The Builders And The Butchers – Support: Dustin Hamman – 20.05.2026, Blue Shell, Köln – Konzertbericht

Ein geschätzter Kollege von mir ist quasi Stammgast im Kölner Blue Shell und schwärmt ständig von der Location sowie den dortigen Konzerten. Nun ergab sich mit dem Konzert von The Builders And The Butchers endlich mal eine passende Möglichkeit, mir selbst einen Eindruck zu verschaffen. Das stimmungsvolle Blue Shell bildet tatsächlich den perfekten Raum für handgemachte Musik und der Bandleader Ryan Sollee, der vor zwei Jahren wohl schon mal vor Ort war, freute sich, zurück zu sein.

Als Support brachte er seinen Freund Dustin Hamman mit. Der sympathische Songwriter wirkte auf angenehme Art etwas kauzig. So trat er in Socken auf und erzählte einen Traum, bei dem Grobi von der Sesamstraße eine zentrale Rolle spielte. Am Anfang wurde Hamman durch einen Scheinwerfer geblendet, was er mit Humor nahm. Abhilfe bot eine Sonnenbrille, die ihm aus dem Publikum gereicht wurde. Später griff er auf ein Käppi zurück.

Mit Titeln wie „Stoned“, „ Good Timin‘“, „Comfort“ und „Feelings“ zog Hamman das Publikum auf seine Seite. Bei „Ocean Bound“ sangen die Anwesenden dann auch bereitwillig den Refrain mit. Beeindruckend war, wie Hamman die Gelegenheit nutzte, den Sound einer Trompete zu imitieren, die auf der Studioversion (mit seinem Projekt Run On Sentence) zu hören ist.

Zum Abschluss des circa halbstündigen akustischen Sets holte er sich Unterstützung bei der Rhythmussection der Headliner – Justin Baier (Drums) und Willy Kunkle (Bass) – sowie dem Gitarristen Paul Seely. Hamman bot mit seiner abgenutzten Gitarre, die neben dem regulären ein weiteres Loch aufwies, einen lockeren und unterhaltsamen Einstieg in den Abend in bester Folk-Manier.

Line-up: Dustin Hamman
Dustin Hamman (Vocals, Guitar)
with
Justin Baier (Drums)
Willy Kunkle (Bass)
Paul Seely (Guitar)

Nach einer kurzen Pause kam dann Sollee mit seinen fünf Mannen auf die Bühne. Schlagartig wurde es nicht nur auf der Bühne voll, sondern auch vor ihr enger. Schon mit den ersten Tönen explodierte Sollee förmlich und legte – ständig in Bewegung – ein Tempo vor, das er bis zum Ende des Auftritts durchhielt. The Builders And The Butchers stiegen mit zwei hervorragenden Stücken ihres aktuellen Albums „No Tomorrow“ ein: „Raise My Son“ und „Blood/Death“. Später gab es noch mit „Mother Mary“, dem einzigen langsam gespielten Song, sowie mit „One Winged Bird“ Kostproben der Scheibe.

Im Anschluss an die beiden neuen Songs zum Auftakt ging die Reise mit „Devil Town“, „Strangers Blood“, „Redemption Sound“ und „Black Dresses“ weiter. Fehlen durften natürlich auch nicht „The Coal Mine Fall“ und „Hellfire Mountain“. Das Programm bot also einen Querschnitt durch das bisherige Schaffen von The Builders And The Butchers mit Schwerpunkten auf Songs des selbstbetitelten Debüt-Longplayers (2007) sowie seines Nachfolgers „Salvation Is A Deep Dark Well“ (2009).

Gegen Ende des Hauptsets begeisterte das sehr starke „Bottom Of The Lake“ und das mit kurzen Bemerkungen von Sollee eingeleiteten „Vampire Lake“. Nach meinem Eindruck wurden mehrere Titel im Vergleich zu den Studioaufnahmen etwas schneller gespielt. Besonderen Druck entwickelten die Songs, wenn sich Ray Rude von den Keys ans zweite Schlagzeug begab und gemeinsam mit Justin Baier die Stücke kräftig vorantrieb. The Builders And The Butchers ist es gelungen, auch live ihren eigenen Sound zu entwickeln, der sie von anderen Folkrock-Bands abhebt. Hervorzuheben waren die mehrstimmigen Gesangspassagen, die im Blue Shell voll zur Geltung kamen. Wenn Gitarrist Paul Seely, Bassist Willy Kunkle und Geiger Matthew Radtke gemeinsam mit Sollee einstimmten, wirkte es nicht nur akustisch wie eine Mauer, sondern auch optisch, da die Sänger auf der schmalen Bühne geschlossen zusammenstanden.

Das Versprechen, das Sollee im Vorfeld der Tour gab, die Leute zum Toben, Schwitzen und Bewegen zu bringen, löste er in Köln ohne Frage ein, wobei er selbst als Vorbild diente. Er nutzte den begrenzten Raum aktiv, wirbelte über die Bühne und verlies diese mehrmals, um ein Bad in der Menge zu nehmen. Unter den circa hundert Besuchern war eine große Anzahl eingefleischter Fans vertreten. So wurde mitgesungen, Biergläser erhoben und Damen auf den Schultern getragen. Das Blue Shell erlebte eine ausgelassene Rock-Party, die den Höhepunkt dann während der zwanzigminütigen Zugabe erlebte.

Zuvor handelten die Fans noch die Titel der verbleibenden Stücke mit dem Bandleader aus. Auf Wunsch spielten The Builders And The Butchers „Spanish Death Song“, bei dem Sollee seine akustische gegen eine elektrische Gitarre tauschte. Danach folgte „Barcelona“ und für den abschließenden Klassiker der Band „Bringin‘ Home The Rain“ wurde Dustin Hamman nochmal auf die Bühne geholt. Bei dem letzten Stück kochte die Stimmung im Saal dann endgültig über.

