Sweet Bourbon – Born A Rebel – CD-Review

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Ein weitere niederländische Band, die neben der Southern Rock-Formation Voltage, in unserem Magazin, von Anfang an, auf ein hohes Maß an Professionalität setzt, ist Sweet Bourbon. Sie hat sich aber musikalisch mehr in Richtung Blues (Rock) ausgerichtet, allerdings auch zum Teil mit dezenten Southern-Momenten.

Nach „Night Turned Into Day“ aus dem Jahr 2017 bringen sie nun mit „Born A Rebel“ ihr zweites Studiowerk heraus, wieder in einem aufwendig gestalteten Digipak mit Einsteckbooklet, das neben Porträtbildern der Musiker, auch alle Texte der insgesamt zehn neuen Songs (davon sieben Eigenkompositionen) beinhaltet.

Die Besetzung mit Roeland van Laer (bass), René van Onna (lead vocals, acoustic guitar), Chris Janssen (guitars) und Willem Van der Schoff (keys) ist nahezu unverändert geblieben, lediglich mit Ruben Ramirez ist ein neuer Drummer zu vermelden.

Was mir schon beim Erstling gut gefiel, waren die integrierten weiblichen Backround-, beziehungsweise Harmoniegesänge, der auch jetzt wieder angeschlossenen Bourbonettes, die mit Suzan Wattimena, Laura Van der Vange und Henny Oudesluus (neu, spielt auch Ukulele) ebenfalls eine personelle Veränderung zu vermelden haben. Die Damen machen erneut einen tollen Job.

Die kreativen Köpfe bleiben Gitarrist Chris Janssen, Sänger René van Onna und der 2015 niederländischen Blues Award zum besten Keyboarder gewählte Willem Van der Schoff, die sich maßgeblich für das Songwriting verantwortlich zeigen und demnach auch am auffälligsten in Erscheinung treten.

Als Covernummern wählte man das Cream-Stück „Sitting On Top Of The World“, „Lay Down Your Worries“ von Hadden Sayers sowie „Laying In The Alley“ von Big Joe Maher.

Die instrumentellen Akzente auf diesem bluesigen Longplayer setzen Chris Janssen mit vielen schönen E-Gitarren Soli und -fills und Willem Van der Schoff, der hier seine Hammond-Orgel immer wieder gekonnt raunzen, hallen oder gurgeln lässt. Lediglich beim retro-swingenden Abschlusstrack „Laying In The Alley“ lässt er mal das Piano ordentlich klimpern.

Gesanglich habe ich weiterhin mit René van Onna mein Knacken, der für mich eher in die Prog-Ecke, statt dem Blues-Genre, passt, und bis auf wenige Passagen, wo er mal aus sich herauskommt (er kann es also – so  z. B. bei „Bourbon For You“), weiterhin aus meiner Sicht, etwas unscheinbar und blass bleibt, aber sich für’s Kollektiv engagiert einbringt, was ja auch ein immenser Wert sein kann.

Meine persönlichen Favoriten sind das an „It’s All Over Now“ (Molly Hatchet-Variante) erinnernde „Bourbon For You“, hier auch sehr schön southern-rockig umgesetzt, der sehr atmosphärische Slowblues „Mrs. C“ (klasse Jassen-Solo, Trompeteneinlagen), der Country Blues „I Asked You A Question“ (Marke „Mississippi Kid“ von Skynyrd) und das melodische „Unexpected Touch“ (mit Janssen-Schwoof-Kombi-Soloeinlagen).

Insgesamt ist „Born A Rebel“ von Sweet Bourbon erneut eine handwerklich saubere Blues-Scheibe, bei der starke und markante E-Gitarren- und Hammond-Töne im Vordergrund stehen. Nicht so ganz rebellisch, wie es der Titel vielleicht suggeriert, aber auf jeden Fall was für musikalisch Junggebliebene unserer Altersgeneration.

Bourbon Records (2020)
Stil: Blues (Rock)

01. Born A Rebel
02. Bourbon For You
03. Mrs. C
04. I Asked You A Question
05. Muddy Footprints
06. Sitting On Top Of The World
07. The Beast (for Mieke)
08. Unexpected Touch
09. Lay Down Your Worries
10. Laying In The Alley

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Voltage – It’s About Time – CD-Review

Seit ich 2017 die niederländische Band Voltage mit ihrem fulminanten Zweitwerk „Around The Bend“ entdeckt habe, ist einiges passiert. Ein Jahr später hatten wir das Vergnügen, das Quartett in Weert auch auf ihre Live-Qualitäten überprüfen zu können, wobei es auch hier auf ganzer Linie zu überzeugen wusste.

Nach Beendigung dieses Abschnitts ersetzte Ruard Sanders den bisherigen Lead-Gitarristen Gijs Heijnen und Voltage beschränkten sich bis vor geraumer Zeit zunächst darauf, ihr Live-Wesen als Tom Petty-Coverband zu pflegen.

