Bywater Call – 11.06.2022, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

In Rheinberg, meiner Heimatstadt, in der ich jetzt 56 meiner insgesamt 59 Lenze wohnhaft bin, war am letzten Wochenende Stadtfest, das Corona-bedingt, jetzt schon diverse Male abgesagt worden war. Verlass beim musikalischen Rahmenprogramm war, wie sooft in der Vergangenheit, wieder mal auf die Ideenlosigkeit der kulturell Verantwortlichen in diesem Ort, die sich, wie gewohnt, überwiegend auf Amateur-Coverbands fokussiert hatten.

Gottseidank, gibt es (natürlich auch in Rheinberg, wir haben mit dem Schwarzen Adler und dem to hoop zwei gute Clubs) genug Menschen, die entsprechende Synapsen zu solchen Dingen in ihrer DNA verankert haben, einer davon ist sicherlich Markus ‚Pille‘ Peerlings, der mit seiner liebevoll und kreativ geführten Kulturrampe in Krefeld, trotz begrenzter Mittel, immer wieder für ein, von Diversität und hochklassigem Niveau geprägtes Angebot mit seinem Namen steht.

So war an diesem Abend die Entscheidung leicht, denn das aus Toronto, Kanada, stammende Septett Bywater Call hatte sich nach ihrem begeisternden Auftritt vor knapp 2 1/2 Jahren wieder an gleicher Stätte angesagt. Also klarer Fall, klimaneutraler Fingerabdruck hin oder her, statt die bequeme Variante zu Fuß in Rheinbergs Innenstadt zu wählen, ab ins 25 km entfernte Krefeld.

Ehrlicher Weise muss ich attestieren, dass während des Gigs auch nicht alles ganz rund lief. Die Band wirkte am vorletzten Abend ihrer ausgiebigen Europa-Tournee etwas ausgelaugt, die Fronterin Meghan Parnell schien gesundheitlich angeschlagen (sie hüstelte immer wieder und klammerte sich oft an ihr Wasserglas), es gab kleinere technische und spielerische Pannen, was aber guten den Gesamteindruck des Gigs absolut nicht in Frage stellen soll.

Bywater Call eröffneten mit „One Before“ und spielten sich im weiteren Verlauf durch ein zweiteiliges Set, das schon mit Stücken aus ihrem demnächst erscheinenden neuen Album „Remain“ (vor Ort konnte man es schon am Merchandisingstand erwerben) gespickt war. Ihr jam-soul-rockiger, spielfreudiger Stil auf Basis einer stimmstarken Frontfrau, erinnerte natürlich immer wieder an die Tedeschi Trucks Band.

Basierend auf starker Rhythmusgrundlage durch Drummer Bruce McCarthy und Mike Meusel (mit markantem Groove) konnte sich der Rest der Musiker in den instrumentellen Zwischenteilen immer wieder mit Soli profilieren. Gitarrist Dave Barnes, der mich rein optisch eine eine Kreuzung aus Derek Trucks und Robert Habeck erinnerte, griff natürlich auf die Trucks-typischen Slide-Soli zurück, die beiden Blasmusiker Stephen Dyte und Julian Nalli hatten auch Spaß am Betätigen der vor ihnen stehenden Cowballs, die sie hier und da als perkussive Unterstützung für McCarthy einsetzten.

Meine Favoriten des Abends waren die schöne Ballade „Remain“ und der BC-Song mit dem bislang wohl höchsten Wiedererkennungswert „Silver Lining“. Am Ende sammelten die Musiker nochmals alle ihre Kräfte und erfüllten die lautstark geforderte Zugabe der begeistert mitgehenden Rampenbesucher mit „AM“, wo alle Involvierten nochmals namentlich vorgestellt wurden und sich mit ihren Kurzsoli ‚in eigener Sache zeigen‘ konnten.

Am Ende stellte sich, trotz der kleinen marginalen Beanstandungen, die Entscheidung, Bywater Call in der Kulturrampe zu besuchen, als richtig heraus. Man sollte kreativen Acts immer den Vorzug vor Coverbands geben. Und das kann man in diesen urigen Clubs wie der Rampe einfach am besten!

Line-up:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar, bgv)
Alan Zemaitis (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Allen-Forrester Band – 01.06.2022 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Drei Konzerte innerhalb von sechs Tagen, das war für mich nach der langen Corona-Phase und den dadurch bedingten Entbehrungen samt beruflicher Veränderung, durchaus erstmal eine Herausforderung. Von Whitesnake in einer Arena, ging es über Larkin Poe in einer mittelgroßen Location wieder zurück in die von mir präferierten, kleineren Clubgefilde, diesmal in Sachen der Allen-Forrester Band in die geliebte Kulturrampe zu Krefeld.

Verkehrte Welt, unser Team bestand mit Michael Segets und mir aus zwei Schreiberlingen, die etatmäßigen Fotografen standen nicht zur Verfügung. Und so einigten wir uns im Rahmen unserer mitgeführten Amateurkameras, dass Michael das Knipsen und meine Wenigkeit das Schreiben übernimmt und wir am Ende mal gucken, was so an Bildern herauskommt.

Die Allen-Forrester Band ist ein Rock-, Blues und Southern Rock-Projekt der beiden amerikanischen Musiker Josh Allen und Ben Forrester, das durch die deutsche Rhythmusfraktion Hendrik Herder und Matthias Böhm ergänzt wird, beide übrigens im gesamten Verlauf fulminant mitagierend.

Das Quartett hat aktuell eine Live-CD am Start, aus der dann Tracks wie u. a. „Mr. Boss Man“ (auch an diesem Abend der Opener nach Pilles Ansage), „Say My Name“, „Too Late“, „This Evening“, „Don’t Keep Me Wondering“ und die beiden Skynyrd-Cover „Whiskey Rock-A-Roller“ sowie „Workin‘ For MCA“, ausgiebig vorgestellt wurden.

