Paul Thorn – Best Of – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Elvis Presley hat die Karrieren vieler bekannter Musiker nachhaltig beeinflusst und ihnen teilweise sogar buchstäblich die „Tanzschritte“ der Rockmusik beigebracht. Zu ihnen gehören die US-Rockstars Bruce Springsteen, Tom Petty und Billy Joel, die alle drei stolz betonen, wie Elvis sie förmlich zum Rock’n’Roll verleitet hat und seine Bühnenauftritte zu einem Paradigmenwechsel in ihrem Leben führten.

Der 54-jährige Paul Thorn war zu Beginn von Elvis legendären Shows noch zu jung, um die gleiche Begeisterung zu entwickeln. Aber seine Verbindung zum „King“ entsteht, als er mit seiner Familie nach Tupelo, Mississippi, zieht – dem Geburtsort von Elvis Presley. Zum Songwriting wurde er jedoch nicht unbedingt musikalisch von Elvis motiviert, sondern eher durch dessen Fähigkeiten als Entertainer.

Als Sohn eines Geistlichen entdeckte Thorn früh den Gospelgesang. Bis zu seinen ersten Musikveröffentlichungen dauerte es aber noch einige Zeit und erst als Mitt-dreißiger konnte Thorn seinen Erstling „Hammer and Nail“ (1997) herausbringen.

Auf der vorliegenden Best-of-Scheibe hat Paul Thorn wesentliche Tracks der vergangenen 20 Jahre zusammengefasst, dazu Hits und Fan-Wünsche. Angefangen mit „I Don’t Like Half The Folks I Love“ vom „Pimps and Preachers“-Album (2010) wird eine bunte Mischung von Americana bis Gospel präsentiert, die zu seinem zweiten Studioalbum „Ain’t Love Strange“ von 1999 zurückreicht („Burn Down The Trailer Park“ und „I Have A Good Day Every Now & Then“). Von seinem Debüt Album „Hammer and Nail“ (1997) ist leider kein Song vertreten, was diese Best-of-Fassung etwas schmälert.

Zu jeder Compilation gehört mittlerweile fast standardmäßig auch ein bislang unveröffentlichter Track. In diesem Fall schließt die Scheibe mit dem schönen „Rose City“ ab, das im rockigen Country-Sound entfernt an Stones-Klassiker erinnert. Ein nettes Beiwerk ist der Download-Code zu einem Konzert mit Band aus dem Jahre 2016, als er im Ryman Auditorium in Nashville, TN eine Acoustic-Show ablieferte.

Paul Thorn wird in der Musikszene sehr geschätzt und konnte zum Beispiel schon mit Sting, Mark Knopfler, John Hiatt und John Prine zusammenarbeiten. Im Vergleich zu vielen anderen Berufsmusikern kann Thorn die in langen, harten Jahren gewonnene Lebenserfahrung, u.a. als Fabrikarbeiter, Soldat oder Profi-Boxer, in die natürliche Glaubwürdigkeit seiner Songs einbringen. Er weiß worüber er singt, wenn er sogenannte „working-man-songs“ spielt. Bruce Springsteen musste kürzlich z.B. sehr ironisch – in seiner umjubelten Broadway Show – zugeben, er habe die Fabriken, über die er in seinen Songs schreibt, nie von innen gesehen.

Die Best-of-LP von Paul Thorn ist eine meisterliche Zusammenstellung aus einem abwechslungsreichen und authentischen Repertoire und zwei Jahrzehnten Americana, Country, Blues, Gospel und Southern Rock. Die Gelegenheit, diesen bodenständigen und vielseitigen Singer/Songwriter live zu erleben, sollte man bei seinen ersten Deutschland-Terminen im Herbst unbedingt wahrnehmen.

Perpetual Obscurity Records (2016)
Stil: Americana, Country, Blues

Tracklist:
01. I Don’t Like Half The Folks I Love
02. Mission Temple Fireworks Stand
03. Snake Farm
04. Pimps And Preachers
05. Long Way From Tupelo
06. Burn Down The Trailer Park
07. Bull MT. Bridge
08. What The Hell Is Goin‘ On?
09. What Have You DoneTo Lift Somebody Up?
10. Old Stray Dog & Jesus
11. I Have A Good Day Every Now & Then
12. Rose City

Bonus Download: The Acoustic Show
01. A Lot Of Good Reasons
02. I Backslide On Friday
03. I Hope I’m Doin‘ This Right
04. Hammer & Nail
05. That’s Life
06. Turnip Greens
07. Don’t Let Nobody Rob You Of Your Joy
08. She Won’t Cheat On Us
09. Everything’s Gonna Be Alright

Paul Thorn
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Black Pike Favorites

Aaron Haynes (Quaker City Night Hawks) – Interview

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Nachdem wir die Texaner im Vorprogramm von Blackberry Smoke im niederländischen Weert beleuchtet hatten, bat uns Oktober Promotion im Rahmen ihrer bevorstehenden Rückkehr nach Deutschland im Herbst als Headliner, und anlässlich ihres aktuellen Albums, um ein Interview. Stephan Skolarski stellte Quaker City Night Hawks-Drummer Aaron Haynes die Fragen.

Sounds Of South: Hallo Aaron, Glückwunsch zu eurem starken neuen Album! Wie würdet ihr das neue Werk jemandem beschreiben, der es noch nicht gehört hat?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Als Heavy Texas Rock ’n Roll!

Sounds Of South: Seid ihr mit der Resonanz auf das Album zufrieden?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Ja, die Leute scheinen es zu mögen, wir brauchen einfach nur noch mehr Leute, die es auch zu hören bekommen.

100A6091-Bearbeitet-1024x683Sounds Of South: Auf eurem Album verbindet ihr sehr viele unterschiedliche Musikstile. Von Southern-Rock zu psychedelischen Elementen in „Grackle King“ oder Blues-Rock auf „Fox in the Henhouse“. Welche Musik von anderen Künstlern hatte einen Einfluss auf diese Platte?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Einige Größen die tiefe Wirkung hier hinterlassen haben, sind ZZ Top, Black Sabbath und Heart.

