Tennessee Champagne – Same – CD-Review

Tennessee Champagne 300

Review: Michael Segets

Das neue Label Juke Joint 500 spezialisiert sich auf hörenswerte Musik, die in den letzten Dekaden nie auf Vinyl herausgekommen ist. Die wieder anwachsende Zahl von Liebhabern der nicht-digitalen Präsentationsform wird ein solches Vorhaben begeistert aufnehmen. Sicher produziert das Label einige – bald heiß begehrte – Sammlerstücke, da die LPs farbig, handnummeriert und auf fünfhundert Pressungen limitiert sind. „… And Other Crimes“ der Go To Blazes aus dem Jahr 1995 setzte den Startschuss für das Programm.

Zeitgleich mit dem Sampler „Mo‘ Peaches“ folgt nun die selbstbetitelte Scheibe von Tennessee Champagne. Direkt zu Beginn von Juke Joint 500 weicht Gründer Reinhard Holstein von seinem Konzept ab und veröffentlicht eine CD, die gerade erst in den USA erschienen ist, auf Vinyl und digital. Die Qualität der Band aus Elizabethon, Tennessee, ließ ihm quasi keine andere Wahl. Und tatsächlich legt das Quintett ein feines Southern Rock-Album vor, das die Wegbereiter dieses Genres nicht verleugnen und mit den aktuellen Größen wie Blackberry Smoke mithalten kann.

Temporeich steigt das Album mit „Wicked“ und dem folgenden „Thunder In The Mountains“ ein. Während der Opener in der Tradition von Lynyrd Skynyrd steht, geht der zweite Track in Richtung Blues Rock. Schon am Anfang der Scheibe stechen die kräftigen Gitarren hervor, die den Sound der Band prägen. Vor allem die eingestreuten Soli haben die richtige Würze, sind dabei nicht zu lang und bleiben stets melodiös.

Der Frontmann Tim Hall singt hier mit angerauter Stimme, die bei der Ballade „Can’t Get Over You“ sanftere Facetten zeigt. So oder so kann er viel Soul und Gefühl in seinen Gesang legen. Die Balladen sind von einer Orgel unterlegt, welche vor allem bei „Stompin‘ Grounds“ sehr stimmungsvoll in den Song einleitet. Zusammen mit dem etwas dunkleren „Selfish Ways“ ist der Track – nicht zuletzt durch den unaufdringlichen Slide – mein Favorit unter den langsamen Stücken. Diese sind aber durchweg gelungen. So kommt mir am Anfang von „Singing To My Broken Heart“ Neil Young aus seiner “Harvest”-Zeit in den Sinn, was ja nicht der schlechteste Referenzpunkt ist.

The Allman Brothers Band scheint bei „Mountains In My Bones“ durch, das nochmal das Tempo anzieht. Mit dem hymnischen „Silver Tongue” setzen sich Tennessee Champagne – neben Tim Hall gehören Dan Britt, Chris Kelley, Jonathan Grindstaff und Bill Cowden zu der Truppe – selbst ein Denkmal. Über sechs Minuten zelebrieren die Jungs den Southern Rock mit allem was dazu gehört. Zum Southern mischen sich gelegentlich auch Blues-Elemente, beispielsweise beim swampigen Midtempo-Song „Corn From A Jar“, auf dem die Stimme des Leadsängers streckenweise verzerrt wird, oder beim rockigen Abschluss „Shake It“.

Am Anfang des Debüts von Tennessee Champagne, der A-Seite der LP, sind kräftige, temporeiche Nummern in der Überzahl, die zweite Hälfte wird von eindringlichen Balladen geprägt. Gemeinsam ist den Songs, dass sie die Erwartungen, die an Southern Rock gestellt werden, voll erfüllen. Das Quintett legt ein ausgewogenes Album vor, mit dem sie sich in dieser Musikrichtung einen Platz unter den Newcomern des Jahres, auch wenn dieses noch jung ist, sichern.

Juke Joint 500 (2021)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Wicked
02. Thunder In The Mountains
03. Can’t Get Over You
04. Mountains In My Bones
05. Silver Tongue
06. Stompin Grounds
07. Selfish Ways
08. Corn From A Jar
09. Singing To My Broken Heart
10. Shake It

Tennessee Champagne
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Juke Joint 500

Various Artists – Mo’ Peaches Volume 1 – Southern Rock That Time Forgot – CD-Review

Mo Peaches 1 300

Review: Michael Segets

Reinhard Holstein erweist sich einmal mehr als Schatzsucher des Southern Rock, indem er sich mit seinem neuen Label und Mailorder Juke Joint 500 auf den Weg macht, vergessene Southern-Rock-Bands auszugraben und auf Vinyl zu veröffentlichen. Früher federführend bei Glitterhouse Records und Stag-O-Lee Records stieg Holstein letztes Jahr bei Whiskey Preachin‘ Records ein. Dem Label verdanken wir bereits eine Compilation mit unverbrauchten Acts sowie die Neuentdeckung von The Rhyolite Sound und Ole Whiskey Revival. Nun startet er ein weiteres ambitioniertes Projekt, das die Fans handgemachter Rockmusik im Auge behalten sollten.

