Walter Trout – Survivor Blues – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Mit seinem 2017’er spielfreudigen Album „We’re All In This Together“ setzte Walter Trout musikalisch auf bekannte Gastmusiker, denen er die Songs ihrem Stil entsprechend quasi auf den Leib zugeschnitten hatte, ohne seine eigene Virtuosität dahinter zu verstecken. Jetzt, ein gutes Jahr später, heißt sein neuestes Werk „Survivor Blues“. Ein durchaus zweideutiger Name, kann er doch als Anspielung auf seine per Transplantation geheilte lebensbedrohliche Lebererkrankung aufgefasst werden.

Oder aber als Hinweis, dass gute Bluessongs immer überleben. Schließlich widmet sich Trout auf seiner neuesten CD weniger oft gehörten oder gespielten Juwelen des Bluesgenres, wobei er die Klassiker nicht einfach nur gecovert hat (das würde sicherlich auch nicht seinem Anspruch an die eigene Musikalität entsprechen). Vielmehr hat Trout sie liebevoll neu arrangiert und in ein moderneres Gewand gekleidet.

So finden sich auf dem Album Titel des Mississippi-Bluesers Jimmy Dawkins („Me My Guitar And The Blues“) oder Sunnyland Slim, einem dem Delta-Blues verschriebenen Pianisten („Be Careful How You Vote“). Des Weiteren ist jeweils eine Nummer von Luther Johnson („Woman Don’t Lie“) und Hound Dog Taylor („Sadie“) auf dem Langspieler vertreten. Auch ein Titel seines Mentors, Lehrmeisters und Freundes John Mayall („Nature’s Disappearing“) darf natürlich nicht fehlen. Dazu gesellen sich zudem noch Songs von Otis Rush („It Takes Time“), Mississippi Fred McDowell (Goin’ Down To The River“) und J.B. Lenoir („God’s Word“).

Bei den Arrangements verzichtete Trout vielfach auf die im Original vorkommenden schwelenden Keyboard-Soundteppiche und ersetzte sie durch frische Klänge aus der Bluesharp. Der so erzeugte klarere Sound katapultiert die Tracks in die Jetztzeit, so z. B. „Me My Guitar and The Blues“ und der Stampfer „Be Careful How You Vote“. Auch das ruhigere, im Original traditionellere „Woman Don’t Lie“ präsentiert sich hier im raueren Chicago-Stil, wobei die Originalversion etwas gefälliger daher kommt. Aber das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Die beste Interpretation ist jedoch nach Ansicht des Rezensenten John Mayalls 1970’er umweltkritischer Song „Nature’s Disappearing“. Hier stimmt einfach alles, ein frischerer Sound und auch gesanglich eine Verbeugung vor dem Großmeister des weißen Blues.

Eingespielt hat Trout sein neues Werk in Robbie Kriegers Studio, dem ehemaligen Gitarristen der Doors. In „Goin’ Down To The River“ ist er sogar als Gastmusiker zu hören. Ansonsten setzt sich Walter Trouts Band auf dieser CD aus Johnny Griparic am Bass, Skip Edwards an den Keys und Walters langjährigem Drummer Michael Leasure zusammen. Das erklärte Ziel der Musiker war, die alten Songs nicht einfach nur nachzuspielen, sondern in die heutige Zeit zu transferieren. Das ist der Truppe um Walter Trout mit diesem hörenswerten Album absolut gelungen.

Nach eigenem Bekunden durchlebt er im Moment die beste Zeit seines Lebens. Man darf also jetzt schon gespannt sein, mit welchem Projekt der Bluesrock-Titan Walter Trout demnächst aufwartet.

Provogue – Mascot Label Group – (2019)
Stil: Blues Rock

01. Me My Guitar and The Blues
02. Be Careful How You Vote
03. Woman Don’t Lie ( feat. Sugaray Rayford)
04. Sadie
05. Please Love Me
06. Nature’s Disappearing
07. Red Sun
08. Something Inside Of Me
09. It Takes Time
10. Out Of Bad Luck
11. Goin’ Down To The River (feat. Robby Krieger)
12. God’s Word

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Vanesa Harbek & Band – 18.01.2019, blues, Rhede – Konzertbericht

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Es war bereits 21:20 als André Knoch seine Gäste zum ersten Konzert 2019 begrüßte. „Wir freuen uns heute auf die Bluesqueen aus Argentinien, unsere erste Künstlerin aus Südamerika“, sagte er und überließ der Band die Bühne.

Vanesa Harbek, in ihrem gewohnten Bühnenoutfit mit Netzstrümpfen und glitzernden Hotpants, legte sofort los mit „Hide Away“ von Freddy King, das stark nach der Version von John Mayalls Bluesbreakers und Eric Clapton klang. Blues Rock mit heftigem Rhythmus und dicht am Original. Bedauerlich, dass sich noch nicht sehr viele Gäste eingefunden hatten, nur gut 30 Leute standen an den Tischen.

Unbeeindruckt davon ging es mit einer starken Gitarre und dem „Rooster Blues“ von Lightnin’ Slim weiter. Zu ihrer Besonderheit gehört auch der Gang durch das Publikum mit ihrer Gitarre. Mit einem „Gracias“ bedankte sie sich für jeden Applaus.

Aber sie hatte nicht nur englische Bluesklassiker im Gepäck. Mit „Vuelvo Al Sur“ spielte sie einen klassischen Tango aus ihrer Heimat im Bluesgewand. Als sie nach nur 35 Minuten eine Pause ankündigte war das schon überraschend früh.

Die Pause nutzte ich, um etwas mehr über die Künstlerin zu erfahren. Vanesa Harbek stammt aus Buenos Aires in Argentinien. Sie hat deutsche und jugoslawische Großeltern. Deshalb schickte ihr Vater sie auf eine deutsche Schule. Daher spricht sie recht gut deutsch. im Alter von sechs Jahren lernte sie Klavier spielen. Mit 12 hörte sie das erste mal Eric Clapton und es war um sie geschehen.

