FM – Support: Edge Of Forever, 10.05.2022, Resonanzwerk, Oberhausen – Konzertbericht

Im Prinzip stehen die Leute (uns eingeschlossen), die Konzerte besuchen, über die wir in der Regel berichten wie Southern- oder Blues Rock (abgesehen von der New Country-Sparte), der Urne mittlerweile näher als der eigentlichen Blütezeit ihres Lebens. Bei FM hätte ich das, ehrlich gesagt, auch ähnlich vermutet, da die Band ja auch sehr lange Zeit im Geschäft ist und aus Musikern besteht, die sich in unserer Altersklasse bewegen.

Aber weit gefehlt, das deutete sich schon an, als vor dem Eintritt in das Resonanzwerk in Oberhausen, zwei wildmähnige junge Mädels in knappen Fummel vor uns in Richtung Location stolzierten, die problemlos als Enkelinnen von Tom Kiefer und Brett Michaels durchgehen würden. Als die Location ihre endgültige Besucherzahl erreicht hatte (leider nur knapp 100), fühlte man sich angesichts der bunten Mischung aus Hard Rockern, Glam-Sleaze-/Melodic Rock-Fans und sonstigen Musikliebhabern fast wie in seine einstige Jugendtage zurückversetzt. Gernot und ich sind ja Kinder der Mucke von Mitte 70er bis Mitte der 90er Jahre. 

Als Vorgruppe betraten die italienischen Jungs von Edge Of Forever um 20:00 Uhr pünktlich die schön erhöhte Bühne des Resonanzwerks. Sie erspielten sich mit Songs wie „Get Up On Your Feet Again“, „Native Soul“, „Edge Of Life“, „Shift The Paradigm“, „Calling“, „Breath Of Life“, „Prisoner“, „Promised Land“ und „Feeding The Fire“ aus ihrer gesamten Bandhistorie und vom aktuellen Album „Seminole“ mit einem engagierten (Melodic) Hard Rock-Auftritt viele Sympathien. Liebhaber von Musik zwischen Bon Jovi, Survivor, Def Leppard, Thunder und House Of Lords & Co. werden ihre Freude gehabt haben.

Nach einer halben Stunde Umbaupause betrat der Hauptgrund unserer Anreise die Bühne. Trotz meiner eigentlichen Passionen zählte alles, was sich um Steve Overland und FM bisher abspielte (also z. B.  auch seine Seitenprojekte wie Shadowman, The Ladder oder Overland) schon immer zu einer meiner vielen Vorlieben. Zu diesen Projekten habe ich auch in früheren Magazinen einige Reviews verfasst, hier bei uns ist noch ein Interview zu finden, das ich mal im Rahmen einer The Ladder-CD, mit seinem zu dieser Zeit aktiven Gitarristen Gerhard Pichler gemacht habe.

Steve Overland gehört für mich neben Paul Rodgers und Danny Bowes zu den großen Dreien der britischen Rocksängerzunft. Und auch an diesem Abend offerierte er mit seinem variablen Gesang und seiner sympathischen Aura, dass er immer noch in bestechender vokaler Form ist.

Er und seine hervorragenden langjährigen Bandkollegen Pete Jupp und Merv Goldsworthy, sowie Jem Davis und Jim Kirkpatrick, der noch vor kurzem bei Band Of Friends bewies, dass er nicht nur einen begnadeten Melodic Rock-Gitarrist abgibt, sondern auch im Blues Rock-Genre an den Saiten sowie gesanglich, einiges zu bieten hat, wurden sofort vom Publikum enthusiastisch aufgenommen.

Overland und Co. eröffneten mit „Synchronized“ den Reigen ihres unterhaltsamen Programms, dass von toller Stimmung, tänzerischem Mitgehen der vielen ansehnlichen Mädels und diversen Mitsinginteraktionen gekennzeichnet war. Die Atmosphäre war prächtig.

