49 Winchester – Support: Drayton Farley – 21.05.2024, Kantine, Köln – Konzertbericht

Toller Konzertabend in der Kölner Kantine! Der Gig von 49 Winchester mit ihrem Support Drayton Farley war im Vorfeld aufgrund der gesteigerten Kartennachfrage vom ursprünglich geplanten Club Volta in die ungefähr etwas mehr als doppelt so große Location im Kölner Norden gelegt worden und die Leute sollten ihr Kommen nicht bereuen.

Zunächst stellte der aus der Nähe von Birmingham in Alabama stammende Singer/Songwriter Drayton Farlowe in einem 45-Minuten Programm, Songs aus seinem eigens Fundus vor. Nur mit Akustikgitarre behangen und seinem bardenhaften Gesang, der mich ein wenig an Jason Isbell erinnerte, an der Front, gelang es ihm mit seiner kommunikativen Art, authentischen Texten und melodischen Tracks wie u. a. „Something Wrong (Inside My Head)“, Stop The Clock“, „Dream Come True“, „Evergreen Eyes“ American Dream (Hard Up) und dem abschließenden „Pitchin Fits“, viele Pluspunkte für sich zu sammeln, als auch den verdienten Applaus einzuheimsen.

Line-up:
Drayton Farley (lead vocals, acoustic guitar)

Nach knapp einer halben Stunde Umbaupause brachte dann 49 Winchester, das 6-köpfige Ensemble aus Castlewood, Virginia, das vor geraumer Zeit bereits als Support-Act von Luke Combs für Furore gesorgt hatte, von der ersten Minute an den ‚Kessel‘ in der Kölner Kantine zum Brodeln, visuell zusätzlich durch permanent wehende Rauchschwaden auf der Bühne untermauert!

Das Sextett, bestehend aus dem herrlich kauzig aussehenden, aber auch zugleich sehr charismatisch auftretenden Fronter Isaac Gibson, der mich an eine Art noch unverbrauchte Mischung aus Charlie Daniels in jungen Jahren, Billy Gibbons und Charlie Starr erinnerte sowie Co-Gitarrist Bus Shelton, Schlagzeuger Justin Louthian, Bassist Chase Chafin, Keyboarder Tim Hall und Pedal Steel Player Noah Patrick, sorgte schon direkt mit dem launigen Opener „Chemistry“ dafür, dass die Chemie zwischen Band und Publikum auf’s Beste funktionieren wird.

Im Mittelpunkt standen im weiteren Verlauf des ca. 1 1/2 stündigen Gigs die Songs ihrer ersten Alben, darunter natürlich auch die vom starken „Fortune Favors The Bold“ (“ u. a. „Annabel“, „All I Need“, „Damn Darlin’“, „Second Chance“, „Last Call“),  sowie ergänzend schon eine Vorschau auf den kommenden, am 03. August 2024 zur Veröffentlichung geplanten Nachfolger mit Tracks wie u. a. „Yearnin‘ For You“, „Make It Count“, Leavin‘ This Holler“, das wir dann zu entsprechender Zeit natürlich auch wieder beleuchten werden.

Highlights unter vielen in dieser höchst abwechslungsreichen Show waren für mich persönlich , der bis dato mit der Truppe noch gar keine Berührungspunkte hatte, u. a. Songs wie das atmosphärisch-bluesig-balladeske „Hays, Kansas“, das im emotionalen Refrain zum Mitsingen infizierende „Russell County Line“ sowie das progressive und mit einem starken Instrumentalteil bedachte „Don’t Speak“ oder auch das brandneue „Tulsa“ mit schöner Red Dirt-Note.

Am Ende wurde die Band vom sehr angenehmen Publikum gebührend gefeiert und natürlich nicht ohne Zugabe entlassen. Gibson bedanke sich für die tolle Kölner Audienz („die ihm noch in 15 Jahre in Erinnerung bleiben wird“ – OT) und sorgte mit seinen Kumpanen dafür, dass alle Anwesenden samt der vertretenden Hillbillies, die Kantine überglücklich verließen (mit „Hillbilly Happy“, ein Stück aus dem kommenden, neuen Album).

Besonders gefreut hat mich auch die unbeschränkte Fotoerlaubnis für den Kollegen Mangold. Hier zeigt sich, wie man vertrauensvoll zwischen Band-Management und Multiplikatoren (Agenturen, Magazinen) völlig entspannt zusammenarbeiten kann, um ein bestmögliches Werbeergebnis für die Protagonisten zu erzielen, wie man es an den tollen Fotos unschwer erkennen kann!

49 Winchester, weiter so! Ein toller aufstrebender neuer Act im New Country-, Country Rock-, und Southern Rock-Genre, von dem noch viel zu hören sein wird. Bestnote von uns für diesen Abend!

Line-up 49 Winchester:
Isaac Gibson (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Tim Hall (keyboards)
Justin Louthian (drums)
Chase Chafin (bass,)
Bus Sheltonon (electric guitar, acoustic guitar)
Noah Patrick (pedal steel)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

49 Winchester
49 Winchester bei Facebook
Drayton Farley
Drayton Farley bei Facebook
Lime Tree Music
Semmel Concerts Entertainment GmbH
Kantine, Köln

Charles Esten – 07.05.2024, Club Volta, Köln – Konzertbericht

Wir hatten Charles Esten zuletzt 2019 im Carlswerk Victoria in Köln live begutachten dürfen, diesmal ging es in den benachbarten Club Volta, wo der bekannte Schauspieler und Musiker sein Debütalbum „Love Ain’t Pretty“ im Rahmen seiner Europa-Tournee vorstellte.

