Peter Parcek – Most Of The Time – CD-Review

Der letzte Review zu Peter Parcek ist schon ein gutes Weilchen her. Soweit ich mich erinnere, hatten wir uns danach mal kurz über Facebook ausgetauscht, Seither versorgt der Algorithmus mich regelmäßig mit seinen Posts bezüglich Geburtstagen seitens von ihm geschätzten, sowohl lebenden als auch bereits verblichenen Musikern.

Nun landete mal wieder mit „Most Of The Time“ ein neues Werk des Mannes in meinem Briefkasten, den Buddy Guy gitarrentechnisch auf eine Stufe mit Eric Clapton gestellt hatte. Und dass er Gitarre spielen kann, daran lässt auch diese neue CD keinen Zweifel, auf der er sich im Prinzip seiner Linie treu bleibt: Diverse, gut gemachte Coverversionen von Künstlern, denen er offensichtlich seine Wertschätzung zum Ausdruck bringen möchte, als auch ein paar neue Eigenkreationen (die sind solide und ok, aber da fehlt weiterhin der große ‚Wurf‘). Ganz klar auch auf diesem Longplayer im Mittelpunkt: stehen seine unumstrittenen, versierten und variablen Gitarrenkünste.

Bester Song und somit auch zurecht der Titeltrack, „Most Of The Time“ eine Adaption von Bob Dylan aus dessen „Oh Mercy“-Werk von 1989. Parcek haucht dem Track viel Gefühl ein, Hier gibt es auch mal klare Akustikgitarrenklänge zu vernehmen, sowie dezente Allman Brothers-Vibes als auch markante Guest vocals von Michelle Miraglia als Modifikation zum Original. Stark gemacht!!

Michelle Miraglia highlighted auch den folgenden Peter Green-umwehten Track „I Don’t Worry Bout A Thing“ mit ihren starken Harmoniegesängen. Dass Parcek Sympathien für den britischen Kultgitarristen pflegt, merkt man auch bei weiteren Liedern wie „How Many Times“ oder dem „Stranger Blues“, wo man sich förmlich in die „In The Skies“/“Little Dreamer“-Phase zurückversetzt fühlt

Auch die John Hiatt– und Bill Withers- Coverstücke machen was her, ich finde eh gut, wenn man sich an Songs heranmacht, die nicht schon bis zum ‚Gehtnichtmehr‘ ausgelutscht wurden. Auch ein Faible für Tony Joe White kommt sporadisch durch, wie bei der Hiatt-Nummer oder bei „61 Highway“.

Am Ende gibt es mit  „Lord Help The Poor & Needy“ und „Swooshy“ noch zwei Instrumentalstücke in unterschiedlichen Tempi und Stimmungen als Bonustracks. Danach ist man dann endgültig schwindelig von soviel quirligem E-Gitarrengezupfe, für meine Wenigkeit ist das, zumindest am Stück mit den ganzen anderen Tracks, schon fast zu viel des Guten.

Insgesamt offeriert der ‚Gentleman‘ Peter Parcek  (diesen Eindruck hinterlässt der passionierte Hutträger immer bei mir) mit „Most Of The Time“ für die geneigte Blues Rock-Klientel und Liebhaber technisch perfekter E-Gitarrenkünste (a l`a Greg Koch) ein wahres Eldorado, wobei auch die routinierten Leistungen seiner vielen musikalischen Mitstreiter als auch die klare, transparente Produktion noch zu erwähnen wären.

Eigenproduktion (2026)
Stil: Blues (Rock)

Tracklist:
01. Twistified
02. How Many Times
03. Most Of The Time
04. I Don’t Worry Bout A Thing
05. Just Play Rhythm, Baby
06. Mississippi Phone Booth
07. Stranger Blues
08. Poor Boy
09. When I’m Dead & Gone
10. Cold In Hand
11. Three Feet In Back Of My Head
12. 61 Highway
13. Grandma’s Hands
Bonustracks:
14. Lord Help The Poor & Needy
15. Swooshy

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Brigitte Purdy – Mother Of The Crossroads – CD-Review

Es gibt manche weibliche Interpretinnen, denen sieht man schon rein äußerlich an, dass sie Feuer und Temperament im Körper haben. Spontan fallen mir da Damen wie u. a. Crystal Shawanda oder Elles Bailey als Paradebeispiele ein. So auch vermutet, beim Blick auf die mir bis dato völlig unbekannte Brigitte Purdy auf ihrem neuen Album “ Mother Of The Crossroads „.

