Stone Senate – Lucky Buzz – CD-Review

Stone Senate arrivieren momentan zur Southern Rock-Band der Stunde. Nach ihrem starken Konzert in der Krefelder Kulturrampe im Rahmen ihrer noch bis zum 21. Februar laufenden Europatour, habe ich jetzt auch das Vergnügen, ihre brandaktuelle CD „Lucky Buzz“ zu besprechen.

Und die kommt mit satten neuen 15 Songs daher, die eigentlich alles beinhalten, was das Herz des gediegenen Southern Rock-Liebhabers höher schlagen lässt. Bei der Band aus Nashville passt zur Zeit eigentlich alles. Sie haben mit Clinton Woolsey einen charismatischen Fronter mit ausdrucksstarkem Gesang (erinnert mit an Eddie Montgomery), der auch E-Gitarre spielen kann.

Selbst Drummer David Zettler hat auf der Bühne schon bewiesen, dass er auch das Frontmikro bedienen könnte, und Bassist Tommy Michael hat sich blendend in das Gefüge eingepasst.

Die beiden Gitarristen James Edwards und Ted Hennington bilden ein kongeniales Duo, das das große Einmaleins des Southern Rock-E-Gitarrenspiels prfekt beherrscht. Ein weiterer Vorteils des Kollektivs, indem augenscheinlich die Chemie zu stimmen scheint, ist das kreative Talent aller Beteiligten beim Songwriting, das sich dann auch in den verschiedensten Konstellationen bei der Tracklist mit ausschließlich starken und abwechslungsreichen Eigenkreationen widerspiegelt.

Die drei eröffnenden Tracks bedienen Freunde der etwas härteren, aber immer melodischen Gangart, Richtung Molly Hatchet, Rebel Pride, Preacher Stone & Co. Beim atmosphärischen Intro zu „Devil’s Water“ und auch im weiteren Verlauf des Stückes kommt Lynyrd Skynyrd-Keyboarder Peter Keys als Gast zum Einsatz.

Dass die Jungs aus Nashville auch durchaus ‚ruhig‘ können, beweisen Lieder wie „I Will Follow (True North)“, „Today I’m Breathing“, „Sleep Ain’t All I’m Gonna Miss“ und der Ohrwurm „This Ol‘ Cowboy“ (Marke Rambler), der mir schon beim Konzert angenehme Schauer bereitete.

Weiter Highlights sind das schön ‚dreckig‘ performte SR-Stück „Thief Of Joy“ mit herrlich reinkrachenden E-Gitarreneinlagen, das Melodic Rock-behaftete „For You“ und die klassischen Genre-Stampfer „Tryin‘ To Roll“ und „When It All Went South“. Den krönenden Abschluss bildet zurecht das atmosphärische „Seasons“, ein Song mit Klassiker-Potential.

Stone Senate haben zu Zeit einen echten Lauf. Mit dem von Toby Wright rau, aber transparent produzierten „Lucky Buzz“ ist ihnen ein echtes Southern Rock-Glanzstück gelungen. Absolute Kaufempfehlung, nicht nur für Genrefans.

Rollin‘ The Dice Records (2026)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Lucky Buzz
02. Outlaw
03. On My Way To Alright
04. Devil’s Water
05. I Will Follow (True North)
06. Thief Of Joy
07. Today I’m Breathing
08. Gimme That One To Me
09. Tryin‘ To Roll
10. Sleep Ain’t All I’m Gonna Miss
11. Words I’ll Never Say
12. For You
13. This Ol‘ Cowboy
14. When It All Went South
15. Seasons

Stone Senate
Stone Senate bei Facebook
Teenage Head Music

Walter Rootsie & His Blue Connection – People Talk – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Im Jahr 2005 vom niederländischen Songschreiber Walter “Rootsie” Hopmanns gegründet, verkörpert die Band eine bemerkenswerte Symbiose in Suomis Musikszene. Ein “Dutch Americana Heart” trifft auf gleichgesinnte, erfahrene Begleiter mit finnischer Roots Rock-Begeisterung. Zum Bandjubiläum ist mit “People Talk” ein neues Studiowerk erschienen.

Der unverkennbar Americana-Titeltrack bereitet zu Beginn den idealen Einstieg in den opulenten Song-Reigen und überrascht überaus mitreißend als Ohrwurm- Kandidat: ein Radio-Playlist “Wecker” für Frühaufsteher und Artverwandte. Im melodischen Charakter der Scheibe bringt “Pleased To Meet You” agile Country- Lebensfreude, die auch vor finnischen Tango-Einflüssen (“Eternal Love”) nicht Halt macht.

