Troy Gonyea – Click Click Spark – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Bereits mit dreizehn Jahren besaß Troy Gonyea seine erste Gitarre und stand schon im jugendlichen Alter mit Bluesgrößen wie Muddy Waters und Buddy Guy zusammen auf der Bühne. Später folgten dann noch gemeinsame Gigs mit so legendären Musikern wie z. B. Booker T. Jones und Kim Wilson. Im Laufe der Zeit wurden ihm deshalb auch Grammy-, Blues Music Award- und Bosten Music Award Nominierungen zu teil.

Mit „Click Click Spark“ stellt Troy Gonyea nun seine neue Live-CD, 2018 aufgenommen in „Nick’s“, einem Club im Retrostil in Worcester, Massachusetts, vor. Insgesamt gehören die neun Stücke des Album sicherlich in die große Schublade des Rock & Roll. Die einzelnen Songs spiegeln allerdings eine enorme musikalische Vielfalt wieder, bedienen sie doch ganz unterschiedliche Spielarten dieser Sparte. Troy Gonyea spannt einen musikalischen Bogen von äußerst flotten Rock & Roll-Nummern im Stil der 50’ger Jahre über schweißtreibende Boogie-Riffs hinweg bis hin zum Slow Blues.

Folgerichtig hat Gonyea seine Band in klassischer Besetzung mit Kontrabass, Keys und Schlagzeug zusammengestellt. Er selbst steuert Mundharmonika, Gesang und natürlich die Gitarre bei.

Nach einer kurzen Ansage geht der Livemitschnitt dann sofort mit dem mitreißenden Rock & Roll-Stampfer („Curl Up And Die“), wie ihn auch Little Richard & Co nicht besser hätten spielen können, in die Vollen. Einen typischen Vertreter des Chicago-Style Blues stellt das sich anschließende ruhigere „That’s Why I’m Crying“ dar, in dem sich Goneya im Mittelteil des Songs regelrecht an seiner Gitarre abarbeitet.

Auch mit dem nächsten Song setzt Troy das geruhsame Setting fort. „As I Am“ ist eine wunderschöne, soulige Ballade, die stellenweise Erinnerungen an Joe Cockers „With A Little Help From My Friends“ hervorruft. Zumindest den älteren unter uns dürfte auch „Bring It On Home“ von Led Zeppelins zweitem Album noch bestens bekannt sein. Troy Goneya interpretiert den Song mit seinem Mundharmonikaspiel auf eine überraschend gelassene Art neu.

Dass er auch die Slide-Gitarre aufs vortrefflichste beherrscht, beweist er im darauffolgenden, mit verzweifelt leidender Stimme gesungenen 9-minütigen Slow Blues „Tell Heaven“, einfach klasse!

„Slop Georgia“, ein rasanter Boogie-Woogie, knüpft wiederum an die Rock & Roll-Mucke der Mitte des letzten Jahrhunderts an. Fetzig und richtig gut zum Abzappeln! Da kommt dann die nächste Nummer („Jumping At Shadows“), ein stimmiger Low Down Blues mit viel Gitarrenwerk, gerade recht, um Kräfte zu sammeln, bevor es mit dem letzten Track des Albums nochmals richtig zur Sache geht. Mit „I Am Feeling So Good“ liefert Gonyea dann zum Abschluss einen ungestümen Boogie zum Niederknien ab.

„Click Click Spark“ ist sicherlich die Quintessenz aus Gonyeas bisherigem Schaffen und allem, was er im Laufe seines Musikerdaseins aus der Zusammenarbeit mit den Großmeistern des Blues gelernt hat. In meinen Augen verdient der Silberling 5 Sterne und eine unbedingte Kaufempfehlung!

Label: Lotus Eater Records (2018)
Stil: Rock & Roll, R&B, Boogie, Blues

Tracks:
01. A Few Words From Our Charming Host
02. (Do The) Curl Up And Die
03. That‘s Why I‘m Crying
04. As I Am
05. Bring It On Home
06. Tell Heaven
07. Georgia Slap
08. Jumping At Shadows
09. I Am Feeling So Good (Owed T‘ Don)

Troy Gonyea

Biscuit Miller And The Mix – Chicken Grease – CD-Review

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Man sieht Biscuit Miller (lead vocals, bass) und seinen Mitspielern Doctor Love (drums, vocals, stethoscope), Bobby B. Wilson (guitars, vocals) und Alex ‚Southside‘ Smith (guitars, vocals) auf dem bunten Cover, den Spaß, den sie beim Erstellen dieses Werkes namens „Chicken Grease“ hatten, förmlich an.

