Bywater Call – 08.05.2022, Yard Club, Köln – Konzertbericht

Am Muttertag traten die Kanadier Bywater Call, zwei Tage nach einem hochgelobten Auftritt beim Moulin Blues im niederländischen Ospel, im Kölner Yard Club auf. Markus Neu war es somit gelungen, einen absolutes Highlight zu buchen.

Das sich aber ein so spezieller Abend entwickelte, war nicht zu erwarten. Um kurz nach 20:00 Uhr betrat die Band die Bühne und die Sängerin Meghan Parnell schaute in den mehr als spärlich gefüllten Saal, überlegte kurz und machte eine bemerkenswerte und charmante Ansage: „Schön, dass ihr da seid, heute geben wir gewissermaßen eine private Show“. So entwickelte sich ein Gig, den alle Anwesenden so schnell nicht vergessen werden und alle gemeinsam das Beste aus der Situation machten.

Die sieben Kanadier legten ein 100-minütiges Konzert hin, das es in sich hatte. Dabei präsentierten sie neben Songs des ersten Albums auch einen großen Teil des in kürze erscheinenden neuen Longplayers, sowie zwei Coversongs von Paul Simon und The Band. Auf einzelne Lieder einzugehen, verzichte ich an dieser Stelle, da alle auf einem hohen Niveau waren und es mir schwer fallen würde, einzelne Stücke hervorzuheben.

Auffallend war, dass mehrmals ganz kurz zwischen den Songs abgestimmt wurde, welches Stück folgen sollte, und sich so je nach Stimmung verschiedene Setlisten ergeben können. Zwischen den Songs machte Parnell nicht nur Ansagen, sondern plauderte zuweilen mit den Anwesenden, die nicht mit verdientem Applaus sparten.

Wo ich vor etwa 2,5 Jahren schon von einem tollen Bandverständnis berichtete, hatte ich an diesem Abend das Gefühl, dass die Formation noch mehr miteinander verwachsen ist und sich das damals schon tolle Songwriting noch einmal gesteigert hat. Prägend sind zunächst einmal das Zusammenwirken der charismatischen zierlichen Sängerin Meghan Parnell und des Gitarristen Dave Barnes, das vom Rest der Band perfekt ergänzt wird. Alle Musiker haben mehrfach die Möglichkeit, sich in den Vordergrund zu spielen.

Parnell überzeugte mit einem Stimmvolumen, das Seinesgleichen sucht und stand meist im Mittelpunkt des Geschehens. Jedoch begab sie sich öfters ganz an den Rand der Bühne, um diese den anderen zu überlassen. Barnes glänzte mal slidend oder fingerpickend mit einigen feinen eindrucksvollen Soli und ließ seine Gitarre zuweilen regelrecht singen. Dabei hielt er sich visuell aber meist eher im Hintergrund und war zuweilen regelrecht in seinem Spiel versunken.

Die starke Rhythmussektion um Basser Mike Meusel und Drummer Bruce McCarthy konnte selbst einige kurze Soli in die Musik einflechten. Keyboarder Alan Zemaitis untermalte die Songs nicht nur, sondern begeisterte mit furiosen aber auch gefühlvollen Soloeinlagen, wie auch Trompeter Stephen Dyte und Saxofonist Julian Nalli.

So präsentierte die Band ein Konzert, in der verschiedenste Musikstile geschickt verflochten wurden. Von Blues, über Soul, Folk bis hin zu Rockmusik fanden sich alle Musikrichtungen in ihrem ganz eigenen Stil wieder, der zur Zeit live zu den absoluten Highlights zählt.

Bywater Call werden in den nächsten Wochen in NRW noch Konzerte im Musiktheater Piano in Dortmund, im Zentrum Altenberg in Oberhausen und in der Kulturrampe in Krefeld geben. Freunde der genannten Musikrichtungen sollten sich dabei nicht die Chance entgehen lassen, diese begnadeten Musiker in den genannten Locations zu besuchen und für eine entsprechende Stimmung zu sorgen. Ich für meine Person werde es mir nicht entgehen lassen mich auf der Tour nochmals an der Musik der absolut sympathischen Kanadier zu erfreuen, die schon bald mehr als ein Geheimtipp sein werden.

Nochmals ein besonderer Dank an Markus Neu vom Yard Club, für den es mir an dem Abend leid tat, dass sein Booking mit einem Händchen für exzellente Musiker, nicht entsprechend von den Musikfreunden angenommen wurde. Auch an die Band, die es sich nicht nehmen ließ, den wenigen Anwesenden einen tollen musikalischen Abend zu bescheren und so einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen, bei dem sogar noch eine gefeierte Zugabe nachlegte.

Line-up:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar,bgv)
Alan Zemaitis (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Teenage Head Music
Yard Club Köln

High South – 28.04.2022 – Yard Club, Köln – Konzertbericht

Geplant war das Konzert von High South schon in 2020, um das kurz zuvor erschienene Album „Peace, Love & Harmony“ zu promoten. Doch nach wenigen Shows wurde die Europatournee wegen Corona abgebrochen und nun konnte der damals abgesagte Termin in Köln endlich nachgeholt werden. In der Zwischenzeit hatte Phoenix Mendoza die Band verlassen, mit Devon Ian Pangle fanden Jamey Garner und Kevin Campos aber einen dritten Frontmann, der schon in der John Fogerty Band auf sich aufmerksam gemacht hatte.

In den zwei Sets präsentierte die Band fast das vollständige aktuelle Studioalbum und das danach aufgenommene Livealbum. Dabei spickte die Band die eigenen Songs mit einigen Coversongs, die erkennen ließen, welche Künstler die Musiker von High South inspirieren. Besonders hervorzuheben waren dabei das Kasey Musgraves-Cover „Slow Burn“, „Love The One You´re With“ von CSNY, „Take It Easy“ von den Eagles als letzter Song des zweiten Sets, sowie die letzten beiden Zugaben “Folsome Prison Blues“ und „The Weight“ von Johnny Cash bzw. The Band.

Ganz im Stile der adaptierten Songs performten die drei Amerikaner ihre eigenen Songs im Gegensatz zum Album ohne Begleitmusiker und nur mit akustischen Gitarren, wobei Jamey Garner bei einigen Stücken die Gitarre bei Seite legte und stattdessen mit abwechslungsreichen Mundharmonikaspiel überzeugte. Die besondere Note aller Stücke waren allerdings die Harmoniegesänge. Jeder der Drei hatte natürlich seine Soloparts und zuweilen entstand bei Wechselgesängen der Eindruck von regelrechten Dialogen.

