Holman Autry Band – Roots – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Der ungebrochene Ehrgeiz, das „eigene Ding“ zu machen, ist in der 12-jährigen Bandgeschichte der Holman Autry Band aus Madison County, Georgia, die konstante musikalische Triebfeder geblieben. Auch ihre neue, fünfte Scheibe „Roots“ entwickelt trotz vertrauter Einflüsse, die aus den weiten Gefilden des Southern und Country Rock zu spüren sind, ein maßgeschneidertes Eigenleben. Diese Maßarbeit verdankt die Combo u.a. wieder einmal Davis Causey, ihrem Freund und Produzenten, der den 12 „Original“ Holman Autry Songs den großartigen Studio-Sound verpasst.

Schon mit dem ersten Track „Keys In The Truck“ kommt die Band in der schnellen Südstaaten-Rock-Kategorie“ (Dickey Betts lässt grüßen) auf Touren. Sie erinnert im nächsten sehr eingängigen Country-Rock „Square“ an ihre Idole und im Refrain augenzwinkernd daran, dass die Holman Autrys einen Vergleich mit diesen bisweilen nicht scheuen müssen. Die Bandmitglieder Brodye Brooks (Lead Gitarre), Casey King (Vocals und Bass Gitarre), Josh Walker (Vocals und Rhythmus Gitarre) und Brandon Myers (Schlagzeug) sind alle „self-taught musicians“, die sich schon seit der Highschool-Zeit kennen und bei Sounds of South mittlerweile als Review-Stammgäste angekommen sind.

In der Interpretation, das gesamte Album als „Black Label Country“, also einer eigenen Stilrichtung zu bezeichnen, hat die Band auch den Titelsong „Roots“ melodisch einfallsreich und in gewisser Weise experimentell ausgestaltet – ein klassischer Mid-Tempo Südstaaten-Rock verbindet sich mit typischen Gospel-Soul-Rhythmen zum Ohrwurm. Dass diese spirituellen Wurzeln in der Country-Musik ebenfalls ihren Platz haben, belegt die folgende einfühlsame Akustik-Nummer „Jesus In Jail“ nicht nur im Storytelling, sondern bringt, wie der fünfte Titel „Cotton Gin“, althergebrachte Folk- und Bluegrass-Weisen wörtlich ins Spiel einer mehr als unterhaltsamen Scheibe.

Ein Portrait der amerikanischen Provinz und deren originellen Eigenheiten gelingt der Holman Autry Band weiterhin beim geradezu „leichtfüßig“ daher kommenden „Dam Fishing“, das im Country Rock Stil und Mitsing-Refrain wirkungsvoll hängen bleibt. Sowie bei der mittel-schweren Blues-Rock-Nummer „Louisiana Lucy“ mit ausgeprägter E-Gitarren-Dominanz. Die gefühlvoll-angenehme Gitarren-Arbeit auf dem achten Stück „Small Price“ findet ihre vertraute Klangatmosphäre vergleichbar durchaus bei den Eagles wieder, während die „Great American Tragedy“ als intensive Southern-Rock-Sound-Collage mit balladenartiger Struktur auch bei den Drive-By Truckers für Begeisterung gesorgt hätte.

Diese unbekümmerte, aber gleichwohl erfrischende, eigene Songschmiede der Holman Autry Band liefert im Anschluss mit „Something Old“ schließlich wie selbstverständlich den alternativen Mid-Tempo Highway-Country-Song, der vom Riff-Gewitter des markanten Southern-Rock-Blues „Your Own Desaster“ im unverkennbaren Skynyrd-Mythos abgelöst wird. Den Abschluss der Scheibe bildet die langsame Country-Rock-Ballade „Where The Song Went“ und fordert damit unvermittelt zum „Play It Again!“ auf.

Nach „Sweet Southern Wind“ (2009) und „Electric Church“ (2016) hat die Holman Autry Band mit dem bemerkenswerten Album „Roots“ erneut einen starken Longplayer vorgelegt, der ihre Songwriting-Qualitäten nochmals bestätigt und die musikalischen Wurzeln der Gruppe im breiten Umfeld des Southern- und Country-Rock energiegeladen präsentiert.

Eigenproduktion (2019)
Stil: Southern Rock, Country

01. Keys In The Truck
02. Square
03. Roots
04. Jesus In Jail
05. Cotton Gin
06. Dam Fishing
07. Louisiana Lucy
08. Samall Price
09. Great American Tragedy
10. Something Old

Holman Autry Band
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Them Dirty Roses – 12.10.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Der zweite Auftritt in Krefeld von Them Dirty Roses bescherte der Kulturrampe erneut ein ausverkauftes Haus. Nach dem schweißtreibenden Auftritt des letzten Jahres hatte sich die Band aus Nashville ja auch wärmstens für einen weiteren Konzertabend empfohlen.

Viele Besucher des ersten Konzerts sind daher wieder in die Rampe gepilgert. Einhellige Meinung nach der Show war, dass die Band nochmal einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht hat.

Nach einem kurzen, von Rückkopplungen geprägten Intro, ließen die Jungs mit dem starken „Grew Up In The Country“ direkt zu Beginn des Abends keinen Zweifel daran, aus welcher Richtung der (Southern-)Wind weht. Das Publikum ließ sich sofort mittreiben, sodass bereits nach den ineinander gespielten „Molly“ und „Wiskey In My Cup“ der Saal kochte.

„A Bad Hand“, das sich auf der Deluxe-Ausgabe der beiden EPs von Them Dirty Roses findet, heizte weiter ein. Auch die folgenden, bislang unbekannten Stücke funktionierten unglaublich gut und taten der Stimmung keinen Abbruch. Nach „You Can’t“ und dem melodiösen, mit Riffs a la Lynyrd Skynyrd versehenen „Sunday Drunk“ streute die Band mit „Black Magic Lady“ ein langsameres Stück ein.

