Copperhead County – Homebound – CD-Review

 

Langsam werden mir die Holländer unheimlich. Mit Copperhead County landet nach Voltage und Black Bottle Riot in unserem Magazin bereits die dritte Band, die sich ganz und gar dem Southern Rock bekennt und ebenfalls, für europäische Verhältnisse, mit ihrem zweiten Album „Homebound“ eine Bestleistung hinlegt, die sich hinter amerikanischen Vorbildern nicht zu verstecken braucht.

Wenn man relativ dicht am Meer beheimatet ist (das Sextett stammt aus dem in der Nähe von niederländischen Nordseeküstenort Zandvoort gelegenen Hoofdoorp) muss man ein sonniges Gemüt besitzen, was die Einrahmung des zehn Tracks umfassenden Werkes mit Songs wie dem Opener „Sunny“ und dem Abschluss mit „Sound Of Summer“ zu untermauern scheint.

Ein großer Vorteil der Band ist, dass sie mit Corvin Keurhorst einen Sänger ihr Eigen nennen können, der tatsächlich amerikanisch klingt und irgendwo zwischen Will Hoge und Charlie Starr (Blackberry Smoke) verortet werden kann und mit Leadgitarrist Robert van Voorden jemanden haben, der das große Einmaleins des Southern Rock-E-Gitarrenspiels perfekt beherrscht und ein Faible für den Stil von Hughie Thomasson zu besitzen scheint.

Marja Boender liefert die für das Genre typischen weiblichen Backgroundvocals, Keyboarder  Jordy Duitscher fühlt sich am Organ am wohlsten, und Bassist Johan van Dijk und Alex Stolwijk geben den Rhythmus vor.

Die zehn Eigenkompositionen wurden von Matt Wallace, der für seine Zusammenarbeit mit Acts wie u. a. Faith No More, R.E.M., Maroon 5 oder Blackberry Smoke bekannt ist, ins rechte soundtechnische Licht gesetzt. Man bewegt sich überwiegend im Rahmen der guten alten Southern Rock-Zeit mit Bands der ersten und zweiten Generation wie den Outlaws, Lynyrd Skynyrd, Doc Holliday oder Molly Hatchet und lenkt diese Einflüsse mit eigenen Ideen in eine Richtung, die heute von einer Band wie Blackberry Smoke weitergeführt wird.

Der Auftakt mit „Sunny“  und „Dreams Of The South“ (mit ein wenig „Holliday“-Billy Jones-Flair) gehört den Outlaws, das knackige „Quickjaw“ mit den „The Journey“- und „Green Grass And High Tides“-Reminiszenzen im tollen Gitarrenfinish hätte ich am Ende platziert.

Das pulsierende „Enjoy The Ride“ und das starke „Tonight We Ride“ (erinnert ein wenig an „Lonesome Guitar“) hätten auf jedem Doc Holliday-Album ihre Berechtigung gehabt, beim „JamMan“ hört man im Refrain die Black Crowes, während bei „Highroller-Queen Of Vegas“ und „Alphahretta Rain“ (mit „Swamp Music“-Rhythmus) dann auch noch Lynyrd Skynyrd mit ins Spiel genommen werden.

Copperhead County’s „Homebound“ ist Wasser auf die Mühlen der klassischen Southern Rock-Fraktion, die es gerne im ursprünglichen Format der Siebziger Jahre angehen lässt. Die Burschen wissen, was sie tun und stehen mit ihrem Werk ganz weit oben in der Neuerscheinungsliste des Genres. Eine typische Formation, die man gerne hier in unserer geliebten Kulturrampe mal sehen würde und die sicherlich begeistert aufgenommen würde. Kein Zweifel, die Holländer können Southern Rock!

Label: CRS (2022)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Sunny
02. Dreams Of The South
03. Quickjaw
04. Solid Ground
05. Enjoy The Ride
06. Highroller-Queen Of Vegas
07. Tonight We Ride
08. JamMan
09. Alphahretta Rain
10. Sound Of Summer

Copperhead County
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Larkin Poe – Blood Harmony – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Vollblut Enthusiasmus und hochtalentierte, musikalische Frauenpower bestimmen das neue Album “Blood Harmony”, der inzwischen in Nashville ansässigen Southern- und Blues-Rock-Formation “Larkin Poe”. Die ursprünglich aus Atlanta, Georgia, dem Süden der USA, stammenden Rebecca und Megan Lovell können, um es vorneweg zu sagen, mit dem 6. Studio-Longplayer (siehe auch frühere SoS-Berichte) den kraftvollen und mitreißenden Stil ihrer Vorgängerscheiben weiter verbessern und auch durch soulige Bluesvarianten vollauf begeistern.

Ein Beispiel hierfür ist der eigentlich weiche und harmonische erste Track “Deep Stays Down”, der sich bis zum explosiven A-capella Finale durchgängig steigert. Der von den Lovells als feminines Gegenstück zu Screamin’ Jay Hawkins Erfolg “I Put A Spell On You” konzipierte Titel “Bad Spell” propagiert den besagten Larkin Poe-Powersound – am besten in voller Lautstärke.

Mit “Georgia Off My Mind” folgt ein temperamentvoller Southern-Rocker, in dem man die geschäftigen Highway-Touren nicht nur gedanklich nachempfinden kann. Die von den beiden Multi-Instrumentalistinnen (Rebecca zuständig für Lead-Vocals und Guitar, Megan für Lap-Steel und Harmony-Gesang) komponierten 11 Songs wurden fast schon selbstverständlich im hauseigenen Studio produziert.

Die Lovells kombinieren in ausgiebiger, traditionsbewusster Mentalität Geschichten, Gefühle und persönliche Erlebnisse und verbinden virtuose, musikalische Wurzeln zu kreativen Southern-Country, Blues-Rock-Gebilden, die feminine Impulse kunstvoll stilisieren. So sind “Strike Gold” und “Southern Comfort” auch natürlich gesangsstarke Songs, mit südstaatlich rauen Komponenten. Der Boogie-Titel “Bolt Cutters & The Family Name” siedelt dabei nicht unweit des berühmten 1933er James Baker-Klassikers “Black Betty”, der vor Jahren von der Band “Ram Jam” gecovert wurde.

