Samantha Martin & Delta Sugar, 05.11.2021, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Was für ein Abend mit Samantha Martin & Delta Sugar in der erstmals seit langem wieder ausverkauften Kulturrampe. Ok, ganz so viele Konzertgelegenheiten hat es seit dem Corna-bedingten Lockdown in der Krefelder Location ja auch noch nicht gegeben. Aber immerhin fand auch parallel zur gleichen Zeit ein Mega-Sport-Event im naheliegenden Mönchengladbach statt (Borussia Mönchengladbach Ü23 – Rot-Weiss Essen 1:2). Wie bekannt, war man ja in den etwas wärmeren Zeiten mit Open-Air-Events in den ebenfalls schönen Schlachtgarten ausgewichen.

Apropos schön, in dieser Phase haben Leute um Pille Peerlings herum, mit viel Engagement der Rampe ein neues Antlitz verpasst, das ich an diesem Abend zum ersten Mal in Augenschein nehmen durfte. Der Outdoor-Bereich wurde relativ unscheinbar aufgewertet, im Großen und Ganzen so belassen, er wirkt aber trotzdem deutlich einladender.

Der entscheidende Durchbruch wurde allerdings durch einen Durchbruch der Wand zwischen dem ‚Kneipenbereich‘ und dem Bühnenareal erreicht, der der Location ein deutlich großzügigeres und ‚luftigeres‘ Ambiente vermittelt. Gemütlichkeit wird durch die vielen schönen Accessoires, die stilvolle Beleuchtung und noch eine rötlich verziegelte Seitenwand vermittelt. Alles in Allem ein echtes Kompliment an die Macher, klasse Arbeit!

Gegen 21:15 Uhr betrat Rampenchef Pille Peerlings wie gewohnt zur Ansage die im bisherigen Format belassene, enge Querbühne und ließ in spitzzüngiger humorvoller Manier seine Begrüßungsworte in Richtung der zahlreich erschienenen Audienz los. Danach folgte dann stante pede die recht klein gewachsene, aber mit umso größerer Stimme gesegnete Kanadierin Samantha Martin und ihr Begleit-Line-up und verwandelte die Rampe in zwei Sets mit ihrer unwiderstehlichen Mischung aus Funk, Soul, Blues, Country und Rock, in einen brodelnden Tanzkessel.

Im Fokus stand natürlich ihr neues Album „The Reckless One“ mit vielen Tracks wie u. a, „Love Is All Around“, „Don’t Have To Be“, So I Always Know“, I’ve Got Afeeling“, „Pass Me By“ und „Lovin You Is Easy“, aber auch Sachen des Vorgängers „Run To Me“ wie „Good Trouble“, „You Are The Love“ oder „All Night Long“.

Mein Favorit des ersten Sets war allerdings das swampig-countryeske, an Lucinda Williams erinnernde „Dark Angel“, wo der wieder mit seinem unaufdringlichen, aber sehr quirligen Begleit- und Hintergrund-E-Gitarrenspiel glänzende Curtis Chaffey ein herrliches Solo in bester Southern Rock-Qualität hinlegte.

Auch der rauschebärtige Keyboarder Jeff Heisholt trug ebenso, wie die satt groovende Rhythmusfraktion mit dem starken Drummer Will Fisher und Bassist Ian MacEwan, mit seiner weitgefächerten Tasten-Arbeit (Orgel, E-Piano, HT-Piano) viel zum prallen Gesamtsound der Kanadier bei. Die beiden Backgroundsängerinnen Sherie Marshall (mit beeindruckender Afro-Mähne) und Aisha Jarvis sorgten allein schon durch ihre Präsenz samt ihrer gospeligen-souligen ‚Uuhs‘ und ‚Aahs‘ für weitere vokale Würze zur Stimmgewalt der bestens aufgelegten und energiegeladenen Fronterin.

Grandiose Stimmung (wie heiß es in der Rampe zuging, kann man auch auf der unten anhängenden schönen Bildergalerie des Kollegen Mangold gut nachvollziehen) erzeugten natürlich besonders die gelungenen Coverversionen wie das fröhlich rockende „Happy“ der Stones in Set 2, aber besonders die beiden Zugabennummern am Anfang mit „Proud Mary“, das mit seinem langsameren Beginn (samt Publikumsmitsinginteraktion) und umso temperamentvollen Umschwung in eine Speedversion, am Ende sofort mal die, durch den Durchbruch verursachte Statikveränderung der Rampe auf eine harte Probe stellte. Das Publikum tanzte, tobte und wollte Nachschlag.

Zum Runterkommen gab es dann noch mit „Sweet Love“ von Lucinda Williams eine echte Perle. Samantha fing zunächst alleine mit der Akustikgitarre singend an, dann gesellten sich peu à peu Gitarrist Chaffey (mit gefühlvollem E-Solo), die beiden Backgroundsängerinnen und letztendlich Keyboarder Jeff Heisholt dazu (die Rhythmusfraktion durfte sich schon das Feierabendbier gönnen) und ließen diesen herrlichen Abend, im Country-Ambiente sanft und dennoch stimmungsvoll ausklingen.

Wie schon vor knapp drei Jahren bei ihrem Gig an gleicher Stelle bewiesen Samantha Martin & Delta Sugar, dass ihre Auftritte immer als Pflichttermin eines rockmusikbegeisterten Konzertgängers im Kalender stehen sollten. Kaum war der Gig vorbei, stand die sympathische und lebensfreudige Protagonistin schon wieder am Merchandising-Stand im gemütlichen Thekenbereich zum Signieren und Smalltalk für ihre Fans zur Verfügung. Mit eines der echten Highlights dieses Jahres!

Line-up:
Samantha Martin (lead vocals, acoustic guitar, percussion)
Curtis Chaffey (electric guitar)
Ian MacEwan (bass)
Will Fisher (drums)
Jeff Heisholt (keys)
Sherie Marshall (bgv, percussion)
Aisha Jarvis (bgv, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Samantha Martin & Delta Sugar
Samantha Martin & Delta Sugar bei Facebook
Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Matt Horan – 02.11.2021, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Mein erster Konzertbesuch in der Kulturrampe seit März 2020 ließ die dazwischenliegende Zeit fast vergessen. Obwohl die Location im neuen Look erstrahlt, fühlte ich mich direkt wieder in die alten Zeiten zurückversetzt. Durch die bekannten Gesichter und Markus Peerlings, der es sich wie gewohnt nicht nehmen ließ, den Musiker anzukündigen, stellte sich sofort die frühere Vertrautheit wieder her.

Rampenchef „Pille“ richtete seine einführenden Worte – diesmal allerdings auf dem immer noch schrägen Bühnenrand sitzend – an die circa fünfundzwanzig Musikbegeisterten und unterstich damit die quasi intime Atmosphäre der Veranstaltung. Dass so wenige Leute den Weg in die Rampe gefunden hatten, bleibt wie so oft unverständlich, denn mit Matt Horan trat ein Singer/Songwriter an, um sein erstklassiges Werk „Tears From The Mountain“ vorzustellen. Markus Peerlings schwärmte dann auch von dem rein vokal vorgetragenen Opener „Village Churchyard“, das nach seiner Einschätzung zu den besten Albeneinstiegen der gesamten Musikgeschichte gehört.

