The Cadillac Three – Interview

Gut zwei Jahre nachdem wir mit den Jungs von The Cadillac Three schon einmal gesprochen hatten, sind wir von Oktober Promotion um ein weiteres Interview gebeten worden, dem wir natürlich gerne nachgekommen sind. Das hatten Jaren Johnston, Kelby Ray und Neil Mason vor ihrem Konzert in einem Büroraum oberhalb des Luxors diesmal preiszugeben:

Sounds Of South: Schön euch wieder zusehen. Ihr seid jetzt schon mehrfach im Luxor in Köln aufgetreten. Was zieht euch immer wieder hierhin, was gefällt euch an diesem Club?
The Cadillac Three: (Jaren) Wir lieben den ‚Duftstoff‘ dieser schwitzigen Rock Clubs. Wir kommen aus den Staaten hierher und spielen vor diesen wirklich Southern Rock-verrückten Deutschen. Das gibt uns ein heimisches Gefühl. So macht es hier dann einfach eben großen Spaß!

Sounds Of South: Im Sommer habt ihr auf einigen Festivals gespielt. Wo ist für euch der Unterschied zu Konzerten in Clubs wie dem Luxor?
The Cadillac Three: (Kelby) Es ist eigentlich nur die Größe, nehmen wir mal als Vergleich das Ramblin‘ Man-Festival. (Jaren) Die Energie bei beiden ist aber meist dieselbe. Es war dort wohl mit die größte Zuschauermenge, vor der wir mit einigen anderen Bands gespielt haben, aber ich persönlich mag  diese Gigs hier mehr, weil sie in einer viel intimeren Atmosphäre stattfinden. Du schwitzt hier gemeinsam mit der Menge. Insgesamt sind  beide Sachen sehr schön, haben aber natürlich auch ihre kleinen Unterschiede.

Sounds Of South: Bei den Konzerten, die wir von euch bisher gesehen haben, habt ihr eure Songs eher hart gespielt. Gibt es einen Unterschied zu euren Performances in Amerika und Europa, speziell in Deutschland?
The Cadillac Three: (Kelby) Nicht wirklich, wir spielen eigentlich immer auf gleiche Art, egal, wo wir gerade sind. Die Musik überträgt sich einfach von alleine auf die verschiedenen Menschen auf diesem Erdball. (Jaren) Es ist schon eine wilde Sache. In den Staaten spielen wir zum Beispiel mit großen Countrystars, auch da machen wir einfach unser Ding.  Eigentlich ist es immer der gleiche verrückte Kram, aber es gefällt überall und das ist das Gute daran. Es hilft uns in unserer Entwicklung und auf unterschiedliche Situationen zu reagieren. Auch wenn wir fast immer die gleiche Setliste spielen, es überträgt sich auf sehr viele Audienzen. Die Country-Kundschaft liebt die harte Seite unserer Musik, die Rock-Gemeinde mag, dass wir hart sind, aber auch einiges bieten, was ihre Bands nicht liefern.

Sounds Of South: Ich gehe davon aus, dass die kreativen Synapsen bei euch nicht still stehen. Wie steht es bei euch mit neuem Songmaterial?
The Cadillac Three: (Kelby) Wir haben neue Lieder! (Jaren) Wir arbeiten  an einer neuen Scheibe. (Neil) Wir spielen zur Zeit schon welche im Set. Wir sind dabei die Sache abzuschließen, sie wird irgendwann nächstes Jahr herauskommen. Wir arbeiten eigentlich immer an neuer Musik, auch wenn wir ein Album gerade abgeschlossen haben. Wir schreiben die ganze Zeit neue Songs, so sind sie dann halt wieder auf dem darauf folgenden Album.

Sounds Of South: Eure Besetzung ist in dieser Form etwas Besonderes. Gab es irgendwann einmal das Bestreben einen Bassspieler einzusetzen?
The Cadillac Three: (Kelby) Nein! Auf gar keinen Fall! (Jaren) Ein Typ in Berlin fragte mich letzte Nacht nach dem Gig das gleiche. (Kelby) Er war wahrscheinlich Bass-Spieler… (Jaren) Wir haben mit Kelby ja quasi einen Bass-Spieler. Er bedient auf seiner Pedal Steel beide Felder, wir sind da untereinander genügsam. Wir hatten zu Beginn mal an einem Punkt darüber nachgedacht, einen anderen Rahmen zu setzen, sind dann aber zum Entschluss gekommen, dass es einfach nicht mehr dasselbe wäre. Du kannst niemand anderen in diesen speziellen Mix hineinbringen. Wir sind schon so lange miteinander verbunden. Kelby macht solch einen fast schon wissenschaftlich coolen und so differenzierten Job, den andere Leute einfach nicht bieten. Es ist ein außerordentliches Element sowohl für die Band als auch für die Besucher. (Kelby) Es ist schon einzigartig.

Sounds Of South: Du hattest ja mit der Produktion von Steven Tylers Album einen echten Clou gelandet. Mit welchen prominenten oder auch nicht bekannten Musikern würdest du nochmal gerne kooperieren?
The Cadillac Three: (Jaren)  Die Steven Tyler-Geschichte war eine spaßige Sache aber auch absolutes Neuland für mich. Für uns alle wäre es toll, mal mit Dave Grohl (Scream, Nirvana, Queens Of The Stone Age, Them Crooked Vultures, Foo Fighters) zu arbeiten. Ich war schon immer ein absoluter Fan von ihm. (Kelby) Wir würden natürlich auch gerne Tom Petty sagen, aber der ist ja leider nicht mehr unter uns, somit ist es wohl am Ende Dave Grohl.

Sounds Of South: Was waren für euch die herausragenden Alben/Bands 2019?
The Cadillac Three: (Jaren) Wir alle lieben die Brent Cobb-Scheibe, er hat einen Super-Job gemacht. Wir finden eine Menge Bands gut, jetzt gerade auch welche aus Großbritannien, mit denen wir Freundschaft geschlossen haben. Da wären zum Beispiel die Rival Sons. Die Jungs sind klasse. Puh, irgendwie fragt mich das jeder… Bevor wir nach Europa gekommen sind, haben wir eigentlich durchgängig ZZ Top gehört und über ihre Musik diskutiert. Wir mögen auch vieles von Kurt Vile, der hat einige großartige Platten gemacht.

Sounds Of South: Wer hat (außer euch) am ehesten das Potential, den Southern Rock populär zu halten, die ehemaligen ‚Alphatiere‘ (Skynyrd, Molly Hatchet) sind ja mittlerweile doch beträchtlich in die Jahre gekommen.
The Cadillac Three: (Kelby) Niemand außer uns! (Jaren) Wir müssen da vorsichtig mit der Antwort sein, das hat uns schon mal Ärger eingebracht. Blackberry Smoke machen einen hervorragenden Job, ich liebe die Jungs. Black Stone Cherry natürlich, die auch  hier waren. Es passieren gerade viel Dinge, ihr habt diese Band aus Kalifornien (Robert Jon & The Wreck) eingangs vor dem Interview erwähnt. Wir haben einige Southern Rock Bands in Großbritannien erlebt. Ich glaube wir sind mit die besten Botschafter der Dinge, die diese Bands einst begonnen haben. Wir machen eine recht spezielle Sache, ähnlich wie ZZ Top, aber natürlich stilistisch ganz anders. So mitten drin in der direkten Nähe zu den Allman Brothers sehe ich Blackberry Smoke. Aber es gibt auch einige coole Bands aus Nashville, wie The Steel Woods zum Beispiel, die auch ihr ganz eigenes Ding durchziehen. Lukas Nelson (Sohn von Willie Nelson) hat auch eine tolle Scheibe herausgebracht.

Sounds Of South: Welchen Stellenwert haben Online-Magazine wie unser Sounds Of South für euch?
The Cadillac Three: (Jaren) Ich bekomme jeden Morgen Google-Updates, was online bezüglich meines Namens oder des von The Cadillac Three passiert. (Neil) Wir kennen eigentlich recht viele. (Jaren) Sie sind für unsere Weiterentwicklung sehr hilfreich.

Sounds Of South: Wie sehen eure Planungen für das Jahr 2019 im Groben und Ganzen aus? Werdet ihr wieder in Deutschland präsent sein?
The Cadillac Three: (Kelby) Wir werden wieder ziemlich viel touren, da ja das neue Album ansteht. (Jaren) Wir werden eine große Tour zusammen mit der Charlie Daniels Band und Travis Tritt spielen. (Kelby) Auch einige Gigs zusammen mit Marshall Tucker. (Neil) Wir werden die Country Fuzz Tour als Headliner anführen, im Sommer und Herbst auch wieder hierhin zurückkehren.

