Bywater Call – 17.01.2020, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Vor knapp einem Jahr standen Samantha Martin & Delta Sugar auf der Rampe und lieferten einen bemerkenswerten Auftritt ab. Bywater Call hat dieselben Wurzeln: Beide Bands stammen aus Toronto, sind bei Gypsy Soul Records unter Vertrag und mit Teenage Head Music unterwegs. Musikalisch sind die Formationen mit ihrer Kombination von Blues, Rock und Soul ebenfalls auf einer Wellenlänge. Gemeinsam ist ihnen zudem, dass die Frontfrauen über grandiose Stimmen verfügen. Das gelungene Debütalbum von Bywater Call schürte zusätzlich die Erwartungen an das Konzert.

Pünktlich um 21 Uhr gingen die Scheinwerfer für Bywater Call an, was insofern bemerkenswert ist, da die Kulturrampe dank einer erfolgreichen Spendenaktion nun über eine neue Lichtanlage verfügt. Sämtliche Technik funktionierte einwandfrei, wobei die Aussteuerung des Sounds bei dem Gedränge des Septetts auf der Bühne sicherlich keine leichte Aufgabe war. Die Stimme von Meghan Parnell kam voll zur Geltung – nach Einschätzung mancher Konzertbesucher noch besser als auf der CD.

Das Publikum in der ausverkauften Location geriet unmittelbar in Schwingungen, als die Band mit „Arizona“ loslegte. Nach dem staubigen Bottle-Neck-Intro von Dave Barnes stieg die zierliche Frontfrau mit dem gewaltigen Organ auf die Bühne und nahm die Zuhörerschaft auf eine abwechslungsreiche Reise durch ihre musikalische Welt mit.

Auf der Bühne erwies sich Meghan Parnell als wahres Energiebündel, das ständig unterwegs war und Mitstreiter sowie Publikum fest im Griff hatte. Von der Bühnenpräsenz standen die anderen Musiker im Schatten der Sängerin, bekamen aber alle die Gelegenheit, ihr Können an ihren Instrumenten bei den immer wieder eingestreuten Soli zu beweisen. Den Anfang machten bei „This One’s On“ Alan Zemaitis an den Keys und Dave Barnes an der Gitarre.

Nach der Mischung aus Honky Tonk und Gospel bei „Gone At Last“ begann das bluesige „If You Want“ mit dem Saxophon von Julian Nalli und gipfelte dann in einer Schlagzeugeinlage von Bruce McCarthy. Der andere Bläser – Stephen Dyte an der Trompete – erhielt dann sein erstes Solo zum Einstieg in „Walk On By“. Der als erste Single ausgewählte Song stellte zusammen mit dem rockigen „Forgive“ den ersten Höhepunkt des Konzerts dar.

Im weiteren Verlauf des Abends coverten Bywater Call von The Band „Ophelia“ und „The Weight“ – mit ausgiebigen Bassläufen Mike Meusels eingeleitet – sowie „In The Right Place“ von Dr. John. Bei diesem hatten die beiden Bläser ein längeres Call And Response Intermezzo, das wie die Soli euphorisch von der Menge bejubelt wurde. Andere Stellen des Auftritts erinnerten an die Tedeschi Trucks Band oder The Commitments.

Neben den Covern stellten die Kanadier ein paar neue Titel vor. Bei „Sea We Swim“ spielte Meghan Parnell ihre Stimme erneut voll aus. Vor allem aber „I Remain“ ist ein Stück, auf dessen Veröffentlichung ich mich jetzt schon freue. Als langsamer Blues beginnend entwickelte das Stück eine ungeheuerliche Dynamik und steigerte sich zu einem bombastischen Finale.

Toll war auch „Silver Lining“ von dem aktuellen Longplayer. Von diesem performte die Band ebenso „Bring Me Down“ sowie eine rockigere Version – einschließlich Wechselgesang mit dem Publikum – von „Over And Over“, die mich mehr überzeugte als die Studioversion. Da eine Saite von Dave Barnes Gitarre riss, spielte er „Talking Backwards“ auf den verbliebenen fünf. Das tat dem klasse Rocktitel aber keinen Abbruch.

Mit diesem aufputschenden Ende des neunzigminütigen Hauptsets wollte sich das Publikum verständlicherweise nicht zufrieden geben. Die Band ließ sich auch nicht lange bitten und kam für die Zugabe schnell wieder auf die Bühne. Zuschauerrufe forderten „Hometown“, das eigentlich zu einem früheren Zeitpunkt auf der Setlist vorgesehen war. Die Ballade avancierte anscheinend nicht nur zu meinem Lieblingsstück des aktuellen Albums.

Der einzige Wehmutstropfen des Abends war, dass die Rufe nicht erhört wurden. Aber an dieser Stelle wäre der getragene Titel auch nicht passend gewesen. Das Konzert bot eine ausgewogene Mischung von langsameren und schnelleren Songs, bei der Bywater Call ein sehr gutes Gespür für die Dramaturgie bewies. So gab es abschließend das ebenfalls starke „Swing Low“ und das flotte, unveröffentlichte „Way I Am“, bei dem die Gäste nochmals eine ausgiebige Gelegenheit hatten, einen Gesangspart zu übernehmen.