Demgegenüber bringt der Album Titel-Track “Blood Harmony” – nicht zufällig – bluesbasierte selbstaufbauende Klangräume zur Geltung, die eben so nicht nur von ungefähr natürlich zwischen Vocals und Guitar familienharmonisch funktionieren. Selbst Texas-Rock Ikone Billy F. Gibbons von ZZ Top hat die Zeichen der Zeit richtig erkannt und die Lovell-Sisters zum stärksten Track seines Solo-Albums „Hardware“ (“Stackin’ Bones”) eingeladen – eine besondere Auszeichnung durch den Guitar-Champion für die aufstrebenden, jungen Talente.

Neben den rauen Hard-Riff-Tönen (z. B. “Kick The Blues”), glänzen daher ebenso auf “Blood Harmony”, ruhigere Kompositionen, es werden mit “It Might As Well Be Me” – in Janis Joplin-Anklängen – und über “Lips As Cold As Diamond” auch Slow-Blues Stücke gebührend umgesetzt. Nach langer Tournee durch Europa war das Sisters-Duo am 15.09.2022 für einen kurzen TV-Auftritt bei “Ina’s Nacht” und lieferte mit Band auf engstem Raum ein phänomenales Set und zu bewies, dass eine starke Blues-Rock Formation den Laden gehörig aufmischen kann.

Seit Gründung der Band (2014) war es für Larkin Poe nur ein kleiner Schritt, um vom ursprünglichen Folk und Bluegrass Trio in die Oberklasse der jungen Southern Blues Rock-Generation aufzusteigen. Mit dem Album “Blood Harmony” gelingt es den Lovell-Schwestern durch diese besonders betont-familiäre Übereinstimmung auf alten Pfaden neue Maßstäbe zu setzen.

Tricki Woo Records (2022)
Stil: Blues Rock, Roots Rock, Southern Rock

Tracks:
01. Deep Stays Down
02. Bad Spell
03. Georgia Off My Mind
04. Strike Gold
05. Southern Comfort
06. Bolt Cutters & The Family Name
07. Blood Harmony
08. Kick The Blues
09. It Might As Well Be Me
10. Summertime Sunset
11. Lips As Cold As Diamond

Larkin PoeEmily Nenni
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Another Dimension

Joost de Lange Band – Hypnotized – CD-Review

Review: Gernot Mangold

Die in Antwerpen ansässige Joost de Lange Band bringt mit „Hypnotized“ das mittlerweile sechste Studioalbum heraus. Dabei ist dem Powertrio um Mastermind Joost de Lange ein beachtliches Werk gelungen, das die Bandbreite vom Blues aus der Richtung Rory Gallagher oder Jimmy Hendrix über Rock bis hin zum Hard- und zuweilen Southern Rock umspannt.

Tricky ist der Einstieg in die CD, wo das rockige „I Won’t Follow“ mit einigen Riffs eingeläutet wird, die an das Intro des Golden Earing-Klassikers „Radar Love“ erinnern, um dann in eine schnörkellose Bluesnummer einzumünden, die einen Refrain mit hohen Wiedererkennungswert hat. Schon im ersten Song zeigt sich die Klasse seiner Begleitmusiker Ramses Donvil an den Drums und Mitchell Goor am Bass, die eine groovende Grundlage legen, in die Joost immer wieder feine Gitarrensoli einstreut.

Herausragend ist der Titeltrack „Hypnotized“, mit einem slidenden Intro und Ende des Tracks auf dem Dobro. Prägnant sind dabei neben dem emotionalen, fast melancholischen Gesang der pulsierende Tieftöner.

Neben den meist eher härteren Nummern zeigt er beim balladesken „Love, Fear and Uncertainty“, dass er mit seiner Band auch die eher ruhige Gangart beherrscht, wobei er in den Song ein furioses Solo integriert. Mit dem gradlinigen krachenden „Shout It All Out“ nähert sich Joost de Lange denn dem Hard Rock mit grungigen Einflüssen. Schön ist hier auch das Songwriting mit einem einprägsamen Refrain.

Abgeschlossen wird der durchgängig starke Longplayer mit dem rockigen „Rush“, mit stampfenden Bass, und energievollen, dynamischen Drums, zu denen Joost de Lange gekonnt Akzente mit seiner Gitarre setzt.

Spätestens mit ihrer neuen Scheibe „Hypnotized“ hat sich die Joost de Lange Band  im Bereich des eher harten Blues Rocks etabliert und man darf gespannt sein, wie das Trio die neuen Sachen, die live einige Möglichkeiten zur Improvisation geben, präsentieren wird.

Band:
Joost de Lange – Vocals & Guitars
Mitchell Goor – Bass
Ramses Donvil – Drums

Eigenproduktion (2022)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. I Won`t Follow
02. Mixed Emotions
03. Hypnotized
04. Love, Fear and Uncertainty
05. The Unknown
06. Shout It All Out
07. Take Me Higher
08. Beyond The Horizon
09. Walk The Line
10. Rush

Joost de Lange Band
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Sam Morrison Band – Unfinished Business – CD-Review

Die Sam Morrison Band fristet bei uns hier im Southern Rock-Bereich eher ein Dasein in der riesigen Masse der Acts, die mal kurzzeitig beachtet werden, aber auch nie annähernd das Standing der großen Vertreter des Genres erreicht haben.

Dabei können die Kalifornier im Laufe der 20 Jahre ihres Bestehens (eine große Zeit davon haben sie auch als Bob Seger-Cover Band gewirkt), darauf verweisen, schon mit all den Branchenführern wie Lynyrd Skynyrd, den Allman Brothers, der Marshall Tucker Band und speziell der Charlie Daniels Band zusammen auf der Bühne gestanden zu haben.

Ob der richtige Durchbruch an fehlendem ‚Vitamin B‘ oder zu wenig Flexibilität liegt (die heutigen jungen nachkommenden Vertreter sind da ja meist deutlich vielschichtiger aufgestellt), ist schwer zu beurteilen, jedenfalls hat ihr Bandleader da eine klare Meinung: 

“Musical genres today have all seemed to mesh together into a quasi country/pop/rnb/hiphop mess that many people can’t and won’t relate to. These people have all but given up on new music and resign themselves to the music they grew up on. That leaves a huge population of people whose musical needs are not being met…..We plan to fill that need!”

Nun gut, er hält mit dem 4. Album auf jeden Fall sein Wort. Sämtliche Songs sind klare Bekenntnisse zum klassischen 70’er Southern Rock von Skynyrd („Straight Outta Jacksonville“), der Marshall Tucker Band („My Reason“) mit typischer Querflöte), Wet Willie, Sea Level, Grinderswitch, Henry Paul Band/Doc Holliday („Unfinished Business“), den Allman Brothers („Pick’em Up and Put’em Down“) oder der Charlie Daniels Band & Co.