Sounds Of South: Wie hat sich dein Leben durch Sohnemann Jude verändert? Habt ihr schon den ersten Song zusammen geschrieben…?:-)
The Cadillac Three: (Jaren lachend) Wir jammen schon ein wenig, er spielt schon ganz gut Drums. Dabei ist er gerade mal zwanzig Monate alt. Wir nehmen ihn in den Staaten schon des öfteren mit zu den Konzerten, wann immer es geht. Hierhin ist es aber noch zu weit. Er ist schon richtig besessen, er erfährt alles ziemlich authentisch. Mein Vater, der Vater meiner Frau als auch meine Frau sind alle Drummer, so hat er es wohl schon im Blut. Klar, dass er auch uns alle ein wenig verändert hat, wir fühlen uns älter und reifer. Für mich persönlich hat der Tag, wo es früher acht Stunden Beschäftigung waren, jetzt 16 Stunden, dieser übliche Schlafloskram, du weißt schon. Aber es ist schon unterhaltsam, ihn von der Bühne mit seinen Kopfhörern beobachten, wie er unsere Shows verfolgt.

Danke für das Interview, wir wünschen euch eine gute Heimreise, frohe Weihnachten und ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2019.

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Das Interview in Englisch:

Sounds Of South: It’s great to see you again. As far as I know you guys have performed a couple of times in the Luxor Cologne. What do you like most about it?
The Cadillac Three: (Jaren) We love the gamone of these sweaty Rock clubs. We came up playin‘ the States and it’s a feeling at home but you’re playing for these crazy Germans that are really in the Southern Rock.  It’s a sweaty Rock’n’roll club, so it’s a lot of fun.

Sounds Of South: In summer you played a few festivals. What is the difference for you to gigs like these in the Luxor?
The Cadillac Three: (Kelby) It’s just the seize, really, for example when we played Ramblin‘ Man. (Jaren) The energy of both is mostly the same, it was probalby the biggest crowd we’d ever played for with a couple of bands, but I like these things more, it’s so intimate, you are sweating on each other with the crowd,  they are both amazing, but they have their kinda differences both.

Sounds Of South: The Cadillac Three concert songs we have seen so far here were really hard played. Are there any differences about your performances between America, Europe and especially in terms of Germany?
The Cadillac Three: (Kelby) Not really, we play the same no matter where we are, the music translates to all the different types of people all over the world. (Jaren) It’s pretty wild, cause we are playing in the States with big country artists and we came out playing the same thing tonight. It’s sweaty, drunken and buffoon, the same stupid shit every night, it works everywhere, but that’s what’s been so good. It helps our band grow every night and cross through the different situations. We do play the same set every night, but it’s catering to a lot of audiences. The Country genre loves our heavier side of that, the rock genre loves us, because we are heavy, but having a lot of different things other bands don’t have in genre.

Sounds Of South: I presume that your creative synapsis do not stand still. What about any new song materials?
The Cadillac Three: (Kelby) We have new songs! (Jaren) We are working on a new record. (Neil) We are playing a few in the live sets. It is done, we are finishing it now, so it will be out some time next year. We are always working on new music, even when we are finishing an album like we did right now, we writing new stuff all the time, so it could be easily to be on the next album.

Sounds Of South: Your line-up is something special. Have you ever thought to involve a bass player?
The Cadillac Three: (Kelby) No! (Jaren) A guy in Berlin asked me that question last night, too.  (Kelby) He probably was a bass player… (Jaren) We do have a bass player! Kelby is covering both grounds, we are frugal with each other. We thought about it some point when we were starting, bringing another frame, but it just wouldn’t be the same. You can’t through someone else in this mix, cause we are so close, the fact that Kelby is doing such a scientific cool different thing that other people aren’t doing. It is a really exciting element for our band and the spectators, too. (Kelby) It’s a unique thing.

Sounds Of South: You used to be indeed very successful with the production of Steven Tyler’s album. With which prominent or less prominent musicians would you love to work with in future?
The Cadillac Three: (Jaren) The Steven thing was a lof fun, but it was a bucket list moment. For all of us it would be a great fun to work with Dave Grohl (Scream, Nirvana, Queens Of The Stone Age, Them Crooked Vultures, Foo Fighters).  I’ve always been a huge Dave Grohl fan. (Kelby) We use to say Tom Petty but he passed away,  so it’s tough – so it would be probably Dave Grohl.

Sounds Of South:What albums /bands were the most outstanding ones in 2018.
The Cadillac Three: (Jaren) We all loved the Brent Cobb record, he did a great job on that.  We like a bunch of bands, especially from the UK we became friends with, for example the Rival Sons. We love those guys. Ooh everyone asks me that shit… We constantly heard ZZ Top before we went to Europe and talked about their music. We love a lot of Kurt Vile. I think he is making some great records.

Sounds Of South: Who (except you guys) will rather have the biggest potential to keep Southern Rock alive/popular? The former alpha animals like Skynyrd or Molly Hatchet e. g. became meanwhile pretty old…
The Cadillac Three: (Kelby) Just us, nobody else! (Jaren) We must be careful probably to answer this, because we got some trouble one time. Blackberry Smoke is doing a great job, I love those guys. Black Stone Cherry obviously, they are still doin‘ really great over here. There’s a lot of cool things happening, you mentioned a band from California earlier (before the interview), we saw some Southern Rock bands over here in the UK. I think we are the best torch carriers. We are doing something very unique, it’s our aproach to what those guys did, it’s close to ZZ Top, but something different. Right on the middle the next the Allman Brothers is Blackberry Smoke, no question, you know. But there are lot of cool bands from Nashville like The Steel Woods, they are doing their own take on what these guys pay. Lukas Nelson made a killer record, too.

Sounds Of South: Which rank has an online magazine like ours in your mind?
The Cadillac Three: (Jaren) I get google updates on my phone concerning my name or The Cadillac Three every morning. (Neil) We know a lot of them. (Jaren) They are very helpful for us kinda building what we are doing.

Sounds Of South:What are the plans in 2019 so far? Are you guys going to take on tour next year again?
The Cadillac Three: (Kelby) A lot of touring you know, like we have new songs recorded and the new album’s coming out at some point. (Jaren) We do a tour with The Charlie Daniels Band and Travis Tritt. (Kelby) Some shows with Marshall Tucker. (Neil) we headline Country Fuzz Tour, we’ll be back here summer and fall.

Sounds Of South: How has changed your life since the birth of your son Jude? Have you already written a song together…?:-)
The Cadillac Three: (Jaren laughs) We jammed quite a bit, he’s playin‘ drums pretty well. He’s 20 month old, we got to bring him on the road pretty lot in The United States whenever we can, but we haven’t done the journey over here with him yet. He’s obsessed in music, he gets it very honestly, you know. My dad, my wife’s dad and my wife are drummers, he’s easy up with it. It changed all of us a little bit, it make us all feel older and more mature. But the main thing that has changed in me is he gets up early and your day  – where it used to be 8 hours before – is now 16 hours long – the doing without sleeping shit…, you know. But it is very amazing being on stage and seeing him with the head phones on watching our shows.

Sounds Of South: Thanks for the interview, good luck for your trip home, merry Christmas, keep healthy and a successful 2019!

Bilder: Gernot Mangold
Interview/Text: Daniel Daus

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Oktober Promotion

The Cadillac Three – 02.12.2018, Luxor, Köln – Konzertbericht

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Nachdem ich bei meinem obligatorischen sonntäglichen Nachmittagslauf mit den diversesten niederrheinischen Regenarten durchnässt worden war, ging es nach der heißen Dusche schon kurze Zeit später mit Kollege Gernot in musikalischer Mission wieder in Richtung Köln.

Die Jungs von The Cadillac Three hatten sich zum dritten Mal hintereinander im Luxor angesagt. Einem Interviewwunsch seitens unseres Kooperationspartners Oktober Promotion in Verbindung mit dem gewohnten Konzertbericht, sind wir natürlich gerne nachgekommen. Das Gespräch mit den drei Musikern wird zu einem etwas späteren Zeitpunkt dann zu lesen sein.

Bedingt durch das Interview mit Johnston & Co. hatten wir nur noch eineinhalb Stücke der Kölner Support-Combo Giirl mitbekommen. Mit dem Kommentar „White Stripes on Acid“ eines in der ersten Reihe stehenden Pärchens, dass wir schon mal bei Country-/Southern Rock-Gigs in der Domstadt sporadisch antreffen, als Kategorisierung des Gehörten, lasse ich unsere Leserschaft dann mal sich ihren Teil dazu denken.

Um 21:00 Uhr legten dann Neil Mason, Kelby Ray und Fronter Jaren Johnston (wieder mit vielen Gitarrenwechseln) mit ihrem obligatorischen Programm und den allseits bekannten, dezent patriotisch untermalten Tracks wie u. a. „Peace Love & Dixie“, „Bury Me In My Boots“, Tennessee Mojo“, „Back It Up“, „American Slang“ oder „I’m Southern“ ihrer drei bisher erschienenen CDs los.

Überwiegend knallhart stampfender Riff-Southern Rock, gepaart mit diesen eingängigen Refrains und durchzogen mit einigen wenigen, etwas ruhiger anmutenderen Songs wie “Drunk Like You“, „Hank & Jesus“ oder „Take Me To The Bottom“, ließ ihre, mit vielen jüngeren Leuten durchwachsene, klatsch- und mitsingfreudige Klientel im satt gefüllten Luxor gewohnt frohlocken.