So verging die Zeit mit Krachern wie „Bad Luck“, „Don’t Stop“, „Crosstown Train“, der herrlichen Ballade „Long Road Home“ (vom aktuellen Album „Thirteen“), dem Hit „Killed By Love“ und weiteren unterhaltsamen Tracks wie „Frozen Heart“, „Let Love Be The Leader“, „Tough It Out“, „I Belong To The Night“, „Metropolis“ (herrliche E-Gitarre Kirkpatrick) als Into zu „Over You“ bis zum rockigen Abschluss des Hauptteils „Turn The Car Around“, wie im Fluge. Mein Southern Rock-Herz wurde zwischenzeitlich aktiviert, wenn Kirkpatrick und Overland mit einigen Twin-Passagen an ihren E-Gitarren zu brillieren wussten.

Bei den Zugabestücken  „Story Of My Life“ und Other Side Of Midnight“, bei denen Overland aus Solidarität mit einem Ukraine-T-Shirt auch politische Stellung bezog, gab es unter den Anwesenden längst kein Halten mehr.  Das Kult-Quintett wurde zurecht am Ende stürmisch gefeiert.

Für mich persönlich kam es dann bei unserem Logobild im Anschluss an den Gig mit einem meiner absoluten Lieblingssänger zum krönenden Abschluss. Ein toller Abend, der an die guten alte Zeiten meiner Jugend erinnerte. Einen ähnlichen illustren Mix an jungen, alten und skurrilen Leuten im Publikum würde man sich übrigens bei allen Konzerten wünschen. Ein herzlicher Dank auch an KL concerts + promotion für die unkomplizierte Akkreditierung!

Line-up FM:
Steve Overland – Lead vocals, electric guitar
Jim Kirkpatrick – Eletric guitar, vocals
Pete Jupp – Drums
Merv Goldsworthy – Bass, vocals
Jem Davis – Keys, vocals

Line-up Edge Of Forever:
Alessandro Del Vecchio – Lead Vocals, keys
Nik Mazzucconi – Bass
Marco Di Salvia – Drums
Aldo Lonobile – Electric guitar

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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KL concerts + promotion
Resonanzwerk, Oberhausen

Michael Schenker – Support: Everdawn, 04.05.2022, Zeche, Bochum – Konzertbericht

Etwa drei Jahre liegt der letzte Auftritt von Michael Schenker in NRW mittlerweile zurück. Damals war es ein Gastspiel mit dem Michael Schenker Fest mit vier verschiedenen Sängern. Diesmal war die Besetzung an den Vocals geringer und Robin McAuley, der auch beim Fest dabei war, war einziger Frontmann.

Ansonsten war sonst nur Steve Mann, der aber auch zuvor in der Vergangenheit öfter mit Schenker zusammengearbeitet hatte, als zweiter Gitarrist und Keyboarder übrig geblieben. Die Rhythmussektion ersetzte Schenker mit Barend Corbois am Bass und Bodo Schopf an den Drums, der den verstorbenen Ted McKenna schon bei den letzten Konzerten ersetzt hatte.

Nachdem die Tore der Zeche ab 19:00 Uhr geöffnet wurden tröpfelten die Besucher zunächst eher in die Halle, dass sich um 19:30 etwa 40–50 Gäste im Konzertsaal befanden. Dann änderte sich ab 20:30 schlagartig, als um 20:00 Uhr  die aus New Jersey kommende Band Everdawn die Bühne betrat.

Etwa 40 Minuten präsentierten die Amerikaner um Frontfrau Alina Gavrilenko und den Gitarristen Richard Fischer Songs, die sie selber als Ultra Melodic Metal bezeichnen. Harte Gitarrenriffs, stampfende Bass- und Drum-Rhythmen verschmelzen dabei mit der sehr hohen Stimme der Fronterin und dem Keyboardspiel, das den Songs zuweilen eine gewisse Milde einhauchte. Es gelang ihnen, den Besuchern, die vor allem wegen Schenker gekommen waren, die Wartezeit zu verkürzen, was sich auch an dem Applaus der Zuschauer zeigte.