Als Support begann zunächst sein Schwiegersohn in spe, Charlie Greene, Sänger und Gitarrist der Nashville-basierten Alternative Folk Rock Band Betcha, der solo Songs aus deren Repertoire u. a. wie „Lucy Lucy“, „July“, „Coincidental“, „Losing My Mind“ oder „Jaded“ mit der Akustikgitarre begleitete.

Zwischendurch durfte dann noch eine weitere Protagonistin, Taylor Noelle, die Tochter von Charles Esten ihr vokales Können beim Crosby, Stills, Nash & Young-Klassiker „Our House“ (von deren „Deja Vu“-Meilenstein) im Duett mit Charlie einbringen. Dazu gab es eine schöne Showeinlage, als Greene gegen Ende seiner 30 Minuten-Performance als Zeichen seiner Nashville-Verbundenheit, einen kleinen pinkfarbenden Cowboyhut an seinem Gitarrenhals befestigte.

Foto-Kollege Gernot Mangold (der diesmal völlig freie Hand hatte) und ich bekamen im schönen Club einen perfekten Platz auf einer Empore, die sich direkt in der Nähe des Backstage-Bereichs befands. Zwischendurch gesellte sich Charles, mit dem ich Samstags zuvor noch ein Interview durchgeführt hatte und Ehefrau Patty Hanson ganz entspannt zu uns und beobachteten und filmten mit Stolz das Treiben ihrer Sprösslinge.

Da auf der Bühne alles bereits vorbereitet war, dauerte es auch nicht lange, bis Charles und der viel-gebuchte schottische Session-Musiker Andy Lucas ihre Positionen auf der Bühne besetzt hatten. Natürlich wurde mit dem Opener und Titelsong des Albums und der Tour „Love Ain’t Pretty“ begonnen. Als ‚pretty good‘ erwies sich hier allerdings sofort die Textsicherheit beim Mitsingen oder auch in Alleine-Sing-Passagen der versammelten Audienz, die bei diversen Tracks für Gänsehaut-Feeling im Club sorgte.

Lucas bildete instrumentell mit seinen starken Keys-Variation (u. a. E-Piano, Orgelhall, viel HT-Piano) für einen starken Counterpart zu seinem mit seinem Charme, Power, Fröhlichkeit und Wortwitz glänzenden Leader, der überwiegend die Akustikklampfe schwang, aber sporadisch immer mal wieder auch zur Stratocaster-E-Gitarre („One Good Move“, „Make You Happy“) griff. Beim herrlich launigen „I Still Do“ bewies er dazu seinen Können an der Mundharmonika.

Es folgten mit „Love Ain’t Love No More“ und dem stampfigen „I Ain’t“ zwei meiner Highlights des aktuellen Werks, wobei erstgenannter Song leider nicht das schöne Fleetwood Mac-Esprit des Album erzeugen konnte, dafür sorgte dann „Candlelight“ für das heute übliche Handyleuchten anstelle der früher gebräuchlichen Feuerzeuge und Wunderkerzen.

Charlie Greene stand dann zum ersten Mal zum Duett beim Simon & Garfunkel-Evergreen „Sound Of Silence“ an Estens Seite. Fans der Nashville-Serie kamen zum ersten Mal bei der Ballade „I Know How To Love You“ auf ihre Kosten. Klar, dass Charles auch für die talentierte Tochter Taylor Noelle ordentlich die Werbetrommel rührte, die dann beim 50er-Schinken „Why Do Fools Fall in Love“ ihren Part.

Das ELO-Cover „Don’t Bring Me Down“ wurde durch heftige Schnell-Klatsch-Einlagen (erstaunlich synchron) regelrecht nach vorne ‚gepeitscht. Mit dem ganz starken „The Worst Day“ (Charles wieder an der E-Gitarre) wurde dann die tolle Schlussphase eingeläutet, dem sich dann Stücke wie „Through The Blue“, „Buckle Up“ (mit starkem HT-Piano-Solo von Lucas), das flotte Nashville-Ding „He Ain’t Me“ und das, den Hauptteil abschließende „Down The Road“ anfügten.

Zur ersten stürmisch eigeforderten Zugabe, dem Oasis-Track „Champagne Supernova“ stieß dann Charlie Green nochmals dazu, den überaus emotionalen Schlusspunkt setzte erneut ein Song der Nashville-Reihe „A Life That’s Good“, das nochmals daran erinnerte, wie gut es uns in unseren Sphären geht, ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. Die wie einstudiert rüberkommenden Gesangspassagen des Publikums begleiteten Esten dann durch die Audienz zum Ausgang bis zum direkt davor geparkten Tourbus.

Am Ende ließ uns Patty Hanson, nachdem wir unser VIP-Bild mit Charlie und Taylor bereits oben im Backstage-Bereich erledigt hatten, noch zum besagten Tourbus geleiten, wo es dann noch ein wenig Smalltalk mit Charles und natürlich das obligatorische VIP-Bild gab.

Ein klasse Typ dieser Charles Esten, samt seiner sympathischen Familie, die für eine vorbildliche und unkomplizierte Zusammenarbeit zwischen Künstler, Agentur (danke auch an Lime Tree Music) und Magazin als Werbemultiplikator sorgten. So sollte es sein! Hat riesig Spaß gemacht!

Line-up:
Charles Esten – lead vocals, acoustic guitar, electric guitar, harmonica
Andy Lucas – keys
Special guests:
Charlie Greene (von Betcha) – lead vocals, acoustic guitar, vocals, percussion
Taylor Noelle – lead vocals, vocals

Text: Daniel Daus
Bilder: Gernot Mangold

Charles Esten
Charles Esten bei Facebook
Betcha
Taylor Noelle
Andy Lucas
Lime Tree Music
Club Volta

Glenn Hughes – 17.04.2024 – Club Volta, Köln – Konzertnachlese

In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts war Glenn Hughes Mitglied der MK III und MK IV Besetzung von Deep Purple. Etwa 40 Jahre später spielt er mit seiner Band im Kölner Club Volta und bringt einen Querschnitt der drei Studioalben aus dieser Zeit.