Mit dem brandneuen Lied „Whiskey & Smoke“ in typischer TCT-Manier, gab es einen ersten Ausblick auf das für 2019 geplante neue Album. Das den Kollegen von Blackberry Smoke, Whiskey Myers und Black Stone Cherry gewidmete und furios gespielte „Whiskey Soaked Redemption“ (inklusiv einer Solopassage von Kelby Ray an seinem Pedal Steel-Gerät), der Ohrwurm „White Lightning“ und das nochmals ihre Herkunft huldigende Abschlussstück als Rausschmeißer „The South“, ließen im Prinzip erneut keine Wünsche offen.

Das Nashville/Tennessee-Trio bewies an diesem Abend wieder, dass Southern Rock nicht nur was für alte Säcke ist, sondern gepaart mit junger und draufgängerischer Art, durchaus auch heute mit Erfolg in nachfolgende Generationen transportiert  werden kann. Somit darf man sich schon jetzt auf eine Rückkehr von The Cadillac Three in 2019 mit neuem Werk im Gepäck freuen. New Southern Rock is alive! Und die drei Burschen haben ohne Zweifel ihren hohen Anteil daran.

Line-up:
Jaren Johnston (lead vocals, guitars)
Neil Mason (drums, vocals)
Kelby Ray (lap steel, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Oktober Promotion
Luxor Köln

Eamonn McCormack – 25.11.2018, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Im Rahmen seiner Herbst- Tour machte Eamonn McCormack Halt in Köln. Leider scheint der sympathische Ire dem Kölner Publikum kein Begriff zu sein, da der Besuch ausbaufähig ist. Schön ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass der Manager des Yard Clubs, Marcus Neu, wegen der Fähigkeiten des mittlerweile 56 jährigen McCormack, auch in Zukunft Konzerte mit plant, da er den Grundsatz lebt, dass Qualität sich letztendlich durchsetzt. Eben diese war an diesem Abend zur Genüge vorhanden.

Pünktlich um 20:15 Uhr betrat McCormack mit seiner Band die Bühne in klassischer Blues-Besetzung mit Gitarre, Bass und Schlagzeug, um mit „From Town To Town“ die Anwesenden auf eine Reise durch den irisch-keltischen Blues zu nehmen, wie er seinen Stil in einem Gespräch nach dem Konzert definierte. Schon beim Opener war seine Affinität zu seinem Vorbild, dem legendären Rory Gallagher, zu erkennen. Gradliniger, zuweilen ungezügelter Blues Rock ohne irgendwelche Effekthascherei, vorgetragen von einem McCormack in Höchstform, mit einer unvergleichlichen Spielfreude, die letztendlich in ein fast zweieinhalbstündiges Konzert mündete, das die leider zu wenig Anwesenden sprichwörtlich von den Hockern der aufgestellten Stehtische riss.

Einen großem Anteil daran hatten auch seine beiden Begleitmusiker, Eddy Karg am Bass und Max Jung Poppe an den Drums, die mit ihrer starken Rhythmusarbeit, die Grundlage für viele Uptempo- bis Highspeed-Soli McCormacks lieferten.

Nach einigen Songs gelang McCormack vom Aufbau des Konzertes her ein kleiner Geniestreich. Direkt nach „Missing You“ folgte mit „Calling Card“ einer der großen Gallagher-Klassiker. Spätestens jetzt hatte er alle Anwesenden in seinen Bann gezogen, die teils mittanzend oder nur still genießend, den stark arrangierten Liedern folgten.

Danach kamen mit „Funky Town“ und „Rock Me Baby“ zwei Stücke von „Kindred Spirits“, einem zu empfehlenden Album, mit in den 90er Jahren aufgenommenen Liedern, in welchen er von schillernden Größen wie Rory Gallagher, Jan Akkerman, Hermann Brood und Keith Donald unterstützt wurde.

An das klassische Blues-Stück „Nite In The Life Of An Old Blues Singer“ wurde ein Medley aus alten Rock’n’Roll-Highlights angeschlossenf, bei dem die Band bewies, dass Blues und Rock schön miteinander verknüpft werden können.

Nach  „When You Cross The Line“ und „Heal My Faith“, in guter alter Gallagher-Manier vorgetragen, kam es zu einem kurzen Bruch im sonst vor Dynamik strotzenden Konzert. Poppe und Karg verließen die Bühne und Eamonn performte mit der Akkustikgittarre und Harp zwei sehr gefühlvolle Tracks. Einer fast rührenden Version des Hendrix Klassikers „Angel“ folgte mit „No Airs And Graces“ eine Hommage an sein Vorbild Gallagher. Bis auf zwei Besucher, die sich munter unterhielten, hörten alle verträumt zu, was eine der  Anwesenden dazu veranlasste, sie sprichwörtlich zusammenzustauchen.

Danach war bis auf das schöne Gitarrenspiel, den harmonischen Gesang und eingestreute Harpklänge nichts mehr zu hören. Manches regelt sich auch oft, wenn mal ein Machtwort gesprochen wird…

Mit „That’s Rock’N’Roll“ nahm das Konzert wieder Fahrt auf, um mit dem Instrumental „Mystica“ stilistisch kurz vom Blues der Marke Gallagher abzuweichen. Augen zu und man hätte meinen können, Gary Moore hätte mit auf der Bühne gestanden!

“Internet Star”, “Lousy Day” und “Down And Out” wurden in bewährter Manier vorgetragen, wobei sich McCormack bei einem Lied durchs Publikum bewegte, und scheinbar für jeden Einzelnen ein paar Noten spielte, um mit einer Bierflasche als Bottlenack den Song zu beenden. Mehr Publikumsnähe bei einem Konzert geht nicht.

„Mit My Saving Angel“ wurde es noch einmal ruhiger. McCormack  setzte sich auf eine Box und trug den Song ohne elektronische Verstärkung seiner Stimme leise begleitet von seiner E-Gitarre, den ehrfurchtsvoll lauschenden Zuschauern im Storytelling-Stil vor.

Der Ausklang mit den Highlights „Falsely Accused“ und „Shadow Play“, mit einem ausladenden Solo zum Ende, stand wieder ganz im Zeichen Gallaghers.

Als Zugaben legte die Band noch „Moving On“ und „Johnny Be Good“ nach, wobei Eamonn in einem Refrain dem Johnny noch ein Winter folgen ließ.
Nach positiv turbulenten knapp zweieinhalb Stunden verabschiedete sich McCormack vom Publikum, um den gebührenden Applaus zu empfangen. Im Anschluss stand der Ire für Smalltalks und Fotos am Merchandising-Stand bereit und erwies sich trotz des leider geringen Zuschauerzuspruchs bestens gelaunt und erfreut über ein ansonsten tolles Blues Rock-Konzert in Yard Club. Er gab sich dabei als charmanter Mensch mit dem viel über Vergangenes in seiner Karriere aber auch über die Gegenwart geklönt werden konnte.

Es ist zu hoffen, dass in der Zukunft, nach diesem fulminanten Auftritt viele Blues Rock-Fans die Chance nutzen, einem solchen Abend beizuwohnen. Mein Dank gilt zudem Marcus Neu, der es wieder möglich gemacht hat, dass handgemachte Musik im Yard Club geboten wird. Sowohl der Sound- und Licht-Techniker als auch der Mann an der Theke, der während der Show bei der Band anfragte, ob sie noch etwas zu trinken haben wollen, machten einen hervorragenden Job.

Line-up:
Eamonn McCormack (lead vocals, electric guitars)
Eddy Karg (bass)
Max Jung Poppe (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Eamonn McCormack
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Yard Club, Köln

Black Stone Cherry, Support: Monster Truck – 11,11.2018, E-Werk, Köln – Konzertbericht

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Ein eher schwieriger Abend für mich. Da ich im Gegensatz zum Kollegen Gernot, nicht unbedingt ein Fan von überwiegend, mit härterer Gangart angetriebener Musik bin, war ich zunächst mit gemischten Gefühlen die Reise ins Kölner E-Werk zum Gig der Southern Hard Rock Band Black Stone Cherry und ihrem kanadischen Support Monster Truck angereist.

Die Nordamerikaner um ihren sympatisch wirkenden Fronter John Harvey begannen pünktlich um 20.00 Uhr ihr zehn Stücke umfassendes und knapp 45 Minuten währendes Vorprogramm.

Dabei präsentierten sie zum einen ältere Stücke wie „Don’t Tell Me How To Live“, „She‘ A Witch“, „Sweet Mountain River“ oder „The Lion“ und natürlich überwiegend Sachen aus ihrem brandaktuellen Werk „True Rockers“ wie „True Rocker“, „Evolution“, „Thundertruck“, „Denim Danger“, „Undone“ oder „Devil Don’t Care“.

