Peter Parcek – Most Of The Time – CD-Review

Der letzte Review zu Peter Parcek ist schon ein gutes Weilchen her. Soweit ich mich erinnere, hatten wir uns danach mal kurz über Facebook ausgetauscht, Seither versorgt der Algorithmus mich regelmäßig mit seinen Posts bezüglich Geburtstagen seitens von ihm geschätzten, sowohl lebenden als auch bereits verblichenen Musikern.

Nun landete mal wieder mit „Most Of The Time“ ein neues Werk des Mannes in meinem Briefkasten, den Buddy Guy gitarrentechnisch auf eine Stufe mit Eric Clapton gestellt hatte. Und dass er Gitarre spielen kann, daran lässt auch diese neue CD keinen Zweifel, auf der er sich im Prinzip seiner Linie treu bleibt: Diverse, gut gemachte Coverversionen von Künstlern, denen er offensichtlich seine Wertschätzung zum Ausdruck bringen möchte, als auch ein paar neue Eigenkreationen (die sind solide und ok, aber da fehlt weiterhin der große ‚Wurf‘). Ganz klar auch auf diesem Longplayer im Mittelpunkt: stehen seine unumstrittenen, versierten und variablen Gitarrenkünste.

Bester Song und somit auch zurecht der Titeltrack, „Most Of The Time“ eine Adaption von Bob Dylan aus dessen „Oh Mercy“-Werk von 1989. Parcek haucht dem Track viel Gefühl ein, Hier gibt es auch mal klare Akustikgitarrenklänge zu vernehmen, sowie dezente Allman Brothers-Vibes als auch markante Guest vocals von Michelle Miraglia als Modifikation zum Original. Stark gemacht!!

Michelle Miraglia highlighted auch den folgenden Peter Green-umwehten Track „I Don’t Worry Bout A Thing“ mit ihren starken Harmoniegesängen. Dass Parcek Sympathien für den britischen Kultgitarristen pflegt, merkt man auch bei weiteren Liedern wie „How Many Times“ oder dem „Stranger Blues“, wo man sich förmlich in die „In The Skies“/“Little Dreamer“-Phase zurückversetzt fühlt

Auch die John Hiatt– und Bill Withers- Coverstücke machen was her, ich finde eh gut, wenn man sich an Songs heranmacht, die nicht schon bis zum ‚Gehtnichtmehr‘ ausgelutscht wurden. Auch ein Faible für Tony Joe White kommt sporadisch durch, wie bei der Hiatt-Nummer oder bei „61 Highway“.

Am Ende gibt es mit  „Lord Help The Poor & Needy“ und „Swooshy“ noch zwei Instrumentalstücke in unterschiedlichen Tempi und Stimmungen als Bonustracks. Danach ist man dann endgültig schwindelig von soviel quirligem E-Gitarrengezupfe, für meine Wenigkeit ist das, zumindest am Stück mit den ganzen anderen Tracks, schon fast zu viel des Guten.

Insgesamt offeriert der ‚Gentleman‘ Peter Parcek  (diesen Eindruck hinterlässt der passionierte Hutträger immer bei mir) mit „Most Of The Time“ für die geneigte Blues Rock-Klientel und Liebhaber technisch perfekter E-Gitarrenkünste (a l`a Greg Koch) ein wahres Eldorado, wobei auch die routinierten Leistungen seiner vielen musikalischen Mitstreiter als auch die klare, transparente Produktion noch zu erwähnen wären.

Eigenproduktion (2026)
Stil: Blues (Rock)

Tracklist:
01. Twistified
02. How Many Times
03. Most Of The Time
04. I Don’t Worry Bout A Thing
05. Just Play Rhythm, Baby
06. Mississippi Phone Booth
07. Stranger Blues
08. Poor Boy
09. When I’m Dead & Gone
10. Cold In Hand
11. Three Feet In Back Of My Head
12. 61 Highway
13. Grandma’s Hands
Bonustracks:
14. Lord Help The Poor & Needy
15. Swooshy

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Brigitte Purdy – Mother Of The Crossroads – CD-Review

Es gibt manche weibliche Interpretinnen, denen sieht man schon rein äußerlich an, dass sie Feuer und Temperament im Körper haben. Spontan fallen mir da Damen wie u. a. Crystal Shawanda oder Elles Bailey als Paradebeispiele ein. So auch vermutet, beim Blick auf die mir bis dato völlig unbekannte Brigitte Purdy auf ihrem neuen Album “ Mother Of The Crossroads „.

