Sari Schorr – Running Wild – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Da haben wir ja noch einmal Glück gehabt, dass Sari Schorr, die in ihrer Schulzeit klassischen Gesangsunterricht hatte, nicht Opernsängerin geworden ist, wozu man sie ermuntert hat. Zu ihren Vorbildern zählen Blues- und Jazzsängerinnen wie Bessie Smith, Ma Rainey, Ella Fitzgerald, Etta James oder Billy Holiday, die zum Teil schon in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts aktiv waren.

Später wandte sie sich dem Blues zu und war mit Größen wie Joe Louis Walker oder Popa Chubby auf Tour. 2016 erschien ihre erste CD, „A Force Of Nature“ mit dem famosen Innes Sibun an der Gitarre. Auch Walter Trout gab sich die Ehre. Die Songs waren bluesgetränkt mit rockigem Einschlag. Und dann war da noch diese unverwechselbar rauchige, kraftvolle Stimme. Nun liegt Album Nummer fünf vor, nachdem Sari Schorr, geboren in New York, zuvor auch mit Robin Trower zusammengearbeitet hat.

Auf „Running Wild“ ist von Blues nicht mehr viel zu hören mit Ausnahme von „Call It Freedom“. Es geht eindeutig in Richtung Rock, wobei die meisten Songs an den gitarrenlastigen Classic Rock der siebziger Jahre erinnern wie „Cool Hand Rider“, „Elevate“ oder „Better Days“.

Dabei, versteht sich, wird nicht „losgeprügelt“, sondern jeder Song hat seinen eigenen Spannungsbogen aus Rhythmus, Melodie und Feinschliff wie zum Beispiel auch mal ein Piano-Zwischenspiel. Gut zu hören ist das unter anderem beim melodischen „Man On Fire“, bei dem deutlich ein Gang zurückgeschaltet wird.

Sari selbst sagt: „,Running Wild‘ entstand aus Instinkt, Dringlichkeit und der Weigerung, auf Nummer sicher zu gehen. Ich bin immer noch auf der Suche und lerne dazu, aber ich vertraue meinen Instinkten mehr und folge jedem Song bis zu seiner emotionalen Wahrheit. Diese Songs handeln von Trotz, Selbstfindung, Widerstandsfähigkeit und Veränderung.”

Zu spüren ist das gleich im ersten Titel „Mr. In The Middle”, in dem es um eine Beziehung zwischen zwei Menschen geht, die einander nicht ganz loslassen können. „Willkommen in der realen Welt, der Welt, die du nicht im Griff hast“, singt sie.

Mich persönlich erinnert Sari Schorr an die vor Kurzem verstorbene kanadische Rocksängerin Sass Jordan, was ein weiteres Gütesiegel ist.

Provogue Records, Artone Label Group / Bertus (2026)
Stil: Blues Rock

Tracklist:
01. Mr. In The Middle
02. Running Wild
03. Monday Morning
04. Man On Fire
05. Cool Hand Rider
06. Elevate
07. Call It Freedom
08. Better Day
09. Afterglow
10. Finding My Way

Sari Schorr
Sari Schorr bei Facebook
V2 Records

Sheryl Crow – Pick You Up – CD-Review

 

Die mittlerweile zig-fache Grammy-Gewinnerin und auch in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommene Sheryl Crow trat 1994 mit ihrer Hitsingle „All I Wanna Do“ in mein musikalisches Leben, kurze Zeit später habe ich sie live als Support von Joe Cocker in der Dortmunder Westfalenhalle 2 gesehen, für dessen damalige „Have A Little Faith“-Tour sie noch relativ spontan eingebunden worden war.

Seither hat sie sich mit vielen Alben (die meisten davon besitze ich) zu eine der wichtigsten und bekanntesten weiblichen Musikerinnen und Stimmen der zeitgenössischen Rockmusik entwickelt. Trotz zwischenzeitlicher Gerüchte über ein Karriereende, veröffentlicht die heute in Nashville lebende Protagonistin nun mit „Pick You Up“ ein aus sieben neuen Stücken bestehendes Kurzwerk.

Sämtliche Lieder bestechen durch tolle Melodien, ihre Eingängigkeit, klare Instrumentierung und natürlich Crows immer noch äußerst markanterStimme.
Man fühlt sich teilweise in die große Zeit der Westcoastmusik (herrlich unter anderem der Eagles-geprägte Titelsong „Pick You Up mit diesen typischen Harmony Vocals) zurückversetzt, aber auch Reminiszenzen an viele weiblich bestimmte Acts wie Fleetwood Mac, die Bangles, 4 Non Blondes oder auch Heart & Co. werden wieder wach.

