Mark Gillespie’s Kings Of Floyd – 13.09.2019, Musiktheater Piano Dortmund

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Schon vor 19:00 Uhr hatte sich eine längere Menschenschlange vor dem Piano gebildet und nach dem Einlass begann sich der Konzertsaal des Piano sehr schnell zu füllen, sodass dieser bereits um 19:30 pickepacke voll war. Schon beim Betreten konnten Veränderungen im normalen Bühnenbereich festgestellt werden. Eine für Pink Floyd typische runde Leinwand war vor der hinteren Wand angebracht, zahlreiche zusätzliche Lampen hingen an der eigentlichen Beleuchtungskonstruktion herunter. Zudem war auch die Lautsprecheranlage ausgetauscht.

Auf der Leinwand war eine Gitarre abgebildet, die sich um sich selbst drehte und das für Pink Floyd typische Prisma abgebildet. Im Hintergrund verkürzte Musik, u. a. von The Cure den Besuchern die Wartezeit.

Pünktlich um 8:00 Uhr wurde es im Saal dunkel, man sah im spärlichen Licht Schatten über die Bühne huschen und stakkato-artige Lichtblitze wiesen darauf hin, dass es gleich losgehen würde. Basslastige Töne erklungen im Intro, bis es auf der Bühne hell wurde und Gillespie mit „Breath“ startete. Schon hier war klar, dass ein besonderer Abend geboten wird: Eine bestens aufeinander abgestimmte Band, starker Sound und auch eine besondere Ausleuchtung des Piano.

Stimmlich passte Gillespie sehr gut zu den Floyd-Songs, wobei nicht auf Biegen und Brechen versucht wurde, eine Eins-zu Eins-Kopie herzustellen, sondern vielfach das Original von den Musikern, leicht verändert, interpretiert wurde.

„Mit Learning To Fly“ wurde dann ein Stück der späten Schaffensphase nachgelegt. Insgesamt lag aber der Schwerpunkt der Lieder in der Zeit von „Meddle“, „Dark Side Of The Moon“, „Wish You Were Here“ und „The Wall“.

Richtig psychedelisch wurde es dann zum ersten Mal mit dem sphärischen „Echoes“, das entsprechend von Jürgen Magdziak an den Keyboards eingeleitet wurde und mit dem typischen musikalischen Inferno endete, an dem insbesondre Maurus Fischer an der Lead-Gitarre und Magdziak den größten Anteil hatten.

Die folgenden Tracks „Welcome To The Machine“ und „Have A Cigar“, die von Pink Floyd in den letzten aktiven Jahren live eher wenig beachtet wurden, offerierten eindrucksvoll, welch starke Songs das Konzeptalbum „Wish You Were Here“ zu bieten hat.

Zum „Dark Side Of The Moon“ Klassiker „Money“, der auch heute vom Thema her aktuell wie damals war, wurden wie im Original auf der runden Leinwand Banknoten und Glückspiel eingeblendet. Danach wurde es mit „Us And Them“ leicht melancholisch. Hier hatte auch Bernd Winterschladen am Saxophon seinen ersten gefeierten Auftritt. Die folgenden „Any Colour You Like“ als instrumentales Intro, das eingebettete „Brain Damage“ und „Eclipse“ als Outro bildeten praktisch eine Einheit.

Insbesondere das sozialkritische „Brain Damage“ traf den Zahn der Zeit, wurde doch der amerikanische Präsident, ich möchte den Namen nicht in den Mund nehmen, neben anderen Politikern auf der Leinwand abgebildet, wodurch aufgezeigt wurde, was man mit dem Einsatz von Medien erreichen kann. Aber solch Gedankenzerstörer in der Politik gibt es ja leider auch bei uns in Deutschland. Ohnehin ließ Gillespie auch mehrfach erkennen, was er vom Bexit hält, und dass er auch deshalb seit kurzem die deutsche Staatsangehörigkeit hat.

Zum Ende des ersten Sets stand Hans Maahn im Vordergrund. Infernalisch leitete er am Bass „One Of This Days“ ein, bis dann Maurus Fischer, nun an der Steel Guitar einsetzte. Vermutlich in Anbetracht der hohen Temperaturen wurde der erste Part schon einen Song eher beendet als geplant und die Seitentür wurde geöffnet, um die Zuschauer mit frischer kühlerer Luft zu versorgen. Gillespie sprach davon, dass dieses Konzert für ihn eine absolute Premiere war. Er wäre zuvor nie in einer finnischen Dampfsauna aufgetreten.

Die knapp 20 Minuten Pause wurden von den Besuchern genutzt, um die Flüssigkeitsspeicher wieder aufzufüllen. Als es wieder dunkel im Piano wurde, erklang zunächst nur das Keyboard und mit „Shine On You Crazy Diamond“ wurde das zweite Set eingeläutet. Passend war auf der Leinwand der glänzende Diamant in Anspielung auf Syd Barrett abgebildet, dem damals der Song gewidmet war.

Auch hier wieder starkes Gitarrenspiel von Fischer und das Saxophonsolo von Winterschladen zum Ende hin. Neben dem musikalisch starken Auftritt spielte auch hier das Visuelle eine große Rolle und es wurde wie bei vielen anderen Stücken, regelrechte Laserstrahlteppiche über die Köpfe der Besucher gelegt.

Dass auch „Animals“ ein starkes Werk ist, wurde mit dem Antikriegssong „Dogs Of War“ angedeutet. Hier liefen im Hintergrund beklemmende Bilder von zähnefletschenden Hunden, Kriegsszenen und zum Abschluss das Ergebnis des Ganzen, ein riesiger Friedhof.

Sozialkritisch ging es mit dem fetzigen „Young Lust“ und „Mother“ von „The Wall“ weiter. Wunderschön dabei, das verträumt vorgetragene “Mother“, zu dessen Ende Gillespie vor der letzten Zeile innehielt, das Publikum jedoch applaudierte. Der Fronter merkte humorvoll an, dass es sich nicht gehöre, schon vor dem Ende des Songs zu applaudieren, und legte dann die letzte Zeile nach.

Mit dem Instrumental „Terminal Frost“ wurde es noch einmal sphärisch psychedelisch und das Publikum wurde mit Klangteppichen verzaubert. Glockengeräusche zu Beginn von „Time“ und der starke Soloauftritt der Backgroundsängerin Lucy Wende bei „The Great Gig In The Sky“ ließ das Publikum wieder hellwach werden.