Purdy teilte die Bühne in der Vergangenheit schon mit vielen prominenten Bluesgrößen wie Walter Trout, Sugaray Rayford, Tim Bogar, Dionne Warwick oder auch Countryikone  Dolly Parton und, man höre und staune, sang Background vocals für The Who und Paul Rodgers

Die Zusammenarbeit auf diesem Werk steht im Licht der Protagonistin mit dem Multinstrumentalisten Dave Osti, der hier in allen Belangen (diverse Instrumente, Songwriting und Produktion) seine Stempel aufsetzt.

Klasse finde ich, dass hier der Blues in vielen Facetten sehr modern interpretiert wird, mit dezent proggigen Noten wie beim überragenden Opener „Sugar Fried Candy“ (mit ZZ Top-„Eliminator“-mäßigem E-Gitarrensolo), dem sexy gesungenen „Blues Collar Woman“ (fast wie Donna Summer goes Blues Rock), balladesken Momenten („Mother Of The Crossroads“, „Make Love Higher“), aber auch rockigen („Come To Mama“ – mit Harp) bis southern-rockigen Stücken („Losin Time For Love“, „Too Full Of You“ – mit swampigen Slide-Einlagen). Lediglich die „Memphis Hotlline“ huldigt mehr den traditionell gefärbten Blues.

Bein starken Abschlussstück „Rise Like The Water“ glaube ich sogar etwas die verbliebenen Spuren der Rodgers- und Who-Kooperationen (u.a. das integrierte klirrende Orgelspiel – insgesamt auch starke Keys von Drake Shining) ‚herauszulesen‘. Herausragend, wie schon anfangs vermutet, ist auch  Purdys kräftige und temperamentvolle Stimme, die sich zu jeder Zeit auf Augenhöhe mit den glasklar abgemischten Instrumenten befindet (eine herrlich transparente Produktion von Osti – so sollte man es machen).

Brigitte Purdy wirft mit „Mother Of The Crossroads“ ein starkes modernes Blues Rock-Album ins Rennen, dem man unbedingt Gehör schenken sollte. Absolute Empfehlung! Brigitte – eine tolle Künstlerin – nicht nur für Frauen!

Dirtshack Records (2026)
Stil: Blues & More

Tracklist:
01. Sugar Fried Candy
02. Blues Collar Woman
03. Memphis Hotline
04. Mother Of The Crossroads
05. Losin Time For Love
06. Make Love Higher
07. Too Full Of You
08. Come To Mama
09. Rise Like The Water

Brigitte Purdy
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The Blind Dog Mayer Group – Live Studio Session – From The Shadow Of The Castle – EP-Review

Wenn sich deutsche Bands oder Interpreten amerikanischem Liedgut verschrieben haben, und mir ihre CDs ohne vorherige Absprache zugesendet haben, sollten sie, nach meinen vielen verfassten Reviews in dieser Hinsicht, wissen, dass sie sich auf sehr, sehr dünnem Eis bewegen.

So geschehen jetzt von einem Act mit dem imposanten Namen The Blind Dog Mayer Group, 2025 Gewinner des 43. Deutschen Rock- und Pop-Preises in der Kategorie ‚Beste deutsche Blues Rock Band‘. Das professionell erscheinende Auftreten mittels einer Agentur dahinter ließen, mich positiv gestimmt an die Sache herangehen, zumal ich tatsächlich in letzter Zeit mit ebenfalls prämierten deutschen Bands wie Stone Water, Blue Deal oder LUKE gute Erfahrungen gemacht hatte.

Mit der EP „The Blind Dog Mayer Group – Live Studio Session – From The Shadow Of The Castle – EP-Review legt das saarländische Quartett, bestehend aus Leader Blind Dog Mayer (lead vocals, harp), Dirk Lenz (guitars, bgv), Michael Jung (bass, bgv) und Marco Schmieden (drums), ein Kurz-Studio-Debüt vor, das sich musikalisch gekonnt in Richtung E-Gitarren- und Harp-orientiertem Rock,- Blues- und Southern Rock in Form von Eigenkreationen bewegt, wie man es damals noch so von Bands wie ZZ Top, Ten Years After, Allman Brothers, Mountain, Foghat, Ted Nugent oder der J. Geils Band u.v.m. in den Ohren hat.

Soweit, so gut. Das Hörergebnis wird allerdings durch den, sich durch das Werk ziehenden deutsch-akzentuierten Leadgesang auf Schulenglisch-Niveau und noch schlimmer, die wirklich schon fast schräg anmutenden Harmoniegesänge, erheblich getrübt. Da kann auch der Zusatz ‚Live Studio Session‘ nicht als Entschuldigung hinhalten.

