Dan Baird & Homemade Sin – Screamer – CD-Review

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Review: Michael Segets

Vor gut dreißig Jahren bin ich auf The Georgia Satellites aufmerksam geworden, weil sie zusammen mit Tom Petty auf Tour waren. Der eigenwillige Gesang und die schrillen Gitarrenriffs machten die Band unverwechselbar. The Georgia Satellites würzten ihren Rock’n Roll mit einer Prise Southern und Punk, wobei die erdigen Songs stets auf eine etwas schräge Art harmonisch und strukturiert blieben. Dem Sound der Band hatte Dan Baird seinen Stempel aufgedrückt.

Nach „In The Land Of Salvation And Sin” (1989) habe ich die Band und Dan Baird aus den Augen verloren. Baird startete nach dem Ausstieg bei den Satellites eine Solo-Karriere, kurzzeitig mit der Begleitband The Sofa Kings und dauerhafter mit Homemade Sin. Erst durch die Zusammenarbeit mit Eric Ambel (The Del Lords, The Brandos) bei The Yayhoos tauchte Baird wieder in meinem Horizont auf.

Eine ernsthafte Erkrankung schränkte Dan Bairds Produktivität kaum ein. In den letzten Jahren veröffentlichte er regelmäßig neue Alben und bringt nun sein aktuelles „Screamer“ auf den Markt. Das neue Werk hat aber nichts trübsinniges, sondern sprüht vor Temperament. Einzig in manchen Texten – so bei „Charmed Life“ – scheint ein bissiger Galgenhumor durch.

In bewährter Georgia Satellites-Tradition scheppert der Opener „Bust Your Heart“ los. Die Drums bearbeitet Mauro Magellan, der Schlagzeuger der ehemaligen Formation. Die Arbeit an den Gitarren teilt sich Baird mit Warner E. Hodges (Jason And The Scorchers). Musikalisch in die gleiche Kerbe schlagen „What Can I Say To Help“, „Everlovin’ Mind” und „You’re Going Down”.

Dazwischen sind die beiden langsameren Stücke „Adilyda“, das Baid gemeinsam mit Will Hoge komponiert hat, und „Something Better“ eingestreut. Die meisten Stücke stammen von Dan Baird und Joe Blanton. So auch das eingängige „Up In Your Kitchen“ mit differenzierten und etwas weniger kratzigen Gitarrenparts. Einen Kontrast dazu bildet die knackige Cowpunk-Nummer „Mister And Ma’am“. Diese hat Terry Anderson mitgeschrieben, ebenso wie den Rock’n Roll „You Broke It“.

Auf „Something Like Love“ singt Baird etwa tiefer und nicht so knarzig. Dennoch hat die Nummer richtig Power. Insgesamt gibt die Scheibe mächtig Gas und macht richtig Spaß. Den Abschluss bildet das Rock-Stück „Good Problems To Have“ mit kräftigem Rhythmus. Durch Tempowechsel und zwei ausgedehnte Gitarrensoli kommt es auf annähernd sieben Minuten.

Dan Baird & Homemade Sin sind perfekt eingespielt. Der Neuzugang Sean Savacool am Bass fügt sich nahtlos ein. Man kann sich also auf ihre Europa-Tournee freuen. Im November gibt es ein paar Auftritte in Deutschland.

Das durchgängig überzeugende Album „Screamer“ ist eine Anregung für mich, die alten Georgia Satellites-CDs nochmal hervorzuholen und mich intensiver mit Dan Bairds Backlist auseinander zu setzen.

Jerkin’ Crocus Promotions Ltd. (JCPL)/H’Art (2018)
Stil: Rock

Tracks:
01. Bust Your Heart
02. What Can I Say To Help
03. Adilyda
04. Everlovin’ Mind
05. Something Better
06. You’re Goin Down
07. Charmed Life
08. Up In The Kitchen
09. Mister And Ma’am
10. Something Like Love
11. You Broke It
12. Good Problem To Have

Dan Baird & Homemade Sin
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H’ART Musik-Vertrieb GmbH
Jerkin’ Crocus Promotions Ltd. (JCPL)

Rachel Wise – Southern Life – CD-Review

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Ich muss in der Tat doch ein wenig überlegen, welche Southern Rock-Acts durch weibliche Personen dominiert werden. Spontan fallen mir da eigentlich nur Damen wie natürlich Dale Krantz-Rossington (Rossington Collins Band, Rossington), Carol Chase (solo) oder Susan Marshall (vor vielen Jahren bei The Motherstation) ein, alles Backgroundsängerinnen aus dem Lynyrd Skynyrd-Dunstkreis, die dann auch mal in eigener Sache etwas Werbung betreiben konnten.

Die meisten wie u. a. Gretchen Wilson, Stacie Collins & Co., die man im weitesten Sinne vielleicht dem Genre noch wage zuordnen kann, haben aber eher dann doch den Blick schwerpunktmäßig in Richtung Nashville gerichtet. Viele talentierte Damen suchen ihr Glück meist auch in der zeitgenössischen Blues Rock-Sparte.

Zu eine der wenigen Ausnahmen, die ihren Fokus tatsächlich auf unsere beliebte Gattung gelegt hat, zählt Rachel Wise, aus Mississippi stammend, deren Debüt (schon 2015 erstmalig veröffentlicht) zwecks Besprechung jetzt vor kurzem zu mir gelangt ist.

Wie so oft ist auch diese junge Interpretin von frühster Kindheit an, im familiären Kreis und Umfeld musikalisch groß gezogen worden. Dynamik kam jedoch erst in Leben, als sie sich der Szene in Memphis zuwendete und mit Steve Corbett und Bernard De Seck als Songwriting-Team begann, zusammen zu arbeiten.

