A Bowie Celebration – 20.01.2020, Zakk, Düsseldorf – Konzertbericht

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Die David Bowie „Alumni“-Tour wählte in diesem Jahr als Location in NRW das Zakk in Düsseldorf, welches etwas kleiner ist als die Kölner Kantine. Dies war eine kluge Entscheidung, da die angenehm gefüllte Halle nicht ausverkauft war, was allerdings hinsichtlich der hochkarätigen Musiker verwunderlich war. Das Line-up als auch das Programm hatte sich gegenüber dem Vorjahr verändert, so stand diesmal die „Diamond Dogs“-Platte im Vordergrund.

Neben Mastermind Mike Garson am Klavier und Piano, Carmine Rojas am Bass war noch Ex-Living Colour Sänger Corey Glover aus dem Vorjahr dabei. Als Gitarristen standen diesmal Kevin Armstrong (spielte unter anderem mit Bowie bei „Tin Machine“) und Gerry Leonard (spielte bei Bowie in „Heathen“, „Reality“ und „The Next Day“) in der Band, Alan Childs (tourte mit Bowie auf der „Glass Spider“-Tour) schwang die Drumsticks. Gesanglich wurde Corey Glover diesmal vom englischen Sänger und Songwriter Mr. Hudson und der Kanadierin Sass Jordan unterstützt, dass drei völlig unterschiedliche gesangliche Charaktere, den Songs die entsprechende und abwechslungsreiche Würze gaben.

Wie schon 2019 war der angekündigte Konzertbeginn auch der Start. Nachdem die Wartezeit mit Bowiesongs aus der Konserve verkürzt worden war, dunkelte sich die Halle ab, ein heller Spot erleuchtete ein Mikrofon mittig der Bühne und ein gesprochenes Intro „Future Legend“ vom Band waren eine passende Inszenierung zum Auftakt.

Mike Garson kündigte von vorne herein an, dass diesmal das „Diamond Dogs-Album im Vordergrund stehen würde, welches auch komplett durchgespielt wurde. Passend legte die Band auch mit dem Titelsong, gesungen von Corey Glover los, der sich gewohnt temperamentvoll, gekleidet mit einem kunterbunten Anzug, auf der Bühne austobte.

Durch die Performance der Band angesteckt ging das Publikum von Beginn an richtig mit, was mit Sicherheit auch einen Anteil an einem gelungenen Abend für alle Beteiligten hatte. Man konnte den Bowiemusikern jederzeit die Freude ansehen, die Songs zu präsentieren, wobei sich Leonard und Armstrong in der Leadgitarre abwechselten. Carmine Rojas und Alan Childs legten ganz unaufgeregt eine starke Rhythmusgrundlage und ließen in punkto Präsenz den anderen Musikern den Vortritt.

Mr. Hudson mit seinem roten Overall, glänzte mit seinen Gesangspassagen, die stimmlich denen Bowies sehr nahe kamen, während Sass Jordan mit ihrer raueen Stimmlage passend unter anderem „Rock’N‘ Roll With Me“ in ihrer ganz speziellen Art, rockend interpretierte.

Nachdem mit „Chant Of The Ever Circling Skeletal Family” das letzte Stück von “Diamond Dogs” ausgeklungen war, begann eine Zeitreise durch mehrere Jahrzehnte. Mr. Hudson schnappte sich eine akustische Gitarre und sorgte mit einer gelungenen Version von „Space Oddity“ für melancholische Momente, welche zum Ende hin aber durch brachiale Gitarrenriffs von Armstrong und Leonard durchbrochen wurden.

Sass Jordan am Mikrofon legte mit „Moonage Daydream“ direkt einen Kracher hinterher, dem Corey Glover das leicht funkig angehauchte „Young Americans“ folgen ließ. Mike Garson moderierte einige der Songs an, erzählte zum Teil auch etwas von der Entstehungsgeschichte und als er Erscheinungsdaten von 1973 nannte, wurde manch einem erst bewusst, welch lange Karriere Bowie hingelegt hatte und wie alt man mit dieser Musik selbst geworden ist. Garson, charmant wie er ist, beruhigte die Zuschauer damit, dass die meisten da ja noch gar nicht geboren wären.

Die Reaktion mancher Zuschauer, dass dies doch der Fall war, umschiffte er elegant damit, dass sie dann höchstens 3 Jahre alt waren. Überhaupt wurde einem an diesen Abend noch einmal klar, welche spielerischen Fähigkeiten Garson an den Tasteninstrumenten hat und dass er Bowie nicht umsonst in über 1000 Konzerten assistierte.

Nach Krachern wie „Ashes To Ashes“, „Panic In Detroit“, „Ziggy Stardust“ und „Suffragette City“ trug Mr. Hudson das hymnische „All The Young Dudes“ als zunächst letzten Track vor und die Band verließ die Bühne unter dem tosenden Applaus der Besucher. Jedem war klar, dass dies nicht das Ende gewesen sein konnte und so kamen nach kurzer Zeit Garson und Leonard alleine auf die Bühne.

Garson allerdings nur, um anzukündigen, dass Leonard nun allein „Loving The Alien“ und „Andy Warhol“ performen wird. Was dann folgte war ein furioser Auftritt Leonards, der seine Gitarre nach allen Regeln der Kunst im instrumentalen Teil von „Loving The Alien“ bearbeitete, um bei „Andy Warhol“ zu offerieren, dass er auch ein guter Sänger ist. Das folgende „Rock `n` Roll Suicide“ war dann das Einläuten eines furiosen Finales.

Garson beschrieb wie und unter welchen Umständen „Aladdin Sane“ aufgenommen wurde und dass Bowie ihn damals zu einem Klaviersolo in dem Song drängte. Nach einem kurzen Intro, gesanglich diesmal von Mr. Hudson unterstützt, entwickelte das Stück immer mehr Fahrt und endete in einem scheinbar endlosen Klavier- und Pianosolo, in das er einige Rockklassiker kurz eingebaut hatte, um im furiosen Finale, unter Standing Ovations der Fans im Freejazz zu landen.

