Peddle Train – Natural Disaster – CD-Review

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Southern Rock aus Kanada? Hm, da muss ich mein Langzeitgedächtnis schon arg strapazieren. Nun gut, nach einer gewissen Überlegenszeit fallen mit da im weitesten Sinne Bands wie The Road Hammers, The Sheepdogs, die Raufbolde von Dry County oder der eigentliche New Country-Act Doc Walker ein, der sporadisch mal dezente Ausflüge in die Richtung unternimmt. Das war es aber auch schon.

Jetzt bin ich durch eine der zahlreichen Bemusterungs-E-Mails auf eine Band namens Peddle Train gestoßen, ein Konglomerat aus gestandenen Musikern aus dem Raume Vancouver, das jetzt sein Debüt „Natural Disaster“ auf den Markt geworfen hat.

Das Quintett bestehend aus Chris Gilburg (lead vocals/acoustic guitar), Michael Schau (lead/rhythm guitar /vocals), Jac Garret (bass/vocals), Rylan Wood (drums/percussion) und Dave Skinner (rhythm/lead guitar/vocals) hatte laut O-Ton ihres Leaders Chris Gillburg bei der Einspielung soviel Spaß, dass man mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit noch mal nachlegen wird. Als ihre Einflüsse benennt das Kollektiv Acts von Lynyrd Skynyrd bis Humble Pie.

Manchmal ist es schon wirklich merkwürdig, was Lautstärke ausmachen kann. Beim ersten Hören im Wohnzimmer an einem Sonntag hörte ich die Scheibe aus Rücksicht auf die Nachbarn sehr gemäßigt und empfand die Stimme Gillburgs, trotz durchaus spürbaren Engagements, als ziemlich unspektakulär, zeichnet die meisten Fronter des Genres doch immer ein gewisses Charisma in dieser Hinsicht aus.

Der zweite Durchlauf – dieses Mal mit Kopfhörer und entsprechender Dezibel-Dosis – führte dann zu einem völlig anderen Ergebnis! Gillburgs Stimme passte absolut zum klaren und abwechslungsreich gestalteten Sound des Fünfers.

Vom, die euphorisierende Wirkung eines vollen Tanks behandelnden Openers „Gasoline“ über die starken, mit allen Southern Rock-Wassern (Twins, weibliche BGVs) gewaschenen „Crawlin‘ und „We Drink From The Same Glas“, bis hin zu den abschließenden Tracks „Natural Disaster“ (mit klasse Slide) sowie dem mit dramatischer Note in Szene gesetzte „I Want To Save The Planet“ (na dann viel Glück beim Anrennen gegen die ganzen Arschlöcher auf diesem Erdball…) erhält man ein abwechslungsreiches, melodisches und kurzweiliges Album, das vollends zu überzeugen weiß.

Auch mit Peddle Train und ihrem keinesfalls desaströsen – sondern ganz im Gegenteil – hervorragenden Erstling „Natural Disaster“ bleibt also die gute Meinung, die ich bisher über kanadische Musik bekommen habe, aufrechterhalten. Und es war wieder mal eine schöne Ergänzung des Genre-Horizonts. Aber – wie beschrieben – bitte beachten: Play it loud!

Eigenproduktion (2018)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Gasoline
02. Crawlin
03. Drank From The Same Glass
04. Father’s Sins
05. Hole In The Wall
06. Devil Rides My Back
07. Losers Make the Best Friends
08. Hot Wheels
09. Natural Disaster
10. Save The Planet

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Layla Zoe – Gemini – CD Review

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Review: Jörg Schneider

Wer Layla Zoe schon mal live auf der Bühne erlebt hat, weiß mit welcher Power und Hingabe sie ihre Songs zusammen mit ihrem langjährigen Gitarristen Jan Laacks performt. Dort fühlt sie sich zu Hause und genießt den direkten Kontakt zum Publikum. Da wundert es auch nicht, dass die Studioarbeit nach eigenem Bekunden nicht zu ihren Präferenzen zählt. Für sie war es daher naheliegend, wieder an ihre frühere Zeit als Independent-Künstlerin anzuknüpfen, um der Enge eines von Plattenfirmen vorgegeben Aufnahme-Locations zu entkommen.

Daher war ihr Entschluss, eine Platte ganz ohne künstlerische Zwänge zusammen mit Jan Laacks in Eigenverantwortung einzuspielen und von ihrem Gitarristen produzieren zu lassen, nur eine Frage der Zeit. Die so gewonnene Freiheit gab ihr jetzt die Möglichkeit ihre Kreativität ohne Einschränkungen auszuleben. So ist nun ihr 13. Album entstanden, welches am 5. Oktober in die Läden kommt.

Zwillingen sagt man ja nach, dass sie zwei Seelen in ihrer Brust beherbergen, was ich als geborener Zwilling voll und ganz bestätigen kann 🙂 … Und natürlich trifft dies auch auch auf Layla Zoe zu, schließlich hat sie am 26. Mai das Licht der Welt unter dem Sternkreiszeichen des Zwillings erblickt.

Wohl deshalb zeigt „Gemini“, so ist ihr neues Werk betitelt, zwei völlig unterschiedliche musikalische Seiten ihrer Persönlichkeit, insgesamt 20 Tracks auf zwei Discs. Sogar das schicke, in rot gehaltene Albumcover orientiert sich grafisch am Zwillingsdasein und baut eine weitere Brücke zur rothaarigen Layla Zoe, dem Firegirl.

