Leaving Spirit – Things Change – CD-Review

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Soviel das Reviewen von Musik auch an Spaß bereitet, manchmal ist allerdings die Aufgabe, die richtigen Worte zu finden, der reinste Balanceakt. Da stürzt sich eine junge deutsche Band mit viel Engagement und Kreativität ins Southern Rock-Geschehen, gibt sogar eine Pressemeldung zu ihrer mit viel Liebe zum Detail gestalteten und eingespielten, ersten CD heraus und doch ist das Ergebnis, zumindest aus meiner persönlichen Sicht, am Ende, aufgrund nur einer einzigen Tatsache, eher ernüchternd.

Deutsche Bands aus dem Dunstkreis Country-, Roots-/Southern Rock haben es zugegebener Maßen bei mir generell schwer. Da lege ich oft letzten Endes den amerikanischen Maßstab an, und dem wird in den seltensten Fällen Genüge getragen. Man hört halt meistens an den im Schulenglischen verfassten Texten, als auch an der Stimme, woher der Wind weht. Unter den rar gesäten positiven Ausnahmen fallen mir spontan Leute wie Stefan Kossmann (Flatman), Tom Ripphahn (Hands On The Wheel), Markus Rill oder, mit noch ganz viel Toleranz, Gerd Rube ein. Dann ist aber auch schon fast das Ende der Fahnenstange erreicht. Selbst bei ehemals mit ganz dezentem Ruhm im Genre aufwartenden Gruppen aus unseren Landen wie Lizard, Street Survivors & Co., gab es letztendlich gleiches anzumerken.

Der vorliegende Fall, die Würzburger Band Leaving Spirit, hat, und das ist das Tragische daran, abgesehen von ein paar marginalen Dingen, eigentlich vieles richtig gemacht. Sehr lobenswert wie bereits erwähnt, die professionelle Herangehensweise, das fängt beim Cover-Artwork mit Booklet, inklusiv aller Texte und Kurzbiografie an und hört beim, mit Rising End-Gitarristen Nico Gwozdz zusammen, transparent produzierten Sound, auf.

Gut, wer sich nun mal in die Höhle des Löwen wagt (ihr Bandchef hatte mich gefragt, ob ich für ein Review parat stehen würde), muss sich dann halt auch der Kritik stellen. Kommen wir zu den verschmerzbaren Dingen. Dass die Texte  keinen lyrischen Hochgenuss darstellen, und manchmal in einen holprigen Gesang münden, ist geschenkt.

Bei den E-Gitarren hätte ich mir angesichts der Beteiligung von gleich drei Leuten etwas mehr Variation gewünscht, oft ist eine recht monoton surrende Spielart im Vordergrund. Bei den ausschließlichen Eigenkreationen wurde zwar das Auge auf so manches Bekannte geworfen, aber auch, bis auf das in Kid Rock-Manier gebrachte „Sweet Home Alabama“-Plagiat „Keep Rockin‘ Alive“, viel Liebe zum musikalischen Detail und kreativer Anspruch, an den Tag gelegt. Hier ist alles absolut im grünen Bereich.

Der letztendlich entscheidende Knackpunkt ist aber eine junge Dame namens Paula Frecot, die, wie ich es aus dem Booklet entnehme,  für das Ergebnis am Mikro zuständig war. Bei aller Liebe, sie hat in einer solchen Sparte nun wirklich nichts verloren, maximal das Punk- oder Indie-Genre erscheinen mir für ihre Art des Singens erschaffen worden zu sein.

Was nutzt einem eine CD mit durchaus 13 passablen Tracks, wenn einem der Gesang bereits von der ersten Strophe an, so richtig auf den Keks geht. Wie wohltuend, als bei „Old Lady“ mal kurz für zwei Strophen männlicher Gesang ertönt (eigentlich ganz ok, ich mutmaße mal, dass sich hier Florian Eppel, der auch die meisten Stücke komponiert hat, das Mikro geschnappt hat), um aber nach diesem kurzem Intermezzo, schon wieder niedergekeift zu werden.

Somit im Prinzip schade, „Things Change“ von Leaving Spirit hätte mit einem guten Fronter ein richtig starker Einstieg ins Genre werden können. Apropos Änderungen: Wie bereits bemerkt, hat sich das Sextett mittlerweile auf drei Positionen verändert und ist schon dabei, eines zweites Werk zu kreieren und einzuspielen.

Eigenproduktion (2019)
Stil: Southern Rock & More

01. Stranger on the Road
02. Mississippi Bridge
03. Free In My Mind
04. Reflections
05. Both Of Us
06. The Girl On The Train
07. Always The Same
08. Fake
09. Old Lady
10. Read Leaves
11. Moonshine
12. Dead Lie
13. Keep Rockin‘ Alive

Leaving Spirit
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The Allman Betts Band – Support: OTIS – 23.07.2019, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Die Freude und zugleich Erwartungshaltung, war bei mir nach dem tollen Album „Down To The River“ im Hinblick auf das Konzert der Allman Betts Band in Köln, immens hoch gewesen.

Nicht nur der ungünstige Termin in den Ferien (dann jetzt auch noch die dazukommende Hitze) hatten bei mir schon im Vorfeld allerdings schon die Vermutung ausgelöst, dass trotz des Major-Vertrages, den die Burschen mittlerweile inne haben, das Buchen der Kantine, was die zu erwartenden Zuschauerzahlen betrifft, etwas ambitioniert gewesen ist.

Und so kam es dann auch, der Gig wurde, wie im letzten Jahr, auch wieder in den, in der Kantine verankerten Yard Club verlegt. Der war allerdings dann am Ende etwas besser gefüllt als 2018. Leider hatten sich dann doch viele Unentschlossene wohl für einen Gang in einen Biergarten oder den heimischen Balkon entschieden.

Diejenigen, die sich der zu erwartenden Hitzeschlacht stellten, sollten Ihre Entscheidung, gute Livemusik zu unterstützen, allerdings mehr als belohnt bekommen. Zunächst durften aber vier junge Amerikaner aus Kentucky mit Bandname OTIS zeigen, was sie drauf haben.

