Willie Nile – New York At Night – CD-Review

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Review: Michael Segets

Willie Nile lässt weiterhin die Fahne des Rock ‘n Roll wehen! Zwei Jahre nach „Children Of Paradise“ kommt der Zweiundsiebzigjährige erneut mit zwölf Eigenkompositionen um die Straßenecke, die in New York liegt, der Heimatstadt von Nile. Während Nile bei früheren Werken auch politische und soziale Missstände thematisierte, dreht sich „New York At Night“ um das Leben, Lieben und Sterben in dieser Stadt.

Vor vierzig Jahren veröffentlichte Nile seinen ersten Longplayer. Nicht zuletzt aufgrund juristischer Streitigkeiten geriet seine Karriere zwischenzeitlich ins Stocken. Aufmerksam bin ich auf den Musiker 2006 geworden, als ich seine CD „Streets Of New York“ hörte. Die folgenden Platten „House Of A Thousand Guitars“ (2009) und vor allem „The Innocent Ones“ (2010) gehören zu den besten Rockalben, die die erste Dekade des Jahrtausends hervorgebracht hat. Mit seiner Live-Show, die ich im Rahmen seiner „American Ride“-Tour erlebte, spielte er sich endgültig in mein Herz.

Ob Nile nochmal den Sprung über den Atlantik macht, bleibt fraglich. Auf „New York At Night“ finden sich allerdings viele Stücke, die live bestimmt sehr gut funktionieren wie das hymnische „Lost And Lonely World“. Die Scheibe geht insgesamt ein hohes Tempo. Nile beherrscht den gradlinigen Gitarrenrock perfekt, hat dabei das Gespür für eingängige Melodien und Refrains und drückt den Songs durch seinen markanten Gesang einen unverwechselbaren Stempel auf.

Die Anlage der Songs liegt zum Teil zwischen Joan Jett & The Blackhearts („New York At Night“, „Surrender The Moon“) und Tom Petty & The Heartbreakers („The Backstreet Slide”). Neben dem Midtemposong „Doors Of Paradise”, der leicht poppige Anflüge hat, finden sich – zum Beispiel mit „The Fool Who Drank The Ocean“ – auch Beiträge mit härteren Riffs. Klassischer Heartland wird mit „Downtown Girl“ und dem bereits 2003 entstandenen „Run Free“ geboten.

Klavierakkorde leiten „A Little Bit Of Love“ ein. Die Pianobegleitung steht zudem bei „The Last Time We Made Love“ im Vordergrund und erinnert an die Lieder auf „If I Was A River“. Anders als auf seinem puristischem Konzeptalbum von 2014 setzt dann aber am Ende eine elektrische Gitarre ein. Mit „Under The Roof“ ist eine weitere Ballade auf dem Longplayer vertreten, die allerdings von akustischer Gitarre getragen wird.

Den mitreißenden Opener „New York Is Rockin‘“ schrieb Nile zusammen mit Curtis Stigers, der den Titel bereits 1995 auf „Time Was“ veröffentlichte. Nile arbeitete während seiner Karriere mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, so mit Lucinda Williams, Bruce Springsteen, Ringo Starr oder Ian Hunter. Auch auf der letzten CD von Patricia Vonne ist Nile mit einem Stück vertreten.

Das neue Lebenszeichen von Willie Nile überzeugt wie der Vorgänger „Children Of Paradise“ mit temporeichem, gitarrenorientiertem Rock. Das von Nile entworfene Stimmungsbild fängt den pulsierenden Rhythmus der amerikanischen Metropole ein, wobei er gelegentlich ruhigeren Momenten ihren Raum gibt. „New York At Night“ ist so abwechslungsreich wie die Großstadt und lädt dazu ein, in die Atmosphäre einzutauchen und sich treiben zu lassen.