Horan brachte den Titel an dem Abend nicht zu Gehör, sondern startete mit „Old Cold Mountain“ und ließ die beiden Stücke seiner aktuelle LP „Dreamed About Mama“ und das Traditional „High On The Mountain“ folgen. Zwischen den beiden Highlights des ersten Sets „Hills Of Mexiko“ sowie „Sorry Pretty Shiori“ zollte er seinem Vorbild Hank Williams mit „Love Sick Blues“ Tribut und schloss den „Fright Train Blues“ direkt an. Nach „Little Birdie“ performte Horan den starken Titeltrack seines Solowerks und beendete mit „Sugar Baby“ den ersten Teil des Auftritts.

Horan wechselte häufig zwischen der akustischen Gitarre und dem Banjo, wodurch er Abwechslung in seine fünfundvierzigminütige Ein-Mann-Show brachte. Vor allem, wenn er das Banjo auspackte, erhielten die Stücke einen Drive, der sich sofort auf das Publikum übertrug. Dessen Stimmung war von Anfang an begeistert, steigerte sich aber beinah ins Frenetische im Verlauf des Abends.

Da ich einen Blick auf die Setlist werfen konnte, fiel mir auf, dass mein absoluter Favorit „Led Me To The Wrong“ von Horan übersprungen wurde. Ich nutzte die Pause daher, um nachzufragen, ob er den Song noch spielt. Horan nahm den Wunsch auf und schob ihn direkt nach der Unterbrechung solo dazwischen, bevor er Alex Atienza für das zweite Set auf die Bühne holte. Atienza begleitete Horan mit akustischer Gitarre oder Mandoline und war für filigrane Zwischentöne verantwortlich. Zurückhaltend und anfänglich introvertiert wirkend, ergänzte er Horan perfekt.

Horan leitete die Stücke oft mit einigen Bemerkungen und kurzen Anekdoten ein. Besonders im zweiten Teil ließ er seiner sarkastischen Ader freien Lauf, was das Publikum honorierte. Die Atmosphäre wurde daher immer ausgelassener.

Während im ersten Set die Songs des aktuellen Albums dominierten, unternahm Horan im zweiten einen Streifzug durch sein bisheriges Werk – ergänzt durch einige Coverstücke. Unter diesen war erneut Hank Williams mit „Long Gone Lonesome Blues“ vertreten. Viele Emotionen legte Horan in „You Never Called Me By My Name“. Nach einer Serie eher getragener und wehmütiger Songs („My Love Is Gone“, „Drinking Alone“) offenbarte Horan augenzwinkernd sein Motto: Let’s make Country music sad again. Um dies zu konterkarieren streute er witzige Nummern („Big City Mama”, „Cocaine Carolina”) ein. Das Publikum ging bei allen Songs mit, selbst wenn Horan einige Jodel-Ausflüge zum Besten gab. Der Versuch, die Anwesenden in die Jodelei einzubinden, zeitigte ein – eigenwilliges – Ergebnis, das zumindest zur weiteren Auflockerung der Stimmung beitrug.

Von den Eigenkompositionen gab es seinen ersten selbstverfassten Country-Song „Take Me Home“ sowie den Soundtrack („Rambling On My Mind“) zu einem Filmprojekt zu hören. Als Frontmann von Dead Bronco besuchte er wiederholt die Kulturrampe. In Erinnerung an diese Zeit spielte er „Hard Liquor Goes Down Quicker“. Während sich Dead Bronco in Richtung Black Folk orientiert, verfolgt Horan ein anderes Bandprojekt, bei dem er sich eher dem traditionellen Country zuwendet. Für Februar ist der erste Longplayer der neuen Formation angekündigt. Als Vorgeschmack präsentierte er „Paid in Blood“. Der kraftvolle Titel gehörte zu den herausragenden Nummern des zweiten Konzertteils und schürte die Erwartungen auf die Veröffentlichung. Die aktuelle stand-alone Single „Appalachia“ brannte sich ebenfalls ins Gedächtnis ein. Atienza, der nun auch bei Dead Bronco eingestiegen ist, schrieb die Murder-Ballade gemeinsam mit Horan.

Nach der ersten Zugabe forderten die Besucher lautstark eine weitere. Sie fabrizierten dabei so viel Lärm, dass der Eindruck entstand, das Haus wäre ausverkauft. Dieser lautstarken Forderung konnte sich Horan natürlich nicht entziehen und setzte noch zwei Titel, darunter „Tennessee Boarder“, drauf.

Peerlings, der anfänglich bemerkte, dass die Konzerte von Musikern, die er klasse findet, oftmals nicht optimal besucht werden, konnte mit dem Verlauf des Abends zufrieden sein. Der Auftritt von Matt Horan mit seinem Sideman Alex Atienza war ein Beweis dafür, dass es weder viele Musiker braucht, um mitzureißen, noch ein ausverkauftes Haus, um brodelnde Konzertatmosphäre zu erleben. An dieser Stelle sei Respekt und Dank von Künstlern und Spartenpublikum an den Veranstalter ausgesprochen.

Line-up:
Matt Horan (vocals, acoustic guitar, banjo)
Alex Atienza (acoustic guitar, mandolin)

Text und Bilder: Michael Segets

Matt Horan
Matt Horan bei Facebook
Kulturrampe Krefeld

Little Caesar, 24.09.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbilder

Zum Abschluss der drei Konzerte in NRW (zuvor in Köln und Dortmund) rockten Little Caesar jetzt den Schlachtgarten in Krefeld. Bei sommerlich milden Temperaturen hatten etwa 100 Besucher den Weg in die fast schon heimelig wirkende Openair-Location gefunden.

An der Stimmung der Fans konnte man erkennen, dass keiner den Weg an diesem Abend bereut hatte. Neben dem furiosen Auftritt, wie bei den vorherigen Gigs, war diesmal auch das klangliche Erlebnis einwandfrei und die Instrumente waren klar differenziert herauszuhören und auch der Gesang konnte sich, wenn auch manchmal mit Mühe, gegen die Lautstärke der Drums und Gitarren behaupten.

Nun ist die Openair-Saison der Kulturrampe und des Schlachtgartens fast abgeschlossen und am nächsten Mittwoch werden Robert Jon & The Wreck die letzte Woche eines gelungenen Kultursommers in dieser feinen Location einläuten.

Line-up:
Ron Young (lead vocals)
Mark Tremalgia (electric guitar, vocals)
Pharoah Barrett (bass, vocals)
Brian Irving (drums)
Loren Moulinare (electric guitar, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Little Caesar
Little Caesar bei Facebook
Teenage Head Music
Kulturrampe, Krefeld
Schlachtgarten, Krefeld

Kai Strauss & The Electric Blues All Stars – 02.08.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

Nachholtermin des am 04. Juli ausgefallenen Konzerts. Als wenn die Veranstalter und Clubbesitzer durch die Pandemie nicht schon genug gebeutelt wären, musste der für den Termin geplante Kai Strauss & The Electric Blues All Stars-Gig dann auch noch wegen massiver Wasserschäden in Folge der sintflutartigen Regenfälle dieser Tage abgesagt werden.

Dazu fällt mir spontan der nahezu philosophisch tiefgründig anmutende Spruch von Rot-Weiss Essen-Mittelstürmer-Legende Jürgen ‚Kobra‘ Wegmann ein: „Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu…“

Mittlerweile ist der Schlachtgarten dank großen Engagements der Betreiber und Helfer in die bekannt heimelige Location zurück verwandelt, erste Konzerte haben schon wieder stattgefunden und auch der Kai Strauss-Auftritt sollte an diesem Abend jetzt realisiert werden. Immerhin spielte diesmal wenigstens das Wetter mit (auch wenn für einen Abend Anfang August recht kühl).