Die Rollenverteilung ist dabei eindeutig festgelegt, Josh Allen gibt mit seiner hervorragend zur Musik passenden, rau-kratzigen Stimme den Fronter, der dazu im E-Gitarrenbereich (mit Stratocaster und Telecaster) überwiegend den Zuspieler für den filigran auf einer Gibson Les Paul zu Werke gehenden Ben Forrester abgibt, zwischendurch aber auch mit kurzen Twins und Soli sein Können an den Saiten beweist.

Herder und Böhm hatten die Funktion der Treiber inne, ließen in den zwei gespielten Sets dabei immer wieder sowohl kraftvolle Rhythmen los, als auch gefühlvolles Gespür aufblitzen.

Im ersten Part zählten das southern-soulige „Oh Carolina“, die Ballade „Phases Of The Moon“ und das atmosphärische Southern-Stück „Wiser Time“ zu meinen Favoriten. Nach der halbstündigen Pause zur Kompensierung der Flüssigkeitshaushalte, gab es für mich nach rockigem Beginn mit „Don’t Keep Me Wondering“ und „Shake Your Magnolia“ den Höhepunkt in Teil 2 mit „Too Late“, in dem Forrester im Mittelteil ein grandioses ‚Leise‘-Spiel-Solo vom Stapel ließ, bei der man in der Rampe eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Die verzückte Audienz wurde dann aber durch einen krachenden Donnerdrumschlag von Böhm abrupt wieder in die Realität zurückbefördert, wo Allen dann mit Gesang und weiterem E-Solo, den Song ausklingen ließ. Wie im Fluge war dann mit einer dynamischen Cover-Version von „Workin‘ For MCA“ (unter Beteiligung der wie so oft wild vor der Bühne tanzenden ‚Kulturrampettes‘) das Ende des Hauptteils eingeläutet.

Wer das Publikum der Rampe kennt, weiß, dass so eine starke Vorstellung, nicht ohne Zugaben ihr Ende findet. Und so ließen sich Allen, Forrester & Co. nicht lange bitten und gaben mit „Forbidden Fruit“ und extra für den Kollegen und großen Jam-Freund Michael Segets, noch eine Adaption des Allman Brothers-Klassikers „Whipping Post“ zum Besten. Klasse hier wie Forrester mit einem Trommelstock in der linken Hand, Böhm in ABB-Butch Trucks-Manier quasi phasenweise als Zweitdrummer unterstützte.

Auf der Rückfahrt, die drei Gigs Revue passierend, fragte ich mich spontan, warum die Allen-Forrester Band vor nur knapp 40 Zuschauern kämpfen muss und Larkin Poe (und da will ich deren Leistung wirklich nicht schmälern, die war wirklich klasse) unter fast gleicher Quartett-Konstellation, locker mal 1.300 Leute aktivieren kann.

Gut, aus männlicher Sicht bin ich, optisch gesehen, natürlich auf der Seite der Mädels, aber wenn man die reine musikalische Gesamtleistung (Gesang, Songmaterial, spielerische Umsetzung), betrachtet, liegt hier, wenn man ehrlich ist, die Allen-Forrester Band eigentlich ein Stück weit vorne. So kommt man zu später Stunde, wie so oft, zur Einsicht, dass das Leben auf dieser Welt manchmal doch ziemlich ungerecht sein kann…

Line-up:
Josh Allen – lead vocals, electric guitar
Ben Forrester – electric guitar, bgv
Hendrik Herder – bass, bgv
Matze Böhm – drums

Bilder: Michael Segets
Text  und Bilder (s/w): Daniel Daus

Allen-Forrester Band
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Kulturrampe Krefeld

Jonah Smith – 23.04.2022, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Der amerikanische Singer/Songwriter Jonah Smith macht während seiner Europatour auch Halt in der Krefelder Kulturrampe. Mit seiner Begleitband betrat er unter dem Applaus der etwa zur Hälfte gefüllten Kulturrampe die Bühne und spielte ein Konzert in zwei Sets, das es in sich hatte und ein volles Haus verdient gehabt hätte.

Schnell sorgte Smith dafür, dass der Funke auf die Besucher übersprang. Es wurde im Takt mitgetanzt und es war zu erkennen, wie die Fans die Musik regelrecht aufsaugten, was natürlich auch auf der Bühne ankam und sich in den Gesichtern der Musiker wiederspiegelte.

Smith begeisterte mit seiner vollen, klaren, oft souligen Stimme, wobei die Bandbreite der Songs sich nicht in einer Stilrichtung einordnen ließ. Es waren Einflüsse von Americana, Country, Soul, Blues, Folk und auch Southern Rock erkennbar, sodass für ein abwechslungsreiches kurzweiliges Konzert gesorgt war.

Beim verträumten „Easy Prey“ fühlte man sich zurückgesetzt in Zeiten, als die Eagles „Desperado“ veröffentlichten, wo Smith auch mit starken Keyboardspiel glänzte. Zum Ende des ersten Sets lieferte er mit dem leicht souligen „My Morning Scene“ und „World Of Love“, das vom Songwriting auch zu Tom Petty gepasst hätte, noch einmal zwei Kracher.

Das zweite Set eröffnete die Band mit einer tollen Version des Steve Winwood-Klassikers „Can´t Find My Way Home“ bei dem Ben Forrester, wie bei fast allen Songs, mit toller Gitarrenarbeit glänzen konnte, um mit dem 2006 veröffentlichten „When We Say Goodnight“ einen Track nachzulegen, den Bonnie Raitt auch auf ihrem aktuellen Album parat hat, was nochmals das starke Songwriting Smiths zeigt.

