The Outlaws – Live At Rockpalast 1981 – CD+DVD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Vor fast 40 Jahren hatte die Rockpalast-Redaktion die schöne Idee, ihre beliebte Konzert-Reihe auch auf einer Freilichtbühne zu veranstalten. Für diesen Zweck schien das Amphitheater auf der Loreley besonders geeignet. Zum Open-Air im August 1981 waren neben Nine Below Zero, 38 Special und Headliner Thin Lizzy ebenfalls die US-Rocker The Outlaws aus Tampa, Florida, am Start. Die 1972 gegründete Formation befeuerte zu Beginn der 70er Jahre bereits den aufkommenden Südstaaten-Rock und hatte 1974 ihren viel beschriebenen Durchbruch als Vorband von Lynyrd Skynyrd. Seitdem gelten die Outlaws bis heute als Vertreter der ursprünglichen Southern-Rock-Community.

Die damalige Besetzung hatte mit Freddie Salem (guit./voc.), Hughie Thomasson (guit./voc.), Billy Jones (guit./voc.), David Dix (drums) und Rick Cua (bass) einen Abstecher von der US-Tour nach St. Goarshausen unternommen, um den deutschen Fans „southern boogie and rock ’n‘ roll“ nicht nur als kurze Zwischenansage aufzutischen.

Mit „Devil’s Road“, einem stürmischen Opener begann die laut Moderator Alan Bangs „first ever appearance in Germany“ als fulminante Gitarren-Inszenierung, von Anfang an, ein Power-Rock-Erlebnis. Das schwungvolle „Hurry Sundown“ folgt ebenso getrieben wie publikumswirksam, ein Einheizer der konsequenten Art.

Hörbar ist die verbesserte Soundqualität beim anschließenden „Holiday“ – ein rechtzeitiger Einstellungs-Check am Mischpult zugunsten der gesamten weiteren Konzertaufnahme? Jedenfalls geht der Auftritt wie unter Zeitdruck mit dem schnellen Boogie „Long Gone“ rasant weiter, um die drei Gitarren bis zum plötzlichen Schlussakkord ausgiebig zu strapazieren.

Vom legendären „Ghost Riders“-Album bringt die Band danach den eindringlichen Rock-Song „Angels Hide“, eine ebenso gewaltige und teils bluesige Nummer in einer ordentlichen 6-Minuten Fassung und damit eine weitere Eigenkomposition im klassischen Southern-Sound.

Das schnelle Instrumental „Waterhole“, Country-Rock und Guitar-Jam zugleich, kommt als nächster Track zwischendurch zum Warmlaufen der Gitarren viel zu kurz rüber und verbindet sich – ohne den verdienten Applaus abzuwarten – mit dem zeitlosen und temporeichen „There Goes Another Love Song“, einer der ersten großen Erfolge der Band.

Der wilde Gitarren-Marathon, der auch als „Florida Guitar Army“ treffend bezeichneten Outlaws, kommt nach dieser Einspielphase jedoch erst richtig auf Touren. Bei „Green Grass And High Tides“ zeigt die Band in der gut 18-minütigen Version nochmals die von ihr ausgehende Spielfreude: ein optimales Spektakel ein dreifacher Gitarrenangriff, ein Southern-Spirit-Pflichtsong für eine mehr als aufgedrehte Fan-Gemeinde.

Anhaltender Applaus der ausverkauften „Arena“ wird jedoch durch die Zugabe schon bald abgelöst. Als Last-Track wird dann „Ghost Riders In The Sky“, ein Cover des legendären Western-Songs und die erfolgreichste Single der Outlaws über die Bühne gejagt.

Die unbändige Darbietung der leidenschaftlich und energiegeladen aufspielenden Band führt bei vielen Southern-Rock-Fans zu ausgelassenen Reaktionen, sehr schade, dass der Gig – wahrscheinlich wegen des Folgeprogramms – nur eine Stunde durchgezogen wurde. Eine Live-Sendung gab es damals nicht.

Die im Doppelpack als DVD und CD (identischer Inhalt) veröffentlichte Aufnahme von „The Outlaws, Live At Rockpalast 1981“, gehört unweigerlich zu den Höhepunkten der WDR-Archivreihe. Ein Meilenstein aus der Klassikzeit des Southern-Rock und eine infernale Gitarrenshow ‚at its best‘. Für Freunde des amerikanischen Südstaaten-Rocks und der Country-Musik ein ultimativer Video- und Audio Genuss!

Mig/Indigo (2020)
Stil: Southern-Rock

Tracklist:
01. Devil’s Road
02. Hurry Sundown
03. Holiday
04. Long Gone
05. Angels Hide
06. Waterhole
07. There Goes Another Love Song
08. Green Grass And High Tides
09. Ghost Riders In The Sky

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Branford Hwy – Same – EP-Review

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Review: Michael Segets

In letzter Zeit drehten sich für SoS meist Silberlinge in meinem CD-Player, die einem ruhigeren Gesamtkonzept folgten. Obwohl einige sehr gute Alben darunter waren, wurde es Zeit für etwas Abwechslung. Nun tönt mit der Debüt-EP von Brandford Hwy mal wieder Rock aus meinen Lautsprechern. Das Trio gibt auf den sechs Tracks Gas, was zu der Abkürzung Hwy, die wahrscheinlich für Highway steht, durchaus passt.

Die Schulfreunde Dewayne Hart (Lead Vocals, Guitar) und James Menezez (Bass) stammen aus Branford, Florida. Beide begeistern sich für den Rock der 70er beziehungsweise 80er Jahre und das hört man der EP auch an. Hart und Menezez hatten sich seit ihrer Jugend nie aus den Augen verloren, verfolgten aber unterschiedliche Bandprojekte, die hierzulande weitgehend unbekannt sind.