Jetzt wollte sie nur noch Blues auf der Gitarre spielen. Ihre Eltern unterstützten das. Später studierte Vanesa Klassische Komposition. Ihre musikalischen Vorbilder sind neben Mr. Slowhand auch  Albert Collins, Freddy King und Randy Weston. Sie mag Jazz und Tango und hat eine Vorliebe, diese drei Stilrichtungen zu mischen. Mittlerweile lebt sie seit zwei Jahren in Berlin und tourt mit ihrer Band durch Europa.

Nach der Pause waren bekannte Klassiker mit dabei wie unter anderem „Thore Down“ (Freddy King), „Hit The Road Jack“ (Ray Charles) und „Oye Como Va“ von Santana. Im zweiten Teil hatte ihr Bassist Lukasz Gorczyca die Gelegenheit, bei zwei längeren Bass-Soli, sein Können zu zeigen. Ihre Bandmitglieder gaben eine guten Rhythmus vor, blieben insgesamt aber etwas blass. Später gab es mit “Vanesca Tango“ noch ein eigenes Lied .

Die Musik stammt vom Bassisten, der Text von Vanesa Harbek. Hier mischte sich gekonnt viel Tango mit etwas Blues. Leidenschaftlich vorgetragen mit vielen rollenden Rs und sehr intensiven Gitarren-Soli.

Insgesamt ein sehr rockiger Abend mit einem leidenschaftlichen Rhythmus, dem sich niemand entziehen konnte. Rundherum wippten Füße und Köpfe im Takt mit. Leider war auch dieser zweite Teil wieder nur 35 Minuten lang. Das ist doch sehr kurz. Nach der Zugabe verabschiedete sie sich mit „Muchas gracias“.

Line-up:
Vanesa Harbek (lead vocals, guitars)
Lukasz Gorczyca (bass)
Tomek Dominik (drums)

Text und Bilder: Martina Middeke

Vanesa Harbek
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Blues Rhede

The Steel Woods- Old News – CD-Review

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Ich hatte The Steel Woods ja schon bereits 2017 bei ihrem Debüt „Straw In The Wind“ über den grünen Klee hinaus gelobt. Jetzt lag die Messlatte in Sachen Nachfolger dem nach extrem hoch. Um es vorwegzunehmen: Das Nashville-Quartett um ihre beiden Kreativköpfe Wes Bayliss und Jason Cope samt der Rhythmusfraktion Johnny Stanton und Jay Tooke, gehen auch auf „Old News“ unbeirrt ihren eingeschlagenen Weg weiter und liefern das nächste tolle Werk ab.

15 Tracks mit fast 70 Minuten Spielzeit bieten dabei ein ausgedehntes Musikvergnügen. Man darf sich über neun starke Neukreationen und sechs wirklich klasse, als auch spannend umgesetzte Covernummern freuen, die sich schwerpunktmäßig im hinteren Bereich auf Songs verstorbener Größen wie Townes Van Zandt, Merle Haggard, Gregg Allman, Tom Petty sowie Wayne Mills konzentrieren.

Nicht zu vergessen ihr scheinbarer Faible für Black Sabbath, denen sie, wie schon auf dem Erstling, wieder die Ehre erweisen. Hier mit der Umwandlung von dem damaligen, fast schon kammermusikartigen „Changes“ in eine lässig groovende Southern Soul-Version. Genial gemacht!

Die CD beginnt aber direkt mit einem Paukenschlag. Das furios rockende und stampfende „All Of These Years“ hätte wunderbar auf Skynyrds damalige „Gimme Back My Bullets“-Platte zwischen Tracks wie „Double Trouble“, „Trust“ und „Searching“ gepasst. Ein fulminanter Auftakt.

Mit „Without You“, dem bereits erwähnten „Changes“ und „Wherever You Are“ geht es dann zunächst in ruhigere Gefilde, wobei immer ein gewisses Grummeln in der Magengrube erzeugt wird, besonders zum Beispiel durch den Streichereinsatz bei letztgenanntem Lied.

Womit wir bei den dezent, aber sehr effektiv eingesetzten Gastmusikern wären. Die wieder herrlich episches Flair verursachenden Strings wurden von Jake Clayton bedient, die starke Backgroundsängerin Joanne Cotton ist am besten beim shuffligen Rocker „Blind Lover“ rauszuhören. Für leiernde, weinende und wimmernde Steeleinlagen zeichnet sich Eddie Long bei den countryeskeren Liedern wie „Anna Lee“, One Of These Days“ und „Are The Good Times Really Over (I Wish A Buck Was Still Silver)“ verantwortlich.

Ganz großes Southern-Kino bieten das politisch nachdenkliche Titelstück „Old News“, das episch anmutende, aber auch voller Pathos und Inbrunst von Bayliss gesungene „The Rock That Says My Name“ (Rambler-Flair) und die drei grandios gecoverten „The Catfish Song“ (Townes Van Zandt – mit fulminanter Harp- und E-Gitarrenpassage), „Whipping Post“ (Gregg Allman – wahnsinnige Drum- und E-Gitarren-Dynamik, unterschwengliche Doors-Note) und die wunderbare Tom Petty-Huldigung mit „Southern Accents“ als krönendem Abschluss.

Das Southern Rock-Jahr hat noch keine 20 Tage absolviert und schon haben The Vegabonds mit ihrem knackigen „V“-Werk und The Steel Woods mit „Old News“ für die ersten fetten positiven Schlagzeilen gesorgt. Weiter so, Jungs!