Sounds Of South: „Colorado“ ist ein sehr persönliches Lied. Ist es für euch wichtig in euren Songs persönliche Erfahrungen einzubringen?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Absolut! Wir wären nichts ohne unsere Erfahrungen. Die Stücke sind nicht immer autobiografisch, aber manchmal schreibst du über Dinge, die du kennst.

Sounds Of South: Was hat es für euch bedeutet mit Austin Jenkins zusammenzuarbeiten? Hatte er einen großen Einfluss auf eure musikalischen Vorstellungen?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Wir respektieren Austin Jenkins und Josh Block, ja, wir vertrauen ihnen, was das Wichtigste ist. Wir hatten schon eine gute Vorstellung, was wir erreichen wollten, als wir ins Studio gingen, aber sie waren sehr hilfreich, als wir uns festfuhren. Sie machten, was große Produzenten dann tun: Sie halfen uns sehr kreativ, der Scheibe Leben einzuhauchen.

Sounds Of South: Das Niles City Studio ist für seinen Lo-Fi Sound bekannt. Was bevorzugt ihr: Streaming oder Analog?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks:  Beides. Wir schrecken nicht vor Technik zurück, aber wir bevorzugen den Sound und die Wärme der analogen Gangart… und wir sind eine lebendige Band, die gerne zusammenspielt.

Sounds Of South: Ihr seid inzwischen sehr erfolgreich. Hat sich dadurch etwas für euch verändert?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Nicht viel. Wir arbeiten kontinuierlich und pushen uns, besser zu werden. Jetzt sind wir auf den Geschmack gekommen und wollen natürlich mehr.

100A6162-Bearbeitet-1024x683Sounds Of South:  Quaker City Night Hawks ist ein eher untypischer Bandname. Was hat es mit dem Band-Namen auf sich?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Der Name rührt von einem Mark Twain-Buch „Die Arglosen im Ausland“. Seine Kumpels, mit denen er spielte und feierte, nannten sich Night Hawks und das Schiff, auf dem sie sich in der Geschichte befanden, wurde Quaker City genannt. Somit erklärt es sich von selbst.

Sounds Of South: Mit wem würdet ihr gerne mal zusammen auf der Bühne stehen oder auf Tour gehen?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: 
Wir würden die Bühne gerne mit Nathaniel Rateliff and the Night Sweats, The Record Company oder irgendeinem der Projekte von Jack Whites teilen… auch Post Malone wäre verdammt klasse.

Sounds Of South: Worauf freut ihr euch bei der anstehenden Tour am meisten?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Zu den tollen europäischen Fans zurückzukehren. Die hören sich tatsächlich Musik an. Es ist erfrischend vor Publikum zu spielen, das Achtung vor Musik hat und jedes Detail mitbekommen möchte.

Danke für die Beantwortung unserer Fragen. Wir freuen uns euch auf eurer kommenden Tour in Deutschland wieder zu sehen.

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Das Interview in Englisch:

Sounds Of South: How would you describe the new record to someone,who hasn’t heard it yet?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Heavy Texas Rock ’n Roll!

Sounds Of South: Are you happy with the feedback on this record?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Yes, People seem to like it now we just need more people to hear it.

100A6067-Bearbeitet-1024x683Sounds Of South: Your record combines many different kinds of music. From southern rock, to psychedelic elements in „GrackleKing“ or blues rock in „Fox in the Henhouse“. Whichmusic from other artists had an influence on this record?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Some Of the big ones that influenced this album are ZZ Top, Black Sabbath and Heart.

Sounds Of South: „Colorado“ is a very personal Song. Is it important foryou to write about personal experiences?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Absolutely, we are nothing without our experiences. The songs are not always autobiographical but sometimes you go with what you know.

Sounds Of South: What did it mean to you, working with Austin Jenkins? Did he have a big influence on your musical ideas?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: We really respect Austin Jenkins and Josh Block and we trust them which is the most important. We had a good idea of what we wanted going into the studio but they were very helpful when we would get stuck. They did what great producers should do. Sonically and creatively they helped this record come to life.

Sounds Of South: The Niles City Studio is very famous for its lo-fiproduction. What do you prefer more: streaming oranalog?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: We used both. We aren’t afraid of technology but we prefer the sound and warmth of analog gear…. and we are a real band that plays together.

Sounds Of South: You have become very successful. What has changedin your life?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Not much. We are constantly working and pushing to be better. We have a taste now we want more.

100A6059-Bearbeitet-1024x683Sounds Of South: Quaker City Night Hawks is an very unusal name of a band. What’s the„story“ behind it?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: It comes from a Mark Twain book called “The Innocents Abroad”. The group of fellas he would gamble and drink with called themselves the Night Hawks and the ship they were on during the story was called the Quaker City. It writes itself.

Sounds Of South: If you had the choice, which artist would you like tosupport on stage or tour?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: We would love to hit the road with Nathaniel Rateliff and the Night Sweats or The Record Company or any of Jack Whites projects… hell even Post Malone would be great.

Sounds Of South: What are you looking forward to the most about your upcoming tour?
Aaron Haynes/Quaker City Night Hawks: Getting back to the European fans. They actually listen to music. It’s refreshing to have audiences that care about music and want to hear every detail.

Thank you for answering our questions. We’re looking forward to see you on your upcoming tour in Germany.

Bilder: Gernot Mangold

Quaker City Night Hawks
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Oktober Promotion

The Georgia Thunderbolts – Southern Rock From Rome – CD-Review

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Schön, wenn man Musik-kompetente Freunde hat! Die Scheibe „Southern Rock From Rome“ der Georgia Thunderbolts rührt her von einem Tipp meines Bekannten Harald Birkner.

Schon nach dem Hören eines Tracks war für mich klar, dass dieses Werk in Sounds Of South besprochen werden musste. Ich kontaktierte das GTB-Management auf dem Fuße und wurde sofort mit der CD samt aller interessanten Infos versorgt. Vorbildlich!

