Harlem Lake – 04.12.2022 – Yard Club, Köln – Konzertbericht

Am zweiten Advent traten Harlem Lake erstmals in Köln im Yard Club auf. Die aus Harlem bei Amsterdam stammende Band konnte im Sommer bei einigen Festivals begeistern und gewann den European Blues Award. Umso trauriger war es, dass nur etwa 30–40 Musikfans den Weg in den Yard  Club gefunden hatten. Den wenigen Fans, die an diesem Sonntagabend anwesend waren, boten die jungen Niederländer einen Abend, den sie so schnell nicht vergessen werden.

Von Beginn an zeigte sich, welch exzellente Musiker in der Band sind. Als erstes sei dabei Dave Warmerdam genannt, der für das Songwriting verantwortlich ist und trotz seines jungen Alters ein feines Händchen beweist, Elemente aus Blues, Americana und Southern Rock verschmelzen zu lassen. Seine Partnerin, nicht nur auf der Bühne, Jane Timmer übernimmt dabei den Part, die Texte zu schreiben.

Musikalisch gibt es dabei einige Paralellen zu einer amerikanischen Band in der auch Partner eine prägende Rolle spielen. So gab es unter den Besuchern so einige, die Vergleiche mit der Tedeschi Trucks Band machten. Was auf jedem Fall gesagt werden kann, ist, dass Harlem Lake sich nicht hinter prominenten Acts aus dem Genre zu verstecken brauchen.

Die junge Sängerin Jane Timmer begeisterte mit einer klaren Stimme und einem großen Stimmvolumen, was von zarten fast zerbrechlichen Gesang bis hin zur Bluesröhre ging, Zudem ging von ihr eine sehr positive Bühnenpräsenz aus und es gelang ihr schon mit der Ansage in einer Mischung aus Deutsch und Englisch die Besucher direkt einzufangen, dass sich über die gesamte Dauer des Konzertes eine tolle Stimmung mit einigen Anlässen für Szenenapplaus ergab.

Dave Warmerdam hielt sich optisch, meist Piano und Hammond Orgel spielend, zurück, offerierte dabei aber sein Können auch in einigen starken Soli. In den Vordergrund trat er bei den Tracks, wenn er sich die Gitarre schnappte und sich neben der Rhythmusunterstützung einige Gitarrenduelle mit Sonny Ray van den Berg lieferte. Herausragend war dabei der jammende Part in „I Won´t Complain“, mit Soli feinster Southern Rock-Manier, und auch der sonst eher im Hintergrund agierende Bassist Kjelt Ostendorf ein feines Basssolo hinlegte.

Sonny Ray, auch vom äußeren Erscheinungsbild, genau wie Dave in jede Southern Rock-Combo passend, gelang es viele Soloparts so auf den Punkt zu spielen, dass die Songstruktur nicht zerstört wurde. 

Visuell im Hintergrund standen Drummer Benjamin Torbijn und Bassist Kjelt Ostendorf. Dabei zeigten die beiden jungen Musiker schon eine große Souveränität ganz ohne große Effekthascherei. Beide hatten auch ein Feeling dafür, wann man sich etwas zurückhalten muss, um insbesondere bei den ruhigeren Stücken nicht die eher träumerische Stimmung zu zerstören.

Neben dem fast kompletten aktuellen Album spielte die Band als Zugabe mit „Mean Man“ noch ein Lied der Dave Warmerdam Band, aus der letztlich Harlem Lake entstanden ist und mit „Carry On“, dem begeisternden „Crying In The Desert“, „Temptation“, „Beggars Can`t Choose“ und „The Sight Of You“ fünf Songs, die erst auf dem neuen Album im nächsten Jahr veröffentlicht werden. Nach dem, wie die Stücke in Köln präsentiert worden sind, kann ich schon jetzt eine Kaufempfehlung aussprechen!

Zudem coverten Sie mit „Beware“ (von Barrelhouse), „That`s How Strong My Love Is“ (von Little Milton), „Whiskey Drinkin` Woman“ (von Lou Donalson) und „Don’t Change Horses“ (von Tower Of Power) gekonnt einige Stücke von musikalischen Vorbildern und präsentierten so den Anwesenden ein abwechslungsreiches Programm mit einigen Überraschungen durch die noch nicht veröffentlichten Songs, die von den Fans begeistert angenommen wurden.
Nach dem Konzert begaben sich die Musiker sofort zu den wartenden Fans am Merchendise-Stand, um Fanartikel zu signieren, Erinnerungsfotos zu machen und um sich über den Abend zu unterhalten.

Neben den Musikern hatte ich noch ein nettes Gespräch mit dem Vater von Dave Warmerdam, der die junge Band unterstützt, über die Band und deren Pläne. Plan oder Traum wäre es nebenan in der Kantine, in die wir während des Gesprächs schauen konnten, zu spielen. Wenn man den Abend im Yard Club, mit der beeindruckenden Bühnenpräsenz der Band gesehen hat, kann aus diesem Traum ganz schnell Wirklichkeit werden. In der Form ist Harlem Lake auf dem Weg, eine der europäischen Topacts in deren Genre zu werden und sie bewiesen, dass sie nicht zu Unrecht den European Blues Award dieses Jahr gewonnen haben.

Harlem Lake werden voraussichtlich im nächsten Sommer auf dem Freideck der Kantine spielen, ein Termin, den man sich mit knallrot im Kalender markieren sollte. Ein besonderer Dank geht auch noch einmal an die Kantine/Yard Club insbesondere an Markus, der hoffentlich bald wieder vor Ort ist, die es immer wieder schaffen so großartige Künstler in den Kölner Norden zu holen.

Line-up:
Janne Timmer – lead vocals
Dave Warmerdam – organ, keyboards, guitar, bgv
Sonny Ray van den Berg – guitars, bgv
Kjelt Ostendorf – bass, bgv
Benjamin Torbijn – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Harlem Lake
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Yard Club Köln

Kai Strauss And The Electric Blues All-Stars – 02.12.2022 – Yard Club, Köln – Konzertbericht

Leider fanden, wie in den letzten Monaten schon bald üblich,  weit weniger Zuschauer den Weg zu einem Konzert, wenn man die Besuchszahlen vor Corona zum Vergleich heranzieht. Die etwa 40 Bluesrock-Fans haben ihr Kommen aber nicht bereut. Ein gut aufgelegter Kai Strauss präsentierte in zwei Sets über knapp zwei Stunden eine Mischung von alten Songs sowie einigen des aktuellen Albums. Zudem spickte er seine eigenen Stücke mit einigen Covernummern, mit denen er die ‚alten‘ Vorbilder nicht in Vergessenheit geraten lassen will.

Unterstützt wurde er dabei von seinen Electric Blues All-Stars, mit denen er seit mittlerweile acht Jahren zusammenarbeitet. Besonders hob er seine Rhythmussektion mit Drummer Alex Lex und Bassisten Kevin DuVernay hervor, die die Grundlage für den Sound bereiten und er dann eigentlich nur noch ein bisschen Gitarre spielen muss. Ein bisschen Gitarre ist dabei allerdings weit untertrieben.

Knackige Soli begeisterten die Anwesenden und auch stimmlich zeigte sich Strauss in Bestform. Untermalt wurden die Songs durch die Saxophonist Thomas Herrmann und das Keyboard des Engländers Paul Jobson, die beide auch feine Soli einstreuten. Zudem konnte Jobson bei einem Stück auch seine stimmlichen Qualitäten einbringen.

So vergingen zwei Stunden Bluesmusik wie im Fluge und hinterließen als einzigen Wermutstropfen die zu geringe Zuschauerzahl im Yard Club, der lichttechnisch als auch vom Sound her aufgerüstet hat und dafür auch von Strauss mehrfach gelobt wurde, was es für eine Freude macht, unter solchen Rahmenbedingungen aufzutreten.

Line-up:
Kai Strauss – vocals, guitar
Alex Lex – Drums
Kevin DuVernay – Bass
Thomas Herrmann – Saxophone, Harmonica
Paul Jobson – Keyboard, Vocals

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Kai Strauss
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Yard Club Köln

Brett Young – Support: Callista Clark – 19.11.2022, Carlswerk Victoria, Köln – Konzertbericht

Dass es nach den beiden überragenden Konzerten von Peter Frampton und Sean Webster in den Tagen zuvor, die an musikalischer Leidenschaft, -Freude und instrumenteller Klasse kaum zu toppen sind, schwer werden würde, den inneren Hebel kurzfristig auf Nashville-Countrypop umzulegen, war irgendwo klar.

Dass das Brett Young-Konzert mit Callista Clark als Support für den Fotokollegen Mangold, dem Musik eigentlich nicht unkommerziell genug sein kann, zur Höchststrafe avancieren würde, hatte ich schon im Vorfeld befürchtet. Und um es vorwegzunehmen, auch mir ging es nicht anders.