River House Records (2020)
Stil: Rock

Tracklist:
01. New York Is Rockin’
02. The Backstreet Slide
03. Doors Of Paradise
04. Lost And Lonely World
05. The Fool Who Drank The Ocean
06. A Little Bit Of Love
07. New York At Night
08. The Last Time We Made Love
09. Surrender The Moon
10. Under This Roof
11. Downtown Girl
12. Run Free

Willie Nile
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Bet Williams Band – 06.03.2019, Der Club, Heiligenhaus – Konzertbericht

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An dem Club in Heiligenhaus bin ich schon etliche Male vorbeigekommen, ohne dass ich ihn wirklich wahrgenommen hatte. Erst als ich letztes Jahr für SoS im Internet recherchierte, sah ich, dass Patricia Vonne dort auftrat. Seitdem ist Der Club auf meinem Radar. Als sich nun Bet Williams mit Band ankündigte, bat ich um Akkreditierung. Diese erfolgte durch das Kulturbüro der Stadt Heiligenhaus prompt und problemlos. Dafür sei ein herzlicher Dank vorweggeschickt!

Im vergangenen Jahr erlebte ich bereits eine Solovorstellung von Bet Williams in der Krefelder Kulturrampe, bei dem die sympathische Sängerin mit ihrer stimmlichen Bandbreite begeisterte. Ich war gespannt, wie der Gesang mit Bandbegleitung zur Geltung kommt. Um es kurz zu machen: Auch in diesem Setting überzeugte die Stimmvarianz von Williams auf ganzer Linie.

Da waren tiefe und kraftvolle Töne bei dem noch unveröffentlichten „Blue Woman“ oder helle, filigrane und glasklare bei einem getragenen armenischen Volksstück. Während der anderen Songs, die sich zwischen progressivem Folk und Blues bewegen, nutzte die Sängerin ihre Range ebenfalls souverän.

Nach dem Einstieg mit „Engine #9“ folgte direkt „We Geography“ – einer meiner Favoriten aus ihrem Repertoire. Im ersten Set spielte die Band neben „Love Comes Knockin‘“ und „Super Summer“ von der letzten Studioplatte auch die noch unveröffentlichten Stücke „Green Gras“ und „El Dorado“. Diese werden wohl ebenso wie „Miracle Tonight“ auf der neuen CD zu finden sein, die Williams für den Herbst ankündigte.

Nach den ersten 45 Minuten gab es eine ausgedehnte Pause, für die sich Williams entschuldigte. Sie hatte sich in Gesprächen mit den Gästen verquatscht. Gefüllt wurde die Unterbrechung mit einer CD-Verlosung, bei der ich wie im letzten Jahr leer ausging. Die knapp fünfzig Besucher verkürzten sich die Wartezeit zudem mit Snacks aus der Küche des Clubs. In dem bestuhlten und mit einigen Tischen versehenen Raum konnten die Leckereien dann auch bequem verzehrt werden.

Nach der Pause lenkte der wummernde Bass von Marc Bronsten bei „Falling Away“ die Aufmerksamkeit der Zuhörer wieder auf die Bühne. Bronsten glänzte in einigen Stücken an seinem Instrument, so mit schönen Läufen bei „The Maker“. Williams interagierte während des Konzerts mit ihren beiden Mitstreitern auf unterhaltsame Weise, obwohl die einzelnen Bandmitglieder ziemlich weit auseinander positioniert waren. Schlagzeuger Kenny Martin strahlte dabei eine stoische Ruhe aus und ließ sich auch von der spontanen Bandleaderin nicht irritieren, wenn diese von den geplanten Songs oder deren Reihenfolge abwich.

Das stark performte „What You Wanna Be“, „Rose Tattoo” und „A Little Party” finden sich im Backkatalog von Williams, live hatte ich sie aber noch nicht gehört. Die Setlist überschnitt sich nur bei knapp der Hälfte der Titel mit der von ihrem letztjährigen Solo-Gig in der Rampe. Ein neues Highlight für mich war „Spiritual Thing“. Der Song mit Gospelanleihen entschädigte für das fehlende „Oriental Drag“, das mich seinerzeit faszinierte.

Zum Abschluss griff Williams dann auf bewährtes Material zurück. Das schwungvolle „Yeah Love“ beendete das zweite, einstündige Hauptset. Bob Marleys „Redemption Song“ war die erste Zugabe. Nach dieser sehr gefühlvoll vorgetragenen Ballade setzte die Bet Williams Band mit „Killed My Man“ noch ein Ausrufezeichen in Richtung Rock, bevor sie die Bühne verließ.

Im zweiten Teil steigerte sich das Konzert nicht nur durch die Songauswahl. Williams bezog dort das Publikum stärker ein, indem sie zum Schnipsen, Klatschen und Mitsingen animierte. Da sie ihre beiden Mitstreiter im Rücken hatte, machte sie dies aber weniger als bei ihrem Soloauftritt.