Somit ist die Setlist ein Kontrastprogramm zu den Deep Purple-Konzerten, da die Songs, die er im Club Volta bringt, seit Jahrzehnten nicht mehr live von Deep Purple gespielt worden sind. In knapp 100 Minuten performt das Quartett neun Songs, die zum Teil durch fast jammende Einlagen geprägt sind, wobei die Musiker vor einem begeisterten Publikum fast entfesselt aufspielen.

Der mittlerweile über 70jährige Huges zeigt sich dabei stimmlich bestens aufgelegt, trifft sowohl die hohen, als auch am Bass für die tiefen Töne, auch mit funkigen Einlagen. Neben dem bestens aufgelegten Huges steht Gitarrist Soren Andersen, dem der „Chef“ viel Freiraum gibt, mehrfach mit Gitarrensoli im Mittelpunkt, wobei er zuweilen fast in Extase auftrumpft.

An den Keyboards und der Hammond Orgel hat er diesmal den Niederländer Bob Fridzema dabei, der von Hughes für seine Spielweise bei der Bandvorstellung mit dem legendären Jon Lord verglichen wird. Ash Sheehan an den Drums sorgt für einen mächtigen Druck von hinten und glänzt mit einem mehrminütigen Drumsolo, was in „You Fool No One“ integriert ist, Dabei könnte man meinen, er hätte mehr als zwei Beine und Arme, so wirbelt er dabei zuweilen über seine Felle und Becken.

Aus einem starken Konzert ragen das hart rockende „Stormbringer“, das bluesige „Mistreated“ sowie das krachende „Burn“, mit dem die Band den Abend beendet, heraus.

Bei der Verabschiedung kündigt Hughes an, dass er nächstes Jahr wiederkommen wolle, dann aber mit einer anderen Songauswahl. Diverse Tracks dieser Art wird er nicht mehr live spielen. Warten wir einmal ab, was die Zukunft noch bringt, aber Glenn Hughes scheint noch lange nicht am Ende zu sein, was er auch an dem Abend im Kölner Club Volta offeriert hat. Glenn Hughes tritt am 13.05.24 noch einmal in der Zeche Bochum auf.

Set List:
Stormbringer
Might Just Take Your Life
Sail Away
You Fool No One / Guitar Solo / Blues / High Ball Shooter / You Fool No One / Drum Solo / You Fool No One
Mistreated
Gettin‘ Tighter
You Keep On Moving
Encore:
Burn

Line-up:
Glenn Hughes – bass & vocals
Soren Andersen – guitars
Ash Sheehan – drums
Bob Fridzema – keyboards

Text und Bilder: Gernot Mangold

Glenn Hughes
Glenn Hughes bei Facebook
Lucky Bob Music Agency
Carlswerk Victoria & Club Volta

Darius Rucker – Support: Tyler Booth – 19.04.2024, Live Music Hall, Köln – Konzertbericht

Gestern Abend gab es in der restlos ausverkauften Live Music Hall in Köln mit Darius Rucker und seiner Live-Begleitband The Carolina Grey Boys ein Konzert, auf das ich mich schon seit der Bekanntgabe riesig gefreut habe. Zum Einen aus nostalgischen Gründen, da ich seine frühere Band, mit der er zunächst Bekanntheitsgrad errungen hatte, Hootie & The Blowfish, schon immer mochte, zum Anderen, weil er auch mit seinem Schwenk in die Nashville-New Country-Gefilde stets Qualitätsarbeit abgeliefert hat.

Aber zunächst überraschte der als Support vorgeschaltete, mir bis dato völlig unbekannte Tyler Booth, rein äußerlich so eine Art junger Alan Jackson, mit einer selbstbewussten, stimmlich starken und auch instrumentell versierten Vorstellung. Acts dieser Art stellen aus meiner Sicht ja überwiegend eher ein überflüssiges Ärgernis dar, oft dann zum Teil nicht mal zur Musik des Hauptacts passend.

Im Falle des aus Campton, Kentucky stammenden Tyler Booth nehme ich aber alles zurück und behaupte das Gegenteil! Der stieg zunächst mit dem, unserer Klientel bestens aus Outlaws-„Lady In Waiting“- und „Bring It Back Alive“-Zeiten, viel gecoverten Evergreen „Freeborn Man“, zunächst ganz solo in sein kurzweiliges Set ein.

Als Unterstützung gesellte sich dann der Steel-Payer Will Van Horn kurze Zeit später mit dazu und assistierte der kräftigen, Slang-getränkten Stimme und dem fingerfertigen Akustikgitarrenspiel des Support-Protagonisten, bei Songs aus dessen eigenem Fundus wie u. a. „G.O.B. by the G.O.G“, „All This Could Be Yours“, „Drinkin Buddy“, „Palomino Princess“ und dem finalen „Hank Crankin‘ People“.

Eine knappe unterhaltsame halbe Stunde, die Tyler Booth nicht nur viel Applaus einbrachte, sondern vermutlich den einen oder anderen neuen Fan dazu animiert haben dürfte, sich mit seinen bisherigen Alben zu beschäftigen.

Line-up Tyler Booth:
Tyler Booth (lead vocals, acoustic guitar)
Will Van Horn (pedal steel)

Als die Pausenmusik abgeschaltet wurde und das Licht erlosch, konnte man die elektrisierte Spannung und Vorfreude im Publikum (und auch an sich selbst) bereits hautnah spüren. Ich hatte diesmal im alterstechnisch sehr schön durchmischten Publikum sogar das Glück, nicht im direkten Umfeld von irgendwelchen infantilen, betrunkenen und kreischenden Amerikanerinnen zu stehen, somit war alles für einen tollen Konzertabend hergerichtet.