Währenddessen haben Bandleader Dave Vermeulen und Sanders allerdings die vorhandenen Freiräume genutzt, um neues Songmaterial zu kreieren. Ab dem 1. Mai wird ihr nun fertiggestelltes neues Werk „It’s About Time“ käuflich zu erwerben sein (siehe Voltage-Homepage).

Zunächst fällt das schlichte, in matter Optik gehaltene Klappdigipak mit einer mystisch anmutenden Wald- und Wiesenlandschaft in der Morgendämmerung (auf Vorder- und Rückseite ineinander übergehend), als geschmackvolles Cover angenehm ins Auge. Es beinhaltet ein 16-seitiges, überwiegendes Schwarz-/weiß-Einsteck-Booklet mit allen Texten zu den Songs sowie Bildern der Beteiligten aus dem Studio in Eindhoven. Produziert hat die Band das Album zusammen mit Gabriel Peeters.

Vermeulen und Sanders haben das Songwriting auf eine neue Ebene gebracht. Während „Around The Bend“ durchgängig von geradlinigen, locker ins Ohr fließenden Tracks ohne allzu große Schnörkel geprägt war, sind die neuen Stücke, wesentlich variantenreicher, verschachtelter, atmosphärischer und viel intensiver ‚konstruiert‘.

Hauptsächlich verantwortlich hierfür ist das ungemein Slide-trächtige E-Gitarrenspiel von Sanders, das den Liedern eine Art neuen Stempel aufsetzt. Vermeulens gewohnt starker (erfrischend ’nicht-europäisch‘-klingender) Gesang, erweckt zwar nach wie vor, wie zum Beispiel u. a. beim Opener „The Last Time“ oder bei „A Good Thing Is Comin'“, Assoziationen zu Charlie Starr von Blackberry Smoke und deren Musikstil, das Portfolio des insgesamt elf Tracks umfassenden Werks umschließt aber eine deutlich umfangreichere Bandbreite.

Ordentlich gerockt wird bei Krachern wie „One More High To Survive The Low“ (Skynyrd-3Steps-Note), dem polternden „Born For Runnin‘ Without You“ oder dem flammenden „The House Is On Fire“, pettyeske Mitbringsel/Eingebungen aus der Coverphase entdeckt man bei den eingängigen und Akustikgitarren-untermalten „She’s Gone Like The Wind“ und „I’m Still Waving Goodbye“.

Letztendlich sind es aber Sachen wie das wild-entschlossene Titelstück „It’s About Time“, das Allman Brothers-umwehte „Wild And Blue“ (schon jetzt mit 50.000 Aufrufen ein absoluter Streaming-Erfolg), der schroffe, delta-bluesige „Mill Blues“ und das finale, psychedelische „The Victim“ (klingt wie eine Session aus Allman Brothers, Led Zeppelin und Bad Company in den Siebzigern mit einem mitreißend wütenden Vermeulen-Gesang), die das Quartett aus Brabant auf ein neues Qualitätslevel gehievt haben. Regelrecht packender Stoff!

Wer sich mit dieser starken Southern Rock Band noch nicht beschäftigt hat, für den wird es höchste Zeit, dies mit „It’s About Time“ und den beiden anderen Longplayern der Niederländer endlich nachzuholen! Voltage bilden mit den spanischen Red Beard eindeutig die Speerspitze des europäischen Southern Rocks und brauchen auch den Vergleich mit US-Größen der Sparte wahrlich nicht zu scheuen. Absolute Kaufempfehlung!

Line-up:
Dave Vermeulen (lead vocals, guitars)
Kai Liebrand (bass, vocals)
Bart Candel (drums, percussion)
Ruard Sanders (guitars)

Eigenproduktion (2020)
Stil: Southern Rock

01. The Last Time
02. One More High To Survive The Low
03. A Good Thing Is Comin‘
04. It’s About Time
05. Wild And Blue
06. The Mill Blues
07. Born For Runnin‘ Without You
08. She’s Gone Like The Wind
09. I’m Still Waving Goodbye
10. The House Is On Fire
11. The Victim

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Dave Warmerdam Band – Play – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Die Dave Warmerdam Band hat mit dem Erreichen des Halbfinales bei einer Blues Challange in Memphis sehr erfolgreich teilgenommen. Was hat diese Information mit einer Plattenrezension zu tun? In ihrem Internetauftritt beschreibt die Band, welche Ambitionen sie hat und mit welchen Kosten diese verbunden sind, die durch Liveauftritte bisher (noch) nicht abgedeckt sind. So kam die Idee eines Crowdfundings und die Aufnahme eines 300 Exemplare limitierten Livealbums, um diesen Traum Memphis zu verwirklichen. Zudem hat die Band im letzten Jahr bei den niederländischen Blues Awards für Aufsehen gesorgt hat, als sie diesen Wettbewerb bravourös gewonnen hat.

Bei der Dave Warmerdam Band steht das Piano im Mittelpunkt und stellt in den meisten Songs das dominierende Element dar, was auch nicht verwunderlich ist, da der Bandleader eben dieses Instrument bedient und nicht wie bei den meisten Bluesbands entweder Gitarristen oder SängerInnen die Hauptprotagonisten sind.

