Julian Sas – 10.06.2017, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Mit Julian Sas verbindet mich so ein Hauch von Nostalgie in eigener Sache. Er war der allererste Musiker, über dessen Live-Künste ich als Rezensent ein paar Zeilen verfasst habe. Wir schrieben das Jahr 2001 und Sas machte den Support für Roger Chapman in der Rheinberger Stadthalle. Es war die Zeit, als das Internet erst allmählich begann, Fahrt aufzunehmen und wir hatten gerade mit ein paar Typen aus ganz Deutschland, wovon sich niemand gegenseitig kannte, das erste Rockmusik-Online-Magazin gegründet und in die Tat umgesetzt.

Damals schrieb ich über Julian: „… Äußerlich mich an den noch etwas jüngeren Hughie Thomasson (The Outlaws, später Lynyrd Skynyrd) erinnernd, die lange, gelockte Mähne durch ein Stirnband umringt, aber dem mit der Zeit immer breiter werdenden Mittelscheitel hilflos ausgeliefert, ließ er ein Blues’n’Boogie Rock-Gewitter über uns fegen, das sicherlich bei jedem Genre-Fan für eine recht hohe Ausschüttung von Glückshormonen sorgte…“

Seitdem ist viel Wasser den Rhein heruntergelaufen. Viele Veröffentlichungen und unzählige Konzerte auf Seite des Protagonisten und weit über 1000 Reviews und als Inhaber eines noch recht jungen Magazins meinerseits später, nutzen Fotograf Gernot und ich die Gelegenheit, den Holländer samt seiner Mitstreiter Roland Bakker, Fotis Anagnostou und Rob Heijne, im Schwarzen Adler erneut unter die Lupe zu nehmen.

Die Leute und wir beide brauchten unser Kommen in der rappelvollen Vierbaumer Blues-Kult-Kneipe nicht zu bereuen, das Quartett zog alle Register der heutigen Blues Rock-Kunst und überzeugte mit ungeheurer Dynamik, Power und sympathischer Ausstrahlung in zwei ausgiebig ausstaffierten Sets.

Hängen geblieben aus dem ersten Part sind Songs wie das Wah-Wah-begleitete, schön stampfende „Mercy“, die in texanischer Manier zelebrierten Boogies „Jump For Joy“ (Wahnsinns-Power) und „Driftin‘ Boogie (ZZ Top-Flair), sowie der atmosphärische Slow Blues „Fear Of Falling“, die bis dato allesamt von Sas mit einer Stratocaster abgewickelt wurden. Für das Gregg Allman gewidmete, mit passenden ABB-Jam-Anleihen ausgeschmückte „Helping Hand“ zum Ende des ersten Sets und im weiteren Verlauf wechselte der Niederländer dann zu den, auch von Warren Haynes gerne gespielten, Gibson Firebird-Gitarren.

Im zweiten Set legten die vier Musiker in Sachen Intensität und Spielfreude noch einen oben drauf. Als Toptracks hab ich das hymnische, mit ein wenig „Freebird“-Esprit performte „Coming Home“ auf meinem Notizzettel stehen. Herrlich auch das vor Power nur so strotzende Freddie King-Cover „Going Down“ mit launig integriertem E-Gitarren-Hammond-Orgel-Duell zwischen Sas und dem rein äußerlich eher weniger nach Tasten-Virtuose, sondern mehr wie ein schlitzohriger Metzgermeister („…darf es gerne eine Scheibe mehr sein…?“) wirkenden, wuchtigen Roland Bakker (auch mit einigen tollen HT-Piano-Einlagen), das seiner Frau gewidmete „Blues For J“ (mit dezenten Gary Moore-Reminiszenzen) und das rhythmisch rockende „The Devil Got My Number“ zum Ende des musikalischen Hauptteils.

Unter zurecht tosendem Applaus und Zugabe-Gesängen ließ das Quartett es sich nicht nehmen, noch Sas‘ bekannten Rory Gallagher-Präferenzen zu huldigen. Der Bandleader schnappte sich eine Telecaster und slidete zunächst den allseits beliebten „Bullfrog Blues“ in Alleinunterhalter-Manier, bis sich der Rest seiner Kumpanen samt der schwer schuftenden Rhythmusfraktion Anagnostou/Heijne und Bakker (erneut klasse HT-Piano) für ein furioses Finish dazu stießen.

Julian Sas und Band untermauerten nachhaltig, dass ihnen auf europäischen Blues Rock-Parkett nur sehr wenige Acts das Wasser reichen können. So kann ich erneut eine tadellose und vor allem äußerst energiegeladene Leistung im, wieder durch einen klaren und transparenten Sound glänzenden Adler, attestieren.

Besonders gut gefallen hat mir, dass Julian, wie bereits erwähnt, auch diverse Southern Rock-typische Akzente mit in manche Lieder einfließen ließ. Bei schwül-warmen Temperaturen draußen, gab es das fällige Gewitter, allerdings wie damals schon, nur in musikalischer Hinsicht, und zwar innerhalb des Rheinberger Bluestempels. Und ich wette, dass auch diesmal bei Ernst Barten und seinem Adler-Publikum, wieder jede Menge Endorphine freigesetzt wurden…

Line-up:
Julian Sas (lead vocals, electric & slide guitar)
Roland Bakker (piano, organ)
Fotis Anagnostou (bass)
Rob Heijne (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Julian Sas
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Schwarzer Adler

Band Of Friends – 05.05.2017, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Blues Rock-Legenden-Time im Schwarzen Adler zu Rheinberg! Der mittlerweile stramm auf die Siebzig zugehende Gerry McAvoy hatte mit seiner, seit 2012 bestehenden Formation Band Of Friends, mit dem wuchtigen Marcel Scherpenzeel und Drummer-Urgestein Ted McKenna (Alex Harvey Band, Rory Gallagher, Gary Moore, Michael Schenker Group) im Vierbaumer Blues Rock-Tempel, Halt gemacht.

Aber ähnlich wie auch bei Hundred Seventy Split mit u. a. Gary Lyons vor ein paar Monaten, war hier ebenfalls absolut kein gemütlicher Alt-Herren-Abend angesagt, sogar ganz im Gegenteil, McAvoy & Co. bluesrockten mit einer Energie und Dynamik, von der sich viele Jungtruppen unserer Zeit (egal welchen Genres), gleich mehrere Scheiben abschneiden können.