Die Band rekrutiert sich aus den im 7-Hügel-Tal an den Flüssen Coosa, Oostanaula und Etowah  gelegenen Städten Rome und Taylorsville, was letztendlich im Line-up mit T.J. Lyle (lead vocals), Riley Couzzourt (lead and rhythm guitars), Logan Tolbort (lead and rhythm guitars), Zach Everett (bass, keys, vocals) und Bristol Perry (drums, percussion) uferte.

Als Gäste sind noch Bianca Byrd und Sandra Dye (tolle Backing vocals beim delta-bluesigen „It Ain’t Easy“, hätten gerne noch präsenter sein können) und Paul Hatchett (mit hallender Orgel bei „Dancing Withe The Devil“) vertreten, produziert haben in einen sehr schön erdigen, aber klaren Sound, Richard O. Young und Dave Barrick.

Direkt schon der Opener „Be Good To Yourself“ rockt und stampft rhythmisch zu klimperndem Piano und kratzigen E-Gitarren in bester Manier Black Crowes-/Georgia Satellites-Manier, allerdings deutlich southern-rockiger.

Auffällig sofort die tolle Stimme von Fronter T.J. Lyle mit frappierender Ähnlichkeit zu Johnny Van Zants Anfangstagen, beziehungsweise -alben, also noch nicht vereinnahmt vom späteren Lynyrd Skynyrd-Management. Überhaupt fühlt man sich durchgehend an die Zeit von „No More Dirty Deals“ des damaligen Van Zant-Benjamins zurückerinnert.

Die Donnerkeile aus Georgia bevorzugen insgesamt die riffig-rockige Gangart des Genres („Lend A Hand“, „Can I Get A Witness“, das herrliche „It’s Alright“, „Better Run From The Beast“, „Life I’m Livin'“), natürlich garniert mit vielen typischen E-Gitarren-Soli. Ruhiger und atmosphärischer wird es nur partiell bei Stücken wie „Dancin‘ With The Devil“ und „Looking For An Old Friend“, beide mit einem wunderbaren Skynyrd-Feeling.

Und am Ende wird dann noch ein genial progressiv-ummanteltes „Set Me Free“ rausgehauen (erinnert an „The Whippoorwill“), das noch mal bleibenden Eindruck hinterlässt. Gleichzeitig der wohl stärkste Track des Longplayers. Was für ein toller Gesang und großartige E-Gitarren samt toller Soli, sowie die Pink Floyd-angelehnten Bridges. Alles richtig gemacht Jungs!

Große Southern Rock-Karrieren werden vielleicht nicht an einem Tag oder mit einer CD geschaffen, auch nicht in Rome! Den Georgia Thunderbolts ist mit ihrem Erstling „Southern Rock From Rome“ allerdings ein brillanter Einstieg ins Genre gelungen, der in Zukunft so einiges erhoffen lässt. Eine sich anbahnende echte Konkurrenz für die Bundesstaats-Kollegen von Blackberry Smoke.

Und ein ganz heißer Kandidat für das Album des Jahres, bitte unbedingt zulegen liebe Southern Rock-Gemeinde!

Eigenproduktion (2019)
Stil: Southern Rock

01. Be Good To Yourself
02. Lend A Hand
03. It Ain’t Easy
04. Can I Get A Witness
05. It’s Alright
06. Dancin‘ With The Devil
07. Looking For An Old Friend
08. Better Run From The Beast
09. Life I’m Livin‘
10. Set Me Free

The Georgia Thunderbolts
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Ronnie Van Zant – Rollin‘ Stoned – CD-Review

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Hätte sich der tragische Flugzeugabsturz von Lynyrd Skynyrd am 20. Oktober 1977 nicht ereignet, müssten die Geschichtsbücher der Rockmusikgeschichte vermutlich umgeschrieben werden.

Aus uns nicht ersichtlichen Gründen hat ein Hacker (Southern Rock-Fan?), u. a. unserem Magazin, diverses Material (Dokumente, Protokolle, Vertragsentwürfe, Dateien, Bilder, Cover-Artwork, Soundschnipsel) des damaligen Rolling Stones-Managements zugespielt, mit teils unglaublichen (man könnte fast einen April-Scherz dahinter vermuten…), bis dato nicht bekannten, voller Brisanz steckender Inhalte.

So kriselte es 1977 zur vermeintlichen Hoch-Zeit Skynyrds (mit „Street Survivors“ schien ja ein erster Zenit erreicht zu sein), als auch bei den Stones, ganz kräftig hinter den Kulissen (beide Bands waren ja ein Jahr zuvor auf dem legendären Knebworth-Festival vor 120.000 Zuschauern aufgetreten).

Das Stones-Managemanent war stinkesauer auf Mick Jagger und selbst der gerade von einer Drogen-Entzugskur halbwegs regenerierte Halodri Keith Richards, hatte von den ständigen Eskapaden und Affären des Bandleaders die Faxen dicke. Das Tischtuch war so gut wie zerschnitten und für die Verantwortlichen war der potentielle Jagger-Nachfolger bereits ausgeguckt – Ronnie Van Zant!

Van Zant wusste um die einmalige Chance, und brachte Bruder Donnie, als nächstälterer Bruder, bei Skynyrd ins Spiel, der Benjamin Johnny sollte dafür die bei 38 Special entstandende Lücke füllen. Gary Rossington und Allen Collins favorisierten allerdings eine Lösung in eigener Sache mit einer gewissen Dale Krantz am Mikro, Steve Gaines lag bei der etwas jazz-lastigeren Marshall Tucker Band, als dritter Gitarrist, ein bereits unterschriftsreifer Vertrag vor.

Um Jagger zur Vernunft zu bringen, als auch unter Druck zu setzen, wollte man Van Zant zunächst als Solo-Künstler aufbauen. In gerade mal drei Wochen wurde in Austin, Texas, ein komplettes Studio-Album mit dem plakativen Titel „Rollin‘ Stoned“ kreiert und eingespielt, wobei Ronnie und Keith Richards (auf dem Werk unter dem Synonym Richard Keys aufgeführt), die Tracks gemeinsam geschrieben hatten.