Im Vordergrund stand dabei ihr letztes Album „Eyes Of The Sun“, aus dem sie dann Tracks wie „Shake You“, „Washed My Hands“, „Home“, „Change“ oder „Blind Hawg“ präsentierten. Für den Nichtkenner wie mich, war ihr dezent Southern-umwobener Hard Rock (manchmal leicht an Molly Hatchet erinnernd), engagiert gespielt, mit dem Wiedererkennungswert, beziehungsweise Eingängigkeit der Lieder, haperte es jedoch ein wenig. Leider war auch der zweite Gitarrist Steve Jewell vorne soundmäßig recht schlecht auszumachen, sodass man von einem durchwachsenden Ergebnis sprechen kann.

Bedingt durch die Keyboards-, Drums-,- und Percussionaufbauten, sowie vier, sich an der Front befindliche Gitarristen, war die Bühne des Yard Clubs bei der Allman Betts Band natürlich bestens ausgelastet. Schon zu Beginn floss der Schweiß bei den Protagonisten und der Audienz in Strömen.

Standesgemäß stieg das, mit zwei Neubesetzungen im Line-up (Berry Oakley jr. und John Ginty) namentlich neu in Szene gesetzte Septett mit dem rockigen „All Night“ (Gesang Devon mit türkis-weiß farbender Flying V-E-Gitarre) in den Gig ein, dem, wie auf der CD, das von Duane Betts besungene „Shinin‘ folgte, der dann gleich seines Vaters‘ Evergreen „Blue Sky“ nachlegte, bei dem besonders, der wieder bestens aufgelegte Johnny Stachela (superb sein Slide-Spiel) in der langen Solo-Passage glänzte.

Devon huldigte die Leistungen seines Vaters Gregg dafür mit „Ain’t Wastin‘ Time No More“ auf dem Fuße. Eine „Autumn Breeze“ hätte man sich schon zu diesem frühen Zeitpunkt im Sauna-Yard Club sehnlichst herbeigewünscht, der herrlich jammige Song kam aber eher einem Aufguss gleich.

Der dritte ‚Allman Band-Sprössling‘, Berry Oakley jr., sehr sympathisch und relaxt im Spiel wirkend, hatte dann beim bluesigen John Lee Hooker-Cover „Dimples“ seinen Fronteinsatz. Spätestens ab dem fantastisch performten „Purple Rain“ hatte Devon Allman dann seine endgültige Betriebstemperatur erreicht, die allerdings zum Ende in die eines brodelnden Vulkans mündete. Aber dazu später.

Herrlich natürlich der ABB-Klassiker „Jessica“ (ohne Devon), bei dem sowohl Betts und Stachela mit ihren filigranen Gitarrenkünsten aufwarteten, aber auch der viel beschäftigte Ginty (u. a. auch Dixie Chicks, Santana) in der Piano-Passage und John Lum, als auch R. Scott Bryan eine fulminante Rhythmusdynamik entfachten.

In seiner Pause schien schien der Allman-Sohnemann von einer Tarantel Besuch bekommen zu haben. Nachdem er den Schluss von „Jessica“ noch relativ entspannt am Bühnenrand verfolgt hatte, war er in der emotionalen Schlussphase mit Stücken wie „Good Ol‘ Days“ (vom neuen Album), dem Petty Song „You Got Lucky” sowie dem furiosen Instrumental aus seinen Honeytribe-Zeiten „Mahalo“ (hier mit brillanter E-Gitarrenarbeit), nicht mehr zu bremsen. Er ging quasi in allen Belangen, ab wie ein Zäpfchen.

Als dann der herrliche Titeltrack des aktuellen Werkes „Down To The River“ wunderbar vom Publikum im Refrain mitgesungen wurde, schien er sich aber wieder halbwegs beruhigt zu haben.

Als es dann allerdings bei den Zugaben „Southern Accents“ und dem für ihn hochemotionalen „Long Gone“ (in dem die verstorbenen Southern Rock-Helden gewürdigt werden) fortwährende Probleme mit der Halterung seines Mikroständers gab und die Roadies verzweifelt daran rumfuchtelten, on top noch eine Saite seiner Akustikgitarre riss, rastete der charsimatische Fronter förmlich aus (ok, ein bisschen Show war vermutlich auch dabei) und schmiss den Ständer fuchsteufelswild zu Boden. Die Roadies taten mir in Erwartung der fälligen Predigt etwas leid.

Am Ende war aber angesichts des tosenden Applaus (übrigens auch viele Standing Ovations während der Show) des Publikums und der grandiosen musikalischen Leistung, alles wieder in Butter und das ABB-Kollektiv verabschiedete sich vom begeisterten Yard Club-Publikum mit mehrfachen Verbeugungen.

Fazit: Das Konzert, stellte gegenüber denen des Vorjahres in Dortmund und an gleicher Stelle, die ja nun wahrlich schon richtig gut waren, dank der tollen Stücke des neuen Albums, der elektrisierenden Atmosphäre, nicht zuletzt durch die leidenschaftliche Performance von Devon Allman, nochmals eine Steigerung dar, die eigentlich ein volle Kantine verdient gehabt hätte. Aber bis soweit ist, wird, so mutmaße ich mal, doch noch einiges an Wasser den Rhein runter laufen.

Recht hat Devon, mit der Bitte, jeweils 10 Bekannten eines jeden Anwesenden, auszurichten  dass sie etwas verpasst hätten  (in freier Übersetzung, in Wirklichkeit sagte er allerdings so was wie „tell them that they are fucked up“…). Und in der Tat, wer nicht da war, hat im wahrsten Sinne des Wortes einen der heißesten Gigs des Jahres sausen lassen.