Auf der ersten CD des Doppelalbums kehrt Layla Zoe zu ihren Wurzeln zurück, um die zarte und zerbrechliche Seite ihrer Stimme zu zeigen. Treffender Weise heißt die CD dann auch „Fragility“. Es ist in weiten Teilen eine Hommage an den Delta-Blues mit Jan Laacks an der Akustikgitarre der diesen mit schönen Slide-Einlagen („I’ll Be Reborn Blues“, „Turn This Into Gold“, „The Deeper They Bury Me“ „The Good Life“ und „Freedom Flowers“) verfeinert.

Ebenfalls hörenswert sind das ruhige, dahinplätschernde und folkmäßig angehauchte „I Can’t Imagine My Life Without You“, sowie das tranceartige „Mumbai“ mit Weltmusik-Anleihen. Auf dem letzten Stück der ersten Scheibe „Rainbow Pacman And Unicorns“, einem Song mit Schmetterlinge-im-Bauch-Feeling, wird Layla von Jan Laacks nur an der Ukulele begleitet, einfach toll.

Im krassen Gegensatz dazu steht die zweite CD „Courage“. Hier gibt sich Layla Zoe der elektrischen Seite Ihrer Seele hin. Die überwiegend hammerharten Stücke bieten straighte Gitarrenriffs und kommen für Laylas Verhältnisse äußerst rockig, heavy und basslastig daher, immer getragen von ihrer kraftvollen, teils rauen, Stimme.

Eine wohltuende Abwechslung bieten auf der zweiten CD die sehr schöne, melodiöse Ballade „Roses And Lavender und der Slowblues „Are You Still Alive Inside“. Mit „Little Sister“, einem sehr persönlichen Song, setzt die Protagonisten dann zum Abschluss noch mal einen hoffnungsvollen, ja geradezu glücklichen Akzent.

Ursprünglich hatte ich eigentlich in musikalischer Hinsicht nicht allzuviel Neues von Layla Zoe’s 13. Album erwartet. Umso überraschter war ich dann, nachdem ich „Fagility“ gehört hatte. Zeigt diese Scheibe doch eine Seite von Layla Zoe, die in dieser eindringlichen Form von ihr bisher nicht wirklich oft zu hören war.

Von beiden Gemini-CD’s ist „Fragility“ nach meinem Empfinden eindeutig die bessere Hälfte des Doubleplayers. Allein wegen dieser Scheibe lohnt der Kauf, die ‚elektrische‘ Layla Zoe gibt’s dann als zweite CD gratis dazu.

Und last, but not least, darf auch das Zutun von Jan Laacks nicht vergessen werden. Er ist ein Ausnahmegitarrist, der hier wie so oft seine Talente an der Akustik- und Stromgitarre, ebenso wie an der Ukulele, unter Beweis stellt. Ohne ihn wäre das Album nicht das, was es ist. Laacks und Zoe sind halt ein seit Jahren perfekt eingespieltes Team.

Line up:
Layla Zoe – lead vocals, harmonica, back up vocals
Claus Schulte – drums on tracks 1-3 und 2-10
Dirk Sengotta – drums on all other tracks
Jan Laacks – all other instruments and back up vocals

Eigenproduktion (2018)
Stil: Blues/Rock

Tracks CD 1: „Fragility“
01. She Didn’t Believe
02. I’ll Be Reborn Blues
03. Turn This Into Gold
04. The Deeper They Bury Me
05. Mumbai
06. The Good Live
07. I Can’t Imagine My Life Without You
08. Freedom Flowers
09. Let Go
10. Rainbow Pacman And Unicorns

Tracks CD 2: „Courage“
01. Wellness
02. Dark World
03. Ghost Train
04. Bitch With The Head Of Red
05. Gemini
06. Roses And Lavender
07. White Dog
08. Automatik Gun
09. Are You Still Alive Inside
10. Little Sister

Layla Zoe
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Vaudeville Etiquette – Divisions – EP-Review

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Review: Stephan Skolarski

Erfolgreiche Singer/Songwriter Duos gab es in der Musikgeschichte viele: Lennon/McCartney, Jagger/Richards, Forster/McLennan, um nur einige zu nennen. Von daher dürfte es auch kein Zufall sein, dass die kreativen Köpfe von Vaudeville Etiquette, Tayler Lynn und Bradley Laina, über die gemeinsame Begeisterung für „Exile On Main Street“ und damit durch eines dieser Duos zueinander gefunden haben.

Das US-Amerikanische Quintett hat nach zwei überzeugenden Studioalben den beschwerlichen Schritt ins Musikbusiness geschafft und bereits den Weg über den großen Teich auf die Konzertbühnen in Europa gefunden. Jetzt sind sie mit einer neuen EP am Start und bewegen sich auf den vier Tracks gekonnt durch unterschiedlichste Musikgenres.

Beispielhaft hierfür das Midtempo-Neo-Folk-Synthie Stück „Divisions“, ergänzt durch fein abgestimmten, harmonischen Gesang, ist als erstes Lied ein wenig zurückhaltend, aber das voluminöse „Ontario“, mit eindringlichem Synthie-Intro und Florence + The Machine-Instrumentalisierung, kommt sofort aus den Startlöchern.