Purdy teilte die Bühne in der Vergangenheit schon mit vielen prominenten Bluesgrößen wie Walter Trout, Sugaray Rayford, Tim Bogar, Dionne Warwick oder auch Countryikone  Dolly Parton und, man höre und staune, sang Background vocals für The Who und Paul Rodgers

Die Zusammenarbeit auf diesem Werk steht im Licht der Protagonistin mit dem Multinstrumentalisten Dave Osti, der hier in allen Belangen (diverse Instrumente, Songwriting und Produktion) seine Stempel aufsetzt.

Klasse finde ich, dass hier der Blues in vielen Facetten sehr modern interpretiert wird, mit dezent proggigen Noten wie beim überragenden Opener „Sugar Fried Candy“ (mit ZZ Top-„Eliminator“-mäßigem E-Gitarrensolo), dem sexy gesungenen „Blues Collar Woman“ (fast wie Donna Summer goes Blues Rock), balladesken Momenten („Mother Of The Crossroads“, „Make Love Higher“), aber auch rockigen („Come To Mama“ – mit Harp) bis southern-rockigen Stücken („Losin Time For Love“, „Too Full Of You“ – mit swampigen Slide-Einlagen). Lediglich die „Memphis Hotlline“ huldigt mehr den traditionell gefärbten Blues.

Bein starken Abschlussstück „Rise Like The Water“ glaube ich sogar etwas die verbliebenen Spuren der Rodgers- und Who-Kooperationen (u.a. das integrierte klirrende Orgelspiel – insgesamt auch starke Keys von Drake Shining) ‚herauszulesen‘. Herausragend, wie schon anfangs vermutet, ist auch  Purdys kräftige und temperamentvolle Stimme, die sich zu jeder Zeit auf Augenhöhe mit den glasklar abgemischten Instrumenten befindet (eine herrlich transparente Produktion von Osti – so sollte man es machen).

Brigitte Purdy wirft mit „Mother Of The Crossroads“ ein starkes modernes Blues Rock-Album ins Rennen, dem man unbedingt Gehör schenken sollte. Absolute Empfehlung! Brigitte – eine tolle Künstlerin – nicht nur für Frauen!

Dirtshack Records (2026)
Stil: Blues & More

Tracklist:
01. Sugar Fried Candy
02. Blues Collar Woman
03. Memphis Hotline
04. Mother Of The Crossroads
05. Losin Time For Love
06. Make Love Higher
07. Too Full Of You
08. Come To Mama
09. Rise Like The Water

Brigitte Purdy
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The Blind Dog Mayer Group – Live Studio Session – From The Shadow Of The Castle – EP-Review

Wenn sich deutsche Bands oder Interpreten amerikanischem Liedgut verschrieben haben, und mir ihre CDs ohne vorherige Absprache zugesendet haben, sollten sie, nach meinen vielen verfassten Reviews in dieser Hinsicht, wissen, dass sie sich auf sehr, sehr dünnem Eis bewegen.

So geschehen jetzt von einem Act mit dem imposanten Namen The Blind Dog Mayer Group, 2025 Gewinner des 43. Deutschen Rock- und Pop-Preises in der Kategorie ‚Beste deutsche Blues Rock Band‘. Das professionell erscheinende Auftreten mittels einer Agentur dahinter ließen, mich positiv gestimmt an die Sache herangehen, zumal ich tatsächlich in letzter Zeit mit ebenfalls prämierten deutschen Bands wie Stone Water, Blue Deal oder LUKE gute Erfahrungen gemacht hatte.

Mit der EP „The Blind Dog Mayer Group – Live Studio Session – From The Shadow Of The Castle – EP-Review legt das saarländische Quartett, bestehend aus Leader Blind Dog Mayer (lead vocals, harp), Dirk Lenz (guitars, bgv), Michael Jung (bass, bgv) und Marco Schmieden (drums), ein Kurz-Studio-Debüt vor, das sich musikalisch gekonnt in Richtung E-Gitarren- und Harp-orientiertem Rock,- Blues- und Southern Rock in Form von Eigenkreationen bewegt, wie man es damals noch so von Bands wie ZZ Top, Ten Years After, Allman Brothers, Mountain, Foghat, Ted Nugent oder der J. Geils Band u.v.m. in den Ohren hat.

Soweit, so gut. Das Hörergebnis wird allerdings durch den, sich durch das Werk ziehenden deutsch-akzentuierten Leadgesang auf Schulenglisch-Niveau und noch schlimmer, die wirklich schon fast schräg anmutenden Harmoniegesänge, erheblich getrübt. Da kann auch der Zusatz ‚Live Studio Session‘ nicht als Entschuldigung hinhalten.

