Blues Caravan – 10.02.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

BC_haupt

Das war doch mal wieder ein attraktives Paket, im wahrsten Sinne des Wortes, was Thomas Ruf im Rahmen des Blues Caravans 2019 auf den Weg gebracht hat. Seit 2005 schickt er tolle Künstler seines Labels im Trio auf die Reise und hat damit so manche formidable Karriere initiiert.

Im letzten Jahr hatte er um die Newcomerin Vanja Sky, mit Bernard Allison und Mike Zito, zwei hart gesottene Blues-Recken geschert, diesmal gab es mit der Finnin Ina Forsman, die 2016 schon mal partizipierte, der Texanierin Ally Venable und der Serbin Katerina Pejak, wieder eine geballte Jung-Frauen-Power.

Alle drei Musikerinnen hatten neue Alben am Start, wobei Mike Zito bei Venable und Pejak als Produzent involviert war. An diesem gut besuchten Sonntag-Abend im wie immer schönen Musiktheater Piano in Lütgendortmund, starteten die drei Protagonistinnen, verstärkt durch Bass-Tausendsassa Roger Inniss, der auch durch den Abend moderierte, und Elijah Owing an den Drums, mit dem direkt knackig rockenden Gemeinschaftssong „They Say I’m Different“, bei dem alle schon ihre Gesangskünste einbrachten.

Ina Forsman mit einem knallroten Rüschenkleid in Center-Position, die sehr elegant in schwarz gekleidete Katarina Pejak am Keyboard (hätte optisch auch blendend in ein Klassik-Ensemble gepasst) und Ally Venable mit schwarzem, äußerst knappen Pailletten-Mini Fummel-Einteiler und kniehohen Stiefeln waren auch optisch ein Hingucker für die zahlreich versammelte Fotografenschaft und das anwesende Restpublikum.

Ina verließ danach die Bühne und Katarina Pejak hatte als erste die Gelegenheit, ihr neues Debütwerk „Roads That Cross“ zu protegieren. Ally unterstützte an der E-Gitarre. Sie wählte als Einstieg, das in Barroom-Manier swingende „She’s Coming After You“, gefolgt vom herrlich Country-umwehten Titelstück, einer Gänsehaut-Ballade, die mit eines meiner Highlights des Gesamtgigs darstellte.

Der „Turtle Blues“ als Hommage an Janis Joplin (schönes HT-Piano), eine weitere herrliche Ballade „Old Pain“ (mit kleiner amüsanter Anekdote aus Franklin, Tennessee, zur Einleitung) und das rauchig atmosphärische Joni Mitchell-Cover „Sex Kills“ (auch auf der neuen CD vertreten) mit Kneipenpiano-Einlage bewiesen, dass der Serbin, von der Mike Zito sagt, dass sie mit ihrer Musik einen sowohl zum Nachdenken als auch zum Weinen bringen kann, für die Zukunft einiges zuzutrauen ist. Eine klasse Performance von Katarina Pejak!

Als das selbstbewusste langmähnige, erst 19-jahre junge ‚Texas Honey‘ Ally Venable, im Trio mit Inniss und Owings, mit dem gleichnamigen Titeltrack ihres im März erscheinenden Silberlings „Texas Honey“ übernahm, kam rockiger Schwung in die Bude.

Die ließ ihr Vorbild Stevie Ray Vaughan bei Stücken wie „Nowhere To Hide“, „Broken“ (Pejak assistierte am Piano), „Devil’s Son“, „Back Water Blues“ und nicht zuletzt beim überragend gespielten „Riviera Paradise“ in klassischer, wie auch in Slide-Spielart, rassig wieder aufleben. Auch sie insgesamt mit tadellosem Job in texanischer Blues-Manier.

Nach kurzer Pause hatte dann Ina Forsman ihren großen Auftritt. Sie stellte ihr neustes Werk „Been Meaning You To Fall“ ins Rampenlicht. Ihr energiegeladener und engagierter Gesang sowie ihre fesselnde Bühnenpräsenz war geradezu ansteckend. Sie schien ihren Frust durch den Verlust ihres Handys, auf dem sich alle Daten für neue Songs befanden regelrecht weg singen zu wollen. Immerhin gab es ja mit dem neuen Longplayer dann doch noch ein unvermutetes Happyend.

Ihre Vorstellung war überwiegend grooviger und souliger Natur, klasse gefiel mir das Southern Rock-angelehnte E-Gitarrensolo Venables am Ende von „Be My Home“. Emotionaler Höhepunkt sowie Abschluss ihres Sets war meiner Meinung nach die mit Katarina im Duo aufgeführte Pianoballade „Figure“, in der sie ihr wohl erlebtes Beziehungschaos aufarbeitete.

Danach ging es dann wieder mit versammelter Mannschaft bei launigen Tracks wie u. a. „Love Me Like a Man“ (Bonnie Raitt), „Company Store“ (mit klasse Acapella-Gesang) inklusiv der Staus Quo-trächtigen SRV-Zugabe „The House Is Rockin‘“ (inklusivt Mitsing-Interaktion) fulminant zur Sache, wobei sich die drei Mädels beim Leadgesang, immer wieder die Klinke in die Hand gaben.

Insgesamt war auch dieser Blues Caravan 2019 wieder eine unterhaltsame, ja sehr gelungene Sache. Mit Ina Forsman, Ally Venable und Katarina Pejak präsentierten sich drei sehr musikalisch versierte, wie auch hübsch anzusehende, unterschiedliche Charaktere, die den Blues in all seinen Facetten äußerst kurzweilig und modern auslegten, aber auch im Team zu überzeugen wussten. Wer eine oder mehrere der noch kommenden vielen Veranstaltungen im Rahmen des Blues Caravan 2019 besucht, macht alles richtig!

Line-up:
Ina Forsman (lead vocals, percussion, vocals)
Ally Venable (lead vocals, electric guitar, slide guitar, vocals)
Katarina Pejak (lead vocals, keys, vocals)
Roger Inniss (bass)
Elijah Owings (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ina Forsman
Ina Forsman bei Facebook
Ally Venable
Ally Venable bei Facebook
Katarina Pejak
Katarina Pejak bei Facebook
Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

The Dice – Southern Grace – EP-Review

The Dice

Review: Stephan Skolarski

Es gibt sicher eine ganze Reihe internationaler Bands, die jahrelang touren und trotzdem die weltberühmte, niederländische Bühne des „Paradiso“ (Rolling Stones Konzert von 1995) nur von außen bewundern dürfen. „The Dice“ hingegen haben es bereits auf die alt-ehrwürdigen Bretter des Amsterdamer Kultur-Tempels geschafft. Die vier Southern-Rocker konnten dabei natürlich auch ihren NL-Heimvorteil ausspielen.

Nach einer Single-Veröffentlichung 2017 und dem rauen und gleichsam schnörkellosen Blues-Rock-Track „Smoking At The Smokestack“, der nicht nur durch die harten Gitarrenriffs, sondern ebenso durch seinen gospelartigen Background-Gesang überzeugen kann, kam im vergangenen Jahr die erste EP „Southern Grace“ heraus. Auf dieser Scheibe sind vier Eigenkompositionen, die einen weiteren Vorgeschmack auf einen möglichen Longplayer geben.

