Robert Jon & The Wreck – Last Light On The Highway – CD Review

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Review: Gernot Mangold

Mit „Last Light On The Highway“ bringen die Southern Rocker aus Kalifornien nun bereits ihr achtes Album auf den Markt. Schon die letzten Scheiben und Liveauftritte in der Vergangenheit haben gezeigt, dass die Band mittlerweile zu den absoluten Highlights des Southern Rock gehören. Nicht umsonst hat ein Joe Bonamassa die Band im letzten Jahr mit auf die Blues Cruise genommen, hat sich doch die Klasse der Band sogar bis zu ihm herumgesprochen.

Gespannt haben die Fans deshalb auf das Nachfolgealbum von „Take Me Higher“ gewartet, wobei die Kalifornier in Sachen Kreativität absolut nicht als faul zu bezeichnen sind und man, wie oft bei anderen, Jahre auf neue Musik warten muss.

In „Last Ligt On The Highway“ überzeugt die Combo aus Orange County in jeder Hinsicht. Neben dem tollen Songwriting, in dem die Bandbreite neben Southern Rock über Balladen, sowie bluesige Songs mit County reicht, kommt natürlich die musikalische Leistung aller Bandmitglieder zum Tragen.

Unterstützung haben sie sich dabei in einigen Tracks von Gastmusikern geholt, sodass zum Teil Bläser den Songs eine besondere Würze geben, aber auch weiblicher Backgroundvocals, den ohnehin oft vorgetragenen Harmoniegesang noch einmal aufpeppen. Robert Jon überzeugt neben dem Gitarrenspiel mit seiner kraftvollen klaren Stimme, die er aber auch gefühlvoll in ruhigen Songs wie „One Last Time“ einsetzt.

Steve Maggiora, der umtriebige Keyboarder baut immer wieder Honkytonkpassagen in die Soli ein und gibt dem Sound eine absolute Fülle. Schön auch sein Intro zur Ballade „Tired Of Drinkin Alone“, wobei dies auch das prägende Instrument des Songs ist und die anderen Musiker erst im späteren Verlauf ihre Anteile haben. Vom Stil her erinnert der Song in Phasen auch an die alten REO Speedwaggon.

Klasse natürlich die Gitarrenarbeit des jungen Henry James, der den Songs in seinen Soli eine Würze gibt, die zuweilen in Passagen an die legendären Allman Brothers erinnert.

Dass die Band mit Andrew Espantman, dem Wirbelwind an den Drums und Warren Murrel am Bass über eine exzellente Rhythmusfraktion verfügt, zieht sich durch das ganze Album, wobei sie von dynamisch und treibend bis hin zu dezent unterstützend, je nach Bedarf, den Sound mitprägen.

Es ist schwer aus einem Werk ohne Längen oder Schwächen Stücke besonders hervorzuheben. Deshalb nur soviel, was zu Beginn mit dem brillant harmonischen Southern Rock-Song „Oh Miss Carolina“ beginnt, bei dem man sich mit geschlossenen Augen die Weiten der Prärien vorstellen kann, bis zum abschließenden „Last Light On The Highway“ in zwei Parts, in dem psychedelische Pianotöne mit krachenden Gitarren wechseln, wird der Hörer in den Bann der Band gefangen.

Man kann sagen, dass „Last Light On The Highway“ das bisher kompletteste Album der Band ist und für mich eines der besten Southern Rock-Alben der letzten Jahre ist. Manch alte Southern Rock-Band singt davon, dass der Southern Rock niemals sterben wird. Robert Jon & The Wreck beweisen dies mit dem neuen Werk nachdrücklich. Von daher absoluter Tipp, nicht nur für Genre-Fans.

Empfehlenswert wird es sein, die Band live zu besuchen, wenn sie die neuen Songs präsentieren und mit Sicherheit noch einige Solopassagen mehr in die Songs einbauen werden.

Eigenproduktion (2020)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Oh Miss Carolina
02. Work It Out
03. Can`t Stand It
04. Tired Of Drinking Alone
05. Do You Remember
06. This Time Around
07. Don`t Let Me Go
08. One Last Time
09. Gold
10. Last Light On The Highway Pt. 1
11. Last Light On The Highway Pt. 2

Robert Jon And The Wreck
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Teenage Head Music

Voltage – It’s About Time – CD-Review

Seit ich 2017 die niederländische Band Voltage mit ihrem fulminanten Zweitwerk „Around The Bend“ entdeckt habe, ist einiges passiert. Ein Jahr später hatten wir das Vergnügen, das Quartett in Weert auch auf ihre Live-Qualitäten überprüfen zu können, wobei es auch hier auf ganzer Linie zu überzeugen wusste.

Nach Beendigung dieses Abschnitts ersetzte Ruard Sanders den bisherigen Lead-Gitarristen Gijs Heijnen und Voltage beschränkten sich bis vor geraumer Zeit zunächst darauf, ihr Live-Wesen als Tom Petty-Coverband zu pflegen.

Währenddessen haben Bandleader Dave Vermeulen und Sanders allerdings die vorhandenen Freiräume genutzt, um neues Songmaterial zu kreieren. Ab dem 1. Mai wird ihr nun fertiggestelltes neues Werk „It’s About Time“ käuflich zu erwerben sein (siehe Voltage-Homepage).

Zunächst fällt das schlichte, in matter Optik gehaltene Klappdigipak mit einer mystisch anmutenden Wald- und Wiesenlandschaft in der Morgendämmerung (auf Vorder- und Rückseite ineinander übergehend), als geschmackvolles Cover angenehm ins Auge. Es beinhaltet ein 16-seitiges, überwiegendes Schwarz-/weiß-Einsteck-Booklet mit allen Texten zu den Songs sowie Bildern der Beteiligten aus dem Studio in Eindhoven. Produziert hat die Band das Album zusammen mit Gabriel Peeters.