Ich habe McAvoy das letzte Mal vor ewigen Zeiten live gesehen und zwar im Rahmen eines zweitägigen Rockpalast-Festivals auf der Loreley (mit u. a. Molly Hatchet, The Band und Lynyrd Skynyrd), als er für Nine Below Zero, zu Ehren seines langjährigen, berühmten Bandkollegen Rory Gallagher, in seiner unnachahmlichen Art, den Bass zupfte. Apropos Rory Gallagher: Band Of Friends wurden ja von Gerry ins Leben gerufen, um sich dem Songkatalog des 1995 verstorbenen Irens wieder intensiver widmen zu können, aber auch gleichzeitig eigenes Material zu entwickeln.

So ging es mit „The Man I Am“ von ihrem aktuellen Studio-Album „Repeat After Me“ mit der vollen Blues Rock-Seite zum Auftakt in den zweiteilig angelegten Set, um dann das ebenfalls gut mitgehende Ü40/50-Publikum, mit einem fetten Rory Gallagher-Brett, bestehend aus launigen Tracks wie u. a. „The Last Of The Independance“, „Shin Kicker“, „Follow Me“ (mit schönem Southern E-Solo von Scherpenzeel), „Moonchild“, „Philby“ und dem für mich überragenden „Do You Read Me“ (mit herrlichem ‚Leisespiel‘-Bridge von Scherpenzeel und McAvoy im Solo-Part) bestens in Stimmung zu bringen. Beim melodischen BOF-Stück „Homeland“ bewies Gerry neben seinen fulminanten Entertainer- und Bass-Spiel-Qualitäten, auch sein Talent als Leadsänger. Dieser Track war der einzige, der auch ohne intensive E-Gitarren-Solo-Passage punktete, und den 1. Set abschloss.

Nach einer knappen halben Stunde Pause ließ auch der zweite Abschnitt nicht in seiner Intensität nach. McAvoy erstickte jeden aufkommenden Anflug von Alters-Müdigkeit im Auditorium sofort im Keim. Er pushte, was das Zeug hielt, rannte ins Publikum und bat sogar eine blonde Dame zum Tanz auf die Bühne. Dazu kamen zu den Songenden oft launige Erweiterungs-Finishes, wo er McKenna nochmals ordentlich die Drums beackern ließ. Lediglich der überragende Slow Blues „A Million Miles Away“ (aber auch da animierte er zum Mitsingen) gab mal Gelegenheit zum Durchatmen. Mit „Bad Penny“ und dem überragend gespielten „Shadow Play“ gab es am Ende kein Halten mehr.

Die vom Publikum mit lauten Rufen und Gesängen eingeforderten Zugaben wurden dann mit einer starken Version von u. a. „Bullfrog Blues“ erhört, bzw. bedient, Scherpenzeel war hier von der ansonsten, auch für Gallagher typischen, abgewetzten Stratocaster, mal auf eine Telecaster umgestiegen.

Insgesamt war der Gig der Bands Of Friends eine höchst unterhaltsame, dynamische und schweißtreibende Angelegenheit (wie man es auch an den tollen Bildern von Gernot Mangold unten in der Galerie nochmal nachvollziehen kann). Das Trio um Gerry McAvoy hatte merklich, richtig Bock zu spielen, und dies übertrug sich natürlich absolut positiv auf alle Beteiligten. Auch die Akustik war trotz des powervollen Treibens der Band wieder klasse. Einer der besten Abende, die ich, als eigentlich passionierter Southern Rocker, bis jetzt im Adler erlebt habe. Hut ab, meine Herren Bandfreunde!

Line-up:
Marcel Scherpenzeel (lead vocals, electric guitar)
Gerry McAvoy (bass, lead vocals)
Ted McKenna (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Band Of Friends
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Schwarzer Adler

Layla Zoe – 05.03.2017, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Nach ungestümem Tatendrang, personifiziert durch die Mädels von Jane Lee Hooker, war für den Rest des weiblich dominierten Abends, ‚Diven-Time‘ angesagt. Fotograf Gernot und ich haben die charismatische Kanadierin Layla Zoe jetzt zum dritten Mal in noch gar nicht so lange zurückliegender Zeit erlebt.

Zum einen bei der vorletzten Rheinberger Bluesparty in der voluminösen Stadthalle, dann im Zentrum Altenberg in Oberhausen, einer mittelgroßen Location, und nun im eher Club-trächtigen Schwarzen Adler, quasi zum Anfassen. Bei allen drei Gigs stand ihr starker Gitarrist Jan Laacks als einzige Konstante zur Seite, gewechselt wurde jedes Mal die Rhythmusfraktion, die in Vierbaum diesmal mit dem rein deutschen Duo Claus Schulte und Christoph Hübner vertreten war.

Layla Zoe aktueller Silberling ist nach wie vor „Breaking Free“ und aus dem Fundus dieses Werkes bediente sie sich auch größtenteils.  Mit dem kräftigen „Backstage Queen“ ging’s los,  das shufflige, dezent progressive „Runaway“ (Laacks entlockte seiner Stratocaster z. T. Pink Floyd-ähnliche Klänge), das Southern-soulige „A Good Man“ (gefiel uns natürlich besonders), sowie das Hendrix-umwehte „Pull Yourself Together“ folgten samt der variablen Stimmgewalt der Protagonistin.

„Workinghorse“ mit Peter Frampton-Talkbox-Gedächtnis-Einlage  und das mit einem, in Southern Rock-Tradition gespieltem langen E-Gitarrensolo, verzierte „Why Do We Hurt The Ones We Love“, standen im Zeichen von Jan Laacks, der sich spielerisch noch einmal verbessert zu haben scheint (tolle Leistung!). Über das krachende „Why You So Afraid“ und das retrobehaftete „“Never Met A Man Like You“ ging es schon auf den Höhepunkt des Gigs zu.

„Highway Of Tears“, ein Stück, in dem es um verschwundene Frauen und deren verzweifelte Angehörige in Kanada geht, war dann am Ende das hoch-emotionale und auch das spielerisch stark dargebotene Finale, nach dem jeder andere Track, kaum noch hätte Wirkung entfalten können. Von daher ein absolut richtiger und stimmiger Ausklang.