Die Rampe hatte sich in der Zwischenzeit temperaturmäßig ganz schön aufgeladen. Ein verständnisvoller Gast spendierte der schwitzenden Truppe eine Runde, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Die zeigte sich vom Altbier begeistert und Gitarrist Andrew Davis hatte sichtlich Spaß am Plöp des Bügelverschlusses. Hier erwies sich die Rampe erneut als Forum interkulturellen Austauschs.

Die Band interagierte untereinander sowie mit dem Publikum prima. Auf der Bühne wurde gescherzt, die Besucher zum Klatschen oder Mitsingen animiert. „What Your Daddy Doesn’t Know“ gefiel mir daher noch besser als die Studioversion und auch der einprägsame Gesangspart des noch unveröffentlichten „Hate Me“ war schnell einstudiert.

Die kurzen Ansagen von Frontmann James Ford vor den Titeln haben das hohe Tempo des Konzerts nicht gestört, sondern erhielten den Fluss nahtlos aufrecht. Im späteren Verlauf übernahm Bassist Ben Crain mehrmals die Moderation, so bei dem nicht ganz jugendfreien „Back Seat Virgin“.

Them Dirty Roses spielten ihre Songs durchgängig mit viel Druck. Besonders im Gedächtnis blieb dahingehend das kraftvolle Schlagzeug-Intro zu „Trouble“ von Frank Ford. Der jüngere Bruder von James leitete zudem das letzte Drittel des Hauptsets durch ein Solo an Fellen und Becken ein, das von den Anwesenden ausgiebig bejubelt wurde.

Daneben fanden aber auch filigranere Passagen ihren Platz, wenn beispielsweise Gitarrist Andrew Davis seine Soli performte. Davon gab es einige während der Show. Die hatten, wie etwa bei „Songs About you“, genau die richtige Länge. Das heißt für mich, dass sie nicht ausuferten, sondern sich in den erkennbar bleibenden Song integrierten.

Das einzige Cover war „Mississippi Queen“ von Mountain. Ansonsten setzten „Them Dirty Roses“ einen Schwerpunkt auf ihre neuen Stücke, die voraussichtlich im März veröffentlicht werden. „The Good Life“ ist ein Hammer-Song, aber auch „Holy Roller“ entwickelt einen tollen Spannungsbogen. Nach der Bandvorstellung endete das neunzigminütige Set erdig rockend mit „Hits And Pills“.

Die jungen Männer ließen sich nicht lange bitten und legten ihre Southern-Hymne „Cocaine And Wiskey“ sowie das mit gemeinsamen Headbanging versehene „Shake It“ als Zugabe obendrauf. Haare flogen sowieso den ganzen Abend, sowohl auf, als auch abseits der Bühne. Ben Crain und Andrew Davis traten in einen Wettstreit, wer die interessantere Performance bietet. Das ist schwer zu entscheiden, da beide unheimlich unterhaltsam sprangen, kreisten, posten.

Es war ein besonderer Abend mit „Them Dirty Roses“, an dem sich Band und Publikum hervorragend aufgelegt zeigten. Frank Ford lobte im Gespräch nach dem Auftritt dann auch den Spirit, der in der Location herrschte. Für mich gehört die Show zu den absoluten Highlights dieses Konzertjahres.

Der Auftritt schürte zudem die Neugier auf das neue Album. Mittlerweile spielt die Band in einer Liga mit Robert Jon & The Wreck oder Hogjaw, die alle bei Teenage Head Music unter Vertrag stehen. Bei der nächsten Tour gehört die Band auf alle Fälle zu den Pflichtterminen für Southern Rocker.

Line-up:
James Ford (lead vocals, electric guitar)
Andrew Davis (electric guitar, vocals)
Ben Crain (bass, vocals)
Frank Ford (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

Them Dirty Roses
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Skinny Molly – 05.10.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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In veränderten Line-up traten Skinny Molly an diesem Abend im Dortmunder Piano auf. Statt Jay Johnson, dessen Vater vor wenigen Wochen gestorben war, spielte der Tscheche Pavel Marcel die zweite Lead-Gitarre. Es kann vorweg genommen schon gesagt werden, dass er die Lücke des charismatischen Ex-Blackfoot-Gitarristen sehr gut füllte.

Das andere, was auch gut gefüllt war, war das Musiktheater Piano, wo sich die Besucherzahl im Vergleich zu den letzten Auftritten deutlich erhöht hatte. Dies mag am sympathischen Gig der Amerikaner im Vorjahr liegen. Neues eigenes Material spielte hier jedenfalls keine Rolle.

Das Programm bestand aus einigen Skynyrd-Klassikern, wo direkt zu Beginn „Working For The MCA“ die Fans auf Betriebstemperatur brachte. Danach standen aber eigene Songs, wie „Too Much“, „Tough Go Fishin’“ und „Me And The Devil Himself“ im Vordergrund, die im klassischen Southern-Gewand mit harten Rockeinschlag präsentiert wurden.

Mit „Copperhead Road“, einem Steve Earle-Song, bei dem Mike Estes die Gitarre gegen die Mandoline tauschte, und auch damit zu glänzen wusste, begann eine Zeit mit stark gespielten Coversongs, wie „Call Me The Breeze“, „Devil In The Bottle“ (schrieb Estes mit für LS) und dem obligatorischen „Sweet Home Alabama“.

Bei allen Songs brillierte die Rhythmussektion mit Kyle Law an den Drums und Luke Bradshaw am Bass, der ständig wie auf einem Laufband in Bewegung war. Abgeschlossen wurde dieser Coverpart mit einer phantastischen Version des Stones-Stückes „Dead Flowers“.