So zauberte High South ein folkiges Westcoast Feeling in den Yardclub und sorgte für den einen oder anderen Sonderapplaus des enthusiastisch mitgehenden Publikums. Ein Highlight war auch, als die Band im zweiten Set bei „Honestly“ endgültig auf Vollakustik umstieg, sich vor die Mikros stellte, die Stecker aus den Gitarren zog und wie zum Beginn der Bandhistorie auf jede Verstärkerleistung verzichtete, um ihr ganzes stimmliches Volumen in die Waagschale zu werfen.

In der ersten Zugabe „Peace Love & Harmony“ erinnerte Garner passend zum Titel an die schweren Coronazeiten und die gegenwärtige Weltsituation. Die Menschen mögen sich diese drei Worte zu Eigen machen und so für eine bessere Welt sorgen.

Mit der an diesem Abend abgegebenen Visitenkarte ist von High South noch einiges zu erwarten. Dazu gehörte auch der Auftritt nach dem Konzert, wo die drei Protagonisten geduldig Autogrammwünsche erfüllten und sich mit einigen Fans zusammen fotografieren ließen.

Ein Dank mal wieder an den Yard Club für die wie immer freundliche Aufnahme.  Ebenso muss immer wieder erwähnt werden, dass Markus Neu als Booker den Mut hat, auch hier nicht so bekannten Musikern eine Chance zu gewähren, in der Region Fuß zu fassen.

Line-up:
Jamey Garner – vocals, guitar, harp
Kevin Campos – vocals, guitar
Devon Ian Pangle – vocals, guitar

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Knoll Music Management
Die Kantine/Yard Club

Incredible Pack – 25.03.2022 – Yardclub, Köln – Konzertbericht

Nachdem Incredible Pack während der Coronapandemie mit “Time For Decisions“ ihr zweites Werk eingespielt hatten, bestand nun endlich die Möglichkeit nicht nur das aktuelle, sondern auch das erste Album zu promoten, was corona-bedingt nicht möglich war.

Dabei wurde für die Sicherheit aller Besucher, seitens des Yard Clubs, neben dem obligatorischen 2G+ zusätzlich ein tagesaktueller Coronatestest eingefordert, der am Einlass penibel unter Vorlage eines Lichtbildausweises kontrolliert wurde.

Leider ist es momentan so, dass selbst mit besten Konzepten scheinbar bei vielen Musikfans, gerade in kleinen Clubs Ängste bestehen, Konzerte zu besuchen. So war es an dem Abend auch im Yardclub, der noch Platz für mehr Besucher gehabt hätte.

Was jeder Musikfan wissen sollte, dass jetzt, wo wieder fast uneingeschränkt Konzerte erlaubt sind, keine staatliche Hilfen mehr fließen, um Einnahmeverluste auszugleichen. Jeder Besucher hat einen Anteil, den Clubs zu helfen, wirtschaftlich existieren zu können.

Doch nun zum eigentlich Wichtigen, auch die Band ließ direkt durchblicken, wie sie sich freut, endlich die Songs live präsentieren zu können.

Das Powertrio um die drei deutschen Rockurgesteine Martelle, Manni von Bohr und Ufo Walter hatten Jürgen „Jay“ Scholz dabei, um den vollen Studiosound auch live auf der Bühne präsentieren zu können.

Bestens gelaunt, neben der Gitarre mit einer Tasse Tee in den Händen, betrat Martelle, gefolgt von van Bohr und Ufo Walter, die Bühne. Erst ab dem dritten Song „Dangerous Age“, der zu den dunklen Zeiten in Osteuropa passt, betrat dann auch Jürgen Scholz die Bühne.  Martelle widmete diesen gewissermaßen den Menschen in der Ukraine.

In dem etwa zweistündigen Set wurden fast die gesamten Lieder der beiden Alben präsentiert, die eine explosive Mischung aus hartem texanischen Blues (in einem kurzen Gespräch outete Martelle sich als Billy Gibbons-Fan) und furiosem Rock`n`Roll bildeten.

Gespickt wurde die Setlist mit einigen Coversongs, wie einer harten bluesigen Version von Bowies „Rebel Rebel“ oder „Don`t Think About Her When You`re Trying To Drive“, welcher auch aus der Feder von John Hiatt stammt, wozu Martelle bemerkte, dass es von ihm keine Platte ohne Hiatt-Song geben würde.

Schon nach kurzer Zeit sorgte die Band durch ihre authentische Art dafür, dass der Funke auf die Besucher übersprang und sog diese Stimmung gewissermaßen selbst wieder ein und es entwickelte sich ein Abend, der mit Sicherheit weitaus mehr Besucher verdient gehabt hätte.

Es fällt schwer, aus den durchweg klasse präsentierten Songs einzelne herauszuheben, aber beeindruckend war „I Can`t Cry“, wo nach kurzer Zeit Martelle und Scholz die Bühne verließen und Ufo Walter mit einem Klasse Bass-Solo und Manni van Bohr mit einem mehrminütigen entfesselten Drumsolo, von der Leine gelassen wurden. 

Martelle und Scholz geizten Ihrerseits nicht mit furiosen, teils slidenden Soli auf ihrer vielfältigen Gitarrensammlung. Stark auch der Backgroundgesang von Scholz, der diesen auch auf dem letzten Album beisteuerte.

Martelle zeigte sich auch gesanglich voll auf der Höhe und bewältigte den zuvor angesprochenen Hiatt Song, den er als Herausforderung an seine Stimme ansah, problemlos, was eventuell auch an dem Yogi Tee lag, welchen Leo Komar von On Stage Promotions zum Ölen seines Vokalorgans fertig gemacht hatte.

Analog zum Titelsong des aktuellen Albums „Time For A Decision“, welcher mit texanischer Blueswucht durch den Yardclub zog, kann gesagt werden, dass die Zuschauer, die den Weg in den Kölner Norden gefunden hatten, eine gute Entscheidung getroffen hatten. Augenscheinlich begeistert, wurde nach über zwei Stunden Rock`n`Roll, der Heimweg angetreten.