Line-up: OTIS
Boone Froggett (lead vocals, electric guitar, slide guitar)
Steve Jewell (electric guitar, slide guitar, vocals)
John Seeley (bass, vocals)
Andrew Gilpin (drums)

Line-up: The Allman Betts Band
Devon Allman (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, vocals)
Duane Betts (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, vocals)
Johnny Stachela (electric guitar, slide guitar)
Berry Oakley jr. (bass, lead vocals, vocals)
John Lum (drums)
John Ginty (keys, vocals)
R. Scott Bryan (percussion, vocals)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

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Yard Club Köln

Robert Jon & The Wreck – Take Me Higher – CD-Review

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Ich bin gerade mal die Artikelliste von Robert Jon & The Wreck bei uns durchgegangen. Mannomann, die kalifornischen Burschen sind wirklich Sounds Of South’s Lieblinge. Allerdings zurecht!

Wie sich die Band , seitdem ich sie das erste Mal in der Krefelder Kulturrampe vor mittlerweile einigen Jahren live gesehen hatte, personell und natürlich musikalisch weiterentwickelt hat, ist schon atemberaubend.

Obwohl ich besonders den Verlust von Kristopher Butcher zunächst als erhebliche Schwächung vermutet hatte, wurde ich eines Besseren belehrt. Ihr charismatischer Bandleader Bon Burrison bewies beim Schließen der Lücke einen hervorragenden ‚Riecher‘, das Quintett weiterzuentwickeln und musikalisch auf das nächste Level zu hieven.

Mit den beiden ’neuen‘ Akteuren, dem in Allen Collins-Manier wuselnden Henry James und dem viel agileren Bassisten Warren Murrel, klappt es auch menschlich innerhalb der Band viel besser, wie mir Jon mal nach einem Gig letztes Jahr verriet.

Das neue Album war nach den überragenden Konzerten mit den beiden Neulingen, zugleich in dieser Konstellation auch ihre erste Bewährungsprobe im Studio. Das Quintett um die Grundsachse Burrison, Steve Maggiora und Andrew Espantsman scheint sich hier im guten alten LP-Modus pudelwohl zu fühlen. Erneut werden wieder acht Tracks serviert.

Herrlich direkt der Einstieg beim Opener und Titelstück zugleich, „Take Me Higher“, mit den sofort loskrachenden E-Gitarren. Wenn ich mich recht entsinne, sind bis auf den finalen, schön stampfenden, in der Hook ein wenig mit Blackberry Smoke-Esprit rüberkommenden Track, „Red, White, And Blood“, alle Stücke in Krefeld, live gespielt worden. Hier klingt natürlich alles etwas perfekter und bedachter, die Live-Energie denkt man sich nach dem Erlebten automatisch dazu.

Die instrumentellen Hauptakzente setzen auf dem Album eindeutig Henry James und Steve Maggiora, am besten zu hören auf dem nach Bettsscher Struktur komponierten Instrumental „Cannonball“, das die gelebte Nähe der Jungs zur Allman Brothers Band, ein mal mehr offen legt.

Leider haben es die Kalifornier nicht so leicht, mal so eben einen Major-Vertrag unter die Nase gerieben zu bekommen, wie die Sprösslinge der beiden berühmten ABB-Leader, die sich ja jetzt bekanntlich als The Allman Betts Band zusammengetan haben. Man fragt sich, warum eigentlich?

So werden Burrison & Co. wohl weiter fleißig an ihrem potentiellen Ruhm arbeiten und sich die Finger wund spielen müssen, bis vielleicht mal bei einem wichtigen Entscheider die Groschen fallen.

Wie sagte einst Felix Magath so schön, „Qualität kommt von Quälen“, da haben sich die fünf Sunshine-Staatler nun wirklich nichts vorzuwerfen. Also liebe Major-Scouts, schaut euch die Band bei ihrer kontinuierlichen Entwicklung genau an.

Robert Jon & The Wreck sind in der Spitze des Southern Rocks längst angekommen. Was bisher ausgeblieben ist, ist nur noch die verdiente Belohnung. Da kann es dann in logischer Konsequenz eigentlich nur noch heißen: Take Them Higher!

Eigenproduktion (2019)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Take Me Higher
02. Going Down
03. Makes Me Wanna Yell
04. Goodbye Baby
05. Something To Remember Me By
06. Coming Home
07. Cannonball
08. Red, White, And Blood

Robert Jon And The Wreck
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Caleb Johnson & The Ramblin‘ Saints – Born From Southern Ground – CD-Review

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Schön ist es immer, wenn das Geben und Nehmen im Leben, in einem gesunden Verhältnis stehen. Daran sollte sich vor allem die kleine superreiche, immer mehr Geld scheffelnde, nimmer satte Bagage in unserem Land, mal ein Beispiel nehmen. Und unsere verehrte SPD schaut freudig, mit sich selbst beschäftigt, seit zig Jahren zu, und wundert sich, warum ihr die Arbeitnehmer in Scharen das Kreuzchen auf dem Wahlzettel verweigern.

In diesem Fall hat sich ein Gewinner bei einer unserer Verlosungen, Markus Heselmeier, bei mir gemeldet und mir als kleines Dankeschön nachträglich, die neue, kürzlich erschienene CD von Caleb Johnson & The Ramblin‘ Saints, „Born From Southern Ground“, ‚warm ans Herz gelegt‘. Eine nette Geste, wie ich finde.

Und Junge-Junge, er hat wirklich recht. Was der Gewinner der 13. American Idol-Staffel hier samt involvierter Musiker und Backgroundsängerinnen (u. a. Audley Freed, Kenny Greenberg, Fred Eltringham, Mike Webb, Tony Lucido, Josh Sawyer, Brennan Dugan, Angela Primm, Gale Mayes, Devonne Michelle) unter der Co-Produktionsregie von Nashville-Musiker Bryan Sutton in Zac Browns Southern Ground Studio, ablieferte, ist atemberaubend.