Nach einigen Eigenkreationen, aus denen insbesondere „Two Good Wheels“ und das dem Publikum gewidmete „For Y’All“ hervorstachen, kam der für mich musikalische Höhepunkt des Abends, eine Extended Version der Southern-Hymne „Freebird“. Marcel zauberte zu Beginn ein Vogelzwitschern aus seiner Gitarre, Estes zeigte, dass er auch stimmlich noch voll auf der Höhe ist und ein scheinbar nicht endendes Gitarrenduell riss das Publikums zu Begeisterungsstürmen hin. Somit war es nicht verwunderlich, dass frenetisch Zugaben gefordert wurden.

Die Jungs um Estes ließen sich auch nicht lange bitten und spielten eine launige Version des Everclear-Songs „Santa Monica“, den Sie erstmals auf einer Tour performten sowie eine eine wuchtige Adaption des Robert Johnson-Klassikers „Crossroads“, der aber durch Cream erst legendär wurde und bewiesen dabei, dass sie auch den Blues können.

Nach etwa 100 Minuten war dann eine starke Vorstellung von Skinny Molly beendet, doch die Band ließ es sich nicht nehmen, noch einige Zeit mit den Fans im Merchandising-Bereich zu verbringen. Fürs nächste Jahr ist auch eine neue Platte vorgesehen, sodass das Programm vermutlich etwas spannender ausfallen wird.

Line-up:
Mike Estes (lead vocals, lead guitar)
Pavel Marcel (lead guitar)
Luke Bradshaw (bass, vocals)
Kyle Law (drums, vocals)

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Skinny Molly
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

The Steel Woods – Support: Willer – 12.09.2019, Blue Shell, Köln – Konzertbericht

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Wow, The Steel Woods spielen bei ihrer Köln-Premiere im Blue Shell direkt vor ausverkauftem Haus. Sollte unsere Pioneersarbeit – wir hatten ja schon ihr famoses „Straw In The Wind“-Album reviewt, als die Band hier vermutlich noch so gut wie niemand kannte – etwa gefruchtet haben?

Gut, der im Bühnenbereich, wie immer, einer in typisches Rotlicht, gehüllten Dunkelkammer gleichende (zeigte selbst den Mangoldschen Hochleistungskamera-Objektiven die technischen Grenzen auf), ansonsten sehr schöne Kölner Club, ist jetzt nicht der aller größte, aber immerhin!

Zunächst durfte aber ein deutscher Singer/Songwriter namens Willer die Leute einstimmen. Der splittete seine knappe halbe Stunde in jeweils drei deutsch und drei englisch gesungene Lieder. Die erste Hälfte mit Eigenkreationen wie u. a. „Verzicht“ und „Der Moment“ erinnerte mich an den Kollegen Stoppok, nur ohne dessen humoreske Fähigkeiten.

Seine beiden englischen Neukompositionen flossen verhalten dahin, mit dem Bob Seger-Cover „Turn The Page“ gelang dem Alleinunterhalter dang guten Gesangs zumindest ein passender Übergangstrack zum Hauptact.

Fazit: Der Wille bei Willer war da, die Leistung war ok, ich persönlich brauche solche Solodarbietungen, innerhalb einer Arbeitswoche und gerade vor einem Southern Rock-Konzert, eher nicht. Er wäre vermutlich bei einem parallel am gleichen Abend stattgefundenen Roads & Shoes-Gig, besser aufgehoben gewesen.

Nach ganz schneller Umbaupause ließen The Steel Woods um ihren urig aussehenden Leader Wes Bayliss (könnte glatt als ein Nachkömmling von Hank Williams jr. durchgehen) schon mit dem hervorragenden Opener „Rock That Says My Name“ keinen Zweifel aufkommen, dass ein großartiger (New) Southern Rock-Abend in der Luft lag.

AQ2A9360 - KopieDas Quartett  bot naturgemäß ein wirklich toll zusammengestelltes Programm aus ihren beiden bisherigen, absolut empfehlenswerten Alben „Straw In The Wind“ (u. a. mit „Wild & Blue“, „Whatever It Means To You“, „Straw In The Wind“, Axe“) und „Old News“ („All Of These Years“, „Without You“, das grandios shuffelnde „Blind Lover“, „Compared To A Soul“) und natürlich einigen, auch auf diesen Werken integrierten, saustark interpretierten Cover-Nummern.

Die erste im Bunde war „Uncle Lloyd“ von Darrel Scott, saucool die swampige J.J. Cale-/Skynyrd-Adaption „I Got The Same Old Blues (herrlicher Gesang von Bayliss), atemberaubend die dynamische „Whipping Post“-Version, mega-emotional „Southern Accent“ (das erfreulich von Jung und Alt durchsetzte Publikum berührt mit textfestem Mitgesang den Fronter sichtlich, hymnisches Solo von Jason Cope), zu guter Letzt die Powerfassung des Black Sabbath-Klassikers „Hole In The Sky“ mit Wahnsinnsdrumming von Tooke und fetten Soli von Cope. Hammer!!!

Wäre nach den letzten Akkorden des wunderbaren „Let The Rain Come Down“ als Rausschmeißer, nicht sofort die Musik vom Band des Blue Shell erklungen – da bin ich mir sicher – hätten Wes Bayliss (auch mit zwei schönen Harp-Einlagen bei Wild & Blue“ und „I Got The Same Old Blues“), Jason Cope (mit vielen quirligen E-Gitarren-Soli), Drummer Jay Tooke (mit so einigen kraftvollen Drumpoltereien, gute Harmoniegesänge) und Johnny Stanton (immer mit sattem Groove, sporadische Harmonies) noch eine ordentliche Zusatzschicht einlegen müssen.

Besser kann man sich eigentlich nicht bei einem Debüt präsentieren. The Steel Woods haben in jedem Fall das Zeug mit Blackberry Smoke, der Allman Betts Band,  The Cadillac Three und nicht zu vergessen Robert Jon & The Wreck, dem Southern Rock hier auch, weit entfernt von jedem Mainstream,  kommerziell einen ordentlichen Schub zu geben. Die Band hat mit ihrem leicht epischen Touch, vermarktungstechnisch ein hohes Potential, sodass ich mal die Prognose wage, dass bei ihrem nächsten Besuch in der Domstadt, das wesentlich größere Luxor schon herhalten muss.