In einem hart rockenden, aber durchaus auf guten Melodien basierten Mix, in der Tradition klassischer Vorbilder der Marke Led Zeppelin, Iron Maiden, Deep Purple & Co., gefiel mir das dezent progressive und atmosphärische „Undone“ am besten. Insgesamt ein Voract der besseren Sorte mit zukünftigem Headliner-Potential in dieser Sparte.

Line-up Monster Truck:
John Harvey (lead vocals, bass)
Jeremy Widerman (electric guitar, vocals)
Brandon Bliss (keys, vocals)
Steve Kiely (drums, vocals)

Nachdem es zunächst nach einer Umbaupause in Rekordzeit aussah, zog sich der Beginn des Headliners Black Stone Cherry dann doch noch ein Weilchen hin. Da sie aber mit Songs aus dem schon lange nicht mehr gehörten Allman Brothers-Werk „Brothers And Sisters“ überbrückt wurde, fiel das Warten nur halb so schwer.

Der Einstieg mit dem Led Zeppelin-umwehten „Rain Wizard“ ließ an Heftigkeit nichts zu wünschen übrig. Das Quartett mit charismatischen Leader Chris Robertson und den sich ständig in Bewegung befindenden Ben Wells und John Lawhon (immer wieder ihre Postionen links und rechts der Bühne tauschend) sowie dem wie von einer Tarantel gestochenen, trommelnden, bzw. fast schon prügelnden Irrwisch John Fred Young machten sofort klar, dass ihr dezent southern-infizierter Hard Rock nichts für zarte Gemüter sein wird.

Als sehr positiv empfand ich zunächst den Querschnitt des Publikums, der von Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen der jüngeren Sorte bis zu unserer Altersstufe reichte. Der Band scheint es somit zu gelingen, Generationen-übergreifend zu begeistern und somit auch dem uns geliebten Southern Rock ihre Dienste im Sinne des Genre-Fortbestandes zu erweisen.

„Burnin'“ läutete den Reigen der kommenden Stücke ihres starken Silberlings „Family Tree“ ein, dessen schönes Cover auch das Bühnenhintergrundbild zierte. Zwischendurch wurden immer mal ein paar Klassiker wie „Can’t You See“, „Fly Like An Eagle“ oder auch „Stir It Up“ intoniert, das als Vorbote zum stimmungsreichen „Me And Mary Jane“ als einem der ersten Höhepunkte, angespielt wurde.

Der sporadisch als Perkussionist eingesetzte Jeff „Bongo“ Boggs konnte einem ein wenig leid tun. Er hatte nämlich mehr mit der Instandsetzung von Youngs Schlagzeuganlage zu tun, die den Ansprüchen seines furiosen Wirkens offenkundig nicht gewachsen war. Er konnte dann wenigstens bei der Vorstellung der Band beim tollen „Cheaper To Drink Alone“, als alle Beteiligten ihre Solierparts inne hatten, seine rhythmischen Fertigkeiten präsentieren.

Zuvor hatten Stücke wie u. a. das ZZ Top-umwehte „New Kinda Feelin'“, „Let It Roll“, „My Last Breath“ (sehr melodisch – sogar ein wenig mit Sister Hazel-Flair), „Soulcreek“ oder die Uptempo-Nummer „Maybe Someday“ für eine angenehme, begeisterte und ausgelassene Atmosphäre gesorgt.

Die schlug allerdings – zumindest was mein Empfinden angeht – nach der schönen Ballade „My Father Said“ und dem starken, Slide-trächtigen Southern Rocker „Ain’t Nobody“ mit „Lonely Train“ ins Unangenehme um. Fronter Chris Robertson hatte darum gebeten, einen Kreis in der Mitte der Zuschauer ‚auszusparen‘ wobei ich vermutet hatte, dass er sich dort selbst für eine Solo-Einlage hinein begeben wolle. Er offerierte dann allerdings für zwei freiwillige Menschen die Option, den erschaffenen Raum für eine Tanzeinlage zu nutzen.

Im Zuge der Aggressivität des Liedes hatte sich das aber schnell erledigt und eine Meute junger, angetrunken erscheinender Personen, nutze die Fläche für wüstes Herumschubsen und Springen (auch unter dem Fachbegriff ‚Pogen‘ geläufig…). Ein junge, unbeteiligte Frau in meiner Nähe ging dabei zu Boden und konnte froh sein, dass es umherstehenden Leuten gelang, in erster Linie sie und ihre umher geflogene Brille vor weiterem Schaden zu bewahren. Angesichts der deutlich sichtbaren Kinder (zum Teil auf den Schultern) eine ziemlich fahrlässige Sache, die man tunlichst unterlassen sollte.

So wurde der Genuss von der fortan sich im Zentrum auslebenden Meute bei launigen Stücken wie „Blame It On The Boom Boom“, „White Trash Millionaire“ und dem finalen „Family Tree“ leider durch ein gewisses ‚Unbehagen‘ in Mitleidenschaft gezogen. Aber vielleicht bin ich ja einfach auch nur zu alt. Black Stone Cherry bedankten sich am Ende für den in Deutschland stetig wachsenden Zuspruch, besonders auch, was ihre Besucherzahlen angeht. Um die 1.200 Leute hatten an diesem Abend für eine – bis auf die nicht geöffneten Oberränge – gefüllte Location gesorgt.

Als schon keiner mehr mit Zugaben rechnete und einige das E-Werk verlassen hatten, kamen zunächst Ben Wells und Chris Robertson alleine für „Peace Is Free“ auf die Bühne, wobei Robertsons grandiose Stimme mal in voller Pracht zur Geltung kam, um den Schluss des Liedes wieder im Kollektiv zu beenden.

Insgesamt ein gelungener Abend mit den benannten Abstrichen (aus meiner Sicht), der vor allem seinen Reiz darin hatte, dass Southern Rock in Kombination mit moderneren Musikelementen durchaus eine weiterhin zukunftsträchtige Option abzugeben scheint. Von daher muss man dankbar sein, dass sich Bands wie Black Stone Cherry, Blackberry Smoke, Hogjaw, Robert John & The Wreck & Co. hier mit qualitativem Anspruch als weiterführende Erben dieses Genres in den Dienst der Sache stellen.

Line-up Black Stone Cherry:
Chris Robertson (lead vocals, electric and slide guitar)
Ben Wells (electric guitar, vocals, percussion)
John Lawhon (bass, vocals)
John Fred Young (drums, vocals)
Jeff „Bongo“ Boggs (percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Netinfect Promotion
E-Werk

The Brew – 20.10.2018, Kantine, Köln – Konzertbericht

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Zwei Jahre nach ihrem letzten Auftritt statteten The Brew der Kölner Kantine wieder einen Besuch ab. Im Gepäck hatten sie ihren erst kürzlich erschienenen Longplayer „Art Of Persuation“ und als Support das Schweizer Powerduo The Hydden. Die beiden Eidgenossen verkürzten mit ihren kraftvollen Auftritt von etwa 40 Minuten die Wartezeit auf The Brew und überzeugten das Publikum in der ansprechend gefüllten Kantine mit einem Mix aus Grunge und Hardrock, aber auch bluesigen Einflüssen.

Pünktlich um 21:00 Uhr wurde die Bühne in ein dunkelblaues Licht getaucht, nur das Banner von The Brew war angestrahlt und man konnte erahnen, dass Personen auf die Bühne gingen. Ohne Ansage ließ Basser Tim Smith sein Spielgerät aufknarzen, Kurtis Smith begann die Drumsticks zu schwingen und Jason Barwick drosch auf seine Gitarre ein, um den ersten Song des neuen Albums, „Seven Days Too Long“, auf die Bretter zu legen.

Nach einer anschließenden kurzen Begrüßung durch Barwick, wo er nicht unerwähnt ließ, dass man in Köln heute bester Laune sein müsste, da die Fortuna, bei der die Band zu Gast war, am Nachmittag gewonnen hatte,  ging es mit „One Line Crimes“, einem neuen Song, weiter. Schon hier wurde klar, dass The Brew sich noch härter spielend als in den Jahren zuvor präsentieren würde.

Dies kam beim Publikum, das immer wieder vom Basser Tim Smith aufgeheizt wurde, und vom ersten Song an entsprechend mitging, bestens an. Dieser glänzte aber nicht nur als Animateur, sondern auch durch ein druckvolles Basspiel, wo er sein Können immer wieder mit kleinen Soloeinlagen ins Rampenlicht stellte. Des Weiteren hätte er, wenn es für ihn  Kilometergeld gegeben hätte, reich werden können.

Er wirbelte springend, posend und sich verrenkend über die Bühne und beherrschte dabei noch sein Instrument perfekt! Zur Stärkung hatte er auf dem Podium zwei Gläser Gin Tonic stehen, die er sich auch redlich verdient hatte.

Jason Barwick, der charismatische Sänger und Gitarrist der Band, ein wenig an Jim Morrison erinnernd, glänzte durch vielseitiges, meist sehr hartes Gitarrenspiel, bei dem er mal die Saiten wie Pete Townsend von The Who armschwingend anschlug oder wie Anno Dazumal Jimmy Page von Led Zeppelin, in der Art eines Geigenbogens zum Schwingen brachte. Großes Kino.