Für ihr Debüt konnten sie schließlich noch den bekannten Producer Jim Gaines (Santana, Journey, Devon Allman, George Thorogood, u.v.m.) gewinnen. Oben angeführte Susan Marshall partipiziert übrigens auf diesem Werk als Backgroundsängerin.

Der autobiografische Opener und Titelstück zugleich, „Southern Life“ gibt dann mit zünftigem Southern Rock und typischen E-Gitarren (tolle Arbeit von Steve Corbett auch insgesamt) die Marschroute des Albums vor. Natürlich erhält auch eine gewisse Countrynote Einzug in den weiteren Verlauf, der in erster Linie durch eine sägende Fiddle von Tommy Burroughs (auch an der Mandoline – klasse bei „Shoulda Known Better“) und jammernde Steel-Einlagen von Richard Ford (dazu auch Banjo) zum Ausdruck kommt. Alles aber sehr rootsig und natürlich eingeflochten.

Klasse ist es immer, wenn bei Stücken wie „American Dream“, „Come On Home“, „Dreams“ oder „Washed“ das südstaatliche Rockflair deutlich Überhand gewinnt, nicht zuletzt, weil Steve Corbett seine E-Gitarre in typischer Manier jaulen lässt und auch Adam Heart Memphis seine B3 Orgel sehr variabel ins Spiel bringt.

Dass Rachel es auch gefühlvoll kann, legt sie überzeugend beim Countryschwofer „Bye Bye Bye“ in Manier der großen Szene-Diven dar und auch beim kammermusikartig gebrachten, Gänsehaut erzeugenden „Unknown Stranger“. Das gospelige Schlusstück „Above The Clouds“ mit choralen gospeligen Gesängen zollt dann noch ihrem dortig typischen, fest verankerten Glauben an den lieben Gott Tribut.

Ob die Entscheidung von Rachel Wise, sich zunächst dem Southern Rock zu widmen, von Weisheit geprägt war, wird sich noch zeigen. Eine mutige ist es in jedem Fall und drauf hat sie es. Eine unbekümmerte, frische Bereicherung für’s Genre, ohne jeden Zweifel! Da diese Scheibe ja aus 2015 stammt, könnte eigentlich jetzt bald mal die Zeit für neuen Stoff gekommen sein. Wir sind jedenfalls ziemlich gespannt, wie und ob das musikalische ‚Southern Life‘ von Rachel Wise weitergeht.

Eigenproduktion (2015)
Stil: Southern Rock / Country

01. Southern Life
02. Shoulda Known Better
03. American Dream
04. Come On Home
05. Crazy Over Him
06. Dreams
07. Baby Bye Bye
08. Unknown Stranger
09. Washed
10. Above The Clouds

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Will Hoge – My American Dream – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

In Zeiten weitgehender sozialer Umwälzungen in den USA hat die Auseinandersetzung mit der politischen Ausrichtung des Landes auch in der Musikszene Einzug gehalten. Protestsongs gegen Donald Trump von Eminem („Campaign Speech“), Bruce Springsteen & Joe Grushecky („That’s What Makes Us Great“) oder Ryan Adams („Doomsday“) sind auch in den Charts erfolgreich.

Die zum Teil konservativ geprägte Country-Szene hielt sich bislang aus dem Politikfeld eher zurück. Will Hoge hingegen, ist einer der wenigen Stars des Country-Business, die immer wieder ihre politische Meinung auf Platten und im Social Media-Bereich zum Ausdruck bringen. Grund genug für Hoge in turbulenten Zeiten jetzt eine neue Scheibe zu veröffentlichen.

Auslöser für die Produktion dieses Longplayers war das Schulmassaker von Parkland, Florida. Als Vater von zwei Kindern war Hoge besonders von diesem Amoklauf betroffen und wollte seine Kritik gegenüber den bestehenden Waffengesetzen auch öffentlich äußern. Die Angst und die Sorge um seine Söhne (11 und 7 Jahre alt) und seine Ehefrau, die als Lehrerin arbeitet, trieb Hoge zum Schreiben.

Die Themen dieses Protest-Albums, mit denen Hoge sich auf „My American Dream“ auseinandersetzt, sind aber vielschichtiger und betreffen nicht nur die unzureichenden Waffengesetzte, sondern auch die Arbeit der Grenzpolizei, die Korruption in der Politik, die Armut breiter Bevölkerungsteile und das vernachlässigte Bildungssystem. Themen, die regelmäßig in den USA u.a. von Neil Young, Rich Hopkins oder Billy Bragg in England aufgegriffen werden.

Die schöne Akustik-Ballade „Thoughts and Prayers“ war der erste Song, den er fertiggestellt hatte und der als Vorab-Single erfolgreich war. Der Opener-Track „Gilded Walls“ ist mit klaren Vorwürfen und Aufforderungen an die Politik gespickt: “It’s clear you don’t care about the folks down here. Indside your Gilded Walls.“ Auf „Stupid Kids“ unterstützt er die Parkland Schüler-Bewegung, die sich gegen die laschen Waffengesetze richtet („Keep your feet marching. Raise up your voice don’t quit. Keep doin‘ what you’re doin‘. Keep being stupid kids“).

„Still A Southern Man“ ist ein nachdenklicher Song über seine Kindheit, als er in der Schule regelmäßig mit Rassismus konfrontiert wurde. In den Stücken „My American Dream“ und „The Illegal Line“ befasst sich Will Hoge mit der Einwanderungsproblematik und den Arbeitsverhältnissen in den USA und versetzt sich in die Charaktere von Betroffenen, ähnlich wie es Bruce Springsteen 1995 auf „Ghost Of Tom Joad“ getan hatte.

