Katie Henry – High Road – CD-Review

Henry_300

Review: Stephan Skolarski

Die nächste junge Blues-Front-Frau veröffentlicht ihre Debüt-LP und liefert damit eine bemerkenswerte Eigenproduktion ab. Nachdem in Sounds of South bereits regelmäßig Blues-Women präsentiert wurden – u.a. Jessy Martens, Sari Schorr, Dana Fuchs, Beth Hart oder Rachelle Coba – kommt nun die US-Amerikanerin Katie Henry erstmals dazu.

Als Produzent für die Debüt-Scheibe war der erfahrene Studiomusiker John Ginty beteiligt. Dieser durfte bereits auf Alben von Santana, Warren Haynes oder den Punkern von Bad Religion mitwirken und in der Robert Randolph Family Band eigene spielerische Akzente am Keyboard setzen. Aufgenommen wurde „High Road“ im American Showplace Studio von Ben Elliott (Eric Clapton, Keith Richards). Namhafte Gastmusiker sind ebenfalls vertreten, mit Marcus Randolph, Anthony Krizan (Spin Doctors) und Billy Harvey.

Das Grundgerüst für ein sehr gutes Album ist also schon einmal vorhanden und Katie Henry geht sogleich sehr zielstrebig zur Sache. Der erst ein wenig bizarr klingende Orgel Sound auf „Nowhere Fast“ ergänzt sich perfekt mit Katies Gitarrenspiel und ergibt einen beat-getriebenen, schnörkellosen Blues-Song. Auf dem gospeligen „Chapels“ wird sie einprägsam von Marcus Randolph (Family Band) an der Pedal Steel Gitarre begleitet.

Das Titelstück „High Road“ lässt Katies ausdrucksstarke Blues- und Soul-Stimme noch stärker in den Vordergrund treten, als bei den anderen Tracks. Die Musik ist dafür minimalistischer mit einem eher moderaten Rhythmus ausgestaltet und Bill Harvey (Patti Griffin Band) unterstützt an einigen Stellen den Gesangspart. Waren die bisherigen Tracks weitestgehend geradlinig produziert, so ist der Slow Blues „Carry You“ mit seinen knapp 7 Minuten ein Song, der als Glanzstück des Albums herausragt. Das soulige „Gypsy Sister“ könnte auch eine Maroon 5 Nummer sein, aber das harte Gitarrensolo zum Ende hin, zeigt, dass Katie Henry auch den Blues-Rock beherrscht.

Auch auf „Roll Away“ spielt die US-Blues-Frau leidenschaftlich mit dem Refrain und lässt das ebenso starke „Takes a Lot“ als Abschlusstrack nochmals funkig in einem powervollen Gitarrenjam aufleben. Hervorzuheben ist die vielseitig versierte Band, die Katies Songs, in denen sie viele persönliche Erfahrungen schildert („Nothing To Lose“, „Someday“), sehr wirkungsvoll spielt.

„High Road“ ist ein modernes, zeitgemäßes Blues-Album, das den traditionellen Blues-Stil bewahrt und gleichzeitig frische, lebendige Sounds einfließen lässt. Mit „High Road“ befindet sich Katie Henry auch musikalisch voll auf der Überholspur!

Eigenproduktion (2018)
Stil: Blues Rock

Tracklist:
01. Nowhere Fast
02. Nothing to Lose
03. Chapels
04. High Road
05. Carry You
06. Gypsy Sister
07. Dead Man’s Hands
08. Someday
09. Roll Away
10. Takes a Lot

Katie Henry
Katie Henry bei Facebook

Jason Kane & The Jive – Hellacious Boogie – CD-Review

Kane_300

Review: Stephan Skolarski

Als sich Jason Kane und Nick Jive 2014 begegnet sind, war Jason bereits ein Jahr lang als Akustik-Musiker unterwegs. Sie formierten die Band Jason Kane & The Jive und konnten 2015 mit ihrer Debüt-EP auf Anhieb die Aufmerksamkeit der Musikszene in ihrer Heimatstadt San Antonio, TX, auf sich ziehen.

Der Anspruch an diese gemeinsame erste Platte war auch daran abzulesen, dass die Band ohne eigenes Album schon als Live-Support für Konzert-Größen wie Uriah Heep, Graham Bonnet oder L.A. Guns spielen durfte. Nach personellen Veränderungen hat sich Drummer Thomas Chapoy seit 2017 neben Jason Kane an der Gitarre und Bassist Nick Jive als dritte Konstante eingespielt.

Mit „Hellacious Boogie“ legen sie jetzt ihre zweite LP vor. Das Plattencover erinnert auf den ersten Blick ein wenig an die typisch bunten, farbenfroh verschlungenen Motive im Psychedelic-Genre. Diese bildliche Einordnung entspricht aber keineswegs dem, was man auf der CD zu hören bekommt.

Das Album beginnt standesgemäß mit einem powervollen Auftakt („Gypsy Kiss“) im Mix von funkiger Gitarre und rockigen Riffs. Auf „Pussyfootin'“ sticht dieser Crossover-Style aus Funk und Rock ’n‘ Roll, der sich durchs ganze Album zieht, noch deutlicher hervor. „Get Up“ ist funkiger Heavy-Rock, der an die frühen Red Hot Chili Peppers Alben erinnert.

Auf dem einzigen ruhigen Song des Longplayers „In Time“ versucht sich das Trio an einer soften Rock-Ballade. Jasons Stimme überzeugt jedoch eher beim Band-eigenen Crossover Sound. Das 7-Minuten Stück „Let It Ride“ ist größtenteils instrumental angelegt, mit intensiven Schlagzeug Beats und vielen Power-Rock-Riffs.

