The Quireboys – White Trash Blues – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

The Quireboys spielen Blues? Ihre größten Erfolge hatten die Quireboys in den frühen 90er Jahren, wo inbesondere das Debutalbum „A Bit Of What You Fancy“ hervorzuheben ist, das in den UK-Album-Charts bis auf Platz 2 gelang. Springen die Quireboys nun auch auf den Zug auf, den zur jetzigen Zeit viele Musiker vollziehen, die oft auch zum Karriereende noch einmal einen kommerziellen Erfolg oder aus Spaß einen Cover-Blues Sampler herausbringen?

Zunächst war ich sehr skeptisch, wenn man die Ursprünge der Quireboys sieht, die eher in Richtung Glam- oder Hardrock einzustufen sind. Schon beim ersten Titel „Cross Eyed Cat“, einem Muddy Waters-Klassiker zum Einstieg, werden die Bedenken schon beiseite geschoben. Die Quireboys geben dem Song ein neues Gewand und verbinden damit ihren eigenen rockigen Stil mit dem Blues, wo Spikes Gesang wie die Faust aufs Auge passt und Keith Weir mit Keyboardeinlagen glänzen kann.

Auch bei den weiteren Stücken wie „Boom Boom“ von John Lee Hooker zeigen die Quireboys, dass sie den Blues können. Insgesamt sind die Songs etwas härter gespielt als die Originale, was aber schon in der Natur der Band liegt und ihnen ein eigenes Flair verleiht. Wer will schon alte Bluesklassiker Ton in Ton von anderen Musikern hören? Weder der Bluesfan und die alteingesessenen Quireboys-Fans mit Sicherheit auch nicht.

So gelingt eine Symbiose, die sowohl eher den Hardrock zugewandten Fans, wie auch den Blues-Liebhabern gerecht wird. Besonders hervorzuheben sind „Going Down“ von Freddie King, eine Mischung aus Hard- und Bluesrock, wo Spike vom Gesang schon fast dem Stile eines Dan McCafferty von Nazareth nahekommt und durch das treibende Gitarrenspiel der zwei Gitarristen Guy Griffin und Paul Guerin Fahrt aufgenommen wird. „Leaving Trunk“ von Johnny Jenkins und „Little Queemie“ von Chuck Berry, kommen dem bekannten Sound der Quireboys am nächsten.

Fazit: ein starkes Album, in dem die Quireboys beweisen, dass sie auch den Blues in verschiedenen Stilen können, ohne ihre eigentlichen Wurzeln zu verlieren, wobei dieser ja eh als Wurzel fast aller Rockstile gesehen werden kann. Auch die anfangs genannte Skepsis, dass es sich um einen Versuch im Rahmen der Aufmerksamkeitsgewinnung handeln könnte, ist zu verneinen. Die sechs Musiker haben, zumindest im Studio noch die Dynamik und Spielfreude, welche sie schon vor knapp 30 Jahren auch live auszeichnete.

Positiv hervorzuheben ist, dass nicht versucht wurde, einen Abklatsch alter Bluesklassiker abzuliefern, sondern dass allen Songs ein charmanter Quireboys-typischer Touch gegeben wurde. Von daher Kaufempfehlung und Augen auf, wann die Quireboys das nächste Mal live in der Nähe auftreten. Es könnte interessant sein, dabei zu sein, wie es der Band gelingt die Bluesklassiker und eigene Songs einem Publikum zu präsentieren, in dem sowohl (Hard-) Rock wie auch Bluesrockfans auf ihre Kosten kommen könnten.

Line-up:
Spike (vocals)
Guy Griffin (guitar)
Paul Guerin (guitar)
Keith Weir (keyboards)
Nick Mailing (bass)
Dave McCluskey (drums)

Off Yer Rocka Recordings (2017)
Stil: Blues Rock

01. Cross Eyed Cat
02. Boom Boom
03. I Wish You Would
04. Take Out Some Insurance
05. Going Down
06. Help Me
07. Shame Shame Shame
08. Im Your Hoochie Coochie Man
09. Leaving Trunk
10. I’m A King Bee
11. Walking The Dog

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Tasha Taylor – 28.11.2017, topos, Leverkusen – Konzertbericht

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Wunderbarer, souliger Blues-Abend mit Tasha Taylor! Trotz vieler Locations, die Gernot und ich in der vergangenen SoS-Zeit (und auch schon zuvor) besucht haben, galt es an diesem Dienstag, beim geschätzten Pädagogen noch eine Bildungslücke zu schließen.

Die aus Dallas, Texas, stammende, mittlerweile in Los Angeles lebende Tasha Taylor, feierte in der urigen Leverkusener Kultkneipe topos ihr Auftrittsdebüt. Auch Gernot hatte diese liebevoll gestaltete, eigenwillige Altbau-Lokalität mit Wohnzimmercharakter, bisher noch nie kennengelernt und kam nach dem Betreten derselben aus dem Staunen erstmal nicht raus, was vermutlich bisher wohl jedem so ergangen ist.

Als die Band zunächst alleine die enge Bühne betrat, um sich mit einem Instrumental kurz warm zu spielen, hatten sich letztendlich um die fünfzig Leute (was mengenmäßig für das kleine topos an so einem Wochentag schon ganz ordentlich ist) eingefunden.

Die hübsche Protagonistin mit den fein geflochtenen langen Haaren, stieß nach Abschluss des Stückes dazu und brachte den Gig des amerikanisch/karibisch/skandinavisch zusammengestellten Kollektivs mit dem souligen Schwofer „I Got Love“ langsam ins Rollen.

