Heigh Chief. – Midnight Oil – CD-Review

Dass Southern Rock sich auch in den nordischen Ländern großer Beliebtheit erfreut, ist kein offenes Geheimnis. Bands aus dieser Region, die es in Blickwinkel der größeren Öffentlichkeit geschafft haben, sind allerdings meines Wissens eher rar gesät.

Die einstigen Guitar Slingers mit Ben Granfelt, Hellsingland Underground, der neuliche Newcomer Kurt Mauser, das war es aber dann aber auch so in etwa. Klammheimlich hat sich seit 2015 scheinbar auch in Norwegen etwas getan.

Aus der Marcus Løvdal Band, die sich aus einer Bierlaune gegründet hatte und sofort bei einer Blues Competition Platz 1 erreichte, entstand dann Heigh Chief. Mittlerweile ist schon das vierte Werk der Band „Midnight Oil“ (das dritte unter der jetzigen Firmierung) in der Besetzung Bjørn Blix (vocals, guitar, slide guitar, mandolin), Marcus Løvdal (vocals, backing vocals, guitar, acoustic guitar, slide guitar), Lasse Nordby (bass, backing vocals), Jonatan Eikum (drums, percussion) und Christian Narum (keys) am Start, aufgenommen in Leif Johansens Osloer Stable Studios, der sich auch für die Produktion verantwortlich zeigt. Labeltechnisch übernommen haben diesmal unsere Freunde von Juke Joint 500, die das Album wieder gewohnt liebevoll in handnummerierter 500er Auflage als LP in gelbem Vinyl und als CD mit achtseitigem Booklet aufgelegt haben.

Das Ergebnis des Quintetts kann sich wirklich sehen lassen. Neun variable, überaus melodische, Southern Rock-typische Eigenkreationen (ok, hoffen wir mal, dass bei dem einen oder anderen Track wie zum Beispiel beim Beginn von „Kick It“ keine Plagiatsjäger unterwegs sind…) und ein gelungenes Van Morrison-Cover „Crazy Love“, mit integrierter schöner Lowell George-Note (mit einem Hauch von „Willin'“) sind dabei herausgekommen.

Die Band besticht durch einen nordisch coolen, leicht introvertierten, grummeligen E-/Slide-Gitarren-Sound, kombiniert mit sehr schön klar-kratzigen Akustikgitarren oder einer knispelnden Mandoline, getragen von polterndem Drumming, das aber in entsprechenden Situationen schön zurückgenommen wird und auch mal nur perkussiv ergänzt wird. Hervorragend Christian Narum an den Keys, der klassisches, wie auch das E-Piano und die Orgel, je nach Song, immer wieder bestens positioniert. Auch am von mir oft, in unseren Breitengraden, kritisierten Leadgesang gibt es nichts auszusetzen, passt sehr gut.

Junger frischer kreativer Musikelan, gepaart mit Einflüssen von Altstars wie den Allman Brothers, Little Feat, Jackson Browne oder der Tedeschi Trucks Band, sorgen für ein recht eigenwilliges, aber sehr empfehlenswertes Southern Rock-Erlebnis, das von vorne bis hinten Spaß bereitet. Bei Heigh Chiefs. „Midnight Oil“ heißt es, ohne Wenn und Aber, sich in jedem Fall ein Exemplar (je nach Gusto) oder am besten direkt beide Tonträgerversionen der limitierten Auflagen zu sichern. Das Werk hätte einen Ausverkauf absolut verdient.

Juke Joint 500 (2021)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Midnight Oil
02. Kick It
03. Half a Heart
04. Tailor Made
05. Spare A Dime
06. Caroline
07. Change Of Heart
08. You Got Something
09. Coming Home
10. Crazy Love

Heigh Chief.
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Juke Joint 500

Robert Jon & The Wreck, 02.09.2021, Open Air Bühne (Freideck), Kantine, Köln – Konzertbericht

Mensch, endlich! Ich muss schon zugeben, dass mich das bisherige Konzertgeschehen in diesem Jahr bis auf kleine Ausnahmen weitestgehend ‚kalt‘ gelassen hat. Klar, Corona-bedingt, gab es ja nun mal auch nicht das große Angebot. Eine der wenigen Southern-Bands, die sich in diesem Jahr über den großen Teich traut (auch Dank ihres mutigen Promotors Teenage Head Music), ist, wie bereits in meinen Ausführungen zu ihrem aktuellen brandneuen Album „Shine A Light On Me Brother“ angekündigt, einer unserer Lieblingsacts in diesem Magazin, Robert Jon & The Wreck.

Die schlugen jetzt zum ersten Mal hier in NRW wieder am schönen Freideck der Kölner Kantine auf, bevor sie gegen Ende des Monats, am 29. September, noch mal im Krefelder Schlachtgarten zu sehen sein werden. Kantinen-Mastermind Marcus Neu durfte sich bei bestem Spätsommer-Wetter über 120 Besucher freuen, die am Ende zurecht schier aus dem Häuschen waren.

Das Quintett mit Leader Robert Jon Burrison, Henry James, Warren Murrel, Andrew Espantman und Steve Maggiora (der mittlerweile auch bei Supergroup Toto an den Tasten) verwandelte das chillige Kantinen-Areal mit seiner grenzenlosen Spielfreude und ansteckenden Energie,  in einen südstaatlichen Freiluft-Hexenkessel.

Meine Mutmaßung, dass ihr neues Werk „Shine A Light On Me Brother“ den Mittelpunkt der zweiteiligen Setliste bilden würde, stellte sich zumindest an diesem Abend als falsch heraus, lediglich das tolle „Everday“ mit grandioser, an „Blue Sky“ erinnernder E-Gitarrenpassage von Henry James zur Mitte des ersten Sets und der Titeltrack im zweiten Teil schlugen hier zu Buche, was aber angesichts der langen Pause seit 2019 nicht sonderlich schlimm war, denn die Band hat mittlerweile soviel exzellentes Songmaterial in petto, dass man äußerst variabel agieren kann. Im Fokus stand mehr der Vorgänger „Last Light On The Highway“, der ja aus bekannten Gründen hier live auch noch nicht vorgestellt werden konnte.

