Warren Haynes – Dreams & Songs – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Das Symphonic Amadeus Festival in Asheville, North Carolina, war im März 2019 Schauplatz einer außergewöhnlichen Auftaktveranstaltung. Zur Eröffnung spielte das 64-köpfige Orchester zwei Konzerte mit einem der berühmtesten Söhne der Stadt: Warren Haynes, Grammy Award gekrönter Gitarrist, Sänger, Songschreiber, Produzent und Frontman der Band Gov’t Mule, war für die genreübergreifende Kooperation mit ausgewählten Begleitmusikern in das Thomas Wolfe Auditorium gekommen. Entstanden sind damals die Aufnahmen für “Dreams And Songs A Symphonic Journey with the Asheville Symphonic Orchestra”, eine einzigartige musikalische Reise durch die Blues-Rock Jam-Geschichte der vergangenen Jahrzehnte. Kurz vor Ablauf der 60er-Dekade veröffentlichten Deep Purple die Live-Scheibe “Concerto for Group and Orchestra” (1969) und eröffneten mit den bahnbrechenden Aufnahmen eine anhaltende Beziehung zwischen Heavy-Rock und klassischer Musik, die sich in diesem Werk fortsetzt.

Mit einer Reminiszenz an Gregg Allman startet “Dreams” (1969) in den Longplayer, den Haynes (über Jahre Bandmate der Allmans) hier dankbar über 11 Minuten zelebriert. Weitere symphonische Hymnen dieser “Song-Perlenkette” folgen wie aufgereihte Teile eines Medleys: “Bank Of The Deep End” (Gov’t Mule, 2001), “Broken Promised Land” (1993), sowie “Spots of Time” vom legendären “Ashes & Dust”-Album (2015) bringen magischen Blues-Rock mit in die klassischen Interpretationen. Neue Avantgarde-Arrangements verleihen „Thorazine Shuffle“ (Gov’t Mule, 1998) und dem Grateful-Dead-Klassiker „Terrapin Station“ (1977) eine grandiose neue Klangdimension, die durch „Makes No Difference“ (The Band) eindrucksvoll ergänzt wird.

Die sorgfältig zusammengestellte Tracklist zeigt das Potenzial vieler Songs. „Raven Black Night“ (Gov’t Mule, 1998), einst ein Gothic-Country-Titel, wird mit klassisch-sinfonischer Inszenierung und „rockigen“ Keyboard-Parts für das Konzert völlig neu interpretiert. Das folgende „Just Another Rider“ (Gregg Allman, 2011) wirkt etwas zurückhaltend während die retrotraditionelle Fassung von „Black Peter“ (1970) im klassischen Gewand Charme versprüht und als Grateful Dead Oldie großen Anklang beim Publikum findet. Die U2-Ballade „One“ (1991) bleibt in einer zarten, originalnahen Streicherfassung und bereitet dramaturgisch auf die abschließenden Highlights vor.

Die unverwüstliche “Shakedown Street” (1978) schließt den Grateful Dead-Zyklus in funkiger Rockausführung als Rhythmus-Lieferant. Seine weitere tiefe Verbundenheit bringt Warren Haynes auch mit dem letzten Stück nochmal auf die Setlist: “Whipping Post” (über 12 Minuten lang), ein Allman Brothers Klassiker (1969), eine “explodierende” Orchesterbegleitung, die den Blues-Rock Meilenstein zusätzlich veredelt. Kaum in Worte zu fassen sind die anhaltende Strahlkraft der Aufnahmen, ihre psychedelischen Klangfarben und die emotionale Schönheit der Orchestrierungen. Dazu kommt ein Orchester, das den bluesgetränkten Songs mit spannungsgeladenen Arrangements einen völlig neuen Charakter verleiht. Und mittendrin: ein Warren Haynes in überragender Form, kongenial unterstützt von Oteil Burbridge (Bass), John Medeski (Keys), Greg Osby (Saxofon) und Jeff Sipe (Schlagzeug).

Definiert über die Breite der Tracks und die komplexen Orchesterpassagen schaffen Warren Haynes und Co-Produzent Don Was (u.a. Bob Dylan, Rolling Stones) mit “Dreams & Songs A Symphonic Journey with the Asheville Symphony Orchestra” einen musikalischen “Quantensprung”. Die handverlesenen 16 Songs gewinnen durch die Orchestrierung, die neuen Arrangements und das Zusammenspiel von Orchester und Band eine außergewöhnliche musikalische Tiefe. Laut Presse-Info soll die Konzerterfahrung im März 2027 mit dem Nashville Symphony Orchester fortgesetzt werden.