Der Freund des runden Leders würde „Selbst (in) Schuld, Daus“, konstatieren. „Wenn du ehrlichen Hafenstraßenfussball sehen willst, fährste ja auch nicht nach Gelsenkirchen oder Dortmund!“

Da sich die bisherigen Acts im Rahmen der SOUND OF NASHVILLE-Reihe, in der Vergangenheit dann doch durchgehend als positive Überraschungen herausgestellt hatten (auch zum Teil wegen der involvierten Mitmusiker), ging es nach dem Motto ‚die Hoffnung stirbt zuletzt‘ auf in Richtung Kölner Carlswerk Victoria, das mit gut 1.000 Zuschauern mehr als ordentlich gefüllt war.

Als Support kam dann zunächst die blutjunge Callista Clark, mit einer akustischen Gitarre behangen, ganz alleine auf die Bühne und durfte ihre unscheinbaren Songs aus ihrem ersten Album „Real To Me: The Way I Feel“ vorstellen. Dazwischen gab es ein paar nichtssagende Worte, bloß nicht unangenehm auffallen, schien als Ziel ausgelotet gewesen zu sein. Der Neil Young-Titel „Singer Without A Song“ kam spontan in den Sinn…

Nach Stücken wie u. a. „Change My Mind“, „Brave Girl“, „Worst Guy Ever“, „Heartbreak Song“ und „Real To Me“ ließ sie mit dem unterschwellig an „Sweet Home Alabama“ erinnernden Schluss-Track „It’s Cause I Am“ zumindest etwas von ihrem Talent als Songschreiberin aufblitzen. Da sie aber noch am Anfang steht, und allein mit Akustikgitarre immer schwer ist, konnte man ihren Gig als typischen Support-Act abhaken.

Line-up:
Callista Clark (lead vocals, acoustic guitar)

Nach nur einigen Minuten Umbau und einem Einspieler kam dann zunächst die Band und danach der Protagonist des Abends, Brett Young, aus den Katakomben des Carlswerks und versuchte sofort seine Fangemeinde mit dem Opener „Catch“ einzufangen. Was mir sofort auffiel war die so gut wie nicht vorhandene Aura des Nashville-Stars.

Das sollte sich auch im ganzen Verlauf des Konzerts nicht ändern, auch wenn das vermutlich die meisten Anwesenden anders gesehen haben werden (nach dem Gig hörte ich hinter mir zum Beispiel einen Kommentar wie „boah, hatte der ’ne tolle Stimme“).

Mit Country hatte das alles leider überhaupt nichts zu tun, das war eigentlich massenkompatible Popmusik mit maximalem Gewinnstreben in Reinkultur. In den Texten ging es um so tiefgreifende Themen wie Nächstenliebe, Herzschmerz oder wer in Mamis Auto als erster unter den Geschwistern auf dem Beifahrersitz einsteigen darf, wegen Radiosendereinstellen und so…

Auch sämtliche Aktivitäten seiner Spielgenossen, selbst bei der Bandvorstellung (da wechselte er nach ein paar kurzen Tönen direkt zum Nächsten), wurden dann sofort mit seinen zuckersüßen Strophen und Refrains im Keime erstickt. Der agilste war noch Keaton Simons, der bei „You Got Away With It“ mal sporadisch die Harp plustern durfte, bei der Bandvorstellung den ansonsten fehlenden E-Bass schön groovig bezupfte und sich für das eine oder andere E-Gitarrenkurzsolo verantwortlich zeigte.

Bezeichnend waren dann ein paar betrunkene Amerikanerinnen mit einem Kenny Chesney-Typ als Hahn im Korb, die mit jedem weiteren Bier die Intensität ihres Kreischens und Mitsingens erhöhten. Der Gipfel der Peinlichkeit war erreicht, als er dann plötzlich sein kariertes Hemd abgelegt hatte, seinen gestählten großflächig tätowierten Körper zur Schau stellte und eine der besonders Aufmerksamkeit suchenden jungen Mädels auf die Schulter nahm. Als Young dann von seinen beiden Kindern und seiner Frau erzählte und „Lady“ einläutete, fiel die Kinnlade runter. „Good bless America“ dachte ich nur, besonders vor deinen eigenen Landsleuten…

In der Schlussphase samt den beiden Zugaben jagte dann mit Sachen wie „Here Tonight“, „You Didn’t“ und „Sleep Without You“ ein (beliebig austauschbarer) Hit den anderen. Das überwiegende Publikum sang, wedelte und klatschte begeistert mit.

Insgesamt gesehen müsste dieser Brett Young-Gig allerdings für jeden, der schon einmal ein halbwegs anspruchsvolles Konzert erlebt hat, eine große Enttäuschung gewesen sein. Wie bereits oben erwähnt, war es aber auch der erste Ausfall in einer sonst bis dato immer tollen SOUNDS OF NASHVILLE-Reihe.

Trotzdem danke an Semmel-Concerts für die wie immer bestens organisierte Akkreditierung.

Line-up:
Brett Young (lead vocals, acoustic guitar)
Keaton Simons (acoustic guitar, electric guitar, bass, harp, vocals)
Billy Hawn (drums)
XXX (electric guitar, acoustic guitar, vocals)
Matt Ferranti (keys, acoustic guitar, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Brett Young
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Callista Clark
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Semmel Concerts Entertainment GmbH
Carlswerk Victoria

Kiefer Sutherland – 21.10.2022, Carlswerk Victoria, Köln – Konzertbericht

 

Klasse Abend im Kölner Carlswerk Victoria mit Kiefer Sutherland und seinem hochwertigen Begleit-Ensemble! Gut 1.200 Zuschauer sorgten für einen prächtigen und stimmungsvollen Rahmen für das Corona-bedingt verschobene Nachhol-Konzert in der Location auf dem Areal einer ehemaligen Wickelei-Fabrik im Stadteil Mülheim.

Als Support hatten die beiden Pete Seeger-Fans Marla, eine in Köln lebende junge Frau aus Heidelberg und der ebenfalls hier residierende Kanadier David Celia für 30 Minuten Gelegenheit, ihre Flower Power-umwehte Folkmusik im Duett, das maßgeblich auf ihren Akustikgitarren und den aufeinander abgestimmten Lead- und Harmoniegesängen basierte, einer größeren Audienz zu präsentieren und schon Werbung für ihre dann demnächst wieder im kleineren Rahmen stattfindenden Konzerte zu machen. Sie haben mit ihrem sympathischen Auftritt sicherlich den einen oder anderen Interessenten hinzugewonnen.

Nach einer halben Stunde Umbaupause betrat der Hauptact die gemütlich gestaltete Bühne und Kiefer stürmte als Letzter mit seiner knallroten Gibson ES-Gitarre ans Mikro, um mit „Ole‘ Lonely Life“ den Reigen seiner Eigenkreationen, gespickt mit einem Patty Loveless- (dem Countryheuler „Blame It On Your Heart“) und zwei starken Tom Petty-Covernummern („Ways To Be Wicked“ und „Honey Bee“) zu eröffnen.

Der ja zunächst hier eher als Schauspieler bekannte Protagonist (u. a. „Lost Boys“, „The Killing Time“, „Flatliners, „Flashback“, „24“ alias Jack Bauer) begeisterte vor allem mit seiner kommunikativen und glaubwürdigen Art (oder er ist halt ein guter Schauspieler, haha) vor den Songs, wo er zu einigen Tracks humorvoll (zum Beispiel vorm herrlichen „Going Home“, dem Schunkler „So Full Of Love“), aber auch authentisch („Bloor Street„), Anekdoten aus seinem bisherigen Leben zum Besten gab.

Gut gefiel mir der sich mit der clever zusammengestellten Trackliste, ständig erhöhende Intensitätsgrad des Gigs, der nach Americana-, Roots-, Country-lastigem Schwerpunkt, samt Springsteen-(„Something You Love“) und Bob Seger– Ingredienzien („County Jail Gate“), vor allem im letzten Drittel, als Kiefer von der Akustikklampfe wieder zu E-Gitarre überwechselte, in ein furioses Rockkonzert mündete.

Hier konnten dann die beiden starken Gitarristen Doug Pettibone (der auch mit klasse Lap- und Pedal Steel-Einlagen) und Ex-Black Crowes-Mitglied Marc Ford, den wir ja auch schon in kleinerem Rahmen mit seiner eigenen Band mal hautnah erlebt haben, sich ordentlich saitentechnisch austoben und den Stücken eine deutlich härtere Gangart auflegen. Klasse auch der sehr variabel agierende Phil Parlapiano (gibt es für einen Keyboarder eigentlich einen besser passenden Namen?), der mit Klimper- und E-Piano, als auch Synthie- und Orgel-Parts zu gefallen wusste.