Zu Beginn betraten nach der Ansage von Mitveranstalter Markus ‚Pille‘ Peerlings zunächst die schick in Schwarz gekleideten Electric Blues All Stars die Bühne und spielten sich mittels eines Instrumentals in ihren Rhythmus. Hier ließ Mit-‚Alpha‘-Musiker Tommy Schneller, der sich aber im weiteren Verlauf ganz uneigennützig in den Dienst des Gesamtensembles stellte, ein erstes starkes Saxofon-Solo ab. Zum Ausklang stieß dann der Protagonist mit seiner blitzeblanken silber-weißen Stratocaster und einem End-Solo mit in den Gig ein.

Was mir direkt gut gefiel, war, dass Strauss sich insgesamt sehr kommunikativ gab und fast vor allen Stücken kleine kurze (bluestypische…) Anekdoten zum Besten gab. Das trug neben der engagierten musikalischen Gesamtleistung auch zur guten Stimmung erheblich bei.

Während seine Rhythmus-Fraktion, bestehend aus dem ultra-cool zupfenden Kevin DuVernay am Bass und Alex Lex am Schlagzeug sich konzentriert der Taktgebung widmete, hatten die drei restlichen Musiker Jens Buschenlange an der Trompete, Keyboarder Nico Dreier (bekannt auch für seine Mitwirkung bei den Bluesanovas – überwiegend mit Orgel- und punktuell mit Piano-Einlagen) und Schneller viele Gelegenheiten, ihre Solo-Künste feil zu bieten. Strauss, sich hier dann aber doch ganz als Platzhirsch zeigend, konterte im direkten Anschluss, so gut wie immer mit seinen quirligen Soli an seinem Paradegerät.

Das Kollektiv spielte im Verlauf ein zweiteiliges Set, inklusiv Tracks aus Kais eigener Feder (mit Hauptaugenmerk auf seinem aktuellen Album „In My Prime“) und diversen Stücken bekannter Blues-Ikonen, zu denen der mit fünf gewonnenen German Blues Awards dekorierte Westfale im Laufe seiner 30-jährigen Karriere eine besondere Beziehung entwickelt hat. Auch wenn sich Strauss als bekennender Fan des Texas Blues outete, und seine Stimme der von Devon Allman sehr ähnelte, stand der Haupt-Fokus doch eher auf den Bläser- und traditionell-ausgelegten Spielarten des Genres (Chicago- und Rhythm And Blues) , die man eher in den etwas nördlicheren und östlicheren Teilen der Staaten präferiert.

Die gute Stimmung im Publikum erreichte dann ihren Höhepunkt, als Strauss beim wahnsinnig starken Slowblues „Hard Life“ für’s ausgedehnte Solo ins Kiesbett vor der Bühne des Schlachtgartens wanderte, im Willie Dixon-Klassiker zu Ehren von Buddy Guys 85. Geburtstag „Let Me Love You Baby“ ein Solo mit der Gitarre hinter seinem Hintern als Showeinlage darbot und beim finalen, furios den Hauptteil abschließenden „Got To Be Some Changes Made“ (aus der Feder von Albert King), auch noch claptoneske Talente offenbarte.

Klar, dass diese letzte Klasse-Nummer den Wunsch im Publikum auslöste, lautstark nach einem Nachschlag zu verlangen. Da ließ sich das Sextett natürlich nicht lange bitten und erfüllte diesen mit einem schönen schunkeligen Instrumental , bei dem sich alle vier nochmals an ihren Instrumenten in eigener Sache ‚zeigen‘ konnten.

Insgesamt somit ein unterhaltsamer und kurzweiliger Abend im Krefelder Schlachtgarten, der eindeutig untermauerte, warum Kai Strauss in der nationalen und internationalen Bluesszene großes Renommee genießt. Ein tolle, mitnehmende und sehr sympathische Werbung für den Blues und den Schlachtgarten als erlebenswerte Live-Open-Air-Location! Vielen Dank an die Organisatoren Kolja und Pille samt Helferschaft, wobei auch der tolle Sound und die hervorragende Bühnenbeleuchtung nicht unerwähnt bleiben sollten.

Line-up:
Kai Strauss – lead vocals, electric guitar
Tommy Schneller – saxophone
Nico Dreier – keys
Jens Buschenlange – trumpet
Kevin DuVernay – bass
Alex Lex – drums

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Kai Strauss & The Electric Blues All Stars
Kai Strauss & The Electric Blues All Stars bei Facebook
Schlachtgarten Krefeld
Kulturrampe Krefeld

Paulie Cerra Band – 23.07.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

Cer-haupt

An einem schönen Sommerabend stand Paulie Cerra mit seiner Band auf der Bühne des Krefelder Schlachtgartens. Nachdem der Vorverkauf bis eine Woche vor dem Konzert eher träge verlief, entschlossen sich doch einige Fans der gepflegten Bluesmusik kurzfristig zu erscheinen, sodass der Schlachtgarten dann letztlich mit etwa 110 Besuchern recht gut besucht war.

Nach einer kurzen Bandankündigung durch Pille Peerlings bahnte sich das Quartett unter dem Applaus der Fans den Weg mitten zwischen den Tischreihen, was ein bisschen an einen Einzug von Gladiatoren erinnerte.

Hier handelte es sich aber eher um einen Einmarsch von Spitzenköchen der Bluesmusik, die in den folgenden etwa 140 Minuten Spielzeit etwas ganz besonderes präsentierten. Blues gespickt mit einer Prise Soul und einigen Spitzen von Funk. Da aber auch das Auge den Geschmack indirekt beeinflusst, zauberte der Lichttechniker des Schlachtgartens ein Bühnenlicht, was für so eine kleine Location schon beeindruckend ist. Damit sorgte er dafür, dass das bereitete musikalische Menü von der Bühne auch visuell bei den Gästen bestens ankam.

Cerra, vielen auch bekannt als Saxophonist von Joe Bonamassa (da haben wir ihn auch schon in Köln und Düsseldorf erlebt), zeigte seine spielerischen Qualitäten auch an den Keyboards und glänzte mit einer beeindruckenden Stimmbreite. Neben seinem spielerischen Können war er ein toller als Entertainer zwischen den Songs, wobei er auch stets darauf bedacht war, seine Band ins rechte Licht zu stellen.

An erster Stelle stand dabei Billy Haynes, der Bassist, der Tina Turner in den Anfangsjahren ihrer Solokarriere begleitete. Dass Haynes den Bass sitzend spielte tat der Qualität keinen Abbruch und die spielerische Leichtigkeit und die positive Stimmung, die er auf die Bühne brachte, waren schon beeindruckend. Neben dem Bass unterstützte er Cerra auch noch in einigen Songs als Backgroundsänger.

Aber auch Drummer Alvino Bennett wurde mehrfach hervorgehoben. Er flog zuweilen mit einer Leichtigkeit über die Drums, konnte aber auch, wenn es gewollt war, energisch hervorpreschen.

Last but not least Ben Forrester an der Gitarre. Der jüngste aus der Band, mit Cowboyhut und Feder, zeigte an seiner Gibson Les Paul, warum ihn Cerra für die Tour mit ins Boot genommen hatte. Ob fingerpickend, slidend oder in bester Blues-, zuweilen auch in Southern-Manier, zelebrierte der Könner seine E-Gitarren-Soli regelrecht.