Anfang der 1970er Jahre gab das Capricon Label Peaches-Sampler heraus, auf denen Southern Rock zelebriert wurde. Als Reminiszenz an diese glorreichen Zeiten des Genres betitelt Holstein seine Compilation als „Mo‘ Peaches“. Auf ihr stellen sich zehn amerikanische Bands beziehungsweise Musiker vor, die über eine lokale Bekanntheit nicht hinausgekommen sind. Ihre größtenteils in Eigenproduktion veröffentlichten CDs beabsichtigt Juke Joint 500 auf Vinyl und gegebenenfalls als digitale Reissue herauszugeben. Als handnummerierte, auf 500 (multicolored) Exemplare limitierte LPs richtet sich die Label-Strategie auf eingefleischte Sammler. Die musikalische Qualität, die sich auf den ersten Hörproben zeigt, macht aber deutlich, dass die Bands ein großes Publikum verdient hätten.

Der Opener „Due South“ von John Mohead ist zugleich der älteste Track. Er stammt aus dem Jahr 1995. Das swampige, von Jimi Hendrix komponierte „Red House“ der Chase Walker Band wurde 2016 veröffentlicht. Die anderen Stücke entstanden in den zwanzig dazwischenliegenden Jahren. Daher erscheint der Untertitel der Zusammenstellung „Southern Rock That Time Forgot” durchaus passend, zumal alle Songs die Erwartungen einlösen, die an solche Genrebeiträge gestellt werden. Dabei nehmen sie mal indirekt Bezug zu den Klassikern, wie Bishop Black („Long Road To Bama“) bei Lynyrd Skynyrd, oder direkt, wenn Eat A Peach „Ain’t Wastin‘ Time No More“ von der Allman Brothers Band covert.

Alligator Stew steuert das treibende „Louisiana Man“ mit leichten Country-Anleihen bei. „Black Chrome Horse“ von den Railbenders rockt in einem mittleren Tempo. Die beiden Songs überzeugen in ihrer ehrlichen und gradlinigen Art. In dieser steht Alligator Jacksons „Enjoy The Ride“ in nichts nach. Die elektrischen Gitarren erzeugen dort sogar noch einen volleren Sound. Ein Best-Of-Album von Alligator Jackson ist bereits bei Juke Joint 500 für Februar angekündigt, das nun gespannt erwartet werden kann.

Mit Ausnahme des bereits erwähnten Beitrags der Chase Walker Band legen die Songs ein ordentliches Tempo vor. Hervorzuheben ist allerdings das explosive „Slow Down Irene“. Bei dem Titel von Judge Parker geben Klavier, Mundharmonika und natürlich Gitarren mächtig Gas. Noch einen Deut aggressiver rockt „Little Miss Whiskey“, wobei die Nummer immer melodiös bleibt. Ein kurzes, auf den Punkt gespieltes Gitarrensolo setzt dem Song der Morrison Brothers Band die Krone auf. Zusammen mit dem Track von The Remus Tucker Band zählt er zu meinen Favoriten auf dem Sampler. Mit dem akzentuierte Rhythmus gepaart mit einem kraftvollen Backgroundchor und Gitarren der Extraklasse, die am Ende „Swing Low, Sweet Chariot“ interpretieren, bildet „Bury Me On The Banks Of Mississippi“ den fulminanten Abschluss des Albums.

So bleibt am Ende fast etwas Wehmut, dass Holstein nicht noch mehr Southern-Rock-Nuggets aufgespürt und auf die Scheibe gepackt hat. Weiterhin bleibt unverständlich, warum die auf ihr vertretenen Bands bislang kaum Erfolg hatten – aber das Musikbusiness ist halt schwer zu durchschauen.

Fans des Southern Rock kommen bei der Compilation voll auf ihre Kosten. Da gute Musik zeitlos ist, macht es keinen Unterschied, dass manche Tracks älter als zwanzig Jahre sind. Reinhard Holstein hat auf seiner akribischen Suche wieder Genre-Perlen zutage gefördert, die auf den Plattenteller gehören.

Diese bietet er über seinen Mailordershop Juke Joint 500 zu äußerst fairen Preisen an, auf dem man auch die Veröffentlichungen des Whiskey Preachin‘ Labels erwerben kann.

Juke Joint 500 (2021)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Due South – John Mohead
02. Louisiana Man – Alligator Stew
03. Slow Down Irene – Judge Parker
04. Long Road To Bama – Bishop Black
05. Little Miss Whiskey – Morrison Brothers Band
06. Red House – Chase Walker Band
07. Black Crome Horse – Railbenders
08. Enjoy The Ride – Alligator Jackson
09. Ain’t Wastin’ Time No More – Eat A Peach
10. Bury Me On The Banks Of Mississippi – The Remus Tucker Band

Juke Joint 500

Ole Whiskey Revival – Same – CD-Review

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Review: Michael Segets

Zum Ende des Jahres bietet Ole Whiskey Revival noch einen Southern-Rock-Leckerbissen. Die Band aus Shreveport, Louisiana, debütiert mit ihrem selbstbetitelten Album bei Whiskey Preachin‘ Records. Die Jungs bringen alles mit, was man von einer Southern-Truppe erwartet: gute, erdig und gitarrenorientiert umgesetzte Songs sowie ausufernde Gesichtsbehaarung. Inhaltlich bleiben die Stücke den genretypischen Themen verhaftet. Oft drehen sie sich um Frauen und Whiskey oder um Whiskey und Frauen. Insgesamt eine Scheibe, die richtig Spaß macht.

Mit dem kraftvollen „The Legend Of Jack Savannah“ steigt Ole Whiskey Revival in bester Southern-Manier ein. Der „Crescent City Blues“ entwickelt ordentlichen Drive und der Abschlusstrack „Ramblin‘“ weist ebenfalls einen rockigen Einschlag auf. Das Stück findet sich bereits auf dem Whiskey Preachin‘ Sampler – Volume 1“.