Um 21.00 Uhr betrat Michael Schenker nach einer relativ kurzen Umbaupause mit seinen Instrumentalisten die Bühne. In einer Ansage sagte Schenker, dass das folgende „Ascention“ seinem leider zu früh verstorbenen Drummer Ted McKenna gewidmet ist. Erst nach diesem instrumentalen Feuerwerk kam auch Sänger Robin McAuley suf die Bühne. Und es sollte in dem knapp 120 Minuten dauernden Konzert ein bunter Mix aus Songs folgen, an denen Michael Schenker in seiner mittlerweile 50 Jahre dauernden Karriere beteiligt war.

Schnell war der Funke auf das begeisternd mitgehende Publikum übergesprungen und es entwickelte sich ein toller Hard Rock-Abend. An den Gesichtern der Musiker konnte man erkennen, mit welcher Freude sie die Tracks spielten, und wie sie es genossen, die Resonanz der Zuschauer zu bekommen.

Dem „Cry For The Nations“ folgenden „Doctor Doctor“, der ersten UFO-Darbietung, konnte man etliche Besucher mitsingen sehen. McAuley ist gesanglich noch absolut auf der Höhe und hatte, wie auch im weiteren Konzert mit dem einen oder anderen Fan Augenflirts. Schön war, dass Schenker den anderen Musikern immer wieder die Möglichkeit gab, sich in der Frontline zu präsentieren und nicht irgendwo im Bühnenhintergrund ein Schattendasein zu fristen.

Dies lag aber auch an der geschickten, meist ausgewogenen Bühnenausleuchtung, wo Schenker nur bei einigen seiner von filigran bis brachialen Soloarbeit mit Spots klar in den Vordergrund gestellt wurde. Vor dem Licht steht eigentlich der Sound, der so abgemischt war, dass die Instrumente eindeutig zu identifizieren waren und auch so ausgesteuert waren, dass McAuleys Gesang in der Wucht, insbesondere der Drums und des Basses ,nicht unterging.

Nach einigen MSG-Stücken, wie „Warrior“ oder „Arena“ durfte sich mit „In Search Of Peace Of Mind“ auch ein alter Scorpions-Track (vermutlich sogar der erste, den er als Teenager selbst schrieb) aus den relativ kurzen Phasen seiner Anfangsband einreihen, aus der er ausstieg, um danach in der erfolgreichsten UFO-Zeit mitzuwirken.

Mit „Lights Out“ brachte die Band den Saal zum Kochen. Corbois bewies, dass er nicht nur ein begnadeter Bassist ist, sondern auch durch sein Auftreten und Posen dazu beiträgt, visuell die Fans aufzupuschen. Überhaupt muss gesagt werden, dass Corbois und Drummer Bodo Schopf einen stampfenden Sound vorlegten, der durch den Gitarristen und Keyboarder Steve Mann noch verfeinert wurde. 

Nach „Lights Out“ verließ McAuley für einen Song die Bühne und überließ Michael Voss das Mikro, der dann das sehr melodische, eher ruhige „After The Rain“ sang. Nachdem die Fans für einen Song lang etwas heruntergekühlt wurden, gab es kein Halten mehr. Ein famoser Hard Rock_Kracher jagte regelrecht den anderen und Schenker baute mit dem wieder etwas ruhigeren „A King Has Gone“, das Ende des Monats auf dem neuen Album erscheinen wird, ein Stück aus der Zukunft ein, was beim Publikum sehr gut ankam.

Als die ersten Töne von „Rock Bottom“ erklangen, brandete Applaus durch die Halle und Schenker zeigte in minutenlanger Soloarbeit, was so alles aus einer Gitarre zu entlocken ist. Dabei offerierte er seine gesamte spielerische Bandbreite, die weit über den Hardrock hinausgeht und zuweilen auch klassische Elemente beinhaltet.

Wer gedacht hätte, nach diesem fast schon monomentalen Song könne nichts mehr kommen, wurde eines Besseren belehrt. Praktisch ohne große Pausen folgten „Shoot Shoot“, “Let It Roll“, „Natural Thing“, „Too Hot To Handle“ und „Only You Can Rock Me“, bei denen sich die Musiker scheinbar in einen Rausch spielten und es auch die Besucher auf der kleinen Tribüne nicht mehr auf den Sitzen hielt.