Am Merchandise-Stand bildete sich eine Schlange von Autogrammjägern, die neben den frischen Eindrücken noch eine Trophäe mit nach Hause nehmen wollten. Die sieben Kanadier standen dann auch noch lange für Gespräche bereit und ließen so einen musikalisch hochkarätigen Freitagabend ausklingen.

Einen Vergleich mit dem letztjährigen Auftritt von Samantha Martin & Delta Sugar braucht Bywater Call nicht zu scheuen. Die hohen Erwartungen erfüllten die charismatische Meghan Parnell und ihre versierte Begleitung mühelos. Stellte sich im Vorfeld noch die Frage, ob die Band die Qualität ihrer Songs auf der Bühne umsetzen kann, lässt sich nun konstatieren, dass Bywater Call als Live-Act in der Lage ist, diesbezüglich noch eine Schippe drauf zu legen. Dieser Auftakt des Konzertjahres 2020 für SoS in der Kulturrampe legt die Messlatte hoch für die kommenden Gigs.

Line-up:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar,bgv)
Alan Zemaitis (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Flying Joes – Invincible – CD-Review

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Review: Michael Segets

Mit „A War On Everything“ von The Glorious Sons wurde kürzlich das aktuelle Album einer aufstrebende Band aus Kanada vorgestellt. Diese zeigt, dass es sich durchaus lohnen kann, den Blick in die nördliche Hemisphäre schweifen zu lassen. Nun schwappt mit Flying Joes ein weiterer Import in Sachen Rock über den Atlantik.

„Invincible“ ist der zweite Longplayer der Flying Joes, den das Trio aus Montreal auf den Markt bringt. Nach ihrem Debüt „Let It Out“, für das sie den Produzenten Glen Robinson (AC/DC, Keith Richard, B.B. King) gewinnen konnten, ließen sich Sänger und Bassist Syd Bedard, Gitarrist JF Arsenault und Schlagzeuger Yves Côté fünf Jahre für den Nachfolger Zeit.

Flying Joes orientieren sich am Classic Rock der siebziger Jahre und führen Bands wie Led Zeppelin und Rival Sons als Referenzpunkte an. Dementsprechend steigt „Beat The Devil Out Out Of Me“ mit wimmernder Gitarre kräftig ein. Der Beginn der Scheibe mit den folgenden „Mean Little Mama“ und „Lay Me Down“ lässt keinen Zweifel daran, welche musikalische Richtung die Jungs favorisieren.

Die Songs bleiben jedoch melodisch und erzeugen ihre Power durch die Konzentration auf heavy Gitarrenriffs in Verbindung mit einem kraftvollen Rhythmus sowie durch den Hardrock-typischen Shouter-Gesang. Dabei überlädt die Band die Stücke nicht mit unnötigem Bombast.

In die gleiche Kerbe schlägt „Black Stone“. Das trocken stampfende Schlagzeug von Côté treibt den Song mächtig an. Der harmonische Refrain weckt Erinnerungen an Bon Jovi, wobei die experimentellere Zwischenpassage vielleicht verzichtbar gewesen wäre. Mit dem Titeltrack „Invincible“, bei dem Bedard mit dem Background in einen Call-And-Response-Modus wechselt, sowie „Valley Of Fallen“ – mit tollem Gitarrensolo von Arsenault – bleiben die Flying Joes ihrem Lieblingsgenre treu.

Im Verlauf der Scheibe zelebrieren die Kanadier bei „High Society“ den Hardrock in Reinform und streuen darüber hinaus das balladeske „Give It Back“ ein.

Liegt der Schwerpunkt des Albums auch auf dem Hardrock, so überschreiten die Flying Joes diesen jedoch und überraschen bei einigen Titeln mit einer größeren stilistischen Bandbreite. „Try“ geht als Southern durch, „Homeland“ als Stoner Rock.

Auf dem Abschlusstrack „Scavengers Over Me” wird die akustische Gitarre ausgepackt. Das Stück könnte sich auf einer Platte der Rolling Stones finden. Mit der Slide-Untermalung würde sich die Ballade auch auf einem Country-Rock-Album gut machen. Zuvor zeigt „Down By The Pirogue”, dass die Band eine gewisse Affinität zum Country hat und auch das instrumentale Intermezzo „À L’Aube“ versetzt atmosphärisch in eine staubige Wüstenlandschaft.

Die Flying Joes bevorzugen auf „Invincible“ eine härtere Gangart des Rock und spielen ihn mit dem nötigen Drive. Letztlich stärker erscheinen aber die Songs, in denen die Kanadier ihr Repertoire in Richtung Southern, Stoner oder sogar Country-Rock erweitern. Die zukünftige Entwicklung der Band zu verfolgen, ist daher kein schlechtes Vorhaben.

Comanche (2019)
Stil: Hard Rock & More

Tracks:
01. Beat The Devil Out Out Of Me
02. Mean Little Mama
03. Lay Me Down
04. Black Stone
05. Try
06. Homeland
07. High Society
08. Invincible
09. Give It Back
10. Down By The Pirogue
11. Valley Of Fallen
12. À L’Aube
13. Scavengers Over Me

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The Dead South – Sugar & Joy – CD-Review

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Review: Michael Segets

„Es kommt nicht darauf an, was du spielst, sondern wie du spielst!” ist das Motto von The Dead South. Die Band macht Bluegrass mit einem Rock-Habitus. Von der akustischen Instrumentalisierung sind The Dead South tief in der amerikanischen Volksmusik verwurzelt. Allerdings schlagen einige Songs auf „Sugar & Joy“ eine experimentelle Richtung ein, andere könnten sich auch auf einem Country-Rockalbum finden.