Woods Music/Thirty Tigers (2019)
Stil: Southern Rock

01 All Of These Years
02 Without You
03 Changes
04 Wherever You Are
05 Blind Lover
06 Compared To A Soul
07 Old News
08 Anna Lee
09 Red River (The Fall Of Jimmy Sutherland)
10 The Catfish Song
11 Rock That Says My Name
12 One Of These Days
13 Are The Good Times Really Over (I Wish a Buck Was Still Silver)
14 Whipping Post
15 Southern Accents

The Steel Woods
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Thirty Tigers

Henrik Freischlader – 11.01.2019, Alte Molkerei, Bocholt – Konzertbericht

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Im Rahmen der aktuellen „Old School“-Tour machte Henrik Freischlader mit seiner Band auch Halt in Bocholt. Im gemütlichen Foyer der Kulturstätte Alte Molkerei, mit Bar und diversen Ausstellungsbildern an den Wänden, hatten sich schon einige Fans zum Klönen eingefunden. Um kurz vor Neun füllte sich die Halle dann relativ schnell. Der verantwortlichen Kulturinitiative ist es gelungen ein kleines Schmuckstück für Konzerte dieser Größenordnung zu bieten, denn  jeder der Besucher hatte durch den mehrstufigen und tribünenartigen Aufbau, einen tollen Blick auf die gut ausgeleuchtete Bühne.

Mit sichtlichem Stolz kündigte der Veranstalter püntklich um neun Uhr an, dass es endlich, nach mehrmaligen Versuchen in den letzten fünf Jahren, gelungen ist, einen Termin zu finden, an dem der aus Wuppertal stammende Bluesmusiker, auch der Alten Molkerei endlich mal einen Besuch abstattet.

Ein sichtlich gut aufgelegter Henrik Freischlader betrat mit seinen Mitstreitern die Bühne und fragte in seiner charmanten Art, wie es den Leuten geht, wünschte noch einmal alles Gute für das neue Jahr und kündigte direkt an, dass er einiges aus dem aktuellen Album „Hands On The Puzzle“ promoten werde.

Diesen Ausdruck benutzte er augenzwinkernd, da er nach dem Konzert einiges auf CD, aber auch richtig  ‚oldschool‘ auf Vinyl anzubieten habe. Doch damit genug der Vorrede.

Mit „Community, Imunitty“ und „Love Straight“ bot die Band zu Beginn direkt zwei Songs vom aktuellen Tonträger, welche eher ruhig, swingend und mit einem Hauch von Jazz daherkamen. Auffällig war das sehr harmonisch aufeinander abgestimmte Gitarren- und Saxofonspiel. Hier geht Freischlader mit dem derzeitigen Werk scheinbar bewusst auch etwas neue Wege, was beim Publikum aber sichtbar gut ankam.

Mit „Too Cool For Me“ legte Freischlader dann eine für ihn typische Bluesnummer von „Get Closer“ nach. Schmunzelnd merkte er bei der Anmoderation an, dass dieser tolle Song eigentlich nie ein Hit war. Vielleicht ist es auch gut so, dass Freischlader nie den Weg des radiotauglichen Mainstreams gegangen ist und somit nicht im Moloch der auswechselbaren Musiker landete.

Mit diesem ‚Nichthit‘ nahm das Konzert an Fahrt auf und Freischlader legte mit „Master Plan“ aus dem Jahr 2016 direkt einen Song aus „Openess“ nach, in dem er das Publikum zum Mitsingen und Klatschen einlud. Dem wurde gerne nachgegangen. und es entwickelte sich eine schöne Interaktion zwischen Bühne und Audienz. Henrik merkte am Ende des Tracks über sich selbst an, wie schwer es ihm persönlich fällt, bei anderen Konzerten mitzusingen.

Mit „Cuttin‘ In“ von Johnny Guitar Watson folgte eine von insgesamt drei Covernummern, die er gekonnt in seine eigenen Songs einbettete. Nach diesem Intermezzo alter Stücke widmeten sich Henrik und seine Mitstreiter, bis auf die beiden letzten Lieder, nur noch dem aktuellen Longplayer, welcher somit fast komplett vorgestellt wurde. Für meinen Geschmack kamen die Songs live auch mit mehr Pep rüber, was ich persönlich als sehr positiv empfand.

Die folgenden Songs „Share Your Money“ „Rat Race Carousel“, “Those Strings”, “Animal Torture”, “I Don`t Work” und “Winding Stair” bot das Quintett in einer begeisternden Form, wobei Freischlader an der Gitarre und Marco Zügner am Saxophon sich entweder die Melodien gegenseitig ‚zuschmissen‘ oder gemeinsam im Einklang darboten. Dieses Interagieren der beiden Instrumente stand sowohl visuell im Vordergrund (da sich die beiden Musiker auf der Bühne auch meist vorn im Rampenlicht bewegten), wie auch auditiv, da dieses Zusammenspiel eine Art musikalisches Skelett des neuen Albums darstellt.

Das bedeutete aber nicht, dass die drei restlichen Musiker hinten anstehen mussten. Moritz Meinschäfer am Schlagzeug, Armin Alic am Bass und Roman Babik an den Keyboards hatten genügend Zeit, in kürzeren oder auch längeren Soloeinlagen, ihr spielerisches Können unter Beweis zu stellen.

Beim letzten Song, einem weiteren Johnny Guitar Watson-Cover. “Ain’t That A Bitch”, stellte Henrik in seiner angenehmen Art noch einmal einen Zusammenhang zu „I Don’t Work“ her, insofern, dass Arbeit manchmal die sprichwörtliche ‚Bitch‘ sei. Er und seine Bandkollegen sehen ihr Treiben allerdings auf der Bühne nicht als Arbeit, da ihnen auch dieser Abend sichtlich Spaß machte. Bei diesem Song glänzten alle Musiker mit diversen Soli, wobei das ausladende Gitarrensolo des Hauptprotagonisten in seiner Intensität und Variabilität schon beeindruckend war.

Jeder Abend geht leider einmal zu Ende. Das Quintett ließ sich, nachdem es die Bühne verlassen hatte, jedoch  nicht lange bitten, um als Zugabe noch eine Version der Extraklasse des Donny Hathaway-Klassikers “I Love You More Than You’ll Ever Know” nachzulegen. Das Publikum war restlos begeistert. Nach ziemlich genau zwei Stunden abwechslungsreicher Blues Rock-Musik war dann endgültig Schluss. Freischlader verlegte den Verkauf der Merchandise-Artikel dann kurzerhand auf die Bühne, wo zudem mit der  gesamten Band gefachsimpelt und diverse Musikträger unterzeichnet wurden.