Beim furiosen Abschluss des Haupteils, „Down In A Hole“, wurde auch die burschikose Drummerin Jess Calceterra bei ihrem fetzigen Polterfinish, mit einem parallelen Blitz-Spotlightgewitter visuell klasse in Szene gesetzt. Dass Sutherland die musikalischen Ideen noch lange nicht auszugehen scheinen, bewies die starke erste Zugabe „Friday Night“, ein brandneuer Song, der allerdings dann nochmals vom grandiosen Rausschmeißer „Agave“, einem Southern-Tex-Mex-Boogie, mit herrlichen Twins und Soli von Pettibone und Ford nochmals getoppt wurde.

Fazit: Kiefer Sutherland ließ bei seinem letzten Konzert der Tour in der Domstadt keinen Zweifel daran aufkommen, dass er zu den wenigen guten Schauspielern gehört, deren Ausflug ins Musikgeschäft, eindeutig von Begeisterung und Können, anstatt von pekuniären Hintergedanken geprägt ist. Die Audienz konnte sich zufrieden auf den Heimweg begeben. Ein starker Gig des Kanadiers!

Line-up:
Kiefer Sutherland (lead vocals, electric and acoustic guitar)
Doug Pettibone (electric guitar, lap steel, pedal steel, vocals)
Marc Ford (electric guitar, vocals)
Joseph de la O (bass)
Jess Calceterra (drums)
Phil Parlapiano (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Kiefer Sutherland
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Marla & David Celia
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Oktober Promotion
Carlswerk Victoria

TJ Lyle (The Georgia Thunderbolts) – Interview

Vor dem Black Stone CherryGig im Kölner E-Werk, hatten wir kurz Zeit, uns mit dem Sänger der aufstrebenden Southern Rock Band The Georgia Thunderbolts, TJ Lyle, zu unterhalten. Bei herrlichem Wetter, kam es vor dem Gebäude, in dem früher die Harald Schmidt-Show produziert wurde, zu folgendem Interview:

Sounds Of South: Wie kam es zu eurer Bandgründung und speziell dem Namen? Hat er was mit eurem Temperament und eurer Durchschlagskraft zu tun?
TJ Lyle:  Oh, wir kamen Ende 2015, Anfang 2016 zusammen. Wir stammen alle aus der gleichen Gegend. Logan, der Bassist, Zach der Rhythmusgitarrist und ich. Wir sind alle zusammen aufgewachsen. Die anderen trafen wir bei einer Sessionveranstaltung. Wir beschlossen zusammen zu spielen, gingen auf die Bühne, und bekamen einen Preis und seitdem machen wir das zusammen und sind glücklich darüber. Mit dem Namen kam unserer Manager Richard Young um die Ecke, der ist der Vater von Black Stone Cherry-Drummer John Young. So haben wir ihn genommen, er weiß eigentlich mehr darüber. Er wollte das so ähnlich und so ist es jetzt, wie es ist.

Sounds Of South: Ihr seid ja durch unsere Berichterstattung hier megabekannt 😊. Mit welcher Erwartungshaltung kommt ihr nach Deutschland?
TJ Lyle:  Wir haben von den Black Stone Cherry-Jungs gehört, dass das Publikum hier sehr aufnahmefähig für unsere Art von Musik ist. So bedeutet es eine Menge für uns, für diese Leute und Fans zu spielen, vor allem, weil die Leute hier nicht so oft die Gelegenheit haben, diese Musik zu hören. In den Staaten ist jeder nur darauf basiert, der nächste große Act zu werden. Wir wollen eher eine tiefgründige Beziehung zu unseren Fans aufbauen und geben deshalb immer alles für sie. Aber es macht natürlich auch riesig Spaß. Es wird eine energiegeladene Show, es wird gut werden.

Sounds Of South: Ist es von Vorteil direkt von einer hier bereits beliebten und bekannten Band wie Black Stone Cherry ins Schlepptau genommen zu werden oder erhöht das eher den Druck?
TJ Lyle:  Man muss natürlich eine Menge Dampf ablassen, somit ist demnach schon ordentlich Druck da. Aber es geht darum, erstmal hier zu sein, Spaß miteinander zu haben, Verbindungen entstehen zu lassen.

Sounds Of South: Was könnt ihr von Black Stone Cherry noch lernen?
TJ Lyle:  Oh, wie man ein guter Mensch und ein prima Volk wird. Sie sind wirklich ein tolles Beispiel dafür aufgeschlossen zu sein und wir wären ohne sie nicht hier. Sie sind wie Vorbilder, zu den wir aufsehen, ungefähr wie ältere Brüder, und wir können viel von ihnen lernen, zum Beispiel wie sie auftreten, ihre Bühnenenergie, ja, wirklich fast alles, besonders ihre Ausdauer.

Sounds Of South: Wie siehst du die momentane Situation im Southern Rock. Von den einstigen Zugpferden kommt, bis auf die Outlaws vielleicht, kreativ so gut wie garnichts mehr. Dafür machen junge Acts wie ihr und einige andere viel Freude. Wie wird sich das weiterentwickeln?
TJ Lyle:  Es ist im Moment eine coole Zeit. Es gibt in den Staaten wieder eine große Bewegung in Sachen Southern Rock. Es scheint, als wenn zur Zeit alle aus ihren Löchern kriechen, um einen neuen Sound zu kreieren, woher sie kommen und ihre persönliche Note damit zu verbinden. Im Großen und Ganzen ist Southern Rock für mich, sich gut zu fühlen und zu zeigen, wo man her ist. Wir sind einfach eine Rock ’n Roll-Band aus dem Süden. Das ist, was wir alle (vier) sind. Jetzt gerade ist eine sehr kreative Zeit. Du verlierst dich manchmal in ihr, aber du musst versuchen Lieder aus dem Herz heraus zu schreiben. Das ist es, was diese Musik auszeichnet. Musik von ganzem Herzen!

Sounds Of South: Ich habe deine Stimme in meinen Reviews mit der des jungen Johnny Van Zants auf seinen frühen Solowerken verglichen. Kennst du die Scheiben? Liege ich da richtig, wie siehst du das?
TJ Lyle:  Ich denke, das ist eine große Ehre und ein großes Kompliment. Es ist eine verruchte Familie, haha, nein, es ist eine legendäre Familie. Was sie zu erzählen haben ist das, was wir heute als Southern Rock kennen. Es ist wirklich ein wahnsinnig großes Kompliment und ich schätze das wirklich sehr. das ist großartig!

Sounds Of South: Wer ist dein musikalisches Vorbild?
TJ Lyle  (mit Fotograf Gernot im Duett): Paul Rodgers (TJ trägt während des Interviews ein T-Shirt mit seinem Abbild)! Er ist der Größte!

Sounds Of South: Wovon lässt du dich beim Songwriting inspirieren?
TJ Lyle: Oh Mann, das ist eine schwierige Frage. Es ändert sich immer die ganze Zeit. Meist spielt Gefühl dabei eine große Rolle oder Dinge, die ich selbst oder mir nahestehende Personen durchlebt haben. Es geht oft um das alltägliche Leben, deshalb mache ich es. Auch, weil nicht jeder eine Stimme hat und für sich sprechen kann. Es ist, wenn ich auf die Bühne gehe, wie als wenn ich versuche, für andere die Stimme zu erheben, die es nicht können. Das ist schwer, aber dafür mache ich es wirklich. Daraus nehme ich den Drive und die Motivation, über Leute nachzudenken, die das nicht artikulieren können. Das ist für mich selbstverständlich.

Sounds Of South: Gibt es schon Pläne für ein kommendes Album?
TJ Lyle:  Ja, wir haben gerade unseren neuen Song „Livin‘ In Muddy Water“ veröffentlicht und wenn wir wieder zuhause sind, machen wir uns an den nächsten Longplayer ran.

Sounds Of South: Was macht ihr in eurer Freizeit?
TJ Lyle: Wir essen (und trinken) gerne. Wir versuchen Spaß zu haben, und jetzt wo wir hier sind, laufen wir rum und versuchen, soviel wie möglich zu sehen. Es hat mich echt umgehauen, dass hier eine Harley Davidson-Werkstatt direkt um die Ecke ist, weil, bei uns zu Hause stehen die Dinger nämlich überall rum. Wow, das ist schon verrückt. Und jetzt sind wir gleich hier und es wird ehrlich gut werden!