Mit „Perfect“ demonstriert sie überaus eindrucksvoll wie man einen potentiellen Radio-Hitsong im 3-Minuten-Ambiente konzipiert. Schöne Gitarrenhook, lockerer Strophengesang, markanter Refrain, Gesangsbridge mit Harmoniegesängen, herrliches E-Solo, lockerer 2. Strophengesang, markanter Refrain, fertig! Ein hochmelodischer Track auf dem Niveau von „All I Wanna Do“. Perfekt!

Center-Song ist jedoch das politisch motivierte „Freedom Bus“. Passend zu diesem Fingerzeig auf die Errungenschaften der Freiheit  ist der als moderner Woody Guthrie gefeierte Jesse Welles als Co-Vokalist mit eingebunden.

Hier singen sie im Refrain:

Whoever said freedom was free?
There ain’t no freedom without history
And folks who died for you and me
So don’t be an asshole, let everyone be

Dem bleibt nichts hinzuzufügen.

Wermutstropfen sind eigentlich nur die für einen Longplayer recht wenigen sieben Stücke. Da ist für mich eigentlich die Zehner-Marke so das Mindestmaß. Am Ende gilt natürlich: lieber sieben tolle Lieder als zehn mittelmäßige.

Sheryl Crow reiht auf „Pick You Up“ sieben hochwertige Songperlen auf, die an Eingängigkeit, musikalischer Qualität und Hittauglichkeit ihres Gleichen suchen. Statt zu einer prunkvoll, glitzernden Halskette reicht es von daher aufgrund der äußerst überschaubaren Spielzeit insgesamt nur zu einem äußerst attraktiven und schmucken Armband.

Old Green Barn (2026)
Stil: Rock / Pop & More

01. Freight Train
02. Perfect
03. Pick You Up
04. Flat Earth
05. I’ve Got Your Number
06. Heaven Help Us
07. Freedom Bus

Sheryl Crow
Sheryl Crow bei Facebook
Oktober Promotion

Prinz Grizzley – Tilda – CD-Review

Review: Michael Segets

Der Alpen-Western „Das finstere Tal” (2014) ist ein Beispiel dafür, dass typische Motive und Stilmittel des Westernfilms weltweit zirkulieren und auch vor Österreich nicht haltmachen. Ähnlich verhält es sich mit Americana und Country im musikalischen Bereich, was Prinz Grizzley mit „Tilda“ eindrucksvoll belegt. „Tilda“ braucht sich hinter den amerikanischen Veröffentlichungen in diesem Bereich nicht zu verstecken.

Der Kopf hinter Prinz Grizzley ist C. H. Comper, der auch alle vierzehn Titel geschrieben hat. Unter diesen finden sich drei kurze Instrumentals. Bei „The Long March (Troubled Times Ahead)” mit dramatischen Trompeten und orchestralem Anstrich stand Ennio Moricone Pate. Einen Kontrapunkt setzt das am Celtic-Folk orientierte „Dance Of The Shovel (The Foreign Son)”. „The Bridge Shuffle (Death Of A Boy)“ stellt eher ein Klangexperiment dar, das musikalisch verzichtbar erscheint, im Kontext des Albumkonzepts aber seine Berechtigung hat.

Den thematischen Rahmen des Longplayers bildet die Lebensgeschichte der Großeltern von Prinz Grizzley, die vor allem durch die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs geprägt ist. Geschildert werden Situationen, in denen hart arbeitende Menschen versuchen, sich durchzuschlagen und den Wunsch nach heimatlicher Geborgenheit hegen. Die Sicherheit der Existenz ist aber stets gefährdet, wobei sich die Art und Ausprägung deren Bedrohung von zeitgeschichtlichen Faktoren abhängig zeigt. Das Spannungsfeld von Hoffnungen und Ängsten, Alltäglichem und Ausnahmesituationen, das Prinz Grizzley exemplarisch auf dem Album bearbeitet, erscheint daher universell und auch in den heutigen, krisengeschüttelten Zeiten aktuell. Zwischen dem intensiven Opener „Put Me Down (A Foreign Man)“, das nur von Stimme und akustischer Gitarre getragen wird, und dem fast schon klerikal anmutenden Abschluss „Watch Me Rising (Rest Easy My Old Heart)“ gibt Prinz Grizzley so einen Einblick in ein breites Spektrum an Gedanken und Gefühlen der Protagonisten seiner Songs, die durchaus nachvollziehbar sind.

Die Mehrzahl der Stücke ist am Folk orientiert, wobei bei einigen auch ein Country-Einschlag nicht zu verkennen ist. „A Mountain To Be Taimed (The Struggeling)“, das melodiöse „Pull Me Up (Not Everything Is Perfect)” oder das ruhige, gefühlvolle „Guess I Need Protection (Homecomming)” sind gelungene Beiträge, die in der Singer/Songwriter-Tradition stehen. Ein Höhepunkt ist sicherlich „WWII (Surviving)”, auf dem Prinz Grizzley nasaler singt und dabei die Klangfarbe seiner Stimme verändert.