Mit dem auch als Nachfolger für Mick Taylor gehandelten Jeff Beck (als 2. Gitarrero), der Rhythmus-Fraktion Chris Layton und Tommy Shannon, sowie Keyboarder Reese Wynans (mit ein paar herrlichen Piano- und Orgel-Einlagen), alle drei aus dem Stevie Ray Vaughan-Umfeld, zudem den Backgroundsängerinnen Bekka Bramlett und Marcy Levy (Eric Clapton), wurden die Tracks dann in ein musikalisches Gewand umgesetzt. Produziert hatte das Ganze James Miller, der sich ja auch zuvor für die markantesten Stones-Alben verantwortlich zeigte (u. a. „Let It Bleed“, „Sticky Fingers“, „Exile On Main St.“).

Für Van Zant war es eine komfortable Situation. Er konnte quasi dreigleisig fahren. Zum einen die mögliche, auf seine Vorstellungen alleinig fixierte Solo-Karriere, die medial wie finanziell, einmalige lukrative Stones-Option oder zur Not, sollten alle Stricke reißen, eine Rückbesinnung zu Skynyrd. Das Album (das können wir schon jetzt konstatieren) bietet übrigens, wie nicht anders zu erwarten, einen herrlichen Southern Rock stonesker Prägung.

Aber wie allseits bekannt, kam alles anders. Das Stones-Management reagierte sofort auf die Hiobsbotschaft des tragischen Ereignisses in Gillsburg, Mississippi, und legte das fertige Album wieder auf Eis. Mit dem Van Zant-Clan wurde eine vierzig-jährige Verschwiegenheitsklausel vertraglich festgelegt.

Nach dem Durchsickern einiger Details vor ein paar Monaten und dem Ablauf der Stillschweige-Zeit, ist dieses Werk jetzt wohl wieder aus den Archiven ‚gekramt‘ worden und steht demnächst zur Veröffentlichung in den Startlöchern.

Um uns abzusichern, kontaktierten wir spontan Carol Chase, zu der wir ja, dank eines Interviews, immer noch gute Beziehungen pflegen. Die nickte auf Nachfrage zum Wahrheitsgehalt quasi imaginär ab und stellte uns drei Exemplare in Aussicht, wovon wir zwei gerne an unsere Sounds Of South-Leser weitergeben möchten.

Schreibt uns von daher ins Kommentarfeld, wie ihr einer Solo-Karriere Ronnie Van Zants, beziehungsweise seiner Rolle als Jagger-Nachfolger bei den Rolling Stones gegenüber gestanden hättet. Die interessantesten beiden Beiträge werden dann nach Veröffentlichung mit der Scheibe belohnt!

Atlantik Records (1977)
Stil: Southern Rock

01. Paint It Red
02. White Sugar
03. Honky Tonk Chicks
04. It’s Only Southern Rock
05. Ruby Thursday
06. You Can’t Always Drink What You Want
07. Slow Horses
08. Let’s Spend The Holidays Together
09. Waiting On A Saint
10. Tumbling Twice
11. Sweet Young Angel
12. Dance Little Brother

Ronnie Van Zant
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Joost de Lange Band – Lonesome Wolf – CD-Review

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Der im niederländischen Middelburg (schönes Örtchen, in dem wir immer gerne während unserer Zeeland-Urlaube bummeln gehen) geborene Joost de Lange hat mit „Lonesome Wolf“ jetzt sein 5. Studioalbum auf den Markt.

Er und seine beiden Mitstreiter Mitchell Goor (bass) und Ramses Donvil (drums), mittlerweile im belgischen Antwerpen ansässig, haben sich in scheinbar bewusster Trioform seit ca. 2015 der powervollen Variante des Blues Rocks verschrieben.

Das neue Werk umfasst elf Tracks, die alle aus der Feder des Bandleaders stammen und im Giesound Studio in Zwolle eingespielt und aufgenommen wurden.

Schon der heftig brummende Opener „Drifting Away“ mit seinem kraftvollen E-Solo inklusiver Wah-Wah-Elemente, lässt erahnen, was einen im Verlauf des Longplayers größtenteils erwartet: Treibender polternder E-gitarrenlastiger Blues Rock der etwas heftigeren Art.

Der Protagonist spielt sicherlich deutlich besser Gitarre als er singt, was er mit unzähligen quirligen und filigranen Soli untermauert. Aber auch seine Stimme, die manchmal ein wenig wie eine europäische Ausgabe von Johnny Van Zant klingt (in der Markanz aber somit nicht vergleichbar), geht durchaus in Ordnung. Manches Stück wie zum Beispiel „Dreams“ kann sogar mit einem dezenten Southern-Touch punkten.

Auch wenn ich solche powernde Musik eigentlich lieber live als im Wohnzimmer höre, muss man de Lange durchaus den Anspruch attestieren, eine gewisse Melodik und auch eine abwechslungreiche Gestaltung der Songs, nie außen vor zu lassen.

Mit ein paar Piano- und Orgeleinlagen sowie weiblichen Backgroundgesängen hätte man aus den Stücken vielleicht sogar noch viel mehr rauskitzeln können, de Lange hat sich aber vermutlich konsequent für die schroffe Linie im klassischen Dreier Line-up ohne viel Pipapo entschieden.

Da geht es allerdings dann bei „The River“ auch mal in den Slowblues-Bereich (dennoch wieder mit quirligem Solo), beim starken Titelsück „Lonesome Wolf“ und dem straight rockenden „Rock & Roll Radio“ in die texanische Schiene.

Mit dem finalen „The Rambler“ wird noch mal ein atmosphärischer Blues Rocker rausgehauen, der mich ein wenig an Alex Harveys „Faith Heeler“ erinnert.