Nach einem Ausflug ins Album „Division Bell“, mit „Take It Back“, bestimmte für den Rest des Konzerts vornehmlich „The Wall“ das Geschehen. Das fetzige „Run Like Hell“ war dabei der Auftakt, gefolgt von den ineinander verwobenen „Happiest Days“ und „Another Brick In The Wall“, die das Auditorium zum Toben brachten.

Die dann folgenden Rufe nach „Wish You Were“ Here“ konterte Gillespie damit, dass er einen Song spiele, der sehr ähnlich wäre. Es folgte das epische „Comfortably Numb“. Passend zu diesem Supersong, mit dem entsprechenden Solo von Fischer zum Ende verwandelte sich da Piano in ein Lichtermeer.

Die sich über der Bühne drehende Discokugel wurde mal mit weißen aber auch gelben Scheinwerfern angestrahlt, die sich dann drehend in den ganzen Saal reflektierten. Es hatte den Anschein, eine Sonne wäre im Piano aufgegangen. Durchbrochen wurden die Strahlen dann noch von den Lasern, dass sich ein fast irreal anmutendes Lichtspiel vollzog.

Eigentlich hätte man gedacht, dass nun nichts mehr geht. Gillespie und Band wollten aber niemanden unzufrieden gehen lassen und legten nun noch „Wish You Were Here“ nach. Wurde hier der Wunsch gehegt, Pink Floyd noch einmal zu sehen?

Dieser Wunsch wird vermutlich nie wieder erfüllt werden. Vielleicht ist es auch gut so. Zumindest hat es Gillespie mit seiner Band gelungen, die Zuschauer noch einmal mit knapp 2,5 Stunden Musik der Superband zu begeistern.

Erfreulich war dabei, dass es nicht der Versuch einer reinen Nachahmung war, sondern vielen Songs ein eigener Anstrich verliehen wurde. Wer noch einmal visuell und klanglich die Musik von Pink Floyd erleben möchte, kommt nicht umher, eine Show von Mark Gillespies Kings Of Floyd zu besuchen.

Line-up:
Mark Gillespie – Gitarre und Gesang
Hans Maahn – Bass
Maurus Fischer – Gitarre
Lucy Wende – Background Gesang
Bernd Winterschladen – Saxophon
Berni Bovens – Drums
Jürgen Magdziak – Keyboards

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Giles Robson – Don’t Give Up On The Blues – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Bereits zwei Jahre nach seinem erfolgreichen Debütalbum „For Those Who Need The Blues“ spielte Robson zusammen mit Grammy-Gewinner Joe Louis Walker und dem virtuosen Pianisten Bruce Katz, der auch für das neue Opus wieder in die Tasten greift, das beachtenswerte, rein akustische Album „Journeys To The Heart Of The Blues“ ein und veröffentlichte es über das legendäre Chicagoer Label Alligator Records.

Er ist damit der erste europäische, oder besser gesagt britische, Bluesmusiker, der bei diesem traditionsreichen Label erschienen ist. Eine Ehre für den inzwischen als besten, lebenden Bluesharmonikaspieler gehandelten Briten. So wundert es auch nicht, dass seine Europatourneen 2018 und 2019 komplett ausgebucht waren.

Und nun sein neuestes Werk „Don’t Give Up On The Blues“. Auch auf diesem Longplayer gibt’s wieder zündenden „Old School“ Blues“, angetrieben von vorwiegend elektrischen Gitarrenriffs und natürlich Giles’ wild-virtuosem Harp-Spiel.

Die Songs bewegen sich zwischen Nummern im Chicago-Style („Land To Land“, „Show A Little Mercy“ oder „Hey, Hey Now!“) und flotten Boogie-Woogie Stampfern, wie z. B. dem namensgebenden Titelsong „Don’t Give Up On The Blues“ und „Boogie At The Showplace“, einem reinen Instrumentalstück mit schön differenzierter Harp, bzw. dem flotten Schwofer „That ‚Ol Heartbreak Sound“. Ohrwurmqualitäten hat sicherlich der Song „Damn Fool Way“, nicht zuletzt auch wegen der hookigen Drumline, die sich durch das ganze Stück zieht.

Zwischendurch gibt’s aber auch ganz klassische Bluesvariationen mit Piano-Einlagen auf die Ohren („Your Dirty Look & Your Sneaky Grin“, „Fearless Leaders“ und der Rausschmeißer „Way Past Midnight“).

Insgesamt liefert Giles Robson mit seinem neuen Album, das ab dem 20.09.2019 in die Läden kommt, solide bluesige, abwechslungsreiche Hausmannskost mit beherrschender Mundharmonika und vielfach klassischen Pianoeinlagen ab. Die Bluesharp muss Mann/Frau also mögen, um an dem Album Gefallen zu finden, und das nicht nur ab und zu. Mir persönlich hat die Scheibe recht gut gefallen, wenngleich sie ab und an ruhig etwas „dreckiger“ und rauer rüber kommen könnte.

Label: American Showplace Music
Stil: Blues

Tracks:
01. Land To Land
02. Don’t Give Up On The Blues
03. Damn Fool Way
04. Your Dirty Look & Your Sneaky Grin
05. Show A Little Mercy
06. Boogie At The Showplace
07. Fearless Leaders“
08. Hey, Hey Now! Chicago
09. Giles’ Theme
10. Life, With All Its Charms
11. That ‚ol Heartbreak Sound
12. Way Past Midnight

Giles Robson
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The Steel Woods – Support: Willer – 12.09.2019, Blue Shell, Köln – Konzertbericht

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Wow, The Steel Woods spielen bei ihrer Köln-Premiere im Blue Shell direkt vor ausverkauftem Haus. Sollte unsere Pioneersarbeit – wir hatten ja schon ihr famoses „Straw In The Wind“-Album reviewt, als die Band hier vermutlich noch so gut wie niemand kannte – etwa gefruchtet haben?

Gut, der im Bühnenbereich, wie immer, einer in typisches Rotlicht, gehüllten Dunkelkammer gleichende (zeigte selbst den Mangoldschen Hochleistungskamera-Objektiven die technischen Grenzen auf), ansonsten sehr schöne Kölner Club, ist jetzt nicht der aller größte, aber immerhin!