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Das Interview in Englisch:

Sounds Of South: Welcome to Germany T.J.! How did it come to the formation of the band and the name The Georgia Thunderbolts? Does it have anything to do with your temperament and your power of impact?
TJ Lyle:  Oh, we got together in late 2015 and early 2016. We all are coming around from the same area. So we got together, we met each other, Logan and me and Zach, the bass player, the rhythm guitar and myself. We grew up together. The other person really we met playing an open mic one night, We kinda got together, and you know, we got on stage, we thought of playing and gotta get the ballroom from there and we’ve doing ever since, and we’ve really been so fortunate. Our manager Richard Young actually come up with that name, he is the dad from John from Black Stone Cherry, that’s how we get rollin‘ with that. He knows a lot more about that, we do, but he was craving with something like that and that’s kinda were we are now.

Sounds Of South: You are really well known through our reporting here in Germany. What expectations do you have for coming to Germany?
TJ Lyle:  We just heard from the Black Stone Cherry guys that the audience here is perceptive to our kind of music so I think it means a lot to us to be here to play for these people and get these fans and stuff and the biggest part is playing in front of somebody who doesn’t get that kind of music often. You know, cause for us everybody’s attention in the States has been so fast on to the next thing. So we’re just really in depth with our fans and we wanna give everything we can. It is really exciting.

Sounds Of South: Is it advantageous to be taken directly into tow by an already popular and well-known band like Black Stone Cherry or does this rather increase the pressure?
TJ Lyle:  You really want to turn the steam up so there is a lot of pressure, but it’s just all about getting there and having fun with each other. Like I said making that connection, so it is gonna be a drlling show, it’s gonna be good.

Sounds Of South: What can you still learn from Black Stone Cherry?
TJ Lyle:  Oh, how to be a good person and goody people you know they set a great example by being such outgoing guys you know and if we won’t be for them we won’t be here they are kinda like role models we look up to like older brothers you know and we can learn a lot from them just by the way they act, and the stage energy and just really everything, their endurance!

Sounds Of South: How do you see the current situation in Southern Rock? From the former crowd puller, except for the outlaws perhaps, creatively comes almost nothing more. But young acts like her and some others are a lot of fun. How will this evolve?
TJ Lyle:  I think it is really cool, there’s a big movement going on in the states right now in Southern Rock, and it seems like everybody is coming out of the wood work now and try and find a creative sound about where they are from and kinda give on them their taste. Basically Southern Rock for me is a taste of feeling good and it is where you come from. And we are just a Rock’N’Roll band from the South. I mean that’s what anybody really is. Now it is very creative. You get lost in it sometimes, but trying to write songs that aren’t from the heart and that is what all about that music is. From the heart at all, a lot of it is so.

Sounds Of South: I compared your voice in my reviews to that of the young Johnny Van Zants on his early solo works. Do you know the discs? If I’m right, how do you see that?
TJ Lyle:  I think it is a great honor and a compliment because you know that is a taunted family, haha, it is a legendary family, those guys really said what it is that we know today as Southern Rock. So I mean that is a huge compliment and I appreciate that very much. That is awesome!

Sounds Of South: Who is your musical ideal?
TJ Lyle:  Defenitly Paul Rodgers, absolutely, he is the man he is (TJ is wearing a Paul Rodgers-T-shirt during the interview)!

Sounds Of South: What inspires you in songwriting?
TJ Lyle:  Oh man that is a tough one. It changes all the time you know. Mostly a lot of feelings and stuff that I have lived through or I have seen close people they have lived to and it is just about everyday life and that’s why I do it. It is because not everybody has a voice and you know not everybody can speak, so when I get on stage I try to speak for people who can‘ do it theirselves and you know it is hard. That is were I really get it from. That’s where I get the drive, the motivation, just thinking about people who can’t do that. I’m not gonna take it for granted at all.

Sounds Of South: Are there any plans for a new album?
TJ Lyle:  Yeah, actually today we released our new song „Living In Muddy Water“ and when we come back home by time we gonna get in the studio and work on a full length.

Sounds Of South: What do you guys do infree time?
TJ Lyle: Well, we like to eat (and drink). We try to enjoy ourselves and now that we are here we walk around and check out the sides and you know see everything that we can, you know it blew me away that there is a Harley Davidson rep there, ‚cause on every corner at home there is a Harley Davidson, wow. That is kind of crazy. And we just have to be here you know honestly it is gonna be a good time.

Bilder: Gernot Mangold
Interview: Daniel Daus

The Georgia Thunderbolts
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Netinfect Promotion
E-Werk

 

Lindsay Ell – Interview

Gut 1 1/2 Stunden vor ihrem Gig im Rahmen der SOUND OF NASHVILLE-Reihe zusammen mit Kyle Daniel und Shy Carter als Support, hatten wir die Gelegenheit, mit der sympathischen Kanadierin im großzügigen Backstage-Bereich des Kölner Helios37 ein paar Worte zu wechseln.

Sounds Of South: Hallo Lindsay, willkommen in Köln. Du bist, soweit mir bekannt, jetzt zum dritten Mal in der Domstadt. Hattest du ein wenig Gelegenheit, dir auch ein paar Sehenswürdigkeiten der rheinischen Metropole anzusehen?
Lindsay Ell: Vielen Dank, es ist so toll, wieder hier zu sein. Ja, es ist das dritte, vielleicht vierte Mal, und ich liebe Köln. Es macht Spaß, hier zu sein. Ich freu mich riesig, bei euch in  Deutschland ein paar Shows spielen zu können. Wir haben echt einen verrückten Terminplan. Gerade noch gereist, geht es schon vom Zug zum Soundcheck, aber danach hatte ich noch ein wenig Zeit vor der Show in die Stadt zu gehen. So verweilte ich dort ein wenig, der Dom ist einer meiner Favoriten auf diesem Planeten.

Sounds Of South: Deutschland und New Country – passt das aus deinen bisherig erlebten Erfahrungen gut zusammen?
Lindsay Ell: Absolut, ich komme ja ursprünglich aus Kanada und bin dann nach Nashville gegangen. Aber immer, wenn ich in Deutschland bin, fühle ich mich zuhause wie in Kanada. Jeder ist hier so nett und einladend, das Essen ist großartig und alle sind so freundlich. Ich fühle mich hier sehr heimisch. Und ich lieb euer Bier, was will man also mehr, haha?

Sounds Of South: Wie bist du bis dato durch die Corona-Pandemie gekommen?
Lindsay Ell: Die letzten Jahre waren auf viele Arten herausfordernd für alle von uns, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Ich glaube allerdings, dass wir aus diesen Lektionen einiges an wertvollen Dingen mitnehmen können, zum Beispiel zu Hause mit der Familie zu sein, ein bisschen ausgeglichener zu werden, oder ein wenig zu entschleunigen. Das habe ich zumindest daraus gelernt und ich bin dafür auch dankbar. Wir waren ständig unterwegs, tourten um die ganze Welt, aber es war schön, um mal kurz inne zu halten, zu Hause zu sein, mal Lebensmittel in den Kühlschrank zu packen, und einfach mal mit der Familie zusammen zu sein. Ich bin natürlich aber auch froh, wieder zurück zu sein und live spielen zu können. Ich denke wir haben viel gelernt in den letzten Jahren.

Sounds Of South: Während bei den Superstars (u. a. Rolling Stones, Ed Sheeran) bei ausverkauften Stadien hierzulande der Euro beim Besucher locker zu sitzen scheint, kämpfen die kleineren und mittleren Clubs dank Corona und Ukraine-Krieg und den damit verbundenen Preisexplosionen und Zuschauerverlusten massiv ums Überleben. Hast du Ideen, wie man dort in naher Zukunft wieder in die Gewinnzone zurückkehren könnte?
Lindsay Ell: Das ist wirklich eine gute Frage! Ja, wie schon gesagt, es war sehr anstrengend für alle von uns, auf so viele unterschiedliche Arten in den letzten Jahren und du sagst, dass die großen Arenen es bei bestimmten Künstlern leichter hätten, wieder auf die Beine zu kommen. Ich meine allerdings, dass es eher an guten Shows liegt, die Künstler kommen zu lassen und die Leute daran zu erinnern, wie einzigartig Livemusik ist. Wir neigen dazu zu Hause rumzusitzen, Musik auf unseren Computern und Handies anzugucken, beziehungsweise anzuhören, aber nichts von dem kann das Gefühl einer echten Live-Performance, das Gemeinsame oder diese speziellen Momente an einem Austragungsort zu erleben, ersetzen. Man muss die Leute langsam wieder aus ihren Häusern herauslocken und ihnen nicht die Dinge ständig vorhalten und jammern, dass keiner mehr zu den Shows kommt, sondern gerade als kleine Location jetzt in die Zukunft investieren. Ich glaube fest, dass die Leute dann zurückkommen werden.

