Sauce Boss – The Sauce – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Manche Musiker kommen schon auf eigenartige Ideen. So auch der aus Florida stammende Bluesgitarrist Bill Wharton. Der fing nämlich in den 80er Jahren an, verschiedene Rezepte mit Paprika auszuprobieren. Die Gerichte fanden in seiner Nachbarschaft großen Anklang und Bill Wharton begann während seiner Konzerte seine Zuhörer mit „Gumbo“, einem Südstaaten-Eintopf mit unterschiedlichsten Zutaten, zu bekochen. Dem Publikum gefiel das und es wurde zu seinem Markenzeichen. Seitdem hat er seinen Spitznamen „Sauce Boss“ weg und besitzt ein Monopol für Blues ‚n‘ Gumbo.

Genauso, wie ein anständiges Gumbo-Gericht feurig-scharf ist und aus verschiedensten Zutaten besteht, genauso ist dieses Album, welches der Chef-Saucier größtenteils im Alleingang und mit viel, viel Slidegitarre bestreitet. Nur auf einer handvoll Songs sind zusammen mit ihm seine Mitstreiter Damon Fowler und Neal Goree an den Gitarren und Brett Crook am Schlagzeug zu hören.

Die Scheibe bietet mit ihren 12 Songs ein abwechslungsreiches Menü flotter und rhythmischer Stücke z. B. „Little Rhythm And Blues“, dem Beatles-Cover „The Word“ oder auch „I Will Play For Gumbo“, wo seine Stimme durchaus leichte Erinnerungen an Taj Mahal hervorruft. Und bei vielen Songs vermag man gar nicht zu glauben, dass Bill Wharton alle Instrumente gleichzeitig als „Ein-Mann-Band“ spielt.

Aber auch ein paar schöne, zum Träumen anregende Balladen, hat der Boss beigesteuert („Don‘t Know How To Tell You“, „Lonely Crowd“ im Dylan Stil und „Left Hand Smile“ mit Americana-Attitude). Sehr hörenswert auch „Down By The Sea“. Der Song ist eine Solonummer mit Hawaii typischen Klängen, gespielt auf einer National Steel-Guitar aus dem Jahr 1933 und verbreitet ein sorgloses Urlaubsfeeling. Genauso leichtfüßig und beschwingt kommt „Stop Breaking Down“ daher.

Nicht auf Hawaii, sondern im tiefen Süden der USA lässt sich der atmosphärisch dichte „Delta 9 Blues“ mit vielen, vielen fließenden Slideklängen verorten. Das kurze Instrumental „Space Ocean“ hingegen setzt einen Kontrapunkt zu den übrigen Stücken. Es bietet einen leicht psychedelisch-sphärischen Sound untermalt von Meeresrauschen. Und mit der stark „geslideten“ Interpretation von „Gloria“, im Original von Van Morrison, steht ein weiterer gelungener Coversong auf der Trackliste.

Es ist schwierig die Scheibe in eine reine Blues-Schublade zu stecken, da Sauce Boss die Grenzen zwischen den Genres verwischt: er steckt alle Zutaten in einen Topf, rührt gut um und heraus kommt seine spezielle Gumbo-Sauce. Das ist nicht negativ gemeint, sondern durchaus positiv zu verstehen, liefert es doch neue musikalische Dimensionen und Hörerlebnisse. Die Scheibe macht einfach nur Spaß und liefert Musik für alle Lebenslagen. Ach ja, das Album ist bereits seit dem 7.Juni im Handel.

Swampside Records (2024)
Stil: Blues

Tracks:
01. Little Rhythm And Blues
02. The Word
03. Delta 9 Blues
04. Space Ocean
05. Down By The Sea
06. Stop Breakin‘ Down
07. Don‘t Know How To Tell You
08. I Will Play For Gumbo
09. Lonely Crowd
10. Gloria
11. Little Rhythm And Blues Reprise
12. Left Handed Smile

Sauce Boss
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Sugaray Rayford – Human Decency – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Zwei Jahre nach seinem Award-gekrönten Album “In Too Deep” hat der US-amerikanische Soul-Blues-Sänger und Songschreiber Sugaray Rayford (B.B. King, Entertainer of the Year 2020) bereits seinen neuen Longplayer “Human Decency” am Start. Die Scheibe wurde, wie die drei erfolgreichen Vorgänger, von Songwriter Eric Corne (u. a. John Mayall, Lucinda Williams, Walter Trout) produziert und listet neun eigene Kompositionen.

