Bywater Call – 11.06.2022, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

In Rheinberg, meiner Heimatstadt, in der ich jetzt 56 meiner insgesamt 59 Lenze wohnhaft bin, war am letzten Wochenende Stadtfest, das Corona-bedingt, jetzt schon diverse Male abgesagt worden war. Verlass beim musikalischen Rahmenprogramm war, wie sooft in der Vergangenheit, wieder mal auf die Ideenlosigkeit der kulturell Verantwortlichen in diesem Ort, die sich, wie gewohnt, überwiegend auf Amateur-Coverbands fokussiert hatten.

Gottseidank, gibt es (natürlich auch in Rheinberg, wir haben mit dem Schwarzen Adler und dem to hoop zwei gute Clubs) genug Menschen, die entsprechende Synapsen zu solchen Dingen in ihrer DNA verankert haben, einer davon ist sicherlich Markus ‚Pille‘ Peerlings, der mit seiner liebevoll und kreativ geführten Kulturrampe in Krefeld, trotz begrenzter Mittel, immer wieder für ein, von Diversität und hochklassigem Niveau geprägtes Angebot mit seinem Namen steht.

So war an diesem Abend die Entscheidung leicht, denn das aus Toronto, Kanada, stammende Septett Bywater Call hatte sich nach ihrem begeisternden Auftritt vor knapp 2 1/2 Jahren wieder an gleicher Stätte angesagt. Also klarer Fall, klimaneutraler Fingerabdruck hin oder her, statt die bequeme Variante zu Fuß in Rheinbergs Innenstadt zu wählen, ab ins 25 km entfernte Krefeld.

Ehrlicher Weise muss ich attestieren, dass während des Gigs auch nicht alles ganz rund lief. Die Band wirkte am vorletzten Abend ihrer ausgiebigen Europa-Tournee etwas ausgelaugt, die Fronterin Meghan Parnell schien gesundheitlich angeschlagen (sie hüstelte immer wieder und klammerte sich oft an ihr Wasserglas), es gab kleinere technische und spielerische Pannen, was aber guten den Gesamteindruck des Gigs absolut nicht in Frage stellen soll.

Bywater Call eröffneten mit „One Before“ und spielten sich im weiteren Verlauf durch ein zweiteiliges Set, das schon mit Stücken aus ihrem demnächst erscheinenden neuen Album „Remain“ (vor Ort konnte man es schon am Merchandisingstand erwerben) gespickt war. Ihr jam-soul-rockiger, spielfreudiger Stil auf Basis einer stimmstarken Frontfrau, erinnerte natürlich immer wieder an die Tedeschi Trucks Band.

Basierend auf starker Rhythmusgrundlage durch Drummer Bruce McCarthy und Mike Meusel (mit markantem Groove) konnte sich der Rest der Musiker in den instrumentellen Zwischenteilen immer wieder mit Soli profilieren. Gitarrist Dave Barnes, der mich rein optisch eine eine Kreuzung aus Derek Trucks und Robert Habeck erinnerte, griff natürlich auf die Trucks-typischen Slide-Soli zurück, die beiden Blasmusiker Stephen Dyte und Julian Nalli hatten auch Spaß am Betätigen der vor ihnen stehenden Cowballs, die sie hier und da als perkussive Unterstützung für McCarthy einsetzten.

Meine Favoriten des Abends waren die schöne Ballade „Remain“ und der BC-Song mit dem bislang wohl höchsten Wiedererkennungswert „Silver Lining“. Am Ende sammelten die Musiker nochmals alle ihre Kräfte und erfüllten die lautstark geforderte Zugabe der begeistert mitgehenden Rampenbesucher mit „AM“, wo alle Involvierten nochmals namentlich vorgestellt wurden und sich mit ihren Kurzsoli ‚in eigener Sache zeigen‘ konnten.

Am Ende stellte sich, trotz der kleinen marginalen Beanstandungen, die Entscheidung, Bywater Call in der Kulturrampe zu besuchen, als richtig heraus. Man sollte kreativen Acts immer den Vorzug vor Coverbands geben. Und das kann man in diesen urigen Clubs wie der Rampe einfach am besten!

Line-up:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar, bgv)
Alan Zemaitis (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Kulturrampe Krefeld

Allen-Forrester Band – 01.06.2022 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Drei Konzerte innerhalb von sechs Tagen, das war für mich nach der langen Corona-Phase und den dadurch bedingten Entbehrungen samt beruflicher Veränderung, durchaus erstmal eine Herausforderung. Von Whitesnake in einer Arena, ging es über Larkin Poe in einer mittelgroßen Location wieder zurück in die von mir präferierten, kleineren Clubgefilde, diesmal in Sachen der Allen-Forrester Band in die geliebte Kulturrampe zu Krefeld.

Verkehrte Welt, unser Team bestand mit Michael Segets und mir aus zwei Schreiberlingen, die etatmäßigen Fotografen standen nicht zur Verfügung. Und so einigten wir uns im Rahmen unserer mitgeführten Amateurkameras, dass Michael das Knipsen und meine Wenigkeit das Schreiben übernimmt und wir am Ende mal gucken, was so an Bildern herauskommt.

Die Allen-Forrester Band ist ein Rock-, Blues und Southern Rock-Projekt der beiden amerikanischen Musiker Josh Allen und Ben Forrester, das durch die deutsche Rhythmusfraktion Hendrik Herder und Matthias Böhm ergänzt wird, beide übrigens im gesamten Verlauf fulminant mitagierend.

Das Quartett hat aktuell eine Live-CD am Start, aus der dann Tracks wie u. a. „Mr. Boss Man“ (auch an diesem Abend der Opener nach Pilles Ansage), „Say My Name“, „Too Late“, „This Evening“, „Don’t Keep Me Wondering“ und die beiden Skynyrd-Cover „Whiskey Rock-A-Roller“ sowie „Workin‘ For MCA“, ausgiebig vorgestellt wurden.

