Marc Broussard – Support: Batomae – 12.10.2018, Pitcher, Düsseldorf – Konzertbericht

Br_haupt

Es war unser aller erster Besuch im Pitcher in Düsseldorf, daraus resultierend ergab sich in dem dicht besiedelten Stadtteil Oberbilk für uns eine recht schwierige Parkplatzsuche, die wir dann aber mit etwas Glück noch in einigermaßen erträglicher Distanz zum Ort des Geschehens lösen konnten.

Dadurch bedingt verpassten wir allerdings die Anfangsminuten des Voracts Batomae, an diesem Abend mit David Müller (ehemaliger Luxuslärm-Bassist) und seinem Bruder Florian im Duo agierend. Die (Indie-) Deutsch-Pop-Szene der Marke Clueso, Benzko, Annen May Kantereit & Co. erfreut sich ja gerade bei jungen Leuten immer größer werdender Beliebtheit und vermutlich auch das Hinterlassen der Visitenkarte von Marc Broussard an gleicher Stelle vor drei Jahren, werden dazu beigetragen haben, dass diese ungewöhnliche Mischung, mit nahezu 150 Leuten, für ein ausverkauftes Haus sorgte.

Die beiden Müllers boten dann auch den Stoff, den ich so aus der Szene vom Radio her kenne, falls ich mal meinen USB-Stick vergessen habe. Melodische Lieder, mit teilweise hintergründigen Texten und Botschaften, wobei in diesem Fall bei „Schweigen Ändert Nichts“ und „Unvergleichlich“, die Beziehung des Protagonisten David zu seiner Managerin Jana Crämer, die an einer Essstörung namens Binge Eating leidet, eines der Songthemen darstellte.

In einer kurzweiligen knappen Dreiviertelstunde boten die beiden noch weitere Stücke wie u. a. „Kein Wort“, „In Gedanken“ oder „Urlaub“ und wurden mit viel Applaus verabschiedet.

Während der recht zügigen Umbaupause hatten wir uns in dem langen ‚Schlauch‘ nach vorne durchkämpfen können, um dem Hauptanliegen unseres Besuchs, Marc Broussard, dann quasi ‚Auge in Auge‘ gegenüberzustehen. Der hatte ja vor kurzem wieder eine schöne, natürlich auch von uns beleuchtete CD namens „Easy To Love“ mit dabei, aus der der melancholische Opener „Leave The Light On“ auch hier zur Einstimmung genutzt wurde.

Nach dem ebenfalls noch recht ruhigen „Wounded Hearts“, offerierte der Louisiana-Musiker, erstmals standesgemäß seine Soul- und Groove-Qualitäten in Verbindung mit seiner grandiosen Stimme, mit den drei in einander überlaufenden Tracks „Try Me“, „Fire In The Bayou“ und „Love And Happiness“, wobei Joe Stark, seinem Nachnamen mit tollen E-Gitarrensoli, alle Ehre erwies.

Schon früh zeigten sich auch die Qualitäten aller beteiligten Musiker in den perfekt sitzenden Harmoniegesängen (auch beim folgenden „Memory Of You“), die sich wie ein roter Faden durch das (zur großen Fotografenfreude von SoS-Kollege Gernot…) fast durchgehend in rote Scheinwerferlichter gehüllte Pitcher zogen.

Bärenstark war dann auch das tolle Titelstück des neuen Longplayers „Easy To Love“ und mein absoluter Favorit des Silberlings als auch des Abends, das wunderbare Frankie Miller-Cover „Baton Rouge“, auf das ich mich besonders gefreut hatte.

Nach einem Medley mit der Einbindung von Klassikern wie u. a. „Sex Machine“, ging es mit dem fett gerockten „Dyin‘ Man“ (zwei klasse Soli von Joe Stark) schon in die Schlussphase, die nach, wie schon zuvor, vier gereichten ‚Jack Daniels Shots‘, mit dem abwechslungsreichen „Home“ und dem Solomon Burke-Cover „Cry To Me“, großen Anklang im Publikum fand.

Ohne Zugabe wollte Marc dann doch nicht von der Bühne weichen und schloss mit einer Solovorstellung von „Send Me A Sign“ den Kreis der Präsentation seiner neuen Scheibe. Ich persönlich hätte zwar gerne auch noch Stücke wie „Lonely Night In Georgia“ oder das countrylastige „When It’s Good“ mal gehört, aber man ja nicht alles haben.

Nach dem Gig waren dann alle Musiker draußen vor der Kneipe für die obligatorischen Smalltalks, Autogramme und Bilder zur Stelle, wobei Marc und ’seine‘ Mitstreiter, als auch David Müller, sich als sehr sympathische Personen entpuppten. Klar war somit, dass dann alle noch für unser Foto für die VIP-Galerie posierten.

Eine absolut gelungene Vorstellung. Trotz viel toller Musik, so gut wie keine Längen, hat richtig Spaß gemacht. Danke an das Pitcher-Team und Maren Kumpe von Musik Matters für den perfekt organisierten Abend.

Line-up Batomae:
David Müller (lead vocals, acoustic guitar)
Florian Müller (electric guitar, vocals)

Line-up Marc Broussard:
Marc Broussard (lead vocals, electric guitar)
Chad Gilmore (drums, vocals)
David Raymond jr. (bass, vocals)
Joe Stark (electric lead guitar, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Marc Broussard
Marc Broussard bei Facebook
Batomae bei Facebook
Pitcher Düsseldorf
Music Matters

John Campbelljohn – 01.10.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

JCJ_haupt

Pünktlich um 20:30 betrat der Kanadier John Campbelljohn nach der Anmoderation vom Kulturrampenchef „Pille“ Peerlings zusammen mit seinem langjährigen Schlagzeuger Neil Robertson die dreieckige Bühne der Kulturrampe. Zuletzt war er dort vor ca. vier Jahren zu Gast und muß wohl beim Publikum einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, die Kulturrampe war jedenfalls für einen Montagabend erstaunlich gut gefüllt.

