Outlaws – Dixie Highway – CD-Review

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Wenn man ehrlich ist, geben die Outlaws die letzte Bastion der Southern Rock-Urväter ab, erst recht wenn man dabei den Kreativfaktor berücksichtigt. Die meisten ihrer Kollegen ruhen sich auf den Lorbeeren von gestern aus, viele Acts sind bedingt durch Todesfälle ihrer Mitglieder in den Passivmodus gewechselt oder machen gar nichts mehr.

Erfreulich ist allerdings, dass dem Genre durch einige talentierte Nachkömmlinge und auch frische junge Bands, ordentlich neue Dynamik eingehaucht wird und es einem in Sachen Fortbestehen der Sparte nun wirklich nicht Bange werden braucht.

Seit dem Ableben von Hughie Thomasson, hat bei den Outlaws Henry Paul das Zepter fest in der Hand und hat mit Co-Gründer Monte Yoho (drums), Randy Threet (bass, vocals), Steve Grisham (guitars, vocals, lead vocals auf „Black Horse Run“), Blackhawk-Spezi Dave Robbins (keyboards, vocals), Dale Oliver (guitars, vocals) und Jaran Sorenson (drums, percussion) eine schlagkräftige Truppe um sich versammelt, die sich neben den Live-Darbietungen, auch noch für neuen Stoff offen zeigt.

In der Hinterhand hat Paul auch noch Billy Crain aus den Henry Paul Band-Tagen, der sich mittlerweile zwar auf seine Solo-Karriere fokussiert hat, aber, wie jetzt auf dem neuen Werk „Dixie Highway“, kompositorisch als auch gitarrenmäßig, ordentlich mitmischt.

Weitere treibende Mitglieder sind neben dem Bandleader, was die Neukreationen betrifft, diesmal die beiden Gitarristen Steve Grisham und Dale Oliver. Das Ursprungsbassist Frank O’Keefe gewidmete Werk ist eine gelungene Mischung aus Reminiszenzen an die früheren Zeiten und eine Bestandsaufnahme des aktuellen Leistungsniveaus.

In erster Hinsicht wurde „Heavenly Blues“ vom „Hurry Sundown“-Album neu aufgelegt, der Titelsong (diesmal viel druckvoller) ebenfalls aus Pauls Brothers Of The Southland-Tagen. „Lonesome Boy From Dixie“ ist eine gelungene Charlie Daniels-Adaption. Da beim knackig rockenden „Rattlesnack Road“ der 2001 verstorbene Van Stephenson involviert ist, gehe ich davon aus, dass Paul dieses Stück auch aus irgendeiner Schublade hervorgeholt hat.

Gleiches gilt für das von O‘ Keefe wohl einstmals erschaffene „Windy City’s Blue“ (gesungen von Steve Grisham). In den verbliebenen neuen Tracks wird natürlich nicht nur textlich, kräftig an vergangene Zeiten und die Heroren/Weggefährten der Szene (u. a. in „Southern Rock Will Never Die“, „Macon Memories“) erinnert, sondern auch im Instrumentalstück „Showdown“, dass man als Hommage an „Jessica“ von den Allman Brothers interpretieren kann.

Begeisternd ist natürlich besonders die typisch quirlige E-Gitarrenarbeit aller involvierten Saitenzupfer, die hier wieder in jedem Track feurige, zum Teil mehrfach ineinander greifende Soli mit Twins und allen Schikanen, auf dem ausgelegten Doppeldrums -und Orgelfundament, zum Besten geben. Das zweite Trademark der Outlaws, die Harmoniegesänge, sind natürlich auch hier wieder Usus.

Fazit: Henry Paul ist der letzte verbliebene große Fels, der nach wie vor, fest in der Southern Rock Brandung steht. Bei seinem starken Kollektiv um in ihn herum, kann man beruhigt mutmaßen, dass es bei den Outlaws, auch in Zukunft erfolgreich auf dem Dixie Highway weitergehen wird.
Die CD kommt in einem schönen Hochglanz-Digipak mit eingelegtem Booklet, inklusiv Bilder, Texten und sonstigen Infos. Southern Rock will never die!

SPV (2020)
Stil: Southern Rock

Tracklist:
01. Southern Rock Will Never Die
02. Heavenly Blues
03. Dixie Highway
04. Overnight From Athens
05. Endless Ride
06. Dark Horse Run
07. Rattlesnake Road
08. Lonesome Boy From Dixie
09. Showdown (Instrumental)
10. Wind City`s Blue
11. Macon Memories

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SPV Steamhammer

Bywater Call – 22.02.2020, Blue Notez Club, Dortmund – Konzertbericht

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Kurz vor Ende der 7-wöchigen Tour durch Europa spielten die Kanadier Bywater Call im Dortmunder Blue Notez vor. Nachdem wir schon vom Konzert in der Krefelder Kulturrampe berichtet hatten, bot sich nun die Möglichkeit zu sehen, ob der fulminante dortige Auftritt so langer Zeit ‚on the road‘ wiederholbar ist. Zudem hatte ich einen Freund, der Musik studiert hat, dabei, der neben dem emotionalen Empfinden, auch einen anderen, professionelleren Blick auf das Konzert hatte.

Der Keller im Blue Notez war um 8:00 Uhr gut gefüllt und auch Pille Peerlings, Chef der Krefelder Kulturrampe, hatte den Weg nach Dortmund gefunden, um das Konzert unabhängig des Veranstalterstresses zu verfolgen. Pünktlich betrat dann die Band zunächst ohne Sängerin Meghan Parnell die Bühne, um ein kraftvolles Intro hinzulegen. Schon hier war die Dynamik und Harmonie der Musiker zu erkennen.