Apropos Charlie Daniels: für seine damalige Hommage „Reflections“ hat man das Lied sogar umgetextet und nur den Refrain übernommen, dem verstorbenen Altbarden hat man natürlich auch eine Strophe gewidmet.

Zwei Dinge, die ich persönlich anders gemacht hätte sind: Die beiden letzten Stücke , das piano-getränkte „Live Again“ (da schimmert deutlich Morrisons Bob Seger-Faible durch) und „Turn Up the Music“ (das einzige Lied, das von Morrison nicht gesungen wird und sich wie ein, mit weicher Stimme gesungener Jackson Browne- oder Poco-Westcoast-Song anhört), bewirken einen klaren Bruch zum  vorherigen Southern Rock-Charakter. Die hätte ich entweder anders verteilt oder für den letzten Track auch den Chef ans Mikro beordert.

Der tolle Titelsong „Unfinished Business“, hätte noch mit einem typischen E-Gitarrenfinish bedacht werden können und hätte durchaus echten Klassiker-Charakter gehabt. Dann hätte er natürlich auch an das Ende der Trackliste platziert werden müssen.

Aber Nichtsdestotrotz, wer auf Southern Rock der alten Schule steht und mit neuen, moderneren Trends eher weniger was anfangen kann, wird mit „Unfinished Business“ der Sam Morrison Band bestens und überwiegend hochwertig bedient.

Band Line-up:
Sam Morrison – guitar/vocals
Bart Robley – drums
Greg Kasparian – bass
Karl Sanger – sax/flute/vocals
David Kurtz – guitar/vocals
Walt Thompson – piano/Hammond organ/vocals

Label: Bad Reputation (2022)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Straight Outta Jacksonville
02. Hell Yeh
03. My Reason
04. Who Shot John
05. Man Like Me
06. Unfinished Business
07. Pick’em Up and Put’em Down
08. Reflections
09. Say Can We See
10. Live Again
11. Turn Up the Music

Sam Morrison Band
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TJ Lyle (The Georgia Thunderbolts) – Interview

Vor dem Black Stone CherryGig im Kölner E-Werk, hatten wir kurz Zeit, uns mit dem Sänger der aufstrebenden Southern Rock Band The Georgia Thunderbolts, TJ Lyle, zu unterhalten. Bei herrlichem Wetter, kam es vor dem Gebäude, in dem früher die Harald Schmidt-Show produziert wurde, zu folgendem Interview:

Sounds Of South: Wie kam es zu eurer Bandgründung und speziell dem Namen? Hat er was mit eurem Temperament und eurer Durchschlagskraft zu tun?
TJ Lyle:  Oh, wir kamen Ende 2015, Anfang 2016 zusammen. Wir stammen alle aus der gleichen Gegend. Logan, der Bassist, Zach der Rhythmusgitarrist und ich. Wir sind alle zusammen aufgewachsen. Die anderen trafen wir bei einer Sessionveranstaltung. Wir beschlossen zusammen zu spielen, gingen auf die Bühne, und bekamen einen Preis und seitdem machen wir das zusammen und sind glücklich darüber. Mit dem Namen kam unserer Manager Richard Young um die Ecke, der ist der Vater von Black Stone Cherry-Drummer John Young. So haben wir ihn genommen, er weiß eigentlich mehr darüber. Er wollte das so ähnlich und so ist es jetzt, wie es ist.

Sounds Of South: Ihr seid ja durch unsere Berichterstattung hier megabekannt 😊. Mit welcher Erwartungshaltung kommt ihr nach Deutschland?
TJ Lyle:  Wir haben von den Black Stone Cherry-Jungs gehört, dass das Publikum hier sehr aufnahmefähig für unsere Art von Musik ist. So bedeutet es eine Menge für uns, für diese Leute und Fans zu spielen, vor allem, weil die Leute hier nicht so oft die Gelegenheit haben, diese Musik zu hören. In den Staaten ist jeder nur darauf basiert, der nächste große Act zu werden. Wir wollen eher eine tiefgründige Beziehung zu unseren Fans aufbauen und geben deshalb immer alles für sie. Aber es macht natürlich auch riesig Spaß. Es wird eine energiegeladene Show, es wird gut werden.

Sounds Of South: Ist es von Vorteil direkt von einer hier bereits beliebten und bekannten Band wie Black Stone Cherry ins Schlepptau genommen zu werden oder erhöht das eher den Druck?
TJ Lyle:  Man muss natürlich eine Menge Dampf ablassen, somit ist demnach schon ordentlich Druck da. Aber es geht darum, erstmal hier zu sein, Spaß miteinander zu haben, Verbindungen entstehen zu lassen.

Sounds Of South: Was könnt ihr von Black Stone Cherry noch lernen?
TJ Lyle:  Oh, wie man ein guter Mensch und ein prima Volk wird. Sie sind wirklich ein tolles Beispiel dafür aufgeschlossen zu sein und wir wären ohne sie nicht hier. Sie sind wie Vorbilder, zu den wir aufsehen, ungefähr wie ältere Brüder, und wir können viel von ihnen lernen, zum Beispiel wie sie auftreten, ihre Bühnenenergie, ja, wirklich fast alles, besonders ihre Ausdauer.

Sounds Of South: Wie siehst du die momentane Situation im Southern Rock. Von den einstigen Zugpferden kommt, bis auf die Outlaws vielleicht, kreativ so gut wie garnichts mehr. Dafür machen junge Acts wie ihr und einige andere viel Freude. Wie wird sich das weiterentwickeln?
TJ Lyle:  Es ist im Moment eine coole Zeit. Es gibt in den Staaten wieder eine große Bewegung in Sachen Southern Rock. Es scheint, als wenn zur Zeit alle aus ihren Löchern kriechen, um einen neuen Sound zu kreieren, woher sie kommen und ihre persönliche Note damit zu verbinden. Im Großen und Ganzen ist Southern Rock für mich, sich gut zu fühlen und zu zeigen, wo man her ist. Wir sind einfach eine Rock ’n Roll-Band aus dem Süden. Das ist, was wir alle (vier) sind. Jetzt gerade ist eine sehr kreative Zeit. Du verlierst dich manchmal in ihr, aber du musst versuchen Lieder aus dem Herz heraus zu schreiben. Das ist es, was diese Musik auszeichnet. Musik von ganzem Herzen!