Ich verstehe ja, dass man als vermeintlicher Macher der Band auch im Vordergrund am Mikro stehen möchte, aber abseits von aller Euphorie, hilft aus meiner Sicht zum Weiterkommen auch immer eine selbstkritische ehrliche Betrachtung auf das gesamte Schaffen. Ein tatsächlich amerikanisch klingender Sänger und gegebenfalls dezente weibliche BGVs (oder gar keine) wären aus meiner Sicht hier zielführender gewesen.

Die vorliegende EP der The Blind Dog Mayer Group lässt auf der instrumentellen Basis keine Wünsche offen  (mein Favorit ist das schön basslastig funkende „Call Me Blind Dog“), was den Gesang und die Harmoniegesänge aber betrifft, wäre der blinde Hund aus meiner Sicht gut beraten, auch mal sein Gehör checken zu lassen…

Blues Note Records (2026)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Anthem Of The Lost Sock
02. Call Me Blind Dog
03. Moonshine Gasoline
04. Harley Rider
05. That’s What I Saw
06. Shiny Culry Red Hair

Blind Dog Mayer Group
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CONCERTBÜRO HIMMRICH

Ingvay – Still Moving – CD-Review

Review: Michael Segets

Während die Fußballwelt nach Amerika schaut, lohnt es sich zurzeit in Sachen handgemachter Musik durchaus, den Blick auf deutsche Künstler zu richten. Vor Kurzem trat J Schlueter mit seinem Solo-Debüt als Songwriter in Erscheinung, nun bringt Ingvay sein fünftes Album „Still Moving“ heraus. Der Hannoveraner begann seine Karriere als Toningenieur u. a. für Johnny Logan und deutsche Musiker wie Heinz Rudolf Kunze, Thomas D oder Max Mutzke. Für „Still Moving“ holte er sich Matthias Meusel (Schlagzeug), Uwe Seemann (Bass), Ulrich Rode (Gitarre) und Maik Schott (Keys) ins Studio.

Die neue CD hat ihre Wurzeln im Rock ’n Roll und wird gelegentlich mit einer Prise Blues und Americana versehen. Wie der Titel des Longplayers bereits andeutet, versteht Ingvay Leben als Bewegung. Aufbruch, Weg und Ankommen sind dabei Themen, denen sich die Songs widmen.

Mit „The Old Way“ startet das Album schwungvoll. Dem klassisch gemachten Rocksong, der sich besonders durch seinen eingängigen Refrain auszeichnet, folgt „Get Up“, der ebenfalls straigt forward geht. Beide Songs wurden berechtigterweise bereits ausgekoppelt. Gradlinigen Rock ’n Roll bietet später auch „Back To The Sun“. Beim „Some Kind Of Rock ’n Roll“ mischt Ingvay etwas Bluesrock hinein. Auch die Gitarren am Anfang von „Give Me A Shot” sind vom Blues inspiriert. Der Song erhält mit dem mehrstimmigen Gesang im Chorus einen nahezu hymnischen Charakter und wird zudem durch ein kurzes Gitarrensolo gewürzt.

„On Monday“ startet zurückhaltend, entwickelt sich dann aber zu einem harmonischen Roots Rock. Ein ebenso starkes Stück ist „New Reflection“. Hier beweist Ingvay erneut, dass er ein Händchen für einprägsame Refrains hat. „Wake Up This Time“ zeichnet sich gleichfalls durch seinen Chorus – nochmals mehrstimmig vorgetragen – aus, durch den der Titel eine beeindruckende Kraft entfaltet. Auch die ruhigeren Tracks – das melodiöse „Home By The River“ und das reduziert instrumentalisierte „Almost There“ – überzeugen.

Ingvays „Still Moving“ ist ein empfehlenswertes Album, das Freunde des ehrlichen, handgemachten Rock sicher anspricht. Vor allem beherrscht Ingvay die Kunst, eingängige Refrains zu schreiben ohne dabei trivial zu sein. Das Songwriting orientiert sich am Old Way, wirkt dabei aber frisch und alles andere als angestaubt.