Zunächst durfte aber ein deutscher Singer/Songwriter namens Willer die Leute einstimmen. Der splittete seine knappe halbe Stunde in jeweils drei deutsch und drei englisch gesungene Lieder. Die erste Hälfte mit Eigenkreationen wie u. a. „Verzicht“ und „Der Moment“ erinnerte mich an den Kollegen Stoppok, nur ohne dessen humoreske Fähigkeiten.

Seine beiden englischen Neukompositionen flossen verhalten dahin, mit dem Bob Seger-Cover „Turn The Page“ gelang dem Alleinunterhalter dang guten Gesangs zumindest ein passender Übergangstrack zum Hauptact.

Fazit: Der Wille bei Willer war da, die Leistung war ok, ich persönlich brauche solche Solodarbietungen, innerhalb einer Arbeitswoche und gerade vor einem Southern Rock-Konzert, eher nicht. Er wäre vermutlich bei einem parallel am gleichen Abend stattgefundenen Roads & Shoes-Gig, besser aufgehoben gewesen.

Nach ganz schneller Umbaupause ließen The Steel Woods um ihren urig aussehenden Leader Wes Bayliss (könnte glatt als ein Nachkömmling von Hank Williams jr. durchgehen) schon mit dem hervorragenden Opener „Rock That Says My Name“ keinen Zweifel aufkommen, dass ein großartiger (New) Southern Rock-Abend in der Luft lag.

AQ2A9360 - KopieDas Quartett  bot naturgemäß ein wirklich toll zusammengestelltes Programm aus ihren beiden bisherigen, absolut empfehlenswerten Alben „Straw In The Wind“ (u. a. mit „Wild & Blue“, „Whatever It Means To You“, „Straw In The Wind“, Axe“) und „Old News“ („All Of These Years“, „Without You“, das grandios shuffelnde „Blind Lover“, „Compared To A Soul“) und natürlich einigen, auch auf diesen Werken integrierten, saustark interpretierten Cover-Nummern.

Die erste im Bunde war „Uncle Lloyd“ von Darrel Scott, saucool die swampige J.J. Cale-/Skynyrd-Adaption „I Got The Same Old Blues (herrlicher Gesang von Bayliss), atemberaubend die dynamische „Whipping Post“-Version, mega-emotional „Southern Accent“ (das erfreulich von Jung und Alt durchsetzte Publikum berührt mit textfestem Mitgesang den Fronter sichtlich, hymnisches Solo von Jason Cope), zu guter Letzt die Powerfassung des Black Sabbath-Klassikers „Hole In The Sky“ mit Wahnsinnsdrumming von Tooke und fetten Soli von Cope. Hammer!!!

Wäre nach den letzten Akkorden des wunderbaren „Let The Rain Come Down“ als Rausschmeißer, nicht sofort die Musik vom Band des Blue Shell erklungen – da bin ich mir sicher – hätten Wes Bayliss (auch mit zwei schönen Harp-Einlagen bei Wild & Blue“ und „I Got The Same Old Blues“), Jason Cope (mit vielen quirligen E-Gitarren-Soli), Drummer Jay Tooke (mit so einigen kraftvollen Drumpoltereien, gute Harmoniegesänge) und Johnny Stanton (immer mit sattem Groove, sporadische Harmonies) noch eine ordentliche Zusatzschicht einlegen müssen.

Besser kann man sich eigentlich nicht bei einem Debüt präsentieren. The Steel Woods haben in jedem Fall das Zeug mit Blackberry Smoke, der Allman Betts Band,  The Cadillac Three und nicht zu vergessen Robert Jon & The Wreck, dem Southern Rock hier auch, weit entfernt von jedem Mainstream,  kommerziell einen ordentlichen Schub zu geben. Die Band hat mit ihrem leicht epischen Touch, vermarktungstechnisch ein hohes Potential, sodass ich mal die Prognose wage, dass bei ihrem nächsten Besuch in der Domstadt, das wesentlich größere Luxor schon herhalten muss.

Nach dem Gig liefen wir den Burschen am Tourbus quasi in die Arme und konnten mit ihnen noch ein paar Worte wechseln. Für unser obligatorisches VIP-Bild posierten sie dann auch anstandslos (der irgendwo herumschwirrende Johnny Stanton wurde dabei kurzerhand durch ein bärtiges Double ersetzt). Wir freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen. Ein Abend der Extraklasse mit The Steel Woods, der in meinen Konzert-Jahreshighlights sicherlich eine Rolle spielen wird! Southern Rock lives!

Line-up Willer:
Willer (lead vocals, acoustic guitar)

Line-up Wade Bowen:
Wes Bayliss (lead vocals, electric guitar, harp)
Jason ‚Rowdy‘ Cope (guitars)
Johnny Stanton (bass, vocals)
Jay Tooke (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Blue Shell Köln

GravelRoad – 13.09.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Seit fünfzehn Jahren im Business schaut GravelRoad bereits auf sieben Longplayer zurück. Hinzu kommen zwei Veröffentlichungen mit dem mittlerweile verstorbenen Delta-Blues-Musiker T-Model Ford. Das brandneue Album „Crooked Nation“ steht in den Startlöchern, für das das Quartett aus Seattle erneut Jack Endino (Nirvana, Soundgarden) als Produzenten gewinnen konnte.

Der zweite Termin ihrer Europa-Tournee führte die Band in die Krefelder Kulturrampe. Dort wurde sie von Markus Peerlings und einem halben Hundert Bluesrockfans herzlich empfangen. Dass die Rampe damit eher enttäuschend besucht war, ließen sich die Musiker nicht anmerken. Sie gaben zwei Stunden mächtig Gas und zeigten sich gut aufgelegt.

Mit „Monkey With A Wig“, „Death Bed Blues“ und „The Run“ wählte GravelRoad drei Titel von “The Bloody Scalp Of Burt Merlin” (2013) zum Einstieg aus. Die beiden Gitarristen Stefan Zillioux und Jon Kirby Newman wechselten sich nicht nur am Mikro, sondern auch bei der Gitarrenarbeit ab – mal übernahm Zillioux, mal Newman die Lead Guitar. An den beiden Enden der Bühne platziert rahmten sie die Rhythmussection bestehend aus Schlagzeuger Martin Reinsel und dem agilen Bassiten Joe Johnson.