Neben Gitarren wird Sänger Nate Hilts Banjo (Colton Crawford) und Mandoline (Scott Pringle) begleitet. Typisch für den Bluegrass ist, dass kein Schlagzeug eingesetzt wird. Ungewöhnlich ist das Cello von Danny Kenyon, das den Kontrabass beziehungsweise die Geige ersetzt.

Gerahmt wird das Album von den beiden kurzen instrumentalen Miniaturen „Act Of Approach“ und „Distance Oneself“. Mit diesen wie mit den ebenfalls Banjo-getriebenen „Blue Trash” und „Heaven In A Wheelbarrow“ oder dem mit dominanter Mandolinen-Begleitung performten „Snake Man, Pt. 2“ bewegen sich die Kanadier aus Regina, Saskatchewan, in bekannten Gefilden des Bluesgrass‘ – allesamt gut gesungene und souverän gespielte Genrebeiträge. Dabei geht es durchaus flott zur Sache.

Mit „Crawdaddy Served Cold“ findet sich zudem eine schnellere Country-Nummer, die von einer akustischen Gitarre getrieben wird, auf der Scheibe. Die Texte sind oftmals mit einem bitteren Humor gewürzt, wie bei „Fat Little Killer Boy“. Der Titel des Albums geht auf eine Textzeile aus dem Song zurück, der sich um einen Kerl dreht, der in mehrerlei Hinsicht Probleme mit der Selbststeuerung hat.

Das instrumentale „Snake Man, Pt. 1“ sowie „Alabama People“ schlagen experimentelle Töne an. Das letztgenannte Stück wiederholt ständig einen marginal veränderten Vers vor dem Hintergrund eines Dreivierteltackes. Der Titel wurde auf Facebook veröffentlicht und wird anscheinend die zweite Single. Er wäre nicht meine Wahl gewesen.

Besser gefallen mir die langsameren Tracks, auf denen der Bluegrass-Instrumentalsierung nicht so vordergründig ist. Das epische, in Storyteller-Manier vorgetragene „Broken Cowboy“ und das mit eingängigen Refrain versehene „Spaghetti“ stellen hervorragende Country-Balladen dar. Weitere Highlights sind die erste Auskopplung „Diamond Ring“, dessen Video den speziellen Humor der Band visualisiert, und „Black Lung“, das durch die rhythmischen Chop-Schläge das Fehlen eines Schlagzeugs vergessen lässt. Der Song wäre mein Tipp für die zweite Single.

Neben ihrem Erfolg mit dem vorangegangenen Werk „Illusion And Doubt“ (2016), für das The Dead South eine JUNO-Award erhielt, hat die Band sich mit ihren Live-Shows einen beachtlichen Ruf erworben. Ich kenne keine andere Bluegrass-Band, die in Deutschland mittelgroße Hallen buchen könnte. Im Frühjahr spielt das Quartett einige Konzerte hier – unter anderem im Kölner E-Werk und im Frankfurter Batschkapp.

Also: Wenn Bluegrass, dann The Dead South! Nate Hilts und seine Begleiter geben der leicht angestaubten Musikrichtung ein modernes Gewand. Obwohl die stilprägende Instrumentalisierung konsequent auf „Sugar & Joy“ beibehalten wird, wirken einige Songs wunderbar (country-)rockig. Vor allem mit diesen Titeln und ihren bissigen Texten punkten die Kanadier.

DevilDuck Records/Six Shooter Records (2019)
Stil: Bluegrass

Tracks:
01. Act Of Approach
02. Diamond Ring
03. Blue Trash
04. Black Lung
05. Fat Little Killer Boy
06. Broken Cowboy
07. Snake Man, Pt. 1
08. Snake Man, Pt. 2
09. Heaven In A Wheelbarrow
10. Crawdaddy Served Cold
11. Alabama People
12. Spaghetti
13. Distance Oneself

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DevilDuck Records
Six Shooter Records
Oktober Promotion

The Glorious Sons – A War On Everything – CD-Review

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Review: Michael Segets

Hierzulande wohl noch weitgehend unbekannt sind The Glorious Sons in ihrer Heimat Kanada schon eine Hausnummer. Neun Singles konnte die Band seit 2014 in Spitzenpositionen der kanadischen Rock-Radio-Charts platzieren. Vor allem „S.O.S. (Sawed Off Shotgun)“ von ihrem Vorgängeralbum „Young Beauties And Fools“ (2017) war auch in den USA erfolgreich. Für den Longplayer heimsten The Glorious Sons einen JUNO-Award als bestes Rockalbum des Jahres ein.

Mit „A War On Everything“ treten die Jungs aus Ontario nun an, ihre Erfolgsgeschichte fortzuführen. Die erste Single „Panic Attack“ erreichte bereits die Poleposition im kanadischen Radio. Die Musikliebhaber aus dem Norden beweisen damit einen sehr guten Geschmack.

The Glorious Sons halten die Fahne des klassischen Gitarrenrocks hoch. Dabei versprühen die Titel eine rebellische Attitüde, die einer jungen Rockband angemessen ist. Von daher erinnern mich The Glorious Sons stellenweise an die Anfangszeit von Green Day. Obwohl The Glorious Sons gelegentlich eine härtere Gangart einlegen, bleiben alle Songs melodiös.