Nach einigen Minuten stieß dann auch die zierliche Fronterin hinzu und die Band legte ein knapp 100 minütiges zweigeteiltes Set hin, welches in großen Teilen dem von vor etwa 6 Wochen entsprach, was aber auch nicht verwunderlich ist, da die jungen Kanadier noch nicht so lange auf dem Markt sind und fast nur eigenes Sonmaterial präsentierten, dabei auch ein Lied, das erst auf dem nächsten Album im Herbst offiziell veröffentlicht wird.

Es ist schwer, Stücke aus einem durchweg starken southern-, soul- und blues-beeinflussten Konzert herauszuheben. Emotional war natürlich „Sign of Peace“, im Zuge der Geschehnisse der letzten Woche in Deutschland, ein Highlight. Leider gibt bei uns, aber auch vielen anderen Ländern nationalistische, rassistische Parteien, denen man nur das Zeichen des Mittelfingers zeigen kann. Nun aber weg von politischen Gedanken zu einem traumhaften Konzertabend.

Der Band gelang es praktisch von Beginn an, das Publikum mitzunehmen, wobei Energiebündel Meghan Parnell mit der kraftvollen Stimme, immer wieder den Kontakt herstellte und zuweilen die Besucher zum Mitsingen animierte, das auch trefflich gelang. Besonders sympatisch war dabei, dass sie sich nicht divenhaft in den Vordergrund spielte, sondern sich auch optisch in vielen Phasen zurückhielt, wenn die anderen Musiker Soloparts hinlegten.

Beeindruckend war das meist fingerpickende Bottleneckspiel von Dave Barnes an der Gitarre, dem es gefühlsmäßig gelang, die Weiten der kanadischen Landschaften in die Songs zu zaubern. Teilweise schien er dabei wie ein Derek Trucks in seine Musik versunken zu sein, dass er gar nicht mitbekam, was sich um ihn herab abspielte.

In die beiden prägenden Bestandteile der Band, den Gesang und die Gitarre, fügten sich die anderen Instrumente harmonisch und auf den Punkt gespielt ein, dass am Ende das homogene Werk exzellenter Musiker stand, von denen noch einiges zu erwarten ist, wenn es gelingt diesen Esprit beizubehalten. Alan Zemaitis an den Keyboards und am E-Piano untermalte zuweilen mit sphärischen Soundteppichen , glänzte aber auch mit starken Soli, oft in rasantem Tempo.

Den beiden Bläsern, Julian Nalli am Saxofon und Trompeter Stephen Dyte brachten ein weiteres Element in die southernrockige Musik von Bywater Call . Der leicht soulige Einschlag gab den Stücken etwas liebliches, wobei beide Musiker in ausgedehnten Soli ihr Können bewiesen, aber auch nur punktuell eingesetzt den Stücken, eine besondere Würze gaben. Des Weiteren übernahmen sie immer wieder Percussionparts, mit Schellenkränzen, die dann von mehreren Musikern gleichzeitig eingesetzt wurden, um einen imaginären räumlichen Kreis zu bilden.

Last but not least die Rhythmussektion um den nun bärtigen Drummer Bruce McCarthy (in Krefeld noch rasiert), der mit einer spielerischen Leichtigkeit, gemeinsam mit dem Bassisten Mike Meusel das Fundament des Septetts bildete. Beide glänzten ebenfalls in mehreren kurzen Soloparts, dass letztendlich, wie es sich für eine gute Band gehört, alle Musiker ihren Anteil hatten und nicht nur der spielerische Apendix eines Fronters waren.

Nach etwa 90 Minuten verabschiedete sich die Band, die aber nach frenetischen Zugabeforderungen für zwei Zugaben zurück kam. Zunächst betraten nur Meghan Parnell und Dave Barnes die Bühne. Mit „Swing Low“ folgte dann der für mich musikalische Höhepunkt. Barnes begleitete Parnell zum Einstieg allein an der Gitarre, deren Stimme in diesem ruhigen Part des Songs noch einmal voll zur Geltung kam. Nach einiger Zeit betrat dann der Rest der Band die Bühne und stieg nach und nach in das Stück ein, das dann immer mehr an Dynamik gewann und jammend endete.

Das Konzert endete mit „I Am“ ähnlich wie es begann. Nachdem Parnell ihren Gesangspart beendet hatte, verließ sie die Bühne und überließ diese dem Rest der Band, die das Konzert in einem mehrminütigen Jam beendete. Bywater Call wussten somit schon bei ihrem ersten Europatrip das Publikum zu begeistern, dass diese Tour mit Sicherheit keine Eintagsfliege war.

In manchen Momenten war es Meghan Parnell anzumerken, wie ergriffen sie von der positiven Resonanz der Besucher war, die auch in den Songs nach Soloparts nicht sparsam mit Applaus umgingen. Nach knapp 2 Stunden Musik war der Abend aber noch nicht beendet und die sieben Musiker nahmen sich noch Zeit für die zahlreichen Fans am Merchendisestand.

Teenage Head Music-Mastermind Manny Montana hat es mal wieder geschafft, ein Kleinod aus Amerika nach Europa zu holen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn Bywater Call einen ähnlichen Weg einschlagen würden wie Blackberry Smoke, die vor Jahren auch von ihm über den großen Teich gebracht wurden.