Sounds Of South: Wie sieht die Situation in den Staaten aus? Gibt es dort auch Auswirkungen zu bemerken?
Lindsay Ell: Ja, dankenswerter Weise ging es Mitte des letzten Jahres mit den Shows wieder bergauf. Auch hier gab es wie du schon anmerktest, viel kleine Clubs, die ihre Probleme hatten und so gerade zurecht kamen, aber irgendwie durchhielten und wieder öffneten. Die Shows sind nun wieder zurück und die Leute dort verstehen jetzt, dass Livemusik wichtig ist. Und, ehrlich gesagt, wenn  die Staaten ein Abbild oder eine Vorahnung dessen sind, wie es  sich entwickeln wird, habe ich ein gutes Gefühl für all diese kleineren Clubs.

Sounds Of South: Du bist aktuell noch mit dem 2020er Album „Heart Theory“ unterwegs. Obwohl wir dich bisher als recht lebenslustige Künstlerin wahrgenommen haben , guckst du auf dem Cover recht grimmig drein und auch die Songs sind ja als Abrechnung mit deinem bisherigen Beziehungsleben zu interpretieren. War es denn wirklich so schlimm?:-)
Lindsay Ell: Haha, weißt du, ich glaube wir alle erleben mal diesen Herzschmerz. Ich wollte eigentlich nur aufrichtige Songs schreiben und ich meine, es wäre nicht authentisch, immer nur ‚Friede-Freude-Eierkuchen‘-Lieder zu kreieren. Wir gehen alle mal durch schwierige Beziehungen. Wir verlieren Jobs, wir reisen durch die Welt, es sterben Familienmitglieder. Wir müssen uns mit diesen schwierigen Situationen auseinandersetzen. Diese Scheibe ist für mich ein Symbol, solche Dinge zu verarbeiten. All diese Sachen, dazu die Pandemie, waren für mich ein wichtiger Prozess, worüber ich dann einfach geschrieben habe. Vom Coverbild, über den ersten Track der Platte, befand ich mich wie in einem Schockzustand, durch den ich dann gegangen bin. All diese Emotionen, die wir fühlen, von Ablehnung, Zorn, Handeln bis hin zu Depressionen, um am Ende einen Ort zu finden, diese Dinge zu akzetieren. Ich wollte wirklich ein Album kreieren, das man vom Anfang bis Ende hören kann und wo man diesen Fortschritt spürt.

Sounds Of South: Der Abschlusstrack „Ready To Love“ suggeriert zumindest den Blick nach vorn. Ist mittlerweile Besserung in Sicht?:-)
Lindsay Ell: Ja, absolut. Es ist schon komisch, all die Musik, die ich momentan schreibe, ist sehr fröhlich und zum Wohlfühlen, wie  es mal war. Ich glaube, dass Musik auf so viele Arten heilsam ist. Es ist schon amüsant, wenn du einen Lernprozess durchläufst und wie es dann dein Leben verändern kann. Ich fühlte, ein Heartbreak-Album schreiben zu müssen und jetzt ist meine Musik vom Stil her, wieder viel fröhlicher.

Sounds Of South: Du hast ja im Verlauf der letzten Jahre mit richtigen Größen der Nashville-Szene getourt, beziehungsweise auch auf den Platten zusammengearbeitet. Welcher der Kollegen/innen hat dich am meisten beeindruckt und warum?
Lindsay Ell: Ja, ich liebe es mit Musikern zu touren, von denen ich noch was lernen kann. Ich habe viel von Brad Paisley und Keith Urban mitgenommen, vor allem ihre Art des Gitarrespielens. Mit Keith Urban auf Tour gewesen zu sein, war unglaublich, er ist so ein toller Songschreiber, Gitarrist und Performer. Auch mit Blake Shelton das Touren im vergangenen Jahr war klasse. Dazu habe ich einige Gigs mit Little Big Town gespielt.  Es macht soviel Spaß mit Leuten die Bühne zu teilen, zu denen man aufschauen kann. Vor ein paar Wochen durfte ich die Show für Shania Twain eröffnen, das war schon eine echte Nummer auf meiner Wunschliste und ich kann noch immer nicht glauben, dass das geschehen ist. Dafür bin ich sehr dankbar. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wenn wenn du dich innerlich auf neue Sachen fokussierst, dass du sie auch wahr werden lassen kannst.

Sounds Of South: Ich persönlich bin ja ein großer Dann Huff-Fan. Von seiner rockmusikalischen Vergangenheit über seine Soli bis zu seinen Produktionen überzeugt er mich immer wieder. Auf’s Neue Er hat ja dein letztes Album produziert. Als was für einen Menschen hast du ihn kennengelernt?
Lindsay Ell: Dann ist der Größte! Er ist so ein unglaubliches Genie in Sachen Produktion und Gitarre spielen. Mit ihm im Studio arbeiten zu dürfen war ein fantastisches Erlebnis. Er ist ein humorvoller und auch ganz spezieller Typ. Und Dann Huff ist durch und durch einer der herzlichsten Menschen, die ich je getroffen habe. Es hat Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten und auch viel von ihm bei der Produktion zu lernen. Er ist einer meiner Herzenskünstler und es war toll mit ihm gewirkt zu haben.

Sounds Of South: Wie sehen deine nächsten Projekte aus?
Lindsay Ell: Ich bin im Studio schon sehr fleißig. Ich schreibe bereits an meinem nächsten Projekt. Im Herbst wird es neue Musik von mir geben und im nächsten Jahr kommt dann die neue Scheibe.

Sounds Of South: Vielen Dank für das Interview, wir freuen uns gleich auf dein Konzert, alles Gute dafür!
Lindsay Ell: Oh, mein Gott, danke, dass ihr hierhin gekommen seid! Danke auch dafür, dass ihr euch die Zeit genommen habt, mit mir zu sprechen.  Ich hoffe, dass euch die Show heute Abend gefallen wird.

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Das Interview in Englisch:

Sounds Of South: Hi Lindsay, first of all, welcome to Cologne. As far as I know, your already for the third time in the Cathedral City of Cologne, aren’t you? Did u find some time to look for any places of interest at the Metropol of the Rhine as well?
Lindsay Ell: Thank you so much, It’s so great to be here. Yes I Think it is for sure my third, perhaps my forth time, but I love Cologne. I love beeing here, I’ve been excited to play some acts. We have been on such a crazy schedule. I’m even travelling, so we came right from the train to soundcheck, but I have a little time for the downtown before the show, so I might set up a little bit, the dome is one of my favourite places on the planet.

Sounds Of South: Germany and New Country-does it fit together from your previous experiences?
Lindsay Ell: Yes, I’m originally from Canada, and I moved down to Nashville. But whenever I’m in Germany, I feel like I’m at home in Canada. Everybody is just so kind and welcoming and the food is amazing and they are just so friendly. I just feel very home. And I love the good beer, what more can you need, haha?

Sounds Of South: How did you get through the Corona pandemic so far?
Lindsay Ell: The past few years have been challenging in so many different ways for all of us, you know, for a number of differnt reasons. But I think we are able to learn a lot of valuable lessons you know, it’s to be home with your family and feel a little more balanced and be able to slow down with something. That I know I ve learned a lot. I m so grateful for that time. We so used to be on the road, toured around the world, but it was actually nice for a brief moment to be home, put food in my fridge and be with my family and so I m very grateful being back to play live-shows, but I think we learned a lot in the past years.

Sounds Of South: While money seems to be pretty loose when it comes to superstars just like Rolling Stones, Ed Sheeran with sold out stadions in this country, are small and middle sized clubs ,thanks to corona, the Ukraine war and the connected Inflation to this, just fighting massively to survive. Do you have any ideas, how they could return in the profit zone?
Lindsay Ell: That is such a good question, you know! Ya, I think it’s been challaging like I said for all of us, in so many ways the last couple of years, and you write that the big venues get back easier on their feet, but I think I just about putting on the good shows and letting artits come and reminding people how special live music is, you know. I think we got used to sitting at home and watching music on our computers and our phones, but nothing will truly replace the feeling of a good live show and getting to see someone in the room and feeling that special moment in a venue. I think it asked people slowly to start coming out of the room to see live music again and don’t remember them how special live music was, not noone come back to my shows and as long the smaller venues are putting on their shows and investing in the future. I do believe that they will come back there.

Sounds Of South: What is the current situation in the US? Are there any impacts to remark on this?
Lindsay Ell: Yes, thankfully shows came back in the US in the middle of last year, There were a number of small venues as you said were struggling and just get by and kinda keep open and stay open, but thankfully they kind of made over it build it up a lot of them and shows are coming back and people have learned that live music is important. And honestly, if  the US is just even a picture of a foreshadow or what it may look like, I do have a good feeling for all those small venues.