Martelle – vocals, guitars
Ufo Walter – bass
Manni von Bohr – drums
Jürgen „Jay“ Scholz – Background Vocals, guitars

Text und Bilder: Gernot Mangold

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On Stage Promotion
Kantine Köln

Double Bill: Joanna Connor and Eamonn McCormack – 21.10.2021, Yard Club, Köln – Konzertbericht

Mit dem Iren Eamonn McCormack und der aus Chicago kommenden Amerikanerin Joanna Connor besuchten zwei Hochkaräter der Bluesszene den Kölner Yard Club. Leider nur etwa 50 Bluesfans sollten ihr Kommen allerdings nicht bereuen. Die beiden Haupakteure, jeweils begleitet von Eamonns deutscher Begleitband mit Max Jung-Poppe an den Drums und Bassist Eddy Karg, lieferten ein weit über zweistündiges Konzert, das in drei Parts ohne Pause dazwischen gegliedert war.

Zunächst zeigte Joanna Connor in einem etwa 45 minütigen Set, warum sie zu einer der besten Bluesgitarristinnen gezählt wird (nicht umsonst hat Joe Bonamassa ihr aktuelles Album produziert und sie auf die Mittelmeer Bloescruise 2022 eingeladen) und präsentierte eine Mischung alter Songs, gekonnter Coverstücke und auch Stücke, wie „I Feel So Good“ vom aktuellen Album „4801 South Indiana Avenue„.

Nach kurzen anfänglichen Abmischungsproblemen war schnell der richtige Sound gefunden und die Fans konnten einen klar definierten, gut differenzierten Sound genießen. Joanna begeisterte die Fans mal slidend über die Saiten huschend, mal fingerpickend, bis hin zu fast in den Hardrock gehender Soloarbeit, wobei das Grundthema immer der Blues blieb.

Auch stimmlich zeigte sich Connor bestens aufgelegt, dass schon die ersten 45 Minuten für eine prächtige Stimmung bei den Fans sorgten, und die Besucher nach dem Led Zep-Cover „When The Levee Breaks“ sie mit Ovationen und Zugabeforderungen verabschiedeten. Den Zugabeforderungen kam sie mit dem Hinweis, dass sie zum Ende mit McCormack noch etwas jammen würde, zunächst nicht nach und nahm während Eamonn die Bühne betrat hinter der Bassbox auf der Bühne Platz, um das Treiben des Iren, oft im Takt mitwippend zu verfolgen.

Im Mittelpunkt des etwa 50 minütigen Auftritt des Irens standen Songs des aktuellen Albums „Storyteller“, wie das melancholische „The Great Famine“ oder die krachenden Blues Rock-Nummern „Gypsy Woman“ oder „With No Way Out“ sowie die zwei stark gespielte Gallagher-Songs.

„Calling Card“ und das abschließende „Shadow Play“, das gewissermaßen die Inspiration des Vorbilds widerspiegelte und zum Ausdruck gab, dass dieser gedanklich irgendwie mit dabei ist. Gespickt wurde das Set dann noch von einigen älteren Nummern wie „From Town To Town“ oder „Heal My Faith“, in der ein bestens gelaunter McCormack seine Virtuosität, aber auch Energie an seinen Gitarren zum Besten gab und zeigte, dass er auch stimmlich überzeugend ist.

Nach diesen zwei ‚Solo‘-Darbietungen erhob sich Joanna Connor von ihrem Logenplatz auf der Bühne und es folgten nochmals etwa 45 Minuten Bluespower. Neben zwei eigenen Songs, Connors „Cut You Loose“ und McCormacks „Falsely Accused“ präsentierten sie noch einige Blues-/Rockklassiker wie „Rock Me Baby“ oder „Johnny Be Good“, bei denen sie sich regelrecht die Solis hin und her schmissen, als gäbe es kein Morgen mehr.

In diesen oft jammenden Passagen hatten auch Max Jung-Poppe mit feinen Drumeinlagen, wo er mit den Sticks so durch die Luft wirbelte, dass man befürchten musste, er hebt gleich ab und Eddy Karg mit akzentuierten Bassläufen einen erheblichen Anteil. Danach wusste man jedenfalls, weshalb sie Eamonn schon seit einigen Jahren in seine Band geholt hat.

Nach noch einer frenetisch geforderten Zugabe und etwa 140 Minuten Powerblues nahmen sich Connor und McCormack noch die Zeit zum Smalltalk und Signieren verschiedenster Fanutensilien und rundeten so einen absolut gelungenen Musikabend ab, der leider nur das Manko hatte, dass der Besuch, wie bei vielen Veranstaltungen zur Zeit, eher zu wünschen lässt und es Veranstaltern wie auch Musikern nicht leicht macht.

Ach ja, am Sonntag wird das Rheinenergiestadion mit 50.000 Zuschauern gegen Leverkusen ausverkauft sein (???, der Kollege Mangold meint sicherlich das Spitzenspiel am heutigen Samstag 1. FC Köln U 23 – Rot Weiss Essen – Anm. der Red.), was mich als FC Fan natürlich erfreut. Schön wäre es, wenn auch die Musikfreunde zumindest dafür sorgen könnten, dass die Clubs mit den bestehenden Vorschriften zumindest zur Hälfte gefüllt sind und Kultur auch finanziell über die Runden kommt.

Damit an dieser Stelle ein ausdrücklicher exemplarischer Dank an Marcus Neu und die Kantine/Yardclub und Künstler wie McCormack und Connor, die trotz des finanziellen Risikos das Kulturleben am Leben halten.

Line-up:
Joanna Connor (lead vocals, electric guitars)
Eamonn McCormack (lead vocals, electric guitars)
Eddy Karg (bass)
Max Jung Poppe (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Eamonn McCormack
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Joanna Connor
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Yard Club, Köln

Little Caesar, 14.09.2021, Open Air Bühne (Freideck), Kantine, Köln – Konzertbericht

Deutschland-Auftakt der Europa-Tournee von Little Caesar. Zum ersten Mal gab das Quintett um Bandleader Ron Young sein Stelldichein im Kölner Kantinen-Areal, sprich der dort anliegenden Open Air Bühne am sogenannten Freideck. Ich persönlich habe die Truppe aus Los Angeles bis jetzt zwar einige Male live gesehen, aber immer nur in der kleinen Krefelder Kulturrampe, die soundtechnisch aufgrund der Lautstärke dabei jedes mal so ziemlich an ihre Grenzen gebracht wurde. Deshalb war ich sehr gespannt, wie die Musik diesmal auf dem weitläufigen Gelände rüberkommen würde.