Der „Wut-Track“ auf der Platte ist der letzte Song „Nikki’s A Republican Now“, der durch seinen aufwühlenden Sound nachwirkt und von der Machart an den Musik-Aktivisten Tom Morello erinnert.

Das Album verkörpert Hoges Trauer und Wut über die bestehenden sozialen und politischen Verhältnisse in den Vereinigten Staaten. Immer wieder singt er sich den Frust und seine Unzufriedenheit von der Seele und adressiert seine Lieder an Politik und Regierung. „My American Dream“ ist daher nicht nur ein musikalisches Ausrufezeichen, sondern vielmehr auch ein politisches Statement eines besorgten und engagierten Künstlers.

EDLO Records (2018)
Stil: Alternative Country / Southern Rock

01. Gilded Walls
02. Stupid Kids
03. Still A Southern Man
04. Oh Mr. Barnum
05. Thoughts & Prayers
06. My American Dream
07. The Illegal Line
08. Nikki’s A Republican Now

Will Hoge
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Oktober Promotion

Brent Cobb – Support: Zack Logan, 12.09.2018, Studio 672, Köln, Konzertbericht

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Mit Brent Cobb gab sich ein Künstler im kleinen Club 672 in Köln die Ehre, auf den ich mich schon seit Wochen gefreut hatte. Anlass war natürlich sein tolles Album „Providence Canyon“, aber auch seine interessante Vita samt seines vermutlichen Talents, er ist ja der Cousin des sehr erfolgreichen Produzenten Dave Cobb. Da war man einfach gespannt, was der Bursche live zu bieten hatte.

Zunächst aber stellte der aus Mississippi stammende Zack Logan, in dem mit knapp 40 Leuten spärlich besuchten Club, seine Künste in den Mittelpunkt. Er hat ebenfalls mit „Raised By Wolves“ ein aktuelles Werk am Start, aus dem er dann Stücke wie „Dog Chase Cars“, „Annalee“, das sehr melodische „Two Weeks At A Time“, „Ramblin‘ Shoes“, das schön rockende „Trouble Doing The Right Thing“, „I’m Coming Home“ und den Titeltrack, „Raised By Wolves“, in einer guten halben Stunde vorstellte.

Unterstützt wurde er von zwei Schweden namens Erik und Pelle aus Göteborg mit Fiddle und Upright Bass, die dem Ganzen eine schönes Veranda-Country-Flair vermittelten. Gerade Erstgenannter setzte mit seinem sägenden, quietschenden und weinenden Streichinstrument viele schöne Zusatz-Akzente. Zack zeichnete sich besonders durch seinen angenehmen Gesang aus (tolle Stimme). Ihm wäre zu wünschen, dass mal ein bekannter Nashville-Künstler sich eines seiner Songs annimmt, um seinen Bekanntheitsgrad zu pushen. Verdient hätte er es, insgesamt ein guter Support, der mit viel Applaus bedacht wurde!

Nur ein paar Minuten später kam dann einer der neuen wilden Generation Nashvilles, Brent Cobb, mit seinen drei Begleitern Mike Harris, Jason Kott (bekannt auch durch The Soulshine Family Band) und OJ Jackson auf die, dank der umstehenden Instrumente, Verstärker und Effektgeräte, ziemlich platz-reduzierte Bühne (Folge war, dass direkt ein – am Geruch nachher deutlich erkennbar – am Boden stehendes Whiskey-Glas umgetreten wurde und sich die verschüttete Flüssigkeit, in einer kleinen Lache, ihren Weg suchte).

Der knackig zupfende und auch klasse Gesangsharmonien beisteuernde Bassist Jason Kott war mir schon wegen seines T-Shirts, das mit Logo der auch von uns rezensierten Band The Steel Woods bedruckt war, direkt sympathisch. Das Quartett legte mit „When The Dust Settles“ los und der im weiteren Verlauf überragend agierende Mike Harris deutete bereits früh seine Qualitäten als versierter Slide-Spieler an.

Brent streifte im weiteren Verlauf mit Songs wie  u. a. „Diggin‘ Holes“, „Down In The Gully“, „Solving Problems“, den beiden herrlichen „King Of Alabama“ und „Providence Canyon“ seine beiden, unter Major-Fahne erschienen Alben und bewies, warum auch Stars wie Luke Bryan, Kenny Chesney, Miranda Lambert oder Little Big Town, gerne auf seine Songwriter-Künste zurückgreifen.

Ein erster Höhepunkt des Konzerts wurde entfacht, als Brent die akustische Gitarre abstreifte (die er allerdings fast immer wie eine E-Gitarre spielte) und zur Telecaster griff. Es folgten mit „If I Don’t See Ya“ und „.30.06“ zwei furiose Southern Rocker, in bester Lynyrd Skynyrd-Manier. Erstgenanntes erinnerte stark an deren einstiges „Swamp Music“.

Beim Schunkler „Tavelling Poor Boy“ wurde dann wieder in die gemäßigtere Country Rock-Schiene zurückgerudert. Mit Liedern wie dem swampigen „Sucker For a Good Time“, dem progressiv angehauchten „Black Crow“ und einem weiteren Kracher, „Ain’t A Road Too Long“, ging es schon über ins Finale, das mit dem an Dynamik zulegenden „South Of Atlanta“ (tolles Instrumentalfinish) und dem mit schönen Tempowechseln variierenden „Country Bound“ toll inszeniert wurde.

Gerade der rauschebärtige Mike Harris spielte sich teilweise regelrecht in einem Rausch. Nach dem Konzert, begann dann sofort ein hektisches Treiben. Es wurde ratz-fatz abgebaut, da die Band heute Abend schon wieder in Berlin auf der Bühne steht.