Die Tochter des berühmten Stax Records-Künstlers Johnnie Taylor moderierte dann ganz charmant durch den Verlauf des Konzertes, in dem sie fast zu jedem Song eine kleine Anekdote (meist aus ihrem Leben) parat hatte, in denen natürlich auch der Vater seinen Platz hatte und samt seiner Songkreationen wie „Lost Two Dollars“ und dem schön ’shaky‘ vorgetragenen „Who’s Making Love“, das zum Ende in einer wahren Gospel-Orgie endete, gewürdigt wurde.

Tasha und ihr routiniert und perfekt begleitendes Quartett, bestehend aus dem unaufgeregt spielenden und solierenden E-Gitarristen Davide Floreno (auch mit ein paar Harmoniegesängen), der berühmten Bassisten-Koryphäe Roger Inniss (Climax Blues Band, Mick Taylor, Snowy White, Kid Creole, etc. – mit sechsaitigem Tieftöner) sowie Schlagzeuger Oli Ontronen und dem herrlich klimpernden Pianisten Samuli Rautiainen (hatte neulich ja schon Ina Forsman begleitet), boten den Anwesenden einen schönen Reigen aus Soul-, Blues-, Rhythm & Blues und Rock-Ingredienzien, wobei ihre markant kräftige Stimme natürlich im Mittelpunkt stand.

Zwischenzeitlich griff sie bei eigenen Tracks aus ihrem aktuellen Werk „Honey For The Biscuit“ wie „What Difference Does It Make“, „Wedding Bells“ oder „Leave That Dog Alone“ auch mal zur Telecaster oder assistierte ihren Leuten mit dem Tambourine (u. a. bei „Weatherman“).

Amy Winehouse („Valerie“), Otis Redding („Thes Arms Of Mine“), Eddie Floyd („Knock On Wood“), Etta James (I Just Wanna Make Love To You“) und Aretha Franklin („Natural Woman“) wurden als persönliche Vorbilder Tashas mit Coverversionen musikalisch zitiert, mein Highlight des Abends war der Gänsehaut erzeugende melancholische Ohrwurm „There’s A Way“ samt ihrer emotionalen Vokal-Performance. Klasse!

Nachdem Tasha das Publikum bereits beim, den Hauptpart abschließenden Daddy-Track „Who’s Making Love“, in Mitsing-Ekstase versetzt hatte, animierte sie ebenfalls bei der furios abgehenden Etta James-Zugabe „Tell Mama“ (auch durch Janis Joplin bekannt geworden) im Stile einer Hohepriesterin, zum, mit vielen ‚Yeah‘-Rufen gespickten Gospel-Showdown, bei dem das topos fast einer Kirche in Memphis glich.

Nach Ende des wunderbaren Konzertes stand sie in Sachen Merchandising natürlich allen Anwesenden zur Verfügung und erwies sich auch hier als äußerst sympatisches und unkompliziertes ‚Southern Girl‘, das unserer Bitte nach dem obligatorischen Bild für die VIP-Galerie (Gleiches gilt für Roger Inniss) anstandslos nachkam. Solche Dienstage darf es gerne öfter geben. Ein toller Abend mit Tasha Taylor & Co.!

Line-up:
Tasha Taylor (lead vocals, electric guitar, percussion)
Davide Floreno (electric guitar, vocals)
Samuli Rautiainen (keys)
Roger Inniss (bass)
Oli Ontronen (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Tasha Taylor
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BluesLand Productions
Ruf Records
topos Leverkusen

Ronnie Earl – The Luckiest Man – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Bereits 1988 gründete Ronnie Earl seine Band The Broadcasters. Seitdem hat er schon dreimal den Blues Music Award als bester Bluesgitarrist gewonnen. Es ist erstaunlich, dass ich diesen Barden des Genres bisher nicht auf dem Schirm hatte. Umso neugieriger war ich dann auch, als mich Daniel Daus um ein Review zu Ronnie Earls 25. Album (!)  namens „The Luckiest Man“ bat.

Während des Anhörens habe ich mich immer wieder gefragt, ob es sich bei dem Werk um bluesigen Jazz oder um jazzigen Blues handelt. Ich denke, Fusion ist wohl die richtige Umschreibung für den Musikstil auf dieser CD. Eingefleischte Blues-Traditionalisten werden daher mit der Scheibe wohl nicht wirklich glücklich werden, alle anderen dürften sie zumindest für interessant halten.

Entstanden ist dieser Longplayer zusammen mit der aktuellen Besetzung der Broadcasters, aber auch unter Mitwirkung ehemaliger Bandmitglieder. Alle einte der Wunsch den verstorbenen Bassisten der Band, Jim Mouradian, und engen Freund von Ronnie Earl mit diesem Album zu ehren.

Dabei herausgekommen sind zwölf, sehr schöne, jazzig-bluesige Songs mit Ronnie Earls klarem, teils sphärisch-cleanem Gitarrenpiel. Bestechend auch die Sängerin der Broadcasters, Diana Blue. Mit ihrer vollen Altstimme gibt sie den Songs die nötige Tiefe und Dosis an Emotionen. Besonders schön zu hören auf „Death Don‘t Have No Mercy“, einem gefühlvollen Slowblues mit einem fast psychedelisch anmutenden Gitarrenintro oder auch auf „You Don’t Know What Love Is“.

Ganz anders das gospelige „Heartbreak“, da swingt und groovt es ganz im Stil einer Bigband. „Long Lost Conversation“ ist ein 10 minütiger Slowblues mit Gastsänger und Harp-Spieler Sugar Ray Norcia sowie Anthony Geraci am Piano.

Aber auch die Instrumentals wie „Southside Stomp“ (jazzig), „Jim’s Song“ (Blues) oder das teils Piano-dominierte Traditional „Howlin‘ Blues“, zeigen Ronnie Earls Qualitäten als Blues- (oder vielleicht auch Jazz-?) Gitarrist.