Sounds Of South: You are currently on the way/on tour with the 2020th album (Heart Theory). Although we know/have taken you as a fun-loving artist, you are looking pretty grumpy on the cover and the songs are (probably) to be interpreted as a reckoning on you relationship so far. Was it really that bad?
Lindsay Ell: Hahah, you know, I think we all go through a heartbreak, I really want to write songs just from a honest place as a songwriter you know and I think it would be inauthentic for me to pretend we always be happy and always smiling. Ah ya, we all go through break-ups that are difficult. We lose jobs, we move across the world, we lose family members, we go through difficult situations. This record to me is just a symbol how we can work through that. Wheather it’s a break-up or losing a love-one or going through the problem of pandemic this record was so important to me too as sort of process to write how it went through it: from the picture on the cover from the first song of the record it hits me in a place of shock and than moving through, you know. All of the emotions we feel from denial to anger to bargaining to depression even and finally getting to a place of acceptance and at the end. I just really want to write an album that you can listen to top to bottom and hear that progression.

Sounds Of South: The final track („Reade To Love“) at least suggests looking ahead, (therefore)is there now improvement insight?
Lindsay Ell: Yes there is! It is so funny now all of the music that I am writing is really happy is really feel good as It has been. I do think music is healing in so many ways. It is amazing when you come through to that what you learn and how much it can change your life. And I do feel I have to write a heartbreak album and all the music I do now is in a much happier style.

Sounds Of South: In the last years you used to be on tour with very well known Bands of the Nashville scene, respektively cooperated on records as well. What colleague from them used to impresses u most of all?
Lindsay Ell: Yeah I have loved touring with so many artists that I would look up to. I learned a lot from Brad Paisley, and Keith Urban, from the way they play the guitar. Touring with Keith was just incredible, he is such an amazing writer and guitar player and performer. I loved being able to tour with Blake Shelton over the past year and have been playing some shows with Little Big Town and so it is just amazing to be able to tour with artits that I really just look up and to be able to share the stage with them. I just opened for Shania Twain a couple of weeks ago and it was just like a massiv thing of my bucked list and I can not believe that it was happening and I am so grateful for it. It is such a good example if you really put your mind on something new you can really make it happen.

Sounds Of South: I am personally a huge Dann Huff-Fan. He totally always convinced me from his Rock-music past, over his Solos, till his productions. He Used to produce your last album once again. As what kind of person to u get to know of him?
Lindsay Ell: Dann is the greatest. He is like such an incredible genius of a producer and a guitar player and obviously one of my idols as a guitar player and to be able to work with him in the studio was just an incredible experience. He is just amazing and special as a person. And through in and out Dann Huff is just one of the kindest hearts I’ll ever meet and i just love working with him and i learned so much from him as a musician producer and to speaking from my hearted artists it was amazing to work with him.

Sounds Of South: What are your next projects?
Lindsay Ell: I have been in the studio busy I have been wrinting my next project. I will have some new music coming up this fall as well as a new record next year.

Sounds Of South: Thank you very much for this Interview and i m looking (very much) forward to to your upcoming concert right now. Wishing you the very best to it.
Lindsay Ell: Oh my god, Thank you for beeing here! Thank you for taking the time to talk to me before and I hope you guys really enjoy the show tonight!

Bilder: Gernot Mangold
Interview: Daniel Daus

Lindsay Ell
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Oktober Promotion
Helios37 Köln

Black Stone Cherry – Support: The Georgia Thunderbolts – 12.09.2022, E-Werk, Köln – Konzertbericht

Ein Indiz dafür, dass Black Stone Cherry längst in den obersten Regionen der zeitgenössischen Rockmusik angekommen ist, war sicherlich ihre Einladung in der legendären Royal Albert Hall aufzutreten, ein Privileg, das in der Regel nur die Besten der Besten genießen dürfen.

Der Gig wurde als tolles Do-CD-BluRay-Paket festgehalten und von uns auch vor geraumer Zeit hier besprochen. Nun galt es wieder in ’normaleren‘  Sphären, ihre in Europa pandemie-bedingt um zwei Jahre verschobene Tour nachzuholen. Das Auftaktkonzert führte sie wieder ins Kölner E-Werk, wo wir das Quartett aus Kentucky 2018 schon einmal  bewundern durfte. Besonderes Bonbon für uns, statt wie damals mit einer klassischen Hard Rock Band, gab es mit den Georgia Thunderbolts diesmal lupenreinen Newcomer Southern Rock als Support. Die Band ist ebenfalls beim BSC-Label Mascot Records unter Vertrag.

Wenn ich mich daran erinnere, dass das heutige Kreativaushängeschild des Genres, Blackberry Smoke, damals bei ihrem Debüt vor 40 Zuschauern spielen mussten, bis sie sich nach und nach hier erst ihren Namen machten, durfte sich das Quintett aus Rome, Georgia, diesmal direkt über eine Zuschauermenge im vierstelligen Bereich freuen. Vor dem Gig hatten wir dazu noch die Gelegenheit, mit Leadsänger TJ Lyle ein Interview zu führen, dass dann demnächst noch nachzulesen ist.

Auch wenn Sound und Licht (Fotograf Gernot beklagte schlechte Bedingungen), wie bei Vorgruppen oft üblich, deutlich Luft nach oben hatten, machten die Jungs einen klasse Job. Die Audienz ging direkt mit rhythmischen Klatschen am Anfang des Openers „Can I Get A Witness“ mit, und so war schon nach wenigen Momenten das Eis gebrochen.

Sänger TJ Lyle, dessen Stimme mich an Johnny Van Zant zu Beginn seiner Solokarriere erinnert, hielt dann beim Singen den Mikroständer auch überwiegend in der typisch diagonalen (Ronnie) Van Zant-Pose. Die Rhythmusfraktion bestehend aus dem kraftvollen Drummer Bristol Perry und dem herrlich ludenhaft (Frisur/Brille) aussehenden Bassisten Zach Everett polterte und groovte ziemlich hart im Hintergrund, die beiden E-Gitarristen Riley Couzzourt und Logan Tolbert, von denen sich Erstgenannter als der Extrovertiertere gab, steuerten mit ihren Soli und Twin-Einlagen das southern-typische Flair bei.

In ihrem 40-minütigen Zeitfenster gaben sie dann Tracks wie u. a. das Allman-Cover „Midnight Rider“, „das schunkelige „Be Good To Yourself“, „Take It Slow“, „Spirit Of A Workin‘ Man“, „Looking For An Old Friend“ oder auch einen Track des bald kommenden neuen Albums „Livin‘ In Muddy Water“ (Lyle zeichnet sich hier auch als guter Harpspieler aus) zum Besten. Sie verabschiedeten sich unter großem Applaus der E-Werk-Audienz mit „Lend A Hand“. Ich würde sagen: Deutschland-Premiere geglückt! Da freut man sich schon jetzt auf kommende Auftritte in unseren Landen.

Line-up The Georgia Thunderbolts:
TJ Lyle (lead vocals, harp)
Riley Couzzourt (electric guitar)
Logan Tolbert (electric guitar, vocals)
Zach Everett (bass, vocals)
Bristol Perry (drums)

Nach dem starken Auftritt der Georgia Thunderbolts ließen Black Stone Cherry sofort mit „Me And Mary Jane“ keinen Zweifel daran, wer der eigentliche Herr im Hause ist, das Publikum im E-Werk ging sofort in Sachen Bewegen, Klatschen und Mitsingen mit, als wenn es kein Morgen mehr gebe.

Fronter Chris Robertson hatte gegen den im Dauermodus polternden Drummer John Fred Young und die beiden ‚Dauerläufer‘ Ben Wells an der zweiten E-Gitarre und Bassist und ‚Mähnenschüttler‘ Steve Jewell Jr., sowie den sporadischen Perkussionisten Jeff „Bongo“ Boggs, Schwerstarbeit leisten, um am Mikro und bei seinen vielen quirligen E-Soli, die für ihn berühmte Durchschlagskraft aufrecht halten zu können.

Im Prinzip trumpften sie mit der gleichen Setlist (lediglich mit Modifizierungen in der Anordnung) wie bei ihrem Londoner Paradekonzert auf, als Überraschung entpuppte sich das schon länger nicht mehr performte „Rain Wizard“. Zum Durchatmen blieb so gut wie keine Gelegenheit, gegen Ende gab es mit den ‚Hits‘ „White Trash Millionaire“, „Blame It On The Boom Boom“, „Lonely Train“ und der stimmungsvollen Zugabe „Peace Is Free“ absolut kein Halten mehr im, vom Alter her, sehr schön von Jung und Alt durchmischten Auditorium.

Insgesamt zeigte sich, dass 100-prozentiger Einsatz für Black Stone Cherry keine Frage einer besonderen Location ist. Sie geben eigentlich immer, egal wo, absolutes Vollgas. Das kommt einfach gut an und ist sicher auch eines der Geheimnisse ihres großen Erfolgs. Vielen Dank an Mark Dehler von Netinfect Promotion und Michael Schmitz von Mascot für die gewohnte Unterstützung.