Der Wettergott kam der Bitte vom Klassiker ihres ersten Albums „I Wish It Would Rain“ nur eine knappe halbe Stunde vor Konzertbeginn auf der Hinfahrt von Rheinberg nach Köln nach, während des gut 90 Minuten währenden Gigs durfte man sich über trockene Verhältnisse bei sehr angenehmen Temperaturen freuen. Auch die gute Besucherzahl (Kantinenmacher Marcus Neu hatte da im Vorfeld etwas Bedenken) trug von daher zu besten Voraussetzungen bei.

Pünktlich um 19:30 Uhr betraten Ron Young, Mark Tremalgia, Pharao Barrett, Loren Moulinare und Brian Irving (der etatmäßige Drummer Tom Morris musste aus familiären Gründen passen) die große Bühne und legten mit „Drive It Home“, wie bei Little Caesar gewohnt, direkt einen ordentlichen Hard Rock-Drive vor.

Auch an diesem Abend zeigte sich, welch hohe Bedeutung das damals umjubelte Major-Debüt von 1990 und zugegebener Maßen immer noch beste Werk, für die Setlist der Band spielt. „Rock-N-Roll State Of Mind“, „Hard Times“, „Wrong Side Of The Tracks“, „Chain Of Fools“, besagtes „I Wish It Would Rain“, „Down-N-Dirty“ und „In Your Arms“ bildeten das starke Grundgerüst, um die Fangemeinde mit dem typischen Wechsel aus launig hart rockenden Nummern und den eingestreuten schmalzfreien Balladen, in beste Stimmung zu versetzen.

Highlights bis dahin sicherlich der Zwischenschrei von Ron Young beim Aretha Franklin-Cover „Chain Of Fools“, als Beweis für die immer noch starke Stimme des Bandleaders, an dem ein Joe Cocker sicherlich seine Freude gehabt hätte. Schön auch, als bei „Down-N-Dirty“ im Bridge die ja eigentlich vom Sänger gepachteten „Can’t you see, Can’t you see“-Zeilen von einem Zuschauer spontan übernommen wurden, was alle Anwesenden (inklusiv Band) sichtlich amüsierte und so zur lockeren Gesamtatmosphäre beitrug.

Young gab sich wie gewohnt kommunikativ (vielleicht schon etwas zu überdreht an diesem Abend), die Pfunde, die beim eh schon spindeldürren Wirbelwind Loren Moulinare (der wieder mit seiner durchgeknallten Mimik und Agilität ein absoluter Aktivposten) verlorengegangen zu sein schienen, hatten sich wohl bei Bassist Pharoah Barrett angesiedelt, der mit pumpenden Bassläufen, guten Harmoniegesängen und auch einem Leadvocal-Einsatz bei der zweiten Zugabe „Every Picture Tells A Story Happy“ mittlerweile eine gewichtige Rolle, nicht nur von der imposanten Statur her, im LC-Line-up einnimmt.

Mark Tremalgia spielte die meisten Soli auf seiner Les Paul (leider nicht immer transparent rauszuhören), Ersatz-Drummer Brian Irving fügte sich mit wuchtigem Spiel ganz flüssig ein, als wäre er schon immer dabei gewesen.

„Mama Tried“ vom momentan aktuellen Album „8“ finalisierte den Hauptteil, zwei Zugaben holte die mittlerweile stehende Audienz noch raus. Vor dem launigen „Vegas“ (klasse die Zeilen „Too stupid for New York, Too ugly for Hollywood) als erster Zugabe, ebenfalls auf „8“ vertreten, verteilte Ron wie gewohnt (siehe dazu auch unser Interview von 2016), Spitzen gegen das eigene Land, in dem er auf die immer noch weit verbreitete Bildungsarmut hinwies.

Hier führte er an, dass es in den Staaten ernsthaft sehr viele Menschen gibt, die New York für das Ende der Welt halten. Ok, wenn es statt geografisch, metaphorisch gemeint wäre, könnte man es auch als scharf skizzierte Ironie interpretieren (angesichts dessen, was diese Beton-Megastädten an Negativem um den ganzen Globus verbreiten), aber in der Tat scheint es sich wohl um ersteren Sachverhalt zu handeln…

Wie dem auch sei, der Little Caesar-Gig bot insgesamt 1 1/2 Stunden beste Hard Rock-Unterhaltung, wenn es jetzt noch gelingen würde, den Sound mal einwandfrei hinzukriegen, dann können sich alle, die die nächsten Stationen besuchen, auf eine tolle Show freuen.

Line-up:
Ron Young (lead vocals)
Mark Tremalgia (electric guitar, vocals)
Pharoah Barrett (bass, vocals)
Brian Irving (drums)
Loren Moulinare (electric guitar, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Little Caesar
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Teenage Head Music
Kantine Köln

Robert Jon & The Wreck, 02.09.2021, Open Air Bühne (Freideck), Kantine, Köln – Konzertbericht

Mensch, endlich! Ich muss schon zugeben, dass mich das bisherige Konzertgeschehen in diesem Jahr bis auf kleine Ausnahmen weitestgehend ‚kalt‘ gelassen hat. Klar, Corona-bedingt, gab es ja nun mal auch nicht das große Angebot. Eine der wenigen Southern-Bands, die sich in diesem Jahr über den großen Teich traut (auch Dank ihres mutigen Promotors Teenage Head Music), ist, wie bereits in meinen Ausführungen zu ihrem aktuellen brandneuen Album „Shine A Light On Me Brother“ angekündigt, einer unserer Lieblingsacts in diesem Magazin, Robert Jon & The Wreck.

Die schlugen jetzt zum ersten Mal hier in NRW wieder am schönen Freideck der Kölner Kantine auf, bevor sie gegen Ende des Monats, am 29. September, noch mal im Krefelder Schlachtgarten zu sehen sein werden. Kantinen-Mastermind Marcus Neu durfte sich bei bestem Spätsommer-Wetter über 120 Besucher freuen, die am Ende zurecht schier aus dem Häuschen waren.

Das Quintett mit Leader Robert Jon Burrison, Henry James, Warren Murrel, Andrew Espantman und Steve Maggiora (der mittlerweile auch bei Supergroup Toto an den Tasten) verwandelte das chillige Kantinen-Areal mit seiner grenzenlosen Spielfreude und ansteckenden Energie,  in einen südstaatlichen Freiluft-Hexenkessel.