Neben Frontmann Brett Emmons greifen Jay Emmons und Chris Koster in die Saiten. Die Rhythmusarbeit erledigen Adam Paquett (Schlagzeug) und Chris Huot (Bass). Zusammen erzeugt das Quintett bei einigen Songs einen enormen Druck, so beim hervorragenden „One More Summer“ oder beim mit scheppernden Gitarrenriffs versehene „Wild Eyes“.

Sehr gelungen sind auch die stadiontaugliche Hymne „Kingdom In My Heart“ und „Kick Them Wicked Things“. Die Keys von Brett Emmons und der Refrain mit hohem Wiedererkennungswert fallen hier besonders auf. Das Stück besitzt ebenso wie „The Ongoing Speculation Into The Death Of Rock And Roll” Anleihen beim Britrock.

Neben den Songs, die sich durch ihre markanten Ecken und Kanten abheben, finden sich auf dem Longplayer mit „I’m On Your Side“, „Closer To The Sky“ sowie „Spirit To Break“ ebenso Tracks, die eingängig dem Rockmainstream folgen. „Lean On Me Love“ fällt tendenziell auch in diese Kategorie, hat aber eine interessante, fast gesprochene Bridge – zudem singt Brett Emmons den Titel ziemlich cool.

Das Songwriting orientiert sich am klassischen Gitarrenrock, wobei auf längere Soli verzichtet wird. Die Titel weisen eine klare und dennoch oftmals abwechslungsreiche Struktur auf, so wechseln sich beispielsweise bei „A Funny Thing Happend” krachende Passagen mit betont harmonischen ab.

Gleiches gilt für „Pink Motel“, das The Glorious Sons als zweite Single ausgewählt haben. Die sanft beginnende Ballade steigert sich zu einem fulminanten Höhepunkt, bei dem sich der Sänger seine Gefühle herausschreit. Desweiteren sind mit „A War On Everything“ und dem akustisch gehaltenen „The Laws Of Love And War” noch zwei langsamere Tracks vertreten, die für Rockalben ja quasi obligatorisch sind.

Die Kanadier verordnen dem Rock eine erfrischende Verjüngungskur. Mit „A War On Everything“ beweisen The Glorious Sons, dass der gitarrenorientierte Rock noch nicht tot ist und auch bei der nachwachsenden Generation von Musikern noch seinen Platz hat. Verdient hätte die Band mit ihrem neuen Album, dass sie über die Grenzen ihres Heimatlandes hinaus gehört wird. Eine Möglichkeit dazu bietet sich im November, wenn The Glorious Sons live in Deutschland unterwegs sind.

Black Box Music (2019)
Stil: Rock

Tracks:
01. Panic Attack
02. A War On Everything
03. Spirit To Break
04. Closer To The Sky
05. Wild Eyes
06. A Funny Thing Happend
07. The Laws Of Love And War
08. One More Summer
09. The Ongoing Speculation Into The Death Of Rock And Roll
10. Kick Them Wicked Things
11. I’m On Your Side
12. Kingdom In My Heart
13. Lean On Me Love
14. Pink Motel

The Glorious Sons
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Oktober Promotion

Arsen Shomakhov – Rain City Blues – CD-Review

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Ein russischer Gitarrist und Songwriter in Kanada, der Blues Rock-Musik macht. Ein echter Geheimtipp? Vielleicht ein zweiter kommender Ilya Toshinsky? Fragen, die mir beim Einlegen der neuen CD von Arsen Shomakhov durch den Kopf schossen.

Mit „Rain City Blues“ bringt er sein bereits viertes Album unter komplett eigener Fahne heraus, vom Titel her eine schöne Metapher, sowohl für die klimatischen Bedingungen, die seinem derzeitigen Wohnort Vancouver nachgesagt werden, als auch über seine musikalischen Präferenzen.

Shomakhov bietet keinen Blues Rock von der Stange, mit dem man die große Masse erreichen kann. Seine ausnahmslos selbst (zum Teil zusammen mit Darrell Mayes) kreierten Stücke, kommen mit einem gewissen (swingenden) Retro-Charme daher, allerdings auch in Verbindung mit experimentierfreudigen, jamartigen Kurzeinlagen oder verschachtelten Stimmungs- und Rhythmuswechseln, die seiner Musik letztendlich einen eigenen Stempel aufsetzen.

Während der shufflige Opener „Full Time Lover“ noch im Zeichen des Gastharpers Aki Kumar steht, setzen sein quirliges E-Gitarrenspiel sowie die Hammond- und Pianoklänge des Produzenten und Multiinstrumentalisten Kid Andersen im weiteren Verlauf die Hauptakzente.

Die gitarrentechnische Versiertheit und Experimentierfreudigkeit Shomakhovs kommt vor allem in den drei Instrumentalstücken „Strolling In San Jose“, „Three Arrows“ und „Hello, Little Bird“ zum Ausdruck.

Als meine Favoriten des Albums entpuppen sich das fröhlich groovende „Sunset Beach“ und das mit einem dezentem Southern Blues-Touch (ZZ Top/Allman Brothers) versehene Titelstück „Rain City Blues“ (irgendwo in der Nähe von „Dust My Broom“ und „Statesboro Blues“).