Am Ende waren Gernot und ich uns einig, in der eher gedrungenen Räumlichkeit des Adlers, den bisher besten Auftritt des Rotschopfes erlebt zu haben. Layla Zoes Musik und einnehmende Aura kam einfach intensiver rüber, nicht nur aufgrund ihres Gangs von der Bühne ins Publikum bei der, unter die Haut gehenden Ballade „Sweet Angel“ (ein Song für ihre ehemals beste Freundin Marsha, die 2010 aufgrund eines Hirnaneurysmas gestorben ist).

So wurde der Sonntag-Abend mit Jane Lee Hooker und Layla Zoe , der unter dem Motto ‚Double Trouble‘ gestartet war, am Ende eher ein ‚Twice the Fun‘ für alle Beteiligten. Danke dafür natürlich auch explizit an Ernst Barten und Ruf Records!

Line-up:
Layla Zoe (lead vocals)
Jan Laacks (electric guitar, vocals)
Christoph Hübner (bass, vocals)
Claus Schulte (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Ruf Records
Schwarzer Adler

Jane Lee Hooker – 05.03.2017, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Doppelkonzert im Schwarzen Adler mit Jane Lee Hooker und Layla Zoe. Das besonders in Blues Rock-Kreisen bekannte und beliebte Label Ruf Records hatte unter dem Titel ‚Double Trouble‘ gleich zwei Acts zusammen auf die Reise geschickt und u. a. auch in die schöne Rheinberger Kultkneipe beordert. Chef Thomas Ruf war beim, für einen Sonntag Abend stattfindenden, gut besuchten Doppel-Gig, höchst persönlich vor Ort.

Den Auftakt bestritt der New Yorker Power-Frauen-Fünfer mit dem markanten Bandnamen Jane Lee Hooker. Die Damen um ihre zierliche Fronterin Dana ‚Danger‘ Athens, eine tapezierte Fahrradspeiche mit einem Mordstemperament auf der Bühne, machten mächtig Alarm und bewiesen, dass sie ihr fast punkige Spielweise, durchaus harmonisch mit dem Blues Rock-Genre in Einklang zu bringen vermögen. Junge, Junge, es ging ganz schön brachial die Post ab, eher weniger was für Blues-Feingeister.

Gleich zum Start befreiten sie energisch, mit einer Herz-erfrischenden Version, den Blues-Klassiker „Manish Boy“ von all seinen angesammelten Spinnweben. Im weiteren Verlauf rockten sie mit Stücken wie u. a. „Black Rat“, dem dezent stonesken „Gimme That“ und Liedern aus ihrem aktuellen Album „No B!“ wie „Wade In The Water“, „Bumble Bee“ (der einzige etwas ruhigere Track), „Didn’t It Rain“ (mit starker Southern Rock-typischer Double Leads-Phase der beiden Gitarristinnen), sowie dem funkig angehauchten „Shake For Me“ (inkl. Soli und Vorstellung aller Beteiligten), den Saal und verabschiedeten sich mit dem großartigen „Mama’s Day“ (klasse Gesang von Athens) samt einer Zugabe, von ihrer begeisterten Audienz.

Jane Lee Hooker, die mich so ein wenig an Bands wie die früheren The Motherstation oder Antigone Rising erinnerten, wären mit ihrer erfrischenden, krawalligen Art eigentlich dafür prädestiniert, in der Blues Rock-Sparte Brücken zu einem jüngeren Publikum zu schlagen, haben aber da noch viel Überzeugungsarbeit vor sich, denn der Adler war auch an diesem Abend wieder fast ausnahmslos, fest in der Hand der Ü50-Generation, die sichtlich Spaß an dieser energiegeladenen Vorstellung hatte. Zurecht, es war eine tolle, dynamische und durchweg gelungene Performance der Mädels vom Big Apple.

Line-up:
Dana ‚Danger‘ Athens (lead vocals)
Tracy ‚High Top‘ (electric guitar)
Tina ‚TBone‘ Gorin (electric guitar)
‚Hail Mary‘ Zadroga (bass)
Melissa ‚Cool Whip‘ Houston (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Ruf Records
Schwarzer Adler

Ben Poole – 18.02.2017, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Ich muss gestehen, dass ich immer noch richtig baff bin, von dem, was Ben Poole und seine britischen Kumpanen Tom Swann, Ben Matthews und Joe Mac gestern Abend im Schwarzen Adler in Vierbaum abgelieferten.

Es war ein einziges Feuerwerk in Sachen modern und variabel gespieltem Blues Rock, das selbst ein gestandener Musik-Redakteur und Viel-Konzertbesucher wie ich, vor allem, was dieses Genre betrifft,  schon lange, in solcher Intensität und Wucht, nicht mehr erlebt hat. Das war echt beeindruckend, was die vier jungen Engländer da abgefackelt haben.

Mit einer Verspätung von knapp 25 Minuten stieg die Band mit dem rhythmisch groovenden „Let’s Go Upstairs“ in den zweigeteilten Gig ein. Sinnbildlich steht der Titel auch für den Weg des Protagonisten. Er will steil nach oben und angesichts dieser Leistung, klingt das alles anders als unrealistisch. Beim folgenden Stampfer „Win You Over“ stellte Ben im Bridge seine Mitstreiter erstmals vor.

Das herrlich soulig groovende „Love Nobody No More“ stellte einen ersten Höhepunkt in Teil 1 da, dem Ben (hatte sich eine Gibson Les Paul gegriffen)  mit einer saustarken und eigenwilligen Cover-Fassung vom Freddie King-Klassiker „Have You Ever Loved A Woman“ (bekannt geworden eher durch Eric Clapton) noch Einen drauf setzte. Pooles begeisterndes E-Gitarren-Solo konnte man durchaus als Southern Rock-tauglich einstufen. Das rockige „Lying To Me“ glänzte mit dezentem Bad Co.-Flair. Mit dem erneut, mit viel souligem Feeling bestückten „The Question Why“ ging es in die Pause.

Das starke „Someday You’ll Have Your Own“ eröffnete den Reigen der Tracks des 2. Sets. Mark Knopflers geschriebenes, auch von Jeff Healey übernommenes „I Think I Love You Too Much“ beinhaltete ein erstes schönes Duell von Poole und Keyboarder Joe Mac (viele tolle Hammond-Einsätze), das auch später beim shuffligen „Stay At Mine“ in noch intensiverer und improvisiert anmutender Form wiederholt wurde.