Die Rollenverteilung ist dabei eindeutig festgelegt, Josh Allen gibt mit seiner hervorragend zur Musik passenden, rau-kratzigen Stimme den Fronter, der dazu im E-Gitarrenbereich (mit Stratocaster und Telecaster) überwiegend den Zuspieler für den filigran auf einer Gibson Les Paul zu Werke gehenden Ben Forrester abgibt, zwischendurch aber auch mit kurzen Twins und Soli sein Können an den Saiten beweist.

Herder und Böhm hatten die Funktion der Treiber inne, ließen in den zwei gespielten Sets dabei immer wieder sowohl kraftvolle Rhythmen los, als auch gefühlvolles Gespür aufblitzen.

Im ersten Part zählten das southern-soulige „Oh Carolina“, die Ballade „Phases Of The Moon“ und das atmosphärische Southern-Stück „Wiser Time“ zu meinen Favoriten. Nach der halbstündigen Pause zur Kompensierung der Flüssigkeitshaushalte, gab es für mich nach rockigem Beginn mit „Don’t Keep Me Wondering“ und „Shake Your Magnolia“ den Höhepunkt in Teil 2 mit „Too Late“, in dem Forrester im Mittelteil ein grandioses ‚Leise‘-Spiel-Solo vom Stapel ließ, bei der man in der Rampe eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Die verzückte Audienz wurde dann aber durch einen krachenden Donnerdrumschlag von Böhm abrupt wieder in die Realität zurückbefördert, wo Allen dann mit Gesang und weiterem E-Solo, den Song ausklingen ließ. Wie im Fluge war dann mit einer dynamischen Cover-Version von „Workin‘ For MCA“ (unter Beteiligung der wie so oft wild vor der Bühne tanzenden ‚Kulturrampettes‘) das Ende des Hauptteils eingeläutet.

Wer das Publikum der Rampe kennt, weiß, dass so eine starke Vorstellung, nicht ohne Zugaben ihr Ende findet. Und so ließen sich Allen, Forrester & Co. nicht lange bitten und gaben mit „Forbidden Fruit“ und extra für den Kollegen und großen Jam-Freund Michael Segets, noch eine Adaption des Allman Brothers-Klassikers „Whipping Post“ zum Besten. Klasse hier wie Forrester mit einem Trommelstock in der linken Hand, Böhm in ABB-Butch Trucks-Manier quasi phasenweise als Zweitdrummer unterstützte.

Auf der Rückfahrt, die drei Gigs Revue passierend, fragte ich mich spontan, warum die Allen-Forrester Band vor nur knapp 40 Zuschauern kämpfen muss und Larkin Poe (und da will ich deren Leistung wirklich nicht schmälern, die war wirklich klasse) unter fast gleicher Quartett-Konstellation, locker mal 1.300 Leute aktivieren kann.

Gut, aus männlicher Sicht bin ich, optisch gesehen, natürlich auf der Seite der Mädels, aber wenn man die reine musikalische Gesamtleistung (Gesang, Songmaterial, spielerische Umsetzung), betrachtet, liegt hier, wenn man ehrlich ist, die Allen-Forrester Band eigentlich ein Stück weit vorne. So kommt man zu später Stunde, wie so oft, zur Einsicht, dass das Leben auf dieser Welt manchmal doch ziemlich ungerecht sein kann…

Line-up:
Josh Allen – lead vocals, electric guitar
Ben Forrester – electric guitar, bgv
Hendrik Herder – bass, bgv
Matze Böhm – drums

Bilder: Michael Segets
Text  und Bilder (s/w): Daniel Daus

Allen-Forrester Band
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Kulturrampe Krefeld

Larkin Poe – Support: Ferris & Sylvester – 28.05.2022 – Live Music Hall, Köln – Konzertbericht

Part 2 eines für uns arbeitsreichen Wochenendes. Nach dem wir am Tag zuvor bei den Hard Rock-Urgesteinen Europe und Whitesnake ‚fremdgegangen‘ waren, bewegten wir uns mit dem Besuch der beiden Lovell-Schwestern, alias Larkin Poe, am Samstag in der Live Music Hall zu Köln, wieder zurück in das von uns bevorzugte Terrain.

Die geplanten Larkin Poe-Konzerte zuvor, waren wegen der Corona-Pandemie jeweils zweimal verschoben worden. Diesmal konnte der Gig endlich stattfinden, die Location des (zurecht) ordentlich gehypten Duos (durch Bass und Schlagzeug ergänzt) in der mit 1.300 Besuchern rappelvollen Hütte, konnte nun endlich stattfinden.

Wie sooft bei Konzerten (auch am Abend zuvor) lief uns das uns nahestehende, musikbegeisterte Ehepaar Doreen und Mario Scholten über den Weg, das sich schon am Nachmittag im Rahmen eines ‚Meet And Greet‘ (der Göttergatte war von seiner Herzensdame zum Geburtstag damit beglückt worden) mit den beiden Protagonistinnen getroffen hatte. Die beiden berichteten von zwei sehr angenehmen und trotz ihres Erfolges, sehr natürlich und lebensnah gebliebenen Musikerinnen.

Als Support begannen pünktlich um 19:00 Uhr die beiden Briten Issy Ferris und Archie Sylvester (Ferris & Sylvester). Die hatten ihre knapp 2 Monate junge, erste CD „Superhuman“ mit im Gepäck, aus dem die beiden dann naturgemäß auch viele Stücke wie u. a. „The Party’s Over“, „Golden“ und „Flying Visit“, präsentierten.

Zu gefallen wussten auch die eigenwillig integrierte Cover-Version des Jimi Hendrix-Klassikers „Little Wing“ sowie der schnippische „London’s Blues“ zum Abschluss ihrer gesanglich als auch instrumental anspruchsvollen Performance. Ferris & Sylvester wurden begeistert mit durchgängig viel Applaus nach ca. 45 Minuten vom Publikum in den verdienten Feierabend verabschiedet.

Line-up Ferris & Sylvester:
Issy Ferris: lead vocals, acoustic guitar, bass, percussion
Archie Sylvester: guitars, lead vocals

15 Minuten später war schon die Bühne für den Hauptact Larkin Poe angerichtet. Der Name des Duos aus Atlanta, Georgia, stammt, wie ich recherchieren konnte, von ihrem Ur-Ur-Ur-Großvater, der übrigens wohl ein Cousin des amerikanischen Schriftstellers Edgar Allen Poe war. Die beiden waren ziemliches Neuland für Fotograf Gernot und mich, da wir die bisherigen Reviews zu ihren letzten Scheiben (u. a. „Self Made Man“ und „Kindred Spirits“ immer unserem Benjamin im Magazin, Stephan Skolarski, überlassen hatten.