Zum Ende des Fegers schnappte Schenker sich sein Handy und knipste ins Publikum, um deutlich zu machen, dass dieser Abend auch für die Band etwas Besonderes war. Ein besonderer Dank geht neben dem an die Band für die tolle Musik auch an  a.s.s.concerts & Promotion und an die wie immer sehr freundlichen Mitarbeiter der Zeche.

Line-up MSG:
Michael Schenker – Guitars, Backing Vocals
Robin McAuley – Lead Vocals
Bodo Schopf – Drums
Barend Courbois – Bass, Backing Vocals
Steve Mann – Guitars, Keyboard, Backing Vocals

Line-up Everdawn:
Alina Gavrilenko – Lead Vocals
Mike LePond – Bass
Dan Prestup – Drums
Boris Zaks – Keyboards
Richard Fischer – Guitars, Vocals

Text und Bilder: Gernot Mangold

Michael Schenker
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Everdawn
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a.s.s. concerts & promotion gmbh
Zeche, Bochum

Beth Hart – A Tribute To Led Zeppelin – CD-Review

Review: Gernot Mangold

Beth Hart fügt sich mit dem Album „A Tribute To Led Zeppelin“ in die Reihe der Musiker ein, die in den letzten Jahren Werke „alter“ Künstler wieder aufleben ließen. Dass Beth Hart ein Faible für Led Zeppelin hat, zeigt sich auch dadurch, dass „Whole Lotta Love“ immer wieder Bestandteil ihrer Konzerte ist.

Der Ursprung zu dem Coverwerk ist aber bei den Aufnahmen zu ihrem letzten Longplayer „War In My Mind“ 2019 zu sehen, wo sie während der Aufnahmesessions eine improvisierte Version von „Whole Lotta Love“ sang. Dies beeindruckte den Produzenten Rob Cavallo so, dass er Hart vorschlug, ein Led Zeppelin-Tribute Album aufzunehmen. Damals sagte Sie noch ab, da sie sich nicht bereit dafür fühlte und ihr die, wie sie sagte, nötige Wut für die Led Zep-Songs fehle. Diese schäumte dann im Laufe der Corona-Pandemie in ihr hoch und Hart ließ sich vorgesehenen Songs zuschicken.

Die Tracks sind so geschickt gewählt, dass die gesamte musikalische Bandbreite, die Led Zeppelin nutzte, abgebildet ist. Diese sind von den beteiligten Musikern so hervorragend eingespielt,  dass Beth Hart ihre Stimme sozusagen fast nur noch als I-Tüpfelchen izur Geltung bringen musste.

Krachend beginnt das Album mit besagten Hit „Whole Lotta Love“, um den Zuhörer dann mit dem psychedelisch angehauchten „Kashmir“ gedanklich in eine Reise in den Orient zu entführen. Geschickt wird diese Stimmungslage in der Zusammenstellung der Songs genutzt, um das fast verträumt wirkende „Stairway To Heaven“ nachzulegen, wo Hart stimmlich ihre zarte Seite zeigt.

Schon mit den ersten Tönen von „The Crunge“ wird der Hörer wieder aus den Träumen gerissen und Beth Hart hüllt den Song in ein peppiges funkiges soul-umhauchtes Gewand. Im Medley „Dancing Days / When The Levee Breaks“ kommt Harts kraftvolle Stimme gut zur Geltung und das psychedelische orientalisch angehauchte Flair der ursprünglichen Songs wird so mit neuem Leben gefüllt. Hier sorgen, wie bei anderen Stücken auch, die orchestralen Arrangements für eine enorme Sounddichte.

In „Black Dog“ offeriertt Hart, dass sie stimmlich Robert Plant in den hohen Tönen sehr nahe kommen kann. Furios in diesem Song auch das Gitarrenspiel und die treibende Rhythmusfraktion. Mit dem zweiten Medley „No Quarter / Babe I’m Gonna Leave You Now“ kehrt vom Tempo her zunächst wieder etwas Ruhe ein.