Alles in Allem legt Ronnie Earl hier ein Genre-übergreifendes Album mit zwölf Songs vor, von denen jedes Stück fein arrangiert und abgemischt wurde. Prägend für alle Lieder ist Ronnie Earls einzigartiges, sauberes Gitarrenspiel, wodurch viele der Songs (insbesondere die Instrumentals) beim ersten Hören allerdings ähnlich klingen.

Die unterschiedlichen Nuancen und Facetten seiner Gitarrentechnik offenbaren sich aber beim nochmaligen, konzentrieren Zuhören. Insgesamt ist es eine Scheibe, die man sicherlich bei einem guten Glas Wein gern in Ruhe hören wird und sich dabei vielleicht auch mit seinen Gedanken treiben lässt.

The Broadcasters:
Ronnie Earl – Guitar
Dave Limina – Piano, Hammond B3
Diana Blue – Vocals
Forrest Padgett – Drums
Paul Kochanski – Bass

Gastmusiker:
Nicholas Tabarias – Guitar
Mark Earley – Baritone Sax
Mario Perrett – Tenor Sax
Peter Ward – Guitar
Michael „Mudcat“ Ward – Double Bass, Fender Bass

Außerdem auf „Long Lost Conversation“:
Sugar Ray Norcia – Vocals, Harp
Anthony Geraci – Piano
Mike Welch – Guitar
Neil Gouvin – Drums

Stony Plain Records/H’Art (2017)
Stil: Jazz/Blues/Fusion

01. Ain’t That Loving You
02. Southside Stomp
03. Death Don’t Have No Mercy
04. Jim’s Song
05. Heartbreak (It’s Hurting Me)
06. Howlin’ Blues
07. Never Gonna Break My Faith
08. Long Lost Conversation
09. Sweet Miss Vee
10. Blues For Magic Sam
11. So Many Roads
12. You Don’t Know What Love Is

Ronnie Earl
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H’ART Musik-Vertrieb GmbH

Samantha Fish – Belle Of The West – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Samantha Fish, die wir erst vor einigen Tagen auch bei einem Konzert in Dortmund genießen konnten, ist wirklich eine beeindruckende, äußerst kreative Musikerin. Innerhalb eines Jahres legt sie nach „Chills & Fever“ mit „Belle Of The West“ nun schon das nächste Album vor. Und beide könnten unterschiedlicher nicht sein! Während sie auf „Chills & Fever‘ noch dem Soul und Rhythm and Blues huldigte, ist ihr neues Werk sehr ‚Americana‘-geprägt, mit Delta Blues-, Country- und Folk-Einflüssen. Dementsprechend stilecht hat sie ihr neues Werk auch in den renommierten Zebra Ranch Studios im Norden von Mississippi unter Mitwirkung von Luther Dickinson (North Mississippi Allstars) als Produzent eingespielt.

Zu hören gibt es insgesamt elf Tracks, von denen drei Songs keine Eigenkompositionen, sondern Coverstücke von R. L. Burnside („Poor Black Mattie“), Little Mae („Nearing Home“) und Jimbo Mathus („Belle Of The West“) sind. Alle Stücke haben ihrer Aussage zufolge einen sehr persönlichen Hintergrund, sie setzen sich in einer Mischung aus akustischen und elektronischen Sounds mit ihrer Herkunft aus dem mittleren Westen auseinander.

Zu allen Sounds liefert Ihre ausdrucksstarke, relaxte Stimme die passenden Emotionen. Die Instrumentierung der Stücke ist, Americana-typisch, mit Akustikgitarre, Violine, Flöte, Drums und teilweise Mundharmonika gestaltet. Bemerkenswert ist der rhythmische Opener „American Dream“, der ohne Umschweife sofort mit einer den Song beherrschenden Basstrommel loslegt. Das folgende „Blood In The Water“ hingegen ist wesentlich entspannter und kommt recht melodiös rüber.

Hervorzuheben ist auch Fishs Interpretation des countrybeeinflussten „Belle Of The West“. Das beste Stück des Albums ist aber zweifellos, zumindest nach dem Geschmack des Rezensenten, das swampig treibende „Poor Black Mattie“ mit Lightnin’ Malcolm. Aber auch die übrigen Songs grooven sehr schön, lediglich „Daughters“ ist etwas schwächer. Aber dies ist sichtlich auch seine Frage der Vorlieben des Hörers.

Insgesamt zeigt die CD die bisher unbekannten Seiten von Samantha Fishs musikalischen Qualitäten. Dabei überzeugt sie auch dank ihrer Fingerfertigkeit an der Akustikgitarre. Sie taucht mit ihrem Album tief in den Mississippi Blues ein und interpretiert ihn auf eine Herz erfrischende Art und Weise.

Line up:
Samantha Fish – Vocals, Guitar
Luther Dickinson – Guitar, Mandoolin
Lightnin’ Malcolm – Guitar, Harmonica, Vocals
Jimbo Mathus – Fender Rhodes, Harmonica, Vocals
Amy LaVere – Upright Bass, Vocals
Lilie Mae – Violin, Vocals
Tikyra Jackson – Drums, Vocals
Sharde Thomas – Fife, Drums, Vocals
Trina Raimey – Drums

Ruf Records (2017)
Stil: Blues/Americana

01. American Dream
02. Blood In The Winter
03. Need You More
04. Cowtown
05. Daughters
06. Don’t Say You Love Me
07. Belle Of The West
08. Poor Black Mattie
09. No Angels
10. Nearing Home
11. Gone For Good

Samantha Fish
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Ruf Records

Samantha Fish – 12.11.2017, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Schöner Sonntag-Abend mit Samantha Fish und ihrem starken Begleit-Ensemble! Die nicht mal 30 Jahre alte Blues Rock-Musikerin hat sich in diesem Jahr mit gleich zwei, recht unterschiedlich gestalteten CD-Veröffentlichungen „Chills & Fever“ und der in den nächsten Tagen auf den Markt kommenden „Belle Of The West“ schon ein Fleißkärtchen verdient. Jetzt auch noch dazu Live-Auftritte – vorbildlich!