Als musikalische Einflüsse für die zweite CD nennt die Band u.a. die Hard-Rock Pioniere von Mountain, die Funk-Rock Vorreiter Grand Funk Railroad und die 1990er Grunge Ikonen Soundgarden. Jason Kane setzt diese Mischung aus alten und neuen Erfahrungsfeldern in Hochspannung um.

„Outta Sight“ fügt der Scheibe noch eine ordentliche Portion Blues-Rock mit Classic Rock Vibe hinzu und „Titty Boi Rabbit“ ist dann wiederum ein schneller und wilder Rock’n’Roll-Trip.

Sollten Jason Kane & The Jive ihren Sound beibehalten, werden sie sicherlich auch mit Bands, wie Greta Van Fleet, die ein Classic Rock Revival angestoßen haben und auch dem deutschen Blues-Rock Trio Kadavar verglichen werden.

„Hellacious Boogie“ ist ein lebendiges Potpourri aus Rock’n’Roll, Blues, Classic Rock und Funk. Jason Kane & The Jive“ dürfen zurecht als neue Rock-Sensation angekündigt werden. Einfach krass!

Jive Ass Productions (2018)
Stil: RockʹnʹRoll, Blues, Funk

Tracks:
01. Gypsy Kiss
02. Pussyfootin‘
03. Nomad
04. Get Up
05. In Time
06. Bossman
07. Let It Ride
08. In My Windowl
09. Nothin‘ To Lose
10. Titty Boi Rabbit
11. Outta Sight

Jason Kane & The Jive bei Facebook

Beth Hart – Live At The Royal Albert Hall – CD/DVD-Review

Beth 300

Review: Michael Segets

2018 ist ein Jahr der hochkarätigen Live-Veröffentlichungen. Unter anderem John Mellencamp, Little Steven, Jason Isbell legten vor und auch Beth Hart meldete sich mit „Front And Center“ bereits aus New York. Pünktlich zum Advent setzt Hart diese Serie fort und bringt ihren Auftritt in der Royal Albert Hall in London vom vierten Mai diesen Jahres auf Bild- und Tonträgern heraus.

Beth Hart muss hier nicht eigens vorgestellt werden. Die Blues-Musikerin dient oft genug als Referenz für andere Künstlerinnen des Genres. Nicht zuletzt durch ihre Zusammenarbeit mit Joe Bonamassa ist sie einem breiten Publikum bekannt. Für diejenigen, die sich noch nicht mit ihrem Repertoire auseinandergesetzt haben, bietet „Live At The Royal Albert Hall“ einen sorgsam ausgewählten Querschnitt ihres bisherigen, gut zwanzigjährigen, musikalischen Schaffens. Das Programm reicht von Titeln ihrer letzten Studio-Aufnahme „Fire On The Floor“ (2016) bis zurück zu ihrem Debüt-Werk „Immortal“ (1996).

Beth Hart wählt einen ungewöhnlichen Einstieg für ihr Konzert. Ganz auf ihre Stimme vertrauend schreitet sie „As Long As I Have A Song” a capella singend durch den Zuschauerraum in Richtung Bühne. Dort erwarten sie Jon Nichols an der Gitarre, Bob Marinelli am Bass und Bill Ransom am Schlagzeug, der den kraftvoll Startschuss für das rockige „For My Friends” gibt. Bereits hier brilliert Nichols mit einem ausgedehnten Solo an der E-Gitarre.

Temporeich geht es mit dem Blues Rocker „Lifts You Up“ weiter, bevor die Band mit „Close To My Fire” einen Gang runter schaltet. Nicols betätigt ausgiebig das Tremolo seiner Gitarre, sodass Country-typische Vibrationen den Song begleiten. Einen noch deutlicheren Country-Einschlag hat das hervorragende „Bang Bang Boom Boom“.

Beth Hart, die mittlerweile am Piano Platz genommen hat, lässt die beiden locker-rockenden und gute Laune verströmenden „Good As It Gets“ und „Spirit Of God“ folgen. Nach dem jazzigen „Baddest Blues“ erlebt das Konzert mit „Sister Heroine“ einen seiner Höhepunkte. Den berührenden, vom Klavierspiel sowie dem hier fast zerbrechlich wirkenden Gesang von Hart getragenen und wohl kurzfristig auf die Setlist gekommenen Song widmet sie ihrer verstorbenen Schwester. Beeindruckend fügt sich ein Gitarrensolo von Nichols in die Liedstruktur ein, die eine unglaubliche Dramatik entwickelt.

Anschließend legt Beth Hart das dynamische, eher experimentelle „Baby Shot Me Down“ nach. Ihre gewaltige Stimme spielt sie dann beim rockenden „Waterfall“ aus, bei dem härtere Gitarrenriffs den Ton angeben.

Die Mitte des Konzerts markiert „Your Heart Is As Black As Night”. Den Blues performt Hart in ihrem kleinen Schwarzen stilecht auf einem Hocker sitzend. Die bis hierher genannten zwölf Songs finden sich auf der ersten CD. Sie spiegeln die enorme Bandbreite von Harts Musik und die Vielzahl unterschiedlicher Stimmungen wider, die sie mit ihr erzeugen kann.

Balladen bilden den Schwerpunkt im zweiten Teil des Konzerts. Zuvor legt sich Hart aber bei dem Boogie „Saved” tempomäßig nochmal richtig ins Zeug und gibt Nichols Raum erneut sein Können an der Gitarre zu zeigen.