Apropos Henry James: Der rein äußerlich wie eine Mischung aus Phil Lynott und Jimi Hendrix daher kommende spindeldürre Hungerhaken ließ mit seinen langen Griffeln derartig viele quirlige und hochkarätige Power-Soli auf seinen beiden Spielgeräten (Gibson SG und Gibson Firebird) ab, dass ein Wechselbad aus Staunen und Begeisterung auf den Gesichtern aller Anwesenden deutlich auszumachen war. Da musste selbst der uns gegenüber sitzende Redakteur Andre Wittebroek des befreundeten holländischen Blues Magazine des öfteren bewundernd die Stirn runzeln und tief durchatmen, sowas hat er von seinen Blues-Schrammlern vermutlich noch nie geboten bekommen (lol). Auch die genre-typische Twin-Arbeit von Henry mit Burrison war eines der vielen Highlights des Gigs.

Der Leader, sichtlich erfreut wieder in Deutschland zu sein und auch uns vor „Everyday“ beim Erblicken des neuen Logo-Schildes kurz begrüßend, ließ wieder seine ganze Aura walten und bestach auch durch seinen hervorragenden charismatischen Gesang, der von James, Maggiora und Drummer Espantman im Background unterstützt wurde.

Der sich immer wieder auch durch sein sympathisches Auftreten auszeichnende Steve Maggiora, deutete mit seinem variablen Tastenspiel (HT-Piano, Organ, E-Piano, Synthie) über den gesamten Verlauf an, warum ihn Steve Lukather ins Toto-Line-up beordert hat.

Das zweite Leichtgewicht (aber nur von der körperlichen Statur her) Andrew Espantman hämmerte wie gewohnt schwindelerregend mit seinen Sticks über die Felle und Becken seines Schlagzeugs, dass selbst die ruhigeren Tracks wie „Oh Miss Carolina“, „Death Of Me“, „This Time Around“, „Tired Of Drinking Alone“ oder der Klassiker der Band „Cold Night“ (die Mehrfach-Soli von James waren hier wie aus einer anderen Sternennacht) eine immense Intensität und Kraft ausstrahlten.

Gegen soviel geballte Energie hatte es der Bediener des Tieftöners, Warren Murrel, natürlich schwer, anzupumpen, er wuselte aber trotzdem regelrecht angesteckt mit. Vielleicht gibt man ihm als Belohnung mit einem kleinen eingestreuten Bass-Solo auch mal Gelegenheit, sich ein bisschen zu profilieren.

Nach dem überragenden „“Cold Night“ ging eigentlich nichts mehr, da aber bis 22:00 Uhr noch genügend Zeit war, konnte die mittlerweile längst von den Sitzen gerissene Kantinen-Audienz dem kalifornischen Quintett mit „High Time“ dann noch eine launig groovende Retro-Southern-Nummer als Zugabe entlocken. Als Belohnung dafür wurden die Musiker noch gegen Ende des Liedes durch die sich in unserer direkten Nachbarschaft befindliche, sehr trinkfreudige Blues Power Cologne-Fan-Gemeinde biertechnisch direkt vom Fass versorgt, das sie zur Entlastung des Bedienpersonals gleich mehrfach direkt zu sich an den Tisch beordert hatte.

Nach dem Gig zeigten sich alle, an diesem Abend Anwesenden am Merchandising-Stand hochzufrieden und wir machten natürlich mit den Jungs noch das obligatorische Foto mit dem neuen Logo für die VIP-Galerie.  Wir freuen uns schon jetzt auf Teil 2 mit Robert Jon & The Wreck im ebenfalls schönen Krefelder Schlachtgarten. Wird sicherlich erneut eine heiße Geschichte!

Line-up:
Robert Jon Burrison (lead vocals, electric guitar)
Henry James (electric guitar, vocals)
Warren Murrel (bass)
Andrew Espantman (drums, vocals)
Steve Maggiora (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Robert Jon & The Wreck
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Teenage Head Music
Kantine Köln

Robert Jon & The Wreck – Shine A Light On Me Brother – CD-Review

„Shine A Light On Me Brother“ heißt das neue Werk von Robert Jon & The Wreck. Ich behaupte mal, dass wohl kein anderes Magazin aus unseren Breitengraden das kalifornische Quintett um ihren Leader Robert Jon Burrison journalistisch so ins Licht gesetzt hat, wie wir es bisher getan haben.

Wir waren von Anfang an dabei, als die Jungs vor gerade mal 30 Zuschauern, ihre ersten Gehversuche in unseren Landen getätigt haben, wir haben ihre kontinuierliche gute Entwicklung mit vielen Artikeln begleitet, ihren überraschenden Umbruch samt dem Gang in diese schwere Corona-Zeit mit verfolgt und sind auch jetzt wieder zur Stelle, wo es heißt, Licht am Ende des Covid-Tunnels zu erblicken und das nächst höhere Level in Sphären von Blackberry Smoke zu erklimmen.

2019 war eigentlich der Grundstein gelegt, ein klasse Album „Take Me Higher“ herausgebracht (dazu mit „Last Light On The Highway“ ein weiteres im Entstehen), Auftritte bei der Ramblin Man Fair mit Größen wie Foreigner und der Chris Robinson Brotherhood oder bei der Sea Mediterranean Blues Cruise mit Joe Bonamassa, Peter Frampton oder Eric Gales, um in 2020 nicht nur bei Festivals, sondern auch in größeren Hallen, live durchzustarten. Keyboarder Steve Maggiora wurde parallel sogar in das neue Line-up von Toto integriert. Dann grätschte, wie für viele Menschen, Corona böse dazwischen.

Wie nicht anders zu erwarten, blieben die Burschen nicht untätig. Funktionierend wie ein Schweizer Uhrwerk gibt es zur anstehenden Europa-Herbst-Tournee das neue, oben angeführte Werk.

