Patricia Vonne – 12.04.2026, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Es gibt wohl kaum eine bessere Möglichkeit, einen frühen Sonntagabend einzuläuten, als einen Konzertbesuch in der Kulturrampe, zumal wenn Patrica Vonne auf der neu gestalteten Bühne steht. Sie hat ihr offiziell noch in den Startlöchern stehendes Album im Gepäck, versprach aber einen Streifzug quer durch ihre musikalische Karriere.

Die temperamentvolle Texanerin bot einen explosiven Mix aus spanisch und englisch gesungenen Songs, bei dem sie das Publikum mühelos in ihren Bann zog. Die Krefelder Location stellt quasi ein Heimspiel für Vonne dar. Sie schwärmte von der Stimmung der Kulturrampe und den Besuchern, unter denen sie viele bekannte Gesichter ausmachte. Vonne lebt ihre Musik und sie schaffte es direkt, eine persönliche Verbindung zum Auditorium herzustellen – nicht zuletzt durch die Anekdoten und kurzen Einführungen zu ihren Songs. Auch abseits der Bühne zeigten sich die charismatische Aktrice und ihr sympathischer Sideman Robert LaRoche aufgeschlossen für einen Austausch und Gespräche mit den Fans.

Zu Beginn der interkulturellen Lehrstunde verwies Vonne auf die deutschen Einflüsse, die sich in Texas wohl an mehreren Stellen zeigen. Entsprechend eröffnete „Lekker Ding“ das erste Set. Zu den Verbindungen zwischen amerikanischer und deutscher Kultur bemerkte sie, dass sie in einem Video von The Bosshoss mitwirkte. Eine Info, die mich und wohl auch viele Anwesende überraschte. Die Schauspielerei ist Vonne nicht fremd und auch als Regisseurin brachte sie ihr Filmdebüt vor Kurzem heraus. „Traeme Paz“ vom Soundtrack des Films „Once Upon A Time In Mexico“, bei dem ihr Bruder Robert Rodriguez Regie führte, folgte dem Opener.

Nach einer Hommage an den im Dezember verstorbenen Joe Ely kam der Titeltrack der neuen Scheibe „My Heart’s Got A Mind Of Its Own“ zu Gehör. Das Stück schrieb sie zusammen mit Chris Isaak und Johnny Reno. Von dem aktuellen Album folgten im Verlauf des Abends noch vier weitere Stücke: „Be My King“, „Not Too Late“, „Lean On Me Tonight“ sowie „Courage Under Fire“. Die drei letztgenannten sind in Kooperation mit LaRoche entstanden, der sich live on stage blind mit Vonne versteht und sie kongenial ergänzt. Alle neuen Songs sind rockig angelegt, sodass sie einen Gegenpol zu den in der Regel tendenziell getrageneren, aber dennoch dynamischen, auf Spanisch gesungenen Beiträgen bildeten. Im ersten Durchgang gab es von dieser Sorte „Qué Maravilla“ und „Guitarras y Castaňuelas“, im zweiten „Fuente Vaqueros“ sowie „Serverina“.

Die Meisterin ikonischer Posen wirbelte stilecht mit Kastagnetten, rotem Fächer oder Tamburine über die Bühne. Mit ihre Temperament heizte sie die Rampe auf und verabschiedete sich mit „Rattle My Cage“ in die Pause. In den zweiten Durchgang stiegen Vonne und LaRoche als Duo ein und gönnten so der Rhythmusgruppe – dem durch vorherige Touren gestandenen Schlagzeuger Bernhard Weichinger und einem neuen Bassisten – eine verlängerte Verschnaufpause. Nach den akustisch performten „Top Of The Mountain“ und „El Marinero y La Sirena“ wurde diese dann wieder bei dem treibenden „Hot Rod Heart“ gefordert.

Ein Höhepunkt im zweiten Set war das bekannte „City Is Alive“, das Willie Nile mitgeschrieben hat. „This Cats In The Dogouse“, das eigentlich zum Standard im Live-Repertoire von Vonne gehört, hätte gut einen Platz am Ende des Konzerts neben „Rebel Bride“ gefunden. Bei dem Song und der Zugabe „Lil Lobo“ gaben Band und Publikum – einschließlich fulminanten Wolfsgeheuls – nochmal alles, sodass die Stimmung in der Kulturrampe hochkochte und der Auftritt mit einem krachenden Höhepunkt zu Ende ging.

Patricia Vonne erwies sich erneut als erstklassige Entertainerin, der es spielend gelingt, mit ihrer authentischen Mischung aus Roots Rock und Tejano das Publikum mitzureißen. Die neuen Songs passen sich nahtlos in das Programm der Live-Shows ein und geben einen Vorgeschmack auf ihr kommendes Album.

Line-Up:
Patricia Vonne (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, drums, percussion)
Robert LaRoche (electric guitar, acoustic guitar, vocals)
Bernhard Weichinger (drums)
Harmen de Bresser (bass, vocals)

Text und Bilder: Michael Segets

Patricia Vonne
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Kulturrampe

Patricia Vonne – 27.10.2024 – to hoop, Rheinberg, Konzertnachlese

Patricia Vonne bringt bei ihrem ersten Besuch im Rheinberg-Alpsrayer to hoop den Flair der mexikanisch-spanisch beeinflussten Südstaaten mit auf die Bühne. Ihre familiäre Herkunft unterstreicht sie deutlich, in dem sie zwischen englischen und spanischen Texten, wo das mexikanische Temperament ein belebendes Element ist, switcht.