Nach „Rabbit Run“ folgten „Fireman“ und „Sad Days“ ihres noch in Eigenproduktion entstandenen Debüts aus dem Jahr 2004. Höhepunkt des ersten Sets waren für mich das bluesige „My Baby’s Tryin‘“ sowie „Backyard“ – mit filigraner Arbeit der beiden Gitarristen im Call-And-Response-Modus eingeleitet. Beide Songs wurden von Stefan Zillioux gesungen, der insgesamt etwas öfter den Gesangspart übernahm. Die erste Stunde endete mit „Asteroid“, bei dem Martin Reinsel an seinen Drums zur Hochform auflief.

Der Schlagzeuger war sowieso der Aktivposten auf der Bühne. Wild trommelnd hielt es ihn zeitweise nicht auf seinem Hocker. Er stand auf, machte einmal sogar eine Runde durch den Saal, damit das Publikum den Rhythmus unter seiner hautnahen Anleitung mit klatschen konnte, und bearbeitete Felle und Becken im Stehen.

Darüber hinaus steuerte Reinsel ein paar Anekdoten bei: Die Zeit von GravelRoad mit T-Model Ford ließ er Revue passieren, freute sich über die erspähte Ankündigung seines Bekannten Willy Tea Taylor oder sprach über Seattle, den Wohnort der Band. Wenn Musiker etwas über sich und ihre Songs erzählen, entsteht eine persönlichere Atmosphäre bei den Konzerten, die ich mag und für den die Kulturrampe den idealen Rahmen bietet.

Nach der Pause stieg GravelRoad wieder mit hohem Tempo ein. „Wolf On Down The Way“ und „40 Miles“ von „El Scuerpo“ (2014) bildeten den Auftakt für die zweite Stunde. Das Quartett spielte von jedem ihrer CDs mindestens ein Stück. Darunter auch den Kracher „I Shot The Devil“, der sich nahtlos an „Deep Blues“ anschloss.

Sehr schön waren die Twin-Gitarren bei „Got It Right“. Sowohl Zillioux als auch Newman griffen immer wieder mal zur Bottleneck, um den Songs einen Blueseinschlag mitzugeben. Besonders zur Geltung kam dieser bei dem etwas langsameren Titel „Waiting For Nothing“.

Der markante Beginn von „Capitol Hill Country Blues“ hat einen hohen Wiedererkennungswert. Es wurde von dem mitgehenden Publikum begeistert aufgenommen. Vor allem während des zweiten Sets nutzten einige Damen und einzelne Herren den (leider vorhandenen) Platz, um ausgiebig zu tanzen. Die Euphorie blieb auch bei den noch unbekannten Stücken des neuen Albums bestehen. Das von Newman gesungene „Gotcha Moving“ war da Programm.

Neben diesem Song stellte GravelRoad noch „Come Back Baby“ und den titelgebenden Track „Crooked Nation Blues“ von dem bald erscheinenden Tonträger vor. Mit der Zugabe des unveröffentlichten Instrumentalstücks „Milkman“ beendete die Band den Gig.

Einige Exemplare von „Crooked Nation“ hatten die Amerikaner bereits im Gepäck und signierten sie gerne beim Plausch nach dem Auftritt. Sehr höflich und zugewandt nahmen sich alle Bandmitglieder Zeit für Gespräche.

Ich war lange unschlüssig, ob ich den Weg in die Rampe auf mich nehmen sollte. Auf den Alben von GravelRoad stechen immer wieder einzelne Stücke heraus, oftmals bleiben sie aber sehr ähnlich. Jörg, der ja ein größerer Bluesrock-Kenner ist als ich, gab letztlich den entscheidenden Anstoß dafür, mich von meinem Sofa aufzuraffen. Der druckvolle Auftritt von GravelRaod belohnte meine Entscheidung. Was lernt man daraus? Auch im Zweifel besser mal zu Konzerten gehen!

Line-Up:
Stefan Zillioux (lead vocals, guitar)
Jon Kirby Newman (lead vocals, guitar)
Joe Johnson (bass, vocals)
Martin Reinsel (drums)

Text: Michael Segets
Bilder: Jörg Schneider

Gravelroad
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Kulturrampe Krefeld

The Highwomen – Same – CD-Review

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The Highwomen sind ein neu formiertes Quartett, bestehend aus den vier Singer-/Songwriterinnen Brandi Carlile, Maren Morris, Amanda Shires und Natalie Hemby.

Wer unser Magazin aufmerksam liest, dem sind diese Namen, auch wenn keiner davon in unserer Interpretenskala zu finden ist, im einen oder anderen Artikel sicherlich schon mal begegnet.

Unweigerlich erinnert man sich an die Country-Super-Combo The Highwaymen, mit den allerdings gestandenen und allseits bekannten Recken Johnny Cash, Willie Nelson, Waylon Jennings und Kris  Kristofferson, die Mitte der Achtziger bis Mitte der Neunziger, mal im Kollektiv ein paar Zusatz-Dollar zu generieren suchten.

Marren Morris ist die mit Abstand jüngste im Bunde, allerdings vielleicht nicht zuletzt durch ihre Auftritte hier bei uns, vermutlich die kommerziell erfolgreichste.

Brandi Carlile hat uns vor kurzem besonders durch ihre starke Mitwirkung bei Tanya Tuckers Comeback Album erfreut.

Die Texanerin Amanda Shires ist für ihr filigranes Fiddle-Spiel, Gesänge in Richtung Emmylou Harris-Dolly Parton und als Ehefrau von Jason Isbell vordergründig bekannt.

Natalie Hemby hat neben ihren eigenen Sachen mit und für so ziemlich alles was Rang und Namen in der New Country-Szene hat Stücke kreiertm wie zum Beispiel die Eli Young Band, Carrie Underwood, Little Big Town, Keith Urban, Toby Keith, Blake Shelton, nur um ein paar zu nennen.

Ihre musikalische DNA wird direkt im schönen, mit einer Mark Knopfler-mäßig E-Gitarre begleiteten Opener „Highwomen“ proklamiert: „We’re the Highwomen, we sing of stories still untold, we carry the sons you can only hold, we are the daughters of the silent generations, you send our hearts to die alone in foreign nations, and may return to us as tiny drops of rain, but we will still remain.”