Vermeulen und Sanders haben das Songwriting auf eine neue Ebene gebracht. Während „Around The Bend“ durchgängig von geradlinigen, locker ins Ohr fließenden Tracks ohne allzu große Schnörkel geprägt war, sind die neuen Stücke, wesentlich variantenreicher, verschachtelter, atmosphärischer und viel intensiver ‚konstruiert‘.

Hauptsächlich verantwortlich hierfür ist das ungemein Slide-trächtige E-Gitarrenspiel von Sanders, das den Liedern eine Art neuen Stempel aufsetzt. Vermeulens gewohnt starker (erfrischend ’nicht-europäisch‘-klingender) Gesang, erweckt zwar nach wie vor, wie zum Beispiel u. a. beim Opener „The Last Time“ oder bei „A Good Thing Is Comin'“, Assoziationen zu Charlie Starr von Blackberry Smoke und deren Musikstil, das Portfolio des insgesamt elf Tracks umfassenden Werks umschließt aber eine deutlich umfangreichere Bandbreite.

Ordentlich gerockt wird bei Krachern wie „One More High To Survive The Low“ (Skynyrd-3Steps-Note), dem polternden „Born For Runnin‘ Without You“ oder dem flammenden „The House Is On Fire“, pettyeske Mitbringsel/Eingebungen aus der Coverphase entdeckt man bei den eingängigen und Akustikgitarren-untermalten „She’s Gone Like The Wind“ und „I’m Still Waving Goodbye“.

Letztendlich sind es aber Sachen wie das wild-entschlossene Titelstück „It’s About Time“, das Allman Brothers-umwehte „Wild And Blue“ (schon jetzt mit 50.000 Aufrufen ein absoluter Streaming-Erfolg), der schroffe, delta-bluesige „Mill Blues“ und das finale, psychedelische „The Victim“ (klingt wie eine Session aus Allman Brothers, Led Zeppelin und Bad Company in den Siebzigern mit einem mitreißend wütenden Vermeulen-Gesang), die das Quartett aus Brabant auf ein neues Qualitätslevel gehievt haben. Regelrecht packender Stoff!

Wer sich mit dieser starken Southern Rock Band noch nicht beschäftigt hat, für den wird es höchste Zeit, dies mit „It’s About Time“ und den beiden anderen Longplayern der Niederländer endlich nachzuholen! Voltage bilden mit den spanischen Red Beard eindeutig die Speerspitze des europäischen Southern Rocks und brauchen auch den Vergleich mit US-Größen der Sparte wahrlich nicht zu scheuen. Absolute Kaufempfehlung!

Line-up:
Dave Vermeulen (lead vocals, guitars)
Kai Liebrand (bass, vocals)
Bart Candel (drums, percussion)
Ruard Sanders (guitars)

Eigenproduktion (2020)
Stil: Southern Rock

01. The Last Time
02. One More High To Survive The Low
03. A Good Thing Is Comin‘
04. It’s About Time
05. Wild And Blue
06. The Mill Blues
07. Born For Runnin‘ Without You
08. She’s Gone Like The Wind
09. I’m Still Waving Goodbye
10. The House Is On Fire
11. The Victim

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The Proven Ones – You Ain’t Done – CD-Review

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Ich kann als mäßiger Blues (Rock)-Experte nur schwer abschätzen, in wie weit The Proven Ones 2018 mit ihrem Debütwrk „Wild Again“ hierzulande bleibenden Eindruck hinterlassen, geschweige denn, überhaupt zur Kenntnis genommen wurden.

Fest steht, dass das Quintett mit schillernden Leuten besetzt ist (man spricht in den Staaten sogar von einer Supergroup), die in Bands wie u. a. The Fabulous Thunderbirds, Ronnie Earl And The Broadcasters, The Radio Kings, The James Harman Band, Rod Piazza And The Mighty Flyers, The Mannish Boys oder Sugar Ray and the Bluetones ihr Können schon nachhaltig nachgewiesen haben. Nicht zu vergessen auch Präsenzen auf der Bühne oder im Studio bei John Lee Hooker, Big Mama Thornton, Chuck Berry, Big Walter Horton, Big Joe Turner, Otis Rush, Bo Diddley und diversen anderen Acts.

Bei The Proven Ones handelt es sich um die Herren Kid Ramos (guitars, vocals), Anthony Geraci (keys), Willie J. Campbell (bass), Jimi Bott (drums, percussion) und Brian Templeton (lead vocals, harmonica), die jetzt den Nachfolger „You Ain’t Done“ hinterherlegen. Kein geringer als der uns bestens bekannte Mike Zito hat an der Akustikgitarre und als Co-Produzent, auch noch seine Qualitäten mit eingebracht.

Beim Songwriting haben sich diesmal alle Musiker beteiligt. Dadurch gibt es mit dem latin-rockigen, in bester Santana-Manier performten „Nothing Left To Give“ (Geraci) oder dem zwischen Delta-Blues und New Orleans Dixie pendelnden „I Ain’t Good For Nothin'“ (Ramos) auch mal Ausflüge aus dem ansonsten sich durchziehenden südstaatlich angehauchten Blues Rock-Schema.

Nach einem kurzen gut einminütigen Spielerei-Intro geht es mit „Get Love“ sofort knackig los. Ein energiegeladener southern souliger Blues Rocker mit herrlicher Ramos-E-Gitarre, Piano, gurgelnder Orgel und zünftiger Bläserfraktion, wobei einem sofort JJ Grey und seine Mofro in den Sinn kommen.