Provogue/Artone (2026)
Stil: Blues-

 Blues Rock, Jam Rock

Tracks:
01. Dreams and Songs (Part One)
02. Dreams
03. Banks Of The Deep End
04. Spots Of Time
05. Broken Promised Land
06. Thorazine Shuffle
07. Makes No Difference
08. Terrapin Station
09. Raven Black Night
10. Just Another Rider
11. Black Peter
12. Instrumental Illness
13. One
14. Shakedown Street
15. Whipping Post
16. Dreams and Songs (Reprise)

Warren Haynes
Warren Haynes bei Facebook
V2 Records

Donna Herula – Cold Feet – CD-Review

Review: Michael Segets

Blues liegt eher am Rande meiner musikalischen Interessen, daher war mir Donna Herula bislang unbekannt. Dabei ist sie in der Blues-Szene kein unbeschriebenes Blatt. Herula erzielte mit ihrem Album „Bang At The Door“ (2021) einen Charterfolg, erhielt mehrere Auszeichnungen und wurde in die Chicago Blues Hall Of Fame aufgenommen. Früher in kleiner Besetzung akustisch unterwegs, entdeckt sie den Reiz einer größeren Bandbesetzung und setzt auf ihrem nunmehr vierten Album „Cold Feet“ vermehrt elektrische Instrumente ein.

Reminiszenzen an ihre akustische Vergangenheit finden sich auch auf der neuen CD mit dem instrumentalen Opener „On My Way Home“, mit „Float To Heaven“ sowie mit „Wish I Could See You Again“. Beim letztgenannten Stück spielt sie selbst eine akustische Gitarre und wird vom Produzenten des Longplayers Jon Shain auf einer weiteren begleitet. Der Song lässt sich ebenso wie „Float To Heaven“, das Anne Harris mit ihrer Geige begleitet, eher im Bereich des Folks oder Americana verorten. Etwas Soul im Stil der Commitments mischt sich bei „Things Can Change“ mit auf die CD.

„Cold Feet“ ist also kein reines Blues-Album, obwohl der Schwerpunkt schon auf dem Genre liegt. Das Songwriting bei „Honey Darlin‘ Baby Please“ erinnert anfänglich etwas an das von Luke Winslow-King. Hercula singt hier mit kraftvoller Stimme, mehr Gefühl transportiert sie bei dem Cover „Cypress Grove Blues“, auf dem sie zudem zur Resonator Gitarre greift. Neben dem Song von Nehemiah Skip James interpretiert sie das von Elmore James und Robert Leroy Johnson stammende „Dust My Broom“. Herula liefert eine gelungene, rockige Version des Stücks ab. Dem Bluesrock fröhnt sie ebenfalls auf dem Titeltrack und dem starken „Backseat Driver“ mit Mundharmonika und einem akzentuierten Schlagzeug in der Bridge. Die Chicagoerin zeigt sich bei der Instrumentierung der Stücke sowieso flexibel. Auf einem der Highlights „What You Gonna Do?“ tritt beispielsweise mal ein Saxophon auf.

Für eine Eigenproduktion ist das Booklet bemerkenswert. Hier wurde nicht gespart. Es umfasst sechzehn Seiten, auf denen es die Texte, Fotos und ausführliche Liner Notes des Musikjournalisten Mark Thompson gibt.

„Cold Feet“ von Donna Herula spricht nicht nur eingefleischte Blues- oder Bluesrockfans an. Zum Repertoire der Musiklehrerin aus Chicago gehören auch Americana und Soul. Die CD bietet mit acht Eigenkompositionen und zwei Covern ein abwechslungsreiches Programm mit akustischen und elektrifizierten Titeln in einer variantenreichen Instrumentierung.

Eigenproduktion (2026)
Stil: Blues and more

Tracks:
01. On My Way Home
02. Cold Feet
03. Honey Darlin’ Baby Please
04. Cypress Grove Blues
05. Backseat Driver
06. What You Gonna Do?
07. Wish I Could See You Again
08. Things Can Change
09. Float To Heaven
10. Dust My Broom

Donna Herula
Donna bei Facebook
Blind Raccoon

Jeffrey Halford & The Healers – Used Parts – CD-Review

Review: Michael Segets

Jeffrey Halford & The Healers unternehmen auf „Used Parts” erneut einen Streifzug durch die Roots Music. Mit-Produzent und Multiinstrumentalist Adam Rossi zählt ebenso wie Mike Anderson zu den altbewährten Bandmitgliedern, die durch Kevin T. White und einige Gastmusikerinnen und Gastmusiker verstärkt werden. Anders als auf ihrem Album aus dem Jahr 2022 „Soul Crusade“ legen Jeffrey Halford & The Healers den Schwerpunkt nicht auf den Blues, sondern setzen auf eine ausgewogene Mischung mehrerer Stilrichtungen.

Dennoch bieten „Chasing Forgiveness“ sowie „Mississippi Flyer“ Blues mit einem Swamp-Einschlag. Der letztgenannte wurde von Bill Wyman (Rolling Stones) geschrieben, der Halford persönlich bat, den Track aufzunehmen. Die anderen Stücke stammen von Halford. Unterstützung erhielt er dabei zum Teil von Colin Halford. Mit Hannah und Aaron Halford hat Jeffrey weitere Familienmitglieder in das Projekt einbezogen, die vor allem beim Backgroundgesang mitwirkten. Deren Harmonien setzen bei einigen Songs gelungene Akzente – so etwa bei den Soul-imprägnierten Titeln „Don’t Turn Out The Light“ oder „High Mountain Soul“. Auch im Refrain von „Corazón“ tragen sie zur Atmosphäre bei und versetzen zusammen mit den Keys, die beinahe wie ein Akkordeon klingen, an die amerikanisch-mexikanische Grenzregion.