Aus meiner Sicht ist es nicht nur bis dato ihr bestes, sondern auch kommerziell ambitioniertestes Album geworden. Ihre musikalische Unbekümmertheit und Unabhängigkeit bleibt weitestgehend erhalten und dennoch spürt man omnipräsent eine gewisses Bestreben, sich weiteren ‚Kundenkreisen‘ zu öffnen.

Zuträglich sind da sicherlich auch die, auf den angesprochenen Events geknüpften Beziehungen. Wer kann sich schon den Luxus leisten, die Backgrounddamen von Joe Bonamassa, Mahalia Barnes (Tochter von Jimmy Barnes), Juanita Tippins und Prinnie Stevens, anheuern zu können? Die geben vielen Tracks und Burrisons etatmäßig gutem Gesang natürlich ordentliches Zusatzfeuer. Bestes Beispiel ist direkt der im Skynyrd-Stil der Neunziger Jahre gehaltene Opener und Titelsong „Shine A Light On Me Brother„.

Was mich diesmal besonders überzeugt, ist vor allem die Melodik und Eingängigkeit der Refrains. Man braucht gerade mal zwei Hördurchgänge, um bereits das Langzeitgedächtnis zur nachhaltigen Abspeicherung zu animieren. Steve Maggiora klimpert sehr viel in Billy Powell-typischer HT-Manier und lässt die Orgel meist organisch hallen, das ‚Wunderkind‘ Henry James an der Lead-Gitarre spielt seine Soli nie ausufernd, sondern fast wie bei Spitzen-Gitarristen in Nashville, immer genau auf den Punkt.

Das mit Crowd-Harmoniegesängen und Bettsschem Solo durchzogene, herrlich dahinschunkelnde „Everday“ avanciert dabei zu meinem derzeitigen Lieblingssong. „Ain’t No Young Love Song“ mit seiner euphorischen Springsteen-Note dürfte der erfolgversprechendste Single-Kandidat sein. Das bluesige „Chicago“ wurde schön passend zum Titel mit plusternden Bläsern und Sax-Solo bestückt. Im melancholischen „Hurricane“ offeriert Burrison seine countryeske Seite, beim fluffigen „Desert Sun“ weiß das „Jessica“-mäßige Akustikgitarren-Intro samt folgendem ABB-Flair zu gefallen.

Als Pendant/Update zum früheren „Mary Anne“ erweist sich „Anna Maria“, das atmosphärisch packende „Brother“ mit Blackberry Smoke- und Outlaws-Tupfern als weiteres Highlight und das im treibenden Bakersfield-Stil gehaltene „Radio“ (klasse die Tippeldrums von Andrew Espantman, tolle kurze HT-Piano-/E-Gitarren-Duelle) gibt sich am Ende überhaupt nicht radio-tauglich, sondern eher als launiger Party-Kracher.

„We gotta keep movin‘ in the right direction“ singt Robert Jon Burrison im stampfenden „Movin'“ mit klarer Strategie nach vorne, überzeugend aus sich heraus. Angesichts ihrer kontinuierlichen und exzellenten Leistungen können wir hier  nur ein glasklares „Yes you are!“ konstatieren.

Wir freuen uns daher schon sehr, der Umsetzung der neuen Stücke von „Shine A Light On Me Brother“, die sicherlich  morgen, dem 02.09.2021 auf der Open Air Bühne der Kölner Kantine einen Schwerpunkt bilden werden, beiwohnen zu dürfen. Der dazu fällige Konzertbericht als weiteres Spotlight auf die Band versteht sich von selbst…

Eigenproduktion (2021)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Shine A Light On Me Brother
02. Everyday
03. Ain’t No Young Love Song
04. Chicago
05. Hurricane
06. Desert Sun
07. Movin‘
08. Anna Maria
09. Brother
10. Radio

Robert Jon And The Wreck
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Teenage Head Music
Vertrieb: In-Akustik

Jonathon Long – Parables Of A Southern Man – CD-Review

Viertes Album von Jonathon Long, sein zweites unter den Fittichen von Samantha Fish und ihrem Wild Heart Records-Label. „Parabels Of A Southern Man“ liefert zwölf neue ‚Erzählungen‘ des aus Baton Rouge stammenden Künstlers, die nicht nur textlich, sondern natürlich in erster Linie musikalisch anregen.

Gerade dieses Werk zeigt, dass man nicht, wie oft in Nashville praktiziert, die ganz große Masse an Edel-Musikern auffahren muss, um einen dicken Wurf zu landen. Hier genügt ein kleines, aber ungemein feines Trio, bestehend aus Nicholas David an den Keys (Organ/Piano), Bassist Charlie Wooton (Ex-Royal Southern Brotherhood) und Scott Graves an den Drums, um dem vokal als auch saitentechnisch brillierenden Protagonisten perfekt seine ‚Bühne‘ zu bereiten.

Allein der swampig angehauchte Opener „Madison Square Garden“ in bester Allman Brothers/Marshall Tucker-Gangart, in dem Long seinen Traum besingt, in dieser Kult-Location irgendwann mal auftreten zu dürfen, wird jeden Southern Rock-Fan der guten alten 70er-Schule, ins freudige Schwelgen an damalige Zeiten bringen.
Auch das folgende, voller Inbrunst und Selbstzweifeln vorgetragene „The Ride“ lässt OutlawsSkynyrd-Assoziationen zwischen „Ghost Riders“ und „The Last Rebel“ aufblitzen. Fantastischer Song!

Dass es Long auch fröhlich kann, offeriert er im folgenden, in Bakersfield-Manier flott groovenden Boogie „My Kind Of Woman“. Herrlich hier sein quirliges E-Bariton-Spiel und Graves‘ Kombination aus Stick-Tippel- und Uptempodrumming als Rhythmusgebung. Long begeistert mich auf diesem Werk neben seinen filigranen Gitarrenkünsten vor allem mit seinem variablen und emotional jederzeit mitgehenden Gesang, der je nach Song zwischen Leuten wie Marcus King, Doug Gray, Ronnie Dunn oder Mark Wystrach (Midland) pendelt.