Höhepunkte im zweiten Set waren für mich aber die Southern Rock-angehauchten „Buzzing Flies“ und „Killing Time“ mit typischen Southernsoli von Forrester und groovendem Pianospiel von Smith. Schön war auch „Lights on“, als Smith das Keyboard an Drummer Simon Danninger übergab, der hier auch exzellente Harmoniegesänge beisteuerte, während Smith bewies, dass er auch die akustische Gitarre spielen kann.

Mit „Skyscraper Blues“ wurde der Hauptteil des Konzerts beendet. Hier zeigte die Rhythmussektion ihre Klasse, wo insbesondere Bassist Johannes Göller mit einem feinen Basslauf begeistern konnte. Nach entsprechenden Zugabeforderungen legte die Band noch „Tell It To The Mountain“ und “I Shall Be Released“ nach. In der Ankündigung zum letzten Song, erinnerte Smith noch einmal an Levon Helm von The Band, mit welchem er früher öfter zusammengearbeitet hatte, dessen Todestag sich dieses Jahr zum zehnten Mal jährt.

Nach etwa 120 Minuten Spielzeit war dann ein tolles Konzert einer sympathischen Band beendet, die sich nach dem Konzert in der Kneipe der Rampe zum Smalltalk unter die Gäste mischte und so den Abend ausklingen ließ.
Es bleibt zu hoffen, dass dieser begnadete Musiker wieder den Weg nach Krefeld findet und dann eine volle Hütte vorfindet. 

Line-up:

Jonah Smith – vocals, keyboards, guitar
Ben Forrester – guitar
Johannes Göller – bass
Simon Danninger – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Jonah Smith
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Kulturrampe Krefeld

Cruzados, 01.04.2022, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Nach zwei Alben war für die Cruzados Ende der 1980er erst einmal Schluss, nachdem Frontmann Tito Larriva mit Tito & Tarantula durchstartete. Nach 35 Jahren lässt Bassist und Songwriter Tony Marsico den damaligen Geist der Band wieder aufleben. Neue Mitstreiter fand er bei den Jungs von Little Caesar, die nicht nur das aktuelle Album „She’s … Automatic“ mit einspielten, sondern nun auch die Scheibe live in Europa vorstellen.

Markus Peerlings von der Kulturrampe freute sich sichtlich, den neuen Act aus dem Programm von Teenage Head Music ankündigen zu dürfen. Dies tat er mit Blick auf den Song „54 Knockouts“ im Stil eines Michael Buffer und eröffnete so die kurzweilige Show der Cruzados.

Mit Ausnahme von „Rock That Boat“ präsentierte das Quintett sämtliche Stücke des Longplayers, die die Hälfte des Konzerts füllten. Daneben gab es einzelne Songs der beiden Cruzados-Alben aus den 1980ern. „Rising Sun“ – der allererste Track der Band – und „Motorcycle Girl“, das den Abschluss des Hauptsets bildete, zählen zu den besten Tracks der frühen Cruzados. Von dem Debüt stammte noch das staubige „Hanging Out In California“ sowie als einziger Titel von der zweiten CD „Bed Of Lies“. „Endless Sun“, einen noch unveröffentlichten Song von Marsico, performte die Band erst zum zweiten Mal vor Publikum.

Den temporeichen Einstieg in den Abend bildete der Titeltrack der aktuellen Veröffentlichung, dem „Nine Million Tears“ und „On A Tilt A Whirl“ nahtlos folgten. Danach richtete Sänger Ron Young einige Worte an das Publikum. Mit Little Caesar gehört er ja quasi zu den Stammgästen in der Kulturrampe, wobei Young betonte, dass er von der Location – und natürlich von dem Krefelder Publikum – begeistert ist.

Dieser Ansage ließ er Taten folgen, denn Young gab wieder richtig Dampf auf der Bühne und die Zuhörer dankten es ihm mit gehörigem Applaus. Die Stimmung im gut gefüllten Saal war ausgelassen. Im Vergleich zu den Zeiten vor Corona stand das Publikum etwas lockerer, sodass sich genügend Raum bot, um die Tanzbeine kräftig zu schwingen. Diese wirbelten besonders vor der Bühne zusammen mit Haaren und sonstigen Gliedmaßen.

Das straight rockende Set wurde nur vereinzelt durch langsamere Stücke unterbrochen, so durch das als Country-Ballade angekündigte „Sad Sadie“ und das von Tito & Tarantula für den Soundtrack zu „From Dust Till Dawn“ geschriebene „After Dark“. Hier wurden die Gäste in das hitzeflimmernde Mexiko entführt. Dabei ist es sicherlich besser, die Musik in der Rampe unter Freunden und Bekannten zu hören als in der Titty Twister Bar unter Vampiren.

In LA, der Herkunftsstadt der Band, kommt man am Filmbusiness anscheinend nicht vorbei. Die Cruzados hatten für „Road House“ mit Patrick Swayze „Don’t Throw Stones“ eingespielt. Marsico leitete den Song mit launigen Bemerkungen über die Qualität des Streifens ein. Der Track kann sich jedoch hören lassen.

Rob Klonel am Schlagzeug sorgte für den richtigen Druck bei den Songs, unterstützt von dem souverän aufspielenden Tony Marsico am Bass. Loren Molinare stellt mit seinen eigenwilligen Bewegungen und ebensolcher Mimik einen Aktivposten neben Sänger Ron Young dar. Für die filigraneren Gitarrenparts und -soli zeichnete Mark Tremalgia verantwortlich.

Highlights des Hauptsets waren für mich „Across This Ghost Town“, das etwas langsamer als auf dem Longplayer gespielt wurde, sowie die zweite Singleauskopplung „54 Knockouts“. Hervorstach auch „Son Of The Blues“, bei dem Young seine Stimme technisch verzerrte. Vor „Long Black Car“ gab er eine kurze Katzen-Anekdote zum Besten, die ähnlich wie die Fotos der Vierbeiner immer zieht.

