Don Ender – Southwards – CD-Review

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Der in der Rhein-Neckar-Metropole, sprich in Mannheim, ansässige und vermutlich auch dort eher bekannte Musiker Don Ender schickt sich jetzt mit seinem Debütalbum „Southwards“ an, auch überregional bekannt zu werden.

Und er setzt dabei ganz klar, wie der Titel seines Werkes auch schon suggeriert, auf die Karte Southern Rock. Auch wenn er dabei seine Herkunft, wie so oft üblich bei Scheiben aus deutschen Landen, die ich reviewt habe, zwar recht gut, aber nicht ganz kaschieren kann (Gesang, simple Texte), liegt er hier aber ganz weit oben im Rankingkompatibler Acts und weiß dafür besonders im musikalischen Bereich, vollends zu überzeugen.

Unterstützt haben ihn dabei die Drummer Frank Eichsberger und Olav Federmann (Track 5 und 7) und recht kräftig ein Bekannter unseres Magazins, Timo Gross, der sich sowohl beim Songwriting, der Produktion, als auch in Sachen Bass, Gitarren, Keyboards und Backgroundgesängen eingebracht hat.

Der überwiegende Teil der Tracks hat einen schönen treibenden Southern Blues-Rock-Charakter, immer dabei auch sehr melodisch, wobei Acts wie ZZ Top und die Allman Brothers („Stranded“, „Always By Your Side“), aber auch Sachen, die aus dem Dunstkreis von Gary Rossington stammen, hier sei vor allem sein typisch knarzend-fiepiges Les Paul-Spiel erwähnt, richtungsweisend gewesen zu sein schienen.

Nur zweimal beim westcoast-umwehten „Nothing’s Gonna Be The Same“ (mit Pfeiferei und Akustikgitarren) und dem abschließenden melancholischen „Coming Home“ wird es mal etwas besinnlicher.

Meine Favoriten sind aber die kleinen dreckigen kompromisslosen Southern Rocker wie „Miss You So Bad“, „Nothing’s Gonna Be The Same“, „Trouble“, „Nick Of Time“ (Intro erinnert an Skynyrds „Travelin‘ Man“) oder „Shackles On My Soul“, wo es Ender und Gross auf ihren Saiteninstrumenten richtig krachen lassen.

Insgesamt hat Don Ender mit „Southwards“ eine tolle, kurzweilige Scheibe (Timo Gross als kongenialer Partner natürlich nicht zu vergessen) kreiert, die die Begeisterung für die Sache sehr authentisch rüber bringt und vor allem, was in Southern Rock-Kreisen ja ein Muss darstellt, in den vielen, klasse gespielten Gitarrenparts, ihre große Stärke offeriert.

Im Jägerjargon würde man beim Begutachten dieser (musikalischen) Beute sicherlich von einen kapitalen 10-Ender sprechen. Oder einfach anders gesagt: Ender gut, alles gut!

Grand Cru Records (2019)
Stil: Southern Rock

Tracklist:
01. Stranded
02. Miss You So Bad
03. Something’s Got A Hold On Me
04. Nothing’s Gonna Be The Same
05. Bad Boy
06. Trouble
07. Nick Of Time
08. Shackles On My Soul
09. Always By Your Side
10. Coming Home

Don Ender
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Copper Smoke – It’s About Time – CD-Review

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Review: Michael Segets

Im deutschsprachigen Raum können sich in Sachen Roots Rock nur wenige Musiker mit den amerikanischen Referenzpunkten messen. Markus Rill, die Schweizer Reto Burrell und Hank Shizzoe kommen da spontan in den Sinn. Mit Copper Smoke meldet sich nun ein Quintett aus Würzburg zurück, das im letzten Jahr in Country-Kategorien beim Deutschen Rock und Pop Preis ausgezeichnet wurde.

Sporen verdiente sich Copper Smoke ebenfalls als Support für Micky & The Motorcars sowie für The Captain Legendary Band. Nach der EP „The Guns Are Loaded“ (2012) und dem Debüt-Album „Second Chance“ (2014) veröffentlicht die Band jetzt acht Eigenkompositionen auf „It’s About Time“.

Die Songs stammen aus der Feder des Frontmanns Frank Halbig. Einzig „Long Way Home“ hat Gitarrist Dieter Engelhardt komponiert. Der Opener stellt ein erstes Highlight des Albums dar und erinnert stellenweise an Todd Thibaud. Das Songmaterial folgt genretypischen Mustern, wobei die wiedererkennbaren Refrains positiv hervorzuheben sind.

Schön aufgemacht sind das Digipack und das Begleitheft, in dem sich die Texte finden. Bis auf zwei Ausnahmen drehen sich die Titel um Beziehungsthemen. Das Älterwerden greift „Little More Tired (Little Less Wild)“ auf. Wie auch auf anderen Songs sorgt hier die Orgel von Jobst T. Braun für einen vollen Sound. Sozialkritische Töne schlägt Copper Smoke bei „Bullets, Tanks And Guns“ an.

Der Grundtenor der CD bewegt sich in gemäßigt rockenden Gefilden. Dieter Engelhardt steuert sowohl bei den kraftvollen Tracks („What If“) als auch bei den sanfteren („Bright Lights“) filigrane Gitarrenpassagen bei. Stärkster Rocker ist die erste Single „The Devil Makes Me Think Of You“. Unter den langsameren Stücken sticht „Broken Dishes” hervor. Gelungen ist auch der twangige Ausflug in den Country bei „Adeline“.

Mehrstimmiger Backgroundgesang, an dem sich auch Horst Metz (Bass) und Christoph Amann (Schlagzeug) beteiligen, unterstützt Sänger Frank Halbig auf einigen Songs. Bei der Abmischung steht stets die Stimme des Frontmanns im Vordergrund, was mir gefällt. Die einzelnen Beiträge der gut gespielten Instrumente sind deutlich getrennt, was vielleicht an der einen oder anderen Stelle auf Kosten eines organischen Gesamtsounds bei den jeweiligen Stücken geht.

Insgesamt beweist Copper Smoke, dass Roots Rock keine nationalen Grenzen kennt. Mit „It’s About Time“ zeigen die Franken, dass auch aus Deutschland ernstzunehmende Genrebeiträge stammen können.