Lustig musizieren, danach im nächsten guten Fast Food-Restaurant ein paar leckere Chicken Wings oder -Nuggets frisch aus der Friteuse knabbern –  so lässt es sich leben! Lesern aus unserem Dunstkreis dürfte das Quartett vom beliebten Grolsch Blues Festival in Schöppingen bekannt sein, wo sie dieses Jahr ihren Auftritt hatten.

Produziert wurde das nun mehr vierte Album von Ben Elliott und den uns vom letzten Allman Betts Band-Konzert im Kölner Yard Club bekannten John Ginty, der dem Sound mit verschiedensten Tastenvariationen (Hammond B3, Vintage Vibe Electric Piano) und Percussion-Zugaben, weitere Farbtupfer verpasst.

Ein weiterer Gastmusiker, der hier auffällig seine Spuren hinterlässt, ist Marcus Randolph (Robert Randolph and the Family Band – dort eigentlich Drummer), der hier auf dem texas-bluesigen „609“ und „Chicken Grease“ mit surrenden Lap Steel-Einlagen glänzt.

Eine gewisse Passion für die Gesangart eines James Browns und seinem treibenden Groove offeriert Miller bei funkig-souligen Tracks wie dem Opener „Here Kitty Kitty“, „Two Legged Dog“ (beide mit launigen der Harmoniegesängen der anderen Mitstreiter), dem Titelstück „Chicken Grease“ oder dem abschließenden „Get Ready“.

Der Vierer kann es allerdings auch ruhig und atmosphärisch. Mit „Lonely Road“, „Watching You“ und Creeping“ gibt es gleich drei packende Slowblues-Songs, bei denen besonders die beiden Gitarristen Wilson und Smith, ihre E-Gitarren-Saitenkünste in den Soli ausleben können.

Am Rest, mit dem bereits erwähnten „609“, „Take A Ride“ (erinnert ein wenig an „One Way Out“ der Allman Brothers) und dezent „Southern Woman“ dürften auch Southern Rock Blues-Freunde (zum Teil dank Gintys filigranem Hammond-Spiel), Gefallen finden.

Insgesamt ist „Chicken Grease“ besonders durch die spürbare Musizierfreude, aber auch die geschickte Songanordnung, eine kurzweilige und abwechslungsreiche Scheibe geworden. Mit Biscuit Miller und seinen ‚Mixern‘ gibt es deshalb auf ihrem neuen Werk so gut wie kein Hühnchen zu rupfen!

American Showplace Music (2019)
Stil: Blues & More

Tracks:
01. Here Kitty Kitty
02. 609
03. Lonely Road
04. Two Legged Dog
05. Chicken Grease
06. Watching You
07. Take A Ride
08. Southern Woman
09. Creeping
10. Get Ready

Biscuit Miller And The Mix
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Beth Hart – War In My Mind – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Beth Hart hat nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens gestanden. Eine schwierige Kindheit, ein spielsüchtiger Vater, Drogenprobleme und ihre, wie sie offen zugibt, manisch-depressive Erkrankung sowie der frühe Verlust ihrer Schwester haben sie über die Jahrzehnte geformt.

Inzwischen ist die Sängerin gereift und präsentiert nun mit 47 Jahren ihr wohl persönlichstes Album. Auf „War In My Mind“ verarbeitet sie die Berg- und Talfahrten ihres Lebens. In den Songs gibt sich Beth Hart roh und ungeschminkt, die Tracks wirken deshalb auch sehr kraftvoll und authentisch.

Fast alle Songs kommen in ihrer Grundtendenz einerseits eher nachdenklich daher, reißen aber andererseits den Zuhörer dank ihrem virtuosem Klavierspiel und einfühlsamen Gesang auch immer mit. Auf jeden Fall besticht das Album nicht nur musikalisch, sich mit den Lyrics auseinander zu setzen lohnt sich ebenfalls. Insofern ist es schade, dass, zumindest der für das Review vorliegenden Demoversion des Albums, kein Booklet mit den Songtexten beiliegt.

Hier eine kurze Beschreibung einiger Songs auf dem Album:

Der Opener „Bad Woman Blues“ – er handelt von einer durchtriebenen Frau, die sich dessen aber nicht schämt – bietet ein gospelartiges Intro, welches sich zu einem rhythmisch groovenden Track entwickelt.

In der sich zu einer epischen Hymne entwickelnden Klavierballade „War In My Mind“ verarbeitet Beth Hart ihre jahrelange Alkoholsucht und das Gefühl mit dem Leben nicht mehr klar kommen zu können.