Der erste Song „Freed From The Gallows“ ist eine rasante Rock’n’Roll-Nummer, die mit intensiven Gitarreneinlagen und passend rauem Gesangsstil den Sound der CD prägt. „Cry Sister No More“ klingt hingegen jedoch eher wie eine 90er Brit-Pop-Hymne von Oasis und auch gesanglich ist man hier ebenfalls auf einer Wellenlänge mit Liam Gallagher.

Der groovige Titel „Bonnie And Clyde“ besticht durch die gekonnte Slide-Gitarre und einen schweren Sound, der an die Blues-Rocker Black Crowes erinnert. Das abschließende „Laid My Burdon Down“ rockt eindrucksvoll im mid-tempo-Bereich – ein lautstarker Southern-Rock-Kracher mit nachhaltiger Wirkung.

Insgesamt ist „Southern Grace“ eine frische und vielversprechende EP-Veröffentlichung, die den Fans des Südstaaten-Rocks eine neue, europäische Alternative bietet.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Southern Rock

Tracklist:
01. Freed From The Gallows
02. Cry Sister No More
03. Bonnie And Clyde
04. Laid My Burden Down

The Dice
The Dice bei Facebook

Walter Trout – Survivor Blues – CD-Review

trout_300_

Review: Jörg Schneider

Mit seinem 2017’er spielfreudigen Album „We’re All In This Together“ setzte Walter Trout musikalisch auf bekannte Gastmusiker, denen er die Songs ihrem Stil entsprechend quasi auf den Leib zugeschnitten hatte, ohne seine eigene Virtuosität dahinter zu verstecken. Jetzt, ein gutes Jahr später, heißt sein neuestes Werk „Survivor Blues“. Ein durchaus zweideutiger Name, kann er doch als Anspielung auf seine per Transplantation geheilte lebensbedrohliche Lebererkrankung aufgefasst werden.

Oder aber als Hinweis, dass gute Bluessongs immer überleben. Schließlich widmet sich Trout auf seiner neuesten CD weniger oft gehörten oder gespielten Juwelen des Bluesgenres, wobei er die Klassiker nicht einfach nur gecovert hat (das würde sicherlich auch nicht seinem Anspruch an die eigene Musikalität entsprechen). Vielmehr hat Trout sie liebevoll neu arrangiert und in ein moderneres Gewand gekleidet.

So finden sich auf dem Album Titel des Mississippi-Bluesers Jimmy Dawkins („Me My Guitar And The Blues“) oder Sunnyland Slim, einem dem Delta-Blues verschriebenen Pianisten („Be Careful How You Vote“). Des Weiteren ist jeweils eine Nummer von Luther Johnson („Woman Don’t Lie“) und Hound Dog Taylor („Sadie“) auf dem Langspieler vertreten. Auch ein Titel seines Mentors, Lehrmeisters und Freundes John Mayall („Nature’s Disappearing“) darf natürlich nicht fehlen. Dazu gesellen sich zudem noch Songs von Otis Rush („It Takes Time“), Mississippi Fred McDowell (Goin’ Down To The River“) und J.B. Lenoir („God’s Word“).

Bei den Arrangements verzichtete Trout vielfach auf die im Original vorkommenden schwelenden Keyboard-Soundteppiche und ersetzte sie durch frische Klänge aus der Bluesharp. Der so erzeugte klarere Sound katapultiert die Tracks in die Jetztzeit, so z. B. „Me My Guitar and The Blues“ und der Stampfer „Be Careful How You Vote“. Auch das ruhigere, im Original traditionellere „Woman Don’t Lie“ präsentiert sich hier im raueren Chicago-Stil, wobei die Originalversion etwas gefälliger daher kommt. Aber das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Die beste Interpretation ist jedoch nach Ansicht des Rezensenten John Mayalls 1970’er umweltkritischer Song „Nature’s Disappearing“. Hier stimmt einfach alles, ein frischerer Sound und auch gesanglich eine Verbeugung vor dem Großmeister des weißen Blues.

Eingespielt hat Trout sein neues Werk in Robbie Kriegers Studio, dem ehemaligen Gitarristen der Doors. In „Goin’ Down To The River“ ist er sogar als Gastmusiker zu hören. Ansonsten setzt sich Walter Trouts Band auf dieser CD aus Johnny Griparic am Bass, Skip Edwards an den Keys und Walters langjährigem Drummer Michael Leasure zusammen. Das erklärte Ziel der Musiker war, die alten Songs nicht einfach nur nachzuspielen, sondern in die heutige Zeit zu transferieren. Das ist der Truppe um Walter Trout mit diesem hörenswerten Album absolut gelungen.

Nach eigenem Bekunden durchlebt er im Moment die beste Zeit seines Lebens. Man darf also jetzt schon gespannt sein, mit welchem Projekt der Bluesrock-Titan Walter Trout demnächst aufwartet.

Provogue – Mascot Label Group – (2019)
Stil: Blues Rock

01. Me My Guitar and The Blues
02. Be Careful How You Vote
03. Woman Don’t Lie ( feat. Sugaray Rayford)
04. Sadie
05. Please Love Me
06. Nature’s Disappearing
07. Red Sun
08. Something Inside Of Me
09. It Takes Time
10. Out Of Bad Luck
11. Goin’ Down To The River (feat. Robby Krieger)
12. God’s Word

Walter Trout
Walter Trout bei Facebook
Netinfect Promotion

The Steel Woods- Old News – CD-Review

Steel Woods_300

Ich hatte The Steel Woods ja schon bereits 2017 bei ihrem Debüt „Straw In The Wind“ über den grünen Klee hinaus gelobt. Jetzt lag die Messlatte in Sachen Nachfolger dem nach extrem hoch. Um es vorwegzunehmen: Das Nashville-Quartett um ihre beiden Kreativköpfe Wes Bayliss und Jason Cope samt der Rhythmusfraktion Johnny Stanton und Jay Tooke, gehen auch auf „Old News“ unbeirrt ihren eingeschlagenen Weg weiter und liefern das nächste tolle Werk ab.

15 Tracks mit fast 70 Minuten Spielzeit bieten dabei ein ausgedehntes Musikvergnügen. Man darf sich über neun starke Neukreationen und sechs wirklich klasse, als auch spannend umgesetzte Covernummern freuen, die sich schwerpunktmäßig im hinteren Bereich auf Songs verstorbener Größen wie Townes Van Zandt, Merle Haggard, Gregg Allman, Tom Petty sowie Wayne Mills konzentrieren.

Nicht zu vergessen ihr scheinbarer Faible für Black Sabbath, denen sie, wie schon auf dem Erstling, wieder die Ehre erweisen. Hier mit der Umwandlung von dem damaligen, fast schon kammermusikartigen „Changes“ in eine lässig groovende Southern Soul-Version. Genial gemacht!