Ich verstehe ja, dass man als vermeintlicher Macher der Band auch im Vordergrund am Mikro stehen möchte, aber abseits von aller Euphorie, hilft aus meiner Sicht zum Weiterkommen auch immer eine selbstkritische ehrliche Betrachtung auf das gesamte Schaffen. Ein tatsächlich amerikanisch klingender Sänger und gegebenfalls dezente weibliche BGVs (oder gar keine) wären aus meiner Sicht hier zielführender gewesen.

Die vorliegende EP der The Blind Dog Mayer Group lässt auf der instrumentellen Basis keine Wünsche offen  (mein Favorit ist das schön basslastig funkende „Call Me Blind Dog“), was den Gesang und die Harmoniegesänge aber betrifft, wäre der blinde Hund aus meiner Sicht gut beraten, auch mal sein Gehör checken zu lassen…

Blues Note Records (2026)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Anthem Of The Lost Sock
02. Call Me Blind Dog
03. Moonshine Gasoline
04. Harley Rider
05. That’s What I Saw
06. Shiny Culry Red Hair

Blind Dog Mayer Group
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CONCERTBÜRO HIMMRICH

Nicky T and The Snake Charmers – Ain’t Wasting Time – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Gerade auf dem großen US-Markt gibt es durchaus hörenswerte Interpreten, deren Ruf es noch nicht über den großen Teich geschafft hat, obwohl sie schon lange im Geschäft sind. So flatterte jüngst die CD von Nicky T and The Snake Charmers auf den Redaktionsschreibtisch – eine Formation, die hierzulande bislang kaum Aufmerksamkeit erregt hat. Mit „Life On Life’s Terms“ hatten die Snake Charmers bereits vor fünf Jahren eine Sieben-Song-CD veröffentlicht. Nun liegt (endlich) die neue vor.

Die Band ist aus den bereits 1984 gegründeten Alligators hervorgegangen, die mit dem renommierten „Lifetime Achievement Award“ der Detroit Blues Society ausgezeichnet wurden. Gitarrist und Sänger Nicholas Tabarias alias Nicky T war den Alligators 2012 beigetreten. Der Namensgeber und seine Mannen verbinden den Traditional Blues mit dem Hier und Heute. Ab und zu kommt eine Prise Soul dazu wie gleich beim Eröffnungssong „That’s All I Need“ vom dem bereits im Alter von 32 Jahren verstorbenen Magic Sam. Diesem huldigt die Band später auch beim rockigen Gitarren-Instrumental „Thank You Magic Sam“.

Der zweite Titel „Mistreating Mama“ ist einer jener Traditional Blues mit Piano, Bläsern und natürlich Gitarre. Geschrieben haben den Song Nicky T und Greg Nagy. Nagy? Genau, jener Greg Nagy, den SoS Ende vergangenen Jahres vorgestellt hat. Er betätigt sich auch bei einem weiteren Titel, dem gitarrenbetonten, mit Bläsern unterlegten „The Glass“ und einem der Höhepunkte der CD, als Co-Autor und schmeichelt sich mit seiner ausdrucksstarken Stimme in die Gehörgänge. Als Gitarrist ist hier Ronnie Earl am Werk, Nickys Mentor. Darüber hinaus ist Nagy als Gastsänger noch zweimal vertreten: bei B.B. Kings „Guess Who“ und Bobby „Blue“ Blands „Lead Me On“ – zwei Mal Classic Blues.

Abwechslung muss sein, heißt es bekanntlich. Und so liefern die Snake Charmers mit „Feel Like A Hundred“ einen staubtrockenen Rock ‚n‘ Roll: Andy Szymanski hämmert auf dem Klavier, ehe Gitarrist Nicky T mit dem Sechssaiter den Chuck Berry gibt. Auch sonst ist alles drin: Ein facettenreicher Slow Blues wie das zehn Minuten lange Titelstück oder mit „Waiting On The Sunshine“ gar ein Boogie. Den Abschluss bildet die akustische Neuauflage des Titelsongs von 2021, „Life On Life’s Terms“, bei dem Kurt Crandalls Mundharmonika von Anfang bis Ende der Wegbegleiter ist.

Wieder einmal eine starke CD, die nicht unbeachtet bleiben sollte, nur weil man die Interpreten in unseren Breitengraden wahrscheinlich nicht kennt.