Psychedelisches Gitarrenspiel, unterstützt vom entsprechenden Gesang Harts, lädt wieder zum Träumen ein. Toll arrangiert sind dabei die verschiedenen Instrumente, die klar differenziert die Komplexität der alten Zeppelin-Klassiker zum Ausdruck bringen.

„Good Times Bad Times“ scheint für Beth Hart nicht nur stilistisch maßgeschneidert zu sein, es spiegelt gewissermaßen auch die Höhen und Tiefen wieder, die sie selbst durchgemacht hat. Zuweilen hört man dort die Anfangs angesprochene Wut nicht nur in der Stimme, sondern auch im Spiel der Gitarre.

Im „The Rain Song“ zeigt sich Hart wieder stimmlich sehr gefühlvoll und mit diesen psychedelisch klasse arrangierten Song wird ein starkes Album abgerundet, in dem eine würdige Hommage an eine der populärsten und kreativsten Rockbands gesetzt wird und in dem, sowohl Hart, wie auch die anderen Musiker, viel ihrer eigenen Kreativität einfließen lassen. 

Interessant wird sein, ob Hart in der für den Herbst angesagten Deutschlandtour zumindest Teile dieses starken Albums in das Programm einfließen lässt. Wenn ja, kann dieses Werk die Zeit bis dahin verkürzen und dem Rockfan schon vorher das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen.

Band:
Beth Hart – Gesang
Rob Cavallo – Gitarre
Tim Pierce – Gitarre
Chris Chaney – Bass
Jamie Muhoberac – Keyboards
Dorian Crozier – Schlagzeug
Matt Laug – Schlagzeug
David Campbell – orchestrale Arrangements

Provogue Records, Mascot Label Group (2022)
Stil: Hard Rock, Psychedelic Rock

Tracklist:
01. Whole Lotta Love
02. Kashmir
03. Stairway To Heaven
04. The Crunge
05. Dancing Days / When The Levee Breaks
06. Black Dog
07. No Quarter / Babe I`m Gonna Leave You now
08. Good Times Bad Times
09. The Rain Song

Beth Hart
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Mascot Label Group

Grande Revival – Liberty Station – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Grande Revival ist amerikanische Westküsten-Newcomer Band, bestehend aus „Dirty“ Dave Osti und Craig Ericson (beide Gitarre und Gesang), Anthony James (Bass) sowie Cosmo Benz (Drums). Mit „Liberty Station“ legen die vier ihr Debutalbum auf Grooveyard Records vor, einem Indie-Label, das sich ganz und gar dem Old-School-Rock, inspiriert von den Gitarrengrößen der 70‘er Jahre, verschrieben hat, alles getreu dem Motto „Keep the rock alive“. Und damit ist auch klar, was der Hörer von dieser Scheibe erwarten darf: klassischen, bluesbasierten Hard Rock mit melodiösen Einflüssen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die zehn Songs des Albums sind ohne Wenn und Aber gute, rockige Hausmannskost, wie sie so oder so ähnlich vielfach, zumeist in den frühen 70‘ern, gespielt wurde. Besonders deutlich wird dies in dem straighten und energiegeladenen Opener „Scars On The Road“, an das sich das etwas ruhigere und melodiösere „She‘s My Angel“ mit schöner Old-School Leadgitarre anschließt. „Brave The Storm“ kommt dem Opener recht nahe, ist aber etwas ruhiger arrangiert und in dem leicht country-beeinflussten „Cabin In The Country“ blitzen immer wieder Slideelemente auf.

Der Titelsong „Liberty Station“ und „Gypsy Southern Highway“ besitzen einen balladesken Anstrich, auch wiederum eingebettet in den typischen 70‘er Jahre Gitarrensound. Mit „Heal The Hurt“ und „Good Time“ schließen sich dann zwei weitere fette Hard Rock-Stücke an und bei „Sweet Comfort Of Love“ kommen tatsächlich auch zarte Southern-Gefühle auf.

Zum guten Schluss endet das Album mit dem abwechslungsreichen Track „Big River Moon“. Der Song beginnt mit einem ruhigen Akustik-Part, entwickelt sich dann aber zu einem gemächlichen Hard Rock Song mit teilweise sphärisch klingender Gitarre im Mittelteil und endet schließlich wieder als ruhiges Akustikstück.