Diesen für ihn musikalischen Freiraum nutzte Rojas, um sich unter die Zuschauer zu mischen und einige Bekannte zu begrüßen. Sichtbar dankbar nahm Garson den Applaus entgegen, um ganz kurz das Bowie-Lied anzukündigen, das wohl jeder kennt. Schon mit den ersten Tönen der Hymne „Heroes“ wurde das Zakk in ein sphärisches Licht getaucht, wobei die nun angestrahlte Diskokugel ihren Schein auf die gesamte Halle legte und dem Stück so etwas ganz Besonderes gab. Nach knapp 140 Minuten verabschiedeten sich die Musiker dann von der begeisterten textsicheren Audienz.

Dass diese Show etwas ganz Beeindruckendes für die Musiker war, konnte man auch daran erkennen, dass sich die Band, sichtlich gerührt, per Handschlag von den ersten Reihen verabschiedete.

Ein toller Konzertabend hatte so einen würdigen Abschluss gefunden und es bleibt zu hoffen, dass dieses Bandprojekt noch einen langen Zeitraum bestehen bleibt, um die Musik David Bowies authentisch live am Leben zu halten. Mein Dank geht an die Z Art Agency für die problemlose Akkreditierung und das nette Team im Zakk,

Line Up:
Mike Garson – Piano
Gerry Leonard – Guitar
Carmine Rojas – Bass
Kevin Armstrong – Guitar
Bernard Fowler – Vocals
Corey Glover – Vocals
Mr. Hudson – Vocals, acoustic guitar
Alan Childs – Drums
Sass Jordan – Vocals

Text und Bilder: Gernot Mangold

A Bowie Celebration
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Zakk Düsseldorf

The Wood Brothers – Kingdom In My Mind – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die Tonträger von The Wood Brothers zierten in der Vergangenheit einige geschmackvolle und ästhetisch ansprechende Cover. Das Titelbild von „Kingdom In My Mind“ hingegen sieht wie der dilettantische Gestaltungsversuch eines Photoshop-Anfängers aus. Ich wage schon jetzt die Prognose, dass es ein heißer Anwärter auf das schlechteste Cover des Jahres wird. Aber vielleicht erschließt sich mir dessen künstlerische Brillanz auch einfach nicht.

Anders als auf dem Cover fügen sich die unterschiedlichen Komponenten der musikalischen Beiträge zu einem stimmigen Ganzen zusammen. The Wood Brothers entwickeln einen eigenen Sound, der die einzelnen Songs verbindet, obwohl in diesen eine Vielzahl an Musikstilen durchscheinen. Insgesamt lässt sich das neue Werk ebenfalls wie das vorangegangene „One Drop Of Truth“, das 2018 als bestes Americana-Album für einen Grammy nominiert wurde, unter dieser Musikrichtung subsummieren.

Das Trio Oliver und Chris Wood sowie Jonathan Rix hat alle Titel gemeinsam geschrieben. Im Studio nahmen sich The Wood Brothers jedoch die Freiheit, spontanen Improvisationen freien Lauf zu lassen. „Kingdom In My Mind“ strotzt daher vor kreativen Einfällen, die jedoch zum Teil etwas gewöhnungsbedürftig sind. Einerseits finden sich mit dem Schunkler „The One I Love“ und der Ballade „Satisfied“ eingängige Stücke auf dem Album, auf der anderen Seite sind mit „Little Blue“ und „A Dream’s A Dream“ angejazzte Beiträge vertreten, die Gehörgänge und Nerven eher strapazieren.

Mit den mehrstimmigen Gesangspassagen wie bei „Little Bit Brocken“ scheint gelegentlich ein Gospel-Touch durch. Trotz komplexerer Songstruktur bleibt „Cry Over Nothing“ einprägsam und gehört neben der Uptempo-Nummer „Don’t Think About My Death” zu meinen Favoriten auf dem Longplayer. Dieser treibende Bluesrocker bleibt nicht zuletzt aufgrund des Textes im Gedächtnis.

Gitarre und Keys dominieren mit einem speziellen Klang das Werk, der die oft von Tempo- und Rhythmuswechseln geprägten Songs durchzieht. Die Keys von Jonathan Rix sind beim funky Blues „Alabaster“ besonders auffällig. Die vibrierenden Saiten beim Picking des Gitarristen Chrstopher Wood geben „Little Bit Sweet“ einen besonderen Drive. Bei „Jitterbug Love“ erhält die Gitarre einen swampigen Sound. Vor allem der Refrain erinnert dabei an den Longplayer „Graceland“ von Paul Simon.

Auf „Kingdom In My Mind“ finden sich einige extravagante Titel, bei denen The Wood Brothers mit ihrem speziellen Sound genau das Maß zwischen Tradition und Innovation treffen. Vor allem in der zweiten Hälfte des Albums gehen jedoch bei einzelnen Stücken die Spielfreude und die Kreativität zu Lasten der Songstrukturen.

Der CD durchgängig zu folgen, stellt daher eine Herausforderung für mich dar. Jemand, der gegenüber experimentelleren Spielarten des Americana aufgeschlossener ist, mag mehr Freude am Gesamtwerk haben. Ich werde mir eher die Rosinen herauspicken.

Honey Jar Records/Thirty Tigers (2020)
Stil: Americana

Tracks:
01. Alabaster
02. Little Bit Sweet
03. Jitterbug Love
04. Cry Over Nothing
05. Don’t Think About My Death
06. Little Bit Broken
07. The One I Love
08. Little Blue
09. A Dream’s A Dream
10. Satisfied
11. Little Blue (Reprise)

The Wood Brothers
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Bywater Call – 17.01.2020, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Vor knapp einem Jahr standen Samantha Martin & Delta Sugar auf der Rampe und lieferten einen bemerkenswerten Auftritt ab. Bywater Call hat dieselben Wurzeln: Beide Bands stammen aus Toronto, sind bei Gypsy Soul Records unter Vertrag und mit Teenage Head Music unterwegs. Musikalisch sind die Formationen mit ihrer Kombination von Blues, Rock und Soul ebenfalls auf einer Wellenlänge. Gemeinsam ist ihnen zudem, dass die Frontfrauen über grandiose Stimmen verfügen. Das gelungene Debütalbum von Bywater Call schürte zusätzlich die Erwartungen an das Konzert.