Nach dem Gig liefen wir den Burschen am Tourbus quasi in die Arme und konnten mit ihnen noch ein paar Worte wechseln. Für unser obligatorisches VIP-Bild posierten sie dann auch anstandslos (der irgendwo herumschwirrende Johnny Stanton wurde dabei kurzerhand durch ein bärtiges Double ersetzt). Wir freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen. Ein Abend der Extraklasse mit The Steel Woods, der in meinen Konzert-Jahreshighlights sicherlich eine Rolle spielen wird! Southern Rock lives!

Line-up Willer:
Willer (lead vocals, acoustic guitar)

Line-up Wade Bowen:
Wes Bayliss (lead vocals, electric guitar, harp)
Jason ‚Rowdy‘ Cope (guitars)
Johnny Stanton (bass, vocals)
Jay Tooke (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

The Steel Woods
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Willer
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Oktober Promotion
Blue Shell Köln

Sister Hazel – Earth – EP-Review

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Mit “Earth” beschließen Sister Hazel ihre vierteilige „Elements“-EP-Reihe, dem naturgemäß die Scheiben “Water”, „Wind“ und „Fire“ zuvor gegangen waren. Sie treffen damit auch, rein thematisch, im Rahmen der aktuellen Klimadiskussionen, absolut den Zahn der Zeit.

Wieder gibt es sechs wunderbar melodische Stücke (plus einem Kurz-Bonus-Track „Remember Me“), die an Eingängigkeit kaum zu überbieten sind.
Der Florida-Fünfer ist für seine Konstanz bekannt. Die Band spielt seit 1993 von Beginn an in unveränderter Besetzung mit Ken Block, Drew Copeland, Jett Beres , Ryan Newell und Mark Trojanowski.

Sicherlich ein Beweis dafür, dass die Chemie in diesem Kollektiv stimmen muss, was sich vermutlich auch im wunderbaren Songwriting niederzuschlagen scheint, das diesmal zum Teil in Kooperation mit bekannten Musikern wie Darius Rucker (solo, Hootie & The Blowfish), Randy Montana oder den Nashville -Hitkomponisten Jerry Flowers und Barry Dean veredelt wurde.

Als Produzent ist erneut Ben Jackson involviert, der auch schon bereits mit vielen uns bekannten Interpreten wie Joe Nichols, Frankie Ballard, Ty Herndon, Jana Kramer, Jimmy Wayne, Jon Pardi oder Steve Azar zusammengearbeitet hat.

Als prominente Gastmusiker sind Dave Lagrande (Keys), Steve Hinson (Steel guitar) und Billy Montana (Harmonica bei „Follow The River“) mit von der Partie.

Kaum sind die ersten Akustikgitarrenklänge ertönt und Ken Blocks berühmter, leicht näselnder Gesang beim Opener „Raising A Rookie“ erklungen, befindet man sich im obligatorischen Sister Hazel-Wohlfühlmodus, der dann auch erst mit Ausklingen der EP beendet ist.

Überwiegend er und zweimal Drew Copeland (der aber wieder beim Killertrack des Werkes „Follow The River“) stehen am Frontmikro, während der überragend spielende Ryan Newell mit seinen variablen Saiteneinlagen (viele Southern Rock-kompatible E-Soli, schöne Mandoline) für die markantesten instrumentellen Akzente sorgt.

Alle Tracks nisten sich sofort in die Gehörgänge ein, explizit eventuell noch herauszuheben sind vielleicht noch das  herrlich melodische „Memphis Rain“ und das launige, ebenfalls von Block gesungene „Good For You“ (mit HT-Geklimper) von dem Mitverfasser Drew Copeland zurecht sagt: It’s the kind of song you can crank up, roll down your windows, and drive down the beach with.”

Die symbolträchtige Darstellung auf dem Titelbild,  in Verbindung mit der Thematik des schön und umfangreich gestalteten Coverartworks, lässt viel Spielraum für Interpretationen oder Spekulationen des Betrachters, bzw. Konsumenten des Silberlings.

Fest steht, die Erde wird sich samt ihrer Elemente weiterdrehen und das hoffentlich, friedlich, human, nachhaltiger, bzw. umweltbewusster als bisher, sowie mit noch unzähligen weiteren Sister Hazel-Ohrwürmern und -Alben!

Trotz all meiner mantra-mäßig wiederholten Lobeshymnen bezüglich dieses Quintetts, befürchte ich allerdings, dass Sister Hazel bei uns weiterhin eines der best gehütesten musikalischen Geheimnisse bleiben werden.

Meine Empfehlung lautet, sich gleich alle vier EPs auf einmal als Einstieg zu besorgen, danach ist einer Suchtgefahr allerdings Tür und Angel geöffnet…

Croakin‘ Poet Records (2019)
Stil: Southern (Rock) Pop

01. Raising A Rookie
02. I Don’t Do Well Alone
03. Slow Lightning
04. Memphis Rain
05. Good For You
06. Follow The River
07. Elements Part IV (Remember Me)

Sister Hazel
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Honey Island Swamp Band – Tres Avispas – EP-Review

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Für eines meiner Konzert-Jahres-Highlights sorgte vor kurzem zweifelsohne die Honey Island Swamp Band mit ihrem herrlichem Auftritt im urigen Leverkusener topos.

Wahnsinn, was hatte das Quintett, bestehend Aaron Wilkinson (lead vocals, electric and acoustic guitar, harmonica, mandolin, hier: banjo), Lee Yankie (electric and slide guitar, vocals), Sam Price (bass, vocals), Garland Paul (drums, vocals) und Chris Spies (keyboards) für einen mitreißenden und spielfreudigen Southern Groove entfacht. Spitzenklasse!