Als Lead-off Single gibt “Run For Cover” sogleich Volldampf und pusht Sugarays außergewöhnliche Stimmkraft zum Sound der Bläsersection – ein echter Powersong. Die stampfende Soul-Rock Speed-Nr. “Ain’t That A Man” belebt die gute alte Sam & Dave Memphis-Soul-Time, und zusätzlich wird klassischer Soul im Stile von Solomon Burke in “Strawberry Hill” frisch aufgelegt. Country-Sänger Sam Morrow darf sich im Duett von “Stuck Between” als funkiger Soul-Blues-Interpret beweisen und auch hier leistet die Bläsertruppe, getragen von Joe Sublett, am Saxophon (u. a. Taj Mahal, Stevie Ray Vaughan, B.B. King Band) und Mark Pender, Trompete, (Ex E-Street Band) mehr als ganze Arbeit.

Dementsprechend ist auch der Titelsong “Human Decency” ein auffallend groovender R&B-Track und wird seinen Platz in Radio-Playlists sicher schnell finden. Autobiographische Texte sind im letzten Song (“Aha”) ein Teil Sugarays persönlicher Erinnerungen und bringen dazu noch einmal typischen Soul-Blues-Sound aus der frühen Blütezeit der 60er Jahre.

Sugaray Rayford, der leidenschaftlich in den Lyrics menschliche Probleme und Alltagssorgen sozialkritisch aufgreift, hat ein neues Kapitel der traditionsreichen US-Soul-Music aufgeschlagen. Sein aktuelles Album “Human Decency” verbindet die Elemente aus klassischen und modernen Soul-Blues-Melodien mit rauen und funkigen R&B Vibes – eine Award-verdächtige Mischung und auf jeden Fall durch und durch eine echte “Soulman” Produktion.

Forty Below (2024)
Stil: Soul, Rhythm ’n’ Blues, Blues

Tracks:
01. Failing Upwards
02. Human Decency
03. Stuck Between
04. Strawberry Hill
05. Run For Cover
06. Dirty Rat
07. Ain’t That A Man
08. Hanky Panky Time
09. Aha

Sugaray Rayford
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Devious Planet

Markey Blue Ric Latina Project – Blue Eyed Soul – CD-Review

Dem Vorgänger-Album „Jumpin‘ The Broom“ des Markey Blue Ric Latina Projects hatte ich ja bereits ausführlich meine Bewunderung gezollt, jetzt liegt mit „Blue Eyed Soul“ der Nachfolger vor. Hinter dem Projekt steht das Ehepaar Jeannette Markey und Eric B. Latina, beides erfahrene Musiker, die sich über diverse andere Projekte kennen- und lieben gelernt haben und schließlich nun schon seit längerem gemeinsam zu Werke schreiten.

Während ich den letzten Longplayer noch im Southern Soul verortet hatte, geht es auf diesem Silberling eher in die klassische Richtung des bluesigen Souls, allerdings in der absoluten ‚Laidback‘-Variante. Tiefenentspannung ist größtenteils angesagt, meistens so sanft und geschmeidig, dass mir die gute Sade mit ihren smoothen Songs auch immer wieder im Kopf herumschwirrt.

Allein sechs der zwölf Tracks haben es auch wieder zu TV-Präsenz geschafft und selbst Stax-Gitarrenlegende Steve Cropper, hätte bei „Baby I’m Crying“ („I couldn’t get the song out of my head“) am liebsten direkt mitgezupft. Das beschriebene Terrain ist natürlich prädestiniert für Markeys tolle Stimme (die kann aber vermutlich wirklich alles singen)…, Latina, lässt dabei in typischer Manier seine transparenten E-Gitarrenklänge, untermalend, füllend oder filigran in Solo-Manier einfließen.