Um Schmerz, Kampf und Liebeskummer geht es auch in dem leicht jazzig beginnenden Song „Without Words In The Way“, während „Let It Grow“ davon handelt, in Zeiten der Hoffnungslosigkeit diese zu überwinden, ein froh stimmendes Stück mit einem tollem Gospelchor im Background. Auch „Try A Little Harder“ kommt flott und lebensbejahend daher. Das Stück versucht ein Bild der Spielhöllen in Las Vegas zu zeichnen und spielt auf die Glücksspielsucht ihres Vaters an.

Ihrer früh verstorbenen Schwester Sharon hat Beth Hart mit dem Midtempostück „Sister Dear“ ein Denkmal gesetzt, welches entfernt an Marty Webbs „Tell Me On A Sunday“ erinnert. Ganz andere Einflüsse treten in „Spanish Lullabies“ zutage. Wie der Titel vermuten lässt, spielen hier spanische Gitarrenklänge und leichte Flamenco Rhythmen eine tragende Rolle.

Geradezu aus einem James-Bond-Film entstammen könnte hingegen der Slowblues „Rub Me For Luck“, während das gut tanzbare „Sugar Shack“ mit seinem Discotouch eine Reminiszenz an die 70’er Jahre des letzten Jahrhunderts ist.

Ihre jahrelange Drogensucht hatte Beth Hart nicht zuletzt durch ihren christlichen Glauben überwunden, in der Ballade „Thankful“ bringt sie nun ihre Dankbarkeit und ihren Glauben sehr gefühlvoll zum Ausdruck.

Über ihr Album sagt Beth Hart selbst, dass sie auf keinem anderen ihrer Werke sie so sehr sie selbst war. Diese Aussage stimmt absolut. Mit „War In My Mind“ liefert die Sängerin ein großartiges Album ab, welches für sie selbst offenbar ein Stück weit Therapie, auf jeden Fall aber Befreiung ist und für den Hörer zwölf abwechslungsreiche Songs bereit hält.

Mascot Label Group (2018)
Stil: Blues, Singer/Songwriter

01. Bad Woman Blues
02. War In My Mind
03. Without Words In The Way
04. Let It Grow
05. Try A Little Harder
06. Sister Dear
07. Spanisch Lullabies
08. Rub Me For Luck
09. Sugar Shack
10. Woman Down
11. Thankful
12. I Need A Hero

Beth Hart
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Netinfect Promotion

Jimmy Carpenter – Soul Doctor – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Was es bedeutet, in verschiedenen Bands über 35 Jahre „On The Road“ das Musik-Business von der Pike auf zu erlernen, das kann der Blues-Musiker Jimmy Carpenter begeistert erzählen und musikalisch aufbereiten. Auf seinem vierten Solo-Album „Soul Doctor“ kommt der US-amerikanische Saxophonist, Singer-Songwriter und Arrangeur jedenfalls dermaßen in Fahrt, dass es den geneigten Hörer gerne mal komplett vom Hocker reißt – entsprechende Lautstärke vorausgesetzt.

Die 10 Tracks des Studio-Longplayers, davon sieben Eigenkompositionen – von Carpenter selbst arrangiert und produziert – verbreiten eben jenen virtuosen, klassischen Soul-Blues-Sound, der immer wieder für eine Überraschung gut ist. Bereits der Titeltrack „Soul Doctor“ verneigt sich zu Beginn vor den vielen Vorbildern des Soul-Blues im typischen Rhythmus und durch Carpenters ausgeprägte Vocals; E-Gitarre und Sax bringen den Aufreißer zusätzlich auf Touren. Das Songwriter-Talent wird auch beim stimmungsvollen Memphis-Soul-Stück „When I Met You“ nochmals deutlich, wenn die Horn-Section im 60er Soul-Sound einsetzt und ein Touch von Van Morrison überschwappt.

Mit dem anschließenden Blues-Shuffle „Wild Streak“ folgt ein weiteres Highlight – Carpenters herrliche Sax-Einlage und Mike Zitos rasantes Slide – Solo inklusive (ein 5-minütiger Muntermacher für das Frühstücksradio). Im gleichen Stil geht der Longplayer zum nächsten Track über: „Love It So Much“ ist eine perfekt arrangierte Nummer im New Orleans-Groove, dessen beeindruckender Bläser-Sound funky im Dr. John-Stil nachwirkt.

Der folgende Slow-Blues „Need Your Love So Bad“ wurde schon erfolgreich von Fleetwood Mac gecovert (Original-Titel von Little Willie John) und bekommt bei Carpenters Version ein wunderbar dynamisches Tenor-Sax-Solo obendrauf, wie auch der ungemein fröhliche Funk-Jazz-Track „Wanna Be Right“ im Anschluss.