Nach siebzig Minuten war die Setlist zügig durchgerockt. Als Zugabe folgten „Back To The House Of Love“, das ebenfalls von Tito & Tarantula stammt, sowie der Klassiker „Have Love Will Travel“. Mit der Rock ’n Roll-Nummer „Johnny Pay To Play“ verabschiedeten sich die Cruzados von der Bühne, um am Merchandise-Stand für Unterschriften, Fotos oder Small Talk zur Verfügung zu stehen. Die Gespräche können im September fortgesetzt werden, wenn Little Caesar auf ihrer Tour erneut in der Kulturrampe Station macht. Lediglich Marsico wird dann nicht mit von der Partie sein.

Bis dahin bleibt der Auftritt der Cruzados mit dem charismatischen Tony Marsico sicherlich im Gedächtnis. Geprägt war der Abend von gradlinigem, gitarrengetriebenen Rock, der das Publikum mitgenommen hat. Zudem ließen die eingestreuten musikalischen Ausflüge in das amerikanisch-mexikanische Grenzgebiet den Schneeregen draußen vergessen.

Line-up:
Ron Young (lead vocals)
Loren Molinare (guitar, bgv)
Mark Tremalgia (guitar, bgv)
Tony Marsico (bass, bgv)
Rob Klonel (drums)

Text: Michael Segets
Bilder: Gernot Mangold

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Teenage Head Music
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Cruzados – She’s … Automatic! – CD-Review

Review: Michael Segets

Ende der 1980er, als CDs noch auf dem Vormarsch waren, erstand ich den ersten selbstbetitelten Longplayer (1985) der Cruzados auf dem Wühltisch. Die Band war mir völlig unbekannt und ich griff auf gut Glück zu. Am nächsten Tag war ich wieder im Laden und staubte die zweite Scheibe „After Dark“ (1987) zum Sonderpreis ab. Dies war der wesentliche Output der Truppe, die sich auflöste als Frontmann Tito Larriva mit Tito & Tarantula eine neue Band gründete, die Mitte der 1990er nicht zuletzt durch die Mitwirkung an dem Film „From Dust Till Dawn“ größere Bekanntheit erlangte.

Etwa zu dieser Zeit drehten sich auch die beiden Cruzados-Alben das letzte Mal in meinem Player. Erst als ich durch die Konzertankündigung der Kulturrampe darauf aufmerksam wurde, dass die Band tourt, griff ich wieder ins Regal holte die alten CDs hervor und besorgte mir das neue Album.

Treibende Kraft hinter der Reanimation der Cruzados ist Songwriter und Bassist Tony Marsico, der bereits mit Bob Dylan, Neil Young, Roger Daltrey, Marianne Faithfull und Willie Nelson zusammenarbeitete. Als einziges Mitglied des ursprünglichen Quartetts suchte er Mitstreiter, mit denen er den Geist der Cruzados wieder aufleben lassen konnte. Fündig wurde er als neuen Sänger bei Ron Young von Little Caesar, der seine Gitarristen Loren Molinare und Mark Tremalgia sowie den Schlagzeuger Rob Klonel mitbrachte.

Marsico empfand das frühzeitige Ende der Cruzdados immer schon als unbefriedigend und möchte das neue Album als Reminiszenz an die beiden verstorbenen Ur-Cruzados Marshall Rohner und Chalo Quintana verstanden wissen. Das Projekt unterstützten auch andere Musiker aus der LA-Szene. So sind als Gäste unter anderem David Hidalgo und Steve Berlin von Los Lobos oder auch Dave Alvin dabei.

“She’s … Automatic!” ist eine Scheibe geworden, die von vorne bis hinten rockt, einzig unterbrochen durch die mittig platzierte Ballade „Sad Sadie“. Straight forward gehen neben dem Titeltrack auch der Opener „On The Tilt A Whirl“ und „Wing And A Prayer“. Klasse gitarrengetriebenen Rock bieten „54 Knockouts“ sowie das staubige „Nine Million Tears“. Daneben finden sich der Boogie „Let Me Down“ und das Southern-Flair versprühende „Across This Ghost Town“. In Richtung Bluesrock gehen „Son Of The Blues“, „Long Black Car“ ebenfalls wie das abschließende „Rock That Boat“.

Tony Marsico als einziges Bandmitglied der Urbesetzung lässt die Cruzados wieder auferstehen. Mit Ron Young als neuem Frontmann liefert die Band eine Scheibe ab, die ein hohes Tempo geht. Ehrlicher, handgemachter Rock, der ohne Schnörkel die Songs auf den Punkt bringt, stehen auf dem Programm. Die aktuellen Auftritte, mit denen „She’s … Automatic!” promotet wird, versprechen Highlights in der nun wieder anlaufenden Konzertsaison zu werden.

Deko Entertainment/Cargo (2022)
Stil: Rock

Tracks:
01. On The tilt A Whirl
02. Across This Ghost Town
03. Nine Million Tears
04. She’s Automatic
05. Son Of The Blues
06. Sad Sadie
07. Long Black Car
08. Let Me Down
09. Wing And A Prayer
10. 54 Knockouts
11. Rock That Boat

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Samantha Martin & Delta Sugar, 05.11.2021, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Was für ein Abend mit Samantha Martin & Delta Sugar in der erstmals seit langem wieder ausverkauften Kulturrampe. Ok, ganz so viele Konzertgelegenheiten hat es seit dem Corna-bedingten Lockdown in der Krefelder Location ja auch noch nicht gegeben. Aber immerhin fand auch parallel zur gleichen Zeit ein Mega-Sport-Event im naheliegenden Mönchengladbach statt (Borussia Mönchengladbach Ü23 – Rot-Weiss Essen 1:2). Wie bekannt, war man ja in den etwas wärmeren Zeiten mit Open-Air-Events in den ebenfalls schönen Schlachtgarten ausgewichen.