Trompetenspieler Joe ‚Mack‘ McCarthy und Saxophonist Chris Mercer setzen dann auch im weiteren Verlauf immer wieder ihre Duftmarken. Auch die folgenden „Gone To Stay“ (schön punkige Drums), das Titelstück „You Ain’t Done“ (Stones goes Southern, herrliche Slide-Gitarre, klasse BGVs von LaRhonda Steele) und „Already Gone“ (Acapella-Intro, starker Gesang von Templeton, der bei oft Assoziationen mit Malford Milligan hervorruft) haben allesamt ordentlich ‚Wums‘.

Kommen wir zu meinen drei Favoriten, die etwas ruhigeren „Whom My Soul Loves“ (southern-souliger Ohrwurm im Duett von Templeton und der brillanten Gastsängerin Ruthie Foster), „Milinda“ (eine Art Symbiose aus „Sweet Melissa“ und „Layla“) und das flockig schunkelnde „She’ll Never Know“ (klasse E-Fills von Ramos, dazu ein Solo wie einst bei den Allman Brothers).

Der pianoträchtige Stampfer „Fallen“ und das an „Honky Tonk Woman“ reminiszierende „Favorite Dress“ (typischer Stones-E-Gitarrenrhythmus) lassen am Ende keine Wünsche offen, die prominenten Musiker werden ihren hohen Vorschusslorbeeren absolut gerecht. Somit wurde „You Ain’t Done“ eingehend auf bewährte Art überprüft und erhält letztendlich verdient das Sounds Of South-Gütesiegel. Absolut empfehlenswert!

The Proven Ones sind übrigens für das beliebte 29. Grolsch Blues-Festival in Schöppingen Ende Mai gebucht, ob es mit dem Auftritt klappt, ist aufgrund der bekannten Corona-Problematik allerdings erstmal Kaffeesatzleserei.

Gulf Coast Records (2020)
Stil: Blues Rock

01. Get Love (Intro)
02. Get Love
03. Gone To Stay
04. You Ain’t Done
05. Already Gone
06. Whom My Soul Loves
07. Milinda
08. Nothing Left To Give
09. She’ll Never Know
10. I Ain’t Good For Nothin‘
11. Fallen
12. Favorite Dress

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Gulf Coast Records

Rebel Guns – Steam & Steel – CD-Review

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„Long Live Rock’n Roll“ haben sich die fünf Bandmitglieder der Rebel Guns aus Biberach seit 2016 auf die Brust geschrieben und zwar die southern-rockige Variante davon.

Eine EP gleichnamigen Titels, abgemischt von Hans-Martin Buff (Scorpions, Prince), brachte sie immerhin schon ins Vorprogramme arrivierter Acts wie Bonfire oder Skinny Molly. Mit der Eigenproduktion „Steam & Steel“ folgt jetzt der erste lupenreine Longplayer der Oberschwaben.

Nach dem tragischen Ableben von ihrem Gitarristen und Gründungsmitglied Frank Ellinger, der noch auf dieser CD eine hervorragende Leistung abliefert (feuert aus allen rebellischen Gewehren viele variable und quirlige Soli),  entschloss man sich auf dessen expliziten Wunsch zum Weitermachen. Für ihn ist jetzt Marius Fiseli am Start.

REBEL Guns Promobild 2020Ihr überwiegend treibender Sound lehnt sich an Strukturen altbekannter Southern Bands wie hauptsächlich Molly Hatchet, zum Teil Doc Holliday, Skynyrd oder Blackfoot, allerdings oft kombiniert mit britischen Orgelklängen der Marke Deep Purple, The Who oder wie beim finalen „Six Bullets To A Halleluja“ in Richtung Doors.

Im ruhigeren Bereich gibt es mit „Dusty Roads“ und „Rebel Without A Cause“ zwei Stücke, bei denen Marshall Tuckers „Can’t You See“ dezent durchschimmert, ersteres mit einer Akustikgitarre, letztgenanntes mehr vom Piano getragen.

Die Whiskey-getränkte, aber sehr wenig variable Stimme von Fronter Sotchy Filipovic (Richtung Phil McCormack) passt ganz gut zum druckvollen instrumentellen Bandsound (übrigens alles sehr schön klar und transparent abgemischt). Er kann sich zudem mit ein paar Harp-Einlagen („Down The Drain“, „Rebel Without A Cause“) einbringen, schön Neil Young-mäßig bei „Dusty Roads“.

Die sporadischen weiblichen Backgroundvocals, die ich eigentlich ansonsten immer sehr gerne höre, sind auch nicht gerade was für vokale Ästheten (ziemlich nerviges Gequäke z. B. bei „Rebel Guns“).

Die Musik der Rebel Guns wird Leuten mit Vorlieben für o. a. Bands gefallen. Sie ist meiner Meinung nach, aber eher live-, als Wohnzimmer-kompatibel und somit überwiegend für Clubkonzerte, Bikertreffen, Stadtfeste, etc. geeignet, wo man in Bierlaune, auf gesangstechnische Feinheiten nicht mehr ganz so großen Wert legt.

Ich gehe aber davon aus, dass bei den Burschen auch in erster Linie, diese musikalischen Gemeinschaftserlebnisse, statt der Blick auf die große Karriere, als priorisierter Antrieb dienen.

Die Songs gehen wirklich gut ab, einige Tracks haben sogar auf Anhieb mit ihren Refrains Wiedererkennungswert („Down The Drain“, Rebel Guns“, „Bathroom Jesus“, „Burn“, „Long Live Rock’n Roll“).