Nicht nur durch ihre Gesangsqualitäten und das Gitarrenspiel auf der akustischen Gibson (einmal wechselt sie auf die Rickenbacker von Robert LaRoche und übernimmt die Leadguitar) begeistert Vonne die Musikfans, sie ist auch eine ausgezeichnete Entertainerin mit Schauspielfähigkeiten. Mal gibt sie Kastagnetten einsetzend eine Flamenco-Tänzerin, um kurze Zeit später wie ein Matador ihre Musiker zu lenken. Auch das Publikum, mit dem sie in ständiger Interaktion ist, wird mehrfach Teil der Show, sowie eine langjährige Freundin, die sie für einen Track gesanglich unterstützt.

Dabei kann sie sich voll auf ihre Band verlassen. Robert La Roche bringt mit seiner Rickenbacker eine gewisse Härte in die Songs und sorgt für einige fetzige Soli. Bernhard Weichinger an den Drums und Bassist Harmen de Bresser zeigen während des gesamten Konzertes, dass sie Meister ihres Fachs sind und auf den Punkt den Rhythmus, mit einer spielerischen Leichtigkeit vorgeben.

Das Konzert, aus dessen starker und abwechslungsreicher Setlist „Que Maravilla“, „Top Of The Mountain“ und das rockige „Rebel Bride“ herausragen, hätte mit Sicherheit mehr als die anwesenden Fans, die voll auf ihre Kosten gekommen sind, verdient gehabt. Ein Blick auf die Veranstaltungen im to hoop lohnt sich auf jedem Fall, Sami Durak, hat neben Konzerten und anderen Events in diesem Jahr auch fürs nächste Jahr einige Überraschungen in der Planung.

Line-up:
Patricia Vonne (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, drums, percussion)
Robert LaRoche (electric guitar, acoustic guitar, vocals)
Harmen de Bresser (bass, vocals)
Bernhard Weichinger (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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To Hoop

Robert LaRoche – Forevermore – CD-Review

Review: Michael Segets

Robert LaRoche nahm ich das erste Mal als Gitarrist von Patricia Vonne wahr, als er an ihrer Seite in der Kulturrampe eine überzeugende Show ablieferte. Am Merch-Stand zeigte er sich anschließend überaus freundlich und zugewandt, sodass ich gerne im letzten Monat das Konzert des Robert LaRoche Trios in der Krefelder Kultlocation besuchte. Zuvor trat er als Überraschungsgast bei der Verleihung des Stadtsiegels an Markus „Pille“ Peerlings durch den Oberbürgermeister Frank Meyer im Rathaus auf. Diese Aktion steigerte meine Sympathien für ihn noch weiter.

Im Gepäck hatte LaRoche seine dritte Solo-CD „Forevermore“, die von John DeNicola sowie Darin Murphy produziert wurde. Die zehn von LaRoche geschriebenen Songs bewegen sich überwiegend im Midtempo. Die meisten Stücke liegen unter drei Minuten, keines knackt die Vier-Minuten-Marke. Insgesamt ist das Album also ein kurzes Vergnügen – aber ein Vergnügen.

Der Singer/Songwriter setzt eine Vielzahl von Instrumenten ein, um einen breiten Klangteppich zu erzeugen, der aber handgemacht wirkt. So sind Violine und Cello bei dem atmosphärischen „Temporary Virtue“ präsent. Eine B-3 Orgel begleitet „Safer Inside“ und „End Of Time“. Ungewöhnlichere Instrumente wie Vibraphon oder Glockenspiel („Hard Rain“) sind ebenfalls zu hören. Die Begleitung ist dabei nie aufdringlich oder wird zur Effekthascherei eingesetzt. Sie integrieren sich in die Songs und tragen deren Stimmung. Einige Tracks wie „She Knows“ und „Traitorous Heart“ sind dann auch in klassischer Bandbesetzung eingespielt.

Besonders gelungen ist der Einstieg „Steal Your Heart“. Hier gibt sich LaRoche von seiner rockigeren Seite, die ihm als Sideman bei Vonne schon gut zu Gesicht stand. Diese scheint auch bei dem folgenden „Burn hat Kingdom“ mit integriertem E-Gitarren-Solo durch. Mit seinem staubigen Intro würde der Song auch gut zu der Tejano-Queen passen, für die LaRoche als Songwriter tätig war. „Home Again“ geht vor allem auch durch den mehrstimmigen Harmoniegesang in Richtung Westcoast.

Einen Höhepunkt erreicht der Longplayer bei dem Titelstück „Forevermore“. Die ruhige, reduzierte Single erzeugt mit akustischer Gitarre, Geige und Cello eine wehmütige Atmosphäre, in die man versinken kann. Insgesamt erscheint die erste Hälfte des Albums etwas stärker, wobei sich auch in der zweiten Hälfte besonders hörenswerte Tracks finden – allen voran das bereits erwähnte „Temporary Virtue“.

Der in Massachusetts geborene und in Austin, Texas, wohnhafte Songwriter verarbeitet autobiographische Erfahrungen in seinen Texten, die sich um Beziehungen drehen. Ohne gekünstelte Ausflüge in literarisch bemühte Höhen, bringt er seine Gefühle gerade heraus, sodass die Lyrics im Kern authentisch wirken.

Auch ohne den Sympathiebonus, den sich Robert LaRoche bei seinen Auftritten in der Kulturrampe erworben hat, hält „Forevermore“ einige Glanzstücke bereit. LaRoche beweist sich mit „Forevermore“ als gestandener Songwriter, der weiß, was er tut. Das Album erscheint trotz unterschiedlich arrangierten Songs handgemacht und folgt einer Linie.

OMAD Records (2023)
Stil: Americana

Tracks:
01. Steal Your Heart
02. Burn That Kingdom
03. Home Again
04. Forevermore
05. Safer Inside
06. She Knows
07. Temporary Virtue
08. Hard Rain
09. Traitorous Heart
10. End Of Time

Robert LaRoche
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OMAD Records

Patricia Vonne – 26.07.2023 – Freideck Kantine, Köln – Konzertbericht

In der schönen Open Air Bühne sind nahezu alle Sitzplätze besetzt, als Patricia Vonne mit ihrer Band diese bei Sonnenschein betritt, nachdem der Tag vorher eher verregnet war. Zudem verfolgen nicht wenige Fans das Konzert stehend und zum Teil mittanzend.