Wer es verpasst hat, Bywater Call auf dieser Tour zu sehen, hat Anfang Mai noch einmal die Chance dies nachzuholen, wenn die Band am ersten Maiwochenende auf dem Moulin Blues Festival in Ospel, zwischen Venlo und Eindhoven, und im Kölner Yard Club spielen wird.

Ein Dank auch an die nette Aufnahme im Blue Notez Club, einem Veranstaltungsort, in dem in den nächsten Wochen noch einige Highlights auf die Besucher warten, als ein perfekter Gastgeber.

Line-up:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar,bgv)
Alan Zemaitis (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Bywater Call
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Teenage Head Music
Blue Notez Club Dortmund

The Cadillac Three – Country Fuzz – CD-Review

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Eine Band, die seit Beginn dieses Magazins ganz sicher unser Herz gewonnen hat, ist The Cadillac Three. Wir hatte das Vergnügen die drei Burschen Jaren Johnston, Kelby Ray und Neil Mason bei diversen Konzerten und Interviews auch persönlich kennen zu lernen.

Obwohl Johnston (sogar mit Kind), Ray und mittlerweile auch Mason, alle fest unter der Haube sind, haben sie ihre jugendlichen Flausen im Kopf behalten und machen unbekümmert das, was, sie vermutlich am liebsten tun und wie es auch bei den Titeln ihrer Songs immer wieder suggeriert wird: Musik machen, Alkohol trinken und von frühster Jugend an, ihrem kleinen Kollektiv eine Menge Spaß haben.

Und das scheint besonders bei Jaren Johnston die Kreativität zu fördern, er zählt für mich zu einem der besten Refrain-Schreiber, die die Country-/Southern Rock-Szene rund um Nashville zu bieten hat.

Und so gibt es auf ihrem brandneuen Werk „Country Fuzz“ wieder einen mit 16 Stücken randvoll bepackten Silberling, bei der sich das Trio in seinem Stil gewohnt treu bleibt. Launige Songs, die vor allem wegen dem hohen Wiedererkennungswert der Refrains, bestens für ihre Live-Konzerten prädestiniert sein werden.

Gut die Hälfte der Stücke wie „Hard Out Here For A Country Boy“ (mit Gastpräsenzen von Chris Janson und Travis Tritt), „“Slow Rollin‘„, „All The Makin’s Of A Saturday Night„, „Crackin‘ Cold Ones With The Boys“ (produziert von Dann Huff),  „Back Home„, „Dirt Road Nights„, „Heat“ und „Long After Last Call“ sind bereits als Videos oder Lyric Videos vorab verfügbar gemacht worden und geben einen guten Eindruck über das Gesamtflair des Albums.

Mit dem zünftigen Opener „Bar Round Here“ aus der Feder Jon Johnston, Mason und Lori McKenna, dürften sie sofort die Sympathien der Southern Rock-Gemeinde gewonnen haben. Ein flott abgehender rhythmischer Rock-Schunkler, mit herrlich typischem Slide-Spiel. Auch im weiteren Verlauf gibt es hier einiges an Szene-typischen Zutaten auf die Ohren.

Vieles läuft nach bewährtem Rezept, viel Sprechgesang in den Strophen, launige, sich schnell in den Sinn bohrende Strophen. Schöne, slidende Soli, ab und zu geht es wie bei „The Jam“, „All The Makin’s Of A Saturday Night“ und „Jack Daniels‘ Heart“ (klasse Groove, wüstes Slide-Finish, mein Favorit des Werks) auch mal richtig funkig zu, das Stadion-taugliche „Heat“ stünde selbst Nickelback gut zu Gesicht.

Aber auch das Gespür für Ohrwürmer ist den Jungs nicht abhanden gekommen, beste Beispiele sind tolle Tracks wie“Labels“, „Back Home“, „Dirt Road Nights“ und das abschließende „Long After Last Call“.

Das vierte Werk „Country Fuzz“ von The Cadillac Three steht für ihren unnachahmlichen authentischen Stil aus Country- und Southern Rock, diesmal teilweise sogar etwas funky. Der Fun-Faktor hatte wieder einmal spürbar oberste Priorität. Man darf sich von daher schon auf die Performance der neuen Stücke bei ihren kommenden Konzerten freuen. So let’s get ready for fuzz!

Big Machine Records (2020)
Stil: Country Rock

01. Bar Round Here
02. The Jam
03. Hard Out Here For A Country Boy
04. Slow Rollin‘
05. All The Makin’s Of A Saturday Night
06. Crackin‘ Cold Ones With The Boys
07. Labels
08. Raise Hell
09. Back Home
10. Dirt Road Nights
11. Blue El Camino
12. Jack Daniels‘ Heart
13. Why Ya Gotta Go Out Like That
14. Heat
15. Whiskey And Smoke
16. Long After Last Call

The Cadillac Three
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Oktober Promotion
Universal Music

Marcus King – El Dorado – CD-Review

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Gerade mal Anfang Zwanzig, bringt der aus Geenville, South Carolina, stammende Marcus King mit „El Dorado“, bereits schon das vierte Album auf den Markt.

Neu ist, dass er hier jetzt ganz unter eigener Fahne firmiert und die Musik noch stärker auf seine Vorstellungen fixiert zu haben scheint.