Die beiden Schwestern führten dann mit ihren beiden Mitstreitern, Tarka Layman und Kevin McGovan, die sich überwiegend mit ihrer Rhythmus-gebenden Arbeit im Hintergrund hielten, durch ein unterhaltsames. 15 Tracks (inklusive einer Zugabe) umfassendes Programm, das von südstaatlich umwobenen Traditional-Blues und Southern Rock geprägt war.

Fronterin Rebecca war dabei naturgemäß mit ihrer pfiffigen und kommunikativen Art die dominantere Persönlichkeit, Schwesterherz Megan, diejenige, die eher auf die instrumentelle Konzentration fokussiert war. Sie steuerte allerdings neben ihren klasse Slides auf ihrer Umhänge-Lap Steel, auch präzise sitzende Harmony-vocals bei. Aber auch Rebecca wusste mit einigen knarzigen Soli auf ihren beiden benutzten E-Gitarren zu gefallen. Begeistert hat mich vor allem ihrer wunderbar klarer Gesang, der mich irgendwie an eine Annie Lennox in einer Southern-Variante erinnert hat.

Als Freunde des Southern Rocks hatten wir natürlich an Songs wie „Keep Diggin'“, „Bleach Blonde Bottle Blues“, „Holy Ghost Fire“, „Back Down South“ (mit integrierten ABB-„Blue Sky“-Kurz-Intermezzo), „Summertime Sunset“, „Black Echo“ und „Blue Ridge Mountains“, besonderen Spaß.

Den zünftigen Abschluss bildet „Wanted Woman / AC/DC“, bevor in der vom Publikum heftig eingeforderten Zugabe mit „Come On In My Kitchen“ den alten Traditional-Blues-Größen der Marke Robert Johnson & Co. Tribut gezollt wurde.

Larkin Poe lieferten an diesem Abend ein überzeugendes Konzert ab. Schön zu wissen, dass sich der Southern Rock auch im weiblichen Nachwuchsbereich keine Sorgen zu machen braucht. Beim nächsten Besuch in der Domstadt, behaupte ich mal, wird eine Halle der größeren Kategorie für die mittlerweile in Nashville, Tennessee, ansässige Band gebucht werden müssen. Klasse Leistung der Mädels!

Line-up Larkin Poe:
Rebecca Lovell: lead vocals, electric guitar
Megan Lovell: lap steel guitar, bgv
Tarka Layman: bass
Kevin McGovan: drums

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Live Music Hall, Köln

Eric Steckel – Support Rovar – 22.05.2022 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Das letzte Mal sah ich Eric Steckel am 13.03.2020 im Musiktheater Piano. Es war das letzte Konzert, bevor es einen Tag später endgültig zum Lockdown durch Corona kam, der die Kulturszene für einen langen Zeitraum beeinflusste und unter dessen Folgen jetzt noch die Clubs und Musikszene leiden, was sich auch an vielen Absagen, mangels Kartenvorverkauf, Krankheit oder auch an geringen Zuschauerzahlen zeigt, die kaum genügen, um die Kosten zu decken, den Club aufzuschließen.

Immerhin hatten sich an einem sonnigen Sonntagabend doch so viele Zuschauer im Saal des Piano eingefunden, dass das Bild nicht so trostlos war, wie bei einigen Gigs, die ich in der letzten Zeit besucht hatte. Dennoch blieb genug Luft nach oben übrig.

Schon gegen 19:45 Uhr begannen die drei jungen Musiker von Rovar die Anwesenden mit ihrer Mischung aus Grunge und Hardrock auf Betriebstemperatur zu bringen. In ihrem knapp 40-minütigen Auftritt gelang es dem Trio, Werbung in eigener Sache, für ihre erste EP und das anstehende erste Album zu machen.

Line-up Rovar:
Luca Mewes: guitar, vocals
Paul Ulrich: bass
Bennet Fuchs: drums

Nach einer kurzen Umbaupause betrat dann fast unbemerkt von den Besuchern Eric Steckel mit seiner Band die Bühne, während aus den Lautsprechern noch die Musik von Molly Hatchet erklang. Steckel stöpselte seine Gitarre ein und übertönte dann die Hintergrundmusik mit einem kurzen Soundscheck, der es nicht nur lautstärkemäßig in sich hatte und fast eine Art Intro zum Konzert darstellte.

Danach folgten, knapp zwei Stunden Powerrock mit Vollgas auf der Überholspur. Was mit „Solid Ground“ und dem ZZ Top-Klassiker „Waiting For The Bus“ noch relativ ruhig begann, sollte sich mit zunehmender Konzertdauer zu einem regelrechten Gitarrengewitter entwickeln.

Neben einigen Coversongs standen Tracks des aktuellen Albums „Grandview Drive“ im Mittelpunkt, wobei „Can´t You See“ Southern Rock-Flair ins Piano brachte. Die Gesangspassagen, die durch harte Gitarrenriffs unterbrochen wurden, hätten auch der Marschall Tucker Band gut zu Gesicht gestanden und zum Ende spielte Steckel sich mit einem southern-typischen Solo in einen regelrechten Rausch.

Spätestens hier hatte er das Publikum mit seiner Spielfreude und seiner positiven Ausstrahlung für sich eingenommen. Selten habe ich aber auch gesehen, mit welcher Freude ein Musiker auf die Resonanz der Zuschauer reagierte, dass man das Gefühl haben konnte, sodass sich Zuschauer und Band in einer Wechselbeziehung immer weiter anstachelten. Steckel jagte mit seinen Fingern teilweise über die Gitarrensaiten, dass man dieser Geschwindigkeit kaum folgen konnte, traf dabei aber jede Note auf den Punkt.