Was den ersten beiden Songs noch an Durchschlagskraft gefehlt hat, bügelt das Stoner-getränkte „White Horse“ aus. Wuchtige Drums, die man zuletzt so perfekt noch zu „White Stripes“-Zeiten gehört hat und ein markantes Gitarren-Riff sollten den Song auf jede Blues Rock-Playlist pushen. Im dem vierten Song „Swamp Witch“ ist Tayler Lynn dann im Patti Smith-Modus und ein feuriges E-Gitarrensolo bringt den letzten Schwung für ein tolles Uptempo-Finale.

Auf dieser EP gleicht kein Stück dem nächsten. Diese abwechslungsreiche Zusammenstellung spricht die unterschiedlichsten Musikgeschmäcker an und man darf daher mit großer Zuversicht und Vorfreude auf ein neues Album der jungen Band um das Singer/Songwriter Duo Lynn/Laina aus Seattle gespannt sein.

Sunvata Records (2018)
Stil: Classic Rock

01. Divisions
02. Ontario
03. White Horse
04. Swamp Witch

Vaudeville Etiquette
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Black Pike Favorites

Shred Kelly – 14.04.2018, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Es ist bekannt, dass Yard Club-Chef Marcus Neu, ein gutes Gespür für aufkommende Acts hat. Wenn er von etwas überzeugt ist, dann zieht er eine Sache kompromisslos durch, selbst, wenn er dafür einen ‚langen Atem‘ braucht.

Bestes Beispiel sind The Dead South, die zunächst vor 15 Zuschauern, ihre Musik im Club Preis geben mussten, zweieinhalb Jahre später bei ‚der großen Schwester‘, der Kantine, schon 800 Leute unterhielten und mittlerweile viele angesagte Locations überall auf der Welt füllen.

Ein gleiches Schicksal ereilte bereits zum wiederholten Male die kanadischen Folk Rock-Kollegen Shred Kelly mit ihrem Support Megan Nash, die – es verstehe, in einer hiesigen Metropole und Studenten-Stadt wie Köln, wer will – auch nur eine sehr übersichtliche Anzahl an Zuschauern mobilisieren konnten.

Dabei ist das doch Musik, die durchaus in geistig etwas beschlageneren Kreisen, gern gehört wird. Mittagsschlaf um 21:00 Uhr noch nicht beendet oder was auch immer, für mich persönlich bleibt es, vor allem aufgrund der allseits bekannten, mitreißenden Leistungen und sowie der positiven Ausstrahlung der Band, ein absolutes Rätsel.

Aber von vorne. Noch bitterer war es natürlich für die, aus der kanadischen Walachei (Sasketchawan) stammende Megan Nash, die solo, nur mit Akustikgitarre umhangen, mit ihrem dezent Country-umwehten Singer/Songwriter-Stoff, gegen eine größtenteils rumbrabbelnde, sich selbst wichtiger nehmende Audienz, ankämpfen musste.

Die stellte schwerpunktmäßig Stücke aus ihrem aktuellen Album „Seeker“ vor, wobei sie bei mir, mit ihrem variablen und ausdrucksstarken Gesang, der wirklich alle Tonlagen von hell, zart bis emotional, rotzig und tief, umfasste, punkten konnte.

Direkt hinterher betraten dann Sage McBride, Tim Newton, Ty West, Jordan Vlasschaert und ihr Tour-Drummer, Eddie Annett, die Bühne, um dann auch ihr, von uns reviewtes Neuwerk „Archipelago“ in den Fokus zu rücken.

Die drückten dann auch direkt mit den launigen Openern dieses Albums, aber in umgekehrter Reihenfolge, „Don’t Ever Look Back“ und „Archipelago“, aufs Folk Rock-Gaspedal, sodass Tim Newton schon frühzeitig eine neue Saite für sein, während des Konzertes stark in Anspruch genommenes Banjo, bemühen musste.

Auch im weiteren Verlauf präsentierten die, sich immer wieder im Lead und Backing Gesang abwechselnden und sich ergänzenden Sage McBride und Tim Newton, samt ihrer Kollegen, mit dynamischen Tracks wie u. a. „Stereo“, „Jupiter (Any Other Way“, „Nova“, „Rowed Away“, „Sing To The Night“, „Cabin Fever“, „My Vessel, My Grave“ und „Didn’t Know“, furios abgehende und rhythmisch aufbrausende, keltisch- wie Heartland-umwehte Eigenkompositionen, an der Schnittstelle krawalliger The Pogues und melodischer, sowohl radio- als auch stadiontauglicher U2.

Etwas Einhalt, aber eher mehr punktuell, gewährten die Kanadier aus British Columbia, bei atmosphärischen und poppigen Sachen wie „Way Down“ und  „Going Sideways“. Zum Ende des Hauptteils fegten sie mit dem wüst rockenden „Tornado Alley“ eine regelrechte Folk Rock-Sturm-Schneise durch den Yard Club.

Zum Zugabenteil ließ sich zunächst nur Drummer Annett für ein Solo sehen, danach kam der Rest wieder für die beiden Rausschmeißer „Die Trying“ und „New Black“, bei denen die Anwesenden erneut ordentlich abtanzten, auf die Bühne.