Eigenproduktion/Timezone Records (2019)
Stil: Roots Rock

Tracks:
01. Long Way Home
02. What If
03. Adeline
04. Brocken Dishes
05. The Devil Makes Me Think Of You
06. Bright Lights
07. Little More Tired (Little Less Wild)
08. Bullets, Tanks And Guns

Copper Smoke
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Timezone Records

Ned LeDoux – Next In Line – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Schon mit dem Albumtitel seines zweiten Longplayers „Next In Line“ lässt Country-Musiker Ned LeDoux keinen Zweifel daran, welches musikalische Erbe uns erwartet: Er ist als „nächster in der Reihe“ und meint damit die musikalischen Stiefel seines Vaters Chris LeDoux, der über 30 Jahre lang im Musik-Business aktiv war (inklusive 30 LP-Veröffentlichungen). Die Country-Musik liegt eindeutig im Blut und verpflichtet, die Familientradition fortzusetzen.

Seit 1998 spielte Ned als Drummer bei „Western Underground“, der Begleitband seines Vaters, und spürte den „Stallgeruch“ der Country-Szene, wie er es beschreibt: „Once I got the taste oft he road, and being in front of a crowd and just the sound of it, it was…freedom.“

Nach seinem erfolgreichen Debüt „Sagebrush“ (2017) bringt der mittlerweile 42-jährige aus Kaycee, Wyoming, nun sehr persönliche Geschichten und Erfahrungen in das neue Album ein. Viele Songs der LP handeln von den eigenen Country-Roots und den Personen, die ihn als Vorbilder geprägt haben. So widmet LeDoux in familiärer Verbundenheit gleich mehrere Songs seinem Großvater („Worth It“), seinem Bruder („A Cowboy Is All“) und natürlich seinem Vater („Homegrown Western Saturday Night“).

Besonders seine Jahre als Drummer von „Western Underground“ haben die Songauswahl für „Next In Line“ beeinflusst. Ned LeDoux wollte Tempo-Songs, die er selbst gerne am Schlagzeug spielen würde. An seiner Seite ist wieder der erfahrene Produzent Mac McAnally, mit dem Ned bereits das Vorgängeralbum eingespielt hat.

Der erste Song „Old Fashioned“ ist so ein Stück über seine Vergangenheit:„This song pretty much describes where I came from and the lessons I learned growing up that I still carry on to this day.“ Diese Begeisterung aus den Anfangsjahren hat sich Ned erhalten und die Tracks spiegeln durchweg einen bodenständigen Sound, wie z.B. das mit flinker Fiddel und famoser Lap-Steel Begleitung intonierte „Dance With You Spurs On“. Auch der folgende Titelsong „Next In Line“ vermittelt diese, glaubwürdige Atmosphäre einer unkomplizierten Country-Hymne, die in ihren Lyrics die eigentliche Intention des Songwriters deutlich macht.

Der Radio-Chart-Hit des Albums ist „Where You Belong“, ein Up-Beat-Song im Heartland-Rock-Charakter, und ebenfalls ein Stück, das seine Heimatliebe zum Ausdruck bringt. Auf „Just A Little Bit Better“ spielt LeDoux zusammen mit Produzent Mac McAnally, der neben Chris Stapleton als Songwriter gewirkt hat. Für einen Cover-Song wagt sich Ned an John Fogertys „Almost Saturday-Night“ und liefert eine klassische Country-Version des alten Rock-Krachers ab.

Mit einer ausdrucksstarken Hommage an seinen 2005 verstorbenen Vater beendet Ned LeDoux „Next In Line“ und punktet insgesamt durch seine überzeugende und natürliche Mentalität. Auf dem langen Weg zu musikalischen Ehren ist „Next In Line“ ein weiterer, großer Schritt und zeigt den starken Willen ein besonderes Erbe anzutreten – ein ehrgeiziges Ziel… für den nächsten in der Reihe.

Powder River Records (2019)
Stil: Country, New Country

Tracklist:
01. Old Fashioned
02. Worth It
03. Dance With You Spurs On
04. Next In Line
05. A Cowboy Is All
06. Where You Belong
07. Travel Alone
08. Path Of Broken Dreams
09. Just A Little Bit Better (feat. Mac McAnally)
10. Almost Saturday Night
11. Great Plains
12. Chris LeDoux Intro
13. Homegrown Western Saturday Night

Ned LeDoux
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Oktober Promotion

Blues Night – Leverkusener Jazztage – 07.11.2018, Leverkusen, Forum – Festivalbericht

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Kaum zu glauben, aber die Leverkusener Jazztage feiern dieses Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum. Eine Veranstaltungsreihe, die sich über die Zeit einen großen Nahmen gemacht hat und aus dem Musikkalender auch für den WDR-Rockpalast nicht mehr wegzudenken ist. Großartige Jazzmusiker haben hier in den Jahren ein Gastspiel abgeliefert, aber auch andere Musiksparten wurden in die Jazztage integriert. So stellt auch die Blues Night einen festen Bestandteil dar, die auch wieder vom Rockpalast aufgezeichnet wurde und am 25.11.2019 von 00:45 – 4:15 Uhr ausgestrahlt wird. Das Programm hatte es in sich und es verdient in dieser Form festgehalten zu werden.

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Pünktlich, wie im Programm angekündigt, wurde die erste Band vorgestellt und Eamonn McCormack betrat mit seinen beiden jungen Bandmitgliedern Edgar Karg am Bass und Max Jung-Poppe an den Drums die Bühne des gut gefüllten Forums. Der mittlerweile 57-jährige Gitarrist aus Dublin mag für viele ein unbeschriebenes Blatt sein. Dass es sich aber um einen großartigen Blueskünstler handelt, bewies er schon in der Vergangenheit, als er mit Größen wie Rory Gallagher, Nils Lofgren, aber auch unter dem Pseudonym Samuel-Eddy für ZZ Top und Robert Plant, Konzerte eröffnete.