Einen schönen Übergang bildet das Cover der alten Ray Charles Komposition „One Mint Julep“ als ebenso funkiges, Saxophon – getriebenes Instrumentalstück, das vom schnellen „Wrong Turn“ im Südstaaten-Blues-Rock und wilden Slide- und Harmonica-Solos abgelöst wird. Dabei kann man die Spielfreude der großen Begleitband förmlich spüren – ein unbedingter Anspieltipp des Albums.

Dieses kommt mit dem Instrumental „LoFi Roulette“ beinahe etwas zur „Ruhe“, wobei schöne Solos von Sax, E-Gitarre und Hammond B3 in Form einer „familiären“ Jam-Session im Ohr bleiben. Einen würdigen Abschluss findet der „Soul Doctor“ in einer umwerfend lässigen Cover-Version von Eddie Hintons „Yeah Man“, das mit seiner optimistischen Botschaft die mehr als gelungene Produktion abrundet.

Jimmy Carpenters kraftvoll-swingende Platte „Soul Doctor“ beweist, dass er ganz im Soul-Blues-Sektor „zu Hause“ ist und mit seinem musikalischen Charme und den spritzigen Arrangements begeistern kann. Es bleibt zu hoffen, dass die Blues-Community auch hier verstärkt auf ihn aufmerksam wird – dieses Album verdient Respekt!

Gulf Coast Records (2019)
Stil: Soul, Blues, Rock

Tracks:
01. Soul Doctor
02. When I Met You
03. Wild Streak
04. Love It So Much
05. Need Your Love So Bad
06. Wanna Be Right
07. One Mint Julep
08. Wrong Turn
09. LoFi Roulette
10. Yeah Man

Jimmy Carpenter
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Giles Robson – Don’t Give Up On The Blues – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Bereits zwei Jahre nach seinem erfolgreichen Debütalbum „For Those Who Need The Blues“ spielte Robson zusammen mit Grammy-Gewinner Joe Louis Walker und dem virtuosen Pianisten Bruce Katz, der auch für das neue Opus wieder in die Tasten greift, das beachtenswerte, rein akustische Album „Journeys To The Heart Of The Blues“ ein und veröffentlichte es über das legendäre Chicagoer Label Alligator Records.

Er ist damit der erste europäische, oder besser gesagt britische, Bluesmusiker, der bei diesem traditionsreichen Label erschienen ist. Eine Ehre für den inzwischen als besten, lebenden Bluesharmonikaspieler gehandelten Briten. So wundert es auch nicht, dass seine Europatourneen 2018 und 2019 komplett ausgebucht waren.

Und nun sein neuestes Werk „Don’t Give Up On The Blues“. Auch auf diesem Longplayer gibt’s wieder zündenden „Old School“ Blues“, angetrieben von vorwiegend elektrischen Gitarrenriffs und natürlich Giles’ wild-virtuosem Harp-Spiel.

Die Songs bewegen sich zwischen Nummern im Chicago-Style („Land To Land“, „Show A Little Mercy“ oder „Hey, Hey Now!“) und flotten Boogie-Woogie Stampfern, wie z. B. dem namensgebenden Titelsong „Don’t Give Up On The Blues“ und „Boogie At The Showplace“, einem reinen Instrumentalstück mit schön differenzierter Harp, bzw. dem flotten Schwofer „That ‚Ol Heartbreak Sound“. Ohrwurmqualitäten hat sicherlich der Song „Damn Fool Way“, nicht zuletzt auch wegen der hookigen Drumline, die sich durch das ganze Stück zieht.

Zwischendurch gibt’s aber auch ganz klassische Bluesvariationen mit Piano-Einlagen auf die Ohren („Your Dirty Look & Your Sneaky Grin“, „Fearless Leaders“ und der Rausschmeißer „Way Past Midnight“).

Insgesamt liefert Giles Robson mit seinem neuen Album, das ab dem 20.09.2019 in die Läden kommt, solide bluesige, abwechslungsreiche Hausmannskost mit beherrschender Mundharmonika und vielfach klassischen Pianoeinlagen ab. Die Bluesharp muss Mann/Frau also mögen, um an dem Album Gefallen zu finden, und das nicht nur ab und zu. Mir persönlich hat die Scheibe recht gut gefallen, wenngleich sie ab und an ruhig etwas „dreckiger“ und rauer rüber kommen könnte.