Magic Mile Music (2026)
Stil: Rock, Americana

Tracks:
01. The Old Way
02. Get Up
03. Home By The River
04. Some Kind Of Rock ’n Roll
05. Now I Can See
06. Give Me A Shot
07. Wake Up This Time
08. New Reflection
09. Back To The Sun
10. On Monday
11. Almost Here

Ingvay
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Superlife Promo

Nicky T and The Snake Charmers – Ain’t Wasting Time – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Gerade auf dem großen US-Markt gibt es durchaus hörenswerte Interpreten, deren Ruf es noch nicht über den großen Teich geschafft hat, obwohl sie schon lange im Geschäft sind. So flatterte jüngst die CD von Nicky T and The Snake Charmers auf den Redaktionsschreibtisch – eine Formation, die hierzulande bislang kaum Aufmerksamkeit erregt hat. Mit „Life On Life’s Terms“ hatten die Snake Charmers bereits vor fünf Jahren eine Sieben-Song-CD veröffentlicht. Nun liegt (endlich) die neue vor.

Die Band ist aus den bereits 1984 gegründeten Alligators hervorgegangen, die mit dem renommierten „Lifetime Achievement Award“ der Detroit Blues Society ausgezeichnet wurden. Gitarrist und Sänger Nicholas Tabarias alias Nicky T war den Alligators 2012 beigetreten. Der Namensgeber und seine Mannen verbinden den Traditional Blues mit dem Hier und Heute. Ab und zu kommt eine Prise Soul dazu wie gleich beim Eröffnungssong „That’s All I Need“ vom dem bereits im Alter von 32 Jahren verstorbenen Magic Sam. Diesem huldigt die Band später auch beim rockigen Gitarren-Instrumental „Thank You Magic Sam“.

Der zweite Titel „Mistreating Mama“ ist einer jener Traditional Blues mit Piano, Bläsern und natürlich Gitarre. Geschrieben haben den Song Nicky T und Greg Nagy. Nagy? Genau, jener Greg Nagy, den SoS Ende vergangenen Jahres vorgestellt hat. Er betätigt sich auch bei einem weiteren Titel, dem gitarrenbetonten, mit Bläsern unterlegten „The Glass“ und einem der Höhepunkte der CD, als Co-Autor und schmeichelt sich mit seiner ausdrucksstarken Stimme in die Gehörgänge. Als Gitarrist ist hier Ronnie Earl am Werk, Nickys Mentor. Darüber hinaus ist Nagy als Gastsänger noch zweimal vertreten: bei B.B. Kings „Guess Who“ und Bobby „Blue“ Blands „Lead Me On“ – zwei Mal Classic Blues.

Abwechslung muss sein, heißt es bekanntlich. Und so liefern die Snake Charmers mit „Feel Like A Hundred“ einen staubtrockenen Rock ‚n‘ Roll: Andy Szymanski hämmert auf dem Klavier, ehe Gitarrist Nicky T mit dem Sechssaiter den Chuck Berry gibt. Auch sonst ist alles drin: Ein facettenreicher Slow Blues wie das zehn Minuten lange Titelstück oder mit „Waiting On The Sunshine“ gar ein Boogie. Den Abschluss bildet die akustische Neuauflage des Titelsongs von 2021, „Life On Life’s Terms“, bei dem Kurt Crandalls Mundharmonika von Anfang bis Ende der Wegbegleiter ist.

Wieder einmal eine starke CD, die nicht unbeachtet bleiben sollte, nur weil man die Interpreten in unseren Breitengraden wahrscheinlich nicht kennt.

Eigenproduktion (2026)
Stil: Blues

Tracks:
01. That’s All I Need
02. Mistreating Mama
03. Feel Like A Hundred
04. Guess Who featuring Greg Nagy
05. The Glass featuring Ronnie Earl and Greg Nagy
06. Thank You Magic Sam
07. Ain’t Wasting Time
08. Waiting On The Sunshine
09. Lead Me On featuring Greg Nagy
10. Charming The Snake
11. Life On Life’s Terms

Nicky T and The Snake Charmers

American Aquarium – New Ways To Lose – CD-Review

Review: Michael Segets

Vor zwei Monaten war ich voll des Lobes für „They Call Us The Lucky Ones“ von Ryan Bingham And The Country Gentlemen und habe das Album zu einem Favoriten des Jahres erklärt. Nun kommt American Aquarium mit „New Ways To Lose“ um die Ecke, das in meinem persönlichen Ranking dem Werk von Bingham mindestens ebenbürtig ist oder sogar noch ein Quäntchen vorne liegt.

Während auf „Chicamacomico“ (2022) und „The Fear Of Standing Still“ (2024) flottere Stücke die Ausnahme bildeten, sind auf dem aktuellen Longplayer nur zwei ruhige Titel vertreten. Das vom Frontmann BJ Barham zusammen mit Lori McKenna geschriebene „Out There In The Dark“ hebt sich auch durch sein Klavierintro von den anderen Titeln ab. „Bad Habits“, bei dem der bandtypische Slide der Steel Pedal ebenso wie eine seltener eingesetzte Horn-Section zu hören ist, beschließt das Album.