Apropos ‚Belle‘: Die Protagonistin gab allein mit ihrem Marilyn Monroe-artigen Frisur- und Schmink-Styling, den hochhackigen, blass-pink-farbigen Pumps (passend zur Lederjacke in gleichem Farbton überm weißen Bauchfrei-Minitop) und der wunderbar eng anliegenden Jeans, schon rein optisch, einen Blickfang. Man hatte den Eindruck, dass Kollegen Schneider, wie auch den anderen anwesenden Fotografen, der Klick auf den Auslöser demnach recht leicht von der Hand ging.

Sounds Of South, das Magazin, das sich aber eigentlich immer ausnahmslos auf die Musik konzentriert, wurde auch in dieser Hinsicht mit einer starken Vorstellung mehr als zufrieden gestellt. Sympatisches Auftreten, tolle abwechslungsreiche, teilweise richtig brodelnde, powernde Songs, spielerische Klasse aller Beteiligten, sorgten für eine Benotung recht weit oben auf der Skala der diesjährigen Konzerte.

Obwohl Samantha natürlich die tonangebende Person auf der Bühne war (mit vielen starken E-Gitarrensoli, aber auch einfühlsamen Akustikgitarrenspiel), machte auch das Team um sie herum (alle sehr schick in dunklen Anzügen), richtig Laune. Die Bläser Levron und Blotzky plusterten meist synchron, wie man es wohl nur im Raume Louisiana lernt, ließen ab und zu auch Einzel-Soli los, der schlaksige Drummer Kenny Tudrick polterte ungemein agil.

Bassist Chris Alexander ließ seien Tieftöner unaufgeregt pumpen und grooven und hatte beim wunderbaren „Go Home“ im Zugabenteil einen schönen Harmoniegesangspart. Wuschelkopf Phil Breen verrichtete unaufgeregt seine immer auf den Punkt gebrachten Piano- und Orgel Einsätze.

Die Band stieg pünktlich um 20:00 Uhr mit  „He Did It“ in den Set ein. Die erste Hälfte des Gigs stand dann ganz im Zeichen von „Chills & Fever“.  Der Titelsong,  „You Can’t Go“, „You’ll Never Change“, „Little Baby“, „Either Way I Lose“ und das jammig psychedelisch gebrachte „Somebody’s Always Trying“ (Pink Floyd-Touch, Samantha mit ausgedehntem E-Gitarrensolo auf den Knien) waren ausnahmslos Stücke aus diesem Werk.

Erst mit dem Griff zur Akustikgitarre und einer Solo-Performance bei „Need You More“ wurde die brandneue CD „Belle Of The West“ gestriffen, es blieb der aber einzige Song. Für den Charley Patton-Track „Jim Lee Blues“ kehrte die Band dann wieder zurück. Ein herrlicher Countryblues. Schön swampig stampfte „Highway’s Holding Me Now“, gefolgt vom geslideten „Blame it On The Moon –  eine mir besonders zusagende Phase des Gigs.

Mit dem heiß brodelnden „It’s Your Voodoo Working“, dem wunderbaren Schwofer „Nearer To You“ und  dem erneut Slide-trächtigen „Crow Jane“ (Samantha effekthascherisch auf Gitarre mit Zigarrenkisten-Korpus) gab es wieder reichlich „Chills & Fever“-Stoff zum Abschluss des Hauptteils. Das begeisterte Publikum ließ das Sextett natürlich nicht ohne Zugaben in den sonntäglichen Feierabend. Das oben erwähnte, traumhafte „Go Home“ erzeugte richtig Gänsehaut, mit „Right Now, Right Now“ (Zuschauereinbindung beim Gesang) wurde nochmals richtig furios und launig abgerockt.

Fazit: Ein Fish namens Samantha und ihre brillante Band sorgen im vollen Dortmunder Musiktheater Piano für einen herrlichen musikalischen Wochenausklang. Tolles Konzert, großes Kompliment!

Line-up:
Samantha Fish (lead vocals, electric and acoustic guitar)
Phil Breen (keys)
Chris Alexander (bass, vocals)
Kenny Tudrick (drums)
Travis Blotzky (saxophone)
Marc Levron (trumpet)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Samantha Fish
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment
Ruf Records
Jörg Schneider Webseite

Ina Forsman – 14.10.2017, Blue Notez, Dortmund – Konzertbilder

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Ina Forsman mit Band im Blue Notez im Rahmen ihrer „Pretty Messed Up“-Tour! Die bezaubernde finnische Frontfrau, die 2014 ihr Heimatland bei der European Blues Challenge vertrat und auch schon mit dem Blues Caravan unterwegs war, ist bekannt für authentische Blues-, Jazz- und Soulmusik, von der es auch an diesem Abend reichhaltige Kostproben gab.

Line-up:
Ina Forsman (lead vocals)
Jaakko Pöyhönen (drums)
Samuli Rautiainen (keys)
Iiro Kautto (bass)
Davide Floreno (guitars)

Text und Bilder: Peter Schepers

Ina Forsman
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Ruf Records
Blue Notez Dortmund

Chris Rea – Road Songs For Lovers – CD-Review

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Review: Michael Segets

Chris Rea muss an dieser Stelle nicht eigens vorgestellt werden. 30 Millionen verkaufte Alben sprechen für sich. Klassiker wie „I Can Hear Your Heartbeat“, „Josephine“ oder „The Road To Hell“ gehen auf sein Konto. Nach seinen großen Erfolgen der 80er und 90er Jahren wurde um die Jahrtausendwende bei ihm eine schwere Erkrankung diagnostiziert und Chris Rea wandte sich Projekten zu, die ihm besonders am Herzen lagen, aber weniger mainstreamtauglich waren.

