Bet Williams – 05.06.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Bet Williams tourt zurzeit sowohl mit Band als auch alleine durch Deutschland. Nur mit Gitarre und ihrer mehrere Oktaven umfassenden Stimme besuchte die gebürtige Amerikanerin das Bluebird Cafe, das gerne als das Wohnzimmer der Kulturrampe bezeichnet wird. In dessen gemütlicher Atmosphäre verzauberte Williams den vollen Raum mit einer Mischung von eigenen Songs und Covern.

Ihre erste CD produzierte Bet Williams in Nashville mit Brad Jones (Jill Sobule, Marshall Crenshaw) und Jim Rooney (John Prine, Nanci Griffith). Weitere Stationen machte sie in Philadelphia, New York und Kalifornien. Sie spielte u. a. zusammen mit Lucinda Williams, Arlo Guthrie, Taj Mahal, Joseph Parsons (US Rails) und Joan Osborne.

Derzeit lebt sie in Berlin und hat gemeinsam mit ihrem Mann John Hodian ein eigenes Label. Auf Epiphany Records brachte sie seit 2002 zwei Studio- und zwei Live-Alben heraus, die mit Band eingespielt wurden.

Auf ihren Alben bewegt sie sich zwischen Progressive Folk, Blues und Rock, wobei sie gelegentlich auch einige Pop-Elemente aufnimmt. In Krefeld stand, wie für ein akustisches Solo-Konzerte von Williams zu erwarten, der Folk im Zentrum. Nach eigener Aussage liebt sie es live zu spielen, und das stellte sie an dem Abend unter Beweis. Obwohl sie gerade eine lange Anreise aus Lyon hinter sich hatte, strotzte Williams vor Energie und Enthusiasmus. Mit „Sugar In The Water” startete sie in das erste Set.

Bei der Auswahl ihrer eigenen Songs konzentrierte sich Williams auf Titel ihres letzten Studioalbums „The 11th Hour“ (2014). So folgten das lockere und eingängige „We Geography“ und „Love Comes Knockin’“ mit hohen Gesangspassagen. Im Gegensatz zu den Versionen auf dem Silberling oder auf dem Live-Mitschnitt der Bet Williams Band (2015) wirkte bei dem Solo-Konzert ihre Stimme noch faszinierender.

Nicht die enorme Range ihrer Stimme, sondern die unglaubliche Varianz von sanft bis kratzig oder von klar und kräftig bis rauchig und zerbrechlich begeisterte das Publikum vollständig. Bet Williams entwirft in ihren Liedern Bilder, die sie mit den Klangfarben ihrer Stimme, die so variationsreich wie die Farben eines Regenbogens sind, modelliert.

Für Abwechslung sorgte zudem die Songauswahl, bei der flott gespielte Stücke und Balladen berücksichtigt wurden. Emotionaler Höhepunkt des ersten Durchgangs war „Oriental Drag“ von Mark Germino, das Williams mit unglaublicher Intensität performte. Der Song rührte meine Frau mit seinem Gänsehaut-Feeling beinahe zu Tränen. Vor der Pause heizte Williams mit dem Klassiker „I Can´t Stand The Rain“ und dem zum Wetter passenden „Super Summer“ ein.

Für die Unterbrechung hatte die Musikerin die nette Idee, eine CD-Verlosung zu initiieren und führte lebhafte Gespräche mit den Besuchern. Nachdem ‚Pille‘ Peerlings, der Hirte der Kulturrampe, mit seiner Kuhglocke das Publikum zum zweiten Set in das Bluebird Cafe zurückgetrieben hatte, legte Williams mit „Come Into My Kitchen“ einen Blues hin, mit dem sie alle direkt wieder in ihren Bann zog.

Im folgenden Teil des Konzerts war Williams ihre eigene Band und setzte ihre äußerst unterhaltsame ‚One-Woman-Show‘ fort. Anstatt Schlagzeug-Begleitung klopfte sie auf die Gitarre und imitierte Bläser oder E-Gitarren-Soli mit ihrer Stimme. Gesanglich holte sie sich Unterstützung beim Publikum, das sehr gekonnt und harmonisch die Vorstellung begleitete.

Die tolle Atmosphäre in der Location gab ihr die Sicherheit, neue Stücke auszuprobieren. Nach einer kleinen Anekdote über ihren pubertierenden Sohn stellte sie „Green Grass“ vor. Einen eingängigen Refrain hat das ebenfalls unveröffentlichte „Miracle Tonight”.

Daneben kamen auch bewährte Cover zu Gehör. Bei „Into The Mystic“ von Van Morrison zeigte Bet Williams wie tief sie singen kann. Für „Sitting On Top Of The World“ von Howlin‘ Wolf wechselte sie die Gitarre, um den Titel sanft und ’stripped down‘ rüber zu bringen. Weitere Facetten ihrer Stimme nutzte sie bei dem samtigen „Thunder And Stone“ oder dem experimentelleren „Falling Away“.

Bei den Besuchern kam „Tripping Down The Road“ und das mitreißende „Yeah Love“ zum Abschluss des Hauptsets sehr gut an. Den langen und tosenden Applaus belohnte die Sängerin mit einer Zugabe. „Redemption Song“ von Bob Marley, bei dem das Publikum nochmal gesanglich glänzte, war ein gefühlvoller Ausklang des Konzerts. Die temperament- und humorvolle Musikerin zeigte sich auch nach dem Konzert sehr kommunikativ und nahm sich viel Zeit für den Plausch mit den Gästen.

Akustische Solo-Auftritte stehen in dem Verdacht, schnell monoton werden zu können. „Pille“ bewies mit der bisherigen Auswahl der Musiker seiner Konzertreihe „Caesars Pallets“ das Gegenteil. Charlie Parr teilte mit dem Publikum intensive Einblicke in eine leidende Seele, Chris Keys lud zum Träumen an die Küste Irlands ein und Bet Williams beeindruckte mit ihrem Gesangsspektrum sowie mit ihrer aufgeschlossenen Persönlichkeit.

So unterschiedlich die Konzerte auch waren, hatten sie doch eins gemeinsam: Langweilig waren sie nicht. Die Akustik-Reihe im Bluebird Cafe macht jetzt Sommerpause, aber danach kann man auf die kommenden Künstler gespannt sein.