Am Rock’n Roll der klassischen Machart orientieren sich zwei weitere Nummern. Für „Used Parts“ ließ sich Halford von Eddie Cochran inspirieren. Feines Gitarrenspiel und ein trockenes Schlagzeug prägen den lockeren Song. Heiße Erlebnisse in einem Zugabteil thematisiert „Rhythm Of The Rails“. Beide Uptempo-Nummern machen auf alle Fälle Spaß. Etwas getragener geht es auf „Living Worthwhile“ zu. Die Country-Ballade ist mit genretypischem Slide versehen, den Tom Heymann (Alejandro Escovedo, Chuck Prophet) an der Pedal Steel beisteuert.

Neben Liebesdingen beschäftigt sich Halford in seinen introspektiven Texten mit der Rastlosigkeit des tourenden Musikers beispielsweise beim Opener „Bright Lights“. Der Track erinnert mich zuweilen an James McMurtry). Die Suche nach Orientierungspunkten im Leben sowie deren Verlust reflektiert Halford beim abschließenden „True North“ mit zurückhaltender Instrumentalisierung.

Jeffrey Halford & The Healers beweisen Kreativität beim Zusammensetzen bekannter Elemente der Roots Music. Halford ist ein Bastler, der sein Handwerk versteht. Er schielt nicht auf außerordentliche Innovationen, sondern bewahrt die guten Teile und hält sie am Laufen. „Used Parts“ nimmt die Hörer mit und darauf kommt es letztlich ja an.

Shoeless Records (2026)
Stil: Blues, Americana and more

Tracks:
01. Bright Lights
02. Used Parts
03. Living Worthwhile
04. Don’t Turn Out The Lights
05. Rhythm Of The Rails
06. Corazón
07. Chasing Forgivness
08. High Mountain Soul
09. Mississippi Flyer
10. True North

Jeffrey Halford & The Healers
Jeffrey Halford & The Healers bei Facebook
JohThema Promotions

Danielle Nicole – Fireflies – CD-Review

 

Ich muss ein weiteres Mal zu meiner eigenen Schande gestehen, dass ich Danielle Nicole in meinem ‚musikalischen Leben‘ erst einmal zur Kenntnis genommen habe, und das nicht im Rahmen ihrer Solo-Karriere, sondern mittels einer Scheibe von der Band Trampled Under Foot, die sie mit ihren Brüdern Kris und Nick Schnebelen ziemlich erfolgreich betrieb.

Das Album entstand in einer emotional sehr bewegenden Phase ihres Lebens nach dem Tod von Kris in 2022 durch eine Krebserkrankung. Obwohl es ihr aufgrund ihrer Trauer zunächst schwerfiel, die Songs fertigzustellen, fand sie durch die Zusammenarbeit mit dem Gitarristen Brandon Miller und dem legendären Keyboarder Jim Pugh neue Inspiration. Für die Aufnahmen zum Album verwendeten die Musik Kris‘ Schlagzeug, was das Album um eine weitere emotionale Ebene erweitert.

Das fantastische Werk – um es vorwegzunehmen – ist eine Lehrstunde, wie man verschiedene Musikstile, wie Blues, Rock, Southern Rock, Soul und R&B zu einer in sich stimmigen Einheit verschmelzen lassen kann.

Gerade Danielles Gesang, nachdem ich in den letzten Wochen so manches in der Hinsicht bei anderen Alben habe erleiden müssen, ist ein wahre Wonne, da passt einfach alles zum Stil der Songs, selbst in feinsten Nuancen. Das ist, was eine Weltklasse-Sängerin dann am Ende auch ausmacht.

Brandon Miller brilliert mit seinem großartigen E-Gitarrenspiel, er könnte eigentlich auch in jeder Southern Rock-Band problemlos auftrumpfen. Auch Luther Dickinson macht bei seinem Gastspiel bei „Take Me Back“ einen Klasse-Job. Jim Pugh ist dann immer mit dem richtigen Tastenspiel zur Stelle. Selbst bei den großartigen Background Vocals von Melodye Perry und Maxayne Moriguchi (u. a. beim herrlichen Opener „Radical Love“) wird nichts dem Zufall überlassen.

Neben den erwähnten Tracks sind für mich persönlich, die beiden soulig dahinschunkelnden „Soulside“ und „Tug Of War“ weitere Highlights in einem durchgehend starken Album. Das frech ‚hingerotzte‘ „Gaslight“ macht genausoviel Laune wie das später im Stile einer Sade hingesäuselte „Chameleon“. Der Titel steht auch förmlich auch für die Wandlungsfähigkeit ihrer fantastischen Stimme.