Was für eine grandiose Gesangsmeisterleistung von dem aus Asheville, North Carolina, abstammenden Protagonisten (phasenweise wie ein Mike Zito oder Warren Haynes auf Speed) und auch der drei immer beteiligten Backgroundmädels, die eine Atmosphäre erzeugen, als wenn ein ganzer Kirchenchor zugegen wäre.

Allein der furiose, episch anmutende Opener „Holding On„, mit der Who-Orgel direkt zu Beginn, den treibenden Drums und E-Gitarren, dürfte selbst Hard Rock-Fans, den Mund wässrig machen. Und dann immer wieder der sich ‚reinstürzende‘, bis in die Spitzen motivierte Gesang, samt der choralen weiblichen Begleitung, herrlich.

Keineswegs solide, aber Gold wert, ist das swampige „Solid Gold“, wieder mit nahezu euphorischen Gesängen und einem tollen Slide-Solo. Wozu eine ‚liebestechnische Unterzuckerung‘ bei Johnson hinführen könnte, beweist das unter heftigen Drums sowie funkigen Gitarren und Keys groovende „Sugar„. Johnson rastet am Mikro förmlich aus. Klasse hier auch die Tempowechsel.

Kommen wir zum Part der Lieder, die gut auch auf das erste Album der Black Crowes gepasst hätten (Calebs Gesang selbstredend ähnlich dem von Chris Robinson). Da wäre zunächst das cool shuffelnde „Born And Raised“ mit dem euphorischen Refrain und die beiden famosen Versionen von „Hanging With The Band“, einmal in ‚Vollmontur‘ und am Ende in einer ‚Stripped Down‘-Geschichte mit Akustikgitarren, viel Slide und Piano (stark wie am Ende die Slidegitarre immer wieder auf den Gesang ‚antwortet‘).

In meiner Jugend hätte die soulige Ballade „Blind“ das Zeug zum Klammerblues auf den einschlägigen Feten gehabt. Nicht zu vergessen das fast metal-artig, vehement stampfende „Ride With The Devil“, das in seinem psychedelischen Finale mit krachenden Speeddrums und sirenenartigen E-Gitarren, kriegerischer Endzeitstimmung gleicht.

Gut, dass Caleb und die Mädels zu Pianoklängen mit der Refrainzeile von „It’s Not The End“, die Gemüter beim anschließenden Lied wieder zu beruhigen versuchen. Ein schöner gospeliger, pathos-getränkter Melodic Rocker mit southern typischer E-Gitarren-Twin-Einlage und Orgelhall zum Schluss.

Caleb Johnson & The Ramblin‘ Saints sollte von jedem, der in der Southern, Melodic- oder Hard Rock-Sparte seine Vorlieben hat, mal ein Chance bekommen. Man erhält eine ultra-engagierte Gesangsleistung eines vokalen Vulkans in tollem Songmaterial, eingespielt von erhabenen Musikern der Nashville-Szene. Das ist bei Gott kein Geschwafel! Zulegen und Staunen! Nochmals herzlichen Dank an Markus Heselmeier für diesen hervorragenden Geheimtipp!

Big Johnson Records (2019)
Stil: (Southern) Country Rock

01. Holding On
02. Solid Gold
03. Sugar
04. Born And Raised
05. Better Off Alone
06. Blind
07. Hanging With The Band
08. Ride With The Devil
09. It’s Not The End
10. Hanging With The Band (Acoustic)

Caleb Johnson & The Ramblin‘ Saints
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The Allman Betts Band – Down To The River – CD-Review

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Was letztes Jahr noch unter der Firmierung Devon Allman Project mit Duane Betts als Gast lief, ist jetzt folgerichtig in eine gleichberechtigte Partnerschaft umgemünzt worden. Dass dazu der Bandname in The Allman Betts Band umgewandelt wurde, bot sich an, zumal auch die Initialen der berühmten Allman Brothers Band, die ja quasi den Nährboden des Ganzen abgibt, kompatibel bleiben.

Nach ihren tollen Konzerten in Dortmund und Köln, denen wir ja mit Begeisterung beiwohnten, wurde bereits gemutmaßt, dass sich was in Hinsicht der namentlichen Neuformierung tun würde und auch ein Album bereits in Planung sei. Et voilà, die Herren Allman- und Betts-Junior haben Wort gehalten und bringen jetzt ihr Debüt „Down To The River“, direkt unter BMG-Major-Fahne, unter die Leute.

944320Zwei interessante Personalien sind allerdings noch zu vermelden, mit Bassist Berry Duane Oakley ist ein weiterer Sprössling aus dem väterlichen Allman-Dunstkreis involviert und auch John Ginty, der in Sachen Tastenarbeit schon häufiger bei Reviews in unserem Magazin aufgetaucht ist, dürfte sich demnächst als Tour-Verstärkung erweisen (auf dem Album ist Chuck Leavell tätig). Der Vollständigkeit halber sind noch Johnny Stachela als dritter Gitarrist, sowie die beiden etatmäßigen Drummer/Perkussionisten R. Scott Bryan und Jon Lum zu erwähnen.

Was die Anzahl der Stücke betrifft, geben sich Allman und Betts ein wenig geizig, insgesamt nur neun Tracks, wobei mit dem, mir in letzter Zeit etwas überstrapaziert erscheinenden Petty-Song „Southern Accents“, auch noch ein eher unspektakulär verlaufendes Cover (Devon Gesang, Piano-Untermalung, dazu ein wenig dezentes Slide-Geschwurbel im Hintergrund) integriert ist.

Dafür machen die acht Eigenkompositionen umso mehr Spaß. Aufgenommen wurde das Album übrigens im November 2018 in den Muscle Shoals Sound Studios in Muscle Shoals, Alabama, produziert vom Grammy-Gewinner Matt Ross-Spang (Jason Isbell, Margo Price, John Prine und Elvis Presley).

Der Opener, zugleich erste Single „All Night„, rockt unter Devons Gesangsregie richtig gut los. Garniert natürlich mit dem typischen Allman Brothers Gitarren- und Orgel-Sound.