Line-Up:
Bet Williams (vocals, guitars)

Bilder und Text: Michael Segets

Bet Williams
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Kulturrampe Krefeld

Tas Cru – Memphis Song – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Memphis, Tennessee! Die Stadt am Ostufer des Mississippi gilt für viele als das „Mekka“ des Blues. Nicht zuletzt auch für Tas Cru, der Memphis und der dortigen Blues-Community mit seinem neuen Studioalbum „Memphis Song“ gleich eine ganze LP widmet.

Tas Cru, der eigentlich Richard Bates heißt, hat sein Leben dem Blues verschrieben und die Leidenschaft für das Genre hört man in jedem seiner Songs. Seine bisherigen sieben Studioalben verkörpern ganz unterschiedliche, teils launische Charakterzüge und Themen. Da gibt es „Even Bugs Sing The Blues“ (2015) mit Blues Liedern für Kinder oder das amüsante Hundeliebhaber-Blues-Werk „Doggone Blues“ (2016), wohingegen sein Erfolgsalbum „You Keep The Money“ (2014) eher die ‚gewöhnlichen‘ Blues-Fans anspricht.

Der schnelle Opener „Heal My Soul“ überzeugt durch einen kraftvollen, eingängigen Refrain und zum Ende hin mit einem soliden ‚Room To Move“‘-Mundharmonika-Part. Auf dem ansteckenden Titeltrack „Memphis Song“ wird Cru durch Victor Wainwright am durchdringenden Piano und dem jungen Bluesgitarristen Pat Harrington an der schrillen Slide-Gitarre tatkräftig unterstützt und bringt seine tiefe Verbundenheit mit der Musik-Metropole zum Ausdruck: “I hear you callinʹ, you been too long gone. Come on home and sing your Memphis song“.

Das eigenwillige Funky-Blues-Duett auf „Give A Little Up“ ist in seiner spärlichen Instrumenten-Begleitung der kleine „Star“ des Albums. Funk-Soul-Mundharmonika Sound gibt es auf „One Eyed Jack“ und die Ballade „Queen Of Hearts“ verdeutlicht Crusʹ Talent für ruhige, tiefgreifende Stücke. Der Shuffle-Blues „Feel So Good“ steht für die rockigen Seiten des Longplayers und das starke „Can’t Get Over Blues“ beendet das Werkm phänomenal in typischer Grateful Dead-Jam-Manier.

Die eigentliche, musikalische Karriere des Mitte 60-jährigen Bates startete erst vor einigen Jahren, aber Nominierungen für den Blues Music Award und Auszeichnungen der Blues Foundation beweisen die Strahlkraft, die er sich mittlerweile in der Blues-Szene erarbeitet hat. Cru möchte sein Wissen und seine Fertigkeiten an die nächste Generation weitergeben und verfolgt mit dem ‚Blues Education Programm‘ das Ziel, Kindern und Jugendlichen die Blues Musik intensiv näher zu bringen.

An den wuchtigen Mainstream Blues, der aktuell maßgeblich durch Joe Bonamassa vorgegeben wird, kommt das Album nur ansatzweise heran. Tas Cru bewegt sich hier lieber vor allem auf klassischen, traditionellen, teilweise auch britisch-dominierten Blues-Pfaden.

Die große Stärke von „Memphis Song“ ist dabei die ausgereifte Produktion, die komplett in Eigenregie abgelaufen ist. Tas Cru hat eine aufregende Platte vorgelegt, die zum Teil junge Unbekümmertheit mit erfahrener Gelassenheit vermengt und den Memphis-Blues-Spirit souverän in die Welt trägt.

Subcat Records (2018)
Stil: Blues Rock

01. Heal My Soul
02. Memphis Song
03. Fool For The Blues
04. Give A Little Up
05. Daddy Didn’t Give You Much
06. Have A Drink
07. That Look
08. One Eyed Jack
09. Queen Of Hearts
10. Don’t Lie To That Woman
11. Feel So Good
12. Can’t Get Over Blues

Tas Cru
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Ryan McGarvey – 27.05.2018, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Ryan McGarvey machte mit seiner Band, wie bei jeder Tour auch diesmal Station im Rheinberger Schwarzen Adler. Begleitet wurde er dabei von Carmine Rojas am Bass, der auch bei der letzten Tour in 2016 den Tieftöner bearbeitete und Logan Miles Nix an den Drums, der diesmal wieder mit von der Partie war. Ich erinnere mich noch an das letzte Konzert in 2016 in Rhede, als Rojas ziemlich ärgerlich über den Sound war.

Diesmal im Adler stimmte alles. Schon bei den ersten Bassanschlägen und im Gitarrensound waren die Töne sehr differenziert und klar erkennbar. Auch die mit den Jahren kräftiger gewordene Stimme McGarveys war gut ausgesteuert, sodass alle wichtigen Elemente entsprechend abgebildet wurden. Hier schon ein Kompliment an den Soundmixer, der an diesem Abend einen entsprechenden Anteil am Gelingen des Konzertes hatte. Auch lichttechnisch war die Bühne gut ausgeleuchtet. Alle Musiker und das Bespielen der Instrumente waren somit bestens zu erkennen.

Schön, dass McGarvey fast pünktlich um 20:00 Uhr die Bühne betrat und nach einer zunächst kurzen Begrüßung mit „Little Red Riding Hood“, mit ziemlich hard-rockendem Blues direkt für die entsprechende Stimmung im Saal sorgte. Das folgende „Feeling Like I do“ spiegelte auch die emotionale Situation McGarveys an dem Abend wieder. In mehreren Ansagen zwischen den Songs ließ er erkennen, mit welcher Freude er den Schwarzen Adler mit seinem begeisterungsfähigen Publikum einen erneuten Besuch abstattete.

McGarvey begeisterte in den Songs mit ausladenden Soli, auf den Grundlagen der Rhytmussektion um Carmine Rojas, der schon bei Größen wie David Bowie, Tina Turner, Rod Stewart oder Joe Bonamassa den Bass spielte. Bei seiner Vorstellung und McGarveys Lob für dessen Arbeit bei anderen Künstlern, konnte man den Stolz in Rojas Gesicht ablesen, er stellte aber sehr eindeutig klar, dass an diesem Abends McGarvey der Protagonistist. Logan Miles Nix stellte McGarvey als einen seiner besten Freunde und großartigen Musiker vor und sagte augenzwinkernd, dass er von diesem für jedes Kompliment fünf Dollar bekäme. Seine Fähigkeiten durfte Mix dann auch in einem mehrminütigen Schlagzeugsolo beweisen.