Fazit: Trotz enttäuschender Kulisse, ließen sich Shred Kelly (auch sehr nette und offene Menschen, wie wir vor dem Konzert im Backstage-Berich feststellen durften) nicht frustrieren, und spulten einen furiosen Gig professionell herunter, als wenn der Yard Club aus allen Nähten geplatzt wäre. Ach ja, und heute spielen sie wohl wieder vor ausverkauftem Haus im Londoner Kultclub The Garage, in dem schon Größen wie u. a. die Red Hot Chili Peppers oder Oasis vorstellig waren. Übrigens als Support einer der vielen Neuschen Entdeckungen namens The Dead South…

Line-up:
Sage McBride (lead and backing vocals, keys, percussion)
Tim Newton (lead and backing vocals, banjo, ukulele)
Ty West (electric guitar)
Jordan Vlasschaert (bass, ukulele, percussion, vocals)
Eddie Annett (drums)

Support: Megan Nash (leadvocals, acoustic guitar)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Shred Kelly
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Megan Nash
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Yard Club Köln

Melanie Dekker – Secret Spot – CD-Review

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Eine Dame, die, wenn es in unserer Interpretenskala eine Rangfolge nach Beliebtheit geben würde, ganz oben mit vertreten wäre, ist zweifellos die Kanadierin Melanie Dekker.

Die spielt sich seit zig Jahren, oft solo, mal in Begleitung eines bis zweier weiterer Musiker, regelmäßig bei uns, sowie fast ganz Europa, in den kleinen, Insider-Musik protegierenden Clubs, auf ihrer Akustik-Klampfe, für vermutlich kleines Geld, die Fingerkuppen wund, ohne dabei auch nur ansatzweise ihre lebensbejahende, fröhliche und sympathische Aura einzubüßen.

Mein erster Berührungspunkt mit ihr war 2009 „Acoustic Ride„. Danach hatte ich persönlich das Vergnügen, sie ein paar mal auf ihren Konzerten kennenlernen zu dürfen (in meiner Gegend ist sie leider nicht ganz so oft präsent). Seitdem bin ich soweit eine gesetzte Konstante, wenn es um das Besprechen ihrer neuen Werke geht.

Die aus Vancouver stammende Singer/Songwriterin beglückt uns nach einer knapp fünfjährigen Pause in Sachen Studio-Alben nach „Distant Star“ jetzt mit ihrem neuen Werk „Secret Spot“. Zehn wunderbare geschmackvolle Tracks, alle wieder größtenteils aus eigener Feder, lediglich das im wahrsten Sinne des Wortes, pfiffige Titelstück (Pfeif-, Slide-Gitarren-, Banjo-Einlagen) stammt vom hier, bei mehreren Liedern instrumental involvierten Allen Roger.

Wenn es so etwas wie Gerechtigkeit auf dieser Welt geben würde, müssten eingängige Stücke wie „Front Row“, „Ginned Up“, „Try Me (The Basket Song)“, „Always Gonna Be“ sowie der bereits erwähnte Titeltrack „Secret Spot“, eigentlich die Major-Label und Radiostationen, auf den Plan rufen.

Für die B-Note, also den künstlerischen Teil, stehen der melancholische Opener „Memories Of You“, das kammmermusikartige „More Human“ (Ukulele, Cello, Piano), der Tex-Mex Country-Storyteller „Te Amo Mucho“ (Akustik-Gitarren-, Akkordeon-Untermalung, E-Fills), das soulige „Better When We Do“ (Wurlitzer-Piano, Trompete) und das abschließende, titelmäßig schön passende „When It’s Over“ (nur auf Gesang, Piano, Bass und Harmonies reduziert, atmosphärisch).

Auf dem Cover sitzt Melanie so ein wenig geschafft, abgekämpft, aber zufrieden und glücklich, auf einem gepflasterten Steinboden an eine Häuserwand gelehnt, wie jemand, der gerade eine anstrengende Sache hinter sich gebracht, aber umso erfolgreicher beendet hat.

„Secret Spot“ ist ein tolles, mit viel Feingefühl für kleine instrumentelle Fertigkeiten gewordenes, Singer/Songwriter-Kleinod geworden, das sich nicht zu verstecken braucht und eigentlich weit über den Nischen-Charakter hinaus bekannt werden müsste.

Und auf dem mir zugesendeten Exemplar ist natürlich auch wieder mit „Dear Daniel, thank you for bringing music to the fans! Mel“ eine per Hand vermerkte persönliche Widmung. Wie anfangs schon erwähnt – einfach eine liebenswerte sympathische Person, diese Melanie Dekker!

Eigenproduktion (2018)
Stil: Singer/Songwriter

01. Memories Of You
02. Front Row
03. More Human
04. Ginned Up
05. Try Me (The Basket Song)
06. Always Gonna Be
07. Te Amo Mucho
08. Secret Spot
09. Better When We Do
10. When It’s Over

Melanie Dekker
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Gordie Tentrees & Jaxon Haldane – Grit – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die beiden Kanadier Gordie Tentrees und Jaxon Haldane standen in den letzten vier Jahren über 500 Mal zusammen auf einer Bühne, daher ist es nur konsequent, ein gemeinsames Album zu veröffentlichen. Die zwölf Stücke auf „Grit“ wurden bei fünf Konzerten in ihrem Heimatland mitgeschnitten und geben einen Vorgeschmack auf das, was bei ihrer Tour durch Deutschland im April zu erwarten ist. Die Multiinstrumentalisten haben sich dem Bluegrass beziehungsweise Alternative Country verschrieben.

Beeindruckend ist die Anzahl der gespielten Instrumente. Tentrees wechselt zwischen akustischer Gitarre und Dobro. Er sorgt zudem mit Snare tambourine und Porch board bass für den Rhythmus. Auf einigen Stücken bläst Tentrees zudem noch in die Mundharmonika. Dass sich die Performance nicht nach Straßenmusikern anhört, ist der Begleitung durch Haldane mit unterschiedlichen Cigar box guitars und Banjo zu verdanken. Auf „Holy Moly“ greift Haldane zur Singenden Säge.