In zwei jeweils etwa 50-minütigen Sets zieht die Texanerin mit mexikanischen Wurzeln die Fans mit ihrer Bühnenpräsenz von der ersten Minute an in ihren Bann und es entwickelt sich ein Konzertabend, den die Fans mit Sicherheit lange nicht vergessen werden.

Die Setlist umfasst dabei Songs von ihrem Debutalbum aus dem Jahr 2003 bis zum 2018er Werk „Top Of The Mountain„, wobei der Titelsong eines der Highlights des Abends ist. Zudem präsentiert sie mit „Not Too Late“ einen bisher unveröffentlichten Song, der Lust auf ein neues Album macht.

Bei den meisten Stücken wird das Gaspedal durchgetreten und Robert La Roche legt einige furiose Soli auf seiner Rickenbacker hin. Im Mittelpunkt des Geschehens steht aber weitgehend die Vonne, die nicht nur stimmlich beeindruckt, sondern sich gewissermaßen als Multiinstrumentalistin zeigt. Meist ihre akustische Gibson spielend, aber auch Kastagnetten einsetzend, mit denen sie ein mexikanisches Flair auf die Bühne bringt. Bei einem Stück unterstützt sie dann auch noch Barnhard Weichinger an den Drums. Dass sie dabei einen großen Teil des Konzertes auch noch mehr oder weniger tanzend absolviert, ist ein Beweis für die Fitness der auch schon über 50-jährigen Protagonistin.

Im insgesamt sehr rockigen Konzert wird nur bei den spanisch gesungenen balladesken Songs etwas das Tempo herausgenommen, um anschließend wie nach der Ruhe vor dem Sturm direkt wieder musikalisch über die Bühne zu fegen.

Zwischen den Stücken moderiert sie charmant durch die Show und gibt einiges aus ihrem Leben preis, von ihren Geschwistern, dem Verhältnis zu ihrer Mutter. Aber auch Dinge aus ihrer Karriere, sei es über das Album „Rattle My Cage“, von dem unter anderem den Titelsong spielt, wo sie nicht ohne Stolz erwähnt. dass ein gewisser Doyle Bramhall sen. auch seinen Anteil hatte. Oder über ihre ersten Auftritte in Europa als Musikerin von Tito & Tarantula, wo bei einigen Tracks im Konzert auch eine musikalische Nähe zu hören ist.

Es ist schwer aus einem Gig ohne Längen Songs hervorzuheben, aber „Rebel Bride“ und „Lil Lobo“, bei dem Bassist Harmen de Bresser auch den Part des jaulenden Wolfes übernimmt und dabei vom Publikum lautstark unterstützt wird, sind ein Finale Furioso und bilden gewissermaßen den krönenden Abschluss eines wunderschönen Konzertabends. Im Anschluss begaben sich die Musiker schon wenige Minuten nach Ende an den Merchstand  und nahmen sich alle Zeit für die Fans. Patricia gab sogar Schnellkurse im spielen mit den Kastagnetten.

Ein besonderer Dank geht an Marcus Neu und das Bookerteam der Kantine, denen es immer wieder gelingt, tolle Künstler in die Kantine oder den Yardclub zu holen und die an diesem Abend auch durch den guten Besuch und die phantastische Stimmung belohnt wurden.

Line-up:
Patricia Vonne (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, drums, percussion)
Robert LaRoche (electric guitar, acoustic guitar, vocals)
Harmen de Bresser (bass, vocals)
Bernhard Weichinger (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Patricia Vonne
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Kantine/Yardclub Köln

Eilen Jewell – Get Behind The Wheel – CD-Review

Review: Michael Segets

Manchmal läuft es im Leben nicht so rund. Für Eilen Jewell kamen einige private und berufliche Veränderungen zusammen: So trennte sie sich von Ehemann und Band. Kunst kann für die Bewältigung von Krisen ja bekanntlich ein Ventil schaffen und sogar von ihnen profitieren. Im Innencover bedankt sich Jewell bei all denjenigen, die sie in dieser Zeit unterstützten und zum Weitermachen ihrer Musik ermutigten. Sie geht musikalisch gestärkt aus den Erfahrungen hervor. „Get Behind The Wheel“ steuert selbstsicher durch Americana-Gefilde. Dabei bricht Jewell nicht mit der Richtung ihrer früheren Veröffentlichungen, nutzt aber vermehrt expressive Ausdrucksmittel in ihren Songs.

Das Album endet passend zu dem persönlichen Hintergrund seiner Entstehung mit „The Bitter End“. Das Stück zelebriert Traurigkeit pur. Der klagend wimmernden Gitarre räumt Jewell hier viel Raum ein. Gepaart mit dem getragenen Gesang und dem deprimierenden Text entwickelt der Song eine ziemlich dunkle Atmosphäre. Auch der Opener „Alive“ beginnt ähnlich, versprüht dann aber eine trotzige Aufbruchsstimmung, wenn das scheppernde Schlagzeug und schrammelnde Gitarren einsetzen. Die beiden Tracks rahmen den Longplayer. Dazwischen finden sich überwiegend langsame Stücke, bei denen sich Jewell unterschiedlicher Stile bedient.

Mit „Crooked River“ liefert Jewell eine richtig gute Country-Ballade ab. Obwohl Fats Kaplin an der Pedal Steel den Song mit einigem Slide unterlegt, versinkt dieser nicht in Süßlichkeit. Die Instrumentalpassagen, bei denen auch eine Mundharmonika zum Einsatz kommt, sind relativ ausgeprägt, unterbrechen aber nicht den Flow. Die Single „Winnemucca“ ist einen Deut schneller und wird mit mehr Twang versehen. In einzelnen Songs erinnern manche Stellen an die frühe Sarah Shook. „Lethal Love“ könnte sich mit seinem Tejano-Einschlag auch auf einer Scheibe von Patricia Vonne finden.