Seine „Liebe“ zur Musik von Rory Gallagher, war während der ganzen Show erkennbar, was auch an den gemeinsamen irischen Wurzeln liegen mag. In den 30 Minuten, die ihm zur Verfügung standen, lieferte er mit seinen Jungs einen starken Blues Rock-Auftritt, der auch beim Publikum entsprechend ankam. Den Beginn bestritt er mit „From Town To Town“ vom aktuellen Album „Like There’s No Tomorrow“, in dem er seine eigene Reise als Musiker von Dublin bis nach Memphis beschreibt. Die folgenden Lieder, „Down And Out“, „Funkytown“ und „Heal My Faith“, alle mit treibender Rhythmussektion und hart gespielten Soli im Stile Gallaghers, mündeten schließlich in „Falsely Accused“, in dem auch Rory mal als Gastmusiker seinen Anteil hatte, aber alle aus der Feder McCormacks stammten.

Fast logische Konsequenz war, dass zum Abschluss des Auftritts mit „Shadow Play“ ein Song von gecovert wurde, der scheinbar wie ein Schatten über die Bühne geschwebt war. In einem Gespräch mit McCormack und Jung-Puppe nach dem Konzert, schilderten diese noch einmal die besondere Atmosphäre der gut besuchten Show und die daraus resultierende Spielfreude, die ihnen aber auch zu jedem Moment des Konzertes anzumerken war. Nach der Show nahm sich McCormack ausgiebig Zeit, um am gut besuchten Merchandising-Stand den Fans, von denen er an diesem Abend mit Sicherheit einige hinzugewonnen hatte, zur Verfügung zu stehen.

Line-up Eammon McCormack:
Eamonn McCormack (lead vocals, electric guitars)
Eddy Karg (bass)
Max Jung Poppe (drums)

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Nach einer kurzen Umbauphase, an dieser Stelle kann schon einmal die gut geplante Organisation hervorgehoben werden (die Sets begannen fast minutengenau wie geplant), wurde dann die Kris Barras Band angekündigt. Die Briten legten gleich, mit „Ignite (Light It Up)“ und „Counterfeit People“ los wie die Feuerwehr. Der Beginn war somit identisch mit einem Konzert, vor einigen Wochen in Dortmund, was aber auch nicht verwunderlich ist, da der Auftritt praktisch im Rahmen der eigenen Tour stattfand und der junge Brite auch erst sein zweites Album herausgebracht hat. Für den heutigen Abend hatte er danach aber dann einige Songs ausgetauscht.

So brachte er mit „I Got Time“ ein Stück mit einem gehörigen Southern-Flair auf die Bretter. Mit „What You Get“ und „Vegas Son“ folgten noch einmal zwei krachend vorgetragene Tracks des aktuellen Werks, bei denen der am Bass wild posende Elliott Blackler und Billy Hammett an den Drums, wie ein Derwisch spielend, eine Basis legten, die Josiah J. Manning mit zum Teil virtuosen Keyboardspiel füllte. Einer der Höhepunkte eines starken Konzertes folgte dann mit „Watching Over Me“, einer Hommage an seinen Vater, bei der Barras sich in Soli sprichwörtlich die Seele aus dem Leib spielte, um in einem Moment scheinbar in sich gekehrt in Richtung Himmel zu zeigen, von wo aus sein Vater, dem Titel des Liedes nach, ein Auge auf ihn wirft.

Bluesig bis hart rockend ging es dann mit „Not Fading“ weiter, um mit „Devil’s Done Right“, Blues und Boogie im Stile von ZZ Top zu performen.
„Lovers Or Loosers“ leitete Manning mit einem psychedelischen Keyboard-Intro ein, in das Barras dann südstaaten-ähnlich seine Gitarre einspielte um kurz vor dem Finale etwas Dampf aus dem Kessel zu nehmen. Ähnlich, mit starken Slide Einlagen, folgte als erste Zugabe mit „Hail Mary“ ein Song, der auch Südstaatenrockern gut zu Gesicht gestanden hätte.

Das Finale Furioso war dann eine scheinbar nicht endende Version von „Going Down“, mit furiosen Gitarrensoli, Bassläufen, krachenden Drums und zünftigen Keyboardeinlagen. Nach etwa einer Stunde verabschiedete sich dann eine bestens aufgelegte Kris Barras Band von begeisterten Publikum. Es ist erstaunlich, mit welcher Bühnenpräsenz der junge Brite, der erst wenige Jahre im Musikgeschäft ist, einen Draht zum Publikum herstellt und auch jedem seiner Mitstreiter die Räume gibt, sich zu präsentieren, sodass der Name ‚Band‘ in diesem Fall absolut zutreffend ist. Wie McCormack nahm sich auch Barras nach dem Konzert ausgiebig Zeit für die Fans, die zahlreich am Merchandising-Stand warteten.

Line-up Kris Barras Band:
Kris Barras (lead vocals, electric guitar)
Elliott Blackler (bass, vocals)
Josiah J. Manning (keys, vocals)
Billy Hammett (drums)

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Um 21:45 betrat dann der Main-Act, Kenny Wayne Shepherd, diesmal im Vergleich zum Konzert im Sommer mit Beth Hart, mit „Bigband“ die Bühne. Zur bekannten Besetzung mit Noah Hunt (guitar, vocals), Scott Nelson (bass), Joe Krown (keyboards) und Chris Layton (drums) gesellten sich an diesem Abend noch Joe Sublett (saxophone) und Mark Pender (trumpet) hinzu. Diesmal ergänzte Shepherd die Setlist um einige Songs, da ihm als Headliner ein größerer Spielraum gegönnt wurde.