Auf dem insgesamt starken Livealbum „Play“ präsentiert die Band eine Mischung von einfühlsamen ruhigen Bluessongs wie „Tennessee Whiskey“, wo der ausdrucksstarke Gesang von Janne Timmer im Vordergrund steht, und die anderen Musiker sich zunächst sehr im Hintergrund halten, um im späteren Verlauf des Songs präsenter zu werden und mit schönem Harmoniegesang das Stück abzuschließen, sowie Songs in alter Fleetwood Mac-Manier wie „Our Fire Still Burns On“, der stilistisch in manchen Passagen auch an den von vielen Musikern gecoverten Etta James-Klassiker „I’d Rather Go Blind“ erinnert, bei dem Sonny Ray Van den Berg mit einem gefühlvollen Gitarrensolo glänzen kann, in das Warmerdam später seine Keyboards entsprechend einbringt.

Einen starken Part bildet auch die Rhythmussektion um Drummer Rick van den Voort und Bassist Lars Hoogland, die auf den Punkt abliefern und so eine perfekte Basis für die Songs hinlegt.

Mit „Proud Mary“ covert die Band einen CCR-Evergreen, wobei sie das Stück zunächst in ein sehr slow-bluesiges Gewandt hüllen, sodass dieser zunächst kaum erkennbar ist. Dies ändert sich jedoch ab dem Mittelteil, in dem die Band dann Richtig Vollgas gibt, Warmerdam mit furiosen Geklimper, und auch Janne Timmer zeigt, dass sie rockig singen kann und sich so ein Powerbluessong entwickelt, bei dem sich zu guter Letzt auch Van Den Berg an der Gitarre mal austoben kann.

Der Dave Warmerdam Band ist mit „Play“ ein absolut hörenswertes Livealbum mit 12 Tracks gelungen, was auch als Werbung in eigener Sache gesehen werden kann und durchaus als Appetizer für die nächste Tour geeignet ist, bei der sie auch im Frühjahr im Kölner Yard Club Station machen werden. Ist ist der der Band zu wünschen, dass sie dann genug bluesbegeisterte Fans dorthin lockt, um die entsprechende Audienz zu haben.

Dave Warmerdam Band:
Janne Timmer – vocals
Dave Warmerdam – keys & vocals
Sonny Ray van den Berg – guitar
Lars Hoogland – bass
Rick van de Voort – drums

Tracklist:
01. Where The Fuck Is The Truck
02. Daddy Why Don`t You Touch Me How To Play The Blues
03. Tears Ain`t Fun
04. Tennessee Whiskey
05. Sweet Lover
06. Our Fire Still Burns On
07. The Mirrored Mask
08. Mean Man
09. Strange Fruit
10. Proud Mary
11. I Won`t Complain
12. Play

Dave Warmerdam Band
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The Dice – Southern Grace – EP-Review

The Dice

Review: Stephan Skolarski

Es gibt sicher eine ganze Reihe internationaler Bands, die jahrelang touren und trotzdem die weltberühmte, niederländische Bühne des „Paradiso“ (Rolling Stones Konzert von 1995) nur von außen bewundern dürfen. „The Dice“ hingegen haben es bereits auf die alt-ehrwürdigen Bretter des Amsterdamer Kultur-Tempels geschafft. Die vier Southern-Rocker konnten dabei natürlich auch ihren NL-Heimvorteil ausspielen.

Nach einer Single-Veröffentlichung 2017 und dem rauen und gleichsam schnörkellosen Blues-Rock-Track „Smoking At The Smokestack“, der nicht nur durch die harten Gitarrenriffs, sondern ebenso durch seinen gospelartigen Background-Gesang überzeugen kann, kam im vergangenen Jahr die erste EP „Southern Grace“ heraus. Auf dieser Scheibe sind vier Eigenkompositionen, die einen weiteren Vorgeschmack auf einen möglichen Longplayer geben.

Der erste Song „Freed From The Gallows“ ist eine rasante Rock’n’Roll-Nummer, die mit intensiven Gitarreneinlagen und passend rauem Gesangsstil den Sound der CD prägt. „Cry Sister No More“ klingt hingegen jedoch eher wie eine 90er Brit-Pop-Hymne von Oasis und auch gesanglich ist man hier ebenfalls auf einer Wellenlänge mit Liam Gallagher.

Der groovige Titel „Bonnie And Clyde“ besticht durch die gekonnte Slide-Gitarre und einen schweren Sound, der an die Blues-Rocker Black Crowes erinnert. Das abschließende „Laid My Burdon Down“ rockt eindrucksvoll im mid-tempo-Bereich – ein lautstarker Southern-Rock-Kracher mit nachhaltiger Wirkung.