Das Arrangement des ganzen Konzertes mit Songs, zumeist aus der Feder Cerras stammend, wobei das letzte Album „Hell & High Water“ größtenteils durchgespielt wurde, sorgte auch im Publikum für eine Stimmung, wie ich sie bei einem Konzert im Schlachtgarten bisher noch nicht erlebt habe. Von verträumt, bis hin zu enthusiastisch mitgehend waren alle Parameter vertreten. Besonders die letzten Songs wurden vom Publikum stehend mit Szenenapplaus begeistert abgefeiert.

Nachdem die Band nach dem letzten Song gebührend verabschiedet wurde und sich wieder den Gang durchs Publikum gebahnt hatte, kam Cerra nochmals auf die Bühne, um sich solo am Piano noch einmal zu verabschieden.

Nachdem dann Ceras endgültig die Bühne verlassen hatte, zog Kolja Amend vom Schlachtgarten noch einmal ein kurzes Resümee, in dem er seine Gefühle zu dem Konzert zum Ausdruck brachte. Ein Satz sagt dabei alles: „Ich habe immer noch eine Gänsehaut“.

Wer Paulie Cerra mit seiner Band auf der Tour noch erleben will, muss sich sputen, da sie sich zum Ende neigt. Es lohnt sich absolut, solch musikalische Hochkaräter, auch wenn sie bei Topstars ’nur‘ in der ‚zweiten Reihe‘ spielen, als eigenständigen Topact zu erleben.

Line-up:
Paulie Cerra – lead vocals, keys, saxophone
Ben Forrester – guitar
Billy Haynes – bass
Alvino Bennett – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Paulie Cerra
Paulie Cerra bei Facebook
Schlachtgarten Krefeld
Kulturrampe Krefeld

Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws – 17.07.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

Ded_haupt

Am Nachmittag gingen bange Blicke nach oben, ob das Wetter, das in vielen Teilen im Westen Deutschlands in den letzten Tagen für ein regelrechtes katastrophales Chaos gesorgt hatte, Krefeld diesmal verschonen würde.

Die Veranstalter, Kulturrampe und Schlachtgarten, hatten allerdings Glück und bis auf einige kurze Phasen leichten Nieselregens, spielte das Wetter bei angenehmen Temperaturen um die 24 Grad mit.

Kolja vom Schlachtgarten war es diesmal vergönnt, pünktlich um 20:30 Uhr die Band anzusagen und die etwa 70 Besucher zu begrüßen. Das Setup glich in weiten Teilen dem des Konzertes aus dem Schwarzen Adler von etwa zwei Wochen, aber dennoch hatte es einen anderen Charakter.

Schon zu Beginn ging das Publikum begeistert mit und spendete nach den Stücken zum Teil Standing Ovations, was sich auf die ganze Atmosphäre positiv auswirkte und auch von den Musikern regelrecht aufgesogen wurde.

Ein wichtiger Faktor schienen dabei auch die Rahmenbedingungen gewesen zu sein. Die gefühlte Weite der Openair-Veranstaltung suggeriert für die Besucher in der Coronazeit, im Gegensatz zu einem Indoor-Event, doch ein besseres Sicherheitsgefühl, was sich dann natürlich positiv auf das gesamte Verhalten auswirkte.

Dass der fast schon heimelig beleuchtete Schlachtgarten dabei auch eine große Rolle spielte, ist natürlich außer Frage gestellt. Da gibt draußen einfach mehr Möglichkeiten als innen.

Es ist schade, dass Corona weiterhin wie ein Damoklesschwert über dem öffentlichen Kulturleben liegt und trotz Öffnungsmöglichkeiten der Besuch von Konzerten auf einem eher mittelmäßigen bis niedrigen Niveau liegt, weil bei vielen noch der berechtigte Respekt vor dem Virus mit all seinen Varianten herrscht und vor Besuchen, trotz relativ geringer Inzidenzzahlen, abschreckt.

Es bleibt abzuwarten, was die nächsten Wochen bringen werden und zu hoffen, dass es nicht aufgrund der Reisezeit, wie im letzten Sommer, wieder zu einem exponentiellen Ansteigen der Fallzahlen kommt.

Line-up:
Dede Priest (lead vocals, electric guitar, fiddle, voclas, percussion)
Johnny Clark (electric guitar, acoustic guitar, vocals, lead vocals)
Ray Oostenrijk (bass)
Leon Toonen (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Dede Priest
Johnny Clark & The Outlaws
Johnny Clark & The Outlaws bei Facebook
Dede Priest bei Facebook
Schlachtgarten Krefeld
Kulturrampe Krefeld

The Bluesanovas – 17.06.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

BlNo_Haupt

Nach einer schier endlos andauernden Pause in der Kulturrampe konnte mit den Bluesanovas endlich das erste Konzert in 2021 stattfinden. Bedingt durch noch bestehende Coronaregelungen fand es allerdings nicht in der Kulturrampe, sondern openair im nahegelegenen Schlachtgarten statt, womit die Kooperation der beiden Veranstaltungsorte aus dem letzten Jahr eine Fortsetzung fand.

Auch für die jungen Münsteraner war dieser Gig etwas Besonderes. Nach einigen Streamingevents war es der erste Auftritt in Krefeld und der zweite mit Zuschauern in diesem Jahr. Um kurz nach halb neun begrüßte Pille Peerlings zunächst die 100 anwesenden Zuschauer im ausverkauften Schlachtgarten, bei tropisch anmutenden Temperaturen, jenseits der 30 Grad Grenze.

Die letzten schweren kulturfreien Monate wurden noch einmal thematisiert, und der Beginn einer Konzertreihe im Schlachthof proklamiert. Derweil warteten die fünf Musiker schon im Eingangsbereich und betraten nach der Bandankündigung zügig die Bühne, um zunächst einmal ohne Fronter Melvin Schulz instrumental einzuläuten.

Schulz bahnte sich, während seine Mitstreiter schon das Publikum auf Betriebstemperatur brachten, den Weg zur Bühne und dann ging die Post ab. Trotz der hohen Temperaturen blieb das Quintett seinem Stil gerecht und es wurde nicht auf die stylischen Anzüge verzichtet. Die Musiker präsentierten eine Mischung aus Rock’n’Roll- und Bluessongs, welche vorwiegend aus der eigenen Feder stammten.

In dem etwa zweistündigen Konzert, welches in zwei Sets gespielt wurde, untermauerte die Band, dass sie nicht umsonst 2019 den deutschen Blueschallenge gewann und beim internationalen Challenge in Memphis immerhin bis ins Halbfinale kam. Im Vordergrund standen Melvin Schulz, der mit einem gewaltigen Stimmvolumen und so manchem Hüftschwung sowie einem Talent zu Entertainment die Besucher begeistern konnte und Filipe de la Torre, welcher seine Gitarren teils wie ein Derwisch bearbeitete.

Dabei ließen die beiden es sich nicht nehmen, sich von der Bühne in den Publikumsbereich zu begeben, wohl darauf achtend, dass immer zwei Armlängen Platz blieben. Nico Dreier bearbeitete sein Piano zuweilen mit furiosen Soli, aber auch um den Songs eine noch größere Komplexität zu verleihen.