In einer jammenden Phase überließ Steckel seinen beiden Kompagnons, welche ansonsten die Grundlage für den Sound legten, die Bühne, und so konnten Jos Kamps mit einem tollen Basssolo, in das er den Rhythmus von „Another One Bites The Dust“ einbaute und Henri van den Berg an den Drums zeigen, dass sie weit mehr sind als nur Begleitmusiker. Jos Kamps übernahm zuweilen sogar die Rolle des Animateurs, in dem er gestenreich, aufgrund der phantastischen Leistungen Steckels an der Gitarre, das Publikum aufforderte, diesen weiter anzufeuern.

Mit einer scheinbar nicht endenden Version von „Tennessee“, mit krachenden Soli Steckels und stampfenden Bassläufen, ging es ins jammende Finale mit „Best With You“ und nach zwei Stunden Powerrock wurde ein toller Konzertabend beendet, der schon jetzt eine Vorfreude auf das nächste Mal gemacht hat, mit einem dann hoffentlich rappelvollen Piano.

Line-up Eric Steckel:
Eric Steckel: guitar, lead vocals
Jos Kamps: bass
Henri van den Berg: drums

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Eric Steckel
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Rovar
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Southern Rock Junkies – Back To The Roots Vol. 1 – Do-CD-Review

Rob Hiemer ist ein Southern Rock-Verrückter. Ähnlich wie beim Heroinsüchtigen das Verlangen nach dem nächsten Schuss, ist er auf der Suche nach dem nächsten Southern Rock-Trip, bedingt durch einen Song, ein Album oder einer dieser typischen Gigs, wie es sie an Intensität wohl nur in diesem Genre gibt. Ein Southern Rock Junkie eben.

Auch auf dem neuen SRJ-Doppel_CD-Werk „Back To The Roots – Vol. 1“ zeigt er sich wieder als ‚Hans Dampf in allen Gassen‘. Die insgesamt auf zwei Silberlinge verteilten 27 Songs hat er selbst geschrieben, gesungen, Bass gespielt, produziert und selbst die Covergestaltung hat er sogar übernommen. Ok, ein paar seiner Bandkumpels durften dann zumindest an ihre Instrumente ran.

Ach ja, fast hätte ich es vergessen, eine Southern Rock-Radio-Sendung moderiert er auch noch bei Home Of Rock, das einst als eines der ersten Online-Musik-Magazine seiner Art zu Beginn des Internetzeitalters loslegte (mit klasse Redakteuren – auch ich war einer der Gründerväter), aber das dann irgendwann sein vermeidbares und unrühmliches Ende, zumindest in dieser Form fand.

Die Southern Rock Junkies entstanden, soweit ich mich erinnere, im Rahmen einiger legendärer Treffen von Southern Rock-Gleichgesinnten im Spreewald, an denen ich leider nie teilhaben konnte, weil sie immer genau in meine Urlaubszeit fielen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob Rob und meine Wenigkeit sich schon mal persönlich gegenüber gestanden haben. Vermutlich werden wir aber an unzähligen SR-Konzerten gemeinsam partizipiert haben, ohne es vermutlich gewusst zu haben.

Mit einer ähnlichen Band habe ich früher ja auch so meine Erfahrungen gemacht, Ende der 90er Jahre blühte eine Band in meinem heimatlichen Ort Rheinberg namens Street Survivors kurz auf, die ein Album namens „Southern Rock Will Never Die“ herausbrachte (wo ich den Titelsong mitgeschrieben hatte). Sie schaffte es vorübergehend ins Vorprogramm von Acts wie Molly Hatchet, Doc Holliday und Wishbone Ash, verschwand dann aber genau so schnell wieder, wie sie sich ihre Ambitionen in Luft aufgelöst hatten.

Auf ähnlicher Stufe ist das Werk der Southern Rock Junkies einzuordnen. Man spürt zu jeder Zeit das Engagement,  mit eigenen Kreationen, sich mehr als nur eine Covertruppe zu positionieren. Die Musik bewegt sich naturgemäß im Dunstkreis der mehr oder weniger heute kaum noch kompositorisch tätigen Ikonen der Zunft wie Outlaws (von denen kommt ja zumindest immer noch was), Skynyrd, Hatchet und Doc Holliday (beide Bands sehr stark vom Einfluss her vertreten).  Deren Bruce Brookshire ist auf diesem Werk auch dezent mit von der Partie. Zu gefallen wissen der jederzeit spürbare Enthusiasmus, der oft flotte Drive, als auch die vielen unzähligen quirligen E-Gitarren-Soli, die für dieses Genre unabdingbar sind.

Trotzdem versuche ich mich meistens um solche Reviews zu drücken, weil man, wenn man dazu gebeten wird und ehrlich sein will, auch ein paar Wahrheiten aussprechen muss, mit denen man eigentlich lieber eher ‚hinterm Berg‘ halten möchte. Das will ich, besonders, wenn es sich dabei um so nette und sympathische Menschen handelt, wie beim Rob, dann doch möglichst vermeiden.

Punkt 1, nicht so schlimm – das Coverartwork. Ich war ja durch Rob’s Facebook-Posts und die SRJ-Webseite schon im Vorfeld gewarnt. So ein wildes Sammelsurium an Farben, Schriften und  Bildern, das sucht schon Seinesgleichen und lässt einen Menschen, der seit über 30 Jahren in der Werbebranche arbeitet, wirklich staunend zurück. Man ist fast geneigt, sich so eine Brille zu besorgen, die man beim Beobachten einer Sonnenfinsternis trägt, um einen nachhaltigen Augenschaden zu vermeiden… Aber geschenkt!

Punkt 2 – leider bei 27 Tracks ein durchgehendes Moment – der für meine Gehörgange nur schwer kompatible Gesang. Hier werde ich wohl noch lange warten müssen, bis ich mal in diesem Land einen zweiten Sänger auf der Stufe eines Stefan Kossmann (Flatman) erleben werde. Beim verpeilten „Sorry We Are Stoned“ hätte ich ihn noch als belustigendes Stilmittel verbucht, aber ansonsten wird einem schon echtes Durchhaltevermögen abverlangt. Selbst meine Frau hat mir da schnell die rote Karte gezeigt und auf das Existieren von Kopfhörern verwiesen…

Insgesamt muss man aber das Engagement und die vermutlich auch nicht üppig vorhandenen Mittel berücksichtigen, die bei der Realisierung eines solchen Projekts immer eine Rolle spielen. Hier hat man ja schließlich kein Major Label im Rücken. Von daher überwiegt eher der Spaß an der Sache. Auch „Back To The Roots Vol. 1“ von den Southern Rock Junkies zählt zu der Musik, die, wie im Southern Rock oft üblich, meist erst nach einigen Bierchen und live in geselligem Rahmen, ihre Wirkung am Besten entfaltet. Also, Weitermachen Rob & Co.!