Es waren über das ganze Konzerte die Einflüsse von Led Zeppelin zu vernehmen, wobei The Brew für mich noch eine Spur brachialer daher kamen, als wenn es darum zu beweisen ginge, dass eine von manchen Romatikern gewünschte Led Zep-Reunion überflüssig sei wie ein Kropf. Vergangenes ruhen zu lassen, sich an das Damalige zu erinnern und in der Gegenwart zu leben – dafür stand an diesem Abend der harte Rock von The Brew!

Der Dritte im Bunde, Kurtis Smith, bearbeitete seine Drums zum Teil im Stile eines John Bonhams und kurz vor der Zugabe legte er, wie es sich für eine gute Hard Rock-Band gehört, ein knapp zehnminütiges Solo hin, wobei er zum Ende hin, die Felle nur mit den bloßen Händen malträtierte. Ich konnte nach dem Ende des Konzertes diese begutachten und sah einiges, sowohl an alten Verletzungen, als auch einen, während des Konzertes, mit Panzerband frisch versorgten Finger.

Nun aber weiter mit dem Ablauf der Show. Im Mittelpunkt stand, wie bereits erwähnt, das neue Album und es wurden auch die meisten Songs gespielt.  Lobenswert somit, dass sich die Band nicht nur auf alte Sachen verließt, die bisher live gut gelaufen sind.

Neben den vornehmlich harten Stücken offerierte das britische Trio auch einige etwas ruhigere Tracks, wie das im Refrain beatleske „Naked As I Stand“, um zum Ende durch brachiales Gitarren- und Basspiel wieder klarzustellen, für welchen Musikstil The Brew steht.

Mit „Kam“ von „A Million Dead Stars“ zeigten The Brew, dass sie auch langsam können und Barwick gab dem Publikum, wie auch seinen beiden Mitstreitern, noch einmal Zeit, etwas runter zu fahren. Mit dem schon bekannten „Knife Edge“ und „Pink Noise King“ beendeten die drei zunächst das Konzert, um für eine frenetisch geforderte Zugabe noch einmal die Bühne zu betreten.

Was mir besonders gefiel, dass Barwick sich an ihr erstes Deutschland-Konzert damals im Yardclub erinnerten, wo sie vor 20 Besuchern spielten. Marcus Neu glaubte dennoch an sie weiter, lud sie immer wieder ein, mit dem Ergebnis, dass heute die Kantine gut gefüllt wird.

Mit „Every Gig Has A Neighbour“, einem Hit von „A Million Dead Stars“ beschlossen The Brew noch einmal hardrockend den Abend, wobei sich das Trio bis auf’s Äußerste verausgabte. Barwick und Tim Smith sprangen so über vehement über die Bretter, dass man schon fast Angst haben musste, dass die Bühne unter ihnen nachgibt.

Kurz nach Ende der Show fanden sich alle beteiligten Musiker am Merchandising-Stand ein, um die diversen Artikel zu signieren oder den einen oder anderen Plausch zu führen. The Brew hielten somit, was die Fans erwartet hatten. Sie werden diesen Monat noch mehrere Konzerte in Deutschland geben, deren Besuch für Hardrockfans fast ein Pflichttermin sein sollte.

Ein Dank an Marcus und das Kantinenteam für die problemlose Akkreditierung und diesen wirklich schönen Rockabend!

Line-up:
Jason Barwick – Guitar, Vocals
Tim Smith – Bass, Vocals
Kurtis Smith – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

The Brew
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Kantine Köln

The Brandos – 16.10.2018, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Wenn ich mich nicht verzähle, machte ich im Kölner Yard Club das Dutzend meiner Konzertbesuche von The Brandos voll. Enttäuscht wurde ich nie. Ich habe sie in rappelvollen Häusern und vor verblüffend kleinem Publikum auftreten sehen. Der Yard Club war an diesem Dienstagabend gut besucht, wenn auch nicht ganz so gefüllt wie bei dem Konzert der Band im vergangenen Jahr.

Die Setlist des Abends war mit dem im Blue Notez Club vor elf Tagen weitgehend identisch und unterschied sich von der des Vorjahres dadurch, dass „These Troubled Times“ und „Bella Encantadora“ vom Album „Los Brandos“ durch „Ridin’ The Red-Eye” und „The Siege“ ersetzt wurden. Sie bot einen Streifzug durch das bisherige Schaffen der Band.

Dave Kincaid bewies erneut seine agile und filigrane Kunstfertigkeit an verschiedenen Gitarren, selbstverständlich begleitet von seiner ausdruckstarken Mimik. Frank Giordano hatte ebenfalls schöne Gitarrenparts, vor allem bei „The Solution“, „Love Of My Life“ und „Nothing To Fear“. Bei dem beeindruckend performten „Ridin’ The Red-Eye” verausgabte er sich an der Mundharmonika. Das Publikum feierte den Song und das folgende „Gettysburg“ frenetisch.

Als Kincaid das Intro zu „Over The Boarder“ anstimmte, war die Stimmung auf dem Höhepunkt. Aber auch bei den vorher gespielten „The Keeper“ und „Light Of Day“ sowie beim später folgenden „Pass The Hat“ zeigten sich die Besucher textsicher und begeisterungsfähig.

Insgesamt leitete Dave Kincaid weniger Stücke mit persönlichen Anmerkungen ein als in den beiden zuvor gesehenen Auftritten. Die Erfahrungen eines Freundes bei seiner Einwanderung in die Vereinigten Staaten von Amerika verarbeitete er bei „Señor Coyote“. Zur Einstimmung auf „Querer A Los Niños“ fügte Kincaid eine Spitze gegen den Präsidenten seines Heimatlandes und dessen Pläne ein, eine Mauer zwischen den USA und Mexiko zu ziehen.

„Anna Lee“ ist einer Dame des Südens gewidmet, dabei stellte der Bandleader klar, dass mit der geographischen Angabe nicht Bayern, Österreich oder die Schweiz gemeint sind, sondern eine Grenzlinie, die anscheinend immer noch die Vereinigten Staaten von Amerika durchzieht.

Sal Maida trat besonders bei „Can’t Go Home“ in Erscheinung. Hier wurde er nicht nur im Background aktiv, sondern er animierte auch das Publikum in der Kunstpause des Stücks, die Band zu unterstützen. Schlagzeuger Phil DiMarco sorgte für den richtigen Drive der Stücke und gab ebenfalls beim Backgroundgesang mächtig Gas.

Das schöne Intro zu „Woodstock Guitar“ – das mich in Dortmund begeisterte – ging in Köln etwas unter, was an der noch höheren Lautstärke und vielleicht an meiner Position im Saal lag. Kincaids Gitarrensolo bei „Nothing Tor Fear“ hingegen kam mir an diesem Abend besonders gelungen vor. Nach meiner Wahrnehmung war es etwas ausgedehnter als sonst. Der Titel beendete das Konzert, ohne dass die Band „Gunfire At Midnight“ spielte, das eigentlich auf dem Tour-Programm steht.

An der Stimmung im Saal lag es sicherlich nicht, dass das letzte Stück der Setlist wegfiel. Vielleicht zollen die bisherigen fünf Wochen der Tour ihren Tribut, oder die viertelstündige Verzögerung, mit der das Konzert begann, war Grund dafür. Wie dem auch sei: Die Besucher kamen während des fast zweistündigen Auftritts auf ihre Kosten.

Für ihren kraftvollen und gitarrengetragenen Sound sind The Brandos bekannt. Das Programm der letzten beiden Touren war durch die Titel der aktuellen CD „Los Brandos“ geprägt. Darüber hinaus setzte Kincaid auf eine Auswahl temporeicher Stücke seiner früheren Werke.

Die eher am Folk mit irischen Einflüssen orientierte Seite, die ebenfalls ein Markenzeichen der Band ist, trat dabei etwas in den Hintergrund. Kincaid kündigte in Dortmund an, im nächsten Jahr wieder auf Tournee zu gehen. Vielleicht wäre es eine Idee, dann verstärkt diese Bandtradition aufleben zu lassen und dabei Mandoline oder Banjo wieder hervorzuholen.

Nicht nur seine packenden Versionen von Traditionals, sondern auch die hervorragenden Songs „Partners“, „We Are No Man“, „My Friend, My Friend“ oder auch „Tell Her That I Love Her“ würden auf meiner Wunschliste stehen. Vor allem „Hallowed Ground“ habe ich – sofern ich mich recht entsinne – trotz der zahlreichen Konzertbesuche noch nie live gehört. Wie die Liedauswahl auch sein wird: Die Gigs von The Brandos sind sowieso Pflichttermine, auf die man sich freuen kann.

Im Yard Club konnten leider keine Fotografen der SoS-Gemeinde dabei sein. Besonders gedankt sei daher Marcus Neu von der Kantine, dass er mich als Schreiberling, der auch Fotos machen durfte, auf die Gästeliste gesetzt hat.