Nach dem Gig drückte mir Bandleader Aaron Wilkinson noch ihre neue EP „Tres Avispas“ in die Hand, aus der sie Teile an diesem Abend vorgestellt hatten. Die Frage, die sich nach solch fantastischen Live-Aufführungen sofort stellt, ist, ob Stücke im Studio die gleiche Wirkung entfalten können. Die kann im Falle dieser EP, mit einem eindeutigen ‚Ja‘ beantwortet werden.

Mir persönlich bietet sie sogar abseits der Kurzweiligkeit und Anspannung des Live-Geschehens sogar eine schöne, weitaus relaxtere Retrospektive des Erlebten. Der Opener „Head High Rag“ ruft sofort den swampigen und spielfreudigen Groove aus der Erinnerung ins Jetzt zurück, Spies‘ Orgel und Lees Slide-Gitarre in ABB-Manier lassen den Körper sofort wieder vibrieren.

In die gleiche Kerbe schlagen weitere Tracks wie „Sugar For Sugar“ (hier begeistern mich die ergänzenden weiblichen Backgroudgesänge von Kassie Netherlands und Shira Elias) und „Bone Shaker“. Chris Spies‘ Tastenvariationen und Yankie Lees Slidekünste können sich herrlich auf dem dynamischen Rhythmusteppich von Price und Paul entfalten.

Aus dem Rahmen fällt der Song „I Don’t Want To Lose“ mit seinem dezent spirituellen Touch (ein wenig im weitesten Sinne an Sachen von Bad Company oder Free ähnelnd). Ob die Männer den Refrain in yogatypischer Sitzhaltung eingesungen haben, verbleibt im Reich der Spekulationen.

Dass der Fünfer, beziehungsweise hier Aaron Wilkinson alleine, ein Händchen für kompositorische Ohrwurmqualitäten besitzt, offerieren die beiden herrlich melodischen Stücke „Gone“ (mit Young-mäßiger Mundharmonika und Bruce Hornsby-mäßigem Piano-Solo) und das abschließende „Wildfire“, bei denen Wilkinsons schöne Akustikgitarre, deutlich mehr Spielraum einnimmt.

„Tres Avispas“ von der Honey Island Swamp Band kommt ähnlich intensiv wie ein Wespenstich daher, allerdings nicht schmerzhaft, sondern mit deutlich angenehmeren Folgen!

Underwateraudio (2019)
Stil: Southern Rock

01. Head High Rag
02. Gone
03. Sugar For Sugar
04. I Don’t Want To Lose
05. Bone Shaker
06. Wildfire

Honey Island Swamp Band
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Leaving Spirit – Things Change – CD-Review

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Soviel das Reviewen von Musik auch an Spaß bereitet, manchmal ist allerdings die Aufgabe, die richtigen Worte zu finden, der reinste Balanceakt. Da stürzt sich eine junge deutsche Band mit viel Engagement und Kreativität ins Southern Rock-Geschehen, gibt sogar eine Pressemeldung zu ihrer mit viel Liebe zum Detail gestalteten und eingespielten, ersten CD heraus und doch ist das Ergebnis, zumindest aus meiner persönlichen Sicht, am Ende, aufgrund nur einer einzigen Tatsache, eher ernüchternd.

Deutsche Bands aus dem Dunstkreis Country-, Roots-/Southern Rock haben es zugegebener Maßen bei mir generell schwer. Da lege ich oft letzten Endes den amerikanischen Maßstab an, und dem wird in den seltensten Fällen Genüge getragen. Man hört halt meistens an den im Schulenglischen verfassten Texten, als auch an der Stimme, woher der Wind weht. Unter den rar gesäten positiven Ausnahmen fallen mir spontan Leute wie Stefan Kossmann (Flatman), Tom Ripphahn (Hands On The Wheel), Markus Rill oder, mit noch ganz viel Toleranz, Gerd Rube ein. Dann ist aber auch schon fast das Ende der Fahnenstange erreicht. Selbst bei ehemals mit ganz dezentem Ruhm im Genre aufwartenden Gruppen aus unseren Landen wie Lizard, Street Survivors & Co., gab es letztendlich gleiches anzumerken.

Der vorliegende Fall, die Würzburger Band Leaving Spirit, hat, und das ist das Tragische daran, abgesehen von ein paar marginalen Dingen, eigentlich vieles richtig gemacht. Sehr lobenswert wie bereits erwähnt, die professionelle Herangehensweise, das fängt beim Cover-Artwork mit Booklet, inklusiv aller Texte und Kurzbiografie an und hört beim, mit Rising End-Gitarristen Nico Gwozdz zusammen, transparent produzierten Sound, auf.

Gut, wer sich nun mal in die Höhle des Löwen wagt (ihr Bandchef hatte mich gefragt, ob ich für ein Review parat stehen würde), muss sich dann halt auch der Kritik stellen. Kommen wir zu den verschmerzbaren Dingen. Dass die Texte  keinen lyrischen Hochgenuss darstellen, und manchmal in einen holprigen Gesang münden, ist geschenkt.

Bei den E-Gitarren hätte ich mir angesichts der Beteiligung von gleich drei Leuten etwas mehr Variation gewünscht, oft ist eine recht monoton surrende Spielart im Vordergrund. Bei den ausschließlichen Eigenkreationen wurde zwar das Auge auf so manches Bekannte geworfen, aber auch, bis auf das in Kid Rock-Manier gebrachte „Sweet Home Alabama“-Plagiat „Keep Rockin‘ Alive“, viel Liebe zum musikalischen Detail und kreativer Anspruch, an den Tag gelegt. Hier ist alles absolut im grünen Bereich.

Der letztendlich entscheidende Knackpunkt ist aber eine junge Dame namens Paula Frecot, die, wie ich es aus dem Booklet entnehme,  für das Ergebnis am Mikro zuständig war. Bei aller Liebe, sie hat in einer solchen Sparte nun wirklich nichts verloren, maximal das Punk- oder Indie-Genre erscheinen mir für ihre Art des Singens erschaffen worden zu sein.