Während „Armand“ und „Junior“ gemeinsam geschrieben wurden, stammt die überwiegende Anzahl der Songs von Gordie Tentrees, der auch die Lead vocals singt. Lediglich auf dem Cover von Willie P. Bennetts „Willie’s Diamond Joe“ übernimmt Jaxon Haldane, wobei er die Sache sehr gut macht. Mit „I Don’t Have A Gun” von Will Kimbrough und Tommy Womack findet sich noch eine weitere Coverversion auf der Scheibe.

Die meisten Songs bewegen sich im unteren bis mittleren Tempobereich. Eine Ausnahme ist „Sideman Blues“, bei dem Haldane auf seinem Banjo Gas gibt. Die einzelnen Stücke sind für sich genommen hörenswert, wobei in den Texten interessante Geschichten entworfen werden. Das Werk im Ganzen wirkt aber eher gleichförmig und lässt einen gewissen Spannungsbogen vermissen.

Dennoch finden sich einige Highlights auf der CD. „29 Loads of Freight”, das Titelstück des Debütalbums von Gordie Tentrees aus dem Jahr 2004, ist besonders hervorzuheben. Tentrees schrieb es gemeinsam mit der kanadischen Alternative Country-Ikone Fred Eaglesmith. Besonders sticht auch „Bottleneck To Wire” heraus, das Jaxon Haldane mit seiner Lap steel cigar box guitar untermalt. Bemerkenswert ist zudem „No Integrity Man“, das aus der Feder von Charlie Parr stammen könnte.

Konzertatmosphäre entwickelt das Album kaum. Lediglich durch den Applaus zwischen den Tracks hört man, dass sie vor Publikum eingespielt wurden. Auf ihren Gigs sorgt die Vielzahl der eingesetzten Instrumente sicherlich für Abwechslung. Bei dem Longplayer stellen sich, obwohl sich einige der Songs abheben, auf Dauer leichte Ermüdungserscheinungen bei mir ein. Dies mag daran liegen, dass ich kein eingefleischter Bluegrass-Fan bin.

Wer Freude an dieser Richtung handgemachter Musik hat und die Klangvariationen der unterschiedlichen Saiteninstrumente entdecken möchte, sollte schauen, dass er die CD in die Finger bekommt oder ein Konzert des Duos besuchen.

Greywood Records/Timezone Distribution (2018)
Stil: Bluegrass/Alternative Country

01. Armand
02. 29 Loads of Freight
03. Craft Beards & Man Buns
04. Junior
05. Bottleneck To Wire
06. I Don’t Have A Gun
07. No Integrity Man
08. Willie’s Diamond Joe
09. Lost
10. Sideman Blues
11. Holy Moly
12. Wasted Moments

Gordie Tentrees & Jaxon Haldane
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Greywood Records

Sue Foley – The Ice Queen – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die produktive Blues-Musikerin Sue Foley brachte in 20 Jahren 15 Alben heraus. Ungewöhnlich lange – nämlich sechs Jahre – ließ sie sich für ihr neues Werk „The Ice Queen“ Zeit. Dies mag damit zusammen hängen, dass sie an einem schriftstellerischen Großprojekt über berühmte Gitarristinnen arbeitet. In ihrer Karriere stand die Kanadierin mit so unterschiedlichen Musikern wie Solomon Burke, BB King, Van Morrison, Tom Petty, George Thorogood, Lucinda Williams und Johnny Winter auf der Bühne oder im Studio. Für ihren aktuellen Longplayer konnte Foley ebenfalls illustre Gäste gewinnen: Charlie Sexton, Jimmie Vaughan und Billy F. Gibbons.

Charlie Sexton, der Bob Dylan als Bandmitglied begleitet und die Arc Angels mitbegründete, unterstützt Sue Foley auf zwei Titeln. Bei dem Opener „Come To Me“ steuert Sexton leichte Slide-Passagen ein und wertet mit seinem Gesang den Chorus des Midtempo-Tracks auf. Die Stimmen von Sexton und Foley erzeugen einen prima Flow. Auch bei „81“ ist Sexton beteiligt. Sein Harmoniegesang fällt hier allerdings dezent aus. Der Titel glänzt durch die Gitarrenarbeit in Kombination mit der Orgel von Mike Flanigin. Foleys Gesang transportiert zudem ein kraftvolles Blues-Feeling, sodass der Song zu meine Favoriten unter den langsameren Stücken avanciert.

Die herausragende Nummer der Scheibe ist jedoch „The Lucky Ones“, die zu Recht als Single vorab ausgekoppelt wurde. Der Rhythmus erinnert an „The Wanderer“ von Dion. Sue Foley und Jimmy Vaughan singen entspannt einen dialogisch angelegten Text. Die gemeinsamen Textpassagen sind angenehm harmonisch und versetzen in die Blütezeit des Rock ’n Roll der 50er oder frühen 60er zurück. Im gleichen Stil und Tempo ist der einzige nicht von Foley geschriebene Titel „Send Me To The ‚Lectric Chair“ gehalten.

Staubtrocken und gelassen klingt die unverkennbare Stimme von Billy Gibbons auf „Fools Gold“. Sie steht in einem schönen Kontrast zu Foleys klarem Gesang. Ein Orgel- und ein längeres Gitarrensolo setzen sich vor den gleichmäßigen Midtempo-Rhythmus, sodass keine Monotonie aufkommt.