Das Sextett bescherte dem Publikum einen lauten, schweißtreibenden Abend, der mit der Sperrstunde zu Ende ging und sicherlich im Gedächtnis bleibt. Im Anschluss an das straight durchgespielte Set nahmen sich The Builders And The Butchers nach getaner Arbeit Zeit für einen gemütlichen Ausklang mit den Fans.

Beim Sichten der Fotos ist mir ein Aufkleber auf der Bassgitarre von Kunkle aufgefallen, der einen deutlichen Bezug zu Deutschland hat. Daraufhin war ich mir über die Bandbesetzung unsicher, zumal die Vorstellung der Mitglieder während des Konzerts unterging. Meine nachträgliche Anfrage beantwortete Sollee umgehend, was in Musikerkreisen nicht selbstverständlich ist. Dafür und für die problemlose Akkreditierung sei ihm hier herzlich gedankt.

Line-up: The Builders And The Butchers
Ryan Sollee (Lead Vocals, Guitars)
Justin Baier (Drums)
Willy Kunkle (Bass, Vocals)
Paul Seely (Electric Guitar, Vocals)
Matthew Radtke (Viola, Vocals)
Ray Rude (Keys, Drums)

Text und Bilder: Michael Segets

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Blue Shell

Kiefer Sutherland – 09.05.2026, Live Music Hall, Köln – Konzertbericht

Puh, wie die Zeit vergeht. 3 1/2 Jahre ist es schon wieder her, als ich Kiefer Sutherland zuletzt bei einem Konzert in Köln erlebt habe, damals im größeren Carlswerk. Jetzt hatte er sich im Rahmen der Promotion für sein neues Album „Grey“, das am 29. Mai veröffentlicht wird, zu einer Europa-Tour angesagt, bei der Deutschland viermal bedacht wurde.

Der Gig in der Kölner Live Music Hall bildete davon gestern den Abschluss. Zunächst hatte aber der Ire Colin Andrew, aus dem County Kerry stammend, die Gelegenheit, sich einem größeren Publikum zu präsentieren. Iren sind ja hier bei uns eine beliebte Spezies. Andrew, der Sutherland auch 2024 schonmal sporadisch supportete, hatte mit seinem Charme und humorvollen Auftreten, keine Probleme, das Publikum auf seine Seite zu ziehen.

Das gelang ihm in der Anfangsphase ganz schnell mit einer guten Coverversion des Prince-Klassikers „Purple Rain“. Aus dem eigenen Portfolio blieb in den insgesamt kurzweiligen 30 Minuten noch das abschließende „Still Waiting“ hängen. Der Bursche kam beim Publikum in der Domstadt gut an.

Eine halbe Stunde später pünktlich um 20:00 Uhr betrat der kanadische Protagonist Kiefer Sutherland, vielen bei uns hier eher als Schauspieler bekannt, als Part seines für die Europa-Tour zusammengestellten Quintetts, unter großem Applaus die Bühne.

Mit den Brüdern Ash und Phil Wilson sowie Roger Inniss hatte er gleich drei Musiker, die ich auch schon entweder in eigener Sache (Ash Wilson Trio) oder in Begleitung von Interpreten wie Sari Schorr, Tasha Taylor oder beim Blues Caravan in kleinerer Umgebung kennengelernt hatte und die zum Teil auch in unserer VIP-Galerie ihren Platz haben.

Für den Country-Touch in seinen Songs sorgte der amerikanische Multi-Instrumentalist CJ Hillman oder auch besser bekannt als Chris Hillman. Sutherland bot den von ihm typisch zelebrierten Americana-Sound in Stile der großen amerikanischen Rock-Poeten a là Springsteen, Petty & Co. mit schönen Ausflügen in Country-, Southern- und Pop-Rock-Gefilde.

Das sympathische an ihm ist sein sehr natürliches Benehmen und Erscheinungsbild, die aufgesetzte und affektierte Art vieler prominenter Persönlichkeiten seines Kalibers liegt ihm offensichtlich fern.

Dem Southern Rock-Passionisten ging natürlich bei der Coverversion des Marshall Tucker-Evergreens „Can’t You See“ das Herz auf, der hier mit 3er-E-Gitarren-Besatz in einer sehr rockigen Version modifiziert wurde.

Das neue Werk „Grey“ wurde mit den Stücken „Down Below“ (Opener), „Goodbye California“, „Come Back Down“, „American Farmer“ (in Protestsong-Manier der Marke Dylan),“Simpler Time“ und „Starlight“ (letzte Zugabe mit epischem E-Gitarren-Solo von Ash Wilson) mehr als ordentlich bemustert. Dazu kam noch mit „Love Will Bring You Home“ (geschrieben von Kiefer zusammen mit Ash Wilson) ein bis dato unveröffentlichter fluffiger und melodischer Track hinzu, der auch als Namensgeber der Tour fungiert.

Shuffliges Bakersfield-Flair verströmte das countryeske „This Is How It’s Done“, „Down In A Hole“ bot heftigen Stampf-Rock. Das southern-soulige „Friday Night“ begeisterte auch an einem Samstag-Abend, ein Highlight. Der Tex-Mex-Schunkler „Agave“ bot einen launigen Abschluss eines durchweg gelungenen und sehr abwechslungsreichen Hauptteils.

Im Zugabenbereich hatten Kiefer & Co. neben dem bereits erwähnten „Starlight“ vom neuen Silberling, mit dem Phil Collins Welthit „In The Air Tonight“ noch ein echtes Überraschungsbonbon in petto, bei dem es Phil Wilson dann im berühmten Drum Bridge krachen lassen durfte.

Für Kiefer Sutherland und seine Truppe geht es jetzt nach einem kurzen Abstecher in Belgien bis Ende Mai weiter nach UK, wo Inniss und die Wilsosn dann Heimspiele haben.