Auch „Shinin'“, jetzt mit Duane Betts am Mikro, groovt und swampt in der guten Tradition von Daddy Richard Betts. Hätte auch locker auf die damalige „Seven Turns“-Platte gepasst. Herrlich lässig schunkelt „Try“ (Orgel gurgelt und hallt, Twin-Gitarren, Harmoniegesänge) und melodisch vor sich hin, bis Devon mit dem Statement „I got something to say“, den Song abrupt beendet.

Ein klares Highlight und somit auch zurecht der Titeltrack ist „Down To The River“, das herrlich relaxt mit ein wenig bluesigem Peter Green-Esprit groovt. Ein Ohrenschmaus wieder die gurrende Orgel- und E-Gitarrenarbeit.

Die „Autumn Breeze“ wehte uns letztes Jahr schon bei den Konzerten im August um die Ohren, ein von Duane gesungenes Jam-Stück, nach (Dickey) Bettsschem Songwriting-Grundmuster, samt der typischen Les Paul-Spielereien und der unverkennbaren Doppeldrum-Dynamik. „Good Ol‘ Days“ ist wieder ein Slideträchtiger Ohrwurm (Stachelas Künste übrigens auf der ganzen CD sehr präsent) zum Reinlegen. Klasse dazu passend, Devons markante Stimme.

Duane führt nochmals den Countryrock-Schunkler „Melodies Are Memories“ an, der unterschwellig mit ein wenig Little Feat-Flair daherkommt. Nach besagtem Petty-Cover, beenden die zwei Protagonisten das Album brüderlich (beide mit Lead-Gesang-Parts). Das im Fahrwind von alten ABB-Klassikern wie „Melissa“ und „Sven Turns“ dahinwehende „Long Gone“ lässt den Hörer besinnlich die Augen schließen und in alten, lang vergangenen Southern Rock-Musikzeiten schwelgen.

Und wenn sich am Ende diese wieder öffnen, ist man froh, dass die Söhne ihren Vätern in Nichts nachstehen und scheinbar fest gewillt sind, das ihnen anvertraute Erbe, nachhaltig in die kommende Zeit weiter zu tragen. Somit erscheint wichtige Southern Rock-DNA vorerst gesichert. Wunderbar! Umso größer ist die Freude, dass man die Stücke von „Down To The River“ und sicher auch den einen oder anderen Allman Brothers-Klassiker in Kürze bei uns in Deutschland live erleben kann.

Diese Tage sollte sich der Southern Rock-Liebhaber demnach rot im Kalender ankreuzen:

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16.07. 2019 München – Backstage
22.07. 2019 Isernhagen – Blues Garage
23.07. 2019 Köln – Kantine
28.07. 2019 Breitenbach – Burg Herzberg Festival
29.07. 2019 Hamburg – Markthalle
30.07. 2019 Berlin – Lido
31.07. 2019 Nürnberg – Hirsch

BMG Rights Management (2019)
Stil: Southern Rock

01. All Night
02. Shinin‘
03. Try
04. Down To The River
05. Autumn Breeze
06. Good Ol‘ Days
07. Melodies Are Memories
08. Southern Accents
09. Long Gone

The Allman Betts Band
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Robert Jon & The Wreck, 26.06.2019, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Nach einem heißen Southern Rock-Wochenende im wahrsten Sinne des Wortes, vor einigen Tagen, wo zunächst Robert Jon & The Wreck und am Folgetag Hogjaw dem Krefelder Publikum in der Kulturrampe aufzeigten, wo zur Zeit der Hammer des Genres hängt, machten die Kalifornier noch einmal Stop im Kölner Yard Club.

Bei erneut hochsommerlichen Temperaturen hielten sich die überschaubaren Besucher, aber auch einige Bandmitglieder und Tourmanager Manny Montana zunächst im schönen Außenbereich der Kantine auf. Unter den Besuchern war auch Pille Peerlings, Chef der Kulturrampe in Krefeld, der sagte, dass er nach dem frenetisch gefeierten Konzert in Krefeld, von dem er arbeitsbedingt nur wenig mitbekam, einmal ohne jeden Stress der Musik der des Quintetts beiwohnen wollte. Es kann vorweggenommen werden, dass er nicht enttäuscht werden sollte.

Kurz nach 20 Uhr begaben sich die Fans dann in die Sauna des Yardclubs und die Jungs um Robert Jon sorgten mit „Going Down“ direkt für einen Aufguss. Trotz des geringen Zuschauerzuspruchs, ließen sich Burrison & Co. nicht beeindrucken und legten eine zweiteilige Show hin, in der ein Klassesong den nächsten jagte und die Besucher sogar zum Mittanzen anregte, was bei diesen Temperaturen schon eine Leistung war.

Im ersten Set folgten dann „Hey Hey Mama“,das phantastische „High Time“, in dem Robert Jon Burrison und Henry James ein regelrechtes Gitarrenfeuerwerk entfachten. Der Chef ließ dabei den wild-gelockten Henry immer wieder von der Leine, sodass dieser, wie entfesselt, ein Solo nach dem anderen hinlegte, was zum Teil beim Publikum für ungläubiges Staunen sorgte; war es real, was sich hier abspielte, oder war es nur ein Traum? Man kann sagen, es war träumerische Realität, die eindrucksvoll offerierte, dass hier eine Band auf dem Weg ist, die in die Jahre gekommenen Southern-Dinos abzulösen.

„Makes Me Wanna Yell“, „Take Me Higher“ und „Death Of Me“ standen, wie auch schon die anderen Tracks, für die Qualität ihres Songwritings. Warren Murrel legte nicht nur einen gekonnten Basshintergrund hin, sondern überzeugte auch mit kurzen Soli und eine starke Bühnenpräsenz. Der schmächtige Irrwisch an den Drums, Andrew Espantman bewies, dass er nicht nur Highspeed kann, wo man kaum noch den Drumsticks folgen kann, sondern dass er sich, wenn nötig auch entsprechend zurückhalten kann, um in eher ruhigeren Passagen nicht den Sound zu zertrümmern.