Nach einem dramaturgischen Intro vom Band mit Bandvorstellung ließ Shepherd in dieses tiefe Töne seiner Gitarre klingen, sodass man diese scheinbar am Körper spüren konnte, um dann mit „Woman Like You“ die Show zu eröffnen. Durch die Bläsersektion wurde der Sound noch voluminöser als er ohnehin schon war. Nachdem ein sichtlich gut gelaunter Protagonist das Leverkusener Publikum begrüßt hatte, legte er den von Neil Young geschriebenen Buffalo Springfield-Klassiker „Mr. Soul“ in einer harten bluesrockigen Version nach.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt hatte die Band die Fans hinter sich gebracht. Neben dem wie gewohnt starken Gitarrenspiel Shepherds, konnte auch Noah Hunt gesanglich voll überzeugen. Im weiteren Verlauf unterstützte er Shepherd, der dann auch in vielen Songs den Leadgesang übernahm, sowohl an der elektrischen als auch der akustischen Gitarre. Über die spielerische Klasse Laytons an den Drums Worte zu verlieren erübrigt sich. Diese bewies er schon an der Seite von Stevie Ray Vaughan in Band sowie Storyville oder Arc Angels, etc. und bot Shepherd zusammen mit Scott Nelson, der den Bass auf den Punkt brachte, die Grundlage, sich in vielen der Songs an der Gitarre auszutoben, was er beim knüppelhart performten „Long Time Running“ auch entsprechend tat.

Bei „I Want You“ hatte dann Keyboarder Joe Krown seinen ersten ganz großen Auftritt mit einem überzeugenden Honkytonk-Solo. Ganz stark das folgende „Diamonds & Gold“ mit treibenden Rhythmus, einer fast singenden Gitarre Shepherds und starken Rhythmusspiel von Hunt, der sich dazu die Gitarre umgeschnallt hatte. Hervorzuheben auch der wechselweise Gesang der beiden Genannten. Beim Elmore James-Cover „Talk To Me Baby“ wurde es dann richtig bluesig und Joe Sublett am Saxofon und Mark Fender an der Trompete sorgten für regelrechtes Bigband-Feeling, was das Publikum sichtlich begeisterte.

Mit „Heat Of The Sun“ und „Down For Love“ wurde es etwas ruhiger und leichtes Southern-Luft erfüllte das Forum, welches sich bei „Turn To Stone“ fortsetzte und nur durch den Slowblues „Shame, Shame, Shame“ (natürlich mit brachialem Gitarrensolo endend) kurz unterbrochen wurde. Darauf verließ die Band die Bühne, um nach frenetischem Applaus, für insgesamt drei Zugaben noch einmal zurückzukommen.

Das Southern-lastigen „Blue On Black“, wieder mit starken Soloeinlagen Shepherds, sowie das treibende „I’m A King Bee“ (toller Gesang von Noah Hunt) leitete dann ein furioses Finale ein. In einer ausgedehnten Version des Jimi Hendrix-Klassikers „Voodoo Child (Slight Return)“ entfachte Shepherd brachiale Soli, die er bildlich in Richtung Publikum abfeuerte. Seine furiose Bläsersektion, Krown mit Soloeinlagen am Keyboard und die stampfende Rhythmussektion um Layton und Nelson, erstürmten die Halle regelrecht. Das danach nichts mehr kommen konnte, war eigentlich jedem klar.

Line-up Kenny Wayne Shepherd:
Kenny Wayne Shepherd (electric guitar, vocals, lead vocals)
Noah Hunt (lead vocals, electric and acoustic guitar, percussion)
Joe Krown (keys)
Scott Nelson (bass)
Chris Layton (drums)
Joe Sublett (saxophone)
Mark Pender (trumpet)

Fazit: Dem Team um Fabian Stiens ist es gelungen, hochkarätige Künstler für diesen Abend zu gewinnen, die, auch wenn der Blues verschieden interpretiert wurde, gut zusammen passten. So kam es nicht zu Brüchen im Festival. Auffallend war ein sehr präsentes, immer zuvorkommendes Team, was einen fast familiären Charakter entstehen ließ. Einen großen Anteil an der gelungenen Veranstaltung hatten natürlich auch die bestens aufgelegten Künstler und ein Publikum, das sich durchaus anspornend auf die Musiker auswirkte. Ein Lob auch an die Soundtechniker, die einen gut differenzierten Sound in die Halle brachten und die Lichttechniker, die mit abwechslungsreichen Effekten, auch optisch unterstützten.

Ein Dank an Shooter Promotions und Fabian Stiens für die Akkreditierung und die Möglichkeit sich zum Fotografieren recht uneingeschränkt bewegen zu können, dass es gar nicht nötig war, aus dem abgesperrten Bereich vor der Bühne zu agieren, wo man dann eher die Kamaeraleute des Rockpalast gestört hätte, da das Forum mit seiner terassenförmigen Architektur auch so viele Möglichkeiten bietet.

Bilder und Bericht: Gernot Mangold

Eamonn McCormack
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Kenny Wayne Shepherd
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Shooter Promotions
Leverkusener Jazztage

Doyle Bramhall II, 06.11.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Doyle Bramhall II zum zweiten Mal in diesem Jahr im Musiktheater Piano in Dortmund! Nachdem er bereits im Juni im schönen Club gespielt hatte, überraschte er Jenny Dore wohl mit dem Angebot, jetzt noch mal einen Zwischenstopp an der Lütgendortmunder Straße tätigen zu wollen.

An diesem nasskalten November-Abend musste allerdings auch der prominente Texaner, der ja immerhin von Leuten wie Roger Waters oder Eric Clapton als Gitarrist gebucht wird, zur Kenntnis nehmen, dass es mitten in der Woche, nur sehr schwer bei uns ist, richtig viele Leute vom heimischen Sofa wegzulocken. Die Zuschauerzahl hätte wie letzte Woche schon bei Laurence Jones, bei solch einer Qualität, doch gerne etwas höher ausfallen dürfen.

Mit 20-minütiger Verspätung kam das Trio auf die Bühne. Nach kurzem Warmspielen zum psychedelisch angehauchten Opener „Love & Pain“ ließ es der wieder recht egozentrisch, introvertiert und wortkarg rüberkommende Protagonist (so hatte ich ihn auch bei meinem ersten Besuch in Erinnerung), zunächst mit Tracks wie „Mama Can’t Help“, „November“, „Everthing You Need“ oder „Searching For Love“ recht melodisch angehen.

Der neue Drummer Tony Leone ist ja ähnliche Charaktere von der Chris Robinson Brotherhood gewohnt und auch Bramhalls konstanter Mitstreiter Adam Minkoff (mit Haaren wie Schafswolle auf dem Kopf), der wieder durch seine Vielseitigkeit glänzte (Keys und Bass, einmal sogar gleichzeitig) und diesmal stärker bei den Vocals eingebunden war, scheinen den Protagonisten bei seinem filigranen Gitarrenwirken ziemlich gelassen hinzunehmen.