Eigenproduktion (2026)
Stil: Blues

Tracks:
01. That’s All I Need
02. Mistreating Mama
03. Feel Like A Hundred
04. Guess Who featuring Greg Nagy
05. The Glass featuring Ronnie Earl and Greg Nagy
06. Thank You Magic Sam
07. Ain’t Wasting Time
08. Waiting On The Sunshine
09. Lead Me On featuring Greg Nagy
10. Charming The Snake
11. Life On Life’s Terms

Nicky T and The Snake Charmers

Thorbjørn Risager & The Black Tornado – Live At Hotel Cecil – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Zu den besonderen Auftritten einer Tournee zählt zweifelsohne immer das Konzert in der Heimatstadt. Diesen Gig der “House Of Sticks”-Tour absolvierten Thorbjørn Risager & The Black Tornado im Herzen von Kopenhagen am 29.11.2025 und produzierten fast ganz nebenbei mit “Live At Hotel Cecil” ein bluesgetränktes Doppel-Album. Die Location ausverkauft, Heimspielatmosphäre, Blues-Rock-Fans in Feierlaune – beste Voraussetzungen also für eine Live-Performance, die es in sich hat! Doch blicken wir kurz zurück: Seit die Band 2014 mit dem Album “Too Many Roads” den Preis der Deutschen Schallplattenkritik abräumte, wurden neben dem “Best Of …” insgesamt 6 Longplayer veröffentlicht. 2025 gab es für “House Of Sticks” nochmals die begehrte Kritikertrophäe. Kein Zufall auch, dass die Bandgeschichte in diesen Jahren von SOS mit einer ganzen Reihe von Gig-Reviews begleitet wurde.

Nun kommt “Live At Hotel Cecil” hinzu und schöpft aus einem umfangreichen Repertoire, einem Reservoir eigener ”Klassiker”. Nur zwei Jahre alt, aber fast schon legendär startet “Already Gone” im Shuffle-Rhythmus den hautnahen Bühnenkontakt mit dem Publikum. Leichtfüßiger Blues-Rock, angesiedelt zwischen J.J. Cale und Chris Rea, bringt mit “Long Time Ago” die pure Spielfreude und den berühmten Funken der ansteckenden Begeisterung. Dabei sind es keineswegs nur die mitreißenden Live-Arrangements der Songs vom “House Of Sticks“-Album, das mit 5 Titeln besonders stark vertreten ist. Vielmehr sind es ebenso “ältere” Stücke mit bleibendem Charme, wie z. B. “Long Forgotten Track” (2014) – in schöner Mark Knopfler Stilrichtung. Zu diesen bisher weniger bekannten Songs gehört der “Insomnia Boogie”, dessen Akustik-Ausgabe (2021) durch die große Band-Version zum unbedingten Anspieltipp avanciert.

Die straight-forward rockende Instrumentierung bei “Headed For The Stars” (2022) gibt einen passenden Vorgeschmack, um den ausdrucksstarken “Train”-Boogie (2017) angemessen als Einleitung in den grandiosen Abschlusstrack und die Zielgerade überzuleiten. Dieser Endspurt kommt mit “All I Want”, 11 Minuten lang, eine opulente und zugleich epische Live-Version in wechselnden Blues, Rock, Soul und teilweise Jazz-Etappen, sowie ausführlichen Solo-Parts (inklusive einer überraschenden Beethoven-“Ode an die Freude”-Reminiszenz).

Die 17 Tracks von “Live At Hotel Cecil” sind eigentlich eine viel zu kurze Premium-Selektion aus dem erstklassigen Gesamtwerk von Thorbjørn Risager & The Black Tornado. Gleichzeitig ist die Formation aber eine groovende Bühnenshow, eine stets sehenswerte und eine der verlässlichsten Live-Bands Europas und im sehr positiven Sinne, ein Blues Brothers Kult-Synonym, mit über 50 Tournee-Terminen in diesem Jahr. Die Release-Party von “Live At Hotel Cecil” findet übrigens am 19.06. beim Blues Garage Open Air in Hannover statt!

Provogue/Artone (2026)
Stil: Blues

Tracks:
01. Already Gone
02. Long Time Ago
03. Said In Was Hurt
04. House Of Sticks
05. Insomnia Boogie
06. Long Forgotten Track
07. Sin City
08. Never Givin‘ In (Intro)
09. Never Givin‘ In
10. Headed For The Stars
11. Inner Light
12. I Used To Love You
13. Come On In
14. Hold My Lover Tight
15. Over The Hill
16. Maybe It’s Alright
17. Train
18. All I Want

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
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V2 Records Promotion GSA

The Shaelyn Band – Chapter 3 – CD-Review

Die maßgeblich aus Florida stammende Shaelyn Band, bestehend aus Shaelyn Mulberry (lead vocals), Eric Guess (guitars), Curtis Harris (bass), Win Carlson (bgv), Isaiah Gaytan (trumpet), Moses Maldonado (trombone) und Tim Mulberry (drums, bgv) ist seit 2020 aktiv und veröffentlicht mit „Chapter 3“, das nun mehr dritte Album.