Last but not least Steve Maggiora, der einige Intros zum Teil in psychedelischer in Pink Floydscher Manier hinlegte, sorgte ansonsten für einen vollen kompakten Sound und brachte einige furiose Soli, die zusammen mit dem Gitarrenspiel stark in Richtung der Allman Brothers zu deren Glanzzeiten tendierten.

Mit den jammenden, hammerstarken „Cannonball“ und „Blame It On The Whiskey“ – Robert Jon hatte seinen auf der Bühne stehenden Whiskeybecher mittlerweile geleert – ging es dann in die wohl verdiente Pause für Band als auch die Zuschauer, die alles gegeben hatten und so Zeit hatten, ihre Flüssigkeitstanks, die durch Transpiration geleert waren, wieder aufzufüllen oder kurz mal vor der Kantine frische Luft zu schnappen.

Nach einer etwa 20 minütigen Pause kam zunächst Henry James alleine auf die Bühne und feuerte zunächst ein Solo zu „Witchcraft“ hin, in das sich dann der Rest der Band einklinkte, um jammend in „Something To Remember Me“ hinüberzugleiten. Bei den folgenden „Old Friend“, „Hit Me Like You Mean It“ und den ruhigen „Coming Home“, änderte sich an der Grundausrichtung der Stücke nicht.

Wechselweise Gitarren-Soli von Robert Jon und Henry, brachten die Zuschauer immer wieder zum frenetischen Applaudieren. Im zunächst letzten Song der Show, „Cold Night“, wurde auch rein visuell Extraklasse geboten, als James an der Gitarre und Maggiora an den Keyboards sich Auge in Auge gegenüber stehend duellierten, was damit endete, dass James seine Gitarre mit der Zunge bespielte aber auch Steve das Objekt der Begierde ableckte. Nach dem tosenden Applaus der Fans legten Robert Jon & The Wreck noch ein rockendes „On The Run“ oben drauf. Danach war nach knapp 120 Minuten fulminanten Southern Rocks endgültig, zumindest musikalisch, Feierabend.

Die Musiker ließen es sich allerdings nicht nehmen, mit den wohl gestimmten Fans, noch den einen oder anderen Plausch zu halten, um danach wohlverdient bei Macus Neu im ‚Band und Breakfast‘ den Abend ausklingen zu lassen und Kraft für die noch folgenden Shows zu tanken.

Ein Dank wieder an Marcus für die Akkreditierung, dass sein Mut, auch hierzulande noch nicht so populären Bands, eine Bühne zu geben, in der Hoffnung, dass beim nächsten Mal der Club voller wird, besser noch, die Kantine benötigt wird. Robert Jon & The Wreck hätten es verdient. Vielleicht wird ein Baustein dazu sein, dass die Band im August bei der Mittelmeer Blues Cruise an Bord sein wird und so auch im hiesigen Blätterwald die Aufmerksamkeit bekommt, die sie eigentlich verdient hätte.

Mir hat es wie immer Spaß gemacht, dieser offensichtlich von Show zu Show besser werdenden Band zuzuschauen und zuzuhören und auch vor und nach dem Konzert, den einen oder anderen Smalltalk mit dem gewachsenen Bekanntenkreis zu halten.

Line-up:
Robert Jon Burrison (lead vocals, electric guitar)
Henry James (electric guitar, vocals)
Warren Murrel (bass)
Andrew Espantman (drums, vocals)
Steve Maggiora (keys, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Robert Jon & The Wreck
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Teenage Head Music
Yard Club Köln

Hogjaw, 22.06.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Nachdem Robert Jon & The Wreck am Vorabend mit feiner Leistung, weitere Standards im heutigen New Southern Rock-Bereich gesetzt hatten, war es einen Tag später den Elefanten im Genre-Porzellan-Laden, Hogjaw, vorbehalten, die frisch renovierte Kulturrampe, in Scherben zu zerlegen.

Chef Markus ‚Pille‘ Peerlings hatte die vier Amis aus Phoenix, Arizona, um ihren wuchtigen Fronter Jonboat Jones, als Dampfwalze angekündigt und die kamen dann dieser im Verlauf des Gigs auch mit der gebührenden Vehemenz nach.

Direkt mit dem wüsten Opener „Rollin‘ Thunder“, gab es schon ordentlich Zunder. Gas und nochmals Gas, schien das Motto zu sein, das Jonboat Jones für die nächsten Tracks unter seiner Regie wie „Beast Of Burden (Roll On)“, „Where Have You Gone“ und „Brown Water“ ausgegeben zu haben schien. Drummer J. ‚Kwall‘ Kowalski wirbelte schon hier wie das ‚Animal‘ von der Muppets-Show auf seiner Anlage herum.

Bei „North Carolina Way“ übernahm Lead-Gitarrsit Jimmy Rose das Front-Mikro, eines meiner Highlights des Konzerts (leider nur einmalig – könnte gerne öfter singen). Das atmosphärische „I Will Remain“ bot das erste Mal, wenn man das bei Hogjaw überhaupt so formulieren kann, dezenten Spielraum zum Durchatmen.

„Hells Half Way Of Mine“ erinnerte, wie so manch anderes auch, an Molly Hatchet zu „Flirtin‘ With Disaster“-Glanz-Zeiten. Beim Ted Nugent-umwehten „Am I Wrong“ konnte sich nun auch Kwall leadgesangstechnisch einbringen (später nochmal bei „Road Of Fools“), er zog danach auch immer mehr die Ansagen vor den Stücken an sich. Das überragende „County Line“, mit einer schier nicht enden wollenden Jam-Schlacht (mit Twins und allem Southern-Drum und Dran), trieb allen Anwesenden die Schweißtropfen auf die Stirn, sodass selbst ich kurzzeitig, zwecks Biernachschub, meinen angestammten Platz verlassen musste.