Ab dem Hendrix-Cover „Izabella“ und spätestens mit dem Stooges-Song „I Wanna Be Your Dog“ wurde es ziemlich psychedelisch, jammig, teilweise punkig (auch bei „Green Light Girl“ als Abschluss des Hauptteils) und für meine Gehörgänge oft zu frickelig und technisch. End-60er-/Anfang-70er-Rock-affine Leute, die wohl auch die größte Gruppe unter den Anwesenden darstellten, werden demnach ganz gut auf ihre Kosten gekommen sein. Auch Doyle hatte in dieser Phase zumindest ab und zu Spass in den Backen und lächelte kurzzeitig in Richtung seiner Begleitmusiker. Er ließ sich sogar mal zu einer Ansage wie „What day is it?“ hinreißen.

Erst mit den Zugaben, dem weiteren Hendrix-Klassiker „Angel“, der allerdings mit zunehmender Dauer im Gitarrenpart auch sehr kräftig aufbrauste und dem atmosphärischen „So You Want It To Rain“ (Bramhall temporär mit dezentem Southern-Spiel), wurde der Gig wieder wieder etwas gemäßigter beendet. Ich persönlich hätte mir mal ein zwei Stücke aus seiner Arc Angels-Zeit gewünscht, aber es geht ja hier nicht um meine Befindlichkeiten.

Immerhin ließ der Meister sich dann am Merchandising-Stand sehen, und wirkte da eigentlich ganz herzlich, weniger unnahbar als auf der Bühne und erfüllte ganz gelassen Autogramm- und Fotowünsche (u. a. auch einen schönen großformatigen Schnappschuss des Kollegen Mangold). Insgesamt also ein qualitativ hochwertiger musikalischer Abend (Doyle spielt schon toll Gitarre), der aber eher dem Charakter einer ‚Vorlesung‘ für Musikstudenten von einem in sich gekehrten Lehrmeister glich. Für eine packendere Stimmung und mehr Begeisterung an einem nasskalten ungemütlichen Mittwoch-Abend in der Arbeitswoche muss man ein Publikum letztendlich doch deutlich mehr mitnehmen.

Line-up:
Doyle Bramhall II (lead vocals, electric guitar, vocals)
Tony Leone (drums, vocals)
Adam Minkoff (bass, keys, vocals, lead vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Doyle Bramhall II
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Willy Tea Taylor – 06.11.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Bevor ich die Ankündigung auf der Homepage der Kulturrampe sah, war mir Willy Tea Taylor völlig unbekannt. Einmal wahrgenommen, lief mir der Name aber einige Male über den Weg. So zählt beispielsweise Leslie Stevens ihn zu ihren musikalischen Vorbildern und tatsächlich genießt der Singer/Songwriter in der Independent-Szene einen beachtlichen Ruf.

Der Mann mit dem roten Rauschebart bewies in der Kulturrampe, dass er wirklich nur eine Gitarre und seine Stimme braucht, um die Zuhörer mit feinen Melodien und poetischen, tiefgründigen Texten in seinen Bann zu ziehen.

Die Reihe von akustischen Konzerten in der Rampe, in der ich beispielsweise mit Charlie Parr einen exquisiten Songwriter und mit Bet Williams eine außerordentliche Sängerin erleben durfte, wurde dieses Jahr nur sporadisch fortgesetzt. Daher stand schon früh fest, dass ich mir Willy Tea Taylor nicht entgehen lassen wollte.

Die Rampe bietet natürlich auch den idealen Rahmen für die private und fast schon intime Atmosphäre solcher Konzerte. Die kam mit gut zwanzig zahlenden Gästen auch schnell auf, obwohl diesmal der Auftritt im Saal stattfand.

Die Bestuhlung der vorangegangenen „Komischen Nacht“ wurde passend für den Gig leicht verändert und so genoss Willy Tea Taylor den Charme der Location in vollen Zügen, was er mehrmals betonte. Zwar mit einer Setlist angetreten, wich er schnell von ihr ab und ließ sich treiben. Gegen Ende des Konzerts spielte er seine Songs souverän auf Zuruf aus dem Publikum.

Willy Tea Taylor feierte in der Kulturrampe die Halbzeit seiner zweimonatigen Europatournee. Er zeigte sich sehr gut aufgelegt und bewies zwischen den Titeln viel Humor. Die Songs wurden von ihm meist mit Anekdoten oder Erläuterungen eingeleitet. Er erklärte auch, dass er beim Singen die Augen schließt, um sich in die Lieder vollständig einzufühlen.

Dies sei eine Eigenart von ihm und hätte nichts mit Schüchternheit zu tun. Schwierigkeiten mit dem Publikum in Kontakt zu treten, hatte er tatsächlich nicht. Aufgeschlossen und kontaktfreudig lieferte Taylor einen kurzweiligen Auftritt, wobei er sich über seinen Slang selbstironisch lustig machte. Man konnte den ganzen Abend hindurch spüren, dass er sich wohlfühlte und das taten die Besucher ebenfalls.

In bester Storyteller-Tradition entführte Willy Tea Taylor in seine Welt. Seine Folk-Songs atmen die Landluft seiner Heimat, der kalifornischen Kleinstadt Oakdale, die von Viehzucht, Rodeos und Baseball geprägt ist.

Das Baseball-Spiel wird in einigen Songs in ein allegorisches Verhältnis zum Leben gesetzt, so bei „Knucklehead Prime“ – dem Titelsong seiner letzten CD – oder „Brand New Game“, das sich ebenfalls auf dieser Scheibe findet. Sensibel nimmt der Künstler seine Umgebung wahr und transformiert sie in nacherlebbare Texte.

Nett war gleichfalls die Geschichte, die er zu „Lullaby“ erzählte. Statt die aufgetragenen Farmarbeiten zu erledigen, komponierte er dieses Stück. Nachdem er seinem Arbeitgeber den Titel vorspielte, bekam Taylor die Hälfte des Tagelohns ausgezahlt – Kulturförderung mal anders.