Eigenproduktion (2022)
Stil: Southern Rock

Tracks:
CD1
01. Introductory (Gerry Casey)
02. Happy As A Man Can Be
03. Cheerz For Rock N Roll
04. Never Too Late To Rock N Roll
05. Back To The Roots
06. Baby Play My Rock N Roll Again
07. Sorry We Are Stoned
08. Take My Blues Away
09. Ticket To Paradise
10. A Man Can Never Have Too Many Guitars
11. Quarantine Blues
12. Vamos Muchachos
13. Southbound
14. Edge To Midnight

CD2
01. Rock N Roll Dreams
02. Rock Is In My Head
03. Turn Your Radio On
04. Crazy Kind Of Love
05. Home of Rock Will Never Die
06. Lanky Wanky Crazy Night
07. Once At Night
08. Mexican BBQ
09. Don’t Wanna Die
10. Valerie
11. Just For The Rockers
12. Halleluhja Rock N Roll
13. Home Is Where The Music Is

Southern Rock Junkies
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Bywater Call – 08.05.2022, Yard Club, Köln – Konzertbericht

Am Muttertag traten die Kanadier Bywater Call, zwei Tage nach einem hochgelobten Auftritt beim Moulin Blues im niederländischen Ospel, im Kölner Yard Club auf. Markus Neu war es somit gelungen, einen absolutes Highlight zu buchen.

Das sich aber ein so spezieller Abend entwickelte, war nicht zu erwarten. Um kurz nach 20:00 Uhr betrat die Band die Bühne und die Sängerin Meghan Parnell schaute in den mehr als spärlich gefüllten Saal, überlegte kurz und machte eine bemerkenswerte und charmante Ansage: „Schön, dass ihr da seid, heute geben wir gewissermaßen eine private Show“. So entwickelte sich ein Gig, den alle Anwesenden so schnell nicht vergessen werden und alle gemeinsam das Beste aus der Situation machten.

Die sieben Kanadier legten ein 100-minütiges Konzert hin, das es in sich hatte. Dabei präsentierten sie neben Songs des ersten Albums auch einen großen Teil des in kürze erscheinenden neuen Longplayers, sowie zwei Coversongs von Paul Simon und The Band. Auf einzelne Lieder einzugehen, verzichte ich an dieser Stelle, da alle auf einem hohen Niveau waren und es mir schwer fallen würde, einzelne Stücke hervorzuheben.

Auffallend war, dass mehrmals ganz kurz zwischen den Songs abgestimmt wurde, welches Stück folgen sollte, und sich so je nach Stimmung verschiedene Setlisten ergeben können. Zwischen den Songs machte Parnell nicht nur Ansagen, sondern plauderte zuweilen mit den Anwesenden, die nicht mit verdientem Applaus sparten.

Wo ich vor etwa 2,5 Jahren schon von einem tollen Bandverständnis berichtete, hatte ich an diesem Abend das Gefühl, dass die Formation noch mehr miteinander verwachsen ist und sich das damals schon tolle Songwriting noch einmal gesteigert hat. Prägend sind zunächst einmal das Zusammenwirken der charismatischen zierlichen Sängerin Meghan Parnell und des Gitarristen Dave Barnes, das vom Rest der Band perfekt ergänzt wird. Alle Musiker haben mehrfach die Möglichkeit, sich in den Vordergrund zu spielen.

Parnell überzeugte mit einem Stimmvolumen, das Seinesgleichen sucht und stand meist im Mittelpunkt des Geschehens. Jedoch begab sie sich öfters ganz an den Rand der Bühne, um diese den anderen zu überlassen. Barnes glänzte mal slidend oder fingerpickend mit einigen feinen eindrucksvollen Soli und ließ seine Gitarre zuweilen regelrecht singen. Dabei hielt er sich visuell aber meist eher im Hintergrund und war zuweilen regelrecht in seinem Spiel versunken.

Die starke Rhythmussektion um Basser Mike Meusel und Drummer Bruce McCarthy konnte selbst einige kurze Soli in die Musik einflechten. Keyboarder Alan Zemaitis untermalte die Songs nicht nur, sondern begeisterte mit furiosen aber auch gefühlvollen Soloeinlagen, wie auch Trompeter Stephen Dyte und Saxofonist Julian Nalli.

So präsentierte die Band ein Konzert, in der verschiedenste Musikstile geschickt verflochten wurden. Von Blues, über Soul, Folk bis hin zu Rockmusik fanden sich alle Musikrichtungen in ihrem ganz eigenen Stil wieder, der zur Zeit live zu den absoluten Highlights zählt.

Bywater Call werden in den nächsten Wochen in NRW noch Konzerte im Musiktheater Piano in Dortmund, im Zentrum Altenberg in Oberhausen und in der Kulturrampe in Krefeld geben. Freunde der genannten Musikrichtungen sollten sich dabei nicht die Chance entgehen lassen, diese begnadeten Musiker in den genannten Locations zu besuchen und für eine entsprechende Stimmung zu sorgen. Ich für meine Person werde es mir nicht entgehen lassen mich auf der Tour nochmals an der Musik der absolut sympathischen Kanadier zu erfreuen, die schon bald mehr als ein Geheimtipp sein werden.

Nochmals ein besonderer Dank an Markus Neu vom Yard Club, für den es mir an dem Abend leid tat, dass sein Booking mit einem Händchen für exzellente Musiker, nicht entsprechend von den Musikfreunden angenommen wurde. Auch an die Band, die es sich nicht nehmen ließ, den wenigen Anwesenden einen tollen musikalischen Abend zu bescheren und so einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen, bei dem sogar noch eine gefeierte Zugabe nachlegte.