Meine Mutmaßung, dass ihr neues Werk „Shine A Light On Me Brother“ den Mittelpunkt der zweiteiligen Setliste bilden würde, stellte sich zumindest an diesem Abend als falsch heraus, lediglich das tolle „Everday“ mit grandioser, an „Blue Sky“ erinnernder E-Gitarrenpassage von Henry James zur Mitte des ersten Sets und der Titeltrack im zweiten Teil schlugen hier zu Buche, was aber angesichts der langen Pause seit 2019 nicht sonderlich schlimm war, denn die Band hat mittlerweile soviel exzellentes Songmaterial in petto, dass man äußerst variabel agieren kann. Im Fokus stand mehr der Vorgänger „Last Light On The Highway“, der ja aus bekannten Gründen hier live auch noch nicht vorgestellt werden konnte.

Apropos Henry James: Der rein äußerlich wie eine Mischung aus Phil Lynott und Jimi Hendrix daher kommende spindeldürre Hungerhaken ließ mit seinen langen Griffeln derartig viele quirlige und hochkarätige Power-Soli auf seinen beiden Spielgeräten (Gibson SG und Gibson Firebird) ab, dass ein Wechselbad aus Staunen und Begeisterung auf den Gesichtern aller Anwesenden deutlich auszumachen war. Da musste selbst der uns gegenüber sitzende Redakteur Andre Wittebroek des befreundeten holländischen Blues Magazine des öfteren bewundernd die Stirn runzeln und tief durchatmen, sowas hat er von seinen Blues-Schrammlern vermutlich noch nie geboten bekommen (lol). Auch die genre-typische Twin-Arbeit von Henry mit Burrison war eines der vielen Highlights des Gigs.

Der Leader, sichtlich erfreut wieder in Deutschland zu sein und auch uns vor „Everyday“ beim Erblicken des neuen Logo-Schildes kurz begrüßend, ließ wieder seine ganze Aura walten und bestach auch durch seinen hervorragenden charismatischen Gesang, der von James, Maggiora und Drummer Espantman im Background unterstützt wurde.

Der sich immer wieder auch durch sein sympathisches Auftreten auszeichnende Steve Maggiora, deutete mit seinem variablen Tastenspiel (HT-Piano, Organ, E-Piano, Synthie) über den gesamten Verlauf an, warum ihn Steve Lukather ins Toto-Line-up beordert hat.

Das zweite Leichtgewicht (aber nur von der körperlichen Statur her) Andrew Espantman hämmerte wie gewohnt schwindelerregend mit seinen Sticks über die Felle und Becken seines Schlagzeugs, dass selbst die ruhigeren Tracks wie „Oh Miss Carolina“, „Death Of Me“, „This Time Around“, „Tired Of Drinking Alone“ oder der Klassiker der Band „Cold Night“ (die Mehrfach-Soli von James waren hier wie aus einer anderen Sternennacht) eine immense Intensität und Kraft ausstrahlten.

Gegen soviel geballte Energie hatte es der Bediener des Tieftöners, Warren Murrel, natürlich schwer, anzupumpen, er wuselte aber trotzdem regelrecht angesteckt mit. Vielleicht gibt man ihm als Belohnung mit einem kleinen eingestreuten Bass-Solo auch mal Gelegenheit, sich ein bisschen zu profilieren.

Nach dem überragenden „“Cold Night“ ging eigentlich nichts mehr, da aber bis 22:00 Uhr noch genügend Zeit war, konnte die mittlerweile längst von den Sitzen gerissene Kantinen-Audienz dem kalifornischen Quintett mit „High Time“ dann noch eine launig groovende Retro-Southern-Nummer als Zugabe entlocken. Als Belohnung dafür wurden die Musiker noch gegen Ende des Liedes durch die sich in unserer direkten Nachbarschaft befindliche, sehr trinkfreudige Blues Power Cologne-Fan-Gemeinde biertechnisch direkt vom Fass versorgt, das sie zur Entlastung des Bedienpersonals gleich mehrfach direkt zu sich an den Tisch beordert hatte.

Nach dem Gig zeigten sich alle, an diesem Abend Anwesenden am Merchandising-Stand hochzufrieden und wir machten natürlich mit den Jungs noch das obligatorische Foto mit dem neuen Logo für die VIP-Galerie.  Wir freuen uns schon jetzt auf Teil 2 mit Robert Jon & The Wreck im ebenfalls schönen Krefelder Schlachtgarten. Wird sicherlich erneut eine heiße Geschichte!

Line-up:
Robert Jon Burrison (lead vocals, electric guitar)
Henry James (electric guitar, vocals)
Warren Murrel (bass)
Andrew Espantman (drums, vocals)
Steve Maggiora (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Kantine Köln

Birth Control – 22.08.2021, Kantine Open Air Bühne (Freideck), Köln – Konzertbericht

Das das recht gut gefüllte Open Air-Gelände an der Kantine zeigte, dass die Pioniere des Krautrocks noch immer ihre treue Fangemeinde haben. Erstaunlich war, dass sich auch einige jüngere Musikfans eingefunden hatten, die sich für die Mischung aus progressivem- und Hard Rock begeistern können.

Das Line-up von Birth Control hatte sich seit dem Bestehen Ende der 60er Jahre immer wieder verändert, wobei der Tod von Bandgründer Nossi Noske 2014 der gravierendste Einschnitt war. Die aktuelle Besetzung ab 2016 darf im Gewissen aber auch als ‚back to the roots‘ gesehen werden. Mit Peter Föller als Leadsänger und an der Gitarre und Manni von Bohr an den Drums stießen zwei Musiker zu der Band, welche schon einige Jahre in den 70ern dabei waren.

Pünktlich um 19:30 Uhr betrat Marcus Neu, der Booker der Kantine die Bühne und kündigte das Quintett an, welches in den zwei jeweils etwa 60-minütigen Sets eine bunte Mischung aus Klassikern von den Alben der 70er Jahre und vom letzten noch mit Nossi Noske eingespielten Werk „Here And Now“, das 2016 veröffentlicht wurde, präsentierte.