Brent nahm sich aber dennoch die Zeit für ein paar Autogramme und das obligatorische Bild mit unserem Logo. Als wir nach Hause fuhren, waren Gernot und ich uns sicher, hier mit Brent Cobb eine kommende Größe des Southern Country Rocks gesehen zu haben, die man in Zukunft vermutlich nicht mehr in so intimen Rahmen erleben wird. Ganz starker Gig!

Line-up:
Brent Cobb (lead vocals, acoustic guitar, electric guitar)
Mike Harris (electric guitar, slide guitar, vocals)
Jason Kott (bass, vocals)
OJ Jackson (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Brent Cobb
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Zack Logan
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Konzertbüro Schoneberg
Studio 672

Jonathon Long – Same – CD-Review

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Auf dem Coverbild seiner nun mehr dritten CD ähnelt Jonathan Long vom rein äußerlichen Profil her ein wenig Ronnie Van Zant – finde ich jedenfalls. Und auch schon nach dem Hören des Openers „Bury Me“ hat man sofort das Gefühl, es hier mit einem ganz besonderen, nicht alltäglichen Musiker, zu tun zu haben.

Long, aus Baton Rouge, Louisiana, stammend, hat schon ganz früh die Schule verlassen, um sich ganz auf seine Passion konzentrieren zu können. 2011 gewann er unter 4.000 Mitbewerbern den prestige-trächtigen Guitar Center’s “King of the Blues“-Kontest. Mittlerweile hat er die Bühne mit klingenden Namen wie u. a. B.B. King, Robert Cray, Kenny Wayne Sheperd, Warren Haynes and Gov’t Mule, Jimmie Vaughan, Gregg Allman, ZZ Top, Dr. John, 3 Doors Down, Ann Wilson und Lou Marini (Blues Brothers Band) geteilt.

Das neue, nach sich selbst benannte Werk, ist nach seinem Debüt „Blues Revolution“ (2013) und „Trying To Get There“ (2016), sein bereits dritter Longplayer. Produziert und mitgewirkt hat übrigens die uns bestens bekannte Bluesdame Samantha Fish für ihr neu gegründetes Wild Heart Records-Label.

Die hat erstmal Longs Spitznamen ‚Boogie‘ aus dem Namen (mit dem hatte er noch auf den beiden Erstwerken firmiert) gestrichen, um vermutlich richtiger Weise, einer suggestiven Kategorisierung des Künstlers vorzubeugen. Denn die ist bei Long nur schwer vorzunehmen, auch wenn seine Wurzeln klar im Blues vorzufinden sind.

Das neue Album ist von seiner musikalischen Struktur nämlich recht variabel angelegt. Es tendiert insgesamt deutlich mehr zu bluesigem Southern Rock, mit kleineren Exkursen: Einmal in Richtung dezent folkigem Singer/Songwriter-Stoff („The Light“ – fast wie Simon & Garfunkel – schöne Fiddle hier von Michael Harvey), einem Barrom-Song („Pour Another Drink“), als auch mit „Where Love Went Wrong“ in dezent jazzig angehauchte Steely Dan-Gefilde.

Unter meinen Favoriten befinden sich die southern-soulige Ohrwurmballade „Shine Your Love“, das ein wenig Marshall Tucker-umgarnte „Living The Blues“ (Longs Stimme klingt der von Doug Gray übrigens auch sehr ähnlich), der Footstomper „Natural Girl“ (mit HT-Piano-Untermalung), das mit Samantha Fish im Duett performte, großartige „The River“ mit viel Slide und das im 70er Rock, Marke Free, verwurzelte Finalstück „Pray For Me“.

Jonathon, der Mikro, Akustik- und E-Gitarren bedient, wird ansonsten noch von Julian Civello (drums), Chris Roberts (bass) und Phil Breen (Keys) unterstützt. Samantha Fish ist es dabei  letztendlich (natürlich sicher auch im eigenen Interesse) mit relativ einfachen, aber sehr effektiven Mitteln gelungen, den Protagonisten breiter aufzustellen.

Schön wäre, wenn Samantha, die ja häufiger bei uns tourt, Jonathon Long mal mit ins Schlepptau nehmen würde. Fest steht jedenfalls, dass Frau Fish mit ihm einen richtig dicken Fisch an der Angel hat. Phänomenales Album und in unseren Breitengraden sicherlich ein echter Geheimtipp!

Wild Heart Records (2018)
Stil: (Southern) Blues Rock

01. Bury Me
02. Shine Your Love
03. That’s When I Knew
04. The Light
05. Living The Blues
06. Natural Girl
07. The River
08. Pour Another Drink
09. This Road
10. Where Love Went Wrong
11. Pray For Me

Jonathon Long
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Devon Allman Project – Support: Wynchester- 29.08.2018, Yard Club, Köln – Konzertbericht

Obwohl ich das Devon Allman Project ja schon letzte Woche in Dortmund erlebt hatte, gab es, neben der unbestrittenen Klasse und reizvollen Konstellation des Projekts, genügend triftige Gründe, um noch einen weiteren Besuch im Kölner Yard Club anzuschließen.

Da spielte unter anderem unsere Verbundenheit zu deren engagiertem Club-Chef Marcus Neu eine gewichtige Rolle, der immer ein herzlicher Gastgeber ist, aber auch, dass Sounds Of South Hof-Fotograf Gernot Mangold in der westfälischen Metropole noch urlaubsbedingt passen musste und sich den Gig natürlich jetzt nicht entgehen lassen wollte. Dazu hatte er noch eines seiner Highlight-Bilder von Devon vom Konzert vor knapp zwei Jahren, auf großwandiger Leinwand abgebildet, mit zum Unterzeichen dabei.