Es enthält 14 selbst-kreierte Tracks, die sich im Rahmen von Blues, Soul und Jazz bewegen. Geprägt ist ihre Musik von der sehr kräftigen, aber auch überaus dominanten Stimme der Fronterin Shaelyn Mulberry, die sich mit Drummer Tim Mulberry auch auch für das Songwriting verantwortlich zeigt. Tim Mulberry hat die Scheibe produziert.

Zu solch einer starken Stimme muss meines Erachtens auch das Songmaterial in Sachen Melodik, Markanz und Wiedererkennungswert passen, was hier eher leider nicht der Fall ist. Hier gibt es eher einen Mix aus recht altbacken und schon oft gehörten Blues-, Soul- und Jazz-Elementen (mit ein paar Allman Brothers-mäßigen E-Gitarreneinlagen), verpackt in neue, unscheinbare Gewänder.

Dadurch wird der ‚Gang‘ durch die vierzehn Stücke ziemlich ‚anspruchsvoll‘. So muss man bis zum letzten Lied „Just Keep Moving“ ausharren, bis dann tatsächlich die oben angeführten Attribute mal in Einklang stehen. Der perspektivische Weg in Richtung Tedeschi Trucks Band, sofern sich das anhand des hiesigen Konvoluts musikalisch vermuten lässt, dürfte allerdings noch ein sehr langer sein. 

The Shaelyn Band bietet mit „Chapter 3“ einen durchaus engagierten Longplayer, getragen von einer überaus herausstechenden Sängerin, der primär die traditionelle Blues-, Soul und Jazz-Klientel ansprechen könnte und dessen Songmaterial mehr für Live-Auftritte prädestiniert zu sein scheint. Für mich ein eher anstrengendes ‚Kapitel‘ in meiner ‚Reviewer-Karriere’…

Eigenproduktion (2026)
Stil: Blues, Soul, Jazz

Tracks:
01. Blues Chose Me
02. Gumbo
03. Cruise
04. Push
05. Carry On
06. Takin‘ My Love Back
07. Bet It All
08. Make Ya Move
09. Music Make It Right
10. I’m Not Ready
11. Debt
12. I Won’t Sell My Soul
13. Slow Blues
14. Just Keep Moving

The Shaelyn Band
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Mike Zito – Outside Or The Eastside – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Mit seiner neuen Scheibe “Outside Or The Eastside” findet US-Blues-Gitarrist Mike Zito über die autobiografische Reflektion zurück in seine Geburtsstadt St. Louis, Missouri, und erzählt in seinen Songs Geschichten über urbane Lebenswelten. Dort, wo seine Karriere begann, legt der Titelsong einen rasanten Einstieg hin und treibt mit seinem Lead-forcierten Rhythmus den Refrain „but you can’t stay here“ nach vorn. Slow-bluesig kommt hingegen die “Downtown At Midnight” durch dunkle Straßenfluchten und schildert individuelle Schicksale: “the damage is done” bildet im Chorus den Kern einer harten Realität. Einen Hauch von Optimismus verbreitet dagegen der funkige Groove von „Grand Avenue“: Widerstandsfähigkeit und Überlebenskunst bleiben neben Humor und Musik feste Größen im versöhnlichen Alltag der Großstadt.

In diesen Kontext der Beständigkeit integriert Mike Zito Coverversionen großer Blues-Titel, die eine autobiografische Verbindung herstellen und dem Werteverfall zeitlose Schönheit entgegensetzen. Dazu zählt auch die ungezwungen erfrischende Interpretation von Lonnie Brooks’ „Don’t Take Advantage of Me“ (1983), ebenso wie die härtere Gangart in „Too Broke To Spend the Night“; Buddy Guys Blues Rock von 1991 in neu belebter Fassung. Wer sich im etwas älteren Chicago-Blues-Songbook auskennt, wird zudem auf weniger bekannte Meisterwerke stoßen, etwa „Just Like I Treat You“ von Willie Dixon, ursprünglich 1962 von Howlin’ Wolf veröffentlicht und hier von Mike Zito in nahezu doppelter Länge interpretiert. Der Rhythm ’n‘ Blues Stomper erscheint im neuen “Gewand” noch intensiver, als die Aufnahme der Stones von 2016.