Fazit: Freischlader und Band konnten das bluesbegeisterte Publikum in der Alten Molkerei in Bocholt absolut zufrieden stellen und offerierten, dass ein Liveerlebnis doch ganz andere Dimensionen hat, als ein im Studio abgemischtes Album zu Hause zu hören. Einen gehörigen Anteil hatte auch die ausgesprochen schönen Location samt ihrem zuvorkommenden Personal.

Ein in allen Punkten gelungener Abend hatte so einen schönen Abschluss gefunden. Fans handgemachter Bluesmusik kann nur geraten werden zu schauen, ob Konzerttermine der Freischlader Band auch in deren Nähe zu finden sind. Nähe kann manchmal dabei auch relativ gesehen werden, ich erinnere mich an den Fan, mit dem ich nach dem Konzert ein nettes Gespräch hatte, der eigens hierfür aus Alkmaar angereist war, um später hocherfreut die Rückfahrt anzutreten.

Solange es solch einen Typus Mensch noch gibt, braucht man sich über Livemusik keine Sorgen zu machen. In dem Sinne, besucht weiter Konzerte! Mein Dank an Florence Miller für die, wie immer, unproblematische Akkreditierung.

Line-up:
Henrik Freischlader (lead vocals, electric guitar)
Roman Babik (keys)
Armin Alic (bass)
Moritz Meinschäfer (drums)
Marco Zügner (saxophone)

Text+Bilder: Gernot Mangold

Henrik Freischlader
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Alte Molkerei Bocholt

Wishbone Ash – 12.01.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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„When it is January, it is Germany!“ Als Andy Powell mit diesen Worten seine Hände vor dem  6. Stück „Lifeline“ liebevoll und gut gelaunt zum Gruß gen Publikum ausstreckte, deutete sich, wie bereits im Vorjahr an gleicher Stelle, ein fulminanter Gig an,  besonders was die hohe Kunst des Leadgitarre-Spielens angeht.

Wenn es Januar ist, ist es für Sounds Of South Wishbone Ash, im wie so oft wieder gern besuchten Musiktheater Piano! Seit unserem Bestehen eröffnen wir mit diesem jetzt bald 50 Jahre agierenden Urgestein der Rockmusikgeschichte, meist zu absolutem Sauwetter bei der An- und Heimreise, eigentlich immer unsere  neue Konzertberichterstattungssaison.

Ein perfekter Abend auch für Kollege Gernot , der an diesem Tag Geburtstag hatte und die ganze Mangoldsche Sippe von Kindern, Gattin, Bruder und Schwester bis hin  zum Schwager samt Ehefrau mitgebracht hatte.

Allein schon der rein instrumentale Opener „Real Guitars Have Wings“ bei dem der charismatische Fronter Andy Powell, der mich rein äußerlich immer so ein wenig an den nicht mehr unter uns weilenden Schauspieler Götz George erinnert, und der überragende andere Gitarren-Wizard, Mark Abrahams, ihre Arbeitsgeräte in Richtung Twin-Modus skalierten, war schon eine Klasse für sich.

Überhaupt hat dieses Stilelement des Quartetts ja auch eine wesentliche Bedeutung für unser Magazin, schließlich übernahmen es viele Bands aus unserem bevorzugten Dunstkreis wie Skynyrd & Co. ebenfalls in ihre Musizierweise.

„Mountainside“, die beiden, durch Abrahams knarziges Les Paul-Spiel dezent ZZ Top-umwehten „Deep Blues“ und „Come In From The Rain“, „Frot Page News“ und das bereits erwähnte „Lifeline“ sorgten schon für ein begeisterndes erstes Drittel, wobei das Quartett ja noch nicht mal in Ansätzen seine „Hauptmunition“ verschossen hatte.

Das änderte sich allerdings auf dem Fuße, als die Band die „Argus“-Karte zog und mit „The King Will Come“, „Warrior“ sowie „Throw Down The Sword“ drei Klassiker aus ihrem proggig-folkigen Paradealbum in den Ring warfen.

Das auch aus diesem Werk stammende „Leaf And Stream“ und das 1998 im Rahmen des Mauerfalls in Berlin entstandene „Wings Of Desire“, das Andy für eine kritische Anmerkung zu Donald Trumps Grenzplänen in Richtung Mexiko nutzte, läutete eine kurzweilige Semi-Akustikgitarren-Phase ein, die eindrucksvoll bewies, dass auch mit diesen Instrumenten Twinspiel zelebriert werden kann.

Der kauzige Bassist Bob Skeat, der sich auch für Harmoniegesänge verantwortlich zeichnete, eröffnete mit einer schönen Pump-Hook das grandios performte, fast jammige Instrumental „F.U.B.B.“, das mit seinen ganzen Soli, Wendungen, Verschachtelungen und Tempowechseln ein Genuss für sich war.

Als die Briten dann mit „Standing In The Rain“ und „Jailbait“ das Piano in Grund und Boden rockten, glich die Lütgendortmunder Spielstätte bereits einem Tollhaus. Als wenn es nicht genug gewesen wäre, setzte der Vierer mit dem ‚Wishbone Ash-Stück schlechthin‘, „Phoenix“, noch einen oben drauf.

Was Mark Abrahams dann hier an Soli abfeuerte, verschlug selbst einem Dino der Musikgeschichte wie Andy Powell den Atem. Der setzte sich zwischenzeitlich auf die Kante der Empore zu Joe Crabtrees Schießbude (der übrigens auch wieder mit starker Leistung an den Drums) und hörte seinem kongenialen Partner einfach nur fasziniert zu.