Sounds Of South: Ich habe deine Stimme in meinen Reviews mit der des jungen Johnny Van Zants auf seinen frühen Solowerken verglichen. Kennst du die Scheiben? Liege ich da richtig, wie siehst du das?
TJ Lyle:  Ich denke, das ist eine große Ehre und ein großes Kompliment. Es ist eine verruchte Familie, haha, nein, es ist eine legendäre Familie. Was sie zu erzählen haben ist das, was wir heute als Southern Rock kennen. Es ist wirklich ein wahnsinnig großes Kompliment und ich schätze das wirklich sehr. das ist großartig!

Sounds Of South: Wer ist dein musikalisches Vorbild?
TJ Lyle  (mit Fotograf Gernot im Duett): Paul Rodgers (TJ trägt während des Interviews ein T-Shirt mit seinem Abbild)! Er ist der Größte!

Sounds Of South: Wovon lässt du dich beim Songwriting inspirieren?
TJ Lyle: Oh Mann, das ist eine schwierige Frage. Es ändert sich immer die ganze Zeit. Meist spielt Gefühl dabei eine große Rolle oder Dinge, die ich selbst oder mir nahestehende Personen durchlebt haben. Es geht oft um das alltägliche Leben, deshalb mache ich es. Auch, weil nicht jeder eine Stimme hat und für sich sprechen kann. Es ist, wenn ich auf die Bühne gehe, wie als wenn ich versuche, für andere die Stimme zu erheben, die es nicht können. Das ist schwer, aber dafür mache ich es wirklich. Daraus nehme ich den Drive und die Motivation, über Leute nachzudenken, die das nicht artikulieren können. Das ist für mich selbstverständlich.

Sounds Of South: Gibt es schon Pläne für ein kommendes Album?
TJ Lyle:  Ja, wir haben gerade unseren neuen Song „Livin‘ In Muddy Water“ veröffentlicht und wenn wir wieder zuhause sind, machen wir uns an den nächsten Longplayer ran.

Sounds Of South: Was macht ihr in eurer Freizeit?
TJ Lyle: Wir essen (und trinken) gerne. Wir versuchen Spaß zu haben, und jetzt wo wir hier sind, laufen wir rum und versuchen, soviel wie möglich zu sehen. Es hat mich echt umgehauen, dass hier eine Harley Davidson-Werkstatt direkt um die Ecke ist, weil, bei uns zu Hause stehen die Dinger nämlich überall rum. Wow, das ist schon verrückt. Und jetzt sind wir gleich hier und es wird ehrlich gut werden!

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Das Interview in Englisch:

Sounds Of South: Welcome to Germany T.J.! How did it come to the formation of the band and the name The Georgia Thunderbolts? Does it have anything to do with your temperament and your power of impact?
TJ Lyle:  Oh, we got together in late 2015 and early 2016. We all are coming around from the same area. So we got together, we met each other, Logan and me and Zach, the bass player, the rhythm guitar and myself. We grew up together. The other person really we met playing an open mic one night, We kinda got together, and you know, we got on stage, we thought of playing and gotta get the ballroom from there and we’ve doing ever since, and we’ve really been so fortunate. Our manager Richard Young actually come up with that name, he is the dad from John from Black Stone Cherry, that’s how we get rollin‘ with that. He knows a lot more about that, we do, but he was craving with something like that and that’s kinda were we are now.

Sounds Of South: You are really well known through our reporting here in Germany. What expectations do you have for coming to Germany?
TJ Lyle:  We just heard from the Black Stone Cherry guys that the audience here is perceptive to our kind of music so I think it means a lot to us to be here to play for these people and get these fans and stuff and the biggest part is playing in front of somebody who doesn’t get that kind of music often. You know, cause for us everybody’s attention in the States has been so fast on to the next thing. So we’re just really in depth with our fans and we wanna give everything we can. It is really exciting.

Sounds Of South: Is it advantageous to be taken directly into tow by an already popular and well-known band like Black Stone Cherry or does this rather increase the pressure?
TJ Lyle:  You really want to turn the steam up so there is a lot of pressure, but it’s just all about getting there and having fun with each other. Like I said making that connection, so it is gonna be a drlling show, it’s gonna be good.

Sounds Of South: What can you still learn from Black Stone Cherry?
TJ Lyle:  Oh, how to be a good person and goody people you know they set a great example by being such outgoing guys you know and if we won’t be for them we won’t be here they are kinda like role models we look up to like older brothers you know and we can learn a lot from them just by the way they act, and the stage energy and just really everything, their endurance!

Sounds Of South: How do you see the current situation in Southern Rock? From the former crowd puller, except for the outlaws perhaps, creatively comes almost nothing more. But young acts like her and some others are a lot of fun. How will this evolve?
TJ Lyle:  I think it is really cool, there’s a big movement going on in the states right now in Southern Rock, and it seems like everybody is coming out of the wood work now and try and find a creative sound about where they are from and kinda give on them their taste. Basically Southern Rock for me is a taste of feeling good and it is where you come from. And we are just a Rock’N’Roll band from the South. I mean that’s what anybody really is. Now it is very creative. You get lost in it sometimes, but trying to write songs that aren’t from the heart and that is what all about that music is. From the heart at all, a lot of it is so.

Sounds Of South: I compared your voice in my reviews to that of the young Johnny Van Zants on his early solo works. Do you know the discs? If I’m right, how do you see that?
TJ Lyle:  I think it is a great honor and a compliment because you know that is a taunted family, haha, it is a legendary family, those guys really said what it is that we know today as Southern Rock. So I mean that is a huge compliment and I appreciate that very much. That is awesome!

Sounds Of South: Who is your musical ideal?
TJ Lyle:  Defenitly Paul Rodgers, absolutely, he is the man he is (TJ is wearing a Paul Rodgers-T-shirt during the interview)!

Sounds Of South: What inspires you in songwriting?
TJ Lyle:  Oh man that is a tough one. It changes all the time you know. Mostly a lot of feelings and stuff that I have lived through or I have seen close people they have lived to and it is just about everyday life and that’s why I do it. It is because not everybody has a voice and you know not everybody can speak, so when I get on stage I try to speak for people who can‘ do it theirselves and you know it is hard. That is were I really get it from. That’s where I get the drive, the motivation, just thinking about people who can’t do that. I’m not gonna take it for granted at all.