American Showplace Music (2019)
Stil: Blues

Tracks:
01. Land To Land
02. Don’t Give Up On The Blues
03. Damn Fool Way
04. Your Dirty Look & Your Sneaky Grin
05. Show A Little Mercy
06. Boogie At The Showplace
07. Fearless Leaders“
08. Hey, Hey Now! Chicago
09. Giles’ Theme
10. Life, With All Its Charms
11. That ‚ol Heartbreak Sound
12. Way Past Midnight

Giles Robson
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Charley Crockett – The Valley – CD-Review

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Review: Michael Segets

Charley Crockett hatte vergangenen Monat in der Kulturrampe im Rahmen seiner diesjährigen Europatournee Halt gemacht. Die letzten Konzerte in Spanien sind gerade gelaufen und die nächsten in den Vereinigten Staaten angekündigt. Nicht nur, wenn Crockett auf Konzertreise ist, erscheint er als rastloser Geist. Bereits als Jugendlicher trampte er durch die Staaten, lebte später in Europa und Afrika.

Ständig on the Road charakterisiert er seine selbst gewählte Lebensweise auf „The Way I’m Livin‘ (Santa Rosa)“ oder „Motel Time Again“. Ebenfalls autobiographische Züge trägt der Titelsong des neuen Albums „The Valley“. Bei ihm schildert Crockett seine Herkunft und die Anfänge seiner Sehnsucht, die ihn immer wieder in die Ferne zieht.

So unstet sein Lebenswandel auch erscheint, so bleibt er doch musikalisch auf seiner Linie, die zwischen Country und Blues liegt. Hatte er sich auf seinem Chart-Erfolg „Lil G.I.‘s Blue Bonanza“ (2018) dem Blues zugewandt, schlägt die Nadel bei „The Valley“ wieder stärker in Richtung Country aus, was sich ja bereits bei der Show in der Kulturrampe abzeichnete.

Da sind schnellere Varianten vorhanden, wie das einprägsame „Big Gold Mine“, oder auch langsame, wie „10,000 Acres“ und „Change Yo‘ Mind“. Die meisten Country-Nummern (u. a. „Excuse Me“ oder „Maybelle“), bewegen sich aber im mittleren Tempo. Die Titel orientieren sich von Machart und Instrumentalisierung mit Geige, Steel Pedal und Slide an den Genreklassikern. Sie haben den typischen Twang. Den erzielt Crockett auch auf „River Of Sorrow“, bei dem er Orgel und Trompete einbaut.

Unter den Country-Songs, die dem herkömmlichen Muster folgen, heben sich „It’s Nothing To Me“, auf dem Crockett etwas tiefer singt, und „Borrowed Time“ besonders hervor. Die Single, die Crockett zusammen mit Evan Felke (Turnpike Troubadours) geschrieben hat, glänzt durch einen sofort ins Ohr gehenden Refrain, auf dem Crocketts besonderer, metallischer Gesang hervorragend zur Geltung kommt.

Intensiv sind die beiden Songs „5 More Miles“ und „7 Come 11“. Bei ihnen wendet sich Crockett mehr seiner bluesigen Seite zu. „If Not The Fool“ ist in zwei Versionen auf dem Album vertreten. Die längere Version enthält ein gedämpft schnarrendes Trompetensolo, unterscheidet sich aber sonst nicht wesentlich von der anderen. Selbst in der Langversion knackt der langsame Blues nicht die vier Minutenmarke. Crocketts Stücke sind sowieso meist sehr kurz und selten länger als drei Minuten.

Schließlich findet sich ein vom Banjo begleiteter Folksong auf der Scheibe, der die Legende um John Henry aufgreift. Mit „9 Pound Hammer“ reiht sich Crockett ebenbürtig in die Tradition von Pete Seeger, Leadbelly oder Johnny Cash ein. Mit ihm erhöht Crockett die Klangvarianz auf seinem Longplayer, der insgesamt von ähnlich aufgebauten Country-Nummern geprägt wird.

Die Differenzierungen im Country-Bereich stellen ja eine Wissenschaft für sich dar. Ich habe letztens gelesen, dass es so etwas wie New-Traditional-Country gibt. Die Bezeichnung trifft die Mehrzahl der Songs von Crockett auf „The Valley“ ganz gut. Dabei gelingen ihm einige sehr schöne, eingängige Genrebeiträge. Tendenziell stechen aber die starken Titel mit Blues-Einschlag auf dem Album hervor. Sie bringen Abwechslung in das Werk und bleiben von ihm eher im Gedächtnis.