Jetzt legt er mit „Road Songs For Lovers“ ein neues Album vor, das nahtlos an den Sound früherer Jahre anknüpft. Seine unverwechselbare Stimme, sein typisches Gitarrenspiel und das Songwriting garantieren einen hohen Wiedererkennungswert. Thematisch geht es in vielen Stücken um Reisen, Veränderungen und die Bewegungen auf dem Lebensweg, wie bereits die Titel andeuten.

„Happy On The Road“ eröffnet den Longplayer. Die Midtempo-Nummer (sogar dezentes Southern-Flair) strahlt trotz aller Nachdenklichkeit eine Gelassenheit aus, die den Grundton des Albums vorgibt. Dieser wird auch bei der Ballade „Nothing Left Behind” aufgegriffen, in der sich schöne Klavierpassagen finden.

Dem unaufgeregten Titelstück „Road Songs For Lovers“ folgt das etwas sperrigere „Money“ mit Blues- und Jazz-Einflüssen. „Two Lost Souls“ ist eine wehmütige Rockballade, die sich direkt als Chris-Rea-Song identifizieren lässt. Mit „Rock My Soul“ greift Rea Swing-Elemente auf, welche durch den Einsatz des Schlagzeug-Besens und der Bläser verstärkt werden.

„Moving On“ überzeugt mit guter Percussion, „The Road Ahead“ mit kraftvollem Schlagzeug und rockiger Gitarre. Letztgenannter Song ist als erste Single sicherlich die richtige Wahl. Die beiden Tracks bilden zusammen mit dem folgenden, tief gesungenen Blues „Last Train“ den stärksten Teil des Albums. Bei dem Sprechgesang wirkt Chris Reas Stimme weniger samtig als üblich. Schlagzeug, Bläser und Gitarre ergänzen sich bei dem langen Instrumentalteil am Ende hervorragend. Einzig das Fade-Out hätte – wie bei anderen Songs auch – anders gelöst werden können.

Drei gefühlvolle Balladen vervollständigen die CD, bei denen es Rea auf seine eigene Weise gelingt, die mitschwingende Sentimentalität nicht im Kitsch enden zu lassen. Seine Stimme hat bei „Angel Of Love“ wieder die für ihn charakteristische warme Färbung. In die reduzierten „Breaking Point“ und „Beautiful“ mischen sich gebrochene Töne in seinen Gesang, die den Songs eine hohe Intensität verleihen.

Mit 66 Jahren, wenn andere an die Rente denken, will es Chris Rea nochmal wissen. Ihm ist ein Album gelungen, mit dem er Liebhaber seiner eingängigeren Werke wieder zurückgewinnen wird. Vermutlich findet sich kein überragender Single-Hit auf der Scheibe, aber Reas Einladung zu einem nachdenklichen und dennoch entspannten Road-Trip folgt man gerne über die ganze Strecke.

BMG – (2017)
Stil: Blues/Rock

01. Happy On The Road
02. Nothing Left Behind
03. Road Songs For Lovers
04. Money
05. Two Lost Souls
06. Rock My Soul
07. Moving On
08. The Road Ahead
09. Last Train
10. Angel Of Love
11. Breaking Point
12. Beautiful

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Walter Trout – We’re All In This Together – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Seit über 50 Jahren steht der mittlerweile 66-jährige Walter Trout nun auf den Brettern, die die Welt bedeuten und spielte in dieser Zeit u. a. in den Bands von John Lee Hooker, John Mayall und bei Canned Heat. Als Virtuose auf der Bluesgitarre hat er seine Fans unter älteren wie jüngeren Blues-Afficinados. Nach seiner schweren Lebererkrankung mit anschließender Lebertransplantation in 2014 verarbeitete er seine beinahe tödlich verlaufende Erkrankung auf den beiden eher etwas düsteren Alben „The Blues Came Calling“ (2014) und „The Battle Scares“ (2015). Nun legt er nach seinem 2016’er Album „Live In Amsterdam“ mit „We’re All In This Together“ wieder eine Scheibe vor, die förmlich vor Spiel- und Lebensfreude strotzt.

Und wieder hat er für dieses Album, genau wie für sein 2006’er Projekt „Full Circle“ zahlreiche namhafte Gastmusiker unterschiedlicher Bluesspielarten um sich geschart. Die Liste liest sich wie das „Who is Who“ der Bluesmusik: dabei sind Veteranen wie John Mayall, Charlie Musselwhite und Edgar Winter aber auch „jüngere“ Talente wie z. B. Mike Zito, Joe Bonamassa und Trouts Sohn Jon und viele, viele mehr.

Für jeden seiner 14 Gastmusiker hat Walter Trout einen Song sozusagen passend auf den Leib geschrieben. Dank moderner Technik wurden die Titel allerdings nicht gemeinsam im Studio eingespielt, sondern jeweils separat aufgenommen und im Nachhinein mit Trouts Band bestehend aus Sammy Avila, Johnny Griparic und Mike Leasure im Studio zusammengefügt. Lediglich Joe Bonamassa lies es sich nicht nehmen für die Aufnahmen bei Walter Trout im Studio höchstpersönlich aufzukreuzen.

Opener ist der flotte, rhythmisch stampfende Blues-Shuffle „Gonna Hurt Like Hell“ mit dem noch relativ jungen US-Blues-Talent Kenny Wayne Sheperd, einem Song über im weitesten Sinn Genuss und Reue, über weite Strecken getragen von einem schönem Gitarrenwechselspiel zwischen Trout und Shepherd. Der für seine ungewöhnliche Slide-Grifftechnik bekannte Sonny Landreth, dessen musikalische Wurzeln im Jazz und Rhythm and Blues des Mississippi Deltas liegen, ist Gastmusiker auf dem nächsten Song des Albums: „Ain’t Going Back“ kommt herrlich groovend und gute Laune verbreitend daher.