Das Duo benötigte kaum Zeit zum Warmlaufen, die Funken sprangen direkt auf die anwesenden Zuhörer über. Geboten wurde ein kurzweiliger und Dank der Kommunikationsfreudigkeit von John Campbelljohn unterhaltsamer Abend, bestehend aus zwei einstündigen Sets mit kurzer Pause und natürlich einigen Zugaben.

Musikalisch bestachen die beiden durch ihre immense Spielfreude, mit der sie ihre Setlist, gefüllt mit Songs aus den Bereichen Blues, Rock’n’Roll und Blues Rock, zu Gehör brachten. Selbst Klassiker wie „Whole Lotta Love“, „You Can’t Always Get What You Want“, „Hey Joe“ und „Shake Your Moneymaker“ wirkten, im neuen Blues-Gewand und mit Slidegitarre gespielt, erfrischend neu. Dabei produzierten die beiden klanglich erstaunlich viel Druck, und das ganze ohne Verstärkung durch einen Bassisten.

Alles in allem ein tolles Konzert in der Kulturrampe mit vernünftiger Lautstärke, das lange in Erinnerung bleiben wird.

Line-up:
John Cambelljohn (lead vocals, electric guitar, lap steel)
Neil Robertson (drums,vocals)

Text und Bilder: Jörg Schneider

John Campbelljohn
John Campbelljohn bei Facebook
Kulturrampe Krefeld
Jörg Schneider Webseite

Doyle Bramhall II – Shades – CD-Review

DB2_300

Review: Gernot Mangold

Für den hiesigen musikalischen Mainstream ist der mittlerweile fast 50-jähhrige Doyle Bramhall ll eher einer Randerscheinung. Wer sich aber mit der Vita des amerikanischen Musikers genauer befasst, wird erkennen, dass Doyle durchaus als eine absolute Größe zu sehen ist.

Schon mit Anfang 20 begann seine musikalische Karriere mit den Arc Angels, wo seine Mitstreiter Chris Layton und Tommy Shannon alias Double Trouble keine geringeren als die damalige Rhythmussektion  von Stevie Ray Vaughan waren. Danach brachte Bramhall II zwei Soloalben auf den Markt und etliche namhafte Musikkoryphäen erkannten seine Qualitäten als Gitarrist, Songwriter, aber auch als Produzent.

So arbeitete er in verschiedenen Funktionen unter anderem für Sheryl Crow, Roger Waters, der Dereck Trucks Band, der Tedeschi Trucks Band, Gregg Allman und nicht zuletzt lange Zeit bei Eric Clapton mit. 2016 brachte er mit „Rich Man“ sein viertes Soloalbum heraus, welches von den Kritikern schon hochgelobt war.

Nun erscheint mit „Shades“ der Nachfolger, in dem Bramhall II wieder seine Klasse als Songwriter, Gitarrist und auch Sänger beweist. Die 12 Songs sind so vielfältig, wie die Stile der Musiker, mit denen er zusammen gearbeitet hat.

Als Einstieg in die Platte wählte der Texaner mit „Love And Pain“ einen psychedelisch angehauchten Rocksong, der in machen Phasen auch an David Bowie erinnert, und in dem er die Waffengewalt in den USA thematisiert, was ihn für mich, unabhängig von seiner Musik, in ein sehr positives Licht stellt. „Hammer Ring“ setzt die Art des Opener fort, wird aber in ein Gewand von härteren Gitarren gelegt.

Danach wird es etwas ruhiger und bei „Everything You Need“ kann sehr schön herausgehört werden, dass der Protagonist nicht umsonst jahrelang als die musikalisch rechte Hand Claptons galt, was nicht nur daran liegt, dass Mr. Slowhand selbst bei dieser sehr melodischen R&B-Nummer als Unterstützer mitwirkt.

„London To Tokyo“ fährt ähnlich fort, wobei dieser Track fast schon episch daherkommt. Ein Lied zum Träumen. Das bluesige Duett „Searching For Love“ mit Norah Jones als Gastmusikerin lässt Reminiszenzen an langsame Songs von Derek and the Dominos aufkommen.

Seine Kollegen von The Greyhounds aus Austin unterstützen ihn bei „Live Forever“, um den Zuhörer jäh aus seinen Phantasien zu reißen. Es wird schneller und rockiger. Die Gitarren werden „dreckiger“ gespielt, leichte psychedelische Züge sind wieder zu erkennen.

Mit „Break Apart To Mend“ wird es wieder ruhiger und DB2 reduziert die Begleitung auf das notwendigste, wobei ein Piano im Vordergrund steht und Gitarren nur vereinzelt im Hintergrund bemerkbar sind. Eine fast schon melancholische, aber wunderschöne Ballade, die dann mit einem virtuosen Gitarrensolo beendet wird.

Das folgende „She’ll Come Around“ eine bluesrockiges Midtempo-Stück, ähnelt in machen Passagen der Musik, als Jeff Lynne Größen wie George Harrisson produzierte, was sich auch bei „The Night“ fortsetzt.

„Parvanah“ unterbricht die vorherige Ruhe und musikalische Harmonie erneut. Es wird psychedelisch, zum Teil orientalische Einklänge und fast jazzige Züge zum Ende sind ein Alleinstellungsmerkmal auf diesem Album, ohne dass man den Eindruck hat, es wäre einfach dazugeschustert. In „Consciousness“ gelingt es Bramhall II verschiedenste Stile, vom Blues, über Americana, Folk, Pop oder Polka zu verschmelzen. Man ist überrascht, dass bei diesem Mix eine Harmonie gelingen kann.