Zwar trifft Grande Revival mit ihrem neuen Album „Liberty Station“ nicht unbedingt die eigentliche Zielgruppe von Sounds Of South, dennoch ist die Scheibe nicht zuletzt durch die grundsolide Musikalität der vier Bandmitglieder eventuell auch für unsere Leserschaft interessant. Vielleicht ist ja auch noch der / die Eine oder Andere ein wenig mit dem Rocksound von vor 50 Jahren verhaftet. Dann kommen die zehn durchaus starken und teils auch bombastisch klingenden Songs der Scheibe sicherlich gut an.

Label: Grooveyard Records (2022)
Stil: Rock, Hard Rock

Tracks:
01. Scars On The Road
02. She‘s My Angel
03. Brave The Storm
04. Cabin In The Country
05. Liberty Station
06. Gypsy Southern Highway
07. Heal The Hurt
08. Good Time
09. Sweet Comfort Of Love
10. Big River Moon

Grande Revival bei Grooveyard Records

The Cold Stares – 28.10.2021, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Die aus den Staaten kommenden The Cold Stares sind erstmals auf Europatour und machten auch im Dortmunder Musiktheater Piano Halt. Dass Newcomer oft einen schweren Stand haben, zeigte sich an der Besucherzahl, die ziemlich übersichtlich war und erhebliche Lücken im Publikum offenbarte, was wieder das Risiko der Veranstalter, aber auch der Künstler gerade in der jetzigen Zeit zeigt, wo vielen das Infektionsrisiko bei Veranstaltungen noch immer zu groß ist.

Umso beachtlicher, dass das Musiktheater Piano und 3Dog Entertainment dennoch wagten, die hierzulande noch recht unbekannte Band zu engagieren, was sich aus musikalischer Sicht auf jedem Fall gelohnt hat. Als das Duo die Bühne betrat, mag so mancher, der ohne Vorwissen das Piano besucht hatte, sich erst einmal die Augen gerieben haben.

Der untere Teil der Bühne gehörte dem Sänger und Gitarristen Chris Tapp und der erhöhte Teil dem Drummer Brian Mullins. Nachdem Chris Tapp die Band kurz vorgestellt hatte und zum Ausdruck brachte, wie sie sich freuen, in dieser schönen Location bei ihrer ersten Europatour zu spielen, jagten die Zwei über knapp 70 Minuten von Song zu Song.

Der Großteil der Songs kam von den eigenen mittlerweile drei Alben inklusiv ihres aktuellen Werkes „Heavy Shoes“ und wenigen, eingestreuten Coverstücken, wie z. B. das legendäre „Whipping Post“, was die beiden in einer straighten schnörkellosen Hard Rock-Nummer präsentierten.

Beeindruckend war, mit welcher Dynamik und welchem Soundvolumen das neu renovierte altehrwürdige Musiktheater Piano beschallt wurde, was von der Klasse der Musiker zeugt. Chris Tapps kraftvoller Gesang erinnerte zuweilen an Phil Lynott, genau wie auch das Gitarrenspiel bei manchen Sogs auch zu Thin Lizzy gepasst hätte. Einige eher getragene hart rockende Songs erinnerten an düstere Phasen von Black Sabbath und Brian Mullins hämmerte bei vielen Songs so auf die Drums ein, dass man glauben konnte, eine Reinkarnation von John Bonham würde hinter den Drums sitzen.

Nach etwa 65 Minuten Spielzeit legte das Duo mit „Mojo Hand“ ihren vermutlich bekanntesten Song als Zugabe nach, welcher auch der Trailer des Videogames „Cyberpunk 2077“ ist und über 10 Mio. Streams auf Youtube hat. Trotz der hierzulande einer mit 70 Minuten eher kurzen Spielzeit, gab es nur zufriedene Gesichter im Publikum, da diese auf der Überholspur ohne Schnörkel bestritten wurde. Nach der Show nahmen sich die beiden Musiker noch ausgiebig Zeit für die Fans am Merchandisingstand, aber auch auf der Bühne, wo Tapp einem Fan seine Gitarre in die Hand gab und mit diesem darüber plauderte.