Im Laufe des Konzertes spielte McGarvey Songs aller seiner bisher erschienen drei Studiowerke. Im Gepäck hatte er diesmal ein jetzt veröffentlichtes Livealbum, wobei er eine Spur härter spielte als auf den vorherigen Touren. Die akustische Gitarre, die sonst immer in zwei bis drei Songs ausgepackt wurde, hatte er diesmal nicht dabei. Es kamen nur eine  Fender Stratocaster und die Gibson Les Paul zum Einsatz.

Mit „Pennies“, „Drunken Dreams“ und „My Heart To You“, das er in seiner Anmoderation den Besuchern im Adler widmete, performte er aber auch einige etwas ruhigere Bluessongs, die als Verschnaufpause während des energiegeladenen Auftritts dienten.

Nach etwa 80 Minuten fragte McGarvey seine Audienz, ob es einen Heavy-Song haben will, was lautstark bejaht wurde. Es folgte „Memphis“, das ein Finale-Furioso einläutete. Mix wirbelte an den Drums, dass man den Sticks kaum noch folgen konnte (einige verschlissene landeten als Souvenirs im Publikum), Rojas bearbeitete den Bass sowohl mit Härte als auch mit Eleganz und McGarvey spielte, wie gefordert, seine Gibson im Hardrockstil. Ein Großteil der Besucher rockte im Saal mit. Selten habe ich eine so ausgelassene Stimmung im im bunt gemischten Adler-Publikum erlebt.

Es waren viele jüngere und auch mehr weibliche Fans als sonst im Adler. Ob die Zusammensetzung an McGarveys Generationen-übergreifendem Blues-Stil oder an seinem recht jungen Alter für einen Bluesmusiker lag, war hier die Frage. Nach dem Knaller „Memphis“ wurde es psychedelisch. Es folgte das Instrumental „Mysic Dream“, einer meiner Lieblingssongs von ihm. Beginnend, eher ruhig mit orientalischen Klängen, steigerten Ryan und Band das Tempo, um samt infernalischen Soli schließlich im Led Zeppelin-Klassiker „Kashmir“ zu landen.

Beendet wurde die Version von „Mystic Dream“ schließlich damit, dass McGarvey alle Regler und Schalter an der Gibson, wie ein Gitarrenfetischist sagen würde, maltetrierte. Meiner Meinung nach zeigte McGarvey nur auf, welche Töne man einer Gitarre entlocken kann. Nach etwa 15 Minuten war der mystische Traum, wie auch das Konzert, zunächst leider beendet.

Mit Ovationen und Zugaberufen wurde das Trio verabschiedet, Der Musiker aus New Mexico betrat angesichts der ausgelassenen Stimmung zunächst alleine die Bühne, um ein Intro zu spielen, welches immer näher an den Rory Gallagher Klassiker „A Million Miles Away“ heranlangte. Nix und Rojas stießen dann dazu, um zum Ende noch einen emotionalen Höhepunkt beizusteuern, eben diesen vielsagenden Song eines der größten Bluesmusiker aller Zeiten.

Klasse war dabei die Passage, bei der sich McGarvey an der Gibson Les Paul und Rojas  eine kleine Soloschlacht lieferten. Es handelte sich dabei lobenswerter Weise nicht um einen Abklatsch des Liedes, sondern um eine Version im typisch leicht psychedelischen McGarvey-Gewand. Nach knapp zwei Stunden verabschiedete sich die Band nun endgültig von einem begeisterten Publikum.

McGarvey, Rojas und Nix gelang es, den Bluestempel am Niederrhein, den Schwarzen Adler, zu begeistern und einen schönen Ausklang der Pfingstferien zu gestalten. Mit etwa 170 Besuchern war der Adler zwar nicht ausverkauft, aber doch recht gut gefüllt, was eventuell dem Termin in den Ferien und dem Wetter geschuldet war. Der Stimmung tat dies aber letztendlich keinen Abbruch.

Nach dem Konzert fand sich die Band noch am Merchandise-Stand ein, um den zahlreichen Autogrammwünschen nachzukommen. Jeder der Musiker nahm sich auch noch die Zeit für einen Smalltalk während die Autogramme geschrieben wurden. Diesmal war aber die herausragende Stellung von Rojas klar zu erkennen. Einige der Fans ließen sich nicht nur McGarvey-Platten signieren, sondern hatten auch verschiedenste, alte David Bowie-Schätze zum Unterzeichnen dabei.

Ich selbst kann mich noch an eine Bowie-Tour kurz nach „Lets Dance“ und eine Auftritt des Briten bei Rock am Ring, im Rahmen von „Glassspider“ erinnern, wo Rojas den Bass bediente. Das ist jetzt knapp 30 Jahre her, McGarvey war da noch nicht geboren.

Wer noch Zeit hat, sollte es sich nicht entgehen lassen, eines der noch ausstehenden Konzerte der Springtour 2018 zu besuchen. Ein Dankeschön auch an Ernst Barten für die kurzfristige Akkreditierung und sein Adler-Team, das durch seine freundliche Art, auch einen großen Anteil zum Gelingen des Abends beitrug.

Line-up:
Ryan McGarvey (lead vocals, guitars)
Carmine Rojas (bass)
Logan Miles Nix (drums)

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Ryan McGarvey
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Schwarzer Adler

Jeff Jensen – Wisdom & Decay – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Das Line-up zu Jeff Jensens neuem Longplayer „Wisdom &Decay“ liest sich fast wie ein kleines „Orchester“. Für die Einspielung hat der US-Bluesrocker zehn Begleitmusiker zusammengetrommelt. Ergänzend kommen auf einigen Tracks noch ein Streicher- sowie ein Gesangsquartett hinzu.

Aufgenommen in vier verschiedenen Studios, u.a. im ruhmreichen ‚Kulttempel‘ von Sam Phillips in Memphis, TN, hat Jensen die Rolle des Produzenten übernommen und hervorragende Arbeit geleistet. Das erhabene Studio an der 639 Madison Avenue in Memphis hat Jensen offenbar nachhaltig inspiriert, da dort viele erfolgreiche Künstler gearbeitet haben (u.a. Elvis Presley, Roy Orbison, Bob Dylan, Johnny Cash, John Prine).