Line-up:
Kiefer Sutherland (lead vocals, electric guitar)
Chris Hillman (electric guitar, pedal steel)
Ashley Wilson (electric guitar)
Roger Inniss (bass)
Phil Wilson (drums)

Text und Bilder: Daniel Daus

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Colin Andrew
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Motion
Live Music Hall, Köln

The Bros. Landreth – Support: Begonia- 25.02.2026 – Luxor, Köln – Konzertbericht

Kanada-Zeit in Sounds of South. Nachdem ich zuletzt Alben von Crsytal Shawanda und den Sheepdogs reviewt hatte, folgte gestern Abend schon der nächste Act aus diesem Land.

Ich hatte in meinem letzten Jahresrückblick schon angedeutet, dass ich mich in Zukunft, was Konzertberichte betrifft, mehr auf Interpreten fokussieren werde, die im SoS noch nicht so inflationär beleuchtet wurden.

Die Bros- Landreth, alias Joey und Dave Landreth, boten dazu im Kölner Luxor einen guten Anlass, da ich von ihnen zwar Alben besitze, aber sie noch nie live gesehen habe.

Im Schlepptau hatten sie die schillernde Künstlerin Begonia (bürgerlicher Name Alexa Dirks),  ebenfalls aus Kanada kommend. Joey Landreth hat auf ihrem aktuellen Album „Fantasy Life“ bei einem Track an der Gitarre mitgewirkt. Begonien sind ja für ihre Farbvielfalt bekannt, von daher im übertragenen Sinne ein passender Name für die wuchtige schrille Dame.

Sie wurde an den Keys von Graeme Leaver begleitet und gab rein gesangsmäßig Stücke wie „Juniper“, „So High“, „Marigold“, „I Wanna Be Alive With You“, „Butterfly“, „Get To You“ und „Hotter Than The Sun“ aus ihren bisherigen Alben zum Besten.

Sie punktete mit einer schillernden Bühnenpräsenz, ihrer ausdrucksstarken Stimme und humorvollen, zum Teil selbstironischen Texten in ihren Liedern und heimste viel Applaus vom Kölner Publikum ein.

Line-up Begonia:
Begonia (lead vocals)
Graeme Leaver (keys)

Die Bros. Landreth haben sich peu a peu zu einem Geheimtipp in der Americana-Szene und darüber hinaus entwickelt. In Köln hallt ihnen aufgrund  mehrerer Auftritte in der Vergangenheit, ein überaus guten Ruf nach, das Luxor war rappelvoll.

Die Brüder präsentierten sich im klassischen Trio, der dritte im Bunde war Schlagzeuger Roman Clarke. Sie sind wie auch auf ihren Alben keine echten Rampensäue, zeichnen sich aber durch ihre sympathische Art sowie spielerische Finesse und Variabilität aus.

So bekam man ein geschickt ineinander greifendes Konglomerat aus verschiedensten Stilen wie Roots Rock, Americana, Blues, Rock und auch Southern Rock geboten (Joey immer wieder mit viel Slide zwischendurch), Schubladendenken ist hier fehl am Platz.

Mit den eigängigen Tracks „Made Up Minds“ und der Ballade „Our Love“ (Publikum singt mit) wurde ein erstes Stimmungshoch erreicht. Auf ihrem aktuellen Longplayer „Dog Ear“ waltete beim Song „Knuckles“ keine geringere als Bonnie Raitt als Duettpartnerin auf, hier wurde sie samt schöner Geste durch Begonia vertreten.

Mein persönliches Highlight des Abends war allerdings die Coverversion des Muddy Waters-Klassikers „Rollin‘ and Tumblin'“, der durch das Trio regelrecht zerpflückt wurde. Ganz groß, was Joey Landreth hier, im Zusammenspiel mit seiner ebenfalls fulminant agierenden Rhythmusfraktion, an seiner E-Gitarre abließ.

Dave Landreth übernahm die Lead vocals bei „Vincent“. Gegen Ende bei den Stücken „Tell Me Something Good“ (mit Teil-Lead vocals von Roman Clarke) und „Got To Be You“, wurde erneut Begonia eingebunden. Letztgenannter Track, in stampfiger, dezenter Little Feat-Manier vorgetragen, bildete dann das Ende des Hauptteils.

Die stürmisch geforderte Zugabe wurde mit dem soulig-bluesigen „I Can’t Win“ bedient, hier wurden nochmals alle Register in Sachen toller Harmoniegesänge gezogen.

Dieser Auftritt, mit soviel Begeisterung und toller Durchmischung von Jung und Alt im Publikum, gibt Grund zur Hoffnung, was handgemachte  Rockmusik in unserem Lande angeht. Es scheint doch noch nicht ‚Hopfen und Malz‘ in Sachen Geschmack verloren zu sein. Die Bros. Landreth waren ein ermutigendes Beispiel dafür!

Line-up:
Joey Landreth (lead vocals, electric guitar)
Dave Landreth (bass, vocals)
Roman Clarke (drums, vocals)

Text und Bilder: Daniel Daus

The Bros. Landreth
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Begonia
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networking Media
Luxor, Köln

Joanne Shaw Taylor – 06.02.2026, Kantine, Köln – Konzertnachlese

Joanne Shaw Taylor setzt ihre im letzten Herbst begonnene Tour fort und macht auch Halt in der Kantine im Kölner Norden. Ungewohnt für die Location ist, dass der Saal bei freier Platzwahl bestuhlt ist. Hinter und neben den Sitzreihen ist zudem noch genügend Platz für die Fans, welche das Konzert im Stehen verfolgen wollen. Alle Sitzplätze sind belegt und auch an den Rändern ist der Saal bestens gefüllt.

Der Stimmung tat das Sitzplatzkonzert keinen Abbruch, neben dem so vollen Haus ohne Lücken im Publikum, können sich die Fans vermutlich auch besser auf die Musik konzentrieren. Es sei die Begrüßungszeile eines Jethro Tull-Livealbums zitiert, „Sit Down, Relax And Have A Nice Evening with…“ Joanne Shaw Taylor. Und genau so kommt es. Ein starkes Blues Rock-Konzert mit einer Joanne Shaw Taylor, die den Applaus nach den Songs regelrecht aufzusaugen scheint und wie entfesselt aufspielt.