Danielle Nicole wird mit ihrem neuen Album „Fireflies“ nicht nur viele Würmchen zum Glühen bringen, sondern hat jetzt auch noch einen neuen glühenden Verehrer ihrer Musik…!

Eigenproduktion (2026)
Stil: Blues/Rock/Soul/R&B

Tracklist:
01. Radical Love
02. Take Me Back
03. Memories
04. Soulside
05. Gaslight
06. Piper
07. The Same Love That Made Me Laugh
08. Chameleon
09. Tug Of War
10. Dreams
11. Fireflies

Danielle Nicole
Danielle Nicole bei Facebook
V2 Records Promotion GSA

Heather Anne Lomax – Who Do You Think You Are – CD-Doppel-Review


Review: Michael Segets

Plateauschuhe, Glitzerbesatz und wilde Haarmähne – Heather Anne Lomax präsentiert sich auf dem Cover von „Who Do You Think You Are?” stylish und selbstbewusst. Das Bild weckt schon Erwartungen für die Richtung, die die Scheibe einschlägt: eine Power-Frau, die mit kräftiger Stimme in rockigen Gefilden zuhause ist. So ist es dann auch, wobei die Stücke mehrmals zum Bluesrock tendieren.

„Superstar“ stammt von Michael Doman. Die übrigen zehn Tracks schrieb die in Kansas City geborene und nun in Los Angles lebende Lomax. Der Longplayer wurde ihrem Gitarristen Zachary Ross produziert. Für die Aufnahmen gewann Lomax eine Reihe von gestandenen Musikern, die in wechselnder Zusammensetzung die Stücke live im Studio einspielten.

Bei den härter rockenden Tracks wie „Step Aside“ oder „Right On Through“ sorgen die Keys für einen breiten Klangteppich. In die Tasten greifen dort Ty Bailie (Katy Perry, Tanja Tucker) beziehungsweise Carey Frank (Bruce Springsteen, Tedeschi Trucks Band). „Ridgefield Dreams“ sowie „Hello Daybreak“ werden durch Flötentöne, für die Fuzzbee Morse (Bono, Peter Gabriel) verantwortlich zeichnet, angereichert. Den häufigsten Wechsel in der Bandbesetzung gibt es an den Drums. Auch hier kann Lomax auf die Erfahrung der Schlagzeuger zurückgreifen, die allesamt für namhafte Musikerinnen und Musikern tätig waren.

Die Songs haben gute Ansätze, auch wenn sie nicht unmittelbar ins Ohr gehen. Hauptsächlich stören mich einzelne Stellen in den Stücken, bei denen Lomax ihre Stimme eher lautmalerisch einsetzt, statt durch ihren Gesang Inhalte zu transportieren. Dies führt dazu, dass der Funke bei dem Album insgesamt nicht so recht überspringt.

Die Lyrics drehen sich meist um Beziehungen, sie geben aber auch Einblicke in das Seelenleben („Step Aside“) oder schlagen einzelne sozialkritische Töne an („Pluto Return“). Mit ihrer Vergangenheit setzt sich Lomax auf „Ridgefield Dreams“ auseinander. Bei ihrer Geburt adoptiert begab sie sich schließlich als erwachsene Frau auf die Suche nach ihren biologischen Wurzeln und veröffentlicht nun ihre Musik unter ihrem ursprünglichen Namen. Lomax stand schon mit einigen Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne, die auch bei SoS gelistet sind wie John Hiatt, Joan Osborne oder The Marshall Tucker Band.

„Who Do You Think You Are?“ ist ein Album, das zwischen Rock und Bluesrock changiert. Heather Anne Lomax macht ihr Ding. Die einzelnen Songs weisen aber oftmals Passagen auf, die mich nicht abholen. Die hochkarätige Bandbesetzung macht technisch alles richtig, aber auf der Gefühlsebene spricht mich das Werk nicht an. Aber wer bin ich schon.

Review: Stephan Skolarski

Ihr Debüt-Album brachte die ursprünglich aus Kansas City stammende Heather Anne Lomax 2014 unter dem Künstlernamen Michael-Ann in Eigenregie heraus und wurde für die mutige und gelungene Mischung aus Bluegrass, Americana und traditionellen Country-Stücken nicht nur in L.A. ausgezeichnet. Auch in Europa lobte z.B. das irische Lonesome Highway Magazin die Intensität der Scheibe. Auf “All This Time” (2020) spielte sie, inspiriert durch Elvis Presleys Memphis Sessions, den klassischen Country Rock’n’Roll aus der Vergessenheit zurück auf die Review-Seiten und erntete viel Lob für das feine Songwriting (u.a. “Comfort Me”) – kein weiterer Beweis war erforderlich, dass sie großartige Titel schreiben kann!