Dafür hat er sich mit dem Songwriter, Sänger und Gitarrist von The Black Keys, Dan Auerbach, zusammengetan, der die neuen zwölf Stücke in seinem eigenen Studio in Nashville, mit eingespielt und produziert hat. Auch mit dabei prominente Musiker wie u. a. Gene Chrisman (drums) und Bobby Woods (keys).

Im Prinzip, soweit ich die beiden anderen bisher hier reviewten Alben noch im Sinn habe, ist der größte Unterschied das Weglassen der Bläserelemente. Die Musik bewegt sich wieder in einem breiten Rahmen aus Country-, (Southern) Soul-, Gospel, R &B, Blues- und Rock-Ingredienzien, allerdings harmonisch ineinander greifend, umwittert meistens von ein gewissen Retro-Charme.

Getragen wird sie von Kings eigenwilliger, hell-raspeliger Stimme und seinem feinen Gibson-ES-E-Gitarrenspiel. Bei den countresken Sachen wie u. a. „Young Man Dream“, „Sweet Marionna“ , „Beautiful Stranger“ oder „Too Much Whiskey“ (ziemlich unverhohlen abgekupfert bei Charlie Daniels‘ „Trudy“) hört man die Pedal Steel wimmern, bei letztgenanntem kommt auch eine Harp zum Einsatz. Zuweilen finden auch retromäßige Streicher in ausgewählte Tracks („Break Me“, „No Pain“).

Ansonsten spielen (E-) Piano und Organ für die atmosphärische Note eine große Rolle, die Backgroundsängerinnen sorgen für einiges an Gospel- und Soul-Flair.

Richtig gerockt wird beim stampfenden „The Well“ (erinnert an die Band Of Heathens), „Say You Will“ (psychedelische Note, saustarkes E-Gitarrensolo) und „Turn It Up“ (hat was von den alten Free).

Mein persönlicher Favorit des Werks ist der wunderbare Blues-Schwofer „Wildflowers & Wine„.

Wie bereits erwähnt, passt alles sehr gut zusammen. Trotzdem hat man auf „El Dorado“ bei Marcus King, wie einst bei den Jägern nach dem Goldland in Südamerika,  noch den Eindruck eines Suchenden nach dem richtigen Weg.

Fest steht aber schon jetzt, dass ihm angesichts seines außerordentlichen Talents, eine goldene musikalische Zukunft bevorsteht. Wir werden ihn live demnächst in der Kölner Kantine anchecken, wo er am 05. März auftreten wird.

Fantasy Records (2020)
Stil: Blues Rock, Southern Rock, Country, Soul

01. Young Man Dream
02. The Well
03. Wildflowers & Wine
04. One Day She Is Here
05. Sweet Mariona
06. Beautiful Stranger
07. Break
08. Say You Will
09. Turn It Up
10. Too Much Whiskey
11. Love Song
12. No Pain

The Marcus King Band
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Oktober Promotion

Dallas Moore – Tryin‘ To Be A Blessing – CD-Review

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Ein Musiker, der schon lange von unserer Klientel geschätzt wird, ist verdienter Maßen Dallas Moore. Ich habe in meinem Portfolio nur seine „High On Hog“-Scheibe aus dem Jahre 2002. Da bot sich in der, im Moment eher bemusterungsruhigeren Zeit, jetzt mal an, sein neuestes Werk aus dem Endquartal des letzten Jahres, „Tryin‘ To Be A Blessing“, zu beleuchten und dem Musiker damit, seinen wohl verdienten Platz in unserem Magazin zu sichern.

Die Scheibe dauert zwar leider nur 29 Minuten, ist aber mit neun herrlichen Songs voller Spielfreude bestückt. Produziert hat das Werk des Rauschebartträgers erneut der uns ebenfalls bekannte Dean Miller (Sohn von Country-Legende Roger Miller), der um Moore wieder exzellente Musiker wie u. a. Steve Hinson (pedal steel), Guthrie Trapp (electric guitar), Mark Beckett (drums), Jenee Fleanor (fiddle) und Gordon Mote gescharrt hat, die sich für den Protagonisten spürbar ins Zeug legen.

Trapp mit seinem vorzüglichen Bariton-Geknarze (viele ‚kleine‘ Soli und Fills) und Mote mit seinem unverwechselbar ‚klaren‘ Pianogeklimper (ich hatte mich noch garnicht mit den Musikern beschäftigt, da wusste ich im Prinzip schon, dass er mit von der Partie war), setzen neben Moores rauem Wohlfühl-Gesang (eine Art Mischung aus Bob Seger und Pirates Of The Mississippi-Fronter Bill McCorvey), die Hauptakzente.

Los geht es mit der launigen Uptempo-Hommage an seine Eltern „Mama & Daddy„, die beide erst vor nicht allzu langer Zeit verstorben waren und in ihrer Unterschiedlichkeit humorvoll von Dallas nachgezeichnet werden („…mama was a good-fearing woman, daddy was a hell-raisin‘ man, she had a bible in the kitchen, he had a bottle in his hand…“).

Der swampige, saucool gesungene Southern Rock-Schunkler „Della And The Dealer“ mit reißendem Slide ist genau der Stoff, wie wir ihn lieben. So ein typisches Endlos-Stück, an das man unzählige Strophen und Soli anfügen könnte, ohne, dass es einem langweilig wird – klasse. Ruhig und melancholisch wird es erstmals bei „Everything But You“, dem später mit „I Love You Woman“ (Slide im ABB-Stil) und „You Saved Me From Me“ zwei weitere behutsamere Tracks folgen.