Allerdings waren sie auch mit Größen wie Godsmack, Dokken, L.A. Guns und Molly Hatchet unterwegs. Nun fanden sich die beiden Musiker zusammen, um die lang geplante gemeinsame Band Branford Hwy zu verwirklichen. Als Schlagzeuger komplettiert der Kalifornier Marc Myers die Truppe.

Branford Hwy haben eine Affinität zum Hard Rock, was „Hometown USA“ sowie manche Gitarrensoli zeigen. Diese halten sich jedoch im Rahmen und die Songs bleiben durchweg melodiös. Die Songstrukturen sind nicht übermäßig komplex, aber die braucht es auch nicht, um Spaß zu machen.

Das Erstlingswerk steigt stark ein. „Boots On The Ground” rockt aggressiv los und besticht durch einen eingängigen Refrain. „While The World Spins Around” kombiniert Southern-Flair mit Hard Rock-Elementen, was ziemlich gut funktioniert.

Mit dem folgenden „Fade Away“ gelingt Branford Hwy ebenfalls eine runde Rocknummer. In der zweiten Hälfte der EP fällt „Just In Time“ im Vergleich zu den anderen Stücken etwas ab. Das hymnenhafte „Legends“ lässt zum Abschluss der Scheibe den Classic Rock der 80er Jahre in seiner Reinform aufleben. Der Titel wird Nostalgiker besonders ansprechen.

Branford Hwy gibt einen Vorgeschmack auf den für Mitte des kommenden Jahres angekündigten Longplayer. Die selbstbetitelte EP bietet schmissigen Rock, der sich bei unterschiedlichen Stilrichtungen bedient. Da sich derzeit wenige Bands der Mischung aus Hard Rock und Southern Rock widmen, darf man gespannt sein, wie das Trio diese Lücke zukünftig ausfüllt.

Sandhill Studio Productions LLC (2020)
Stil: Rock

Tracks:
01. Boots On The Ground
02. While The World Spins Around
03. Fade Away
04. Hometown USA
05. Just In Time
06. Legends

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The Allman Betts Band – Bless Your Heart – CD-Review

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In den Staaten ist die Almman Betts Band schon eine große Nummer, dort füllt sie bereits große Hallen und Stadien. Bei uns in Deutschland konnten die Sprösslinge von Gregg Allman und Dickey Betts, Devon Allman und Duane Betts und ihre Bandkumpanen Barry Duane Oakley, John Ginty, Johnnv Stachela, R. Scott Bryan und John Lum, aus dem bestehenden Promi-Bonus, trotz hervorragender Leistungen, noch keinen richtigen Nutzen ziehen.

An unserer Unterstützung hat es jedenfalls nicht gemangelt, ich glaube mit Fug und Recht behaupten zu können, dass kein anderes Magazin so intensiv über sie berichtet hat wie wir. CD-Reviews (natürlich auch zu ihrem starken Debüt „Down To The River„), Konzertberichte aus Köln und Dortmund 2018 (noch als Devon Allman Project, aber nahezu in gleicher Besetzung wie aktuell) und Köln 2019 (sehr ernüchternd: statt der gebuchten Kantine, war gerade mal der kleine anliegende Yard Club einigermaßen gefüllt) stehen da zu Buche, jetzt die Kritik zu ihrem neuen Werk „Bless Your Heart“.

Für die Einspielung der größtenteils von Devon, Duane und Stoll Vaughan (auch bei „Down To The River“ schon erheblich involviert) in Tourbussen und Hotelzimmern entstandenen neuen Tracks ging es in die Muscle Shoals Sound Studios in Alabama (zusätzliche Aufnahmen gab es noch in Memphis und St. Louis), produziert hat Grammy-Preisträger Matt Ross-Spang.

Während der Erstling noch mit nur neun Stücken ein wenig geizte, bekommt man jetzt auf „Bless Your Heart“ mit 13 Tracks und satten 72 Minuten Spielzeit, eine geballte Ladung feinsten Southern Rocks, selbst redend in der Tradition der berühmten Väter, allerdings aber auch mit viel eigenem neuen Elan und Espirit.

Den Leadgesang teilen sich wieder Devon und Duane überwiegend brüderlich (mit leichtem Vorsprung für Devon), zum ersten Mal darf allerdings auch der dritte Allman Brothers-Sohnemann Barry Duane Oakley ans Frontmikro bei „The Doctor’s Daughter“, einem progressiven Song voller Pink Floyd-, Beatles- und Eagles-Reminiszenzen. Gut finde ich, dass nicht ständig gewechselt wird, sondern meist in Zweier-Blöcken vom gleichen Fronter gesungen wird.

Devon eröffnet mit dem famosen, ebenfalls etwas progressiv und sehr atmosphärisch angehauchten „Pale Horse Rider“ und legt einen ganz tollen „Carolina Song“ nach (Stimmungswechsel, surrendes Slide, klasse Backgroundvocals von Ex-Skynyrd-Sternchen Susan Marshall, Shannon McNally und Reba Russell).

Duane Betts steigt mit dem launigen „King Crawler“ ein. Der mit Saxofoneinlagen von Art Edmaiston durchzogene Feger erinnert an einen Bruce Springsteen auf einem Southern-Trip. Klasse! Das folgende „Ashes Of My Lovers“ mit quäkender Harp von Jimmy Hall könnte man wohl in jedem Soundtrack eines Neo-Westerns unterbringen.