Im weiteren Verlauf erhält man trotz Unterstützung prominenter Gäste wie Sheryl Crow (Backgroundgesang, Bass), Yola (Gesang, Backgroundgesang), Dave Cobb (akustische/elektrische Gitarre), Jason Isbell (akustische/elektrische Gitarre), Phil Hanseroth (Bass, Backgroundgesang), Tim Hanseroth (Gitarre, Backgroundgesang), Chris Powell (Drums) und Peter Levin (Piano und Keyboards), recht dezent instrumentierte, countryeske Stücke (ähnlich wie auf Tanya Tuckers Album), die auf die Entfaltung der unterschiedlichen Gesangstypen und der vielen Harmoniegesänge, sowie die niveau- und humorvollen Texte (herrlich u. a. „Redesigning Women“, “My Name Can’t Be Mama”) fokussiert ist.

Mein Favorit ist das von von Jason Isbell mit kreierte und von Maren Morris angeführte, mit entspannt surrendem Slide hinterlegte, dezent Southern-angehauchte „Old Souls“. Hier stimmt von der Instrumentierung (klasse Slide-Solo) bis zu den Gesängen (Stevie Nicks-/Fleetwood Mac-Touch) einfach alles. Tolle Nummer.

Wer Spaß an beschriebenem Liedgut hat, und vielleicht die eine oder andere Bildungslücke mit (überwiegend traditioneller) Countrypowerfrauenmusik schließen möchte, der liegt bei den den vier Highwomen mit Morris, Hemby, Carlile und Shires goldrichtig. Ein absolut gelungenes Werk. Daher kann die Empfehlung nur lauten: „Take the Highwomen!“

MCA Nashville (2019)
Stil: Country Rock

01. Highwomen
02. Redesigning Women
03. Loose Change
04. Crowded Table
05. My Name Can’t Be Mama
06. If She Ever Leaves Me
07. Old Soul
08. Don’t Call Me
09. My Only Child
10. Heaven Is A Honky Tonk
11. Cocktail And A Song
12. Wheels Of Laredo

The Highwomen
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Oktober Promotion

Charley Crockett – The Valley – CD-Review

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Review: Michael Segets

Charley Crockett hatte vergangenen Monat in der Kulturrampe im Rahmen seiner diesjährigen Europatournee Halt gemacht. Die letzten Konzerte in Spanien sind gerade gelaufen und die nächsten in den Vereinigten Staaten angekündigt. Nicht nur, wenn Crockett auf Konzertreise ist, erscheint er als rastloser Geist. Bereits als Jugendlicher trampte er durch die Staaten, lebte später in Europa und Afrika.

Ständig on the Road charakterisiert er seine selbst gewählte Lebensweise auf „The Way I’m Livin‘ (Santa Rosa)“ oder „Motel Time Again“. Ebenfalls autobiographische Züge trägt der Titelsong des neuen Albums „The Valley“. Bei ihm schildert Crockett seine Herkunft und die Anfänge seiner Sehnsucht, die ihn immer wieder in die Ferne zieht.

So unstet sein Lebenswandel auch erscheint, so bleibt er doch musikalisch auf seiner Linie, die zwischen Country und Blues liegt. Hatte er sich auf seinem Chart-Erfolg „Lil G.I.‘s Blue Bonanza“ (2018) dem Blues zugewandt, schlägt die Nadel bei „The Valley“ wieder stärker in Richtung Country aus, was sich ja bereits bei der Show in der Kulturrampe abzeichnete.

Da sind schnellere Varianten vorhanden, wie das einprägsame „Big Gold Mine“, oder auch langsame, wie „10,000 Acres“ und „Change Yo‘ Mind“. Die meisten Country-Nummern (u. a. „Excuse Me“ oder „Maybelle“), bewegen sich aber im mittleren Tempo. Die Titel orientieren sich von Machart und Instrumentalisierung mit Geige, Steel Pedal und Slide an den Genreklassikern. Sie haben den typischen Twang. Den erzielt Crockett auch auf „River Of Sorrow“, bei dem er Orgel und Trompete einbaut.

Unter den Country-Songs, die dem herkömmlichen Muster folgen, heben sich „It’s Nothing To Me“, auf dem Crockett etwas tiefer singt, und „Borrowed Time“ besonders hervor. Die Single, die Crockett zusammen mit Evan Felke (Turnpike Troubadours) geschrieben hat, glänzt durch einen sofort ins Ohr gehenden Refrain, auf dem Crocketts besonderer, metallischer Gesang hervorragend zur Geltung kommt.

Intensiv sind die beiden Songs „5 More Miles“ und „7 Come 11“. Bei ihnen wendet sich Crockett mehr seiner bluesigen Seite zu. „If Not The Fool“ ist in zwei Versionen auf dem Album vertreten. Die längere Version enthält ein gedämpft schnarrendes Trompetensolo, unterscheidet sich aber sonst nicht wesentlich von der anderen. Selbst in der Langversion knackt der langsame Blues nicht die vier Minutenmarke. Crocketts Stücke sind sowieso meist sehr kurz und selten länger als drei Minuten.

Schließlich findet sich ein vom Banjo begleiteter Folksong auf der Scheibe, der die Legende um John Henry aufgreift. Mit „9 Pound Hammer“ reiht sich Crockett ebenbürtig in die Tradition von Pete Seeger, Leadbelly oder Johnny Cash ein. Mit ihm erhöht Crockett die Klangvarianz auf seinem Longplayer, der insgesamt von ähnlich aufgebauten Country-Nummern geprägt wird.

Die Differenzierungen im Country-Bereich stellen ja eine Wissenschaft für sich dar. Ich habe letztens gelesen, dass es so etwas wie New-Traditional-Country gibt. Die Bezeichnung trifft die Mehrzahl der Songs von Crockett auf „The Valley“ ganz gut. Dabei gelingen ihm einige sehr schöne, eingängige Genrebeiträge. Tendenziell stechen aber die starken Titel mit Blues-Einschlag auf dem Album hervor. Sie bringen Abwechslung in das Werk und bleiben von ihm eher im Gedächtnis.