Die anderen Instrumente wie Drums, Bass, BGVs, Horns und Keys sind diesmal durch diverse weitere Musiker mehrfach und somit sehr variabel besetzt, wobei besonders die Keyboarder mit ihrem akzentuierten Spiel, als auch einige Bläserzutaten, ebenfalls einen entscheidenden Beitrag leisten.

Während Markey Blue dazu rät, sich beim Hören der Scheibe ein Glass Wein einzugießen, sich zurückzulehnen und sich von diesen chilligen Soul/Blues-Vibes berieseln zu lassen, würde ich dem eher träumerisch veranlassten Menschen auch den eiskalten Longdrink an Deck eines schönen Boots, das dem stimmungsvollen abendlichen Sonnenuntergang entgegensegelt, als Alternative ins Spiel bringen. Auf jeden Fall tolle höchstmelodische Soul-/Blues-Musik, um, wie auch immer, die Seele einfach mal baumeln zu lassen.

Soul O Sound Records (2024)
Stil: Blues / Soul

Tracks:
01. Crazy Without You
02. Raining Down On Me
03. So Much
04. Baby I’m Crying
05. Yes I Do
06. Set My Heart Free
07. When I Close My Eyes
08. Can’t Let You Go
09. Me Missing You
10. Come On
11. With You
12. What Am I Gonna Do

Markey Blue Ric Latina Project
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Jesse Dayton – The Hard Way Blues – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Jesse Dayton wuchs im Südosten von Texas auf. Da liegt es nahe, dass er von Blues, Rockabilly, Country, aber auch vom Punk und Gothic geprägt wurde. Und die meisten dieser Einflüsse finden sich natürlich auch auf seiner neuen Scheibe „The Hard Way Blues“ wieder. Und sie machen es schwierig seinen Stil in eine bestimmte Schublade zu packen. Es ist weder reiner Blues oder Blues Rock, noch Country oder Americana, noch ist es Texas Blues, aber eine wilde, mitunter dreckige, Mischung aus alledem, wobei allerdings die Countryeinflüsse auf dieser Scheibe gefühlt überwiegen.

Irgendjemand hat für diesen wilden Stilmix mal den Begriff „Outlaw Country“ geprägt. Ein Stil also, der sich an keine gewohnten Konventionen hält und die Grenzen der Genres vermischt. Genau deshalb strahlt Jesse Daytons neues Album, das er innerhalb von nur einer Woche aufgenommen hat, wohl so viel Drive und pure Energie aus.

„The Hard Way“, der titelgebende Opener der Scheibe zum Beispiel, fängt relativ harmlos an, brennt dann aber in einem hochfrequenten Rhythmus ein Rock’n’Roll-Feuerwerk mit knallharten 70‘er Jahre-Riffs ab. Ähnlich ist auch „Night Brain“ mit einem gefälligen Fingerpicking-Intro konzipiert, sich dann aber im weitern Verlauf zu einem dreckig, schrammeligen Song entwickelt. Ruhiger, aber nicht weniger eindringlich, geht es anschließend mit „Talkin‘ Company Man Blues“ weiter, der übrigens auch im Refrain durch einen tollen Hintergrund Chor besticht.

Richtig fröhlich geht es in dem Country-Song „Baby‘s Long Gone“ zu. Mit kraftvoller Dynamik, Rock‘n‘Roll Hooks und dezenten Chicago Blues-Elementen hingegen präsentiert sich „Novasota“, während „Ballad Of Boyd Elder“ eine schöne Ballade mit Countryflair ist, aber dennoch rockig und energiegeladen daherkommt. Und im bittersüßen „Angel In My Pocket“ beweist Jessy Dayton seine Qualitäten als Liedermacher an der Akkustikgitarre. Melodiös und beschaulich mit Countryzutaten ausgestattet, geht der Longplayer sodann mit „Huntsville Prison Rodeo“ weiter, was seine Fortsetzung im balladesken „Esther Pearl“ findet. Zum guten Schluss wartet die Scheibe dann noch mit „God Ain’t Makin’ No More Of It“, einem rockig-harten Rausschmeißer mit leichter Boogie Woogie-Attitude auf.