Foley ist nicht auf die Prominenz angewiesen. Die Zusammenarbeit mit den Gästen zahlt sich allerdings bei den Songs aus und bereichert die äußerst abwechslungsreiche CD. Foley gibt Einblicke in unterschiedliche Facetten ihres künstlerischen Schaffens als Gitarristin und Sängerin. Diese reichen von der knackigen Uptempo-Nummer „Run“ über verschiedene Interpretationen des Blues bis zum Folk.

Auf den Stücken „The Ice Queen“ und „Death Of A Dream“ wird Foley lediglich von Upright Bass und Schlagzeug begleitet. Bei dem Titelstück zelebriert sie mit ausgedehnten Gitarrensoli den Blues. Auf dem anderen Song zupft sie die Saiten sanft und der Besen wischt dezent über die Drums. Vor dem inneren Auge erscheint eine kleine Bar, in dem die Musik den abendlichen Drink untermalt. Eher für die größeren Clubs sind „Gaslight“ und „If I Have Forsaken You“ aufgrund der umfangreichen Band geeignet.

Der Soul des ersten Titels mit Orgeltupfern und Saxophon-Einlage erinnert an The Commitments. Die zweite Nummer hat einen breiten Soundteppich, der vor allem durch die Orgel und die fünf Mitglieder der Texas Horns erzeugt wird. Foley gibt ihrer Stimme hier einen weichen Klang, der sehr gut zu der getragenen Grundstimmung passt. Am Ende des Longplayers finden sich zwei Solobeiträge von Foley. Bei „The Dance“ experimentiert sie mit Flamenco-Klängen. „Cannonball Blues“ überrascht als eingängiger Folksong.

„The Ice Queen“ bietet einen sorgfältig arrangierten Querschnitt durch die Spielarten des Blues. Vielleicht schwebte Foley eine Hommage an die Klassiker dieser Musikrichtung vor, denn viele Elemente klingen vertraut, ohne dass die Vorbilder lediglich kopiert werden. Eingefleischte Blues-Fans werden vermutlich ihre Freude am Entdecken der vielfältigen Bezüge haben. Für mich fällt das Album im letzten Viertel bei den reduziert instrumentalisierten Stücken etwas ab. Die anderen Songs und besonders die Duette mit den männlichen Gesangspartnern lohnen aber auf alle Fälle.

Dixiefrog Records/H’art (2018)
Stil: Blues (Rock)

01. Come To Me (feat. Charlie Sexton)
02. 81
03. Run
04. The Ice Queen
05. The Lucky Ones (feat. Jimmie Vaughan)
06. Gaslight
07. Fool’s Gold (feat. Billy F. Gibbons)
08. If I Have Forsaken You
09. Send Me To The ‚Lectric Chair
10. Death Of A Dream
11. The Dance
12. Cannonball Blues

Sue Foley
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H’ART Musik-Vertrieb GmbH

Shred Kelly – Archipelago – CD-Review

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Die Kanadier sind, zumindest aus meiner Sicht, ein ganz sympathisches Völkchen. Trotz seiner Größe und geopolitscher Bedeutung, bewegt sich das Land ganz im Gegensatz zu seinem herrschwütigen Nachbarn, immer recht angenehm und unauffällig durch die Weltgeschichte.

Gleiches gilt im Prinzip auch für dessen Musikvertreter, mit denen ich in meiner langen Zeit als Rockmusik-Rezensent, in Berührung gekommen bin: Bryan Adams und Shania Twain auf Superstar-Ebene, Layla Zoe und Terri Clark als vielleicht bekanntere Interpreten, Doc Walker, Melanie Dekker, Dry County, Driveway oder Deric Ruttan als Acts mit Geheimtipp-Nimbus und jetzt eben auch Shred Kelly.

In ihrer Heimat ist das Quintett aus Fernie, BC, bestehend aus Tim Newton (lead and backing vocals, banjo, cello banjo, guitar, ukulele), Sage McBride (lead and backing vocals, keys), Ty West (guitars), Jordan Vlasschaert (bass, acoustic guitar, harmonica) und Eddie Annett (drums), bereits ein aufstrebender, preis-dekorierter und gefeierter Live-Act, der dort auch größerer Hallen füllt.

Wir stießen auf sie, als uns Marcus Neu, einer der Verantwortlichen der Kantine und des Yard Clubs in Köln, am Rande des Thunder-Gigs auf die Band ansprach, die am 14.04.2018 im kleineren Teil der beiden, in einem Gebäude vereinten Kölner Location, neben anderen Terminen, wieder ihre Visitenkarte abgeben wird. Zu einer gut gefüllten ‚Hütte‘ könnte diesmal beitragen, dass sie als Support der Deutschland-Tournee von The Dead South, bereits vor kurzem Gelegenheit hatten, in eigener Sache Werbung zu machen.

Am Start haben die fünf Musiker in jedem Fall auch ihr neues, elf Tracks umfassendes Album „Archipelago“, das wir dann gerne schon mal unter die Lupe nehmen.

Allein schon die ersten vier Stücke inklusiv des Openers und zugleich Titelstücks machen deutlich, warum Folk-Rockmusik-Liebhaber, sich Tickets sichern sollten. Eine ungemeine Spielfreude und mitnehmende positive Energie schlägt einem da dynamisch entgegen, die sich im abwechselnden Leadgesang der beiden Protagonisten Newton (dazu mit imposantem, omnipräsenten Banjo- und Ukulele-Spiel)  und McBride (zusammen auch viele Harmoniegsänge), einer treibenden, manchmal fast punkigen Rhythmus-Fraktion (knöchernder Bass, viel Fußtrommelarbeit) sowie einigen E-Gitarren-Hooks und Keyboard-/Orgel-Ergänzungen, modifizieren lässt.