Son Of Davy / Thirty Tigers
Stil: Country, Blues

Tracklist:
01. Borrowed Time
02. The Valley
03. 5 More Miles
04. Big Gold Mine
05. 10,000 Acres
06. The Way I’m Livin‘ (Santa Rosa)
07. 7 Come 11
08. If Not the Fool (Long Version)
09. If Not the Fool (Short Version)
10. Excuse Me
11. It’s Nothing To Me
12. Maybelle
13. 9 Pound Hammer
14. River Of Sorrow
15. Change Yo‘ Mind
16. Motel Time Again

Charley Crockett
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Kris Barras Band – Light It Up – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Nachdem Dudley Taft letzten Freitag (06.09.) bereits den Startschuss für eine tonangebende Blues-Rock-Woche meinerseits geliefert hat, übernimmt jetzt Kris Barras aus Devon, UK, sprichwörtlich den Staffelstab, um diese ausgelassen abzurunden. Seit einiger Zeit steht der 32-jährige Gitarrist und Sänger bei der großen Mascot Label Group unter Vertrag, bei der auch Genre-Kollegen wie Joe Bonamassa, Beth Hart, Black Stone Cherry und Kenny Wayne Shepherd sind und legt mit „Light It Up“ nun sein drittes Studioalbum vor.

Zu Beginn seiner Musikkarriere hatte er mit Schwierigkeiten zu kämpfen und somit schaffte er den eigentlichen Durchbruch erst vor drei Jahren. Aber dann ging alles ganz schnell: „Lucky 13“ (2016), „The Divine And Dirty“ (2018) heißen die Longplayer, die ihn in den Mittelpunkt der neuen britischen Blues-Szene gebracht haben. Auf der neuen Scheibe lässt er sich vom Erfolg der Vorgänger nicht blenden, sondern startet wild mit dem knackigen Opener „What You Get“ auf dem er zusätzlich von markanten Background-Sängerinnen im Refrain begleitet wird.

Bei „Vegas Son“ kann Barras nach eigener Aussage zu seinem Lieblings-Riff abrocken und auf dem folgenden „Ignite (Light It Up)“ glänzt er durch seine Gitarrenarbeit. Zu den Songs „Ignite (Light It Up)“, „What You Get“ und „Vegas Son“ wurden zusätzlich bildgewaltige Musikvideos aufgenommen, die auf YouTube zu sehen sind. Das Riff von „6AM“ geht unter die Haut und wechselt zu dem langsameren „Rain“ und das Barras angeblich in nur 20 Minuten geschrieben hat. Josiah J Manning, der Keyboard-Player und gleichzeitig auch Produzent des Albums, führt gefühlvoll durch den Song.

„Let The River Run Through You“ beweist die ganze Klasse der Kris Barras Band – begleitet von Barras Finger-picking-Style und der immer wieder als Duett aufgehenden Performance der einsetzenden Background-Sängerin. Die Dynamik verändert sich hingegen schlagartig mit der ausgefeilten und eingängigen Hook-Line von „Bullet“. Ein Stück härter geht es dann sogar noch mit dem hard-rockigen „Wound Up“ und Riff im Deep Purple-Sound.

Der Party-Rock-Song „What A Way To Go“ setzt neue Akzente für ein Blues-Album und auf „Not Fading“ besinnt er sich auf den englischen Electric-Blues-Roots der 1960er Jahre. Das hymnenartige „Pride Is Forever“ beendet das Werk. Aber auch Fans des Hard-Rock werden auf ihre Kosten kommen. Seit 2018 ist Barras auch als Frontmann der Supersonic Blues Machine aktiv und hat im Zuge dieser Formation u. a. auch zusammen mit Billy Gibbons ein Konzert in Essen absolviert (siehe in diesem Rahmen auch unser Interview mit Kris).

Kris Barras ist Teil einer jungen englischen Blues-Generation, an der wir uns in Sound-of-South immer wieder erfreuen. „Light It Up“ ist ein modernes Blues-Rock-Album, das neue Maßstäbe, insbesondere in der europäischen Blues-Szene, setzen wird. Kris Barras tourt mit seiner Band im September auf unserem Kontinent und wird seinen temperamentvollen Blues auch in Deutschland performen.

Mascot Label Group/Provogue (2019)
Stil: (Southern) Rock

01. What You Get
02. Broken Teeth
03. Vegas Son
04. Ignite (Light It Up)
05. 6AM
06. Rain
07. Counterfeit People
08. Let The River Run
09. Bullet
10. Wound Up
11. What A Way To Go
12. Not Fading
13. Pride Is Forever

The Kris Barras Band
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Another Dimension

Julian Sas – 08.09.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Sas Haupt

Nachdem die niederländische Fußball-Nationalmannschaft am letzten Freitag über die Deutsche hinweggefegt war, galt das Gleiche in Sache des holländischen Bluesgitarrist Julian Sas im Dortmunder Musiktheater Piano.

Pünktlich um 8:00 Uhr betrat Sas mit seiner Band die Bühne im mit etwa 300 Zuschauern gut besuchten Piano. Mit „Home Feeling“ hatte er direkt den passenden Opener gewählt, um seine Empathie zur Location, als auch, dem an diesen Abend absolut begeisterungsfähigen Publikum, auszudrücken.

Bei „18 Wheels“ durchwehte ein Hauch von Southern Rock das Piano. Fotis Anagnostou am Bass und Lars-Eric van Elzakker an den Drums legten einen treibenden Grundrhythmus, der Sas alle Möglichkeiten gab, Soli einzustreuen und sich mit John Lord-Fan Roland Bakker an den Keys einige hitzige Duelle zu liefern. Schon zu diesen Zeitpunkt hatten Band und Publikum eine Art Symbiose gebildet, die sich gegenseitig anstachelte.

Mit „Is This What They Call The Blues“ begab sich Sas dann wieder zu seinen Blueswurzeln, um mit „Believe To My Soul“ ein Statement darüber abzugeben, dass das, was er tut, aus vollster Überzeugung geschieht, was für jeden dann auch klar erkennbar war.

Das folgende fast schon hart rockende „Stand Your Ground“ brachte die Besucher endgültig zum ausgelassenen Mitwippen oder Mittanzen.
Schon die ersten Klänge von „Coming Home“ zeigten die Richtung des Songs an. Klangmelodien und eine Stimmung, die an den Klassiker „Freebird“ von Lynyrd Skynyrd erinnerten. Sas legte hier ein Stück hin, mit dem er sich hinter keiner Top-Southern-Band verstecken braucht.

Bei „Drifting Boogie“ war der Name Programm. Eine dynamische Mischung aus Boogie und Blues, die zuweilen an die guten alten ZZ Top erinnerte.

Ein fast schon epischer Moment des Abens war der Slowblues „Lost And Found“, zum Teil melancholisch gefühlvoll auch vom Gesang her, mit einem Solo der Extraklasse, in dem Sas bewies, dass es nicht nur auf das Tempo ankommt, sondern ein Solo auch mit dem Grundtenor des Songs einhergehen muss. In diesem Song waren auch stilistische Ähnlichkeiten zum Vorbild vieler Bluesmusiker zu erkennen, dem leider zu früh verstorbenen Rory Gallagher.