Die CD beginnt aber direkt mit einem Paukenschlag. Das furios rockende und stampfende „All Of These Years“ hätte wunderbar auf Skynyrds damalige „Gimme Back My Bullets“-Platte zwischen Tracks wie „Double Trouble“, „Trust“ und „Searching“ gepasst. Ein fulminanter Auftakt.

Mit „Without You“, dem bereits erwähnten „Changes“ und „Wherever You Are“ geht es dann zunächst in ruhigere Gefilde, wobei immer ein gewisses Grummeln in der Magengrube erzeugt wird, besonders zum Beispiel durch den Streichereinsatz bei letztgenanntem Lied.

Womit wir bei den dezent, aber sehr effektiv eingesetzten Gastmusikern wären. Die wieder herrlich episches Flair verursachenden Strings wurden von Jake Clayton bedient, die starke Backgroundsängerin Joanne Cotton ist am besten beim shuffligen Rocker „Blind Lover“ rauszuhören. Für leiernde, weinende und wimmernde Steeleinlagen zeichnet sich Eddie Long bei den countryeskeren Liedern wie „Anna Lee“, One Of These Days“ und „Are The Good Times Really Over (I Wish A Buck Was Still Silver)“ verantwortlich.

Ganz großes Southern-Kino bieten das politisch nachdenkliche Titelstück „Old News“, das episch anmutende, aber auch voller Pathos und Inbrunst von Bayliss gesungene „The Rock That Says My Name“ (Rambler-Flair) und die drei grandios gecoverten „The Catfish Song“ (Townes Van Zandt – mit fulminanter Harp- und E-Gitarrenpassage), „Whipping Post“ (Gregg Allman – wahnsinnige Drum- und E-Gitarren-Dynamik, unterschwengliche Doors-Note) und die wunderbare Tom Petty-Huldigung mit „Southern Accents“ als krönendem Abschluss.

Das Southern Rock-Jahr hat noch keine 20 Tage absolviert und schon haben The Vegabonds mit ihrem knackigen „V“-Werk und The Steel Woods mit „Old News“ für die ersten fetten positiven Schlagzeilen gesorgt. Weiter so, Jungs!

Woods Music/Thirty Tigers (2019)
Stil: Southern Rock

01 All Of These Years
02 Without You
03 Changes
04 Wherever You Are
05 Blind Lover
06 Compared To A Soul
07 Old News
08 Anna Lee
09 Red River (The Fall Of Jimmy Sutherland)
10 The Catfish Song
11 Rock That Says My Name
12 One Of These Days
13 Are The Good Times Really Over (I Wish a Buck Was Still Silver)
14 Whipping Post
15 Southern Accents

The Steel Woods
The Steel Woods bei Facebook
Oktober Promotion
Prescription PR
Thirty Tigers

The Cadillac Three – Interview

Gut zwei Jahre nachdem wir mit den Jungs von The Cadillac Three schon einmal gesprochen hatten, sind wir von Oktober Promotion um ein weiteres Interview gebeten worden, dem wir natürlich gerne nachgekommen sind. Das hatten Jaren Johnston, Kelby Ray und Neil Mason vor ihrem Konzert in einem Büroraum oberhalb des Luxors diesmal preiszugeben:

Sounds Of South: Schön euch wieder zusehen. Ihr seid jetzt schon mehrfach im Luxor in Köln aufgetreten. Was zieht euch immer wieder hierhin, was gefällt euch an diesem Club?
The Cadillac Three: (Jaren) Wir lieben den ‚Duftstoff‘ dieser schwitzigen Rock Clubs. Wir kommen aus den Staaten hierher und spielen vor diesen wirklich Southern Rock-verrückten Deutschen. Das gibt uns ein heimisches Gefühl. So macht es hier dann einfach eben großen Spaß!

Sounds Of South: Im Sommer habt ihr auf einigen Festivals gespielt. Wo ist für euch der Unterschied zu Konzerten in Clubs wie dem Luxor?
The Cadillac Three: (Kelby) Es ist eigentlich nur die Größe, nehmen wir mal als Vergleich das Ramblin‘ Man-Festival. (Jaren) Die Energie bei beiden ist aber meist dieselbe. Es war dort wohl mit die größte Zuschauermenge, vor der wir mit einigen anderen Bands gespielt haben, aber ich persönlich mag  diese Gigs hier mehr, weil sie in einer viel intimeren Atmosphäre stattfinden. Du schwitzt hier gemeinsam mit der Menge. Insgesamt sind  beide Sachen sehr schön, haben aber natürlich auch ihre kleinen Unterschiede.

Sounds Of South: Bei den Konzerten, die wir von euch bisher gesehen haben, habt ihr eure Songs eher hart gespielt. Gibt es einen Unterschied zu euren Performances in Amerika und Europa, speziell in Deutschland?
The Cadillac Three: (Kelby) Nicht wirklich, wir spielen eigentlich immer auf gleiche Art, egal, wo wir gerade sind. Die Musik überträgt sich einfach von alleine auf die verschiedenen Menschen auf diesem Erdball. (Jaren) Es ist schon eine wilde Sache. In den Staaten spielen wir zum Beispiel mit großen Countrystars, auch da machen wir einfach unser Ding.  Eigentlich ist es immer der gleiche verrückte Kram, aber es gefällt überall und das ist das Gute daran. Es hilft uns in unserer Entwicklung und auf unterschiedliche Situationen zu reagieren. Auch wenn wir fast immer die gleiche Setliste spielen, es überträgt sich auf sehr viele Audienzen. Die Country-Kundschaft liebt die harte Seite unserer Musik, die Rock-Gemeinde mag, dass wir hart sind, aber auch einiges bieten, was ihre Bands nicht liefern.

Sounds Of South: Ich gehe davon aus, dass die kreativen Synapsen bei euch nicht still stehen. Wie steht es bei euch mit neuem Songmaterial?
The Cadillac Three: (Kelby) Wir haben neue Lieder! (Jaren) Wir arbeiten  an einer neuen Scheibe. (Neil) Wir spielen zur Zeit schon welche im Set. Wir sind dabei die Sache abzuschließen, sie wird irgendwann nächstes Jahr herauskommen. Wir arbeiten eigentlich immer an neuer Musik, auch wenn wir ein Album gerade abgeschlossen haben. Wir schreiben die ganze Zeit neue Songs, so sind sie dann halt wieder auf dem darauf folgenden Album.

Sounds Of South: Eure Besetzung ist in dieser Form etwas Besonderes. Gab es irgendwann einmal das Bestreben einen Bassspieler einzusetzen?
The Cadillac Three: (Kelby) Nein! Auf gar keinen Fall! (Jaren) Ein Typ in Berlin fragte mich letzte Nacht nach dem Gig das gleiche. (Kelby) Er war wahrscheinlich Bass-Spieler… (Jaren) Wir haben mit Kelby ja quasi einen Bass-Spieler. Er bedient auf seiner Pedal Steel beide Felder, wir sind da untereinander genügsam. Wir hatten zu Beginn mal an einem Punkt darüber nachgedacht, einen anderen Rahmen zu setzen, sind dann aber zum Entschluss gekommen, dass es einfach nicht mehr dasselbe wäre. Du kannst niemand anderen in diesen speziellen Mix hineinbringen. Wir sind schon so lange miteinander verbunden. Kelby macht solch einen fast schon wissenschaftlich coolen und so differenzierten Job, den andere Leute einfach nicht bieten. Es ist ein außerordentliches Element sowohl für die Band als auch für die Besucher. (Kelby) Es ist schon einzigartig.