Insgesamt ist „Southern Grace“ eine frische und vielversprechende EP-Veröffentlichung, die den Fans des Südstaaten-Rocks eine neue, europäische Alternative bietet.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Southern Rock

Tracklist:
01. Freed From The Gallows
02. Cry Sister No More
03. Bonnie And Clyde
04. Laid My Burden Down

The Dice
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Soul Return – 22.06.2018, Musiekcentrum De Bosuil, Weert – Konzertbericht

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Arbeitsteilung in Sounds Of South. Während Gernot Mangold den Gig von Captain Ivory in der Krefelder Kulturrampe alleine ’schulterte‘, besuchten  Jörg Schneider (nach gerade fertiggestelltem, neuen Domizil, wieder richtig heiß auf Livemusik) und ich, die noch recht frisch formierte Band Soul Return im niederländischen Musiekzentrum De Bosuil in Weert.

Für mich war es nach dem VoltageAuftritt, der zweite Besuch, für Jörg, der das CD-Debüt des Quartetts vor geraumer Zeit begeistert reviewt hatte, die Premiere. Die Holländer sind in Sachen Livemusik ein Phänomen. Freier Eintritt an einem Freitag Abend (!), die Location, die, wie wir schon damals  sehen konnten, wird variabel den Begebenheiten angepasst.

Diesmal war der hintere Bereich zu einer Art kleinen Kneipe mit Bühne umgestaltet, von den perfekten Lichtverhältnissen samt stetig varierender Bühnenbeleuchtung und dem brillanten Sound ganz zu schweigen. Dazu noch die perfekt funktionierenden Bewirtungsstrukturen mit einem freundlichen Personal, das wirklich ‚auf Zack‘ ist.

Nur die Publikumspräsenz spielte leider nicht mit. Knapp etwas über 30 Zuschauer fanden sich zum Europa-Debüt der Kalifornier ein. Diese wurden aber mit einer grandiosen Show für ihr Kommen belohnt. Kellie Rucker, ihr kongenialer Partner JJ Holiday (bekannt auch durch die Imperial Crowns) und die songdienliche Rhythmusfraktion, bestehend aus Michael Barsimanto und Dal Martino (auch Mitglied der deutschen Band Nighthawks), spielten so furios, als wenn das ganze Musiekcentrum aus allen Nähten geplatzt wäre. Tolle Einstellung!

Kein Soul, wie es der Name vielleicht suggeriert, sondern herrlich knarziger Blues Rock mit viel Seele und Southern-Esprit war angesagt. Im Fokus stand natürlich das komplett durchgespielte, neue Werk. Die kleine zierliche Kellie Rucker erwies sich als umso größere schwergewichtigere Shouterin mit grandiosem Gesang, ähnlich veranlagten Interpretinnen wie Sass Jordan, Eve Selis oder Kim Carnes in Nichts nachstehend, dazu mit toller Harp-Performance (sie hatte ein Riesenarsenal an Plustergeräten in einem Klappkoffer vor sich liegen), die – zumindest mir geht es bei diesem Instrument so – auch trotz ständigen Einsatzes, nie zu nerven begann.

Dazu kam ihre kommunikative, mitnehmende Art, die in eine unterhaltsame Tanzperformance im Publikum, zu der sie sich einen der anwesenden Männer geschnappt hatte, beim launigen „Talk To Me“ mündete. Begeisternd auch die Gitarrenkünste von JJ Holiday, der mit allen Techniken vertraut ist und hier, besonders im Slide-Bereich, Maßstäbe setzte. Einfach klasse!

So vergingen die beiden Sets mit Highlight-Stücken wie dem balladesken „Life Of Crime“, den deltabluesigen „FYI/Walking Blues“ und „Throwin‘ And Fumblin'“, dem Las Vegas-gewidmeten Song „Va Va Voom“ (herrlich fetter Sound am Ende), den atmosphärischen „Kiss Me“ und „Had We Not“, dem unterhaltsamen, bereits erwähnten Talk To Me“ und dem live, als finaler Track, noch besser zur Geltung kommenden „If Walls Could Talk“, wie im Zeitraffer.

Bei der fälligen Zugabe, dem Elmore James-Klassiker „Shake Your Moneymaker“, hatten sich dann die anwesenden Zuschauer komplett vor der Bühne versammelt und rockten zusammen mit den Soul Return-Musikern den Gig stimmungsvoll zu Ende.

Ein – von der Besucherresonanz abgesehen – sehr gelungener Auftakt des spielfreudigen Quartetts, dass leider nicht bei uns, sondern nur in den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Luxemburg zu sehen sein wird. Die äußerst sympathischen Kellie und JJ stellten aber eine Visite im nächsten Jahr in Aussicht. Jörg und ich traten schwer beeindruckt und froh über den guten ‚Riecher‘ die Rückreise in die heimischen Gefilde an. Bestnote für Soul Return!

Line-up:
Kellie Rucker (lead vocals, harp, percussion)
JJ Holiday (electric guitar, vocals)
Dal Martino (bass)
Michael Barsimanto (drums, vocals)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Soul Return
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Musiekcentrum De Bosuil Weert
Jörg Schneider Webseite

Voltage, 29.04.2018, De Bosuil, Weert – Konzertbericht

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Auf keine Band war ich in diesem Jahr gespannter als die niederländischen Southern Rocker Voltage, die 2017 mit „Around The Bend“, für meinen Geschmack, eines der CD-Highlights herausgebracht hatten. Jetzt hatten Gernot und ich die Gelegenheit, das Quartett im für uns bis dato unbekannten De Bosuil in Weert zu begutachten.