Was nutzt einem eine CD mit durchaus 13 passablen Tracks, wenn einem der Gesang bereits von der ersten Strophe an, so richtig auf den Keks geht. Wie wohltuend, als bei „Old Lady“ mal kurz für zwei Strophen männlicher Gesang ertönt (eigentlich ganz ok, ich mutmaße mal, dass sich hier Florian Eppel, der auch die meisten Stücke komponiert hat, das Mikro geschnappt hat), um aber nach diesem kurzem Intermezzo, schon wieder niedergekeift zu werden.

Somit im Prinzip schade, „Things Change“ von Leaving Spirit hätte mit einem guten Fronter ein richtig starker Einstieg ins Genre werden können. Apropos Änderungen: Wie bereits bemerkt, hat sich das Sextett mittlerweile auf drei Positionen verändert und ist schon dabei, eines zweites Werk zu kreieren und einzuspielen.

Eigenproduktion (2019)
Stil: Southern Rock & More

01. Stranger on the Road
02. Mississippi Bridge
03. Free In My Mind
04. Reflections
05. Both Of Us
06. The Girl On The Train
07. Always The Same
08. Fake
09. Old Lady
10. Read Leaves
11. Moonshine
12. Dead Lie
13. Keep Rockin‘ Alive

Leaving Spirit
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The Allman Betts Band – Support: OTIS – 23.07.2019, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Die Freude und zugleich Erwartungshaltung, war bei mir nach dem tollen Album „Down To The River“ im Hinblick auf das Konzert der Allman Betts Band in Köln, immens hoch gewesen.

Nicht nur der ungünstige Termin in den Ferien (dann jetzt auch noch die dazukommende Hitze) hatten bei mir schon im Vorfeld allerdings schon die Vermutung ausgelöst, dass trotz des Major-Vertrages, den die Burschen mittlerweile inne haben, das Buchen der Kantine, was die zu erwartenden Zuschauerzahlen betrifft, etwas ambitioniert gewesen ist.

Und so kam es dann auch, der Gig wurde, wie im letzten Jahr, auch wieder in den, in der Kantine verankerten Yard Club verlegt. Der war allerdings dann am Ende etwas besser gefüllt als 2018. Leider hatten sich dann doch viele Unentschlossene wohl für einen Gang in einen Biergarten oder den heimischen Balkon entschieden.

Diejenigen, die sich der zu erwartenden Hitzeschlacht stellten, sollten Ihre Entscheidung, gute Livemusik zu unterstützen, allerdings mehr als belohnt bekommen. Zunächst durften aber vier junge Amerikaner aus Kentucky mit Bandname OTIS zeigen, was sie drauf haben.

Im Vordergrund stand dabei ihr letztes Album „Eyes Of The Sun“, aus dem sie dann Tracks wie „Shake You“, „Washed My Hands“, „Home“, „Change“ oder „Blind Hawg“ präsentierten. Für den Nichtkenner wie mich, war ihr dezent Southern-umwobener Hard Rock (manchmal leicht an Molly Hatchet erinnernd), engagiert gespielt, mit dem Wiedererkennungswert, beziehungsweise Eingängigkeit der Lieder, haperte es jedoch ein wenig. Leider war auch der zweite Gitarrist Steve Jewell vorne soundmäßig recht schlecht auszumachen, sodass man von einem durchwachsenden Ergebnis sprechen kann.

Bedingt durch die Keyboards-, Drums-,- und Percussionaufbauten, sowie vier, sich an der Front befindliche Gitarristen, war die Bühne des Yard Clubs bei der Allman Betts Band natürlich bestens ausgelastet. Schon zu Beginn floss der Schweiß bei den Protagonisten und der Audienz in Strömen.

Standesgemäß stieg das, mit zwei Neubesetzungen im Line-up (Berry Oakley jr. und John Ginty) namentlich neu in Szene gesetzte Septett mit dem rockigen „All Night“ (Gesang Devon mit türkis-weiß farbender Flying V-E-Gitarre) in den Gig ein, dem, wie auf der CD, das von Duane Betts besungene „Shinin‘ folgte, der dann gleich seines Vaters‘ Evergreen „Blue Sky“ nachlegte, bei dem besonders, der wieder bestens aufgelegte Johnny Stachela (superb sein Slide-Spiel) in der langen Solo-Passage glänzte.

Devon huldigte die Leistungen seines Vaters Gregg dafür mit „Ain’t Wastin‘ Time No More“ auf dem Fuße. Eine „Autumn Breeze“ hätte man sich schon zu diesem frühen Zeitpunkt im Sauna-Yard Club sehnlichst herbeigewünscht, der herrlich jammige Song kam aber eher einem Aufguss gleich.

Der dritte ‚Allman Band-Sprössling‘, Berry Oakley jr., sehr sympathisch und relaxt im Spiel wirkend, hatte dann beim bluesigen John Lee Hooker-Cover „Dimples“ seinen Fronteinsatz. Spätestens ab dem fantastisch performten „Purple Rain“ hatte Devon Allman dann seine endgültige Betriebstemperatur erreicht, die allerdings zum Ende in die eines brodelnden Vulkans mündete. Aber dazu später.

Herrlich natürlich der ABB-Klassiker „Jessica“ (ohne Devon), bei dem sowohl Betts und Stachela mit ihren filigranen Gitarrenkünsten aufwarteten, aber auch der viel beschäftigte Ginty (u. a. auch Dixie Chicks, Santana) in der Piano-Passage und John Lum, als auch R. Scott Bryan eine fulminante Rhythmusdynamik entfachten.

In seiner Pause schien schien der Allman-Sohnemann von einer Tarantel Besuch bekommen zu haben. Nachdem er den Schluss von „Jessica“ noch relativ entspannt am Bühnenrand verfolgt hatte, war er in der emotionalen Schlussphase mit Stücken wie „Good Ol‘ Days“ (vom neuen Album), dem Petty Song „You Got Lucky” sowie dem furiosen Instrumental aus seinen Honeytribe-Zeiten „Mahalo“ (hier mit brillanter E-Gitarrenarbeit), nicht mehr zu bremsen. Er ging quasi in allen Belangen, ab wie ein Zäpfchen.