Geradeheraus souverän holt sich die Band die Hörer-Sympathien Stück für Stück auf ihre Seite. So wirken insbesondere die emotionalen Story-Balladen (“Empty Heart” bzw. “The Whole Time”) und die temporeichen Rock-Songs (z.B. “Gone, Gone, Gone” und “Depression”) in ihren vielseitig intensiven Melodie-, Harmonie- und Rhythmus-Strukturen als eigentliche Glanzstücke der langjährig eingespielten Formation.

Zu diesen Premium-Nummern zählt zweifelsohne neben dem Americana-Titel “You Kissed The Wrong Guy” vor allem der Country-Rock Song “We Both Know”, der in ausgeprägter Eleganz die Stilrichtung noch einmal kultiviert.

Selten erscheint ein Album, das in derart komprimierter Weise die Vielseitigkeit von Americana über Country, Rock bis hin zu Singer/Songwriter Einflüssen mit Outlaw- und Folk-Nuancen in 10 Songs verbindet. Nach den Vorläufern “Get Up And Go” und ”Dark Water” ist “People Talk” von Walter Rootsie and His Blue Connection erneut eine stilistisch vielseitige LP erschienen.

Wraf Records (2025)
Stil: Americana, Country

Tracks:
01. People Talk
02. Depression
03. The (W)Hole Time
04. Gone, Gone, Gone
05. Please To Meet
06. You Kissed the Wrong Guy
07. Empty Heart
08. Eternal Love
09. We Both Know
10. Old Love

Walter Rootsie & His Blue Connection
Walter Rootsie & His Blue Connection bei Facebook

Larry Fleet – Another Year Older – CD-Review

Ich bin auf Larry Fleet durch den Song „Baby We Do“ von seinem Debüt-Album „Working Hard“ gestoßen, ein Country-Ohrwurm, gewürzt mit einer ordentlichen Prise Southern Soul und gesungen von einer grandiosen Wohlfühl-Reibeisenstimme (wie eine Mischung aus Travis Tritt und Kenny Rogers).

Das zum Album gehörige Review übernahm der geschätzte Kollege Michael Segets, dessen Analyse man quasi 1:1 auch auf Fleets neues Werk „Another Year Older“ übertragen könnte.

Der von Jake Owen entdeckte Singer/Songwriter ist mittlerweile auf einem Independant-Label (EMPIRE) unterwegs, das sich die Förderung kulturell relevanter Musik, die die Persönlichkeit des Künstlers in den Vordergrund rückt, auf die Fahne geschrieben hat.

Dies trägt sicher dazu bei, dass er sich ganz auf seine Stärken konzentrieren kann: dezent melancholisches Storytelling, überwiegend verpackt in melodische Countrysongs mit Veranda-Charakter, ab und zu mal  etwas lebhafter, wenn er seine Passion für Soulmusik mit einfließen lässt.

Hitverdächtig in einer elf-stückigen Singleansammlung (da hat man wirklich die Qual der Wahl bei der Auswahl) sind für den patriotisch/gläubig gestrickten Ami sicherlich „Baseball On The Radio“, „Hotel Bible“ und „American Made„, das mit einem dezenten ‚Bruce Springsteen-/Bob Seger go Country‘-Esprit (typische Piano-Untermalung) daherkommt.

Meine Key-Tracks sind natürlich die Sachen, die wieder im southern-souligen „Baby We Do“-Stil angelegt sind. Da gibt es diesmal gleich drei Ohrwürmer an der Zahl zu vermelden:  „If These Walls Could Talk“, „Whoke Lotta Little Things“ und „Drunk Advice“, alle mit viel Piano, hallendem Organ und schönen E-Slide-oder Fill-Einlagen. Herrlich, einfach zum Reinlegen!

Am Ende ist Larry Fleet mit seinem fünften Longplayer  „Another Year Older“ wieder ein überaus eingängiges und melodisches Werk gelungen, das man zu jeder Zeit auflegen kann, wenn man mal entspannt abschalten möchte.

Ich freue mich schon jetzt darauf, ihn am 06. Mai live im Kölner Yard Club begutachten, beziehungsweise kennenlernen zu können.

Stellar Way Records / EMPIRE (2026)
Stil: Country, Soul

Tracks:
01. More Of That
02. Baseball On The Radio
03. Hotel Bible
04. If These Walls Could Talk
05. 5:25
06. Both Sides Of The Fence
07. Another Year Older
08. Whoke Lotta Little Things
09. Drunk Advice
10. If I Still Was
11. American Made

Larry Fleet
Larry Fleet bei Facebook
Lime Tree Music

Stone Senate – 06.02.2026, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Mit Stone Senate beginnt sich ein weiterer Teenage Head-Act, mehr und mehr in der Southern Rock-Szene zu etablieren. Nachdem ich sie vor drei Jahren erstmalig im Blue Notez Club in Dortmund gesehen hatte, wo sie heute Abend auch wieder antreten werden, bot sich die viel näher gelegene und geliebte Krefelder Kulturrampe, für einen weiteren Besuch förmlich an.