Davor gab es aber mit einem von Bens Lieblingsstücken, „Longing For A Woman“, ein weiteres Highlight, gerade auch, was unser Magazin angeht. Das atmosphärische E-Gitarren-Solo erinnerte nämlich ganz stark an die Künste von Marshall Tuckers Toy Caldwell bei Tracks wie „Can’t You See“ & Co. Kraftpaket Ben Matthews an den Drums musste hier und diverse weitere Male  Schwerstarbeit leisten. Das furiose, im Stile von Gary Moores „Still Got The Blues“ servierte slow-bluesige „Time Might Never Come“ war der krönende Abschluss des Hauptteils.

Im frentisch eingeforderten Zugabenteil durfte man dann noch Pooles versierte Fingerfertigkeit auf der Akustikklampfe als Solo-Artist bestaunen. Tony Joe Whites „As The Crow Flies“, ein unglaublich gespieltes Instrumental (teilweise mit furiosen Flamenco-Klängen) und das finale, fantastische „Hanging In The Balance“ versetzten alle im Saal, regelrecht in Ekstase.

Bei letztgenanntem Stück war wieder die komplette Band zugegen, wurde im Bridge inklusiv ihres väterlichen Roadies nochmals vorgestellt und bekam den, sich redlich erarbeiteten Applaus. Währenddessen hatte sich Ben nochmal eine abgewetzte Telecaster mit Funksteuerung übergestreift, um beim Southern-trächtigen Schluss-Solo (wieder in Marshall Tucker-/Allman Brothers-Tradition) durch das Publikum zu stolzieren und gleichzeitig das Bad in der Menge zu genießen. Kam natürlich super bei den Anwesenden an.

Fazit: Ein famoser Abend mit der Ben Poole Band. Besser und energiegeladener kann man heutigen Blues Rock kaum performen. Poole braucht sich hinter Kollegen wie Aynsley Lister, Davy Knowles, Quinn Sullivan, Devon Allman, Ryan McGarvey & Co. wahrlich nicht mehr zu verstecken. Eine neue junge Generation rückt dem ‚Noch-Platzhirsch‘ Joe Bonamassa mittlerweile ganz schön dicht auf die Pelle. Um vor lauter Begeisterung und überschwänglichem Lob, Ben Poole und seine Jungs am Ende dann aber doch ein wenig einzunorden, empfehle ich, vielleicht noch ein wenig an der Pünktlichkeit zu feilen. Ansonsten schon ganz nah am vermeintlichen Superlativ des Genres. Vielen Dank an Ernst Barten vom Adler für die spontane Akkreditierung und das fulminante Konzert.

Line-up:
Ben Poole (lead vocals, guitars)
Tom Swann (bass, bgv)
Ben Matthews (drums)
Joe Mac (Keys, bgv)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ben Poole
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Schwarzer Adler

Hundred Seventy Split – 17.11.2016, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Hatten wir tags zuvor bei The Cadillac Three im Kölner Luxor noch den ungestümen Musiknachwuchs in Form knallharten Southern Rocks begutachtet, stand schon am nächsten Abend der nächste Gig an, allerdings wieder eher im Zeichen unserer Altersklasse… Hundred Seventy Split traten im heimischen Schwarzen Adler auf. Und so hatten sich im, für einen Wochentag ziemlich gut gefüllten Rheinberger Blues Club auch viele Leute eingefunden, die ähnlich wie wir, bereits die Jugend des Alters beschritten haben.

Das Trio mit Bass-Legende Leo Lyons, Gitarren-Hexer Joe Gooch und Drummer Damon Sawyer, ist ja quasi in einem Atemzug mit der Kultband Ten Years After zu nennen, die parallel auch immer noch aktiv ist. Lyons war ja TYA-Originalmitglied, Gooch hatte bereits früher über einen langen Zeitraum Alvin Lee ersetzt. Demnach wurden natürlich einige Klassiker aus guten alten Zeiten zum Besten gegeben.

Joe hatte an diesem Abend mit Halsschmerzen zu kämpfen und war von Adler-Inhaber Ernst Barten noch medizinisch versorgt worden. Er ließ sich aber so gut wie nichts anmerken und zog, mit leicht heiserer Stimme, die Show professionell durch. Vor allem seine filigranen Gitarrenkünste waren schon alleine den Besuch wert. Ein echter Wizard.

Leo Lyons, mittlerweile weit in den Siebzig angelangt, führte mit charmanter und humorvoller Art im Stile eines britischen Gentlemans die Song-Ansagen durch und bewies, dass man auch im gesetzten Alter immer noch flink und energiegeladen, die Finger über ein Saiteninstrument fliegen lassen kann. Gegen Ende griff er für zwei Tracks dann auch am großen Contrabass in die Strings. Drummer Damon Sayer blieb nur die Rolle im Hintergrund über, die er aber mit kraftvollem und effektivem Drumming angenehm ausfüllte.

Die Eröffnung des in zwei Sets unterteilten Konzerts stand mit „The Game“ (mit psychedelischen Kurzphasen) und dem swampigen, mit dezentem Southern Rock umwehten „I Grew Up In The Muddy Waters“ im Zeichen des neuen Werkes „Tracks“. Erstes Futter für die Nostalgiker im Raume gab es mit „Fifty Thousand Miles Beneath My Brain“ (stoneske Note). Weitere Exemplare von Anno dazumal wurden in Form von „Good Morning Little School Girl“ und „Love Like A Man“ zum Abschluss der ersten Hälfte dargereicht. Klasse in diesem Set auch noch der Slow Blues “Going Home” (von „The World Won’t Stop“), bei dem Gooch für mich das beste seiner vielen quirilgen Soli einbrachte. Er braucht sich, was seine spielerische Qualität angeht, hinter Größen wie Joe Bonamassa & Co. wirklich nicht zu verstecken.

Der zweite Part stand dem ersten in Nichts nach. Den Auftakt hier machte das orientalisch verpackte „Looking For A Sign“, für das Joe eine spezielle E-Gitarre verwendete, griff dann aber für das End-Solo wieder auf seine stark malträtierte türkis-weiß-farbende Stratocaster zurück. Das swampige „Pork Pie Hat“, der Footstomper „Coming Back Around“ und das Blues-Traditional „Devil To Pay“ ( für beide greift Leo zum Contrabass), das starke „Gonna Dance On Your Tombstone“, sowie der countryeske Schunkler „Tennessee Plates“ (auf Zuschauerwunsch hin), wieder mit herrlich quirligen Gooch-Soli, waren die nächsten Meilensteine.