„New Ways To Lose“ nimmt schon mit den ersten beiden sehr starken Titeln („Dollar Genreral“, „Can’t Into Could“) Fahrt in Richtung Heartland auf. Bläser und eine Hammond B3 begleiten „Twin Flames“, meist prägen aber der satte Klang des Schlagzeugs sowie die E-Gitarren den Sound. Die erste Single „History Repeats Itself“ ist dafür ein Beispiel. Bruce Springsteen, der mit seinen Werken der siebziger und achtziger Jahre hier Pate gestanden hat, winkt am Wegesrand. Barham und seine Mitstreiter schauen weiterhin bei Neil Young vorbei, wenn sie den schrillen elektrischen Gitarrentönen auf „Whatever Helps You Sleep At Night“ mehr Raum geben.

Von der Route zweigt American Aquarium bei „4×60“, das als Country-Rock durchgeht, minimal ab. Die rockigen Songs drücken dem Longplayer ihren Stempel auf. Daneben finden sich auch mit dem countryfizierten „Just Like You“ und dem melodiösen „Favorite Hello“ zwei Tracks im mittleren Tempobereich, sodass die Reise durch das Album abwechslungsreich bleibt. Barham biegt nirgendwo falsch ab. Alle Tracks sind hörenswert, sodass kein Grund besteht einen Punkt oder Stern von der Höchstwertung abzuziehen.

Die Band spielte die Stücke innerhalb von zehn Tagen überwiegend live ein, wobei die Bläser später hinzu gemischt wurden. Ein Garant für einen erdigen und authentischen Sound ist Shooter Jennings, der nach „Lamentations“ (2020) und dem bereits erwähnen Vorgängeralbum aus dem Jahr 2024 zum dritten Mal als Produzent für American Aquarium fungiert. Der Titel des Longplayers ist in Amerika übrigens ein geflügeltes Wort, das auf den Sportkommentator Gary Hahn zurückgeht.

In den Texten verarbeitet Barham einerseits persönliche Themen wie den Tod seines Hundes („Favorite Hello“), andererseits gibt er auch sozialkritischen Töne ihren Raum. Bei „Dollar General“ geht es beispielsweise um das Aussterben der Einzelhandelsgeschäfte und den Niedergang einer Stadt. So oder so: In den Lyrics schwingt stets etwas Allgemeines mit, das in der ein oder anderen Weise den Hörer berührt.

Was sich mit „Life At Red Rocks“ (2025) bereits ankündigte, setzt sich auf „New Ways To Lose“ fort. BJ Barham und American Aquarium präsentieren sich von ihrer rockigen Seite. Das machen sie so gut, dass einem unweigerlich große Namen als Referenzpunkte einfallen. Zu diesen müssten sie auch gehören, wenn es im Musikgeschäft Gerechtigkeit geben würde.

Losing Side Records/Thirty Tigers – Open (2026)
Stil: Rock

Tracks:
01. Dollar General
02. Can’t Into Could
03. 4×60
04. Twin Flames
05. Out There In The Dark
06. History Repeats Itself
07. Favorite Hello
08. Whatever Helps You Sleep At Night
09. Just Like You
10. Bad Habits

American Aquarium
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Thorbjørn Risager & The Black Tornado – Live At Hotel Cecil – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Zu den besonderen Auftritten einer Tournee zählt zweifelsohne immer das Konzert in der Heimatstadt. Diesen Gig der “House Of Sticks”-Tour absolvierten Thorbjørn Risager & The Black Tornado im Herzen von Kopenhagen am 29.11.2025 und produzierten fast ganz nebenbei mit “Live At Hotel Cecil” ein bluesgetränktes Doppel-Album. Die Location ausverkauft, Heimspielatmosphäre, Blues-Rock-Fans in Feierlaune – beste Voraussetzungen also für eine Live-Performance, die es in sich hat! Doch blicken wir kurz zurück: Seit die Band 2014 mit dem Album “Too Many Roads” den Preis der Deutschen Schallplattenkritik abräumte, wurden neben dem “Best Of …” insgesamt 6 Longplayer veröffentlicht. 2025 gab es für “House Of Sticks” nochmals die begehrte Kritikertrophäe. Kein Zufall auch, dass die Bandgeschichte in diesen Jahren von SOS mit einer ganzen Reihe von Gig-Reviews begleitet wurde.