Wer Spaß an Blues Rock-Altmeistern der harscheren Sorte wie Hendrix, Gallagher, Pat Travers, Frankie Marino, Ted Nugent, Stevie Ray Vaughan & Co. hat, darf sich bei der Joost de Lange Band über eine zeitgenössische Variante derer freuen.

Erwähnt werden muss sicherlich auch das schlichte, aber sehr geschmackvoll und mit Liebe zum Detail gestaltete Digipak von Peter Kortleve (Shortlife Graphic Design, Deventer), wobei mir innen vor allem die Wolfspupillen mit dem weglaufenden Künstler samt Gitarrenkoffer im geschärften Blick, klasse gefallen.

Eigenproduktion (2019)
Stil: Blues Rock

01. Drifting Away
02. Best Shot
03. Fly On
04. Wandering
05. The River
06. Dreams
07. Soul On Fire
08. Lonesome Wolf
09. I’ll Be Watching
10. Rock & Roll Radio
11. The Rambler

Joost de Lange Band
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Mike Zito – Support: Jeremiah Johnson – 14.03.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Was für ein Abend im Lütgendortmunder Musiktheater Piano! Der von uns so geschätzte texanische Blues Rocker Mike Zito, den wir noch letztes Jahr im Rahmen des Blues Caravans an gleicher Stelle beleuchtet hatten, gab diesmal ein Stelldichein in eigener Sache und hatte als Support noch Jeremiah Johnson mit dabei, der letztes Jahr mit „Straitjacket“ sein Debüt unter dem Ruf Records Label gefeiert hatte.

Beide wurden jeweils bei ihren Auftritten durch Matt Johnson am Schlagzeug und Kaugummi-Kauer Terry Dry (herrlich kauziger Typ mit skurrilem Erscheinungsbild) am Bass verstärkt. Zunächst war es dann natürlich Jeremiah Johnson bei seiner Deutschland-Premiere vorbehalten, sich und seine Musik dem Publikum näher zu bringen.

Sein früheres Album „Grind“ befindet sich in meinem Besitz. Von daher war Johnson, zumindest für mich kein völlig Unbekannter. Und aus dem legte mit dem Opener des Werkes „Black Lingerie“ sofort eine toll groovende Nummer hin. Herrlich wie seine Delaney-E-Gitarre rumknarzte (erinnerte mich ein wenig an das Spiel von Wishbone Ahs Mark Abraham) und auch Johnsons leicht angerauchte Stimme wusste zu überzeugen.

Ein Kompliment hier an den Tontechniker des Pianos, der einen wunderbar transparenten und klaren Sound in allen Belangen aussteuerte und somit seinen Anteil an dem insgesamt tollen Abend hatte. Das auch von dieser CD stammende “Georgia Peach“ offenbarte Johnsons Affinität zum Southern Rock und dem Betts-umwobenen Gitarrenspiel, bedingt durch das unterschiedliche Gitarrenmodel, natürlich etwas rauer klingend.

Mit dem Schwofer „King And Queen“, „Blues In Herr Eyes“ und „Straitjacket“ gab es dann den Schwenk in Richtung des aktuellen Longplayers, von dem mit „Believe In America“ noch das patriotische Bekenntnis zur Heimat später folgte. Wahnsinn was der Protagonist insgesamt an quirligen Soli abzwirbelte.

Für uns als Southern Rock-Freunde gab es als Bonbons die Stücke „Skip That Stone“ (mit kleinen „Jessica“-Einlagen) und das atmosphärische, Marshall Tucker-trächtige „Southern Drawl“. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der aus St. Louis, Missouri stammende Musiker bereits in die Herzen der Piano-Besucher gespielt.

Ich habe bei meinen vielen Besuchen selten einen Support erlebt, der so vom Publikum gefeiert und angetrieben wurde. Johnson wurde unter heftigem Klatschen dann noch zweimal auf die Bühne zurückbeordert, wo er mit „Get In The Middle“ on top eine Bakersfield-Nummer zum Besten gab und bei „Gasoline And Smokes“ noch mal gitarrentechnisch aus allen Rohren feuerte. Großartige Performance, Jeremiah Johnson!

Nach einer kurzen Pause wusste Routinier Mike Zito natürlich um die Höhe der Latte, die Kollege Johnson aufgelegt hatte. Der Texaner warf sofort sein sympathisches Charisma in die Waagschale und konterte mit den formidablen Slidekünsten (als auch vielen konventionellen Spielereien) auf seiner, mit goldenen Reglerknöpfen verzierten, schnieke glitzernden, bordeaux-rot-weißen Music Man StingRay-Gitarre.

Zito eröffnete mit „Mississippi Nights“ und dem Titeltrack des aktuellen Werkes „First Class Life“, die später noch mit dem herrlichen Deltablues zu Ehren von Blind Willie Johnson „Old Black Graveyard und dem wunderbar launigen „Back Problems“ (furiose Soli aller Beteiligten, sehr schön sphärisch das von Komiker Terry Dry, der trotz seiner Flachsereien immer auf präzises Spiel achtete) ergänzt wurden.

Mit „Bad News Is Coming“ lieferte er eine grandiose Hommage an Luther Allison ab und präsentierte mit Sachen wie unter anderem „Wasted Time“, „Keep Coming Back“, „Judgement Day“ (mit integriertem Kurz-„Whole Lotta Love“) und „Make Blues Not War“ einige Schlüssellieder seiner früheren Alben.

Und da Mike Zito nicht nur ein lockerer Typ ist, sondern durchaus den Gentleman in sich trägt, holte er Jeremiah Johnson zurück auf die Bretter des Pianos. Fortan wurde mit den beiden überragend gespielten „Gone To Texas“ und „One More Train“ im Quartett die große Southern Rock-Keule geschwungen, Double Leads und schmissige Einzel-Soli inbegriffen, dass es einem die Freudentränen in die Augen trieb.

Eigentlich wollte kaum jemand die vier Musiker von der Bühne lassen, aber angesichts der noch bevorstehenden Konzerte ging der fließende Übergang zum Merchandising Stand absolut in Ordnung. Johnson schien angesichts der Begeisterung für ihn vor Dankbarkeit überzuschäumen, so dass er jeden Besucher quasi persönlich per Handschlag verabschiedete.