Line-up:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar,bgv)
Alan Zemaitis (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Yard Club Köln

Dana Fuchs – Borrowed Time – CD-Review

Wer für ein Janis Joplin-Musical als Hauptakteurin verpflichtet wird, muss eine gute Stimme haben. Dass dies dann auch zweifelsohne bei Dana Fuchs der Fall ist, davon konnten wir uns vor gut vier Jahren, als diese Welt noch in Ordnung zu sein schien, live bei ihrem schweißtreibenden Gig im Dortmunder Musiktheater Piano überzeugen.

Da war sie musikalisch in der souligen Blues Rock-Szene unterwegs. Die in New Jersey geborene Protagonistin ist aber in Florida aufgewachsen. Für Psychologen ein klarer Fall – das muss, gerade bei Musikern, irgendwann einmal aufgearbeitet werden, wenn man quasi mit Lynyrd Skynyrd & Co. überall groß geworden ist.

Und tatsächlich wartet die Sängerin und Songschreiberin mit einem wirklich starken, Southern Rock-umwehten Album mit dem Titel „Borrowed Time“ auf. Zu Gute kommt ihr auch hier wieder, wie bereits oben erwähnt, ihre rauchig kratzige Stimme, die bei einer Frau am Mikro in diesem Genre praktisch Pflicht ist.

Für das Album hat sie sich ein wenig aus den Fängen vom musikalischen Langzeitpartner Jon Diamond gelöst, der auf diesem Werk allerdings weiter Gitarre spielt. In Sachen Produktion hat sie sich mit Bobby Harlow (Detroit Cobras, Samantha Fish) und Teddy Tudrick externe Hilfe ins Haus geholt, letztgenannter sorgt als zusätzlicher Saitenzupfer für den Southern-typischen E-Gitarrensound.

Das Werk ist umrundet vom Led Zeppelin-/Skynyrd-umwehten Opener „Double Down On Wrong“ und dem finalen Stomper „Star“, die beide so psychedelisch und wild daherkommen wie Danas prachtvolle Mähne. Zwischendurch gibt es dann  viel Southern Rock-Feeling, wo immer die typischen Einflüsse von Skynyrd („Blue Mist Road“ im Aufbau mit ein wenig „The Last Rebel“-Flair, „Nothing You Own“ mit toller „Tuesday’s Gone“-Reminiszenz), den Black Crowes (u. a. bei Save Me“) oder auch den guten alten Stones („Hard Road“, „Not Another Second On You“) durchschimmern. Bei den temperamentvolleren Sachen erinnert sie mich vom Gesang her oft an Sass Jordan.

Bei den langsameren Nummern wie dem herrlichen „Call My Name“ und dem Harp-getränkten „Lonely Lie“ schwebt Fuchs in rootsigen Sphären einer Lucinda Williams.  Das sich dynamisch steigernde Titelstück „Borrowed Time“ hätte zu früheren Zeiten auch in das Repertoire von einem John Mellencamp problemlos gepasst. 

Insgesamt eine schlaue Entscheidung von Dana, sich mal im Southern Rock zu beweisen. Das ist ihr vollkommen gelungen und sie wird mit dieser tollen Scheibe ihre etatmäßige Anhängerschaft aus dem Blues-Bereich sicherlich um eine erhebliche Anzahl von Leuten aus der Südstaaten Rock-Fraktion erweitern, die ihr zudem garantiert viel Respekt für diese famose Leistung zollen werden. Sie heißt also nicht umsonst mit Nachnamen Fuchs!

Ruf Records (2022)
Stil: (Southern) Blues Rock

Tracks:
01. Double Down On Wrong
02. Blue Mist Road
03. Call My Name
04. Save Me
05. Curtain Close
06. Hard Road
07. Borrowed Time
08. Nothing You Own
09. Not Another Second On You
10. Lonely Lie
11. Last To Know
12. Star

Dana Fuchs
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Ruf Records

Black Bottle Riot, 15.04.2022 – Musiekcentrum De Bosuil, Weert, Konzertbericht

Im de bosuil war am Karfreitag Southern Rock angesagt. Die aus Nijmwegen kommende Band hatte gerade erst das aktuelle Album „Fire“ veröffentlicht, das auch fast vollständig präsentiert wurde.

Beim Opener „That`s Where I Stand“ bewies Drummer Mark Weerts, dass er nicht nur mit den Drumsticks umgehen kann, sondern auch ein guter Sänger ist, als er im ersten Teil des Songs die Lead vocals übernahm. Zudem beteiligte er sich auch bei mehreren Songs mit Harmoniegesängen. Sein Rhythmuspartner Jaap van den Berg legte am Bass eine starke Grundlage für die Songs und konnte auch mit einigen feinen Soloeinlagen glänzen.

Schnell war der Funke auf die Anwesenden übergesprungen und es entwickelte sich ein rasanter Southern Rock-Abend, der auch ein volles Haus verdient gehabt hätte. Black Bottle Riot zeigten von Beginn an, warum prominente Pendants wie Black Stone Cherry, sie als Opener in der Vergangenheit ausgewählt haben und dass entsprechende niederländische Kost durchaus den amerikanischen Vorbildern Paroli bieten kann.

Simon Snel setzte den Songs mit seiner zum Genre passenden Stimme seinen Stempel auf und bildete mit Mike Sedee die kleine Guitarrenarmee. Beide wechselten sich meist in der Rhythmus und Soloarbeit ab. Klar, dass die Show mit zahlreichen typischen Soli gespickt war, die mal nur kurze Akzente setzten oder, wo sich die beiden die Noten regelrecht zuschmissen.

Mit krachend harten Songs wie „Cast Aside“, „Medicine“, das mich vom Gesang und Rhythmus her ein wenig an BTO erinnerte, „Bright Light City“ und „Exit Spoiler“ wurden die Fans aufgeheizt, um sie mit eher baladesken Nummern wie „Spirit Talker“ oder „Sea Of Lies“ runter zu temperieren.

Die Bandbreite des Southern Rocks offerierten Black Bottle Riot auch mit eingestreuten Tracks wie „Fire“ oder „Lost in Time“, die einen gewissen Countrycharme hatten.