Der uns weitestgehend über Landstraßen durch die niederrheinischen Wald- und Wiesen-Landschaften, bäuerlichen Gehöften und an holländischen Kanälen vorbeiführende Weg, brachte uns dann, dank einer kleinen Ehrenrunde, in eines dieser typischen mittelgroßen niederländischen Städte, samt gelungener Mischung aus alter Bausubstanz und modernen Neubauten, bis wir den, an einem großen Sportanlagen-Areal gelegenen Auftrittsort gefunden hatten.

Wie immer bei unseren Nachbarn, war alles bestens organisiert, freundliches und hilfsbereites Personal zugegen, sowie eine, mittels ein- und ausbaubarer Schiebewände, in der Größe variabel gestaltbare, im stylischen Fabrikhallen-Ambiente, gehaltene Konzert-Location. Auch der Beginn mit 16:00 Uhr nachmittags war arbeitnehmer-freundlich gewählt.

Als Vorband präsentierten die drei jungen Burschen David Henry (lead vocals, electric guitar), Dustin Boerrigter (drums) und Stijn Hazewinkel (bass, vocals), alias Grim Tim, einen ziemlich wüsten und laut gespielten Mix aus psychedelisch, fusion-, retro- und blues rock-lastigen Ingredienzien, mich zum Teil an Bands wie Led Zeppelin oder Iron Butterfly erinnernd.

Um 17:30 Uhr betraten dann zu einem „Midnight Rider“-Einspieler Bandleader Dave Vermeulen (mit markantem Hut und buschigem Bart), und seine ebenfalls Vollbart-tragenden Mitstreiter, Bart Candel (wen wundert’s bei dem Vornamen?), Gijs Heijnen und Kai Liebrand die, mit einem großen Banner ihres aktuellen CD-Front-Coverbildes „Around The Bend“ behangene Bühne und gaben mit den zünftigen „Heart Of Stone“ und „Up From The Downside“ von besagtem Tonträger, direkt ordentlich Gas.

Vermeulens Affinität zu den legendären Status Quo wurde mit der Eigenkreation „The Weather“ und später mit dem SQ-Klassiker „Roll Over Lay Down“ gehuldigt. Seine frappierende Stimm-Ähnlichkeit zu Charlie Starr von Blackberry Smoke und auch der Spielstil des Quartetts lässt natürlich unweigerlich Assoziationen zum sich mittlerweile im Southern Rock als Marktführer emporgearbeiteten Ensemble aus Atlanta, Georgia.

Bestes Beispiel das folgende Duo samt „Pistol Pete“ und dem BS-Cover „Six Ways To Sunday“ (von „The Wipphoorwill“). Überhaupt versteht es die Band prächtig, in altgedientes Southern Rock-Flair, neue Kreationen einfließen zu lassen. Bei „Up The Road“ (Dave mittlerweile mit einer Akustik-Gitarre) und dem atmosphärischen „Motherfucker Jones“ trat der Spirit der Allman Brothers und der Marshall Tucker Band unverkennbar zu Tage.

Der ebenfalls spielstarke Zweitgitarrist Gijs Heijnen beeindruckte auf „Good Times“ mit einem schönen Solo auf seiner Gibson Les Paul, als auch mit starkem Slide beim äußerst gelungenen Petty-Cover „Learning To Fly“. „Dirty Harry’s Juke Joint“ hatte durch Heijnens Spiel auf einer Koffer-/Schachtel-artig anmutenden, umfunktionierten E-Gitarre und einem Harp-Solo des vielseitigen Dave Vermeulen, ein Alleinstellungsmerkmal.

Nach Freddie Kings Blues-Stampfer „Going Down“, dem bereits erwähnten „Roll Over Lay Down“, wurde es mit „Blue Highway“ (Dave nochmals an der Akustikgitarre) und „For Better Ways“ nochmals atmosphärisch, um dann mit den fulminanten „Rooster“ (inkl. Vorstellung der Band, samt Soli der Beteiligten) und dem fetzigen „Matchbox“ den Hauptteil abzuschließen.

Der üppige Zugabenteil bestehend u. a. aus dem herrlichen „Joelle“ (inkl. toller Southern Rock-typischer Instrumental-Passage samt Twins), der Rock And Roll-Nummer „Bye Bye Baby“ und dem zwischen ZZ Top und Status Quo pendelnden Stampf-Rocker „Travelling Man“, dem Titelstück ihres Debüts, begeisterte die gut 120 anwesenden Zuschauer restlos.

Nach dem spannungsreichen Konzert gaben sich die Voltage-Jungs am Merchandising-Stand sympathisch, gesprächsfreudig und waren auch noch für das gewohnte Bild mit unserem Logo für die VIP-Galerie zu haben.