Das mit Slide versehene „Rose On The Garbarge Hill (The Daughter)”, das akustisch gehaltene „Tilda Lee (Processing A Loss)“ sowie das flotte „Reign On, Queen Of The Mountains (A Price To Pay)” gehen in Richtung Alternative Country. Auch diese Beiträge sind gelungen. „The Calling (Settling Down)” kann als Gospel bezeichnet werden. Hier und auch an anderen Stellen tauchen religiöse Motive in den Texten auf. Letztlich geht es aber auf dem Album um existenzbedrohende Ereignisse, die über das Leben hereinbrechen sowie die Art, wie Menschen mit ihnen umgehen. In diesem Sinne ist das Coverbild, das im Hintergrund den Vulkanausbruch von Mount St. Helens 1980 zeigt, symbolträchtig.

Auf „Tilda“ erzählt Prinz Grizzley Geschichten, die an das Leben seiner Großeltern angelehnt sind – Geschichten von Wurzeln und Entwurzelung, von Träumen und Traumata. Neben der schlüssigen Gesamtkonzeption überzeugt der österreichische Singer/Songwriter mit einigen bemerkenswerten Titeln zwischen Folk, Country, Americana und Gospel.

DoWhWa Records (2026)
Stil: Americana, Country

Tracks:
01 Put Me Down (A Foreign Man)
02 A Rose On Garbage Hill (The Daughter)
03 Dance Of The Shovel (The Foreign Son)
04 Reign On, Queen Of Mountains (A Price To Pay)
05 A Mountain To Be Tamed (The Struggling)
06 Moon Over Green Mountains (Falling In Love)
07 The Calling (Settling Down)
08 Pull Me Up (Not Everything is Perfect)
09 The Long March (Troubled Times Ahead)
10 WWII (Surviving)
11 Guess I Need Protection (Homecoming
12 Bridge Shuffle (Death Of A Boy)
13 Tilda Lee (Processing A Loss)
14 Watch Me Rising (Rest Easy My Old Heart)

Prinz Grizzley
Prinz Grizzley bei Facebook
Rola Music

Travis McKeveny And The Famous Doctor Scanlon Band – From Dublin To Duluth – CD-Review

Review: Michael Segets

Vor fünf Jahren verstarb Travis McKeveny unerwartet im Alter von fünfunddreißig. Er veröffentlichte eine EP und zwei Longplayer. Auf dem mit einem Grammy für das beste Bluegrass-Album ausgezeichneten „Laws Of Gravity“ (2017) der Infamous Stringdusters findet sich der Track „1901: A Canyon Odyssey”, der von McKeveny und Andy Falco geschrieben wurde. Kurz vor seinem Tod gründete Keveny The Famous Doctor Scanlon Band, mit der er neue musikalische Wege gehen wollte.

Sein Vater Gerry McKeveny sichtete nun Demos und Live-Aufnahmen, um auf deren Basis mit Freunden und früheren Bandmitgliedern die aufgefundenen Songs zu bearbeiten und neu einzuspielen. So ist Travis McKeveny selbst nur auf dem Abschlusstitel „Open All Night“ zu hören. The Famous Doctor Scanlon Band treten an, um den Geist der Originalaufnahmen zu transportieren und so das musikalische Vermächtnis von McKeveny zu würdigen.

Die Komplexität von McKevenys Songwriting kommt schon bei den ersten beiden Titeln „The Shoe Did“ und „4th Of May“ zum Ausdruck. Startet die CD mit modernem Americana, bleiben die anderen Stücke nicht auf dieses Genre begrenzt. „I’d Live On A Train“ geht beispielsweise in Richtung Western-Swing. „Sloane“ ist eine entspannte Soul-Nummer, obwohl es sich um eine unerfüllte Liebe dreht. Sie wird von Pete Mancini gesungen.

Für mich, dessen musikalische Vorlieben ja etwas einfacher gestrickt sind, stellt das folkige „It’s All Over (But The Letting Go)“ das erste Highlight des Albums dar. Vor allem in der zweiten Hälfte des Werks finden sich weitere bemerkenswerte Tracks. Atmosphärisch dicht ist das dunkle „Ferris Wheel“. Die erste Single „Get Into Trouble“ geht hingegen in die Füße. Das Duett zwischen Pete Mancini und Cassandra House ist ein flotter Song mit schönen Horn-Arrangements. Der Midtempo-Rocker „Bittersweet Somethings“ kann ebenfalls auf der Habenseite verbucht werden. Hier übernimmt Terry McKeveny die Lead Vocals. In Anbetracht der Geschichte rund um die CD gewinnt der bereits erwähnte Abschluss „Open All Night“ eine besondere emotionale Tiefe.