Den Abschluss dieses großen Albums bildet eine bluesige Country-Southern-Nummer mit epischen Ausprägungen. „Going Going Gone“, eingespielt mit einer der zur Zeit größten amerikanischen Acts, der Tedeschi Trucks Band, kann fast schon als Hymne des Albums gesehen werden. Besonders beeindruckend die verschiedenen Soli, die zum Teil auch bei Pink Floyd gefallen würden. Diesen Song stelle ich mir in einer ‚Extended Version‘ als Hammerabschluss eines Livekonzertes vor.

Diese CD ist eine absolute Kaufempfehlung für Fans der Musik, an der Doyle Bramhall II mitgewirkt hat. Gespannt darf man sein, wie er diese Sachen live präsentieren wird. Er hat auf jedem Fall angekündigt, sich sehr zu freuen, sie für seine Fans auf der Bühne zu performen. Wenn dies der Fall ist, ist ein Besuch mit Sicherheit ein musikalischer Hochgenuss, was er schon bei seinem Dortmunder Konzert vor gut anderthalb Jahren bewiesen hatte.

Mascot Label Group (2018)
Stil: Rock & More

01. Love And Pain
02. Hammer Ring
03. Everything You Need
04. London To Tokyo
05. Searching For Love
06. Live Forever
07. Break Apart To Mend
08. She’ll Come Around
09. The Night
10. Parvanah
11. Consciousness
12. Going Going Gone

Doyle Bramhall II
Doyle Bramhall II bei Facebook
Netinfect Promotion

Rachelle Coba – Blink – CD-Review

Coba_300

In der Blues-Szene sind weibliche Singer/Songwriter seit jeher eine Ausnahmeerscheinung, die nach wie vor im breiten Spektrum dieser traditionell von Männern besetzten Domäne oft viel zu wenig Beachtung finden.

Rachelle Coba gehört zu den wenigen, die den schwierigen Schritt in dieses Genre gewagt haben. Nach ihrer ersten Platte „Mother Blues“ (2014) und einer Nominierung für das beste Debüt bei den Blues Bast Music Awards, hat sie sich für den Nachfolger Zeit gelassen und diese Phase kreativ-schöpferisch genutzt. Die Folge daraus war schließlich, dass sie alle Songs auf „Blink“ eigenhändig geschrieben hat und damit ihr ausgereiftes Songwriter-Talent unter Beweis stellt.

Der Blitz-Start durch den blues-rockigen Opener „High and Dry“ fesselt sofort mit Rachelles Gitarrenspiel und den riff-artigen Keyboardakkorden von John Ginty und kommt überhaupt nicht so trocken rüber, wie der Titel vielleicht vermuten lässt. Das Delta Blues Stück „River of Blood“ ist hingegen minimal instrumentalisiert und legt den Fokus auf Rachelles vielseitiges Stimmvermögen. Im melodischen Titelstück „Blink“ gibt es im schönen Refrain angenehme Ausflüge in Pop-Sphären und den Wechsel in eine eher feinere Stimmlage.

Die ruhigeren und verspielten Stücke „Dance These Blues Away“, „You Stole My Heart“ oder “Maybe“ aber auch die impulsiveren Songs „No Deals“ und „Bad Reputation“ leben von Rachelle Cobas wandelbarem Gesangsstil, der perfekt auf das Blues-Rock Genre zugeschnitten scheint. Sowohl den Slow-Blues beherrscht sie („Blame It On The Blues“), als auch das Zusammenspiel mit der schroffen Gitarre („Shuffle Ya“).

Rachelle Coba gelingt es stets in brillanter Art und Weise zum einen mit ihren souveränen Vocal-Parts zu glänzen und zum anderen ihre Gitarre stilsicher ’sprechen‘ zu lassen – was sie z. B. von einer anderen Power-Blues-Frau, wie Beth Hart unterscheidet, die vorwiegend über ihre Stimme das Publikum erreicht. Am nächsten kommt Rachelle Coba noch der Texanerin Dede Priest, die ihre Stimme und ihren Gitarrenstil ebenso gut kombiniert.

Rachelle Coba ist ein beeindruckende Blues-Musikerin, die stimmgewaltig eine berauschende Langzeitwirkung entstehen lässt und mit ihrer zweiten Platte eine Bestätigung ihres Könnens demonstriert. „Blink“ ist nicht nur ein kurzes Blinzeln und eine Momentaufnahme der Bluesgeschichte, sondern eine spannende Reise durch die Landschaft der Bluesmusik.

American Showplace Music (2018)
Stil: Blues

Tracklist:
01. High and Dry
02. Dance These Blues Away
03. Good Ole Heartbreak
04. No Deals
05. River of Blood
06. Blink
07. Bad Reputation
08. You Stole My Heart
09. Shuffle Ya
10. Maybe
11. Blame It On the Blues

Rachelle Coba
Rachelle Coba bei Facebook

Billy F. Gibbons – The Big Bad Blues – CD-Review

Gibbons_300

ZZ Top haben wie auch Lynyrd Skynyrd mittlerweile viel von ihrem einstigen Glanz eingebüßt. Kreativ kommt eventuell mal alle Jubeljahre was, live wird sich in der Regel auf den Lorbeeren von einst ausgeruht und weitestgehend immer das Gleiche runtergespult.

Zumindest bei Billy F. Gibbons scheint in letzter Zeit wieder ein gewisser Ehrgeiz zu verspüren zu sein. Neulich in Essen, wo ja einst die Popularität des Texas-Trios bei uns in Deutschland im Rahmen der legendären Rockpalast-Nächte ihren Ursprung fand, konnte man ihn als Gaststar beim Konzert von Supersonic Blues Machine hautnah wie nie, ja fast zum Anfassen, erleben.