Unter den zehn Songs der LP finden sich neben sieben eigenkomponierten Stücken daher auch drei Coverversionen, die als Neuinterpretationen frisch und modern wirken. Das Little Milton-Stück „I’m Living Off The Love You Give“, als Opener, ein warmer Soul-Blues des alten Stax-Veteranen, verspricht bereits zum Auftakt einen interessanten Querschnitt durch klassische Blues-Gefilde.

Besonders das aus dem Repertoire des experimentierfreudigen US- Singer/Songwriters Tom Waits stammende „Downtown“, vom „Raindogs“-Album (1985),  hat Jensen überzeugend interpretiert. Die dritte Coverversion ist ebenfalls von einem nicht unbedingt dem Blues verbundenen Künstler.

„Tonight I’ll Be Staying Here With You“ von Bob Dylans berühmten „Nashville Skyline“-Album (1969), das er teilweise zusammen mit Johnny Cash eingesungen hat, bewegte sich ursprünglich im Folk-Country-Genre, doch Jensen macht aus diesem Song eine funkig sprühende Bluesnummer.

„2000 Days“ verbreitet im Vergleich zum angenehm Soul fundierten „Good Woman Back Home“ eine relaxte Jazz-Atmosphäre. Jensens Songwriting-Talent wird mit dem, im traditionellen Gospel Blues-Sound performten „Luck Is Gonna Change“ nochmals unter Beweis gestellt. Auf den abschließenden Instrumentalstücken „Something In The Water“, das ein wenig an einen Soundtrack im Stile von Mark Knopflers „Local Hero“ erinnert und „The Water Jam“ läuft die Band erneut zur Höchstform auf und wird von einem Streicherquartett unterstützt.

Jensen ist es mit seinem Album eindrucksvoll gelungen, Tracks aus dem weiten Spektrum des Blues gekonnt zu arrangieren und eigenwillige Aufnahmen abzuliefern. Als Produzent und exzentrischer Interpret, hat er damit ein engagiertes Werk vorgelegt, das ihn in der Reihe der Individualisten unter den modernen Bluesmusikern vorwärts bringen wird.

Jeff Jensen gelingt auf diesem Longplayer der schwierige Spagat, eine große Band passend und zielgenau einzusetzen, ohne die Tracks zu überfrachten. Das ist selbstbewusster und innovativer Blues Rock mit spielerischen Variationen und teilweise auch untypischen Instrumentalisierungen (u.a. Streichern oder Bläsern). „Wisdom & Decay“ ist somit ein bemerkenswertes Werk!

Swingsuit Records (2018)
Stil: Blues (Rock)

01. I’m Living Off The Love You Give
02. 2000 Days
03. Pretend Forevers
04. Good Woman Back Home
05. Downtown
06. Luck Is Gonna Change
07. What We Used To Be
08. Tonight I’ll Be Staying Here With You
09. Something In The Water
10. The Water Jam/Something In The Water Revised

Jeff Jensen
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Altered Five Blues Band – 18.05.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Es ist in der Kulturrampe wirklich nicht oft so, dass ein Act, der dort seinen Debütauftritt feiert, sofort für eine volle Hütte sorgt. Gut, es ist meist sicherlich auch immer eine Frage der Rahmenbedingungen. Hier wurde vermutlich seitens der federführenden Promotionagentur zuvor gute Werbung gemacht (es waren sehr viele Besucher da, die man sonst bisher nicht gesehen hat), zum anderen passte der Termin als Auftakt des langen Pfingstwochenendes natürlich perfekt.

Rampenmacher ‚Pille‘ Peerlings durfte sich somit schon im Vorfeld über einen guten Kartenabsatz freuen, den Rest besorgten dann wohl die Kurzentschlossenen. Kommen wir nun zu den Debütanten, ein Quintett aus Milwaukee namens Altered Five Blues Band, bestehend aus offensichtlich gestandenen Musikern, das bisher, so muss ich im Nachhinein zu meiner Schande gestehen, in meinem Blues Rock-Wissensspektrum nicht vorhanden gewesen ist.

Die fünf Herren können dabei schon auf vier Longplayer zurückweisen, ihre letzte Veröffentlichung „Charmed & Dangerous“ stammt aus dem letzten Jahr. Fronter Jeff Taylor ist ist nicht nur aufgrund seiner bulligen korpulenten Statur, sondern auch aufgrund seiner tollen Soul-Stimme und der kommunikativen Präsenz, ein Stimmungsgarant.

Die beiden Hauptsolisten Jeff Schroedl mit seinen vielen quirligen Stratocaster-Soli und der kauzige, äußerst variabel klimpernde Raymond Tevich (holte aus seinem Korg-Keyboard mit Orgel-, E- und HT-Piano und Synthie-Klängen alles heraus) begeisterten die Audienz ebenso, wie das mit Mark Solveson am intensiv pumpenden Bass und dem agilen Drummer Alan Arber,  phänomenal agierende Rhythmus-Duo.

Der aus zwei Sets bestehende Gig, fand in Teil 1 mit dem groovigen „I’m In Deep“ eine gelungene Eröffnung, und hatte mit dem B.B. King-angelehnten „If Your Heart Went Public“, dem dank Tevichs furioser Orgel, schon fast Deep Purple-verdächtigen Blues Rocker „Gonna Loose My Baby“, dem herrlichen Slow Blues-Schwofer „Find My Wings“ und der eigenwilligen Interpretation des CCR-Klassikers „Fortunate Son“, sehr facettenreiche Blues (Rock) -, Funk- und Soul-Kost zu bieten.

Klasse auch das furiose „She’s Still Crazy“, während dessen Taylor zurecht auf eine wieder ekstatisch, ebenso ausdauernd,  in vorderster Bühnenfront, tanzende Rampen-Stammbesucherin, verwies. Immer wieder schön für mich festzustellen, was die Pädagogengilde (die Dame gehört dieser meines Wissens an, wie z. B. auch einige meiner SoS-Kollegen), abseits des Klassenzimmers, so alles an Höchstleistungen zu Erbringen im Stande ist…

Die zwanzig-minütige Pause wurde wieder schnell mit „Charmed & Dangerous“ und dem stampfenden „Love Sickness“ ad acta gelegt. Das famose „Angel Of Mercy“ (die Rampe glich mittlerweile einem brodelnden Hexenkessel – ein Besucher fühlte sich sogar bewogen, dem einsatzfreudigen Quintett eine Runde Bier zu spendieren), das Robert Johnson-lastige „Three Forks“ (demnach sehr „Crossroads“-ähnlich), die wunderbare, von Schroedl kreierte Southern Soul-Ballade „Eigth Wonder“, die Stevie Ray Vaughan-Hommage „Tightrope“ und das swampige „Small Talk“ (mit auf dem Punkt gespielten Drum-Solo von Arber) brachten derart Stimmung in die Rampe, wie ich sie bisher selten erlebt habe.