Oder doch? Denn natürlich hat sie es wieder getan und mit dem neuen Werk “Who Do You Think You Are” demonstriert. Wie aus einem musikalischen Lehrbuch der frühen 70er Jahre fließen die Stücke aus Rock, Blues, Soul, Country und Gospel unaufhaltsam in die Track-List, ein Zeitgeist-Feuerwerk einer lange zurückliegenden Epoche der Aufbruchstimmung. Lomax ist dabei mehr als in ihrem Element, als Songschreiberin, Multi-Instrumentalistin und vor allem als Sängerin.

Sanfte Joan Baez und emotionale Linda Ronstadt Passagen wechseln mit explosiven Janis Joplin und tief intensiven Grace Slick (Jefferson Airplane) Intonierungen, wobei die Vergleiche der Gesangsstile ausschließlich das vocale Talent der US-Songschreiberin verdeutlichen soll. Lomax huldigt ihren Vorbildern bereits zu Beginn des Albums mit den drei Songs „Come Along“, „Step Aside“ und „Can’t Refuse“. Insgesamt 11 Tracks, live im Studio eingespielt, bilden die Konzeption einer Zeitreise, die u.a. über weitere kraftvolle und ungeschliffene Zwischenstationen (z.B. “Finally Leavin’” und “Pluto Return”) zum experimentell psychedelisch angehauchten Schlusstitel begleiten. „Hello Daybreak” könnte ein Cover von Kate Bush sein, aus der Feder von Heather Anne Lomax, ein Synonym für den Tag, der die Hoffnung zukunftsweisend symbolisiert.

Als junge Songschreiberin einer neuen Musikgeneration hat Heather Anne Lomax ihr aktuelles Album mit dem philosophischen Titel “Who Do You Think You Are” veröffentlicht. Die Scheibe offenbart sofort ihre musikalische Lebendigkeit und reflektiert eine aufstrebende Blütezeit der amerikanischen Roots-Music. Entstanden ist ein herausfordernder Longplayer, der zahlreiche Impulse jener Epoche aufgreift, neu interpretiert und in die Gegenwart überführt.

The Blackbird Record Label (2026)
Stil: Rock, Blues, Soul

Tracks:
01. Come Along
02. Step Aside
03. Can’t Refuse
04. Ridgefield Dreams
05. Places Unknown
06. Right On Through
07. Finally Leavin’
08. Superstar
09. Blood Red
10. Pluto Return
11. Hello Daybreak

Heather Anne Lomax
Heather Anne Lomax bei Facebook
Devious Planet

Steve Cropper & The Midnight Hour – Watching The Tide – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Seine ersten Erfolge feierte Steve Cropper bereits in den 60er Jahren als Gitarrist in der Band Booker T. & the M.G.’s. Mehrere Instrumentalstücke der Gruppe (z.B. “Green Onions”, ”Time Is Tight” oder “Hip Hug Her”) waren große Topseller. Als “Hausband” von Stax Records spielte die Formation auf Hunderten Aufnahmen, darunter Klassiker wie “Walking The Dog”, “Soul Man” und “Hold On, I’m Comin’”. Croppers Vielseitigkeit führte von Beginn an zu vielen Kooperationen mit anderen Künstlern. So stammt aus dieser Zeit u.a. der Soul-Hit “(Sittin’ On) The Dock of the Bay” im Co-Writing mit Otis Redding, mit dem Steve Cropper nebenher als Produzent von Stax (ab 1962) im labeleigenen Tonstudio an vielen Aufnahmen beteiligt war.

Unvergessen bleiben in ähnlicher Weise auch Croppers Auftritte als The Colonel in den Blues Brothers Filmen, die bis heute als Kult-Movies gelten. Der zweimalige Grammy-Gewinner wurde vom britischen Musikmagazin Mojo 1996 sogar (nach Jimi Hendrix) zum zweitbesten Gitarristen gekürt und spielte u.a auf Alben von John Lennon und Ringo Starr, sowie 1993 in der Tourband von Neil Young. Ob Gitarrist, Songwriter, Produzent, Toningenieur oder Studioleiter, Steve Cropper war eine Ausnahmepersönlichkeit.

Sein neues Album “Watching The Tide”, im Titel angelehnt an den Refrain des genannten Otis Redding Klassikers, ist eine unverkennbare Freude an der Musik, die Cropper bis ins hohe Alter antrieb. So ist es keineswegs erstaunlich, dass Eric Clapton beim Südstaaten-Blues “Ticket First” in die Solo-Saiten greift und die Ballade “My Angels Are Calling” sogar von Brian May und Billy Gibbons zugleich verfeinert wird. ZZ Tops Frontmann ist zusätzlich auf “Stand Right Here” noch einmal grandios zu hören. Dass ebenfalls Rolling Stone Ronnie Wood auf “Until Now” seine ungebrochene Slide-Begeisterung zum Besten gibt, wird von Produzent Jon Tiven in gleichfalls höchsten Tönen gelobt.

Die Aufnahmen von “Watching The Tide” hat Steve Cropper noch mit eingespielt. 11 Songs, die seine Handschrift tragen, wie immer aus R&B, Rock und Soul und Leidenschaft, und dies nach weit über 60 Jahren. Steve Cropper verstarb im Dezember 2025 im Alter von 84 Jahren in Memphis.