Nach dieser starken Leistung sprechen wir guten Gewissens eine eindringliche Empfehlung an unsere gängigen Clubbesitzer aus, die energiegeladene Band aus der Region Brabant, die sich wahrlich nicht hinter Acts wie Robert Jon & The Wreck, Hogjaw, The Vegabonds & Co. zu verstecken braucht, mit einer guten Werbung im Vorfeld, auch mal in hiesigen deutschen Gefilden anzutesten. Macht ihr ganz sicher nix verkehrt!

Von den Niederländern, da bin ich mir relativ sicher, wird in Zukunft noch einiges ein Kreativität zu erwarten sein. Solche erfrischenden Acts tun dem Genre richtig gut. Danke an das freundliche De Bosuil-Team und auch an Voltage-Managerin Linda Groenen für die perfekte Organisation bezüglich unserer Akkreditierung.

Line-up:
Dave Vermeulen (lead vocals, electric and acoustic guitar, percussion, harp)
Kai Liebrand (bass, vocals)
Bart Candel (drums)
Gijs Heijnen (electric guitar, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

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Sweet Bourbon – Night Turned Into Day – CD-Review

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Die Niederländer sind ja für ihre Passion in Sachen Blues/Blues Rock hinlänglich bekannt. Jetzt hat mich der Gitarrist der im Raume Nijmegen angesiedelten Band Sweet Bourbon, Chris Janssen, via Facebook kontaktiert und gebeten, eine Expertise bezüglich ihres Zweitwerks „Night Turned Into Day“ abzugeben.

Wenige Tage später lag das vom Coverartwork her professionell und optisch ansprechend gestaltete Teil (Digipack mit Steckbooklet samt aller Texte, Bilder und Infos) plus einem Logo-verziertem Aufkleber und Bierdeckel im Briefkasten.

Was mir direkt gefiel ist, dass das Quintett, bestehend aus  Roeland van Laer (bass), René van Onna (lead vocals, acoustic guitar), Chris Janssen (guitars), Willem Van der Schoff (keys) und Martijn Cuypers (drums), den Fokus auf ergänzende weibliche Background vocals legt und die Damen Sonja Wolters, Suzan Wattimena und Laura Van der Vange, geführt unter dem Namen Bourbonettes, quasi bei allen Stücken fest mit eingebunden hat.

Dank einer gewissen Affinität auch zum Southern Rock bezeichnet die Band selbst ihren Stil als ‚a new Blues sound‘. Und in der Tat lassen sich vor allem aufgrund des teils allmanesken Orgelspiels des hier insgesamt überragend agierenden Allround-Keyboarders (Organ, piano, e-piano) Willem Van der Schoff (u. a. „2nd Wallstreet“, „Texas Woman“, „Blinded“), mancher E-Gitarreneinlagen von Janssen (Slide bei „I Don’t Care“) und vieler typischer Backings der Bourbonettes, Bezüge zu der von uns bevorzugten Musikthematik herstellen.

Als meine Favoriten kristallisierten sich das eingängig groovende „Cool Down“ (richtiger Weise auch als erste Single ausgekoppelt), die atmosphärischen „Blue Wonder“ und „Got To Say Goodbye“ (slow bluesig, aber auch im 70er Rock verankert) sowie das kurze, aber trotzdem jammige Instrumental „Enfants Terrible“ heraus, bei der das Ensemble zum Abschluss nochmal einen knackigen Groove entfacht.

Insgesamt ist „Night Turned Into Day“ von Sweet Bourbon eine mit viel Herzblut und klarer Intention versehene CD geworden, die sehr viel Licht und nur wenig Dunkelheit offenbart. Meine Wenigkeit als Nashville-erprobter Hörer hätte vielleicht noch die Einbindung eines richtig guten Produzenten, der vermutlich klangtechnisch noch marginale Verbesserungen erzielt und aus René van Onnas Gesang etwas mehr Emotionalität herausgekitzelt hätte, zur Diskussion gestellt. Ansonsten reift hier aber ein richtig gutes musikalisches Destillat heran.

Bourbon Records (2017)
Stil: Blues Rock

01. 2nd Wallstreet
02. Texas Woman
03. Cool Down
04. Blue Wonder
05. Kicked Me Out
06. I Don’t Care
07. This Year’s Destination
08. Got To Say Goodbye
09. Blinded
10. Swan
11. Enfants Terrible

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Voltage – Around The Bend – CD-Review

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Dass ich einen Faible für unsere niederländischen Nachbarn besitze, habe ich ja hier schon öfter deklariert. Seit unser Labi Django vor knapp 14 Jahren das Licht der Welt erblickt hat, machen wir im Süden des Landes regelmäßig Urlaub, genießen die herrliche Luft, das Meer, die gepflegte Infrastruktur und verbringen quasi wirklich relaxte, erholsame, ‚proletenfreie‘ Tage (gut, es war immer außerhalb der Ferienzeit…).

Dazu besaßen sie mit Willi Lippens (Rot-Weiss Essen) den wohl besten Fußballer aller Zeiten auf diesem Planeten, aber auch in Sachen Musik, bzw. Konzertkultur liegen sie mittlerweile ganz gut im Rennen. Die Passion der Holländer für  Blues/ Blues Rock ist mittlerweile fast so genau so bekannt, wie ihr Enthusiasmus für Wohnwagen und die Farbe Orange. Aber Southern Rock von dort???