Und der launige Opener „Have a Good Time“ stand dann auch so als etwas wie für eine Blaupause der folgenden gut 1/2 Stunden, inklusive der drei Zugaben zum Start der „Starting Fires“-Tour in der Domstadt. Ja, da war sie sofort, diese unglaublich prägnante Stimme, die man unter hunderttausenden Sängern sofort herausfiltert, und die man in Hootie & The Blowfish-Zeiten schon zu lieben gelernt hatte.

Apropos Hootie & The Blowfish: Tracks aus dieser Zeit waren mit „Let Her Cry“, „Hold My Hand“ und „Only Wanna Be With You“ („One Love“ hätte ich vielleicht auch noch gerne gehört) natürlich auch vertreten und zählten mit zu den Highlights des Abends, vor allem, weil Rucker und sein begleitendes Multiinstrumentalisten-Ensemble (allesamt Könner der Extraklasse) sich durchaus kreativ den Originalen stellten und ihnen einen moderneren Anstrich gaben. Man spürte förmlich die wohligen Schauer, die sich in der Körpern der Anwesenden in der proppe-vollen Halle ausbreiteten.

Diverse hochmelodische und launige Stücke aus dem eigenen Country-Solo-Portfolie (u. a. „Beers And Sunshine“, „For The First Time“, „Don’t Think I Don’t Think About It“, „It Won’t Be Like This For Long“, der Mandolinen-verzierte „Come Back Song“, „True Believers“, „Alright“), die Bandvorstellung, ein 90er-Cover-Intermezzo mit Tracks wie „I Like It, I Love It“ (Tim McGraw), „Waterfalls“ (TLC) oder „Poison“ (Bell Biv DeVoe), vervollständigten einen höchst-unterhaltsamen Hauptteil, der mit dem amüsanten Feger „Homegrown Honey“ seinen Abschluss fand.

Der Zugabenteil erwies sich als weiteres stimmiges Puzzleteil im letztendlich tollen Gesamtgig. Zunächst bildete Darius beim smoothen „Valerie“ mit ersten Kollegen wie Jeff Marino (mit Shaker) die Vorhut, bei dem dann sich auch die restlichen Musiker dann sukzessive zu ihren Positionen bewegten und dann den Song ‚anreicherten‘.

Das folgende Stück mit Quinton Gibsons furiosen E-Gitarren-Einlagen kam in bester Southern Rock-Tradition daher und mit Ruckers bis dato größtem Hit, „Waggon Wheel“, dem Old Crow Medicine Show-Cover, eine fulminanter Bluegrass-Abräumer, gab es zum endgültigen Finale kein Halten mehr bei den restlos begeisterten Besuchern der Live Music Hall. Ein grandioser Auftakt zum „Starting Fires“-Tourstart, Besucher des zweiten, der beiden Deutschland-Termine in München am 22. April, dürfen sich schon jetzt ‚die Hände reiben‘!

Line-up Darius Rucker & Band:
Darius Rucker (lead vocals, acoustic guitar)
Lee Turner (keyboards, acoustic guitar, vocals)
Jeff Marino (drums, percussion)
John Mason (bass, vocals)
Quinton Gibson (electric guitar, vocals)
Sasha Ostrovsky (pedal steel, banjo, dobro)
Garry Murray (acoustic guitar, mandolin, fiddle, banjo, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Darius Rucker
Darius Rucker bei Facebook
Tyler Booth
Tyler Booth bei Facebook
prime entertainment GmbH
Live Music Hall Köln

Joe Bonamassa – 09.04.2024, Lanxess Arena, Köln – Konzertbericht

Ich habe immer so das Gefühl, dass die gediegene Blues-Klientel den Begriff ‚Weiterentwicklung‘ scheut, wie der Teufel das Weihwasser. Gerade im Fall Joe Bonamassa habe ich es schon so oft vernommen, dass alles, was der aus New York stammende Musik-Tausendsassa heute betreibt, reflexartig verdammt wird und auf seine (angeblich) brillanten Anfangstage verwiesen wird.

Ich persönlich sehe das allerdings komplett anders, ich finde, dass er sich, besonders seit seiner Zusammenarbeit mit Musikern der Nashville-Extraklasse-Garde und auch vor allem gesanglich deutlich gegenüber den Frühzeiten verbessert hat. Dazu verfolgte er von Beginn an, was ich als völlig legitim erachte, einen klaren Plan, sich mit seinem extravaganten Können und Talent, aus der Überschaubarkeit der kleinen und mittleren Locations herauszuspielen.

Und mit mir haben das scheinbar auch die am gestrigen Abend anwesenden ca. 4.500 Zuschauer in der ansprechend gefüllt aussehenden bestuhlten Lanxess-Arena so gesehen, die von der Altersstruktur sehr schön durchmischt gewesen ist. Heißt wohl, dass es Bonamassa mittlerweile gelingt, die in diesem Metier oft festgefahrenen Altersstrukturen zu durchbrechen und die Blues (Rock)-Musik auch für nachfolgende Generationen attraktiv zu gestalten. Von daher, aus meiner Sicht, alles richtig gemacht.

Der Gig an diesem Abend in der Domstadt, um es vorwegzunehmen, war absolut fantastisch, der bis dato eindeutig beste Auftritt, den ich von ihm plus seinem aktuellen Begleitensemble, bestehend aus der kräftigen Rhythmusfraktion Calvin Turner und Lamar Carter, den Backgroundsängerinnen Jade MacRae und Danniele De Andrea, sowie den etatmäßigen Begleitern Josh Smith und Reese Wynans, erlebt habe.