Im September 2020, sofern die Corona-Geschichte hoffentlich vorüber sein wird, spielen die Rebel Guns im Vorprogramm der legendären kalifornischen Hard Rock-Band Little Caesar. Ihre „Steam & Steel“-CD kann über den Email-Kontakt der Band ‚rebel_guns@gmx.de‘ bestellt werden. Der Preis beträgt inkl. Versand 12.- Euro. Eine klare Empfehlung an alle SR-Fans, die vielleicht nicht ganz so pingelig sind wie ich!

Aktuelle Besetzung:
Frank Holl – drums
Sotchy Filipovic – vocals & harps
Chris Clemens – keys
Joe Horseling – bass
Marius Fiseli – guitar

Eigenproduktion (2020)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Down The Drain
02. Rebel Guns
03. Boston Bourban Boys
04. Dusty Roads
05. Steam & Steel
06. Bathroom Jesus
07. Burn
08. Rebel Without A Cause
09. Long Live Rock’n Roll
10. Louisiana Ram Jam
11. Six Bullets To A Halleluja

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Outlaws – Dixie Highway – CD-Review

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Wenn man ehrlich ist, geben die Outlaws die letzte Bastion der Southern Rock-Urväter ab, erst recht wenn man dabei den Kreativfaktor berücksichtigt. Die meisten ihrer Kollegen ruhen sich auf den Lorbeeren von gestern aus, viele Acts sind bedingt durch Todesfälle ihrer Mitglieder in den Passivmodus gewechselt oder machen gar nichts mehr.

Erfreulich ist allerdings, dass dem Genre durch einige talentierte Nachkömmlinge und auch frische junge Bands, ordentlich neue Dynamik eingehaucht wird und es einem in Sachen Fortbestehen der Sparte nun wirklich nicht Bange werden braucht.

Seit dem Ableben von Hughie Thomasson, hat bei den Outlaws Henry Paul das Zepter fest in der Hand und hat mit Co-Gründer Monte Yoho (drums), Randy Threet (bass, vocals), Steve Grisham (guitars, vocals, lead vocals auf „Black Horse Run“), Blackhawk-Spezi Dave Robbins (keyboards, vocals), Dale Oliver (guitars, vocals) und Jaran Sorenson (drums, percussion) eine schlagkräftige Truppe um sich versammelt, die sich neben den Live-Darbietungen, auch noch für neuen Stoff offen zeigt.

In der Hinterhand hat Paul auch noch Billy Crain aus den Henry Paul Band-Tagen, der sich mittlerweile zwar auf seine Solo-Karriere fokussiert hat, aber, wie jetzt auf dem neuen Werk „Dixie Highway“, kompositorisch als auch gitarrenmäßig, ordentlich mitmischt.

Weitere treibende Mitglieder sind neben dem Bandleader, was die Neukreationen betrifft, diesmal die beiden Gitarristen Steve Grisham und Dale Oliver. Das Ursprungsbassist Frank O’Keefe gewidmete Werk ist eine gelungene Mischung aus Reminiszenzen an die früheren Zeiten und eine Bestandsaufnahme des aktuellen Leistungsniveaus.

In erster Hinsicht wurde „Heavenly Blues“ vom „Hurry Sundown“-Album neu aufgelegt, der Titelsong (diesmal viel druckvoller) ebenfalls aus Pauls Brothers Of The Southland-Tagen. „Lonesome Boy From Dixie“ ist eine gelungene Charlie Daniels-Adaption. Da beim knackig rockenden „Rattlesnack Road“ der 2001 verstorbene Van Stephenson involviert ist, gehe ich davon aus, dass Paul dieses Stück auch aus irgendeiner Schublade hervorgeholt hat.

Gleiches gilt für das von O‘ Keefe wohl einstmals erschaffene „Windy City’s Blue“ (gesungen von Steve Grisham). In den verbliebenen neuen Tracks wird natürlich nicht nur textlich, kräftig an vergangene Zeiten und die Heroren/Weggefährten der Szene (u. a. in „Southern Rock Will Never Die“, „Macon Memories“) erinnert, sondern auch im Instrumentalstück „Showdown“, dass man als Hommage an „Jessica“ von den Allman Brothers interpretieren kann.

Begeisternd ist natürlich besonders die typisch quirlige E-Gitarrenarbeit aller involvierten Saitenzupfer, die hier wieder in jedem Track feurige, zum Teil mehrfach ineinander greifende Soli mit Twins und allen Schikanen, auf dem ausgelegten Doppeldrums -und Orgelfundament, zum Besten geben. Das zweite Trademark der Outlaws, die Harmoniegesänge, sind natürlich auch hier wieder Usus.

Fazit: Henry Paul ist der letzte verbliebene große Fels, der nach wie vor, fest in der Southern Rock Brandung steht. Bei seinem starken Kollektiv um in ihn herum, kann man beruhigt mutmaßen, dass es bei den Outlaws, auch in Zukunft erfolgreich auf dem Dixie Highway weitergehen wird.
Die CD kommt in einem schönen Hochglanz-Digipak mit eingelegtem Booklet, inklusiv Bilder, Texten und sonstigen Infos. Southern Rock will never die!

SPV (2020)
Stil: Southern Rock

Tracklist:
01. Southern Rock Will Never Die
02. Heavenly Blues
03. Dixie Highway
04. Overnight From Athens
05. Endless Ride
06. Dark Horse Run
07. Rattlesnake Road
08. Lonesome Boy From Dixie
09. Showdown (Instrumental)
10. Wind City`s Blue
11. Macon Memories

Outlaws
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SPV Steamhammer

Bywater Call – 22.02.2020, Blue Notez Club, Dortmund – Konzertbericht

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Kurz vor Ende der 7-wöchigen Tour durch Europa spielten die Kanadier Bywater Call im Dortmunder Blue Notez vor. Nachdem wir schon vom Konzert in der Krefelder Kulturrampe berichtet hatten, bot sich nun die Möglichkeit zu sehen, ob der fulminante dortige Auftritt so langer Zeit ‚on the road‘ wiederholbar ist. Zudem hatte ich einen Freund, der Musik studiert hat, dabei, der neben dem emotionalen Empfinden, auch einen anderen, professionelleren Blick auf das Konzert hatte.