Pünktlich um 21 Uhr gingen die Scheinwerfer für Bywater Call an, was insofern bemerkenswert ist, da die Kulturrampe dank einer erfolgreichen Spendenaktion nun über eine neue Lichtanlage verfügt. Sämtliche Technik funktionierte einwandfrei, wobei die Aussteuerung des Sounds bei dem Gedränge des Septetts auf der Bühne sicherlich keine leichte Aufgabe war. Die Stimme von Meghan Parnell kam voll zur Geltung – nach Einschätzung mancher Konzertbesucher noch besser als auf der CD.

Das Publikum in der ausverkauften Location geriet unmittelbar in Schwingungen, als die Band mit „Arizona“ loslegte. Nach dem staubigen Bottle-Neck-Intro von Dave Barnes stieg die zierliche Frontfrau mit dem gewaltigen Organ auf die Bühne und nahm die Zuhörerschaft auf eine abwechslungsreiche Reise durch ihre musikalische Welt mit.

Auf der Bühne erwies sich Meghan Parnell als wahres Energiebündel, das ständig unterwegs war und Mitstreiter sowie Publikum fest im Griff hatte. Von der Bühnenpräsenz standen die anderen Musiker im Schatten der Sängerin, bekamen aber alle die Gelegenheit, ihr Können an ihren Instrumenten bei den immer wieder eingestreuten Soli zu beweisen. Den Anfang machten bei „This One’s On“ Alan Zemaitis an den Keys und Dave Barnes an der Gitarre.

Nach der Mischung aus Honky Tonk und Gospel bei „Gone At Last“ begann das bluesige „If You Want“ mit dem Saxophon von Julian Nalli und gipfelte dann in einer Schlagzeugeinlage von Bruce McCarthy. Der andere Bläser – Stephen Dyte an der Trompete – erhielt dann sein erstes Solo zum Einstieg in „Walk On By“. Der als erste Single ausgewählte Song stellte zusammen mit dem rockigen „Forgive“ den ersten Höhepunkt des Konzerts dar.

Im weiteren Verlauf des Abends coverten Bywater Call von The Band „Ophelia“ und „The Weight“ – mit ausgiebigen Bassläufen Mike Meusels eingeleitet – sowie „In The Right Place“ von Dr. John. Bei diesem hatten die beiden Bläser ein längeres Call And Response Intermezzo, das wie die Soli euphorisch von der Menge bejubelt wurde. Andere Stellen des Auftritts erinnerten an die Tedeschi Trucks Band oder The Commitments.

Neben den Covern stellten die Kanadier ein paar neue Titel vor. Bei „Sea We Swim“ spielte Meghan Parnell ihre Stimme erneut voll aus. Vor allem aber „I Remain“ ist ein Stück, auf dessen Veröffentlichung ich mich jetzt schon freue. Als langsamer Blues beginnend entwickelte das Stück eine ungeheuerliche Dynamik und steigerte sich zu einem bombastischen Finale.

Toll war auch „Silver Lining“ von dem aktuellen Longplayer. Von diesem performte die Band ebenso „Bring Me Down“ sowie eine rockigere Version – einschließlich Wechselgesang mit dem Publikum – von „Over And Over“, die mich mehr überzeugte als die Studioversion. Da eine Saite von Dave Barnes Gitarre riss, spielte er „Talking Backwards“ auf den verbliebenen fünf. Das tat dem klasse Rocktitel aber keinen Abbruch.

Mit diesem aufputschenden Ende des neunzigminütigen Hauptsets wollte sich das Publikum verständlicherweise nicht zufrieden geben. Die Band ließ sich auch nicht lange bitten und kam für die Zugabe schnell wieder auf die Bühne. Zuschauerrufe forderten „Hometown“, das eigentlich zu einem früheren Zeitpunkt auf der Setlist vorgesehen war. Die Ballade avancierte anscheinend nicht nur zu meinem Lieblingsstück des aktuellen Albums.

Der einzige Wehmutstropfen des Abends war, dass die Rufe nicht erhört wurden. Aber an dieser Stelle wäre der getragene Titel auch nicht passend gewesen. Das Konzert bot eine ausgewogene Mischung von langsameren und schnelleren Songs, bei der Bywater Call ein sehr gutes Gespür für die Dramaturgie bewies. So gab es abschließend das ebenfalls starke „Swing Low“ und das flotte, unveröffentlichte „Way I Am“, bei dem die Gäste nochmals eine ausgiebige Gelegenheit hatten, einen Gesangspart zu übernehmen.

Am Merchandise-Stand bildete sich eine Schlange von Autogrammjägern, die neben den frischen Eindrücken noch eine Trophäe mit nach Hause nehmen wollten. Die sieben Kanadier standen dann auch noch lange für Gespräche bereit und ließen so einen musikalisch hochkarätigen Freitagabend ausklingen.

Einen Vergleich mit dem letztjährigen Auftritt von Samantha Martin & Delta Sugar braucht Bywater Call nicht zu scheuen. Die hohen Erwartungen erfüllten die charismatische Meghan Parnell und ihre versierte Begleitung mühelos. Stellte sich im Vorfeld noch die Frage, ob die Band die Qualität ihrer Songs auf der Bühne umsetzen kann, lässt sich nun konstatieren, dass Bywater Call als Live-Act in der Lage ist, diesbezüglich noch eine Schippe drauf zu legen. Dieser Auftakt des Konzertjahres 2020 für SoS in der Kulturrampe legt die Messlatte hoch für die kommenden Gigs.