Sounds Of South: Are there any plans for a new album?
TJ Lyle:  Yeah, actually today we released our new song „Living In Muddy Water“ and when we come back home by time we gonna get in the studio and work on a full length.

Sounds Of South: What do you guys do infree time?
TJ Lyle: Well, we like to eat (and drink). We try to enjoy ourselves and now that we are here we walk around and check out the sides and you know see everything that we can, you know it blew me away that there is a Harley Davidson rep there, ‚cause on every corner at home there is a Harley Davidson, wow. That is kind of crazy. And we just have to be here you know honestly it is gonna be a good time.

Bilder: Gernot Mangold
Interview: Daniel Daus

The Georgia Thunderbolts
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Mascot Label Group
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E-Werk

 

The Black Crowes – Support: DeWolff – 08.10.2022, RuhrCongress, Bochum – Konzertbericht

Wenn sich eine einstige Supergroup wie die Black Crowes nach vielen Jahren des Zwists unter ihren Mitgliedern wieder zusammenfindet und dann bei uns in der Nähe auftaucht, sind wir natürlich auch zur Stelle. Aber der Reihe nach. Begonnen hatte alles beim The Georgia Thunderbolts-/Blackstone CherryGig in Köln, als uns Michael Schmitz vom Mascot Label fragte, ob wir gerne ein Interview mit der Supportgruppe DeWolff durchführen würden.

So machten wir uns am späten Samsatg-Nachmittag auf den Weg nach Bochum, um mit dem aufsteigenden niederländischen Trio im direkt um die Ecke des RuhrCongress gelegenen Stax by Friends-Hotel zu sprechen. Als wir eines der Parkhäuser ansteuerten, war gerade die Bundesliga-Partie VFL Bochum gegen Eintracht Frankfurt zu Ende und die Fans des hessischen Clubs liefen nach der 0:3-Niederlage mit ziemlich bedröppelten Gesichtern Richtung ihrer Fahrzeuge.

Nach dem Interview mit den drei netten Jungs, über das wir dann später noch berichten werden, ging es dann in die sich zunächst nur behäbig füllende Location, in der wir bereits zuvor Acts wie die Tedeschi Trucks Band, Beth Hart oder Kenny Wayne Shepherd begutachtet hatten. Einziger Unterschied, es gab diesmal keine erweiterte Tribünen-Bestuhlung und so fühlte sich der Innenraum, fast überdimensional groß an.

Am Ende kamen immerhin knapp 2.500 Zuschauer um sich das Rockmusik-Spektakel anzusehen, beziehungsweise  anzuhören. Den Auftakt machten dann DeWolff, ein aufstrebendes niederländisches Trio, bestehend auch aus zwei Brüdern, Pablo (vocals, guitar) und Luka van de Poel (drums, vocals) sowie Robin Piso (keys, vocals).

Die legten in einer knappen Dreiviertelstunde einen beherzten und recht selbstbewussten Auftritt hin. Sie starteten vor dem mit einem sehenden Auge und zwei heulenden Wölfen gestalteten Bühnenbild mit dem Opener ihres neuen, im Februar 2023 auf den Markt kommenden Albums „Love, Death & In Between“, „Night Train“, und rissen die Audienz mit ihrem retro-umwehten, souligen, 70er-Psychedelic Rock mit dezenten Southern-Einflüssen von Beginn an mit.

Pablo war der einzige, der nicht durch sein Arbeitsgerät statisch gebunden war und ihm gebührte dann als Fronter quasi die Gesamtheit der großen Bühne, die er dann auch ziemlich bewegungsfreudig nutzte. Schön seine Anekdote, dass er sich bereits als Fan für das ja schon vor zwei Jahren geplante BC-Konzert eine Karte gekauft hatte und sich jetzt mit dem Spielen im Vorprogramm ein echter Traum verwirklicht hat. So schnell kann es gehen im Musikbusiness!

Das jugendlich forsch auftrumpfende Trio spielte und jammte sich dann (zum Teil mit Wechselleadgesängen zwischen Pablo und Luka) durch Songs wie „Live Like You“, „Sugar Moon“, „Heart Stoppin‘ Kinda Show“ (auch vom neuen Album), „Tragedy Not Today“, „Double Crossing Man“ und „Nothing Is Changing“ als Schlusspunkt und wurde von den Anwesenden zurecht mit viel Applaus in ihre nächsten musikalischen Abenteuer verabschiedet.

Line-up De Wolff:
Pablo van de Poel (lead vocals, electric guitar)
Robin Piso (keyboards, vocals)
Luka van de Poel (drums, vocals)

Knapp 30 Minuten später war die schöne Bühne samt Bar und Jukebox hergerichtet und Backgroundsängerin Leslie Grant ‚drückte‘ den Elmore James-Klassiker  „Shake Your Moneymaker“ als Einspieler, der ja auch den Titel des wohl bekanntesten Black Crowes-Albums aus dem Jahre 1990 abgibt, während dem dann die aktuellen Mitglieder zu ihren Positionen schritten.

Fortan wurde dieses Werk auch in genau gleicher Reihenfolge komplett wieder aufgelegt. Die beiden Robinson-Brüder demonstrierten zwischenzeitlich immer wieder Nähe, um jeden aufkommenden Zweifel an der wieder gewonnenen Harmonie, direkt im Keime zu ersticken. Chris war natürlich der wuselige Fronter, der die Leute sofort mitnahm und besonders in den balladeskeren Stücken zu überzeugen wusste.

Ansonsten musste er doch ziemlich gegen den nicht immer transparent und teilweise dumpf wirkenden Sound, wenn alle zusammen agierten, ordentlich ansingen. Rich Robinson (mit vielen Einzelakzenten, z. B. mit der Akustikgitarre bei „She Talks to Angels“, Slide, Intros) und sein Gitarren-Pendant an der linken Bühnenseite Isaiah Mitchell (der mit mehr Soli) sorgten für den typischen Black Crowes-Rock. Bassist Sven Pipien (mit Harmoniegesängen) ging im voluminösen Sound ein wenig unter.

Der starke Drummer Brian Griffin (mit unaufgeregtem, aber sehr kräftigen und variablen Spiel) und ihr gefühlvoller Keyboarder Joel Robinow (mit HT-Einlagen bei u. a. „Jealous Again“ oder schöner Orgel bei „Struttin‘ Blues“) gefielen mir persönlich unheimlich gut. Als Fan von weiblichem Backgroundgesang bereiteten mir auch Mackenzie Adams und Leslie Grant großen Spaß, die bei „Seeing Things“ und beim späteren „Remedy“ besonders glänzen konnten.