Wir hatten Plätze ganz vorne in der Nähe der Bühne, der Sound war wunderbar transparent. Joe wirkte von Beginn an locker wie nie, allein schon die beiden ruhigeren Sachen in der Anfangsphase „24 Hour Blues“ und „Self Inflicted Wounds“ waren phänomenal. Sehr stark präsent von Beginn an waren die beiden Backgroundsängerinnen, die mit ihrer ansteckenden Ausstrahlung und ihren kräftigen Vokalorganen einen herrlichen Counterpart zum Fronter abgaben.

Auch alle anderen Akteure wurden diesmal deutlich stärker eingebunden (der agile und viel Power gebende Carter mit Drumsolo innerhalb von“ Just Got Paid“, Altmeister Wynans mit Orgel- und HT-Soli (z. B. „Lazy Poker Blues“) sowie vielen gefühlvollen Untermalungen bei Joes Soli (grandios u. a. beim progressiven „The Last Matador Of Bayonne“) und sogar Rhythmusgitarrist Josh Smith konnte sich diesmal als Solist bei einigen Gelegenheiten profilieren („Self Inflicted Wounds“, „Shout About It“, „Lazy Poker Blues“, dazu schöne Twins mit Joe bei „Mountain Time“).

Joe selbst spielte sich, egal, ob auf den unterschiedlichen Gibson -oder Fendermodellen unterwegs, zum Teil in einen wahren Rausch und demonstrierte nachhaltig seine unglaubliche Fingerfertigkeit. In den ruhigeren Phasen seiner Soli (da erwies sich die Audienz erstaunlich empathisch, es waren überhaupt keine ‚Dazwischenquatscher‘ auszumachen) gab es mehrfach echte Gänsehautmomente.

Spätestens nach der Vorstellung der Band und den stehenden Ovationen der gesamten Arena für Reese Wynans (quasi für seine musikalische Lebensleistung), ging es dann stehend (viele strömten dann vorne an die Bühne) in eine fulminante Zweithälfte mit weiteren Highlightsongs wie „Heart That Never Waits“, „It Is Safe To Go Home“ und dem „Lazy Poker Blues“.

Der unterhaltsame Reigen der vielen, dem Blues angelehnten Stilen (klasse Songauswahl und auch -anordnung), die hier perfekt gemischt wurden, ging dann zum Ende in die Southern-Phase über, wo ZZ Tops „Just Got Paid“ mit einem nahezu infernalen Instrumentalteil geboten wurde, und mit dem Fan-Favoriten „Mountain Time“ (mit ABB-Flair), Wasser auf unsere speziellen Mühlen gegossen wurde.

Fazit: Auch wenn Eric Clapton zuschauertechnisch vielleicht momentan immer noch größeren Zuspruch im Genre genießen sollte, hat ‚Smokin‘ Joe‘ in aktiver, kreativer und spielerischer Hinsicht längst das Zepter im Blues-Olymp übernommen. Die reale Nummer 1 des 21. Jahrhunderts heißt demnach mittlerweile eindeutig Joe Bonamassa!

Vielen Dank an Mark Dehler von Netinfect Promotion, der uns dieses tolle Ereignis ermöglicht hat!

Line-up:
Joe Bonamassa (lead vocals, electric guitar)
Josh Smith (electric guitar)
Reese Wynans (keys)
Calvin Turner (bass)
Lamar Carter (drums)
Dannielle De Andrea (vocals)
Jade MacRae (vocals, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Joe Bonamassa
Joe Bonamassa bei Facebook
Netinfect Promotion
Lanxess Arena, Köln

Dirty Honey – 15.02.2024, Luxor, Köln – Konzertbericht

Donnerstag Abend in der Domstadt, ausverkauftes Luxor, die amerikanischen Rock-Shooting-Stars Dirty Honey hatten sich angesagt.

Als Vorband durfte das Frankfurter Quartett Bird’s View ihre Musik innerhalb von 35 Minuten präsentieren. Dem jüngeren Publikum schien das aggressive Gedresche und Gebrülle einigermaßen zu gefallen, mir persönlich sagte das handwerklich bescheidene und ohne jeden Wiedererkennungswert daher kommende Songkonglomerat überhaupt nicht zu. Ich nenne eine Vorband dieses Kalibers innerhalb der Woche immer ‚Feind des arbeitenden Menschen‘, da sie mich inklusive der damit verbundenen Umbaubauarbeiten für den Hauptact um gut eine Stunde Nachtruhe gebracht hat.

Dafür entschädigten Dirty Honey, um es vorwegzunehmen,  mit einem ganz starken und engagierten Auftritt, der ihnen zurecht überaus großen Zuspruch in Form einer tollen Stimmung einbrachte, was letztendlich in drei Zugaben münzte.

Ich bin mir garnicht sicher, welcher ihrer Tonträger in meiner stetig anwachsenden Sammlung irgendwo verborgen ist, ich meine allerdings, es wäre ihre Debüt-EP gewesen, die mir sehr gut gefallen hatte und auch schließlich den Auslöser dieses Besuchs abgab.

Allein schon mit dem Titelsong ihres aktuellen Albums und Namensgeber der Tour, „Can’t Find The Brakes“, der hier als Opener gewählt wurde, machte das Quartett um Fronter Marc LaBelle eine klare Ansage, dass es an diesem Abend das Luxor abrocken wird. Nicht nur am Aussehen von LaBelle konnte man den wohl größten Einfluss der Band ausmachen, die Spuren der Black Crowes zogen sich wie ein roter Faden durch den gesamten Gig. Auch AC/DC-Reminiszenzen waren in der Rhythmusgabe des Öfteren unverkennbar.