Provogue/Artone (2026)
Stil: Blues

Tracks:
01. Tandoori Chicken
02. Ticket First (feat. Eric Clapton)
03. My Angels Are Calling (feat. Brian May & Billy F. Gibbons)
04. Until Now (feat. Ron Wood)
05. Blood From A Stone
06. Here & Gone (feat. Ana Grosh)
07. It’s Gonna Get Worse
08. Down & Out
09. Stand Right Here (feat. Billy F. Gibbons & Ana Grosh)
10. Tipoff To The Ripoff
11. House Of Cards
12. Tandoori Chicken Part 2

Steve Cropper bei Facebook
V2 Records

Jason Ricci and The Bad Kind – 13 Hours – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Wir leben in unruhigen, chaotischen, ja beängstigenden Zeiten, keine Frage. Das spiegelt sich auch in Jason Riccis Texten wider. Ebenfalls keine Frage: „13 Hours“ ist keine leichte Kost. Die Beine hochlegen und sich mal so eben ein bisschen Musik reinziehen, die zum einen Ohr rein- und zum anderen wieder rausgeht – das funktioniert nicht.

Geben wir’s zu: Für deutsche Ohren geht es meist ja weniger um die Texte als die Musik an sich, der Rhythmus, die Instrumentierung, der Gesang, die Stilrichtung. Und da werfen Harmonika-Ass Jason Ricci und seine Mannen jede Menge musikalische Vielfalt in den Schmelztiegel: Blues, Rock, Funk, Soul, New-Orleans-Rhythmen, eine Prise Jazz. Obendrauf gibt’s mit „Nuit Waltz“ auch mal einen Walzer, der einen förmlich durch den Ballsaal schweben lässt. Instrumental ist das alles perfekt in Szene gesetzt, das eine oder andere Mal mit Bläsern unterlegt.

Los geht’s ziemlich funky mit dem achteinhalb Minuten langen „Síck Of This Shit“, bei dem Jason an John Rebennack alias Dr. John erinnert und seinem Frust Luft macht: „Ich kann wegen Spotify keine Platten mehr verkaufen … Meine Medicaid-Leistungen wurden gekürzt … Was wird der Typ als Nächstes twittern? … Ich hab‘ das Gefühl, auf diesem Narrenschiff unterzugehen“.

Den Kontrast dazu liefert gleich der nächste Song: Johnny Winters „Tired Of Tryin‘“, ein feiner Blues, bei dem Kaitlin Dibble, Jason Riccis Frau, wie bei einem Großteil der Stücke die Lead Vocals übernimmt. Im Original von 1977 bläst James Cotton die Harmonika. Aber auch Ricci – der 1995 seine erste CD veröffentlichte – zeigt, dass er zur Gilde der Großen in diesem Genre zählt. Apropos Johnny Winter: Auf „Step back“, mit dem er 2015 posthum einen Grammy für das beste Blues-Album erhielt, war Jason als Gastmusiker vertreten. Auch für Walter Trout oder Mike Zito – auf dessen Gulf Coast Records die neue CD erschienen ist – hat er schon in die Harmonika gepustet.

Und weiter geht’s zum nächste Kontrast: „The Big Diseasey“ hat New-Orleans- und Jazz-Anklänge mit einer Vibraphon- und Saxophon-Einlage. Der „Leo Watkins Rag“ ist zur Abwechslung ein Jump Blues, „Long Twisted Night“ dagegen ein astreiner Soul moderner Prägung. So geht es munter weiter bis zum letzten Song, dem Titelstück „13 Hours“, das an Canned Heats „On The Road Again“ erinnert. Und wenn ein Stück schon zwölf Minuten lang ist, kann man auch mal ein Gitarren- und ein Mundharmonika-Solo einlegen.

Zweifellos: „13 Hours“ ist ein starkes Statement, das aber nicht gleich beim ersten Anhören „runtergeht“. In den heutigen Streaming-Zeiten ist es jedoch kein Problem, sich selbst ein Urteil zu bilden, ob man die Stil-Vielfalt, die praktisch von Song zu Song wechselt, goutieren will oder eben nicht.

Gulf Coast Records (2026)
Stil: Blues, Funk, New Orleans

Tracklist:
01 Sick Of This Shit
02 Tired Of Tryin‘
03 The Big Diseasey
04 Leo Watkins Rag
05 Long Twisted Night
06 Bubble Gum Pop
07 River’s Invitation
08 Renegade
09 Nuit Waltz
10 13 Hours

Jason Ricci
Jason Ricci bei Facebook

Peter Parcek – Most Of The Time – CD-Review

Der letzte Review zu Peter Parcek ist schon ein gutes Weilchen her. Soweit ich mich erinnere, hatten wir uns danach mal kurz über Facebook ausgetauscht, Seither versorgt der Algorithmus mich regelmäßig mit seinen Posts bezüglich Geburtstagen seitens von ihm geschätzten, sowohl lebenden als auch bereits verblichenen Musikern.