Das konstante Gerüst im aus Nashville stammenden Quintett bilden weiterhin der hünenhafte Fronter Clint Woolsey, die beiden starken Lead-Gitarristen James ‚Beau‘ Edwards und Ted Hennington sowie Drummer David “DZ” Zettler, die somit für eine gewisse Kontinuität stehen. Lediglich mit Bassist Tommy Michael gab es einen Wechsel zu vermelden, der sich aber nahtlos in das Kollektiv einfügte.

Die seit 2012 agierende Band steht für eine eher härtere Variante des Genres, was unter anderem auch mit dem Motörhead-Aufkleber auf Clint Woolseys-Gitarre plakativ unterstrichen wird.

Mit dabei hatten sie ihr brandaktuelles „Lucky Buzz“ (CD-Review folgt demnächst), das mit Stücken wie u. a.  „Lucky Buzz“, „Outlaw“, „On Mx Way To Alright“, „Tryin‘ To Roll“ und dem dezent countryesken und melodischen „This Ol‘ Cowboy“ (kein MTB-Cover ) bemustert wurde, Letzteres Stück kristallisierte sich als mein persönlicher Favorit des Abends heraus.

Die charismatische Präsenz des Fronters, eine gut harmonierende treibende Rhytmusfraktion und ein eingespieltes Gitarrenduo, das alles an typischen Spielarten gekonnt servierte, boten alles, was der passionierte Southern Rock-Liebhaber bei Gigs im Anforderungsprofil mit sich bringt.

Ansonsten gab es mit dem klassischen Opener „Down“, ihrer allerersten Single „Whiskey Helps“, „Hard To Stay Warm“, „Broken Pieces“ sowie einer zünftigen Version des Waylon Jennings-Klassikers „Ain’t Living Long Like This“ bekanntere Stücke.

Apropos Cover: Bei der eingeforderten Zugabe belohnten die fünf Protagonisten die trinkfreudigen Rampenbesucher mit „Beer Drinkers And Hell Raisers“ standesgemäß.

Mit Stone Senate hat Teenage Head Music ein weiteres Ensemble mit Zugkraftpotential im Portfolio, das die Weichen für die die Zukunft eindeutig in Richtung ‚Vorankommen‘ gestellt hat.

Line-up:
Clint Woolsey (lead vocals, electric guitar)
James Beau Edwards (electric guitar)
Ted Hennington (electric guitar, bgv)
Tommy Michael (bass)
David “DZ” Zettler (drums, bgv)

Text und Bilder: Daniel Daus

Stone Senate
Stone Senate bei Facebook
Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Various Artists – B.B. King’s Blues Summit 100 with Joe Bonamassa – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Tributes gibt es jede Menge. Dieser hier ist in mehrerer Hinsicht ein ganz besonderer. Er ehrt einen Künstler, der über 60 Jahre lang die Musikszene unabhängig von einem Genre entscheidend mitgeprägt hat: In jedem Blues- und vielen Rockmusikern steckt ein Stück B.B. King.

Initiiert von Joe Bonamassa, der auch als Produzent und musikalischer Mitstreiter dabei war, gaben sich über drei Dutzend Stars die Ehre. Als zwölfjähriger Knirps hatte Bonamassa („Er war mein Mentor“) 1989 als Vorband des Meisters auftreten dürfen.

Auch das ist nicht gerade gewöhnlich: Das opulente Werk mit 32 Songs wird anlässlich des 100. Geburtstags von Riley Benjamin King – der allerdings schon am 16. September war – am 6. Februar als Doppel-CD und Dreifach-LP erscheinen. Im Stream sind bereits jetzt zahlreiche Stücke erhältlich.

Der „King of the Blues“ wurde 1980 in die Blues Hall of Fame und 1987 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Er war nicht nur ein außergewöhnlicher Sänger, sondern auch ein großartiger Gitarrist. Sowohl 2003 als auch 2025 wurde er vom „Rolling Stone“ hinter Jimi Hendrix, Eric Clapton, Jimmy Page, Keith Richards und Jeff Beck auf Platz sechs der 100 besten Gitarristen gewählt. Man kann sich leicht ausrechnen, welch andere „Gitarrengötter“ er hinter sich gelassen hat.