Line-up:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar,bgv)
Alan Zemaitis (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

Bywater Call
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Henrik Freischlader – 15.01.2020, Alte Molkerei, Bocholt – Konzertbericht

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Knapp ein Jahr, nachdem Henrik Freischlader letztmalig ein begeistert aufgenommenes Konzert in Bocholt abgeliefert hatte, kehrte er wieder in die ehrenamtlich, mit viel Liebe zum Detail geführte Alte Molkerei zurück. Entsprechend herzlich war der Empfang in der diesmal im Gegensatz zum Vorjahr etwas weniger besuchten Location, die dennoch gut gefüllt war.

Der Tag in der Woche kann ein Grund gewesen sein, aber auch, dass es seit dem letzten Jahr kein neues Songmaterial gegeben hat. Dies merkte Freischlader selbst zu Beginn des Konzertes an, beruhigte die Fans aber direkt, dass er einiges im Programm ausgetauscht hat.

Damit sollte er auch Recht behalten, es entwickelte sich ein Gig, der im Vergleich zum Vorjahr rauer daherkam, da er einige Songs aus der Triozeit wieder präsentierte. Zudem hielt er sich bei den Ansagen merklich zurück, was aber nicht bedeuten soll, dass er den Kontakt zum Publikum nicht suchte und auch fand.

Passend dazu war auch seine Werbung für die neu erschienen Liveplatte, die ein Mitschnitt eines gesamten Konzertes darstellt, wo er schmunzelnd erzählte, dass man bei den Ansagen vorspulen oder bei einer LP auf 45 stellen könne.

In den etwa 100 Minuten präsentierte Freischlader mit Band einen Querschnitt durch alle Schaffensphasen und begann mit „The Blues“, was dann auch für weiteren Verlauf Programm bleiben sollte.

Lieder wie das folgende „Lord Have Mercy“, wurden durch Saxofon und Keyboards aufgepeppt, ohne von ihrem rauen Charakter einzubüßen. Mit „Share Your Money“, griff er nur einmalig auf sein letztes Studio-Album zurück und hielt somit sein Versprechen, den Zuschauern ein neues Programm mit alten Songs zu bieten, was auch sehr gut aufgenommen wurde.

Gut gewählt waren auch die beiden Coversongs „Need Your Love So Bad“ von Peter Green und eine fulminante Version des Hendrix-Klassikers „Foxy Lady“.

Der Höhepunkt für mich war allerdings eine Extendet Version von „Bad Dreams“, was zuweilen psychedelische Züge annahm und in dem neben Freischlader, insbesondere Roman Babik an den Keyboards und Marco Zügner am Saxofon, mit ausufernden Soli glänzen konnten, wofür sie auch einige Male verdienten Szenenapplaus erhielten.

Unterstützt wurden sie dabei mit der wie immer zuverlässigen Rhythmussektion um Drummer Moritz Meinschäfer, der souverän, sichtlich gute Laune versprühend, seine Instrumente von zurückhaltend ruhig bis hin zu rasant wirbelnd bearbeitete und Bassist Armin Alic, der seinen Tieftöner immer wieder als belebendes Element einsetzte.

Henrik Freischlader und Band gelang es, die Besucher der „Alten Molkerei“ durch ihre Bühnenpräsenz zu begeistern, wobei auch merklich der Funke vom Publikum immer wieder auf die Band übersprang, dass sich ein für beide Seiten schöner Abend, gefüllt mit handgemachter Bluesmusik, ergab.

Nach dem Auftritt nahm sich Henrik noch Zeit zum Plausch mit den Besuchern in der Kneipe der Molkerei, welche sich als guter Gastgeber erwies, um Platten zu signieren, aber auch schon Karten für das Release-Konzert des neuen Albums, welches im Sommer erscheint, in der Wuppertaler Waldbühne zu verkaufen, wovon auch etliche Gäste Gebrauch machten.

Ein Dank noch einmal für die kurzfristige Akkreditierung durch Florence Miller mit ihrer Agentur und den herzlichen Empfang durch das Team der Alten Molkerei, die es geschafft haben, nur mit ehrenamtlicher Arbeit solch ein Kulturzentrum ins Leben zu rufen und ein vielfältiges Kulturprogramm in verschiedenen Genres anzubieten.

Line-up:
Henrik Freischlader (lead vocals, electric guitar)
Roman Babik (keys)
Armin Alic (bass)
Moritz Meinschäfer (drums)
Marco Zügner (saxophone)

Text+Bilder: Gernot Mangold

Henrik Freischlader
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Alte Molkerei Bocholt

Marcus King – El Dorado – CD-Review

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Gerade mal Anfang Zwanzig, bringt der aus Geenville, South Carolina, stammende Marcus King mit „El Dorado“, bereits schon das vierte Album auf den Markt.

Neu ist, dass er hier jetzt ganz unter eigener Fahne firmiert und die Musik noch stärker auf seine Vorstellungen fixiert zu haben scheint.

Dafür hat er sich mit dem Songwriter, Sänger und Gitarrist von The Black Keys, Dan Auerbach, zusammengetan, der die neuen zwölf Stücke in seinem eigenen Studio in Nashville, mit eingespielt und produziert hat. Auch mit dabei prominente Musiker wie u. a. Gene Chrisman (drums) und Bobby Woods (keys).

Im Prinzip, soweit ich die beiden anderen bisher hier reviewten Alben noch im Sinn habe, ist der größte Unterschied das Weglassen der Bläserelemente. Die Musik bewegt sich wieder in einem breiten Rahmen aus Country-, (Southern) Soul-, Gospel, R &B, Blues- und Rock-Ingredienzien, allerdings harmonisch ineinander greifend, umwittert meistens von ein gewissen Retro-Charme.