Ein Freudenfest für die Fans von ABB-Jam-Instrumentalstücken wie „High Falls“, „Jessica“, „Pegasus“, etc. bietet das 12-minütige „Savannah’s Dream“ mit allen Zutaten wie einer markanten E-Hookline, Slide, Twins, Piano, Orgel, pumpender Bass und furioses E-Solo zum kräftigen Drum-/Percussion-Teppich, und am Ende wieder der Rückkehr zur E-Hookline. Auch die Sohnemänner können es. Ein echtes Träumchen, großartig!

Devon übernimmt wieder bein stonesken Schunkler „Airboats & Cocaine“ (schöner Text von einem Mädchen, dass in die falsche Familie geboren wurde und ihrem in der Schmugglerszene tätigen Mann) und beim überragenden, Gänsehaut-erzeugenden „Southern Rain“ (saustarker Ginty an der Orgel, Falsetto-Gesang im Refrain).

Duane ist dann wieder bei „River Runs“, einer schönen Countrynummer mit ABB-Touch zur Stelle. „Magnolia Road„, das ein bisschen an eine Southern-Ausgabe von „Country Roads“ erinnert, wird dann gesangstechnisch brüderlich geteilt.

Devon steht danach wieder „Should We Ever Part“, einem Slide- und Orgel-durchzogenen Southern Blues in der Tradition seines Vaters Gregg, vor. Beim herrlichen „Much Obliged“ imitiert er dann sogar Johnny Cash in sehr gelungener augenzwinkernder Manier. Auch der Rausschmeißer ist ihm vorbehalten. „Congratulations“ heißt es dann zu Gintys Grand-Pianospiel und Orgelhall. Ein schöner, dezent pathetischer Ausklang.

Die Allman Betts Band präsentiert sich auf „Bless Your Heart“ als musikalische Einheit und in kreativer Höchstform. Das Album bietet von Stoff im Geiste der Vorfahren, über Southern Rock und eigenen Noten, alles, was das Herz begehrt. Ich wüsste wirklich nicht, was ihre Väter, vor allem in der Endphase besser gemacht hätten. Eine Must-Have-Scheibe sowohl für alle Allman Brothers-Enthusiasten, als auch Southern Rocker der jüngeren Generation.

„Wir haben uns definitiv künstlerisch als auch selbst herausgefordert und das Spektrum auf allen Ebenen erweitert. Wir wollten etwas erreichen, das weiter und tiefer geht“, so Duane Betts. Und Allman fügt hinzu: „Ich hoffe, dass die Leute bei ‚Bless Your Heart‘ eine Band hören, die verliebt darin ist, eine Band zu sein.“ Das kommt in jedem Fall rüber, Mr. Allman! Congratulations an die gesamte Allman Betts Band.

BMG Rights Management (2020)
Stil: Southern Rock

01. Pale Horse Rider
02. Carolina Song
03. King Crawler
04. Ashes Of My Lovers
05. Savannah’s Dream
06. Airboats & Cocaine
07. Southern Rain
08. River Runs
09. Magnolia Road
10. Should We Ever Part
11. The Doctor’s Daughter
12. Much Obliged
13. Congratulations

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The Rhyolite Sound – Mojave Gold – CD-Review

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Review: Michael Segets

Das neue Country- und Southern-Rock-Label Whiskey Preachin‘ Records von Tony Sexton und Reinhard Hollstein (Glitterhouse Records, Stag-O-Lee Records) machte bereits mit dem tollen Sampler „Whiskey Preachin’ – Volume 1” Anfang des Jahres auf sich aufmerksam. Zum Auftakt stellte das Label zwölf frische Bands vor, die hierzulande noch weitgehend unbekannt sind. Unter den Newcomern befand sich auch The Rhyolite Sound. Die Band setzt nun das Programm von Whiskey Preachin‘ mit dem rundum gelungen „Mojave Gold“ fort.

Die Combo tritt mit drei Gitarristen (Larry Reha, James Caselton, Erik Alesi), Bass (Chris Davis) und Schlagzeug (AJ Palluck) an. Den Leadgesang übernimmt meist Larry Reha mit seiner tiefen Stimme, manchmal wechselt Erik Alesi ans Mikro. Das Quintett aus Las Vegas feierte 2017 sein Debüt mit „Desert Honky Tonk“ (2017), wobei der Titel zugleich den Sound der Band ausdrücken soll.

Der liegt irgendwo zwischen Southern mit einer Prise Country beziehungsweise umgekehrt. Auf alle Fälle klingt er erdig und staubig, also atmosphärisch richtig nach der Mojave Wüste. Ob sich der Bandname The Rhyolite Sound auf ein Vulkangestein oder auf die Geisterstadt nördlich von Las Vegas bezieht, bleibt offen. Passen würde beides.

„On Stolen Time“ stimmt als starker Roots Rock hervorragend auf die folgenden Titel ein. Das hohe Niveau des Openers hält die CD nahezu durchgängig bis zum fulminanten Abschluss „I Think Too Much When I Drink To Much“, der als countryfizierter Southern Rock mit lang ausklingendem, leicht psychodelisch angehauchten, instrumentalen Ende überzeugt.

Dazwischen liegen die am Southern Rock orientierten Beiträge „Ain’t No Outlaw“, das mit wunderbaren Harmoniegesang unterfüttert ist, und das stampfende, mit feinen Gitarren versehene „The Road To Losing My Mind“. Direkt ins Tanzbein gehen „Magaritas And Cocaine“ und der Boogie „Downtown“, bei dem die Frankie Moreno am Klavier die Band unterstützt. In Richtung Country schlägt die Nadel bei der Ballade „He Can Have Her” und dem Honky Tonk „Trainwreck“ aus. Joel Ferguson und Ian Clark an der Pedal Steel Guitar beziehungsweise Geige sorgen für die genretypische Instrumentalisierung.