Die Grundlage für die beeindruckenden zwei Stunden legte die Rhythmusformation mit Schlagzeuger Philipp Dreier und Bassist Nikolas Karolewicz, die zuweilen stoisch und ohne großen Schnickschnack den Grundrhythmus vorgab. Etwas fürs Auge waren dabei natürlich die Songs, in denen Karolewicz den Kontrabass bearbeitete.

Als Fazit kann gesagt werden, dass die Bluesanovas für ein begeisterndes Eröffnungskonzert im Schlachtgarten gesorgt haben und alle Erwartungen der Besucher mindestens erfüllen konnten. Aber nicht nur deren, auch wenn man die Gesichter der beiden verantwortlichen Veranstalter Pille Peelings (Kulturrampe) und Kolja Amend (Schlachtgarten) sah, war die Erleichterung, dass endlich wieder Kultur lief und die Freude über den Auftritt, erkennbar.

Ein weiterer Faktor für das gelungene Konzert war natürlich der bestens, durch Malte Menzer abgemischte Sound und die tolle Lichtinszenierung auf der Bühne und dem gesamten Gelände. Hier zeigte sich, dass es sich gelohnt hatte, im Bühnenequipment im Vergleich zum Vorjahr noch einmal nachzulegen. So ist in diesem Sommer noch einiges auf dem schmucken Gelände des Schlachtgartens zu erwarten und es wird unter dem Motto weitergehen:
Kein Rock ’n‘ Roll ist auch keine Lösung.

Line-up:
Melvin Schulz – lead vocals
Filipe de la Torre – guitar
Nico Dreier – piano
Nikolas Karolewicz – bass
Philipp Dreier – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

The Bluesanovas
The Bluesanovas bei Facebook
Kulturrampe Krefeld
Schlachtgarten Krefeld

Kulturrampenchef Markus ‚Pille‘ Peerlings – Interview

Pill-haupt

Eigentlich hätte ich gerne zum 15-jährigen Bestehen der Kulturrampe in Krefeld was zu einem Konzert geschrieben. Corona hat allerdings dafür gesorgt, dass dies nicht möglich ist. Um den Moment wenigstens ein klein wenig zu würdigen, verabredete ich mit Pille einen Termin, um wenigstens über 15 Jahre Kulturrampe reden zu können. Das schöne Wetter sorgte dafür, dass wir im ‚Biergarten‘ der Rampe zunächst eine Gourmetcurrywurst mit Pommes mit dem dazugehörenden Hygieneabstand zu uns nahmen, um dann gestärkt, 15 Jahre Krefelder Kulturgeschichte, Revue zu passieren zu lassen.

15875589_1270323359681975_3936416758692995256_oSounds Of South: Pille, 15 Jahre Kulturrampe sind schon ein beachtlicher Zeitraum. Wie kamst du damals auf die Idee, die Kulturrampe zu eröffnen?
Pille: Das ist eigentlich eine ganz simple Geschichte. Das waren hier früher Proberäume und ich war von der Krefelder Musikerinitiative für die Vermietung zuständig. Irgendwann lief das nicht mehr so gut und wir überlegten, was man mit den Räumen machen kann. Da kam dann ein Abend mit mehrere Leuten und einigem Bier, wo wir uns Gedanken machten und irgendeiner sagte „Konzerte“. Daran konnten wir uns am nächsten Morgen noch erinnern und wir haben es einfach so gemacht.

Sounds Of South: Einfach so gemacht? Die Räume waren ja angemietet, aber für eine andere Nutzung?
Pille: ‚Einfach so gemacht‘ ist natürlich nur grob umschrieben. Es mussten schon einige Formalitäten erledigt werden, bis es letztendlich umgesetzt werden konnte.

Sounds Of South: Gab es damals in irgendeiner Form eine Unterstützung der Stadt? Ich denke da zum Beispiel an besonders günstige Pachtbedingungen oder bist du da allein ins Risiko gegangen?
Pille: Nein, wir waren mit ein paar Leuten und die Sache wurde aus der Idee geboren und wir haben es dann umgesetzt.

100A5403-Bearbeitet-1024x683Sounds Of South: Wurde denn in einer Form eine Förderung z. B. durch das Kulturbüro der Stadt angeboten oder beantragt?
Pille: Nein, das haben wir ganz bewusst nicht gemacht, um uns in keine Abhängigkeit zu bringen. Es gab allerdings auch eine Zeit, als es finanziell sehr knapp war, wo die Stadt uns geholfen hat. Was auf jedem Fall gesagt werden muss, dass die Stadt uns sehr wohlgesonnen war, was oft schon viel wert ist. Aber Sachen wie z. B. einen Erlass der Miete oder Ähnliches gab es nicht, war von uns aber auch gar nicht gewollt.

Sounds Of South: Seit unserem Bestehen als Online-Magazin vor fünf Jahren berichten wir regelmäßig von Konzerten, die in der Rampe stattfanden. Ich möchte sogar so weit gehen, dass mir der Laden ans Herz gewachsen ist. In diesen Jahren habe ich eine unglaubliche Dynamik erlebt, auch was die Anzahl von Konzerten angeht, welche wohl 2018 von der Frequenz her, mit zum Teil zwei bis drei Veranstaltungen pro Woche, ihren Höhepunkt, hatte.
Pille: Ja das stimmt. Das war vor allem eine logistische Herausforderung. 2019 wäre es vermutlich auch in der Form weitergegangen, aber in dem Jahr entschlossen wir uns, die Rampe zu renovieren und hatten deshalb natürlich ein etwas schmaleres Programm.

14524516_1175728582474787_6604584540681543219_oSounds Of South: In der Umbauphase wurde von Freunden der Kulturrampe ein Förderverein gegründet, um finanziell, aber auch mit Arbeitskraft zu unterstützen. Das war dann das erste Mal, dass es so zu einer Unterstützung von außen kam. Entstand die Gründung vielleicht auch aus der Angst, dass es sonst finanziell nicht reichen könnte?
Pille: Jein, das ist eigentlich eine eher gewachsene Sache. Es gab schon immer Leute, die mir Hilfe angeboten und mich auch unterstützt haben, ohne die wir es gar nicht die ganzen Jahre geschafft hätten. Das lief schon seit langer Zeit, bis einige Leute sich entschlossen haben, den Verein zu gründen. So haben wir eine gute Unterstützung für Kosten, die wir zu tragen haben. Und ehrlich gesagt würde es ohne diese Unterstützung den Laden zumindest in der Form nicht mehr geben.

PD_12_File_017-1Sounds Of South: Ich habe hier eine interessante Liste liegen, was du in der Zukunft an Konzerten in der Planung hast. Auf Namen und Daten will ich gar nicht eingehen, da zurzeit keine verlässliche bindende Planung möglich ist. Wenn man sich Bands anschaut, die hier gespielt haben, stellt sich die Frage, wie du das schaffst, solche Acts wie z.B. Little Caesar oder Robert Jon & The Wreck auf die Bühne zu holen, da die Einnahmen durch den Ticketverkauf bei maximal 120 Gästen und sehr humanen Preisen begrenzt sind.
Pille: Die Frage ist aus mehreren Sichtweisen zu beantworten. Zunächst einmal glaube ich, dass wir mit dem Führen des Ladens und dem Umgang mit den Künstlern vieles richtig gemacht haben. Wir haben immer einen großen Wert auf die Technik gelegt, dass ein guter Sound besteht und haben immer versierte Techniker gehabt, was für so kleine Läden auch nicht unbedingt selbstverständlich ist. Ich glaube, das ist ein Faktor, der für Musiker immer sehr wichtig ist. Von den Gagen halten wir diese immer so hoch wie möglich, wobei diese natürlich durch die Größe des Ladens begrenzt sind. Das stellt für uns dann natürlich ein Problem dar, wenn eine bestimmte Summe vereinbart ist, und dann der Laden nur halb voll ist.