Getragen wird sie von Kings eigenwilliger, hell-raspeliger Stimme und seinem feinen Gibson-ES-E-Gitarrenspiel. Bei den countresken Sachen wie u. a. „Young Man Dream“, „Sweet Marionna“ , „Beautiful Stranger“ oder „Too Much Whiskey“ (ziemlich unverhohlen abgekupfert bei Charlie Daniels‘ „Trudy“) hört man die Pedal Steel wimmern, bei letztgenanntem kommt auch eine Harp zum Einsatz. Zuweilen finden auch retromäßige Streicher in ausgewählte Tracks („Break Me“, „No Pain“).

Ansonsten spielen (E-) Piano und Organ für die atmosphärische Note eine große Rolle, die Backgroundsängerinnen sorgen für einiges an Gospel- und Soul-Flair.

Richtig gerockt wird beim stampfenden „The Well“ (erinnert an die Band Of Heathens), „Say You Will“ (psychedelische Note, saustarkes E-Gitarrensolo) und „Turn It Up“ (hat was von den alten Free).

Mein persönlicher Favorit des Werks ist der wunderbare Blues-Schwofer „Wildflowers & Wine„.

Wie bereits erwähnt, passt alles sehr gut zusammen. Trotzdem hat man auf „El Dorado“ bei Marcus King, wie einst bei den Jägern nach dem Goldland in Südamerika,  noch den Eindruck eines Suchenden nach dem richtigen Weg.

Fest steht aber schon jetzt, dass ihm angesichts seines außerordentlichen Talents, eine goldene musikalische Zukunft bevorsteht. Wir werden ihn live demnächst in der Kölner Kantine anchecken, wo er am 05. März auftreten wird.

Fantasy Records (2020)
Stil: Blues Rock, Southern Rock, Country, Soul

01. Young Man Dream
02. The Well
03. Wildflowers & Wine
04. One Day She Is Here
05. Sweet Mariona
06. Beautiful Stranger
07. Break
08. Say You Will
09. Turn It Up
10. Too Much Whiskey
11. Love Song
12. No Pain

The Marcus King Band
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Oktober Promotion

Bywater Call – Same – CD-Review

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Review: Michael Segets

Was für eine Stimme! Meghan Parnell wird von der Fachpresse mit Grace Potter und sogar Janis Joplin verglichen. Auf dem selbstbetitelten Erstling von Bywater Call liefert die Sängerin eine ganz starke Leistung ab. Die mittlerweile zu einem Septett angewachsene Truppe wurde 2017 von ihr sowie Gitarristen Dave Barnes in Toronto gegründet und tritt nun an, Europa zu erobern.

In den niederländisch-belgischen Americana-Charts schoss das Album kurz nach Erscheinen in die Top-Ten. Bis Ende Februar tourt Baywater Call ausgiebig durch den alten Kontinent. Als dritter Termin steht am 17.01. ein Besuch in der Krefelder Kulturrampe an und am 22.02. kommt die Band nochmals in die SoS-Region, wenn sie im Dortmunder Blue Notez Station macht. Das Debüt lässt mitreißende Auftritte erwarten, wenn die unglaubliche Dynamik, die selbst die langsameren Songs entwickeln, auf die Bühne rüber gerettet werden kann.

Bereits der Opener „Arizona“ bekommt nach dem staubigen Gitarrenintro durch die beiden Bläser Stephen Dyte (Trompete) und Julian Nalli (Tenor-Saxophon) eine gehörige Portion Soul. Mit „Forgive“ geht es dann direkt flott weiter. Baywater Call lässt hier die guten alten Zeiten des Rock ’n Roll aufleben, wobei sich die Rhythmus-Sektion – Bruce McCarthy am Schlagzeug und Mike Meusel am Bass – richtig ins Zeug legt.

„Talking Backwards“ schlägt in die gleiche Kerbe, ist aber durch den raueren Gesang und die tolle Saxophon-Einlage sogar noch einen Deut interessanter. Nach diesem Highlight fährt Baywater Call das Tempo mit der siebenminütigen Ballade „Bring Me Down“ und dem souligen „Nightmare“ deutlich runter. Während beim erstgenannten Gesang, Bläser und Gitarrensolo gelungene Spannungsbögen entwickeln, fällt das zweitgenannte – auch im Vergleich zu den anderen Titeln der CD – etwas ab. Bei „Over And Over“ zieht Baywater Call nochmal das Tempo an und die Combo zeigt, dass sie auch funkige Töne beherrscht.

Die zweite Hälfte des Albums ist durch langsamere Songs geprägt, die einen allesamt packen. Unter diesen sticht das erdige und emotionale „Hometown“ besonders hervor. Aber auch die beiden Blues-Stücke „Silver Lining“ und die Single „Walk On By“ sind klasse. Bei dem abschließenden „Swing Low“ beginnt Meghan Parnell mit beinah zerbrechlicher Stimme, setzt dann jedoch ihr Organ wie bei den vorangegangenen Titeln kraftvoll ein.

Mit sanften Fingerläufen lässt Alan Zemaitis an den Keys den Longplayer ausklingen. Damit geht das frische Debütwerk der Formation aus Kanada zu Ende. Auch wenn sich im Mittelteil der eine oder andere Song findet, der nicht ganz das hohe Niveau des schmissigen Anfangs und des gefühlvollen Abschlusses hält, liefert Bywater Call einen sehr gelungenen Einstand ab.

Bywater Call hat mit der stimmgewaltigen Frontfrau Meghan Parnell und der Bläserabteilung Trümpfe, die die Band richtig ausspielt. Die Songs zwischen Blues und Rock erhalten so das richtige Maß an Soul und entfalten damit unterschiedliche Stimmungen, auf die man sich gerne einlässt.