Mit dem rockigen „On My Knees“ beendete die Band das zweite Set, um nach den erspielten Zugabeforderungen noch das Merle Haggard-Cover „Ramblin Fever“ und „Stay Hungry“ vom Debutalbum nachzulegen. Beim letzten Song spielten sich Mike Sedee und Simon Sneel mit rasanten aufeinanderfolgenden Soli in einen regelrechten Rausch, nach dem auch nichts mehr kommen konnte.

120 Minuten starker Southern Rock hatte so einen klassischen Abschluss gefunden und die anwesenden Fans werden ihr Kommen mit Sicherheit nicht bereut haben. In der Form wird von Black Bottle Riot noch Einiges zu erwarten sein.

Ein besonderer Dank geht neben den sympathischen Musikern an das de bosuil, das diesen unterhaltsamen Abend ermöglicht hat und sich wie immer als hervorragender Gastgeber gezeigt hat.
Tot ziens, bis zum nächsten Mal.

Line-up:
Mike Sedee – guitars, vocals
Simon Snel – guitars, lead vocals, blues harp
Jaap van den Berg – bass, backing vocals
Mark Weerts – drums, vocals

Text und Bilder: Gernot Mangold

Black Bottle Riot
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Musiekcentrum De Bosuil Weert

The Noble Five – The Blue Bird Sessions – CD-Review und Gewinnspiel – Gewinnspiel beendet!

Im Jahr 1964 während ihrer Zeit auf der Highschool in Jacksonville (Florida) nannten  Ronnie Van Zant, Allen Collins, Gary Rossington, Bob Burns und Larry Junstrom ihre Band The Noble Five.

Sie verbrachten damals viel Zeit in einer Musikkneipe namens The Blue Bird, dessen Besitzer, Alfred Solvay, Nachkomme deutscher Einwanderer (die, wie wir dann von dessen Sohn Michael erfuhren, um Mitte des 19. Jahrhunderts aus Rheinberg in die Staaten ausgewandert waren, sein belgischer Ur-Onkel Ernest gründete übrigens 1907 die hiesigen Solvay-Werke), die Jungs sympathisch fand und sie an Wochenenden regelmäßig auftreten ließ, um sich ein paar Dollar zu verdienen.

Solvay war zudem begeisterter Hobby-Ornithologe, und verbrachte den Großteil seiner Freizeit in der Flora und Fauna rund um Jacksonville, um das Verhalten und die Laute von Vögeln zu studieren beziehungsweise aufzunehmen.

Eigens dafür hatte er sich ein professionell anmutendes Tonstudio im Keller des Blue Birds eingerichtet, wo er unzählige Vogelgeräusche bearbeitete und das ganze Gezwitscher dann auf Bändern archivierte. Das Studio diente gleichzeitig auch als Proberaum für die fünf Musiker, Solvay hatte ihnen sogar irgendwann vertrauensvoll die Schlüssel vom Blue Bird gegeben.

So verbrachten Van Zant und seine Kumpanen dort viele Nachmittage und Abende und feilten, was niemand wusste, heimlich schon an erstem eigenen Songmaterial, bis dato hatten sie nur mit live gespielten Coverliedern, britischer Rockband-Prägung, von sich Reden gemacht.

Gleichzeitig war das Blue Bird auch Stammtreffpunkt der JOA (Jacksonville Ornithologic Association), ein gemeinnütziger Vogelschutzverein, bei dem Alfred Solvay natürlich im Vorstand war.

Solvays Sohn Michael erinnert sich. „Es waren damals schon skurril anmutende Momente, als sich langhaarige Hippies und passionierte Vogelkundler in unserer Kneipe regelmäßig die Klinke in die Hand gaben und auch viel gemeinsame Zeit dort verbrachten“.

Doch irgendwann im Oktober 1964 zu Michaels 5. Geburtstag kam es dann zur Katastrophe. Van Zant hatte, besonders, wenn er schon einiges getrunken und geraucht hatte, gegen die Vogelfreunde gewettert und an einem späten Nachmittag wieder mal einen bösen Kommentar in Richtung des JOA-Vorsitzenden Don Meisenheimer abgegeben.

Der stürzte sich mit den erzürnten Worten „These birds are free“ auf Ronnie und schon flogen die Fäuste. Es artete in eine Massenschlägerei aus, bei der ein erheblicher Teil des Blue Bird-Inventars zu Bruch ging. The Noble Five erhielten daraufhin von Solvay ein sofortiges Auftritts- und Lokalverbot, auf eine Schadensersatzklage verzichtete er aber.

Was niemand erahnte, war, dass The Noble Five zuvor heimlich ein Demoband mit zwölf Stücken aufgenommen hatten (darunter auch schon Tracks wie u. a. „Trust“ oder „I Need You“, die es später auf Lynyrd Skynyrd-Alben schafften), und dieses zwischen Solvays Vogeldokumentationen versteckt hatten. Um wegen des Sachschadens im Blue Bird ‚keine schlafenden Hunde zu wecken‘, hielt man dann wohl ‚die Füße still‘ und so geriet das Teil scheinbar bis vor kurzem in Vergessenheit.

Van Zant, Rossington & Co. machten danach zunächst als The One Percent weiter, bis es dann zum Mieten des berühmten Hell House bei Green Cove Springs kam, die weitere Geschichte zu einer der größten Rockbands der Musikgeschichte ist dann hinlänglich bekannt.

Michael Solvay fand nun vor einigen Monaten dieses Band, als er den Haushalt des mittlerweile hochbetagten Vaters auflösen musste, weil dieser aufgrund einer schweren Demenzerkrankung, jetzt in einem Altersheim betreut werden muss.

In Amerika gibt es ein Gesetz, dass Dokumente (Schrift-, Ton-, etc.), welcher Art auch immer, nach 45 Jahren, ohne Beachtung von Urheberrechten veröffentlicht werden können, sofern eine Stückzahl von 1.000 Exemplaren nicht übertroffen wird. Aufgrund seiner Rheinberger Familiengeschichte nahm Michael vor geraumer Zeit mit mir Kontakt auf und outete sich als großer Fan und Leser unseres Magazins.