Ansonsten dominiert fröhliches narratives Countrymusizieren mit viel Steel-Geleier und den typischen sonstigen Zutaten. Und am Ende bietet Moore mit einer famosen Countryversion von „Lodi“, John Fogerty, ordentlich die Stirn, wenn auch die Klasse dieses allerdings auch außergewöhnlichen Liedes nicht ganz erreicht wird. Trotzdem ein finales Highlight auf diesem durchgängig hörenswerten, immer mit einem unterschwelligen Outlaw-Flair daher kommenden Tonträger.

Am Ende möchte man direkt zum Player hinlaufen und sofort den nächsten Hördurchgang anschmeißen. Somit bietet „Tryin‘ To Be A Blessing“ eine knappe halbe Stunde feinster süffiger  Southern-Countrymusik, die es in sich hat. Chapeau Dallas Moore, willkommen im Club!

Sol Records (2019)
Stil: Country Rock

Tracks:
01. Mama & Daddy
02. Della And The Dealer
03. Everything But You
04. Tryin‘ To Be A Blessing
05. I Love You Woman
06. You Saved Me From Me
07. All I Need
08. Lovin‘ On Back Streets
09. Lodi

Dallas Moore
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Fish Fisher – Keep Doing Wrong – CD-Review

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Jetzt, wo sich das Jahr langsam dem Ende nähert und die Neuveröffentlichungen etwas rarer gesät sind, kommt man auch mal zu dem, wofür ich dieses Magazin eigentlich ins Leben gerufen hatte: Hier unseren Lesern weitestgehend unbekannte Musik vorzustellen und positiv zu überraschen.

Die Realität zeigte aber recht schnell, vor allem wenn man einmal in den Fängen der Musikindustrie und ihren Vertretern gelandet ist (die uns allerdings dieses Jahr auch wieder mit viel toller Musik beliefert haben, vielen Dank dafür vorab), dass solche Vorhaben in einem kleinen Team von Schreibern, intensiv nur schwer umzusetzen sind.

Der aus Toledo stammende, sich auch in Gaitlinburg und Nashville bewegende Fish Fisher ist endlich mal wieder so ein Kandidat, den vermutlich niemand hier kennt (ich bis dato auch nicht, der Tipp stammt von einem befreundeten Musik-Junkie).

Der umtriebige Songwriter mit dem Spitznammen „Godfather of Ghettobilly“ (hat einen Fundus von über 2000 Songs und schreibt jedes Jahr um die 200 neue Tracks!!!) und Live-Musiker, spielt so ungefähr überall (vom Kanninchenzüchterverein, über Pokerrunden, Hochzeiten, Business-Events, Radio- und TV-Shows, den einschlägigen Locations bis zu Festivals), wo man sich ein paar Dollars verdienen kann.

Als Spezialität wird ihm dabei das Genre-Hopping nachgesagt: Als Mountain Music, Alternative-Country, PsychedeliGrass, Acoustic-Sludge, Ghettobilly, Unplugged-Rock, Roots-Pop, Rowdy-Folk, Yeehaw-Blues, etc. hat man seine Art zu Performen in den einschlägigen Musikplattformen charakterisiert.

Sein neustes Album „Keep Doing Wrong“ bewegt sich allerdings eindeutig in den Sphären des Cuntry-umwobenen Southern Rocks. Die dreizehn Stücke bieten dem geneigten Genre-Liebhaber eigentlich alles, was das Herz begehrt: eine raue, charismatische Stimme, tolle Melodien, typische Akustik- und E-Gitarren (zum Teil sehr schöne hymnische Hooks), Piano und Orgel, mit kleinen Abstechern wie dem psychedelischen „Spaceflight“ oder dem zungenbrecherischen Bluegrassfeger „Critters“ (mit herrlich kratziger Mandoline) zum Abschluss.

Der Rest, vom rockenden Opener „We’re Gonna Make It“, über Sachen wie dem Outlaw-mäßigen Titelstück „Keep Doing Wrong“, die balladesken „Worst As It Gets“, Drinking My Way Back To You“, „Me , The Man & The Moon oder “Whiskey & Cigarette”, dem launigen “Water & Stars (mit dezenten “Walk On The Wild Side”-Ingredienzien ) und dem treibenden „Stomping Ground“ (wie der Titel es schon suggeriert, schön stampfend), serviert einem alles, was man so aus dem Dunstkreis von Vergleichsgrößen wie u. a.  Travis Tritt, den einstigen Rambler, Pirates Of The Mississippi oder Modern Earl, etc. aufgrund vokaler Ähnlichkeiten zu schätzen weiß.

Fish Fishers „Keep Doing Wrong“ erweist sich als sein mit Abstand bester Longplayer bisher. Ein Werk, bei dem man bei jedem Hördurchgang kleine neue schöne Feinheiten entdeckt und das demnach immer besser zu gefallen weiß. Ein sehr authentisches lebendiges Album, das ihm nach Erwerb sicherlich viel Sympathien, auch in hiesigen Genre-Kreisen, einbringen wird. Somit alles richtig gemacht!

Eigenproduktion (2019)
Stil: Country Rock

Tracks:
01. We’re Gonna Make It
02. You Deserve Better Than Me
03. Guy That Gets You
04. Keep Doing Wong
05. Worst That It Gets
06. I Wanna Feel Again
07. Water & Stars
08. Drinking My Way Back to You
09. Me & the Man in the Moon
10. Space Flight 99
11. Whiskey & Cigarette
12. Stomping Groundse
13. Critters

Fish Fisher
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Mike Nash & Southern Drawl Band – Stay Thirsty – CD-Review

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‚Gute Laune‘-Musik ist seit Jahren das Markenzeichen der Southern Drawl Band aus Knoxville, TN, die mit ihrem frischen Country-Rock auf „Elixir“ bereits im SoS begeistert reviewt wurde.