Dass es nicht nur immer heftig zugehen muss, bewies das Kollektiv im gelungenen Akustik-Intermezzo bei „Coming Home (Ballad of the Shire)“ (John Notto hier mit schönem Slidespiel) und der herrlich countryesken Fassung von „Honky Tonk Women“, aber auch bei melodischen Rock-Balladen der Mark Black Crowes, Cinderella, Manic Eden & Co. wie u. a. „Another Last Time“ oder „You Make It Alright“.

Eines der Highlights war sicher auch die shufflige Umsetzung von Aerosmiths „Last Child“.

Mit den insgesamt drei tollen Zugaben „Won’t Take Me Alive“, „You Make It Alright“ und dem launigen Abschluss „Rolling 7’s“, wo Marc  seine Kumpels vorstellte und diese jeweils in ihren Soli ihr gekonntes Handwerk nochmals explizit offerierten, gaben die vier Burschen  eindrucksvoll ihre Freude an diesem Abend preis.

Ihre Mischung aus klassischem-, Sleaze- und Hard Rock sowie ein wenig Country, scheint nicht nur den Nerv der Zeit und der anwesenden ‚Dirty Honies‘, sondern auch der vom Alter her gut gemischten Rest-Audienz exakt getroffen zu haben. Ich denke, es war somit auch schon zugleich die Visitenkarte für größere Locations in Köln (ähnlich wie bei Blackberry Smoke)  bei folgenden Touren hier in Deutschland. Ein klasse Abend mit Dirty Honey!

Setlist:
Can’t Find The Brakes
California Dreamin‘
Satisfied
Scars
Dirty Mind
Tied Up
Coming Home (Ballad of the Shire)
Honky Tonk Women (The Rolling Stones cover)
Don’t Put Out The Fire
Last Child (Aerosmith Cover)
The Wire
Another Last Time
When I’m Gone
Zugaben:
Won’t Take Me Alive
You Make It Alright
Rolling 7’s

Line-up:
Marc LaBelle (lead vocals)
John Notto (guitars)
Jaydon Bean (drums)
Justin Smolian (bass, acoustic guitar)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Dirty Honey
Dirty Honey bei Facebook
Prime Entertainment
Luxor Köln

Eric Steckel – 28.10.2023 – Yard Club, Köln – Konzertbericht

Pünktlich um 20:00 Uhr bahnt sich Eric Steckel mit seiner Band den Weg durch den ansehnlich gefüllten Yardclub auf die Bühne, begrüßt sichtlich gut gelaunt das Publikum und zeigt beim ZZ Top-Cover „Waitin‘ for the Bus“ direkt wofür der Begriff Blues Metal steht. Knallharte Riffs und Soli ohne Schnick-Schnack und Pedalboards prägen den Sound des Trios.

Passend zu seinem Stil hat Steckel für die Herbsttour keinen geringeren am Bass dabei, als den Niederländer Barend Courbois, der noch vor wenigen Monaten mit Michael Schenker unterwegs war, dessen Bassspiel dem Sound eine zusätzliche Härte gibt, ohne dabei die melodische Momente zu verlieren.

Die vorwiegend eigenen Stücke sind stilistisch meist knallharter Blues Rock aber auch Ausflüge in den Southern Rock, wie z. B. das epische „Can´t You See“ begeistert die Musikfans im Yard Club. Steckel überzeugt hier wie im ganzen Konzert stimmlich und mit seinem vielfältigen Gitarrenspiel. Zuweilen hat man den Eindruck, er wird eins mit seiner Gitarre, wenn er zeigt, was aus seinem Instrument herauszuholen ist.

Dem Klassiker „Born Under A Bad Sign“ spielt er mit einer Dynamik und Härte, die den Song in ganz andere Sphären hebt. Courbois fegt dabei über die Saiten seines Basses und legt mit Drummer Elia „the Mad“ Micheletto einen stampfenden Rhythmus vor, der den Yard Club sprichwörtlich in seinen Grundfesten beben lässt.

So entwickelt sich schnell eine Stimmung, auf der die Band regelrecht getragen wird und Steckel, wie auch seinen beiden Begleitern, ist anzusehen, wie sie diese genießen und in ihren energiegeladenen Auftritt einfließen lassen. Steckel gibt sowohl Courbois am Bass, wie Micheletto an den Drums Freiräume für Soli und stachelt sie dabei noch an einen draufzulegen.

Nach etwa 100 Minuten auf der Überholspur beendet das Trio das Konzert mit einer fulminanten Version des Hendrix Klassikers „Voodoo Child“, die ich in einer solchen Härte noch nicht gehört habe. Noch einige Minuten nach Ende des Konzertes ist zu beobachten, wie nicht wenige der Gäste fast sprachlos vor der Bühne stehen und reflektieren, was die Band an diesem Abend abgeliefert hat und was unter Blues Metal zu verstehen ist.

Dass Steckel und seine Band nach dem Konzert direkt neben der Theke am Merchandising-Stand stehen und mit den Gästen plaudern, zeigt die Fannähe des Trios, das so beste Werbung in eigener Sache und für handgemachte Livemusik gemacht hat.

Line-up:
Eric Steckel- vocals, guitar
Elia „the MaD“ Micheletto – drums
Barend Courbois – bass

Text und Bilder: Gernot Mangold

Eric Steckel
Eric Steckel bei Facebook
Kantine/Yard Club Köln

Saga – 16.10.2023 – Carlswerk Victoria, Köln – Konzertbericht

Saga, die mittlerweile auf eine 46 jährige Bandgeschichte zurückschauen kann sorgen dafür, dass das im hinteren Bereich abgehängte Carlswerk ordentlich gefüllt ist. Passend zum Bandnamen ist als Bühnenbild eine Szenerie gewählt, die scheinbar geprägt ist, von antiken Säulen, die sich bei genauen Betrachten als futuristische Hochhäuser, die aus einer City herausragen, verwandeln, was je nach Beleuchtung der Bühne einen mystischen Eindruck macht.