Mit „The Work Is Done“ eröffnete die Band psychedelisch das Konzert, in dem Peter Föller mit einer kleinen Glocke die Klangstäbe seiner Chimes anschlug und so das Startsignal für furiose, knapp zwei Stunden Livemusik gab. Martin ‚Ludi‘ Ettrich begeisterte schon im ersten Track mit langen Soli, was sich in allen Songs wiederholte und erzeugte bei einigen Stücken mit der Talkbox ein besonderes psychedelisches Flair.

Sascha Kühn an den Keyboards und Organ hielt sich rein optisch eher an der rechten Bühnenseite im Hintergrund, gab aber der Soundstruktur eine ganz besondere Note, mit furiosen Soli oder in dem er regelrechte Klangteppiche auf die Bühne zauberte.

Die Rhythmusfraktion um den zuweilen stoisch den Bass zupfenden Hannes Vesper und das ‚Tier‘ Manni von Bohr an den Drums sorgte für eine Klasse Grundlage der Songs, konnte aber auch mit gekonnter Soloarbeit überzeugen. Rein optisch hatte man auch fast das Gefühl, die Drums würden die ganze Bühne einnehmen.

Peter Föller, der neben dem Gesang bei den meisten Songs auch als zweiter Gitarrist überzeugen konnte und Martin „Ludi“ Ettrich moderierten abwechselnd humorvoll zwischen den Liedern und hatten so von Beginn an das Publikum hinter sich gebracht.

Schön war, dass die Band sich nicht nur auf die alten Klassiker wie z.B. „Plastic People“ oder „Back From Hell“ verließ, sondern mit „Right Place Wrong Time“ oder „Wasting My Time“ auch einige Stücke vom aktuellen Longplayer spielte. Mit „I Don’t Mind“ präsentierte die Band sogar einen Song der auf dem nächsten Album erscheinen soll.

Harte rockende Beats wechselten hier mit eher ruhigen gesanglichen Passagen, welche mich auch stimmlich an manche Sachen aus den letzten Jahren der Karriere von David Bowie erinnerten. Die Premiere vor Publikum war an der Resonanz erkennbar gut gelungen und direkt im Anschluss an den Song zeigte Manni von Bohr in einem mehrminütigen Schlagzeugsolo, warum er zu den besten deutschen Drummern gehört.

Bei „Lost In The Sea“ hatte Sascha Kühn seinen großen Auftritt und zuweilen fühlte man sich in manchen Passagen an Deep Purples „Perfect Strangers“ erinnert. Klasse Hard Rock vermischt mit progressiven Rock. Dann gegen 21:30 war es endlich soweit: Hannes Vesper bediente statt des Basses zunächst den Synthesizer und das von den meisten lang ersehnte „Gamma Ray“, das auch textlich gut zur heutigen Zeit passt, wurde in einer ‚Extendet version‘ gespielt.

Animiert von den Zugabeforderungen und den noch verbleibenden etwa zehn Minuten bis 22:00 Uhr, wenn auf dem Open Air-Gelände die Musik enden muss, wurde noch „Live in The Here & Now“ zu Ehren von Nossi Noske gespielt und ein gelungener Konzertabend wurde würdig abgeschlossen.

Es war schön zu sehen, mit welcher Freude und Begeisterung die Musiker spielten, dass schon jetzt eine gewisse Vorfreude auf das kommende Album aufkommt und die Geschichte des Krautrocks so seine Fortsetzung finden wird.

Line-up:
Peter Föller – vocals, guitar
Martin ‚Ludi‘ Ettrich – guitar, talkbox
Sascha Kühn – keyboards, organ
Hannes Vesper – bass
Manni von Bohr – drums

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

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Kantine, Köln

Ralph de Jongh Band – 25.07.2021, Kantine Open Air Bühne (Freideck), Köln – Konzertbericht

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Mit Ralph de Jongh, meinem erst zweiten Live-Gig in diesem Jahr – gut, so viele Möglichkeiten gab es ja aus den bekannten Pandemie-Gründen auch noch nicht – war an diesem Sonntag Abend einer der persönlichen Lieblinge von ‚Kantinen-Macher‘ Marcus Neu auf der Open Air Bühne, beziehungsweise dem schönen Freideck der Kölner Location, vorstellig.

Marcus nutzte bei seiner Ansage auch noch mal die Gelegenheit, die Werbetrommel für die nächsten anstehenden Gigs zu rühren und erhielt dabei sprechkräftige  Unterstützung von unserem Fotografen Gernot, der den gut 90 anwesenden Leuten, den Dienstag stattfindenden Paulie Cerra Band-Auftritt, aufgrund seiner begeisterten Erfahrung im Krefelder Schlachtgarten einige Tage zuvor, wärmstens ans Herz legte.

Kaum hatte der niederländische Protagonist (in schrillem 70er-typischen Outfit) seine Lieblingsposition auf dem bereitgestellten Stuhl mit einer Resonator-Gitarre eigenommen, ging es um 19:40 Uhr los mit einem unterhaltsamen Reigen durch seinen schier unendlich erscheinenden Song-Fundus. Ralph sprühte selbst sitzend förmlich vor Tatendrang. Zwischenzeitlich performte er auch im Liegen und im Knien.

Aufgrund seiner frappierenden stimmlichen Ähnlichkeit zu Mick Jagger durchzog den Verlauf natürlich immer ein unterschwelliges Stones-Retro-Flair, wobei von (Delta) Blues bis Rock (dezent auch Southern) und Rock’n’Roll durchaus viele Facetten gestreift wurden.

Dabei hatten sowohl die beiden Background-Sängerinnen Moon Anderson und Ylvalie Dik, viele Gelegenheiten, sich vokal einzubringen, als auch der gute Leadgitarrist Chiron Schut (erinnerte rein äußerlich ein wenig an Dickey Betts in jungen Jahren) mit diversen schönen Soli (z. T. Marke Clapton, auch southern-geslidet) und Bassist Nico Heilijgers, der bei „Dirty Rock And Roll“ seinen großen Auftritt hatte. Ja, schon fast in Ted Nugent-Manier wurde das erste sehr starke Set um 20:45 Uhr beendet.

Nach einer viertelstündigen Pause, in der Marcus den Hut zwecks Gagen-Einsammlung rum gehen ließ (diesmal mit befriedigendem Ergebnis), und bei Teilen des Publikums die Frage auftauchte, ob Ralph denn auch im Stehen spielen könne (was in der Endphase dann von ihm bewiesen wurde), konnte das hohe Niveau der ersten Stunde leider nicht mehr gehalten werden und es zogen sich Längen ein. Ein Problem war dabei der schwierige Wiedererkennungswert als auch der mangelnde Bekanntheitsgrad der Tracks. Hier muss de Jongh in Zukunft bei uns vielleicht in Sachen Setlist noch etwas nachjustieren.