Und in der Tat, das Musiktheater Piano hatte aus meiner Sicht, nicht zuletzt auch wegen der vielen Southern-Ingredienzien, einen der stärksten Blues Rock-Abende erlebt, seit dem ich diese schöne Location besuche. Es war ein großes Vergnügen – Kompliment, die Herren Zito, Dry und Jeremiah und Matt Johnson! Unsere dicke Empfehlung zu Anfang der Tour: Hingehen, wem sich auch immer die Möglichkeit dazu bietet!

Line Up:
Mike Zito – Lead vocals, electric and slide guitar
Jeremiah Johnson – Lead vocals, electric guitar
Matthew R. Johnson – Drums, vocals
Terry Dry – Bass, vocals

Bilder: Gernot Mangold
Video „Bad News Is Coming“: Adam Zegarmistrz Glagla
Text: Daniel Daus

Mike Zito
Mike Zito bei Facebook
Jeremiah Johnson
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Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Tedeschi Trucks Band – Signs – CD-Review

TTB

Review: Stephan Skolarski

Die geballte musikalische Power der aus 12 Musikern bestehenden Tedeschi Trucks Band auf einer Platte zu vereinen, ist für jeden Produktionsprozess eine Herausforderung. Federführend bei der Entstehung des neuen Longplayers der US-Amerikanischen Blues- und Southern-Rock Formation, war der mehrfache Grammy Gewinner Jim Scott, der schon mit vielen Acts des Musik-Business zusammenarbeiten konnte (u.a. Rolling Stones, Tom Petty, Sting, Wilco) und diese Aufgabe gemeinsam mit Derek Trucks und Bobb Tis, exzellent bewältigt hat.

„Signs“ wurde im sogenannten ‚Swamp Raga‘ (Jacksonville, FL), dem eigenen Studio des Bandleader-Ehepaars Susan Tedeschi und Derek Trucks, aufgenommen und ist bereits das vierte Album in den letzten neun Jahren. Die gewohnte, abwechslungsreiche Unterstützung durch Bläser, Keyboards, Percussion und Backgroundgesang ist erneut das bekannte Markenzeichen dieses Kollektivs. Als Themen des Albums werden nicht nur auf dem Cover, sondern geradezu eindringlich in den Songs Umweltzerstörung und gesellschaftliche Spaltung angeprangert.

Leider musste die Band in der Vergangenheit einige Schicksalsschläge verkraften. Im Bekanntenkreis verstarben u.a. Butch Trucks, Gregg Allman, Leon Russel und B.B. King, die alle sehr enge Wegbereiter und Vorbilder waren. In liebevoller Erinnerung wird diesen Alt-Meistern im Booklet die besondere Wertschätzung erwiesen. Gewidmet ist das Werk jedoch ausdrücklich Colonel Bruce Hampton, der langjährig als Förderer und Mentor die musikalische Ausrichtung begleitet hat. Die Wirkung auf Sängerin Susan Tedeschi, die auch ihre Trauer und Wut verarbeitet, äußert sich dennoch in optimistischer Weise: „Als Musikerin möchte ich rausgehen, Kraft vermitteln und die Menschen inspirieren.“

Die Aussage setzt wortwörtlich ein Zeichen, einen Maßstab für die Tracks und die Vitalität von „Signs“. Und so geht es auf dem Opener „Signs, High Time“ gewaltig los. Der Funk/Soul Mix auf „I‘m Gonna Be There“ driftet im Refrain zu einem eher gängigen Pop-Rhythmus ab. „Walk Through This Life“ liebäugelt mit angenehmen Soul-Country und greift zugleich die äußerst schweren Verluste der Vergangenheit auf, gepaart mit einem zuversichtlichen Blick in die Zukunft („Let’s walk through this life togehther/Show a little staying power/Even in our darkest hour/There’s still you and me“).

Das milde „Strenghten What Remains“ ist für die TTB ein vergleichsweise minimalistisches Arrangement und ein schöner, liebevoller Song. Auf dem melancholischen „All The World“, inklusive weinendem Gitarren-Solo von Derek Trucks), wird auf die Vergänglichkeit des Planeten aufmerksam gemacht („All the world is bleeding“). Die Vorab-Singles „Hard Case“ und „They Don’t Shine“ verfeinern die Platte durch Gospel-Power, klassischen Blues und warme Gitarren. „The Ending“ ist ein rein akustisches und trauriges Lied, das von Susan Tedeschis Stimme sanft getragen und von Derek Trucks und Oliver Woods (The Wood Brothers) Gitarren kunstvoll begleitet wird und nochmals die verstorbenen Freunde würdigt.

Der Longplayer „Signs“ steht für einen bunten Facettenreichtum aus Blues, Southern Rock, Funk und Soul; ähnlich üppige Sounds kommen im artverwandten Stil allenfalls noch von Gov‘t Mule oder der Marcus King Band rüber. Die Tedeschi Trucks Band schöpft ihr breites Potential auf jedem Alben neu und beständig aus. Sie haben mittlerweile ihren unverkennbaren Tedeschi-Trucks-Sound entwickelt, der sich durch einen hohen Wiedererkennungswert auszeichnet und auch auf „Signs“ fast schon magisch in seinen Bann zieht.

Fantasy Records (2019)
Stil: Blues Rock, Southern Rock

Tracklist:
01. Signs, High Times
02. I‘m Gonna Be There
03. When Will I Begin
04. Walk Through This Life
05. Strengthen What Remains
06. Still Your Mind
07. Hard Case
08. Shame
09. All The World
10. They Don‘t Shine
11. The Ending

Tedeschi Trucks Band
Tedeschi Trucks Band bei Facebook
Universal Music
Promoteam Schmitt & Rauch

Quaker City Night Hawks – QCNH – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Ein Rock-Trio, das aus Fort Worth,Texas, stammt und nicht nur zuweilen härtere Gitarrenriffs in seine Songs einbaut, wird unweigerlich auch mit Vergleichen zu den texanischen Blues-Großmeistern von ZZ Top konfrontiert werden. Im Falle der dynamischen Quaker City Night Hawks sind solche Assoziationen keineswegs ungerechtfertigt, aber umfassen die musikalische Bandbreite der Band nur teilweise.