Nun kommt “Live At Hotel Cecil” hinzu und schöpft aus einem umfangreichen Repertoire, einem Reservoir eigener ”Klassiker”. Nur zwei Jahre alt, aber fast schon legendär startet “Already Gone” im Shuffle-Rhythmus den hautnahen Bühnenkontakt mit dem Publikum. Leichtfüßiger Blues-Rock, angesiedelt zwischen J.J. Cale und Chris Rea, bringt mit “Long Time Ago” die pure Spielfreude und den berühmten Funken der ansteckenden Begeisterung. Dabei sind es keineswegs nur die mitreißenden Live-Arrangements der Songs vom “House Of Sticks“-Album, das mit 5 Titeln besonders stark vertreten ist. Vielmehr sind es ebenso “ältere” Stücke mit bleibendem Charme, wie z. B. “Long Forgotten Track” (2014) – in schöner Mark Knopfler Stilrichtung. Zu diesen bisher weniger bekannten Songs gehört der “Insomnia Boogie”, dessen Akustik-Ausgabe (2021) durch die große Band-Version zum unbedingten Anspieltipp avanciert.

Die straight-forward rockende Instrumentierung bei “Headed For The Stars” (2022) gibt einen passenden Vorgeschmack, um den ausdrucksstarken “Train”-Boogie (2017) angemessen als Einleitung in den grandiosen Abschlusstrack und die Zielgerade überzuleiten. Dieser Endspurt kommt mit “All I Want”, 11 Minuten lang, eine opulente und zugleich epische Live-Version in wechselnden Blues, Rock, Soul und teilweise Jazz-Etappen, sowie ausführlichen Solo-Parts (inklusive einer überraschenden Beethoven-“Ode an die Freude”-Reminiszenz).

Die 17 Tracks von “Live At Hotel Cecil” sind eigentlich eine viel zu kurze Premium-Selektion aus dem erstklassigen Gesamtwerk von Thorbjørn Risager & The Black Tornado. Gleichzeitig ist die Formation aber eine groovende Bühnenshow, eine stets sehenswerte und eine der verlässlichsten Live-Bands Europas und im sehr positiven Sinne, ein Blues Brothers Kult-Synonym, mit über 50 Tournee-Terminen in diesem Jahr. Die Release-Party von “Live At Hotel Cecil” findet übrigens am 19.06. beim Blues Garage Open Air in Hannover statt!

Provogue/Artone (2026)
Stil: Blues

Tracks:
01. Already Gone
02. Long Time Ago
03. Said In Was Hurt
04. House Of Sticks
05. Insomnia Boogie
06. Long Forgotten Track
07. Sin City
08. Never Givin‘ In (Intro)
09. Never Givin‘ In
10. Headed For The Stars
11. Inner Light
12. I Used To Love You
13. Come On In
14. Hold My Lover Tight
15. Over The Hill
16. Maybe It’s Alright
17. Train
18. All I Want

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
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V2 Records Promotion GSA

J Schlueter – The Other Mile – CD-Review

Review: Michael Segets

Es gibt ja unterschiedliche Motivationen und Anlässe Musik zu machen. Für Jörn Schlüter scheint ein persönliche Krise den Ausschlag gegeben zu haben, die Songs für „The Other Mile“ zu schreiben. Normalerweise liefert er Stücke für seine Band Someday Jacob, nun fasst er die vor zwei Jahren quasi in einem Fluss entstandenen Tracks auf seinem Solo-Debüt zusammen.

Während der Entstehung der Titel hörte Schlüter häufig „Comes A Time“ (1978) von Neil Young, welches ihn inspirierte, auf seinem Album eher mit zurückhaltenden Arrangements zu arbeiten. An manchen Stellen der Kompositionen und des Gesangs lässt sich auch eine gewisse Nähe zum Altmeister feststellen. Akustische Gitarren, begleitet von Schlagzeug und Bass, für die er Matthias Meusel und Stephan Gade ins Boot holte, prägen das Werk. Mit Eric Heywood (Son Volt, The Jayhawks, Tift Merritt) gewann Schlüter noch einen versierten Mitstreiter an der Pedal Steel. Gerade in der ersten Hälfte des Longplayers bei „Dissociate“ oder „Used To Love To Dance“ trägt Heywood endscheidend zum Sound und zur Stimmung der Stücke bei. Besonders viel Raum nimmt die Pedal Steel auf „Complicated“ ein.