Jetzt hat es das Mitglied der Rock And Roll Hall Of Fame auch noch mal in eigener Sache gepackt. Mit „The Big Bad Blues“ bringt er nach dem dezent Latin-behafteten „Perfectamundo“ sein zweites Solo-Album heraus.

Herausgekommen ist ein, wie der Titel es schon andeutet, deutlich mehr traditionell blues-orientiertes Konglomerat aus Eigenkompositionen und einigen Adaptionen von Tracks altbewährter Genre-Recken wie Muddy Waters (“Standing Around Crying” und “Rollin’ and Tumblin’”) und Bo Diddley („Bring It to Jerome“ und „Crackin’ Up“).

Der Opener “‘Missin’ Yo’ Kissin’” wurde von Billies Frau Gilly Stillwater kreiiert. Der Song wimmelt in modifizierter Form nur so vor Reminiszenzen an große ZZ Top-Stücke wie „La Grange“, „I Thank You“ & Co., von daher ein gelungener Einstieg.

Wenn ein Billy Gibbons singt und seine knarzige E-Gitarre beackert, wird man, egal, was da zum Besten gegeben wird, unweigerlich zu Vergleichen mit ZZ Top animiert. Auf diesem Werk ist die Aura des Texas-Trios aufgrund Gibbons‘ fast ebenbürtiger Stellung dort natürlich auch omnipräsent. Wo sind aber diesmal Unterschiede?

Zum einen durch die anderen Mitspieler: Hier sind mit Mike ‘The Drifter’ Flanigin, Joe Hardy, Greg Morrow, Matt Sorum, Austin Hanks und James Harum, wie nicht anders zu erwarten, exzellente Leute eingebunden.

Gerade James Harum und Mike Flanigin sind dann auch die auffälligen Akteure, die vielleicht den marginalen Unterschied ausmachen. Erstgenannter ist mit seinem nöhligen Harpspiel fast in alle Stücke eingebunden (für meine Begriffe fast zu viel, da Billy an diesem Instrument auch noch mitmischt) und auch an die durch Flanigin eingebrachten Pianotupfer kann ich mich bei ZZ Top nicht in dieser Form erinnern.

Austin Hanks trägt mit seinem E-Gitarrenspiel zu noch größerer Varianz in diesem Bereich bei. Das launige, fast schon strandtauglich im Sinne einer Sixties-Retro-Beach-Party in Szene gesetzte Schlussstück „Crackin‘ Up“ überrascht ebenfalls in seiner Form.

Ingesamt ist Billy F. Gibbons mit „The Big Bad Blues“ ein kurzweiliges, schön kauziges Blues (Rock)-Album gelungen, bei dem nichts dem Zufall überlassen worden ist. Wer der texanischen Interpretation des Genres zugetan ist und natürlich auch der überwiegende Teil der ZZ Top-Anhänger werden ohne jeden Zweifel ihre helle Freude haben.

Concord Records (2018)
Stil: Texas Blues (Rock)

01. Missin’ Yo’ Kissin’
02. My Baby She Rocks
03. Second Line
04. Standing Around Crying
05. Let The Left Hand Know
06. Bring It To Jerome
07. That’s What She Said
08. Mo’ Slower Blues
09. Hollywood 151
10. Rollin’ And Tumblin’
11. Crackin’ Up

Billy F. Gibbons
Billy F. Gibbons bei Facebook

Ryan McGarvey – 14.09.2018, Blues, Rhede – Konzertbericht

Gav_haupt

Leck mich an de Söck, würde der Rheinländer spontan über diesen Abend im westfälischen Rhede sagen. Da war der aus Albuquerque, New Mexico, stammende Ryan McGarvey im örtlichen blues wieder zu Gast, um dort nach  der Sommerpause die restliche Konzertphase des Jahres einzuläuten.

Und wie! Vor gut zwei Jahren, als er an gleicher Stelle mit dem prominenten Bassisten Carmine Rojas und Antoine Hill seine Künste zum Besten gab, war ich, ehrlich gesagt, ziemlich enttäuscht. Ein mauer Sound, ein blasser Auftritt, gernervt wirkende Musiker, da hatte ich mir im Vorfeld nach den Preisungen des Kollegen Gernot, deutlich mehr versprochen.

In der Zwischenzeit hatte der Protagonist noch den Tod seines Vaters verkraften müssen und  dadurch bedingt geplante Termine hier absagen müssen. Er scheint aber mittlerweile seine Trauer in neue Energie und schöpferische Kraft umgemünzt zu haben. Eine neue Studio-CD steht für November in den Startlöchern als auch jetzt eine intensive Europa-Tournee mit so einigen (noch anstehenden) Konzerten in Deutschland.

Gestern Abend im Rheder Blues war alles anders. Um es vorwegzunehmen, ein grandioser Gig, der am Ende ganz sicher zu den Top 5 meines Konzertrankings zählen, vielleicht sogar ganz vorne liegen wird, obwohl ich eigentlich gar nicht der Typ für monströse E-Gitarrenkünste bin.

Woran lag es? Ein ganz klarer Grund war die neue Besetzung mit dem agilen Waliser Jung-Schlagzeuger Ollie Harding und dem furios abgehenden Bassisten c (u. a. Blind Guardian, Steve Fister), den ich zwar schon mal bei Michael Lee Firkins in der Band erlebt hatte, aber mit dieser unglaublichen Energie, so nicht in Erinnerung hatte. Kam mir fast vor wie ein von einer Tarantel gestochener Gerry McAvoy…

Fulminant, was der vielbeschäftigte Niederländer auf seinem Instrument da ablieferte. Pumpen, Knarzen, Peitschen, mal mit Plektron, dann mit Zupfen, dazu herrliches Posing in bester Heavy Metal-/Hard Rock-Manier und eine sympathische, freudige Ausstrahlung, die natürlich auch beim Rest-Publikum bestens ankam. Das war Weltklasse! Ich kann mich kaum erinnern, mal eine solche Intensität in Sachen Tieftöner erlebt zu haben.