„Heavy Love“ (schön funkig) und das launige „On My List To Quit“ (schön schrammliges E-Gitarrenspiel von Schroedl) beendeten einen ganz starken zweiten Part. Klar, dass die fünf Männer erst gar nicht von der Bühne gelassen wurden. Mit dem krachenden Blues „Demon Woman“und der erneut grandios funkig modifizierten Version des immer mit Joe Cocker assozierten Beatles-Stückes „With A Little Help From My Friends“, beendete die Altered Five Blues Band ihre, vom Publikum zurecht frenetisch gefeierte Performance.

Die Besucher des an diesem Wochenende anstehenden Grolsch-Bluesfestivals dürfen sich freuen. Denn auch dort wird der Milwaukee-Fünfer sicherlich so manchen Besucher vom Hocker reißen. Und nebenbei: Ich habe wieder eine echte musikalische Bildungslücke schließen können. Auch Pille Peerlings hat wieder ein gutes Näschen bewiesen. Danke wie immer ebenfalls von Gernot und mir an ihn und sein tolles Mitarbeiter-Team!

Line-up:
Jeff Taylor (lead vocals, percussion)
Jeff Schroedl (electric guitar, vocals)
Raymond Tevich (keyboards)
Mark Solveson (bass, vocals)
Alan Arber (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Altered Five Blues Band
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Kulturrampe Krefeld

Joe Bonamassa – British Blues Explosion Live – CD-/DVD-Review

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Joe Bonamassa goes British! Nachdem er 2015 auf einem seiner letzten Live-Alben (Live At Red Rocks) noch den US-amerikanischen Blues-Größen Muddy Waters und Howlin Wolf Tribut gezollt hat, nimmt er sich jetzt seinen britischen Helden an. Ergebnis ist eine tiefe Verneigung des „Meisterschülers“ vor seinen „Lehrmeistern“, in erster Linie vor den Gitarrenlegenden Jeff Beck, Eric Clapton und Jimmy Page, die von Bonamassa ausgiebig und meisterlich gewürdigt werden.

Das abwechslungsreiche Konzert-Album wurde 2016 in Greenwich, London, aufgezeichnet und kann nach den visionären Gitarristen im Wesentlichen in drei Abschnitte geteilt werden. Kenntnisreich ausgegrabene englische Bluesklassiker und -Raritäten, mit dem Schwerpunkt in den 1960er und 70er Jahren, spielt Bonamassa hier leidenschaftlich und exzellent, begleitet von einer überragenden Band, die komplettiert wird durch Keyboarder und Rock and Roll Hall of Famer Reese Wynans (u.a. Stevie Ray Vaughan), Michael Rhodes am Bass, Schlagzeuger Anton Fig (u.a. Bob Dylan, B.B. King) und Rhythmusgitarrist Russ Irwin (u.a. Aerosmith, Sting).

Und diese erstklassigen Begleitmusiker muss man einfach auch um sich haben, damit die überragende Qualität der gecoverten Bluesstücke vor dem kritischen, englischen „Expertenpublikum“ mitreißend zur Geltung kommt.

Ohne die nachhaltige Ausstrahlung, Persönlichkeit und Ausdauer seiner britischen Vorbilder, hätte der europäische Blues ab den 1960er Jahren wohl niemals die Brücke zur Rockmusik geschlagen. Besonders die technische Experimentierfreudigkeit der drei Gitarristen (u.a. Fuzz, Feedback) begeisterte Bonamassa. Das Doppelalbum bildet dabei die perfekte Live-Hommage an seine Helden und der Facettenreichtum, den der US-Amerikaner hier in Form eines explosiven Bluesfeuerwerks vorführt, gleicht einer Achterbahnfahrt durch die Gründerepoche der englischen Blues-Rock-Historie.

Aus dem Schaffenswerk von Jeff Beck hat er das legendäre Blues-Rock-Klassik Instrumental „Beck’s Bolero“ (1968), „Rice Pudding“ (1969) und „Plynth (Water Down The Drain)“ (1969) ausgewählt und orientiert sich damit an Becks früher Phase mit der Jeff Beck Group und den Studioalben „Truth“ (1968) und „Beck-Ola“ (1969).

Die Clapton-Sammlung hat Bonamassa breit gefächert durchforstet und „Mainline Florida“ und „Motherless Children“ vom 1974er Album „461 Ocean Boulevard“, „Double Crossing Time“ und „Little Girl“ aus Claptons Bluesbreakers-Zeit (1965/1966), „SWLABR“ aus seiner Cream Phase (1967) und „Pretending“ von „Journeyman“ (1989) herausgepickt.

Dem Led Zeppelin-Gitarristen Jimmy Page huldigt Bonamassa auf „Boogie With Stu“ (1974), „Tea For One (1976)“, „I Can’t Quit You Baby“ (1969) und mit den berauschenden Schluss-Akkorden von „How Many More Times“ (1969).

Die Songs geben Joe Bonamassa sehr viel Platz für kreativen Gestaltungsspielraum und eigene Interpretationen. Klanglich zelebriert der Gitarrenvirtuose alles was man von ihm bereits gewohnt ist: schnelle Tempowechsel, verschiedene Spielarten, lange Soloparts und genug Freiheiten für seine Begleitmusiker.

In Zeiten eines Blues-Revivals mit vielen jungen, aufstrebenden Musikern in Europa und den USA (u.a. Ben Poole, Ryan McGarvey, Laurence Jones) und ausverkauften Blues-Festivals veröffentlicht Bonamassa mit „British Blues Explosion“ sein persönliches, triumphales Statement. Am Ende des Live-Mitschnitts steht fest, es geht nicht nur um die Performance, sondern auch um die großartige Auswahl der Songs, mit denen er den britischen Blues wieder aufleben lässt und einem jüngeren Publikum zeitgemäß zugänglich macht.