Nun landete mal wieder mit „Most Of The Time“ ein neues Werk des Mannes in meinem Briefkasten, den Buddy Guy gitarrentechnisch auf eine Stufe mit Eric Clapton gestellt hatte. Und dass er Gitarre spielen kann, daran lässt auch diese neue CD keinen Zweifel, auf der er sich im Prinzip seiner Linie treu bleibt: Diverse, gut gemachte Coverversionen von Künstlern, denen er offensichtlich seine Wertschätzung zum Ausdruck bringen möchte, als auch ein paar neue Eigenkreationen (die sind solide und ok, aber da fehlt weiterhin der große ‚Wurf‘). Ganz klar auch auf diesem Longplayer im Mittelpunkt: stehen seine unumstrittenen, versierten und variablen Gitarrenkünste.

Bester Song und somit auch zurecht der Titeltrack, „Most Of The Time“ eine Adaption von Bob Dylan aus dessen „Oh Mercy“-Werk von 1989. Parcek haucht dem Track viel Gefühl ein, Hier gibt es auch mal klare Akustikgitarrenklänge zu vernehmen, sowie dezente Allman Brothers-Vibes als auch markante Guest vocals von Michelle Miraglia als Modifikation zum Original. Stark gemacht!!

Michelle Miraglia highlighted auch den folgenden Peter Green-umwehten Track „I Don’t Worry Bout A Thing“ mit ihren starken Harmoniegesängen. Dass Parcek Sympathien für den britischen Kultgitarristen pflegt, merkt man auch bei weiteren Liedern wie „How Many Times“ oder dem „Stranger Blues“, wo man sich förmlich in die „In The Skies“/“Little Dreamer“-Phase zurückversetzt fühlt

Auch die John Hiatt– und Bill Withers- Coverstücke machen was her, ich finde eh gut, wenn man sich an Songs heranmacht, die nicht schon bis zum ‚Gehtnichtmehr‘ ausgelutscht wurden. Auch ein Faible für Tony Joe White kommt sporadisch durch, wie bei der Hiatt-Nummer oder bei „61 Highway“.

Am Ende gibt es mit  „Lord Help The Poor & Needy“ und „Swooshy“ noch zwei Instrumentalstücke in unterschiedlichen Tempi und Stimmungen als Bonustracks. Danach ist man dann endgültig schwindelig von soviel quirligem E-Gitarrengezupfe, für meine Wenigkeit ist das, zumindest am Stück mit den ganzen anderen Tracks, schon fast zu viel des Guten.

Insgesamt offeriert der ‚Gentleman‘ Peter Parcek  (diesen Eindruck hinterlässt der passionierte Hutträger immer bei mir) mit „Most Of The Time“ für die geneigte Blues Rock-Klientel und Liebhaber technisch perfekter E-Gitarrenkünste (a l`a Greg Koch) ein wahres Eldorado, wobei auch die routinierten Leistungen seiner vielen musikalischen Mitstreiter als auch die klare, transparente Produktion noch zu erwähnen wären.

Eigenproduktion (2026)
Stil: Blues (Rock)

Tracklist:
01. Twistified
02. How Many Times
03. Most Of The Time
04. I Don’t Worry Bout A Thing
05. Just Play Rhythm, Baby
06. Mississippi Phone Booth
07. Stranger Blues
08. Poor Boy
09. When I’m Dead & Gone
10. Cold In Hand
11. Three Feet In Back Of My Head
12. 61 Highway
13. Grandma’s Hands
Bonustracks:
14. Lord Help The Poor & Needy
15. Swooshy

Peter Parcek
Peter Parcek bei Facebook

Brigitte Purdy – Mother Of The Crossroads – CD-Review

Es gibt manche weibliche Interpretinnen, denen sieht man schon rein äußerlich an, dass sie Feuer und Temperament im Körper haben. Spontan fallen mir da Damen wie u. a. Crystal Shawanda oder Elles Bailey als Paradebeispiele ein. So auch vermutet, beim Blick auf die mir bis dato völlig unbekannte Brigitte Purdy auf ihrem neuen Album “ Mother Of The Crossroads „.

Purdy teilte die Bühne in der Vergangenheit schon mit vielen prominenten Bluesgrößen wie Walter Trout, Sugaray Rayford, Tim Bogar, Dionne Warwick oder auch Countryikone  Dolly Parton und, man höre und staune, sang Background vocals für The Who und Paul Rodgers. 

Die Zusammenarbeit auf diesem Werk steht im Licht der Protagonistin mit dem Multinstrumentalisten Dave Osti, der hier in allen Belangen (diverse Instrumente, Songwriting und Produktion) seine Stempel aufsetzt.