„The Hard Way Blues“ hat mich total fasziniert. Die abwechslungsreiche Platte weist so viele kraftvolle Sounds und rockige Tracks auf, gepaart mit reichlich Countryeinlagen, dass es eine Freude ist, sie nicht nur einmal zu hören. Jesse Dayton zeigt sich zudem nicht nur als Gitarrenvirtuose, sondern auch als eloquenter Geschichtenerzähler. Das Album bekommt von mir daher eine absolute Kaufempfehlung. Ab dem 31. Mai ist es im Handel.

Blue Élan Records (2024)
Stil: Blues Rock & More

Tracks:
01. The Hard Way
02. Night Brain
03. Talkin‘ Company Man Blues
04. Baby‘s Long Gone
05. Navasota
06. Ballad Of Boyd Elder
07. Angel In My Pocket
08. Huntsville Prison Rodeo
09. Esther Pearl
10. God Ain‘t Makin‘ No More Of It

Jesse Dayton
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Henrik Freischlader – 26.05.2024 – Zeche, Bochum – Konzertbericht

Pünktlich um 18 Uhr betritt Henrik Freischlader mit seiner Band die Bühne in der anständig gefüllten Zeche in Bochum. Die Besetzung der Band mag für manche Fans etwas überraschend sein. Mit Hardy Fischötter an den Drums und Rene Pütz am Bass schrumpft die Band im Vergleich zu den letzten Jahren zu einem Trio, wie schon bei Lash, eine der ersten Bands, als Freischlader damals auch mit Pütz Anfang der 2000er Jahre Musik machte.

Fischötter und Pütz legen dabei einen Rhythmus vor, der Freischlader alle Spielräume gibt, sich an seinen Gitarren auszulassen. Mehrfach erhält er für seine Soli verdienten Szenenapplaus vom Publikum. In der Setlist spannt er einen Bogen aus seiner Anfangszeit mit „Dissapointed Woman“ bis zum letzten Album mit „Free“.

Herausragend aus einem starken Konzert sind die letzten drei Songs. Das epische „The Sky Is Crying“ läutet gewissermaßen das ‚finale furioso‘ ein. Beim etwa 20-minütigen „Breakout“ mit jammenden Phasen verlässt Freischlader nach einigen Minuten die Bühne und überlässt diese seiner Band.

Pütz legt ein, über mehrere Minuten gehendes Bass Solo hin, was von den Fans mit entsprechenden Applaus belohnt wird. Fischötter begleitet das Solo seines Kollegen zunächst eher dezent, danach selbst zu zeigen, was an den Drums möglich ist. Als Freischlader die Bühne wieder betritt, kehrt das Trio wieder ins Thema des Songs zurück und beendet unter dem Applaus der Fans zunächst den Gig.

Lautstarke Zugabeforderungen lassen das Freischlader & Co. schnell wieder auf die Bühne zurückkehren, um mit einer Eextended Version von „Bad Dreams-Wolkenwinde“ einen tollen Blues-Abend in der Zeche abzuschließen. Einen nicht unerheblichen Anteil an dem gelungenen Abend, der Wolfgang Stolt von Impuls Promotion ein Lächeln ins Gesicht zauberte, haben auch der Mischer, der für einen transparenten Sound sorgte und der Lichttechniker, der mit abwechslungsreichen Effekten die Musiker klasse ausleuchtete.

Line-up:
Henrik Freischlader– lead vocals, guitars
Rene Pütz – bass
Hardy Fischötter – drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

Henrik Freischlader
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Impuls Promotion
Zeche, Bochum

Celso Salim & Darryl Carriere – About Time – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Der brasilianische Gitarrist Celso Salim und der kalifornische Harpspieler Darryl Carriere blicken beide auf eine schon lange währende Musikerkarriere zurück. Celso Salim arbeitete im Laufe seines Musikerlebens bereits mit zahlreichen Größen des Musikgeschäftes zusammen, darunter B. B. King, Deep Purple, Canned Heat, John Hammond und Joe Bonamassa, um nur ein paar Namen zu nennen und es gibt inzwischen 6 Soloalben von ihm. Darryl Carriere ist seit seiner frühen Jugend der Mundharmonika verfallen und spielte u. a. mit Billy Preston, Robbie Krieger von den Doors und Corey Stevens und dem legendären Schlagzeuger Gary Mallaber (Van Morrison und Steve Miller Band).