Mit ausdrucksstarker Gitarre bewegt sich „When the Smoke Clears“ zwischen Southern und Outlaw Country. Auch die Balladen bedienen sich in beiden Genres. Wimmernder Slide untermalt „Go Jump In A Creek“ und „Moonshine Melody“. Beim letztgenannten Beitrag übernimmt eine Dame als Duett-Partnerin zeitweise die Lead Vocals. Die Sängerin wird in den Credits nicht genannt, sie verhilft dem Song aber zu einem nostalgischen Siebziger-Jahre-Flair.
Am Ende gibt der Track überraschenderweise richtig Gas. Er belegt, dass Ole Whiskey Revival sich in den Traditionen auskennt und diese kreativ auslebt.

Das herrlich leiernd gesungene „Hairy Legged Hippie Chick“ spielt mit Country-Versatzstücken. Die augenzwinkernde Charakterisierung einer geliebten Frau zeigt, dass Ole Whiskey Revival einen gewissen Sinn für Humor hat, der nicht zuletzt auch auf dem Cover mitschwingt.

Das radiotaugliche „Whiskey Makes It Spin“ wurde als Video vorab ausgekoppelt. Auf die harmonische Midtempo-Nummer zu setzen, ist wahrscheinlich klug. Allerdings sind einige andere Songs letztlich interessanter. So hat „Sweet Evangeline“ ebenfalls einen eingängigen Refrain, die Gitarrenarbeit stellt dort allerdings einen zusätzlichen Pluspunkt dar. Wie dem auch sei, zwischen den Polen Blackberry Smoke und Chris Stapleton bringen Ole Whiskey Revival frischen Wind in die Szene.

Alex Troegel (Gitarre, Gesang) tat sich 2014 mit Trent Daugherty (Gitarre, Gesang), John Garcia (Gitarre, Gesang), and Stevey Hensley (Bass), die zuvor bei Magnolia Mae spielten, zusammen. Als Schlagzeuger trat Ryan Alexander der Band bei und Ole Whiskey Revival wurde geboren. Für das erste Album holten sie sich noch Kyle Roop hinzu, der bei einigen Titeln eine Steel Guitar beisteuert.

Nach „Mojave Gold“ von The Rhyolite Sound erweitert Whiskey Preachin‘ Records seinen Label-Katalog mit Ole Whiskey Revival um einen zweiten Hochkaräter. Ole Whiskey Revival legt mit den neun Eigenkompositionen ein rundum gelungenes Debüt vor. Die abwechslungsreichen Tracks zeigen die Band aus Louisiana als Kenner der Ingredienzien, welche Southern Rock und Outlaw Country ausmachen. Diese würzen sie gelegentlich noch mit einer Prise Humor, sodass sie ernsthaft zu den hervorragenden Neuentdeckungen dieses Jahres zählen.

Whiskey Preachin’ Records/Indigo (2020)
Stil: Southern Rock, Outlaw Country

Tracks:
01. The Legend Of Jack Savannah
02. Hairy Legged Hippie Chick
03. Crescent City Blues
04. Moonshine Melody
05. When The Smoke Clears
06. Sweet Evangeline
07. Whiskey Makes It Spin
08. Go Jump In A Creek
09. Ramblin’

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Whiskey Preachin’ Records

Billy J – Rise Above – CD-Review

BillyJ

Billy J wird bei uns, da bin ich mir relativ sicher, ein absolut unbeschriebenes Blatt sein. Der ursprünglich aus Philadelphia stammende Musiker, hat sein Handlungsspektrum aber mittlerweile in den Süden Floridas und das sich dort anschließende Key West verlegt.

Nun stellt er mit „Rise Above“ seinen Erstling vor, der vom dem uns bekannten New Yorker Dave Fields (dessen aktuelle CD „Force Of Will“ hatten wir ja vor kurzem erst besprochen) live im Studio produziert und teilweise auch musikalisch begleitet wurde (Piano, Slide-Gitarre beim Titelstück „Rise Above“ und Backing vocals).

Mit Charlie Wooten (Royal Southern Brotherhood), Todd Smallie (Derek Trucks Band, JJ Grey & Mofro) sowie Yonrico Scott (Derek Trucks Band) sind weitere gestandene Kollegen mit am Werk beteiligt.

Angepriesen wird Billy J als „rising star in the long tradition of the working man blues-rock Americana artists“. Weiter heißt es: „His combination of guitar wizardry, power vocals and great songwriting will rock the blues rock world“.

Und in der Tat hat der Protagonist bis auf „Cats In The Cradle“ (Harry Chapin) alle Tracks selbst verfasst. Auch seine Gitarrenkünste sind wirklich stark und machen sein Debüt zu einer richtig tollen Southern Rock-Scheibe. Lediglich beim irgendwie nicht zu den Stücken passen wollenden Gesang (aus meiner Sicht), muss ich widersprechen. Hier liegt für mich persönlich dann allerdings leider auch das Manko des Silberlings, da es sich ja um ein fortlaufendes Element handelt.

Nicht auszurechnen, wenn Billy auch noch ein Charakterorgan im Stile der großen Southern Rock-Fronter haben würde, dann wäre es ein neues Klassewerk des Genres geworden. Ich kann allerdings verstehen, dass man bei einer Solokarriere halt auch am Mikro im Rampenlicht stehen möchte. Aber vielleicht ist ja nicht jeder in diesem Bezug so empfindlich wie unser Einer.