Dabei wird sie von ihrer Begleitband, wie auch beim von uns besuchten Konzert in Arnheim, bestens unterstützt. Die Dramaturgie des Konzertes ist bis auf wenige Ausnahmen wie auch in Arnheim, ich habe aber das Gefühl, dass sich die Band  im Zusammenspiel noch weiterentwickelt hat.

Neben „Hell In A Good Time“, „Grayer Shade Of Blue“ und „Look What I´’ve Become“ vom aktuellen Album „Black & Gold“, umspannt die Set-List Songs von Ihrem 2009er Debütalbum „White Sugar“ bis zu „Heavy Soul“. Jeder Ton sitzt, alle Musiker haben ihren Anteil an der Show, und Joanne Shaw Taylor bindet sie auch aktiv mit ein, indem sie sich oft vom Zentrum der Bühne zu ihren Mitmusikern begibt, was den Bandcharakter verstärkt.

Ein besonderer Dank geht wieder an Jenny und Nina von 3Dog Entertainment für die Akkreditierung und nette Begleitung. Das Experiment, Joanne Shaw Taylor bestuhlt in der Kantine, kann als geglückt angesehen werden. Neben dem so gemütlichen Ambiente sind auch die angenehme Bühnenausleuchtung und der transparente Sound hervorzuheben, die für einen besonderen Konzertabend sorgten.

Line-up:
Joanne Shaw Taylor (lead vocals, electric guitar)
Shane Sanders (electric guitar, vocals)
Katelynn Corll (drums, vocals)
Christopher Alexander (bass, vocals)
Ty Baile (keys)

Text & Bilder: Gernot Mangold

Joanne Sah Taylor
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3dog entertainment
Kantine Köln

Walter Trout – 26.11.2025, Kantine, Köln – Konzertbericht

Walter Trout zeigt in der anständig gefüllten Kantine einmal mehr, dass er zu den Top-Gitarristen im Genre Blues gehört. Zusammen mit seiner Band präsentiert er auch einige Songs des kürzlich erschienenen Albums „Sign Of The Times“, bei denen auch seine Qualität im Songwriting deutlich wird. Dabei lässt er seinen Mitmusikern insbesondere in jammenden Passagen genügend Spielraum zu zeigen, was in ihnen steckt.

Roland Bakker untermalt an der Hammond nicht nur die Songs, sondern glänzt auch in mehreren längeren Soli. Jon Avila offeriert neben einer starken Rhythmus-Arbeit in einem mehrminütigen Solo, was aus einem Bass alles rauszuholen ist. Der oft stoisch die Drums bearbeitende Michael Leisure wirbelt dann in seinem Solopart über die Drums, dass man den Sticks zuweilen kaum folgen kann.

Ergänzt wird die Band von Walters Sohn Jon, der bei einigen Gitarrensoli in die Fußstapfen seines Vaters tritt. Dabei ist Walter anzusehen, mit welcher Freude er das Spielen seines Sprösslings verfolgt.

Nach knapp 100 Minuten wird nach frenetischen Zugabe-Forderungen mit „Going Down“ noch ein Klassiker nachgelegt, in dem die Band die Kantine zum Beben bringt. Dabei beginnt zunächst John Avila mit den Vocals, dem Jon Trout folgt, um an seinen Vater zu übergeben.

Die beiden Trouts legen in einem langen jammenden Part furiose Soli hin, die vom krachenden Rhythmus von Avila und Leisure hinterlegt werden. Das Ganze gewürzt von Bakkers Hammond, beendet einen eindrucksvollen Konzertabend, an dem Walter Trout den Bluesfans eventuell die Zukunft in Form seines Sohns Jon präsentiert hat.

Line-up:
Walter Trout (lead vocals, guitar)
Roland Bakker (keyboards)
John Avila (bass, vocals)
Michael Leisure (drums)
Jon Trout (guitar, vocals)

Text & Bilder: Gernot Mangold

Walter Trout
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3dog entertainment
Kantine Köln

The Infamous HER – 28.08.2025, Freideck Kantine, Köln – Konzertbericht

Es sind tatsächlich schon wieder sechseinhalb Jahre vergangen, als wir Monique Staffile Sherman & Co. alias The Infamous HER zuletzt  live erlebt haben. Damals noch vor Corona, während eines hier eher seltenen Wintereinbruchs mit ordentlichem Schneefall.

Mittlerweile ist viel Wasser den Rhein heruntergelaufen und Sie und ihr langjähriger Weggefährte Caleb Sherman, der heimliche Leader im Hintergrund des Kollektivs, sind verheiratet.

Angesichts ihres farbenfrohen Erscheinungsbilds auf der  Bühne des Freidecks an der Kantine, musste ich sofort schmunzelnd an ein Buch eines mehrfach prämierten Werbefachmanns und Autors denken, in dem er Anfang der Neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gegen die damalige, überwiegend von Humorlosigkeit geprägte Damenemanzipationswelt in unserem Lande, provokativ stichelte.

‚Wenn aus bunten Schmetterlingen graue Mäuse werden‘ hieß da ein Kapitel und beleuchtete die Entwicklung des weiblichen Parts vor und nach Eintreten in dieses o. a. Bündnis fürs Leben. In dieser Hinsicht scheint da, wie es dann auch der ‚bunte‘, launige, gewohnt zwischen Chaos, Rebellion und Rock’n’Roll pendelnde Gig offerierte, in Bezug auf die Protagonistin des Abends, erstmal jegliche Gefahr gebannt zu sein.

Die Band trat zum ersten Mal, soweit ich mich erinnere im Quintett auf, die Hinzunahme des zweiten Gitarristen Colton Jones erwies sich als gelungene Belebung. Der spielte nicht nur viele starke konventionelle Soli, sondern bevorzugte, statt des Bottlenecks, für seine Slideeinlagen, ausschließlich eine 0,33 Liter Bierflasche.