Klasse beispielsweise „Pain“ und „All I Need“ (herrlich hier das unkonventionelle flippig-verspielte E-Gitarrenintro), so würden beide Songs demnach zum Beispiel auch gut ins Midland-Repertoire passen. Zum Schmunzeln bringt mich das flotte Drum- und E-Gitarren-getriebene „Dangerous“, das Ende der Achtziger Jahre wohl vermutlich gefährlich nahe dran gewesen wäre, in einer Miami Vice-Folge verbrieft zu werden. „Landline“,“My Kind Of Crazy“ und „That Ain’t Love“ bringen dagegen seine wunderbar southern-soulige Seite ins Spiel, tolle Ohrwürmer, wieder mit einfühlsamen Keys- und Gitarrenparts.

Dass Long seit frühsten Jahren ein Kind des klassischen Blues ist (er gewann ja schon mit 22 Jahren den „King of the Blues“-Award für den besten „unsigned blues guitar player“ in den USA), verdeutlicht eines der ganz großen Highlights des Werkes „Savior’s Face“. Ein Hammer-Slow Blues voller Dramatik mit grandiosen Orgelklängen von Davis und Longschem Gesangstemperament und E-Gitarrenkönnen. Erinnert mich ein wenig an die Art zu Bluesen eines Lee Roy Parnell. Ein Stück wie geschaffen als potentieller Cover-Kandidat eines Joe Bonamassa!

Somit fragt man sich am Ende von „Parabels Of A Southern Man“ unweigerlich, was Jonathon Long eigentlich noch besser machen kann, um eines Tages den im Opener gehegten Traum verwirklichen zu können. Einen großen Teil der Lösung beantwortet er sich quasi aus meiner Sicht in seinem zweiten Stück („The Ride“) selbst: Sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen, an sich stetig arbeiten, sich hinterfragen und verbessern. Also rastlos bleiben, aber dabei immer auch auf seine innere Stimme hören. Im übertragenen Sinne in letzten Zeile des Liedes zusammengefasst: „The answer is to ride!“

Wild Heart Records (2021)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Madison Square Garden
02. The Ride
03. My Kind Of Woman
04. Pain
05. Landline
06. All I Need
07. Dangerous
08. Savior’s Face
09. My Kind Of Crazy
10. That Ain’t Love
11. Cheap Romance
12. Jenny

Jonathon Long
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Bärchen Records

The Bardogs – Southern Soul – CD-Review

Bardogs_300

Manchmal werden selbst musikerfahrene Menschen wie meinereiner doch wirklich noch überrascht. Southern Rock aus Indonesien! Das mutet für mich erstmal fast so exotisch an, wie ’ne Reggae-Truppe aus Grönland. Aber da ja Musik bekanntlich keine Grenzen kennt und es in diesem Metier eher auf Können und Leidenschaft für die Sache ankommt, kommt es da durchaus oft zu angenehmen Überraschungen.

Und The Bardogs, bestehend aus den gut zu merkenden Namen Aulia Rahman (guitars, vocals), Weldy Tua Pangaran (guitars), Deni Hidayat (bass, vocals),
Romi Zirwanda (drums) und Jason Latuasan (keys) zählen nach den obligatorischen Hördurchgängen im Vorfeld eines Reviews zweifellos zu diesen.

Die Burschen haben nach ihrer finalen Zusammenfindung ihren residenziellen Fokus, dank der dortig bestehenden Internationalität, auf die Insel Bali gelegt. Hier machte man sich in angesagten Locations wie dem Pretty Poison Club, Deus Ex Machina, Old Man’s oder Single Fin schnell einen Namen und versuchte 2018 nach dem Debütwerk, auch in Frankreich, in Form einer Tour, erste Verbindungen mit dem europäischen Kontinent herzustellen.

BD-TextIhr neues Werk „Southern Soul“ hat eindeutig das Potential, die Band auch in globaler Hinsicht voranzubringen. Jeder der gerne Southern Rock aus dem Dunstkreis der Allman Brothers (mit den daraus resultierenden weiteren Verästelungen à la Tedeschi Trucks Band, Gov’t Mule, Allman Betts Band) gerne hört, wird seine helle Freude an den Burschen haben. Besonders das an Duane Allman erinnernde, markant klirrende Slide-Spiel wird als immer wiederkehrendes Trademark bei diversen Tracks eingesetzt.

Auch viele quirlige, genre-typische E-Gitarren-Soli (oft auch mehrfach songintern, sporadisch in Twin-Manier) gehören zum Standardrepertoire der Barhunde. ABB- und Jam-Freunde werden beispielsweise bei Tracks wie dem „Southbound“-nahen „Ain’t Gonna Look Back“ und dem „Whipping Post“-umwehten „Misunderstood“ bestens auf ihre Kosten kommen.

Überrascht hat mich vor allem die Stimme von Aulia Rahman, die für mich Ähnlichkeiten mit der von Ed Jurdi von der Band Of Heathens aufweist und bei eingängigen und sehr melodischen Songs wie „Colorado„, „After Midnight“ oder „Loving You“ auch für dementsprechendes Flair sorgt.

Klasse gefällt mir auch das Keyboard-Spiel Jason Latuasan, der die gesamte Variationsbreite seines Tastenkönnens (Orgel, E-Piano, HT-Piano) sehr einfühlsam mit einbringt und einen nicht unerheblichen Beitrag zum ansehnlichen Gesamtwerk leistet. Für mich der heimliche Star des Quintetts.