Einen besseren Nachruf auf den viel zu früh verstorbenen Songwriter Travis McKeveny kann man sich kaum vorstellen. Vater und befreundete Musiker:innen lassen den unvollendeten Nachlass auf „From Dublin To Duluth” in einem neuen Licht erstrahlen.

Paradiddle Records (2026)
Stil: Americana and more

Tracks:
01 The Shoe Did
02 4th Of May
03 Fat City
04 I’d Live On A Train
05 Sligo Girl
06 It’s All Over (But The Letting Go)
07 Sloane
08 Ferris Wheel
09 Get Into Trouble
10 Bittersweet Somethings
11 Open All Night

Paradiddle Records

Allen Forrester Band – Red Dirt Town – CD-Review

Die Allen Forrester Band, bestehend aus den beiden Namensgebern Josh Allen und Ben Forrester im Verbund mit Bassist Hendrik Herder und Schlagzeuger Matze Böhm, hat sich mit vielen schönen Gigs, ihrer publikumsnahen und sympathischen Art, sowie diversen Tonträgern, peu à peu ein immer mehr wachsendes Standing in der Southern Rock-Gemeinde erarbeitet.

Mit „Red Dirt Town“ folgt jetzt nach ihrem Debüt 2023 der zweite Longplayer mit zehn neuen  Stücken. Einige der Lieder, das wurde mir beim heiteren „Sweet Marie“ mit seiner Acapella-Mitsing-Passage am Ende des Songs schon beim ersten Hördurchgang bewusst, hatte die Band bei ihrem Konzert im März in der Krefelder Kulturrampe schon vorab live präsentiert.

Eine kluge Entscheidung war es, erneut Simon Oslender als Gast mit einzubinden, der entwickelt sich mit seinen immer perfekt passenden Keys- und Orgeleinlagen fast schon zum heimlichen Star des Albums. Ein echter Gewinn!

Der Beginn mit „Skin Deep“ und „Misery Likes Company“ startet im Skynyrd-Ambiente, ein Schelm, der beim letztgenannten Song nicht an den Rossington Collins Band-Klassiker „Misery Loves Company“ denkt.

Im Prinzip bleibt man sich der Linie des Debüts treu, Southern Rock aus dem Dunstkreis von Acts wie den Allman Brothers, Lynyrd Skynyrd, The Black Crowes oder Blackberry Smoke, bei „Under Her Spell“ und „From The Ashes“ auch mit dezent progressiven Zutaten.

Nach dem famosen Orgelintro von Oslender bei „Here’s To The Good Times“ möchte man förmlich „What would you think if I sang out of tune?“ („With a little Help From My Frienda“) los singen, das stellt sich allerdings dann schnell als schöne Finte heraus, die Hommage an die guten Zeiten ist dann ein eigenständig entwickelter Track.

Neu ist, dass das Werk mit „White Picket Fences“ auch einen echt radiotauglichen Ohrwurm enthält, der durch das empathische Fiddle-Spiel von „Gustavo Strauß (d’Artagnan), eine noch bis dato eher unbekannte countryeske Seite des Quartetts offeriert. Ganz klar mein Lieblingssong der CD!

Auch die Einbindung des externen Songwriters Cedric Cherney entpuppt sich als Gewinn, der zeichnet sich für die Texte von „Fifty“ als auch des Titelsongs „Red Dirt Town“ verantwortlich. Dieser ist im Stile von Charlie Daniels‚ „The Legend Of Wooley Swamp“ konzipiert. Ben Forrester, der hier natürlich wieder durch seine meisterhaften Les Paul-Soli glänzt, wechselt sich mit pathetischen Sprechpassagen mit dem Gesang von Josh Allen ab. Ebenfalls ein Highlight des Silberlings!

Die Allen Forrester Band überzeugt mit ihrem zweiten Album „Red Dirt Town auf ganzer Linie, man darf, ohne sich dabei zu weit aus dem Fenster zu lehnen, durchaus das Wort ‚Weiterentwicklung‘ in den Mund nehmen.

Zu gefallen weiß aus meiner Sicht auch die Covergestaltung in Form eines Briefumschlags mit den zurück geblieben Kaffeetassenrückständen, wie es jeder vermutlich schön aus dem eigenen Leben wiedererkennen wird.

Das fränkisch/amerikanische Ensemble wird am 18. Oktober im schönen Backyard Club in Recklinghausen zugegen sein und ich sehe mich und die restlichen Besucher schon jetzt, ihnen begeistert und lautstark in der Interaktionsphase „My, my, my – Sweet Marie“ entgegenschmettern.