Auch zusammen sind die beiden seit mehr als zwanzig Jahren unterwegs, mit „About Time“ präsentieren sie jetzt aber erstmals auch ein gemeinsames Album. Für den nötigen Drive und Rhythmus sorgen auf der Scheibe David Kita am Schlagzeug und Mike Hightower am Bass, bekannt von seiner Arbeit bei „Johnny Mastro & The MB‘s und „The 44‘s“.

Die zehn Originalsongs auf der Scheibe umfassen eine bunte Mischung an teils traditionellen Blues-Tunes („In Your Arms“, „Here With You“), abgeschmeckt mit Rock‘n‘Roll-Anleihen („Sweet Thing“, „Sadie“), Countryelementen („With My Friends“, „Make You Mine“) und mitunter leichten Souleinflüssen („Please Stop“, „Get Along“), sowie Chicago Blues- Klängen („BBQ“, „Love On A Shelf“, „Get Along“).

Das von Mike Hightower und Celso Salim produzierte Werk ist durch die unterschiedlichsten musikalischen Einflüsse echt abwechslungsreich. Und durch die vielfach leicht und fluffig daherkommenden Tracks verbreitet es zudem jede Menge gute Laune, zu der sicherlich auch die stimmigen Lead Vocals, vor allem von Darryl Carriere, beitragen. „About Time“ ist dafür gemacht, und hat es auch verdient, nicht nur nur ab und zu, sondern wirklich des Öfteren angehört zu werden, gern auch in Dauerschleife.

Wide Tracks Recordings (2024)
Stil: Blues

Tracks:
01. BBQ
02. Sweet Thing
03. Please Stop
04. In Your Arms
05. Here WithYou
06. With My Friends
07. Get Along
08. Love On A Shelf
09. Sadie
10. Make You Mine

Celso Salim & Darryl Carriere
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Mitch Ryder – 22.02.2024 – Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertnachlese

Das Mitch Ryder auch mit knapp 79 Jahren seine Fans hat, zeigt sich daran, dass der Schwarze Adler schon einige Tage vorher ein volles Haus gemeldet hat. Nachdem er im letzten Jahr das ganze Konzert sitzend sang, ist er nach medizinischen Behandlungen in der Lage, fast die ganze Zeit zu stehen, auch wenn ihm anzumerken ist. dass er sehr unsicher ist, als er sich zu Beginn des Konzerts zu seinem Mikro begibt.

In dem Moment, als er aber anfängt zu singen, fühlt man sich in Zeiten zurückversetzt, als er vor etwa 45 Jahren in Deutschland seinen Durchbruch in einer der Rockpalast-Nächte hatte. Mit seiner kraftvollen Stimme sorgt er vom ersten Song an dafür, dass die Besucher zuweilen gebannt zuhören oder ausgelassen mitgehen. Es ist eindrucksvoll, welche Vitalität Ryder mit seinem Charme und seiner sichtbaren Freude ausstrahlt, dass man bei geschlossenen Augen fast vergessen könnte, dass das Leben doch seine Spuren an dem begnadeten Sänger hinterlassen hat.

Einen großen Anteil an diesem magischen Abend im Schwarzen Adler hat auch seine aus Ostberlin stammende Begleitband Engerling, die ihn schon seit über drei Dekaden auf Tourneen in Deutschland begleitet. Zwei Stunden Blues Rock-Musik vergehen so wie im Flug. In seine eigenen Songs, wo für mich das emotionale „Do You Feel Allright?“ und das rockige „Tough Kid“ herausragen, streut er einige gekonnt gecoverte Stücke ein, denen er ein Ryder-Gewand überstülpt.