Apropos schön, in dieser Phase haben Leute um Pille Peerlings herum, mit viel Engagement der Rampe ein neues Antlitz verpasst, das ich an diesem Abend zum ersten Mal in Augenschein nehmen durfte. Der Outdoor-Bereich wurde relativ unscheinbar aufgewertet, im Großen und Ganzen so belassen, er wirkt aber trotzdem deutlich einladender.

Der entscheidende Durchbruch wurde allerdings durch einen Durchbruch der Wand zwischen dem ‚Kneipenbereich‘ und dem Bühnenareal erreicht, der der Location ein deutlich großzügigeres und ‚luftigeres‘ Ambiente vermittelt. Gemütlichkeit wird durch die vielen schönen Accessoires, die stilvolle Beleuchtung und noch eine rötlich verziegelte Seitenwand vermittelt. Alles in Allem ein echtes Kompliment an die Macher, klasse Arbeit!

Gegen 21:15 Uhr betrat Rampenchef Pille Peerlings wie gewohnt zur Ansage die im bisherigen Format belassene, enge Querbühne und ließ in spitzzüngiger humorvoller Manier seine Begrüßungsworte in Richtung der zahlreich erschienenen Audienz los. Danach folgte dann stante pede die recht klein gewachsene, aber mit umso größerer Stimme gesegnete Kanadierin Samantha Martin und ihr Begleit-Line-up und verwandelte die Rampe in zwei Sets mit ihrer unwiderstehlichen Mischung aus Funk, Soul, Blues, Country und Rock, in einen brodelnden Tanzkessel.

Im Fokus stand natürlich ihr neues Album „The Reckless One“ mit vielen Tracks wie u. a, „Love Is All Around“, „Don’t Have To Be“, So I Always Know“, I’ve Got Afeeling“, „Pass Me By“ und „Lovin You Is Easy“, aber auch Sachen des Vorgängers „Run To Me“ wie „Good Trouble“, „You Are The Love“ oder „All Night Long“.

Mein Favorit des ersten Sets war allerdings das swampig-countryeske, an Lucinda Williams erinnernde „Dark Angel“, wo der wieder mit seinem unaufdringlichen, aber sehr quirligen Begleit- und Hintergrund-E-Gitarrenspiel glänzende Curtis Chaffey ein herrliches Solo in bester Southern Rock-Qualität hinlegte.

Auch der rauschebärtige Keyboarder Jeff Heisholt trug ebenso, wie die satt groovende Rhythmusfraktion mit dem starken Drummer Will Fisher und Bassist Ian MacEwan, mit seiner weitgefächerten Tasten-Arbeit (Orgel, E-Piano, HT-Piano) viel zum prallen Gesamtsound der Kanadier bei. Die beiden Backgroundsängerinnen Sherie Marshall (mit beeindruckender Afro-Mähne) und Aisha Jarvis sorgten allein schon durch ihre Präsenz samt ihrer gospeligen-souligen ‚Uuhs‘ und ‚Aahs‘ für weitere vokale Würze zur Stimmgewalt der bestens aufgelegten und energiegeladenen Fronterin.

Grandiose Stimmung (wie heiß es in der Rampe zuging, kann man auch auf der unten anhängenden schönen Bildergalerie des Kollegen Mangold gut nachvollziehen) erzeugten natürlich besonders die gelungenen Coverversionen wie das fröhlich rockende „Happy“ der Stones in Set 2, aber besonders die beiden Zugabennummern am Anfang mit „Proud Mary“, das mit seinem langsameren Beginn (samt Publikumsmitsinginteraktion) und umso temperamentvollen Umschwung in eine Speedversion, am Ende sofort mal die, durch den Durchbruch verursachte Statikveränderung der Rampe auf eine harte Probe stellte. Das Publikum tanzte, tobte und wollte Nachschlag.

Zum Runterkommen gab es dann noch mit „Sweet Love“ von Lucinda Williams eine echte Perle. Samantha fing zunächst alleine mit der Akustikgitarre singend an, dann gesellten sich peu à peu Gitarrist Chaffey (mit gefühlvollem E-Solo), die beiden Backgroundsängerinnen und letztendlich Keyboarder Jeff Heisholt dazu (die Rhythmusfraktion durfte sich schon das Feierabendbier gönnen) und ließen diesen herrlichen Abend, im Country-Ambiente sanft und dennoch stimmungsvoll ausklingen.

Wie schon vor knapp drei Jahren bei ihrem Gig an gleicher Stelle bewiesen Samantha Martin & Delta Sugar, dass ihre Auftritte immer als Pflichttermin eines rockmusikbegeisterten Konzertgängers im Kalender stehen sollten. Kaum war der Gig vorbei, stand die sympathische und lebensfreudige Protagonistin schon wieder am Merchandising-Stand im gemütlichen Thekenbereich zum Signieren und Smalltalk für ihre Fans zur Verfügung. Mit eines der echten Highlights dieses Jahres!

Line-up:
Samantha Martin (lead vocals, acoustic guitar, percussion)
Curtis Chaffey (electric guitar)
Ian MacEwan (bass)
Will Fisher (drums)
Jeff Heisholt (keys)
Sherie Marshall (bgv, percussion)
Aisha Jarvis (bgv, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Samantha Martin & Delta Sugar
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Kulturrampe Krefeld

Matt Horan – 02.11.2021, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Mein erster Konzertbesuch in der Kulturrampe seit März 2020 ließ die dazwischenliegende Zeit fast vergessen. Obwohl die Location im neuen Look erstrahlt, fühlte ich mich direkt wieder in die alten Zeiten zurückversetzt. Durch die bekannten Gesichter und Markus Peerlings, der es sich wie gewohnt nicht nehmen ließ, den Musiker anzukündigen, stellte sich sofort die frühere Vertrautheit wieder her.