Neu war auch die starke Gesangseinbindung der Bandmitglieder, wovon sich der ’neue‘ Drummer Tyler Kloewer besonders im zweiten Part bei einem zünftigen Bluegrass Jam Medley bei den Lead Vocals hervortat. Gatte Caleb Sherman ‚dirigierte‘ die Songs mehr durch Variabilität mit unterschiedlichem Instrumenteneinsatz wie E-Gitarre, Banjo und Akkordeon.

Im Mittelpunkt der beiden Sets stand das neue Album „Untitled“, das mit den gespielten Tracks wie „Roll Back Down“, „Ocean Mary“ (mit Kate Bush-Flair, zusätzliche Gesangsparts von Bassist Stoye und Kloewer) und dem ’straight to the point‘-Kracher „Be My Lover“ (schön rockig mit Slide-Solo), „Tied To The Tracks“ und „Born Outta Step“ im ersten Teil sowie dem countryesken „Burning Down The Garden“, „Hell Accept You“, „Rabbit Hole“ (wie eine Mischung aus AC/DC, Stones, Led Zeppelin und den Kinks) und  dem Schunkler „Rainbow Connection“ (mit Monty Python-Note“) als Zugabe im zweiten Abschnitt, das En gros der Spielzeit einnahm.

Auffällig war diesmal der stark keltische Einschlag der Nummern, man hatte teilweise das Gefühl, im Biergarten eines irischen Pubs zu sitzen. Monique (nach wie vor ein Blickfang – „Ich träume heute Nacht wohl von Spiegeleiern“ konstatierte ein Sitznachbar angesichts der drapierten Stoff-Applikationen auf ihrer teildurchsichtigen Bluse …), überzeugte mit ihrer gewohnt mitnehmenden, sympathischen, engagierten, wibbeligen, frechen und gelenkigen Performance auf der Bühne, als natürlich auch am Mikro.

Die gut hundert Anwesenden ließen The Infamous HER an diesem frohlockenden Freiluftabend (auch der Wettergott spielte trotz dunkel aufziehender Wolken mit) demnach auch nicht ohne Zugaben ins Feierabendbier. Die Band bedankte sich angesichts der guten Stimmung mit gleich drei weiteren Tracks („Fat Bottom Girl“, „Get On Down The Road“ sowie das o. a. „Rainbow Connection“).

Nach dem Konzert gab es noch ein wenig Smalltalk mit Caleb (der fragte sofort nach unserem großen Logo-Schild) und Monique, wobei wir unsere gemeinsame Passion für Haustiere entdeckten, die es nicht so leicht im Leben hatten. Monique drückte mir dann noch ein Exemplar des neuen Werks „Untitled“ in die Hand, dessen Besprechung dann  naturgemäß demnächst im SoS folgen wird. Insgesamt mal wieder ein lohnenswerter Abend. Somit sind The Infamous HER in dieser Hinsicht auch in Zukunft gesetzt, wenn ein Gig in unserem Einzugsgebiet ansteht.

Line-up:
Monique Staffile (lead vocals, acoustic guitar)
Caleb Sherman (electric guitar,banjo, accordion vocals)
Tyler Kloewer (drums, percusssion, vocals)
Colton Jones (electric guitar, banjo, vocals)
Jonathan Stoye (bass, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

The Infamous HER
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Kantine Köln

Patti Smith – 25.07.2025 – Roncalli-Platz, Köln – Konzertnachlese

Etwa 4000 Zuschauer sorgen für ein ausverkauftes Konzert bei Patti Smith und die Kulisse des Kölner Doms sowie ein lauer Sommerabend bilden den passenden Rahmen. Trotz ihres Alters bringt die mittlerweile 78-jährige Smith eine Vitalität auf die Bühne, die vergessen lässt, dass viele der Songs schon 50 Jahre alt sind.

Mal faucht und kreischt sie rebellisch, um wenig später poetisch und bedächtig eine träumerische Stimmung zu erzeugen. Sie rechnet in Ansagen mit der Politik in Amerika ab, klagt aber auch in einem rezitierten Gedicht von Allan Ginsberg die Verbrechen an Menschen an, wo sie jede Person und das Leben als heilig bezeichnet.

Eine sichtlich gut gelaunte Smith zieht von Beginn an die Fans in ihren Bann, die zuweilen wie einer Priesterin gebannt zuhörend, im nächsten Moment mitgehend den Roncalli-Platz in eine Tanzfläche verwandeln. Aber auch außerhalb des eingezäunten Geländes haben sich viele Fans, die kein Ticket ergattern konnten eingefunden, um zu den Klängen von Patti Smith zu feiern. Es fällt schwer, aus einem Konzert ohne Schwachpunkte Songs hervorzuheben.

Das psychedelisch-orientalisch angehauchte „Transcendental Blues“ von Steve Earle, das düster interpretierte „Man In The Long Black Coat“ und das fast wütend vorgetragene „Bullet With The Butterfly Wings“ von den Smashing Pumpkins sind stake Cover Versionen, denen Smith ihren eigenen Stempel aufdrückt.

Gefeiert werden von den bestens mitgehenden Fans „Dancin Barefood“, „Beneath The Soutern Coss“, in das die Band als Hommage an den wenige Tage zuvor verstorbenen Ozzy Osbourne, eine jammenden Sequenz mit der Melodie von „Iron Man“ einfließen lässt, sowie das mit „Pissing in The River“ eingeleitete finale Furioso, dem mit „Because The Night“ und der Zugabe „Gloria“ noch zwei Songs die zum Mitsingen animieren, folgen. Pünktlich um 22 Uhr endet ein phantastischer Abend mit Patti Smith und ihrer Band, der vielen in Erinnerung bleiben wird.

Ein besonderer Dank an Hartz Promotion für die Akkreditierung für diesen tollen Abend.