Fazit: The Bardogs lassen mit „Southern Soul“ (zum Piepen das völlig SR-untypische, orientalisch geprägte Frontcover) keinen Zweifel daran aufkommen, dass ihr Herz für den Southern Rock schlägt. Sie greifen dabei, wie so viele Newcomer dieser Zeit, alte Strukturen auf und verwandeln diese mit viel kreativem Gespür in neue Eigenkompositionen. Mit dieser Musik voller Herzblut haben sie das Zeug sowohl bei uns in ganz Europa, als auch in den Staaten mit offen Armen aufgenommen zu werden. Selamat datang!

Label: Bad Repuation (2021)
Stil: Southern Rock Rock

Tracks:
01. Sail Away
02. Step Back
03. Reality
04. It’s Over
05. Ain’t Gonna Look Back
06. Colorado
07. Corona
08. Misunderstood
09. After Midnight
10. Loving You (Bonustrack)

The Bardogs
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Two Side Moon Promotions

Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws – 26.06.2021, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

priesthaupt

Gute acht Monate ist es jetzt her, dass ich ein Live-Konzert besucht habe, für den Inhaber eines Rock-Musikmagazins eigentlich eine regelrechte  Horrorvorstellung. Dabei muss ich zugeben, dass es mir nach der langen Pause sogar ein wenig schwer fiel, wieder in Gang zu kommen. Trotzdem überwog natürlich die Freude, dass die Kulturszene, dank der momentan überschaubaren Inzidenzzahlen, endlich aufatmen darf und wieder erste Steps im Hinblick auf eine zukünftige Normalisierung tätigen kann. Trotzdem schwebt ein Bangen vor weiteren Rückschlägen immer noch irgendwie mit.

Der Schwarze Adler war jedenfalls optimal gerüstet. Unkomplizierte Corona-Schnelltests im nebenstehenden kleinen Anbau, eine abstandskonforme, sehr gemütlich, mit kleinen Lampen inszenierte Tischanordnung (gefiel mir sehr gut) mit den entsprechenden Formularen darauf zur Nachverfolgung. Ideal natürlich auch zum Verfassen meiner Konzertnotizen. Ist es da als Adler-Genosse schon legitim, hier von einem Home-Office-Arbeitsplatz zu reden…?

Was für eine Welt?! Ehrlich gesagt, würde ich alles lieber, wie früher, eng stehend, kaum was sehend im Dunklen, mit dem einen oder anderen Ellbogen von vorne, der Seite oder im Rücken, in kaum lesbarer Schrift festhalten. Sicherheitstechnisch gesehen, passte aber alles somit auf den Punkt! Kompliment an das Adler-Team für die perfekte Organisation!

Zu Gast war mit Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws ein mit unserem Magazin eng verbundenes und geschätztes Quartett, dessen Debüt-Auftritt in der hiesigen Blues-Kultstätte nach zwei Verschiebungen, jetzt im dritten Anlauf endlich realisiert werden konnte. Und auch hier stieg die charismatische Texanerin Dede Priest mit ihrem niederländischen Begleittrio in Form von Johnny Clark (alias Hans Klerken), Leon Toonen und Ray Oostenrijk, absolut pünktlich um 20:00 Uhr nach kurzer Begrüßung durch Ernst Barten auf die Bühne und fügte mit ihrem stürmischen „Texas Hurricane“, dem ausgeklügelten Adler-Lüftungssystem zum Auftakt mit einer wahren Stoßlüftung eine weitere vorbeugende Komponente hinzu.

Klasse direkt hier Dedes Hendrix-angelehntes Wah-Wah-E-Gitarrenspiel mit Hilfe ihres Cry Baby Pedal-Effektgerätes, das sich als eines ihrer fortlaufenden Trademarks (für Nichtkenner der Band) herauskristallisierte, ebenso wie die mimisch-gesangliche Begleitung eines jeden ihrer Soli. Ein weiteres unabdingbares Musik-Utensil ist natürlich ihre Violine, passend zu ihrem gypsy-mäßigem Kleidungsstil an diesem Abend (dazu die gewohnten schwarzen fingerlosen Handschuhe), die dann beim folgenden Stomper „Vermillion Allure“ ihren ersten Einsatz fand.

Ihr Counterpart, Johnny Clark, der schon beim aktuellen Album „When Birds Were Snakes“ gefühlt etwas präsenter erscheint, durfte seine knochige Stimme zum ersten Mal am Ende von „Mudslide“ einbringen. Neben Leadgesangseinsätzen bei „Superlovely“, „Make That Double A Double“, „Alaska“ und der Merle Travis Country-Folk-Klassiker-Adaption von 1947 „16 Tons“ (im Wechselgesang mit Dede zum Abschluss des Hauptteils), beschränkte er sich überwiegend auf das Zuspiel mit seinen beiden Les Paul- und Stratocaster-E-Gitarren, wobei sein Faible für Creedence Clearwater Revival-typische Klänge öfter zum Ausdruck kamen. Aber auch das eine oder andere Solo (konventionell oder geslidet) ließ er sich natürlich nicht nehmen. Guter Mann!

Drummer Leon Toonen war die Freude, sein Hand-Fuß-Koordinierungsvermögen am Schlagzeug endlich wieder vor Publikum präsentieren zu können, am deutlichsten anzumerken, sein Gesicht strahlte über den gesamten Verlauf des Gigs, während sich sein immer sehr introvertiert wirkender Rhythmuskollege Ray Oostenrijk, lieber der hochkonzentrierten Tieftönerarbeit widmete.

Am Ende standen zwei tolle Parts (samt kurzer Zwischenpause) mit über 20 Songs zu Buche, wobei sich neben dem oben erwähnten Opener „Texas Hurricane“, noch die beiden balladesken Ohrwürmer „Hyssop Blossoms (I Could Lie But I Won’t)“, „It’s Getting Late“ sowie der Titeltrack ihres ersten Albums „Flowers Under The Bridge“, der gegen Ende in eine wahre Wah-Wah-E-Gitarren-Orgie mündete und dem folkigen „Whisper & Whistle“ (Johnny mit Akustikgitarre und Dede an der Violine nur im Duett als erste von drei Zugaben), als meine persönlichen Favoriten eines hochwertigen Abends herauskristallisierten.