Rampenchef „Pille“ richtete seine einführenden Worte – diesmal allerdings auf dem immer noch schrägen Bühnenrand sitzend – an die circa fünfundzwanzig Musikbegeisterten und unterstich damit die quasi intime Atmosphäre der Veranstaltung. Dass so wenige Leute den Weg in die Rampe gefunden hatten, bleibt wie so oft unverständlich, denn mit Matt Horan trat ein Singer/Songwriter an, um sein erstklassiges Werk „Tears From The Mountain“ vorzustellen. Markus Peerlings schwärmte dann auch von dem rein vokal vorgetragenen Opener „Village Churchyard“, das nach seiner Einschätzung zu den besten Albeneinstiegen der gesamten Musikgeschichte gehört.

Horan brachte den Titel an dem Abend nicht zu Gehör, sondern startete mit „Old Cold Mountain“ und ließ die beiden Stücke seiner aktuelle LP „Dreamed About Mama“ und das Traditional „High On The Mountain“ folgen. Zwischen den beiden Highlights des ersten Sets „Hills Of Mexiko“ sowie „Sorry Pretty Shiori“ zollte er seinem Vorbild Hank Williams mit „Love Sick Blues“ Tribut und schloss den „Fright Train Blues“ direkt an. Nach „Little Birdie“ performte Horan den starken Titeltrack seines Solowerks und beendete mit „Sugar Baby“ den ersten Teil des Auftritts.

Horan wechselte häufig zwischen der akustischen Gitarre und dem Banjo, wodurch er Abwechslung in seine fünfundvierzigminütige Ein-Mann-Show brachte. Vor allem, wenn er das Banjo auspackte, erhielten die Stücke einen Drive, der sich sofort auf das Publikum übertrug. Dessen Stimmung war von Anfang an begeistert, steigerte sich aber beinah ins Frenetische im Verlauf des Abends.

Da ich einen Blick auf die Setlist werfen konnte, fiel mir auf, dass mein absoluter Favorit „Led Me To The Wrong“ von Horan übersprungen wurde. Ich nutzte die Pause daher, um nachzufragen, ob er den Song noch spielt. Horan nahm den Wunsch auf und schob ihn direkt nach der Unterbrechung solo dazwischen, bevor er Alex Atienza für das zweite Set auf die Bühne holte. Atienza begleitete Horan mit akustischer Gitarre oder Mandoline und war für filigrane Zwischentöne verantwortlich. Zurückhaltend und anfänglich introvertiert wirkend, ergänzte er Horan perfekt.

Horan leitete die Stücke oft mit einigen Bemerkungen und kurzen Anekdoten ein. Besonders im zweiten Teil ließ er seiner sarkastischen Ader freien Lauf, was das Publikum honorierte. Die Atmosphäre wurde daher immer ausgelassener.

Während im ersten Set die Songs des aktuellen Albums dominierten, unternahm Horan im zweiten einen Streifzug durch sein bisheriges Werk – ergänzt durch einige Coverstücke. Unter diesen war erneut Hank Williams mit „Long Gone Lonesome Blues“ vertreten. Viele Emotionen legte Horan in „You Never Called Me By My Name“. Nach einer Serie eher getragener und wehmütiger Songs („My Love Is Gone“, „Drinking Alone“) offenbarte Horan augenzwinkernd sein Motto: Let’s make Country music sad again. Um dies zu konterkarieren streute er witzige Nummern („Big City Mama”, „Cocaine Carolina”) ein. Das Publikum ging bei allen Songs mit, selbst wenn Horan einige Jodel-Ausflüge zum Besten gab. Der Versuch, die Anwesenden in die Jodelei einzubinden, zeitigte ein – eigenwilliges – Ergebnis, das zumindest zur weiteren Auflockerung der Stimmung beitrug.

Von den Eigenkompositionen gab es seinen ersten selbstverfassten Country-Song „Take Me Home“ sowie den Soundtrack („Rambling On My Mind“) zu einem Filmprojekt zu hören. Als Frontmann von Dead Bronco besuchte er wiederholt die Kulturrampe. In Erinnerung an diese Zeit spielte er „Hard Liquor Goes Down Quicker“. Während sich Dead Bronco in Richtung Black Folk orientiert, verfolgt Horan ein anderes Bandprojekt, bei dem er sich eher dem traditionellen Country zuwendet. Für Februar ist der erste Longplayer der neuen Formation angekündigt. Als Vorgeschmack präsentierte er „Paid in Blood“. Der kraftvolle Titel gehörte zu den herausragenden Nummern des zweiten Konzertteils und schürte die Erwartungen auf die Veröffentlichung. Die aktuelle stand-alone Single „Appalachia“ brannte sich ebenfalls ins Gedächtnis ein. Atienza, der nun auch bei Dead Bronco eingestiegen ist, schrieb die Murder-Ballade gemeinsam mit Horan.

Nach der ersten Zugabe forderten die Besucher lautstark eine weitere. Sie fabrizierten dabei so viel Lärm, dass der Eindruck entstand, das Haus wäre ausverkauft. Dieser lautstarken Forderung konnte sich Horan natürlich nicht entziehen und setzte noch zwei Titel, darunter „Tennessee Boarder“, drauf.

Peerlings, der anfänglich bemerkte, dass die Konzerte von Musikern, die er klasse findet, oftmals nicht optimal besucht werden, konnte mit dem Verlauf des Abends zufrieden sein. Der Auftritt von Matt Horan mit seinem Sideman Alex Atienza war ein Beweis dafür, dass es weder viele Musiker braucht, um mitzureißen, noch ein ausverkauftes Haus, um brodelnde Konzertatmosphäre zu erleben. An dieser Stelle sei Respekt und Dank von Künstlern und Spartenpublikum an den Veranstalter ausgesprochen.