Diese megastarke Rhythmusfraktion färbte natürlich auch auf den Fronter ab, der seine beiden Arbeitsgeräte, eine Gibson Les Paul und eine Stratocaster, einer höchst-intensiven Nutzung unterzog. McGarvey zeigte im Prinzip, alles was so an handwerklichen (Soli, Slide) Spielereien und Effekten (u. a. Hin- und Herklickern am Stellknopf seiner Les Paul,  Wedeln am Verstärker, etc.) möglich ist, bis zum mit den Zähnen und auf dem Rücken spielen, bei der zweiten Zugabe  „Hey Joe“ in der besten Version, die ich je von diesem Stück live erlebt habe. Selbst sein eher zurückgenommener Gesang kam mir deutlich verbessert vor.

Auch die Songs, vom Opener „Feeling Like I Do“ an, über Sachen wie u. a. dem energiegeladenen Slow Blues „Ain’t Enough Whiskey“, „Prove Myself“,  dem quirligen Instrumental „Texas Special“, der schönen Ballade „My Heart To You“, „Blues Knockin‘ At My Door“,  dem vehement shuffelnden „Joyride“, dem Stampfer „Memphis“ bis hin zu seinem Paradestück „Mystic Dream“ (in einer 20-Minuten-Version) überzeugten in ihrer Vielfalt, ungemeinen Power und Stringenz.

Selbst bei den beiden Zugaben „Who Would’ve Thought“ und dem erwähnten „Hey Joe“ ging das Trio bis an seine Grenzen und wuchs förmlich über sich hinaus. Klar, dass McGarvey, Harding und Courbois für Ihren glänzenden Auftritt nahezu frenetisch gefeiert wurden, der dann am Merchandising-Stand mit den Smalltalks, Autogrammen und Selfies noch seine Fortsetzung fand.

Barend Courbois erzählte uns noch draußen bei einer Zigarette, dass die drei sich erst seit vier Tagen kennen würden und nur zweimal kurz zusammen geprobt hatten. Angesichts der gezeigten Leistungen – der helle Wahnsinn! Wer, was die nächsten Termine des Trios betrifft, Zeit hat oder noch unschlüssig sein sollte, dem sei von unserer Seite wärmstens ein Besuch empfohlen. Das ist mega-dynamischer Heavy Blues Rock der Extraklasse!

Vielen Dank auch an blues-Chef André Knoch für einen unvergesslichen Abend!

Line-up:
Ryan McGarvey (lead vocals, electric and slide guitar)
Barend Courbois (bass)
Ollie Harding (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ryan McGarvey
Ryan McGarvey bei Facebook
Blues Rhede
Double K Booking

Luke Winslow-King – 03.09.2018, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

LWK_Haupt

Der mir lange Zeit unbekannte, aber von allen Seiten mit viel Vorschuss-Lorbeeren bedachte Luke Winslow-King, wurde durch den werten Kollegen Michael Segets mit dem Magazin in Berührung gebracht, als er mich bat, doch seine neue CD „Blue Mesa“ mal zum Besprechen anzufordern. Gesagt, getan und schon hatte ich mit dem Verantwortlichen des Labels eine Riesendiskussion bezüglich der Südstaaten-Flagge in unserem Logo, an der Backe.

Reaktionär, Imageschaden für den Künstler, etc., was ich da alles an Befürchtungen zur Kenntnis nehmen durfte. Nachdem ich ihn bat, mir auch nur irgendeine einzige Stelle in diesem Magazin zu benennen, die diese Thesen belegen würde und ihm (und allen etwaigen Zweiflern – hier auch nochmals zum Mitschreiben…), versicherte, dass dieses Symbol, rein für die Musik steht, die wir lieben (und sonst nichts) und der Kollege noch ein klasse Review abgeliefert hatte, wurde er aber ganz handzahm und bedankte sich nachher nochmals herzlich. Die Plattenfirma heißt übrigens Bloodshot Records…

Aber gut, Exkurs beendet. Am Ende war ja alles ok. Beim Gig an gleicher Stelle von The Broadcast verabredeten wir uns schließlich für das, am arbeitnehmer-unfreundlichen Montag (vor allem das gefürchtete frühe Aufstehen am nächsten wieder anstehenden Werktag nicht zu vergessen), um Luke mit seiner Band auch mal live unter die Lupe zu nehmen.

Und keine Frage, der Besuch hat sich gelohnt. Nach der Ansage von Rampenchef ‚Pille‘ Peerlings entpuppte sich der Protagonist vom eingängigen Opener „Chicken Dinner“ an, als angenehmer, souveräner und auch durchaus mitreißender Performer.

Verlassen konnte er sich dabei auf eine tolle Begleittruppe, mit der Rhythmusfraktion Chris Davis und Christian Carpenter, sowie seinem kongenialen Mit- und Zuspieler Benneto Luti, die seine melodischen, dank viel Slidespiel, immer mit einem Hauch von Louisiana umwehten Rocksongs, bestens in Szene setzten.

Dabei wurde stets eine schöne Balance zwischen Schwofern („Blue Mesa“), Midtempo-Schunklern („On My Way“, „You’ve Got Mine“) und rockigen Sachen („Born To Roam“, „The Leaves Turn Browne“) gewahrt. Überragend für mich im überaus langen ersten Set (90 Minuten!), das fantastische „Leghorn Women“ mit famosen Soli besonders von Luti.