Mit Bandbegleitung erhalten Williams‘ Musik und Konzerte eine andere Facette, die ebenso lohnend ist. Allein auf ihre Stimme und Gitarre vertrauend, erzeugt Williams allerdings eine enorme Intensität, die schwer zu toppen ist.

Das Publikum, das zum überwiegenden Teil von außerhalb angereist war, konnte sich dennoch zufrieden auf den Heimweg machen. Es hatte eine charismatische, gut aufgelegte Sängerin der Extraklasse in hervorragender Tonqualität erlebt. Für diese bedankte sich Williams noch ausdrücklich bei Axel, der die Aussteuerung in dem niedrigen Raum vorbildlich bewältigte.

Line-Up:
Bet Williams (vocals, guitar)
Marc Bronsten (bgv, bass)
Kenny Martin (bgv, drums)

Bilder und Text: Michael Segets

Bet Williams
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Der Club Heiligenhaus

Patricia Vonne – 24.10.2018, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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In der Southern-Woche der Kulturrampe jagte ein hochkarätiger Act der Szene den nächsten. Am Vortag gab es mit Hogjaw etwas auf die Ohren, am folgenden Abend beehrten Robert Jon & The Wreck den Krefelder Großmarkt. Zwischen die gewichtigen Bartträger reihte sich die grazile Patricia Vonne aus San Antonio, Texas, ein. „Pille“ Peerlings zeigte sich bei der Begrüßung über die Resonanz dieser kompakten Südstaaten-Serie begeistert. Alle Veranstaltungen bescherten der Rampe ein (nahezu) ausverkauftes Haus.

Patricia Vonne erarbeitete sich durch ihre Touren hierzulande eine treue Fanbasis. T-Shirts mit ihrem Konterfei waren zu erspähen, Kastagnettenklappern sowie niederländische Stimmen zu vernehmen. Einige Wiederholungstäter erkannte Patricia Vonne von vorangegangenen Konzerten. Auch die Krefelder Kulturrampe hatte sie von ihrem Auftritt 2017 in frischer Erinnerung.

Die Begeisterung für Musik, die Vonne versprüht, schwappte bereits mit „This Cat‘s In The Doghouse“ auf das Publikum über. Bei vielen Stücken streute sie kurze persönlichen Bemerkungen ein und schuf dadurch eine besondere Nähe zu den Zuhörern. Ohne Berührungsängste trat sie mit ihnen in Kontakt – beispielsweise als sie von der Bühne stieg und ein Bad in der Menge nahm.

Im Verlauf der beiden Sets wechselte Vonne zwischen englisch und spanisch gesungenen Titel. Bei den Songs mit englischem Text traf Vonne eine rockige Auswahl. Von ihrem aktuellen Album „Top Of The Mountain“ spielte sie sämtliche Uptempo-Nummern. „City Is Alive“ leitete Bassist Harmen de Bresser sehr gelungen mit wuchtige Rückkopplungen ein. Im ersten Set folgten noch „Lekker Ding“ und „Lil‘ Lobo“, im zweiten „Citadel“ und „Graceland Trip“, bei dem sich Vonne an der E-Gitarre austobte.

Weitere Ohrwürmer aus der Backlist waren „Mudpies and Gasoline“ sowie „Rattle My Cage“. Dadurch, dass die Live-Varianten geerdet und weniger fein arrangiert erschienen als die Aufnahmen aus dem Studio, bekamen sie eine stärkere Roots-Rock-Note, die mir sehr gut gefiel. Auch die langsameren Titel „Top Of The Mountain“ und „Tidal Wave“ standen den Albumversionen in nichts nach. Ein besonderes Schmankerl war das countryfizierte „Love Is A Bounty“. Es ist der erste Song, den Vonne geschrieben hat.

Nicht nur das mitreißende Auftreten von Patricia Vonne, sondern auch die Qualität der genannten Songs machten das Konzert zu einem besonderen Vergnügen. Vor allem bei den lateinamerikanischen Rhythmen holte Vonne ihre Kastagnetten hervor und wirbelte über die Bühne. Der Titel „Guitarras Y Castañuelas” war dabei Programm. Vonne ließ es sich nicht nehmen, dem entsprechend ausgerüsteten Teilen des Publikums eine kurze Einführung in Grundtechniken des Kastagnettenspiels zu geben.