Zu Charlie Musselwhite muss man an sich nicht viel sagen. Er ist ein Meister auf der Bluesharmonika und zeigt dies auch im folgenden Stück „The Other Side Of The Pillow“, einem etwas schwermütigen Stück, bei dem sein Mundharmonikaspiel die Verzweiflung, die aus Trouts Stimme und seiner Gitarre schreit, perfekt unterstreicht.

„She Listens To The Blackbird Sing“ mit Mike Zito (Mitbegründer der „Royal Southern Brotherhood“) an der Gitarre ist wiederum recht melodiös und vom Stil her irgendwo zwischen den späten Allman Brothers und Lynyrd Skynyrd angesiedelt. Für das folgende, im Stil des viel zu früh verstorbenen Freddie King gehaltene Gitarreninstrumentals „Mr. Davis“ hat Walter Trout niemand geringeres als als den Jazz-Blues-Fusion-Gitarristen Robben Ford, mit dem er auch zusammen bei „The Supersonic Blues Machine“ spielt, verpflichtet.

Auch der im nächsten Song „The Sky Is Crying“ kraftvoll performende Warren Haynes ist ein musikalisches Schwergewicht, ist er doch langjähriges Mitglied der „Allman Brothers Band“. Ganz anders das nächste Stück „Somebody Goin’ Down“, im Gegensatz zu den bisherigen Songs des Albums ist es ein im funkiges, aber auch recht heavy angelegtes, von Eric Gales interpretiertes, Stück. Eher melodiös und mit schönen Bläsersätzen arrangiert bietet „She Steals My Heart Away“ dem Texaner Edgar Winter den nötigen Rahmen seine Saxofonkünste unter Beweis zu stellen.

„Crash And Burn“ wiederum ist ein typischer Chigaco-Blues mit Joe Louis Walker an der Stromgitarre. Mundharmonika getragen und ebenfalls aus der Ecke des Chicago-Blues stammend, ist der folgende Track „Too Much To Carry“ mit dem mehrfach für den ‚Blues Music Award’ nominierten John Németh. „Do You Still See Me At All“ ist eine feine, melodiös komponierte, von Vater Walter Trout und Sohn Jon gespielte Bluesperle.

Härter, aber durchaus tanzbar, geht‘s dann wieder mit Randy Bachman (ehemals „Guess Who“ und „Bachmann-Turner-Overdrive“) auf „Got Nothin‘ Left“ zur Sache. Mein persönliches Highlight, wenn man von Highlight auf diesem Album überhaupt sprechen kann, alle Songs sind auf ihre Art grandios, ist das ruhige, unplugged dargebotene Delta-Blues Stück „Blues For Jimmy T.“ mit John Mayall an der Mundharmonika. Einfach klasse. Bei dem letzten Titel des Albums, der gleichzeitig auch der Titelsong ist und stilistisch an „Electric Mud“ von Muddy Waters erinnert, hat Joe Bonamassa tatkräftig in die Saiten gegriffen.

Fazit: „We’re All In This Together“ ist ein abwechslungsreiches Blues-Album, welches in keiner Sammlung fehlen sollte. Zu etwas besonderem wird es natürlich auch dadurch, dass Walter Trout hier zu seiner alten Energie und Lebensfreude zurückgefunden hat. Wie sagte er doch in einem Interview u. a. zu diesem Album: „Ich will mich wieder in dieses spannende Leben stürzen, es bei den Eiern packen und nicht wieder loslassen.“ Und genau das kommt auf dieser Scheibe rüber. Well done, Walter!

Line-Up:
Walter Trout – Vocals, Guitar
Sammy Avila – Keyboards
Johnny Griparic – Bass
Mike Leasure – Drums

Provogue – Mascot Label Group – (2017)
Stil: Blues Rock

01. Gonna Hurt Like Hell (feat. Kenny Wayne Shepherd)
02. Ain’t Goin‘ Back (feat. Sonny Landreth)
03. The Other Side Of The Pillow (feat. Charlie Musselwhite)
04. She Listens To The Blackbird Sing (feat. Mike Zito)
05. Mr. Davis (feat. Robben Ford)
06. The Sky Is Crying (feat. Warren Haynes)
07. Somebody Goin‘ Down (feat. Eric Gales)
08. She Steals My Heart Away (feat. Edgar Winter)
09. Crash And Burn (feat. Joe Louis Walker)
10. Too Much To Carry (feat. John Nemeth)
11. Do You Still See Me At All (feat. Jon Trout)
12. Got Nothin‘ Left (feat. Randy Bachman)
13. Blues For Jimmy T. (feat. John Mayall)
14. We’re All In This Together (feat. Joe Bonamassa)

Walter Trout
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Elles Bailey – Wildfire – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die aus Bristol stammende Elles Bailey zeigt auf ihrem Debütalbum eine große musikalische Bandbreite, die vom Blues über Country bis zum Rock reicht. In den letzten beiden Jahren veröffentlichte sie bereits zwei EPs: „Who Am I To Me“ und „The Elberton Sessions“, auf denen sechs Stücke vertreten sind, die zumeist in leicht veränderten Versionen, den Weg auf das Album gefunden haben. Dass sie nun ihren ersten Longplayer „Wildfire“ vorlegt, ist wohl glücklichen Umständen geschuldet. Eigentlich wollte Elles auf einer Familienreise durch den Süden der USA lediglich einen Demo-Song in den Blackbird Studios, Nashville, aufnehmen.