EBF Music / Timezone Records (2026)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Skin Deep
02. Misery Likes Company
03. White Picket Fences
04. Sweet Marit
05. Fifty
06. Here’s To The Good Times
07. Under Her Spell
08. Red Dirt Town
09. Little Breathin‘ Reason
10. From The Ashes

Allen-Forrester Band
Allen-Forrester Band bei Facebook
Brooke Lynn Promotion
EBF Music

Dallas Burrow – Modern Day Vagabond – CD-Review

 

Wieder mal ein neuer Name in Sounds Of South, mit dem es sich zu beschäftigen gilt. Der texanische Singer/Songwriter Dallas Burrow, wie so oft mit musikalischem Erbgut versehen (sein Vater Mike Burrow ist ebenfalls auf dem Terrain seit langem unterwegs und auf diesem Album mit vertreten), hat schon diverse EPs, CDs und Live-Scheiben herausgebracht.

Jetzt liefert er mit „Modern Day Vagabond“ einen Longplayer ab, der allein schon von den vielen illustren Gastpräsenzen her erahnen lässt, man es hier mit einem aufstrebenden Künstler zu tun bekommt.

Frei nach dem Motto ‚Lustig ist das Vagabundenmusikleben‘ wird Burrow von Leuten wie Grammy Gewinner Adam Odor (The Chicks, Silverada) und The Great Divide’s Mike McClure (Cross Canadian Ragweed, Turnpike Troubadours) in Sachen Produktion begleitet, als Stamm-Musiker sind McClure an der Akustikgitarre und Odor am Bass, Cameron Martin als Drummer, Asleep at the Wheel’s Katie Shore an der Fiddle, sowie  Kullen Fox — lange Zeit Multiinstrumentalist für Charley Crockett am Piano, Organ und Akkordeon mit dabei.

Am Ende waren auch noch weitere klingende Namen wie Mark Tokach (Charlie Robison Band), Larry Chaney (Edwin McCain), Colin Brooks (Band of Heathens), Donny Silverman (Townes Van Zandt), Mitglieder von West Texas Exiles und der legendäre Multiinstrumentalist Lloyd Maines involviert.

Dazu kommen noch die ganzen vokalen Gastpräsenzen von Susan Gibson, Will Sexton, Kelly Willis (die habe ich mal vor über 20 Jahren in Utrecht live gesehen), Kelley Mickwee, Mike McClure und Burrows Vater, Mike Burrow, die dem musikalisch eh schon abwechslungsreich gestalteten Longplayer noch weitere Goodies bescheren.

Dallas Burrow selbst erinnert mich von der Stimme her an Bobby Houck von The Blue Dogs, wie auch an deren Art Musik zu machen (u. a. „Modern Day Vagabond“, „Full Circle“, „Walking Side By Side“, „Time Is Now“, „Old Time Revival“), allerdings ist der Protagonist deutlich traditioneller unterwegs und stilistisch (zumindest hier) auch etwas breiter aufgestellt.

Mutig finde ich ausgerechnet den düstersten und mit etwas Southern Rock-Flair bedachten Song „Underdog“ zur Single auszuwählen. Beim Steel-getränkten, an die Pirates Of The Mississippi erinnernden „Memories“ gibt Dallas‘ Vater Mike mit Harmoniegesängen und kurzer kauziger Lead vocals-Solo-Einlage sein Stelldichein.

‚Mr. Red Dirt‘ Mike McClure verpasst „Whole Different Angle“ sein typisches Flair, „All I Want Is You“ sticht mit seinem souligen Charakter etwas heraus, genauso wie das stark Folk-geprägte Townes Van Zandt-Cover „Rake“ (nur mit Gesang, Mandoline und Flöte) am Ende.

Odor und McClure haben das Gesamtwerk relativ ’natur-belassen‘, man kann schon fast von einem Live-Charakter sprechen. Man kommt sich vor wie als Gast auf einer sommerlichen Musiker-Garten-Party, wo alle, die spielen können, ihre Instrumente mitgenommen haben, sich mit allen, die auch singen können auf einer improvisierten Bühne mit dem Gastgeber zusammenfinden, um gemeinsam geschmackvolle Countrymusik & More zu zelebrieren. Sehr unterhaltsam!