Das Titellied vom letzten Studioalbum „Way Down Yonder“ (mit launiger Publikums-Mitschrei-Interaktion), das tolle „Redemption“, das fulminant abgehende „Never Surrender“, „Road Of Fools“ und der Stampfer „El Camino“ schmetterten in Richtung Schlussgerade.

Zum letzten Track des Hauptteils fiel mir spontan folgende fiktive Geschichte ein, die, frei übersetzt, in etwa so verlaufen hätte sein können: Elvis Hogjaw nach dem Konzert mit einem Fairtrade-Sakko-bekleideten Zottelhaar- und Bartträger am Stehtisch. Der hat ein Glas Bio-Leitungswasser in der Hand und sagt mit noch leicht gerötetem Kopf: „Herr Elvis, I bin der Toni Holzleitner von den Grünen.“

Jetzt schon hoch erregt: „Ich möchte Ihnen mitteilen, dass meine Partei in Deutschland, das Verherrlichen von Waffen, aufs Schärfste verurteilt!“ Dann völlig außer sich: „Hier hat die Bundesregierung inklusiv des Innenministers, auf ganzer Linie, grenzenlos versagt!“ Elvis Hogjaw (kopfschüttelnd einen saftigen Schluck aus der Bierpulle nehmend): „Toni, Gi tsum Teufel…!“

Der verlässt den Tisch echauffiert, kehrt zu seiner Begleiterin Kathrin Boring-Eckzahn zurück an die Theke und bestellt völlig konsterniert zwei ‚Berliner Weiße mit Schuss‘. Die (Nase rümpfend) in ihrer berühmt arrogant-herablassenden Art: „Mensch Anton, dich kann man wirklich nur vom Hof jagen!“

„Gitsum“, immer wieder schön zu hören, nicht nur am Ostermontag, sondern auch an diesem Abend, der Klassiker der Band (wer ihn noch nicht kennt und in der Lage ist, manches nicht ganz so bierernst zu nehmen, siehe nebenstehenden Link).

Als das Quartett mit „This Whiskey“ noch einen weiteren hymnischen Song mit langem Gitarrenfinish als Zugabe losließ, wusste man, das die Männer um Jonboat Jones alles gegeben hatten und sich den Gang in den Theken-/Merch-Bereich mit kühlen Drinks mehr als wohl verdient hatten. Die Rampe hatte, bildlich gesehen, dem ‚Up In Flames‘-Tour-Motto getreu, buchstäblich in Flammen gestanden.

Aus meiner Sicht der bisher mit Abstand stärkste Gig, den ich von Hogjaw gesehen hab. Ein weiterer unvergessener Southern Hard Rock-Abend in Krefelds Kultclub!

Line-up:
Jonboat Jones (lead vocals, electric guitar)
Jimmy Rose (electric guitar, vocals, lead vocals)
Elvis DD (bass)
J. ‚Kwall‘ Kowalski (drums, vocals, lead vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Hogjaw
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Robert Jon & The Wreck, 21.06.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

RJ_haupt

Gerade in den Tagen, wo Lynyrd Skynyrd, nochmal einen mustergültigen Versuch gestartet haben, den letzten verklärten Southern Rock-Fans in Deutschland mit ihrem unsäglichen Coverprogramm von sich selbst, noch einige Euronen aus der Tasche zu ziehen (Ronnie Van Zant wird sich angesichts des lieblosen Treibens wohl vermutlich ständig im Grabe rumdrehen…), tut es gut zu wissen, dass es auch noch diverse hungrige und kreative Acts im Genre gibt, bei denen monetäre Aspekte, zunächst mal, hinten angestellt werden.

Ein Glücksfall hierbei sind Robert Jon & The Wreck, deren wirklich famose Entwicklung ich von Anfang an mitverfolgt habe. Mit begonnen hat ihre Geschichte zweifellos an dem Ort, wohin sie jetzt zum wiederholten Male zurückgekehrt sind, unserer geliebten Kulturrampe. Auch nicht zu vergessen der lange Atem und der Glaube an die Kalifornier seitens Teenage Head Music, der sich mittlerweile immer mehr zu rentieren scheint.

Zunächst wurde aber zu Konzertbeginn, Rampenchef Markus ‚Pille‘ Peerlings in seiner frisch renovierten Location, mit einem Ständchen zum 50-jährigen Geburtstag, lauthals beglückwünscht. Nach seiner Ansage gab das Quintett um seinen charismatischen Leader Jon Burrison mit „Going Down“ vom neuen Werk „Take Me Higher“ sofort Vollgas.

Das schöne an den Jungs: Trotz kontinuierlicher Präsenz bei uns, schaffen es die Kalifornier bisher immer wieder, neue Akzente zu setzen. Letztes Mal war es die brillante Einführung der Neumitglieder Warren Murrel und des Leadgitarristen Harry James, jetzt halt wieder mit einer neuen Scheibe mit Eigenkreationen, die dann mit Tracks wie u. a. „Makes Me Wanna Yell“, „Take Me Higher“, „Something To Remember Me by“ und „Coming Home“ gebührend vorgestellt wurde. Und auch spielerisch scheint die Truppe erneut eine kleine Schippe oben drauf gelegt zu haben.

Whiskey-Liebhaber Robert Jon (superbe vokale Präsenz, tolle Gitarrenzuarbeit) und Keyboarder Steve Maggiora (mit gewohnt variablen Keys-Einsätzen) bilden das erfahrene Grundgerüst, die beiden ‚Hungerhaken‘ Henry James, diesmal mit etwas gestutzter Afro-Mähne, wieder in hippiesker Montur (mit unzähligen konventionellen als auch Slide-Soli) und Drummer Andrew Espantman (was für  ein Trommelwirbler) sorgen mit der treibenden Bedienung ihrer Instrumente, für den immensen Drive, der das Kollektiv letztendlich so auszeichnet, und der fleißig zupfende Bassist Warren Murrell tummelt sich vergnügt irgendwo mitten drin.