Musikalisch kann sich alles wirklich mehr als sehen lassen, Allman Brothers, frühe Molly Hatchet (zu Zeiten ihrer ersten beiden Alben), Skynyrd und alles, was SR-Fans gerne hören (mit viel E-Gitarre, quirligen Soli und gut dosierten Keys) lässt sich als Bezüge aus den Tracks heraushören. Die beiden ruhigeren Lieder „Rise Above“ (schönes countryeskes Frontporch-Flair) und „She“ sind mit einer prägnanten Akustikgitarre verziert. „New Car“ kommt dazu noch als kraftvoller Slow Blues der Marke Aynsley Lister.

Etwas aus dem Rahmen fällt vielleicht noch das leicht Reggae-versetzte stampfige „Push Push“ mit Steel Drum-Einlagen von J. Robert, der ab und zu auch mal die Fiddle einfließen lässt (u. a. bei „Rise Above“).

Ansonsten bietet Billy J viele flotte Stücke mit powernden Southern Rock-Grooves, und, wie gesagt, starker E-Gitarre in Hülle und Fülle. Von daher sollten Southern- und Blues Rock-Liebhaber diesem Newcomer auf jeden Fall mal eine Chance auf’s Gehör gönnen.

Eigenproduktion (2020)
Stil: Southern Rock

Tracklist:
01. She’s Mine
02. Sweaty Melons
03. Rise Above
04. Line ‚Em Up
05. New Car
06. Cats In The Cradle
07. She
08. Push Push
09. My Baby’s Blue
10. Boomerang

Billy J
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Dudley Taft – Cosmic Radio – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Seine produktionstechnische Unabhängigkeit hat der US-amerikanische Gitarrist und Sänger Dudley Taft bereits 2013 vorausschauend gefestigt, als er das Tonstudio von Peter Frampton übernahm. Im Muchmore Studio, Cincinnati, Ohio, sind seit dem sechs Alben entstanden, wobei innerhalb eines Jahres nach „Simple Life“ der zweite neue Longplayer „Cosmic Radio“ eingespielt wurde.

Eine fleißige Energieleistung muss man dem 1966 geborenen Taft dabei allemal unterstellen, denn auch die Produktion der aktuellen, selbst verfassten Tracks ist einschließlich Engineering und Mixing wesentlich in Eigenregie erfolgt.

Für die oft als Seattle- oder Grunge Blues beschriebene Stilrichtung steht exemplarisch der Opener und zugleich das Titel-Stück „Cosmic Radio“, ein radiotauglicher Hard-Rock-Song, der durchaus als gutes Beispiel für die beständigen Songwriter-Qualitäten Tafts gewertet werden kann.

Der gelungene Einstiegs-Track wird verfolgt von „Left In The Dust“, das eigentlich wie bei einer treibenden Rhythmus-Nummer mit ausdrucksstarken Riffs üblich, an die erste Stelle einer Set-Liste gehören sollte und durch die „sprudelnde Kraft“ eines Fuzz-Pedals – wie Taft anmerkt – entscheidend beeinflusst wird. Die treibenden Drums und die intensive Gitarren-Arbeit besorgen bei „The Devil“ die ausgesprochene Eleganz eines spielerisch wirkenden Blues-Stücks, dessen Ausdrucksstärke genauso gut zu Aerosmith oder den Black Crowes passen würde.

Mit „Goin‘ Away Baby“ schließt sich ein gradliniger Blues-Klassiker an, der 1950 von Jimmy Rodgers eingespielt wurde – aber nach anderen Quellen vielleicht ursprünglich aus der Feder von Sonny Boy Williamson stammt – und hier von Dudley Taft auch solomäßig exzellent gecovert wird.

Die „etwas“ ruhigere Phase des Albums beginnt mit „One In A Billion“, einer 8-minütigen Slow-Blues-Rock-Nummer inklusive der eindrucksvollen Taft-Guitar-Work, die auch hohe Erwartungen erfüllt und in ihrer Form über „The End Of The Blues“ in den Lyrics nur vordergründig resümiert.

Eine familiäre Co-Produktion von Dudley Taft und Tochter Ashley Charmae, die ihr Debut an den Lead-Vocals als Fan von Etta James einfühlsam meistert, bietet das sanfte Blues-Highlight „Relentless“, und eröffnet damit praktisch die zweite Hälfte des Albums, das neben weiteren stimmungsvollen und langsamen Passagen ebenso Southern-Country-Rock und Texas-Blues mit einbezieht.

Diese starken Elemente kennzeichnen die Tracks „Fly With Me“, „Hey, Hey, Hey“ und das Heavy-Rock-mäßige „All For One“ im schweren Fuzz-Gitarren-Sound, der die heftigen Lyrics zur gesellschaftlichen und politischen Situation in Cincinnati unterstreicht.

Seinen Frust über die Covid-19 Pandemie entlädt Taft danach bei „I’m A Believer“ , um abschließend nahezu versöhnlich – mit seiner Tochter im Background – die Piano-Ballade „I Will Always Love You“ anzustimmen und das Finale des neuen Albums ein wenig in „kosmische Sphären“ überzuleiten.

Mit „Cosmic Radio“ hat Dudley Taft ein anspruchsvolles Blues- und Rock-Album abgeliefert, das seine musikalische Präsenz als Songwriter und Musiker energiegeladen hervorhebt. Der Produktions-Rhythmus des US-Amerikaners entwickelt sich allmählich zu einem „Marathon“, den er hoffentlich noch weiter durchhält.