Gründungsmitglied und Frontman Mike Nash hat nun mit der neuen Scheibe „Stay Thirsty“ eine Art Solo-Album vorgelegt, das mit Unterstützung seiner Band-Freunde einen Tropical-Country-Rock à la Jimmy Buffet um eigene Elemente erweitert. Der inzwischen erfahrene Singer/Songwriter Nash hat sich hierfür jedoch zusätzlich einige bekannte Co-Autoren an Land gezogen, wie z.B. Dan Demay, Leslie Satcher, Casey Beathard („Stay Thirsty“) oder Darryl Worley, die sich in der Nashville-Country-Szene seit langem erfolgreich einen Namen gemacht haben.

So wundert es nicht, dass der als Top-Radio-Single laufende Einsteiger „Summer Sound“ die Party-Time im leichten Country-Style eröffnet und der Titelsong „Stay Thirsty“ die ‚Modern-Country‘-Reihe viel zu schnell in leider nur rund 3 Minuten, aber musikalisch leichtfüßig fortsetzt.

Das intensive Story-Telling-Stück „Postcards From The Road“ erzählt als langsame, aber starke Nummer nostalgische Erinnerungen in den niveauvollen Lyrics und bereitet den Hintergrund für den anschließenden Ohrwurmkracher „Cold Beer“, der als bärenstarker Southern-Country-Rock seine eigene Klasse ausspielt.

Die ohnehin fröhliche Südstaaten-Atmosphäre des quirligen Zydeco-Tracks „Redneck Riviera“ bringt ausgelassen den ursprünglichen Sound von New Orleans auf die Tanzfläche und ist erneut ein gutes Beispiel für die dynamische Spielfreude des gesamten Longplayers.

Einfühlsame Love-Songs, wie „Carolina Kinda Love“ oder „On A Day Like This“ passen ebenso in das vielfältige Country-Rock-Image von Mike Nash, wie der hymnenartige Stadion-Track „Nobody Like Us Nobodies“ im Southern-E-Gitarren-Gewitter und die überwiegend akustisch geprägte Nummer „Remind Me (Who I Am)“, mit herrlichen, persönlich klingenden Textpassagen.

Die harmonischen Country-Ausläufer von „I Need a Breather“ inklusive Orgel- und Pedal-Steel-Solo bilden mit der feinen Ballade „Waves“ zum Abschluss weitere besondere Stärken der ausgewogenen Produktion.

Mike Nash hat mit „Stay Thirsty“ nicht nur ein gelungenes Album im angesagten Country-Sound seiner Heimat veröffentlicht, sondern eine rundum musikalisch erfrischende Scheibe, die über die Grenzen des Genres hinaus geeignet ist, die bisherige Erfolgsgeschichte auszubauen.

Down Home Records (2019)
Stil: (Southern) Country Rock

01. Summer Sounds
02. Stay Thirsty
03. Postcards From The Road
04. Cold Beer
05. Redneck Riviera
06. Carolina Kinda Love
07. One Day Like This
08. Nobody Like Us Nobodies
09. Remind Me (Who I Am)
10. I Need a Breather
11. Waves

Southern Drawl Band
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Don Ender – Southwards – CD-Review

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Der in der Rhein-Neckar-Metropole, sprich in Mannheim, ansässige und vermutlich auch dort eher bekannte Musiker Don Ender schickt sich jetzt mit seinem Debütalbum „Southwards“ an, auch überregional bekannt zu werden.

Und er setzt dabei ganz klar, wie der Titel seines Werkes auch schon suggeriert, auf die Karte Southern Rock. Auch wenn er dabei seine Herkunft, wie so oft üblich bei Scheiben aus deutschen Landen, die ich reviewt habe, zwar recht gut, aber nicht ganz kaschieren kann (Gesang, simple Texte), liegt er hier aber ganz weit oben im Rankingkompatibler Acts und weiß dafür besonders im musikalischen Bereich, vollends zu überzeugen.

Unterstützt haben ihn dabei die Drummer Frank Eichsberger und Olav Federmann (Track 5 und 7) und recht kräftig ein Bekannter unseres Magazins, Timo Gross, der sich sowohl beim Songwriting, der Produktion, als auch in Sachen Bass, Gitarren, Keyboards und Backgroundgesängen eingebracht hat.

Der überwiegende Teil der Tracks hat einen schönen treibenden Southern Blues-Rock-Charakter, immer dabei auch sehr melodisch, wobei Acts wie ZZ Top und die Allman Brothers („Stranded“, „Always By Your Side“), aber auch Sachen, die aus dem Dunstkreis von Gary Rossington stammen, hier sei vor allem sein typisch knarzend-fiepiges Les Paul-Spiel erwähnt, richtungsweisend gewesen zu sein schienen.

Nur zweimal beim westcoast-umwehten „Nothing’s Gonna Be The Same“ (mit Pfeiferei und Akustikgitarren) und dem abschließenden melancholischen „Coming Home“ wird es mal etwas besinnlicher.