Der lässig groovende Rocker„The Smoke“ (Leo lässt seinen Bass schwer pumpen) bildete den launigen Abschluss des Hauptteils. Das begeisterte Publikum forderte vehement Nachschlag und wurde mit „King Of The Blues“ (erinnerte phasenweise an ZZ Tops „La Grange“) und, last but not least, mit dem TYA-Parade –Stück „I’m Going Home“ mit Medley-haft integirierten, weiteren Klassikern wie u. a. „Baby Please Don‘t Go“, „Blue Suede Shoes“, „Whole Lotta Shakin‘ Goin‘ On“, etc. gebührend belohnt.

Fazit: Ein starker Abend mit Hundred Seventy Split, der einen gelungenen Spagat aus alt-ehrwürdigem und modernem Blues Rock-Material offerierte. Leo Lyons charismatische, wie auch sympathische Ausstrahlung, sein immer noch lebhaftes Treiben im Tieftöner-Segment in Kombination mit Goochs Gitarrenkünsten sind absolut einen Besuch wert. Selbst unser spezielles Southern Rock-Nischen-Magazin konnte sogar sporadische Bezugspunkte ausmachen. Der Sound war klasse. Insgesamt also eine kurzweilige Sache! Danke erneut ans Adler-Team für die problemlose Akkreditierung.

Line-up:
Joe Gooch (lead vocals, guitar)
Leo Lyons (bass)
Damon Sawyer (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Hundred Seventy Split
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Rheinberger Bluesparty – 05.11.2016, Rheinberg, Stadthalle – Festivalbericht

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Ich muss, ehrlich gesagt, gestehen, dass ich schon mit leichten Magenschmerzen in die, von mir, nur zwei Minuten Fußweg entfernte schmucke Rheinberger Stadthalle zur Bluesparty (darf sich jetzt übrigens auch Niederrhein Blues-Festival nennen) gegangen bin. Zum einen angesichts des ziemlich hohen Arbeitsvolumens (CD-Reviews, Konzertberichte), das in Sounds Of South im Moment ansteht (am Abend zuvor hatten wir auch schon ein Konzert besucht), zum anderen  wegen des angekündigten Gesamt-Line-ups, das selbst mir, als Musikmensch mit recht großem Horizont, eher trotzdem fast als eine Art Wundertüte daherkam.

Kollege Gernot war aber im Vorfeld der Meinung, dass wir als Magazin aus Rheinberg in jedem Fall berichten sollten, auch wenn unser Fokus dem Blues-Genre ja eigentlich nur indirekt verbunden ist. Da mir das letzte Festival, in seiner liebe- und mühevollen Aufmachung, mit charmanter Moderation und auch den damalig vertretenen Bands (u. a. Layla Zoe) ganz gut gefallen hatte (es fehlten hier eigentlich nur der Bürgermeister und mehr Zuschauer…), und dieser Event auch quasi die Initialzündung für Gernots und meine toll funktionierende Zusammenarbeit gewesen war, ließ ich mich dann doch darauf ein.

Ich hatte im Gespräch bei und nach der letztjährigen Veranstaltung, sowie neulich beim Risager-Gig, Sami Durak  nahegelegt, beim Nachfolger deutlich früher und intensiver zu werben, als auch zumindest mal wenigstens ein richtiges Zugpferd zu verpflichten (z. B. King King, Beth Hart – die ist gerade in der Nähe und macht die Tage die Essener Lichtburg mit 1200 Zuschauern mal locker alleine voll), das zum Einen minimum schon 400-500 Leute alleine zieht und auch zu später Stunde noch bei Laune halten kann. Zur Schonung des Budgets könnte man vielleicht dazu zwei u. U. (eher lokale) Acts mit kürzeren Spielzeiten, die evtl. auch ein jüngeres Publikum mal ansprechen (falls das im Genre möglich ist…), als Vorgruppen präsentieren. Vielleicht als Idee, die in der Berkastadt beliebten Zauberlehrlinge z. B. mal fragen, ob die nicht Lust hätten, ein Blues (Rock)-Programm einzuspielen.

Sami ließ sich, nach meinem Eindruck, allerdings auch diesmal (ich hoffe, dass ich ihm nicht Unrecht tue) wieder, allen Unkenrufen zum Trotz, mehr von seinen persönlichen Präferenzen leiten und gab dann zwar renommierten, aber doch, für solch eine lange Veranstaltung, eher schwierigen Interpreten den Vorzug.

Die Halle wirkte mit knapp 250 – max. 300 Leuten (würde ich mal schätzen, die Logen waren voll) zumindest anfangs trotz großzügiger Lücken optisch einigermaßen befüllt. Es waren jedenfalls ein paar mehr als bei der Vorveranstaltung.

Den Einstieg machten „The Orange Whips“, eine Art Blues Brothers Revival Band, die zu schlecht klingendem Halb-Playback, ein paar Hits der Marke „Soul Man“, „Everybody Needs Somebody“, „Jailhouse Rock“ oder „Gimme Some Lovin'“ der berühmten Brüder sangen und dazu ein paar Faxen machten. Mit viel Wohlwollen erhalten sie dafür von uns das Prädikat ‚gewöhnungsbedürftig‘.

Harp-Spezialist Big Pete, alias Pieter van der Pluijm (dafür aber ein eher schwacher Sänger) und seine Mannen Sander Kooiman, Erkan Özdemir sowie dem kauzigen Drummer-Urgestein Willy Maes, hatten ihre aktuelle Live-CD „Live At BluesNow!“ im Gepäck. Sie präsentierten den Blues in all seinen Facetten von retro/traditional, groovig, slow bis rockig, wobei Petes Harp-Spiel und Kooimans ausgedehnte E-Soli im Vordergrund standen. Am Ende bewies der, auf die Siebzig zugehende Maes mit einem Schlagzeug-Solo, seine immer noch vorhandene Vitalität. Insgesamt eine akzeptable Vorstellung für den gediegenen Blues-Freund (der ja meist eigentlich akademisch bewandert und demnach politisch der wilden und aufmüpfigen 68er-Generation zugeneigt ist, es aber in Sachen Musik gerne schön traditionell und überschaubar hat…), aber auch eher eine Truppe für kleine rauchige Clubs.

