Patricia Vonne – 12.04.2026, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Es gibt wohl kaum eine bessere Möglichkeit, einen frühen Sonntagabend einzuläuten, als einen Konzertbesuch in der Kulturrampe, zumal wenn Patrica Vonne auf der neu gestalteten Bühne steht. Sie hat ihr offiziell noch in den Startlöchern stehendes Album im Gepäck, versprach aber einen Streifzug quer durch ihre musikalische Karriere.

Die temperamentvolle Texanerin bot einen explosiven Mix aus spanisch und englisch gesungenen Songs, bei dem sie das Publikum mühelos in ihren Bann zog. Die Krefelder Location stellt quasi ein Heimspiel für Vonne dar. Sie schwärmte von der Stimmung der Kulturrampe und den Besuchern, unter denen sie viele bekannte Gesichter ausmachte. Vonne lebt ihre Musik und sie schaffte es direkt, eine persönliche Verbindung zum Auditorium herzustellen – nicht zuletzt durch die Anekdoten und kurzen Einführungen zu ihren Songs. Auch abseits der Bühne zeigten sich die charismatische Aktrice und ihr sympathischer Sideman Robert LaRoche aufgeschlossen für einen Austausch und Gespräche mit den Fans.

Zu Beginn der interkulturellen Lehrstunde verwies Vonne auf die deutschen Einflüsse, die sich in Texas wohl an mehreren Stellen zeigen. Entsprechend eröffnete „Lekker Ding“ das erste Set. Zu den Verbindungen zwischen amerikanischer und deutscher Kultur bemerkte sie, dass sie in einem Video von The Bosshoss mitwirkte. Eine Info, die mich und wohl auch viele Anwesende überraschte. Die Schauspielerei ist Vonne nicht fremd und auch als Regisseurin brachte sie ihr Filmdebüt vor Kurzem heraus. „Traeme Paz“ vom Soundtrack des Films „Once Upon A Time In Mexico“, bei dem ihr Bruder Robert Rodriguez Regie führte, folgte dem Opener.

Nach einer Hommage an den im Dezember verstorbenen Joe Ely kam der Titeltrack der neuen Scheibe „My Heart’s Got A Mind Of Its Own“ zu Gehör. Das Stück schrieb sie zusammen mit Chris Isaak und Johnny Reno. Von dem aktuellen Album folgten im Verlauf des Abends noch vier weitere Stücke: „Be My King“, „Not Too Late“, „Lean On Me Tonight“ sowie „Courage Under Fire“. Die drei letztgenannten sind in Kooperation mit LaRoche entstanden, der sich live on stage blind mit Vonne versteht und sie kongenial ergänzt. Alle neuen Songs sind rockig angelegt, sodass sie einen Gegenpol zu den in der Regel tendenziell getrageneren, aber dennoch dynamischen, auf Spanisch gesungenen Beiträgen bildeten. Im ersten Durchgang gab es von dieser Sorte „Qué Maravilla“ und „Guitarras y Castaňuelas“, im zweiten „Fuente Vaqueros“ sowie „Serverina“.

Die Meisterin ikonischer Posen wirbelte stilecht mit Kastagnetten, rotem Fächer oder Tamburine über die Bühne. Mit ihre Temperament heizte sie die Rampe auf und verabschiedete sich mit „Rattle My Cage“ in die Pause. In den zweiten Durchgang stiegen Vonne und LaRoche als Duo ein und gönnten so der Rhythmusgruppe – dem durch vorherige Touren gestandenen Schlagzeuger Bernhard Weichinger und einem neuen Bassisten – eine verlängerte Verschnaufpause. Nach den akustisch performten „Top Of The Mountain“ und „El Marinero y La Sirena“ wurde diese dann wieder bei dem treibenden „Hot Rod Heart“ gefordert.

Ein Höhepunkt im zweiten Set war das bekannte „City Is Alive“, das Willie Nile mitgeschrieben hat. „This Cats In The Dogouse“, das eigentlich zum Standard im Live-Repertoire von Vonne gehört, hätte gut einen Platz am Ende des Konzerts neben „Rebel Bride“ gefunden. Bei dem Song und der Zugabe „Lil Lobo“ gaben Band und Publikum – einschließlich fulminanten Wolfsgeheuls – nochmal alles, sodass die Stimmung in der Kulturrampe hochkochte und der Auftritt mit einem krachenden Höhepunkt zu Ende ging.

Patricia Vonne erwies sich erneut als erstklassige Entertainerin, der es spielend gelingt, mit ihrer authentischen Mischung aus Roots Rock und Tejano das Publikum mitzureißen. Die neuen Songs passen sich nahtlos in das Programm der Live-Shows ein und geben einen Vorgeschmack auf ihr kommendes Album.