Dazu gab es diesmal mit dem Duo Wynchester, bestehend aus Mike Bray und John Konesky einen reizvollen Support. Gerade letztgenannter John Konesky hat durch Mitwirkung bei Bands wie Trainwreck, Tenacious D, der Kyle Gass Band und als Gitarrist beim Soundtrack von The Hangover Part II eine höchst interessante Vita zu Buche stehen.

Das Duo spielte mit u. a. „Gospel Of Good Times“, dem schön swampigen “Two Man Job” , „My Glass Is Half Full” und “High Desert Rambler”, Stücke aus ihrer aktuellen CD. Dazu gab es mit „Easy“ (Lionel Richie) und „Reelin‘ In The Years“ (Steely Dan) zwei klasse Cover-Nummern im ungewohnten Akustik-Gewand. Bray sorgte für die gesanglichen Akzente, Konesky deutete mit vielen quirligen Soli auf seiner Klampfe und einigen Harmonie-Parts an, warum seine musikalischen Dienste gern in Anspruch genommen werden. Eine unterhaltsame, kurzweilige halbe Stunde.

Wie schon in Dortmund, bekam dann Duane Betts zunächst die Gelegenheit, seine Künste als Fronter zu präsentieren. Das Programm war bis auf eine Jam-Instrumental-Version von „Whipping Post“ (statt “In Memory Of Elizabeth Reed“) nahezu identisch. Er und sein kongenialer Gitarrenpartner Johnny Stachela ließen wieder einige herrliche Soli (Twin, Slide) ab. Lustig anzusehen war immer Duanes ‚Schnute‘, wenn er sich in seine Spielkünste ganz vertiefte. Mein Favorit war das mit einer markanten E-Gitarren-Hook und dezentem Eagles-Flair bedachte „Ride It Out“, das man auch auf seiner aktuellen EP „Sketches Of American Music“ finden kann.

Der auffällig von seinem flauschigen Backenbart befreite und somit glatt rasierte Devon Allman begann seine Vorherrschaft auf der Bühne mit dem Instrumental „Mahalo“, wo er auf seiner Strat auch ordentlich Gas gab. Das soulig-funkige „I’ll Be Around“ mit integrierter Leisespiel-Phase und brachialem Übergang, begeisterte ebenso wie die Royal Southern Brotherhood-Nummer „Left My Heart In Memphis“.

Mit „Blue Sky“ und dem grandios performten Klassiker “In Memory Of Elizabeth Reed“ (für mich das Highlight des Gigs) stieg der Betts-Sprössling wieder ein. Im ruhigeren Part (auch hier waren wieder Hocker auf der Bühne) gefielen das Grateful Dead-Cover „Friend Of The Devil“ und eines von Vater Greggs Paradestücken „Melissa“.

Nach der gospeligen, wieder von Keyboarder Nicolas David angeführten Bill Withers-Einlage „Lean On Me“ beendete ein weiterer berühmter Song aus der Feder von Gregg Allman, „Midnight Rider“, das Hauptprogramm. Die Zugabe-Rufe der restlos begeisterten Yard Club-Audienz wurde dann mit einer Hammer-Version vom Prince-Klassiker „Purple Rain“ bedient, bei der alle Musiker nochmals auftrumpften und gleich vier E-Gitarristen involviert waren. Am Ende des Liedes ließ der ‚Chef‘ des Projekts, Devon Allman, nochmals ein sattes Solo ab.

Fazit: Auch der zweite Besuch hatte sich absolut gelohnt. Während in Dortmund die Musik voluminöser rüber kam, stand an diesem Abend in Köln eher das intensivere, direktere Club-Feeling im Vordergrund. Was das Zuschauerinteresse hierzulande betrifft, ist es für Devon und Duane allerdings noch ein weiter Weg, um die Fußstapfen ihrer Väter treten zu können.

Bild-TextDie hatten nämlich in der Domstadt damals locker die legendäre Sporthalle, wie auch später das E-Werk bis zum Rande gefüllt. Aber ein kleiner Anfang ist zumindest gemacht. In jedem Fall war es eine tolle Werbung für den Southern Rock. Und am Ende war dann auch Gernot noch wunschlos glücklich, als die Unterschrift Devons sein wunderschönes Bild zierte.

Danke, wie immer, an Marcus Neu für die gewohnt freundliche und lockere Aufnahme in ’seinem‘, immer wieder gern besuchten Yard Club.

Line-up: Wynchester
Mike Bray (lead vocals, acoustic guitar)
John Konesky (acoustic lead guitar, vocals)

Line-up: Devon Allman Project
Devon Allman (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Duane Betts (lead vocals, electric guitar)
Tyler Jackson Stokes (electric guitar, vocals)
Johnny Stachela (electric guitar, slide guitar, vocals)
Justin Corgan (bass)
John Lum (drums)
Nicholas David (keys, vocals)
R. Scott Bryan (percussion, acoustic guitar, keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Yard Club Köln

Devon Allman Project – 23.08.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Die Vorfreude war natürlich riesengroß! Dass es Jenny Dore gelungen war, die beiden Sprösslinge der berühmten einstigen Allman Brothers-Protagonisten, Devon und Duane, im Rahmen des Devon Allman Projects vereint ins Musiktheater Piano zu lotsen, kam ja fast einer kleinen Sensation gleich.

Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass doch ziemlich viele Southern Rock-Sympathisanten an einem Donnerstag-Abend den Weg in die schöne, Jugendstil-verzierte Dortmunder Location gefunden hatten, zumal auch einige vermutlich noch die starke Leistung von Devon Allman vor gut zwei Jahren an gleicher Stelle in Erinnerung hatten.