Die Besprechung des Albums wurde durch Renan Yildizdogan von Gypsy Soul Records und durch Manny Montana von Teenage Head Music ermöglicht. Ihnen sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Gypsy Soul Records (2019)
Stil: Soul, Blues, Rock

Tracks:
01. Arizona
02. Forgive
03. Talking Backwards
04. Bring Me Down
05. Nightmare
06. Over And Over
07. Hometown
08. Silver Lining
09. Walk On By
10. Swing Low

Bywater Call
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Gypsy Soul Records
Teenage Head Music

New Nektar – 09.01.2020, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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In den Ankündigungen für das Konzert war sichtlich von Nektar die Rede. Wenn man aber das letzte Album „Megalomania“ von 2018 sieht, fällt ins Auge, dass die Band sich nun mit New Nektar benennt. Dies mag auch sinnvoll erscheinen, da 2016 mit Roye Albrighton das letzte verbliebene Gründungsmitglied verstorben war.

Von der damaligen Besetzung, die sich in der fortlaufenden Historie immer wieder änderte, ist jetzt nur noch Keyboarder Klaus Henatsch im Boot, der eine schlagfertige Truppe formiert hat, die nicht nur das Erbe der in den 70er Jahren gegründeten Progrockband verwaltet, sondern sich auch mit neuen Songmaterial weiterentwickelt hat, was sich dann auch im Laufe des Konzertes zeigte.

Mit der akademischen Viertelstunde Verspätung begann die Band, in einem, für einen Donnerstag-Abend gut gefüllten Yardclub, vor einem auch altersmäßig bunt gemischten Publikum, mit dem psychedelischen „Tab In The Ocean“ vom gleichnamigen, 1972 erschienen Album, wo sich zunächst Henatsch an den Keyboards in den Vordergrund spielte, bevor der Rest der Band mit einstieg. Der Anfang des Konzertes war mit Songs wie „King Of The Twilight“ oder „Desolation Valley“ ohnehin der Frühphase von Nektar gewidmet, in der die Band auch in Amerika ihre erfolgreichste Zeit hatte.

Kennzeichnend waren die psychedelische Untermalung durch das Keyboard, eine zuweilen treibende Rhythmusarbeit durch Heike Nolden, bestens gelaunt und dauergrinsend, am Bass und Norbert „Panza“ Lehmann an den Drums, sowie zum Teil furiose Gitarrenpassagen von Alex Hoffmeister, der gesanglich von Helen Landzettel und Sandra Kawka im Background unterstützt wurde. Durch die Heterogenität der Stücke mit Rhythmuswechseln, in denen sich ruhige wie auch harte Parts abwechselten, fühlte man sich mehrfach an die frühen Genesis erinnert.

In der Mitte des Konzertes folgte mit „Dr Kool“ ein Lied, wo die Bearbeitung des Jugendwahns durch Botox kritisch hinterfragt wurde. Nektar zeichnete sich ohnehin von den Texten her schon zu Anfangszeiten, immer als sehr kritisch zu gesellschaftlichen Problemen.

Darauf folgte dann für mich mit dem rockigen „Megalomania“ eines der Highlights der Show, dem mit „Selling The World“, dem einzigen Track, bei dem Keyboarder Klaus Henatsch den Leadgesang übernahm und „Where Do We Go To“, noch weitere Stücke des 2018er Albums „Megalomania“. Hier offerierte die Band, dass es sich nicht um das Verwalten alter Songs geht, sondern dass New Nektar sich mit dem Wechsel des Personals weiterzuentwickeln gedenkt.

Zum Ende des Gig legte das Sextett mit „Remember The Future Part 2“ noch einmal ein Kracher hin, wobei man es verstand, das Einstiegsriff und das Schlagzeug zu „Child In Time“ zu nutzen, um dieses dann immer wieder durch wilde, an Jimmy Hendrix erinnernde Gitarrensoli zu durchbrechen.

Nach einer langen Version „Man In The Moon“ von 1980 verabschiedete sich das Kollektiv dann vom Publikum. Wissenswert ist, dass zu den Zeiten, als der Song geschrieben wurde, ein gewisser Carmine Rojas, der danach unter anderem bei David Bowie, Rod Stewart, Joe Bonamassa und Ryan McGarvey den Tieftöner bediente, Bestandteil der Band war.

Durch frenetischen Zugabeforderungen animiert, betrat die Band dann noch einmal für den Zugabeteil die Bühne und schloss das Konzert passend mit „Good Day“ ab.

New Nektar bewies an diesem Abend in etwa 2,5 Stunden, dass alle Bandmitglieder vor Spielfreude strotzen und dass sie mit dem gelungenen Songwriting einen Bogen gespannt haben, der die alteingesessenen Sympathisanten nicht vergisst, aber auch neue Fans hinzugewinnen möchte. Man darf neugierig sein, wie es mit der Band weitergeht, die spätestens 2016 nach dem Tod von Roye Albrighton, dem auch ein Song gewidmet war, vor dem Ende stand, aber durch die Beharrlichkeit von Klaus Henatsch, der mit Alex Hofmeister einen passenden Ersatz fand, wiederbelebt wurde.

Dass die Geschichte weitergeschrieben wird, scheint sicher zu sein, da man zu jedem Zeitpunkt merkte, wie die Bandmitglieder aus der positiven Resonanz der Besucher Energie zogen, welche sich dann in ihrer Spielfreude entlud.

Ein besonderer Dank geht neben New Nektar für den schönen Abend, an Markus Neu vom Yardclub, sowie Mike Mouser von On Stage Promotions, für die, wie immer problemlose Akkreditierung.

Line Up:
Alex Hoffmeister: Guitar, lead Vocals
Heike Nolden: bass, violin, vocals
Norbert „Panza“ Lehmann: drums, vocals
Klaus Henatsch: Keys, vocals
Helen Landzettel: Vocals
Sandra Kawka: Vocals

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Yard Club Köln

Vanesa Harbek & Band – 10.01.2020, topos, Leverkusen – Konzertbericht

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Hatte im Bereich der CD-Reviews bei mir mit Betty Fox bereits eine Blondine den Auftakt vor einigen Tagen bestritten, fiel nun das ‚Ius primae noctis‘ auf Vanesa Harbek, die argentinische Blues-Queen. Diesbezüglich ist natürlich nur der erste abendliche Konzertbesuch des Jahres gemeint!