Nach Ablauf des ‚Albums‘ mit dem knackigen „Starin‘ Cold“ ging es dann mit Stücken wie „Oh Josephine“, „Wiser Time“, „Thorn in My Pride“ und „Sting Me“ etwas progressiver weiter bis zum starken „Remedy“ als Finale eines insgesamt sehr überzeugenden Gigs. Die begeisterten Zuschauer konnten der Band aus Atlanta, Georgia, dann zum Schluss noch den Velvet Underground-Klassiker „Rock & Roll“ als Zugabe abgewinnen.

Am Ende hatten die Black Crowes meine zuvor gehegten Bedenken ausgeräumt, sodass ich unterm Strich als Fazit von einem gelungenen Comeback und lohnenswerten Besuch sprechen kann. Die Robinson-Brüder wieder in Harmonie vereint, neues Material geplant (hoffentlich wieder mit dem einen oder anderen Geistesblitz), so darf es gerne weitergehen!

Line-up The Black Crowes:
Chris Robinson (lead vocals, harp)
Rich Robinson (guitars, bgv)
Isaiah Mitchell (guitars, bgv)
Joel Robinow (keyboards)
Sven Pipien (bass, bgv)
Brian Griffin (drums)
Mackenzie Adams (bgv)
Leslie Grant (bgv)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

The Black Crowes
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DeWolff
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Mascot/Provogue Label Group
RuhrCongress Bochum

Jive Mother Mary, 05.10.2022, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Ein Tag mitten in der Woche in der Rampe. Angesagt hatte sich die Southern Rock-Gruppe Jive Mother Mary aus der Teenage Head Music-Familie. Um die 40 Zuschauer sorgten für eine optisch einigermaßen gefüllte Rampe.  Kulturrampen-Chef Markus ‚Pille‘ Peerlings ließ bei der Ansage zwar ein wenig die momentan schwierige  Lage der kleineren und mittleren Clubs durchklingen, relativierte allerdings diese dann auch wieder, in dem er auf die deutlich schlimmere Lage von vielen anderen Menschen auf diesem Erdball hinwies. 

Dann ließ er die Jungs aus North Carolina um Bandleader Mason Keck los. Gespielt wurde in zwei Sets mit jeweils zehn Stücken. Mit an Board hatte man das neue Album „8 Tracks“, das dann erst gegen Ende von Set 1 ins Spiel kam und mit Tracks wie  „I Can Still Be Your Man“, „Hope It Ain’t Bad“, Big City Blues“ eher noch zurückhaltend beworben wurde.

Mason Keck, mit seinem Van Zant-ähnlichen Aussehen, war als klarer Leader entsprechend im Mittelpunkt positioniert. Er konnte natürlich den Hauptleadgesangsteil als auch die meisten E-Gitarren-Soli für sich verbuchen, man hatte aber immer das Gefühl, einen Teamplayer vor sich zu haben.

Als Markenzeichen in der überwiegend rockigen Ausrichtung des Quartetts sind die immer wieder integrierten Twin-Gitarrenparts anzuführen, bei denen der technisch versierte Co-Gitarrist Tyler Schulz (er dazu meist mit Harmoniegesängen, aber auch einigen Lead-Wechselparts) eine ebenso gute Figur machte.

Unterlegt wurden beide von dem beim ersten Gig 2017 in der Rampe noch nicht vertretenden Bassisten Keith Ingalls (er erst im zweiten Set auch mit Backgroundvocals dazustoßend) und dem, sein druckvolles Schlagzeugspiel mit lebhafter Mimik verstärkenden Seth Aldridge.

In Set 1 habe ich mir das atmosphärisch groovende und mit einem furiosen E-Gitarrenfinish endende „Save Me“ als Highlight notiert, in Part 2 standen bei mir das oben bereits erwähnte eingängige „Hope It Ain’t Bad“ und das an die frühen 38 Special erinnernde „Count On Me“ hoch im Kurs.

Das momentane Problem der Band erscheint mir noch im fehlenden Wiedererkennungswert der meisten Songs zu liegen, positiv ist jedoch zu vermerken, dass Keck & Co. nicht versuchen, mit gut gemachten Coverstücken das Publikum auf ihre Seite zu ziehen, sondern sich komplett, mit eigener Kreativität und spielerischem Können, die Audienz regelrecht zu ‚erarbeiten‘.

Das wurde dann auch dementsprechend von den Anwesenden gewürdigt und führte unter lautstarken Zugabeforderungen noch zum bekannteren „Home Is Were The Heart Is“, dem Titellied ihrer gleichnamigen EP aus dem Jahr 2016. Insgesamt also eine nicht nur ‚kecke‘ Vorstellung von Jive Mother Mary, sondern auch ehrliches Basiswirken nah am treuen Publikum, so wie es die Band schon immer liebte.

Line-up:
Mason Keck (lead vocals, electric guitar, vocals)
Tyler Schulz (electric guitar, vocals, lead vocals)
Keith Ingalls (bass, vocals)
Seth Aldridge (drums)

Bilder: Michael Segets
Text: Daniel Daus

Jive Mother Mary
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Cheap Wine – Yell – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

25 Jahre nach ihrer Gründung hat die italienische Formation Cheap Wine aus Pesaro mit dem Longplayer “Yell” ihr 14. Album vorgelegt und erneut auf die altbewährte Mischung aus Alternative-Country mit Southern-Einflüssen und Blues-Zutaten zurückgegriffen.

Die in der großen Hafenstadt an der Adria beheimatete Band hatte sich nach einem Song der kalifornischen Gruppe “Green On Red” benannt, deren Stilrichtung dem sogenannten Paisley Underground der 80er Jahre erfolgreich zugehörte. Die von Cheap Wine durchweg in Eigenregie eingespielten Titel der neuen Scheibe beginnen mit “Greedy For Life” und starken psychedelischen Guitar- und Keys-Interpretationen, die in ihren Ursprüngen vom Green On Red-Vorbild nicht weit entfernt sind.