Der Rest ist eher was für Traditionalisten, deren Neugier aufgrund der oben beschriebenen Attitüden geweckt wird. Aus meiner Sicht, könnte vor allem der recht unscheinbar wirkende Gesang von Arsen Shomakhov, etwas mehr Gift vertragen, wenn man als Solokünstler in diesem hart umkämpften Genre herausstechen möchte…

Eigenproduktion (2019)
Stil: Blues (Rock)

Tracklist:
01. Full Time Lover
02. No More!
03. Sunset Beach
04. Women And Whiskey
05. Strolling In San Jose
06. Rain City Blues
07. Boogaloo
08. Three Arrows
09. Sitting On a Fence
10. Hello, Little Bird

Arsen Shomakhov
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Sass Jordan – Support: Chris Caddell And The Wreckage – 09.05.2019, Arnheim, Luxor Live – Konzertbericht

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Gut eineinhalb Jahre, nachdem wir die wundervolle Location Luxor Live in Arnheim bezüglich eines Sass Jordan-Gigs für uns entdeckt hatten, wollten wir uns, nach nun bereits einigen zwischenzeitlichen Besuchen, ihre Rückkehr im Rahmen eines Europa-Kurztripps, natürlich nicht entgehen lassen. Immerhin hatte ich das damalige Konzert im Rückblick 2017 zum Jahreshighlight auserkoren.

An diesem Abend im Luxor Live gab es wieder das gleiche ‚Package‘. Das Vorprogramm bestritt ihr hochtalentierter und wildgelockter Gitarrist Chris Caddell mit seiner Begleitband The Wreckage, samt Drummer Cassius Pereira (auch schon für kanadische Stars wie Jeff Healey und Johnny Reid tätig) und dem erfahrenen Bassisten Derrick Brady.

Chris stellte in einer halben Stunde mit Songs wie u. a. „From The Wreckage“, „My End“, „Workin'“ oder „Stop“, Sachen aus seinem eigenen Kreativfundus vor. Er scheint als Gitarrist immer stärker zu werden und offerierte bei einigen Tracks mit tollen Slideeinlagen und filigranen Soli auch eine gewisse Southern Rock-Kompatiblität.

Am Ende gab es mit „Fade To Black“ eine schöne bluesig-proggig-umwehte Dire Straits-Cover-Version, aus der Spätphase (1991 „On Every Street“) der einstigen Superband. Insgesamt eine megastarke Vorstellung des spielfreudigen Trios.

Nach einer weiteren haben Stunde Gelegenheit zum Regenerieren für Caddell, Brady und Pereira, kam dann die in komplett schwarz gekleidete kanadische Diva mit der langen blonden Mähne, samt dem besagten Trio auf die Bühne und wählte mit „If You’re Gonna Love Me“ direkt einen launigen Einstieg, bei dem ihre positive Energie verströmende und sofort einnehmende Art, bestens zur Geltung kam.

Da sie sich schon seit längerem eine kreative Pause, zumindest, was die Veröffentlichung von ganz neuen Songs angeht, gönnt, schien das Interesse, der ja ansonsten eigentlich immer musikverrückten Holländer, doch ein wenig abgeebbt zu sein. Es waren, trotz der starken Leistung 2017, viel weniger Zuschauer präsent, was sich am Ende auch ein wenig in der Stimmung niederlegte. Die war natürlich alles andere als schlecht, aber nicht so euphorisch wie beim letzten Mal.

Dabei hatte Sie sich neben den Klassikern „You Don’t Have To Remind Me“, „Mobile Again“, „High Road Easy“, „Feeling’s Gone“ und „Make You A Believer“, mit Stücken wie „I’m The One“, „Crazy Heart“, „Big BLue Plantation“, Winding Me Up“, I’m Not“, „Head“, „If I Was You“ und „Desire“,
durchaus Mühe gegeben, einiges an Variation zum letzten Arnheim-Auftritt zu bieten.

Die Tracks kamen mir diesmal in der Performance deutlich härter und mit mehr Wums vor, was natürlich zum großen Teil an der wieder furios aufspielenden Begleitband lag, wo besonders der wie entfesselt agierende Chris Caddell (z. B. sein Hammer-Solo bei „Feeling’s Gone“) seinen großen Anteil hatte. So wurde das Quartett um die bewegungsfreudige (viel tanzend und hüpfend), wieder wild mit ihren Armen gestikulierende, gesangsgewaltige (herrlich ihr Zwischenschrei bei „Feeling’s Gone“) und auch mimisch begeisternde Fronterin, naturgemäß nicht ohne Zugabe in den Feierabend gelassen.

Die wurde dann mit dem launig shuffelnden „So Hard“, wie schon beim letzten Stelldichein, recht rockig dargeboten. Die mit nur 70 Minuten auch etwas kurz geratene Spielzeit, verflog aufgrund des hohen Unterhaltungswertes naturgemäß wie im Flug. Da hätte man gerne, auch angesichts der Anreise, noch 3-4 Tracks mehr gehört. Am Ende nahm sich dann Chris Caddell zumindest noch die Zeit für unser obligatorisches VIP-Galerie-Bild.

Danke an Marijn de Valk und dem Luxor Live Team für die gewohnt gastfreundschaftliche Aufnahme und die Akkreditierung. Tot ziens bis zum nächsten Mal.