So machten sich in der zweiten Hälfte beim Publikum auch deutliche Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Ralph verfing sich etwas in seinem eigenen Enthusiasmus und ließ quasi außer Acht, dass um 22:00 Uhr aus Gründen Nachtruhe-Einhaltung, der Gig beendet werden musste. So gab es keinen Zugabenteil und ein recht abruptes Ende.

Insgesamt war es aber ein Auftritt der Ralph de Jongh Band mit viel Herzblut und positiver Ausstrahlung, der am Ende von den Anwesenden mit einigem Applaus und so manchem Kauf der Merchandise-Artikel honoriert wurde. Ganz zum Schluss gab es dann auch noch das obligatorische Band-Foto für unsere VIP-Galerie.

Line-up:
Ralph de Jongh – lead vocals, guitars
Arie Verhaar -drums
Chiron Schut – guitars
Nico Heilijgers – bass, vocals
Moon Anderson -backing vocals, percussion
Ylvalie Dik – backing vocals

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ralph de Jongh
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Kantine, Köln

Tebey – The Good Ones – CD-Review

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Im Jahr 2019, als die musikalische Welt noch in Ordnung war, hatte uns der kanadische Singer/Songwriter Tebey Solomon Ottoh, oder kurz Tebey, im Rahmen der SOUND OF NASHVILLE-Konzertreihe in Köln schon absolut positiv überrascht.

Jetzt zu Anfang dieses Jahres bringt er sein erstes Album „The Good Ones“ (insgesamt sein drittes) auf seinem eigens gegründeten Label Jayward Artist Group heraus. Stark mit involviert an allen Fronten auch wieder, wie damals in Köln beim Gig, Danick Dupelle, den Insider auch von der Gruppe Emerson Drive kennen werden, der sich hier als Co-Writer und -Producer, als auch Instrumentalist (Guitars, Bass, Keys, Ganjo, Banjo, Programming) vielschichtig in die Credits einträgt.

Dass Tebey ein feines ‚Händchen‘ für Songs mit Chartpotential hat, weiß man nicht zuletzt von Nr. 1-Hits wie „Somebody Else Will“, dass er für Justin Moore kreiert hat, als auch u. a. Who’s Gonna Love You“, mit dem er selbst die Pole-Position in Kanada erreichte.

AQ2A6350-1024x683Und so liefert er auch auf diesem Werk wieder acht traumhaft schöne Tracks ab, bei denen die Hooks und Refrains, fließend ins Blut und Gedächtnis gehen. Was mir dabei besonders gefällt ist, obwohl ich ja gewöhnlich eher rauer singende Fronter mag, seine außergewöhnlich klare und absolut auf den Punkt zu den Songs passende Stimme. Bestes Beispiel direkt, der auch schon in Köln performte Opener „Shotgun Rider„, der perfekt die positiv ansteckende Gesamtstimmung des Werkes widergibt.

Danick Dupelle sorgt mit seinen Ganjo-/Banjo-Untermalungen und immer wieder schön eingeflochtenen E-Gitarren (auch das eine oder andere starke Kurz-Solo ist zugegen) dafür, dass dem überwiegend poppigen Charakter der Stücke ein countryesker Mindestgehalt beigemischt wird.

Beim tollen „Good Jeans“ kommt man um den unweigerlichen Vergleich mit Keith Urban nicht mehr herum, klasse auch sein atmosphärisches Bariton-E-Spiel beim finalen „Doing It Again“. Auch Dupelles Band Emerson Drive oder Leute wie Drew Womack (Ex Lead-Sänger von Sons Of The Desert), Mitchell Tenpenny & Co. fallen einem spontan als Vergleichsgrößen ein.

Zu gefallen weiß natürlich auch der herrlich dahin schmachtende Titeltrack, bei dem im Wechsel- und Harmoniegesang mit der kanadischen Kollegin Marie-Mai (Star Académie, Sängerin auf der Abschlussfeier der olympischen Winterspiele in Vancouver) alle alle Register der Duettgesangeskunst gezogen werden.

Fazit nach 24 Minuten gute Laune versprühender, melodischer und eingängiger Countrypop-Musik: Tebey beweist mit „The Good Ones“ eindrucksvoll, dass er zu den wirklich Guten des Genres zählt. Für solche Musik wurden – so meine ich – irgendwann Cabriolets erfunden.

Jayward Artist Group (2021)
Stil: New Country

01. Shotgun Rider
02. Happened On A Saturday Night
03. The Good Ones
04. Song Of The Summer
05. Bad For Me
06. Good Jeans
07. See You Around
08. Doing It Again

Tebey
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Jayward Artist Group Inc.

Eamonn McCormack – 28.08.2020, Kantine-Biergarten, Köln – Konzertbericht

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Konzerte in Corona-Zeiten zu veranstalten, bedeutet für alle Beteiligten, vom Veranstalter, über die Künstler, bis hin zu den Besuchern, dass man sich an bestehende Regelungen hält muss, dass diese zumindest im derzeit möglichen Rahmen stattfinden können.

Markus Neu und seinem Team von der Kantine haben es geschafft, bereits diverse Open Air-Konzerte im dortigen, weitläufigen Biergarten, durchzuführen.

An diesem Abend machte Eamonn McCormack, der zurzeit eigentlich nur eine Solo-Akustik-Tour macht, in der Kantine Halt. Zum Glück gelang es Marcus Neu weit im Vorfeld, den mittlerweile in Hessen lebenden Iren McCormack davon zu überzeugen, in Köln mit Band aufzutreten, da die Bühne und die Location unter Berücksichtigung aller Auflagen dies möglich macht.

So stießen an diesem Abend mit Edgar Karg am Bass, der aus Bielefeld anreiste und Max Jung-Poppe an den Drums, der den Weg aus Gießen gefunden hatte, und am selben Abend wieder zu seiner hochschwangeren Frau zurückfuhr, hinzu.