Im Prinzip, hätte es die zwei furiosen Zugaben vom (wirklichen) Ende da noch on top drauf gegeben, wäre ich glücklich und total geflescht nach Hause gefahren. Für jemanden, der aber seit 4:15 Uhr auf den Beinen war und am nächsten Morgen zur gleichen Zeit wieder raus musste, zog sich der wahrlich auch gute zweite und deutlich lebhaftere Set, dann aber doch in die Länge, zumal sich angesichts der Bandkonstellation kaum spürbare Variationen ergaben.

Wie dem auch sei – die ca. 50 Besucher hatten einen Megaspaß und gingen bei den Interaktionen mit Klatschen und Gesang mit vollem Herzen mit. Eine der tanzfreudigen Stammbesucherinnen der Rampe bewies einmal mehr, zu welchen Energieleistungen Pädagogen (abseits des schulischen Alltags) im Stande sind…

Luke und seine Mitstreiter wurden natürlich am Ende des Hauptteils längst nicht von der Bühne gelassen und gaben mit “Domino Sugar“ und „Thought I Heard You“ (er und Roberto Rücken an Rücken bei ihren fulminanten Wechsel-Soli) nochmals Gas bis zum Anschlag. Am Ende ging es auch dank des heftig pumpenden Bass-Spielers Christian Carpenter  und des agil trommelnden Chris Davis, fast schon brachial zur Sache.

Man braucht kein Prophet zu sein, um vorherzusagen, dass der charismatische Luke Winslow-King bei seinem nächsten Termin in Krefeld (hoffentlich dann an einem Wochenende) eine rappelvolle Rampe vorfinden wird. Kurzfazit: Klasse Songs, starker Typ mit tollen Musikern an seiner Seite!

Line-up:
Luke Winslow-King – (lead vocals, electric & slide guitar)
Roberto Luti – (electric & slide guitar)
Christian Carpenter – (bass, vocals)
Chris Davis – (drums)

Bilder: Michael Segets
Text: Daniel Daus

Luke Winslow-King
Luke Winslow-King bei Facebook
Bloodshot Records
Kulturrampe Krefeld

Henrik Freischlader Band – Hands On The Puzzle – CD-Review

Review: Michael Segets

Der Wuppertaler Henrik Freischlader bringt mit „Hands On The Puzzle“ sein 15. Album auf den Markt. Begleitet wird er auf dem Longplayer von der neu formierten Henrik Freischlader Band. Der Blues-Gitarrist und -Sänger nennt als musikalische Vorbilder neben Stevie Ray Vaughan und Jimi Hendrix auch Gary Moore, dem er 2017 mit „Blues For Gary“ ein Tribute-Werk widmete.

Das Album “Hands On The Puzzle” steigt entspannt mit „Community Immunity“, „Love Straight“ und „Those Strings“ ein. Erstes Highlight ist die Uptempo-Nummer „Winding Stair“. Hier rockt die Henrik Freischlader Band den Blues. Am Ende des Songs lässt Roman Babik ausgiebig seine Finger über die Tasten des Keyboards gleiten und sorgt für einen sanften Ausklang des Stücks. Noch einen Deut stärker ist der zweite schnelle Song „Stand Up, Little Brother“. Unter den Mitempo-Stücken gehört „Share Your Money“ zu meinen Favoriten. Saxophon und Keys erzeugen dort eine gehörige Portion Swing.

Moritz Meinschäfer am Schlagzeug und Armin Alic am Bass geben den Rhythmus, vor dessen Hintergrund die Soli von Gitarre, Saxophon oder Keys zur Geltung kommen. Die Bandmitglieder nehmen sich den Raum, ihre Fähigkeiten an ihren Instrumenten mit viel Spielfreude auszuleben. So kratzt beispielsweise „Where Do We Go“ an der acht Minuten Marke und „Animal Torture“ überschreitet sie sogar. Die erstgenannte Ballade wird von Marco Zügner mit seinem Saxophon stimmungsvoll begleitet.

Freischlader steuert hier ebenso wie auf „Rat Race Carousel“ gelungene Gitarrenpassagen bei. Eingängig und unaufgeregt ist „I Don’t Work“. Das langsam beginnende „Mournful Melody“ kehrt nach einem dramatischen Zwischenspiel mit langen Gitarrensoli wieder in sanfte Gefilde zurück. Freischladers Gitarre erinnert dabei durchaus an die von Gary Moore.

Die ausgeprägten Instrumentalanteile bei „Creactivity“ rücke ich bereits in Jazz-Nähe. Nach einer Ausblendung legt die Band nochmal los und ich vermute mal, dass es sich dabei nicht um eine Fortführung des Stücks, sondern um einen Hidden Track handelt, da die Texte nicht in dem Booklet aufgeführt sind. Wie dem auch sei: Die Scheibe überrascht zum Abschluss mit einem Gastauftritt von Helge Schneider, der unnachahmliche Shouter-Qualitäten offenbart.

Die CD ist sehr schön aufgemacht und erscheint auf Freischladers eigenem Label Cable Car Records. Ihr liegt ein haptisch ansprechendes Booklet aus dickem Papier bei, in dem die Texte abgedruckt sind. Aufgenommen wurden die Tracks in den Arnsberger Megaphon Tonstudios, in denen auch Chris Kramers aktuelles Werk entstand.

Die Henrik Freischlader Band agiert technisch sicherlich auf einem hohen Niveau. Die Musik ist handgemacht und kommt ohne technische Effekte aus. Die Verspieltheit der Truppe – hier ein Saxophon-Sprengsel und da noch eine Keyboard-Einlage – geht für mein Empfinden etwas auf Kosten des Blues-Feelings.

Ich bin in musikalischer Hinsicht aber eher einfach gestrickt und gradlinige Stücke sprechen mich mehr an als verschachtelte Kompositionen oder gar Improvisationen, wie sie im Jazz vorkommen. Für den, der da aufgeschlossener ist, kann die Auslegung des Blues auf „Hands On The Puzzle“ durchaus eine lohnende Entdeckung sein.