Der Albumtitel spielt auf Kings LP „Blues Summit“ aus dem Jahr 1993 an, für das er einen von 15 Grammys gewann. Sein größter Hit, „The Thrill Is Gone“, mit dem der „Blues Boy“ 1969 auf Platz 15 der Billboard-Charts kam, ist natürlich auch vertreten: Chaka Khan singt, Eric Clapton bedient die Gitarre. Wie weit das Wirken und die Erfolge von B.B. King zurückreichen, der 2015 im Alter von 89 Jahren gestorben ist, zeigt „Three O’Clock Blues“. 1951 war er fünf Wochen lang die Nummer eins in den R&B-Charts; hier interpretiert von Marc Broussard.

Es ist müßig, alle Interpreten aufzuzählen. Ein Blick auf die untenstehende Liste genügt: Auf „Blues Summit 100“ ist das Who is who der Blues- und Rockwelt versammelt. Ein würdiges Andenken an einen ganz Großen!

Tracks:
Disc 1:
01. Paying The Cost To Be The Boss feat. Christone “Kingfish” Ingram
02. Don’t Answer The Door feat. Marcus King
03. To Know You Is To Love You feat. Michael McDonald, Susan Tedeschi & Derek Trucks
04. Let The Good Times Roll feat. Kenny Wayne Shepherd & Noah Hunt
05. Sweet Little Angel feat. Buddy Guy
06. When It All Comes Down (I’ll Still Be Around) feat. Larry McCray
07. When Love Comes To Town feat. Slash, Shemekia Copeland & Myles Kennedy
08. The Thrill Is Gone feat. Chaka Khan & Eric Clapton
09. Watch Yourself feat. Jimmie Vaughan
10. Why I Sing The Blues feat. Bobby Rush
11. Sweet Sixteen feat. Jimmy Hall & Larry Carlton
12. Don’t You Want A Man Like Me feat. Larkin Poe
13. I’ll Survive feat. Keb’ Mo’
14. Heartbreaker feat. Trombone Shorty & Eric Gales
15. There Must Be A Better World Somewhere feat. George Benson
16. Chains And Things feat. Gary Clark Jr.

Disc 2:
01. How Blue Can You Get feat. Warren Haynes
02. You Upset Me Baby feat. Chris Cain
03. Ghetto Woman feat. Ivan Neville
04. Night Life feat. Paul Rodgers
05. Ain’t Nobody Home feat. Jade MacRae & Robben Ford
06. Bad Case Of Love feat. Joanne Shaw Taylor
07. Never Make A Move Too Soon feat. Dion
08. Three O’Clock Blues feat. Marc Broussard
09. Think It Over feat. Train & Chris Buck
10. It’s My Own Fault feat. Kim Wilson
11. Every Day I Have The Blues feat. D.K. Harrell
12. Please Accept My Love feat. John Nemeth
13. So Excited feat. Aloe Blacc
14. When My Heart Beats Like A Hammer feat. Dannielle De Andrea
15. Playin’ With My Friends feat. Christone „Kingfish“ Ingram
16. Better Not Look Down feat. Kirk Fletcher

Joe Bonamassa
Joe Bonamassa bei Facebook
Mascot Label Group

Andreas Diehlmann Band – ADB Album Classics – CD-Review

Andreas Diehlm

Review: Hans-Joachim Kästle

Wir wollen uns ja nicht mit fremden Federn schmücken. Aber wenn etwas zutrifft, kann man gern wiederholen, was an anderer Stelle so ähnlich schon mal stand: Die Mannen der Andreas Diehlmann Band sind die besten Texas-Blues-Rocker, die nicht aus Texas kommen.

Nun hat Diehlmann die ersten drei Alben, die zwischen 2017 und 2019 erschienen sind, remastered, mit ausführlichem Booklet, fünf Bonustracks und einer Gesamtlaufzeit von 146 Minuten und 40 Sekunden neu aufgelegt. Natürlich kann man Vergleiche zu ZZ Top, Stevie Ray Vaughan oder Freddie King ziehen, aber eigentlich bedarf es keiner Vergleiche. Zu Diehlmanns Stärken gehört, dass er mit wenigen Ausnahmen nur Eigenkompositionen präsentiert.

„Way Down South“, der Eröffnungssong der ersten CD, beginnt mit einem Slide-Intro. Dann geht’s in die Sümpfe Louisianas, dort, wo der Swamp Rock zu Hause ist. Erinnerungen werden wach an Billy C. Farlow (falls den noch einer kennt), der als Mitglied von Commander Cody and his Lost Planet Airmen in den Siebzigern den Hit „Hot Rod Lincoln“ feiern konnte. Es folgt Peter Greens unverwüstliches „Oh Well“, bei dem die Band unterstreicht, dass in der Tat nicht mehr als drei Musiker für einen satten Sound nötig sind: Andreas Diehlmanns Gitarrenarbeit und sein markant-rauchiger Gesang, Volker Zellers brodelnder Bass und Tom Bonns treibendes Schlagzeug.