Stark der Stones-Oldie „Heart Of Stone“ und das Konzert abschließende „Soulkitchen“ von den Doors, das er schon 1979 beim Rockpalast Auftritt im Programm hatte. Hier zeigen die beiden Gitarristen Heiner Witte und Gisbert Piatkowski mit langen Soli, was in ihnen steckt. Wolfram Bodag an den Keyboards bringt ein Doors-Feeling in den Saal und offeriert, dass er auch die Mundharmonika bestens spielen kann.

Zum Ende des Konzerts verlässt Ryder durch die Zuschauer den Saal durch den Seiteneingang und überlässt den Musikern für ein längeres Outro die Bühne. Nachdem sie den verdienten Applaus des Publikums erhalten hatten, stellten sie symbolisch den Barhocker, auf dem Ryder bei einigen Stücken saß, bei der Verabschiedung vor sich. Bei der heute gezeigten Spielfreude ist nicht auszuschließen, dass Mitch Ryder auch nächstes Jahr noch einmal vorbei schaut.

Setlist:
The Thrill of It All
Red Scar Eyes
Long Hard Road
Ain’t Nobody White
All the Fools It Sees
Freezin‘ in Hell
Heart of Stone (The Rolling Stones cover)
Take Me to the River (Al Green cover)
Yeah, You Right
That’s Charm
Do You Feel Alright?
When You Were Mine (Prince cover)
Tough Kid
It Wasn’t Me (Chuck Berry cover)
Betty’s Too Tight
Soul Kitchen (The Doors cover)

Line-up:
Mitch Ryder – lead vocals, percussion
Wolfram Bodag – keyboards, harp
Heiner Witte – guitars
Manne Pokrandt – bass
Hannes Schulze – drums
Gisbert Piatkowski – guitars

Text und Bilder: Gernot Mangold

Mitch Ryder
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Schwarzer Adler, Rheinberg

Dion – Girl Friends – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Man kann es ja fast schon als Tradition bezeichnen, dass Dion Dimucci alle paar Jahre wieder ein Album mit zahlreichen und hochkarätigen Musikern herausbringt. Waren es auf „Blues With Friends“ (2020) und „Stomping Ground“ (2021) noch vornehmlich männliche Stars der Bluesszene, so widmet er sich auf seinem neuen Album „Girl Friends“ – der Titel lässt es schon vermuten – ausschließlich der weiblichen Seite des Blues.

Der Grund ist wohl, dass seiner Ansicht nach Männer andere Melodien spielen, wenn Frauen dabei sind und dadurch letztendlich eine bessere Musik entsteht. Und so hat Dion zwölf namhafte Blues-Ladies ins Boot geholt, um gemeinsam mit ihm diese Scheibe einzuspielen. Herausgekommen ist ein kurzweiliges und abwechslungsreiches Album, das einen bunten Querschnitt der Bluesszene mit Americana- und Countryanleihen über Gospeleinflüsse bis hin zum Chicagostyle bietet.

Dions Mitstreiterinnen sind keine geringeren als die bekannte Gitarristin Susan Tedeschi in „Soul Force“, einem typischen Midtempoblues im Chicagostil, die Sängerin und Bassistin Danielle Nicole in „I Am To Please“, einer sehr rhythmischen und fröhlichen Nummer, die gegen Ende in ein Duett mit Dion mündet, die Soulsängerin Valerie Tyson in dem gospeligen „Stop Drop And Roll“, das sie zu Beginn mit ihrer gewaltiger Soulstimme beherrscht, im weiteren Verlauf jedoch leider hinter Dions Gesang zu sehr zurücktritt, die Sängerin Christine Ohlmann in dem sinnlichen Slowblues „Sugar Daddy“ und zusammen mit der Gitarristin Debbie Davis in „Do Ladies Get The Blues“ (hier passt Ohlmans Altstimme fantastisch zu Dions Gesang und Debbie Davis liefert den Gitarrensound zu diesem klaren Chicagoblues, die Singer/Songwriterin Carlene Carter in „An American Hero“, einem leicht schmalzigen Americana-Country Stück, die Sängerin Rory Block mit ihrer rauen Stimme in dem slidegestützten „Don’t You Want A Man Like Me“, die Geigerin Randy Fishenfeld in dem Country-Blues „Endless Highway“, die Sängerin Maggie Rose in dem ruhig dahinplätschernden Country/Soul Song „I Got Wise“, die Gitarristin Sue Foley in der beschwingten Americana/Country Nummer „Hey Suzy“, die Sängerin Shemekia Copeland in dem souligen Slowblues „Mama Said“ und last but not least
die großartige Gitarristin Joanne Shaw Taylor in dem flotten Shuffle „Just Like That“.