Mit der weiteren Boogienummer „Tale Spreader“ nahm Sas direkt wieder Fahr auf und erstickte direkt jeden Hauch von aufkommender Melancholie, um mit „Make My Water“ eine starke eher hartes Bluesstück nachzulegen, das Bakker an den Keyboards immer wieder auflockerte.

Beim DylanKlassiker „Highway 61 Revisited“ offerierte Sas, dass Covernummern in Shows ihre Berechtigung haben, zumindest, wenn sie keine Verschlechterung des Originals darstellen. Diese harte Interpretation des Songs sorgte im Publikum auf jedem Fall für Begeisterung.

Bei „Anything“, einem leicht psychedelischen, sehr ruhigen Track, nahm Julians kurz etwas Tempo aus der Show, wobei er aber immer wieder Akzente mit der Gitarre setzte und Bakkers Tastenspiel dem Sound das nötige Volumen gaben.

Der „Workingmans Blues“ ging, es wie der Titel schon ausdrückt, ganz klar Richtung Blues. Sphärisch wurde es bei „Howling Wind“ mit ganz tollem Keyboard-Intro. Auch durch Sas‘ Art Art zu Singen, fühlte ich mich an den CSN&Y-Klassiker „Almost Cut My Hair“ erinnert.
Im Stile von ZZ Top wurde dann mit „Sugarcup Boogie“ wieder das Gaspedal betätigt und es kam wieder Bewegung ins Publikum.

Schon „Makin My Return“ wies auf Julians Vorbild Jimmy Hendrix hin, was spätestens besonders deutlich wurde, als unmittelbar darauf psychedliesches Gespiel von Bakker und Julian an der Gitarre „Hey Joe“ einleiteten. Sas und Band zelebrierten diesen Rock-Evergreen regelrecht über knapp 10 Minuten, wo sich auch Fotis Anagnostou am Bass mit starker Mimik und Posen einbrachte.

Vergessen waren schnell die lautstarken Forderungen eines Fans, bezüglich eines Rory Gallagher-Liedes, das Sas charmant und dennoch eindeutig verneinte. In meinen Augen eine richtige und nachvollziehbare Entscheidung. Es handelte sich ja schließlich um ein Julian Sas Konzert und keine Wunschshow, die dann in letzter Konsequenz in einem Coverabend enden würde, wenn jeder Besucher sich Stücke alter Bluesgrößen wünschen könnte.

„Makin My Return 2“ leitete dann stilgerecht „Hey Joe“ aus. Mit „Devil Got My Number“ stand dann der zunächst der letzte Song auf dem Programm, in der Bandleader salvenartig hard-rockend Gitarrensoli Richtung Publikum abschoß. Sas und Kumpanen verabschiedeten sich dann ausgiebig und bestens gelaut und wurden frenetisch vom Publikum gefeiert.

Durch die Zugabeforderungen animiert, ließ Sie sich das Quartett aber nicht lange bitten und legte mit dem furiosen „Bullfrog Blues“, der direkt mit „Boogie All Around“ verschmolz, noch einmal starke Zugaben auf die Bühne. Nach knapp zweieinhalb Stunden war dann ein atemberaubender Abend vorüber, der viel Facetten vom Blues, Boogie, Southern- und Hardrock vereinte.

Schön waren aber auch die vereinzelt eingestreuten Coversongs, denen die Musiker aber ihren eigenen Stil einhauchten. Julian Sas und Band erwiesen sich an dem Abend als absolut blind eingespieltes Team, obwohl Drummer van Elzakker erst im Frühjahr bei der Band eingestiegen war und jetzt einen Klasse Job macht.

Schon nach wenigen Minuten stand Sas dann am Merchandise Stand den wartenden Fans zur Verfügung und man spürte, dass er immer noch vom Publikumzuspruch während der Show zehrte.

Ein besonderer Dank an das gesamte Team des Piano für die Gastfreundschaft. On Stage Promotions für die Zusatzinformationen zur Tournee, aber auch für die schon vorab ausgehändigte Setlist. Julian sagte mir im Gespräch nach dem Konzert, dass er eigentlich ohne eine solche spiele und öfters mal in der Show umswitche, dies aber heute nicht tun konnte, weil er dann auch, wie mir angekündigt, spielen wollte.

Dies war auch am stark abweichenden Programm gegenüber dem Frühjahrs-Gig im Schwarzen Adler in Rheinberg zu erkennen. Der Band wünsche ich eine gute Reise Richtung Wien und genau so viel Spaß auf der Tour durch das östliche Europa.

Line-up:
Julian Sas (lead vocals, electric & slide guitar)
Roland Bakker (piano, organ)
Fotis Anagnostou (bass)
Lars-Erik van Elzakker (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Julian Sas
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

The Glorious Sons – A War On Everything – CD-Review

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Review: Michael Segets

Hierzulande wohl noch weitgehend unbekannt sind The Glorious Sons in ihrer Heimat Kanada schon eine Hausnummer. Neun Singles konnte die Band seit 2014 in Spitzenpositionen der kanadischen Rock-Radio-Charts platzieren. Vor allem „S.O.S. (Sawed Off Shotgun)“ von ihrem Vorgängeralbum „Young Beauties And Fools“ (2017) war auch in den USA erfolgreich. Für den Longplayer heimsten The Glorious Sons einen JUNO-Award als bestes Rockalbum des Jahres ein.

Mit „A War On Everything“ treten die Jungs aus Ontario nun an, ihre Erfolgsgeschichte fortzuführen. Die erste Single „Panic Attack“ erreichte bereits die Poleposition im kanadischen Radio. Die Musikliebhaber aus dem Norden beweisen damit einen sehr guten Geschmack.

The Glorious Sons halten die Fahne des klassischen Gitarrenrocks hoch. Dabei versprühen die Titel eine rebellische Attitüde, die einer jungen Rockband angemessen ist. Von daher erinnern mich The Glorious Sons stellenweise an die Anfangszeit von Green Day. Obwohl The Glorious Sons gelegentlich eine härtere Gangart einlegen, bleiben alle Songs melodiös.