Schnell gewann sie den Produzenten Brad Nowell und eine beeindruckende Zahl an Musikern für sich, mit denen sie den Grundstein für die zwölf Songs der CD legte. Brent Mason und Chris Leuzinger (Garth Brooks) spielen Gitarre, Bobby Wood Klavier. Am Bass fand sich Mike Brignardello (Lynyrd Skynyrd, Amy Grant), am Schlagzeug Wes Little (Stevie Wonder, Melissa Etheridge) ein. Zurück in England sorgten Jonny Henderson (Robyn Ford, Matt Schofield) an der Hammond Orgel und Joe Wilkins mit seiner Gitarre für den letzten Schliff. Wenn man die kräftige und an den richtigen Stellen rauchige Stimme von Elles Bailey hört, versteht man sofort, warum es ihr nicht schwerfiel, Mitstreiter für ihr Projekt zu begeistern.

Der Titeltrack „Wildfire“ baut mit einem Gitarren-Intro langsam Spannung auf. Wenn Ellis wuchtige Stimme zusammen mit der Rhythmus-Section einsetzt, steigert sich die Intensität, um dann nach einem kreischenden Gitarrensolo richtig loszulegen. Das als Single ausgekoppelte „Same Flame“ überzeugt mit dem kraftvoll gesungenen und eingängigem Refrain als gradlinig gespielte Rocknummer.

Nach dem rockigen Einstieg wird das Album etwas ruhiger. Das spannungsgeladene „What If I“ thematisiert getroffene Entscheidungen und das, was hätte sein können, wenn man anders gehandelt hätte. „Barrel Of Your Gun“ lässt sich als Blues bezeichnen, der durch den Slide im Gitarrenspiel einen Country-Einschlag bekommt. Dieser wird bei „Perfect Storm“ noch deutlicher. Hier zeigt sich, dass Nashville ihre zweite Heimat sein könnte.
In der Mitte des Albums wird mit „Let Me Hear You Scream“ zum richtigen Zeitpunkt nochmal ein kraftvoller Akzent gesetzt. Das Songwriting und die Performance erinnern an die frühe Melissa Etheridge.

Aus dem schrillen und poppigen „Shake It Off“ von Taylor Swift macht Elles Bailey eine entspannte Blues-Nummer. Die Eigenständigkeit der Interpretation lässt das Original kaum mehr erkennen, was durchaus für deren Qualität spricht. Dass Elles Bailey auch locker drauflos rocken kann, beweist sie beim anschließenden „Shakles Of Love“. Der Midtempo-Blues „Believed In You“ lebt von ihrer außerordentlichen Stimme und einem kurzem, aber gelungenen Gitarrensolo. Der stampfende Rhythmus von „Howlin´ Wolf“ nimmt einen direkt mit und der Refrain lädt zum Mitheulen ein.

Die beiden gefühlvollen Balladen „Girl Who Owned The Blues“ und das akustisch gehaltene „Time’s A Healer“ bilden den Abschluss des Albums. Auf ihrem Longplayer „Wildfire“ verdeutlicht Elles Bailey, dass sie nicht nur stimmlich, sondern auch hinsichtlich ihres Songwriting einiges zu bieten hat. Sie bewegt sich souverän zwischen Blues, Rock und Country, wobei vor allem die Nummern einprägsam sind, in den sie den kratzigen und raueren Tönen freien Lauf lässt. Das Album macht neugierig auf ihre Tour, die sie im kommenden Frühjahr auch nach Deutschland führt.

Outlaw Music – (2017)
Stil: Blues/Rock/Country

01. Wildfire
02. Same Flame
03. What If I
04. Barrel Of Your Gun
05. Perfect Storm
06. Let Me Hear You Scream
07. Shake It Off
08. Shakles Of Love
09. Believed In You
10. Howlin‘ Wolf
11. Girl Who Owned The Blues
12. Time’s A Healer (Bonus track)

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Blues ’n Jazz Meeting (5tes) – 05.08.2017, Walzwerk, Dinslaken – Festivalbericht

Für das bereits 5. Open Air Blues ’n Jazz Meeting – für Gernot und mich Premiere –  hatten die Organisatoren um Klaus Diessner mit zwei deutschen Acts, den Duisburgern The BlueBones und dem niedersächsischen Emsemble, der Tommy Schneller Band, sowie dem britischen Blues Rocker Ben Poole und seinen Mannen, wieder einen schmucken und musikalisch bunten Blumenstrauß, im sehr einladend wirkenden, historisch industriell anmutenden Ambiente der Lokalität am Walzwerk in Dinslaken, zusammengestellt.

Mit etwas Verspätung, die den sintflutartigen Regenfällen am Nachmittag geschuldet war, begann das uns, bis dato, nicht bekannte Quartett The Blue Bones, mit ihrem immerhin 21 Stücke umfassenden Programm. Die vier, allesamt mit überschaubarer Haarpracht ausgestatteten Protagonisten, hatten sich dafür in feine Anzüge gekleidet.

Ihre Setliste war überwiegend geprägt von knackig abgehendem, zum Teil Harp-bestückten Rhythm ’n Blues in der Tradition von Dr. Feelgood, was natürlich u. a. auch in den Adaptionen ihrer  Klassiker „As Long As The Price Is Right“ und „Milk And Alkohol“ zum Ausdruck kam. In manchen, recht punkig ausgelegten Tracks, meinte Kollege Gernot manchmal auch die Stooges ein wenig durchschimmern zu hören.

Zu meinen Favoriten zählten Songs wie das ZZ-Top-umwehte „Boogie Baby“ und „Tell Me No Lies“, bei dem Gitarrist Kai Kaschura sich mit schönem E-Solo ins Publikum begab. Mit dem Gassenhauer „See You Later Alligator“ verabschiedete die Truppe.