American Blues Artist Group (2020)
Stil: Blues Rock, Southern Rock

Tracklist:
01. Cosmic Radio
02. Left In The Dust
03. The Devil
04. Goin’ Away Baby
05. One In A Billion
06. The End Of The Blues
07. Relentless
08. Fly With Me
09. Hey Hey Hey
10. All For One
11. I’m A Believer
12. I Will Always Love You

Dudley Taft
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m2-music

The Cadillac Three – Tabasco & Sweet Tea – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Wenn hartgesottene Southern-Rocker wie The Cadillac Three in konzertarmen Pandemie-Zeiten ihrem musikalischen Einfallsreichtum freien Lauf lassen, kann daraus auch mal ein für sie ungewöhnliches Überraschungsalbum entstehen.

Denn nur wenige Monate nach ihrer Erfolgsscheibe „Country Fuzz“ aus dem Februar 2020 hat das sehr agile Trio aus Tennessee, das sonst leicht 140 Konzerte im Jahr ablieferte, mit dem neuen Longplayer „Tabasco & Sweet Tea“ kurzerhand ihre Southern Rock- und Country Pfade weitgehend verlassen und für dieses Projekt Funk, Soul-Vibes sowie Grooves kombiniert und 11 neue Titel veröffentlicht.

Die überwiegend noch vor der Quarantäne-Phase im eigenen Tour-Bus entstandenen Tracks wurden eingespielt, als das Trio aus verschiedenen Songs, wie „The Jam“ (von Country Fuzz) überlegte, etwas Neues zu entwickeln. So wurde aus der Musik ihrer Schulzeit mit Einflüssen von James Brown, Stevie Wonder und Hip-Hop-Passagen die Idee von „Tabasco & Sweet Tea“ geboren.

Das 5. Album der toughen Band aus Nashville erinnert daher nicht an Outlaw-Country und klassischen Southern-Style, sondern beginnt mit dem Titelsong, einen funkigen Soul-Ride durch die Varianten dieser Musikrichtung. Wie selbstverständlich hat Kelby Ray dabei seine Lap-Steel gegen straffe Basslinien eingetauscht, die sich mit Neil Masons rauen Soul-Beats ebenso vertragen, wie mit den etwas angehobenen Vocals von Jaren Johnston, dessen ungestüme Riffs gelegentlich nach wie vor aufblitzen.

Zum Beispiel auf „Bridges“, der als powervoller Song vielleicht etwas Prince-artige Wirkungen hinterlässt oder bei „Devil’s Lettuce“, der eine Art Funk-Rap modelliert. Mit dem Stück „Crispy“ wird hingegen fast der Hip-Hop-Sound der 80er Jahre nachempfunden, um – wie es Jaren Johnston beschreibt – die „verschiedenen Richtungen“ auszuloten. Dass am Ende der Platte mit „Sabbath On Cornbread“ noch funkige Zeit und Muße bleiben, den Namen der Band in den Refrain-Lyrics besonders hervorzuheben, ist sicher einer gewissen Selbstironie geschuldet.

Mit „Tabasco & Sweet Tea“ tauchen The Cadillac Three in einen Musikstil längst vergangener Jahre ab und formen daraus eine spannungsreiche, starke Scheibe, die sie unvermindert als high-energy Trio auf einer anderen Ebene ihres musikalischen Werdegangs profiliert.

Für The Cadillac Three, die sich auch im sozialgesellschaftlichen Bereich aktiv engagieren, ist dieses Album eine Ablenkung vom Corona-Dilemma und für die Fans des ursprünglichen grungy Southern-Country-Rock eine ganz neue Seite ihrer US-Lieblinge: insgesamt ein schönes Beispiel nostalgischer Unbeschwertheit.

Big Machine Records (2020)
Stil: Funk, Soul, Rock

01. Tabasco & Sweet Tea
02. Stop That Girl
03. Head Over Wheels
04. Sweet Southern Spirit
05. Road Soda
06. Bridges
07. Devil’s Lettuce
08. Crispy
09. Money Ain’t Shit
10. Turn The Radio On
11. Sabbath On Cornbread

The Cadillac Three
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Oktober Promotion
Universal Music

Super Vintage – Shining Light – CD-Review

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Review: Michael Segets

Vor zwei Jahren legte Super Vintage mit „Destiny“ eine ordentliche Hard-Rock-Scheibe vor. Nun meldet sich die griechische Band mit „Shining Light“ zurück. Das neue Album macht einen gewaltigen Schritt vorwärts in Richtung Southern Rock.

Während der Einstieg in die CD mit den Gitarrenläufe bei „Down The Road“ oder der Gesangstil bei „Birds On A Wire“ noch deutlich zeigt, aus welcher musikalischen Ecke die Griechen kommen, nimmt das Werk anschließend eine Wendung zum Southern. Vor allem die Intros sind schön staubig und versetzen atmosphärisch in den amerikanischen Süden. Erstklassig ist dahingehend „Southern Son“, das zudem einen eingängigen Refrain bietet.

Die mehrstimmigen Gesangspassagen bei „Take A Ride“ und dem langsameren „Too Long“ zeugen ebenfalls von der neuen Ausrichtung von Super Vintage. Letztgenannter Song wird ebenso wie der starke Titeltrack „Shining Light“ von einer akustischen Gitarre getragen. Eine Art Desert Blues Rock spielt Super Vintage bei „Keep It Up“ und bei „Bourbon Man“. Dabei liegt die Betonung beim ersten Song auf Rock und beim zweiten auf Blues. Dazwischen streut das Quartett nochmal eine Nummer der härteren Gangart ein („Lone Star Rider“).