Der Keller im Blue Notez war um 8:00 Uhr gut gefüllt und auch Pille Peerlings, Chef der Krefelder Kulturrampe, hatte den Weg nach Dortmund gefunden, um das Konzert unabhängig des Veranstalterstresses zu verfolgen. Pünktlich betrat dann die Band zunächst ohne Sängerin Meghan Parnell die Bühne, um ein kraftvolles Intro hinzulegen. Schon hier war die Dynamik und Harmonie der Musiker zu erkennen.

Nach einigen Minuten stieß dann auch die zierliche Fronterin hinzu und die Band legte ein knapp 100 minütiges zweigeteiltes Set hin, welches in großen Teilen dem von vor etwa 6 Wochen entsprach, was aber auch nicht verwunderlich ist, da die jungen Kanadier noch nicht so lange auf dem Markt sind und fast nur eigenes Sonmaterial präsentierten, dabei auch ein Lied, das erst auf dem nächsten Album im Herbst offiziell veröffentlicht wird.

Es ist schwer, Stücke aus einem durchweg starken southern-, soul- und blues-beeinflussten Konzert herauszuheben. Emotional war natürlich „Sign of Peace“, im Zuge der Geschehnisse der letzten Woche in Deutschland, ein Highlight. Leider gibt bei uns, aber auch vielen anderen Ländern nationalistische, rassistische Parteien, denen man nur das Zeichen des Mittelfingers zeigen kann. Nun aber weg von politischen Gedanken zu einem traumhaften Konzertabend.

Der Band gelang es praktisch von Beginn an, das Publikum mitzunehmen, wobei Energiebündel Meghan Parnell mit der kraftvollen Stimme, immer wieder den Kontakt herstellte und zuweilen die Besucher zum Mitsingen animierte, das auch trefflich gelang. Besonders sympatisch war dabei, dass sie sich nicht divenhaft in den Vordergrund spielte, sondern sich auch optisch in vielen Phasen zurückhielt, wenn die anderen Musiker Soloparts hinlegten.

Beeindruckend war das meist fingerpickende Bottleneckspiel von Dave Barnes an der Gitarre, dem es gefühlsmäßig gelang, die Weiten der kanadischen Landschaften in die Songs zu zaubern. Teilweise schien er dabei wie ein Derek Trucks in seine Musik versunken zu sein, dass er gar nicht mitbekam, was sich um ihn herab abspielte.

In die beiden prägenden Bestandteile der Band, den Gesang und die Gitarre, fügten sich die anderen Instrumente harmonisch und auf den Punkt gespielt ein, dass am Ende das homogene Werk exzellenter Musiker stand, von denen noch einiges zu erwarten ist, wenn es gelingt diesen Esprit beizubehalten. Alan Zemaitis an den Keyboards und am E-Piano untermalte zuweilen mit sphärischen Soundteppichen , glänzte aber auch mit starken Soli, oft in rasantem Tempo.

Den beiden Bläsern, Julian Nalli am Saxofon und Trompeter Stephen Dyte brachten ein weiteres Element in die southernrockige Musik von Bywater Call . Der leicht soulige Einschlag gab den Stücken etwas liebliches, wobei beide Musiker in ausgedehnten Soli ihr Können bewiesen, aber auch nur punktuell eingesetzt den Stücken, eine besondere Würze gaben. Des Weiteren übernahmen sie immer wieder Percussionparts, mit Schellenkränzen, die dann von mehreren Musikern gleichzeitig eingesetzt wurden, um einen imaginären räumlichen Kreis zu bilden.

Last but not least die Rhythmussektion um den nun bärtigen Drummer Bruce McCarthy (in Krefeld noch rasiert), der mit einer spielerischen Leichtigkeit, gemeinsam mit dem Bassisten Mike Meusel das Fundament des Septetts bildete. Beide glänzten ebenfalls in mehreren kurzen Soloparts, dass letztendlich, wie es sich für eine gute Band gehört, alle Musiker ihren Anteil hatten und nicht nur der spielerische Apendix eines Fronters waren.

Nach etwa 90 Minuten verabschiedete sich die Band, die aber nach frenetischen Zugabeforderungen für zwei Zugaben zurück kam. Zunächst betraten nur Meghan Parnell und Dave Barnes die Bühne. Mit „Swing Low“ folgte dann der für mich musikalische Höhepunkt. Barnes begleitete Parnell zum Einstieg allein an der Gitarre, deren Stimme in diesem ruhigen Part des Songs noch einmal voll zur Geltung kam. Nach einiger Zeit betrat dann der Rest der Band die Bühne und stieg nach und nach in das Stück ein, das dann immer mehr an Dynamik gewann und jammend endete.

Das Konzert endete mit „I Am“ ähnlich wie es begann. Nachdem Parnell ihren Gesangspart beendet hatte, verließ sie die Bühne und überließ diese dem Rest der Band, die das Konzert in einem mehrminütigen Jam beendete. Bywater Call wussten somit schon bei ihrem ersten Europatrip das Publikum zu begeistern, dass diese Tour mit Sicherheit keine Eintagsfliege war.