Selbst der Zugabenteil mit dem saustarken  „Why Don’t We“ (wieder eine einzige Abrahams-Les Paul-Show) und dem weiteren Ur-Klassiker „Blowin‘ Free“, bei dem dann auch Andy Powell gitarrentechnisch nochmals alles in die Waagschale warf, büßte nichts von der Intensität der wie im Fluge verstrichen knapp zwei Stunden Spielzeit ein.

Was für ein Auftakt! Dieser Wishbone Ash-Gig im Rahmen ihrer jetzt noch „XLIX“ (römische Ziffer für 49) benannten Tour muss eindeutig im Gedächtnis behalten werden, wenn es Ende 2019 im Rückblick darum geht, das ‚Konzert des Jahres‘ zu reminiszieren.

Und Anfang 2020, wenn das 50. Jahr des Bestehens der Band endgültig aktenkundig ist, wird es voraussichtlich für uns ganz sicher im von Jenny Dore und Thomas Falke so toll bewirteten Musiktheater Piano wieder heißen: When it is January, it is Wishbone Ash!

Line-up:
Andy Powell (lead vocals, lead guitar, acoustic guitar)
Mark Abrahams (lead guitar, acoustic guitar)
Bob Skeat (bass, vocals)
Joe Crabtree (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Wishbone Ash
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Seth Rosenbloom – Keep On Turning – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Für das Cover des ersten Longplayers posiert Seth Rosenbloom in schwarzer Lederjacke mit seiner Fender-Gitarre als junger Blues-Rocker, der sein Instrument im Griff hat.

Da dieser Weg zum ersten eigenen Album jedoch oft schwierig ist, hatte der US-Amerikaner aus Waltham, Massachusetts mit Josh Smith einen erfahrenen Produzenten und begnadeten Blues-Musiker an seiner Seite, der in Sounds Of South mit Konzertberichten  und einem Albumreview  schon ausführlich beschrieben wurde. Nachdem Rosenbloom vor zwei Jahren bereits eine erstklassige EP veröffentlicht hat, war abzusehen, dass der Schritt zum Longplayer nicht groß sein würde.

Der angenehme Slow-Blues-Opener und gleichzeitig das Titelstück der Platte „Keep On Turning“ ist ein typischer Song für Rosenblooms Repertoire, der gerne auf persönliche Erfahrungen beim Schreiben seiner Lieder zurückgreift. „Crawling Back“ ist ein Paradestück für einen melodischen Blues-Rock-Song, wie ihn beispielsweise auch Laurence Jones in ähnlicher Weise auf seinem letzten Album gespielt hat.

Viel schneller und Rock-lastiger geht es bei „I Can’t Help It“ zu, das mit intensiven Guitar-Solo-Parts ausgedehnt wird. Auf „Right About Now“ verknüpft Rosenbloom den amerikanischen und rauen Blues-Stil eines Mike Zito mit gefühlvollen Blues-Passagen des Engländers Aynsley Lister.

Drei Tracks stammen aus eigener Feder (3, 5 & 8) und drei weitere hat er mit seiner Co-Writerin Sonya Rae Taylor geschrieben (1, 2 & 7). Auf den übrigen beweist der Blues-Gitarrist großen Mut und wagt sich an Songs von wahren Blues-Ikonen. „Heartbreaker“ von B.B. King performt er im Stil des Originals und verzichtet auch nicht auf die Bläser der Ur-Fassung.

Elmore James würdigt er mit „Look Over Yonders Wall“ und einem Gitarrensolo, das den echten Chicago-Blues perfekt zur Geltung kommen lässt. „Palace Of The King“, ein Track des vielseitigen und nicht nur dem Blues verschriebenen Leon Russel, wirkt durch die gekonnte Zusammenarbeit von Background-Gesang und der aufgedrehten Gitarre wie ein fesselndes Live-Erlebnis. Ein beherzter und zielstrebiger Abschluss-Song des Albums!

„Keep On Turning“ ist vor allem ein sehr hingebungsvoller Longplayer auf dem Seth Rosenbloom seinem Leitmotiv, Emotionen mit seiner Musik auszudrücken, voll und ganz nachkommt. Das Album ist ein gelungener Start ins Jahr 2019 – zur Freude der Blues-Szene.

HOLMZ Music (2019)
Stil: Blues, Blues-Rock

Tracklist:
01. Keep On Turning
02. Crawling Back
03. I Can’t Help It
04. Heartbreaker
05. Right About Now
07. Broke And Lonely
08. Come Back Around
09. Palace Of The King

Seth Rosenbloom
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Chris O’Leary – 7 Minutes Late – CD-Review und Gewinnspiel

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Der aus Mount Vernon, New York, stammende Chris O‘Leary, dürfte in unserem Lande vermutlich nur Blues-Insidern bekannt sein. Mit „7 Minutes Late“ veröffentlicht er jetzt sein 5. Album, neben einer Live-Scheibe, sein 4. Studiowerk.

Americana-Fans könnte er vielleicht durch die Mitwirkung in Levon Helms Begleittruppe The Barnburnes eventuell geläufig, sein. Hier war er immerhin sechs Jahre für den 2012 verstorbenen Mitbegründer von The Band tätig.

Chris O‘Leary hat sich in eigener Sache (mittlerweile ohne den Zusatz ‚Band‘ firmierend) mit Haut und Haaren dem Blues der guten alten Schule verschrieben, allerdings mit all seinen unterschiedlichen Facetten. Als passionierter Harpspieler werden natürlich unweigerlich Assoziationen in Richtung von Akteuren wie James Cotton, Howlin‘ Wolf oder Paul Butterfield geweckt.

Der 12 Stücke umfassende Neuling ist vom Rhythm ‘n Blues-lastigen Opener „What The Devil Make Me Do“ (hätte auch gut in den legendären Blues Brothers-Film integriert werden können) bis zum finalen Slowblues “Daddy’s Here” (mein persönlicher Favorit) ein Sammelsurium an Untersektionen des Genres wie u. a. Barroom Blues („Your Day Will Come“), Texas Blues („One More Chance To Love“), Delta Blues („She Ain’t Coming Back“), Southern Swing-Blues („Circus Left Town“ – mit ABB-ähnlichem E-Gitarrensolo), Soul Blues (“Unbelievable”), klassischer Harp Blues (“Bones”) oder bluesiger Dixieland (“Crazy“).