Die Stücke „Cannonball“ und „Whipping Post“ zum Ende des ersten, beziehungsweise Beginn des zweiten Sets, boten rein instrumentelle Finesse und Spielfreude pur im allmanesken Ambiente. Das herrliche „Old Friend“, das fantastische „Cold Night“ (der wie entfesselt spielende James nicht mehr zu bremsen) gegen Ende und die beiden Zugaben „Mary Anne“ sowie „On The Run“ hatten die Rampenbesucher längst zu frenetischen Begeisterungsstürmen hingerissen.

Ganz großes Southern Rock-Kino in der aufgehübschten Kulturrampe. Lynyrd Skynyrd war gestern, die Zukunft des Genres müsste, wenn es so etwas wie Gerechtigkeit gibt, eigentlich Robert Jon & The Wreck vorbehalten sein!

Line-up:
Robert Jon Burrison (lead vocals, electric guitar)
Henry James (electric guitar, vocals)
Warren Murrel (bass)
Andrew Espantman (drums, vocals)
Steve Maggiora (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Lynyrd Skynyrd – Support: Blackberry Smoke – 18.06.2019 – Max-Schmeling-Halle, Berlin – Konzertbilder

LS haupt

Die Urgesteine des Southern Rokcs machten im Rahmen ihrer in Deutschland drei Gigs umfassenden Last of the Street Survivors Farewell Tour Halt in Berlin. Support waren Blackberry Smoke. Anbei ein paar Impressionen.

Bilder: spreewilder

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Max-Schmeling-Halle Berlin

Robert Jon & The Wreck – Live From Hawaii – CD-Review

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Review: Michael Segets

Robert Jon And The Wreck gehören nach einhelliger Meinung der SoS-Redaktion zu den derzeitigen Top-Acts des Southern Rocks. Seit 2015 macht die Band auf ihren Europatouren regelmäßig Station in der Krefelder Kulturrampe sowie im Dortmunder Blue Notez. Zu jeder Tour hatte sie eine neue Veröffentlichung im Gepäck. Im letzten Oktober brachten Robert Jon And The Wreck ihre erste Live-CD „Live From Hawaii“ mit.

Die Kalifornier kommen am Wochenende erneut nach Krefeld und Dortmund, was für mich Anlass war, die Live-Aufnahme in letzter Zeit öfter aufzulegen. Dabei ist mir aufgefallen, dass eine Besprechung der Scheibe – eigentlich Chefsache – (Aufruhr gegen den Vorgesetzten, Herr Segets? – Anmerkung, der Red.) auf SoS bislang ausstand. Diese soll nun nachgeholt werden.

Die Aufnahme aus Hawaii fängt die Atmosphäre, die Robert Jon And The Weck live versprühen, sehr gut ein und bietet acht bereits von den Studioalben bekannte Stücke. Auf der Bühne nehmen sich die Bandmitglieder mehr Zeit, um sich an ihren Instrumenten auszutoben. Das ist für Bands aus dem Genre nicht ungewöhnlich und reißt die Fans im Publikum häufig zu Begeisterungsstürmen hin.

Robert Jon And The Wreck zelebrieren über siebzehn Minuten hinweg „Tightrope“. Bei dem reinen Instrumentalstück zeigen die Neuzugänge Henry James, der für Kristopher Butcher die Lead Gitarre übernimmt, und Bassist Warren Murrel, der Dave Pelosi ersetzt, dass sie sich perfekt in das Bandgefüge einpassen. Auch Band-Urgestein Andrew Espantman erhält hier Gelegenheit zu einem ausgiebigen Solo an seinem Schlagzeug.

Der Klassiker „Cold Night“ knackt die zwölf Minutenmarke. Ich bekenne mich dazu, dass ich kein Liebhaber ausgedehnter Instrumentalpassagen bin. Bei Konzerten sind sie meist noch im Toleranzbereich – wenn man den Musikern bei der Arbeit zusieht, hat man ja auch noch ein visuelles Erlebnis. Auf ein Live-Album der Band gehören die langen Stücke, die in gewohnt souveräner Art performt werden, aber selbstverständlich drauf.

Ansonsten trifft die Songauslese vollständig meinen Geschmack. Von ihrem stärksten Album „Glory Bound“ (2015) wählen Robert Jon And The Wreck die besten Songs: „Blame It On The Whiskey“, „The Devil Is Your Only Friend“ und „When I Die“. Vor allem das letztgenannte Stück unterscheidet sich deutlich von der Studioversion. Der Sound wird hier von Steve Maggioras Keyboards hervorragend getragen.

Von ihrem damals aktuellen, selbstbetitelten Studioalbum aus dem Jahr 2017 nimmt die Band lediglich das lockere „I Know It’s Wrong“ auf, trifft damit allerdings eine weitere gute Entscheidung. „Hey Hey Mama“ und „Rollin‘“ – bei dem Sänger Robert Jon Burrison seine Mitstreiter vorstellt – stammen von „Good Life Pie“ (2016) und gehören mittlerweile zu dem klassischen Live-Repertoire der Band. Einzig die Ballade „Mary Anne“, bei der sich die Band auf Konzerten von einer anderen Seite zeigt, kann bei der Auswahl vermisst werden.

Die Versionen auf „Live From Hawaii“ sind sehr nah an denen, die ich auf den letzten beiden Touren in der Kulturrampe gehört habe. Die CD ist nicht nur für die Besucher der Konzerte ein Erinnerungsstück, sondern bietet hervorragenden Southern Rock. Bei den erfrischenden, alternativen Interpretationen zu den Studioaufnahmen kommen Liebhaber ausgedehnter Instrumentalpassagen ebenso auf ihre Kosten wie die, die es etwas straighter mögen. Der Mitschnitt bietet zudem eine gelungene Einstimmung auf die kommenden Auftritte, für die Robert Jon And The Wreck bereits neues Material am Start haben.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Blame It On The Wiskey
02. Hey Hey Mama
03. The Devil Is Your Only Friend
04. Cold Night
05. When I Die
06. I Know It’s Wrong
07. Tightrope
08. Rollin’

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