Line-up:
Patti Smith (vocals)
Jackson Smith (guitar)
Tony Shanahan (keyboards & bass)
Seb Rochford (drums)

Text & Bilder: Gernot Mangold

Patti Smith
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E.L. Hartz Promotion

JJ Grey & Mofro – 02.03.2025, Kantine, Köln – Konzertbericht

Abschluss-Konzert der Europa-Tournee von JJ Grey & Mofro in der Kölner Kantine. Während der Karnevalszeit und an einem Sonntag Abend, dazu das sich Rar-Machen in den letzten Jahren bei uns. waren vermutlich die Gründe dafür, warum dieser tolle Gig des JJ Grey-Ensembles, der sicherlich ein ausverkauftes Haus verdient gehabt hätte, nur mittelmäßig besucht wurde.

Als Support spielte ein durchaus sympathischer junger Bursche aus Ulm namens Paul Holland, solo, nur mit Akustikgitarre behangen, in einer halben Stunde ein paar Stücke aus seiner EP „Everything“, in seichter Singer/Songwriter-Manier. Leider ohne jeden Widererkennungswert. Songs, mit denen man vielleicht bei ein paar Sozialwissenschafts- und Philosophiestudent*innen Eindruck schinden kann.

Wobei sich dann bei mir, der jeden Morgen um 4:30 Uhr aufsteht und in der Regel so gegen 20:00 Uhr schon von den ersten Müdigkeitsattacken geplagt wird, innerlich sofort die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines solchen Acts bei einem Gig stellt, wo die Leute doch eigentlich wegen brodelndem Southern Soul Rock angereist sind.

Das ist ungefähr so, wie wenn man vor einem Rot-Weiss Essen-Spiel, der Meute zur Einstimmung auf die Partie, statt kühlem Stauder Pils, irgendeine lauwarme Mate-Tee-Plörre an der berühmt-berüchtigten Hafenstraße ausschenken würde…

Das unterhaltsamste in den 30 Minuten waren eigentlich Pauls selbstironische Ansagen, als er beispielsweise treffender Weise anmerkte, dass bei JJ Grey jeder einzelne involvierte Musiker wohl dreimal mehr Energie auf die Bühne bringen würde. als er selbst. Er hielt zwischendurch und am Ende den typischen Höflichkeitsapplaus, bei dem sofort die Gedankenwelt der Besucher ablesen konnte. Ich würde sagen, ein falscher Musiker zur falschen Zeit am falschen Ort. Da doch bitte lieber direkt mit dem Headliner anfangen.

JJ Grey und seine umfangreiche Begleitcombo entschädigten nach recht kurzer Umbaupause sofort mit einer Mörderversion des Titelstücks der aktuellen und namensgebenden Tour-CD „Olustee“. Was da direkt für eine Southern Rock-Wucht von den zehn involvierten Personen (inklusive Traum-E-Gitarren-Solo von Pete Winders) auf die Bühne projiziert wurde, war allein schon das Eintrittsgeld wert. Ein fulminanter Auftakt!

Aus diesem Werk wurden dann im weiteren Verlauf einige Tracks wie u. a. „Top Of The World“, das herrliche Jon Anderson-Cover „Seminole Wind“ oder das heftig funkende „Rooster“ präsentiert.

Der Leader versprühte natürlich seine Charismatische Aura, glänzte mit seinem starken Gesang, plusterte in seine Harp und schnappte sich sporadisch auch die E-Gitarre (u. a. beim melancholischen „The River“).

Sein langjähriger ‚Adjudant‘, Dauergrinser Todd Smallie, gewann, wie sooft, mit seiner ansteckenden Freundlichkeit, den Sympathie-Preis, ließ seinen Bass immer gut hörbar grummeln und gab zusammen mit Schwergewicht Craig Barnette an den Drums den Takt vor. Zusätzliche Unterstützung gewährte Eric Martin mit seinen diversen Percussion-Instrumenten.

Ein tollen Beitrag zum brodelnden Southern Soul-Sound lieferten natürlich auch die beiden Bläser Marcus Parsley an der Trompete und Kenny Hamilton am Saxofon, ob zusammen oder einzeln mit diversen Soli plusternd. Manchmal gesellte sich dann auch noch der flexible Eric Brigmond dazu, der teilweise dann mit Posaune zusätzlich verstärkte und sogar gleichzeitig die Keys in diversen Varianten (organ, piano, e-piano) bediente.

Lead-Gitarrist Pete Winders tauchte nach seinem grandiosen Solo beim Opener ein wenig ab, lieferte aber ein klasse Rhythmusarbeit und natürlich auch das eine oder andere gekonnte Kurzsolo.

Nicht zu vergessen die beiden hübschen Backgroundsängerinnen Katie Dutton und Linzy Lauren, die neben ihren Harmoniegesängen auch ihre Leadvocal-Talente offerieren durften. Und wenn wir beim Gesang sind, darf auch nicht das textsichere Kölner Publikum unter den Teppich gekehrt werden, das sich bei diversen Tracks lautstark einbrachte und den Fronter schwer beeindruckte.

Das starke “Ol‘ Glory“ mit JJ an der Lead-Gitarre beendete den tollen Hauptteil, dem dann im Zugabenbereich mit den Klassikern „Brighter Days“ und „The Sweetest Thing“ noch zwei tolle Tracks folgten und den würdigen Abschluss der Tournee bildeten, bevor sich die Domstädter dann wieder in den üblichen Karnevalstrubel stürzen konnte.

Insgesamt eine grandiose Show von JJ Grey & Mofro, die sicherlich bei meinen Konzerthighlights dieses Jahres eine gewichtige Rolle spielen wird!

Line-up:
JJ Grey (lead vocals, harp, electric guitar, percusssion)
Eric Brigmond (keyboards, trombone)
Craig Barnette (drums)
Todd Smallie (bass)
Pete Winders (electric guitar)
Eric Martin (percussion)
Marcus Parsley (trumpet)
Kenny Hamilton (saxophone)
Katie Dutton (backing vocals)
Linzy Lauren (backing vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Oktober Promotion
Kantine Köln

Drake Milligan – Support: Florian Fox & Fox Band – 25.02.2025 – Gloria, Köln – Konzertbericht

Eine gute Woche nach dem schönen Carly PearceGig führte uns die Reise in Sachen SOUND OF NASHVILLE erneut nach Köln, diesmal zu Drake Milligan mit der schweizerischen Vorgruppe Florian Fox & Fox Band im altehrwürdigen GLORIA mitten in der Innenstadt.