Jewell legt bei „You Were A Friend Of Mine“ und vor allem bei „Silver Wheels And Wings“ mächtig Soul in ihre Stimme. Das Cover „Breakaway“ kann sogar als reine Soulnummer gelten. Bei ihr schwingt genauso wie bei „Could You Would You“ von Van Morrison etwas Nostalgie mit. Die beiden Interpretationen hören sich wie alte Bekannte an, was durchaus positiv gemeint ist. Am Blues orientiert sich Jewell bei „Outsiders“ und „Come Home Soon“. Auch in diesem Metier bewegt sich die Musikerin souverän. Unterstützt wird sie dabei von Jerry Miller (Gitarre), Matt Murphy (Bass), Jason Beek (Schlagzeug) sowie dem Multiinstrumentalisten Will Kimbrough, der sich unter anderem die Keys mit Steve Fulton teilt.

Im Vergleich zu dem vorangegangenen Longplayer „Gypsy“ (2019) erscheint der aktuelle homogener, obwohl er eine stilistisch breitere Ausrichtung aufweist. Zwar kommt kein Track an den früheren „Working Hard For You Love” heran, dafür gibt es aber auch keine schwachen Titel.

Eilen Jewell zeigt sich auf „Get Behind The Wheel“ einmal mehr als exquisite Songwriterin. Expressive Zwischentöne bereichern die traditionsverbundenen Kompositionen. Bei den mit wenigen Ausnahmen im unteren Tempobereich angesiedelten Tracks bedient sich Jewell verschiedener Genres und arrangiert die Stücke so, dass sie spannend bleiben. Dabei hält sie das Steuer sicher auf Kurs und vermeidet unnötige Umwege.

Signature Sounds Recordings (2023)
Stil: Americana

Tracks:
01. Alive
02. Crooked River
03. Lethal Love
04. Come Home Soon
05. Winnemucca
06. Could You Would You
07. Breakaway
08. You Were A Friend Of Mine
09. Outsiders
10. Silver Wheels And Wings
11. The Bitter End

Eilen Jewell
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Signature Sounds Recordings
Redeye Worldwide

Patricia Vonne – My Favorite Holiday! – CD-Review

Jedes Jahr nehme ich mir vor, die Weihnachtsgeschenke frühzeitig zu besorgen. Jedes Jahr fehlen mir die meisten aber noch zwei Tage vor Heiligabend. Für diejenigen, denen es ähnlich geht, habe ich den Tipp, sich Patricia Vonnes „My Favorite Holiday!“ frühzeitig zuzulegen – am besten ein paar Mal, denn CDs halten sich zur Not auch bis zum übernächsten Fest. Das Album stammt sowieso schon aus 2021, aber da hatte ich es noch nicht entdeckt. Ich bin erst durch das letzte Konzert von Vonne in der Kulturrampe auf es aufmerksam geworden.

Weihnachtsalben haben zwar kein Verfallsdatum, sind in der Regel jedoch saisonal begrenzt. Oftmals reproduzieren sie die bekannten Klassiker und sind daher meist musikalisch weniger interessant. Anders verhält es sich mit „My Favorite Holiday!“, auf dem Vonne selbst (mit-)komponierte Songs vorstellt. Einzige Ausnahme ist das Traditional „Carol Of The Bells“, das sie a cappella mit ihrer Familie singt.

Für die Eigenkompositionen verdient die CD schon mal den ersten Stern, einen weiteren für die völlig erfüllte Grundanforderung, dass ein solches Konzeptalbum überwiegend Weihnachtsstimmung transportiert. Das beschwingte „Santa’s On His Way“ könnte ebenso wie das langsamere „Christmas Without You“, bei dem Stephen Ferrone (Tom Petty) am Schlagzeug sitzt, als Soundtrack eines entsprechenden Hollywood-Schinkens dienen. Wie diese Tracks ist auch „Christ Child“ orchestral unterlegt, wofür Scott Plunkett (Don Henley, Chris Isaak) verantwortlich zeichnet. Das flotte Titelstück mit Schellen und Schuhu-Background gehört ebenfalls in die Kategorie der eindeutigen Weihnachtslieder. Es punktet besonders durch das Saxophon von Johnny Reno.

Einen dritten Stern gibt es dafür, dass sich der Longplayer nicht in süßlicher Sentimentalität verliert. Bei dem staubigen, in die texanisch-mexikanische Grenzregion versetzenden Midtempo-Song „Alone On Christmas Day“ glänzt David Grissom (John Mellencamp, James McMurtry, Joe Ely) an den Gitarren. „Old Man Santa“, von Vonne, Rick Del Castillo und Alex Ruiz gemeinsam geschrieben und von Vonne und Ruiz als Duett performt, ist ein kräftiger Rocksong, der vielleicht thematisch, aber nicht musikalisch auf einem Weihnachtsalbum zu erwarten ist. Einen eigenen Stern erhält „Santa’s On A Rampage“, der nach Little Steven’s Underground Garage zu den Coolest Songs In The World gehört. Vonne und Rosie Flores gelingt hier ein ausgelassener Geniestreich, der Spaß macht und gute Laune versprüht.

Schließlich vergebe ich einen Stern für die Soundvielfalt, die durch die in spanischer Sprache gesungenen Songs nochmals erhöht wird. Bei diesen lässt Vonne ihre Kastagnetten klicken und klackern. Weitere Akzente setzen die Congas, Bongos in Kombination mit einer Geige bei „Cumbia Navidad“. Für „Nochebuena“ holt Vonne erneut Alex Ruiz mit ans Mikro, für „Las Posadas“ Ruben Blades.