Klasse finde ich, dass hier der Blues in vielen Facetten sehr modern interpretiert wird, mit dezent proggigen Noten wie beim überragenden Opener „Sugar Fried Candy“ (mit ZZ Top-„Eliminator“-mäßigem E-Gitarrensolo), dem sexy gesungenen „Blues Collar Woman“ (fast wie Donna Summer goes Blues Rock), balladesken Momenten („Mother Of The Crossroads“, „Make Love Higher“), aber auch rockigen („Come To Mama“ – mit Harp) bis southern-rockigen Stücken („Losin Time For Love“, „Too Full Of You“ – mit swampigen Slide-Einlagen). Lediglich die „Memphis Hotlline“ huldigt mehr den traditionell gefärbten Blues.

Bein starken Abschlussstück „Rise Like The Water“ glaube ich sogar etwas die verbliebenen Spuren der Rodgers- und Who-Kooperationen (u.a. das integrierte klirrende Orgelspiel – insgesamt auch starke Keys von Drake Shining) ‚herauszulesen‘. Herausragend, wie schon anfangs vermutet, ist auch  Purdys kräftige und temperamentvolle Stimme, die sich zu jeder Zeit auf Augenhöhe mit den glasklar abgemischten Instrumenten befindet (eine herrlich transparente Produktion von Osti – so sollte man es machen).

Brigitte Purdy wirft mit „Mother Of The Crossroads“ ein starkes modernes Blues Rock-Album ins Rennen, dem man unbedingt Gehör schenken sollte. Absolute Empfehlung! Brigitte – eine tolle Künstlerin – nicht nur für Frauen!​

Dirtshack Records (2026)
Stil: Blues & More

Tracklist:
01. Sugar Fried Candy
02. Blues Collar Woman
03. Memphis Hotline
04. Mother Of The Crossroads
05. Losin Time For Love
06. Make Love Higher
07. Too Full Of You
08. Come To Mama
09. Rise Like The Water

Brigitte Purdy
Brigitte Purdy bei Facebook

The Blind Dog Mayer Group – Live Studio Session – From The Shadow Of The Castle – EP-Review

Wenn sich deutsche Bands oder Interpreten amerikanischem Liedgut verschrieben haben, und mir ihre CDs ohne vorherige Absprache zugesendet haben, sollten sie, nach meinen vielen verfassten Reviews in dieser Hinsicht, wissen, dass sie sich auf sehr, sehr dünnem Eis bewegen.

So geschehen jetzt von einem Act mit dem imposanten Namen The Blind Dog Mayer Group, 2025 Gewinner des 43. Deutschen Rock- und Pop-Preises in der Kategorie ‚Beste deutsche Blues Rock Band‘. Das professionell erscheinende Auftreten mittels einer Agentur dahinter ließen, mich positiv gestimmt an die Sache herangehen, zumal ich tatsächlich in letzter Zeit mit ebenfalls prämierten deutschen Bands wie Stone Water, Blue Deal oder LUKE gute Erfahrungen gemacht hatte.

Mit der EP „The Blind Dog Mayer Group – Live Studio Session – From The Shadow Of The Castle – EP-Review legt das saarländische Quartett, bestehend aus Leader Blind Dog Mayer (lead vocals, harp), Dirk Lenz (guitars, bgv), Michael Jung (bass, bgv) und Marco Schmieden (drums), ein Kurz-Studio-Debüt vor, das sich musikalisch gekonnt in Richtung E-Gitarren- und Harp-orientiertem Rock,- Blues- und Southern Rock in Form von Eigenkreationen bewegt, wie man es damals noch so von Bands wie ZZ Top, Ten Years After, Allman Brothers, Mountain, Foghat, Ted Nugent oder der J. Geils Band u.v.m. in den Ohren hat.

Soweit, so gut. Das Hörergebnis wird allerdings durch den, sich durch das Werk ziehenden deutsch-akzentuierten Leadgesang auf Schulenglisch-Niveau und noch schlimmer, die wirklich schon fast schräg anmutenden Harmoniegesänge, erheblich getrübt. Da kann auch der Zusatz ‚Live Studio Session‘ nicht als Entschuldigung hinhalten.

Ich verstehe ja, dass man als vermeintlicher Macher der Band auch im Vordergrund am Mikro stehen möchte, aber abseits von aller Euphorie, hilft aus meiner Sicht zum Weiterkommen auch immer eine selbstkritische ehrliche Betrachtung auf das gesamte Schaffen. Ein tatsächlich amerikanisch klingender Sänger und gegebenfalls dezente weibliche BGVs (oder gar keine) wären aus meiner Sicht hier zielführender gewesen.

Die vorliegende EP der The Blind Dog Mayer Group lässt auf der instrumentellen Basis keine Wünsche offen  (mein Favorit ist das schön basslastig funkende „Call Me Blind Dog“), was den Gesang und die Harmoniegesänge aber betrifft, wäre der blinde Hund aus meiner Sicht gut beraten, auch mal sein Gehör checken zu lassen…

Blues Note Records (2026)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Anthem Of The Lost Sock
02. Call Me Blind Dog
03. Moonshine Gasoline
04. Harley Rider
05. That’s What I Saw
06. Shiny Culry Red Hair

Blind Dog Mayer Group
Blind Dog Mayer Group bei Facebook
CONCERTBÜRO HIMMRICH