Die Songs wurden von Reha meist zusammen mit Bandkollegen geschrieben. Darüber hinaus finden sich zwei Cover auf dem Album. „Why You Been Gone So Long“, bei dem die Gitarren einen leicht funkigen Einschlag haben, stammt von Mickey Newbury. Aus dem Dire Straits-Stück „Setting Me Up“ machen The Rhyolite Sound eine erstklassige Country-Nummer mit treibendem Rhythmus. Der Track war bereits auf der oben erwähnten Compilation vertreten.

The Rhyolite Sound präsentieren ein kurzweiliges Werk, das das Beste von Country und Southern vereint. „Mojave Gold“ legt die Messlatte für die folgenden Musiker des Labels ziemlich hoch. Wenn Sexton und Hollstein weiterhin solche Bands wie „The Rhyolite Sound“ ins Programm nehmen, stehen den Fans des Roots Rocks und seinen angrenzenden Musikrichtungen goldene Zeiten bevor. „Mojave Gold“ gehört in die Kategorie Pflichtkauf, weil The Rhyolite Sound ein wirklich gutes Album vorlegen und das ambitionierte Vorhaben von Whiskey Preachin‘ Records, Independent-Musiker aus Amerika hierzulande bekannt zu machen, unbedingt förderungswürdig ist.

Den Longplayer gibt es in limitierter Stückzahl auf (farbigem) Vinyl, auf CD und digital. Das mp3-Album ist anscheinend durch den lockeren Country-Rocker „There I Go“ ergänzt.

Whiskey Preachin’ Records/Indigo (2020)
Stil: Southern Rock, Country

Tracks:
01. On Stolen Time
02. Magaritas And Cocaine
03. He Can Have Her
04. Ain’t No Outlaw
05. Why You Been Gone So Long
06. The Road To Losing My Mind
07. Setting Me Up
08. Trainwreck
09. Downtown
10. I Think Too Much When I Drink Too Much

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Whiskey Preachin’

The Georgia Thunderbolts – Same – EP-Review (digital)

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Grundsätzlich ist es ja zu begrüßen, wenn junge Bands, gerade aus unserer Lieblingsgattung, schon frühzeitig von arrivierten Labels, wie in diesem Fall der Mascot Label Group (u. a. Joe Bonamassa, Beth Hart, Kenny Wayne Sheperd, Black Stone Cherry), unter Vertrag genommen werden.

Ron Burman, Leiter der Firmensparte Nord-Amerika, sah die Band live und nahm sie sofort unter seine Fittiche. Burman sagt dazu: „Ich habe eine starke Affinität zu großartigem Southern Rock, da ich in Jacksonville, Florida aufgewachsen bin. Als ich The Georgia Thunderbolts zum ersten mal hörte, wurde ich sofort von ihrem kraftvollen, authentischen, bluesigen Southern Rock und den tollen Songs angezogen. Als ich sie dann später in Nashville live gesehen habe, war ich total überwältigt. Ich hatte buchstäblich Gänsehaut und wusste, dass wir sie unter Vertrag nehmen müssen. Ich erwarte tatsächlich Großes von dieser Band. The Georgia Thunderbolts sind eine so starke Rockband und ihr Sänger TJ Lyle hat einen so unverwechselbaren Stil.“

Ähnliches hatten wir ja vor einem Jahr in unserem Review zu ihrer in Eigenproduktion entstandenen grandiosen CD „Southern Rock From Rome“ (die Band stammt aus Rome im Staate Georgia) bereits konstatiert und diese im Rückblick 2019 zur Newcomer-CD des Jahres deklariert.

Was mich ein wenig irritiert ist, warum man jetzt zum Start eine digitale EP mit nur fünf Tracks auf den Markt bringt, wobei dann noch drei Stücke („Looking For An Old Friend“, „Lend A Hand“ und „Set Me Free“) bereits auf o. a. CD enthalten sind. Diese scheint allerdings mittlerweile aus den offiziellen Verkaufskanälen verschwunden zu sein.

So beschränke ich mich hier auf die zwei restlich verbliebenen „So You Wanna Change The World“ und „Spirit Of A Workin‘ Man“, die das variantenreiche und variable Songwriting des Quintetts, bestehend aus TJ Lyle (vocals, harp, piano), Riley Couzzourt (guitar), Logan Tolbert (guitar), Zach Everett (bass, vocals, keyboards) und Bristol Perry (drums) konsequent fortführen und schon allein den Erwerb der EP rechtfertigen.

Erstgenanntes mit ambitioniertem Text/Titel lässt sofort Reminiszenzen an die Musik von Lynyrd Skynyrd, 38 Special, Johnny Van Zant (frappierende stimmliche Ähnlichkeiten zu TJ Lyle) zu ihren Anfangstagen aufkommen, aber auch gewisse Bezüge zu den bereits heute amtierenden Platzhirschen Blackberry Smoke. Klasse hier die integrierten Trommelwirbel von Bristol Perry, aber auch die beiden schönen E-Gitarren-Soli.

„Spirit Of A Workin‘ Man“ bezeichnet das Georgia-Kollektiv als ihre Hymne. Fronter Lyle hierzu: „Wenn Du einen starken Glauben und Geist hast, kannst du nach besseren streben und auch in schweren Zeiten durchhalten. Die Lektion die im Song verborgen ist, dass du den kleinen Mann nicht unterkriegst und das jeder ein Mitspracherecht hat.“ „Ich beziehe den Song gerne auf unsere Band als Ganzes“, erläutert Gitarrsist Riley Couzzourt. „Wir sind alle bescheiden aufgewachsen und sind im Grunde genommen immer noch bescheiden. Wir werden bis zum Ende immer bescheiden bleiben. Wir wurden zu Arbeitern erzogen und das sind wir.“ Musikalisch überzeugen hier vor allem die Stimmungswechsel, sowohl in Lyles emotionalem Gesang, als auch in den E-Gitarrenparts (Hookline/Soli).