Line-up:
Matt Horan (vocals, acoustic guitar, banjo)
Alex Atienza (acoustic guitar, mandolin)

Text und Bilder: Michael Segets

Matt Horan
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Kulturrampe Krefeld

Little Caesar, 24.09.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbilder

Zum Abschluss der drei Konzerte in NRW (zuvor in Köln und Dortmund) rockten Little Caesar jetzt den Schlachtgarten in Krefeld. Bei sommerlich milden Temperaturen hatten etwa 100 Besucher den Weg in die fast schon heimelig wirkende Openair-Location gefunden.

An der Stimmung der Fans konnte man erkennen, dass keiner den Weg an diesem Abend bereut hatte. Neben dem furiosen Auftritt, wie bei den vorherigen Gigs, war diesmal auch das klangliche Erlebnis einwandfrei und die Instrumente waren klar differenziert herauszuhören und auch der Gesang konnte sich, wenn auch manchmal mit Mühe, gegen die Lautstärke der Drums und Gitarren behaupten.

Nun ist die Openair-Saison der Kulturrampe und des Schlachtgartens fast abgeschlossen und am nächsten Mittwoch werden Robert Jon & The Wreck die letzte Woche eines gelungenen Kultursommers in dieser feinen Location einläuten.

Line-up:
Ron Young (lead vocals)
Mark Tremalgia (electric guitar, vocals)
Pharoah Barrett (bass, vocals)
Brian Irving (drums)
Loren Moulinare (electric guitar, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Little Caesar
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Kai Strauss & The Electric Blues All Stars – 02.08.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

Nachholtermin des am 04. Juli ausgefallenen Konzerts. Als wenn die Veranstalter und Clubbesitzer durch die Pandemie nicht schon genug gebeutelt wären, musste der für den Termin geplante Kai Strauss & The Electric Blues All Stars-Gig dann auch noch wegen massiver Wasserschäden in Folge der sintflutartigen Regenfälle dieser Tage abgesagt werden.

Dazu fällt mir spontan der nahezu philosophisch tiefgründig anmutende Spruch von Rot-Weiss Essen-Mittelstürmer-Legende Jürgen ‚Kobra‘ Wegmann ein: „Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu…“

Mittlerweile ist der Schlachtgarten dank großen Engagements der Betreiber und Helfer in die bekannt heimelige Location zurück verwandelt, erste Konzerte haben schon wieder stattgefunden und auch der Kai Strauss-Auftritt sollte an diesem Abend jetzt realisiert werden. Immerhin spielte diesmal wenigstens das Wetter mit (auch wenn für einen Abend Anfang August recht kühl).

Zu Beginn betraten nach der Ansage von Mitveranstalter Markus ‚Pille‘ Peerlings zunächst die schick in Schwarz gekleideten Electric Blues All Stars die Bühne und spielten sich mittels eines Instrumentals in ihren Rhythmus. Hier ließ Mit-‚Alpha‘-Musiker Tommy Schneller, der sich aber im weiteren Verlauf ganz uneigennützig in den Dienst des Gesamtensembles stellte, ein erstes starkes Saxofon-Solo ab. Zum Ausklang stieß dann der Protagonist mit seiner blitzeblanken silber-weißen Stratocaster und einem End-Solo mit in den Gig ein.

Was mir direkt gut gefiel, war, dass Strauss sich insgesamt sehr kommunikativ gab und fast vor allen Stücken kleine kurze (bluestypische…) Anekdoten zum Besten gab. Das trug neben der engagierten musikalischen Gesamtleistung auch zur guten Stimmung erheblich bei.

Während seine Rhythmus-Fraktion, bestehend aus dem ultra-cool zupfenden Kevin DuVernay am Bass und Alex Lex am Schlagzeug sich konzentriert der Taktgebung widmete, hatten die drei restlichen Musiker Jens Buschenlange an der Trompete, Keyboarder Nico Dreier (bekannt auch für seine Mitwirkung bei den Bluesanovas – überwiegend mit Orgel- und punktuell mit Piano-Einlagen) und Schneller viele Gelegenheiten, ihre Solo-Künste feil zu bieten. Strauss, sich hier dann aber doch ganz als Platzhirsch zeigend, konterte im direkten Anschluss, so gut wie immer mit seinen quirligen Soli an seinem Paradegerät.

Das Kollektiv spielte im Verlauf ein zweiteiliges Set, inklusiv Tracks aus Kais eigener Feder (mit Hauptaugenmerk auf seinem aktuellen Album „In My Prime“) und diversen Stücken bekannter Blues-Ikonen, zu denen der mit fünf gewonnenen German Blues Awards dekorierte Westfale im Laufe seiner 30-jährigen Karriere eine besondere Beziehung entwickelt hat. Auch wenn sich Strauss als bekennender Fan des Texas Blues outete, und seine Stimme der von Devon Allman sehr ähnelte, stand der Haupt-Fokus doch eher auf den Bläser- und traditionell-ausgelegten Spielarten des Genres (Chicago- und Rhythm And Blues) , die man eher in den etwas nördlicheren und östlicheren Teilen der Staaten präferiert.

Die gute Stimmung im Publikum erreichte dann ihren Höhepunkt, als Strauss beim wahnsinnig starken Slowblues „Hard Life“ für’s ausgedehnte Solo ins Kiesbett vor der Bühne des Schlachtgartens wanderte, im Willie Dixon-Klassiker zu Ehren von Buddy Guys 85. Geburtstag „Let Me Love You Baby“ ein Solo mit der Gitarre hinter seinem Hintern als Showeinlage darbot und beim finalen, furios den Hauptteil abschließenden „Got To Be Some Changes Made“ (aus der Feder von Albert King), auch noch claptoneske Talente offenbarte.