Line-up Chris Caddell And The Wreckage:
Chris Caddell (lead vocals, electric guitar)
Derrick Brady (bass, vocals)
Cassius Pereira (drums)

Line-up Sass Jordan:
Sass Jordan (lead vocals)
Chris Caddell (electric guitar, vocals)
Derrick Brady (bass, vocals)
Cassius Pereira (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Luxor Live, Arnheim

Samantha Martin & Delta Sugar, 22.02.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Nach knapp zwei Monaten Liebesentzug war es am 22.02.2019 endlich wieder soweit: Kulturrampen-Time! Dafür schien das Wiedersehen um so leidenschaftlicher zu werden, denn mit Samantha Martin & Delta Sugar hatte sich ein überaus heißer Blues-Soul-Rock-Act in großer Septett-Formation aus dem kanadischen Ontario im kleinen Krefelder Club angesagt.

Auch KR-Macher Markus Pille Peerlings musste dringend seine Akkus wieder aufladen und war aus einer länger-wöchigen Reha-Phase nun wieder für große musikalische Events und Taten einsatzbereit. Er feierte ebenfalls seine diesjährige Konzert-Premiere in seinem zweiten ‚Wohnzimmer‘.

21:15 Uhr schlängelte sich die Band um ihr anführendes Energiebündel Samantha Martin durch die proppenvolle Location, um mit Tracks wie dem satt groovenden Opener „Rocky“, dem CCR-angehauchten „All Night Long“ oder dem herrlichen Schwofer „Gonna Find It“ schwül-heiße New Orleans-Frenchquarter-Atmosphäre im Auditorium zu verbreiten.

Die kleine aber durchaus charismatische Fronterin überzeugte mit gewaltiger Energie und Emotionalität in ihrer Stimme und ansteckender Bühnenpräsenz, die von den beiden dunkelhäutigen Sängerinnen Sherie Marshall und Mwansa Mwansa (was für eine Erscheinung!), noch weitere vokale Vehemenz in Sachen Harmonien und Backgrounds erhielt.

Aber auch die beiden überragend agierenden Curtis Chaffey (mit akribisch genauem E-Gitarrenspiel) und Andrew Moljgun mit seinen Keyboard-Klimpereien sowie einigen furiosen Saxofoneinlagen, als auch die satt groovende Rhythmusfraktion, bestehend aus Ian MacEwan am Bass und ‚Babyface‘ Stephen Adu am Schlagzeug, hatten erheblichen Anteil daran, dass es in der Rampe wie in einem Hexenkessel brodelte.

Das Publikum tanzte, wippte und tobte schon im ersten Set, das mit dem swampigen Stomper „Don’t Shoot“, dem Stones-Cover „Happy“ sowie dem progressiv-umwobenen „My Crown“, weitere intensive Highlights bot.

Klar, dass der Umsatz an kühlen Gersten-Getränken nicht nur in der folgenden Pause florierte. „Feel Good“, der Opener des zweiten Abschnittes, stand quasi metaphorisch für den Rest der Show.  Die Stimmung und Begeisterung in der Rampe steigerte sich von Minute zu Minute, man blickte allseits in beglückte und euphorisierte Gesichter.

Mein persönlicher Favorit  des Abends, das countryeske Lucinda Williams-Stück „Fruits Of My Labor“ (sinnbildlich auch vielleicht auch als Belohnung für Pille Peerlings grandiose Arbeit zu sehen) sowie das furiose Cover-Trio mit „Hard To Handle , „Proud Mary“ (mit Duett-Einbindung unseres Facebook-Freundes ‚Mod Idul‘), und „The Letter“ in jeweils grandiosen Versionen brachten zum Abschluss die Grundmauern der Rampe regelrecht ins Wanken.

Jedem Besucher war am Ende klar, dass Manny Montanas Teenage Head Music mit Samantha Martin & Delta Sugar wieder mal ein absolutes Ass aus dem Ärmel gezogen hatte. Ein unvergesslicher Abend in Krefelds-Parade-Rock Club und zugleich schon ein früher Konzerthöhepunkt 2019!

Line-up:
Samantha Martin (lead vocals, acoustic guitar)
Curtis Chaffey (electric guitar)
Ian MacEwan (bass)
Stephen Adu (drums)
Andrew Moljgun (keys, saxophone)
Sherie Marshall (bgv)
Mwansa Mwansa (bgv, percussion)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

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Peddle Train – Natural Disaster – CD-Review

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Southern Rock aus Kanada? Hm, da muss ich mein Langzeitgedächtnis schon arg strapazieren. Nun gut, nach einer gewissen Überlegenszeit fallen mit da im weitesten Sinne Bands wie The Road Hammers, The Sheepdogs, die Raufbolde von Dry County oder der eigentliche New Country-Act Doc Walker ein, der sporadisch mal dezente Ausflüge in die Richtung unternimmt. Das war es aber auch schon.

Jetzt bin ich durch eine der zahlreichen Bemusterungs-E-Mails auf eine Band namens Peddle Train gestoßen, ein Konglomerat aus gestandenen Musikern aus dem Raume Vancouver, das jetzt sein Debüt „Natural Disaster“ auf den Markt geworfen hat.