Sämtliche Stücke sind sehr ausführlich und intensiv instrumentiert und werden nach sich anbahnendem Ende meist noch weiter verlängert, was sich bei O’Leary so als kleines Stilmittel zu erweisen scheint. Sicherlich auch ein Zeichen für die spürbare Spielfreude der Beteiligten im Studio wie Andrei Korbanics (drums, percussion), Matt Raymond (bass), Peter Hopkinson (guitar), Greg Gumpel (guitar, mandolin, bgv), Jeremy Baum,(keys), Andy Stahl (tenor sax, bgv), Chris Difrancesco (baritone, alto, tenor sax, clarinet, bgv) und Gästen wie Jimmy Voegli (keys), Pete Kanaras (guitar) sowie Chris Vitarello (guitar).

Produziert haben Ben Elliott (Savoy Brown, Hubert Sumlin, Sean Chambers) und der Protagonist Chris O’Leary selbst, der von der Intensität seiner Stimme her an einen Malford Milligan (Storyville, Big Cat) erinnert. Ohne O’Leary je performen gesehen zu haben, würde ich live auf eine echte ‚Rampensau‘ tippen.

Der Titelsong „7 Minutes Late“ (als einziger textlich abgedruckt) ist ein atmosphärisch ziemlich bedrückender Blues mit beklemmendem Ende, den depressiv veranlagte Menschen vor allem in dieser Jahreszeit nicht unbedingt als Lieblingstrack auswählen sollten.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, heiß es in einer Redensart. „7 Minutes Late“ von Chris O’Leary kann ab dem 18.01.2019 käuflich erworben werden. Blues-Traditionalisten sollten den Termin und Erwerb nicht verpassen.

American Showplace Music (2019)
Stil: Blues & More

01. What The Devil Made Me Do
02. Your Day Will Come
03. One More Chance At Love
04. Second Time Around
05. She Ain’t Coming Back
06. Circus Just Left Town
07. Seven Minutes Late
08. Unbelievable
09. Bones
10. Heartbreak Waiting To Happen
11. Driving Me Crazy
12. Daddy’s Here

In Zusammenarbeit mit American Showplace Music verlosen wir ein Exemplar dieser CD.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

In welcher Band hat Chris O’Leary sechs Jahre lang mitgewirkt?

a) Levon Hat & The Barnburners
b) Levon Helm & The Barnburners
c) Levon Cap & The Barnburners

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 18.01.2019 an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern eine/n Gewinner/in aus, der/die dann umgehend benachrichtigt und mit der CD beliefert wird.

Chris O’Leary
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American Showplace Music

The Vegabonds – V – CD-Review

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Fünftes Album der Vegabonds, die wir ja unter der Teenage Head Music-Flagge vorletztes Jahr auch live beleuchten konnten. Mit nur acht Stücken und knapp 35 Minuten Spielzeit fällt das Werk quantitativ zwar nicht allzu üppig aus, weiß dafür aber gerade im qualitativen Bereich und auch in gestalterischer Hinsicht absolut zu  überzeugen.

Wie schon auf dem Vorgänger „What We’re Are Made Of“ haben die fünf Nashville-basierten Musiker Daniel Allen (lead vocals, guitars), Richard Forehand (guitars, pedal steel, vocals), Beau Cooper (keys), Paul Bruens (bass) und Bryan Harris (drums) wieder auf die Zusammenarbeit mit dem Grammy-nominierten Produzenten Tom Tapley (u. a. Blackberry Smoke, Sugarland, Tyler Farr) an den Reglerknöpfen vertraut.

Sämtliche Tracks gefallen vom partytauglichen „Partyin‘ With Strangers“ (launige Harmoniegesänge) bis zum überragenden Abschlusslied „Help Is On The Way“ (tolle Bruce Hornsby-mäßige Piano-Passage in Kombination mit E-Gitarrensolo) durch ihre flockige melodische Gangart und die schöne transparente – Tapley sei Dank – instrumentelle Ausstaffierung auf.

Dabei sind es immer wieder Richard Forehand mit vielen quirligen Southern Rock-typischen E-Gitarrensoli, sowie einigen countryesken Pedal Steel-Einlagen („Partyin‘ With Strangers“, „When The Smoke Chears Up“, „Traveling Man“) und der variable Tastenmann Beau Cooper (piano, organ, wurlitzer), welche die Hauptakzente zu Daniel Allens Gesang  hinzufügen.

Das atmosphärische „Generation Of Happiness“, sich besonders durch den tollen Refrain und Forehands kreischende E-Soli auszeichnend, das relaxt groovende „I Ain’t Having It“ (E-Piano, Orgel), das grandiose treibende „Everything I Need“ (Bariton-E-Gitarre, klirrende Soli) und das 38 Special-mäßige, recht poppige „Best I Can“ stehen als weitere gelungene Blaupausen für den neuen modernen Southern Rock der jüngeren SR-Band-Generation.

Explizit möchte ich auf jeden Fall noch das tolle Coverartwork von Charlie Robinson (Iconoclast Design Co.) erwähnen. Das Titelbild mit den sich wie im anmutigen Kunstsynchronflug als ‚V‘ (hier auch als Synonym für die römische Kennziffer Fünf) zusammenfindenden Seeadlern zwischen zwei Felsformationen (auch wenn es natürlich nur am PC gezaubert wurde) sieht klasse aus und gibt es nochmal als eingestecktes Klapp-Poster, wobei auf der Rückseite alle Songtexte abgedruckt sind.

The Vegabonds liefern mit mit ihrem fünften Werk „V“ ein kurzweiliges Gesamtpaket im wahrsten Sinne des Wortes ab. Sämtliche selbst kreierten acht Studio-Songs wecken große Lust, in ihrer Wirkung auch live begutachtet zu werden. Ein toller Start in das Southern Rock-Jahr 2019!