Im etwa 100-minütigen Konzert greifen die Musiker weit in die Vergangenheit und Songs aus der erfolgreichsten Zeit der Band zwischen 1978 und 1983 stehen im Mittelpunkt des Konzerts. Vom ersten Stück „No Stranger“ an hat Fronter Michael Sadler alles im Griff und zeigt sich auch als guter Entertainer. Dabei zeigt er sich stimmlich absolut auf der Höhe und spielt zunächst auch den Bass, während er im späteren Verlauf des Konzertes als Keyboarder, zusammen mit Jan Gilmour (auch schon seit 44 Jahren bei Saga), der neben dem Keyboard auch bei einigen Songs den Leadgesang beisteuert, für den Saga-typischen Sound sorgt.

Ian Crichton, das einzige beständige Mitglied des Quintetts, steht neben Sadler visuell des öfteren im Vordergrund. Mit teilweise harten rockigen Riffs und Soli hat er einen erheblichen Anteil, dass sich über weite Strecken ein sehr rockiges Konzert entwickelt, in dem die Musiker offerieren, dass Saga den komplexen Sound der Alben auch live in Szene setzen kann.

Über Hits wie „On The Loose“, „Humble Stance“, mit abschließenden Drumsolo von Mike Thorne, „Scatching The Surface“, „You`re Not Alone“ geht es zu „Don`t Be Late“ als letzten Song des Sets, und das über die gesamte Show bestens mitgehende Publikum sorgt mit vehementen Zugabeforderungen dafür, dass die Musiker noch einmal auf der Bühne erscheinen.

Mit den obligatorischen „Wind Him Up“, gefolgt von „The Flyer“ beendet Saga eine Reise in die Vergangenheit. Die drei Urgesteine, unterstützt vom Drummer Mike Thorne, der seit 2012 dabei ist und ‚Jungspund‘ Dusty Chesterfield, der neben den Keyboards auch bei einigen Stücken am Bass aktiv ist, stellen dabei klar, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören.

Line-up:
Michael Sadler – Vocals. Keyboards, Bass
Ian Crichton – Guitars
Jim Gilmour – Keyboards, Vocals
Dusty Chesterfield – Keyboards, Bass
Mike Thorne – Drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

Saga
Saga bei Facebook
Carlswerk Victoria
3Dog Entertainment

Patricia Vonne – 26.07.2023 – Freideck Kantine, Köln – Konzertbericht

In der schönen Open Air Bühne sind nahezu alle Sitzplätze besetzt, als Patricia Vonne mit ihrer Band diese bei Sonnenschein betritt, nachdem der Tag vorher eher verregnet war. Zudem verfolgen nicht wenige Fans das Konzert stehend und zum Teil mittanzend.

In zwei jeweils etwa 50-minütigen Sets zieht die Texanerin mit mexikanischen Wurzeln die Fans mit ihrer Bühnenpräsenz von der ersten Minute an in ihren Bann und es entwickelt sich ein Konzertabend, den die Fans mit Sicherheit lange nicht vergessen werden.

Die Setlist umfasst dabei Songs von ihrem Debutalbum aus dem Jahr 2003 bis zum 2018er Werk „Top Of The Mountain„, wobei der Titelsong eines der Highlights des Abends ist. Zudem präsentiert sie mit „Not Too Late“ einen bisher unveröffentlichten Song, der Lust auf ein neues Album macht.

Bei den meisten Stücken wird das Gaspedal durchgetreten und Robert La Roche legt einige furiose Soli auf seiner Rickenbacker hin. Im Mittelpunkt des Geschehens steht aber weitgehend die Vonne, die nicht nur stimmlich beeindruckt, sondern sich gewissermaßen als Multiinstrumentalistin zeigt. Meist ihre akustische Gibson spielend, aber auch Kastagnetten einsetzend, mit denen sie ein mexikanisches Flair auf die Bühne bringt. Bei einem Stück unterstützt sie dann auch noch Barnhard Weichinger an den Drums. Dass sie dabei einen großen Teil des Konzertes auch noch mehr oder weniger tanzend absolviert, ist ein Beweis für die Fitness der auch schon über 50-jährigen Protagonistin.

Im insgesamt sehr rockigen Konzert wird nur bei den spanisch gesungenen balladesken Songs etwas das Tempo herausgenommen, um anschließend wie nach der Ruhe vor dem Sturm direkt wieder musikalisch über die Bühne zu fegen.

Zwischen den Stücken moderiert sie charmant durch die Show und gibt einiges aus ihrem Leben preis, von ihren Geschwistern, dem Verhältnis zu ihrer Mutter. Aber auch Dinge aus ihrer Karriere, sei es über das Album „Rattle My Cage“, von dem unter anderem den Titelsong spielt, wo sie nicht ohne Stolz erwähnt. dass ein gewisser Doyle Bramhall sen. auch seinen Anteil hatte. Oder über ihre ersten Auftritte in Europa als Musikerin von Tito & Tarantula, wo bei einigen Tracks im Konzert auch eine musikalische Nähe zu hören ist.