Line-up:
Dave Kincaid (lead vocals, guitars)
Frank Giordano (guitars, hamonica, vocals)
Sal Maida (bass, vocals)
Phil DiMarco (drums, vocals)

Bericht und Bilder: Michael Segets

Deutsche The Brandos-Fanpage
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Yard Club Köln

Betontod – 06.10.2018, Kantine, Köln – Konzertbericht

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Ein Konzertreview durch Sounds Of South von Betontod! Manch einer wird sich fragen, passt solch ein Bericht in ein Magazin, welches sich eher dem Southern Rock, der Countrymusik und dem Blues Rock zugewandt sieht? Ich kann mich noch an ein Gespräch mit John Illsley, dem Bassisten der legendären Dire Straits erinnern, als er sich nach einem Konzert am Anfang des Jahres,  über die Kategorisierung von Musik ausließ.

Er vertritt die Meinung, das jede Musik ihre Berechtigung hat, solange sie gut gemacht ist. Wenn die Güte davon abgeleitet wird, wie die Fans bei einem Konzert reagieren, kann vorweggenommen schon gesagt werden, dass Betontod an diesem Abend vieles richtig gemacht haben. Ein weiterer Aspekt ist, dass Betontod neben dem Kräuterschnaps Underberg, der Dressurreiterin Isabell Werth und Model Claudia Schiffer der zur Zeit bedeutendste Exportschlager unserer Heimatstadt Rheinberg ist und Kollege Daniel mir jedes Jahr ein paar Ausflüge in musikalische Genres gestattet, die nicht unbedingt unserer primären Zielgruppe entsprechen. Des Weiteren hatte ich mit Eule, vor dessen Karriere in der Musik, eine gemeinsame Zeit im Fußball auf hohem Kreisliganiveau.

An einem schönen spätsommerlichen Abend war schon eine halbe Stunde vor Einlass rund um die Kantine jede Menge los. Auf dem Gelände links von ihr fand eine türkische Hochzeit statt, vor der Kantine sammelten sich die ersten Punk rock-begeisterten Fans und alles war, wie es sein sollte – absolut beschaulich. Dies liegt vielleicht auch daran, dass Betontod sich kategorisch von jeder Form des Rassismus und rechten Gedankenguts, auch sichtlich durch ein Plakat an einem Stand neben der Kantine, abgrenzt.

Pünktlich ab 20:00 Uhr heizte die Alex Mofa Gang als Opener die schon bestens gefüllte Kantine mit punkigen Rock ein und verkürzte so die Wartezeit durch einen gelungenen 45-Minuten-Auftritt, der entsprechend von den Besuchern angenommen wurde. Für die knapp 20 minütige Umbaupause hatten Betontod ein besonderes Schmankerl bereit.

Der Duisburger Butterwegge verkürzte mit Akustikgitarre und humorvollem Smalltalk das Warten auf den Hauptact, in dem Betontod neben live schon bekannten Material, Songs vom kürzlich herausgebrachten Album „Vamos“ präsentieren sollte. Diese war auch als schicke ‚Limited Edition‘ mit einigen Fanartikeln und Bonus-CD am Merchandise-Stand erhältlich.

Gegen 21:00 Uhr betraten dann Betontod die in spärlich blaues Licht in Nebel gehüllte Bühne der mit etwa 900 Besuchern ausverkauften Kantine und nach ein paar Gitarrenriffs der bis dato kaum erkennbaren Band stand dann unvermittelt, von einem hellen Scheinwerfer angestrahlt, der Fronter Meister am Bühnenrand. Ein dramaturgisch gelungener Auftakt für den knapp zweistündigen Ritt durch den Punk Rock der Marke Betontod.

Die meist sehr rasanten punkigen Rocksongs wurden dabei immer wieder durch ruhigere auch zum Nachdenken angelegte Stücke unterbrochen. Fast jeder Track wurde entweder von Gitarristen Frank „Eule“ Vohwinkel oder Sänger Meister anmoderiert und es wurde den meist jüngeren Gästen auch manch mahnendes Wort zur heutigen gesellschaftlichen Situation mitgegeben. Dies führte nach einer Ansage zu einem mehrminütigen ‚Nazis raus‘-Skandieren der Fans.

Insgesamt kann man sagen, dass die fünf Rheinberger den Punk mit Rockeinschlägen perfekt beherrschen: Der Meister, welcher charismatisch und gesanglich leicht an Campino erinnert, suchte oft die direkte Nähe zu den Fans und fand sie auch. Eule und Mario an den Gitarren, bearbeiteten ihr Arbeitsgerät zuweilen dreckig punkig als auch in Metalmanier. Bassist Adam, fegte zuweilen wie ein Derwisch über die Bühne und überzeugte auch durch Posing. Der spielerisch starke Drummer Maik, der seit seinem Einsteigen in die Band, die Güte der Rhythmussektion stark verbessert hat, ist ein klarer Gewinn für das Quintett, was sich vor allem in einem viel voluminöseren Sound wiederspiegelt.

Diesen brachte mein Kumpel Heiko am Mischpult für die Fans entsprechend rüber. Die Besucher brauchten trotzdem nicht um ihre spätere Hörfähigkeit bangen…

Das Konzert brachte alles, was der Punk-Fan erwartet. Stickige verschwitzte Luft, das Tragen von Fans über die Masse, Pogen, Tanzen und Mitsingen.

Das hatte zur Folge, dass der eine oder andere Fan über den Graben an die Sanitäter übergeben werden musste, sich aber nach entsprechender Flüssigkeitszufuhr und kurzer Ruhe schnell wieder erholte. Die Bandmitglieder hatten dies auch schnell erkannt und die für sie bereitgestellten Wasserflaschen direkt an die Fans in den ersten Reihen weitergegeben und auch aus dem Backstage-Bereich einige Male Nachschub geordert.

Nach fast 100 Minuten verließ die Band dann auch sichtlich geschafft das Podium, auf dem eher tropisches Klima herrschte, um für drei frenetisch geforderte Zugaben noch einmal der Kantinenmeute einzuheizen. Nach dem obligatorischen Bandfoto vor der Publikumsmasse nahm der Applaus nicht ab und zu den Klängen von „Heidewitzka Herr Kapitän“ tanzten und verabschiedete sich Betontod über mehrere Minuten von den Besuchern, die auch nachdem Verlassen der Protagonisten noch einige Zeit weiterfeierten.

Als Fazit kann gesagt werden, dass es ein begeisterndes Punk Rock-Konzert war, das keine unzufriedenen Gäste zurückließ und trotz der punkig-ausgelassenen Stimmung, auch durch das disziplinierte Verhalten der Fans und die umsichtige, immer freundliche Art der Security, keinerlei negative Randerscheinungen hinterließ.

So macht Punk einfach Spaß und hat, um nochmals auf die zu Anfang zitierte Aussage Illsleys zurückzukommen, immer seine musikalische Berechtigung. Betontod wird in anderen Städten die Herbsttour fortsetzen. Ein Dank geht an Eule und das Tourmanagement, das kurzfristig für eine Akkreditierung in den ausverkauften Kantine sorgte und auch Fotos von der Bühne aus zuließ!

Line-up:
Frank „Eule“ – Gitarre
Meister – Gesang
Ado – Bassisten
Mario – Gitarre
Maik – Schlagzeug

Text und Bilder: Gernot Mangold

Betontod
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Kantine Köln

Brent Cobb – Support: Zack Logan, 12.09.2018, Studio 672, Köln, Konzertbericht

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Mit Brent Cobb gab sich ein Künstler im kleinen Club 672 in Köln die Ehre, auf den ich mich schon seit Wochen gefreut hatte. Anlass war natürlich sein tolles Album „Providence Canyon“, aber auch seine interessante Vita samt seines vermutlichen Talents, er ist ja der Cousin des sehr erfolgreichen Produzenten Dave Cobb. Da war man einfach gespannt, was der Bursche live zu bieten hatte.

Zunächst aber stellte der aus Mississippi stammende Zack Logan, in dem mit knapp 40 Leuten spärlich besuchten Club, seine Künste in den Mittelpunkt. Er hat ebenfalls mit „Raised By Wolves“ ein aktuelles Werk am Start, aus dem er dann Stücke wie „Dog Chase Cars“, „Annalee“, das sehr melodische „Two Weeks At A Time“, „Ramblin‘ Shoes“, das schön rockende „Trouble Doing The Right Thing“, „I’m Coming Home“ und den Titeltrack, „Raised By Wolves“, in einer guten halben Stunde vorstellte.

Unterstützt wurde er von zwei Schweden namens Erik und Pelle aus Göteborg mit Fiddle und Upright Bass, die dem Ganzen eine schönes Veranda-Country-Flair vermittelten. Gerade Erstgenannter setzte mit seinem sägenden, quietschenden und weinenden Streichinstrument viele schöne Zusatz-Akzente. Zack zeichnete sich besonders durch seinen angenehmen Gesang aus (tolle Stimme). Ihm wäre zu wünschen, dass mal ein bekannter Nashville-Künstler sich eines seiner Songs annimmt, um seinen Bekanntheitsgrad zu pushen. Verdient hätte er es, insgesamt ein guter Support, der mit viel Applaus bedacht wurde!