Ob die Songs mit den Bluesladies nun tatsächlich so merklich besser oder zumindest wesentlich anders sind als mit ausschließlich männlichen Musikern eingespielte Stücke sei mal dahin gestellt. Das mag jeder für sich beurteilen und ist eigentlich auch unwichtig, denn die überwiegend von Dion komponierten Tracks sind auf jeden Fall richtig, richtig gut.

Erscheinen soll das Album am 8. März bei Joe Bonamassas Label „Keeping The Blues Alive Records“ (KTBA).

Label: KTBA Records
Stil: Blues

Tracks:
01. Soul Force feat. Susan Tedeschi
02. I Am To Please feat. Danielle Nicole
03. Stop Drop And Roll feat. Valerie Tyson
04. Do Ladies Get The Blues feat. Christine Ohlman and Debbie Davis
05. An American Hero feat. Carlene Carter
06. Don’t You Want A Man Like Me feat. Rory Block
07. Sugar Daddy feat. Christine Ohlman
08. Endless Highway feat. Randy Fishenfeld
09. I Got Wise feat. Maggie Rose
10. Hey Suzy feat. Sue Foley
11. Mama Said feat. Shemekia Copeland
12. Just Like That feat. Joanne Shaw Taylor

Dion
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Another Dimension

The Bluesanovas – 02.02.2024, blues, Rhede – Konzertnachlese

Mit den Bluesanovas spielt eine aufstrebende deutsche Bband im blues Rhede. Leider ist der Besuch am Freitag Abend sehr überschaubar, obwohl das Quitett in den letzten Jahren doch einige Auszeichnungen gesammelt hat.

Im Vergleich zum letzten Jahr hat sich das Gesicht der Band verändert. Der bisherige Sänger Melvin Schulz ist zum Ende des Jahres ausgestiegen und wurde durch Till Seidel ersetzt. Der Qualität hat dies an diesem Abend nicht geschadet. Die Stimme ist vielleicht nicht ganz so prägnant, ich rede hier von Jammern auf hohem Niveau, dafür bringt er aber als zweiter Gitarrist, auch mit vielen Solo-Parts, noch mehr Drive in die Songs, die dadurch rockiger erscheinen. Im Mittelpunkt des Gigs steht das aktuelle Album „Big Love“, was bei den Fans sehr gut ankommt und so schnell eine entsprechende Stimmung im blues herrscht, die gefühlt die Besucherzahl verdoppelt.

In den knapp zweistündigen Auftritt lassen die jungen Münsteraner Blues, Rockabilly, Rock´n´Roll und Soul gekonnt ineinander verschmelzen. Neben dem charismatischen Seidel setzen insbesondere Nico Dreier an den Keyboards mit teilweise furiosen Soli und Filipe de la Torre mit feinen auf den Punkt gespielte Gitarren-Einlagen besondere Akzente. Dabei können sie sich voll auf die Rhythmusfraktion um Philipp Dreier an den Drums und Nikolas Karolewics am E-Bass und Kontrabass verlassen.

So vergehen knapp zwei Stunden Musik wie im Fluge, in denen die Bluesanovas zeigen, dass sie nicht umsonst in den letzten Jahren einige Awards abgeräumt haben und in der Zukunft durchaus eine gewichtige Rolle zumindest in Deutschland und den umliegenden Ländern spielen können.

Ein Dank geht auch an das blues für den netten Empfang und die Möglichkeit auch aus der eigentlich geschlossenen Empore zu fotografieren. Rhede war somit an dem Abend eine Reise Wert und es lohnt sich einmal auf die Webseite zu schauen, es finden öfter gute Acts den Weg in den kleinen, aber mit viel Liebe geführten Club.