Mit „Springtime“ unterbricht Schlüter erstmals den getragenen Grundtenor des Albums, auf dem die meisten Beiträge im unteren bis mittleren Tempo angesiedelt sind. Das Schlagzeug tritt dort deutlich hervor und die Geschwindigkeit wird dezent angezogen. Später folgt „Fly Blind“, das eine Spur rockiger ist. Dazwischen finden sich das Titelstück mit Harmoniegesang in manchen Passagen sowie das sanfte „Consolation Prize“. Vor dem letztem Titel „Win Me Over“, das den Kreis zum Anfang des Longplayers („Portal“) schließt, ist das rhythmisch auffälligste Stück „Ready Set Go“ platziert. Nicht zuletzt durch die Percussion versetzt der Track an die amerikanisch-mexikanische Grenzregion.

Musik ist ja bekanntlich besonders geeignet, Grenzen zu überwinden und die modernen Kommunikationsmittel erleichtern den internationalen Austausch. In dem Bremer Studio-Nord, das nur einen Steinwurf von Schlüters Wohnung liegt, wurde „The Other Mile“ aufgenommen. Die Files fanden dann den Weg über den Atlantik nach Chicago zum Produzenten Tom Schick (Wilco, Norah Jones). Gemastert wurden sie von Stephen Marsh (Jeff Tweedy).

J Schlueter „The Other Mile“ bietet moderne Singer/Songwriter-Kost mit Anleihen bei Neil Young. Die CD verläuft insgesamt in ruhigen Bahnen. Sie vereint gute Lieder ohne Ausrutscher, unmittelbar eingängige Ohrwürmer sind allerdings nicht vertreten. So bietet sich das Album eher für eine introspektive Stunde an, die ohne viel äußere Aufregung auskommt.

Hey!blau Records (2026)
Stil: Singer/Songwriter

Tracks:
01. Portal
02. Complicated
03. Dissociate
04. Used To Love To Dance
05. Springtime
06. The Other Mile
07. Consolation Prize
08. Fly Blind
09. Ready Set Go
10. Win Me Over

J Schlueter
Hey!blau Records
Oktober Promotion

John Primer and Friends – Tribute To Theresa’s Lounge – CD Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Der Sänger und Gitarrist Alfonzo „John“ Primer ist einer der Großen des Chicago Blues, bereits zu Lebzeiten eine Legende. 1974 begann er, sieben Abende pro Woche als Mitglied der Hausband im „Theresa’s“ aufzutreten, einem von Theresa McLaurin Needham 1949 gegründeten Club in der South Side von Chicago. Dort spielte er in der Band von Junior Wells und trat mit Magic Sam, James Cotton, Magic Slim und anderen auf. Nachdem ihn Willie Dixon gesehen hatte, lud er Primer 1979 ein, sich seinen Chicago Blues All-Stars anzuschließen.

Primers Kindheitstraum ging 1980 in Erfüllung, als Muddy Waters nach dem Weggang seiner alten Band eine neue gründete. Er wurde Waters’ Gitarrist, Bandleader und Opening Act. Nach Muddys Tod 1983 spielte er 13 Jahre lang mit Magic Slim And The Teardrops. Seit 1991 nimmt der heute 81-Jährige Platten unter eigenem Namen auf, ist Gast bei vielen Kollegen, wurde dreimal für einen Grammy nominiert und heimste zahlreiche Auszeichnungen ein.

Für die Würdigung an die 1992 verstorbene Theresa Needham hat Primer Künstler versammelt, die in deren berühmten Lokal aufgetreten sind: „Wir sind jetzt alle in den Siebzigern, Achtzigern und Neunzigern. Ich bin so froh, dass wir alle gesund genug waren, um gemeinsam diese Hommage an Theresa’s Lounge zu gestalten.“

Die Tribute-CD wirft einen vorzüglichen Blick auf die Geschichte des Chicago Blues, authentisch interpretiert von Zeitzeugen wie der 90 Jahre jungen Mary Lane beim von ihr selbst geschriebenen „Mary’s Song“. Zu den Höhepunkten zählt Muddy Waters’ „Champagne And Reefer“, vielen sicherlich in erster Linie bekannt in der Version der Rolling Stones zusammen mit Buddy Guy (der im Übrigen wie Paul Butterfield, Mike Bloomfield oder Johnny Winter auch im „Theresa’s“ aufgetreten ist). Hier hat Willie Buck, der im November 89 Jahre alt wird, den Gesangspart übernommen: wie gewohnt kraftvoll und ausdrucksstark. Auch er hat Legendenstatus: Ihm zu Ehren gibt es in Chicago den Willie Buck Way.