Nur ein paar Minuten später kam dann einer der neuen wilden Generation Nashvilles, Brent Cobb, mit seinen drei Begleitern Mike Harris, Jason Kott (bekannt auch durch The Soulshine Family Band) und OJ Jackson auf die, dank der umstehenden Instrumente, Verstärker und Effektgeräte, ziemlich platz-reduzierte Bühne (Folge war, dass direkt ein – am Geruch nachher deutlich erkennbar – am Boden stehendes Whiskey-Glas umgetreten wurde und sich die verschüttete Flüssigkeit, in einer kleinen Lache, ihren Weg suchte).

Der knackig zupfende und auch klasse Gesangsharmonien beisteuernde Bassist Jason Kott war mir schon wegen seines T-Shirts, das mit Logo der auch von uns rezensierten Band The Steel Woods bedruckt war, direkt sympathisch. Das Quartett legte mit „When The Dust Settles“ los und der im weiteren Verlauf überragend agierende Mike Harris deutete bereits früh seine Qualitäten als versierter Slide-Spieler an.

Brent streifte im weiteren Verlauf mit Songs wie  u. a. „Diggin‘ Holes“, „Down In The Gully“, „Solving Problems“, den beiden herrlichen „King Of Alabama“ und „Providence Canyon“ seine beiden, unter Major-Fahne erschienen Alben und bewies, warum auch Stars wie Luke Bryan, Kenny Chesney, Miranda Lambert oder Little Big Town, gerne auf seine Songwriter-Künste zurückgreifen.

Ein erster Höhepunkt des Konzerts wurde entfacht, als Brent die akustische Gitarre abstreifte (die er allerdings fast immer wie eine E-Gitarre spielte) und zur Telecaster griff. Es folgten mit „If I Don’t See Ya“ und „.30.06“ zwei furiose Southern Rocker, in bester Lynyrd Skynyrd-Manier. Erstgenanntes erinnerte stark an deren einstiges „Swamp Music“.

Beim Schunkler „Tavelling Poor Boy“ wurde dann wieder in die gemäßigtere Country Rock-Schiene zurückgerudert. Mit Liedern wie dem swampigen „Sucker For a Good Time“, dem progressiv angehauchten „Black Crow“ und einem weiteren Kracher, „Ain’t A Road Too Long“, ging es schon über ins Finale, das mit dem an Dynamik zulegenden „South Of Atlanta“ (tolles Instrumentalfinish) und dem mit schönen Tempowechseln variierenden „Country Bound“ toll inszeniert wurde.

Gerade der rauschebärtige Mike Harris spielte sich teilweise regelrecht in einem Rausch. Nach dem Konzert, begann dann sofort ein hektisches Treiben. Es wurde ratz-fatz abgebaut, da die Band heute Abend schon wieder in Berlin auf der Bühne steht.

Brent nahm sich aber dennoch die Zeit für ein paar Autogramme und das obligatorische Bild mit unserem Logo. Als wir nach Hause fuhren, waren Gernot und ich uns sicher, hier mit Brent Cobb eine kommende Größe des Southern Country Rocks gesehen zu haben, die man in Zukunft vermutlich nicht mehr in so intimen Rahmen erleben wird. Ganz starker Gig!

Line-up:
Brent Cobb (lead vocals, acoustic guitar, electric guitar)
Mike Harris (electric guitar, slide guitar, vocals)
Jason Kott (bass, vocals)
OJ Jackson (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Brent Cobb
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Zack Logan
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Konzertbüro Schoneberg
Studio 672

The Hooters – 16.07.2018, Kantine, Köln – Konzertbericht

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Auf dem Weg nach Köln, an einem hochsommerlichen Montagabend war ich schon gespannt, was uns beim Konzert der Hooters in der Kantine erwarten würde. Mit einem guten Freund, selbst studierter Musiker, der mich begleitete konnte die Fahrzeit, mit Fachsimpeln über Musik, auf ein Minimum verkürzt werden.

Schon eine halbe Stunde vor Einlass war der Biergarten vor der Kantine recht gut besucht. Durch T-Shirts von verschiedensten Touren, die sofort ins Auge fielen, zeigte sich, dass die Hooters über eine treue Fangemeinde verfügen.

Schon fast pünktlich um 19:00 Uhr begann sich die Kantine zu füllen, so dass Joe D’Urso als Support eine halbe Stunde später, vor einer ordentlichen Kulisse mit 30 Minuten feiner Americana-Musik, solo mit akustischer Gitarre, die Zeit bis zu den Protagonisten überbrückte.

D’Urso outete sich dabei selbst als Hooters-Fan und erzählte zu einigen der gespielten Songs nette Hintergrundgeschichten. Neben den Coversongs „Cats In The Craddle“ und „The River“, bei denen einige der Besucher lautstark mitsangen, blieb mir auch das abschließende „One Guitar“ in besonderer Erinnerung. Ein absolut gelungener Auftritt des sympatischen Sängers.

Nach einer kurzen Umbaupause dunkelte das Licht in der Halle gegen 20:10 ab und die knisternde Erwartung der Fans in der nun gut gefüllten Kantine war spürbar. Zum instrumentalen Intro betrat die Band, die erstmals 1980 auftrat und nach einer Trennungsphase ab 1988 konstant in der jetzigen Besetzung spielt, unter frenetischen Applaus die Bühne.

Diese ließ Großes erwarten. Mit drei Gitarren, einem Bass, den Drums und der Untermalung durch das Keyboard, legten die 6 Akteure mit „You Never Know Who Your Friends Are“ und „I’m Alive“, die Latte direkt hoch. Der Titel des Openers war an diesem Abend schnell widerlegt. Auf den ersten Blick war schon zu erkennen, dass eine fast innige Beziehung zwischen Band und Fangemeinde herrschte.

Der meist Gitarre spielende Sänger Eric Bazilian und der Keyboarder Rob Hyman, die sich am Frontmikro abwechselten, als auch schöne Harmoniegesänge zeigten, bekräftigeten in mehreren Ansagen zu Songs insbesondere ihre Sympathie zu den deutschen Fans, die den Hooters immer die Treue gehalten haben,Die sollte im späteren Verlauf auch noch einmal sehr deutlich werden.

Jeden Song einzeln zu erwähnen und zu beschreiben würde absolut den Rahmen sprengen. Was in jedem Fall gesagt werden kann, dass es keinen Spannungsabfall während der ganzen Show gab, die letztendlich über zweieinhalb Stunden dauerte.

Die Hooters zeigten auch immer wieder, welche Musikrichtungen sie insbesondere zu Beginn der Karriere beeinflussten. So war der vom Bass und Keyboard geprägte Grundrhythmus von „Hanging On A Heartbeat“ durchaus dem Reggae nahe. Es waren aber auch immer wieder folkige, machmal leicht punkig angehauchte Einflüsse erkennbar.

Beim Don Henley-Cover, „The Boys Of Summer“ nahm der nun mit Mandoline spielende Bazillian die hochsommerlichen Temperaturen als Anlass um das  Publikum nach dem Befinden zu fragen, Er deutete an, dass er sich bemühen würde, durch Pusten für Luftzug sorgen, was natürlich nicht gelang. Stattdessen brachte die Band dann eine wirklich erfrischende leicht folkige Version, die damit einen eigenen Charakter hatte und nicht ein stumpfsinniges Covern war. Hier zeigte sich das Publikum auch sehr textsicher.

Einer meiner Highlights des Abends, wenn man bei der Masse von abwechslungsreichen und guten Songs überhaupt davon sprechen darf, war das Hedy West-Stück „500 Miles“, einer der alten Hooters-Hits, der auch live nichts von seiner fast hymnischen Stimmung verliert. Wie bei allen Songs dominierte ganz starker Gesang, der vom Soundmixer allerdings etwas mehr in den Vordergrund hätte gestellt werden können. Dieses war allerdings das einzige Manko und bedeutet Jammern auf hohem Niveau, bei einem insgesamt sehr gut ausbalancierten Konzert, bei dem auch der Lichttechniker immer wieder eine entsprechende Dramaturgie herstellte.

Bei der eigenwilligen psychedelischen eher getragenen Version des Beatles-Klassikers „Lucy In The Sky With Diamonds“ durfte sich der Jungspund der Band, Gitarrist Tommy Williams einmal am Leadgesang zeigen, was ihm auch perfekt mit seiner etwas höheren Stimmlage gelang.

Über „All You Zombies“, mit sphärischen Intro von Rob Hyman an den Keyboards in einer meist in dunkelblaues Licht getauchten Kantine, nahm das Konzert immer mehr Fahrt auf.  „Johnny B“ und „And We Danced“ beendeten den Hauptteil des Konzertes. Besonders hervorzuheben war das Intro zu „Johnny B“ das von Bazilian mit einer Flöte performt wurde. Zur generellen Abwechslung trug auch bei, dass die Gitarristen immer wieder die Instrumente austauschten. So konnten Bazilian, Williams und Leadgitarrist John Lilley nicht nur an Ihren Gitarren, sondern auch an verschiedensten Mandolinen, sondern auch an der Melodica begeistern.