Meine Favoriten sind aber die kleinen dreckigen kompromisslosen Southern Rocker wie „Miss You So Bad“, „Nothing’s Gonna Be The Same“, „Trouble“, „Nick Of Time“ (Intro erinnert an Skynyrds „Travelin‘ Man“) oder „Shackles On My Soul“, wo es Ender und Gross auf ihren Saiteninstrumenten richtig krachen lassen.

Insgesamt hat Don Ender mit „Southwards“ eine tolle, kurzweilige Scheibe (Timo Gross als kongenialer Partner natürlich nicht zu vergessen) kreiert, die die Begeisterung für die Sache sehr authentisch rüber bringt und vor allem, was in Southern Rock-Kreisen ja ein Muss darstellt, in den vielen, klasse gespielten Gitarrenparts, ihre große Stärke offeriert.

Im Jägerjargon würde man beim Begutachten dieser (musikalischen) Beute sicherlich von einen kapitalen 10-Ender sprechen. Oder einfach anders gesagt: Ender gut, alles gut!

Grand Cru Records (2019)
Stil: Southern Rock

Tracklist:
01. Stranded
02. Miss You So Bad
03. Something’s Got A Hold On Me
04. Nothing’s Gonna Be The Same
05. Bad Boy
06. Trouble
07. Nick Of Time
08. Shackles On My Soul
09. Always By Your Side
10. Coming Home

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Holman Autry Band – Roots – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Der ungebrochene Ehrgeiz, das „eigene Ding“ zu machen, ist in der 12-jährigen Bandgeschichte der Holman Autry Band aus Madison County, Georgia, die konstante musikalische Triebfeder geblieben. Auch ihre neue, fünfte Scheibe „Roots“ entwickelt trotz vertrauter Einflüsse, die aus den weiten Gefilden des Southern und Country Rock zu spüren sind, ein maßgeschneidertes Eigenleben. Diese Maßarbeit verdankt die Combo u.a. wieder einmal Davis Causey, ihrem Freund und Produzenten, der den 12 „Original“ Holman Autry Songs den großartigen Studio-Sound verpasst.

Schon mit dem ersten Track „Keys In The Truck“ kommt die Band in der schnellen Südstaaten-Rock-Kategorie“ (Dickey Betts lässt grüßen) auf Touren. Sie erinnert im nächsten sehr eingängigen Country-Rock „Square“ an ihre Idole und im Refrain augenzwinkernd daran, dass die Holman Autrys einen Vergleich mit diesen bisweilen nicht scheuen müssen. Die Bandmitglieder Brodye Brooks (Lead Gitarre), Casey King (Vocals und Bass Gitarre), Josh Walker (Vocals und Rhythmus Gitarre) und Brandon Myers (Schlagzeug) sind alle „self-taught musicians“, die sich schon seit der Highschool-Zeit kennen und bei Sounds of South mittlerweile als Review-Stammgäste angekommen sind.

In der Interpretation, das gesamte Album als „Black Label Country“, also einer eigenen Stilrichtung zu bezeichnen, hat die Band auch den Titelsong „Roots“ melodisch einfallsreich und in gewisser Weise experimentell ausgestaltet – ein klassischer Mid-Tempo Südstaaten-Rock verbindet sich mit typischen Gospel-Soul-Rhythmen zum Ohrwurm. Dass diese spirituellen Wurzeln in der Country-Musik ebenfalls ihren Platz haben, belegt die folgende einfühlsame Akustik-Nummer „Jesus In Jail“ nicht nur im Storytelling, sondern bringt, wie der fünfte Titel „Cotton Gin“, althergebrachte Folk- und Bluegrass-Weisen wörtlich ins Spiel einer mehr als unterhaltsamen Scheibe.

Ein Portrait der amerikanischen Provinz und deren originellen Eigenheiten gelingt der Holman Autry Band weiterhin beim geradezu „leichtfüßig“ daher kommenden „Dam Fishing“, das im Country Rock Stil und Mitsing-Refrain wirkungsvoll hängen bleibt. Sowie bei der mittel-schweren Blues-Rock-Nummer „Louisiana Lucy“ mit ausgeprägter E-Gitarren-Dominanz. Die gefühlvoll-angenehme Gitarren-Arbeit auf dem achten Stück „Small Price“ findet ihre vertraute Klangatmosphäre vergleichbar durchaus bei den Eagles wieder, während die „Great American Tragedy“ als intensive Southern-Rock-Sound-Collage mit balladenartiger Struktur auch bei den Drive-By Truckers für Begeisterung gesorgt hätte.

Diese unbekümmerte, aber gleichwohl erfrischende, eigene Songschmiede der Holman Autry Band liefert im Anschluss mit „Something Old“ schließlich wie selbstverständlich den alternativen Mid-Tempo Highway-Country-Song, der vom Riff-Gewitter des markanten Southern-Rock-Blues „Your Own Desaster“ im unverkennbaren Skynyrd-Mythos abgelöst wird. Den Abschluss der Scheibe bildet die langsame Country-Rock-Ballade „Where The Song Went“ und fordert damit unvermittelt zum „Play It Again!“ auf.

Nach „Sweet Southern Wind“ (2009) und „Electric Church“ (2016) hat die Holman Autry Band mit dem bemerkenswerten Album „Roots“ erneut einen starken Longplayer vorgelegt, der ihre Songwriting-Qualitäten nochmals bestätigt und die musikalischen Wurzeln der Gruppe im breiten Umfeld des Southern- und Country-Rock energiegeladen präsentiert.