Die war schon, ähnlich wie vor knapp einem Jahr, mit ihren beiden etatmäßigen Mitstreitern Lukasz Gorczyca am Bass und Tomek Dominik an den Drums, im Rahmen ihrer, sich noch durch den gesamten Januar ziehenden Deutschland-Tour, wieder im urigen Leverkusener topos vorstellig.

Trotz ihrer letztjährigen guten Leistung hielt sich die Zuschauerresonanz, vermutlich mal wieder wegen des wirklich ungemütlichen Wetters, in einem sehr überschaubaren Rahmen. Nur recht wenige, aber auch einige Stammleser unseres Magazins, hatten sich vor der kleinen Bühne und um den Thekenbereich eingefunden.

Vanesa (hatte vom Outfit her die Netzstrumpfhose diesmal gegen eine signalrote Hose mit kniehohen Stiefeln eingetauscht, um den Hals hatte sie wieder u. a. ihre lange rote Perlenkette mit Kreuz, die sich zwischenzeitlich immer wieder auf den Body ihrer Gitarre legte) spielte sich zum Auftakt des zweiteiligen Sets mit dem Standard-Klassiker „Hideaway“ die Finger warm, um dann mit Tracks wie „Rooster Blues“, If You Love Me“, Something’s Got A Hold On Me“, identisch zum letzten Mal, in den Gig hineinzufinden.

Üblicher Bestandteil eines Vanesa Harbek-Konzerts ist natürlich auch, ihrer Heimat Tribut zu zollen, was im Anschluss mit „Vuelvo Al Sur“, einem Lied von Astor Piazzolla, der als Begründer des Tango Nuevo Berühmtheit erlangt hat, und „Vanesca Tango“ (beide mit spanischem Gesang), emotional belegt wurde.

Mit „Hell In Paradise“ wurde dann wieder in englischer Sprache mit einem Ex-Freund ‚abgerechnet‘, der Schunkler „Sitting On A Boat Dog“ und das shufflige „Killing Floor“ (schöner Schlagabtausch zwischen Vanesa und Lukasz im Instrumental-Bridge) beendeten die erste Dreiviertel-Stunde.

Nach der Pause, die für erste Merchandise-Aktivitäten und Getränkebestellungen genutzt wurde, ging es mit „Chitlins Con Carne“ (Bass-Solo Gorczyca) ruhig weiter, um dann aber mit „Pride & Joy“, in Rock’n’Roll-Manier, Gas zu geben.

„Te Extraño Buenos Aires“, „En El Abismo“ und später die bärenstarke Coverversion von „Oye Como Va“ bildeten einen weiteren lateinamerikanischen Part im zweiten Abschnitt. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass beim Umzug Vanesas von der argentinischen Hauptstadt in die deutsche nach Berlin, so ein wenig das dortige feurige Temperament auf der Strecke geblieben ist.

Mit das Highlight für mich persönlich war die brandneue Ballade „Big Love“ (aus der Feder von Lukasz Gorczyca), in der die schlaksige Blondine ein fulminantes E-Solo auf ihrer Stratocaster hinzauberte. Die Eric Clapton-Adaption „Further Up On The Road“ gab am Ende den geplanten Rausschmeißer.

Das Trio wurde aber nicht so einfach in den Feierabend gelassen und musste dann mit einer Klasse-Version von „Proud Mary“ (tolle Tempozunahme im Schlussbereich des Stückes) und dem Blues-Retro-Schunkler „Take A Look At Yourself“ in die Nachspielzeit.

Insgesamt ein ordentlicher Konzertauftakt 2020 mit der sympathischen und engagiert spielenden Vanesa Harbek Band (am Ende hatte die Protagonistin für jeden Anwesenden ein Ohr und ließ sich natürlich auch noch mit so manch rheinischer Frohnatur zusammen ablichten…) , der deutlich mehr Zuschauer verdient gehabt hätte.

Line-up:
Vanesa Harbek (lead vocals, electric guitar)
Lukasz Gorczyca (bass)
Tomek Dominik (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus
Video: Klemens Kübber

Vanesa Harbek
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topos Leverkusen

Dallas Moore – Tryin‘ To Be A Blessing – CD-Review

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Ein Musiker, der schon lange von unserer Klientel geschätzt wird, ist verdienter Maßen Dallas Moore. Ich habe in meinem Portfolio nur seine „High On Hog“-Scheibe aus dem Jahre 2002. Da bot sich in der, im Moment eher bemusterungsruhigeren Zeit, jetzt mal an, sein neuestes Werk aus dem Endquartal des letzten Jahres, „Tryin‘ To Be A Blessing“, zu beleuchten und dem Musiker damit, seinen wohl verdienten Platz in unserem Magazin zu sichern.

Die Scheibe dauert zwar leider nur 29 Minuten, ist aber mit neun herrlichen Songs voller Spielfreude bestückt. Produziert hat das Werk des Rauschebartträgers erneut der uns ebenfalls bekannte Dean Miller (Sohn von Country-Legende Roger Miller), der um Moore wieder exzellente Musiker wie u. a. Steve Hinson (pedal steel), Guthrie Trapp (electric guitar), Mark Beckett (drums), Jenee Fleanor (fiddle) und Gordon Mote gescharrt hat, die sich für den Protagonisten spürbar ins Zeug legen.

Trapp mit seinem vorzüglichen Bariton-Geknarze (viele ‚kleine‘ Soli und Fills) und Mote mit seinem unverwechselbar ‚klaren‘ Pianogeklimper (ich hatte mich noch garnicht mit den Musikern beschäftigt, da wusste ich im Prinzip schon, dass er mit von der Partie war), setzen neben Moores rauem Wohlfühl-Gesang (eine Art Mischung aus Bob Seger und Pirates Of The Mississippi-Fronter Bill McCorvey), die Hauptakzente.