Schade, dass durch die Pandemie-bedingten Vorgaben samt der anfangs erwähnten Gemütlichkeit dem typischen Adler-Hexenkessel, der sich bei solch starken Gigs üblicherweise entwickelt, quasi ein imaginärer Riegel vorgeschoben wurde. Unter normalen Voraussetzungen hätte das texanisch-niederländische Quartett die Vierbaumer Kultstätte sicherlich im Sturm erobert.

So blieb es zunächst bei viel anerkennendem Applaus der zufriedenen Anwesenden und der Hoffnung, dass Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws demnächst mal vor voller Hütte samt brodelnder Atmosphäre, in unbeschwerten Zeiten, ihre Klasse offerieren können. Die Visitenkarte, die von der Band hinterlassen wurde, war jedenfalls auf ganzer Linie überzeugend.

Line-up:
Dede Priest (lead vocals, electric guitar, fiddle, voclas, percussion)
Johnny Clark (electric guitar, acoustic guitar, vocals, lead vocals)
Ray Oostenrijk (bass)
Leon Toonen (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Dede Priest
Johnny Clark & The Outlaws
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Schwarzer Adler Rheinberg

Sons Of Liberty – Aces & Eights – CD-Review

Sons300

Vor gut drei Jahren hatte uns die Formation Sons Of Liberty mit ihrer EP „…Shinola“ sehr positiv überrascht und bewiesen, dass Briten nebst Blues- und Hard Rock, durchaus auch Southern Rock ganz gut umsetzen können.

Diesmal pokert der Fünfer eindeutig höher und legt mit „Aces & Eights“ einen mit zwölf Stücken gefüllten Longplayer vor, der eine klar erkennbare Weiterentwicklung offenbart. Auch hier sieht man mal wieder, wie wichtig es manchmal sein kann, einen guten Produzenten mit an den Tisch zu holen, wie es in diesem Fall mit Josiah J Manning passiert ist,  der auch schon uns bestens bekannte Acts wie die Kris Barras Band oder Wille & The Bandits unter seinen Fittichen hatte.

Nicht nur durch die Stimmähnlichkeit von Fronter Rob Cooksley zu Phil McCormack wird eine große Affinität zu härteren Vertretern des Genres deutlich. Ohne Zweifel fühlen sich er und seine Kollegen Fred Hale, Andy ‚Moose‘ Muse (beide bilden ein starkes, SR-festes Gitarrenduo) sowie Mark Thomas (Bass) und Steve Byrne (Drums – ein echter Rumpolterer) besonders zum Boogie-trächtigen Sound von Molly Hatchet hingezogen.

Beste Beispiele sind neben der überwiegend verwendeten, treibend-harten Hatchet-Grund-Gangart, Tracks wie „Don’t Hide Behind Your Weakness“, „Beef Jerky Boogie“, „Doc’s Remedy“, „I Come In Peace“ oder „Dead Man’s Hand“, die voller Reminiszenzen von Songs wie „Dreams I’ll Never See“, „Beatin‘ The Odds“, „Flirtin‘ With Disaster“, „It’s All Over Now“ oder „The Journey“ gespickt sind. Klassischen Southern Rock bietet das gelungene abwechslungsreiche „Texas Hill Country“.

Der Opener „Ruby Starr„, die Lead-Single „Damaged Reputation„, das herrliche „Fire & Gasoline“, und „Lights Are On“ im Stile von Größen wie Great White, AC/DC, Cinderella & Co. dürften dazu aussichtsreiche Bewerbungsvorlagen als Anheizer mit Headbang-Garantie für kommende Open-Air-Hard- und Heavy Rock-Festivals abgeben. Nichtsdestotrotz dürften die Jungs ebenso ein Garant für einen launiges Clubkonzert mit feucht-fröhlichem Anschluss sein.

Dass man aber nicht immer gleich mit dem Schlaghammer ins Haus fallen muss, offerieren die zum Teil episch und atmosphärisch anmutenden „Black Blizzard“  oder „I Come In Peace“.

Auch wenn das abschließende ZZ Top-/Skynyrd-destillierte „Whiskey Is My Vaccine“  (ja wer braucht da eigentlich überhaupt noch Biontech?) sicherlich eines der Highlights des Werkes darstellt, hätte ich es persönlich mit „I Come In Peace“ in der Reihenfolge getauscht.

Der emotional packende Song hätte zum krönenden Abschluss meiner Ansicht nach mit angefügtem typischen E-Gitarrenfinish zu einer absoluten Southern Rock-Hymne avancieren und zu einem echten Trademark der Band werden können. Dies schmälert aber den sehr guten Gesamteindruck des Albums nicht wirklich.

Selbst wenn auf dem gelungenen Coverbild von „Aces & Eights“ nicht alle Karten offen auf den Tisch gelegt werden und es insgesamt keinen Royal Flash gibt, kann man sicher sein, dass die Sons Of Liberty hier ein drittes Ass ‚im Ärmel‘ haben werden. Und ein musikalisches Full House ist ja wohl auch ein guter Grund genug, ein gewieftes Pokerface mit großer Gewinnaussicht aufzusetzen…

Eigenproduktion (2021)
Stil: Southern Hard Rock

01. Ruby Starr
02. Don’t Hide Behind Your Weakness
03. Black Blizzard
04. Beef Jerky Boogie
05. Damaged Reputation
06. Texas Hill Country
07. Fire & Gasoline
08. Doc’s Remedy
09. I Come In Peace
10. Dead Man’s Hand
11. Lights Are On
12. Whiskey Is My Vaccine

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Alligator Jackson – Southern Barbeque – The Best Of… – CD-Review

AJ_300

Seit seiner Gründung hat sich das Label Juke Joint 500 mit tollen limitierten Veröffentlichungen, die die Sammlerherzen besonders unserer Southern Rock-Klientel höher schlagen lassen, seine verdiente Aufmerksamkeit in unserem Magazin erarbeitet.