Line-up Black Stone Cherry:
Chris Robertson (lead vocals, electric and slide guitar)
Ben Wells (electric guitar, vocals)
Steve Jewell Jr. (bass, vocals)
John Fred Young (drums, vocals)
Jeff „Bongo“ Boggs (percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Netinfect Promotion
E-Werk

SOUND OF NASHVILLE feat. Lindsay Ell – Support: Kyle Daniel and Shy Carter – 23.08.2022, Helios37, Köln – Konzertbericht

Es ist tatsächlich schon wieder fast drei Jahre her, als wir das letzte Mal eine SOUND OF NASHVILLE-Veranstaltung im Helios37 in Köln besucht haben. Damals war unter dem Support von Tebey und Temecula Road, Scotty McCreery Hauptact gewesen. Es war noch Vor-Corona-Zeit, bei uns gab es einen richtigen New Country-Ruck im Lande und die Location war rappelvoll.

Die Pandemie brachte dann das noch zarte Pflänzchen wieder zum Erliegen. Gerade die mittleren und kleineren Clubs haben sich trotz der Aufhebung der Beschränkungen immer noch nicht erholt und sind weit weg von dem Zuschauer-Niveau von einst.

Das konnte man auch an diesem Abend spüren, an dem Lindsay Ell als Headliner, mit Kyle Daniel und Shy Carter im Schlepptau, Nashville-Feeling in die Domstadt zurückbringen sollte. Knapp 150 Zuschauer sorgten bei schweißtreibenden Temperaturen doch für einige Lücken im Saale.

Vor Konzertbeginn hatten wir dann das Vergnügen, im weitläufigen Backstagebereich, ein Interview mit der netten Kanadierin zu machen, das dann demnächst etwas später auch hier nachzulesen sein wird.

Den Auftakt bestritt dann der aus Kentucky stammende, mittlerweile in Nashville ansässige Kyle Daniel, den eingefleischte Southern Rock-Fans vielleicht noch als Lead Sänger der Band The Last Straw kennen werden. Den Anwesenden wird er anhand einiger getragener T-Shirts mit seinem Abbild aber vermutlich vom C2C-Festival 2020 geläufig gewesen sein.

Kyle spielte die Akustikgitarre und glänzte mit seinem vorzüglichen angerauten Gesang. Partner mit auf der Bühne war David Henriksson an der E-Gitarre, der mit seinen Slide-Künsten zu gefallen wusste.

Das Duo bot dann Songs wie u. a. „Soul On Fire“, Following The Rain“, „Everybody’s Talkin‘“ oder „Deep in The Woods“ (schön swampig) und präsentierte sich als der countryeskeste Act an diesem Abend. Eine starke Vorstellung der beiden, die nur noch von einer Rhythmussektion aus Bass und Schlagzeug mit im Hintergrund hätte getoppt werden können!

Um 20:45 Uhr betrat dann die eigentliche Überraschung des Abends zusammen mit dem Akustikgitarristen Adam Smith die Bühne. Als ich den bis dato für mich unbekannten, mit Basecap und dicker Goldkette geschmückten Shy Carter sah (dazu hatte er noch lässig ein Handtuch über der Schulter hängen), befürchtete ich zunächst nichts Gutes (irgend so etwas Hip Hop-mäßiges…), wurde aber schon nach wenigen Minuten eines Besseren belehrt.

Denn der zog mit seiner positiven Ausstrahlung und seinen melodischen Songs sofort das gesamte Publikum, das er auch immer wieder zum Singen animierte, mit in seinen Bann. Man merkte sofort, warum er oft als gern gesehener Songwriter für bekannte Interpreten wie u. a. Meghan Trainor, Jason Derulo, Charlie Puth, Faith Hill, Tim McGraw, Keith Urban, Kane Brown oder Billy Currington fungierte.

Das Publikum gab sich jedenfalls bei Tracks wie u. a. „Good Love“ (mit schönem Reggae-Touch), „Heaven“ (etatmäßig performed durch Kane Brown), „You Need To Know“, „Stuck Like Glue“, „God Whispered Your Name“ (Keith Urban) und dem stimmungsvollen „One Call Away“ (Charlie Puth) am Ende, sehr textsicher und nahm die Interaktions-Einladungen immer wieder gerne an.

Ein guter Typ, dieser Shy Carter!

Zu mittlerweile tropischen Temperaturen musste dann die sympathische Kanadierin Lindsay Ell als Alleinunterhalterin, die mittlerweile ziemlich schwitzenden und sich immer wieder Luft zu wedelnden Leute, bei Stimmung halten. Wir hatten sie ja schon zwei mal zuvor im kleineren Blue Shell begutachten können. Sie hatte wenigstens zwei Ventilatoren auf der Bühne und hielt diese dann auch zwischendurch ganz gentlelady-like mal in ihre Audienz.

Lindsay startete mit ihrer aktuellen Single „Right On Time“ in der Akustikvariante. Auch beim folgenden „Go To“ musste die Akustische für ihr filigranes Gitarrenspiel hinhalten. Für „Castle schulterte sie dann erstmalig die E-Gitarre. Vor ihrem Song „Consider This“ reflektierte sie noch mal kurz die Zeit, als sie von Randy Bachman von Bachman Turner Overdrive in Kanada entdeckt wurde.

Über u. a. „Good“, einen neuen Track („I Met You“?), „Gravity“, „The Other Side“, „Hits Me“, „Make You“ kam es bei bald schon kriminellen Luftfeuchtigkeitsverhältnissen im Helios mit „Criminal“ zum Abschluss, wobei Lindsay dann mit „I Don’t Love You“ von ihrem noch aktuellen Album „Heart Theory„, eine Zugabe auf der Akustikgitarre nachlegte. Eine gewohnt gute und engagierte Vorstellung von ihr, wobei ich mir insgeheim doch gewünscht habe, sie mal mit einer Band im Rücken zu erleben.

Trotzdem war es auf jeden Fall wieder schön, den ‚Sound of Nashville‘ nach so langer Pause hautnah miterlebt zu haben. Insgesamt ein kurzweiliger Event mit drei guten Künstlern!

Line-up Lindsay Ell:
Lindsay Ell (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, percussion)

Line-up Kyle Daniel:
Kyle Daniel (lead vocals, acoustic guitar)
David Henriksson (electric guitar, harmony vocals)

Line-up Shy Carter:
Shy Carter (lead vocals)
Adam Smith (acoustic guitar)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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SOUND OF NASHVILLE
Semmel Concerts Entertainment GmbH
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Helios37 Köln

UFO – 12./13.07.2022, NRW – Doppelkonzertnachlese

Die „Last Orders“ Tour, die 2019 zum 50. Bandjubiläum gestartet wurde, konnte nach mehreren Verlegungen endlich auch in NRW an den Spielorten Zeche in Bochum und in der Kantine in Köln fortgesetzt werden. Wenn man den Mutmaßungen Glauben schenkt, wurde an den Abenden mit einer Glocke die vermutlich letzte Bestellung von UFO geliefert.

Leider waren an beiden Abenden in den Locations wie sooft in den letzten Monaten wieder größere Lücken im Zuschauerraum zu vermerken. Dass UFO aber immer noch eine treue Fangemeinde hat, konnte man daran erkennen, dass man einige Zuschauer an beiden Tagen anwesend sah.

Im Schatten der Hard Rock-Dinos hatte die griechische Band Cellar Stone die Chance, Werbung in eigener Sache zu machen, was den Fünfen auch mit eingängigen klassischen Songs der Zunft gelang. Interessant war dabei, wie die Band ihren, von den Fans positiv aufgenommen, knapp 40 minütigen Auftritt, abschloss. Nachdem die letzte Note ihres letzten Tracks verklungen war, setzten sie noch einmal mit einem Gitarrenriff des UFO-Klassikers „Rock Bottom“ ein, was zum Abschluss noch einmal für Szenenapplaus sorgte.

Nach einer kurzen Umbaupause war es dann soweit. Auf der spärlich ausgeleuchteten Bühne waren nur einige Spots auf eine Glocke gerichtet, die um 21 Uhr die vermutlich letzten Konzerte einläutete. Zu den Klängen des Alex Harvey-Klassikers „Faith Healer“ betraten UFO dann die Bühne und bedienten die Fans mit knapp über 90 Minuten klassischem Hard Rock.

Im Setup gab es keine großen Überraschungen und die Band verließ sich zum Großteil auf die altbewährten Hits, die aber auch mit einer großen Spielfreude präsentiert wurden. Dabei war der mittlerweile 74-jährige Phil Mogg gesanglich noch auf der Höhe und bewies auch seine Qualitäten als Entertainer zwischen den Songs. Dass bei UFO nicht nur der Fronter im Vordergrund steht, konnte man daran erkennen, dass Mogg sich immer wieder in den hinteren Bereich der Bühne zurückzog und den anderen Musikern das Zentrum überließ.