Zum Ende des Longplayers gibt es schließlich Southern Rock, der den amerikanischen Vorgängern dieses Genres ebenbürtig ist. Mit „Sweet Rockin‘ Mama“ frönt Super Vintage einer kräftigeren Spielart und mit der abschließenden Ballade „Brothers“ findet sich ein ruhigerer Beitrag auf der Scheibe.

Ihre Stärken, zu denen vor allem die atmosphärischen Intros zählen, baut Super Vintage weiter aus. Mit wenigen Ausnahmen enden die Stücke durch ein allmähliches Fade Out, was nicht so elegant wirkt. In den Details bestehen daher noch Optimierungsmöglichkeiten.

Bandleader Stavros Papadopoulos hat zurzeit eine äußerst produktive Phase. Neben seinem diesjährigen Solodebüt „Spirits On The Rise“ lotet er mit seiner Band Super Vintage neue musikalischen Regionen aus. Die Affinität zum Hard Rock scheint zwar auch auf „Shining Light“ durch, aber der erdigere Sound stellt einen Fortschritt gegenüber dem vorangegangenem Werk dar. Die Truppe gewinnt durch die Hinwendung zum Roots Rock an Profil.

„Shining Light“ ist eine der positiven Überraschungen 2020. Bei der Qualität des Songwritings hat Stavros Papadopoulos nochmal eine Schippe draufgelegt und so erscheint das Album deutlich abwechslungsreicher als der Vorgänger. Auf dem europäischen Festland widmen sich wenige Bands dem Southern. Wenn Super Vintage die aktuell eingeschlagene Richtung beibehält, kann sich das Quartett zu einem Referenzpunkt in Sachen Southern Rock auf dem alten Kontinent entwickeln.

Grooveyard Records (2020)
Stil: Hard Rock/Southern Rock

Tracks:
01. Down The Road
02. Birds On A Wire
03. Southern Son
04. Take A Ride
05. Shining Light
06. Too Long
07. Keep It Up
08. Lone Star Rider
09. Bourbon Man
10. Sweet Rockin‘ Mama
11. Brothers

Super Vintage
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Grooveyard Records

The Outlaws – Live At Rockpalast 1981 – CD+DVD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Vor fast 40 Jahren hatte die Rockpalast-Redaktion die schöne Idee, ihre beliebte Konzert-Reihe auch auf einer Freilichtbühne zu veranstalten. Für diesen Zweck schien das Amphitheater auf der Loreley besonders geeignet. Zum Open-Air im August 1981 waren neben Nine Below Zero, 38 Special und Headliner Thin Lizzy ebenfalls die US-Rocker The Outlaws aus Tampa, Florida, am Start. Die 1972 gegründete Formation befeuerte zu Beginn der 70er Jahre bereits den aufkommenden Südstaaten-Rock und hatte 1974 ihren viel beschriebenen Durchbruch als Vorband von Lynyrd Skynyrd. Seitdem gelten die Outlaws bis heute als Vertreter der ursprünglichen Southern-Rock-Community.

Die damalige Besetzung hatte mit Freddie Salem (guit./voc.), Hughie Thomasson (guit./voc.), Billy Jones (guit./voc.), David Dix (drums) und Rick Cua (bass) einen Abstecher von der US-Tour nach St. Goarshausen unternommen, um den deutschen Fans „southern boogie and rock ’n‘ roll“ nicht nur als kurze Zwischenansage aufzutischen.

Mit „Devil’s Road“, einem stürmischen Opener begann die laut Moderator Alan Bangs „first ever appearance in Germany“ als fulminante Gitarren-Inszenierung, von Anfang an, ein Power-Rock-Erlebnis. Das schwungvolle „Hurry Sundown“ folgt ebenso getrieben wie publikumswirksam, ein Einheizer der konsequenten Art.

Hörbar ist die verbesserte Soundqualität beim anschließenden „Holiday“ – ein rechtzeitiger Einstellungs-Check am Mischpult zugunsten der gesamten weiteren Konzertaufnahme? Jedenfalls geht der Auftritt wie unter Zeitdruck mit dem schnellen Boogie „Long Gone“ rasant weiter, um die drei Gitarren bis zum plötzlichen Schlussakkord ausgiebig zu strapazieren.

Vom legendären „Ghost Riders“-Album bringt die Band danach den eindringlichen Rock-Song „Angels Hide“, eine ebenso gewaltige und teils bluesige Nummer in einer ordentlichen 6-Minuten Fassung und damit eine weitere Eigenkomposition im klassischen Southern-Sound.

Das schnelle Instrumental „Waterhole“, Country-Rock und Guitar-Jam zugleich, kommt als nächster Track zwischendurch zum Warmlaufen der Gitarren viel zu kurz rüber und verbindet sich – ohne den verdienten Applaus abzuwarten – mit dem zeitlosen und temporeichen „There Goes Another Love Song“, einer der ersten großen Erfolge der Band.

Der wilde Gitarren-Marathon, der auch als „Florida Guitar Army“ treffend bezeichneten Outlaws, kommt nach dieser Einspielphase jedoch erst richtig auf Touren. Bei „Green Grass And High Tides“ zeigt die Band in der gut 18-minütigen Version nochmals die von ihr ausgehende Spielfreude: ein optimales Spektakel ein dreifacher Gitarrenangriff, ein Southern-Spirit-Pflichtsong für eine mehr als aufgedrehte Fan-Gemeinde.