In der Rubrik Weihnachtsalben erreicht „My Favorite Holiday!“ fünf von fünf Sternen. Ich könnte noch weitere vergeben, aber dann verzähle ich mich wieder. So ist dieser Longplayer nämlich der achte von Vonne und nicht „Top Of The Mountain“ (2018), wie ich seinerzeit behauptete. Produziert wurde er von Rick Del Castillo.

Patricia Vonne legt mit „My Favorite Holiday!“ ein originelles Werk vor, das thematisch um Weihnachten kreist, musikalisch aber eine bunte Mischung bietet, die sich aus ihren unterschiedlichen musikalischen Wurzeln speist. Diese liegen vor allem im texanisch-mexikanischen Grenzgebiet. Neben den wohlklingenden Titeln, die sich in die Tradition moderner Weihnachtslieder nahtlos einreihen, finden sich daher auch aufgekratzte Rocksongs und spanische Stücke auf dem Album, die nicht nur zu den Festtagen gehört werden können.

Bandolera Records (2021)
Stil: Tejano/Weihnachtslieder

Tracks:
01. Santa’s On His Way
02. Nochebuena
03. Alone On Christmas Day
04. Las Posadas
05. Christmas Without You
06. My Favorite Holiday
07. Cumbia Navidad
08. Santa’s On A Rampage
09. Christ Child
10. Carol Of The Bells
11. Old Man Santa

Patricia Vonne
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Patricia Vonne – 12.10.2022, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Die Konzertsaison neigt sich langsam dem Ende entgegen. Im Rückblick gehört der Auftritt von Patricia Vonne zu deren schönsten – und das nicht nur aufgrund der Texanerin, an der die vier Jahre seit ihrem letzten Besuch in der Kulturrampe anscheinend spurlos vorbeigegangen sind. Vonne zeigte sich als Musikerin und als charismatische Entertainerin in Topform.

Dem Abend wohnte eine persönliche Stimmung inne, obwohl der Saal nahezu ausgebucht war. Vonne fühlte sich in der Rampe sichtlich wohl und stellte vom Start weg mit ihrer aufgeschlossenen, zugewandten Art eine Verbindung zum Publikum her. So stieg die Actrice nicht direkt nach der Ankündigung von Markus Peerlings in das erste Stück ein, sondern nahm sich Zeit, zunächst ihre Bandmitglieder vorzustellen. Von dem vorangegangenen Konzert kannte man noch Harmen de Bresser am Bass sowie Bernhard Weichinger am Schlagzeug. Gitarrist Robert LaRoche setzte bei der letzten Tour aus, war aber bei dem Gig in derselben Location 2017 mit von der Partie.

Zwei dreiviertelstündige Sets standen auf dem Programm. Der erste Teil wurde mit „Dark Mile“ und „This Cat´s In The Doghouse“ eröffnet. Die beiden Stücke stammen von dem Longplayer „Rattle My Cage“ (2016). Mit dem Titeltrack dieser CD läutete Vonne dann auch die Pause ein. Nach der Unterbrechung betrat Vonne zunächst nur mit LaRoche für zwei akustische Darbietungen („El Marinero“, „Christmas Without You“) die Bühne, um danach mit „Hot Rod Heart“ und „Mudpies And Gasoline“ einschließlich Schlagzeug und Bass im Rücken wieder richtig Dampf zu machen.

Die Setlist verzeichnete zwei neue Stücke von Vonnes aktuellen Weihnachtsalbum „My Favorite Holiday!“. Die Lebkuchen stehen schon in den Regalen der Supermärkte, daher scheint die Vorweihnachtszeit sowieso schon eingeläutet zu sein. Vonne outete sich nebenbei als Liebhaberin deutscher Weihnachtsmärkte. Wenn man bei dem Text nicht so genau hinhört, geht „Santa’s On A Rampage“ auch außerhalb der Saison als fetziges Rockstück durch. Der Song wurde nicht umsonst von Little Steven’s Underground Garage in die Riege der Coolest Songs In The World aufgenommen.

Nach dem fulminanten Abschluss des zweiten Hauptsets durch „Rebel Bride“ ließ sich die Band nicht lange bitten, um mit der Zugabe noch einen draufzusetzen. Während Vonne die Drums bearbeitete, übernahm LaRoche die Lead Vocals bei „Breathless“, einem Jerry Lee Lewis-Cover. Für „Lil‘ Lobo“ streifte sich die Frontfrau eine Maske über – eine Reminiszenz an ihre Rolle als Dallas, dem Zorro Girl in „Sin City“. Das Publikum ließ sich hier problemlos zum wolfsmäßigen Mitgeheule animieren und so ging ein ausgelassener Abend zu Ende, der auch seine stilleren Momente hatte.

Solche ernsteren Passagen waren die Schilderungen ihrer Inspirationsquellen, mit denen Vonne „Top Of The Mountain“ und „Worth It“ einleitete. Viel Zeit für Sentimentalität blieb aber nicht, denn die englischsprachigen Titel, wie „Graceland Trip“ und „City Is Alive“ von dem 2018er Album, waren durchgängig auf Tempo ausgelegt. La Roche bearbeite dabei seine Rickenbacker kräftig und glänzte bei einigen Soli. Unangefochtene Hauptdarstellerin war aber Vonne, die über die Bühne tanzte und wirbelte, Tuch und Hut visuell wirksam in Szene setzte sowie Tamburin und Gitarre für ausdrucksstarke Posen nutzte. Dabei konnte sie sich auf die Akzente ihrer eingespielten Rhythmussektion de Bresser und Weichinger blind verlassen.