„Come On And Get It“ ist danach ein fulminanter Blues Rock. Mit „Hard Times“ schließt sich ein astreiner Blues an. Mit diesen vier Songs ist eigentlich schon alles über die musikalische Bandbreite der gesamten drei CDs gesagt: Kein Stück hört sich wie das andere an.

Zwei von insgesamt acht Fremdkompositionen gilt es noch zu nennen: Da ist zum einen Jimi Hendrix’ „Little Wing“ als Instrumentalstück und „Soulshine“, im Original von den Allman Brothers (der besten Band, die je aus den USA gekommen ist – so, das musste einfach mal gesagt werden).
Darauf einen Whiskey – oder auch zwei!

Mountain Meadow Studio (mms) (2026)
Stil: Blues Rock

CD 1 ADB
01. Way Down South
02. Oh Well
03. Come On And Get It
04. Hard Times
05. Opposites Attract
06. Rock Me Baby
07. Full Grown Man
08. Gonna Raise Hell
09. Gone
10. Rita
11. Hey Baby (Bonustrack)
12. Backdoor Santa (Bonustrack)

CD 2 Your Blues Ain’t Mine
01. Come On Into My Kitchen
02. Your Blues Ain’t Mine
03. I Don’t Wanna Lose You
04. I Don’t Know
05. Head Down Low
06. Little Wing
07. Going Home
08. Soulshine
09. Fucking Happy Blues
10. When I’m Gone (Bonustrack)

CD 3 Point Of No Return
01. You Are My Woman
02. Point Of No Return
03. Don’t Go
04. Long Forgotten Nightmare
05. Sweet Mama
06. Nothing But The Blues
07. King Bee
08. Deadman Walking
09. Here Comes The Rain
10. Nothing But The Blues (Bonustrack, Cigarbox Version 2025)

Andreas Diehlmann Band
Andreas Diehlmann Band bei Facebook
M2 Music

Jay Buchanan – Weapons Of Beauty – CD-Review

Review: Michael Segets

„Weapons Of Beauty” ist das Solodebüt von Jay Buchanan. Als Frontmann von Rival Sons dürfte er bekannt sein. Zuletzt trat er als Leader der Stone-Pony-Band im Film „Springsteen: Deliver Me From Nowhere“ in Erscheinung. Die Schauspielerei und das Showbusiness führten zu neuen Erfahrung und neuen Freunden.

Für das Schreiben der Songs zog sich Buchanan allerdings für drei Monate in die Abgeschiedenheit der Mojave-Wüste zurück. In einem Bunker ohne Tageslicht konzentrierte er sich ausschließlich auf seine Musik. Ryan Bingham handhabte es beispielsweise ähnlich mit seinem Ausflug in die Abgeschiedenheit („Watch Out For The Wolf“). Der Rückzug in die Einsamkeit und das Zurückgeworfensein auf sich selbst beflügelt ja zuweilen die Kreativität.

Entsprechend den Entstehungsbedingungen bleibt also kein Rockalbum zu erwarten. Die zehn Stücke sind zur Hälfte Balladen. Den anderen gibt Buchanan etwas mehr Tempo mit, ohne in die rockigen Sphären der Rival Sons hinüberzugleiten. Die Anordnung der Beiträge auf dem Longplayer überließ er dem Regisseur Scott Cooper, den er bei der Arbeit zum Springsteen-Film kennen und schätzen gelernt hatte. So ist ein Werk entstanden, dass tendenziell in eher ruhigen Bahnen verläuft, dennoch mit dynamischen Intermezzi eine gewisse Dramaturgie aufweist.

Buchanan verfügt über eine klare, kräftige Stimme, die vielleicht nicht besonders warm erscheint, mit der er jedoch in der Lage ist, Gefühl zu transportieren. Wenn er seinen Gesang langzieht, bekommen die Songs melodramatische Anflüge. Sie erinnern dann an Evergreens aus längst vergangenen Tagen wie die erste Auskopplung „Caroline“. Die Balladen wirken daher meist opulent und zeitlos. Buchanan arrangiert sie dabei aber durchaus unterschiedlich. Er arbeitet gelegentlich mit Slide („High And Lonesone“) oder unterfüttert sie mit Keys („Shower Of Roses“). Das mit einem Piano begleiteten Titelstück gehört dabei zu den besonders gefühlvollen Beiträgen.