Es ist schwer aus einem Gig ohne Längen Songs hervorzuheben, aber „Rebel Bride“ und „Lil Lobo“, bei dem Bassist Harmen de Bresser auch den Part des jaulenden Wolfes übernimmt und dabei vom Publikum lautstark unterstützt wird, sind ein Finale Furioso und bilden gewissermaßen den krönenden Abschluss eines wunderschönen Konzertabends. Im Anschluss begaben sich die Musiker schon wenige Minuten nach Ende an den Merchstand  und nahmen sich alle Zeit für die Fans. Patricia gab sogar Schnellkurse im spielen mit den Kastagnetten.

Ein besonderer Dank geht an Marcus Neu und das Bookerteam der Kantine, denen es immer wieder gelingt, tolle Künstler in die Kantine oder den Yardclub zu holen und die an diesem Abend auch durch den guten Besuch und die phantastische Stimmung belohnt wurden.

Line-up:
Patricia Vonne (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, drums, percussion)
Robert LaRoche (electric guitar, acoustic guitar, vocals)
Harmen de Bresser (bass, vocals)
Bernhard Weichinger (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Patricia Vonne
Patricia Vonne bei Facebook
Kantine/Yardclub Köln

Kip Moore – Support: Jillian Jacqueline – 14.05.2023, Kantine, Köln – Konzertbericht

Sound Of Nashville-Time in der Kölner Kantine. Sonnyboy Kip Moore hatte sich mit Band zum ersten Mal in seiner Karriere in der Domstadt angesagt und auch noch die Künstlerkollegin Jillian Jacqueline als Support mitgebracht.

Die Kantine war an diesem Sonntag-Abend rappelvoll und, was sofort auffiel, sehr schön mit jüngeren und älteren Menschen durchmischt, die aktuelle New Countrymusik scheint, im Gegensatz zu vielen anderen Musikrichtungen, generationenübergreifende Wirkung zu entfalten.

Pünktlich um 19:00 Uhr betrat dann die von Kenny Rodgers entdeckte Jillian Jacqueline die Bühne, die schon mit vielen klangvollen Namen wie u. a. Billy Dean, Susy Boguss, Vince Gill, Keith Urban oder Richard Marx zusammengearbeitet hat.

Ihr reizender Charme und auch die mittlerweile gesammelte Routine half ihr, die Aufgabe, ganz allein, nur mit der Akustikgitarre behangen, in einer guten halben Stunde, die Leute auf den Protagonisten einzustimmen, problemlos zu bewältigen.

Mit toller Stimme, humorvollen Ansagen (u a. über ihre Ehe) und klarem Gitarrensound, hatte sie mit älteren Stücken wie  „Hate Me“, „Sugar And Salt“, „God Bless This Mess“ und „Better With A Broken Heart“, „Bandwagon“ und „Hurt Somebody“ (alle drei vom aktuellen Longplayer „Honestly“) schnell die Audienz auf ihre Seite gezogen und  reichhaltigen Applaus für sich eingeheimst.

Eine halbe Stunde später ging es dann mit  Kip Moore und seiner Band nach einem stimmungs- und lichtintensiven Einspieler direkt mit dem Titelstück des neuen Albums „Damn Love“ sehr poppig los. Mit „Bittersweet Company“ wurde dann der Bogen aber sofort zu einem bunten Mix aus Heartland Rock (Bruce Springsteen, Bryan Adams & Co. ließen zum Teil grüßen), knackigem und balladeskem New Country als auch zum Southern Rock gespannt.

Kip und seinem spielfreudigen Ensemble merkte man richtig an, dass sie an diesem Abend ordentlich Lust hatten, hier einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. So gab er sich äußerst kommunikativ zwischen den Tracks, sang sich förmlich die Seele aus dem Leib und wusste auch mit wechselndem Gitarrenspiel (elektrisch und akustisch) zu überzeugen.

Dabei ließ er auch seinen Mitspielern immer wieder Raum, um sich mit dem einen oder anderen Solo zu ‚zeigen‘. Gut gefiel mir die sich schön aufbauende Setliste, die erheblich dazu beitrug, dass sich die Stimmung überaus dynamisch auflud.

Songs wie „Plead the Fifth“, „Reckless (Still Growin‘ Up)“, „Beer Money“ und „Red White Blue Jean American Dream“ bildeten eine erste Zwischen-Hochphase., die mit dem mir besonders zuträglichen southern-countryesken „Kinda Bar“ (mit schönem Slide“) weitergeführt wurde.

Spätestens ab „Heart’s Desire“, dem Moore-Paradestück „Somethin‘ ‚Bout A Truck“, dem im Schlussteil ungemein wuchtigen „Come and Get It“ (Hammer-Instrumentalausklang!), sowie der New Country-Hymne „Last Shot“, war es eine einzige Party, bei der es kein Halten mehr gab. „Micky’s Bar“ rahmte das neue Album  „Damn Love“ als Abschluss des Hauptteils melancholisch ein.

Bei der ersten Zugabe „Silver & Gold“ ging es noch mal flott ab, die episch anmutende Southern Rock-Ballade „The Guitar Slinger“ (mein Lieblingsstück des Gigs) bildete dann den krönenden Abschluss. eines insgesamt begeisternden Konzerts, bei dem vielleicht nur der zu viel laute Drumsound (erschlug teilweise die Transparenz der E-Gitarren) etwas besser eingestellt hätte werden können.

Ansonsten hinterließ Kip Moore mit seiner Truppe eine glänzende Visitenkarte, bei dem die Ankündigung, auf jeden Fall wieder nach Köln zurückzukehren, mit viel Wohlwollen aufgenommen wurde. Es dürfte dann von der Location her in größere Gefilde gehen. Insgesamt ein toller Sonntag-Abend!

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Kip Moore
Kip Moore bei Facebook
Jillian Jacqueline
Jillian Jacqueline bei Facebook
Semmel Concerts Entertainment GmbH
Kantine, Köln