Die rasante Rocknummer “No Longer Slave” mausert sich nach kurzem Intro zum fulminanten E-Solo-Abschluss; gitarrengetrieben entwickelt sich der Titelsong “Yell” zum großartigen Wüsten-Rocker – einfach hervorragendes Songwriting. Gleiches gilt für den urtümlichen Southern-Track “Your Fool’s Gold” mit exquisiter Guitar-Work (siehe Neil Young) und dem zwischen Ray Davies Americana und Tom Petty-Country-Rock-Flair entfaltenden Song “Sun Rays Like Magic”, ein Top-Titel.

Durch einen fast “leisen” Country/Folk-Charakter mit feinfühligen Riff-Strukturen imponiert “The Scent Of A Flower” als melodisch getragenes Stück, das z.B. auch gut zu den Jayhawks passen würde. Dass die beiden Gitarristen Marco und Michelle Diamantini ihr Handwerkszeug mehr als meisterlich beherrschen, wird auch bei “Floating” in sechseinhalb Minuten deutlich.

Diesmal in ruhiger, entspannter Song-Atmosphäre: eindeutig als Filmmusik geeignet! Die insgesamt immer wieder bärenstarke Mannschaftsleistung der Band, Alessandro Grazoli am Bass, Alan Giannini (Drums) und Alessio Raffaelli an den Keys, kann ebenfalls beim weiteren, absoluten Top-Stück “The Devil Is Me” grandios überzeugen – ein Titel angesiedelt zwischen den musikalischen Welten von The Feelies und War On Drugs.

Eine außergewöhnliche Vielseitigkeit von Cheap Wine, die in Live-Versionen Dylan und Springsteen ausgiebig interpretieren, lässt neben lautstarken, schnellen Rock-Kunststücken (hier z.B. “Colors”) abschließend gleichermaßen schönes Storytelling in “Last Man On The Planet” als langsam ausklingenden Abgesang beinahe zeitlos wirken.

Bereits 2015 war der damalige Dream Syndicate-Frontman, Steve Wynn, offensichtlich vom musikalischen Potential der Band derart beeindruckt, dass er mit Cheap Wine einen mitreißenden Konzertauftritt in Triest hinlegte – absolut nachvollziehbar. Unverständlich ist hingegen, dass bisher kein großes Label auf die Band von der Adria aufmerksam wurde, denn mit “Yell” ist Cheap Wine erneut eine besonders empfehlenswerte Produktion gelungen. Alles in allem eine wunderbare Scheibe, die internationale Vergleiche spielerisch aushält.

Eigenproduktion (2022)
Stil: Alternative Country, Southern Rock

Tracks:
01. Greedy For Life
02. No Longer Slave
03. Yell
04. Your Fool’s Gold
05. Sun Rays Like Magic
06. The Scent Of A Flower
07. Floating
08. The Devil Is Me
09. Colors
10. The Last Man On The Planet

Cheap Wine
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Black Stone Cherry – Support: The Georgia Thunderbolts – 12.09.2022, E-Werk, Köln – Konzertbericht

Ein Indiz dafür, dass Black Stone Cherry längst in den obersten Regionen der zeitgenössischen Rockmusik angekommen ist, war sicherlich ihre Einladung in der legendären Royal Albert Hall aufzutreten, ein Privileg, das in der Regel nur die Besten der Besten genießen dürfen.

Der Gig wurde als tolles Do-CD-BluRay-Paket festgehalten und von uns auch vor geraumer Zeit hier besprochen. Nun galt es wieder in ’normaleren‘  Sphären, ihre in Europa pandemie-bedingt um zwei Jahre verschobene Tour nachzuholen. Das Auftaktkonzert führte sie wieder ins Kölner E-Werk, wo wir das Quartett aus Kentucky 2018 schon einmal  bewundern durfte. Besonderes Bonbon für uns, statt wie damals mit einer klassischen Hard Rock Band, gab es mit den Georgia Thunderbolts diesmal lupenreinen Newcomer Southern Rock als Support. Die Band ist ebenfalls beim BSC-Label Mascot Records unter Vertrag.

Wenn ich mich daran erinnere, dass das heutige Kreativaushängeschild des Genres, Blackberry Smoke, damals bei ihrem Debüt vor 40 Zuschauern spielen mussten, bis sie sich nach und nach hier erst ihren Namen machten, durfte sich das Quintett aus Rome, Georgia, diesmal direkt über eine Zuschauermenge im vierstelligen Bereich freuen. Vor dem Gig hatten wir dazu noch die Gelegenheit, mit Leadsänger TJ Lyle ein Interview zu führen, dass dann demnächst noch nachzulesen ist.

Auch wenn Sound und Licht (Fotograf Gernot beklagte schlechte Bedingungen), wie bei Vorgruppen oft üblich, deutlich Luft nach oben hatten, machten die Jungs einen klasse Job. Die Audienz ging direkt mit rhythmischen Klatschen am Anfang des Openers „Can I Get A Witness“ mit, und so war schon nach wenigen Momenten das Eis gebrochen.

Sänger TJ Lyle, dessen Stimme mich an Johnny Van Zant zu Beginn seiner Solokarriere erinnert, hielt dann beim Singen den Mikroständer auch überwiegend in der typisch diagonalen (Ronnie) Van Zant-Pose. Die Rhythmusfraktion bestehend aus dem kraftvollen Drummer Bristol Perry und dem herrlich ludenhaft (Frisur/Brille) aussehenden Bassisten Zach Everett polterte und groovte ziemlich hart im Hintergrund, die beiden E-Gitarristen Riley Couzzourt und Logan Tolbert, von denen sich Erstgenannter als der Extrovertiertere gab, steuerten mit ihren Soli und Twin-Einlagen das southern-typische Flair bei.

In ihrem 40-minütigen Zeitfenster gaben sie dann Tracks wie u. a. das Allman-Cover „Midnight Rider“, „das schunkelige „Be Good To Yourself“, „Take It Slow“, „Spirit Of A Workin‘ Man“, „Looking For An Old Friend“ oder auch einen Track des bald kommenden neuen Albums „Livin‘ In Muddy Water“ (Lyle zeichnet sich hier auch als guter Harpspieler aus) zum Besten. Sie verabschiedeten sich unter großem Applaus der E-Werk-Audienz mit „Lend A Hand“. Ich würde sagen: Deutschland-Premiere geglückt! Da freut man sich schon jetzt auf kommende Auftritte in unseren Landen.