Nichols und Hart greifen bei „The Ugliest House On The Block” zu akustischen Gitarren. Bei „Spiders In My Bed” wechselt Hart zum akustischen Bass. Mit den beiden Songs verarbeitet Hart persönliche – mal eher amüsante, mal eher bittere – Erinnerungen in bester Singer/Songwriter-Tradition.

Danach singt Beth Hart vier Stücke allein am Klavier. Die sehr intensive Ballade „Take It Easy On Me” wird durch Überblendungen und langsame Kamerafahrten äußerst stimmungsvoll unterstützt. Filmtechnisch stellt der Titel sicherlich einen Höhepunkt der DVD dar. Es folgen „Leave The Light On”, „Mama This One’s For You” und „My California”. Emotional ist Beth Hart voll bei der Sache, zumal sie die einzelnen Titel Menschen widmet, die ihr viel bedeuten – so ihrer Mutter, die im Saal anwesend ist.

Das ansonsten sehr abwechslungsreiche Konzert verliert durch die verhältnismäßig lange Solo-Performance von Hart vielleicht etwas an Schwung, sorgt aber in dieser Phase durch den leidenschaftlichen Einsatz der Musikerin für Gänsehaut-Momente.

Nachdem die Band für die Zugabe wieder auf die Bühne zurückgekehrt ist, heizt sie bei „Trouble“ dem Publikum mächtig ein. Gegen Ende des Konzerts konzentriert sich Hart schließlich auf ihre musikalische Domäne: den Blues. Auf das spannungsgeladene „Love Is A Lie“ und das sanftere „Picture In A Frame“ folgt „Caught Out In The Rain“ als krönender Abschluss des zweistündigen Sets.

Auf der DVD finden sich als Extras ein dreiminütiges „Behind The Scenes“, das Impressionen der Konzertvorbereitung und alternative Perspektiven während des Auftritts einfängt, und ein fast halbstündiges „Interview“, bei dem Hart über Stationen ihrer musikalischen Karriere spricht. Auch während des Konzerts leitet sie viele Stücke mit persönlichen Bemerkungen ein.

Mit der Varianz der Stücke hinsichtlich aufgegriffenen Stileinflüssen, Tempo, Instrumentalisierung und Atmosphäre unterstreicht Beth Hart ihre Stellung als Ausnahmekünstlerin. Ich hätte mir mein Lieblingsstück von ihr „Thru The Window Of My Mind“ gewünscht, von dem meines Wissens noch keine Live-Version auf einem offiziellen Silberling existiert. Aber das ist keine Kritik an den vorliegenden Bild- und Tonträgern, an denen es weder technisch noch musikalisch ernstlich etwas auszusetzen gibt.

„Live At The Royal Alber Hall“ verkürzt das Warten auf Weihnachten oder sollte zumindest bei Blues-Fans unter dem Tannenbaum liegen.

Provogue/Mascot Label Group/Rough Trade (2018)
Stil: Blues/Blues Rock and more

Tracks:
01. As Long As I Have A Song
02. For My Friends
03. Lifts You Up
04. Close To My Fire
05. Bang Bang Boom Boom
06. Good As It Gets
07. Spirit Of God
08. Baddest Blues
09. Sister Heroine
10. Baby Shot Me Down
11. Waterfalls
12. Your Heart Is As Black As Night
13. Saved
14. The Ugliest House On The Block
15. Spiders In My Bed
16. Take It Easy On Me
17. Leave The Light On
18. Mama This One’s For You
19. My California
20. Trouble
21. Love Is A Lie
22. Picture In A Frame
23. Caught Out In The Rain

Beth Hart
Beth Hart bei Facebook
Netinfect Promotion

Ben Poole – 18.11.2018, blues, Rhede – Konzertbericht

Pol_haupt

Am Sonntag stellte Ben Poole seine neue CD „Anytime You Need Me“ im Blues in Rhede vor und feierte gleichzeitig seinen Tourabschluss. Da gab es Partystimmung und einige Überraschungen.

Endlich konnte André Knoch mal Wunschkandidat Ben Poole im blues in Rhede präsentierten. Der  Brite hatte sein oben angeführtes Werk mit im Gepäck und beendete seine zweimonatige Tour. Eine weitere Besonderheit war der Special Guest Guy Smeets.

Poole & Co. starteten direkt mit einem älteren Hit „Let‘s Go Upstairs“ und weiter ging es mit „Win You Over“, bei dem Keyboarder Joe Mac für den richtigen Groove sorgte. Mit „Take It No More“ wurde das erste Stück des neuen Longplayers vorgestellt und damit die Musik rockiger, als auch die Gitarrenriffs härter, bevor mit „The Question Is Why“ wieder etwas Tempo zurückgenommen wurde.

Leider musste Ben Poole dabei sein Solo unterbrechen, um eine laute Störung zu beenden. Die 17 Minuten lange Freddy King-Adaption von „Have You Ever Loved A Woman“ war einer der Höhepunkte. Eingeleitet wurde es durch ein langes intensives Gitarrensolo, mal leise mal laut, von Ben Poole ohne Beteiligung der weiteren Musiker.

Es folgte ein langes melodiöses Solo von Joe Mac, der die Keys wie ein Konzertpianist spielte. Zum Ende konnte auch Schlagzeuger Stéphane Avellaneda sein dynamisches Können beweisen. Mit dem neuen Stück „Further On Down The Line“ verabschiedete man sich nach einer Stunde in die Pause.