Auch wir hatten schon vorher die Werbetrommel gerührt und ich war doch überrascht, so manchen unserer Leser, im Publikum zu erkennen.  Pünktlich um 20:00 Uhr betrat zunächst Dickey Betts-Sohnemann Duane mit seinem starken Co-Gitarristen Johnny Stachela, dem agilen Bass-Spieler Justin Corgan und dem Kraftbündel John Lum am Schlagzeug die Bühne, um mit „Downtown Run Around“, im Rahmen eines 40-minütigen Gigs, loszulegen.

Als meine Favoriten entpuppten sich dabei das mit einer Eagles-Note versehene „Ride It Out“ und die furiose Version des legendären, von seinem Daddy geschriebenen Allman-Jams „In Memory Of Elizabeth Reed“ (mein Gott, ging da in Sachen E-Gitarren und Rhtythmus-Sektion die Lutzi ab). Der Gesang von Duane weißt vielleicht noch nicht ganz die Markanz seines Vaters Dickey auf (vermutlich dem noch jungen Alter und dem deutlich gesünderen Lebenswandel geschuldet), aber im Gitarrespielen steht der Bursche ihm in nichts nach. Trotzdem eine immens starke Vorstellung von Betts & Co.!

Nach einer Pause, die zum Lüften des brütend warmen Pianos und zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlust genutzt wurde, schob Devon, begleitet zunächst von Tyler Jackson Stokes als zweitem Gitarristen, mit „Mahalo“ noch ein Instrumental hinterher.  Im Gegensatz zu dem eher introvertierten Betts-Jüngling, brachte dieser mit seiner impulsiven Art sofort Stimmung in die Bude.

Mit dem souligen, herrlich groovenden Spinners-Song „I’ll Be Around“ aus dem Jahre 1972 wurde so richtig Schwung in die Beine der Besucher gebracht, auch Devon und die beiden Gitarristen hatten mit ein paar einstudierten synchronen Seitschritten ihren Spaß. Wunderbar dann das folgende „Left My Heart In Memphis“ bei dem der kauzige Nicholas David mit Bruce Hornsby-ähnlicher Piano-Einlage glänzte.

Für den ABB-Klassiker „Blue Sky“ war Duane Betts am Mikro wieder zur Stelle, die beiden grandiosen E-Gitarren-Soli im langen Instrumentalteil des Liedes von Stachela und ihm waren Weltklasse.

Zum countryesken „Friend Of The Devil“ (mit schönem Solo von Stokes) wurden Hocker auf der Bühne platziert. Das anschließende, von Gregg für Devons Mutter geschriebene „Multi Colored Lady“ offerierte die sanfte und melancholische Seite des Haupt-Protagonisten. Melodie-verliebte Leute wie mich fixte dann das wunderbare „Live From The Heart“ natürlich besonders an.

Beim gospeligen Bill Withers-Klassiker „Lean On Me“ hatte erneut Nicholas David seinen Auftritt, diesmal sogar mit tiefer Stimme am Frontmikro. Das Piano glich, nicht nur der heißen Temperaturen wegen, einer Südstaaten-Kapelle. Mit „Hot ‚Lanta“ wurde zum Abschluss des Hauptteils nochmals kräftig gejammt und der legendären Band der Väter Ehre erwiesen.

Zum heftig eingeforderten Zugabenteil stand dann alles was Spielen konnte auf der Bühne. Mit dem Don Henley-Stück „The Boys Of Summer“ und dem „Midnight Rider“ (nochmal für Vater Gregg) wurde ein vermutlich denkwürdiger Abend für hiesige Verhältnisse unter frenetischem Applaus beendet.

Im Anschluss gaben sich die Akteure publikumsnah und unterzeichneten wohl-gelaunt am Merchandising-Stand die diversen Kauf-Utensilien und hatten auch noch ganz relaxt Zeit für Fotos, was wir natürlich für unser Bild für die VIP-Galerie nutzten. Unser Dank gilt wie immer Jenny Dore und Thomas Falke vom Piano, die sich, wie immer, als tolle Gastgeber mit viel Musik-Sachverstand präsentierten.

Line-up:
Devon Allman (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Duane Betts (lead vocals, electric guitar)
Tyler Jackson Stokes (electric guitar, vocals)
Johnny Stachela (electric guitar, slide guitar, vocals)
Justin Corgan (bass)
John Lum (drums)
Nicholas David (keys, vocals)
R. Scott Bryan (percussion, acoustic guitar, keys, vocals)

Bilder: Adam Zegarmistrz Glagla
Text: Daniel Daus

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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Davisson Brothers Band – Fighter – CD-Review

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Zweites, ganz hervorragendes Album der Davisson Brothers Band, die ihre musikalische Passion überaus authentisch auf dem Terrain des ’southern-fueled‘ Countryrocks und ’southern-rocking‘ Country auslebt. Obwohl das Quartett um die beiden Brüder Donnie (lead vocals, acoustic guitar) und Chris Davisson (guitars) schon seit Mitte der 90er Jahre in diversen Konstellationen am Start ist, war bisher, trotz zahlreicher Aktivitäten (u. a. partipizierten sie 2017 in Chris Jansons Video-Clip zu „Fix A Drink“) und vielversprechender Beziehungen, nicht mehr als ihr 2009 veröffentlichtes Debütalbum, das immerhin die Top-40 der Bilboard Charts erreichte, und einer Single im Jahre 2014 („Jesse James„), auf der Habenseite zu verzeichnen.