Son Of Davy / Thirty Tigers
Stil: Country, Blues

Tracklist:
01. Borrowed Time
02. The Valley
03. 5 More Miles
04. Big Gold Mine
05. 10,000 Acres
06. The Way I’m Livin‘ (Santa Rosa)
07. 7 Come 11
08. If Not the Fool (Long Version)
09. If Not the Fool (Short Version)
10. Excuse Me
11. It’s Nothing To Me
12. Maybelle
13. 9 Pound Hammer
14. River Of Sorrow
15. Change Yo‘ Mind
16. Motel Time Again

Charley Crockett
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Oktober Promotion

Andreas Diehlmann Band – Point Of No Return – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

An Andreas Diehlmann kommt man nicht mehr vorbei, wenn es um gut gemachten, ehrlichen Blues und Bluesrock made in Germany geht. Seine Schaffenskraft scheint unerschöpflich: das Debüt Album „ADB“ aus 2017, 2018 dann „Your Blues Ain’t Mine“, Anfang des Jahres dann das zugehörige Live Album und nun seine neue Scheibe „Point Of No Return“, wiederum eingespielt mit seiner treuen Gefolgschaft Volker Zeller am Bass und Tom Bonn an den Drums.

Auch sein neuestes Werk bietet wieder ziemlich straighten Blues und Bluesrock mit kräftigen Basslinien und bluestypischen Gitarrenriffs. Neun starke Songs (alles Eigenkompositionen ohne Coversongs) mit einer Spieldauer von knapp 45 Minuten hat Andreas Diehlmann in seinem Kasseler Mountain Meadow Studio diesmal auf den Silberling gebrannt. Allerdings ist die neue Scheibe, im Vergleich zu den Vorgängern, mitunter durchaus etwas härter und rockiger geraten.

Zunächst aber geht es mit der Oldschool Bluesnummer „You Are My Woman“ los, die die Verzweiflung nur so ausstrahlt, was durch Diehlmanns rauchig-raue Stimme noch verstärkt wird. Mit „Point Of No Return“ zeigt er dann, dass er auch die harte Tour musikalisch beherrscht. Ein toller Bluesrocktrack mit quietschend verzerrten Gitarrenriffs.

Ansonsten gibt’s noch einen schönen Klammerblues mit dem Titel „Don’t Go“ sowie das traditionell angelegte „I’m A King Bee“, während die Freunde einer etwas härteren Gangart bei den restlichen Songs „Sweet Mama“, „Nothing Like The Blues“, Here Comes The Rain“ oder auch „Deadman Walking“ (mit leicht psychedelisch anmutendem Intro) auf ihre Kosten kommen. „Long Forgotten Nightmare“ fällt ebenfalls in diese Kategorie, ein herrlicher Texas-Rock Stampfer in bester ZZ Top-Manier, neben dem Blues „I‘m A King Bee“ mein persönliches Highlight der CD.

„Point Of No Return“ ist ein kraftvolles Album mit dem sich Andreas Diehlmann und seine Band nun endgültig in die Oberliga, nicht nur der deutschen, sondern auch der internationalen Bluesmusiker, gespielt haben. Mir persönlich hat es wahnsinnig gut gefallen und es ist selbst nach dem x-ten Hören nicht langweilig geworden. Die CD sollte also in keiner Sammlung der Blues- und Bluesrock-Afficinados fehlen.

Für erste Eindrücke könnt ihr auf der Facebook-Seite der Band in ein paar der Songs des Albums rein hören, auf dem Ladentisch liegt sie allerdings erst ab dem 13.09.2019, aber das ist ja schon bald.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Blues/Blues Rock

Tracklist:
01. You Are My Woman
02. Point Of No Return
03. Don’t Go
04. Long Forgotten Nightmare
05. Sweet Mama
06. Nothing But The Blues
07. I’m A King Bee
08. Deadman Walking
09. Here Comes The Rain

Andreas Diehlmann Band
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Arsen Shomakhov – Rain City Blues – CD-Review

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Ein russischer Gitarrist und Songwriter in Kanada, der Blues Rock-Musik macht. Ein echter Geheimtipp? Vielleicht ein zweiter kommender Ilya Toshinsky? Fragen, die mir beim Einlegen der neuen CD von Arsen Shomakhov durch den Kopf schossen.

Mit „Rain City Blues“ bringt er sein bereits viertes Album unter komplett eigener Fahne heraus, vom Titel her eine schöne Metapher, sowohl für die klimatischen Bedingungen, die seinem derzeitigen Wohnort Vancouver nachgesagt werden, als auch über seine musikalischen Präferenzen.

Shomakhov bietet keinen Blues Rock von der Stange, mit dem man die große Masse erreichen kann. Seine ausnahmslos selbst (zum Teil zusammen mit Darrell Mayes) kreierten Stücke, kommen mit einem gewissen (swingenden) Retro-Charme daher, allerdings auch in Verbindung mit experimentierfreudigen, jamartigen Kurzeinlagen oder verschachtelten Stimmungs- und Rhythmuswechseln, die seiner Musik letztendlich einen eigenen Stempel aufsetzen.