Einen Gegenpart zu den rockigen Songs stellten die auf Spanisch gesungenen dar, bei denen Vonne zu den Kastagnetten griff – eine perfekte Kombination aus Grazilität und lateinamerikanischem Temperament. Sie griff bei der Auswahl vor allem auf ihre bekannteren Werke zurück („Traeme Paz”, „Guitarras Y Castañuelas“, „Fuente Vaqueros“, „Severina“). Sehr schön waren ihre quasi obligatorische Einführung in die Handhabung der Kastagnetten sowie ihr Streifzug durch das Publikum, damit alle die Möglichkeit hatten, ihre Fingerfertigkeit aus der Nähe zu bestaunen.

Die Grande Dame des Tejano lud zu einer aufregenden Reise durch ihre musikalische Welt ein. Der Abend bot eine abwechslungsreiche Mischung aus englischen Uptempo-Nummern und eingestreuten spanischen Balladen, wobei der Auftritt insgesamt eine deutliche Ausrichtung auf den Rock aufwies. Egal welche Töne angeschlagen wurden, Patricia Vonnes Ausstrahlung konnte man sich nicht entziehen. Die fast paradoxe Fusion von Natürlichkeit und multikulturellem Gesamtkunstwerk in ihrer Person hinterließ einen bleibenden Eindruck.

Auf der Bühne entfachte Vonne ein professionelles, explosives Feuerwerk, neben der Bühne zeigte sie sich geduldig und freundlich bei Gesprächen, bei Fanfotos und am Merchandise-Stand. Alle Anwesenden lud Sie zu einem gemeinsamen Spaziergang entlang des San Antonio ein, der ihre Heimatstadt durchzieht. Die Wahrscheinlichkeit, dass man Vonne in Texas trifft, dürfte allerdings gering sein. Günstiger ist die Gelegenheit wohl während der bis Ende Oktober laufenden Deutschlandtour. In der SoS-Region stehen noch Auftritte im Yardclub (Köln, 19.10.) und im Der Club (Heiligenhaus, 26.10.) aus.

Line-up:
Patricia Vonne (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, drums, percussion)
Robert LaRoche (electric guitar, acoustic guitar, vocals, lead vocals „Breathless“)
Harmen de Bresser (bass, vocals)
Bernhard Weichinger (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

Patricia Vonne
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Kulturrampe Krefeld

Willie Nile – New York At Night – CD-Review

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Review: Michael Segets

Willie Nile lässt weiterhin die Fahne des Rock ‘n Roll wehen! Zwei Jahre nach „Children Of Paradise“ kommt der Zweiundsiebzigjährige erneut mit zwölf Eigenkompositionen um die Straßenecke, die in New York liegt, der Heimatstadt von Nile. Während Nile bei früheren Werken auch politische und soziale Missstände thematisierte, dreht sich „New York At Night“ um das Leben, Lieben und Sterben in dieser Stadt.

Vor vierzig Jahren veröffentlichte Nile seinen ersten Longplayer. Nicht zuletzt aufgrund juristischer Streitigkeiten geriet seine Karriere zwischenzeitlich ins Stocken. Aufmerksam bin ich auf den Musiker 2006 geworden, als ich seine CD „Streets Of New York“ hörte. Die folgenden Platten „House Of A Thousand Guitars“ (2009) und vor allem „The Innocent Ones“ (2010) gehören zu den besten Rockalben, die die erste Dekade des Jahrtausends hervorgebracht hat. Mit seiner Live-Show, die ich im Rahmen seiner „American Ride“-Tour erlebte, spielte er sich endgültig in mein Herz.

Ob Nile nochmal den Sprung über den Atlantik macht, bleibt fraglich. Auf „New York At Night“ finden sich allerdings viele Stücke, die live bestimmt sehr gut funktionieren wie das hymnische „Lost And Lonely World“. Die Scheibe geht insgesamt ein hohes Tempo. Nile beherrscht den gradlinigen Gitarrenrock perfekt, hat dabei das Gespür für eingängige Melodien und Refrains und drückt den Songs durch seinen markanten Gesang einen unverwechselbaren Stempel auf.

Die Anlage der Songs liegt zum Teil zwischen Joan Jett & The Blackhearts („New York At Night“, „Surrender The Moon“) und Tom Petty & The Heartbreakers („The Backstreet Slide”). Neben dem Midtemposong „Doors Of Paradise”, der leicht poppige Anflüge hat, finden sich – zum Beispiel mit „The Fool Who Drank The Ocean“ – auch Beiträge mit härteren Riffs. Klassischer Heartland wird mit „Downtown Girl“ und dem bereits 2003 entstandenen „Run Free“ geboten.

Klavierakkorde leiten „A Little Bit Of Love“ ein. Die Pianobegleitung steht zudem bei „The Last Time We Made Love“ im Vordergrund und erinnert an die Lieder auf „If I Was A River“. Anders als auf seinem puristischem Konzeptalbum von 2014 setzt dann aber am Ende eine elektrische Gitarre ein. Mit „Under The Roof“ ist eine weitere Ballade auf dem Longplayer vertreten, die allerdings von akustischer Gitarre getragen wird.

Den mitreißenden Opener „New York Is Rockin‘“ schrieb Nile zusammen mit Curtis Stigers, der den Titel bereits 1995 auf „Time Was“ veröffentlichte. Nile arbeitete während seiner Karriere mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, so mit Lucinda Williams, Bruce Springsteen, Ringo Starr oder Ian Hunter. Auch auf der letzten CD von Patricia Vonne ist Nile mit einem Stück vertreten.

Das neue Lebenszeichen von Willie Nile überzeugt wie der Vorgänger „Children Of Paradise“ mit temporeichem, gitarrenorientiertem Rock. Das von Nile entworfene Stimmungsbild fängt den pulsierenden Rhythmus der amerikanischen Metropole ein, wobei er gelegentlich ruhigeren Momenten ihren Raum gibt. „New York At Night“ ist so abwechslungsreich wie die Großstadt und lädt dazu ein, in die Atmosphäre einzutauchen und sich treiben zu lassen.