Die Eidgenossen waren uns ja lange Zeit in Sachen Country-Musik mit ihren tollen Festivals (u. a. in Gstaad) weit voraus. Musikalisch sind mir da eher Hard Rock-Acts wie Krokus oder Gotthard bekannt, Florian Fox und seine Begleitband waren eher unbekanntes Terrain. Nicht zuletzt dank der o. a. Reihe ist die Welle der Begeisterung mittlerweile zu uns herübergeschwappt und die involvierten Künstler und Interpreten erfreuen sich auch bei uns immer größerer Beliebtheit.

So war dann auch für Drake Milligan und seinem Support mit rund 600 Leuten im ausverkauftem Haus der passende Rahmen hergerichtet.

Übrigens eine schöne Story am Rande: Ich kam vor Konzertbeginn mit einem neben mir stehenden Besucher ins Gespräch. Der erzählte mir, dass er aus dem Westerwald angereist sei und vorher noch seine Tochter zum parallel stattfindenden Pitbull-Gig in der ausverkauften Lanxess-Arena abgeliefert hätte. Ich sagte spontan: „Tja, Erziehungsauftrag deutlich verfehlt!“ Er erwiderte schlagfertig: „Ja, aber nur zu 50 Prozent“ und verwies dann stolz auf seinen Sohn, der links neben ihm stand!

Aproppos Support: Florian Fox & Fox Band passten als Einstimmung ganz gut zum Protagonisten des Abends, da die Combo in einem ähnlichen Neo-Country-Traditional-Stil unterwegs ist.

Der engagierte Fronter Florian Fox gab sich alle Mühe, die Audienz schonmal auf Betriebstemperatur zu bringen. Das Quartett hatte seine brandaktuelle EP „True Love‘ mit im Gepäck, aus der dann naturgemäß Stücke (u. a. „Friday Night“, „Toxic Fascination“) vorgestellt wurden.

Hingucker waren dabei der wuchtige Contrabass, bedient von Nicolas Adam, der dann erst gegen Ende zum Elektrobass umschwenkte. Gitarrist Rich Harpur glänzte mit vielen quirligen E-Soli und Leader Florian Fox überraschte noch mit einer doppelhändigen Harp-Solo-Showeinlage (mit jeweils einer Mundharmonika in der linken und rechten Hand im Wechsel).

So erhielt das schweizerische Ensemble in einer kurzweiligen halben Stunde auch seinen verdienten durchgehenden Applaus.

Line-up Florian Fox & Fox Band:
Florian Fox (lead vocals, acoustic guitar, harp)
Rich Harpur (electric guitar, vocals)
Nicolas Adam (bass, vocals)
Kaspar Hafner (drums)

Nach ca. einer halben Stunde Umbaupause ging es dann mit dem Hauptact Drake Milligan und seinen Begleitmusikern weiter. Der Sonnyboy, gebürtig aus aus Arlington, Texas stammend, schien den Wind des letztjährigen Country2Country-Festivals in eigener Sache mitgenommen zu haben, das Besucherinteresse bei seinem ersten Headliner-Auftritt spricht da schon Bände.

In mein Leben ist er erst mit seiner Kurz-EP „Jukebox Songs“ eingetreten. Der junge Bursche ließ von Anfang an, keine Zweifel an seinen Entertainer-Fähigkeiten aufkommen und gab direkt mit dem Carl-Perkins-Cover klar zu erkennen, warum er für diverse Elvis-Verkörperungen und bei einigen Kontests zur ersten Wahl zählte.

Er nahm mit seiner kommunikativen Art die Leute sofort mit und hielt die Stimmung eigentlich auch von vorne bis zur Endphase, die angesichts von insgesamt 26 performten Tracks dann auch ohne Zugabe auskam. Für mich als nicht geborener Neo-Traditionalist waren deswegen auch ein paar, am Ende aber verschmerzbare Längen (zum Beispiel was das integrierte Medley anging) damit verbunden.

Als weiterer Blickfang und Aktivposten neben dem stark aufspielenden Gitarristen Ryan DeMers (der ähnelte mit seinem dunklen Schnäuzer und der wehenden Haarpracht zumindest äußerlich dem jungen Carlos Santana), entpuppte sich die blondmähnige Kelly Hagan mit diversen gekonnten Fiddle-Einlagen.

Zu meinen klaren Favoriten zählten von daher auch eher die locker ins Ohr fließenden, melodischen Schunkler wie „Over Drinkin‘ Under Thinkin'“, „Jukebox Songs and Barstool Beers“, der Ohrwurm des aktuellen Werkes „What I Couldn’t Forget“, „Cowboy Kind of Way“ (mit schönem atmosphärischen Chis Isaak-Flair) und das fluffige „Kiss Goodbye All Night“.

Zum Abschluss verabschiedete sich Drake samt seiner Musiker mit dem launig country-rockenden „Sounds Like Something I’d Do“ und ging nochmals händeschüttelnd durch die Besucher-Frontreihe.  Von diesem talentierten Burschen wird, da war ich mir am Ende sicher, in Zukunft noch einiges kommen.

Line-up Drake Milligan:
Drake Milligan (lead vocals, acoustic guitar)
Kelly Hagan Fiddle
Ryan DeMers (electric guitar, vocals)
Adam Story (keys)
Kramer Sell (drums, vocals)
Clay Sell (bass)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Gloria, Köln

Carly Pearce – Support: Wade Bowen – 17.02.2025, Kantine, Köln – Konzertbericht

Schöner Montag-Abend in der gutbesuchten Kölner Kantine. Die angesagte Nashville-Künstlerin Carly Pearce hatte den vornehmlich in Texas bekannten und sehr beliebten Red Dirt Singer-/Songwriter Wade Bowen als Support mit auf ihrer Europa-Tournee und dieser allein hätte ja eigentlich schon Hauptactambitionen gehabt.