Auch “Down Don’t Bother Me” von Albert King aus 1967 ist eine dieser Perlen, die auf “Outside Or The Eastside” fast 60 Jahre später eine funkige Transformation erleben. Diese neue Klangfarbe erscheint beim Klassiker von Nina Simone “Do I Move You?” (1967) durch Zitos Guitar-Work – anstelle des ursprünglichen Harp- Background – im contemporary Blues-Sound. Ein Cover von “The Blues Lover” (Roy Buchanan, 1987) abschließend auf das Album zu nehmen, zeigt, dass Zito die Kunst der Live Jam Improvisation (beim über 8 minütigen Track) auch als Reminiszenz an den einflussreichen Blues Rock-Musiker versteht.

Mit “Outside Of The Eastside” legt Mike Zito ein Album vor, das Lebenserinnerungen an die Heimatstadt St. Louis in sozialkritischen Songs verarbeitet und gleichzeitig gegen wirtschaftlichen Niedergang und Dekadenz eine zweite Chance fordert. So wie er sie für sich und seine Familie erhalten hat und mit gefühlvoller Dankbarkeit auch an Cover-Versionen des Albums weitergibt. Entstanden ist eine profilierte Blues Rock- Scheibe, die weit über den Titel hinaus, hierfür im breiten Spektrum des Genres ein engagiertes Zeichen setzen will.

Gulf Coast Records (2026)
Stil: Blues

Tracks:
01. Outside Or The Eastside
02. Don’t Take Advantage Of Me
03. Kiss You All Over
04. Downtown At Midnight
05. Grand Avenue
06. Too Broke To Spend The Night
07. Just Like I Treat You
08. Down Don’t Bother Me
09. Do I Move You
10. Close To You
11. The Blues Lover

Mike Zito
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Promo Juke Box Promotion

Marc Broussard – Chance Worth Taking – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Nach “S.O.S. V: Songs of the ’50s”, einem Teil seiner Cover-Reihe zugunsten von Charity-Projekten, veröffentlicht der US-Sänger und Songwriter Marc Broussard innerhalb von zwei Monaten sein neuestes Album „Chance Worth Taking“ – sein erstes Blues-Soul-Album mit ausschließlich eigenen Songs. Produziert vom Top-Team der Szene, Joe Bonamassa, Josh Smith und Calvin Turner, sind die 14 Tracks im Ocean Wave Studio in Nashville aufgenommen worden. Die Titelliste verbindet vor allem Blues-Kompositionen mit Rock und dem für Marc Broussard typischen, sanfteren Southern-Bayou-Soul-Sound – getragen von seiner unverkennbar emotionalen und rau klingenden Stimme, die den Songs wie ein Markenzeichen ihr Qualitätssiegel verleiht.

Eine Kombination aus gelegentlicher Joe Cocker Blues-Powerhouse-Mentalität und Old-School Soul-Voices prägt den Sound, dessen breites Spektrum die eigentliche Anpassungsfähigkeit als Ausdrucksstärke stilisiert. Persönliche Vorbilder wie der Grammy-prämierte Soulsänger Donny Hathaway, Stevie Wonder und James Taylor haben seinen Stil ebenso beeinflusst wie die Mentor-Qualitäten von JJ Grey, die Marc Broussard in einem Interview betont.

Die Inspiration für den aktuellen Longplayer „Chance Worth Taking“ entstand jedoch bereits 2023 durch die Zusammenarbeit mit Joe Bonamassa und Josh Smith beim Album „Blues For Your Soul“ und hinterließ insbesondere in den Co-Writings der neuen Songs deutliche Spuren. Die Vorab-Singles “No More” und “Fever” präsentieren diese Teamwork der eleganten Arrangements aus der breiten Palette der Scheibe: Soul-bluesige Streicher-Ballade wetteifert mit groovendem Funk-Track, Bonamassa und Smith in absoluter Höchstform – eine Werbung für die Synergie der Produktion.

Nicht unerwähnt bleiben sollte dabei der eigentliche Aufreißer der Platte: Die bewährte Methode mit einer klassisch lebhaften Nummer zu eröffnen, gelingt „You’ll Be Sorry” durch bluesrockende Wirkung sofort, während “Trying To Do Right” (feat. Joe Bonamassa) in eine herrlich relaxte Dynamik wechselt. Weit über das sprichwörtlich gewohnte „a little help from my friends“ hinaus geht das Engagement des Produzententeams: Mit kongenialer instrumentaler Kreativität entsteht ein swingender Soul-Rock’n’Roll-Party-Kracher („Let Me Take You Out Tonight“), den man sich ebenso gut im Repertoire von Bill Haley vorstellen könnte.

Wie der Opener erweist sich auch der Abschlusstrack als tragende Nummer der ausgedehnten musikalischen Spielwiese der Akteure: Blues und New Orleans gehören hier ebenso zusammen, wie ein Mardi Gras-Finale unter Beteiligung von Trombone Shorty, der im Co-Writing “Laissez Les Bons Temps Rouler” zum blues-jazzigen Tanzvergnügen mitgestaltet.