Sounds Of South: Kannst du dir vorstellen, dass manche Künstler auch bewusst auf Gage verzichten, da in der Rampe ein Wohlfühlfaktor herrscht und Konzerte oft eine regelrechte Party sind, die manchmal zu Beginn oder Ende einer Tour gefeiert wird?
Pille: Ich kann mir gut vorstellen, dass wir mit unserem Umgang und unserer Philosophie dazu beitragen, dass viele Künstler einen großen Spaß haben, hier aufzutreten. Nichtsdestotrotz sind die Gagen auf einem verdient hohen Niveau. Ein weiterer Faktor ist natürlich, dass wir ein schon etwas älteres begeisterungsfähiges Publikum haben, welches nach dem Konzert gerne am Merchstand verweilt und sich mit verschiedensten Produkten eindeckt, deren Erlös direkt den Künstlern zu Gute kommt. Ich glaube, das hat sich auch bei den Künstlern und Tourmanagern rumgesprochen und erleichtert manchmal die Verhandlungen.

100A5485-Bearbeitet-1024x683Sounds Of South: Wo gerade das Tourmanagement angesprochen wurde. Du arbeitest auch viel mit Teenage Head Music zusammen und ich habe den Eindruck, dass du zu deren Chief Manny Montana mit der Zeit ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut hast. Erleichtert dies manchmal die Realisierung von Acts?
Pille: Ja, das stimmt. Es hat sich wirklich etwas, wie auch zu anderen Agenturen, entwickelt. Es besteht fast schon ein blindes Verständnis. Er weiß ziemlich genau, was hier gerne gehört wird und er hat dann immer die passenden Bands für unseren Laden bei sich in der Agentur. Wichtig ist für uns allerdings nicht nur die spielerische Qualität der Bands, sondern auch, wie sie menschlich zu uns passen. Wenn wir da schlechte Erfahrungen machen würden, wäre es ein einmaliger Auftritt gewesen. Man kann fast sagen, dass, wenn z. B. von Teenage Head jemand bei uns auftritt, man das Gefühl hat, gute Freunde oder Familie kommen zu Besuch.

Sounds Of South: Genau das Gefühl haben wir auch. Einmal fühlen wir uns bei dir immer wie Gäste, aber auch zu Manny und einigen Künstlern hat sich etwas wie eine Freundschaft entwickelt, was für uns persönlich natürlich auch wie eine Wohlfühloase ist.
Pille: Genau das meine ich. Die Musikszene, gerade in unserer Musikrichtung, ist eher klein, dass man fast zwangsläufig zusammenwächst. Man schätzt sich untereinander, was für mich persönlich sehr wichtig ist.

Sounds Of South: Jetzt gehen wir mal aus der Wohlfühlecke in die aktuell eher bedrückende, durch Corona bedingte Situation. Vor ziemlich genau einem Jahr war Thorbjörn Risager das letzte Konzert, von dem ich vor dem ersten Lockdown berichtete. Wie ging es danach weiter, da Konzerte in der Rampe erst einmal nicht mehr realisierbar waren?
Pille: Nach Risager waren noch zwei Konzerte und am 13. März mussten wir ein Konzert absagen, nachdem der Soundscheck schon gelaufen war. Ein trauriger Abend, Hotelzimmer waren gebucht und und und. Als es im späten Frühjahr wieder möglich war, hatte wir das Glück mit dem Schlachtgarten einen Partner zu haben, mit dem wir im Vorjahr schon ein Openair Konzert veranstaltet hatten. So konnten wir einige Konzerte, welche wir im Sommer geplant hatten, in den Schlachtgarten umlegen. Damit war den Künstlern die Möglichkeit gegeben aufzutreten und da das Gelände recht weitläufig ist, konnten wir einiges auch im Rahmen der damals bestehenden Hygienebedingungen durchführen.

AQ2A2401Sounds Of South: Corona wird irgendwann aufhören oder sagen wir besser, wir werden Möglichkeiten haben, Corona in den Griff zu bekommen. Wie geht es dann weiter? Habt ihr schon ein Konzept für einen Wiedereinstieg? Gibt es Gedanken über eine spätere Zusammenarbeit mit dem Schlachtgarten für Konzerte im Sommer, wo eventuell mehr als 120 Zuschauer zu erwarten sind?
Pille: Gedanken über Kooperationen habe ich mir schon gemacht. Jetzt geht es aber erst einmal um die Planung für den Sommer, wo hoffentlich wieder die Möglichkeit gegeben ist, mit geeigneten Konzepten, Veranstaltungen durchzuführen. Darüber hinaus könnte eine Zusammenarbeit auch nach Corona im Sommer sinnvoll sein. In der Rampe ist es im Sommer manchmal doch sehr warm, sodass eine Openair-Location auch für die Zuschauer attraktiv sein kann. Ich kann auch nur sagen, dass es mit dem Schlachtgarten in jeder Hinsicht eine gute Zusammenarbeit im letzten Jahr war. Dass Konzerte vor dem Herbst in der Rampe stattfinden werden, halte ich für eher unwahrscheinlich, es sei denn es sind kaum spezielle Hygieneregeln zu beachten, da vermutlich die Zuschauerzahl sonst so begrenzt sein wird, dass ein Konzert sich nicht tragen kann.

AQ2A5701Sounds Of South: Nun aber noch einmal ein kleiner Rückblick auf 15 Jahre Kulturrampe. Wie viele Konzerte haben auf der schrägen Bühne schon stattgefunden? Gab es für dich besondere Highlights oder Momente, wobei die Frage natürlich schwer zu beantworten ist, da jeder Künstler und jedes Konzert für sich etwas Besonderes ist.
Pille: Ich schätze, dass es um die 1500 Konzerte waren. Es gab natürlich einige besondere Momente, wo, wie du gesagt hast, nicht unbedingt die Qualität der Musik die entscheidende Rolle spielte. Ich erinnere mich an die Band Times Bold, die Indiepop macht. Das ist schon sehr lange her, war für mich aber ein Moment, der mir zeigte, dass es richtig ist, was wir hier machen. Die Band war fast fertig und spielte noch eine Zugabe. Dafür setzten Sie sich auf die Bühnenkante, holten eine singende Säge raus, ließen die erklingen und sangen dazu einen Song. Die vielleicht 45 Zuschauer gingen alle nach vorne zur Band und ich stand hinten hinter der Theke, es war mucksmäuschenstill, man hörte nichts außer der Säge und dem Gesang der Band. Es war irgendwie ein magischer Moment, der mich in meinem Tun bestärkte.

DSC0012-1024x682Sounds Of South: Wo du gerade von der Ruhe redest. Ich erinnere mich an ein Konzert, wo du Gäste aufgefordert hattest, eine lautstarke Unterhaltung zu beenden, da alle anderen hier sind, um Musik zu hören.
Pille: Ja, das kommt zum Glück sehr selten vor, da wir hier ein sehr musikbegeistertes und auch diszipliniertes Publikum haben, welches einen großen Respekt vor der Arbeit der Musiker hat.