Sounds Of South: Du hattest ja mit der Produktion von Steven Tylers Album einen echten Clou gelandet. Mit welchen prominenten oder auch nicht bekannten Musikern würdest du nochmal gerne kooperieren?
The Cadillac Three: (Jaren)  Die Steven Tyler-Geschichte war eine spaßige Sache aber auch absolutes Neuland für mich. Für uns alle wäre es toll, mal mit Dave Grohl (Scream, Nirvana, Queens Of The Stone Age, Them Crooked Vultures, Foo Fighters) zu arbeiten. Ich war schon immer ein absoluter Fan von ihm. (Kelby) Wir würden natürlich auch gerne Tom Petty sagen, aber der ist ja leider nicht mehr unter uns, somit ist es wohl am Ende Dave Grohl.

Sounds Of South: Was waren für euch die herausragenden Alben/Bands 2019?
The Cadillac Three: (Jaren) Wir alle lieben die Brent Cobb-Scheibe, er hat einen Super-Job gemacht. Wir finden eine Menge Bands gut, jetzt gerade auch welche aus Großbritannien, mit denen wir Freundschaft geschlossen haben. Da wären zum Beispiel die Rival Sons. Die Jungs sind klasse. Puh, irgendwie fragt mich das jeder… Bevor wir nach Europa gekommen sind, haben wir eigentlich durchgängig ZZ Top gehört und über ihre Musik diskutiert. Wir mögen auch vieles von Kurt Vile, der hat einige großartige Platten gemacht.

Sounds Of South: Wer hat (außer euch) am ehesten das Potential, den Southern Rock populär zu halten, die ehemaligen ‚Alphatiere‘ (Skynyrd, Molly Hatchet) sind ja mittlerweile doch beträchtlich in die Jahre gekommen.
The Cadillac Three: (Kelby) Niemand außer uns! (Jaren) Wir müssen da vorsichtig mit der Antwort sein, das hat uns schon mal Ärger eingebracht. Blackberry Smoke machen einen hervorragenden Job, ich liebe die Jungs. Black Stone Cherry natürlich, die auch  hier waren. Es passieren gerade viel Dinge, ihr habt diese Band aus Kalifornien (Robert Jon & The Wreck) eingangs vor dem Interview erwähnt. Wir haben einige Southern Rock Bands in Großbritannien erlebt. Ich glaube wir sind mit die besten Botschafter der Dinge, die diese Bands einst begonnen haben. Wir machen eine recht spezielle Sache, ähnlich wie ZZ Top, aber natürlich stilistisch ganz anders. So mitten drin in der direkten Nähe zu den Allman Brothers sehe ich Blackberry Smoke. Aber es gibt auch einige coole Bands aus Nashville, wie The Steel Woods zum Beispiel, die auch ihr ganz eigenes Ding durchziehen. Lukas Nelson (Sohn von Willie Nelson) hat auch eine tolle Scheibe herausgebracht.

Sounds Of South: Welchen Stellenwert haben Online-Magazine wie unser Sounds Of South für euch?
The Cadillac Three: (Jaren) Ich bekomme jeden Morgen Google-Updates, was online bezüglich meines Namens oder des von The Cadillac Three passiert. (Neil) Wir kennen eigentlich recht viele. (Jaren) Sie sind für unsere Weiterentwicklung sehr hilfreich.

Sounds Of South: Wie sehen eure Planungen für das Jahr 2019 im Groben und Ganzen aus? Werdet ihr wieder in Deutschland präsent sein?
The Cadillac Three: (Kelby) Wir werden wieder ziemlich viel touren, da ja das neue Album ansteht. (Jaren) Wir werden eine große Tour zusammen mit der Charlie Daniels Band und Travis Tritt spielen. (Kelby) Auch einige Gigs zusammen mit Marshall Tucker. (Neil) Wir werden die Country Fuzz Tour als Headliner anführen, im Sommer und Herbst auch wieder hierhin zurückkehren.

Sounds Of South: Wie hat sich dein Leben durch Sohnemann Jude verändert? Habt ihr schon den ersten Song zusammen geschrieben…?:-)
The Cadillac Three: (Jaren lachend) Wir jammen schon ein wenig, er spielt schon ganz gut Drums. Dabei ist er gerade mal zwanzig Monate alt. Wir nehmen ihn in den Staaten schon des öfteren mit zu den Konzerten, wann immer es geht. Hierhin ist es aber noch zu weit. Er ist schon richtig besessen, er erfährt alles ziemlich authentisch. Mein Vater, der Vater meiner Frau als auch meine Frau sind alle Drummer, so hat er es wohl schon im Blut. Klar, dass er auch uns alle ein wenig verändert hat, wir fühlen uns älter und reifer. Für mich persönlich hat der Tag, wo es früher acht Stunden Beschäftigung waren, jetzt 16 Stunden, dieser übliche Schlafloskram, du weißt schon. Aber es ist schon unterhaltsam, ihn von der Bühne mit seinen Kopfhörern beobachten, wie er unsere Shows verfolgt.

Danke für das Interview, wir wünschen euch eine gute Heimreise, frohe Weihnachten und ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2019.

———————————————————————————–

Das Interview in Englisch:

Sounds Of South: It’s great to see you again. As far as I know you guys have performed a couple of times in the Luxor Cologne. What do you like most about it?
The Cadillac Three: (Jaren) We love the gamone of these sweaty Rock clubs. We came up playin‘ the States and it’s a feeling at home but you’re playing for these crazy Germans that are really in the Southern Rock.  It’s a sweaty Rock’n’roll club, so it’s a lot of fun.

Sounds Of South: In summer you played a few festivals. What is the difference for you to gigs like these in the Luxor?
The Cadillac Three: (Kelby) It’s just the seize, really, for example when we played Ramblin‘ Man. (Jaren) The energy of both is mostly the same, it was probalby the biggest crowd we’d ever played for with a couple of bands, but I like these things more, it’s so intimate, you are sweating on each other with the crowd,  they are both amazing, but they have their kinda differences both.

Sounds Of South: The Cadillac Three concert songs we have seen so far here were really hard played. Are there any differences about your performances between America, Europe and especially in terms of Germany?
The Cadillac Three: (Kelby) Not really, we play the same no matter where we are, the music translates to all the different types of people all over the world. (Jaren) It’s pretty wild, cause we are playing in the States with big country artists and we came out playing the same thing tonight. It’s sweaty, drunken and buffoon, the same stupid shit every night, it works everywhere, but that’s what’s been so good. It helps our band grow every night and cross through the different situations. We do play the same set every night, but it’s catering to a lot of audiences. The Country genre loves our heavier side of that, the rock genre loves us, because we are heavy, but having a lot of different things other bands don’t have in genre.