Die spanisch gesungenen Songs wie „Traeme Paz“, „Mexicali De Chispa“, „Fuente Vaqueros“ oder „Illuminaria“ liegen musikalisch zwar nicht direkt auf meiner Linie, wurden aber von Vonne so temperamentvoll und mit großen Posen dargeboten, dass sie hervorragend unterhielten. Gerade die Kombination von unterschiedlichen Musikstilen, mit denen Patricia Vonne im Grenzgebiet der USA und Mexiko aufgewachsen ist, prägen ihr eigenes Werk. Ohne diese würde ihren Konzerten ein charakteristisches Moment fehlen.

Ob mit Percussion, akustischer oder elektrischer Gitarre, Vonne war ständig in Bewegung. Das texanische Energiebündel löste bei der Zugabe „The House Is Rockin‘“ Bernhard Weichinger am Schlagzeug ab und überließ dem Gitarristen Ulrich Ellison die Lead Vocals. Mit dem Cover von Stevie Ray Vaughan steuerte ein explosives Konzert seinem Ende zu.

Das Publikum war mit der musikalischen und visuellen Darbietung hoch zufrieden. Auch Patricia Vonne schien Spaß an dem Konzert in Krefeld zu haben. Sie gab anschließend zahlreiche Autogramme, führte Gespräche mit Fans, posierte für Fotos und war froh, dass ein Ring wieder aufgetaucht ist, den sie während der Umkleide auf der Damentoilette verloren hatte.

Mit ihrer enormen Bühnenpräsenz machte die sympathische Texanerin mächtig Werbung für ihre Live-Auftritte. Es wundert daher nicht, dass sie die Herzen ihres Publikums erobert. Sollte sie erneut nach Deutschland kommen, bleibt zu hoffen, dass sie sich an die tolle Stimmung erinnert und der Rampe treu bleibt.

Line-up:
Patricia Vonne (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, drums, percussion)
Ulrich Ellison (electric guitar, acoustic guitar, vocals, lead vocals „The House Is Rockin’“)
Harmen de Bresser (bass, vocals)
Bernhard Weichinger (drums)

Bilder und Text: Michael Segets

Patricia Vonne
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Kulturrampe Krefeld

Patricia Vonne – Top Of The Mountain – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die multikulturellen Wurzeln Patricia Vonnes spiegeln sich abermals auf „Top Of The Mountain”, ihrem achten Album seit 2003, wider. Aufgewachsen in San Antonio und mittlerweile in Austin lebend integriert Vonne ein breites Spektrum an Musikstilen, die in der Grenzregion der Vereinigten Staaten und Mexikos lebendig sind.

Der Longplayer ist dementsprechend abwechslungsreich. Neben den unterschiedlichen Musikrichtungen tragen eine variable Instrumentalisierung und die Unterstützung – vor allem beim Songwriting – von prominenten Musikern zu einem kurzweiligen Ausflug nach Texas bei. Die überwiegende Anzahl der Titel ist dabei im Roots Rock zu verorten.

Patrica Vonne ist ihr bislang reifstes Album gelungen. Einen großen Anteil daran hat Rick Del Castillo, der mit zwei Ausnahmen alle Songs produzierte und Vonne dazu bewegte, in einer tieferen Stimmlage zu singen. Dies vermeidet den schrillen Cowgirl-Pop-Eindruck, der einigen Titeln ihrer bisherigen Veröffentlichungen anhaftete. In den drei spanischen Liedern zeigt Vonne ihre Verbundenheit mit dem lateinamerikanischen Erbe ihrer musikalischen Sozialisation.

Der Walzer „Cancion De La Boda” – mit Akkordeon und Geige begleitet sowie anfangs mit dem Knistern einer alten Schallplatte unterlegt – erweckt den Anschein, als stamme er aus einer früheren Zeit. „Madre De Perla” widmet Vonne ihrer Mutter. Passend zu dem Flamenco-Feeling klappert Vonne mit den Kastagnetten. Ihre bevorzugten Instrumente setzt sie auch auf „Illuminaria“ ein.

Michael Ramos produzierte das Tejano-Stück mit der Folge, dass Vonnes Gesang höher als auf den anderen Titeln ausfällt. Wenn man wenig mit den deutlichen mexikanisch-spanischen Stileinflüssen anfangen kann, bleiben immer noch zehn hörenswerte Tracks.