Mein o. a. metaphorisches Magengrummeln war scheinbar in eine virale Form mutiert und auf den bis dato fleißig fotografierenden Kollegen Gernot übergegangen, der musste nämlich plötzlich aufgrund echter Probleme passen (Scherz beiseite, seine tatsächlich kranke Tochter schien ihn angesteckt zu haben) und das Festival vorzeitig verlassen. Zum Glück war sein Blues- und auch Foto-affiner Kumpel Joachim Hunke zur Stelle, der dann das Vergnügen hatte, sich an Gernots Multi-Objektiv-Equipment samt Kamera versuchen zu dürfen. Vielen Dank hier für die spontane und unkonventionelle Mithilfe.

Tom Vieth & Co. spielten zwischenzeitlich wieder, wie zuletzt, in den Umbaupausen im Foyer.

Diverse Altersstufen höher bewegte sich dann die nächste Protagonistin, Janice Harrington, die mit Martin Hötte (guitar), Daniel Sok (keys), Frank Mellies (drums) und Jochen Eminger (bass), alias Still A Fool, eine kurzfristig zusammengestellte Begleitband, zur Seite hatte. Man konnte erst tags zuvor mit dem Proben beginnen. Die 74-jährige präsentierte eigene Songs und Covernummern  wie „A Million Dollar Secret“, „Seven Days A Week Man Blues“, „Magic“, „C.C. Rider“ und als Zugabe den abgehangenen Schinken „Route 66“.

Die vierfach-verheiratete Grand Dame erteilte dabei zwischendurch Lebensratschläge an die im Auditorium versammelte Damenschaft. Respekt aber für ihre Leistung in diesem Alter, auch wenn ich mir den Kommentar, dass sie wohl eher meinen 84 Lenze zählenden Vater begeistert hätte, gegenüber Joachim nicht verkneifen konnte. Sein schlagfertiger Kommentar: „Wie, steht der etwa auf jüngere Frauen?“

Die Halle hatte sich zu dem Zeitpunkt bereits merklich ausgedünnt. Nach einer weiteren Vieth-Performance war die Bühne für den eigentlichen Star des Abends, Zed Mitchell (& Special Guest) recht fix hergestellt, der seine Gitarrenkünste ja bereits für Größen wie u. a. Pink Floyd, Phil Collins (mit dem hatte Zed sogar ein wenig Ähnlichkeit) oder Eros Ramazotti in den Dienst stellen durfte, allerdings als Solo-Interpret eher ein unbeschriebens Blatt ist.

Es war dann klar der beste Act, seine Fingerfertigkeit an der E-Gitarre war schon beeindruckend. Auch sein mitspielender Sohn Ted, hat die Fähigkeiten seines alten Herren weitervererbt bekommen und ließ ebenfalls das eine oder andere tolle Solo vom Stapel. Als Special Guest sorgte dann noch Tosho Todorovic von der Blues Company für weitere Gitarren-Power (fast im Dreier-typischen Southern-Stil) und besseren Lead-Gesang („Everyday I Have The Blues“, „Cold Rain“, „Messin‘ With The Kid“) .

Das Problem hier, beide Mitchells sind eher blasse Fronter und auch keine charismatischen Shouter, die ein Publikum mitreißen können. Die Tracks aus Zeds CDs wie „Game Is On“, „Autumn in Berlin“ oder „Springtime in Paris“  waren trotz ‚Tristesse in Rheinberg‘ anspruchsvoll instrumentiert, aber fast ohne Widererkennungswert (mein Highlight war der grandiose Slow Blues „River Minus Water“), sodass am Ende vielleicht noch 50 Leutchen (inkl. Personal) ihrem Treiben bis zum Ende (ohne Zugabe) beiwohnten. Fand ich, ehrlich gesagt, egal wie einem der Abend gefiel, schon ein bisschen respektlos gegenüber diesem renommierten Künstler und auch Sami Durak gegenüber, der ja viel Herzblut und Arbeit in dieses Projekt investiert hat.

Dem blieb am Ende nicht viel mehr übrig, als, wie ein bedröppelter Hund, die paar Verbliebenen (inkl. mir und Joachim) recht kleinlaut und sichtlich enttäuscht zu verabschieden.

Fazit, die ungeschminkte Wahrheit lautet: Die Rheinberger Bluesparty ist in solchen Konstellationen und dieser Größendimension nicht praktikabel. Man ist hier nicht in Plön am See, irgendwo in der norddeutschen Wallachei, sondern in einem Einzugsgebiet, wo vermutlich parallel 500 schnell zu ereichende kulturelle Konkurrenzveranstaltungen am gleichen Abend stattfinden.

Hier müssen einige Dinge grundlegend geändert werden (siehe meine Anmerkungen oben), sonst macht das einfach keinen Sinn. Gut gemeint, ist halt leider auch nicht immer gut gemacht. Bei der nächsten Veranstaltung muss es in allen Belangen, wie einst in den 90ern, krachen, oder man lässt es besser wirklich ganz bleiben. Wirklich schade um die viele Mühe und den unbestrittenen Einsatz für die Sache, Sami Durak!

Bilder: Gernot Mangold + Joachim Hunke
Text: Daniel Daus

Rheinberger Bluesparty

Thorbjørn Risager & The Black Tornado – 22.10.2016, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Vor gut einem Jahr hatte ich ja bereits schon mal das Vergnügen, Thorbjørn Risager & The Black Tornado in Dortmund live erleben zu dürfen. Damals hatte ich den Bericht (plus Bilder) im Alleingang erstellt, was natürlich immer damit verbunden ist, dass man den Gig nicht so verfolgen kann, wie man es gerne möchte.

Diesmal hatte sich der Däne mit der unglaublichen Stimme und seiner sympathischen Combo,  im Rheinberger Blues-Tempel, dem Schwarzen Adler, angesagt, also quasi ein Heimspiel. Dazu konnte ich diesmal vom günstigen Umstand der Arbeitsteilung profitieren, Kollege Gernot zeichnete sich fürs Knipsen verantwortlich. Ich konnte der Musik also diesmal genüsslich Aufmerksamkeit schenken.