Während der shufflige Opener „Full Time Lover“ noch im Zeichen des Gastharpers Aki Kumar steht, setzen sein quirliges E-Gitarrenspiel sowie die Hammond- und Pianoklänge des Produzenten und Multiinstrumentalisten Kid Andersen im weiteren Verlauf die Hauptakzente.

Die gitarrentechnische Versiertheit und Experimentierfreudigkeit Shomakhovs kommt vor allem in den drei Instrumentalstücken „Strolling In San Jose“, „Three Arrows“ und „Hello, Little Bird“ zum Ausdruck.

Als meine Favoriten des Albums entpuppen sich das fröhlich groovende „Sunset Beach“ und das mit einem dezentem Southern Blues-Touch (ZZ Top/Allman Brothers) versehene Titelstück „Rain City Blues“ (irgendwo in der Nähe von „Dust My Broom“ und „Statesboro Blues“).

Der Rest ist eher was für Traditionalisten, deren Neugier aufgrund der oben beschriebenen Attitüden geweckt wird. Aus meiner Sicht, könnte vor allem der recht unscheinbar wirkende Gesang von Arsen Shomakhov, etwas mehr Gift vertragen, wenn man als Solokünstler in diesem hart umkämpften Genre herausstechen möchte…

Eigenproduktion (2019)
Stil: Blues (Rock)

Tracklist:
01. Full Time Lover
02. No More!
03. Sunset Beach
04. Women And Whiskey
05. Strolling In San Jose
06. Rain City Blues
07. Boogaloo
08. Three Arrows
09. Sitting On a Fence
10. Hello, Little Bird

Arsen Shomakhov
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Tennessee Redemption – Same – CD-Review

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Wenn zwei charismatische Musiker sich in einem Projekt zusammenfinden, kann das unter Umständen diverse Fallstricke mit sich bringen. Eitelkeiten sowie das Ego spielen ja sehr oft, gerade in künstlerischen Sphären, eine besondere Rolle.

Im Falle der beiden Akteure Jeff Jensen und Brandon Santini ist das nicht der Fall. Beide kennen sich schon seit vielen Jahren, Jensen hat sich eine lange zuvor in Santinis Band eingebracht, beide haben endlose Zeit zusammen getourt, bevor danach ihre eigenen Solo-Projekte erfolgreich in Angriff genommen wurden. Sie wissen, was sie tun.

Mittlerweile begegnen sich beide auf ‚Augenhöhe‘ und haben folgerichtig ihre Reunion unter einem allgemeinen Bandnamen gestartet. Tennessee Redemption hat sich das neue Quintett benannt, bestehend aus beiden Leadern sowie der Rhythmusformation aus Jensens Band , Bill Ruffino am Bass und David Green am Schlagzeug, sowie Timo Arthur aus dem Santini-Umfeld.

James Cunningham sorgte noch für zusätzliche Percussion und Jared Dover für ergänzende Harmoniegesänge. Diversität ist das Schlagwort, das mir im Zusammenhang dieses Albums, als erstes nach dem Hören in den Sinn kommt. Jensen und Santini haben völlig verschiedenartige Stimmen, und spielen unterschiedliche Instrumente.

Das Zusammenwirken von Harp und E-Gitarre ist, wie auch hier, letztendlich  natürlich für das Blues-Schema prädestiniert, aber dieser Erstling bietet viele Facetten weit darüber hinaus, die von Roots Rock, Soul, Gospel, Swing, Jazz bis sogar zum klassischen Southern Rock reichen, allerdings sehr schön dezent verwoben, sodass immer ein roter Faden gewährt bleibt.

Sämtliche Tracks sind sind instrumentell schön ausstaffiert und bewegen sich von daher immer im über vier-minütigen Bereich.

Acht der zehn Stücke stammen aus der Feder der Protagonisten. Mit „Come On Up To The House“ von Tom Waits (Jensens helle Stimme, im Kontrast zu Waits versoffenem Krächzorgan, lässt den Song in völlig anderem Licht erscheinen) und dem Santini auf den Leib geschnittenen „Watch Yourself“ von Ex-Harp-Spezialist Little Walter, gibt es zwei Coverversionen.

Stücke wie der Opener „Glad To Be“, „Souls In The Water“, „See About Me“ oder You Don’t Love Me“ stehen als Blaupause für eingängige Hooks und melodisches Songwriting, der Kracher des Albums ist natürlich im Rahmen unseres Magazins der im „Can’t You See“-Ambiente der Marshall Tucker Band konstruierte Southern Rocker „Back To Tennessee“, der allein schon das Album wert ist.