Diesmal hat sich Geschäftsführer Reinhard Holstein mit einer recht mysteriösen Band befasst, die selbst bis heute noch als ‚Southern Rock’s best kept secret‘ gehandelt wird. Gemeint ist eine Truppe namens Alligator Jackson, die zwischen 2005 und 2009 immerhin fünf Alben kreiert hatte, aber nie als wirkliche Band zusammengespielt hat, beziehungsweise live aufgetreten ist.

Aus diesen fünf Werken hat sich Holstein die vermeintlich besten Tracks herausgepickt und uns daraus ein köstliches „Southern Barbeque“ angerichtet. Für die Vinyl-Fans gilt wieder die farbige, handnummerierte Auflage von 500 Exemplaren, die CD-Liebhaber bekommen mit „Southern Soil“ unter Mitwirkung von dem uns gut bekannten Gary Jeffries noch ein Bonus-Häppchen oben drauf gepackt.

Der Hauptakteur hinter Alligator Jackson ist ein gewisser David Williams, der neben seinem musikalischen Können übrigens auch literarische Qualitäten, mittels einiger selbst verfasster Bücher aufweisen kann.

Für sein Musikprojekt hat Williams Dave Scarboro als Sänger und Mitgitarrist verpflichtet, der die Songs auch gemischt und produziert hat. Den Rest des Quartetts bilden  RJ Gibson am Bass und TJ Dawg am Schlagzeug.

Ich habe dann in Sachen Alligator Jackson auch mal meine Sammlung durchforstet und konnte tatsächlich die schon ellenlang nicht mehr gehörte Scheibe „The Gator’s Back“ von 2006 ausfindig machen.

Aus diesem Werk hat Holstein mit den wirklich starken „Liquid Courage“ (Skynyrd-trächtiger Opener, hier auch mit weiblichem Backgroundgesang), „Repo Man“ und „All Hell’s Breaking Loose“ (erinnert ein wenig an die Regulators) einen guten Griff getan (wobei auch alle anderen Tracks nicht von schlechten Eltern sind).

Wenn man sich an Scarboros nicht ganz so spektakuläre, aber durchaus angenehme Stimme gewöhnt hat, entdeckt man partiell gewisse Ähnlichkeiten zu Doug Gray (Marshall Tucker Band) oder auch zum guten Charlie Daniels.

Die Würze im Alligator Jackson-Grundmenü bilden neben der mannschaftsdienlich operierenden Rhythmussektion natürlich die tollen E-Gitarren, die in allen Varianten (Fills, Soli, Slide, Twins) omnipräsent erscheinen (sehr oft  in fiepend-knarziger Gary Rossington-Manier).

Auch in Sachen Melodik und Eingängigkeit lassen die klassisch gehaltenen Kompositionen (mit Einflüssen von Skynyrd, Molly Hatchet, Marshall Tucker Band, Atlanta Rhythm Section, 38 Special, Charlie Daniels, Doc Holliday, Outlaws) von Williams nichts zu wünschen übrig.

Man kann sich bequem in den heimischen Sessel zurücklehnen und wird automatisch beim Hören dazu animiert, sich an all das, was man in den guten alten Southern Rock-Zeiten Tolles und Angenehmes erlebt hat, zurückzubesinnen. Beim sommerlichen Grillen mit dem kühlen Bierchen in der Hand passt die Musik sicherlich noch besser.

Und wie heißt es so schön und richtig im Beipackzettel: Hätte Skynyrd dieses Werk zwischen „Nuthin‘ Fancy“ und „Gimme Back My Bullets“ veröffentlicht – keiner hätte es gemerkt…

Zugreifen, liebe Southern Rock-Freunde und -Sammler, unbedingt zugreifen!

Juke Joint 500 (2021)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Liquid Courage
02. Swamp Justice
03. Southern Barbeque
04. Enjoy The Ride
05. Repo Man
06. Pull No Punches
07. Blood On The Wall
08. Hanging Judge
09. Mr. Bouncer
10. All Hell’s Breaking Loose
11. Alligator Jackson
12. Spirit Of The Wild
13. Southern Soil – feat. Gary Jeffries (Bonustrack)

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Juke Joint 500

Blackberry Smoke – You Hear Georgia – CD-Review

cover Blackberry Smoke - You Hear Georgia 300

Siebtes Album der beliebten Southern Rock-Band. Auf „You Hear Georgia“ ist das Quintett um Leader Charlie Starr bemüht, den ramponierten Ruf der Südstaaten und der dort lebenden Menschen wieder in ein differenzierteres Licht zu setzen.

Der Mastermind zum Titeltrack: „Textlich geht es in dem Song darum, dass der Süden missverstanden wird. Es ist offensichtlich eine raue und unruhige Welt und es gibt eine Menge schlechter Menschen. Aber es gibt auch eine Menge guter Menschen. Es begann mit der Idee, dass die Leute eine vorgefasste Meinung über dich haben könnten, weil du einen dicken Südstaaten-Akzent hast, und weitete sich dann auf die Realität aus, dass manche Leute es einfach so schwer haben, miteinander auszukommen, dank politischer oder religiöser Ansichten, oder einfach nur, weil Du aus einem bestimmten Teil des Landes kommst.“

Aber auch musikalisch weiß das neue Werk unter der Produktionsregie von Dave Cobb wieder absolut zu überzeugen. Besonders auffällig sind diesmal die starke Einbindung von E-Slide-Elementen in fast jedem Song und auch die schönen akzentuierten weiblichen Background Vocals, diesmal eingesungen von The Black Bettys.

Auch Keyboarder Brandon Still liefert wieder eine tolle Palette an wohl dosierten Tastenspielereien (HT-Piano, Orgel, E-Piano), die sich ganz in den Dienst der Songs stellen.