Die Resultate überzeugen zumeist auch, wenn Buchanan das Tempo anzieht. „The Great Divine“ entwickelt beispielsweise einen schönen Drive. Höhepunkt des Longplayers ist in meinen Ohren „True Black“, das beinahe als Gospel durchgeht, auch wenn es ohne Chor auskommt. „Deep Swimming“ hat anfänglich etwas von Paul Simon. Bei „Dance Me Till The End Of Love“ legt Buchanan viel Soul in seine Stimme. Der Titel erscheint damit leichter als die anderen.

In den Texten geht es oft um eine Reflexion auf die Vergangenheit, Beziehungen, Verlust, Abschied und Weitermachen. Kreative Metaphern reichern die Lyrics an. Ein schönes sprachliches Bild findet sich auf „Tumbleweed“, den aus Westernfilmen bekannten, durch die Landschaft wehenden Steppenläufern. Eine Portion melancholischer Romantik schwingt nicht nur bei dem von Jeremy Lipkin gemalte Cover, sondern ebenso bei seinen Songs durchaus mit.

Beim ersten Hören hatte ich an manchen Stellen leichte Anlaufschwierigkeiten mit dem langgezogen Gesang. Je öfter die Scheibe durchgelaufen ist, desto mehr freundete ich mich auch mit diesen Passagen an. Insgesamt legt Jay Buchanan mit „Weapons Of Beauty“ ein überzeugendes Solodebüt als Songwriter vor, mit dem er einen anderen Weg einschlägt als mit seiner Band Rival Sons.

Sacred Tongue Records – Thirty Tigers (2026)
Stil: Americana

Tracks:
01. Caroline
02. High And Lonesome
03. True Black
04. Tumbleweeds
05. Shower Of Roses
06. Deep Swimming
07. Sway
08. The Great Divide
09. Dance Me To The End Of Love
10. Weapons Of Beauty

Jay Buchanan
Jay Buchanan bei Facebook
Thirty Tigers
Oktober Promotion

Marc Broussard – SOS V: Songs Of The 50’s – CD Review

Review: Hans-Joachim Kästle

So kann man natürlich auch ins Musikgeschäft einsteigen: Marc Broussards Vater Ted war Gitarrist der Fabulous Boogie Kings und ließ seinen Sprössling im zarten Alter von fünf Jahren mit seiner Band den Chuck-Berry-Klassiker „Johnny B. Goode“ singen. Und falls diese Geschichte nicht stimmen sollte, ist sie zumindest gut erfunden…

Der heute 42-jährige Marc, aufgewachsen in Louisiana, begann 2002 mit seiner Solokarriere, die bislang zwölf Studio-Alben umfasst, von denen immerhin vier in die Billboard Top 200 kamen. Seine musikalische Grundlage sind der klassische Rhythm & Blues und Soul, gewürzt mit Zugaben wie Rock ‚n‘ Roll und Blues – und seine dynamische Stimme.

Nun veröffentlicht er das fünfte Album der Benefiz-Reihe „Save our souls“ und das 13. Insgesamt. „Ich begann mit Coveralben, nachdem ich meinen ersten Major-Label-Vertrag beendet hatte. Als unabhängiger Künstler wollte ich Musik machen, die Gutes bewirkt“, erklärt Broussard seine Beweggründe. Bislang unterstützte er unter anderem ein Frauen- und Kinderschutzhaus oder ein Kinderkrankenhaus in Baton Rouge, Louisiana.

Die elf Tracks von „SOS V“ umfassen Songs aus den Fünfzigern – wie es der Titel schon sagt – und frühen Sechzigern und ein Original. Los geht’s mit „Halleluja I Love Her So“, dem Soul-Klassiker von Ray Charles von 1957, den Broussard so richtig zum Schwingen bringt. Genau das ist es ja, was die Interpretation dieser zeitlosen Oldies ausmacht, die schon mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel haben: Es muss zeitgemäß und modern klingen und einerseits Hörer ansprechen, die das Original kennen, und anderseits auch solche, die es vielleicht noch nie gehört haben.

Wie zum Beispiel das furiose „Lucille“, mit dem Little Richard, ebenfalls 1957, zum Siegeszug des Rock ’n‘ Roll beitrug. An seiner Seite hat Broussard die Southern-Rock-Legende Jimmy Hall (Wet Willie/„Keep On Smiling“), der jüngst mit der Allman Betts Family Revival Tour unterwegs war und auch schon mit Jeff Beck getourt ist. Wichtig natürlich auch: Es muss für musikalische Abwechslung gesorgt sein; es darf sich nicht alles nach Eintopf anhören.