Neben Frontmann Brett Emmons greifen Jay Emmons und Chris Koster in die Saiten. Die Rhythmusarbeit erledigen Adam Paquett (Schlagzeug) und Chris Huot (Bass). Zusammen erzeugt das Quintett bei einigen Songs einen enormen Druck, so beim hervorragenden „One More Summer“ oder beim mit scheppernden Gitarrenriffs versehene „Wild Eyes“.

Sehr gelungen sind auch die stadiontaugliche Hymne „Kingdom In My Heart“ und „Kick Them Wicked Things“. Die Keys von Brett Emmons und der Refrain mit hohem Wiedererkennungswert fallen hier besonders auf. Das Stück besitzt ebenso wie „The Ongoing Speculation Into The Death Of Rock And Roll” Anleihen beim Britrock.

Neben den Songs, die sich durch ihre markanten Ecken und Kanten abheben, finden sich auf dem Longplayer mit „I’m On Your Side“, „Closer To The Sky“ sowie „Spirit To Break“ ebenso Tracks, die eingängig dem Rockmainstream folgen. „Lean On Me Love“ fällt tendenziell auch in diese Kategorie, hat aber eine interessante, fast gesprochene Bridge – zudem singt Brett Emmons den Titel ziemlich cool.

Das Songwriting orientiert sich am klassischen Gitarrenrock, wobei auf längere Soli verzichtet wird. Die Titel weisen eine klare und dennoch oftmals abwechslungsreiche Struktur auf, so wechseln sich beispielsweise bei „A Funny Thing Happend” krachende Passagen mit betont harmonischen ab.

Gleiches gilt für „Pink Motel“, das The Glorious Sons als zweite Single ausgewählt haben. Die sanft beginnende Ballade steigert sich zu einem fulminanten Höhepunkt, bei dem sich der Sänger seine Gefühle herausschreit. Desweiteren sind mit „A War On Everything“ und dem akustisch gehaltenen „The Laws Of Love And War” noch zwei langsamere Tracks vertreten, die für Rockalben ja quasi obligatorisch sind.

Die Kanadier verordnen dem Rock eine erfrischende Verjüngungskur. Mit „A War On Everything“ beweisen The Glorious Sons, dass der gitarrenorientierte Rock noch nicht tot ist und auch bei der nachwachsenden Generation von Musikern noch seinen Platz hat. Verdient hätte die Band mit ihrem neuen Album, dass sie über die Grenzen ihres Heimatlandes hinaus gehört wird. Eine Möglichkeit dazu bietet sich im November, wenn The Glorious Sons live in Deutschland unterwegs sind.

Black Box Music (2019)
Stil: Rock

Tracks:
01. Panic Attack
02. A War On Everything
03. Spirit To Break
04. Closer To The Sky
05. Wild Eyes
06. A Funny Thing Happend
07. The Laws Of Love And War
08. One More Summer
09. The Ongoing Speculation Into The Death Of Rock And Roll
10. Kick Them Wicked Things
11. I’m On Your Side
12. Kingdom In My Heart
13. Lean On Me Love
14. Pink Motel

The Glorious Sons
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Oktober Promotion

Andreas Diehlmann Band – Point Of No Return – CD-Review

diehlmann

Review: Jörg Schneider

An Andreas Diehlmann kommt man nicht mehr vorbei, wenn es um gut gemachten, ehrlichen Blues und Bluesrock made in Germany geht. Seine Schaffenskraft scheint unerschöpflich: das Debüt Album „ADB“ aus 2017, 2018 dann „Your Blues Ain’t Mine“, Anfang des Jahres dann das zugehörige Live Album und nun seine neue Scheibe „Point Of No Return“, wiederum eingespielt mit seiner treuen Gefolgschaft Volker Zeller am Bass und Tom Bonn an den Drums.

Auch sein neuestes Werk bietet wieder ziemlich straighten Blues und Bluesrock mit kräftigen Basslinien und bluestypischen Gitarrenriffs. Neun starke Songs (alles Eigenkompositionen ohne Coversongs) mit einer Spieldauer von knapp 45 Minuten hat Andreas Diehlmann in seinem Kasseler Mountain Meadow Studio diesmal auf den Silberling gebrannt. Allerdings ist die neue Scheibe, im Vergleich zu den Vorgängern, mitunter durchaus etwas härter und rockiger geraten.

Zunächst aber geht es mit der Oldschool Bluesnummer „You Are My Woman“ los, die die Verzweiflung nur so ausstrahlt, was durch Diehlmanns rauchig-raue Stimme noch verstärkt wird. Mit „Point Of No Return“ zeigt er dann, dass er auch die harte Tour musikalisch beherrscht. Ein toller Bluesrocktrack mit quietschend verzerrten Gitarrenriffs.

Ansonsten gibt’s noch einen schönen Klammerblues mit dem Titel „Don’t Go“ sowie das traditionell angelegte „I’m A King Bee“, während die Freunde einer etwas härteren Gangart bei den restlichen Songs „Sweet Mama“, „Nothing Like The Blues“, Here Comes The Rain“ oder auch „Deadman Walking“ (mit leicht psychedelisch anmutendem Intro) auf ihre Kosten kommen. „Long Forgotten Nightmare“ fällt ebenfalls in diese Kategorie, ein herrlicher Texas-Rock Stampfer in bester ZZ Top-Manier, neben dem Blues „I‘m A King Bee“ mein persönliches Highlight der CD.

„Point Of No Return“ ist ein kraftvolles Album mit dem sich Andreas Diehlmann und seine Band nun endgültig in die Oberliga, nicht nur der deutschen, sondern auch der internationalen Bluesmusiker, gespielt haben. Mir persönlich hat es wahnsinnig gut gefallen und es ist selbst nach dem x-ten Hören nicht langweilig geworden. Die CD sollte also in keiner Sammlung der Blues- und Bluesrock-Afficinados fehlen.

Für erste Eindrücke könnt ihr auf der Facebook-Seite der Band in ein paar der Songs des Albums rein hören, auf dem Ladentisch liegt sie allerdings erst ab dem 13.09.2019, aber das ist ja schon bald.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Blues/Blues Rock

Tracklist:
01. You Are My Woman
02. Point Of No Return
03. Don’t Go
04. Long Forgotten Nightmare
05. Sweet Mama
06. Nothing But The Blues
07. I’m A King Bee
08. Deadman Walking
09. Here Comes The Rain

Andreas Diehlmann Band
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