Line-up:
Till Seidel – vocals, guitar
Nico Dreier – keyboards
Filipe de la Torre – lguitar
Nikolas Karolewicz – bass
Philipp Dreier – drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

The Bluesanovas
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blues Rhede

Jennifer Porter – Yes, I Do! – CD-Review

Review: Michael Segets

Nach ihrem Debüt im Jahr 1998 wurde es erst einmal still um Jennifer Porter. Mit dem Soundtrack zu dem preisgekrönten Film „40 West“, bei dem sie mitspielte und zudem das Drehbuch verfasste, meldete sie sich 2012 zurück. Danach veröffentlichte das Multitalent aus Massachusetts zunächst Jazz-Alben und einen weiteren Soundtrack („Mr. Barrington“). Für SoS-Leser dürften vor allem ihre beiden letzten Longplayer „These Years“ (2018) sowie „Sun Come And Shine“ (2022) interessant sein, auf denen sie sich dem Americana und Blues zuwendet. „Yes, I Do!“ stellt nun den neunten musikalischen Output von Jennifer Porter dar.

Mit „Don’t Worry No More“ sowie den beiden Covern „How Long“ und „Good Ol‘ Wagon“ widmet sich Porter auf ihrem aktuellen Werk erneut dem Blues. Das von ihr geschriebene Stück steht den beiden Klassikern aus den 1920er Jahren – von Stuart Balcom und Bessie Smith beziehungsweise von Leroy Carr stammend – in nichts nach. Besonders die Gitarre von George Naha (Wilson Pickett, Aretha Franklin) kommt hier zur Geltung. Fast alle Songs haben einen Retro-Flair. Dieser scheint bei dem traditionell gehaltenen Swing „Lucky Dust (Shining Through)” oder dem an die Frühzeit des Rock ’n Roll erinnernden „All I Needed Was You“ besonders deutlich durch.

Porter kann ihrer Stimme einen warmen Klang mitgeben. Ihr Sopran trägt aber auch in den höheren Passagen. Die von ihr gespielten Tasteninstrumente Piano, Wurlitzer und Hammond B3 sind auf den Stücken stets präsent. Die heimlichen Stars sind aber häufig die Horns. Für die Bläsersektion konnte sie Steve Jankowski (Chicago), Doug DeHays (Southside Johnny) sowie Randy Andros (The O’Jays) gewinnen. Sie geben beispielsweise dem Opener „Before We Call It A Day“ zusätzlich Drive. Außerdem sind sie für den souligen Einschlag des Titeltracks mitverantwortlich. Das entspannte „Yes, I Do“ besticht ebenso wie das sehr ruhige „Over You“ durch seinen eingängigen Refrain. Die beiden Songs stellen für mich die besten Beiträge des Longplayers dar, was sicherlich daran liegt, dass sie in Richtung Americana gehen.

Das Album wurde von Porters Ehemann Dana Packard produziert, der auch am Schlagzeug sitzt. Die Gäste Cindy Cashdollar (Pedal Steel) und C. J. Chenier (Akkordeon), die bereits auf der vorangegangenen Veröffentlichung mit von der Partie waren, integrieren sich in den Sound der ohnehin relativ großen Band ohne Probleme. Die einzelnen Musiker bekommen ihre Parts auch mal mit kurzen Soli, insgesamt bieten die Songs aber wenig überraschende Momente. Entsprechend dem Konzept des Albums wird die konventionell gehaltene Linie durchgehalten. Obwohl Jennifer Porter einige Musikstile aufgreift, gibt es keinen Bruch auf „Yes, I Do!“. Die Verbindung schafft Porter einerseits durch ihre Präsenz am Mikro, andererseits erscheinen die Songs zeitlich entrückt oder – wenn man so will – zeitlos.

Cougar Moon Music (2023/2024)
Stil: Blues and more

Tracks:
01. Before We Call It A Day
02. Yes, I Do
03. Over You
04. All I Needed Was You
05. Don’t Worry No More
06. How Long
07. Lucky Dust (Shining Through)
08. Good Ol’ Wagon

Jennifer Porter
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JohThema Promotions