Es entwickelte sich im Verlauf ein ganz besonderer Abend für die etwa 80 Besucher. Erstmals stellte Eamonn mit seiner Band das im Winter eingespielte und im Frühjahr veröffentlichte Album „Storyteller“ live vor. Es handelte sich somit praktisch um ein verspätetes Release-Konzert und das ohne Eintrittspreis, sondern nur mit umhergehendem Hut in der Pause zwischen den zwei Sets, in denen fast das komplette Werk präsentiert wurde.

Kurz vor acht Uhr betrat Marcus mit dem besagten Hut auf dem Kopf die Bühne, gab ein paar Anekdoten zu früheren Auftritten Eamonns im Yardclub zum Besten, erklärte noch ein paar Regeln, auch wie man sich beim angesagten Regen verhalten solle, um Corona-konform zu bleiben, was zum Glück aber ausblieb. Der Wettergott war mit der Band und den Besuchern und bis auf einige Tropfen, blieb es trocken.

„From Town To Town“ vom 2017er Album „Like There’s No Tomorrow“ war ein gut gewählter Opener in dem er direkt einen Song vorlegte, bei dem klar erkennbar war, wessen Geistes Kind Eamonn ist. Blues Rock im Stile seines Vorbildes Rory Gallagher war hier direkt präsent.

Mit dem rockigen „Gypsy Woman“ und dem anklagenden bluesigen „Help Me Understand“ folgten die ersten Stücke des aktuellen Albums, welche gut beim Publikum ankamen. Dies war bei den weitgehend bluesaffinen Besuchern auch nicht zu erwarten, da es das Album in mehreren europäischen Ländern in den Bluescharts bis zur Nummer 1 geschafft hatte, was der sympathische McCormack in einer Ansage zu einem der Songs nicht ohne Stolz erwähnte.

Nach „Heal My Faith“ vom gleichnamigen Album von 2012 spielte die Band ein Rock’n’Roll-Medley, in welchem er einige Songpassagen abänderte und den Corona-Virus aufforderte, endlich zu verschwinden.

Nach dem Medley, wurden mit „With No Way Out“, einem fast zornig vorgetragenen Bluessong und „Cowboy Blues“ wieder zwei neue Lieder vorgestellt. Im letzteren ließ er Country und Blues ein klein wenig verschmelzen, um letztendlich doch bei seiner Leidenschaft, dem Blues zu landen.
Nach „A Night In The Life Of An Old Blues Singer“ und dem Gallagher-geprägten „That’s Rock’n’Roll“ beendete Eamonn mit Band den verdientermaßen mit viel Applaus bedachten ersten Set.

In der Pause, stand er am Merchandising-Stand bereit, um CDs zu verkaufen und zu signieren, aber auch um Gespräche mit den Fans zu führen. Dabei zeigten sich alle diszipliniert und zogen wie es sich in der derzeitigen Situation gehört, den Mund/Nasenschutz auf. Die Geduld, die Eamonn McCormack bei diesen Gesprächen an den Tag legte sorgten dafür, dass Marcus Neu schon leicht nervös wurde und freundlich und charmant darum bat, nach der Show die Verkaufsaktivitäten weiterzuführen, da es sonst zu spät mit Set 2 würde.

Gesagt, getan, die Band betrat die Bühne und legte direkt zu Beginn des zweiten Sets für mich einen der Höhepunkte des Konzertes hin. Bei „The Great Famine“ besang Eamonn gefühlvoll, manchmal fragend, warum es in seiner Heimat Irland im 18. Jahrhundert zu einer großen Hungerkatastrophe kam, die nicht nur für viele Tote sorgte, sondern auch zu einer Flucht aus dem Land, insbesondere auch nach Amerika führte.

Freundlich, wie er ist, fragte er dann, ob er denn ein Liebeslied spielen dürfe. Zugegeben, eine rhetorische Frage auf die es nur die Antwort ja geben konnte. Im gefühlvollen ruhigen „Every Note I Play“ besang er zum einen den Alltag im Hotelzimmer auf einer Tour aber auch wie er bei jeder Note, die er spielt, an seine Frau denkt.

Nach dem rockigen „When You Cross The Line“ ging die Präsentation der neuen Songs weiter. In “Cold Cold Heart“ und „South Dakota Bound“ ließ er ein wenig Boogie und Southern Flair einfließen, besondere Akzente setzte er, wie in allen Stücken, mit eingestreuten und zum Teil ausufernden Soli.

Nach dem älteren „Lousy Day“ wurde es noch einmal bedächtig und Eamonn brachte die Zuhörer mit „In A Dream“ sprichwörtlich zum Träumen. Dies war aber nur die Ruhe vor dem Sturm. Mit dem rockenden „Make My Move“, wären die Besucher normalerweise in Bewegung versetzt worden, wenn Sie sich nicht an die bestehenden Regeln zu  halten hätten gemusst und es wurde das Finale-Furioso eingeläutet, welches mit dem Gallagher Klassiker „Shadow Play“ einen würdigen Abschluss hatte.

Animiert durch lautstarke Zugabe Forderungen ließen sich die Drei nicht lange bitten und legten mit „Moving On“ und „Johnny Be Good“ noch zwei würdige Zugaben nach, um nach etwa zwei Stunden Spielzeit ein restlos zufriedenes bis begeistertes Publikum zurückzulassen. Im Anschluss stand man dann noch für das hier kostenlose Meet and Greet bereit.

In den Gesprächen war immer wieder herauszuhören, wie McCormack begeistern konnte, aber auch, wie seine beiden jungen Mitstreiter ein wichtiger Bestandteil dieses gelungenen Abends waren. Die beiden studierten Musiker, Max Jung-Poppe, am Schlagzeug und Edgar Karg am Bass trafen jeden Ton und gaben mit ihrer starken Rhythmusarbeit Eamonn McCormack letztendlich die Grundlage, seine Stärken als Gitarrist auszuleben.

Keiner der Beteiligten wird bereut haben, den Weg in die Kantine gefunden zu haben. Damit schließe ich auch die drei Musiker ein, denen anzusehen war, mit welcher Freude sie endlich mal wieder ihre Musik live präsentieren konnten. Ein besonderer Dank auch an Marcus Neu und die Mitarbeiter in der Kantine, die mit ihrer freundlichen Art, den Rahmen für diesen Blues Rock-Abend legten.

Line-up:
Eamonn McCormack (lead vocals, electric guitars)
Eddy Karg (bass)
Max Jung-Poppe (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Eamonn McCormack
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Kantine, Köln