Das ist ebenfalls gelungen. So steht unter anderem der leichtfüßige Nummer-eins-Pophit „Hey Baby“ von Bruce Channel – der Clou dabei: Damals wie heute spielt Delbert McClinton (85) die Mundharmonika – neben dem mit Streichern ausgestatteten unverwüstlichen Evergreen „Unchained Melody“, mit dem vor allem die Righteous Brothers in Verbindung gebracht werden, oder Fats Dominos fetzige Hymne „I’m Walkin’“. Kurz und bündig: Give it a listen!

India Media, Big Lake Music (2026)
Stil: Soul, Pop, Rock

Tracks:
01. Hallelujah I Love Her So
02. Dream Lover
03. Unchained Melody
04. Lucille featuring Jimmy Hall
05. Tell It Like It Is
06. I’m Walkin’
07. Hey Baby featuring Delbert McClinton
08. You Send Me
09. Stagger Lee
10. Baby Girl
11. Smile

Marc Broussard
Marc Broussard bei Facebook
JESS!PR

Blues Caravan – 25.01.2026, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Zum 20. Jubiläum schickt Thomas Ruf eine besondere Mischung von aufstrebenden Musikern seines Labels auf die Reise. Das Intro des Abends gestalten zunächst alle gemeinsam. Spannend ist, wie ELISE FRANK, MATTHEW CURRY und LAURA CHAVEZ ihre unterschiedlichen Stile miteinander verschmelzen lassen. Als Begleitband hat Thomas Ruf mit Denis Palatin an den Drums und Tom Germann am Bass zwei bekannte Gesichter und mit Lea Worms an den Keyboards ein neues Gesicht dabei. Am Rande sei erwähnt, dass diese Drei gemeinsam mit Sean Athens, der an dem Abend als Gast unter den Fans weilt, die Begleitband für Mitch Ryder bilden, der demnächst auch wieder auf Tour ist.

Danach kann die junge Französin ELISE FRANK in einem etwa 30-minütigen Set Werbung in eigener Sache zu machen. Unterstützt von Denis Palatin an den Drums, Bassist Tom Germann vergeht das Set wie im Flug. Abwechslungsreich streifen die Songs vom Blues ausgehend auch Folk und Country, insbesondere wenn sie zur akustischen Gitarre greift. Mit ihrem jugendlichen Charme und ihrer kräftigen Stimme nimmt sie von Beginn an die Fans mit. Bei einem Song kommt dann noch Laura Chavez hinzu, die neben Rhythmusarbeit noch ein knackiges Solo einfließen lässt.

Ohne Unterbrechung geht es dann weiter mit MATTHEW CURRY. Harte Gitarren Riffs, knackige Soli und seine hohe kräftige Stimme sorgen für Stimmung in der Bude. Er flechtet in den rockigen Blues nicht wenige Elemente von Americana und Southern Rock ein. Stark ist seine Interpretation von Lynyrd Skynyrds „Whiskey Rock-a-Roller“, wo auch Lea Worms am Piano, die nun auch wieder auf der Bühne steht, jedem Southern Fan das Herz aufgehen lässt. Auch hier sind die etwa 30 Minuten viel zu schnell um und man hätte wie schon bei Elise Frank gerne mehr gehört.

Nach einer kurzen Pause entert dann LAURA CHAVEZ die Bühne. Sie passt von daher in das Konzept, dass sie gerade ihr erstes eigenes Album veröffentlicht hat. Als Begleitmusikerin hat sie sich aber schon lange einen Namen gemacht. Sie zählt zu den besten Bluesgitarristinnen, und hat 2023 den Blues Music Award als beste Instrumentalistin-Guitar gewonnen. Im Gegensatz zu den beiden anderen ist ihr Set instrumental. Sie lässt ihre Gitarre sprechen und singen. Dabei entführt sie die Fans musikalisch vom Blues bis hin zu mexikanisch geprägten Rhythmen. Spannend ist, wie sie vom virtuosen ins rockige wechselt, dabei aber immer melodisch bleibt.

Gemeinsam beenden dann die Drei Musiker plus Begleitband den Abend und begeistern mit CCRs „Born On The Bayou“ mit Leadgesangs von Curry und „Under My Thumb“ gesungen von Frank die Fans. Knackige Soli von Chavez und Curry sorgen dabei für Szenenapplaus. Frenetische Zugabe Forderungen im gut gefüllten Musiktheater Piano sorgen dann noch einmal für weitere Zugaben. Mit einer fast mystischen Version von „Blue Jeans“ geht dann ein besonderer Abend zu Ende, an dem alle drei Musiker sich für weitere Konzerte empfohlen haben. Dass sie schon kurz nach dem Konzert am Merchstand standen und für Fotowünsche, Autogramme und Smalltalk zur Verfügung stehen rundet den harmonischen schönen Abend ab. Es mag das Gefühl des Moments gewesen sein, aber nicht wenige Besucher sind der Meinung, dass es einer der besten Blues Caravans gewesen ist.