Anhaltender Applaus der ausverkauften „Arena“ wird jedoch durch die Zugabe schon bald abgelöst. Als Last-Track wird dann „Ghost Riders In The Sky“, ein Cover des legendären Western-Songs und die erfolgreichste Single der Outlaws über die Bühne gejagt.

Die unbändige Darbietung der leidenschaftlich und energiegeladen aufspielenden Band führt bei vielen Southern-Rock-Fans zu ausgelassenen Reaktionen, sehr schade, dass der Gig – wahrscheinlich wegen des Folgeprogramms – nur eine Stunde durchgezogen wurde. Eine Live-Sendung gab es damals nicht.

Die im Doppelpack als DVD und CD (identischer Inhalt) veröffentlichte Aufnahme von „The Outlaws, Live At Rockpalast 1981“, gehört unweigerlich zu den Höhepunkten der WDR-Archivreihe. Ein Meilenstein aus der Klassikzeit des Southern-Rock und eine infernale Gitarrenshow ‚at its best‘. Für Freunde des amerikanischen Südstaaten-Rocks und der Country-Musik ein ultimativer Video- und Audio Genuss!

Mig/Indigo (2020)
Stil: Southern-Rock

Tracklist:
01. Devil’s Road
02. Hurry Sundown
03. Holiday
04. Long Gone
05. Angels Hide
06. Waterhole
07. There Goes Another Love Song
08. Green Grass And High Tides
09. Ghost Riders In The Sky

Outlaws
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Branford Hwy – Same – EP-Review

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Review: Michael Segets

In letzter Zeit drehten sich für SoS meist Silberlinge in meinem CD-Player, die einem ruhigeren Gesamtkonzept folgten. Obwohl einige sehr gute Alben darunter waren, wurde es Zeit für etwas Abwechslung. Nun tönt mit der Debüt-EP von Brandford Hwy mal wieder Rock aus meinen Lautsprechern. Das Trio gibt auf den sechs Tracks Gas, was zu der Abkürzung Hwy, die wahrscheinlich für Highway steht, durchaus passt.

Die Schulfreunde Dewayne Hart (Lead Vocals, Guitar) und James Menezez (Bass) stammen aus Branford, Florida. Beide begeistern sich für den Rock der 70er beziehungsweise 80er Jahre und das hört man der EP auch an. Hart und Menezez hatten sich seit ihrer Jugend nie aus den Augen verloren, verfolgten aber unterschiedliche Bandprojekte, die hierzulande weitgehend unbekannt sind.

Allerdings waren sie auch mit Größen wie Godsmack, Dokken, L.A. Guns und Molly Hatchet unterwegs. Nun fanden sich die beiden Musiker zusammen, um die lang geplante gemeinsame Band Branford Hwy zu verwirklichen. Als Schlagzeuger komplettiert der Kalifornier Marc Myers die Truppe.

Branford Hwy haben eine Affinität zum Hard Rock, was „Hometown USA“ sowie manche Gitarrensoli zeigen. Diese halten sich jedoch im Rahmen und die Songs bleiben durchweg melodiös. Die Songstrukturen sind nicht übermäßig komplex, aber die braucht es auch nicht, um Spaß zu machen.

Das Erstlingswerk steigt stark ein. „Boots On The Ground” rockt aggressiv los und besticht durch einen eingängigen Refrain. „While The World Spins Around” kombiniert Southern-Flair mit Hard Rock-Elementen, was ziemlich gut funktioniert.

Mit dem folgenden „Fade Away“ gelingt Branford Hwy ebenfalls eine runde Rocknummer. In der zweiten Hälfte der EP fällt „Just In Time“ im Vergleich zu den anderen Stücken etwas ab. Das hymnenhafte „Legends“ lässt zum Abschluss der Scheibe den Classic Rock der 80er Jahre in seiner Reinform aufleben. Der Titel wird Nostalgiker besonders ansprechen.

Branford Hwy gibt einen Vorgeschmack auf den für Mitte des kommenden Jahres angekündigten Longplayer. Die selbstbetitelte EP bietet schmissigen Rock, der sich bei unterschiedlichen Stilrichtungen bedient. Da sich derzeit wenige Bands der Mischung aus Hard Rock und Southern Rock widmen, darf man gespannt sein, wie das Trio diese Lücke zukünftig ausfüllt.

Sandhill Studio Productions LLC (2020)
Stil: Rock

Tracks:
01. Boots On The Ground
02. While The World Spins Around
03. Fade Away
04. Hometown USA
05. Just In Time
06. Legends

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Two Side Moon Promotion

The Allman Betts Band – Bless Your Heart – CD-Review

Allb_300

In den Staaten ist die Almman Betts Band schon eine große Nummer, dort füllt sie bereits große Hallen und Stadien. Bei uns in Deutschland konnten die Sprösslinge von Gregg Allman und Dickey Betts, Devon Allman und Duane Betts und ihre Bandkumpanen Barry Duane Oakley, John Ginty, Johnnv Stachela, R. Scott Bryan und John Lum, aus dem bestehenden Promi-Bonus, trotz hervorragender Leistungen, noch keinen richtigen Nutzen ziehen.

An unserer Unterstützung hat es jedenfalls nicht gemangelt, ich glaube mit Fug und Recht behaupten zu können, dass kein anderes Magazin so intensiv über sie berichtet hat wie wir. CD-Reviews (natürlich auch zu ihrem starken Debüt „Down To The River„), Konzertberichte aus Köln und Dortmund 2018 (noch als Devon Allman Project, aber nahezu in gleicher Besetzung wie aktuell) und Köln 2019 (sehr ernüchternd: statt der gebuchten Kantine, war gerade mal der kleine anliegende Yard Club einigermaßen gefüllt) stehen da zu Buche, jetzt die Kritik zu ihrem neuen Werk „Bless Your Heart“.