Mit Latzhose und Strickmütze bekleidet nimmt man dem Singer/Songwriter seinen ländlichen Hintergrund vollständig ab. Seine Heimat- und Familienverbundenheit scheint in seinen Texten, beispielsweise bei den hervorragenden „California“ und „Wandering Boy“, immer wieder durch. Seine antike 4-String-Gitarre aus dem Jahr 1927 taufte er nach seiner Urgroßmutter Beverly.

Seinem Opa widmete er das neue Stück „Fighting Man“, mit dem er das zweite Set eröffnete. Ein starker Titel, der wohl auf der nächsten Veröffentlichung zu finden sein wird.

Neben weiteren neuen Stücken – „Waterlogged“, „The Nurse“, „Devils Taxonomy“ und dem kurzen, aber sehr witzigen „Instagram“ – berücksichtigte Taylor seine beiden Alben „4 Strings“ und „Knucklehead Prime“ ausgewogen. Von seiner EP „Damn Good Dog“, die er zusammen mit The River Arkansas einspielte, stammten „For Sam“ und „Lazy Third Eye“.

„Young When I Left Home“ sowie „Marshall Law“ finden sich ursprünglich auf einem Album seiner Americana-Band The Good Luck Thrift Store Outfit. Auch die Zuhörer, die sich nicht intensiv in sein Werk eingearbeitet hatten, erhielten so einen Überblick über Taylors musikalisches Schaffen.

Die erste Dreiviertelstunde war bereits außergewöhnlich stimmungsvoll, aber der zweite Teil des Konzerts übertraf – nicht nur mit der Länge von 70 Minuten – alle Erwartungen. „Wrong Way To Run“ erzeugte Gänsehaut. Die Intensität von „Molly Rose“ war unglaublich. Die Fingerfertigkeit, mit der Taylor die Saiten zupft, traut man ihm zunächst nicht zu. Beim Gesang und bei zwei Pfeifintermezzi traf er jeden Ton.

Leider hatte ich mit meinem Wunschtitel „Bones“ bereits mein Pulver verschossen, sonst hätte ich mir „The Very Best“ noch erhofft. Aber auch ohne diesen Song bleibt Taylors Auftritt als das Beste im Gedächtnis, was in Sachen Folkkonzert möglich ist. Rampenchef Markus Peerlings bezeichnete den Abend als magisch. Dem ist nichts hinzuzufügen. Willy Tea Taylor ist ein charismatischer Singer/Songwriter, der authentisch seine Musik lebt.

Er und auch die Rampe hätten mehr Besucher verdient gehabt. Aber dennoch war das Konzert nicht nur für die Zuhörer, sondern – wie ich glaube – ebenso für Willy Tea Taylor ein schönes Erlebnis. Zumindest in dieser Hinsicht kann die erste Kooperation zwischen der Kulturrampe und der Konzertagentur Rootstown Bookings als voller Erfolg verbucht werden, sodass auf eine weitere Zusammenarbeit gehofft werden darf.

Eine weitere Premiere ist, dass Carsten Wohlfeld die Fotos für einen SoS-Bericht beisteuert.

Line-Up:
Willy Tea Taylor (vocals, guitar)

Text: Michael Segets
Bilder: Carsten Wohlfeld

Willy Tea Taylor
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Kulturrampe Krefeld
Rootstown Bookings

Laura Cox – Burning Bright – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Nach dem 2017 erschienenen „Hard Blues Shot“ gibt es jetzt das zweite Album der jungen Französin. „Burning Bright “ ist schwer in ein bestimmtes Genre zu kategorisieren, da sie mit ihrer Band mehrere Musikstile im neuen Material aufgreift. Was aber klar zu erkennen ist, dass sie ohne große Schnörkel in der Rockmusik der alten Hard Rock-Bands ihre stilistischen Mittel findet.

Im Songwriting findet sie dabei die Unterstützung ihres Gitarristen Mathieu Albiac, der spieltechnisch auch auf Konzerten in den letzten Jahren eben in der beschriebenen Sparte von Musikern zuzuordnen ist.

Wie schon auf der Tour erlebt, als Cox und Band weitaus härter zu Werke gingen, als vor etwa zwei Jahren, macht mit „Fire Fire“ ein stampfender Hard Rocksong den Auftakt, der bei Deep Purple-Fans, gemeint sind die aus den Anfangszeiten, mit Sicherheit für Entzücken sorgen wird. Ähnlich rockend geht es mit „Bad Luck Blues“ weiter.

Mit „Last Breakdown“ und „Looking Upside Down“ nehmen die Franzosen den Fuß vom Gaspedal und landen im Mainstream. Dass Laura Cox auch ein Herz für den Southern Rock hat (in Rheinberg spielte sie beispielsweise ja auch „Simple Man“), offeriert sie hier auch gesanglich im balladesken „Just Another Game“, wobei die Gitarren-Soloparts, z. T. slidend, nicht so ausufernd, sondern dezenter daherkommen, als bei manchen Southern-Vertretern.

„Here’s To War“ ist wieder ähnlich dem Stil der Rockladys in den 90er Jahren und mit „Freaking Out Loud“ lässt die Französin, wie es der Titel verspricht, wieder ordentlich krachen, was in „As I Am“ seine Fortsetzung findet.

Etwas ruhiger wird es mit den Südstaaten-umhauchten „River“, dem es vielleicht gut getan hätte, wenn sie und Albiac die Zügel von ihren Gitarren genommen hätten und, wie live in ihren Songs erlebt, ein Gitarrengewitter abgebrannt hätten.

Den Abschluss macht passend für das Album das balladeske „Letters To The Otherside“. Insgesamt ist Laura Cox mit Band ein ansprechendes Album gelungen, das sich gut durchhören lässt, aber innerhalb des Songmaterials sowohl klassische Härte aber auch Mainstream aufweist, wobei Mainstream nicht schlecht sei muss.

Wenn man im Nachgang das neue Album und das letzte Konzert, in dem Sie schon neues Material spielte, vergleicht, zeigt sich, dass Laura Cox mit ihren jetztigen Mitstreitern eher Livemusiker sind, wo dem Studiomaterial im Konzert noch etwas Würze beigegeben wird und der Mainstream aus den Songs geschossen wird.