Zu Beginn der zweiten Hälfte stellte Ben Poole seinen guten Freund und Gitarristen Guy Smeets vor. Der junge Niederländer stand in seinem Können dem Protagonisten in nichts nach und unterstützte ihn kräftig. Wurde in der ersten Hälfte noch nach Setlist gespielt, beherrschte jetzt Spontanität und Improvisation die Szenerie. Die Bandmitglieder reagierten auf die Entwicklung. Es wurde ordentlich gejammt.

Ben Poole und Guy Smeets steigerten sich regelrecht in Gitarrenbattles hinein und integrierten auch Joe Mac in ein solches Scharmützel. Beau Barnard bekam seine Soliergelegenheit und zeigte eine tolle Basslinie. Wieder auffallend waren die kraftvollen Improvisationen von Drummer Stéphane Avellaneda. Der Spaß kam ebenfalls nicht zu kurz. Da wurde auch mal „Wannabe“ von den Spice Girls angestimmt, um es unter Gelächter wieder zu beenden.

Eines der musikalischen Highlights war sicher „Old Love“ von Eric Clapton, das auch in der Version von King King sehr bekannt ist. Dabei setzte sich Ben Poole zeitweise auf den Bühnenrand und überließ einem vortrefflichen Guy Smeets das großartige Gitarrensolo.

Die Überraschung des Abends begann aber damit, dass jemand Drummer Stéphane Avellaneda zwei Esslöffel reichte. Der fing sofort an, damit seine Drums zu spielen. Dabei riss es ihn vom Sitz. Zusammen mit Ben Poole sprang er von der Bühne ins Publikum. Jetzt war nichts mehr vor ihm und seinen Löffeln sicher.

Während Ben Poole auf einen Barhocker hüpfte und von dort oben, mitten im Publikum Gitarre spielte, trommelte sich Stéphane mit den Löffeln auf Biergläsern, Bierflaschen, Heizungsrohren oder an der Raumdecke in Rage. Joe Mac und Guy Smeets waren mit Drumsticks in den Händen ins Publikum gefolgt und trommelten ebenfalls auf allem, was Töne abgab, mit. Tolle Partystimmung in der Band und im Publikum!

Damit endete dieses ungewöhnliche und bemerkenswerte Konzert nach insgesamt drei Stunden, wobei ein bestens gelaunter Ben Poole später noch fleißig Autogramme gab und für den einen oder anderen Smalltalk mit den Anwesenden seine Zeit fand.

Line-up:
Ben Poole (lead vocals, guitars)
Beau Barnard (bass, bgv)
Stéphane Avellaneda (drums)
Joe Mac (Keys, bgv)
Special guest:
Guy Smeets (guitars, bgv)

Text und Bilder: Martina Middeke

Ben Poole
Ben Poole bei Facebook
Blues Rhede

Andreas Diehlmann Band – Your Blues Ain’t Mine – CD-Review

ADB_300

Review: Jörg Schneider

Der Kasseler Andreas Diehlmann macht seit seiner frühen Jugend Musik. Mit bereits elf Jahren spielte er Gitarre und studierte später die klassische Variante dieses Instruments an der dortigen Musikakademie. Seit 1993 arbeitet Diehlmann als freiberuflicher Livemusiker, Gitarrenlehrer, Komponist und tourte mehrere Jahre mit der amerikanischen Bluessängerin Sydney Ellis durch Europa.

2016 war der Startschuss für die Andreas Diehlmann Band, bestehend aus ihm (Gesang, Gitarre), Volker Zeller am Bass und Tom Bonn an den Drums. Folgerichtig erschien dann in 2017 das erste, vielbeachtete Album „ADB“ des Kasseler Powertrios.

Und nun das Nachfolgewerk „Your Blues Ain’t Mine“. Auch hier bietet Diehlmann einige Coverversionen klassischer Bluesnummern, aber auch spannende Eigenkompositionen.

Gleich mit dem Opener, dem Robert Johnson-Klassiker „Come On Into My Kitchen“, den u. a. auch schon die Allman Brothers und Eric Clapton auf ihrer Setliste hatten, bietet Diehlmann kraftvollen Deltablues der Extraklasse.

Die Coverversion von Hendrixs „Little Wing“ überrascht als pure Instrumentalversion, die sich im Intro und am Ende des Tracks am 1967’er Original orientiert, im Mittelteil aber viel Spielraum für Diehlmanns eigene Interpretationen lässt.

Auch  „Soulshine“, ursprünglich von dem langjährigen Gitarristen der Allman Brothers Band Warren Haynes komponiert und gesungen, verleiht der Kasseler Blueser in der vorliegenden Fassung seinen eigenen Charme. Wirklich hörenswert.

Die restlichen sechs Tracks des Albums sind kraftvolle Eigenkompositionen, die durch Diehlmanns außergewöhnliches Gitarrenspiel und seine markante, raue Stimme getragen werden.

Insgesamt liefern er und seine beiden Mitstreiter mit ihrem zweiten Silberling ein grandioses, Hendrix-, Freddie King- und ZZ Top-beeinflusstes Blues-Opus ab, wie ich es von einem deutschen Blues-Musiker an sich nicht erwartet hätte.

Schon jetzt spielen Diehlmann, Zeller und Bonn in der absoluten Blues-Elite-Liga. In Zukunft werden wir hoffentlich noch viel mehr von dieser Truppe zu hören bekommen. Für die Scheibe gibt es 5 Sterne und eine dicke Kaufempfehlung!