Allen voran steht das Duett mit Joe King Carrasco „Lil´ Lobo“. Vonne und ihr Partner heulen sich unterstützt von krachenden Gitarren die Seele aus dem Leib. Der Vergleich mit den anderen Wölfen von Los Lobos drängt sich bei dem Tex-Mex „Graceland Trip“ auf. Hier zeigt Vonne, dass sie auch ohne fremde Unterstützung treibende Rocksongs schreiben kann. Dennoch zahlt sich bei „City Is Alive“ die Zusammenarbeit mit der New Yorker Rockgröße Willie Nile aus. Neben der Nummer mit härteren Gitarren-Riffs findet sich mit „Lekker Ding“ ein lockerer Old-School-Rock-n-Roll auf der Scheibe.

Von den schnelleren Stücken fällt einzig der Opener „Citatel“ durch die Dramatik im Gesang etwas ab. Bei dem von Alejandro Escovedo mitgeschriebenen „Tidal Wave“ passt das Pathos hingegen besser.

Mit akustischen Gitarren und Geige widmet sich Vonne auf dem titelgebenden „Top Of The Mountain“ dem Country. Die windumwehte und staubige Landschaft eines Westernfilms kommt bei „Western Blood“ unwillkürlich in den Sinn. Patricia Vonne lässt ihre E-Gitarre auf dem mit Steven Medina Hufsteter von den Cruzados komponierten Instrumentalstück melodiös klirren.

Den regulären Abschluss des Albums bildet die kraft- und gefühlvolle Ballade „God´s Hand“. Vonnes Stimme wird hier nur von einem Klavier begleitet. Als Bonustrack gibt es noch die weitere Ballade „Stop The Madness“, die für eine texanische Organisation gegen häusliche Gewalt verfasst ist. Ihr soziales Engagement und ihr Einsatz für Frauenrechte brachte Vonne schon bei den früheren Titeln „Missing Women“ beziehungsweise „Mujeres Desaparecidas“ zum Ausdruck.

Auf ihrer neuen CD „Top Of The Mountain“ hat Patricia Vonne Pop-Elemente zugunsten eines erdigeren Sounds aufgegeben, was den Freunden von Sounds Of South gefallen wird. Vonne tourt in den nächsten Monaten ausgiebig durch Deutschland und präsentiert ihr neues Werk live. Da man den Berichten von Daniel Glauben schenken kann, lohnt ein Konzertbesuch auf alle Fälle.

MIG (2018)
Stil: Rock / Americana

01. Citadel
02. City Is Alive
03. Illuminaria
04. Top Of The Mountain
05. Lil‘ Lobo
06. Madre De Perla
07. Tidal Wave
08. Graceland Trip
09. Western Blood
10. Cancion De La Boda
11. Lekker Ding
12. God’s Hands
13. Stop The Madness

Patricia Vonne
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M. i. G.-Music
Indigo Musikproduktion + Vertrieb

Patricia Vonne – 20.04.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Hochkarätige Kulturrampen-Zeit an einem Donnerstag in der Woche! Die heißblütige, aber dabei immer charmant und sympathisch agierende Patricia Vonne aus Austin, Texas, mit mexikanischen Wurzeln, hatte mit ihrer Band in der beliebten Krefelder Szene-Location zum Auftakt ihrer Europa-Tournee 2017, Halt gemacht. Mr. Kulturrampe, Markus ‚Pille‘ Peerlings durfte sich bei seiner einleitenden Ansage über eine ausverkaufte Hütte freuen. Eine schöne Anerkennung, wie ich meine, für seine engagierte, mit viel offen gezeigtem Herzblut, vollzogene tolle Arbeit in Sachen guter Live-Musik!

Patricia Vonne und ihre Mitstreiter Robert LaRoche, Harmen de Bresser (mit Beatles-typischem Bass) und Drummer Ben Bakker brachten mit dem Desert-rockigen Opener „This Cat’s In The Doghouse“ die Besucher der rappelvollen Rampe sofort auf Betriebstemperatur. Klasse hier das schrammlige E-Gitarren-Solo von LaRoche auf seiner imposanten schwarz-weißen Rickenbacker. Mit „Ravage Your Heart“ (schöne Tempowechsel, poppiger Refrain) von ihrem noch aktuellen Album „Rattle My Cage“ bewies die Vonne ihr Talent zu radiotauglichem Songwriting.