Line Up:
Laura Cox – Vocals, Guitar, Lap Steel, Banjo
Mathieu Albiac – Guitar
Francois C. Delacoudre – Bass
Antonin Guerin – Drums

Earmusic (Edel) (2019)
Stil: Rock

Tracklist:
01. Fire Fire
02. Bad Luck Blues
03. Last Breakdown
04. Looking Upside Down
05. Just Another Game
06. Here’s To War
07. Freaking Out Loud
08. As I Am
09. River
10. Letters To The Otherside

Laura Cox Band
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Networking Media

Peter Pankas jane – 03.11.2019, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Die Krautrocklegende Peter Pankas jane spielte im vergleichsweise gut gefüllten Yard Club, was umso bemerkenswerter war, da in der Kantine nebenan Fischer Z vor ausverkauften Haus spielte.

In den mittlerweile fast 50 Jahren, der einstigen Urtruppe, kam es zu vielen Umbesetzungen aus verschiedensten Gründen. Nach dem Tod von Peter Panka 2007 und Charly Maucher in diesem Sommer ist in der jetzigen Formation kein Gründungsmitglied mehr im Line-up, die auf dessen Wunsch aber mit seinem Namen weitermachten.

Mit Klaus Walz und Achim Poret sind aber zwei Urgesteine dabei, die die Bandgeschichte mit prägten und vorher Teil der Band Epitaph waren. Mit Holger Coolyard am Bass und Gesang, Corvin Bahn an den Keyboards und Vocals sowie Niklas Turmann gibt es eine Blutauffrischung, welche der Band sichtlich gut tut und bei den „Alten Herren“ noch einmal neue Energien frei zu setzen scheint.

Schon mit Beginn des ersten Songs „Just More Words“ wurde die Richtung festgelegt. Bahn bearbeitete seine Keyboards und Orgel sowie den Moog Synthesizer schon im Intro, womit ein psychedelischer Ritt über etwa zwei Stunden begann. Walz und Turmann wechselten sich mit Gitarrensoli ab. Poret an den Drums und Coolyard am Bass legten eine satte Rhythmusgrundlage. Im ersten Song übernahm Coolyard die Leadvocals und vom ersten Moment sprang der Funke von der Band aufs Publikum über, was wiederum deren Spielfreude explodieren ließ.

Beim Klassiker „Fire, Water, Earth And Air“ übernahm dann Turmann zunächst das Frontmikro, der auch stimmlich sehr dem Original gleichkam. Wie fast bei jedem Stück lieferten Walz und Turmann z. T. exstatische Soli ab, die für Standing Ovations bei den Fans sorgten. Bei den folgenden „Tomorrow“ und „Grown“ änderte sich an der Grundausrichtung nichts.

Bahn umhüllte die Tracks teilweise mit klaren Keyboardklängen, aber auch mit wabernden Synthesizer-Klängen mit einem psychedelischen Mantel und Walz und Turmann tobten sich mit zum Teil harten Soli aus. Immer wieder konnten Parallelen zu den alten Pink Floyd erkannt werden, Cooyard hatte vielleicht nicht umsonst ein Shirt der Briten an und beim Gitarrenspiel von Turmann hatte man zuweilen das Gefühl, ein David Gilmour würde auf der Bühne stehen.

Bei „Daytime“ kam es zu einem emotionalen Moment, als Walz vom Tod Mauchers berichtete und den Song eben diesem widmete, da dieser ihn so gerne spielte. Einer ausgiebigen Version von „Windows/Spain“ folgte einer der absoluten Höhepunkte des Konzertes. Beim Instrumental „Auroville“ ließ Turmann zunächst seine Gitarre regelrecht sprechen, um mit der Band ein Stück auf die Bühne zu bringen, welches auch in jeden Floyd-Gig gepasst hätte.

„Fly Away“ konnte sprichwörtlich auch für einige Fans genommen werden, die scheinbar in sich gekehrt in den Weiten der Musik davon flogen.
Das zur Jahreszeit passende „Out In The Rain“ und das peppige „Waiting For The Sunshine“ läuteten das Ende des Konzertes ein. Eine Hammer-Version von „Hangman“, mit monströsen Intro und scheinbar nicht endenden Gitarrensoli zwischendurch, beendeten den Hauptteil des Konzertes.

Die Fünf ließen sich jedoch nicht lange bitten und folgten den Zugabeforderungen gerne, um mit „Here We Are“ und „So So Long“ zwei Raußschmeißer nachzulegen, die den Abend gelungen abrundeten. In die Bandvorstellung integrierte Walz auch noch Danksagungen an die Soundtechnik und an Markus Neu von der Kantine/Yardclub, denen ich mich an dieser Stelle auch nur anschließen möchte.

Guter Sound, tolles Licht und eine bestens aufgelegte Band sorgten für zwei unterhaltsame Stunden, die manchen Besucher noch einmal in seine Jugendzeit zurückgeführte. Wer auf psychedelische progressive (Krautrock) Musik steht, wird bei Peter Pankas Jane bestens bedient.

Line Up:
Klaus Walz – Gitarre, Vocals
Corvin Bahn – Keyboards, Vocals
Niklas Turmann – Gitarre, Vocals
Achim Poret – Drums
Holger Coolyard – Bass, Vocals

Text und Bilder: Gernot Mangold

Peter Pankas jane
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Yard Club Köln

Luke Combs – What You See Is What You Get – CD-Review

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Luke Combs hatte 2017 mit seinem Debütwerk „This One’s For You“ sage und schreibe 47 Wochen Platz 1 in den Billboard Country Alben-Charts belegt, ein absoluter Rekord für einen männlichen Interpreten.

Der am gleichen Tag wie ich (nur ein paar Jährchen später) geborene aus Charlotte, North Carolina, Songwriter und Musiker, lässt jetzt mit „What You See Is What You Get“ den Nachfolger vom Stapel und es ist wieder ein echter Geniestreich geworden. 40 Songs hatte er als Vorauswahl kreiert, am Ende sind satte 17 Stücke im Raster hängen geblieben, allesamt von ihm meist in Teams verfasst, mit Leuten wie u. http://www.sounds-of-south.de/wordpress/?s=Josh+Thompsona. Ray Fulcher, Jonathan Singleton, Dan Isbell, Barry Dean, Josh Thompson und einigen anderen.