Aufgenommen wurde das insgesamt vierte Album und der Nachfolger der Erfolgs-LP „El Astronauta“ (2016) in ihrer Heimatstadt. Im Niles City Studio konnten sie zusammen mit Ex-White Denim-Gitarrist und Produzent Austin Jenkins an den Tracks feilen. Eine klare Aufgabenteilung war das Songwriting, bei dem sowohl David Matsler als auch Sam Anderson ihre Ideen und Gitarrensounds in eigenen Songs beisteuerten.

Der Opener „Better In The Morning“ versprüht ein klassisches Roots-Rock-Feeling, „Suit In The Back“ den coolen Funk-Blues, gespickt mit heftigen Gitarrenriffs. Die Staaten-Hymne „Colorado“ ist ein angenehmer Road-Trip-Song im Heartland-Rock Charakter und ein typischer Matsler-Track, der Highway Erlebnisse über zahllose Autostunden von Texas nach Colorado und New Mexico schildert. Den dirty Texas-Blues-Rock bringen sie auf „Fox in the Henhouse“ und liefern im Folgenden „Hunter’s Moon“ einen powervollen Tex-Mex Stoner-Rock ab.

„Elijah Ramsey“ erinnert an einen akustischen Tom Petty-Song und behandelt die Kriegserfahrungen eines jungen Soldaten. Matsler wurde hier besonders durch Steve Earles LP „Copperhead Road“ (1988) angeregt, sich mit dem Thema Kriegsveteranen auseinanderzusetzen. „Grackle King“ ist psychedelisch angehaucht und hier scheint der experimentelle Einfluss des Produzenten Jenkins durchzusickern. Von den Funk-Gitarren bei „Tired of You Leaving“ geht es dann zum letzten Stück des Longplayers, „Freedom“, das mit straighten Rock-Riffs die Scheibe hart und rau beendet.

Auch für die aktuell angesagte Southern Rock-Band Blackberry Smoke waren QCNH schon als Support-Act unterwegs und sogar Country-Star Chris Stapleton hat die Band für seine Tour verpflichtet. Die Platte ist von einem fesselnden Sound gefärbt, der wesentlich auf die Produktion mit dem Retro-Studio-Equipment im Lo-Fi Vintage-Style zurückzuführen ist.

Der Musikmix der Quaker City Night Hawks reicht von 70s Classic Rock, über Desert bis hin zu Funk und psychedelischen Elementen, wobei auf dem vorliegenden Longplayer kaum ein Track dem anderen gleicht. Artverwandte Bands wie z. B. Wille & The Bandits, aber auch die Zuma Birds, The Picturebooks, Delta Saints oder Black River Delta, zeigen ähnliche Ansätze einer musikalischen Ausrichtung.

Quaker City Night Hawks sind jedenfalls schon seit längerem ein Gewinn, nicht nur für die texanische Musik-Szene, sondern auch für die Liebhaber kompromissloser Songs vom Texas-Blues bis zum Southern-Country.

Lightning Rod Records (2019)
Stil: Southern Rock, Stoner/Desert, Funk

Trackliste:
01. Better In The Morning
02. Suit In The Back
03. Colorado
04. Pay To Play
05. Fox In The Henhouse
06. Hunter’s Moon
07. Elijah Ramsey
08. Grackle King
09. Tired Of You Leaving
10. Freedom

Quaker City Night Hawks
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Oktober Promotion

Blues Caravan – 10.02.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Das war doch mal wieder ein attraktives Paket, im wahrsten Sinne des Wortes, was Thomas Ruf im Rahmen des Blues Caravans 2019 auf den Weg gebracht hat. Seit 2005 schickt er tolle Künstler seines Labels im Trio auf die Reise und hat damit so manche formidable Karriere initiiert.

Im letzten Jahr hatte er um die Newcomerin Vanja Sky, mit Bernard Allison und Mike Zito, zwei hart gesottene Blues-Recken geschert, diesmal gab es mit der Finnin Ina Forsman, die 2016 schon mal partizipierte, der Texanierin Ally Venable und der Serbin Katerina Pejak, wieder eine geballte Jung-Frauen-Power.

Alle drei Musikerinnen hatten neue Alben am Start, wobei Mike Zito bei Venable und Pejak als Produzent involviert war. An diesem gut besuchten Sonntag-Abend im wie immer schönen Musiktheater Piano in Lütgendortmund, starteten die drei Protagonistinnen, verstärkt durch Bass-Tausendsassa Roger Inniss, der auch durch den Abend moderierte, und Elijah Owing an den Drums, mit dem direkt knackig rockenden Gemeinschaftssong „They Say I’m Different“, bei dem alle schon ihre Gesangskünste einbrachten.

Ina Forsman mit einem knallroten Rüschenkleid in Center-Position, die sehr elegant in schwarz gekleidete Katarina Pejak am Keyboard (hätte optisch auch blendend in ein Klassik-Ensemble gepasst) und Ally Venable mit schwarzem, äußerst knappen Pailletten-Mini Fummel-Einteiler und kniehohen Stiefeln waren auch optisch ein Hingucker für die zahlreich versammelte Fotografenschaft und das anwesende Restpublikum.

Ina verließ danach die Bühne und Katarina Pejak hatte als erste die Gelegenheit, ihr neues Debütwerk „Roads That Cross“ zu protegieren. Ally unterstützte an der E-Gitarre. Sie wählte als Einstieg, das in Barroom-Manier swingende „She’s Coming After You“, gefolgt vom herrlich Country-umwehten Titelstück, einer Gänsehaut-Ballade, die mit eines meiner Highlights des Gesamtgigs darstellte.