Als dann der herrliche Titeltrack des aktuellen Werkes „Down To The River“ wunderbar vom Publikum im Refrain mitgesungen wurde, schien er sich aber wieder halbwegs beruhigt zu haben.

Als es dann allerdings bei den Zugaben „Southern Accents“ und dem für ihn hochemotionalen „Long Gone“ (in dem die verstorbenen Southern Rock-Helden gewürdigt werden) fortwährende Probleme mit der Halterung seines Mikroständers gab und die Roadies verzweifelt daran rumfuchtelten, on top noch eine Saite seiner Akustikgitarre riss, rastete der charsimatische Fronter förmlich aus (ok, ein bisschen Show war vermutlich auch dabei) und schmiss den Ständer fuchsteufelswild zu Boden. Die Roadies taten mir in Erwartung der fälligen Predigt etwas leid.

Am Ende war aber angesichts des tosenden Applaus (übrigens auch viele Standing Ovations während der Show) des Publikums und der grandiosen musikalischen Leistung, alles wieder in Butter und das ABB-Kollektiv verabschiedete sich vom begeisterten Yard Club-Publikum mit mehrfachen Verbeugungen.

Fazit: Das Konzert, stellte gegenüber denen des Vorjahres in Dortmund und an gleicher Stelle, die ja nun wahrlich schon richtig gut waren, dank der tollen Stücke des neuen Albums, der elektrisierenden Atmosphäre, nicht zuletzt durch die leidenschaftliche Performance von Devon Allman, nochmals eine Steigerung dar, die eigentlich ein volle Kantine verdient gehabt hätte. Aber bis soweit ist, wird, so mutmaße ich mal, doch noch einiges an Wasser den Rhein runter laufen.

Recht hat Devon, mit der Bitte, jeweils 10 Bekannten eines jeden Anwesenden, auszurichten  dass sie etwas verpasst hätten  (in freier Übersetzung, in Wirklichkeit sagte er allerdings so was wie „tell them that they are fucked up“…). Und in der Tat, wer nicht da war, hat im wahrsten Sinne des Wortes einen der heißesten Gigs des Jahres sausen lassen.

Line-up: OTIS
Boone Froggett (lead vocals, electric guitar, slide guitar)
Steve Jewell (electric guitar, slide guitar, vocals)
John Seeley (bass, vocals)
Andrew Gilpin (drums)

Line-up: The Allman Betts Band
Devon Allman (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, vocals)
Duane Betts (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, vocals)
Johnny Stachela (electric guitar, slide guitar)
Berry Oakley jr. (bass, lead vocals, vocals)
John Lum (drums)
John Ginty (keys, vocals)
R. Scott Bryan (percussion, vocals)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

The Allman Betts Band
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Head Of PR
Yard Club Köln

Robert Jon & The Wreck – Take Me Higher – CD-Review

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Ich bin gerade mal die Artikelliste von Robert Jon & The Wreck bei uns durchgegangen. Mannomann, die kalifornischen Burschen sind wirklich Sounds Of South’s Lieblinge. Allerdings zurecht!

Wie sich die Band , seitdem ich sie das erste Mal in der Krefelder Kulturrampe vor mittlerweile einigen Jahren live gesehen hatte, personell und natürlich musikalisch weiterentwickelt hat, ist schon atemberaubend.

Obwohl ich besonders den Verlust von Kristopher Butcher zunächst als erhebliche Schwächung vermutet hatte, wurde ich eines Besseren belehrt. Ihr charismatischer Bandleader Bon Burrison bewies beim Schließen der Lücke einen hervorragenden ‚Riecher‘, das Quintett weiterzuentwickeln und musikalisch auf das nächste Level zu hieven.

Mit den beiden ’neuen‘ Akteuren, dem in Allen Collins-Manier wuselnden Henry James und dem viel agileren Bassisten Warren Murrel, klappt es auch menschlich innerhalb der Band viel besser, wie mir Jon mal nach einem Gig letztes Jahr verriet.

Das neue Album war nach den überragenden Konzerten mit den beiden Neulingen, zugleich in dieser Konstellation auch ihre erste Bewährungsprobe im Studio. Das Quintett um die Grundsachse Burrison, Steve Maggiora und Andrew Espantsman scheint sich hier im guten alten LP-Modus pudelwohl zu fühlen. Erneut werden wieder acht Tracks serviert.

Herrlich direkt der Einstieg beim Opener und Titelstück zugleich, „Take Me Higher“, mit den sofort loskrachenden E-Gitarren. Wenn ich mich recht entsinne, sind bis auf den finalen, schön stampfenden, in der Hook ein wenig mit Blackberry Smoke-Esprit rüberkommenden Track, „Red, White, And Blood“, alle Stücke in Krefeld, live gespielt worden. Hier klingt natürlich alles etwas perfekter und bedachter, die Live-Energie denkt man sich nach dem Erlebten automatisch dazu.

Die instrumentellen Hauptakzente setzen auf dem Album eindeutig Henry James und Steve Maggiora, am besten zu hören auf dem nach Bettsscher Struktur komponierten Instrumental „Cannonball“, das die gelebte Nähe der Jungs zur Allman Brothers Band, ein mal mehr offen legt.

Leider haben es die Kalifornier nicht so leicht, mal so eben einen Major-Vertrag unter die Nase gerieben zu bekommen, wie die Sprösslinge der beiden berühmten ABB-Leader, die sich ja jetzt bekanntlich als The Allman Betts Band zusammengetan haben. Man fragt sich, warum eigentlich?

So werden Burrison & Co. wohl weiter fleißig an ihrem potentiellen Ruhm arbeiten und sich die Finger wund spielen müssen, bis vielleicht mal bei einem wichtigen Entscheider die Groschen fallen.