Vom southern-rockig stampfenden Opener „Beer Never Broke My Heart“ (was für eine wahre Aussage!) bis zum finalen ruhigeren piano-lastigen „Better Together“ bekommt man einen wunderbar abwechslungsreichen New Country-Mix geboten, wie man ihn überwiegend aus den glorreichen 90er Jahren des Genres her kannte, natürlich auf zeitgenössisches Niveau angepasst.

Drei Dinge spielen bei Combs eine wichtige Rolle: Seine unglaublich tolle, rauchige und variable Stimme, die er zu jedem Tempo brillant variieren kann, seine Gabe, Songs zu entwickeln, die nicht nur melodisch sind, sondern auch meist sofort im Ohr hängen bleiben und die drittens von den beteiligten Musikern wie u. a. Jerry Roe, Jimmy Lee Sloas, Omnisassa Ilya Toshnsky, Gary Morse, Carl Miner, Aubrey Haynie, Dave Cohen, etc. mit grandioser Spielfreude umgesetzt wurden.

Bestes Beispiel ist das launige „Lovin‘ On You„, wo die Musiker kurz andeuten, was man in 3 Minuten 20 Sekunden so alles an instrumentellen Finessen in ein Stück hineinpacken kann. Ein toller Live-Feger.

Weiteren Glanz verpassen der Scheibe Gastauftritte von Brooks & Dunn bei „1,2 Many“ und Eric Church bei „Does To Me“, wo Ronnie Dunn und Church mit ihren markanten Stimmen für einen schönen Kontrast sorgen.

Produziert und auch kräftig mitgespielt hat erneut Scott Moffatt. Auf Synthie- und Loop-Spielereien hat er weitestgehend verzichtet. Weniger künstlerisch, aber in diesem Fall eher nebensächlich, ist einzig das in Corel Draw-Manier gestaltete Cover-Artwort, das zumindest aber alle Texte, allerdings ohne Not in Miniatursschrift, im beigefügten Booklet beinhaltet.

Luke Combs hat mit „What You See Is What You Get“ (der groovige selbstironische Titelsong ist übrigens eine herrliche Ode an all die Damen, die wissen, was sie sich mit Männern unseres Kalibers eingehandelt haben…) gegen Ende des Jahres noch mal einen Paukenschlag gesetzt. Aus meiner Sicht kann man eine bis an den Rand voll gepackte New Country-Scheibe musikalisch und gesangstechnisch nicht besser inszenieren. Ein echter Hammer, Mr. Combs!

Sony Music Nashville (2019)
Stil: New Country

01. Beer Never Broke My Heart
02. Refrigerator Door
03. Even Though I’m Leaving
04. Lovin‘ On You
05. Moon Over Mexica
06. 1,2 Many
07. Blue Collar Boys
08. New Every Day
09. Reasons
10. Every Little Bit Helps
11. Dear Today
12. What You See Is What You Get
13. Does To Me
14. Angels Workin‘ Overtime
15. All Over Again
16. Nothing Like You
17. Better Together

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The Demtones – Same – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Nach den jungen schwedischen Hoffnungsträgern von Jetbone, die erst im vergangenen Jahr für Furore sorgten, steht nun mit der Gruppe „The Demtones“ bereits der nächste verheißungsvolle Geheimtipp in den Startlöchern.

Ihr gleichnamiges Debütalbum haben The Demtones noch als 3er-Formation mit Frontman, Sänger, Gitarrist und Songschreiber Oscar Ericsson, Schlagzeuger Martin Behm Stener und Bassist Alfred Andersson kreiert, aber mittlerweile ihren Freund und Produzenten Jokke Pettersson als zweiten Gitarristen zur Verstärkung in die Band aufgenommen.

Das Werk strotzt mit seinen neun leidenschaftlichen Tracks gute 32 Minuten lang im klassischen Power-Rock-Vergnügen und beginnt mit dem mehr als spritzigen Opener „Valerie“, der den rockigen Weg für eine treibende CD ebnet. Die Demtones setzen diesen Power-Stil auf „I Come Around“ exzellent fort. Ein verzehrtes Gitarrengewitter am Beginn von „You Don’t Know“ geht über in ein Heavy-Riff von Ericsson, der sich kreativ spielerisch an seinem „Werkzeug“ austoben kann.

Fast schon Grunge-mäßig im Queens of the Stone Age-Style geht es auf „Sleep“ weiter. Nach eigenen Angaben wurden die jungen Schweden insbesondere von der Heavy Metal und Hard Rock Legende „Black Sabbath“ inspiriert. Einflüsse ihrer Landsmänner von „The Hellacopters“ sind aber ebenso unverkennbar, wie z. B. auf dem Song „Honey“ deutlich wird.

Mit „Make Up Your Mind“ geht es fast schon punkig weiter, bevor bei „Reckless“ wieder der Zeitpunkt für ein ausgiebiges Gitarrensolo gekommen ist. Das letzte Stück „Free“ beginnt mit einem 2-minütigen Accoustic-Guitar Intro und endet in einem melodisch starken, energiegeladenen, psychodelischen Ausklang.

Die Power-Band aus Schweden „reitet“ ein bisschen die Classic Rock-Welle, die vor 2 Jahren in erster Linie durch die US-Amerikaner Greta Van Fleet und ihrem unverkennbaren, an Led Zeppelin orientierten Stil, angestoßen wurde. Der Hinweis auf dem Debüt der „Demtones“ lautet nicht umsonst: „Best Played Loud – With Airguitars“. Diesem Ratschlag sollte man auf jeden Fall folgen, um vom rasanten Vintage-Sound-Longplayer mitgerissen zu werden.

Eigenproduktion (2019)
Stil: Classic Rock, Rock ’n’ Roll

Tracklist:
01. Valerie
02. I Come Around
03. You Don’t Know
04. Sleep
05. Honey
06. What You Got To Lose
07. Make Up Your Mind
08. Reckless
09. Free

The Demtones
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