Line-up:
Elise Frank (vocals, guitar)
Matthew Curry (vocals, guitar)
Laura Chavez (guitar)
Tom Germann (bass)
Denis Palatin (drums)
Lea Worms (keyboards)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Matthew Curry
Matthew Curry bei Facebook
Elise Frank
Elise Frank bei Facebook
Laura Chavez bei Facebook
Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Teresa James & The Rhythm Tramps – Bad At Being Good – CD-Review

Etta James – ja kennt man, mir Blues-Flegel ist sie zumindest vom Namen her geläufig. Bei Teresa James muss ich allerdings bis dato passen. Dabei hat die gebürtige Texanerin bereits ein gutes Dutzend Alben hinter sich und stellt mit „Bad At Being Good“ in Zusammenarbeit mit ihrer Band The Rhythm Tramps ihren nunmehr 14. Longplayer vor.

Wie sooft in den Staaten ist ihr das musikalische Talent durch Vater und Großvater in die Wiege gelegt worden, bereits mit fünf Jahren wurde der Grundstein für ihr fundiertes Pianospiel gelegt.

Seit den 80ern, wo sie sich dann im Umkreis von Los Angeles bewegte, ist sie musikalisch tätig und hat seither mit klingenden Namen wie u. a, Walter Trout, Spencer Davis, Tommy Castro, Stephen Bruton, Randy Newman, LeeRoy Parnell, Neil Diamond, Marcia Ball, Levon Helm, Lloyd Jones, Delbert McClinton, and Eric Burdon & the Animals  im Studio oder live auf der Bühne zusammengearbeitet.

Auch die involvierten Musiker ihrer Rhythm Tramps (u- a.  Dean Parks, Kevin McKendree, Paulie Cerra, Jay Bellerose), können eine edle Liste in Sachen Kooperationen aufweisen:  Joe Bonamassa, Eric Burdon & the Animals, Bonnie Raitt, Delbert McClinton, Jimmy Reed, Lightin’ Hopkins, Jimmy Vaughan, Johnny Nash, Smokey Robinson, Tom Jones oder Tower Of Power, um nur einige zu nennen.

Heimlicher Macher neben der Protagonistin ist Lebenspartner Terry Wilson, der hier als Hauptsongwriter, Bassist, Gitarrist, Backgroundsänger und als Produzent mit zusammen mit John Porter (Buddy Guy, Taj Mahal, Keb‘ Mo‘) maßgeblich die Fäden zieht.

Das neue Werk erfindet die Welt der Bluesmusik nicht neu, kommt aber trotz der Verwurzelung in traditionellen Strukturen mit einer schönen Unbekümmertheit und Schwerelosigkeit herüber. Somit klingt hier nichts altbacken, sondern ganz im Gegenteil, James & Co. stehen für Abwechslungsreichtum und besonders für spürbare spielerische Frische. In Verbindung mit ihrer tollen Stimme sorgt dies für viel Kurzweiligkeit.

Als Keytracks auf einem durchgängig unterhaltsamen Werk ohne Füller habe ich die wunderbare Southern Soul-Ballade „Is Anything Alright“, das stoneske „All About The Benjamins“ (schöner Song über die Gier nach immer Mehr), das Southern Rock-trächtige „Angel On My Shoulder“ (hätte gut auf das damalige Debüt der Rossington Collins Band gepasst), der Titelsong, der von seiner Machart, wie eine Bewerbung für den nächsten James Band-Film daherkommt, und der fluffige abschließende, vom mehrfachen Grammy-Gewinner Gary Nicholson geschriebene Rhythm’n’Blues-Rausschmeißer mit dem passenden Titel „Close Down The Blues Bar“.

Am Ende bleibt nach dem Hören von „Bad At Being Good“ kein Zweifel: Teresa James und ihre Rhythm Tramps sind ‚Good in being good‘! Die CD hört man genau so gerne durch, wie man sich durch das ansprechend dekorierte Getränkesortiment auf dem schönen Coverbild trinken würde…

MoMojo Records (2026)
Stil: Blues, Blues Rock, Southern Soul

Tracks:
01. Love’s A Full Time Job
02. Is Anything Alright
03. I Got This Thing
04. All About The Benjamins
05. Trouble In Paradise
06. Angel On My Shoulder
07. Treat Her Like You Want Her To Tread You
08. Bad At Being Good
09. Say What You Will
10. We Came To Rock
11. Anytime Is Alright
12. Close Down The Blues Bar

Teresa James & The Rhythm Tramps
Teresa James & The Rhythm Tramps bei Facebook