Cable Car Records
Stil: Blues

Tracks:
01. Community Immunity
02. Love Straight
03. Those Strings
04. Winding Stair
05. Rat Race Carousel
06. Where Do We Go
07. Stand Up, Little Brother
08. Share Your Money
09. Animal Torture
10. I Don’t Work
11. Mournful Melody
12. Creactivity (+ Hidden Track)

Henrik Freischlader
Florence Miller Agency
Cable Car Records

Josh Smith – Burn To Grow – CD-Review

Smi_300_

Review: Jörg Schneider

Nachdem mittlerweile zwei Jahre lang kein neues Material von Josh Smith zu hören war, kommt jetzt nun sein drittes Album „Burn To Grow“ in die Läden. Musikalische Unterstützung hat sich Josh Smith für sein neues Werk bei so namhaften Musikern wie z. B. Carey Frank (Tedeschi Trucks Band), Pete Thomas (Elvis Costello), Lemar Carter (Usher) und Monét Owens (Ed Sheeran, Celine Dion) geholt.

Herausgekommen ist eine Scheibe, die Ihre Wurzeln im Blues hat, aber vielfältig mit Jazz-, Soul- und Funkelementen angereichert ist. So gibt es wunderbar arrangierte und treibende, aber auch melodiös dahinfließende bigbandartige Bläsersätze. Das Ganze wird getragen und begleitet von Josh Smiths markanter Stimme einerseits und seinen exzellenten Gitarrenkünsten andererseits. Aber das i-Tüpfelchen liefert Monét Owens mit ihrer klaren Sopranstimme als Background Sängerin.

Auf dem fröhlich-souligen „Your Love“ liefert sie dann auch noch die Leadvocals. Für mich persönlich das beste Stück des Albums, eine beschwingte Nummer bei der man sofort mittanzen möchte oder zumindest aber die Beine nicht stillhalten kann. Allein schon aufgrund ihrer hellen Sopranstimme unterscheidet sich dieser Song deutlich von den übrigen Titeln der CD und bietet zur „Plattenhalbzeit“ eine willkommene stimmliche Abwechslung.

Im Opener „Half Blues“ ergänzen die wunderbaren Gitarrenriffs vor allem in der zweiten Hälfte des Stücks die dezenten Bläsersätze, während das zweite Stück des Albums „Through The Night“ wiederum durch den bezaubernden Hintergrundgesang von Monét Owens besticht, der wunderbar zu dem gefällig-melodiösem Grundcharakter des Tracks passt.

In Kontrast dazu steht das anschließende „Watching You Go“ mit seinen harten Riffs, die sich mit wilden Gitarreneinlagen abwechseln, um schließlich in harmonische Gesänge von Smith und Owens überzugehen. Auch „That For You Too“ wartet mit einer grandios arrangierten Bläsersektion auf. „Look No Further“ ist etwas nachdenklicher als die bisherigen Stücke, was durch den leicht wabernden refrainartigen Gitarren-Klangteppich im Hintergrund noch verstärkt wird.

Mit „Let Me Take Care Of You“ geht’s dann rockig weiter, ein richtig geradliniger Stampfer. Der einzige Slowblues des Albums ist das traditionell gestrickte „What We Need“ und in „You Never Knew“ erinnern teilweise nicht nur die Bläser dezent an den Sound von Blood, Sweat and Tears.

Auch die Stimme von Josh Smith lässt hier, wie auch im folgenden Track „She Survives“ an David Clayton Thomas denken, ein schönes, ruhig dahinplätscherndes leicht psychedelisch angehauchtes Stück mit dezenten, etwast verstörend wirkenden Gitarrenriffs. Schließlich stampft der Titelsong „Burn To Grow“ dann dem Ende der CD entgegen und reißt den Hörer durch seinen vergleichsweise brachialen Bass und die harten Gitarrenriffs endgültig aus seinen Träumereien.

Auf der vorliegenden Scheibe stellt Josh Smith also wieder einmal seine musikalischen Qualitäten eindrucksvoll unter Beweis. Exzellente Gitarrenkünste gehen hier Hand in Hand mit ausgeklügelt arrangierten Bläsersätzen und der umwerfenden Stimme von Monét Owens. Und genau hier setzt auch der einzige Kritikpunkt an: das Album ist so perfekt angelegt und abgemischt, dass es eigentlich schon fast zu glatt und flüssig klingt. Aber das ist, wie alles im Leben eine Frage der persönlichen Präferenzen.

Line up:
Josh Smith – guitar, vocals
Travis Carlton – bass on tracks 1, 5, 6, 7, 8, 9, 11
Lemar Carter – drums on tracks 1, 5, 6, 7, 8, 9, 11
Pete Thomas – drums on tracks 2, 3, 4, 10
Davey Faragher – bass on tracks 2, 3, 4, 10
Carey Frank – organ
Monét Owens – lead vocals on track 5, all background vocals
Jamelle Adisa – Tramper, Flugelhorn
Chris Johnson – trombone
J. P. Floyd – trombone
Matthew DeMerritt – tenor saxophone
Dan Boisey – tenor/ baritone saxophone

m2 music . musikverlag dirk osterhaus
Stil: Blues/Soul/Jazz

Tracks:
01. Half Blues
02. Through The Night
03. Watching You Go
04. That For You Too
05. Your Love (Is Making Me Whole)
06. Look No Further
07. Let Me Take Care Of You
08. What We Need
09. You Never Knew
10. She Survives
11. Burn To Grow

Josh Smith
Josh Smith bei Facebook
m2-music

Chris Kramer & Beatbox’N’Blues – Way Back Home – CD-Review

Kramer_300

Review: Michael Segets

Bandleader Chris Kramer geht zusammen mit dem zweifachen Deutschen Beatboxmeister Kevin O Neal und dem Gitarristen Sean Athens als Chris Kramer & Beatbox’N’Blues in die zweite Runde. Im letzten Jahr hatte die Band quasi als Vorbereitung ihrer ausgedehnten Tour durch die Vereinigten Staaten das Album „On The Way To Memphis“ herausgebracht. Kaum zurückgekehrt, nahmen die drei Musiker in den Arnsberger Megaphone Studios die fünfzehn Tracks von „Way Back Home“ auf. Die zahlreichen Eindrücke von ihrer Reise auf den Spuren des Blues beschreibt Kramer ausführlich in den Linernotes und kündigt dort einen Dokumentarfilm über die Tour an.