Die CD bringt auch manche Perle ans Licht; so wie „Here I Am Knocking‘ At Your Door Again“, einst bekannt geworden durch James Cotton –interpretiert vom Komponisten John „Mad Dog“ Watkins, der Gitarrist in Cottons Band war. Neben weiteren Klassikern wie „She’s Nineteen Years Old“, ebenfalls von Muddy Waters, Little Walters „Mean Old World“ oder „Little By Little“ aus dem Repertoire von Junior Wells gibt es vier von John Primer eigens für diese CD geschriebene Titel wie das prächtige „The Blues Is King“ oder die autobiographischen „Blues Survivalist“ und „7 Nights For 7 Years“.

Sehr empfehlenswert für Freunde des klassischen, gitarrenorientieren Blues alter Schule mit der typisch-markanten Harp von Harmonica Hinds oder Billy Branch, der bei „Sugar Sweet“ auch die Vocals übernimmt. Der Blues hält jung – wie bei den Altmeistern zu hören ist.

Label: Blues House Productions (2026)
Stil: Chicago Blues

01. Up In Heah feat. John Primer
02. 7 Nights For 7 Years feat. John Primer
03. The Blues Is King feat. John Primer
04. Sugar Sweet feat. Billy Branch
05. Champagne And Reefer feat. Willie Buck
06, We All Need Help feat. John Primer
07. She’s Nineteen Years Old feat. Carlos Johnson
08. Little By Little feat. John Primer
09. Mary’s Song feat. Mary Lane
10. Cut You A-Loose feat. John Primer
11. Blues Survivalist feat. John Primer
12. Here I Am Knockin’ At Your Door Again feat. John Watkins
13. Mean Old World feat. John Primer

John Primer
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The Shaelyn Band – Chapter 3 – CD-Review

Die maßgeblich aus Florida stammende Shaelyn Band, bestehend aus Shaelyn Mulberry (lead vocals), Eric Guess (guitars), Curtis Harris (bass), Win Carlson (bgv), Isaiah Gaytan (trumpet), Moses Maldonado (trombone) und Tim Mulberry (drums, bgv) ist seit 2020 aktiv und veröffentlicht mit „Chapter 3“, das nun mehr dritte Album.

Es enthält 14 selbst-kreierte Tracks, die sich im Rahmen von Blues, Soul und Jazz bewegen. Geprägt ist ihre Musik von der sehr kräftigen, aber auch überaus dominanten Stimme der Fronterin Shaelyn Mulberry, die sich mit Drummer Tim Mulberry auch auch für das Songwriting verantwortlich zeigt. Tim Mulberry hat die Scheibe produziert.

Zu solch einer starken Stimme muss meines Erachtens auch das Songmaterial in Sachen Melodik, Markanz und Wiedererkennungswert passen, was hier eher leider nicht der Fall ist. Hier gibt es eher einen Mix aus recht altbacken und schon oft gehörten Blues-, Soul- und Jazz-Elementen (mit ein paar Allman Brothers-mäßigen E-Gitarreneinlagen), verpackt in neue, unscheinbare Gewänder.

Dadurch wird der ‚Gang‘ durch die vierzehn Stücke ziemlich ‚anspruchsvoll‘. So muss man bis zum letzten Lied „Just Keep Moving“ ausharren, bis dann tatsächlich die oben angeführten Attribute mal in Einklang stehen. Der perspektivische Weg in Richtung Tedeschi Trucks Band, sofern sich das anhand des hiesigen Konvoluts musikalisch vermuten lässt, dürfte allerdings noch ein sehr langer sein. 

The Shaelyn Band bietet mit „Chapter 3“ einen durchaus engagierten Longplayer, getragen von einer überaus herausstechenden Sängerin, der primär die traditionelle Blues-, Soul und Jazz-Klientel ansprechen könnte und dessen Songmaterial mehr für Live-Auftritte prädestiniert zu sein scheint. Für mich ein eher anstrengendes ‚Kapitel‘ in meiner ‚Reviewer-Karriere’…

Eigenproduktion (2026)
Stil: Blues, Soul, Jazz

Tracks:
01. Blues Chose Me
02. Gumbo
03. Cruise
04. Push
05. Carry On
06. Takin‘ My Love Back
07. Bet It All
08. Make Ya Move
09. Music Make It Right
10. I’m Not Ready
11. Debt
12. I Won’t Sell My Soul
13. Slow Blues
14. Just Keep Moving

The Shaelyn Band
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