Forty Below Records (2026)
Stil: Country & More

Tracklist:
01. Modern Day Vagabond
02. Let ItShine
03. Miracle
04. No Problem
05. Full Circle
06. Walking Side By Side
07. Oldest Secret
08. Time Is Now
09. Memories
10. Underdog
11. Whole Different Angle
12. Can’t Turn Around
13. All I Want Is You
14. Rake

Dallas Burrow
Dallas Burrow bei Facebook

Patricia Vonne – My Heart’s Got A Mind Of Its Own – CD-Review

Review: Michael Segets

Nun ist „My Heart’s Got A Mind Of Its Own“ auch offiziell verfügbar, nachdem Patricia Vonne das Album bereits auf ihrer Tour im Frühjahr mit im Koffer hatte. Eine Auswahl der neuen Songs stellte sie in der Kulturrampe vor, sodass man schon einen Vorgeschmack auf die Highlights der CD erhielt. Wie bei den Konzerten setzt Vonne erneut auf einen Mix von Songs mit englischen und spanischen Texten. Auch bei den Kollaborationen ist eine gewisse Konstanz erkennbar. So sitzt Rick Del Castillo wieder auf dem Stuhl des Produzenten und übernimmt zudem beim Einspielen gelegentlich den Platz des Gitarristen ein.

Auf den drei Songs, die Robert LaRoche mitgeschrieben hat, spielt dieser die Gitarren und steuert die Background Vocals bei. „Not Too Late“ und „Lean On Me Tonight“ sind zwei ordentlich rockende Songs. Vor allem der zweitgenannte sowie das etwas langsamere, aber mit schön staubiger Atmosphäre versehene „Courage Under Fire“ sind meine Favoriten der Scheibe. Die ebenfalls von dem Live-Auftritt bekannten „Be My King“ und „My Heart’s Got A Mind Of Its Own“ stellen zwei gradlinige Uptempo-Nummern dar. Der Titelsong, in Zusammenarbeit mit Chris Isaak und Johnny Reno entstanden, wird in der Studioversion noch durch das Saxophon von Johnny Reno gewürzt.

Vonne scheint eine Leidenschaft für den Swing entwickelt zu haben. Dessen Sound greift sie bei „Will You Ever Know“ sowie „Marry Me“ auf. Während die neue Seite in Vonnes Schaffen nicht auf meiner musikalischen Linie liegt, ist der Old School-Rock‘ n Roll „Party Like The Great Gatsby“ auf der Habenliste zu verbuchen. Die Feierlaune spiegelt sich ebenfalls auf „Viva La Vida“ und „Chingona Como Mi Madre“ – einem Duett mit Charanga Cakewalk – wider.

Neben den temperamentvollen Songs ist – so wie man es von ihr erwartet – auf dem Album ein spanischer Titel der getragenen Art vertreten: „Cuando Pienso En Ti“ spielt sie zusammen mit dem Multiinstrumentalisten Jeff Baxter ein. Das Instrumental „Amor Mistico“ beschließt den Longplayer. Ein erdiger Track, auf dem Vonne mit ihren Kastagnetten wirkungsvolle Akzente setzt. Mit gut zwei Minuten ist der Beitrag knackig gehalten.

Vonnes neue CD bietet Roots Rock mit viel Herz ohne Schnörkel. Die spanischen Songs gehören bei ihr dazu. Mit den Retro-Ausflüge in den Swing zeigt Vonne eine neue Facette in ihrer Musik, die es für mich nicht gebraucht hätte, aber ihr „Heart‘s Got A Mind Of Its Own“. Trotz dieser Abstriche ist das Album insgesamt wieder empfehlenswert.

Bandolera Records (2026)
Stil: Roots Rock/Tejano

Tracks:
01. My Heart’s Got A Mind Of Its Own
02. Viva La Vida
03. Not To Late
04. Will You Ever Know
05. Be My King
06. Curando Pienso En Ti
07. Lean On Me Tonight
08. Chingona Como Mi Madre
09. Party Like The Great Gatsby
10. Marry Me
11. Courage Under Fire
12. Amor Mistico

Patricia Vonne
Patricia Vonne bei Facebook

Robin Trower – Shine – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Wer ab und zu bei YouTube vorbeischaut, kann sich schon wundern. Da werden zum Beispiel Rockgruppen als total in Vergessenheit beschrieben, obwohl sie weiter munter auf Tour gehen und Platten veröffentlichen. Zu finden gibt es auch die Rubrik „The Rise and Fall of…“

Darunter ist auch Robin Trower vertreten. Ich hab’s nicht angesehen. Denn schon der Titel führt in die Irre. Von einem Fall, einem Absturz kann nicht die Rede sein. Klar, goldene Schallplatten heimst er keine mehr ein. Die ganz großen Hallen füllt er auch nicht mehr.

Aber zumindest in den Blues-Charts ist er weiter vertreten. In den vergangenen zehn Jahren hat er nicht weniger als acht Studioalben veröffentlicht. Auch seine Konzerte finden keinesfalls vor leeren Rängen statt. Im Gegenteil, in diesen Tagen ist der 81-Jährige wieder auf US-Tour. Er kann nach wie vor auf eine große Fangemeinde bauen, auch in Deutschland. „Ich denke, man muss entweder weitermachen – oder aufgeben“, sagt er schlicht.