Sounds Of South: I presume that your creative synapsis do not stand still. What about any new song materials?
The Cadillac Three: (Kelby) We have new songs! (Jaren) We are working on a new record. (Neil) We are playing a few in the live sets. It is done, we are finishing it now, so it will be out some time next year. We are always working on new music, even when we are finishing an album like we did right now, we writing new stuff all the time, so it could be easily to be on the next album.

Sounds Of South: Your line-up is something special. Have you ever thought to involve a bass player?
The Cadillac Three: (Kelby) No! (Jaren) A guy in Berlin asked me that question last night, too.  (Kelby) He probably was a bass player… (Jaren) We do have a bass player! Kelby is covering both grounds, we are frugal with each other. We thought about it some point when we were starting, bringing another frame, but it just wouldn’t be the same. You can’t through someone else in this mix, cause we are so close, the fact that Kelby is doing such a scientific cool different thing that other people aren’t doing. It is a really exciting element for our band and the spectators, too. (Kelby) It’s a unique thing.

Sounds Of South: You used to be indeed very successful with the production of Steven Tyler’s album. With which prominent or less prominent musicians would you love to work with in future?
The Cadillac Three: (Jaren) The Steven thing was a lof fun, but it was a bucket list moment. For all of us it would be a great fun to work with Dave Grohl (Scream, Nirvana, Queens Of The Stone Age, Them Crooked Vultures, Foo Fighters).  I’ve always been a huge Dave Grohl fan. (Kelby) We use to say Tom Petty but he passed away,  so it’s tough – so it would be probably Dave Grohl.

Sounds Of South:What albums /bands were the most outstanding ones in 2018.
The Cadillac Three: (Jaren) We all loved the Brent Cobb record, he did a great job on that.  We like a bunch of bands, especially from the UK we became friends with, for example the Rival Sons. We love those guys. Ooh everyone asks me that shit… We constantly heard ZZ Top before we went to Europe and talked about their music. We love a lot of Kurt Vile. I think he is making some great records.

Sounds Of South: Who (except you guys) will rather have the biggest potential to keep Southern Rock alive/popular? The former alpha animals like Skynyrd or Molly Hatchet e. g. became meanwhile pretty old…
The Cadillac Three: (Kelby) Just us, nobody else! (Jaren) We must be careful probably to answer this, because we got some trouble one time. Blackberry Smoke is doing a great job, I love those guys. Black Stone Cherry obviously, they are still doin‘ really great over here. There’s a lot of cool things happening, you mentioned a band from California earlier (before the interview), we saw some Southern Rock bands over here in the UK. I think we are the best torch carriers. We are doing something very unique, it’s our aproach to what those guys did, it’s close to ZZ Top, but something different. Right on the middle the next the Allman Brothers is Blackberry Smoke, no question, you know. But there are lot of cool bands from Nashville like The Steel Woods, they are doing their own take on what these guys pay. Lukas Nelson made a killer record, too.

Sounds Of South: Which rank has an online magazine like ours in your mind?
The Cadillac Three: (Jaren) I get google updates on my phone concerning my name or The Cadillac Three every morning. (Neil) We know a lot of them. (Jaren) They are very helpful for us kinda building what we are doing.

Sounds Of South:What are the plans in 2019 so far? Are you guys going to take on tour next year again?
The Cadillac Three: (Kelby) A lot of touring you know, like we have new songs recorded and the new album’s coming out at some point. (Jaren) We do a tour with The Charlie Daniels Band and Travis Tritt. (Kelby) Some shows with Marshall Tucker. (Neil) we headline Country Fuzz Tour, we’ll be back here summer and fall.

Sounds Of South: How has changed your life since the birth of your son Jude? Have you already written a song together…?:-)
The Cadillac Three: (Jaren laughs) We jammed quite a bit, he’s playin‘ drums pretty well. He’s 20 month old, we got to bring him on the road pretty lot in The United States whenever we can, but we haven’t done the journey over here with him yet. He’s obsessed in music, he gets it very honestly, you know. My dad, my wife’s dad and my wife are drummers, he’s easy up with it. It changed all of us a little bit, it make us all feel older and more mature. But the main thing that has changed in me is he gets up early and your day  – where it used to be 8 hours before – is now 16 hours long – the doing without sleeping shit…, you know. But it is very amazing being on stage and seeing him with the head phones on watching our shows.

Sounds Of South: Thanks for the interview, good luck for your trip home, merry Christmas, keep healthy and a successful 2019!

Bilder: Gernot Mangold
Interview/Text: Daniel Daus

The Cadillac Three
The Cadillac Three bei Facebook
Oktober Promotion

Red Beard, 20.12.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

RB-haupt

Das Musikjahr 2018 neigt sich dem Ende entgegen und was kann es Schöneres geben, als die Konzertsaison nochmals mit einem verheißungsvollen Teenage Head Music-Southern Rock-‚Jung-Act‘ in unserer geliebten Kulturrampe abzuschließen.

Zunächst möchte ich kurz ein paar salbende Worte über diese beiden langjährigen Kooperationspartner verlieren. Das Label Teenage Head Music um ihren Mastermind Manny Montana hat auch 2018 wieder einen unermesslichen Beitrag geleistet, den Southern Rock in Europa präsent zu halten. Besonders lobenswert aus meiner Sicht, dass man sich nicht auf den Lorbeeren funktionierender arrivierter Bands ausruht, sondern immer bestrebt ist, neuen jungen, nicht minder talentierten Combos, eine Plattform zu bieten.

Gar nicht oft genug kann man den Einsatz von Markus ‚Pille‘ Peerlings hervorheben, dem es auch dieses Jahr wieder mit unermesslichem Einsatz, trotz der begrenzten Möglichkeiten seiner Krefelder Kult-Location, gelungen ist, ein Wahnsinnsprogramm auf die Beine zu stellen, und der auch für 2019 schon wieder die Weichen für tolle Musik gestellt hat. Danke lieber Pille, wo wäre bodenständige Rockmusik heute ohne Typen wie dich und solche Clubs?

Kommen wir aber nun zu Red Beard, eine mir bis dato nur namentlich bekannte Band von den Kanaren (mit denen ich in meinem bisherigen Leben nur urlaubstechnisch in Berührung gekommen bin). Die hatten mit ihrem, vom geschätzten Kollegen Michael Segets reviewten Album „Dakota„, einen aktuellen Longplayer am Start.

Nachdem Bandchef Jaime Jiménez Fleitas und der quirlige Lead-Gitarrist Fabio La Perna ihre Arbeitsgeräte bei einem kurzen Intro im Twin-Modus ‚vorgeglüht‘ hatten, wurde mit „Something Real“ durch ein ein kurzweiliges Gemisch aus Southern- und Country Rock-Ingredienzien losgestampft.