Die DVD-Version von Joe Bonamassas „British Blues Explosion“ ist aufwendig gestaltet und fängt die Live-Atmosphäre vor malerischer und altehrwürdiger Kulisse des Old Royal Naval College in Greenwich, London, bildgewaltig ein. Das opulente Werk beginnt im Gegensatz zur CD mit einem informativen Intro über die British Blues Explosion in Gestalt von Jeff Beck, Eric Clapton und Jimmy Page in den 1960er Jahren; erzählt von Paul Jones, dem Sänger der „Blues Band“.

Die Songliste ist identisch mit der CD-Ausgabe, eine Extra DVD mit interessanten Live-Mitschnitten Bonamassas aus dem Liverpooler Cavern Club und dem Beatles Cover „Taxman“ ist beigefügt. Hervorzuheben ist die exakt abgestimmte Kameraführung mit häufigen Einblendungen von Bonamassas Gitarrenspielkunst und der ausgelassenen Spielfreude seiner Bandmitglieder.

Der US-Amerikaner trägt wie auf jedem seiner Konzerte einen feinen Anzug und eine dunkle Sonnenbrille. Leider gibt die Aufnahme der Konzert-Location inmitten architektonischer Prachtbauten auch die etwas sterile, altersbedingte Publikumsatmosphäre wieder, die opernhafte Züge nicht verheimlichen kann; dies sollte unter vornehmer englischer Zurückhaltung abgehakt werden.

Worauf Joe Bonamassa schon seit vielen Jahren enormen Wert legt, ist auch die visuelle Veröffentlichung seiner Konzert-CDs. Darüber hinaus achtet er regelmäßig auf interessante Locations für seine Konzertaufnahmen. Das naturprächtige Schauspiel auf der Bühne at Red Rocks, nahe Denver, das Greek Theatre in Los Angeles oder die Carnegie Hall in New York, zeigen seine Wertschätzung für schöne Locations und die persönliche Begeisterung für seine Gitarrenhelden, sieht man seinem Bühnenauftritt in Greenwich bei jedem Song an.

Joe Bonamassas „Explosion-Event“ und seine Rückbesinnung auf die Größen der englischen Blues-Rock-Zeit stehen damit ganz vorne in der Reihe vergleichbarer Produktionen, wie z.B. „The Blues“, der Dokumentation von Martin Scorsese oder auch den „Crossroads Guitar Festivals“ von Eric Clapton.

Mascot Label Group (2018)
Stil: Blues Rock

CD:

Disc 1:
01. Beck’s Bolero / Rice Pudding
02. Mainline Florida
03. Boogie With Stu
04. Let Me Love You Baby
05. Plyth (Water Down The Drain)
06. Spanish Boots
07. Double Crossing Time
08. Motherless

Disc 2:
01. SWLABR
02. Tea For One / I Can’t Quit You Baby
03. Little Girl
04. Pretending
05. Black Winter / Django
06. How Many More Times

DVD:

Disc 1:
01. British Blues Explosion (Intro)
02. Beck’s Bolero / Rice Pudding
03. Mainline Florida
04. Boogie With Stu
05. Let Me Love You Baby
06. Plyth (Water Down The Drain)
07. Spanish Boots
08. Double Crossing Time
09. Motherless
10. SWLABR
11. Tea For One / I Can’t Quit You Baby
12. Little Girl
13. Pretending
14. Black Winter / Django
15. How Many More Times
16. Credits

Disc 2:
01. Joe Bonamassa – Live At The Cavern Club
02. Taxman – Tribute To The Beatles
03. Fan Footage Of Joe Receiving A “Brick In The Wall” At The Cavern Club
04. Photo Gallery – British Blues Explosion Live UK Tour

Joe Bonamassa
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Netinfect Promotion

Luke Winslow-King – Blue Mesa – CD-Review

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Review: Michael Segets

Luke Winslow-King hat sich schon in früher Kindheit mit Musik beschäftigt und ist dieser auch in seinem schulischen und universitären Werdegang treu geblieben. Er genoss eine Ausbildung an der Jazz-Gitarre und besuchte ein Konservatorium für klassische Musik. Zwischenzeitlich arbeitete er als Musiktherapeut und als Musiklehrer an einer Schule für Blinde. Der stilistische Grenzgänger bewegt sich auf seinen Alben vor allem zwischen Blues, Folk, Country und Rock ’n‘ Roll – so auch auf seiner sechsten Veröffentlichung „Blue Mesa“.

Herzstück des Longplayers sind die langsamen Songs. Mit warmer, leicht angekratzter Stimme eröffnet Winslow-King auf „You Got Mine“ seine CD. Dezente Harmonien ergänzen seinen Gesang sehr stimmungsvoll, während die Bluesgitarre für die nötigen Akzente sorgt. Winslow-King hat den Titel zusammen mit der kürzlich verstorbenen „Washboard“ Lissa Driscoll geschrieben. Driscoll war eine lokale Blues-Größe in New Orleans, der Wahlheimat von Winslow-King.

Neben dem starken Einstieg zieht auch das zunächst einfach wirkende „Break Down The Walls“ direkt in den Bann. Gleiches gilt für „After The Rain“, das mit Slide und sanften Harmonien einen leichten Country-Touch bekommt. Hervorragend ist zudem der Abschlusstrack „Farewell Blues“, den Winslow-King für seinen an Krebs erkrankten Vater geschrieben hat. Sehr gefühlvoll sind hier Geige und klagende Gitarre. Zum Träumen laden „Blue Mesa“ und „Better For Knowing You“ ein. Ebenfalls zwei schöne Balladen mit ausgearbeiteter Gitarrenbegleitung, die mich aber nicht so packen wie die vorher genannten.

Zwischen die langsameren Stücke streut Winslow-King auch ein paar Nummern ein, die einen Zahn zulegen. Die erste Auskopplung „Leghorn Women“ ist eine davon. Der Swamp-Boogie kommt mit treibendem Schlagzeug und vollem Klangteppich daher, für den auch Mike Lynch (Bob Seger) an der Orgel sorgt. Im Gegensatz zu dem leidenschaftlichen und dynamischen Gitarrenspiel wirkt der Gesang von Winslow-King stellenweise vielleicht etwas distanziert oder unterkühlt. Bei dem lockeren Rock ’n‘ Roll von „Born To Roam“ passt hingegen schon beim ersten Hören alles perfekt zusammen.