Im Zentrum der Songs steht die Mundharmonika von Chris Kramer, die er meisterhaft beherrscht. Nicht umsonst hat er mit renommierten nationalen und internationalen Musikern wie Helge Schneider, Peter Maffay, Jack Bruce oder Pete York zusammengearbeitet.

Auf der Scheibe zeigen Chris Kramer & Beatbox’N’Blues eine große Bandbreite an Blues-Variationen. Die mal dezenten, mal vordergründigen Beatbox-, Rap- und Hip Hop-Elemente erweitern das musikalische Spektrum und geben der Band einen eigenen Sound. Der entwickelt durchaus seinen Reiz, auch wenn er Blues-Puristen vielleicht nicht anspricht.

„Jukebox“ gibt mit einem Funk-Einschlag und einem Beatbox-Zwischenstück den Startschuss zur CD. Auch bei „Ain’t Nobody At Home“ beatboxt Kevin O Neal, was sich gut in den stampfenden Rhythmus des rockigen Stücks einpasst. O Neals Soundeffekte peppen ebenso den eher traditionellen Boogie „Beatbox’N’Boogie“ auf. Das gleiche Konzept verfolgt die Band auf „Last Man Riding“. Der Song startet in bester ZZ Top-Manier, wofür das Gitarrenspiel von Sean Athens verantwortlich ist, und zählt für mich neben dem eingängigen „Just A Little Boy“, das ohne auffällige Effekte auskommt, zu den Highlights des Albums.

O Neal ergänzt die Vocals von Kramer bei „Happy Birthday“ durch Rap-Einlagen. Der Track erinnert an die der Band Gangstagrass, die durch die Titelmusik der Fernsehserie „Justified“ einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt hat. Die Fusion von Hip Hop und Blues deutet sich schon bei dem Titel „Hippin’N’Hoppin‘ The Blues“ an. Auch hier rappt O Neal nochmal einen Part.

Stärker dem traditionellen Blues verhaftet sind die englischsprachigen Balladen: „Ashes To Ashes“, das von den drei Bandmitgliedern komponiert wurde, und „Lawyer Clark Blues“ von John Estes. Bei der dritten Ballade „Hot Summer Day” kommen wieder mehr Effekte zum Einsatz. Der Akzent liegt jedoch auf dem nachklingenden Gitarrenspiel von Athens, das Assoziationen zu Gary Moore weckt.

Trotz aller Varianz bilden die ersten zwei Drittel des Albums doch eine insgesamt homogene Einheit, die gegen Ende mit drei Instrumentalstücken und zwei auf Deutsch gesungenen Titeln etwas verloren geht.

Bei „Deep In The Ground“ ergänzen sich Mundharmonika und Gitarre sehr schön. Streicher und Soundeffekte laden auf dem sanften „Tallachatchie Flats“ zum Träumen ein. Auf „Go With The Flow“ zeigt Athens nochmal ausgiebig, was er an der Gitarre kann. Mit Vogelgezwitscher und sanften Mundharmonika-Melodien wirkt das fast acht Minuten lange Stück im Vergleich zu den anderen allerdings fast seicht.

Das langsame „Der Wolkenmacher” ist eine wehmütige Reminiszenz Kramers an seinen Vater und das Revier vor dem Strukturwandel. Als Ruhrpottler fehlt natürlich nicht die Begeisterung für den Fußball, die Kramer mit „Erst hatt‘ ich kein Glück“ auf höchst unterhaltsame und witzige Weise zum Ausdruck bringt. Der Text besteht aus bekannten Stilblüten von Fußballspielern und Trainern, die originell zusammengefügt sind. Musikalisch würde das Lied auf Westernhagens „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ passen.

Die Kombination des Blues mit Hip Hop- und Rap-Elementen funktioniert. Sie bricht mit Hörgewohnheiten und erzeugt eine gewisse Spannung, die auch bei mehrmaligen Hören der Stücke aufrecht erhalten bleibt. Dennoch sprechen mich die Songs, auf denen zurückhaltender mit den Soundeffekten umgegangen wird, mehr an. Dies liegt allerdings an meiner musikalischen Sozialisation. Die Variationsbreite auf „Way Back Home“ geht gegen Ende des Albums auf Kosten einer klaren konzeptionellen Linie. Dafür bietet es mit „Erst hatt‘ ich kein Glück“ dort nochmal ein Lied, das in jedem Fall im Gedächtnis bleibt.

Blow ‚Till Midnight Records/Fenn Music (2018)
Stil: Blues/Blues Rock and more

01. Jukebox
02. Ain’t Nobody At Home
03. Beatbox’N’Boogie
04. Ashes To Ashes
05. Lawyer Clark Blues
06. Happy Birthday
07. Just A Little Boy
08. Last Man Riding
09. Hot Summer Day
10. Hippin’N’Hoppin‘ The Blues
11. Deep In The Ground
12. Go With The Flow
13. Erst hatt´ ich kein Glück
14. Der Wolkenmacher
15. Tallahatchie Flats

Chris Kramer
Chris Kramer bei Facebook