Eigenproduktion (2018)
Stil: Blues

Tracks:
01. Come On Into My Kitchen
02. Your Blues Ain’t Mine
03. I Don’t Wonna Loose You
04. I Don’t Know
05. Head Down Low
06. Little Wing
07. Going Home
08. Soulshine
09. F#cking Happy Blues

Andreas Diehlmann Band
Andreas Diehlmann Band bei Facebook

The Bluesbones – 31.10.2018, Meisenfrei, Bremen – Konzertbericht

BB_haupt

Das Motto der belgischen Band „The Bluesbones“ leitet sich vom Namen ab „playing blues that gets into your bones“. Das klingt schon mal gut, aber kann Belgien für großartige Bluesmusik stehen?

Gegründet in 2011, haben die Bluesbones bereits drei Studio- und zwei Livealben veröffentlicht. Darunter ragt „Double Live“, ein mit 15 Songs und über 100 Minuten Spielzeit vollgepacktes Livedokument, heraus. Wer hier reinhört, ist sofort infiziert. Ähnlich überzeugend muss wohl auch ihr Auftritt beim „European Blues Challenge“ gewesen sein. Dort erreichten die Bluesbones 2017 den zweiten Platz. Auch namhafte europäische Festivals haben sie bereits gerockt: „Blues Peer“, Culemborg Blues“, „Swing Wespelaar“ oder „Moulin Blues“ seien hier exemplarisch genannt.

Am Halloweenabend im gemütlichen Bremer Bluesclub „Meisenfrei“ präsentiert das Quintett aus Belgien fast alle Songs ihres aktuellen Albums „Chasing Shadows“, das in den Top 40 Charts der Independent Blues Broadcasters‘ Association (IBBA) die Pole Position als „Most Played Album“ erreichte. Daraus stechen eine Reihe von Songs hervor, darunter das atmosphärisch dichte „Going down“. Der junge Seitenhexer Stef Paglia treibt den Song mit einem markanten Riff an, gleitet dabei gekonnt mit dem Bottleneck über die Gitarrenseiten und lässt sie beim Solo herrlich aufheulen.

Bassist Geert Boeckx legt mit einer butterweichen Bassline das Fundament der funkigen und tanzbaren Nummer „The End“. Den Midtempo-Song „Betrayal“ veredelt Edwin Risbourg mit einem klangvollen Hammond-Solo. Bluesballaden beherrscht das Quintett auch. „Sealed Souls“ ist ein Ohrenschmeichler erster Güte und verzückt das Publikum mit einem satten Refrain. Nicht nur hier entfaltet Sänger Nico de Cock sein kraftvolles Stimmvolumen und beeindruckt als charismatischer Shouter.

Von den übrigen Studioplatten „Saved by the blues“ und „Voodoo Guitar“ intoniert der belgische Fünfer ebenfalls begeisternde Songs. „I Try“ ist so ein Kracher. Dafür streift Stef Paglia einmal mehr die schneeweiße Fender Stratocaster über. Beim ausufernden Solo berührt er die Gitarrenseiten nur ganz leicht und lässt sie so immer leiser erklingen, steigert dann langsam die Lautstärke und löst die aufgebaute Spannung mit einem krachenden Finale. Einmal mehr applaudiert das begeisterte Bremer Publikum für diese glänzende Einzelleistung.

Mit dem treibenden „She’s got the devil in her“ präsentiert das Quintett eine der wenigen Coverversionen. Höhepunkt dieser äußerst gelungenen Darbietung ist das ausgedehnte Solo von Edwin Risbourg. Zum Finale drückt er so intensiv in die Tasten seiner braunen Hammond B 3, dass die Funken regelrecht zu sprühen scheinen.

Das hart rockende „Devil’s Bride“ bringt noch mal richtig Dampf auf den Kessel und beendet zunächst das erstklassige Konzert. Als stürmisch eingeforderte Zugabe folgt der Titeltrack des ersten Albums „Voodoo Guitar“. Im Solopart dieser herrlichen Ballade wechselt der junge Stef Paglia gekonnt zwischen druckvollen und gefühlvollen Passagen und belegt nochmals seine Klasse am Griffbrett. Folglich vergeht das reichlich mit Highlights gespickte zweistündige Konzert wie im Fluge.

Fazit: Obwohl jede Position in der Band mit hervorragenden Einzelkönnern bestückt ist, überzeugt gerade das Kollektiv auf der ganzen Linie. Nicht unerwähnt bleiben darf hier die hervorragend aufspielende Abteilung Rhythmus, bestehend aus Schlagzeuger Koen Mertens und Tieftöner Geert Boeckx.

Angesichts dieses großartigen Konzertes der Bluesbones, kann die eingangs gestellte Frage nur mit einem deutlichen „ja“ beantwortet werden. Zumindest alle anwesenden Musikfreunde dürften die Bluesbones in ihr Herz geschlossen und Belgien künftig auf die Blueslandkarte aufgenommen haben.

(Herzlichen Dank an Uli Witte für das zur Verfügung stellen seiner Fotos!)

Line Up:
Nico de Cock (lead vocals)
Geert Boeckx (bass)
Stef Paglia (electric guitar)
Edwin Risbourg (organ)
Koen Mertens (drums)

Text: Thomas Völge
Bilder: Ulrich Witte

The Bluesbones
The Bluesbones bei Facebook
Meisenfrei Bremen
Kingbee Music

Robert Connely Farr & The Rebeltone Boys – Dirty South Blues – CD-Review

Farr_300

Review: Michael Segets

Robert Connely Farr lebt in Vancouver, Kanada, und spielt seit fast zehn Jahren bei der Alternative-Country-Band Mississippi Live & The Dirty Dirty. Der Titel seines Solo-Debüt „Dirty South Blues“ ist gleichzeitig Programm. Das Album prägt der Blues, dem Robert Connely Farr einen Southern-Hauch mitgibt. Diese Kombination wirkt spannend, da sie in so konsequenter Form selten auftritt.