Mit „Thought I Heard You“ liefert Luke Winslow-King eine solide Blues-Rock-Nummer ab. Soul versprüht „Chicken Dinner”, bei dem eine Abteilung Bläser für einen neuen Sound auf der CD sorgt.

Insgesamt legt Winslow-King ein abwechslungsreiches Album vor. Er greift Einflüsse unterschiedlicher Musikrichtungen auf, wobei es ihm gelingt, diese so zu verschmelzen, dass sein Album dennoch ausgewogen und homogen wirkt. Auflegen werde ich die Scheibe vor allem wegen der berührenden Balladen. Eine breite musikalische Ausbildung und umfangreiche kompositorische Kenntnisse können auch hinderlich sein, wenn es darum geht, Atmosphäre zu zaubern. Winslow-King schafft jedoch die Konzentration auf das Wesentliche und bringt seine Songs auf den Punkt, ohne sich in experimentellen Spielereien zu verlieren.

Bloodshot Records (2018)
Stil: Blues, Folk and more

01. You Got Mine
02. Leghorn Women
03. Blue Mesa
04. Born To Roam
05. Better For Knowing You
06. Thought I Heard You
07. Break Down The Walls
08. Chicken Dinner
09. After The Rain
10. Farewell Blues

Luke Winslow-King
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Bloodshot Records

Victoria Ginty – Unfinished Business – CD-Review

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Zunächst möchte ich mal meine Freude zuteil werden lassen, dass sich unsere engagierte Arbeit scheinbar auch in den Staaten rum zu sprechen scheint. Als aktuelles Beispiel möchte ich hier eine Dame namens Victoria Ginty aus Tampa Bay, Florida, anführen, deren Management mir jetzt ihren neuen Lonplayer „Unfinished Business“ ohne jeden vorherigen Kontakt zugeschickt hat.

Die mir bis dato völlig unbekannte Künstlerin ist seit 2015 im Sunshine-State musikalisch präsent und auch schon in Nashville unter Vertrag gewesen. Nach einer Live-Scheibe, gilt es vermutlich jetzt, den Karriereverlauf mit eigens kreiertem Material unter Studiobedingungen zu unterfüttern.

Die größtenteils von Victoria mit diversen Co-Writern (den Löwenanteil hat ein gewisser Mike Ivey beigetragen) unter den Umständen einer beendeten und neu gefundenen Liebesbeziehung komponierten Tracks, wurden mit ihrer, sie aktuell begleitenden Tourband namens Ladyhawke (J. Livington – bass; G. Lougen – guitar; R. English – piano; B. Decker – organ; J. English – drums; G. Castillo – Percussion; J. Diggs – bgv; E. Wozniak – sax; C. Weierich – trumpet; J. Cheslak – trombone) eingespielt.

Die allesamt recht swampig und soulig, instrumentell meist sehr schön ausgefeilten Blues-Tracks (da bleibt kaum ein Stück unter 4 Minuten), erinnern mich aufgrund der Bläser-Präsenz an den Sound, den man aus den Muscle Shoals-Umfeld oder zum Teil auch aus New Orleans kennt. Die Ginty hat eine energische, dazu gut passende Stimme, durchaus mit der Ausstrahlung einer ‚Grande Dame‘.

Als markanteste Songs würde ich das retro-bluesig swingende Titelstück „Unfinished Business“ (hier als Clip in einer Live-Version), die allmaneske Ballade „Hard To Move On“, der 81/2 Minuten währende Slow Blues „Every Night, Every Day“, der atmosphärische Schwofer „Water“ (mein Lieblingsstück des Werkes, tolle E-Gitarre, Harmonies, herrlich quäkende Bläser-/E-Gitarren-Solo-Kombination) und das gelungene Terence Trent D’Arby-Cover von „Sign Your Name“ (mit schönem Latin-Vibe) anführen.

Fazit: Victoria Ginty bietet mit ihrem Studio-Debüt „Unfinished Business“ einen musikalisch sehr reifen Einstieg in die Blues-Szene. Hier hat alles Hand und Fuß. Als Referenzgrößen würde ich Damen wie Bekka Bramlett, Dusty Springfield, Eve Selis, Big Mama & The Cool ungefähr benennen, vom Spielstil ihrer Begleiter her kommen mir Acts wie Delta Moon oder The Radiators spontan in den Sinn. Ihre Biografie, bzw. ihr Business wird unter diesen Voraussetzungen in Zukunft sicherlich weiter mit Leben gefüllt werden.

Blue Door Records (2018)
Stil: Blues, Soul, R&B

01. Unfinished Business
02. Take Me Down
03. Hard To Move On
04. You Don’t Love Me No More
05. Every Night, Every Day
06. Give It Up
07. Water
08. Sign Your Name
09. Lyin‘ (In Each Others Arms)
10. Do Me Right
11. The Blues Found Me

Victoria Ginty
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Theo Lawrence & The Hearts – Homemade Lemonade – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Dass Theo Lawrence als Kind von den White Stripes besessen war, hört man seinem ersten Studioalbum nicht unbedingt an. Harte Gitarrenriffs und wild trommelnde Schlagzeugbeats eines „Seven Nation Army“ sucht man auf „Homemade Lemonade“ vergebens, denn diesen Musikstil vermeidet Lawrence mit seiner vier Mann starken Begleitband „The Hearts“ und lässt lieber seine einnehmende Stimme sprechen.

Der 22-jährige Franzose kanadischer Herkunft singt im akzentfreien Englisch und dirigiert „The Hearts“ mal zu Soul und R&B, wie im Opener „Heaven To Me“ oder Soul-Country, der Roy Orbison und Elvis Presley als Vorbild hat in „Who I Was“. Auf dem Montreal Jazz Festival (Kanada), das international als eines der renommiertesten Musikfestivals angesehen wird, durften Theo Lawrence und die Band, bestehend aus Louis Marin Renaud an der Gitarre, Olivier Viscat am Bass, Keyboarder Nevil Bernard und Schlagzeuger Thibault Lecocq, bereits auftreten.