Bowen, den wir ja vor Jahren bereits mal live im kleinen Blue Shell in der Domstadt erlebt hatten und mit dem wir damals auch ein Interview gemacht haben, betrat pünktlich um 20:00 Uhr die Bühne und hatte um sich noch den Bassisten Caleb Jones sowie den filigranen Gitarristen Nick Gardner, der ihn 2022 auch schon begleitet hatte, versammelt.

Wade hatte im letzten Jahr wieder mit „Flyin‘“ ein starkes Album am Start, das aber überraschender Weise völlig außen vor gelassen wurde. Der Protagonist ließ dann zu den wunderbar klar klirrenden Akustikgitarren seine zum Dahinschmelzen raspelige Wohlfühlstimme bei Stücken wie u. a. „When Love Comes Around“ (Opener), „Til It Does“, „Sun Shines On A Dreamer“ auf die Audienz wirken. Die hatte dann spätestens nach dem autobiografischen „A Guitar, A Singer And A Song“ erkannt, was da für ein Musik-Juwel auf der Bühne performte und die bis dato glänzende Vorstellung mit punktgenau aufbrausendem Applaus honorierte.

Bowen, sichtlich gerührt, erwähnte noch, dass er Carly Pearce quasi beim Songwriting als Seelenverwandte schätze, da sie, wie auch er, ein Faible für eher traurige Songs besitze. Er legte dann noch seinen Billboard-Top-40-Hit „Saturday Night“ sowie das launige „Fell In Love On Whiskey“ zum Abschluss nach, wo auch Gardner und Jones noch mal so richtig ihre instrumentelle Klasse aufblitzen ließen. 40 Minuten akustischer Texas Red Dirt auf höchsten Niveau vergingen wie im Fluge. Bestnote für das ‚Wade Bowen-Trio‘!

Line-up Wade Bowen:
Wade Bowen (lead vocals, acoustic guitar)
Nick Gardner (acoustic guitar)
Caleb Jones (bass, vocals)

Die Mitglieder der an diesem Abend involvierten Roadcrew schienen in der Vergangenheit allesamt auch schonmal in bürgerlichen Berufen gearbeitet zu haben. Ich deute Ihre schnelle und gute Arbeit jedenfalls als Empathiebeweis gegenüber Menschen wie mir, die am nächsten Tag in der Woche wieder früh aufstehen müssen.

Die Bühne war für Carly Pearce nämlich innerhalb von rekordverdächtigen 15 Minuten hergerichtet und so konnte das Mädel, ursprünglich aus Kentucky stammend, samt ihren Begleitjungens mit „Rock Paper Scissors“ gegen 21:00 Uhr sofort eine flott-rockige Nummer aufs Parkett legen.

Das folgende „Next Girl“ stand dann direkt als Blaupause für die enorme Chartkompatibilität ihrer, in der Regel selbst kreierten Tracks. Neben ihrem hübschen Aussehen (lediglich in Sachen Outfit ist vielleicht noch etwas Luft nach oben) und ihrer äußerst sympathischen Art, stand natürlich auch ihre ausdrucksstarke Stimme, als weiterer Baustein ihres Erfolges im Vordergrund, besonders beeindruckend im emotional besungen „I Don’t Fight Anymore“ dargeboten.

Apropos Begleitjungens: Die allesamt pfiffigen Burschen alias Daniel Johnson (drums) und Phil Noel (bass) als Rhythmussektion sowie der überragende Multiinstrumentalist Jon Aanstead (keyboards, acoustic guitar, fiddle, electric guitar, vocals) und der versierte Gitarrist Nick Huddleston (der bespielte gefühlt so ungefähr jedes derzeitig am Markt verfügbare Saiten-Modell im Laufe des Gesamtsets) trugen ebenfalls zum Gesamterfolg dieses schönen Abends bei.
Klasse zum Beispiel beim launigen Schunkler „Still Blue“.

Eine tolle Geste von Carly in Richtung von Wade Bowen spielte sich danach beim herrlich zelebrierten „Louisiana Woman, Mississippi Man“ ab, als sie den Texaner zu einem tollen klassischen Country-Duett nochmals auf die Bühne zitierte. Aus meiner Sicht einer der Höhepunkte der Show!

Die immer wieder in ihren Tracks zur Schau gestellte Wut bezüglich ihrer gescheiterten Ehe mit Hallodri Michael Ray wurde dann in den Ansagen (der Stachel scheint trotz der mittlerweile vergangenen Jahre immer doch noch irgendwie zu sitzen) zu Liedern wie „Should Have Known Better“ und „29“ auch live, quasi als Lebenshilfe-Ratgeber für die vielen jungen anwesenden Damen im Publikum, nochmals thematisiert.

Und so verlief die Zeitspanne mit Liedern wie u.a. „Things I Don’t Chase“ „Woman To Woman“ bis zum finalen Track des Hauptteils „I Hope You Are Happy Now“ sehr kurzweilig.

Als Zugaben servierten dann Pearce & Co. noch „Oklahoma“ (akustisch gehalten) und „What He Didn’t Do“. Insgesamt wieder Mal eine tolle Werbung im Rahmen der Sound Of Nashville-Reihe, die inklusive des angenehmen Kölner Publikums am Ende alle als Gewinner zurückließ.

Und wenn selbst der eigentlich nicht so New Country-affine, fotografierende Kollege Mangold (der war in diesem Fall übrigens sehr über die vorbildlichen Arbeits-Bedingungen begeistert) dies als das beste Countrykonzert, das er bis dato gesehen hat, bezeichnet, dürfte wirklich alles gesagt sein!

Line-up Carly Pearce:
Carly Pearce (lead vocals, acoustic guitar, mandolin, electric guitar)
Jon Aanstead (keyboards, acoustic guitar, fiddle, electric guitar, vocals)
Daniel Weston Johnson (drums)
Phil Noel (bass, vocals)
Nick Huddleston (electric guitar, acoustic guitar, mandolin, dobro, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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