“Es ist Zeit für meine Blues-Phase. In diesem Lebensabschnitt gehe ich voll darin auf”, sagt Marc Broussard über die Aufnahmen. Ein fast schon bescheidenes Understatement, denn sein potenziell preiswürdiges Studioalbum „Chance Worth Taking“ bietet einmal mehr die ausgezeichnete Gelegenheit, eine der besten Stimmen des Genres kennenzulernen – eine Chance, die man unbedingt ergreifen sollte.

KTBA Records (2026)
Stil: Blues

Tracks:
01. You’ll Be Sorry
02. Trying To Do Right feat. Joe Bonamassa
03. I’m Going Home
04. No More
05. Fever feat. Josh Smith
06. Chance Worth Taking
07. Let Me Take You Out Tonight
08. Sweet Love
09. These Walls
10. Satisfaction Guaranteed
11. Blame
12. Whispers
13. Laissez Street Parade Intro feat. Trombone Shorty
14. Laissez Les Bons Temps Rouler feat. Trombone Shorty

Marc Broussard
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Another Dimension

Brooks Milgate – Roll With The Punches – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Brooks Milgate wurde in eine musikalische Familie hinein geboren. Seine Eltern hatten sich in einer Gospelgruppe kennengelernt. Mit fünf Jahren begann Little Brooks, Piano zu spielen, während sein Vater ihm die Bassgitarre näherbrachte, so dass er seine Eltern bei Auftritten begleiten konnte.

Mit zwölf Jahren hat sich Brooks Milgate entschieden: Das Piano, das ist mein „Ding“. Und dann passierte etwas ganz Entscheidendes. Er entdeckte bei seinem Vater die Kassetten „Brothers and Sister“ von den Allmann Brothers und Led Zeppelin IV. Damit hatten sich jedwede Überlegungen nach dem Motto „Was soll ich denn nur mal werden?“ erledigt.

Jahre später erhielt Brooks Milgate ein Stipendium für das Berklee College of Music in Boston, das er 2005 mit Magna Cum Laude abschloss. Musikalisch etablierte er als Pianist und Organist und ging mit Blues-Acts auf Tour: Sugar Ray and the Bluetones, Darrel Nulisch, Kid Ramos, Ana Popovic, Chris O’Leary oder Mark Hummel. Unter anderem spielte er auch bei der Rockband Curtis Mayflower, die einige Alben und Singles veröffentlicht hat.

„Roll With The Punches“ – in dessen Mittelpunkt natürlich oft die Tasteninstrumente stehen – soll nun sein „first solo outing“ sein, wie die Plattenfirma schreibt. Das erstaunt einigermaßen, denn im vergangenen Jahr sind unter seinem Namen die Sechs-Songs-EP „The Night Needs The Stars“ und die CD „The Stags“ erschienen. Wie auch immer: Sein neues Werk bietet neun neue Kompositionen und die Klassiker „My Babe“ von Little Walter und „Goodnight Irene“ von Lead Belly, einen Akustik-Blues aus den 30er-Jahren.

Während sich zum Beispiel Keith Richards auf seiner CD „Crosseyed Heart“ aus dem Jahr 2015 mit seiner elegisch-getragenen Version eng an das Original gehalten hat, hat Milgate aus „Goodnight Irene“ eine beschwingte Boogie-Nummer gemacht, geprägt von Klavier und einem Saxophon-Solo. Das zeigt einmal mehr: Es kommt nicht unbedingt auf die Komposition an, sondern auf die Interpretation.

Zu den Höhepunkten von „Roll With The Punches“ gehört gleich die Eröffnungsnummer „Cheap Airline“, ein autobiografischer Song, der erzählt, wie sich Brooks auf einem Flug einer Billigfluggesellschaft nach Island verliebt hat. Verpackt ist das Ganze in einen Classic Rock, der die großen Zeiten in den Siebzigern und Achtzigern hochleben lässt, wobei Monster Mike Welch die Gitarre beisteuert.

Schade, dass es nicht mehr davon gibt, auch wenn die CD so oder so überzeugen kann. „Best That We Can Do“ geht Richtung Memphis Soul mit Bläsern, wogegen „I Should ’ve Known“ einen gediegenen New-Orleans-Rhythmus aufweist. Erneut ist Mike Welch ausgiebig an der Gitarre zu hören.

Der „Interstate Shuffle“ kommt als Instrumentalstück daher. Der Titelsong ist ein gediegener Blues, bei dem – wer wohl? – wieder die Saiten zupft. „Why I’d Wait So Long“ ist wohl eine Referenz an seine Eltern – ein Gospel im modischen Gewand.