Wie sagte einst Felix Magath so schön, „Qualität kommt von Quälen“, da haben sich die fünf Sunshine-Staatler nun wirklich nichts vorzuwerfen. Also liebe Major-Scouts, schaut euch die Band bei ihrer kontinuierlichen Entwicklung genau an.

Robert Jon & The Wreck sind in der Spitze des Southern Rocks längst angekommen. Was bisher ausgeblieben ist, ist nur noch die verdiente Belohnung. Da kann es dann in logischer Konsequenz eigentlich nur noch heißen: Take Them Higher!

Eigenproduktion (2019)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Take Me Higher
02. Going Down
03. Makes Me Wanna Yell
04. Goodbye Baby
05. Something To Remember Me By
06. Coming Home
07. Cannonball
08. Red, White, And Blood

Robert Jon And The Wreck
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Caleb Johnson & The Ramblin‘ Saints – Born From Southern Ground – CD-Review

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Schön ist es immer, wenn das Geben und Nehmen im Leben, in einem gesunden Verhältnis stehen. Daran sollte sich vor allem die kleine superreiche, immer mehr Geld scheffelnde, nimmer satte Bagage in unserem Land, mal ein Beispiel nehmen. Und unsere verehrte SPD schaut freudig, mit sich selbst beschäftigt, seit zig Jahren zu, und wundert sich, warum ihr die Arbeitnehmer in Scharen das Kreuzchen auf dem Wahlzettel verweigern.

In diesem Fall hat sich ein Gewinner bei einer unserer Verlosungen, Markus Heselmeier, bei mir gemeldet und mir als kleines Dankeschön nachträglich, die neue, kürzlich erschienene CD von Caleb Johnson & The Ramblin‘ Saints, „Born From Southern Ground“, ‚warm ans Herz gelegt‘. Eine nette Geste, wie ich finde.

Und Junge-Junge, er hat wirklich recht. Was der Gewinner der 13. American Idol-Staffel hier samt involvierter Musiker und Backgroundsängerinnen (u. a. Audley Freed, Kenny Greenberg, Fred Eltringham, Mike Webb, Tony Lucido, Josh Sawyer, Brennan Dugan, Angela Primm, Gale Mayes, Devonne Michelle) unter der Co-Produktionsregie von Nashville-Musiker Bryan Sutton in Zac Browns Southern Ground Studio, ablieferte, ist atemberaubend.

Was für eine grandiose Gesangsmeisterleistung von dem aus Asheville, North Carolina, abstammenden Protagonisten (phasenweise wie ein Mike Zito oder Warren Haynes auf Speed) und auch der drei immer beteiligten Backgroundmädels, die eine Atmosphäre erzeugen, als wenn ein ganzer Kirchenchor zugegen wäre.

Allein der furiose, episch anmutende Opener „Holding On„, mit der Who-Orgel direkt zu Beginn, den treibenden Drums und E-Gitarren, dürfte selbst Hard Rock-Fans, den Mund wässrig machen. Und dann immer wieder der sich ‚reinstürzende‘, bis in die Spitzen motivierte Gesang, samt der choralen weiblichen Begleitung, herrlich.

Keineswegs solide, aber Gold wert, ist das swampige „Solid Gold“, wieder mit nahezu euphorischen Gesängen und einem tollen Slide-Solo. Wozu eine ‚liebestechnische Unterzuckerung‘ bei Johnson hinführen könnte, beweist das unter heftigen Drums sowie funkigen Gitarren und Keys groovende „Sugar„. Johnson rastet am Mikro förmlich aus. Klasse hier auch die Tempowechsel.

Kommen wir zum Part der Lieder, die gut auch auf das erste Album der Black Crowes gepasst hätten (Calebs Gesang selbstredend ähnlich dem von Chris Robinson). Da wäre zunächst das cool shuffelnde „Born And Raised“ mit dem euphorischen Refrain und die beiden famosen Versionen von „Hanging With The Band“, einmal in ‚Vollmontur‘ und am Ende in einer ‚Stripped Down‘-Geschichte mit Akustikgitarren, viel Slide und Piano (stark wie am Ende die Slidegitarre immer wieder auf den Gesang ‚antwortet‘).

In meiner Jugend hätte die soulige Ballade „Blind“ das Zeug zum Klammerblues auf den einschlägigen Feten gehabt. Nicht zu vergessen das fast metal-artig, vehement stampfende „Ride With The Devil“, das in seinem psychedelischen Finale mit krachenden Speeddrums und sirenenartigen E-Gitarren, kriegerischer Endzeitstimmung gleicht.

Gut, dass Caleb und die Mädels zu Pianoklängen mit der Refrainzeile von „It’s Not The End“, die Gemüter beim anschließenden Lied wieder zu beruhigen versuchen. Ein schöner gospeliger, pathos-getränkter Melodic Rocker mit southern typischer E-Gitarren-Twin-Einlage und Orgelhall zum Schluss.

Caleb Johnson & The Ramblin‘ Saints sollte von jedem, der in der Southern, Melodic- oder Hard Rock-Sparte seine Vorlieben hat, mal ein Chance bekommen. Man erhält eine ultra-engagierte Gesangsleistung eines vokalen Vulkans in tollem Songmaterial, eingespielt von erhabenen Musikern der Nashville-Szene. Das ist bei Gott kein Geschwafel! Zulegen und Staunen! Nochmals herzlichen Dank an Markus Heselmeier für diesen hervorragenden Geheimtipp!

Big Johnson Records (2019)
Stil: (Southern) Country Rock

01. Holding On
02. Solid Gold
03. Sugar
04. Born And Raised
05. Better Off Alone
06. Blind
07. Hanging With The Band
08. Ride With The Devil
09. It’s Not The End
10. Hanging With The Band (Acoustic)

Caleb Johnson & The Ramblin‘ Saints
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