Die Inspiration zu dem Album erhielt Robert Connely Farr durch die Begegnung mit Jimmy „Duck” Holmes. Auf einer Reise in seinen Geburtsort in Mississippi freundete er sich mit dem Blues-Veteranen an. Robert Connely Farr lernte so den – mir bis dato unbekannten – Bentonia-Bluesstyle von Henry Stuckey, Skip James und Jack Owens kennen.

Als Verneigung vor diesen Einflüssen covert Robert Connely Farr „Hard Time Killin’ Floor Blues” von Skip James. Aus der direkten Zusammenarbeit mit Jimmy „Duck” Holmes entstand „Just Jive“. Der Boogie mit Bar-Piano, das wie die anderen Keys von Michael Ayotte gespielt wird, ist der schnellste Track auf der Scheibe.

Die anderen Songs stammen aus Robert Connely Farrs eigener Feder. Dem Titel des Longplayers entsprechend sind „Blue Front Café”, „Cypress Tree Blues” und „Hey Mr. Devil“ im Blues verwurzelt. Bei „Ode To The Lonesome” steht die helle und klare Gitarre in einem Spannungsfeld zu der teilweise mit etwas Hall unterlegten Stimme von Robert Connely Farr.

Das meines Erachtens stärkste Stück ist „Dirty South Blues“. Evan Ushenko läuft hier an der elektrischen Gitarre zur Hochform auf. In dem Text bezieht Robert Connely Farr ebenso wie bei „Magnolia“ Stellung zu wohl gerade im Süden der Vereinigten Staaten präsenten Geisteshaltungen und latentem Rassismus.

Zum Ende von „Magnolia“ liefert Kyle Harmon am Schlagzeug eine expressive Einlage. Seine Percussion tritt bei „Lady Heroin” besonders in Erscheinung. Tyson Maiko am Bass vervollständigt die Rhythmus-Section der Rebeltone Boys.

Neben den schon erwähnten „Dirty South Blues“ und „Just Jive“ sorgt „Yes Ma’am“ für Abwechslung auf dem bluesdominierten Album. Die lockere Ballade würde auch gut auf eine Country-CD passen.

Produziert hat Leeroy Stagger, der sich im Roots Rock beziehungsweise Alternative Country – u. a. auch durch die Zusammenarbeit mit Tim Easton und Evan Phillips – bereits einen Namen gemacht hat.

In der Fachpresse werden Parallelen zwischen „Dirty South Blues“ und Veröffentlichungen von Steve Earle, Bruce Springsteen oder The Bottle Rockets gezogen. Ich bin bei solchen Vergleichen eher vorsichtig. Unbestritten dürfte sein, dass Robert Connely Farr ein konzeptionell eigenständiges Werk geschaffen hat. Es schlägt eher ruhigere Töne an, entwickelt dabei aber eine hohe Intensität.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Southern Blues

Tracks:
01. Ode To The Lonesome
02. Dirty South Blues
03. Blue Front Café
04. Hard Time Killin’ Floor Blues
05. Magnolia
06. Lady Heroin
07. Just Jive
08. Cypress Tree Blues
09. Yes Ma’am
10. Hey Mr. Devil

Robert Connely Farr & The Rebeltone Boys
Robert Connely Farr & The Rebeltone Boys bei Facebook

Imperial Crowns – 28.10.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

IC_haupt

Nach dem Soul Return-Konzert im holländischen Weert vor einigen Monaten, hatte deren Gitarrist JJ Holiday dem Kollegen Jörg Schneider noch einen Gig im Musiktheater Piano von den Imperial Crowns nahegelegt, bei denen er auch als Mitglied beteiligt ist.

Jörg beschäftigte sich fortan mit der Band, war sofort Feuer und Flamme und besprach vor kurzem direkt auch deren Jubileums-Live-Album. Mir sagte die hier wohl auch durch einen Rockpalast-Auftritt bekannte und von Kultstatus umwehte Gruppe garnichts, da mir aber JJs Slide-lastiges E-Gitarrenspiel sehr gefiel, ließ ich mich dann zu einem Besuch im schönen Dortmunder Club überreden, auch wenn hiermit für mich in dieser Woche, das 4. Event innerhalb von sechs Tagen anstand. Und ein Blick über den berühmten Tellerrand kann ja manchmal nicht schaden.

Es war für die Kalifornier an diesem Sonntag-Abend der letzte Auftritt im Rahmen ihrer Europa-Tournee. Ein Film-Team hatte mit gleich fünf Kameras dick aufgefahren. Schade , dass mit nur knapp 100 Zuschauern der äußere Rahmen dadür etwas bescheiden ausfiel.

Auf die Minute um 20:00 Uhr legte das Quartett, bestehend aus dem mir, muss ich zu meiner Schande gestehen, bis dato ebenfalls nicht geläufigen Fronter Jimmie Wood, JJ Holiday, Billy Sullivan und James Carter standesgemäß mit „Preachin‘ The Blues“ mit ihrem treibenden Rhythm & Blues Rock los.