Zur schönen Tex-Mex-Ballade „Traeme Paz“ lieferte die Protagonistin mit „Bring Me Peace“ direkt die englische Übersetzung. Hier kamen auch die an ihrem Gürtel hängenden Kastagnetten (in rot und schwarz, passend zum Outfit) erstmals zum Einsatz. Weitere spanisch gesungene Lieder wie „Fuente Vaqueros“, „Guitarras Y Castañuelas“, „El Marinero“ (akustisch performt), „Que Maravilla“ oder „Severina“ zogen sich dann auch wie ein roter Faden durch das in zwei Sets angelegte Programm, wobei die umtriebige Fronterin, ihre omnipräsente Beweglichkeit (von den Füßen bis in die Haarspitzen) samt geräkelter lasziver und schlängelnder Gestik sowie filigranem Kastagnetten-Geklacker, in der Tradition einer energiegeladenen, rassigen Flamenco-Tänzerin, zur Schau stellte.

Das war wirklich schon toll anzusehen und auch unser schwer schuftende Fotograf Jörg Schneider schien, angesichts des attraktiven ‚Motivs‘, den Finger vom Auslöser seiner Kamera kaum runterzukriegen (er machte knapp 1.000 Bilder!!! – seine besten Schnappschüsse siehe dazu auch in der unten angefügten Galerie).

Überhaupt trug Patricia mit ihren kleinen Anekdoten und Anmerkungen zu sich und den Songs, zu einer durchweg ausgelassenen Stimmung bei. Ein Zuschauer erwiderte z. B. eine ihrer englischen Ansagen mit einem lauten „Muchas gracias“, was diese schlagfertig mit einem kurzen und trockenen „Bitte sehr“ konterte.

Als weitere Highlights auf meinem Notizettel habe ich Tracks wie „Mudpies And Gasoline“ (den Song kann man ja auch in Quentin Tarantinos Film „Hell Ride“ bewundern), das melodische „Worth It“ (Fleetwood Mac-Flair), das ZZ Top-infizierte „Sax Maniac“ (starke kratzige Gitarre von LaRoche), natürlich den, vor Power nur so strotzenden Titelsong ihres aktuellen Silberlings „Rattle My Cage“ (raunzende Bariton-E-Gitarre), das dezent Heartland-/Country-umwobene „Top Of The Mountain“ (brandneuer Song) und den starken, fetzigen Rausschmeißer „Rebel Bride“ (hatte was von Billy Idol), zum Ende des Hauptteils, vermerkt.

Ach ja, dann war da auch noch das von ihr und Bruder Roberto Rodriguez kreierte Instrumental „Mexicali di Chispa“, wo Patricia ihre Fingerfertigkeit auf einer Telecaster offerierte. Die Vonne stammt ja aus einer Großfamilie (lt. eigener Aussage neun Geschwister), wobei ihre Schwester Angela Lanza es zu Schauspieler-Ehren brachte und besagter Roberto mit Filmen wie u. a. „El Mariachi“,„Desperado“, „Once Upon A Time In Mexico“ und dem Kultstreifen „From Dusk Till Dawn“ als Regisseur brillierte.

Als das Quartett letztendlich mit dem von Robert LaRoche gesungenen Buddy Holly-Cover „Rave On“ (Patricia übernahm hierbei die Drums, der agile Schlagzeuger Ben Bakker dafür die Akustikgitarre) und einem weiteren spanisch gesungenen launigen Tex-Mex-Feger („Cancion del Mariachi“?) einen nach scharfen Chili-Schoten anmutenden, unterhaltsamen, äußerst kurzweiligen und schweißtreibenden Gig im Zugabenteil beendet hatte, konnte es eigentlich dann bei Pilles netten Bedienungen an der Theke in der KR-Lounge, anschließend nur noch heißen: „Señorita, una cerveza grande por favor…!“

Line-up:
Patricia Vonne (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, drums, percussion)
Robert LaRoche (electric guitar, acoustic guitar, vocals, lead vocals „Rave On“)
Harmen de Bresser (bass, vocals)
Ben Bakker (drums, acoustic guitar)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Patricia Vonne
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