In manchen Momenten war es Meghan Parnell anzumerken, wie ergriffen sie von der positiven Resonanz der Besucher war, die auch in den Songs nach Soloparts nicht sparsam mit Applaus umgingen. Nach knapp 2 Stunden Musik war der Abend aber noch nicht beendet und die sieben Musiker nahmen sich noch Zeit für die zahlreichen Fans am Merchendisestand.

Teenage Head Music-Mastermind Manny Montana hat es mal wieder geschafft, ein Kleinod aus Amerika nach Europa zu holen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn Bywater Call einen ähnlichen Weg einschlagen würden wie Blackberry Smoke, die vor Jahren auch von ihm über den großen Teich gebracht wurden.

Wer es verpasst hat, Bywater Call auf dieser Tour zu sehen, hat Anfang Mai noch einmal die Chance dies nachzuholen, wenn die Band am ersten Maiwochenende auf dem Moulin Blues Festival in Ospel, zwischen Venlo und Eindhoven, und im Kölner Yard Club spielen wird.

Ein Dank auch an die nette Aufnahme im Blue Notez Club, einem Veranstaltungsort, in dem in den nächsten Wochen noch einige Highlights auf die Besucher warten, als ein perfekter Gastgeber.

Line-up:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar,bgv)
Alan Zemaitis (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Bywater Call
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Teenage Head Music
Blue Notez Club Dortmund

The Cadillac Three – Country Fuzz – CD-Review

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Eine Band, die seit Beginn dieses Magazins ganz sicher unser Herz gewonnen hat, ist The Cadillac Three. Wir hatte das Vergnügen die drei Burschen Jaren Johnston, Kelby Ray und Neil Mason bei diversen Konzerten und Interviews auch persönlich kennen zu lernen.

Obwohl Johnston (sogar mit Kind), Ray und mittlerweile auch Mason, alle fest unter der Haube sind, haben sie ihre jugendlichen Flausen im Kopf behalten und machen unbekümmert das, was, sie vermutlich am liebsten tun und wie es auch bei den Titeln ihrer Songs immer wieder suggeriert wird: Musik machen, Alkohol trinken und von frühster Jugend an, ihrem kleinen Kollektiv eine Menge Spaß haben.

Und das scheint besonders bei Jaren Johnston die Kreativität zu fördern, er zählt für mich zu einem der besten Refrain-Schreiber, die die Country-/Southern Rock-Szene rund um Nashville zu bieten hat.

Und so gibt es auf ihrem brandneuen Werk „Country Fuzz“ wieder einen mit 16 Stücken randvoll bepackten Silberling, bei der sich das Trio in seinem Stil gewohnt treu bleibt. Launige Songs, die vor allem wegen dem hohen Wiedererkennungswert der Refrains, bestens für ihre Live-Konzerten prädestiniert sein werden.

Gut die Hälfte der Stücke wie „Hard Out Here For A Country Boy“ (mit Gastpräsenzen von Chris Janson und Travis Tritt), „“Slow Rollin‘„, „All The Makin’s Of A Saturday Night„, „Crackin‘ Cold Ones With The Boys“ (produziert von Dann Huff),  „Back Home„, „Dirt Road Nights„, „Heat“ und „Long After Last Call“ sind bereits als Videos oder Lyric Videos vorab verfügbar gemacht worden und geben einen guten Eindruck über das Gesamtflair des Albums.

Mit dem zünftigen Opener „Bar Round Here“ aus der Feder Jon Johnston, Mason und Lori McKenna, dürften sie sofort die Sympathien der Southern Rock-Gemeinde gewonnen haben. Ein flott abgehender rhythmischer Rock-Schunkler, mit herrlich typischem Slide-Spiel. Auch im weiteren Verlauf gibt es hier einiges an Szene-typischen Zutaten auf die Ohren.

Vieles läuft nach bewährtem Rezept, viel Sprechgesang in den Strophen, launige, sich schnell in den Sinn bohrende Strophen. Schöne, slidende Soli, ab und zu geht es wie bei „The Jam“, „All The Makin’s Of A Saturday Night“ und „Jack Daniels‘ Heart“ (klasse Groove, wüstes Slide-Finish, mein Favorit des Werks) auch mal richtig funkig zu, das Stadion-taugliche „Heat“ stünde selbst Nickelback gut zu Gesicht.

Aber auch das Gespür für Ohrwürmer ist den Jungs nicht abhanden gekommen, beste Beispiele sind tolle Tracks wie“Labels“, „Back Home“, „Dirt Road Nights“ und das abschließende „Long After Last Call“.

Das vierte Werk „Country Fuzz“ von The Cadillac Three steht für ihren unnachahmlichen authentischen Stil aus Country- und Southern Rock, diesmal teilweise sogar etwas funky. Der Fun-Faktor hatte wieder einmal spürbar oberste Priorität. Man darf sich von daher schon auf die Performance der neuen Stücke bei ihren kommenden Konzerten freuen. So let’s get ready for fuzz!

Big Machine Records (2020)
Stil: Country Rock

01. Bar Round Here
02. The Jam
03. Hard Out Here For A Country Boy
04. Slow Rollin‘
05. All The Makin’s Of A Saturday Night
06. Crackin‘ Cold Ones With The Boys
07. Labels
08. Raise Hell
09. Back Home
10. Dirt Road Nights
11. Blue El Camino
12. Jack Daniels‘ Heart
13. Why Ya Gotta Go Out Like That
14. Heat
15. Whiskey And Smoke
16. Long After Last Call

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Oktober Promotion
Universal Music

Marcus King – El Dorado – CD-Review

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Gerade mal Anfang Zwanzig, bringt der aus Geenville, South Carolina, stammende Marcus King mit „El Dorado“, bereits schon das vierte Album auf den Markt.