Selbst ein gestandener Experte in diesem Genre wie meine Wenigkeit, war echt von den Socken, als ich das Zweitwerk „Around The Bend“ der Band Voltage, aus Brabant stammend, in den Player legte. Aufgrund des Namens hatte ich irgendetwas Hard Rock-mäßiges in Richtung AC/DC erwartet (kleine Reminiszenzen tauchen auch sporadisch in den E-Gitarren-Hooks auf), musste mich aber spätestens mit dem Molly Hatchet-trächtigen Opener „Pistol Pete“ eines Besseren belehren lassen, zumal die verblüffende Ähnlichkeit von Bandleader Dave Vermeulen mit der Stimme  von Charlie Starr, unweigerlich starke Bezüge zu Blackberry Smoke suggeriert.

Im weiteren Verlauf präsentieren die Herren Vermeulen, Gijs Heijnen, Bob Donkers und Bart Candel ein unterhaltsames, schroffes Southern Rock-Konglomerat, mit allen bewährten instrumentellen Zutaten der  Sparte, die man von Acts wie Skynyrd, Blackfoot, ZZ Top, Allman Brothers, Rambler und den beiden bereits genannten Molly Hatchet und Blackberry Smoke gewohnt ist. Die Stones, AC/DC oder Status Quo werden ab und zu auch einbezogen.

Allesamt Eigenkreationen, die sich natürlich zum Teil an Songs dieser Bands orientieren (z. B. „Up The Road“ an „Midnight Rider“ oder „Good Times“ an „Good One Coming On“). Sehr schön knackig anzuhören, da man auch die raue, aber recht klare Produktion als gelungen bezeichnen kann. Die Zusammenstellung der Songs ist dank wechselnder Tempi und vieler atmosphärischer Schwenker ebenfalls als kurzweilig zu belobigen.

Clever: Mit „Dirty Harry’s Juke Joint“ ist dazu ein klassischer Blues Rocker (mit Harp-Einlagen) präsent, um evtl. auch einen Großteil der einheimischen Hörer mitzunehmen. Und am Ende gibt es mit „Joelle“ noch einen melodischen Track (im Erzählstil von Vermeulen gesungen), samt Southern-typischen Instrumental-Finale, mit Hymnencharakter als Highight. Somit alles richtig gemacht!

„Around The Bend“ von Voltage ist absolut kein musikalischer Käse, sondern kann, im Gegenteil, unbedenklich jedem Southern Rock-Liebhaber ans Herz gelegt werden. Auch wenn diese Eigenproduktion bereits im September herausgekommen ist, war sie für mich persönlich zum Ende des Jahres noch mal eine faustdicke Überraschung. Godverdomme, echt klasse diese Südstaaten-Holländer!

Eigenproduktion (2017)
Stil: Southern Rock

01. Pistol Pete
02. Heart Of Stone
03. Up The Road
04. Good Times
05. Up from the Downside
06. For Better Ways
07. Bye Bye Baby
08. Dirty Harry’s Juke Joint
09. Blue Highway
10. Matchbox
11. Joelle

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Sass Jordan – Support: Chris Caddell And The Wreckage – 15.09.2017, Arnheim, Luxor Live – Konzertbericht

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Ein Gig, auf den ich mich dieses Jahr schon seit längerem gefreut habe, war der von Sass Jordan, die anlässlich des 25-jährigen Jubileums ihres Paradealbums „Racine“  (jetzt zeitgleich neu eingespielt, wieder aufgelegt als „Revisted“-Ausgabe, siehe unsere Besprechung), in Europa tourt.

Die Kinnlade ging natürlich immens runter, als das geplante Konzert im Kölner Jungle Club wegen zu geringem Kartenabsatzes kurzfristig abgesagt wurde. Der deutsche Michel besucht in der Domsadt scheinbar lieber anonyme Kommerz-orientierte Massenveranstaltungen zu horrenden Preisen – Metallica lassen grüßen.

Sounds Of South, das Magazin, das immer auf Zack und flexibel ist, reagierte sofort, und organisierte  in Verbindung mit Brooke-Lynn Promotion noch spontan eine Akkreditierung für den Gig im niederländischen Arnheim, übrigens Gernots und mein erster Auslandseinsatz in Sachen Live-Berichterstattung seit Bestehen dieses Magazins.

An dieser Stelle muss ich mal eine Lanze für unser Nachbarland brechen. Als Hundebesitzer und demnach passionierter langjähriger Zeeland-Urlauber bewundere ich immer wieder den Sinn für deren Gemeinschaftsleben, die recht entspannt und gebildet wirkenden Menschen, u. a. auch besonders die Pflege der dortigen Infrastruktur.