Somit klare Empfehlung, sich auch dieses Werk von The Georgia Thunderbolts zuzulegen, und eben nicht nur für Leute, die diese Band noch nicht kennen. Ich würde mich persönlich allerdings sehr freuen, wenn die Mascot Label Group der Band schon bald entsprechende Freiräume für eine richtige CD mit komplett neuem Material gewährleisten würde. An Kreativität dafür, dürfte es den Burschen sicherlich nicht mangeln.

Gerne darf sie die Jungs, sobald der Corona-Spuk hoffentlich vorbei ist, dann auch zu uns nach Europa auf Tour schicken. The Georgia Thunderbolts sind wie u. a. The Allman Betts Band, The Steel Woods, Brent Cobb, The Trongone Band, Robert Jon & The Wreck) ein weiterer beeindruckender Beweis dafür, dass der Southern Rock sich keine Sorgen um seinen Nachwuchs machen braucht. Auf eine tolle Zukunft!

Mascot Label Group (2020)
Stil: Southern Rock

01. Looking For An Old Friend
02. So You Wanna Change The World
03. Lend A Hand
04. Spirit Of A Workin‘ Man
05. Set Me Free

The Georgia Thunderbolts
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Mascot Label Group

Kurt Mauser – Long Since – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Southern Rock aus dem eher kalten Norden Europas ist inzwischen eine zuverlässige Hausnummer, die von verschiedenen Bands aus Norwegen (z.B. Nickel & Dime), Schweden (u.a. Hellsingland Underground, Backdraft, Black River Delta und Heavy Feather) oder Finnland (z.B. Muddy Moonshine) seit langen Jahren beständig aufgerufen wird.

Kurt Mauser aus Salo, Finnland, hat nun mit seinem Debut „Long Since“ eine Scheibe vorgelegt, die eine Leidenschaft für die verschiedenen Stilrichtungen des Südstaaten-Blues-Hard-Rock ausgiebig interpretiert.

Dabei erweist sich die raue Stimmlage von Sänger und Gitarrist Kurt Mauser als wandlungsfähiges Instrument, das den Songs – neben den starken Gitarren – einen persönlichen Stempel aufdrückt. Dieser individuelle Trumpf wird bereits beim harten Blues-Rock Opener „One & Only“ ausgespielt, der in manchen Teilen an den „BTO“-Initialen nicht vorbeikommt und den bekannten Sound auch beim launigen Southern-Rocker „On The Line“ in ähnlicher Weise aufgreift.

Die finnische Formation hat in den letzten 2 Jahren 12 Titel für das erste Album in Eigenregie produziert und gibt sich als bodenständige und durchaus anpassungsfähige Band zu erkennen, die ihre musikalische Passion spielfreudig auslebt. Die Tracks sind abwechslungsreich gestaltet, wobei mit „Home Again“ und „How High“ oder „Down By The Shore“ schnelle Boogie- und Blues-Rock-Nummern aufgeboten werden, die durch eine solide Gitarrenarbeit auch für anspruchsvollere Fans des Genres interessant bleiben. Gleiches gilt für die charakteristischen Texas-Blues-Rock-Stücke „So Tired“, „It’s Bad But It’s True“ und „Goin‘ Insane“, die ebenso stilvoll wie energiegeladen überzeugen.

Als Anspieltipp ist der melodische Southern-Blues „Hold Tight“ ebenfalls hervorzuheben. Der balladenartige Titel-Song „Long Since“ driftet schließlich mit einprägsamer Hook-Line und engagierten Vocal-Parts eindrucksvoll über 6 Minuten in die Zielgerade der insgesamt gelungenen Scheibe.

Kurt Mauser hat mit seinem ersten Longplayer „Long Since“ ein beachtenswertes Album veröffentlicht, das nicht als Hochglanzproduktion, sondern als ungeschliffenes Newcomer-Werk auffällt. Die ehrgeizigen Southern-Rock-Ambitionen dieser neuen und entwicklungsfähigen Band haben gute Chancen erfolgreich zu sein.

Eigenproduktion (2020)
Stil: Southern Rock

Tracklist:
01. One & Only
02. It’s Bad But It’s True
03. Home Again
04. Goin’ Insane
05. How High
06. Down By The Shore
07. Hold Tight
08. On The Line
09. So Tired
10. Somenody’s Making Me Alive (God Is A Woman)
11. So Beautiful
12. Long Since

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Robert Jon & The Wreck – Last Light On The Highway – CD Review

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Review: Gernot Mangold

Mit „Last Light On The Highway“ bringen die Southern Rocker aus Kalifornien nun bereits ihr achtes Album auf den Markt. Schon die letzten Scheiben und Liveauftritte in der Vergangenheit haben gezeigt, dass die Band mittlerweile zu den absoluten Highlights des Southern Rock gehören. Nicht umsonst hat ein Joe Bonamassa die Band im letzten Jahr mit auf die Blues Cruise genommen, hat sich doch die Klasse der Band sogar bis zu ihm herumgesprochen.

Gespannt haben die Fans deshalb auf das Nachfolgealbum von „Take Me Higher“ gewartet, wobei die Kalifornier in Sachen Kreativität absolut nicht als faul zu bezeichnen sind und man, wie oft bei anderen, Jahre auf neue Musik warten muss.