Thorbjørn, wie immer adrett im grauen Anzug und mit Krawatte gekleidet, trat im restlos ausverkauften Adler, bis auf eine Ausnahme, in gleicher Besetzung wie in Dortmund an. Hans Nybo ersetzte diesmal Kasper Wagner am Saxophon, und konnte mit seiner gute Laune verbreitenden Art und charismatischen Erscheinung, nebst einiger furioser Soli, auf der, mit sieben Leuten recht umfangreich besetzten Bühne, tolle Akzente setzen.

Überrascht hat mich vor allem der gute Sound, der in einer langgezogenen, engen Location, ja oft ein Problem ist. Ich hatte vor kurzem in der hiesigen Zeitung gelesen, dass neue Boxen angeschafft worden sind. Und in der Tat, es ist den Verantwortlichen glänzend gelungen, den voluminösen Sound des Septetts transparent auszubreiten. Absolutes Kompliment dafür!

Gespielt wurde in zwei, sich an Klasse nichts schenkenden Sets. Los ging es um 20:15 Uhr mit dem satten Stampfer „Too Many Roads“, der zu unserer Freude, dank Skernings surrender Slide, swampiges Southern-Esprit verströmte. Der Gitarrist trägt übrigens den Cowboyhut nicht zu Unrecht auf dem Kopf, viele seiner folgenden Soli, wären auch in der von uns präferierten Musik gut aufgehoben.

Über unterhaltsame Stücke wie „Burning Up“ und „Paradise“ ging es zu „Long Gone“, einem zwar bereits bekannten Song, der aber auch den Weg auf das im Januar anstehende neue Album „Change My Game“ (der Titelsong folgte dann im zweiten Abschnitt) finden wird. Überhaupt fand ich es ziemlich geschickt, dass die Truppe, hier in dieser Hinsicht schon mal  einen großzügigen Vorgeschmack gab (dazu kam in Teil 1 z. B. auch noch das ZZ Top-umwehte „Hold My Lover Tight“). So betreibt man viel positive Werbung in eigener Sache, was potentielle Platten-Verkäufe angeht.

Das anmutige „China Gate“ und das launige „Rock’N’Roll Ride“, bei dem das bestens aufgelegte Rheinberger Publikum gesangstechnisch eingebunden wurde, beendeten einen hervorragenden ersten Set.

Der stoneske „Hi Rolling“-Feger ist natürlich der perfekte Einsteiger nach einer Pause, um die Audienz wieder in die Spur, bzw. auf die zuvor erreichte Betriebstemperatur zurückzuholen. Das bereits erwähnte Titelstück vom neuen Werk „Change My Game“ (dezentes Reggae-Flair), sowie die nächste Neu-Kreation, das atmosphärisch-soulige „I Used To Love You“, das fett groovende „Precious Time“, das unterschwellig countryeske „Long Forgotten Track“ und der absolute Höhepunkt für mich, das Southern-rockige „All I Want“ (grandiose E-Gitarren-Passagen, Thorbjørn und Peter mit Genre-typischem Twin-Intermezzo) bildeten die nächsten unterhaltsamen und mitreißenden Stationen.

Delta Blues hieß es bei „On My Way“, bei dem Peter Skjerning seinen viel-benutzten Metall-Bottleneck über eine skurril aussehende, mit einer Konservendose als Klangkörper umfunktionierten Gitarre, surren ließ. Die ansonsten immer wieder herrlich plusternde Bläserfraktion, hatte hier mal Pause und vertrieb sich die Zeit mit Pantomime-artigen Rhythmus-Handbewegungen.

Eine starke Version von „Baby, Please Don’t Go“ und das stimmungsvolle, in bester Status Quo-Manier rockende „If You Wanna Leave“ (atemberaubendes Sax-Solo von Nybo) bildeten den krönenden Abschluss eines begeisternden Hauptteils. Stürmische Zugaberufe hallten zurecht durch den Adler. Die Dänen ließen sich nicht lumpen und gaben mit dem wuchtigen „Opener“ und dem relaxten Schwofer „Drowning“ zwei letzte exzellente Kostproben ihres schweiß-treibenden Live-Repertoires. Um 22:35 Uhr war dann endgültig Schicht.

Thorbjørn Risager & The Black Tornado fegten bei ihrem Zweitauftritt in Rheinberg wie ein musikalischer Wirbelsturm durch den Adler, besser und intensiver kann man eine Live-Performance kaum gestalten. Uns gefiel natürlich besonders das breitgefächerte Spektrum, das die Band, ähnlich wie JJ Grey & Mofro, mit ihrem Blues Rock verbindet (explizit natürlich die Southern Rock & Soul- sowie Country-Einflüsse).

Ein weiteres unterhaltsames Trademark der Truppe sind die deutschen Ansagen vor manchen Liedern durch die einzelnen Mitglieder (klasse z. B. Thorbjørns grammatikalische Meisterleistung in Sachen ‚der, die, das‘ – „… treffen uns an das Ende von die Show, an der Stand…“), mit der er locker, dem Sprachlevel heutiger deutscher Mittelklasse-Schüler (und vermutlich darüber hinaus), Paroli bieten konnte. Das trägt zu heiterer Stimmung bei und hat zudem noch integrativen Charakter, der ja heute, zwar hauptsächlich aufgrund anderer Begebenheiten, omnipräsent eingefordert wird.

Fazit: Der Abend mit Thorbjørn Risager & The Black Tornado im Vierbaumer Schwarzen Adler bot nahezu perfekte Unterhaltung auf großartigem Niveau. Einziger Wermutstropfen war vielleicht nur, dass kaum junge Menschen diesem Event beiwohnten und im Großen und Ganzen fast nur Besucher der reiferen Generation (inklusive uns…) präsent waren. Aus Sounds Of South-Sicht war der Risager-Gig neben Devon Allman eines der ganz großen Konzert-Highlights des Jahres 2016! Danke an die Band, Ruf Records und das Adler-Team für den sehr schönen Abend.