Blue Elan Records (2018)
Stil: New South Rock

01. Partyin‘ With Strangers
02. Generation Of Happiness
03. I Ain’t Having It
04. When The Smoke Chears Up
05. Everything I Need
06. Best I Can
07. Traveling Man
08. Help Is On The Way

The Vegabonds
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Music Matters

Jesse Kinch – I’m Not Like Everybody Else – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Musik-Castingshows gibt es mittlerweile wie „Sand am Meer“. In allen erdenklichen Formaten werden neue Superstars gesucht. Allein in Deutschland konkurrieren mit „DSDS“, „Voice of Germany“ oder „Das Supertalent“ regelmäßige Sendungen, um die nächste große Entdeckung zu präsentieren. International, vor allem im englischsprachigen Raum, sind Castingshows ebenso zahlreich im TV vertreten. Die Erfolgreichen dieser Shows können den schnellen Erfolg jedoch meistens nicht lange aufrechterhalten und bleiben oft nur als One-Hit-Wonder im Gedächtnis.

Der Sieger der US-Show „Rising Star“, Jesse Kinch, musste sich 2014 dem Urteil der Jury aus US-Country-Star Brad Paisley, Pop-Sternchen Kesha und Rapper Ludacris stellen. Entgegen der weit verbreiteten Methode, Gewinner solcher Sendungen sofort zu vermarkten und Alben zu veröffentlichen, beschritt Kinch, teils unfreiwillig, einen anderen Weg. Aufgrund von Unstimmigkeiten mit seinem früheren Label über seine musikalische Ausrichtung konnte sein Debüt-Album leider erst vier Jahre (inklusive Label-Wechsel) nach seinem TV-Erfolg erscheinen.

Die Vorab-Single „Preaching Like The Pope“, zu der auch ein Musikvideo aufgenommen wurde, ist für diese Platte ein stimmiger, rockiger Opener mit überzeugendem Refrain. Im 90er ‚Take That-Stil‘ wirkt die schöne Rock-Ballade „How Do I Reach You (The Last Veil)“ besonders eindrucksvoll. Die Auswahl des Ray Davies-Covers und Titelstücks „I’m Not Like Everybody Else“ kann auch als persönliches Statement verstanden werden, da der 24-jährige als Casting-Show-Gewinner nicht den üblichen Einstieg ins Musikbusiness hatte. Der ursprüngliche Beat-Song begeistert als sehnsuchtsvolle Rock-Ballade mit Streicher-Arrangement. Auf „After All These Lovers“ kommt seine Bariton-Stimme voll zum Einsatz. Die Spencer Davies Group-Adaption „I’m A Man“ bleibt hingegen sehr nah am Original.

Bis auf das Schlagzeug hat Kinch in Lenny Kravitz-Manier alle Instrumente selbstständig eingespielt. Insgesamt werden acht Eigenkompositionen und fünf Cover-Songs angeboten, deren Schwerpunkt in den 1960er Jahren liegt, eine Phase, die Kinch auch als sehr wichtig für seine Musik erachtet und dabei bekannte Größen, wie Jim Morrison, Jimi Hendrix oder CCR als Vorbilder nennt.

„No Reason At All“ hat einen 1960er-Beat-Anstrich und „Nighttime New York City“ ist viel bluesiger als die anderen Songs. Der Michael-Jackson-Pop-Hit „Billie Jean“ verwandelt sich bei Jesse Kinch in eine einfühlsame Rock-Ballade und wird von Streichern im langsamen Rhythmus begleitet. Das vielfach neu aufgelegte „I Put A Spell On You“ ragt leider nicht aus der Masse der zahlreichen Versionen heraus. An den Beatles Song „This Boy“ von der „Meet the Beatles“-LP (1964) wagt sich Kinch ebenfalls heran, weicht aber nicht bedeutend von der Lennon/McCartney-Originalausgabe ab. Der letzte Track „Tamed“ ist vielschichtig komponiert, Gitarrensolo, Schlagzeug- und Keyboard-Parts bringen die Scheibe rockig zum Ende.

Auf seiner Debüt-Platte „I’m Not Like Everybody Else“ beweist Jesse Kinch, dass er aus der Menge der Casting-Show Teilnehmer qualitativ herausragt. Es ist zu hoffen, dass er sich zukünftig mit seinen musikalischen Ideen und Fähigkeiten behaupten kann.

Curb Records (2018)
Stil: (Retro) Rock-Pop / Singer/Songwriter

Tracks:
01. Preaching Like The Pope
02. How Do I Reach You (The Last Veil)
03. I’m Not Like Everybody Else
04. After All These Lovers
05. I’m A Man
06. Rain On The Dog
07. Masami (The Elegant Beauty)
08. No Reason At All
09. Nighttime New York City
10. Billie Jean
11. I Put A Spell On You
12. This Boy
13. Tamed