Sounds Of South: In einem ähnlichen Zusammenhang erinnere ich mich an eine Ansage von dir vor einem Konzert, wo du darum gebeten hast, dass nach dem zweiten Stück, keine Bilder mehr gemacht werden sollen. Dies hatte mich damals zunächst irritiert, da ich für Berichte auch einiges an Bildern mache, aber versuche, mich so am Bühnenrand, zuweilen sogar fast hinter den Boxen aufzuhalten, um nicht zu stören.
Pille: Ja, da hast du Recht. Es gibt Fotografen, die sich respektvoll verhalten, aber es gibt auch Knipser, die regelrecht störend sein können, wenn die Kamera oder das Handy hochgehalten werden, dass die dahinter Stehenden nichts mehr sehen, wenn geblitzt wird, oder einfach nicht erkannt wird, wenn ein Moment der Ruhe ist und nicht, um vor der Bühne rum zu hüpfen oder klickende Reihenaufnahmen zu machen.

100A4576-BearbeitetSounds Of South: Da bin ich ja beruhigt, da ich mich da nicht angesprochen fühle. 😉 Nun aber wieder zurück zu besonderen Momenten.
Pille: Da fällt mir sofort ein, wo Robert Jon & The Wreck und Hogjaw, zwei Bands, die ich besonders schätze, gemeinsam auf der Bühne standen. Da hab ich gedacht … eigentlich hab ich gar nichts gedacht. Ich habe nur gespürt, dass dies etwas ganz Besonderes, auch für die Zuschauer war. Aber auch sonst gab es viele besondere Künstler. Mit einem Blaze Bailey, einen ehemaligen Sänger von Iron Maiden hier zu haben, oder Little Caesar, das war schon stark. Für mich waren aber auch alle anderen für sich etwas Besonderes. Der Vorteil ist natürlich, dass ich die Musik der Künstler, die hier auftreten, gut finde.

100A0679-Bearbeitet_bearbeitet-1-1024x683Sounds Of South:  Für uns gab es auch viele Momente, in denen wir Kontakte zu Künstlern gewonnen haben und wir fühlen uns in der Rampe fast schon wie in einem zweiten Wohnzimmer. Was mich persönlich auch freute, war, dass mindestens ein Bild im Absolva-Livealbum, von einem Konzert in der Rampe stammte.
Pille: Ihr seid bei uns auch immer willkommen, da es für uns auch eine gute Sache ist, wenn über Konzerte in der Rampe zeitnah und authentisch berichtet wird.

Sounds Of South: Danke Pille, dass du dir die Zeit genommen hast. Ich wünsche und hoffe, dass deine Pläne für 2021 sich erfüllen und wir dann, wenn es möglich ist, unter dem Motto „Kein Rock`n`Roll ist auch keine Lösung“, wieder von vielen Konzerten berichten können.

Das Interview führte Gernot Mangold.

Kulturrampe Krefeld
Kulturrampe Krefeld bei Facebook

Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws – 20.08.2020, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

Ded_haupt

Es war der Moment, auf den ich seit dem 05.03.2020 sehnsüchtig gewartet habe. Das war nämlich der letzte Tag, an dem ich dieses Jahr ein Konzert besucht habe. Da hatte die Marcus King Band schon im Zuge erster Coronafälle in Köln noch einen saustarken Gig abgeliefert. Ab da, außer CD- und EP-Reviews, gähnende Leere in unserem Magazin.

Die Kulturszene, besonders in unseren bevorzugten Sphären, wurde von der Politik sträflich im Stich gelassen (wen wundert es bei Politikern der Marke Jens Spahn?), die Rede von Verzweiflung bis zum Bangen um die nackte Existenz grassierte allerorts, von den Betreibern, Veranstaltern bis hin zu den Künstlern selbst.

Mittlerweile gibt es erste dezente Bemühungen, mit ganz kleinen Schritten, auch im Konzertgeschehen, unter Einhaltung von Auflagen, wieder Fuß zu fassen. „Kein Rock ’n‘ Roll ist auch keine Lösung“ meinte Kuturrampenchef Markus ‚Pille‘ Peerlings‘ und tat sich mit Schlachtgarten-Betreiber Kolja Amend zusammen, um langsam wieder erste Gigs zu veranstalten.

An diesem Abend des 20. Augusts hatte sich die texanisch-niederländische Combo Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws angesagt, ein wunderbarer Act, um wieder ins Geschehen hineinzufinden. Also machten sich Kollege Gernot und ich zeitgemäß nach Krefeld auf, um aus der für uns neuen Location zu berichten.

Es waren maximal 99 Besucher zugelassen, deren Grenze auch knapp unter Maximum erreicht wurde. Alle mussten sich brav registrieren und sich in bestimmten Situationen an die Maskentragpflicht halten. Ansonsten konnte man sich unter Einhaltung der Abstandswahrung ohne Maske an seinem Platz bewegen. Schön wieder mal die vielen bekannten Gesichter zu sehen, die sonst in der Rampe oder bei Gigs der Bluesszene anzutreffen sind, aber auch einige neue Leute. Insgesamt ein schönes und angenehmes Ambiente.

Um 20:00 ergriff Pille (Kompliment übrigens für den Kinnbart!) das Mikro zur Ansage, kurze Zeit später kamen Dede, Johnny & Co. auf die Bühne, um mit dem rhythmischen „Did You Plan To Leave Me Now“ und „Wade In The Water“, den drückend schwülen Temperaturen angemessen, südstaatlich-blues rockig einzuheizen.

Die charismatische Texanerin, ganz in schwarz gekleidet, wieder mit den obligatorischen fingerlosen Handschuhen agierend, lief von Anbeginn zu Höchstform auf. Sowohl mit grandioser Stimme (die vorbeirauschenden Züge im abendlichen Hintergrund hatten gegen sie absolut keine Chance, geräuschmäßig Paroli zu bieten), starkem E-Gitarrenspiel (ihre vielen quirligen Soli immer mimisch/stimmlich mitbegleitend) als auch raunzender Violine (herrlich, wenn sie oft in bester Domina-Manier den Bogen bestimmend in die Luft hielt), der sie sogar Wah-Wah-Töne entlockte, animierte sie die Audienz immer wieder zu teils staunenden Beifallsbekundungen.

Aber auch Johnny Clark gab auf seiner Stratocaster und Gibson Les Paul (die kam meistens bei Songs mit Slide-Parts zum Einsatz) einen starken Counterpart ab. Ab und zu, wie u. a. beim schönen Hendrix-Cover „Hey Joe“ oder „Alaska“ übernahm er auch die schön rauchig gesungenen Lead Vocals. Die Rhythmusfraktion mit Ray Oostenrijk und Leon Toonen konzentrierte sich unaufgeregt, gänzlich auf ihren Job.

„You Are Love“, „Crocuses“, „Drinkin‘ Again“, das slow-bluesige „What It Is Ain’t What it Ain’t“, „Vermillion Allure“ und das eine Pause einläutende „Flowers Under The Bridge“ hinterließen bei mir besonderen Eindruck im immer noch schwül-warmen Krefelder Schlachtgarten, der eher einer Location in den Bayous Louisianas glich.