Etwas aus dem Rahmen fällt der letzte Titel „Blueish Gray“, ein instrumentaler Smooth-Jazz, dominiert von Brooks Milgates Piano- und Orgelspiel. So muss es sich anhören, wenn der Pianist in einer schicken Bar zum letzten Mal in die Tasten greift, bevor es draußen langsam hell wird…

MoMojo Records (2026)
Stil: Rock, Blues, Soul

01. Cheap Airline
02. Goodnight Irene
03. Best That We Can Do
04. I Should’ve Known
05. Interstate Shuffle
06. Worry
07. Roll With The Punches
08. Why’d I Wait So Long
09. My Babe
10. So Long
11. Blueish Gray

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Stacy Mitchhart – No Rhyme Or Reason – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Wenn man nicht wüsste, dass Stacy Mitchhart aus den USA stammt, wüsste man es spätestens auf der Innenseite der CD, wenn es da im ersten Satz heißt: „Zuallererst möchte ich meinen Glauben und mein Vertrauen in GOTT und all seine Segnungen zum Ausdruck bringen.“ Offen gesagt: Auf die Idee kann wohl nur ein Amerikaner kommen.

Das Zweite, das auffällt, ist der Satz: „Produced by Tom Hambridge“. Wer einen Mann wie Hambridge (65) als Produzent, Songwriter, Drummer und bei den Background Vocals an Bord hat, kann kein Neuling sein. In der Tat hat Mitchhart, 2003 Gewinner des Albert King Most Promising Guitarist Award, bereits 1993 sein erstes Album vorgelegt, dem bis heute 16 weitere folgten.

Hambridge hat unter anderem schon mit Chuck Berry, Lynyrd Skynyrd, Johnny Winter, Buddy Guy, George Thorogood, Susan Tedeschi, Joe Bonamassa oder Billy Gibbons zusammengearbeitet. Bei mir hat er einen besonders dicken Stein im Brett, als er sich 2023 auf seiner Solo-CD „Blu Ja Vu“ lautstark darüber beklagte, dass Johnny Winter immer noch nicht in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen worden sei. Wenn man bedenkt, welch musikalischen Zwergen, die nichts, aber auch gar nichts mit Rock ’n‘ Roll z u tun haben, schon Einlass gewährt wurde und zum Beispiel auch die Country-Rock-Pioniere Poco, ohne die es die Eagles nicht gegeben hätte, hartnäckig ignoriert werden…

Aber nun hurtig zum neuen Werk von Stacy Mitchhart, um das es hier ja schließlich in erster Linie geht. „Ich glaube, dieses Album verleiht meiner Musik eine neue Note und echte Energie. Es unterstreicht meine Vielseitigkeit, bleibt dabei aber dem Blues treu“, beschreibt der 67-jährige Gitarrist, Sänger und Songwriter aus Nashville die 13 Songs.

Nehmen wir exemplarisch für diese Vielseitigkeit und Abwechslung mal ein paar Titel unter die Lupe. So ist das Eröffnungsstück „Good One Time“ ein Blues-Rock-Gebräu aus Gitarre, Orgel und Bläsern. Das rhythmisch-gitarrenorientierte „Bad As You“ lässt die Füße wippen. Zu den Glanzlichtern gehört der schwungvolle Country-Rock „You Sure Look Good To Me“, ein Duett mit Grammy-Gewinnerin Gretchen Wilson. Poco lässt grüßen…

„Once You Leave“ ist ein astreiner Memphis Soul, während Mundharmonika-Altmeister Charlie Musselwhite das geschmeidige „Flip It To The Other Side“ veredelt. „Mean Bad Wrong“ hat einen leichten New-Orleans-Touch, bei dem Kenny Neal die zweite Gitarre beisteuert. Den Abschluss bildet der Slow-Blues „On My Dying Day“ mit ausgiebigem Gitarren-Solo. Durchaus hörenswert, das Ganze.

Dr. Sam Records (2026)
Stil: Blues/Soul

Tracks:
01 Good OneTtime
02 Bad As You
03 You Sure Look Good To Me (featuring Gretchen Wilson)
04 Once You Leave
05 Flip It To The Others Side (featuring Charlie Musselwhite)
06 We Blew It
07 It’s A Long Way Down
08 Ain’t No Rhyme Or Reason
09 Mean Bad Wrong (featuring Kenny Neal)
10 Never Gonna Get Me Back
12 She’s Just Right For Me
13 On My Dying Day

Stacy Mitchhart
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