Besagte Single ebnete Ihnen allerdings den Weg zur Kooperation mit dem Grammy-dekorierten Star-Produzenten Keith Stegall (u. a. George Strait, Zac Brown Band, und vor allem Alan Jackson), der mit dem erfolgreichen australischen Musikpromoter Rob Potts und Sony Music Australia eine potente Partnerschaft für seine neu gegründete Dreamlined Entertainment Group abgeschlossen hat. Stegall ließ es sich natürlich nicht nehmen, das nun vorliegende, leider nur acht, dafür ganz hervorragende Stücke umfassende „Mini“-Zweitwerk „Fighter“, des durch Aaron Regester (drums) und Russell Reppert (bass) vervollständigten Quartetts, selbst zu produzieren.

Dabei stellte er den aus Clarksburg, West Virgina, stammenden Jungs mit Michael Rojas (keys), Ilya Toshinsky (banjo), Billy Panda (acoustic guitar), JT Corenflos (electric guitar), Chance McCoy (fiddle) Wes Hightower, John Wesley Ryles und Ronnie Bowman (alle Background vocals) eine überaus prominente und ’schlagkräftige‘ Musikerschaft als weitere Unterstützung zur Verfügung. Auch der dritte Davisson-Bruder Sammy, der nicht mehr zum offiziellen Line-up zählt, ist an einigen Bass-Parts und Harmoniegesängen beteiligt.

Der launige Opener „Po‘ Boyz„, zugleich die erste Single, ist eine gut tanzbare Hommage an das einfache, Redneck-basierte Leben, mit seinen, nach getaner Arbeit, typischen Dingen wie Reiten, Quad-Fahren im Schlamm, Zielschießen und den, mit vielen hübschen Country Girls bestückten Friday Night Parties, wo das Bier dann besonders gut schmeckt.

Mit „Breathe“ folgt eine Gänsehaut verursachende Southern Soul-Ballade. Donnie Davissons (auch insgesamt) engagierter, emotionaler Gesang, die brillante Orgel-Hintergrundarbeit des, auf diesem Album überragend agierenden Mike Rojas und das tolle E-Gitarrensolo, sowie dezente Harmniegesänge im Refrain, werden die Südstaaten Rock-Anhängerschaft absolut begeistern. Ein besonderes Highlight!

Zünftig geht es mit dem polternden Stampfer „Didn’t Come Here To Leave“ und seinem herrlichen ‚Fußwippen‘-Refrain weiter. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch das knackig rockende „Black Like Cash“. Ein durchaus weiterer Kandidat für die Radiostationen in Nashville ist das, mit einem eingängigen und leicht mitsingbaren Refrain versehene, melodische „Get Down South“ (schöne Banjountermalung von Toshinsky).

Das melancholische „Let’s Build A Fire“, das „Can’t You See“-umwehte Titelstück „Fighter“ und der hymnische Abschlusstrack „Appalachian American“ (mit wunderbar traurigem Fiddle-Ausklang von Chance McCoy ), bilden neben dem bereits erwähnten „Breathe“ den ruhigeren Gegenpol.

Vieles erinnert hier von der Art her, an Songs der Band Rambler auf ihrem einstig starken Werk „First Things First„. Auch Lynyrd Skynyrd– und Marshall Tucker Band-Einflüsse sind immer wieder spürbar, genau wie die des traditionellen und modernen Country.

Ingesamt eine durchgehend überzeugende und kurzweilige CD der Davisson Brothers Band. Keith Stegall hat mit den Jungs wieder mal ein feines ‚Näschen‘ bewiesen und nicht zuletzt dank der starken Zusatz-Musiker eine herrliche Balance zwischen knackigem, radiotauglichen Country- und balladeskem Southern Rock gefunden, wie es in so hervorragender Weise bei Montgomery Gentry funktioniert hatte. „Fighter“ ist daher ein absolutes ‚Must-Have‘ für die Klientel dieser Musikrichtungen!

Dreamlined Entertainment Group (2018)
Stil: Southern Country Rock

01. Po‘ Boyz
02. Breathe
03. Didn’t Come Here To Leave
04. Let’s Build A Fire
05. Black Like Cash
06. Fighter
07. Get Down South
08. Appalachian American

Davisson Brothers Band
Davisson Brothers Band bei Facebook
Bärchen Records

Damon Fowler – The Whiskey Bayou Sessions – CD-Review

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Ich weiß nicht, wie es Ihnen als Leser geht. Bei mir ist es jedenfalls so, dass mir manchmal schon allein der Name eines Künstlers oder einer Band suggeriert, ob das gute Musik sein könnte oder nicht. Ok, im Laufe der vielen Jahre, in denen ich jetzt die diversen Tonträger rezensiere, bekommt man halt auch so etwas wie ein gewisses Gespür dafür.

Der Protagonist dieses Reviews, Damon Fowler, der bereits seit 1999 im southern-umwehten Blues- , Roots-und Americana-Sektor tätig ist, hat demnach neben seiner eigenen Musik nicht umsonst Kooperationen mit bekannten Leuten wie u. a. Delbert McClinton, Chris Duarte, Buddy Guy, Johnny Winter, Edgar Winter, Jeff Beck, Robin Trower, Gregg Allman, Junior Brown, Rick Derringer, Little Feat, Jimmie Vaughan, Victor Wainwright und den Radiators vorzuweisen. Hier besonders interessant sicherlich auch seine Mitwirkung in Butch Trucks Freight Train Band, bei Dickey Betts & Great Southern und bei Southern Hospitality, denen ja auch der bei uns vor kurzem rezensierte J.P. Soars angehörte.

