobei Laurence natürlich einige filigrane Soli (sehr hoher Wah-Wah-Anteil) auf seiner abgewetzten Stratocaster abließ.

Für „Long Long Lonely Ride“ schulterte er einmalig die akustische Gitarre und es zog kurzzeitig eine ordentliche rockende Countrybluesbrise durchs Piano. Keyboarder Benny Holland blühte schon zu diesem Zeitpunkt auf und klimperte sich an seinen Tastengeräten (Piano und Hammond-Orgel) auch mehrmals in den Vordergrund.

Die neue langbeinige Backgroundsängerin Abbie Adi (toller Anblick in ihrem eleganten schwarzen Outfit) machte das, was man bei diesen Damen kennt und liebt: Sie schwang die Hüften, sang ihre ‚Uuhs‘ und ‚Aahs‘, und schüttelte ab und zu auch mal rhythmisch mit dem Tambourine.

Während der schmächtige Phil Wilson (Bruder von Ash Wilson) mit einigen schöne Poltereinlagen glänzen konnte, erledigte der zweite Neuling, Jack Alexander Timmis, ein soliden Job am Bass, hatte aber auch kaum Gelegenheit, sich großartig zu profilieren.

Mit der ganz starken Ballade „Take Me“, der furiosen Version von „All Along The Watchtower“, bei der Laurence immer wieder zum großen Hendrix-Bild seitlich der Bühne hinblickte, Jones‘ Paradesstück „Thunder In The Sky“ (Wahnsinns-Soli des Briten), besserte sich die Stimmung von Minute zu Minute.

Das Bo Diddley-Cover „Before You Accuse Me“, das stonesk angehauchte “Everything’s Gonna Be Alright” und der flott interpretierte CCR-Klassiker “Fortunate Son” schlossen dann den kurzweiligen Hauptteil ab. Die eingeforderte Zugabe ließ nicht lange auf sich warten. Jones & Co. ließen mit „Live It Up“  die feine Lütgendortmunder Location zum Ende des Abends nochmals aufleben. Ein gelungener finaler ‚Rausschmeißer‘.

Nach dem Gig nahm sich Laurence noch Zeit für unser obligatorisches Bild für die VIP-Galerie und auch für seine Fans. Vielen Dank an Jenny Dore vom Piano, die für sich für die gewohnt herzliche Gastfreundschaft verantwortlich zeigte.

Line-up:
Laurence Jones (lead vocals, electric and acoustic guitar)
Jack Alexander Timmis (bass)
Phil Wilson (drums, backing vocals)
Bennett Holland (keys, backing vocals, vocals)
Abbie Adi (backing vocals, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

Laurence Jones
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Musiktheater Piano