Dass sie es allerdings auch atmosphärisch können, beweisen Stücke wie die starken „Way Down“ oder mein persönlicher Favorit „Wasting Time (mit toller Orgel-Arbeit, erinnert mich ein wenig an die einst erfolgreiche Formation Texas um Sharleen Spiteri).  Lediglich das finale, ein-minütige „Houseboat“ (wer kennt sich schon mit Hausbooten aus?), entpuppt sich als relativ überflüssige Spielerei.

Fazit: Insgesamt eine ansteckende Scheibe, auch für Leute wie mich, die auf dem Folk Rock-Parkett eigentlich nicht so zuhause sind. Aus meiner Sicht würde ich das Ganze in etwa als ‚U2 and The Hooters meet Lady Antebellum, Bering Strait and The Wilkinsons‘(auch übrigens Kanadier) großzügig kategorisieren. Macht Spaß! Dann sag ich einfach mal: „Bis Mitte April in der Domstadt, Shred Kelly“.

DevilDuck Records (2018)
Stil: Folk Rock

01. Archipelago
02. Don’t Ever Look Back
03. Jupiter (Any Other Way)
04. Stay Gold
05. Way Down
06. Die Trying
07. Didn’t Know
08. Weigthless
09. Nova
10. Wasting Time
11. Houseboat

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Starkult Promotion

Lindsay Ell – The Project – CD-Review

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Kanadische Damen erobern ja in letzter Zeit unser Magazin. Neben Sass Jordan und Shania Twain hatte auch die aus Calgary, Alberta stammende Lindsay Ell beim Konzert im Kölner Blue Shell ihre bunte Visitenkarte neulich bereits abgegeben.

Nun wollen wir uns auch noch mit ihrem aktuellen Silberling „The Project“ beschäftigen, den sie jetzt beim Broken Bow-Unterlabel Stoney Creek Records unter der Produktionsregie von Kristian Bush (Sugarland) eingespielt hat.

Lindsay hatte schon im zarten Alter von sechs Jahren angefangen, das Piano zu lernen, und sich zwei Jahre später über die Gitarrensammlung ihres Vaters hergemacht. Entdeckt wurde die heute gerade mal 28-jährige mit Fünfzehn von Randy Bachman (Bachman Turner Overdrive) und hat seitdem neben zwei Independant-CDs und einer EP auch reichhaltige Tourerfahrung mit namhaften Leuten wie Buddy Guy, Keith Urban, Luke Bryan, Big & Rich, Gretchen Wilson, Ronnie Dunn, Paul Brandt, Chris Isaak, Brad Paisley, Jennifer Nettles, oder The Band Perry sammeln können.

Auch wenn die Künstlerin unter der Sparte New Country vermarktet wird, ist „The Project“ doch eigentlich eher ein reines Poprock-Album geworden. Der Nashville-Bezug wird lediglich durch das involvierte hochwertige Umfeld (Studio, Produzent, Musiker und Co-Songwriter) gewahrt.

Das ist aber relativ egal, denn die Scheibe macht von vorne bis hinten Spaß und verbreitet dementsprechend einfach auch gute Laune. Miss Ell hat ein talentiertes ‚Händchen‘ für eingehendes Songwriting. Vor allem die Refrains bohren sich quasi schon mit dem ersten Hördurchgang ins Gedächtnis. Ihre ausdrucksstarke Stimme, die tolle Instrumentierung durch sie und ihre Mitmusiker (Brandon Bush, Kristian Bush Andrew DeRoberts, David Labruyere, Travis McNabb, Kevin Spencer und Ben Williams), sowie der durch Kristian Bush sehr schön eigefangene transparente und glasklare Sound, trugen das Übrige zum Gelingen bei.

So könnten Tracks wie der Opener “Waiting On You“, das prickelnde „Champagne“, in dem sich die Protagonistin – ob Segen oder Fluch sei mal dahingestellt –  ein wenig wie Actrice Jessica Biel fühlen darf, das sommerlich fröhliche „Good“, das farbenfrische, tanzbare „Mint“ (herrlich gluckerndes E-Piano), das kräftige freche „Just Another Girl“ (Ähnlichkeit mit HER) und das flapsige „Always Kiss The Girl“, problemlos von jeder Radiostation aufgegriffen werden.

Die Kanadierin versteht es aber auch meisterhaft Atmosphäre zu erzeugen und E-Gitarre zu spielen. Das ebenfalls textlich beeindruckende „Castle“ (über die menschliche Gier nach immer Mehr), „White Noise“ (dezentes Little Big Town-Flair), „Criminal“ (mit zwei starken E-Gitarren-Soli), „Space“ (schön bluesige E-Fills) oder das melancholische „Worth The Wait“ zum Abschluss, sind hier als Paradebeispiele anzuführen.

Der rockigste Track des Werkes ist ohne Zweifel das shufflige „Wildfire“ wo Lindsay in Chrissie Hynde-Manier, ein wenig Pretenders-Flair versprüht. Großartig hier der E-gitarrenlastige Instrumental-Ausklang, bei der sie ihr im Blues Rock präferiertes Spiel etwas intensiver ausleben darf.