Line-Up:
Patricia Vonne (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, drums, percussion)
Robert LaRoche (electric guitar, acoustic guitar, vocals)
Bernhard Weichinger (drums)
Harmen de Bresser (bass, vocals)

Text und Bilder: Michael Segets

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Patricia Vonne – My Favorite Holiday! – CD-Review

Jedes Jahr nehme ich mir vor, die Weihnachtsgeschenke frühzeitig zu besorgen. Jedes Jahr fehlen mir die meisten aber noch zwei Tage vor Heiligabend. Für diejenigen, denen es ähnlich geht, habe ich den Tipp, sich Patricia Vonnes „My Favorite Holiday!“ frühzeitig zuzulegen – am besten ein paar Mal, denn CDs halten sich zur Not auch bis zum übernächsten Fest. Das Album stammt sowieso schon aus 2021, aber da hatte ich es noch nicht entdeckt. Ich bin erst durch das letzte Konzert von Vonne in der Kulturrampe auf es aufmerksam geworden.

Weihnachtsalben haben zwar kein Verfallsdatum, sind in der Regel jedoch saisonal begrenzt. Oftmals reproduzieren sie die bekannten Klassiker und sind daher meist musikalisch weniger interessant. Anders verhält es sich mit „My Favorite Holiday!“, auf dem Vonne selbst (mit-)komponierte Songs vorstellt. Einzige Ausnahme ist das Traditional „Carol Of The Bells“, das sie a cappella mit ihrer Familie singt.

Für die Eigenkompositionen verdient die CD schon mal den ersten Stern, einen weiteren für die völlig erfüllte Grundanforderung, dass ein solches Konzeptalbum überwiegend Weihnachtsstimmung transportiert. Das beschwingte „Santa’s On His Way“ könnte ebenso wie das langsamere „Christmas Without You“, bei dem Stephen Ferrone (Tom Petty) am Schlagzeug sitzt, als Soundtrack eines entsprechenden Hollywood-Schinkens dienen. Wie diese Tracks ist auch „Christ Child“ orchestral unterlegt, wofür Scott Plunkett (Don Henley, Chris Isaak) verantwortlich zeichnet. Das flotte Titelstück mit Schellen und Schuhu-Background gehört ebenfalls in die Kategorie der eindeutigen Weihnachtslieder. Es punktet besonders durch das Saxophon von Johnny Reno.

Einen dritten Stern gibt es dafür, dass sich der Longplayer nicht in süßlicher Sentimentalität verliert. Bei dem staubigen, in die texanisch-mexikanische Grenzregion versetzenden Midtempo-Song „Alone On Christmas Day“ glänzt David Grissom (John Mellencamp, James McMurtry, Joe Ely) an den Gitarren. „Old Man Santa“, von Vonne, Rick Del Castillo und Alex Ruiz gemeinsam geschrieben und von Vonne und Ruiz als Duett performt, ist ein kräftiger Rocksong, der vielleicht thematisch, aber nicht musikalisch auf einem Weihnachtsalbum zu erwarten ist. Einen eigenen Stern erhält „Santa’s On A Rampage“, der nach Little Steven’s Underground Garage zu den Coolest Songs In The World gehört. Vonne und Rosie Flores gelingt hier ein ausgelassener Geniestreich, der Spaß macht und gute Laune versprüht.

Schließlich vergebe ich einen Stern für die Soundvielfalt, die durch die in spanischer Sprache gesungenen Songs nochmals erhöht wird. Bei diesen lässt Vonne ihre Kastagnetten klicken und klackern. Weitere Akzente setzen die Congas, Bongos in Kombination mit einer Geige bei „Cumbia Navidad“. Für „Nochebuena“ holt Vonne erneut Alex Ruiz mit ans Mikro, für „Las Posadas“ Ruben Blades.

In der Rubrik Weihnachtsalben erreicht „My Favorite Holiday!“ fünf von fünf Sternen. Ich könnte noch weitere vergeben, aber dann verzähle ich mich wieder. So ist dieser Longplayer nämlich der achte von Vonne und nicht „Top Of The Mountain“ (2018), wie ich seinerzeit behauptete. Produziert wurde er von Rick Del Castillo.

Patricia Vonne legt mit „My Favorite Holiday!“ ein originelles Werk vor, das thematisch um Weihnachten kreist, musikalisch aber eine bunte Mischung bietet, die sich aus ihren unterschiedlichen musikalischen Wurzeln speist. Diese liegen vor allem im texanisch-mexikanischen Grenzgebiet. Neben den wohlklingenden Titeln, die sich in die Tradition moderner Weihnachtslieder nahtlos einreihen, finden sich daher auch aufgekratzte Rocksongs und spanische Stücke auf dem Album, die nicht nur zu den Festtagen gehört werden können.

Bandolera Records (2021)
Stil: Tejano/Weihnachtslieder

Tracks:
01. Santa’s On His Way
02. Nochebuena
03. Alone On Christmas Day
04. Las Posadas
05. Christmas Without You
06. My Favorite Holiday
07. Cumbia Navidad
08. Santa’s On A Rampage
09. Christ Child
10. Carol Of The Bells
11. Old Man Santa

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