Auf seiner neuen CD spielt er nicht nur Gitarre, sondern auch Bass, während Schlagzeuger Chris Taggart und der langjährige Sänger Richard Watts die Besetzung vervollständigen. „Ich stimme den Leuten zu, dass es eine sehr düstere Zeit ist. Aber ich möchte keine düstere Musik machen. Ich finde, dass die meisten dieser Songs positiv sind,“ beschreibt Trower sein neues Werk.

Dabei sagt er auch: „Das Eröffnungsriff von ‚Live Your Time‘ ist eines der besten, die mir je eingefallen sind.“ Na ja, bevor ich diese Aussage gelesen habe, hatte ich den Titel schon mehrfach gehört und gedacht: „Ein typischer Trower-Gitarrensound. Den erkennt man am ersten Ton.“ Warum das Riff jetzt so außergewöhnlich sein soll, sei’s drum.

Der klassische, unverwechselbare, bluesige Sound von Robin Trower prägt die ganze CD. Da braucht man nicht irgendeinen oder mehrere Songs besonders beleuchten; mit Ausnahme vielleicht von „Truth“, bei dem die Londoner Blues-Rock-Sängerin Jess Hayes den Gesang übernimmt.

Povogue Records (2026)
Stil: Blues

Tracklist:
1. The Missing Piece
02. Shine
03. Love By Any Other Name
04. Live Your Time
05. Faith
06. Driving On Through
07. Truth
08. The Race
09. Without You
10. It’s Not Time

Robin Trower
Robin Trower bei Facebook
V2 Records Promotion GSA

Ian Noe – Canyon Falls Trailer Band – CD-Review

Review: Michael Segets

Ich kann mich fast als Fan der ersten Stunde von Ian Noe outen. Das Debütalbum „Between The Country“ (2019) mit Songs wie „Letter To Madeline“, „Meth Head“ oder „Irene (Ravin‘ Bomb)“, nahm mich direkt für ihn ein. Die letzten beiden Songs finden sich neben zwei anderen bereits auf der selbst herausgegebenen EP „Off This Mountaintop” (2017), die ich kurz nach dem ersten Album auftreiben konnte. Auf dem zweiten Album „River Fools & Mountain Saints“ (2022) bestätigte Noe seine Qualität als Songwriter. Er gehört neben Taylor McCall zur jungen Generation dieser Zunft, die bemerkenswerte Alben abliefern. Seine Storys verpackt Noe zumeist in ruhige Folk-Balladen, die er variationsreich und stimmungsvoll arrangiert.

Die ersten beiden Longplayer bilden nach Noe mit „Canyon Falls Trailer Band” eine Einheit, die mit dem neuen Werk als Trilogie ihren Abschluss findet. Dabei wirkt das aktuelle Album quasi wie das Prequel zu den vorherigen. Folk und Country gehen auf ihm Hand in Hand und versetzen in die ländlichen Regionen der Appalachen und ihrer Folklore. Die Songs klingen ursprünglicher und in stärkerem Maße traditionsverhaftet als seine vorherigen. Aber Noe reproduziert nicht lediglich das Bekannte, sondern gewinnt einen eigenständigen, spielerischen Umgang mit den Traditionen.

Die Titel wurden innerhalb einer Woche im Studio aufgenommen und danach einem aufwendigen Bearbeitungsprozess unterzogen. Das Resultat lässt sich hören: Die erdige Grundausrichtung mit Live-Feeling bleibt erhalten, zudem integrieren sich musikalische Feinheiten unaufdringlich in den Sound. Bei der Einspielung konnte Noe auf die Kompetenz von Charlie McCoy (Mundharmonika), Billy Contreras (Geige) und Russ Pahl (Pedal Steel) zurückgreifen.

Das sechszehn Tracks umfassende Doppelalbum dreht sich um den einzigen, aber legendären Auftritt der fiktiven „Canyon Falls Trailer Band“. Die Stories der einzelnen Songs sind im Leben und Lebensgefühl Kentuckys, der Heimat von Noe, verwurzelt. Noe zeigt ein Händchen für Situationen und Menschen, wobei mich seine Stimme und Gesang immer wieder einfangen.

Der Longplayer bietet sich an, in Gänze gehört zu werden. Der Grundton ist eher balladesk, wobei Noe durchaus auch mal flottere Töne anschlägt. Die Single „The Heidelberg Fisherman’s Ball“ ist eine runde Midtempo-Nummer, „Another Night Like That“ ein Honky Tonk und „Redneck Mess“ nimmt sogar eine Wendung in Richtung Rock. Bei den Balladen läuft Moe zu der Form seiner früheren Veröffentlichungen auf („Antartica“, „Bible County“, „Return Of The Interstellar Angels“, „Jukebox Blues“). Das Highlight unter den langsamen Titeln stellt für mich „Tobacco Moon“ dar. Aber auch andere Beiträge haben es in sich wie „Whiskey To Work“ oder „Kentucky Hurricane“, bei denen Noe deutlicher Country-Pfaden folgt.