In „Last Ligt On The Highway“ überzeugt die Combo aus Orange County in jeder Hinsicht. Neben dem tollen Songwriting, in dem die Bandbreite neben Southern Rock über Balladen, sowie bluesige Songs mit County reicht, kommt natürlich die musikalische Leistung aller Bandmitglieder zum Tragen.

Unterstützung haben sie sich dabei in einigen Tracks von Gastmusikern geholt, sodass zum Teil Bläser den Songs eine besondere Würze geben, aber auch weiblicher Backgroundvocals, den ohnehin oft vorgetragenen Harmoniegesang noch einmal aufpeppen. Robert Jon überzeugt neben dem Gitarrenspiel mit seiner kraftvollen klaren Stimme, die er aber auch gefühlvoll in ruhigen Songs wie „One Last Time“ einsetzt.

Steve Maggiora, der umtriebige Keyboarder baut immer wieder Honkytonkpassagen in die Soli ein und gibt dem Sound eine absolute Fülle. Schön auch sein Intro zur Ballade „Tired Of Drinkin Alone“, wobei dies auch das prägende Instrument des Songs ist und die anderen Musiker erst im späteren Verlauf ihre Anteile haben. Vom Stil her erinnert der Song in Phasen auch an die alten REO Speedwaggon.

Klasse natürlich die Gitarrenarbeit des jungen Henry James, der den Songs in seinen Soli eine Würze gibt, die zuweilen in Passagen an die legendären Allman Brothers erinnert.

Dass die Band mit Andrew Espantman, dem Wirbelwind an den Drums und Warren Murrel am Bass über eine exzellente Rhythmusfraktion verfügt, zieht sich durch das ganze Album, wobei sie von dynamisch und treibend bis hin zu dezent unterstützend, je nach Bedarf, den Sound mitprägen.

Es ist schwer aus einem Werk ohne Längen oder Schwächen Stücke besonders hervorzuheben. Deshalb nur soviel, was zu Beginn mit dem brillant harmonischen Southern Rock-Song „Oh Miss Carolina“ beginnt, bei dem man sich mit geschlossenen Augen die Weiten der Prärien vorstellen kann, bis zum abschließenden „Last Light On The Highway“ in zwei Parts, in dem psychedelische Pianotöne mit krachenden Gitarren wechseln, wird der Hörer in den Bann der Band gefangen.

Man kann sagen, dass „Last Light On The Highway“ das bisher kompletteste Album der Band ist und für mich eines der besten Southern Rock-Alben der letzten Jahre ist. Manch alte Southern Rock-Band singt davon, dass der Southern Rock niemals sterben wird. Robert Jon & The Wreck beweisen dies mit dem neuen Werk nachdrücklich. Von daher absoluter Tipp, nicht nur für Genre-Fans.

Empfehlenswert wird es sein, die Band live zu besuchen, wenn sie die neuen Songs präsentieren und mit Sicherheit noch einige Solopassagen mehr in die Songs einbauen werden.

Eigenproduktion (2020)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Oh Miss Carolina
02. Work It Out
03. Can`t Stand It
04. Tired Of Drinking Alone
05. Do You Remember
06. This Time Around
07. Don`t Let Me Go
08. One Last Time
09. Gold
10. Last Light On The Highway Pt. 1
11. Last Light On The Highway Pt. 2

Robert Jon And The Wreck
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Teenage Head Music

Voltage – It’s About Time – CD-Review

Seit ich 2017 die niederländische Band Voltage mit ihrem fulminanten Zweitwerk „Around The Bend“ entdeckt habe, ist einiges passiert. Ein Jahr später hatten wir das Vergnügen, das Quartett in Weert auch auf ihre Live-Qualitäten überprüfen zu können, wobei es auch hier auf ganzer Linie zu überzeugen wusste.

Nach Beendigung dieses Abschnitts ersetzte Ruard Sanders den bisherigen Lead-Gitarristen Gijs Heijnen und Voltage beschränkten sich bis vor geraumer Zeit zunächst darauf, ihr Live-Wesen als Tom Petty-Coverband zu pflegen.

Währenddessen haben Bandleader Dave Vermeulen und Sanders allerdings die vorhandenen Freiräume genutzt, um neues Songmaterial zu kreieren. Ab dem 1. Mai wird ihr nun fertiggestelltes neues Werk „It’s About Time“ käuflich zu erwerben sein (siehe Voltage-Homepage).

Zunächst fällt das schlichte, in matter Optik gehaltene Klappdigipak mit einer mystisch anmutenden Wald- und Wiesenlandschaft in der Morgendämmerung (auf Vorder- und Rückseite ineinander übergehend), als geschmackvolles Cover angenehm ins Auge. Es beinhaltet ein 16-seitiges, überwiegendes Schwarz-/weiß-Einsteck-Booklet mit allen Texten zu den Songs sowie Bildern der Beteiligten aus dem Studio in Eindhoven. Produziert hat die Band das Album zusammen mit Gabriel Peeters.

Vermeulen und Sanders haben das Songwriting auf eine neue Ebene gebracht. Während „Around The Bend“ durchgängig von geradlinigen, locker ins Ohr fließenden Tracks ohne allzu große Schnörkel geprägt war, sind die neuen Stücke, wesentlich variantenreicher, verschachtelter, atmosphärischer und viel intensiver ‚konstruiert‘.

Hauptsächlich verantwortlich hierfür ist das ungemein Slide-trächtige E-Gitarrenspiel von Sanders, das den Liedern eine Art neuen Stempel aufsetzt. Vermeulens gewohnt starker (erfrischend ’nicht-europäisch‘-klingender) Gesang, erweckt zwar nach wie vor, wie zum Beispiel u. a. beim Opener „The Last Time“ oder bei „A Good Thing Is Comin'“, Assoziationen zu Charlie Starr von Blackberry Smoke und deren Musikstil, das Portfolio des insgesamt elf Tracks umfassenden Werks umschließt aber eine deutlich umfangreichere Bandbreite.