Jesse Kinch
Jesse Kinch bei Facebook

Der Sounds Of South-Rückblick 2018

Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Drei Jahre ist nun schon her, seit das eigentlich von mir als persönliches Hobby (so als kleiner Zeitvertreib nebenbei) gestartete Magazin Sounds Of South, den Weg ins World Wide Web angetreten ist. Als reinster Glücksfall dabei erwies sich sicherlich das Treffen mit meinem Abi-Kumpel Gernot Mangold, der sich mit rasender Geschwindigkeit von einem engagierten Privat-Fotografen zu einem der mittlerweile stärksten Musikkonzerte-Knipser entwickelt hat. Ein verdienter Lohn seiner immensen Arbeit war dieses Jahr unter anderem, dass seine Bilder für das Booklet der aktuellen Blues Caravan-CD-DVD mit verwendet wurden. Mit Jörg Schneider fanden wir einen ebenfalls nicht minder talentierten Akteur auf diesem Gebiet mit dem Gespür für den richtigen Auslöse-Moment. Den Löwenanteil des geschriebenen Wortes teilen uns seit jeher Jungspund Stephan Skolarski, der immer stärker auftrumpfende Michael Segets und meine Wenigkeit. Unser Dank gilt natürlich auch den Leuten, die hier ihren sporadischen Beitrag geleistet haben. Wenn man aber bedenkt, was hier quasi mit fünf Leuten nebenberuflich auf die Beine gestellt wurde (alleine schon die 90 Konzertberichte in diesem Jahr, die meist am nächsten Tage online waren!!!), dürfen wir uns schon ohne den Anschein des Eigenlobs imaginär auf die Schulter klopfen. All dies wäre natürlich nicht möglich ohne die nahezu perfekte Zusammenarbeit mit unseren vielen Kooperationspartnern wie Promotionagenturen, Labels, Clubbesitzern, etc. und den stetig wachsenden Zuspruch unserer Leserschaft, deren Vertrauen in dieser Zeit mit qualitativ guter und zuverlässiger und termingetreuer Arbeit gewonnen wurde. Erfreulich war 2018 besonders, dass unser Konzertberichterstattungsniveau mittlerweile den positiven Trend, auch auf ‚höherer Ebene‘ (u. a. mit Joe Bonamassa, Deep Purple) zu berichten, fortgesetzt hat. Selbst wenn die arrivierten Southern Rock-Bands mittlerweile immens schwächeln (vor allem in kreativer Hinsicht), offerierten die letzten 12 Monate merklich, dass unter der neuen Vorherrschaft von Blackberry Smoke, sich doch eine sehr verheißungsvolle New Southern Rock-Generation mit Acts wie der euen Allman-Betts Band i.Gr., The Cadillac Three,  Robert Jon & The Wreck, Hogjaw, Voltage, Red Beard, The Trongone Band, Smokey Fingers, Them Dirty Roses, The Vegabonds & Co. gebildet hat, die das Erbe der einstigen Genre-Größen wie Skynyrd, Hatchet und den Allman Brothers unbeirrt weiterführen. Mit dem Ableben von Ed King, Jimmy Farrar und Tony Joe White gab es natürlich auch wieder einige schmerzliche Hiobsbotschaften zu vermelden, die das Leben aber immer mit sich bringen wird. Viel Wirbel gab es in der ersten Jahreshälfte um die neue Datenschutzverordnung, der sich dann aber am Ende im Prinzip als laues Lüftchen erwies. Nichtsdestotrotz gilt auch 2019 wieder unser Versprechen, uns nach besten Kräften am Puls der Southern Way Of Music zu bewegen und unsere Leserschaft mit den relevanten und aktuellen Informationen zu versorgen.

Hier nochmal eine kleine Auswahl meiner persönlichen Highlights des Jahres 2018:

CD des Jahres:

Wade Bowen – Solid Ground
Eric Church – Desperate Man
Brent Cobb – Providence Canyon

DVD des Jahres:

Various Artists – Nashville In Concert At The Royal Albert Hall

Überraschungs-CD des Jahres:

Jonathon Long – Same

Newcomer-CD des Jahres:

Shea Abshier & The Nighthowlers – Potluck

Interview des Jahres:

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Kris Barras (Supersonic Blues Machine/Kris Barras Band)

Interpret des Jahres:

Brent Cobb

Starke neue CD „Providence Canyon“ und ein Klasse-Konzert im Kölner Studio 672 – ein Musiker mit Zukunft

Song des Jahres:

Day Of The Dead – Wade Bowen

Diese Songs machten beim Reviewen ebenfalls Spaß:

Bury Me – Jonathon Long
Desperate Man – Eric Church
King Of Alabama – Brent Cobb
Run Away From It All – Blackberry Smoke
Ticket To L.A. – Brett Young
Propane – Kris Barras Band
Selfish – Jordan Davis
Holiday – Damon Fowler
Bring Me Back – Shea Abshier & The Nighthowlers
All On Me – Devin Dawson

April-Scherz:

H(e)art And King

Enttäuschung des Jahres:

Absage des Wade Bowen-Konzerts im Kölner Blue Shell

Konzerte:

Konzert des Jahres:

Ryan McGarvey – 14.09.2018, Blues, Rhede

Robert Jon & The Wreck, 25.10.2018, Kulturrampe, Krefeld

Joe Bonamassa – 28.03.2018, Lanxess Arena, Köln

Devon Allman Project – 23.08.2018, Musiktheater Piano, Dortmund

VDELLI – 14.10.2018, Schwarzer Adler, Rheinberg

Voltage, 29.04.2018, De Bosuil, Weert

Blackberry Smoke – Support: Quaker City Night Hawks – 27.10.2018, Musiekcentrum De Bosuil, Weert

Supersonic Blues Machine, Support: Chris Kramer – 11.07.2018, Casino Zeche Zollverein, Essen

Brent Cobb – Support: Zack Logan, 12.09.2018, Studio 672, Köln

Savoy Brown – 01.04.2018, Musiktheater Piano, Dortmund

Konzertbilder:

Bilder Gernot Mangold:

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Bilder Jörg Schneider:

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Bilder Karl Bongers:

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Bilder Michael Segets:

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Bilder Martina Middeke:

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Bilder Adam Zegarmistrz Glagla:

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Bilder Peter Schepers:

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Bilder Albrecht Schmidt:

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Irgendwann 2017 kam die Idee auf, unser Logo mal als Schild herstellen zu lassen und eine Galerie von Künstlern/Leuten ins Leben zu rufen, die von unserer Arbeit angetan sind und sich, im Sinne einer Identifikation mit unserem Magazin, ablichten ließen. Hier ein kleiner Auszug von 2018 –  die ganze Galerie findet man unter diesem Link.

Bilder Sounds Of South VIP-Galerie:

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To be continued…

Wir wünschen unseren Lesern, allen Musikfreunden, Künstlern und Mediapartnern ein gesundes, erfolgreiches und (Southern) rockiges neues Jahr!

Sounds Of South is gonna do it again!

Euer

Daniel Daus