Line-up:
Thorbjørn Risager (lead vocals, guitar)
Peter Skjerning (guitars, vocals)
Emil Balsgaard (Keys)
Søren Bøjgaard (bass)
Martin Seidelin (drums, percussion, vocals)
Hans Nybo (saxophone, vocals)
Peter W Kehl (trumpet, percussion, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
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Ruf Records
Schwarzer Adler

Todd Wolfe Band, 23.04.2016, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Todd Wolfe und seine Band wieder zu Gast im Schwarzen Adler in Rheinberg! Um 19:30 Uhr begann der Adlersaal sich langsam zu füllen. Einige Stehtische, die aufgestellt waren, ließen erahnen, dass das Konzert nicht ausverkauft sein wird. Die Daheimgebliebenen waren sich nicht bewusst, dass ihnen ein Konzert-Highlight der Extraklasse entgangen war. Wenn man in die Geschichte von Todd Wolfe schaut, sieht man, dass es sich um einen Ausnahmekünstler handelt, der zwar nie im Vordergrund kommerzieller Projekte stand, aber wichtiges Mitglied, z. B. im Bereich Songwriting, bei Sheryl Crow war.

Auch als Studiomusiker war er in den letzten Dekaden unter anderem bei Mountain, Leslie West, Carla Olson und Mick Taylor an der Gitarre präsent.
Nach dem Verlassen der Sheryl Crow Band gründete Todd Wolfe in verschiedenen Besetzungen eine eigene Formation, die seit mehreren Jahren in der jetzigen Besetzung mit Todd Wolfe an der Gitarre, Justin Gardner am Bass und Roger Voss an den Drums besteht. Geprägt wurde seine Musik hörbar durch Größen wie Albert Collins, Gregg Allman, The Outlaws, Dickey Betts, Johnny Winter, Robin Trower und The Neville Brothers, für die er mit seinen ersten Bands Opener war.

Ziemlich pünktlich um acht Uhr begann das Konzert. Auf der Bühne stand das holländische Blues Trio „The Red Phone“, das in etwa 50 kurzweiligen Minuten das Publikum mit rocklastigem Blues in Stimmung brachte.

Nach einer kurzen Umbaupause legte dann Todd Wolfe mit seinen Leuten los. Wolfe begann das Konzert mit „Sunny Vale“ und „Against The Wall“ von seiner 2013 erschienenen Platte „Miles To Go“ und brachte die Zuhörer schnell in die entsprechende Blues Rock-Stimmung. Unterstützt von seiner Rhythmussektion, der schnörkellos spielenden Justin Gardner und dem treibenden Schlagzeugspiel von Roger Voss, spielte Todd Wolfe sich schnell warm und glänzte mit seinem virtuosen vielseitigen Gitarrenspiel, in meist Midtemostücken mit nie langweiligen Soli, die oft auch seine härtere Spielweise zeigten.

Ein Grund für die schnell überspringende Stimmung war die sichtbar gute Laune aller Bandmitglieder und deren Interaktion zwischen den Stücken mit der Audienz. Ob es das Anstoßen Wolfs mit der lokalen Biersorte oder das Lächeln von Gardner war; die Todd Wolfe Band zeigte, dass sie für das Publikum spielte.

Nach mehreren rockigeren Songs vom der letzten Platte „The Longboard Road Back“, schaltete Wolfe einen Gang zurück und griff für drei Songs zur akustischen Gibson-Gitarre. Der letzte davon war sein ältester, „Black Hearted Woman“ von der 2004 erschienenen „Delaware Crossing“. Bei diesen, eher ruhigen Stücken, konnte Wolfe seine exzellente Spielweise (Sheryl Crow sprach über ihn von einem der besten Gitarristen) unter Beweis stellen und dass man auch mit einer akustischen Klampfe, den Saal in Stimmung halten kann.

Nach dem Griff zur elektrischen Gibson, feuerte Wolfe ein Feuerwerk mit zumeist Stücken von „The Last Road Back“, unterbrochen von einem gelungenem Cover der B.B. King-Nummer „3 O‘Clock Blues“. Dann bat Wolfe den Kempener Blues-Gitarristen Clemens Bombien von Minor Cabinet zur Unterstützung auf die Bühne. Unter dem Applaus der Zuschauer überließ Wolfe Bombien den Part der Leadgitarre, um ihn, gemeinsam mit Justin Gardner und Roger Voss, nach zwei intensiven Stücken, freundschaftlich wieder zu verabschieden. Es war schön zu sehen, wie ein international renommierter Musiker, einem lokalen Gitarristen, wie auch schon im letzten Jahr, die Gelegenheit erweist, vor einem Bluesrock hungrigem Publikum aufzutreten.

Danach gab das Trio weiter Gas, um nach etwa 100 Minuten die Bühne zu verlassen. Nach einer kurzen Aufforderung zur Zugabe spielte Wolfe „Mercy“, „On The Run“ und „Got To Go Better“. Der Titel ‚Merci‘ aus dem Französischen übersetzt, konnte an dem Abend aus zweierlei Sicht gesehen werden. Ein Dank des Publikums an ein gelungenes, stimmungsvolles Bluesrockkonzert und der Dank der Musiker an ein Auditorium, das den Spaßfaktor der Musiker sichtlich unterstützte. Nach knapp zwei Stunden verließ die Band unter dem Applaus der Zuschauer die Bühne und in den Gesichtern war die Zufriedenheit über einen tollen Abend deutlich erkennbar.

Das Verlassen war aber nur rein musikalischer Natur. Wolfe, Gardner und Voss ließen es sich nicht nehmen, wie im Schwarzen Adler üblich, geduldig den zahlreichen Autogrammwünschen nachzukommen. Dabei kam auch der gelegentliche, humorvolle Smalltalk nicht zu kurz. Kurzum gesagt, Vollblutmusiker zum Anfassen, ohne jede Starallüren, die einfach Spaß an der Musik und der Stimmung eines Konzertes haben. In der Hoffnung, dass Todd Wolfe auch nächstes Jahr wieder den Adler zum (Blues-) Rocken bringt, gingen die Gäste oder verbrachten anschließend noch eine Zeit in der Kneipe. Wenn man der Regel folgt ist am 23.04.2017 wieder Wolfetime im Adler. Dann hoffentlich vor einem vollen Haus, was die Künstler verdient hätten.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch eine Lanze für Ernst Barten brechen, der es immer wieder schafft, ausgezeichnete Blues Musiker in den Adler zu locken. Vielleicht auch einmal den Gastmusiker Bombien mit Band.

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Todd Wolfe Band
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