Ordentlich gerockt wird bei Krachern wie „One More High To Survive The Low“ (Skynyrd-3Steps-Note), dem polternden „Born For Runnin‘ Without You“ oder dem flammenden „The House Is On Fire“, pettyeske Mitbringsel/Eingebungen aus der Coverphase entdeckt man bei den eingängigen und Akustikgitarren-untermalten „She’s Gone Like The Wind“ und „I’m Still Waving Goodbye“.

Letztendlich sind es aber Sachen wie das wild-entschlossene Titelstück „It’s About Time“, das Allman Brothers-umwehte „Wild And Blue“ (schon jetzt mit 50.000 Aufrufen ein absoluter Streaming-Erfolg), der schroffe, delta-bluesige „Mill Blues“ und das finale, psychedelische „The Victim“ (klingt wie eine Session aus Allman Brothers, Led Zeppelin und Bad Company in den Siebzigern mit einem mitreißend wütenden Vermeulen-Gesang), die das Quartett aus Brabant auf ein neues Qualitätslevel gehievt haben. Regelrecht packender Stoff!

Wer sich mit dieser starken Southern Rock Band noch nicht beschäftigt hat, für den wird es höchste Zeit, dies mit „It’s About Time“ und den beiden anderen Longplayern der Niederländer endlich nachzuholen! Voltage bilden mit den spanischen Red Beard eindeutig die Speerspitze des europäischen Southern Rocks und brauchen auch den Vergleich mit US-Größen der Sparte wahrlich nicht zu scheuen. Absolute Kaufempfehlung!

Line-up:
Dave Vermeulen (lead vocals, guitars)
Kai Liebrand (bass, vocals)
Bart Candel (drums, percussion)
Ruard Sanders (guitars)

Eigenproduktion (2020)
Stil: Southern Rock

01. The Last Time
02. One More High To Survive The Low
03. A Good Thing Is Comin‘
04. It’s About Time
05. Wild And Blue
06. The Mill Blues
07. Born For Runnin‘ Without You
08. She’s Gone Like The Wind
09. I’m Still Waving Goodbye
10. The House Is On Fire
11. The Victim

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The Proven Ones – You Ain’t Done – CD-Review

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Ich kann als mäßiger Blues (Rock)-Experte nur schwer abschätzen, in wie weit The Proven Ones 2018 mit ihrem Debütwrk „Wild Again“ hierzulande bleibenden Eindruck hinterlassen, geschweige denn, überhaupt zur Kenntnis genommen wurden.

Fest steht, dass das Quintett mit schillernden Leuten besetzt ist (man spricht in den Staaten sogar von einer Supergroup), die in Bands wie u. a. The Fabulous Thunderbirds, Ronnie Earl And The Broadcasters, The Radio Kings, The James Harman Band, Rod Piazza And The Mighty Flyers, The Mannish Boys oder Sugar Ray and the Bluetones ihr Können schon nachhaltig nachgewiesen haben. Nicht zu vergessen auch Präsenzen auf der Bühne oder im Studio bei John Lee Hooker, Big Mama Thornton, Chuck Berry, Big Walter Horton, Big Joe Turner, Otis Rush, Bo Diddley und diversen anderen Acts.

Bei The Proven Ones handelt es sich um die Herren Kid Ramos (guitars, vocals), Anthony Geraci (keys), Willie J. Campbell (bass), Jimi Bott (drums, percussion) und Brian Templeton (lead vocals, harmonica), die jetzt den Nachfolger „You Ain’t Done“ hinterherlegen. Kein geringer als der uns bestens bekannte Mike Zito hat an der Akustikgitarre und als Co-Produzent, auch noch seine Qualitäten mit eingebracht.

Beim Songwriting haben sich diesmal alle Musiker beteiligt. Dadurch gibt es mit dem latin-rockigen, in bester Santana-Manier performten „Nothing Left To Give“ (Geraci) oder dem zwischen Delta-Blues und New Orleans Dixie pendelnden „I Ain’t Good For Nothin'“ (Ramos) auch mal Ausflüge aus dem ansonsten sich durchziehenden südstaatlich angehauchten Blues Rock-Schema.

Nach einem kurzen gut einminütigen Spielerei-Intro geht es mit „Get Love“ sofort knackig los. Ein energiegeladener southern souliger Blues Rocker mit herrlicher Ramos-E-Gitarre, Piano, gurgelnder Orgel und zünftiger Bläserfraktion, wobei einem sofort JJ Grey und seine Mofro in den Sinn kommen.

Trompetenspieler Joe ‚Mack‘ McCarthy und Saxophonist Chris Mercer setzen dann auch im weiteren Verlauf immer wieder ihre Duftmarken. Auch die folgenden „Gone To Stay“ (schön punkige Drums), das Titelstück „You Ain’t Done“ (Stones goes Southern, herrliche Slide-Gitarre, klasse BGVs von LaRhonda Steele) und „Already Gone“ (Acapella-Intro, starker Gesang von Templeton, der bei oft Assoziationen mit Malford Milligan hervorruft) haben allesamt ordentlich ‚Wums‘.

Kommen wir zu meinen drei Favoriten, die etwas ruhigeren „Whom My Soul Loves“ (southern-souliger Ohrwurm im Duett von Templeton und der brillanten Gastsängerin Ruthie Foster), „Milinda“ (eine Art Symbiose aus „Sweet Melissa“ und „Layla“) und das flockig schunkelnde „She’ll Never Know“ (klasse E-Fills von Ramos, dazu ein Solo wie einst bei den Allman Brothers).