Sachen wie „“We Got A Thing Going On“ (unterschwellig ein wenig an „Miss You“ der Stones erinnernd, Santinis Gesang teilweise mit Hohepriester-Attitüden), der Schleicher „Leave My Body“, sowie das deltabluesige „I’m Going To Mexico“ wirken als abwechslungsreicher Spaß drum herum.

Und wie singt Jensen hier zu Santinis nöhlender Harp und blechernd klingender Akustikgitarre so schön „When all else fails I’m going to Mexico“. Ganz so krass würde ich es vielleicht nicht beschreiben (vor allem für Leute aus unseren geografischen Gefilden), das Hören dieser gelungenen Scheibe von Tennessee Redemption wäre da sicherlich eine eher empfehlenswerte und etwas weniger kostenintensive Alternative…

Endless Blues Records (2019)
Stil: Blues Rock

01. Glad To Be
02. We Got A Thing Going On
03. Souls In The Water
04. Back To Tennessee
05. Leave My Body
06. See About Me
07. Come On Up To The House
08. You Don’t LoveMe
09. Watch Yourself
10. I’m Going To Mexico

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Endless Blues Records

Billy Price – Dog Eat Dog – CD-Review

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Review: Michael Segets

Billy Price startete in den siebziger Jahren seine Karriere an der Seite des Blues-Gitarristen Roy Buchanan, in den Achtzigern war er mit der Keystone Rhythm Band unterwegs. Anschließend veröffentlichte er unter seinem Künstlernamen in regelmäßigen Abständen CDs. Der große Durchbruch blieb dem fast siebzigjährigen allerdings lange Zeit verwehrt.

Erst 2016 erhielt er Anerkennung in Form von Preisen, so unter anderem einen Blues-Music-Award für seinen Longplayer „This Time For Real“, den er zusammen mit Otis Clay veröffentliche. Auch das nachfolgende „Reckoning“ (2018) erhielt eine Nominierung als bestes Soul Blues Album.

Mit „Dog Eat Dog“ legt Billy Price nun nach. Auch auf seinem neuen Werk bewegt er sich zwischen Soul und Blues. Er bleibt dabei seinem Sound treu, der vor allem durch Saxophon und Trompete geprägt wird.

Stärkstes Stück ist das soulige „Walk Back In“, aber auch das von Bobby Byrd stammende und mit viel Swing versehene „We’re In Love“ überzeugt. Die meisten Titel sind im Midtempo angesiedelt, wie das ausgekoppelte „Working On Your Chain Gang“ oder „Lose My Number“.

In Richtung R&B gehen „Same Old Heartache“ und „More Than I Needed“. Nicht zuletzt durch das Keyboard von Jim Pugh erhalten „Toxicity” sowie das langsamere „Remnants“ einen Funk-Einschlag. Ein Anflug von Raeggae mischt sich bei „All Night Long Cafe‘“ hinzu. Mike Zito veredelt den Track mit einem Gitarrensolo.

Billy Price ist also kein musikalischer Purist, sondern schöpft aus unterschiedlichen musikalischen Stilen und baut diese so in sein Album ein, dass kein Bruch entsteht. Für die meisten Sound-Of-South-Leser sind aber wahrscheinlich die Blues-orientierten Songs interessanter. Bei dem getragenen, von Otis Rush geschriebenen „My Love Will Never Die“ kommt eine genregerechte Gitarre – gespielt vom Produzenten Kid Andersen – zum Einsatz.

Etwas flotter ist „You Gotta Leave“. Hier hat Price ebenso wie bei „Dog Eat Dog“, auf dem er von Alabama Mike am Mikro unterstützt wird, den Blues in der Stimme. Das Titelstück stammt aus der Feder von Rick Estrin, der sich mit der Mundharmonika an der Neueinspielung beteiligt.

Locker und routiniert präsentiert Billy Price auf dem Album seinen Soul mit einer Prise Blues. Konstant liefert er eingängige und facettenreiche Eigenkompositionen und Cover, von denen allerdings keine so herausragend sind, dass sie sich längerfristig in den Gehörgängen festsetzen würden. Ob diese Beständigkeit ausreicht, um mit „Dog Eat Dog“ an die Erfolge seiner vorherigen Scheiben anzuknüpfen, bleibt daher abzuwarten.

Gulf Coast Records (2019)
Stil: Soul/Blues

Tracks:
01. Working On Your Chain Gang
02. Lose My Number
03. We’re In Love
04. Dog Eat Dog
05. My Love Will Never Die
06. All Night Long Cafe‘
07. Walk Back In
08. Toxicity
09. Remnants
10. Same Old Heartaches
11. More Than I Needed
12. You Gotta Leave

Billy Price
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Gulf Coast Records