Vinnie Moore begeisterte mit gewohnt starken Gitarrensoli, aber auch Neil Carter ist ein exzellenter Leadgitarrist, der auch die Keyboards bestens beherrscht. Beim Kölner Konzert spielte er mit einer solchen Energie, dass er sich vermutlich beim Keyboardspiel den Kopf stieß. Den kleinen Cut, den er an der Stirn hatte, wurde gar nicht weiter beachtet.

Erstaunlich oft befand sich Bassist Rob De Luca im Zentrum des Geschehens und steuerte neben einer starken Rhythmusarbeit auch bei einigen Songs den Backgroundgesang bei. Eine Freude war es, den mittlerweile 70-jährigen Andy Parker zu beobachten, wie er seine Drums von sanft streichelnd, bis zu brachial eindreschend bearbeitete. Welche wichtige Rolle er in der Band spielt, konnte auch ganz am Ende des Konzertes gesehen war, wo es ihm vorbehalten war, sich noch einmal von den Fans, mit einem zufriedenen Lächeln zu verabschieden, als der Rest der Band die Bühne bereits verlassen hatte.

Highlights waren das verspielte, zuweilen träumerische „Love To Love“ und das fast epische, leicht psychedelisch und jazzig angehauchte „Rock Bottom“ sowie der Kracher „Doctor Doctor“. UFO waren bei ihrem  vermutlich letzten Mal in der Region in Bestform.

An der Stelle sei aber auch noch einmal die Problematik für Veranstalter, Clubs und Promotionagenturen und Bands erwähnt, die sich nicht in den zum Teil auch preislich abgehobenen Sphären befinden, wo eine Karte der billigsten Kategorie schon mal im dreistelligen Bereich liegt.

Wenn Locations nur zur Hälfte oder sogar weniger frequentiert sind, bedeutet es nicht nur, dass die Einnahmen über die Eintrittspreise wegbrechen, sondern auch im Bereich Catering weitaus geringer ausfallen und am Ende alle Beteiligten finanziell im Regen stehen. Wenn die Rockkultur in ihrer ureigentlichen Form weiterbestehen soll, geht das nur, wenn die kleinen und mittelgroßen Club, die ja auch für die meisten großen Bands einst die Grundlage waren, mit einer soliden Verdienstbasis kalkulieren können.

Dies gelingt aber nur mit Hilfe der Musikfans, die wieder regelmäßig Konzerte besuchen, ansonsten droht, dass in naher Zukunft, der eine oder andere feine Club die Tore schließen muss. Wenn dies dann einmal geschehen ist, ist dies meist unumkehrbar. Deshalb an dieser Stelle die Bitte, doch mal auf den Seiten der lokalen Veranstalter oder Magazine zu schauen, was so in nächster Zeit geboten wird, und wieder den Weg auch zu den kleineren Gigs zu finden. In diesem Sinne „kein Rock`n`Roll ist auch keine Lösung“.

Line-up:
Phil Mogg (lead vocals)
Vinnie Moore (electric and acoustic guitars)
Rob de Luca (bass, vocals)
Andy Parker (drums)
Neil Carter (keys, guitar, vocals)

Line-up:
Aris Pirris – (lead vocals, guitar)
George Maroulees (guitar)
Akis Rooster (bass)
George Karlis (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Larkin Poe – Support: Ferris & Sylvester – 28.05.2022 – Live Music Hall, Köln – Konzertbericht

Part 2 eines für uns arbeitsreichen Wochenendes. Nach dem wir am Tag zuvor bei den Hard Rock-Urgesteinen Europe und Whitesnake ‚fremdgegangen‘ waren, bewegten wir uns mit dem Besuch der beiden Lovell-Schwestern, alias Larkin Poe, am Samstag in der Live Music Hall zu Köln, wieder zurück in das von uns bevorzugte Terrain.

Die geplanten Larkin Poe-Konzerte zuvor, waren wegen der Corona-Pandemie jeweils zweimal verschoben worden. Diesmal konnte der Gig endlich stattfinden, die Location des (zurecht) ordentlich gehypten Duos (durch Bass und Schlagzeug ergänzt) in der mit 1.300 Besuchern rappelvollen Hütte, konnte nun endlich stattfinden.

Wie sooft bei Konzerten (auch am Abend zuvor) lief uns das uns nahestehende, musikbegeisterte Ehepaar Doreen und Mario Scholten über den Weg, das sich schon am Nachmittag im Rahmen eines ‚Meet And Greet‘ (der Göttergatte war von seiner Herzensdame zum Geburtstag damit beglückt worden) mit den beiden Protagonistinnen getroffen hatte. Die beiden berichteten von zwei sehr angenehmen und trotz ihres Erfolges, sehr natürlich und lebensnah gebliebenen Musikerinnen.

Als Support begannen pünktlich um 19:00 Uhr die beiden Briten Issy Ferris und Archie Sylvester (Ferris & Sylvester). Die hatten ihre knapp 2 Monate junge, erste CD „Superhuman“ mit im Gepäck, aus dem die beiden dann naturgemäß auch viele Stücke wie u. a. „The Party’s Over“, „Golden“ und „Flying Visit“, präsentierten.

Zu gefallen wussten auch die eigenwillig integrierte Cover-Version des Jimi Hendrix-Klassikers „Little Wing“ sowie der schnippische „London’s Blues“ zum Abschluss ihrer gesanglich als auch instrumental anspruchsvollen Performance. Ferris & Sylvester wurden begeistert mit durchgängig viel Applaus nach ca. 45 Minuten vom Publikum in den verdienten Feierabend verabschiedet.

Line-up Ferris & Sylvester:
Issy Ferris: lead vocals, acoustic guitar, bass, percussion
Archie Sylvester: guitars, lead vocals

15 Minuten später war schon die Bühne für den Hauptact Larkin Poe angerichtet. Der Name des Duos aus Atlanta, Georgia, stammt, wie ich recherchieren konnte, von ihrem Ur-Ur-Ur-Großvater, der übrigens wohl ein Cousin des amerikanischen Schriftstellers Edgar Allen Poe war. Die beiden waren ziemliches Neuland für Fotograf Gernot und mich, da wir die bisherigen Reviews zu ihren letzten Scheiben (u. a. „Self Made Man“ und „Kindred Spirits“ immer unserem Benjamin im Magazin, Stephan Skolarski, überlassen hatten.

Die beiden Schwestern führten dann mit ihren beiden Mitstreitern, Tarka Layman und Kevin McGovan, die sich überwiegend mit ihrer Rhythmus-gebenden Arbeit im Hintergrund hielten, durch ein unterhaltsames. 15 Tracks (inklusive einer Zugabe) umfassendes Programm, das von südstaatlich umwobenen Traditional-Blues und Southern Rock geprägt war.

Fronterin Rebecca war dabei naturgemäß mit ihrer pfiffigen und kommunikativen Art die dominantere Persönlichkeit, Schwesterherz Megan, diejenige, die eher auf die instrumentelle Konzentration fokussiert war. Sie steuerte allerdings neben ihren klasse Slides auf ihrer Umhänge-Lap Steel, auch präzise sitzende Harmony-vocals bei. Aber auch Rebecca wusste mit einigen knarzigen Soli auf ihren beiden benutzten E-Gitarren zu gefallen. Begeistert hat mich vor allem ihrer wunderbar klarer Gesang, der mich irgendwie an eine Annie Lennox in einer Southern-Variante erinnert hat.

Als Freunde des Southern Rocks hatten wir natürlich an Songs wie „Keep Diggin'“, „Bleach Blonde Bottle Blues“, „Holy Ghost Fire“, „Back Down South“ (mit integrierten ABB-„Blue Sky“-Kurz-Intermezzo), „Summertime Sunset“, „Black Echo“ und „Blue Ridge Mountains“, besonderen Spaß.

Den zünftigen Abschluss bildet „Wanted Woman / AC/DC“, bevor in der vom Publikum heftig eingeforderten Zugabe mit „Come On In My Kitchen“ den alten Traditional-Blues-Größen der Marke Robert Johnson & Co. Tribut gezollt wurde.

Larkin Poe lieferten an diesem Abend ein überzeugendes Konzert ab. Schön zu wissen, dass sich der Southern Rock auch im weiblichen Nachwuchsbereich keine Sorgen zu machen braucht. Beim nächsten Besuch in der Domstadt, behaupte ich mal, wird eine Halle der größeren Kategorie für die mittlerweile in Nashville, Tennessee, ansässige Band gebucht werden müssen. Klasse Leistung der Mädels!

Line-up Larkin Poe:
Rebecca Lovell: lead vocals, electric guitar
Megan Lovell: lap steel guitar, bgv
Tarka Layman: bass
Kevin McGovan: drums

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Live Music Hall, Köln