River House Records (2020)
Stil: Rock

Tracklist:
01. New York Is Rockin’
02. The Backstreet Slide
03. Doors Of Paradise
04. Lost And Lonely World
05. The Fool Who Drank The Ocean
06. A Little Bit Of Love
07. New York At Night
08. The Last Time We Made Love
09. Surrender The Moon
10. Under This Roof
11. Downtown Girl
12. Run Free

Willie Nile
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Bet Williams Band – 06.03.2019, Der Club, Heiligenhaus – Konzertbericht

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An dem Club in Heiligenhaus bin ich schon etliche Male vorbeigekommen, ohne dass ich ihn wirklich wahrgenommen hatte. Erst als ich letztes Jahr für SoS im Internet recherchierte, sah ich, dass Patricia Vonne dort auftrat. Seitdem ist Der Club auf meinem Radar. Als sich nun Bet Williams mit Band ankündigte, bat ich um Akkreditierung. Diese erfolgte durch das Kulturbüro der Stadt Heiligenhaus prompt und problemlos. Dafür sei ein herzlicher Dank vorweggeschickt!

Im vergangenen Jahr erlebte ich bereits eine Solovorstellung von Bet Williams in der Krefelder Kulturrampe, bei dem die sympathische Sängerin mit ihrer stimmlichen Bandbreite begeisterte. Ich war gespannt, wie der Gesang mit Bandbegleitung zur Geltung kommt. Um es kurz zu machen: Auch in diesem Setting überzeugte die Stimmvarianz von Williams auf ganzer Linie.

Da waren tiefe und kraftvolle Töne bei dem noch unveröffentlichten „Blue Woman“ oder helle, filigrane und glasklare bei einem getragenen armenischen Volksstück. Während der anderen Songs, die sich zwischen progressivem Folk und Blues bewegen, nutzte die Sängerin ihre Range ebenfalls souverän.

Nach dem Einstieg mit „Engine #9“ folgte direkt „We Geography“ – einer meiner Favoriten aus ihrem Repertoire. Im ersten Set spielte die Band neben „Love Comes Knockin‘“ und „Super Summer“ von der letzten Studioplatte auch die noch unveröffentlichten Stücke „Green Gras“ und „El Dorado“. Diese werden wohl ebenso wie „Miracle Tonight“ auf der neuen CD zu finden sein, die Williams für den Herbst ankündigte.

Nach den ersten 45 Minuten gab es eine ausgedehnte Pause, für die sich Williams entschuldigte. Sie hatte sich in Gesprächen mit den Gästen verquatscht. Gefüllt wurde die Unterbrechung mit einer CD-Verlosung, bei der ich wie im letzten Jahr leer ausging. Die knapp fünfzig Besucher verkürzten sich die Wartezeit zudem mit Snacks aus der Küche des Clubs. In dem bestuhlten und mit einigen Tischen versehenen Raum konnten die Leckereien dann auch bequem verzehrt werden.

Nach der Pause lenkte der wummernde Bass von Marc Bronsten bei „Falling Away“ die Aufmerksamkeit der Zuhörer wieder auf die Bühne. Bronsten glänzte in einigen Stücken an seinem Instrument, so mit schönen Läufen bei „The Maker“. Williams interagierte während des Konzerts mit ihren beiden Mitstreitern auf unterhaltsame Weise, obwohl die einzelnen Bandmitglieder ziemlich weit auseinander positioniert waren. Schlagzeuger Kenny Martin strahlte dabei eine stoische Ruhe aus und ließ sich auch von der spontanen Bandleaderin nicht irritieren, wenn diese von den geplanten Songs oder deren Reihenfolge abwich.

Das stark performte „What You Wanna Be“, „Rose Tattoo” und „A Little Party” finden sich im Backkatalog von Williams, live hatte ich sie aber noch nicht gehört. Die Setlist überschnitt sich nur bei knapp der Hälfte der Titel mit der von ihrem letztjährigen Solo-Gig in der Rampe. Ein neues Highlight für mich war „Spiritual Thing“. Der Song mit Gospelanleihen entschädigte für das fehlende „Oriental Drag“, das mich seinerzeit faszinierte.

Zum Abschluss griff Williams dann auf bewährtes Material zurück. Das schwungvolle „Yeah Love“ beendete das zweite, einstündige Hauptset. Bob Marleys „Redemption Song“ war die erste Zugabe. Nach dieser sehr gefühlvoll vorgetragenen Ballade setzte die Bet Williams Band mit „Killed My Man“ noch ein Ausrufezeichen in Richtung Rock, bevor sie die Bühne verließ.

Im zweiten Teil steigerte sich das Konzert nicht nur durch die Songauswahl. Williams bezog dort das Publikum stärker ein, indem sie zum Schnipsen, Klatschen und Mitsingen animierte. Da sie ihre beiden Mitstreiter im Rücken hatte, machte sie dies aber weniger als bei ihrem Soloauftritt.

Mit Bandbegleitung erhalten Williams‘ Musik und Konzerte eine andere Facette, die ebenso lohnend ist. Allein auf ihre Stimme und Gitarre vertrauend, erzeugt Williams allerdings eine enorme Intensität, die schwer zu toppen ist.

Das Publikum, das zum überwiegenden Teil von außerhalb angereist war, konnte sich dennoch zufrieden auf den Heimweg machen. Es hatte eine charismatische, gut aufgelegte Sängerin der Extraklasse in hervorragender Tonqualität erlebt. Für diese bedankte sich Williams noch ausdrücklich bei Axel, der die Aussteuerung in dem niedrigen Raum vorbildlich bewältigte.