Soweit ich meine handschriftlichen Notizen überschauen kann, wurde in dem gut 20 Stücke umfassenden Programm (inklusiv der beiden launigen Zugaben „I’m Trying To Do My Best“ und „Hold On“) bis auf zwei Cover-Nummern („Can’t You See“ und „Midnight Rider“), auf den Fundus ihrer bestens anhörbaren Eigenkreationen gesetzt.

Auffälig war, das bei vielen Stücken eingestreute Stones-Gitarrenriff-Fundament als Rhythmus-Untermalung, das dann mit den typischen Zutaten à la Skynyrd, Marshall Tucker, Georgia Satellites oder auch Blackberry Smoke (bei Country-lastigeren Sachen wie zum Beispiel „I Can’t Slow Down“) kombiniert wurde.

Das neue Album „Dakota“ wurde dabei lobenswerter Weise komplett vorgestellt. Klasse hier u. a. der Opener des Werkes „A Place To Settle Down“ mit seinen „Sweet Home Alabama“-Reminiszenzen oder der schunklige Footstomper „Begging For More“. Wenn es dem regelrecht bescheiden wirkenden Fronter Jaime Jiménez Fleitas vielleicht gelingt, noch etwas kommunikativer (vielleicht mal mit ein paar Ansagen oder Anekdoten vor den Songs) und mitreißender auf das Publikum zuzugehen, kann hier in Zukunft ein äußerst verheißungsvoller Southern Rock-Live-Act gedeihen.

Insgesamt aber ein musikalisch überzeugendes Debüt von Red Beard in der Krefelder Kulturrampe, das von etwa 50 Zuschauern zurecht mit viel Applaus und teilweise fast ekstatischem ‚Updancen‘ anerkannt wurde. Die Spanier reihen sich damit würdig in Liste von Bands der jungen New Southern Rock-Generation wie Robert Jon & The Wreck, Voltage, The Trongone Band, Them Dirty Roses, The Vegabonds & Co. ein, deren Entwicklung mit Spannung weiterverfolgt werden darf. Ein sehr gelungenes Jahresfinale in der Rampe!

Line-up:
Jaime Jiménez Fleitas (lead vocals, electric guitar)
Fabio La Perna (electric guitar, vocals)
Francisco Marrero Fajardo (bass)
Josiño Perez (drums)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Red Beard
Red Beard bei Facebook
Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld
Jörg Schneider Webseite

Molly Hatchet – 12.12.2018, Turock, Essen – Konzertbericht

MH_haupt

Ich habe lange überlegt, ob ich noch mal ein Molly Hatchet-Konzert aufsuchen soll, der desaströse Auftritt im Sieburger Kubana vor zwei Jahren steckte mir immer noch irgendwie in den Knochen. Da ja mittlerweile aber doch einiges an Wasser den Rhein herunter gelaufen ist und sich jetzt die Gelegenheit, knapp fünf Minuten von meinem Arbeitsplatz entfernt, im Essener Turock wieder ergab, einem Club, mit dem ich bisher immer gute Erinnerungen verbunden habe (zum Beispiel Quireboys, John Waite), habe ich mich dann doch von Gernot ‚weichkochen‘ lassen.

Als Vorgruppe gab sich King Savage redlich Mühe, die doch ziemlich zahlreich erschienenen Hatchet-Fans mit ihrem Hard-/Heavy Rock auf Betriebstemperatur zu bringen. Ihr Sänger hatte nicht umsonst ein Motörhead-T-Shirt an. Der Stil des Fünfers ging in eine ähnliche Richtung, nur doch eben einige Nummern kleiner. Der Unterschied war hier dann aus meiner Sicht einfach der nicht allzu große Wiedererkennungswert ihrer Stücke wie u. a. „Full Speed Ahead“, „Lonesome Road“, „Wild Life“ oder „Down The Drain“. An ihrem Engagement war allerdings nichts auszusetzen.

21:15 Uhr betraten dann mit Bobby Ingram, Phil McCormack, John Galvin, Shawn Beamer und Tim Lindsay die gewohnten MH-Protagonisten die Bühne des Turocks und wurden von einer von Anfang an begeistert mitgehenden Audienz empfangen. Nachdem der Sound vorne direkt an der Bühne bei den Openern „Whiskey Man“, „Bounty Hunter“ und „Gator Country“ wieder völlig Bass- und Schlagzeuglastig rüberkam, Phils Stimme schwer dagegen anzukämpfen hatte und Bobbys E-Gitarre nur fisselig zu hören war (insgesamt maximal Bootleg-Niveau), habe ich mich dann recht schnell, weit nach hinten begeben.

Dort war es dann wesentlich besser (siehe da, selbst Galvins Piano war plötzlich zu hören) und vor allem die großartige Stimmung unter den Leuten trug erheblich dazu bei, dass Ingram & Co. sich schwer ins Zeug legten. Auch Fronter Phil McCormack zeigte sich an diesem Abend wieder etwas besser in der Spur. Bobby Ingram wechselte unter drei verschiedenen Gitarrenmodellen und bewies, dass er nach wie vor ein toller Gitarrist ist, auch wenn es allein, trotz aller Mühe, natürlich nie richtig gelingt (wie auch?), den Spirit und die Power des einstigen 3er Line-ups einzufangen.

„It’s All Over Now“, „Devil’s Canyon“, „Beatin The Odds“ (mit vorgelagertem Drum-Solo des wieder mit wehenden Haaren trommelnden Shawn Beamer), “One Man’s Pleasure” hießen die üblichen Standardtracks bis zum ersten großen Highlight “Fall Of The Peacemakers”. “Jukin’ City” mit “Layla”-Instrumental-Intermezzo (mit schöner Galvin-Piano-Präsenz) als Übergang zu „Dreams“ (inklusive Vorstelllung der Band) waren dann die Vorboten zu einem furiosen Finish, das mit dem lang hier nicht mehr gespielten „The Journey“, das Bobby dem kürzlich verstorbenen Labelbesitzer, Produzent und Konzertveranstalter Rainer Hänsel widmete, eine echte Überraschung bot.

Skynyrds „Free Bird“ mit starker Ingram-Slide- und Solo-Performance, sowie „Flirtin‘ With Disaster“ als Rausschmeißer ließen das Turock mit den jubelnden und mitsingenden Fans ordentlich beben. Die Musiker schienen von der guten Stimmung regelrecht geflasht zu sein.

Auch wenn der große Glanz der ganz frühen Hatchet-Tage und auch die unter der Ingram-Führung in der Anfangsphase (wir erinnern uns an ihren absolut grandiosen Auftritt auf der Lorelei) aus meiner Sicht sicherlich längst verflogen ist, war dieser Abend im Turock zumindest wieder ein kleiner Schwenk in eine bessere Richtung. Dem überwiegenden Teil der Zuschauer hat es jedenfalls offenkundig gefallen und darauf kommt es letztendlich an.

Danke an Peter Siewert vom Turock für die Akkreditierung.