Schwarze Wolken und sporadisch runter fallende Tropfen während der 10-minütigen Unterbrechung, erzeugten ein paar angstvolle Blicke gen Himmel, wurden aber von der stimmlichen Urgewalt Priests samt Androhung eines „Texas Hurricane“ schnell zum Weiterziehen ‚überzeugt‘. Mit Tracks wie u. a. dem bereits erwähnten „Alaska“, dem abermals swampigen „Lynched At The Crossroad“, (Dede singt phasenweise durch ein Megafon), dem countryesken „Strawberry Party“ und dem Abschluss des Hauptteils „Cotton Candy“, steigerte sich Stimmung im Publikum kontinuierlich, sodass es um 22:00 Uhr noch in die Verlängerung ging.

Nach dem stimmungsvollen Freddie King-Cover „Palace Of The King“ und dem herrlichen „Spinning Down“ (Dede und Johnny mit Wechselgesang, sägende Fiddle) als Finale erhoben sich die Leute zu stehenden Ovationen. Man merkte allen Beteiligten die herabfallende Last an, die sich in den vergangenen Monaten in den meisten Köpfen angehäuft hatte.

Von der Dame an der Getränkeausgabe, dem Licht- und Tontechniker, der Band Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws, den engagierten Organisatoren Pille und Kolja, über die diszipliniert agierenden Besucher, trugen alle zu einem denkwürdigen Abend mit toller Musik bei, der hoffentlich peu à peu wieder in die kulturelle Normalität zurückführt. Rock ’n‘ Roll ist von daher immer eine Lösung!

Line-up:
Dede Priest (lead vocals, electric guitar, fiddle)
Johnny Clark (electric guitar, vocals, lead vocals)
Ray Oostenrijk (bass)
Leon Toonen (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Dede Priest
Johnny Clark & The Outlaws
Johnny Clark & The Outlaws bei Facebook
Dede Priest bei Facebook
Schlachtgarten Krefeld
Kulturrampe Krefeld

Thorbjorn Risager & The Black Tornado – 06.02.2020, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Ris-haupt

Thorbjörn Risager machte an einem Donnerstag-Abend die Kulturrampe in Krefeld voll. Dies sogar in zweierlei Hinsicht. Schon Tage vorher war die letzte Karte über den Tresen gegangen, sodass nicht nur die Bude prall gefüllt war, sondern auch die Bühne bis zum letzten Quadratmeter, damit alle Mannen um den Bandleader Platz finden konnten.

Schnell füllte sich der kleine, aber feine Konzertsaal mit Risager-Fans, von denen einige schon auf Konzerten in den Tagen zuvor waren und um kurz nach acht Uhr kündigte Pille Peerlings nicht ohne erkennbaren Stolz die Band an. Interessant ist dabei, dass die Initiative für den Auftritt von der Risager & Co. ausging und die Rampe der kleinste Veranstaltungsort der Tour war.

Es scheint sich bei den Musikern herumgesprochen zu haben, dass den Krefelder Club ein Flair umgibt, den man als Musiker gerne mitnimmt. Im Laufe des Konzertes gab Risager dies auch zum Ausdruck, dass nicht die Menge der Besucher ausschlaggebend für einen gelungenen ausschlaggebend sei, sondern eher das Ambiente und die Stimmung.

Die Band legte direkt los wie die Feuerwehr und präsentierte den Besuchern ein zweiteiliges Set von insgesamt knapp 2 Stunden Spieldauer, wo ein Klassesong den nächsten jagte. Risager wählte eine bunte Mischung aus alten Stücken und neuen, vom erst Anfang des Jahres bei Ruf-Records erschienen Album „Come On In“. Positiv war dabei, dass das neue Werk mit sieben Songs zu großen Teilen dem Publikum präsentiert wurde.

Insgesamt kamen alle Lieder sehr gut beim begeistert mitgehenden Publikum an, wobei die gefühlvolle Ballade „Two Lovers“ im ersten Set besonders hervorstach, während im zweiten Part „Over The Hill“ (Gitarrist Joachim Svensmark bearbeitete hier seine Gitarre zunächst mit einem Geigenbogen) und „Sin City“ herausragten, wo Hans Nybo neben dem Saxofon, auch an einem Kreissägenblatt, welches am Mikrofonständer hing, im Takt anschlug und Drummer Martin Seidlin damit assistierte.

Ohnehin muss gesagt werden, dass der Schwarze Tornado Risager fulminant unterstütze. Neben der spielerischen Güte muss die Spielfreude hervorgehoben werden, mit der die Musiker die Besucher von der ersten Sekunde bis zum Schlussakkord mitnahmen. Risager selbst moderierte gut gelaunt und humorvoll durch das Konzert, war stimmlich sowohl bei den treibenden rockenden Stücken, wie auch den Balladen stimmlich bestens aufgelegt und überzeugte mit einigen starken Gitarrensoli. Was die Gitarrenarbeit angeht, muss der Jungspund der Band, Joachim Svensmark hervorgehoben werden, der zuweilen wie ein Derwisch über die Saiten fegte aber auch gefühlvolle Soli hinlegte.

Die Rhythmussektion um Drummer Martin Seidelin, wie immer mit seinem roten Hut Grimassen schneidend und Basser Søren Bøjgaard, der in einigen Songs auch über einen Syntheziser, Basslinien einspielte, legten eine volle Grundlage im klar ausgepegelten Sound in der Kulturrampe. Kompliment an dieser Stelle schon einmal für Malte Menzer, der nicht nur einen tollen Sound in die Rampe zauberte, sondern die Bühne auch mit einem schönen Licht illuminierte.

Die Würze in den Blues und Rock’n’Roll von Thorbjörn Risager & The Black Tornado geben Peter W Kehl an der Trompete und Hans Nybo am Saxophon, beide zuweilen auch als Backgroundsänger, Tänzer und Einpeitscher agierend und Emil Balsgaard, der sein Piano zum Teil mit Honkytonk-Einlagen zum Glühen brachte.

Neben den neuen Tracks begeisterten aber auch die alten, wobei die Band bei „Hold My Lover Tight“ eine Energie auf die Bühne brachte, dass förmlich die Decke abhob.

Atmosphärisch herausragend waren „Rock’n’Roll Ride“, bei dem das Publikum begeistert im geänderten Refrain auf Deutsch mitsang und Risager so stimmlich auf das am nächsten Tag folgende Konzert in Berlin begleitete und die launige Zugabe „Baby Please Don’t Go“, dem viele Besucher auch folgten und nicht direkt nach dem Konzert die Kulturrampe verließen, sondern sich am Merchandise-Stand mit Utensilien versorgten und den einen oder anderen Plausch mit den bestens gelaunt bereit stehenden Musikern hielten.

So hatte ein herausragender Konzertabend einen würdigen Abschluss gefunden, der im Sinne der Besucher noch des öfteren wiederholt werden könnte. Ein großer Dank an Pille dafür, dass es ihm immer wieder gelingt, in die kleine aber feine Kulturrampe solch hochkarätige Acts hinein zu locken.

Line-up:
Thorbjørn Risager (lead vocals, guitar)
Joachim Svensmark (guitars, keys, vocals)
Emil Balsgaard (keys)
Søren Bøjgaard (bass)
Martin Seidelin (drums, percussion, vocals)
Hans Nybo (saxophone, vocals)
Peter W Kehl (trumpet, percussion, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
Thorbjørn Risager & The Black Tornado bei Facebook
Kulturrampe Krefeld