Line-Up:
Bet Williams (vocals, guitar)
Marc Bronsten (bgv, bass)
Kenny Martin (bgv, drums)

Bilder und Text: Michael Segets

Bet Williams
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Der Club Heiligenhaus

Patricia Vonne – 24.10.2018, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

Von_haupt

In der Southern-Woche der Kulturrampe jagte ein hochkarätiger Act der Szene den nächsten. Am Vortag gab es mit Hogjaw etwas auf die Ohren, am folgenden Abend beehrten Robert Jon & The Wreck den Krefelder Großmarkt. Zwischen die gewichtigen Bartträger reihte sich die grazile Patricia Vonne aus San Antonio, Texas, ein. „Pille“ Peerlings zeigte sich bei der Begrüßung über die Resonanz dieser kompakten Südstaaten-Serie begeistert. Alle Veranstaltungen bescherten der Rampe ein (nahezu) ausverkauftes Haus.

Patricia Vonne erarbeitete sich durch ihre Touren hierzulande eine treue Fanbasis. T-Shirts mit ihrem Konterfei waren zu erspähen, Kastagnettenklappern sowie niederländische Stimmen zu vernehmen. Einige Wiederholungstäter erkannte Patricia Vonne von vorangegangenen Konzerten. Auch die Krefelder Kulturrampe hatte sie von ihrem Auftritt 2017 in frischer Erinnerung.

Die Begeisterung für Musik, die Vonne versprüht, schwappte bereits mit „This Cat‘s In The Doghouse“ auf das Publikum über. Bei vielen Stücken streute sie kurze persönlichen Bemerkungen ein und schuf dadurch eine besondere Nähe zu den Zuhörern. Ohne Berührungsängste trat sie mit ihnen in Kontakt – beispielsweise als sie von der Bühne stieg und ein Bad in der Menge nahm.

Im Verlauf der beiden Sets wechselte Vonne zwischen englisch und spanisch gesungenen Titel. Bei den Songs mit englischem Text traf Vonne eine rockige Auswahl. Von ihrem aktuellen Album „Top Of The Mountain“ spielte sie sämtliche Uptempo-Nummern. „City Is Alive“ leitete Bassist Harmen de Bresser sehr gelungen mit wuchtige Rückkopplungen ein. Im ersten Set folgten noch „Lekker Ding“ und „Lil‘ Lobo“, im zweiten „Citadel“ und „Graceland Trip“, bei dem sich Vonne an der E-Gitarre austobte.

Weitere Ohrwürmer aus der Backlist waren „Mudpies and Gasoline“ sowie „Rattle My Cage“. Dadurch, dass die Live-Varianten geerdet und weniger fein arrangiert erschienen als die Aufnahmen aus dem Studio, bekamen sie eine stärkere Roots-Rock-Note, die mir sehr gut gefiel. Auch die langsameren Titel „Top Of The Mountain“ und „Tidal Wave“ standen den Albumversionen in nichts nach. Ein besonderes Schmankerl war das countryfizierte „Love Is A Bounty“. Es ist der erste Song, den Vonne geschrieben hat.

Nicht nur das mitreißende Auftreten von Patricia Vonne, sondern auch die Qualität der genannten Songs machten das Konzert zu einem besonderen Vergnügen. Vor allem bei den lateinamerikanischen Rhythmen holte Vonne ihre Kastagnetten hervor und wirbelte über die Bühne. Der Titel „Guitarras Y Castañuelas” war dabei Programm. Vonne ließ es sich nicht nehmen, dem entsprechend ausgerüsteten Teilen des Publikums eine kurze Einführung in Grundtechniken des Kastagnettenspiels zu geben.

Die spanisch gesungenen Songs wie „Traeme Paz“, „Mexicali De Chispa“, „Fuente Vaqueros“ oder „Illuminaria“ liegen musikalisch zwar nicht direkt auf meiner Linie, wurden aber von Vonne so temperamentvoll und mit großen Posen dargeboten, dass sie hervorragend unterhielten. Gerade die Kombination von unterschiedlichen Musikstilen, mit denen Patricia Vonne im Grenzgebiet der USA und Mexiko aufgewachsen ist, prägen ihr eigenes Werk. Ohne diese würde ihren Konzerten ein charakteristisches Moment fehlen.

Ob mit Percussion, akustischer oder elektrischer Gitarre, Vonne war ständig in Bewegung. Das texanische Energiebündel löste bei der Zugabe „The House Is Rockin‘“ Bernhard Weichinger am Schlagzeug ab und überließ dem Gitarristen Ulrich Ellison die Lead Vocals. Mit dem Cover von Stevie Ray Vaughan steuerte ein explosives Konzert seinem Ende zu.

Das Publikum war mit der musikalischen und visuellen Darbietung hoch zufrieden. Auch Patricia Vonne schien Spaß an dem Konzert in Krefeld zu haben. Sie gab anschließend zahlreiche Autogramme, führte Gespräche mit Fans, posierte für Fotos und war froh, dass ein Ring wieder aufgetaucht ist, den sie während der Umkleide auf der Damentoilette verloren hatte.

Mit ihrer enormen Bühnenpräsenz machte die sympathische Texanerin mächtig Werbung für ihre Live-Auftritte. Es wundert daher nicht, dass sie die Herzen ihres Publikums erobert. Sollte sie erneut nach Deutschland kommen, bleibt zu hoffen, dass sie sich an die tolle Stimmung erinnert und der Rampe treu bleibt.

Line-up:
Patricia Vonne (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, drums, percussion)
Ulrich Ellison (electric guitar, acoustic guitar, vocals, lead vocals „The House Is Rockin’“)
Harmen de Bresser (bass, vocals)
Bernhard Weichinger (drums)

Bilder und Text: Michael Segets

Patricia Vonne
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Kulturrampe Krefeld