Das Quintett bestehend aus Chris Gilburg (lead vocals/acoustic guitar), Michael Schau (lead/rhythm guitar /vocals), Jac Garret (bass/vocals), Rylan Wood (drums/percussion) und Dave Skinner (rhythm/lead guitar/vocals) hatte laut O-Ton ihres Leaders Chris Gillburg bei der Einspielung soviel Spaß, dass man mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit noch mal nachlegen wird. Als ihre Einflüsse benennt das Kollektiv Acts von Lynyrd Skynyrd bis Humble Pie.

Manchmal ist es schon wirklich merkwürdig, was Lautstärke ausmachen kann. Beim ersten Hören im Wohnzimmer an einem Sonntag hörte ich die Scheibe aus Rücksicht auf die Nachbarn sehr gemäßigt und empfand die Stimme Gillburgs, trotz durchaus spürbaren Engagements, als ziemlich unspektakulär, zeichnet die meisten Fronter des Genres doch immer ein gewisses Charisma in dieser Hinsicht aus.

Der zweite Durchlauf – dieses Mal mit Kopfhörer und entsprechender Dezibel-Dosis – führte dann zu einem völlig anderen Ergebnis! Gillburgs Stimme passte absolut zum klaren und abwechslungsreich gestalteten Sound des Fünfers.

Vom, die euphorisierende Wirkung eines vollen Tanks behandelnden Openers „Gasoline“ über die starken, mit allen Southern Rock-Wassern (Twins, weibliche BGVs) gewaschenen „Crawlin‘ und „We Drink From The Same Glas“, bis hin zu den abschließenden Tracks „Natural Disaster“ (mit klasse Slide) sowie dem mit dramatischer Note in Szene gesetzte „I Want To Save The Planet“ (na dann viel Glück beim Anrennen gegen die ganzen Arschlöcher auf diesem Erdball…) erhält man ein abwechslungsreiches, melodisches und kurzweiliges Album, das vollends zu überzeugen weiß.

Auch mit Peddle Train und ihrem keinesfalls desaströsen – sondern ganz im Gegenteil – hervorragenden Erstling „Natural Disaster“ bleibt also die gute Meinung, die ich bisher über kanadische Musik bekommen habe, aufrechterhalten. Und es war wieder mal eine schöne Ergänzung des Genre-Horizonts. Aber – wie beschrieben – bitte beachten: Play it loud!

Eigenproduktion (2018)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Gasoline
02. Crawlin
03. Drank From The Same Glass
04. Father’s Sins
05. Hole In The Wall
06. Devil Rides My Back
07. Losers Make the Best Friends
08. Hot Wheels
09. Natural Disaster
10. Save The Planet

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Layla Zoe – Gemini – CD Review

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Review: Jörg Schneider

Wer Layla Zoe schon mal live auf der Bühne erlebt hat, weiß mit welcher Power und Hingabe sie ihre Songs zusammen mit ihrem langjährigen Gitarristen Jan Laacks performt. Dort fühlt sie sich zu Hause und genießt den direkten Kontakt zum Publikum. Da wundert es auch nicht, dass die Studioarbeit nach eigenem Bekunden nicht zu ihren Präferenzen zählt. Für sie war es daher naheliegend, wieder an ihre frühere Zeit als Independent-Künstlerin anzuknüpfen, um der Enge eines von Plattenfirmen vorgegeben Aufnahme-Locations zu entkommen.

Daher war ihr Entschluss, eine Platte ganz ohne künstlerische Zwänge zusammen mit Jan Laacks in Eigenverantwortung einzuspielen und von ihrem Gitarristen produzieren zu lassen, nur eine Frage der Zeit. Die so gewonnene Freiheit gab ihr jetzt die Möglichkeit ihre Kreativität ohne Einschränkungen auszuleben. So ist nun ihr 13. Album entstanden, welches am 5. Oktober in die Läden kommt.

Zwillingen sagt man ja nach, dass sie zwei Seelen in ihrer Brust beherbergen, was ich als geborener Zwilling voll und ganz bestätigen kann 🙂 … Und natürlich trifft dies auch auch auf Layla Zoe zu, schließlich hat sie am 26. Mai das Licht der Welt unter dem Sternkreiszeichen des Zwillings erblickt.

Wohl deshalb zeigt „Gemini“, so ist ihr neues Werk betitelt, zwei völlig unterschiedliche musikalische Seiten ihrer Persönlichkeit, insgesamt 20 Tracks auf zwei Discs. Sogar das schicke, in rot gehaltene Albumcover orientiert sich grafisch am Zwillingsdasein und baut eine weitere Brücke zur rothaarigen Layla Zoe, dem Firegirl.

Auf der ersten CD des Doppelalbums kehrt Layla Zoe zu ihren Wurzeln zurück, um die zarte und zerbrechliche Seite ihrer Stimme zu zeigen. Treffender Weise heißt die CD dann auch „Fragility“. Es ist in weiten Teilen eine Hommage an den Delta-Blues mit Jan Laacks an der Akustikgitarre der diesen mit schönen Slide-Einlagen („I’ll Be Reborn Blues“, „Turn This Into Gold“, „The Deeper They Bury Me“ „The Good Life“ und „Freedom Flowers“) verfeinert.

Ebenfalls hörenswert sind das ruhige, dahinplätschernde und folkmäßig angehauchte „I Can’t Imagine My Life Without You“, sowie das tranceartige „Mumbai“ mit Weltmusik-Anleihen. Auf dem letzten Stück der ersten Scheibe „Rainbow Pacman And Unicorns“, einem Song mit Schmetterlinge-im-Bauch-Feeling, wird Layla von Jan Laacks nur an der Ukulele begleitet, einfach toll.