Allein schon das herrlich schrille Erscheinungsbild des mit einem purpur-roten, weit geöffneten Hemd aus Tüll mit Samtapplikationen, schwarzer Streifencordhose mit Schlag und quietschroten Schlangenleder-Stiefeletten bekleideten redseligen Fronters, seine geschminkten Augenpartien, die hauchdünnen Backenkoteletten, die tiefschwarz gefärbten Haare, ließen auf einen unterhaltsamen Abend schließen. Er erinnerte mich irgendwie in seiner Art an eine Mischung aus Iggy Pop, Alice Cooper und dem ebenfalls in LA ansässigen Little Caesar-Chef Ron Young.

Während der etwas müde wirkende JJ Holiday (wieder mit gewohnt viel Slide und quirligen Riffs im Picking-Stil), der elegant gekleidete James Carter und Billy Sullivan, routiniert und gekonnt, ihre instrumentellen Parts (mit dezenten Harmoniegesangsbeteiligungen) im Reich der Imperial Crowns verichteten, hatte natürlich der charismatische Wood mit seinen gepredigten Anekdoten, seinem energiegeladenen Gesang (immer wieder auch mit Voice-Effekten) und wüstem Harpspiel sowie seinem unbändigen Bewegungsdrang auf der Bühne, natürlich die Krone oben auf.

Die Band präsentierte, wie nicht anders zu erwarten, mit u. a. “Lil Death“, „The Calling“, „Soul Deep Freak“, “Love Blues”, dem grandios wirbelnden “Altar Of Love”,„Papa Lawd“, „Miss Aphrodite“, „Star Of The West“ und dem zum Schluss furios abgehenden ”Ramblin’ Woman Blues” viele Tracks aus dem oben angesprochenen Album.

Mein Lieblingsstück eines ansonsten rastlosen Abends, war der etwas ruhigere Schwofer „Liberate“ mit schönem JJ-Slide-Solo. Und ganz entsprechend dem Wesen des Fronters, wurde mit dem delta-bluesigen „Restless Soul“, die einzige Zugabe zum Besten gegeben.

Wood charakterisierte sich dabei selbst sehr treffend in der abschließenden Ansage als „I’m a man who’s just singin‘ and preachin‘ the Blues“. Passt Jimmie, wir werden dir auch weiterhin gerne gebannt zuhören…!

Line-up:
Jimmie Wood (lead vocals, harp, percussion)
JJ Holiday (electric guitar, slide guitar, percussion, vocals)
Billy Sullivan (drums)
James Carter (bass, vocals, percussion)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Imperial Crowns
Imperial Crowns bei Facebook
H’ART Musik-Vertrieb GmbH
Jörg Schneider Webseite

Imperial Crowns – 25 LIVE – CD Review

IC_300

Review: Jörg Schneider

Die hierzulande mit Kultstatus bedachten Imperial Crowns aus Los Angeles sind schon seit 25 Jahren im Geschäft und haben nun ihr Jubiläum dazu genutzt, ein ‚Best Of‘ aus all diesen Jahren zusammenzustellen. Man muss sich nur mal ihre Videoclips auf youtube ansehen, um zu sehen, mit welcher Energie und Spielfreude, sie das Publikum rocken. So ist es denn auch kein Wunder, dass auf der Jubiläums-Doppel-CD ausnahmslos Live-Mitschnitte enthalten sind, insgesamt 25 bärenstarke Songs aus den letzten 25 Jahren.

Die Kernbesetzung der Imperial Crowns sind der charismatische Frontmann, Sänger und Harpspieler Jimmie Wood, der Slide-Gitarrist JJ Holiday (dessen Talent an der Slidegitarre ich bereits bei einem Gig der kalifornischen Band Soul Return in Weert (NL) kennenlernen durfte) und Billy Sullivan an den drums. Das Trio kommt also, wie andere legendäre Bands auch (z. B. The Doors) ohne Bassisten klar. Bei ihren Live-Auftritten holen sie sich allerdings oft Gesangs- und Rhythmusverstärkung durch befreundete Musiker auf die Bühne.

Musikalisch passt die Band nicht wirklich in eine Schublade. Gekonnt werden Elemente des Blues und des Soul („Comin’ Fu Ya“) mit swampigem Rock & Roll („Big Love Generator“) vermischt, das Ganze teilweise psychedelisch angereichert, z. B. der im Stil von Captain Beefheart experimentell anmutende 12-Minuten-Klopper „Ramblin’ Woman Blues“.

Die erste CD jedenfalls startet mit dem wilden, southern-mässigen Stampfer „Altar Of Love“, der dem geneigten Hörer sofort klar macht, mit welchem Tempo es die nächsten zwei Stunden überwiegend weitergeht.

Unkonventionelle Gitarrenlicks gibt’s dann auf „Big Chief“ zu hören. Ganz anders das 1998’er-Stück „Blues Au Go Go“. Hier bestimmen flirrende Gitarrenriffs, Jimmie Woods punkiger Gesang und eine treibende Basslinie das Geschehen. Mitreißend auch die fetzige R&B-Nummer „Drop Down Mama“ mit einem minutenlangem furiosen Harp-Solo von Jimmie Wood.

Erst am Ende der ersten CD wird dem Zuhörer schließlich mit „Liberate“, einem schönen Slow Blues, eine kurze Verschnaufpause gegönnt, bevor es dann mit dem Opener der zweiten Scheibe „Lil’ Death“ wieder rockig-punkig weitergeht.