Die Rythmussektion um Basser Fran Smith Jr. und Drummer David Uosikkinen (das dritte Ursprungsmitglied) legten im ganzen Konzert eine Soundgrundlage für die Band, wobei Smith auch einige kurze Soli einstreute. Überhaupt zeigte das ganze Sextett eine enorme Präsenz.  Zuweilen streifte sich Hyman auch ein Akkordeon über und nutzte die ganze Breite der Bühne aus.

Als die Männer das Auditorium verließen und die Halle nur noch spärlich  dunkelblau ausgeleuchtet war, hallten vehemente Zugabevorderungen durch die Kantine. Es war aber schon zu diesem Zeitpunkt, nach etwa 90 Minuten erkennbar, dass noch etwas kommen würde.

Hocker wurden auf die Bühne getragen und schon nach kurzer Zeit gingen Spots Richtung Zugang an und nach und nach betraten die Musiker diese, um sich dann zum Teil gemütlich auf den Hockern niederzulassen. Es folgte ein etwa 30 minütiger akustisch vorgetragener Teil des Konzertes, bei dem alle sechs Bandmitglieder nebeneinander vorne an der Bühne saßen oder standen.

Lilley slidete als einziger eine E-Gitarre, Bazzilian und Williams hatten sich Mandolinen umgehängt, Smith hatte einen akustischen Bass sitzend quer über die Beine gelegt, Uosikkinen stand hinter einer Trommel, die er dezent bearbeitete, nun endlich auch einmal mit in Vordergrund.  Hyman hatte natürlich wieder das Akkordeon umgeschwungen. Besonders hervorzuheben aus diesem Teil des Konzertes ist das sehr melodische Steve Miller-Cover „Fly Like An Eagle“ und das sehr politisch geprägte „Mr. Big Baboon“, wo auch die Zuschauer gesanglich wieder unterstützten.

Wer dachte, dass das Konzert nun beendet wäre, sah sich getäuscht. Nachdem es kurz dunkel wurde und alle Mitglieder die Bühne verlassen hatten, ging auf einmal ein Spot zum linken Bühnenrand, wo Williams zu einem mehrminütigen Gitarrenintro einsetzte und die Menge mit Echo und Hall gekonnt in seinen Bann zog.

Nach einigen Minuten untermalte Hyman mit den Keyboards das Ganze noch mit einem Soundteppich, bis nach und nach der Rest der Band wieder mit dem Tourtitel „Give The Music Back“ einstieg. Neben einigen eigenen Titel brachte die Band auch „One Of  Us“ von Joan Osbourne, mit fast akzentfreien, deutschen Gesangspassagen und den Cyndi Laupner-Hit „Time After Time“, die für tolle Stimmung sorgten.

Hier darf man eigentlich gar nicht von Coverstücken sprechen, da Bazzilian und Hyman an beiden Tracks einen großen Anteil als Co-Writer hatten. In dieser Phase des Gigs konnte Bazzilian auch beweisen, dass er das Saxofon bestens beherrscht. Nach knapp zweieinhalb Stunden folgten dann die beiden finalen Stücke, beide in deutsch vorgetragen.

„Pissing In The Rhine“, das eher wie ein Kneipensong rüberkam und zum Abschluss eine Version des NDW-Klassikers „Major Tom“, aber in eine rockiges Gewandt gepackt. Hier wurde nochmals dementsprechend stimmgewaltig mitgesungen.

Nach der Verabschiedung, begaben sich die sechs Musiker in eine Reihe und verließen wie ein Zug die Bühne. Ein kurzweiliger Konzertabend hatte selbst bei drei Stunden Musik, einen würdevollen Abschluss bekommen. Wer die Gelegenheit hat, die Hooters bei ihrer noch andauernden Tour zu besuchen, sollte die Chance wirklich nutzen.

Hier bekommt man einen Konzertabend von einer authentischen Band geboten, die mit einer Spiellaune und Freude von Beginn an mitreißt. Eine einfach phantastische Livetruppe, die auch nach über 30 Jahren Bandgeschichte, nichts von ihrer Energie eingebüßt hat.

Ein Dank auch an die Mitarbeiter der Kantine (namentlich und stellvertretend sei hier Marcus Neu genannt, der mir die Akkreditierung ermöglichte), die mit ihrer freundlichen und wertschätzenden Haltung, auch einen nicht unerheblichen Anteil am Gelingen dieses wunderschönen hochsommerlichen Abends hatten. Neben dem Besuch von Hooters-Gigs, kann auch diese Location selbstredend immer wieder empfohlen werden.

Line-up:
Eric Bazilian (lead vocals, guitars, mandolin, flute, saxophone)
Rob Hyman (lead vocals, keys, accordion)
John Lilley (guitars, vocals)
Tommy Williams (guitars, vocals)
Fran Smith Jr. (bass, vocals)
David Uosikkinen (drums, percussion)

Text und Bilder: Gernot Mangold

The Hooters
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Kantine Köln

The Band Of Heathens, 10.07.2018, Yard Club, Köln – Konzertbericht

BOH_haupt

Wenn die Band Of Heathens in unserer Gegend präsent ist, ist das für uns natürlich ein Pflichtbesuch, besonders in einer Location wie im Yard Club in Köln, zu dem wir ja dank ihres ‚Chefs‘ Marcus Neu ein besonders herzliches Verhältnis pflegen.

Der Termin zu Anfang der Woche, dazu mit dem Fußballweltmeisterschafts-Halbfinalspiel Frankreich-Belgien ein weiterer Störfaktor, ließ in Sachen Zuschauerresonanz nichts Gutes erahnen. Dennoch fanden sich um die 50 musik-begeisterte Leute ein, sodass der Club kein tristes Erscheinungsbild abgab.

Ich persönlich war erfreut, mal wieder Jürgen Thomä von Bärchen Records zu treffen, dem ich ja zumindest auch einen Teil meines musikalischen Wissenshorizontes zu verdanken habe und natürlich auch meine Fan-Freunde von Rot Weiss Essen (u. a. RWE Uralt-Ultras-Präsident Happo), die BOH seit Beginn ihres Treibens, ihre Treue halten und sie immer wieder besuchen, sofern sich die Gelegenheit ergibt.

20.15 Uhr stieg das mit Jesse Wilson um einen neuen Bassspieler modifizierte Quintett mit „Should Have Known“ in den Gig ein. Mit „Sugar Queen“ gab es das erste Stück aus ihrer aktuellen EP „Live Via Satellite“, dem im späteren Verlauf noch das wunderbare semi-akustische „Ruby (Ed Jurdi und Gordy Quist auf der Akustikgitarre, alle mit Eagles-mäßigen Satzgesängen), das poppige „All I’m Asking“ und das herrlich umgesetzte Neil Young-Cover „Alabama“ (der fleißig fotografierende Kollege Gernot als großer NY-Fan war absolut verzückt) folgen sollten.

„Jackson Station“ und der „L.A. County Blues“, die ja schon zu den Klassikern der Texaner zählen, der stark gespielte „Judas Iscariot Blues“, das soulig-melodische, von Ed gesungene „DC 9“ und das famos performte „Hurricane“ zum Abschluss des Hauptteils, wo übrigens zwei Mädels, die hinter mir standen, so textsicher und klasse mitsangen, dass man sie als Verstärkung auf die Bühne hätte holen können, zählten zu meinen Favoriten des Abends.

Der wechselseitige Gesang und das vorzügliche E-Gitarrenspiel der beiden ‚Anführer‘ Gordy Quist und Ed Jurdi ist immer noch eine Reise wert. Trevor Nealon ließ immer wieder seine Klimperqualitäten aufblitzen und Drummer Richard Millsap verlieh vielen Stücken besonders in den Schlussphasen Kraft und Dynamik.

Zum Finale gab es mit „Baby, You’re A Rich Man“ als einzige Zugabe noch ein Beatles-Stück, das die zum Teil etwas poppigere Ausrichtung des Fünfers seit dem Ausstieg von Colin Brooks nochmals unterstrich. Nach 90 kompakten Minuten war dann Feierabend. Am Ende konnten wir Ed und Gordy noch für das obligatorische Bild mit dem SoS-Logo für die VIP-Galerie gewinnen. Unterm Strich ein ordentlicher Band Of Heathens-Gig, bei dem man aber den einen oder anderen Track (z. B. „Look At Miss Ohio“) vermisst hat.

Line-up:
Ed Jurdi (lead vocals, electric, slide and acoustic guitars, vocals)
Gordy Quist (lead vocals, electric, slide and acoustic guitars, vocals)
Jesse Wilson (bass, vocals)
Richard Millsap (drums, vocals)
Trevor Nealon (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

The Band Of Heathens
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Yard Club Köln