Line-up The Georgia Thunderbolts:
TJ Lyle (lead vocals, harp)
Riley Couzzourt (electric guitar)
Logan Tolbert (electric guitar, vocals)
Zach Everett (bass, vocals)
Bristol Perry (drums)

Nach dem starken Auftritt der Georgia Thunderbolts ließen Black Stone Cherry sofort mit „Me And Mary Jane“ keinen Zweifel daran, wer der eigentliche Herr im Hause ist, das Publikum im E-Werk ging sofort in Sachen Bewegen, Klatschen und Mitsingen mit, als wenn es kein Morgen mehr gebe.

Fronter Chris Robertson hatte gegen den im Dauermodus polternden Drummer John Fred Young und die beiden ‚Dauerläufer‘ Ben Wells an der zweiten E-Gitarre und Bassist und ‚Mähnenschüttler‘ Steve Jewell Jr., sowie den sporadischen Perkussionisten Jeff „Bongo“ Boggs, Schwerstarbeit leisten, um am Mikro und bei seinen vielen quirligen E-Soli, die für ihn berühmte Durchschlagskraft aufrecht halten zu können.

Im Prinzip trumpften sie mit der gleichen Setlist (lediglich mit Modifizierungen in der Anordnung) wie bei ihrem Londoner Paradekonzert auf, als Überraschung entpuppte sich das schon länger nicht mehr performte „Rain Wizard“. Zum Durchatmen blieb so gut wie keine Gelegenheit, gegen Ende gab es mit den ‚Hits‘ „White Trash Millionaire“, „Blame It On The Boom Boom“, „Lonely Train“ und der stimmungsvollen Zugabe „Peace Is Free“ absolut kein Halten mehr im, vom Alter her, sehr schön von Jung und Alt durchmischten Auditorium.

Insgesamt zeigte sich, dass 100-prozentiger Einsatz für Black Stone Cherry keine Frage einer besonderen Location ist. Sie geben eigentlich immer, egal wo, absolutes Vollgas. Das kommt einfach gut an und ist sicher auch eines der Geheimnisse ihres großen Erfolgs. Vielen Dank an Mark Dehler von Netinfect Promotion und Michael Schmitz von Mascot für die gewohnte Unterstützung.

Line-up Black Stone Cherry:
Chris Robertson (lead vocals, electric and slide guitar)
Ben Wells (electric guitar, vocals)
Steve Jewell Jr. (bass, vocals)
John Fred Young (drums, vocals)
Jeff „Bongo“ Boggs (percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Black Stone Cherry
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The Georgia Thunderbolts
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Mascot Label Group
Netinfect Promotion
E-Werk

Whiskey Myers – Tornillo – CD-Review

Ich muss zu meiner eigenen Schande gestehen, dass ich Whiskey Myers bis dato im Southern Rock-Genre nicht so gebührend auf dem Schirm hatte, wie es hätte sein sollte. Klar, wir haben hier über ihre CD „Mud“ berichtet und auch schon ein kurzes Interview gemacht und die meisten ihrer Werke besitze ich auch, aber so ist zum Beispiel ihr letztes Album in 2019, das immerhin Platz1 der Country Billboard Charts und Platz 6 der allgemeinen Charts erreicht hat, ein echter Durchbruch gewesen.

Fairerweise muss ich sagen, dass dieses auf den üblichen Kanälen, soweit ich mich erinnere, hier auch nicht angeboten worden war. Jetzt ist aber ihr neues Werk „Tornillo“ wieder in der Hand von unseren Freunden von Oktober Promotion gelandet und ich bin auch echt froh, dass es so gekommen ist. Eine Wahnsinnsscheibe!

Benannt ist sie nach der Stadt an der Grenze von Texas zu Mexico, die für ihr Auffanglager für minderjährige Mexikaner unrühmliche Schlagzeilen produziert hat. Whiskey Myers hatten den Longplayer, nur wenige Kilometer von  dort entfernt, 21 Tage isoliert im 2.300 Hektar großen Sonic Ranch Studio,  eingespielt.

Das Titelstück und der Opener zugleich, nur mit Trompeten gespielt, erinnert an Beerdigungsbegleitung und erscheint mir als Synonym für die dortigen bedrückenden Verhältnisse, mit kritischem Unterton behaftet zu sein. Apropos Bläser, die haben Whiskey Myers zum ersten Mal deutlich spürbar integriert. Allerdings ohne, dass es auf den Wecker geht, eher um sehr geschickt, ähnlich wie Lynyrd Skynyrd auch zum Teil sporadisch, den treibenden Groove der meisten Songs zu verstärken. Paradebespiel dafür ist das herrlich folgende „John Wayne“.

Gerade Skynyrd-Fans werden bei rassigen Songs wie „Feet’s“ (eine Art Mischung aus „MCA“, „T For Texas“ und „Smokestack Lightnin'“), „Mission To Mars“ (unterstützt vom Backgroundgesang der McCrary Sisters) und dem blues-rockigen „Bad Medicine“ (großartige E-Soli, starke BGVs wieder von den Schwestern) eine Träne im Auge verdrücken und sich fragen, ob ihre alten Helden, sich nochmals für ein letztes Album auf diesem Niveau aufraffen können.

Gegen Ende wird es besonders großartig. Bei „Heavy On Me“ klingt es wie eine Session zwischen den Stones und den Allman Brothers, „Other Side“ wirkt wie eine Southern Rock-Variante von „All Along The Watchtower“ und das schwermütige „Heart Of Stone“ setzt im Stile der ebenfalls für Furore sorgenden Kollegen von The Steel Woods, mit melancholischer Akustikgitarre, Mollpianotönen und grummelnden Streichern, ein weiteres eindrucksvolles Ausrufezeichen zum Abschluss der CD.

Mit „Tornillo“ ist Whiskey Myers ein echter Geniestreich gelungen. Man findet die Scheibe (ohne jeden kleinsten Durchhänger) mit jedem Hördurchgang immer noch ein Stückchen besser. Die Texaner um Sänger Cody Cannon setzen sich damit in diesem Jahr eindeutig an die Spitze des Southern Rock-Genres und sind bei mir persönlich ein ganz heißer Kandidat für das beste Album in 2022. Absoluter Kauftipp!

Label Wiggy Thump Records (2022)) 
Stil: Southern Rock

01. Tornillo
02. John Wayne
03. Antioch
04. Feet’s
05. Whole World Gone Crazy
06. For The Kid
07. The Wolf
08. Mission To Mars
09. Bad Medicine
10. Heavy On Me
11. Other Side
12. Heart Of Stone

Whiskey Myers
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Oktober Promotion