Eigenproduktion (2019)
Stil: Southern Rock, Country

01. Keys In The Truck
02. Square
03. Roots
04. Jesus In Jail
05. Cotton Gin
06. Dam Fishing
07. Louisiana Lucy
08. Samall Price
09. Great American Tragedy
10. Something Old

Holman Autry Band
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Them Dirty Roses – 12.10.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Der zweite Auftritt in Krefeld von Them Dirty Roses bescherte der Kulturrampe erneut ein ausverkauftes Haus. Nach dem schweißtreibenden Auftritt des letzten Jahres hatte sich die Band aus Nashville ja auch wärmstens für einen weiteren Konzertabend empfohlen.

Viele Besucher des ersten Konzerts sind daher wieder in die Rampe gepilgert. Einhellige Meinung nach der Show war, dass die Band nochmal einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht hat.

Nach einem kurzen, von Rückkopplungen geprägten Intro, ließen die Jungs mit dem starken „Grew Up In The Country“ direkt zu Beginn des Abends keinen Zweifel daran, aus welcher Richtung der (Southern-)Wind weht. Das Publikum ließ sich sofort mittreiben, sodass bereits nach den ineinander gespielten „Molly“ und „Wiskey In My Cup“ der Saal kochte.

„A Bad Hand“, das sich auf der Deluxe-Ausgabe der beiden EPs von Them Dirty Roses findet, heizte weiter ein. Auch die folgenden, bislang unbekannten Stücke funktionierten unglaublich gut und taten der Stimmung keinen Abbruch. Nach „You Can’t“ und dem melodiösen, mit Riffs a la Lynyrd Skynyrd versehenen „Sunday Drunk“ streute die Band mit „Black Magic Lady“ ein langsameres Stück ein.

Die Rampe hatte sich in der Zwischenzeit temperaturmäßig ganz schön aufgeladen. Ein verständnisvoller Gast spendierte der schwitzenden Truppe eine Runde, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Die zeigte sich vom Altbier begeistert und Gitarrist Andrew Davis hatte sichtlich Spaß am Plöp des Bügelverschlusses. Hier erwies sich die Rampe erneut als Forum interkulturellen Austauschs.

Die Band interagierte untereinander sowie mit dem Publikum prima. Auf der Bühne wurde gescherzt, die Besucher zum Klatschen oder Mitsingen animiert. „What Your Daddy Doesn’t Know“ gefiel mir daher noch besser als die Studioversion und auch der einprägsame Gesangspart des noch unveröffentlichten „Hate Me“ war schnell einstudiert.

Die kurzen Ansagen von Frontmann James Ford vor den Titeln haben das hohe Tempo des Konzerts nicht gestört, sondern erhielten den Fluss nahtlos aufrecht. Im späteren Verlauf übernahm Bassist Ben Crain mehrmals die Moderation, so bei dem nicht ganz jugendfreien „Back Seat Virgin“.

Them Dirty Roses spielten ihre Songs durchgängig mit viel Druck. Besonders im Gedächtnis blieb dahingehend das kraftvolle Schlagzeug-Intro zu „Trouble“ von Frank Ford. Der jüngere Bruder von James leitete zudem das letzte Drittel des Hauptsets durch ein Solo an Fellen und Becken ein, das von den Anwesenden ausgiebig bejubelt wurde.

Daneben fanden aber auch filigranere Passagen ihren Platz, wenn beispielsweise Gitarrist Andrew Davis seine Soli performte. Davon gab es einige während der Show. Die hatten, wie etwa bei „Songs About you“, genau die richtige Länge. Das heißt für mich, dass sie nicht ausuferten, sondern sich in den erkennbar bleibenden Song integrierten.

Das einzige Cover war „Mississippi Queen“ von Mountain. Ansonsten setzten „Them Dirty Roses“ einen Schwerpunkt auf ihre neuen Stücke, die voraussichtlich im März veröffentlicht werden. „The Good Life“ ist ein Hammer-Song, aber auch „Holy Roller“ entwickelt einen tollen Spannungsbogen. Nach der Bandvorstellung endete das neunzigminütige Set erdig rockend mit „Hits And Pills“.

Die jungen Männer ließen sich nicht lange bitten und legten ihre Southern-Hymne „Cocaine And Wiskey“ sowie das mit gemeinsamen Headbanging versehene „Shake It“ als Zugabe obendrauf. Haare flogen sowieso den ganzen Abend, sowohl auf, als auch abseits der Bühne. Ben Crain und Andrew Davis traten in einen Wettstreit, wer die interessantere Performance bietet. Das ist schwer zu entscheiden, da beide unheimlich unterhaltsam sprangen, kreisten, posten.

Es war ein besonderer Abend mit „Them Dirty Roses“, an dem sich Band und Publikum hervorragend aufgelegt zeigten. Frank Ford lobte im Gespräch nach dem Auftritt dann auch den Spirit, der in der Location herrschte. Für mich gehört die Show zu den absoluten Highlights dieses Konzertjahres.

Der Auftritt schürte zudem die Neugier auf das neue Album. Mittlerweile spielt die Band in einer Liga mit Robert Jon & The Wreck oder Hogjaw, die alle bei Teenage Head Music unter Vertrag stehen. Bei der nächsten Tour gehört die Band auf alle Fälle zu den Pflichtterminen für Southern Rocker.

Line-up:
James Ford (lead vocals, electric guitar)
Andrew Davis (electric guitar, vocals)
Ben Crain (bass, vocals)
Frank Ford (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

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