Neu ist, dass er hier jetzt ganz unter eigener Fahne firmiert und die Musik noch stärker auf seine Vorstellungen fixiert zu haben scheint.

Dafür hat er sich mit dem Songwriter, Sänger und Gitarrist von The Black Keys, Dan Auerbach, zusammengetan, der die neuen zwölf Stücke in seinem eigenen Studio in Nashville, mit eingespielt und produziert hat. Auch mit dabei prominente Musiker wie u. a. Gene Chrisman (drums) und Bobby Woods (keys).

Im Prinzip, soweit ich die beiden anderen bisher hier reviewten Alben noch im Sinn habe, ist der größte Unterschied das Weglassen der Bläserelemente. Die Musik bewegt sich wieder in einem breiten Rahmen aus Country-, (Southern) Soul-, Gospel, R &B, Blues- und Rock-Ingredienzien, allerdings harmonisch ineinander greifend, umwittert meistens von ein gewissen Retro-Charme.

Getragen wird sie von Kings eigenwilliger, hell-raspeliger Stimme und seinem feinen Gibson-ES-E-Gitarrenspiel. Bei den countresken Sachen wie u. a. „Young Man Dream“, „Sweet Marionna“ , „Beautiful Stranger“ oder „Too Much Whiskey“ (ziemlich unverhohlen abgekupfert bei Charlie Daniels‘ „Trudy“) hört man die Pedal Steel wimmern, bei letztgenanntem kommt auch eine Harp zum Einsatz. Zuweilen finden auch retromäßige Streicher in ausgewählte Tracks („Break Me“, „No Pain“).

Ansonsten spielen (E-) Piano und Organ für die atmosphärische Note eine große Rolle, die Backgroundsängerinnen sorgen für einiges an Gospel- und Soul-Flair.

Richtig gerockt wird beim stampfenden „The Well“ (erinnert an die Band Of Heathens), „Say You Will“ (psychedelische Note, saustarkes E-Gitarrensolo) und „Turn It Up“ (hat was von den alten Free).

Mein persönlicher Favorit des Werks ist der wunderbare Blues-Schwofer „Wildflowers & Wine„.

Wie bereits erwähnt, passt alles sehr gut zusammen. Trotzdem hat man auf „El Dorado“ bei Marcus King, wie einst bei den Jägern nach dem Goldland in Südamerika,  noch den Eindruck eines Suchenden nach dem richtigen Weg.

Fest steht aber schon jetzt, dass ihm angesichts seines außerordentlichen Talents, eine goldene musikalische Zukunft bevorsteht. Wir werden ihn live demnächst in der Kölner Kantine anchecken, wo er am 05. März auftreten wird.

Fantasy Records (2020)
Stil: Blues Rock, Southern Rock, Country, Soul

01. Young Man Dream
02. The Well
03. Wildflowers & Wine
04. One Day She Is Here
05. Sweet Mariona
06. Beautiful Stranger
07. Break
08. Say You Will
09. Turn It Up
10. Too Much Whiskey
11. Love Song
12. No Pain

The Marcus King Band
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Oktober Promotion

Dallas Moore – Tryin‘ To Be A Blessing – CD-Review

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Ein Musiker, der schon lange von unserer Klientel geschätzt wird, ist verdienter Maßen Dallas Moore. Ich habe in meinem Portfolio nur seine „High On Hog“-Scheibe aus dem Jahre 2002. Da bot sich in der, im Moment eher bemusterungsruhigeren Zeit, jetzt mal an, sein neuestes Werk aus dem Endquartal des letzten Jahres, „Tryin‘ To Be A Blessing“, zu beleuchten und dem Musiker damit, seinen wohl verdienten Platz in unserem Magazin zu sichern.

Die Scheibe dauert zwar leider nur 29 Minuten, ist aber mit neun herrlichen Songs voller Spielfreude bestückt. Produziert hat das Werk des Rauschebartträgers erneut der uns ebenfalls bekannte Dean Miller (Sohn von Country-Legende Roger Miller), der um Moore wieder exzellente Musiker wie u. a. Steve Hinson (pedal steel), Guthrie Trapp (electric guitar), Mark Beckett (drums), Jenee Fleanor (fiddle) und Gordon Mote gescharrt hat, die sich für den Protagonisten spürbar ins Zeug legen.

Trapp mit seinem vorzüglichen Bariton-Geknarze (viele ‚kleine‘ Soli und Fills) und Mote mit seinem unverwechselbar ‚klaren‘ Pianogeklimper (ich hatte mich noch garnicht mit den Musikern beschäftigt, da wusste ich im Prinzip schon, dass er mit von der Partie war), setzen neben Moores rauem Wohlfühl-Gesang (eine Art Mischung aus Bob Seger und Pirates Of The Mississippi-Fronter Bill McCorvey), die Hauptakzente.

Los geht es mit der launigen Uptempo-Hommage an seine Eltern „Mama & Daddy„, die beide erst vor nicht allzu langer Zeit verstorben waren und in ihrer Unterschiedlichkeit humorvoll von Dallas nachgezeichnet werden („…mama was a good-fearing woman, daddy was a hell-raisin‘ man, she had a bible in the kitchen, he had a bottle in his hand…“).

Der swampige, saucool gesungene Southern Rock-Schunkler „Della And The Dealer“ mit reißendem Slide ist genau der Stoff, wie wir ihn lieben. So ein typisches Endlos-Stück, an das man unzählige Strophen und Soli anfügen könnte, ohne, dass es einem langweilig wird – klasse. Ruhig und melancholisch wird es erstmals bei „Everything But You“, dem später mit „I Love You Woman“ (Slide im ABB-Stil) und „You Saved Me From Me“ zwei weitere behutsamere Tracks folgen.