Für die Einspielung der größtenteils von Devon, Duane und Stoll Vaughan (auch bei „Down To The River“ schon erheblich involviert) in Tourbussen und Hotelzimmern entstandenen neuen Tracks ging es in die Muscle Shoals Sound Studios in Alabama (zusätzliche Aufnahmen gab es noch in Memphis und St. Louis), produziert hat Grammy-Preisträger Matt Ross-Spang.

Während der Erstling noch mit nur neun Stücken ein wenig geizte, bekommt man jetzt auf „Bless Your Heart“ mit 13 Tracks und satten 72 Minuten Spielzeit, eine geballte Ladung feinsten Southern Rocks, selbst redend in der Tradition der berühmten Väter, allerdings aber auch mit viel eigenem neuen Elan und Espirit.

Den Leadgesang teilen sich wieder Devon und Duane überwiegend brüderlich (mit leichtem Vorsprung für Devon), zum ersten Mal darf allerdings auch der dritte Allman Brothers-Sohnemann Barry Duane Oakley ans Frontmikro bei „The Doctor’s Daughter“, einem progressiven Song voller Pink Floyd-, Beatles- und Eagles-Reminiszenzen. Gut finde ich, dass nicht ständig gewechselt wird, sondern meist in Zweier-Blöcken vom gleichen Fronter gesungen wird.

Devon eröffnet mit dem famosen, ebenfalls etwas progressiv und sehr atmosphärisch angehauchten „Pale Horse Rider“ und legt einen ganz tollen „Carolina Song“ nach (Stimmungswechsel, surrendes Slide, klasse Backgroundvocals von Ex-Skynyrd-Sternchen Susan Marshall, Shannon McNally und Reba Russell).

Duane Betts steigt mit dem launigen „King Crawler“ ein. Der mit Saxofoneinlagen von Art Edmaiston durchzogene Feger erinnert an einen Bruce Springsteen auf einem Southern-Trip. Klasse! Das folgende „Ashes Of My Lovers“ mit quäkender Harp von Jimmy Hall könnte man wohl in jedem Soundtrack eines Neo-Westerns unterbringen.

Ein Freudenfest für die Fans von ABB-Jam-Instrumentalstücken wie „High Falls“, „Jessica“, „Pegasus“, etc. bietet das 12-minütige „Savannah’s Dream“ mit allen Zutaten wie einer markanten E-Hookline, Slide, Twins, Piano, Orgel, pumpender Bass und furioses E-Solo zum kräftigen Drum-/Percussion-Teppich, und am Ende wieder der Rückkehr zur E-Hookline. Auch die Sohnemänner können es. Ein echtes Träumchen, großartig!

Devon übernimmt wieder bein stonesken Schunkler „Airboats & Cocaine“ (schöner Text von einem Mädchen, dass in die falsche Familie geboren wurde und ihrem in der Schmugglerszene tätigen Mann) und beim überragenden, Gänsehaut-erzeugenden „Southern Rain“ (saustarker Ginty an der Orgel, Falsetto-Gesang im Refrain).

Duane ist dann wieder bei „River Runs“, einer schönen Countrynummer mit ABB-Touch zur Stelle. „Magnolia Road„, das ein bisschen an eine Southern-Ausgabe von „Country Roads“ erinnert, wird dann gesangstechnisch brüderlich geteilt.

Devon steht danach wieder „Should We Ever Part“, einem Slide- und Orgel-durchzogenen Southern Blues in der Tradition seines Vaters Gregg, vor. Beim herrlichen „Much Obliged“ imitiert er dann sogar Johnny Cash in sehr gelungener augenzwinkernder Manier. Auch der Rausschmeißer ist ihm vorbehalten. „Congratulations“ heißt es dann zu Gintys Grand-Pianospiel und Orgelhall. Ein schöner, dezent pathetischer Ausklang.

Die Allman Betts Band präsentiert sich auf „Bless Your Heart“ als musikalische Einheit und in kreativer Höchstform. Das Album bietet von Stoff im Geiste der Vorfahren, über Southern Rock und eigenen Noten, alles, was das Herz begehrt. Ich wüsste wirklich nicht, was ihre Väter, vor allem in der Endphase besser gemacht hätten. Eine Must-Have-Scheibe sowohl für alle Allman Brothers-Enthusiasten, als auch Southern Rocker der jüngeren Generation.

„Wir haben uns definitiv künstlerisch als auch selbst herausgefordert und das Spektrum auf allen Ebenen erweitert. Wir wollten etwas erreichen, das weiter und tiefer geht“, so Duane Betts. Und Allman fügt hinzu: „Ich hoffe, dass die Leute bei ‚Bless Your Heart‘ eine Band hören, die verliebt darin ist, eine Band zu sein.“ Das kommt in jedem Fall rüber, Mr. Allman! Congratulations an die gesamte Allman Betts Band.

BMG Rights Management (2020)
Stil: Southern Rock

01. Pale Horse Rider
02. Carolina Song
03. King Crawler
04. Ashes Of My Lovers
05. Savannah’s Dream
06. Airboats & Cocaine
07. Southern Rain
08. River Runs
09. Magnolia Road
10. Should We Ever Part
11. The Doctor’s Daughter
12. Much Obliged
13. Congratulations

The Allman Betts Band
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