Mein erster Berührungspunkt mit Damon war seine Scheibe „Sounds Of Home“, produziert von dem aus Louisiana stämmigen Delta Blues-Spezialisten Tab Benoit. Diese Zusammenarbeit wurde jetzt auf Fowlers neuem Werk „The Whiskey Bayou Sessions“ in einem Studio innerhalb des Zypressenmoors am Ufer des Cane Bayou in Houma, LA, nochmals intensiviert. Auch hier saß Benoit wieder an den Reglerknöpfen und hat sich ergänzend mit der Akustik- und Rhythmus-E-Gitarre bei drei Tracks mit eingebracht.

Mit dabei sind außerdem noch Todd Edmunds am Bass und Justin Headley am Schlagzeug. Damon zeichnet sich für Gesang, Gitarrenspiel und Lap Steel verantwortlich. Wie der Titel des Albums und auch die Aufnahme-Locationes schon andeuten, bekommt man demnach einen schön swampigen Blues Rock geboten. Herausstechend sind natürlich Fowlers angenehmer Gesang und sein vorzügliches Gitarren-/Steelspiel, das sich in vielen quirligen Soli wiederspiegelt.

Vom herrlich shuffligen Opener „It Came Out Of Nowhere“, über das allmaneske „Ain’t Gonna Rock With You No More“ (mit schönem Slide), dem melancholisch groovig souligen „Holiday“ (erinnert mich ein wenig an „Spooky“ von ARS) bis zum Strand-bluesigen „Florida Bay“ (mit „Statesboro Blues“-Reminiszenzen) , erinnert hier vieles auch an die Art von Mike Zito.

Mit „Hold Me Tight“ und „Just A Closer Walk With Thee“ gibt es dazu noch zwei nette Countryschunkler, bei denen Damon zur besagten Lap Steel greift. Somit sind die „The Whiskey Bayou Sessions“ von Damen Fowler insgesamt eine gelungene Sache, die Southern-Freunden bedenkenlos empfohlen werden kann. Sein Name steht für gute Musik. Dazu kommt das Bayou-Flair auf diesem Tonträger bestens zur Geltung, wieviel Whiskey allerdings bei den Aufnahmen zum Gelingen des Ganzen beigetragen hat, bleibt aber vermutlich das Geheimnis der beim Werk involvierten Leute…

Whiskey Bayou Records (2018)
Stil: Southern Blues Rock

01. It Came Out Of Nowhere
02. Fairwheather Friend
03. Hold Me Tight
04. Up The Line
05. Ain’t Gonna Rock With You No More
06. Just A Closer Walk With Thee
07. Pour Me
08. Holiday
09. Running Out Of Time
10. Candy
11. Florida Baby

Damon Fowler
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Bruce Katz Band – Get Your Groove! – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Jemand, der bereits mit John Hammond, Little Milton oder Jimmy Witherspoon zusammengespielt und Alben aufgenommen hat und über den der legendäre Gregg Allman sagte: „He can play jazz, blues, Bach, anything.“, der kann aus einem Erfahrungsrepertoire schöpfen, das in vielerlei Hinsicht unvergleichbar ist. Der mittlerweile 65-jährige, US-Amerikanische Session-Keyboarder Bruce Katz, war als Studiomusiker an weit über 70 Alben beteiligt und hat dazu auch ein umfangreiches Kontingent an eigenständiger Arbeit veröffentlicht. An seinem Lieblingsinstrument, der wohlklingenden und fast schon berühmten Hammond-Orgel, ist er versiert wie kein Zweiter.

Seine Spielkunst hört man sofort auf dem swingigen Opener und Blues-Traditional „Hesitation Blues“. Der zweite Track „Freight Train“ wurde eigentlich für den Allman Brothers Band Drummer, Butch Trucks, geschrieben und ist jetzt als Widmung für ihn hervorgehoben – ein exzellenter, fast zehnminütiger, instrumenteller Jam-Session-Blues! Das schwippige „Beef Jerky“, das jazzige „Shine Together (Tribe Of Lights)“ und der Slow Track „River Blues“, führen zum gitarrenlastigeren „Make Things Right“.

Komplettiert wird die Bruce Katz Band durch den virtuosen Blues-Gitarristen/Sänger Chris Vitarello und Schlagzeuger Ray Hangen. Vorwiegend von ausufernden Instrumental-Songs dominiert, bietet das Album reichlich Zeit und Raum für die Musiker, sich an ihren „Spielzeugen“ auszutoben. So zum Beispiel auf dem catchigen Titelstück „Get Your Groove“, den jammigen Nummern „Rush Hour“ und „The Bun“ oder im Zuge der eher soul-arrangierten Rhythmen von „Wasn’t My Time“. Vor allem diese Stücke werden live, als Improvisationen, ihre Wirkung nicht verfehlen.
Der Sound erinnert unwillkürlich in manchen Teilen an musikalische Weggefährten, wie die Formation Booker T. & the M.G.’s, mit ebenfalls typischen Instrumentals oder die Soul-Leute der Blues Brothers Band, hier nur in kleinerer Besetzung.

Auf dem Longplayer „Get Your Groove!“ verbinden Bruce Katz und seine außergewöhnlichen Mitstreiter traditionellen Blues, Soul-Jazz und ihren typischen Jam Style. Die Anzahl von Instrumentalstücken ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, auch, da Bruce Katz mit Chris Vitarello einen stimmgewaltigen Sänger an seiner Seite hat, der den Aufnahmen mit zusätzlichen Vocal-Tracks durchaus noch mehr Power hätte verleihen können. Am Ende dieses Albums sollte aber eigentlich jeder den Groove spüren!

American Showplace Music (2018)
Stil: Blues/Soul-Jazz

01. Hesitation Blues
02. Freight Train
03. Beef Jerky
04. Shine Together (Tribe Of Lights)
05. River Blues
06. Make Things Right
07. Get Your Groove!
08. Zone 3
09. Rush Hour
10. Wasn’t My Time
11. The Run

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