Im krassen Gegensatz dazu steht die zweite CD „Courage“. Hier gibt sich Layla Zoe der elektrischen Seite Ihrer Seele hin. Die überwiegend hammerharten Stücke bieten straighte Gitarrenriffs und kommen für Laylas Verhältnisse äußerst rockig, heavy und basslastig daher, immer getragen von ihrer kraftvollen, teils rauen, Stimme.

Eine wohltuende Abwechslung bieten auf der zweiten CD die sehr schöne, melodiöse Ballade „Roses And Lavender und der Slowblues „Are You Still Alive Inside“. Mit „Little Sister“, einem sehr persönlichen Song, setzt die Protagonisten dann zum Abschluss noch mal einen hoffnungsvollen, ja geradezu glücklichen Akzent.

Ursprünglich hatte ich eigentlich in musikalischer Hinsicht nicht allzuviel Neues von Layla Zoe’s 13. Album erwartet. Umso überraschter war ich dann, nachdem ich „Fagility“ gehört hatte. Zeigt diese Scheibe doch eine Seite von Layla Zoe, die in dieser eindringlichen Form von ihr bisher nicht wirklich oft zu hören war.

Von beiden Gemini-CD’s ist „Fragility“ nach meinem Empfinden eindeutig die bessere Hälfte des Doubleplayers. Allein wegen dieser Scheibe lohnt der Kauf, die ‚elektrische‘ Layla Zoe gibt’s dann als zweite CD gratis dazu.

Und last, but not least, darf auch das Zutun von Jan Laacks nicht vergessen werden. Er ist ein Ausnahmegitarrist, der hier wie so oft seine Talente an der Akustik- und Stromgitarre, ebenso wie an der Ukulele, unter Beweis stellt. Ohne ihn wäre das Album nicht das, was es ist. Laacks und Zoe sind halt ein seit Jahren perfekt eingespieltes Team.

Line up:
Layla Zoe – lead vocals, harmonica, back up vocals
Claus Schulte – drums on tracks 1-3 und 2-10
Dirk Sengotta – drums on all other tracks
Jan Laacks – all other instruments and back up vocals

Eigenproduktion (2018)
Stil: Blues/Rock

Tracks CD 1: „Fragility“
01. She Didn’t Believe
02. I’ll Be Reborn Blues
03. Turn This Into Gold
04. The Deeper They Bury Me
05. Mumbai
06. The Good Live
07. I Can’t Imagine My Life Without You
08. Freedom Flowers
09. Let Go
10. Rainbow Pacman And Unicorns

Tracks CD 2: „Courage“
01. Wellness
02. Dark World
03. Ghost Train
04. Bitch With The Head Of Red
05. Gemini
06. Roses And Lavender
07. White Dog
08. Automatik Gun
09. Are You Still Alive Inside
10. Little Sister

Layla Zoe
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Vaudeville Etiquette – Divisions – EP-Review

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Review: Stephan Skolarski

Erfolgreiche Singer/Songwriter Duos gab es in der Musikgeschichte viele: Lennon/McCartney, Jagger/Richards, Forster/McLennan, um nur einige zu nennen. Von daher dürfte es auch kein Zufall sein, dass die kreativen Köpfe von Vaudeville Etiquette, Tayler Lynn und Bradley Laina, über die gemeinsame Begeisterung für „Exile On Main Street“ und damit durch eines dieser Duos zueinander gefunden haben.

Das US-Amerikanische Quintett hat nach zwei überzeugenden Studioalben den beschwerlichen Schritt ins Musikbusiness geschafft und bereits den Weg über den großen Teich auf die Konzertbühnen in Europa gefunden. Jetzt sind sie mit einer neuen EP am Start und bewegen sich auf den vier Tracks gekonnt durch unterschiedlichste Musikgenres.

Beispielhaft hierfür das Midtempo-Neo-Folk-Synthie Stück „Divisions“, ergänzt durch fein abgestimmten, harmonischen Gesang, ist als erstes Lied ein wenig zurückhaltend, aber das voluminöse „Ontario“, mit eindringlichem Synthie-Intro und Florence + The Machine-Instrumentalisierung, kommt sofort aus den Startlöchern.

Was den ersten beiden Songs noch an Durchschlagskraft gefehlt hat, bügelt das Stoner-getränkte „White Horse“ aus. Wuchtige Drums, die man zuletzt so perfekt noch zu „White Stripes“-Zeiten gehört hat und ein markantes Gitarren-Riff sollten den Song auf jede Blues Rock-Playlist pushen. Im dem vierten Song „Swamp Witch“ ist Tayler Lynn dann im Patti Smith-Modus und ein feuriges E-Gitarrensolo bringt den letzten Schwung für ein tolles Uptempo-Finale.

Auf dieser EP gleicht kein Stück dem nächsten. Diese abwechslungsreiche Zusammenstellung spricht die unterschiedlichsten Musikgeschmäcker an und man darf daher mit großer Zuversicht und Vorfreude auf ein neues Album der jungen Band um das Singer/Songwriter Duo Lynn/Laina aus Seattle gespannt sein.

Sunvata Records (2018)
Stil: Classic Rock

01. Divisions
02. Ontario
03. White Horse
04. Swamp Witch

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