Als er mir bei einem Besuch in Rheinberg von dem ominösen Band mit den Noble Five-Songs erzählte, schlug ich ihm aufgrund der amerikanischen Gesetzmäßigkeiten, spontan vor, die Scheibe in Kooperation doch mit dem SoS zu veröffentlichen.

Die Musik klingt übrigens, wie nicht anderes zu erwarten, noch sehr rau und britisch, aber man kann das spätere Skynyrd-Potential schon zu jeder Zeit erkennen. Die Tonqualität und Transparenz der Instrumente ist aufgrund Alfred Solvays schon damaliger Technikaffinität  und dem modernen Equipment richtig gut.

So gaben wir das Werk schließlich in einer Auflage von 999 Stück (handnummeriert in einem einfachen Pappschuber) als Non-Profit-Aktion in Auftrag. Mit Teilen des Erlöses werden nur die Selbstkosten gedeckt, der Rest fließt, damit sich der Kreis wieder schließt, an gemeinnützige Hilfsorganisationen und, zu Ehren des Vaters, an die heute immer noch existierende Jacksonville Ornithologic Association.

Die CD kann bei uns für 9,99 Euro bestellt werden, drei Exemplare (Nr. 333, 666 und 999) davon verlosen wir an unsere treuen Leserinnen und Leser.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

In welcher, ebenfalls bekannten Southern Rock Band spielte der The Noble Five-Bassist Larry Junstrom später?

a) 38. Special
b) Molly Hatchet
c) Doc Holliday

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 01.04.2022 (vor 24:00 Uhr) an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern drei Gewinner/innen aus, die dann umgehend benachrichtigt und mit der CD beliefert werden.

Blue Bird Production / Sounds Of South (1964/2022)
Stil: Southern Rock

01. Michelle
02. Trust
03. I Need You
04. Blue Bird Blues
05. You Really Got Me (Kinks-Cover)
06. O For Oklahoma
07. Need All My Friends
08. Things Goin‘ Down
09. Dirty, Dirty Feeling (Elvis-Cover)
10. When You Got Good Friends
11. Am I Winnin‘
12. Preacher’s Son

Michael Allman – Blues Travels Fast – CD-Review

Dass Michael Sean Allman nicht vom Briefträger abstammt und auch nicht von Michael Green, wie es ihm seine Mutter Mary Lynn Sutton, eine ehemalige Go-Go-Tänzerin, fast sechs Jahre lang als Kind weismachen wollte (wenn man den Gazetten Glauben schenken darf), dürfte zumindest heute wohl selbst jeder Blinde beim Blick auf das Cover-Bild seiner neuen Scheibe „Blues Travels Fast“ bestätigen.

Ja, der gute wirkliche Papa Gregg, dem dieses Werk auch mit gewidmet ist, hat es zu damaliger Zeit, begleitet von seiner Drogensucht, ziemlich wild hergehen lassen, man erinnert sich u. a. an seine spektakuläre Hochzeit mit Cher, die mal angeblich über ihn gesagt haben soll: „Für Gregg Allman waren die Frauen nur für zwei Dinge gut, die Betten zu machen, und um sich anschließend wieder hineinzulegen…“

Aber wie dem auch sei, das ist alles Geschichte und hier geht es um die aktuelle Musik des Erstgeborenen des berühmten und ja mittlerweile leider schon seit einiger Zeit verstorbenen Bandleaders der Allman Brothers Band.

Die Europa-Version der Scheibe „Blues Travels Fast“ wird wieder von unseren Freunden von Juke Joint 500 herausgegeben, wie gewohnt in CD-Form und auf farbigem Vinyl in handnummerierter 500er Auflage, was die Werke nicht nur für Southern Rock-Freaks, sondern natürlich auch für echte Sammler, besonders interessant macht.

Und, um es vorweg zunehmen, der von Floyd (Tom) Skinner und Michael Stern produzierte Longplayer ist ein Klasse- Werk geworden. Southern Rock-Freunde bekommen alles geboten, was ihr Herz begehrt, viele starke E-Gitarren- und-Soli, Piano, Orgel und oft integrierte weibliche Backingvocals.

Dass es ordentlich südstaatlich bluest kann man ja schon an der ersten Hälfte der Tracks ablesen, gleich vier Titel haben das Wort ‚Blues‘ im Titel und auch weitere Sachen wie „Black Cat Moan“, „Mule Named Whiskey“ (ein herrlicher Barroomblues-Schunkler mit überragenden raubkatzenartigen BGVs von Diane Durett)  und der finale deltamäßige Jailhouse-Song „Sun Don’t Shine“ machen dem Genre ebenfalls alle Ehre.

Beim Titelstück reihen sich Albert Lee mit klasse E-Gitarrenparts und die uns bekannte Michelle Malone (BGVs) in die Reihe der vielen vorzüglichen Musiker, die in dieses vorzügliche Werk involviert sind, nahtlos ein.  Das von herrlichem Klimper-Piano begleitete „Brown Liquor Blues“, das kammermusikartig performte „Rosehill“ (mit schwermütigem Cello) und die a la „Baker Street“, mit markanten Saxophon-Einlagen bestückte Ballade „Feeling So Bad“ bilden weitere unterhaltsame Abwechslung.

Michael Allman, der immerhin die Hälfte der Stücke mitgeschrieben hat, bietet, auch wenn er vielleicht stimmlich nicht ganz an seinen berühmten Vater heranreichen kann, den eindeutigen Beweis, dass die Gesetze der Genetik auch im musikalischen Bereich ihre unbestrittene Gültigkeit besitzen. Wo Allman draufsteht, ist demnach auch viel Allman Brothers Band drin. Und diese wären für das Werk mit Sicherheit grenzenlos bejubelt worden. Papa Gregg darf im Rock And Roll Heaven stolz auf den Sohnemann sein!

Juke Joint 500 (2022)

Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Blues Travels Fast
02. Goin‘ Back To Daytona
03. New Minglewood Blues
04. Midnight Blues
05. Brown Liquor Blues
06. Rosehill
07. Black Cat Moan
08. Feeling So Bad
09. Mule Named Whiskey
10. Sun Don’t Shine

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Juke Joint 500