Das Land scheint nicht von einer, durch eine kleine elitäre geldgeile Klicke, infiltrierten selbstsüchtigen und entrückten Politikerschaft sowie einer weitestgehend unfähigen und nicht belastbaren Beamtenschaft delegiert zu werden. Und so auch in Arnheim: Eine einladende Stadtstruktur, perfekte Straßen, gepflegte Sauberkeit, wohin das Auge blickte, ein durch Elektrobusse befahrener Stadtkern, bezahlbare Parkhäuser (2 Euro für den Abend), dazu eine wunderbar hergerichtete Konzert-Location, eine straffe, freundliche Top-Organisation des Events eingeschlossen.  Der gerechte Lohn: Ein volles Haus (geschätzt etwas mehr als 500 Leute)!

Beim Jordan-Abend wurden direkt zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die Kanadierin wurde von Chris Caddell begleitet, der als Vorband mit den beiden anderen involvierten Musikern Cassius Pereira und Derrick Brady, die Gelegenheit erhielt, für sein Solo-Projekt Werbung zu machen.

Das Trio (blues-) und (southern-) rockte mit einer wuchtigen Intensität, wobei sich Caddell  als angenehmer Sänger und starker E-Gitarrist (auch als Slide-Spieler) profilieren konnte. Stücke wie „From The Wreckage“, „Workin'“, „The Rescue“, „Through My Hands“ und die abschließenden „Ohio“ (fette rockige Version zur Freude des Neil Young-Liebhabers Gernot) und „Killing Me“ füllten eine toll performte erste halbe Stunde. Ich habe selten eine so gute Vorgruppe erlebt.

Nach einer halben Stunde Pause in dem eindrucksvoll gestalteten Konzertsaal, den die drei Burschen auch zum Kleidungswechsel nutzten, ging es mit der Protagonistin der Veranstaltung im Quartett weiter.

Schon der Auftakt mit den vier „Racine“-Stücken „If You Gonna Love Me“, „Who Do You Think You Are“, „Where There’s A Will“ und der herrlichen Ballade „Remind Me“ ließ einem wohlige Schauer, den Rücken runter laufen. Das Publikum, wie auch wir beiden, waren absolut begeistert und sofort auf Betriebstemperatur!

Sass Jordan ist einfach eine einnehmende Frontfrau. Für Ihr Alter immer noch toll aussehend, körperlich absolut erstklassig in Form, sympathisch, kommunikativ, dazu diese extravagante Stimme, sowohl zahm wie ein Lamm, aber auch überwiegend kräftig und aggressiv wie ein beute-hungriges Raubtier.

Sass, wie sich ihren Ansagen entnehmen ließ, wohl nicht zum ersten Mal an dieser Stelle auftretend, zeigte sich gut gelaunt, redefreudig, tanzte, gestikulierte, schlängelte mit den Armen, ließ die blonde Mähne wehen und zog mit einem gut ausgewähltem Programm ihres Schaffensspektrums, die Leute über die gesamte Dauer in ihren Bann. Auch hier bewiesen die drei Mitstreiter wieder ihre instrumentelle Klasse (Caddell mit toller Rhythmus-, Fill- und auf den Punkt gebrachter Solo-Arbeit an der E-Gitarre, der ungemein agile Brady mit seinem pumpenden Bass – beide auch mit guten Harmoniegesängen – sowie der heftig polternde Pereira).

Und so schloss sich in einem erstklassigen Wechselbad der musikalischen Gefühle, mit Songs wie „Mobile Again“, „Shuffle“ (herrliches Slide-Solo von Caddell, Schatten-Box-Einlage von Sass am Ende), dem fulminanten „Pissin‘ Down“ (Jordan knurrt regelrecht zum Abschluss des Liedes), dem grandiosen „The Feeling’s Gone“ (Sass mit schrillem Cockerschem Urschrei), dem stampfenden „Ugly“, „Damaged“ und „High Road Easy“, der „Racine“-Kreis des Hauptteils mit dem allseits beliebten „Make You A Believer“, das den Saal in euphorische Sphären bewegte.

Die nicht lange auf sich warten lassenden Zugaben wurden mit einer unter die Haut gehenden Cover-Version vom einstigen Stevie Nicks-Debütwerk „Bella Donna“, „Stop Dragging My Heart Around“ (damals im Duett mit Tom Petty), bei dem Sass und Chris diesmal duettierten, und dem knackigen „So Hard“ zelebriert.

Ein Wahnsinns-Abend, der in allen Belangen überzeugte. Selbst Kollege Gernot, bei dem meine anfängliche Überzeugungsarbeit gefruchtet hatte, war richtig ‚von den Socken‘. Ich bin mir relativ sicher, gestern mit Sass Jordan & Band, das vermutliche Konzert-Highlight des Jahres 2017 erlebt zu haben. Einfach wunderbar!

Danke an Birgit Bräckle von Brooke-Lynn Promotion und SJ-Tour-Manager Wouter Bakker für die verlässliche und spontane Unterstützung.

Line-up Chris Caddell And The Wreckage:
Chris Caddell (lead vocals, electric guitar)
Derrick Brady (bass, vocals)
Cassius Pereira (drums)

Line-up Sass Jordan:
Sass Jordan (lead vocals)
Chris Caddell (electric guitar, vocals)
Derrick Brady (bass, vocals)
Cassius Pereira (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Luxor Live, Arnheim