Los geht es mit der launigen Uptempo-Hommage an seine Eltern „Mama & Daddy„, die beide erst vor nicht allzu langer Zeit verstorben waren und in ihrer Unterschiedlichkeit humorvoll von Dallas nachgezeichnet werden („…mama was a good-fearing woman, daddy was a hell-raisin‘ man, she had a bible in the kitchen, he had a bottle in his hand…“).

Der swampige, saucool gesungene Southern Rock-Schunkler „Della And The Dealer“ mit reißendem Slide ist genau der Stoff, wie wir ihn lieben. So ein typisches Endlos-Stück, an das man unzählige Strophen und Soli anfügen könnte, ohne, dass es einem langweilig wird – klasse. Ruhig und melancholisch wird es erstmals bei „Everything But You“, dem später mit „I Love You Woman“ (Slide im ABB-Stil) und „You Saved Me From Me“ zwei weitere behutsamere Tracks folgen.

Ansonsten dominiert fröhliches narratives Countrymusizieren mit viel Steel-Geleier und den typischen sonstigen Zutaten. Und am Ende bietet Moore mit einer famosen Countryversion von „Lodi“, John Fogerty, ordentlich die Stirn, wenn auch die Klasse dieses allerdings auch außergewöhnlichen Liedes nicht ganz erreicht wird. Trotzdem ein finales Highlight auf diesem durchgängig hörenswerten, immer mit einem unterschwelligen Outlaw-Flair daher kommenden Tonträger.

Am Ende möchte man direkt zum Player hinlaufen und sofort den nächsten Hördurchgang anschmeißen. Somit bietet „Tryin‘ To Be A Blessing“ eine knappe halbe Stunde feinster süffiger  Southern-Countrymusik, die es in sich hat. Chapeau Dallas Moore, willkommen im Club!

Sol Records (2019)
Stil: Country Rock

Tracks:
01. Mama & Daddy
02. Della And The Dealer
03. Everything But You
04. Tryin‘ To Be A Blessing
05. I Love You Woman
06. You Saved Me From Me
07. All I Need
08. Lovin‘ On Back Streets
09. Lodi

Dallas Moore
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Betty Fox Band – Peace In Pieces – CD-Review

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Kaum ist das vergangene Jahr vorüber und schon beginnt das neue wieder mit einer sensationell guten Scheibe. „Peace In Pieces“ heißt das dritte Werk der in Petersburg, Florida, ansässigen Betty Fox Band, die weder ich, noch vermutlich hier kaum irgend jemand anders, bis jetzt auf dem Schirm haben dürfte.

Die hübsche Blondine, mit einer der besten Stimmen, die ich bis dato im soulig-umwobenen Blues-Genre gehört habe, hat sich dazu in die berühmten FAME Studios in Muscle Shoals Alabama begeben, um 13 Eigenkompositionen und einen Gospel-Standard, in exquisiter Begleitung von Musikern wie u. a. Spooner Oldham (Neil Young, J.J. Cale, Jackson Browne), Clayton Ivey (Boz Scaggs, Gregg Allman, Toby Keith), Chris Peet, Barry Williams und Langzeit-Weggefährte Josh Nelms, einzuspielen.

Die beiden Letztgenannten zeichnen sich mit ihr auch für die feinfühlige Produktion (herrlich, wie hier die Instrumente ineinander verschmelzen und der Protagonistin die ‚Bühne‘ für ihren famosen Gesang bereiten) verantwortlich.

Die Stücke bewegen sich meist im relaxt bluesig-souligen Midtempo-Bereich, wo sich Betties Stimmvariabilität auch am besten entfalten kann. Ab und zu wird es mit Sachen wie dem Titelstück, dem shuffelnden „Feels So Good“ und dem swingenden „Rising Strong“ etwas temporeicher.

Manchmal kommt man bei Tracks wie u. a. „Magnificent Hallucination“ oder „Shattered Dreams & Broken Toes“ an Vergleichen mit Beth Hart nicht vorbei, mir persönlich gefällt Betties Stimme in der Bandbreite aber noch etwas besser.

Oldham und Ivey glänzen durch ihre bestens aufeinander abgestimmte songdienliche Tastenarbeit und auch die Bläserfrakton ist meist eher mit sanft plusternder Fillarbeit zugange, lediglich bei „Sweet Memories“ gibt es mal ein durch Brad Guin gespieltes Saxofon-Solo.

Die auffälligsten Akzente setzt neben der Protagonistin Gitarrist Josh Nelms, zum Niederknien seine Soli im southern-souligen Opener „Green Light„, bei „Peace In Pieces (herrlich quirlig) oder beim Überraschungssong des Albums „Fireflies“, wo Fox und Co. plötzlich einen acht-minütigen, Akustik-/E-Gitarren-gesteuerten Americana-Schwofer in bester Lucinda Williams-Manier einstreuen.

Am Ende zollt Fox noch mit dem Gospelstandard „‚Til The Storm Passes By“ ihrer amerikanisch-typischen Musikerziehung (Familie/Kirche) Tribut und gibt mit ihrer Stimme zu Orgel- und Pianoklängen eine letzte vokale Paradevorstellung ab.

Ich muss am Ende schon sagen, dass ich selten so schnell von einer weiblichen Stimme derart begeistert gewesen bin. Betty Fox und ihre exzellente Band liefern schon direkt zu Anfang einen ganzen heißen Kandidaten für das ‚Album des Jahres‘ ab.

Wer sich diese CD kauft, ist zweifelsohne ein schlauer Fuchs!

Eigenproduktion (2019)
Stil: Blues & More

Tracks:
01. Green Light
02. Winter’s Cold
03. Marie
04. Sweet Memories
05. Peace In Piece
06. Let Go Or Be Dragged
07. Runnin‘ Back To You
08. Feels So Good
09. Sweet Goodnight
10. Magnificent Hallucination
11. Shattered Dreams & Broken Toes
12. Rising Strong
13. Fireflies
14. ‚Til The Storm Passes By

Betty Fox Band
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