Der pianoträchtige Stampfer „Fallen“ und das an „Honky Tonk Woman“ reminiszierende „Favorite Dress“ (typischer Stones-E-Gitarrenrhythmus) lassen am Ende keine Wünsche offen, die prominenten Musiker werden ihren hohen Vorschusslorbeeren absolut gerecht. Somit wurde „You Ain’t Done“ eingehend auf bewährte Art überprüft und erhält letztendlich verdient das Sounds Of South-Gütesiegel. Absolut empfehlenswert!

The Proven Ones sind übrigens für das beliebte 29. Grolsch Blues-Festival in Schöppingen Ende Mai gebucht, ob es mit dem Auftritt klappt, ist aufgrund der bekannten Corona-Problematik allerdings erstmal Kaffeesatzleserei.

Gulf Coast Records (2020)
Stil: Blues Rock

01. Get Love (Intro)
02. Get Love
03. Gone To Stay
04. You Ain’t Done
05. Already Gone
06. Whom My Soul Loves
07. Milinda
08. Nothing Left To Give
09. She’ll Never Know
10. I Ain’t Good For Nothin‘
11. Fallen
12. Favorite Dress

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Gulf Coast Records

Rebel Guns – Steam & Steel – CD-Review

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„Long Live Rock’n Roll“ haben sich die fünf Bandmitglieder der Rebel Guns aus Biberach seit 2016 auf die Brust geschrieben und zwar die southern-rockige Variante davon.

Eine EP gleichnamigen Titels, abgemischt von Hans-Martin Buff (Scorpions, Prince), brachte sie immerhin schon ins Vorprogramme arrivierter Acts wie Bonfire oder Skinny Molly. Mit der Eigenproduktion „Steam & Steel“ folgt jetzt der erste lupenreine Longplayer der Oberschwaben.

Nach dem tragischen Ableben von ihrem Gitarristen und Gründungsmitglied Frank Ellinger, der noch auf dieser CD eine hervorragende Leistung abliefert (feuert aus allen rebellischen Gewehren viele variable und quirlige Soli),  entschloss man sich auf dessen expliziten Wunsch zum Weitermachen. Für ihn ist jetzt Marius Fiseli am Start.

REBEL Guns Promobild 2020Ihr überwiegend treibender Sound lehnt sich an Strukturen altbekannter Southern Bands wie hauptsächlich Molly Hatchet, zum Teil Doc Holliday, Skynyrd oder Blackfoot, allerdings oft kombiniert mit britischen Orgelklängen der Marke Deep Purple, The Who oder wie beim finalen „Six Bullets To A Halleluja“ in Richtung Doors.

Im ruhigeren Bereich gibt es mit „Dusty Roads“ und „Rebel Without A Cause“ zwei Stücke, bei denen Marshall Tuckers „Can’t You See“ dezent durchschimmert, ersteres mit einer Akustikgitarre, letztgenanntes mehr vom Piano getragen.

Die Whiskey-getränkte, aber sehr wenig variable Stimme von Fronter Sotchy Filipovic (Richtung Phil McCormack) passt ganz gut zum druckvollen instrumentellen Bandsound (übrigens alles sehr schön klar und transparent abgemischt). Er kann sich zudem mit ein paar Harp-Einlagen („Down The Drain“, „Rebel Without A Cause“) einbringen, schön Neil Young-mäßig bei „Dusty Roads“.

Die sporadischen weiblichen Backgroundvocals, die ich eigentlich ansonsten immer sehr gerne höre, sind auch nicht gerade was für vokale Ästheten (ziemlich nerviges Gequäke z. B. bei „Rebel Guns“).

Die Musik der Rebel Guns wird Leuten mit Vorlieben für o. a. Bands gefallen. Sie ist meiner Meinung nach, aber eher live-, als Wohnzimmer-kompatibel und somit überwiegend für Clubkonzerte, Bikertreffen, Stadtfeste, etc. geeignet, wo man in Bierlaune, auf gesangstechnische Feinheiten nicht mehr ganz so großen Wert legt.

Ich gehe aber davon aus, dass bei den Burschen auch in erster Linie, diese musikalischen Gemeinschaftserlebnisse, statt der Blick auf die große Karriere, als priorisierter Antrieb dienen.

Die Songs gehen wirklich gut ab, einige Tracks haben sogar auf Anhieb mit ihren Refrains Wiedererkennungswert („Down The Drain“, Rebel Guns“, „Bathroom Jesus“, „Burn“, „Long Live Rock’n Roll“).

Im September 2020, sofern die Corona-Geschichte hoffentlich vorüber sein wird, spielen die Rebel Guns im Vorprogramm der legendären kalifornischen Hard Rock-Band Little Caesar. Ihre „Steam & Steel“-CD kann über den Email-Kontakt der Band ‚rebel_guns@gmx.de‘ bestellt werden. Der Preis beträgt inkl. Versand 12.- Euro. Eine klare Empfehlung an alle SR-Fans, die vielleicht nicht ganz so pingelig sind wie ich!

Aktuelle Besetzung:
Frank Holl – drums
Sotchy Filipovic – vocals & harps
Chris Clemens – keys
Joe Horseling – bass
Marius Fiseli – guitar

Eigenproduktion (2020)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Down The Drain
02. Rebel Guns
03. Boston Bourban Boys
04. Dusty Roads
05. Steam & Steel
06. Bathroom Jesus
07. Burn
08. Rebel Without A Cause
09. Long Live Rock’n Roll
10. Louisiana Ram Jam
11. Six Bullets To A Halleluja

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