Der Versuch, das Album musikalisch einzuordnen, stellt eine Herausforderung dar. Die jungen Franzosen lassen sich halt in kein Korsett zwängen. „Never Let It Go“ ist feinster Modern-Pop-Soul-Sound, „A House But Not A Home“ hingegen beginnt mit einem 60er Beat-Riff, das auch von den Hollies stammen könnte und geht dann über in einen schnörkellosen Country-Rhythmus. Zartes Grillengezirpe hört man am Anfang von „Shanghai Lady“ bis dieses durch eine dumpfe Akustik-Gitarre überdeckt wird und in einen herrlichen Country Rock-Song übergeht. Ein gefühlvolles Duett rundet dieses hervorragende Lied ab.

60er & 70er Jahre-Soul gibt es auf „Heaven To Me“ zu hören, aber die Ausgestaltung des Tracks weist auch frische Akzente eines Michael Buble auf. Swamp-Rock, der einem CCR-Rhythmus, wie bei „Green River“ folgt, ist auf „Chew Me Up“ auszumachen. Bei „Sucker For Love“ denkt man unweigerlich, dass hier möglicherweise Mark Ronson produktionstechnisch unter die Arme gegriffen haben könnte, so klar klingt Amy Winehouse hervor: ein starkes Stück!

Der letzte Song „Count Me In Tomorrow“ deutet dezent auf Jim Reeves Evergreen „Distant Drums“. Die Vielseitigkeit dieser Produktion knüpft bei Nathaniel Rateliff an, der zu Beginn seiner Karriere noch die Singer/Songwriter-Schiene befahren hat, aber in den letzten Jahren das Rhythm & Blues-Feuer mit Country und Soul Einflüssen neu entfachte. Etwas Vergleichbares kann man nur Theo Lawrence wünschen.

Das Album „Homemade Lemonade„ von Theo Lawrence & The Hearts vermittelt eine außerordentliche Souveränität und lebt von der wandlungsfähigen Stimme des Bandleaders, die mal soulig ist, dann wieder in einen Country-Jargon übergeht und schließlich noch rauchig und kräftig die Songs vorantreibt.

BMG (2018)
Stil: Soul-Rock, Rhythm & Blues, Country

01. Heaven To Me
02. Never Let It Go
03. Chew Me Up
04. Search Your Heart
05. My Sunshine Is Dead
06. A House But Not A Home
07. Sucker For Love
08. Who I Was
09. Shanghai Lady
10. Count Me In Tomorrow

Theo Lawrence & The Hearts
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Oktober Promotion

Soul Return – Same – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

„Soul Return“ ist das erste Album der gleichnamigen kalifornischen Band, bestehend aus der Sängerin und Mundharmonikaspielerin Kellie Rucker, dem Slide-Gitarristen JJ Holiday und dem Drummer Michael Barsimanto. Alle drei haben in der Vergangenheit, jeder für sich, bereits mit zahlreichen Größen aus dem Musikbusiness, wie zum Beispiel Bruce Springsteen, Bob Dylan, Keith Richards oder Andy Taylor zusammengearbeitet. Ergänzt werden die drei auf der CD durch den Bassisten Keith Karman.

Herausgekommen ist ein Album ganz in der musikalischen Tradition von Grateful Dead, Janis Joplin und Curtis Mayfield oder Howlin’ Wolf. Es ist die Rückkehr des California Soul, funky, groovy und teilweise auch ein wenig psychedelisch. Beherrscht wird das Werk von Kellie Ruckers prägnanter, rauer Stimme, die irgendwie an die Sangeskünste von Janis Joplin, mit Einflüssen von Macy Gray, erinnert, sowie dem einzigartigen rhythmischen Gitarrenspiel von JJ Holiday.

Gleich zu Beginn groovt es kraftvoll und mächtig mit „You’re Leavin‘ Me“. der Opener besticht direkt durch einen satten Bass, gepaart mit einem flotten Funk-Rhythmus und einem eingängigen Gitarrenriff im Refrain. Treibend geht es auch dann beim tranceartigen, zum Tanzen einladenden, „In The Meantime“ weiter. Der nächste Song „Life Of Crime“ ist ein fröhliches, eingängiges Soulstück mit schönen Einlagen von JJ Holiday an der Slidegitarre und Kellie Rucker an der Mundharmonika, die auch in „FYL“ einmal mehr ihre Qualitäten als Shouterin unter Beweis stellt.

Ihre an Janis Joplin erinnernde Stimme beherrscht ebenfalls das nachfolgende Stück „Only Love Can Save Us Now‘, ein schöner Country-angehauchter Blues, bei dem JJ Holiday erneut zeigt, was er an der Slidegitarre drauf hat. „Va Va Voom“ wiederum rockt so richtig, auch hier legt sich Kellie Rucker stimmlich wieder mächtig ins Zeug und lässt zwischendurch immer wieder Ihre Harp aufblitzen. Das fröhlich swingende „In America“ erinnert stilistisch stark an Songs von Lou Reed.

Die erste Verschnaufpause gibt es dann mit „Kiss Me“, ein Leidenschaft versprühendes, sinnliches Stück mit psychedelischem Mittelteil, in dem Kellies Stimme so verführerisch wie sonst nirgends auf der CD klingt. Das folgende „Throwin‘ And Fumblin’“ ist eine gelungene Interpretation des ähnlich lautenden Traditional „Rollin‘ And Tumblin’“ von Hambone Willie Newbern. In ruhigere Gewässer steuert die CD dann mit dem bluesig-melodiösen Stück „Had We Not“, das mit seinen Southern-Anleihen zum Träumen und Relaxen einlädt.

Auf das rhythmisch funkige „Talk To Me“ folgt dann als Abschluss der CD die einfühlsame Bluesballade „If These Walls Could Talk“, die Janis Joplin nicht besser hätte intonieren können und ihren Abschluss in einem vor Verzweifelung schreienden Gitarrenjam findet.

Insgesamt ist das Debüt von Soul Return eine wohltuend aus der Masse der Neuerscheinungen herausragende Scheibe, die von Anfang bis Ende einfach nur Spaß macht und die auch nach dem x-ten mal Hören nicht langweilig wird. Also, eine absolute Kaufempfehlung mit 5 Sternen.

Dixiefrog Records/H’art (2018)
Stil: Blues (Rock)

01. You’re Leavin‘ Me
02. In The Meantime
03. Life Of Crime
04. FYI
05. Only Love Can Save Us Now
06. Va Va Voom
07. In America
08. Kiss Me
09. Throwin‘ And Fumblin‘
10. Had We Not
11. Talk To Me
12. If These Walls Could Talk

Soul Return
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H’ART Musik-Vertrieb GmbH