Line-up:
Bobby Ingram (electric guitar, vocals)
Phil McCormack (lead vocals, harp)
John Galvin (keys, vocals)
Shawn Beamer (drums)
Tim Lindsey (bass, vocals)

Bilder: Gernot
Text: Daniel Daus

Molly Hatchet
Molly Hatchet bei Facebook
Turock, Essen

The Trongone Band, 08.12.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

TR_haupt

Eigentlich war es ja erneut ein Wetter, um auf der Couch liegen zu bleiben. Da mit den Jungs von The Trongone Band aber ein äußerst verheißungsvoller New Southern Rock-Act erstmalig in unserer geliebten Kulturrampe in Krefeld vorstellig wurde, schwangen Gernot und ich natürlich unseren Hintern hoch. Da zählt das Engagement von Leuten wie KR-Chef Pille Peerlings und der Support von solch tollen Clubs einfach deutlich mehr, als manchmal die eigenen Befindlichkeiten.

Der durfte sich dann auch bei einem Erstauftritt von einer hier recht unbekannten Band über eine ziemlich gut gefüllte Location freuen (wenn ich mich recht erinnere, haben heutige Rampenfeger wie Hogjaw oder Robert Jon & The Wreck damals bei ihren Debüts vor deutlich weniger Zuschauern begonnen).

Ja, The Trongone Band. Ich glaube, dass es auch ein wenig mit mein Verdienst ist, dass diese Burschen in Europa zu sehen sind. Nach einem Geheim-Tipp meines Bekannten Harald Birkner hatte ich ihr Management um die Überlieferung ihres Erstlings „Keys To The House“ gebeten. Ich sehe mich heute noch bei der Verfassung meines überschwänglichen Reviews in unserem holländischen Urlaubsort Kamperland auf der Terrasse sitzen. Somit war ich vermutlich der erste, der etwas über das Virginia-Quartett in Deutschland publiziert hatte.

Nach der Fertigstellung folgte auf dem Fuße die Anfrage, ob ich Kontakte für Auftritte in Europa wüsste oder herstellen könnte. Da war es natürlich keine Sache, unsere Freunde und Experten auf diesem Gebiet, Teenage Head Music, ins Spiel zu bringen. Und siehe da, heute stehen sie unter der THM-Fahne auf den einschlägigen, dieser Musik gegenüber offenen Bühnen unseres Kontinents.

Da der Vierer um die beiden Trongone-Brüder Andrew und Johnny, sowie ihre Mitstreiter Ben ‚Wolfe‘ White und Chip Hale bis jetzt nur besagten Silberling und eine mit recht identischen Liedern bestückte Live-Scheibe im Portfolio zu bieten haben, war bereits mit dem Opener „Nothing To Lose“ klar, dass hier auch der Fokus liegen würde.

Gitarrist und Fronter Andrew Trongone und Keyboarder Ben ‚Wolfe‘ White hatten die Lead Vocals inne, die im ersten Abschnitt bei mir direkt vor der Bühne, wie auch der Gesamt-Sound (ziemlich Schlagzeug-lastig), teilweise etwas dumpf rüber kamen. Das besserte sich dann im  weiteren Verlauf aber zusehends.  Beide überzeugten vor allem bei ihren vielen Solo-Einlagen an ihren Instrumenten Telecaster, beziehungsweise Hammond-Orgel und E-Piano.

Chip Hale ließ seinen Tieftöner sehr filigran pumpen und hatte einen tollen einfühlsamen Groove, während sein Rhythmus-Partner Johnny Trongone viel Power erzeugte.

Als sich bei Andrew Trongone eine Gitarren-Saite in der Endphase bei „Straight To Hell“ in die Hölle verabschiedet hatte, trotzte dieser relativ beherrscht und abgeklärt der für ihn unangenehmen Situation und drehte dann mit Fünfen erst so richtig auf. Respekt dafür.

Erwähnenswert sind sicherlich auch die toll gespielten Cover-Versionen, wovon das grandios performte Dire Straits-Stück „Money For Nothing“ herausragte, aber auch der Little Feat-/Lowell George-Schwofer „Willin'“ und der fulminant gejammte „New Speedway Boogie“ (Grateful Dead) im Zugabenteil begeisterten.

Gefreut habe ich mich übrigens über die Anwesenheit meiner zur Zeit arg gebeutelten und wie so oft trinkfreudigen Rot-Weiß Essen-Freunde Happo & Co., die mit sachkundigen Kommentaren wie „Zugabe“ (schon nach dem vierten Lied „Anne Marie“), „ach, das spielen die auch?“ (nach undefinierbaren Anfangs-Akkorden eines Stückes) oder „ich muss Montag arbeiten“ (angesichts des sich immer weiter verlängernden Endabschnittes des Gigs),  ihrer ungezügelten Ruhrpottschnauze mal wieder freien Lauf ließen.

Im Anschluss an den Gig entpuppten sich die Trongone Band-Burschen vorne im Bluebird-Cafe als sehr nette, aufgeschlossene als auch sympathische Typen und kehrten für unser VIP-Logo-Bild nochmals auf die Bühne der Rampe zurück. Nach ihren nächsten Auftritten in den Niederlanden, Frankreich und Spanien können sie Weihnachten mit stolzer Brust von ihrer ersten Europa-Tournee in die Staaten zurückkehren. Wiedersehen ganz  klar erwünscht!

Line-up:
Andrew Trongone (lead vocals, electric guitar)
Ben White (keys, lead vocals)
Chip Hale (bass, vocals)
Johnny Trongone (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

The Trongone Band
The Trongone Band bei Facebook
Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Modern Earl – 07.12.2018, The Ranch House, Kerken – Konzertbericht

ME_Haaupt

Wenn es einen Preis für die stärkste Southern Rock-Live-Präsenz in Deutschland geben würde, nicht nur, was die Quantität betrifft, sondern auch die Qualität und Spielfreude angeht, wäre Modern Earl sicherlich der unangefochtene Anwärter auf Platz 1. Das amerikanische Quartett um ihren charismatischen Leader Christopher ‚Earl‘ Hudson reist seit einigen Jahren unsere Republik rauf und runter und lässt sich auch durch unkonventionelle Locations nicht von ihrem munteren Treiben abhalten.

Bedingt durch die geografische Nähe zu unserem Wohnsitz in Rheinberg hatten wir uns dieses Jahr für ihren Gig im Ranch House am idyllischen Eyller See, irgendwo zwischen Kerken, Wachtendonk und Kempen im niederrheinischen Niemandsland gelegen, entschieden.

Bei so richtigem Regensauwetter kamen wir dann pünktlich zum Einlass an. Der recht gut gefüllte Parkplatz, ließ schon auf einen annehmlichen Besuch schließen, wie auch das ordentlich ausgelastete Restaurant dann eindrucksvoll offerierte.

Das Konzert fand allerdings in einem angeschlossenen beheizten Partyzelt statt, das nochmals um die 100 Leute fasste und am Ende mit ca. 80 Besuchern auch sehr gut und angenehm frequentiert war, sodass auch Klaustrophobiker nicht in Nöte gekommen wären.