Ach ja, auch wenn es natürlich als Joke gemeint war:  Sänger Torsten Peters hatte mitbekommen, dass ich mir, wie gewohnt, in Ewald Lienen-Manier fleißig Notizen auf meinem Block zum Gig geschrieben hatte und dann hinter mir einen Beamten der allseits geliebten GEMA-Behörde vermutet. Wer einen der wichtigsten deutschen, hart arbeitenden freiberuflichen Musik-Journalisten (kleiner Scherz meinerseits) derartig öffentlich diskreditiert, begibt sich natürlich, gerade, was das folgende Review betrifft, auf ganz ganz dünnes Eis…

Nichtsdestotrotz, die Burschen machten trotz einiger Längen und ein wenig fehlender Variabilität, einen überaus passablen Job als Anheizer des Festivals.

Line-up:
Torsten Peters (lead vocals, harp)
Kai Kaschura (electric guitar)
Dominik Hayck (bass)
Ralf Persin (drums)

Als mittlerer Act startete der eigentliche Anlass unseres Besuchs, der britische Blues Rock-Wunderknabe, Ben Poole, der uns ja mit seinem Gig im heimischen Schwarzen Adler im Februar schon in Verzückung hatte geraten gelassen.

Mit geändertem Line-up – diesmal mit King King-Drummer Wayne Proctor und Beau Bernard (The Upper Room) als Rhythmus-Fraktion – servierte er den mittlerweile knapp 400 Anwesenden, eine weitere Lehrstunde  in Sachen heutig gebotenem, modernen Blues Rock. Was für ein Feuerwerk an Spielfreude und Dynamik!

Die Trackliste bestand aus ähnlichen Ingredienzien wie in Rheinberg, allerdings in nummerisch verifizierter Form. Grandios Pooles Version des Freddie King-Stückes, bekannt aber eher durch die Derek And The Dominos, „Have You Ever Loved A Woman“, das von Ben zunächst solo eingeleitet wurde und nachher mit Einsetzen der Band in einem wahren Spielrausch endete.

Toll auch „Longing For A Woman“, das mit herrlichem Southern Rock-Flair im Stile einer Marshall Tucker Band zu Glanzzeiten, rüberkam. Fantastisch auch der Gary Moore gewidmete Slow Blues „Time Might Never Come“ und das vom  ersten Album stammende, wahnsinnig atmosphärische „Hanging In A Balance“, bei dem Ben ebenfalls ein ganz intensives Bad in der Menge genoss und dabei so ziemlich bis in den hintersten Winkel der Location wanderte und seinem Road Manager so manche Sorgenfalte bescherte.

Die Kicks des Konzerts waren neben Pooles ‚Mörder‘-Soli sicher auch die furiosen E-Piano- und Orgel-Einlagen des wieder brillant aufspielenden Keyboarders Joe Mac, zum Teil auch in Duellen mit Ben. Proctor und Bernard hauchten der Musik vielleicht etwas mehr Gefühl und Seele ein, als es im Adler der Fall war.

Die Briten aus Brighton brachten mit der vehement eingeforderten und launigen Zugabe „Let’s Go Upstairs“ das Publikum zum Schluss in absolute Tanzstimmung. Die Jungs schienen sich für den letztjährig unverschuldet verpassten Auftritt, besonders ins Zeug gelegt zu haben. Erneut eine fantastische Darbietung, ganz großes Blues Rock Kino!

Line-up:
Ben Poole (lead vocals, electric guitar)
Joe Mac (keys, vocals)
Beau Bernard (bass, vocals)
Wayne Proctor (drums)

Für Tommy Schneller und seine Begleit-Combo war mit dem Poole-Auftritt die Messlatte als Headliner des Festivals in fast unerreichbare Höhen gelegt. Und ich muss auch zugeben, dass ich so meine Bedenken hatte, ob der Spannungsbogen weiter aufrecht gehalten werden konnte, zumal sich das Besucherfeld dann auch schon ein wenig gelichtet hatte.

Der Schwenk in nun soulige, bzw. dezent angejazzte Rockmusik, war zunächst auch etwas gewöhnungsbedürftig. Aber Schneller hatte seine feste Fangemeinde zugegen und spätestens mit der sehr charmant gebrachten Ballade „For The Ladies“, in der Tommy bei diversen, im Publikum anwesende Damen mit kleinen wunderbaren Saxofon-Solo-Ständchen punktete, hatte er auch meine Sympathien gewonnen. Sehr stimmungsvoll!

Im weiteren Verlauf wurde natürlich gegroovt und gesoult, was das Zeug hielt, der gute Gitarrist Jens Filser mit seinem filigranen Spiel hatte dabei gegen eine regelrechte ‚Bläser-Wand‘ anzukämpfen. Mein Favorit des Gigs waren die Southern-umwehten „Backbeat“ (Titelstück von Schnellers, hier auch ausgewogen präsentierten Studioalbums – mit klasse Slide-Spiel von Filser) und das einem Club in Brunswick, Georgia, angedachte „Tipsy’s“.

Mit „Laut Hör Ich Dich Denken“ und „Lass Die Seele Fliegen“ (mit Publikums-Mitsing- Interaktion) als Zugabe, gab es auch zwei deutsch gesungene Kreationen. Insgesamt ein sehr gelungener und kommunikativ mitnehmender Auftritt der Tommy Schneller Band, die sich hinter Acts amerikanischer Kollegen wie Josh Hoyer oder JJ Grey wahrlich nicht zu verstecken braucht und somit den Abschluss eines weitgehend sehr ansprechenden Festivals mit toller Kulisse bildete.

Line-up:
Tommy Schneller (lead vocals, saxophone)
Robert Hunecke (bass)
Raphael Becker Foss (drums)
Jens Filser (electric guitar, vocals)
Helge Adam (keys, vocals)
Dieter Kuhlmann (trombone, vocals)
Gary Winters (trumpet, vocals)

P.S. Vielen Dank an Florence Miller und Klaus Diessner für die kurzfristig arrangierte Akkreditierung. Das 6te Event steht, falls erwünscht,  ganz sicher auch im nächsten Jahr auf unserer To-Do-Liste!

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

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