Ansonsten dominiert fröhliches narratives Countrymusizieren mit viel Steel-Geleier und den typischen sonstigen Zutaten. Und am Ende bietet Moore mit einer famosen Countryversion von „Lodi“, John Fogerty, ordentlich die Stirn, wenn auch die Klasse dieses allerdings auch außergewöhnlichen Liedes nicht ganz erreicht wird. Trotzdem ein finales Highlight auf diesem durchgängig hörenswerten, immer mit einem unterschwelligen Outlaw-Flair daher kommenden Tonträger.

Am Ende möchte man direkt zum Player hinlaufen und sofort den nächsten Hördurchgang anschmeißen. Somit bietet „Tryin‘ To Be A Blessing“ eine knappe halbe Stunde feinster süffiger  Southern-Countrymusik, die es in sich hat. Chapeau Dallas Moore, willkommen im Club!

Sol Records (2019)
Stil: Country Rock

Tracks:
01. Mama & Daddy
02. Della And The Dealer
03. Everything But You
04. Tryin‘ To Be A Blessing
05. I Love You Woman
06. You Saved Me From Me
07. All I Need
08. Lovin‘ On Back Streets
09. Lodi

Dallas Moore
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Fish Fisher – Keep Doing Wrong – CD-Review

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Jetzt, wo sich das Jahr langsam dem Ende nähert und die Neuveröffentlichungen etwas rarer gesät sind, kommt man auch mal zu dem, wofür ich dieses Magazin eigentlich ins Leben gerufen hatte: Hier unseren Lesern weitestgehend unbekannte Musik vorzustellen und positiv zu überraschen.

Die Realität zeigte aber recht schnell, vor allem wenn man einmal in den Fängen der Musikindustrie und ihren Vertretern gelandet ist (die uns allerdings dieses Jahr auch wieder mit viel toller Musik beliefert haben, vielen Dank dafür vorab), dass solche Vorhaben in einem kleinen Team von Schreibern, intensiv nur schwer umzusetzen sind.

Der aus Toledo stammende, sich auch in Gaitlinburg und Nashville bewegende Fish Fisher ist endlich mal wieder so ein Kandidat, den vermutlich niemand hier kennt (ich bis dato auch nicht, der Tipp stammt von einem befreundeten Musik-Junkie).

Der umtriebige Songwriter mit dem Spitznammen „Godfather of Ghettobilly“ (hat einen Fundus von über 2000 Songs und schreibt jedes Jahr um die 200 neue Tracks!!!) und Live-Musiker, spielt so ungefähr überall (vom Kanninchenzüchterverein, über Pokerrunden, Hochzeiten, Business-Events, Radio- und TV-Shows, den einschlägigen Locations bis zu Festivals), wo man sich ein paar Dollars verdienen kann.

Als Spezialität wird ihm dabei das Genre-Hopping nachgesagt: Als Mountain Music, Alternative-Country, PsychedeliGrass, Acoustic-Sludge, Ghettobilly, Unplugged-Rock, Roots-Pop, Rowdy-Folk, Yeehaw-Blues, etc. hat man seine Art zu Performen in den einschlägigen Musikplattformen charakterisiert.

Sein neustes Album „Keep Doing Wrong“ bewegt sich allerdings eindeutig in den Sphären des Cuntry-umwobenen Southern Rocks. Die dreizehn Stücke bieten dem geneigten Genre-Liebhaber eigentlich alles, was das Herz begehrt: eine raue, charismatische Stimme, tolle Melodien, typische Akustik- und E-Gitarren (zum Teil sehr schöne hymnische Hooks), Piano und Orgel, mit kleinen Abstechern wie dem psychedelischen „Spaceflight“ oder dem zungenbrecherischen Bluegrassfeger „Critters“ (mit herrlich kratziger Mandoline) zum Abschluss.

Der Rest, vom rockenden Opener „We’re Gonna Make It“, über Sachen wie dem Outlaw-mäßigen Titelstück „Keep Doing Wrong“, die balladesken „Worst As It Gets“, Drinking My Way Back To You“, „Me , The Man & The Moon oder “Whiskey & Cigarette”, dem launigen “Water & Stars (mit dezenten “Walk On The Wild Side”-Ingredienzien ) und dem treibenden „Stomping Ground“ (wie der Titel es schon suggeriert, schön stampfend), serviert einem alles, was man so aus dem Dunstkreis von Vergleichsgrößen wie u. a.  Travis Tritt, den einstigen Rambler, Pirates Of The Mississippi oder Modern Earl, etc. aufgrund vokaler Ähnlichkeiten zu schätzen weiß.

Fish Fishers „Keep Doing Wrong“ erweist sich als sein mit Abstand bester Longplayer bisher. Ein Werk, bei dem man bei jedem Hördurchgang kleine neue schöne Feinheiten entdeckt und das demnach immer besser zu gefallen weiß. Ein sehr authentisches lebendiges Album, das ihm nach Erwerb sicherlich viel Sympathien, auch in hiesigen Genre-Kreisen, einbringen wird. Somit alles richtig gemacht!

Eigenproduktion (2019)
Stil: Country Rock

Tracks:
01. We’re Gonna Make It
02. You Deserve Better Than Me
03. Guy That Gets You
04. Keep Doing Wong
05. Worst That It Gets
06. I Wanna Feel Again
07. Water & Stars
08. Drinking My Way Back to You
09. Me & the Man in the Moon
10. Space Flight 99
11. Whiskey & Cigarette
12. Stomping Groundse
13. Critters

Fish Fisher
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