Auch die zweite Halbzeit der Konzertmitschnitte steht den ersten 13 Songs in nichts nach, weder in Drive und Abwechslung, noch in Spielfreude der Band und der Begleitmusiker. Seien es das stampfende „Love Blues“, das rockig straighte „Miss Aphrodite“ oder das Bass-getriebene Stück „The River“ – es wird rotzig-frech gerockt, was das Zeug hält, bis letztendlich der furiose Ritt durch die 25-jährige Bandgeschichte mit dem Southern-Blues „93 Blues“ zu Ende geht.

„25 LIVE“ ist eine tolle Doppel-CD einer hier bei uns leider noch viel zu unbekannten Band, was eigentlich wundert, zumal alle drei Protagonisten schon mit vielen Größen auch dem Rock-Biz wie z. B. Bruce Springsteen, den Blues Brothers, Etta James, Keith Richards und Mick Taylor aufgetreten sind.

Wer die „Imperial Crowns“ mal live erleben möchte, hat jetzt noch Gelegenheit dazu, im Oktober gibt es noch einige Termine in Deutschland (u. a. im Musiktheater Piano – wir werden berichten). Ein Besuch ist dringend angeraten!

H’ART Musikvertrieb GmbH (2018)
Stil: Blues/Rock/Rhythm & Blues/Alternative Rock

Tracks CD 1:
01. Altar Of Love
02. Big Boy
03. Big Chief
04. Big Love Generator
05. Blues Au Go Go
06. Blues Look Whatcha Done
07. Comin’ Fu Ya
08. Diamond Cane
09. Drop Down Mama
10. Hunt You Down
11. Gotta Right
12. Mr. Jinx
13. Liberate

Tracks CD 2:
01. Lil’ Death
02. Love Blues
03. Love T.K.O.
04. Miss Aphrodite
05. Papa Lawd
06. Ramblin’ Woman Blues
07. Restless Soul
08. Soul Deep Freak
09. Star Of The West
10. The Calling
11. The River
12. 93 Blues

Imperial Crowns
Imperial Crowns bei Facebook
H’ART Musik-Vertrieb GmbH

Alastair Greene – Live From The 805 – CD Review

Alastair-Greene-300

Review: Jörg Schneider

Kurz nach seinem gefeierten 2017’er Album „Dream Train“ ist nun im August Alastair Greenes neue CD „Live From The 805“ erschienen. Dabei handelt es sich um den Live-Mittschnitt eines Konzertes in seiner Heimatstadt Santa Barbara, Kalifornien. Ähnlich wie bei dem kürzlich besprochenen Doppelalbum der Imperial Crowns beinhaltet auch Greenes Werk 20 Tracks aus seiner 20 jährigen Karriere als Blues- und Rock-Gitarrist.

Die meisten der Songs sind Eigenkompositionen und stammen von seinen bisherigen fünf Studioalben, aber auch einige Coverstücke (Albert King, Amos Blackmore, Jimmy Reed) sind darunter. Alastair Greene, geboren 1971, wird bereits als einer der besten Rockgitarristen seiner Generation gefeiert und braucht, bezüglich der Southern Rock-Kompositionen, Vergleiche mit Gov’t Mule oder ZZ Top nicht zu scheuen.

Musikalisch ist Alastair Greene ein Wanderer zwischen den Blues-, Blues Rock- und Southern Rock-Welten. Seine Stücke weisen durchgehend eingängige und gute Laune verbreitende Rhythmen auf, die direkt unser Belohnungszentrum im Gehirn ansprechen und eine gehörige Portion Dopamin ausschütten lassen. Man möchte einfach mehr hören von diesen schnörkellosen Fetzern.

Gleich der Starter des Doppelalbums, „The Sweetest Honeymoon“, ist eine treibende Rock’n Roll-Nummer gefolgt von einem „hough, hough hough“-mäßigen, straighten Southern Track a la ZZ Top. Überhaupt sind fast alle Kompositionen von Greene stark vom Südstaaten-Rock beeinflusst.

Besonders zu erwähnen sind hier das an Lynyrd Skynyrd erinnernde „Down To Memphis“, das basslastige „Back Where I Belong“ und das wohlige, in Moll arrangierte „T’ Other Way“, sowie der Titelsong „Dream Train“ seines letzten Studioalbums mit stampfendem Bass und Slidegitarre.

Einzig der Bluestitel „Big Boss Man“ kommt etwas betulicher daher. Ansonsten sind natürlich auch mindestens genau so gute Rhythm & Blues-Sachen (z. B. „Trouble At Your Door“, „Love So Strong“, „Lawdy Mama“) auf den beiden CDs eingebrannt, in denen auch schon mal Anleihen der legendären Supergroup Cream („Love You So Bad“) aufblitzen. Den Abschluss des Doppelplayers bildet schließlich die schmissige Boogie-Woogie-Nummer „Walking In Circles“.

An alle Fans guter, handgemachter und kompromissloser Blues- und Rhythm & Blues-Rhythmen mit Südstaateneinfluss: diese Scheibe gehört definitiv in eure Musiksammlung!

Rip Cat Records (2018)
Stil: Blues Rock

CD 1:
01. The Sweetest Honeymoon
02. Big Bad Wolf
03. Trouble At Your Door
04. 3 Bullets
05. Red Wine Woman
06. Say What You Want
07. Love So Strong
08. Down To Memphis
09. Lawdy Mama
10. Lucky 13

CD 2:
01. Dream Train
02. Back Where I Belong
03. T’ other Way
04. Last Train Around The Sun
05. Love You So Bad
06. Rain Stomp
07. Big Boss Man
08. First Born Son
09. Shoe On The Other Foot
10. Walking In Circles

Alastair Greene
Alastair Greene bei Facebook