Unser letzter Besuch von Modern Earl an der Freilichtbühne in Mülheim an der Ruhr lag jetzt schon knappe 1 1/2 Jahre zurück und wir waren nicht nur auf die Fortentwicklung der Band gespannt, sondern auch wie die Songs ihrer zwischenzeitlich neu erschienen CD „Ameriphonica“ im Live-Gewand rüberkommen würden.

Und so brachten Fronter Christopher ‚Earl‘ Hudson,  der variable und quirlige Gitarrist Ethan Schaffner sowie ihre Rhythmusfraktion, bestehend aus Bassist Ben Hunt und ihrem Drummer Daniel Telander (jede Musiker hatte eine kleine Parzelle auf der improvisierten Bühne für sich), mit dem launigen Rausschmeißer dieses Werkes „Hoorey For The Honkytonks“, von Anfang an, mächtig Stimmung in die Bude, ähm, das Freiluftzelt.

Der Stampfer „Whiskey On The Table“, „Catfish And Titties“, das Banjo-lastige Osborne Brothers-Cover „Rocky Top“, der schunklige Country-Ohrwurm „Blame The Bottle“ (wieder mal mein Favorit), „Angel From Montgomery“, „I Know You Rider“, das einigen trink- und tanzfreudigen Mädels gewidmete „Young Blood“ (mit schöner Twin-Passage), „Backwoods Betty“ (mit Publikums-Mitsing-Interaktion) sowie das psychedelische „Devil’s Playhouse“ als Warnung, sich nicht mit den falschen Menschen zu umgeben, ließen in Set 1 keine Wünsche offen.

Nach ca. 30 Minuten Pause, stand dann im zweiten, mit „Hot Damn“ eröffnetem Abschnitt, der neue Silberling etwas mehr im Fokus. Das swampige „The State Of Me“, der Southern Rock-Kracher „Gone To The Country“ als auch das laut Hudson am Frühstücksstisch kreierte „Red White And Blues“ standen als Blaupause für die Live-Kompatibilität ihrer neuen Stücke. Explizit zu erwähnen waren auch die tollen sitzenden Harmoniegesänge aller im Bandgefüge beteiligter Mitglieder, die mit ein Trademark des Vierers abgeben.

Die stark und eigenwillig interpretierten Fassungen von Southern-Klassikern wie „Long-Haired Country Boy“ und „T For Texas“ in der Schlussphase, ließen lautstarke Zugabeforderungen der begeisterten Anwesenden (übrigens viele mit Cowboyhüten und Western-typischem Outfit zugegen) auf dem Fuße folgen. Hudson & Co. legten danach mit „That Girl Can Drink“ und dem furios gespielten Medley aus „Sweet Home Alabama“ (sollten Skynyrd sich mal anhören…) und Lou Reeds „Take A Walk On The Wild Side“ ein wildes Finish hin, das noch mal alle Kräfte der Anwesenden mobilisierte.

Am Ende gab es nach dem Gig ein kurzes Handshaking mit den Jungs (Christopher bedankte sich für die vielen Reviews von uns) und das obligatorische Bild mit dem Logo (siehe unsere VIP-Galerie). Ein toller Southern Country Rock-Abend mit engagiert auftretenden Modern Earl an einem ungewöhlichen Ort, der seinerseits durch seine Gastfreundlichkeit überzeugen konnte.

Line-up:
Christopher ‚Earl‘ Hudson (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Ethan Schaffner (electric guitar, banjo, lap steel, vocals)
Ben Hunt (bass, vocals)
Dan Telander (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

Modern Earl
Modern Earl bei Facebook
The Ranch House, Kerken

The Cadillac Three – 02.12.2018, Luxor, Köln – Konzertbericht

Cad_haupt

Nachdem ich bei meinem obligatorischen sonntäglichen Nachmittagslauf mit den diversesten niederrheinischen Regenarten durchnässt worden war, ging es nach der heißen Dusche schon kurze Zeit später mit Kollege Gernot in musikalischer Mission wieder in Richtung Köln.

Die Jungs von The Cadillac Three hatten sich zum dritten Mal hintereinander im Luxor angesagt. Einem Interviewwunsch seitens unseres Kooperationspartners Oktober Promotion in Verbindung mit dem gewohnten Konzertbericht, sind wir natürlich gerne nachgekommen. Das Gespräch mit den drei Musikern wird zu einem etwas späteren Zeitpunkt dann zu lesen sein.

Bedingt durch das Interview mit Johnston & Co. hatten wir nur noch eineinhalb Stücke der Kölner Support-Combo Giirl mitbekommen. Mit dem Kommentar „White Stripes on Acid“ eines in der ersten Reihe stehenden Pärchens, dass wir schon mal bei Country-/Southern Rock-Gigs in der Domstadt sporadisch antreffen, als Kategorisierung des Gehörten, lasse ich unsere Leserschaft dann mal sich ihren Teil dazu denken.

Um 21:00 Uhr legten dann Neil Mason, Kelby Ray und Fronter Jaren Johnston (wieder mit vielen Gitarrenwechseln) mit ihrem obligatorischen Programm und den allseits bekannten, dezent patriotisch untermalten Tracks wie u. a. „Peace Love & Dixie“, „Bury Me In My Boots“, Tennessee Mojo“, „Back It Up“, „American Slang“ oder „I’m Southern“ ihrer drei bisher erschienenen CDs los.

Überwiegend knallhart stampfender Riff-Southern Rock, gepaart mit diesen eingängigen Refrains und durchzogen mit einigen wenigen, etwas ruhiger anmutenderen Songs wie “Drunk Like You“, „Hank & Jesus“ oder „Take Me To The Bottom“, ließ ihre, mit vielen jüngeren Leuten durchwachsene, klatsch- und mitsingfreudige Klientel im satt gefüllten Luxor gewohnt frohlocken.

Mit dem brandneuen Lied „Whiskey & Smoke“ in typischer TCT-Manier, gab es einen ersten Ausblick auf das für 2019 geplante neue Album. Das den Kollegen von Blackberry Smoke, Whiskey Myers und Black Stone Cherry gewidmete und furios gespielte „Whiskey Soaked Redemption“ (inklusiv einer Solopassage von Kelby Ray an seinem Pedal Steel-Gerät), der Ohrwurm „White Lightning“ und das nochmals ihre Herkunft huldigende Abschlussstück als Rausschmeißer „The South“, ließen im Prinzip erneut keine Wünsche offen.

Das Nashville/Tennessee-Trio bewies an diesem Abend wieder, dass Southern Rock nicht nur was für alte Säcke ist, sondern gepaart mit junger und draufgängerischer Art, durchaus auch heute mit Erfolg in nachfolgende Generationen transportiert  werden kann. Somit darf man sich schon jetzt auf eine Rückkehr von The Cadillac Three in 2019 mit neuem Werk im Gepäck freuen. New Southern Rock is alive! Und die drei Burschen haben ohne Zweifel ihren hohen Anteil daran.

Line-up:
Jaren Johnston (lead vocals, guitars)
Neil Mason (drums, vocals)
Kelby Ray (lap steel, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

The Cadillac Three
The Cadillac Three bei Facebook
Oktober Promotion
Luxor Köln