Bei den neuen zehn Stücken bleiben sich Blackberry Smoke ihrem gewohnten Stilspektrum, das wieder von knackigen Southern Rockern („Live It Down“, „You Hear Georgia“, „All Over The Road“), country-angehauchten Liedern („Ain’t The Same“ – Ohrwurm!, „Old Enough To Know“ – herrliche gesangliche Verbreitung von Lebensweisheiten), soulig-gospeligen („Hey Delilah“ – Marke Little Feat) und auch progressiven Stoff („Morningside“ – grandios hier das an Derek & The Dominos erinnernde E-Gitarrensolo) zu bieten hat.

Als sehr gelungen sind auch die beiden Gastpräsenzen zu bewerten. Wunderbar wie Starr und Jamey Johnson beim Steel-getränkten Countryheuler „Lonesome For A Livin’“ sich einen Bieterkampf in Sachen pathos-trächtigem Gesang abliefern und auch die Vorstellung von Warren Haynes, der sich hier angriffslustig und aggressiv wie zu Zeiten seines Debüts mit Gesang und E-Gitarre einbringt, gibt dem starken „All Rise Again“ ordentlich Feuer.

Und das aus meiner Sicht immer am meisten Eindruck hinterlassende Schlussstück, das melodische „Old Scarecrow“ mit seinen Tempi- und Stimmungswechseln (toll auch der Gesang von Starr) stellt einen maßgeblichen Höhepunkt des Werkes dar. Klasse, mein Favorit!

Blackberry Smoke präsentieren sich auf „You Hear Georgia“ ein weiteres Mal in blendender Verfassung und lassen herrlichen Georgia-Sound aus den Boxen rauschen. Sie festigen ihren Ruf in kreativer Hinsicht als beste zeitgenössische Southern Rock-Band. Großes Kompliment hierfür, aber auch ihr Engagement für wohltätige Zwecke, wo sie  bereits fast 500.000 Dollar für die Kinderkrebsforschung gesammelt haben! Es gibt also auch viel Gutes aus dem südstaatlichen Georgia zu hören!

Earache Records (2021)
Stil: Southern Rock

01. Live It Down
02. You Hear Georgia
03. Hey Delilah
04. Ain’t The Same
05. Lonesome For A Livin’ (feat. Jamey Johnson)
06. All Rise Again (feat. Warren Haynes)
07. Old Enough To Know
08. Morningside
09. All Over The Road
10. Old Scarecrow

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Oktober Promotion

The Marcus King Band – Soul Insight – CD-Review

cover The Marcus King Band - Soul Insight 300

Review: Stephan Skolarski

Das anhaltende Sammlerinteresse nach zusätzlichen Vinyleditionen bisheriger CD-Releases motiviert manche Band zur Wiederveröffentlichung (fast) vergriffener Longplayer. Diese erfreuliche Entwicklung erreichte auch den amerikanischen Singer/Songwriter und Gitarristen Marcus King, dessen Debut-Album nun als schwarze Doppel-LP wieder erhältlich ist.

Der damals erst 19-jährige Gitarren-Virtuose aus Greenville, South-Carolina, hatte im Oktober 2015 mit „Soul Insight“ einen grandiosen Einstand. Ein Werk, das stilübergreifend Southern Rock, Blues, Psychodelic-Jam-Improvisationen, Soul, Funk, Jazz und Country-Ansätze einfühlsam und explosiv verbindet. Die junge Formation war zuvor mit Marcus King (Lead Vocals, Slide Resonator Guitar), Jack Ryan (Drums), Anthony House (Bass) und Alex Abercrombie (Organ und Keys) Tournee Opener für Johnny Winter, die Foo Fighters und Gov’t Mule, deren Mastermind, Warren Haynes, die Band auf seinem Label zuerst unter Vertrag nahm.

Die sämtlich von Marcus King komponierten Songs reichen in ihren Dimensionen dementsprechend von Vorbild-Einflüssen der Allman Brothers („Boone“, „Keep Moving“) und Stevie Ray Vaughan („No Decency“), Gary Clark jr. („Dyin“) bis zu Warren Haynes himself („Always“); dabei werden zu den stets atemberaubenden Guitar-Passagen und Kings Südstaaten-akzentuierten Lead-Vocals starke Solo-Einlagen (Orgel, Saxophon und Bläser) arrangiert. Zwei Instrumentalstücke (u. a. „Booty Stank“) bilden den Southern-Psychodelic-Jam-Rock Anteil der Scheibe, die in modifizierten Soul/Jazz-Varianten Santana-Improvisationen einbezieht.

Der Versuch, das geniale Guitar-Phänomen Marcus King, auch als Performer und Produzenten, zu beschreiben, führt unweigerlich in eine familienbezogene, tiefgründig verwurzelte Musiktradition, die über frühkindliche Förderung und väterliche Vorbildfunktion wesentliche Grundsteine legte. So ist die Virtuosität des jungen Marcus King auf „Soul Insight“ bereits stilbildend und „electrifying“ und im Akustik-Country-Rock „I Won’t Be Here“ zum Abschluss des Albums nochmals „traditional classic“.

Im Rückblick auf einen inzwischen kometenhaften Aufstieg hat Marcus King mit seinem Debüt „Soul Insight“ alle damaligen Vorhersagen (siehe auch unser Review aus dem Jahr 2018) ausgiebig bestätigt. So auch die von Warren Haynes, seinem Mentor (2015) im Rolling Stone Magazin: „There’s this young guitar player singer from South-Carolina named Marcus King, who is starting to stir up quite a bit of dust, and I think the potential for his music is endless…..“. Eine Aussage, die der talentierte Guitarrissimo mit sprichwörtlicher Begeisterung erfüllt.

Fantasy Records (2021)
Stil: Southern Rock, Blues, Soul, Country

Tracks:
01. Always
02. Boone
03. Fraudulant Waffle
04. Honey
05. Dave’s Apparition Interlude
06. Everything
07. No Deceny
08. Dyin’
09. Booty Stank
10. Opie
11. Keep Moving
12. I Won’t Be Here

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Oktober Promotion