Der „Turtle Blues“ als Hommage an Janis Joplin (schönes HT-Piano), eine weitere herrliche Ballade „Old Pain“ (mit kleiner amüsanter Anekdote aus Franklin, Tennessee, zur Einleitung) und das rauchig atmosphärische Joni Mitchell-Cover „Sex Kills“ (auch auf der neuen CD vertreten) mit Kneipenpiano-Einlage bewiesen, dass der Serbin, von der Mike Zito sagt, dass sie mit ihrer Musik einen sowohl zum Nachdenken als auch zum Weinen bringen kann, für die Zukunft einiges zuzutrauen ist. Eine klasse Performance von Katarina Pejak!

Als das selbstbewusste langmähnige, erst 19-jahre junge ‚Texas Honey‘ Ally Venable, im Trio mit Inniss und Owings, mit dem gleichnamigen Titeltrack ihres im März erscheinenden Silberlings „Texas Honey“ übernahm, kam rockiger Schwung in die Bude.

Die ließ ihr Vorbild Stevie Ray Vaughan bei Stücken wie „Nowhere To Hide“, „Broken“ (Pejak assistierte am Piano), „Devil’s Son“, „Back Water Blues“ und nicht zuletzt beim überragend gespielten „Riviera Paradise“ in klassischer, wie auch in Slide-Spielart, rassig wieder aufleben. Auch sie insgesamt mit tadellosem Job in texanischer Blues-Manier.

Nach kurzer Pause hatte dann Ina Forsman ihren großen Auftritt. Sie stellte ihr neustes Werk „Been Meaning You To Fall“ ins Rampenlicht. Ihr energiegeladener und engagierter Gesang sowie ihre fesselnde Bühnenpräsenz war geradezu ansteckend. Sie schien ihren Frust durch den Verlust ihres Handys, auf dem sich alle Daten für neue Songs befanden regelrecht weg singen zu wollen. Immerhin gab es ja mit dem neuen Longplayer dann doch noch ein unvermutetes Happyend.

Ihre Vorstellung war überwiegend grooviger und souliger Natur, klasse gefiel mir das Southern Rock-angelehnte E-Gitarrensolo Venables am Ende von „Be My Home“. Emotionaler Höhepunkt sowie Abschluss ihres Sets war meiner Meinung nach die mit Katarina im Duo aufgeführte Pianoballade „Figure“, in der sie ihr wohl erlebtes Beziehungschaos aufarbeitete.

Danach ging es dann wieder mit versammelter Mannschaft bei launigen Tracks wie u. a. „Love Me Like a Man“ (Bonnie Raitt), „Company Store“ (mit klasse Acapella-Gesang) inklusiv der Staus Quo-trächtigen SRV-Zugabe „The House Is Rockin‘“ (inklusivt Mitsing-Interaktion) fulminant zur Sache, wobei sich die drei Mädels beim Leadgesang, immer wieder die Klinke in die Hand gaben.

Insgesamt war auch dieser Blues Caravan 2019 wieder eine unterhaltsame, ja sehr gelungene Sache. Mit Ina Forsman, Ally Venable und Katarina Pejak präsentierten sich drei sehr musikalisch versierte, wie auch hübsch anzusehende, unterschiedliche Charaktere, die den Blues in all seinen Facetten äußerst kurzweilig und modern auslegten, aber auch im Team zu überzeugen wussten. Wer eine oder mehrere der noch kommenden vielen Veranstaltungen im Rahmen des Blues Caravan 2019 besucht, macht alles richtig!

Line-up:
Ina Forsman (lead vocals, percussion, vocals)
Ally Venable (lead vocals, electric guitar, slide guitar, vocals)
Katarina Pejak (lead vocals, keys, vocals)
Roger Inniss (bass)
Elijah Owings (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ina Forsman
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Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

The Dice – Southern Grace – EP-Review

The Dice

Review: Stephan Skolarski

Es gibt sicher eine ganze Reihe internationaler Bands, die jahrelang touren und trotzdem die weltberühmte, niederländische Bühne des „Paradiso“ (Rolling Stones Konzert von 1995) nur von außen bewundern dürfen. „The Dice“ hingegen haben es bereits auf die alt-ehrwürdigen Bretter des Amsterdamer Kultur-Tempels geschafft. Die vier Southern-Rocker konnten dabei natürlich auch ihren NL-Heimvorteil ausspielen.

Nach einer Single-Veröffentlichung 2017 und dem rauen und gleichsam schnörkellosen Blues-Rock-Track „Smoking At The Smokestack“, der nicht nur durch die harten Gitarrenriffs, sondern ebenso durch seinen gospelartigen Background-Gesang überzeugen kann, kam im vergangenen Jahr die erste EP „Southern Grace“ heraus. Auf dieser Scheibe sind vier Eigenkompositionen, die einen weiteren Vorgeschmack auf einen möglichen Longplayer geben.

Der erste Song „Freed From The Gallows“ ist eine rasante Rock’n’Roll-Nummer, die mit intensiven Gitarreneinlagen und passend rauem Gesangsstil den Sound der CD prägt. „Cry Sister No More“ klingt hingegen jedoch eher wie eine 90er Brit-Pop-Hymne von Oasis und auch gesanglich ist man hier ebenfalls auf einer Wellenlänge mit Liam Gallagher.

Der groovige Titel „Bonnie And Clyde“ besticht durch die gekonnte Slide-Gitarre und einen schweren Sound, der an die Blues-Rocker Black Crowes erinnert. Das abschließende „Laid My Burdon Down“ rockt eindrucksvoll im mid-tempo-Bereich – ein lautstarker Southern-Rock-Kracher mit nachhaltiger Wirkung.

Insgesamt ist „Southern Grace“ eine frische und vielversprechende EP-Veröffentlichung, die den Fans des Südstaaten-Rocks eine neue, europäische Alternative bietet.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Southern Rock

Tracklist:
01. Freed From The Gallows
02. Cry Sister No More
03. Bonnie And Clyde
04. Laid My Burden Down

The Dice
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