Projekte gibt es ja in der heutigen Zeit, am laufenden Band, hier und überall, vor allem viele, die zu Lasten der steuerzahlenden Menschheit mit schwindelerregenden Kosten verbunden sind und dabei zum Teil auch noch in den Sand gesetzt werden. Die ist alles bei Lindsay Ells neuer CD nicht der Fall.

„The Project“ ist endlich mal ein Projekt, das Sinn macht, gelungen umgesetzt wurde und somit einen musikalisch spaßigen Mehrwert garantiert. Ein reichbebildertes Booklet mit allen Texten und Infos sowie ein farbenfrohes Cover mit einer hübsch in Szene gesetzten Protagonistin mit inbegriffen. Demnach uneingeschränkte Kaufempfehlung!

Stoney Creek Records (2017)
Stil: New Country

01. Waiting On You
02. Champagne
03. Castle
04. Good
05. Wildfire
06. Mint
07. White Noise
08. Criminal
09. Just Another Girl
10. Space
11. Always Kiss The Girl
12. Worth The Wait

Lindsay Ell
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Sass Jordan – Racine Revisited – CD-Review

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Review: Michael Segets

Als mir Daniel einen Review zu der Wiederveröffentlichung von Sass Jordans „Racine“ mit den Worten anbot: „Das könnte genau dein Ding sein!“, war ich zunächst skeptisch. Ein 25 Jahre altes Album von einer Künstlerin, deren Name mir völlig unbekannt war, soll meine bevorzugte Musik, also Rock mit Ecken und Kanten, der dennoch melodisch bleibt, über gute Refrains verfügt und ausdrucksstark gesungen wird, bieten? Genau das tut jedoch Sass Jordans Scheibe „Racine Revisited“.

Die Kanadierin ist jenseits des Atlantik kein unbeschriebenes Blatt. Nach ihrem Debütalbum „Tell Somebody“ aus dem Jahr 1988 feierte sie in den 1990ern einige Erfolge. Vor allem „Racine“ sticht dabei heraus. Das Album stieg in den USA bis auf den zweiten Platz der Billboard Charts. Sass Jordan tourte mit Aerosmith und der Jeff Healey Band, steuerte mit Joe Cocker einen Song zum Soundtrack von „Bodyguard“ bei und schrieb Songs für Mariah Carey. Bislang veröffentlichte sie sieben Longplayer.

Bereits bei dem Auftakt „Make You A Believer“ wird deutlich, dass Sass Jordans gewaltige Stimme den Vergleich mit anderen weiblichen Rockgrößen nicht zu scheuen braucht. Hier werden Assoziationen zu Janis Joplin wach, während sich beim folgenden „If You’re Gonna Love Me“ welche zu Melissa Etheridge aufdrängen.

Nach dem fetzigen Einstieg überzeugt Sass Jordan auch bei dem langsameren Stück „You Don’t Have To Remind Me“ mit ihrer kraftvollen Stimme, die vor allem im Refrain eine hohe Intensität entwickelt. „Who Do You Think You Are“ rockt locker mit einem eingängigen Refrain drauflos. Diesen weist auch das Midtempo-Stück “Windin´ Me Up” auf. Dereck Sharp und Chris Caddell setzen bei dem Song – wie auch bei mehreren anderen – mit ihrer Gitarrenarbeit gelungene Akzente. Rudy Sarzo am Bass und Brent Fitz am Schlagzeug vervollständigen die Band, mit der Sass Jordan das Album jetzt neu einspielte.

Bei „I Want To Believe“ gönnt Sass Jordan der Band eine Verschnaufpause. Ihr gefühlvoller Gesang und das filigrane Gitarrenspiel prägen die akustisch gehaltene Ballade. Mit „Cry Baby“ findet sich eine weitere Rockballade auf der CD, bei der aber, anders als bei der vorherigen, eine kreischende E-Gitarre zum Einsatz kommt und dabei einen Spannungsbogen rund um den herausgeschrienen Refrain aufbaut.

„Goin‘ Back Again“, „Do What Ya Want“, bei dem sich auch Southern-Elemente finden, und „Where There’s A Will“ sind tolle Nummern, die alles haben, was meiner Ansicht nach gute Rocksongs ausmacht. Im letzten Stück „Time Flies“ wird das Tempo noch weiter erhöht und steuert nach einem kurzen Break auf ein fulminantes Finale zu.

Gelungene Rockmusik ist zeitlos, wie „Racine“ schon immer bewies. Die modifizierte Wiederveröffentlichung dieses hierzulande weniger bekannten Werks als Update ist daher eine gute Idee. Das „Revisited“ im Titel bezieht sich somit auf eine doch recht nah am Original gehaltene Neueinspielung mit von Sass dafür eigens dafür auserwählten Musikern.

Diejenigen, die Sass Jordan früher als ich entdeckt und bereits „Racine“ im Regal haben, werden damit zu tun haben, die Unterschiede herauszuarbeiten, allen anderen sei dieses Album – in welcher Fassung auch immer – eh ans Herz gelegt.

True North Records (2017)
Stil: Rock

01. Make You A Believer
02. If You’re Gonna Love Me
03. You Don’t Have To Remind Me
04. Who Do You Think You Are
05. Windin‘ Me Up
06. I Want To Believe
07. Goin‘ Back Again
08. Do What You Want
09. Cry Baby
10. Where There’s a Will
11. Time Flies

Sass Jordan
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