Klar, dass diese letzte Klasse-Nummer den Wunsch im Publikum auslöste, lautstark nach einem Nachschlag zu verlangen. Da ließ sich das Sextett natürlich nicht lange bitten und erfüllte diesen mit einem schönen schunkeligen Instrumental , bei dem sich alle vier nochmals an ihren Instrumenten in eigener Sache ‚zeigen‘ konnten.

Insgesamt somit ein unterhaltsamer und kurzweiliger Abend im Krefelder Schlachtgarten, der eindeutig untermauerte, warum Kai Strauss in der nationalen und internationalen Bluesszene großes Renommee genießt. Ein tolle, mitnehmende und sehr sympathische Werbung für den Blues und den Schlachtgarten als erlebenswerte Live-Open-Air-Location! Vielen Dank an die Organisatoren Kolja und Pille samt Helferschaft, wobei auch der tolle Sound und die hervorragende Bühnenbeleuchtung nicht unerwähnt bleiben sollten.

Line-up:
Kai Strauss – lead vocals, electric guitar
Tommy Schneller – saxophone
Nico Dreier – keys
Jens Buschenlange – trumpet
Kevin DuVernay – bass
Alex Lex – drums

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Kai Strauss & The Electric Blues All Stars
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Paulie Cerra Band – 23.07.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

Cer-haupt

An einem schönen Sommerabend stand Paulie Cerra mit seiner Band auf der Bühne des Krefelder Schlachtgartens. Nachdem der Vorverkauf bis eine Woche vor dem Konzert eher träge verlief, entschlossen sich doch einige Fans der gepflegten Bluesmusik kurzfristig zu erscheinen, sodass der Schlachtgarten dann letztlich mit etwa 110 Besuchern recht gut besucht war.

Nach einer kurzen Bandankündigung durch Pille Peerlings bahnte sich das Quartett unter dem Applaus der Fans den Weg mitten zwischen den Tischreihen, was ein bisschen an einen Einzug von Gladiatoren erinnerte.

Hier handelte es sich aber eher um einen Einmarsch von Spitzenköchen der Bluesmusik, die in den folgenden etwa 140 Minuten Spielzeit etwas ganz besonderes präsentierten. Blues gespickt mit einer Prise Soul und einigen Spitzen von Funk. Da aber auch das Auge den Geschmack indirekt beeinflusst, zauberte der Lichttechniker des Schlachtgartens ein Bühnenlicht, was für so eine kleine Location schon beeindruckend ist. Damit sorgte er dafür, dass das bereitete musikalische Menü von der Bühne auch visuell bei den Gästen bestens ankam.

Cerra, vielen auch bekannt als Saxophonist von Joe Bonamassa (da haben wir ihn auch schon in Köln und Düsseldorf erlebt), zeigte seine spielerischen Qualitäten auch an den Keyboards und glänzte mit einer beeindruckenden Stimmbreite. Neben seinem spielerischen Können war er ein toller als Entertainer zwischen den Songs, wobei er auch stets darauf bedacht war, seine Band ins rechte Licht zu stellen.

An erster Stelle stand dabei Billy Haynes, der Bassist, der Tina Turner in den Anfangsjahren ihrer Solokarriere begleitete. Dass Haynes den Bass sitzend spielte tat der Qualität keinen Abbruch und die spielerische Leichtigkeit und die positive Stimmung, die er auf die Bühne brachte, waren schon beeindruckend. Neben dem Bass unterstützte er Cerra auch noch in einigen Songs als Backgroundsänger.

Aber auch Drummer Alvino Bennett wurde mehrfach hervorgehoben. Er flog zuweilen mit einer Leichtigkeit über die Drums, konnte aber auch, wenn es gewollt war, energisch hervorpreschen.

Last but not least Ben Forrester an der Gitarre. Der jüngste aus der Band, mit Cowboyhut und Feder, zeigte an seiner Gibson Les Paul, warum ihn Cerra für die Tour mit ins Boot genommen hatte. Ob fingerpickend, slidend oder in bester Blues-, zuweilen auch in Southern-Manier, zelebrierte der Könner seine E-Gitarren-Soli regelrecht.

Das Arrangement des ganzen Konzertes mit Songs, zumeist aus der Feder Cerras stammend, wobei das letzte Album „Hell & High Water“ größtenteils durchgespielt wurde, sorgte auch im Publikum für eine Stimmung, wie ich sie bei einem Konzert im Schlachtgarten bisher noch nicht erlebt habe. Von verträumt, bis hin zu enthusiastisch mitgehend waren alle Parameter vertreten. Besonders die letzten Songs wurden vom Publikum stehend mit Szenenapplaus begeistert abgefeiert.

Nachdem die Band nach dem letzten Song gebührend verabschiedet wurde und sich wieder den Gang durchs Publikum gebahnt hatte, kam Cerra nochmals auf die Bühne, um sich solo am Piano noch einmal zu verabschieden.

Nachdem dann Ceras endgültig die Bühne verlassen hatte, zog Kolja Amend vom Schlachtgarten noch einmal ein kurzes Resümee, in dem er seine Gefühle zu dem Konzert zum Ausdruck brachte. Ein Satz sagt dabei alles: „Ich habe immer noch eine Gänsehaut“.

Wer Paulie Cerra mit seiner Band auf der Tour noch erleben will, muss sich sputen, da sie sich zum Ende neigt. Es lohnt sich absolut, solch musikalische Hochkaräter, auch wenn sie bei Topstars ’nur‘ in der ‚zweiten Reihe‘ spielen, als eigenständigen Topact zu erleben.

Line-up:
Paulie Cerra – lead vocals, keys, saxophone
Ben Forrester – guitar
Billy Haynes – bass
Alvino Bennett – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Paulie Cerra
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