Mit „Canyon Falls Trailer Band” legt Ian Noe erneut ein Album vor, für das ohne Einschränkungen eine Empfehlung ausgesprochen wird. Zwischen Folk und Country besinnt sich der Songwriter aus Kentucky auf seine Wurzeln. Noe sieht mit dem aktuellen Werk den ersten Zyklus seines musikalischen Schaffens abgeschlossen. Man darf daher gespannt sein, zu welchen Ufern er zukünftig aufbricht.

Lock 13 Records/Thirty Tigers – Open (2026)
Stil: Folk, Country

Tracks:
01. Canyon Falls Trailer Band
02. The Heidelberg Fisherman’s Ball
03. Tobacco Moon
04. She’s Familiar (In the Strangest Ways)
05. Kentucky Hurricane
06. What I’d Give
07. Redneck Mess
08. Antarctica
09. Another Night Like That
10. Bible County
11. Leeann
12. Return Of The Interstellar Angels
13. Whiskey To Work
14. Jukebox Blues (For Blaze Foley)
15. Dixie Speed
16. Kickin’ It In Nashville

Ian Noe
Ian Noe bei Facebook
Thirty Tigers
Oktober Promotion

Wade Bowen – The Version Of Me You Get – CD-Review

Es scheint wieder etwas Bewegung in die Red Dirt-Szene zu kommen. Nachdem sich Cross Canadian Ragweed wieder neu formiert und eine Live-LP vom Reunion-Konzert herausgebracht haben, tritt nun auch der Texaner Wade Bowen, einer der konstanten Headliner des Genres, mit einem neuen Album „The Version Of Me You Get“  an die Öffentlichkeit.

Das Werk entstand während einer schwierigen Lebensphase des Protagonisten in Zusammenarbeit mit seinem langjährigen Kollegen Sean McConnell und reflektiert textlich und auch musikalisch das Gefühlsbad, das man in solch einer Zeit durchschreitet. Mit Bowens grandioser Stimme in Kombination lassen sich Dinge wie Selbstreflexion, Schwermütigkeit, Melancholie, Wut, Verzweiflung, aber auch Selbstironie mit viel Humor, wie hier bewiesen, bestens transportieren.

Bowen startet mit „Rain“, einem emotional gesungenen Killersong, in bester Tom Petty-Manier in das 10-Stücke-Konvolut. Die voraus gebrachte Single hat sich bereits an die Spitze der Texas Country Music- sowie der American Country Music-Charts hervorgearbeitet.

Ein wütender, das Leid nach einer Trennung herausschreiender Rocker folgt mit dem realitätsnahen „Burned In The Fire“,  da sieht sich wohl jeder wieder, der solche Dinge schonmal durchlebt hat.

Das countryeske „People Like  Us“ (mit weinender Steel) ist ein Loblied auf die hohen amerikanischen Werte des einfachen Mannes. Bowen singt im Refrain: „We don’t care about the Jonses, the only thing we want own is, a little picee of land and a handshake you can trust, people like us!“

Das ein wenig an Travis Tritt erinnernde, im Outlaw-Country-Stil performte „Way on The Levee“ (mit klasse raunzender ‚Slide-Gitarre) besticht zusätzlich mit einer gastgesanglichen Präsenz von Dan Tyminski (ehemals Alison Krauss & Union Station).

Und auf diese wechselnde Art und Weise auf durchgehend hohem Songniveau geht es dann auch weiter zu bis zum abschließenden Titelstück, der piano-getränkten Ballade „The Version Of Me You Get“., wobei sich der launige Mitsing-Countryschunkler „Hard World“ als  Stimmungsmacher für seine anstehenden Live-Konzerte herauskristallisiert.

Wade Bowens neues Album „The Version Of Me You Get“ kommt einem Versprechen gleich. Wer ihn über die Jahre kennen- und zu schätzen gelernt hat, weiß, dass er sich wohl immer auf  authentische, ehrliche und niveauvolle Musik auf höchstem Niveau verlassen kann. Erneut absolute Bestnote!

Bowen Sounds/Thirty Tigers/Membran (2026)
Stil: Red Dirt / Country Rock

Tracklist:
01. Rain
02. Burned In The Fire
03. People Like Us
04. Weight On The Levee
05. Turpentine
06. Better Left Alone
07. One More One Last Time
08. The Garden
09. Hard World
10. The Version Of Me You Get

Wade Bowen
Wade Bowen bei Facebook
Oktober Promotion