Von The Cold Stares wird in Zukunft, wenn sie ihre rohe dynamische Art beibehalten, noch Einiges zu erwarten sein, nicht umsonst hat mit der Mascot Label Group ein Schwergewicht die Band in diesem Jahr unter Vertrag genommen. Der Auftritt des Abends im Piano wird vermutlich nicht der letzte dort gewesen sein und mit der Werbung, die die Band für sich gemacht hat und dem großen Label im Rücken, ist zu erwarten, dass dann auch die Zuschauerzahl um einiges höher sein wird.

Line-up:
Chris Tapp – vocals, guitar
Brian Mullins – drums

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Little Caesar, 24.09.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbilder

Zum Abschluss der drei Konzerte in NRW (zuvor in Köln und Dortmund) rockten Little Caesar jetzt den Schlachtgarten in Krefeld. Bei sommerlich milden Temperaturen hatten etwa 100 Besucher den Weg in die fast schon heimelig wirkende Openair-Location gefunden.

An der Stimmung der Fans konnte man erkennen, dass keiner den Weg an diesem Abend bereut hatte. Neben dem furiosen Auftritt, wie bei den vorherigen Gigs, war diesmal auch das klangliche Erlebnis einwandfrei und die Instrumente waren klar differenziert herauszuhören und auch der Gesang konnte sich, wenn auch manchmal mit Mühe, gegen die Lautstärke der Drums und Gitarren behaupten.

Nun ist die Openair-Saison der Kulturrampe und des Schlachtgartens fast abgeschlossen und am nächsten Mittwoch werden Robert Jon & The Wreck die letzte Woche eines gelungenen Kultursommers in dieser feinen Location einläuten.

Line-up:
Ron Young (lead vocals)
Mark Tremalgia (electric guitar, vocals)
Pharoah Barrett (bass, vocals)
Brian Irving (drums)
Loren Moulinare (electric guitar, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Little Caesar
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Teenage Head Music
Kulturrampe, Krefeld
Schlachtgarten, Krefeld

Little Caesar, 14.09.2021, Open Air Bühne (Freideck), Kantine, Köln – Konzertbericht

Deutschland-Auftakt der Europa-Tournee von Little Caesar. Zum ersten Mal gab das Quintett um Bandleader Ron Young sein Stelldichein im Kölner Kantinen-Areal, sprich der dort anliegenden Open Air Bühne am sogenannten Freideck. Ich persönlich habe die Truppe aus Los Angeles bis jetzt zwar einige Male live gesehen, aber immer nur in der kleinen Krefelder Kulturrampe, die soundtechnisch aufgrund der Lautstärke dabei jedes mal so ziemlich an ihre Grenzen gebracht wurde. Deshalb war ich sehr gespannt, wie die Musik diesmal auf dem weitläufigen Gelände rüberkommen würde.

Der Wettergott kam der Bitte vom Klassiker ihres ersten Albums „I Wish It Would Rain“ nur eine knappe halbe Stunde vor Konzertbeginn auf der Hinfahrt von Rheinberg nach Köln nach, während des gut 90 Minuten währenden Gigs durfte man sich über trockene Verhältnisse bei sehr angenehmen Temperaturen freuen. Auch die gute Besucherzahl (Kantinenmacher Marcus Neu hatte da im Vorfeld etwas Bedenken) trug von daher zu besten Voraussetzungen bei.

Pünktlich um 19:30 Uhr betraten Ron Young, Mark Tremalgia, Pharao Barrett, Loren Moulinare und Brian Irving (der etatmäßige Drummer Tom Morris musste aus familiären Gründen passen) die große Bühne und legten mit „Drive It Home“, wie bei Little Caesar gewohnt, direkt einen ordentlichen Hard Rock-Drive vor.

Auch an diesem Abend zeigte sich, welch hohe Bedeutung das damals umjubelte Major-Debüt von 1990 und zugegebener Maßen immer noch beste Werk, für die Setlist der Band spielt. „Rock-N-Roll State Of Mind“, „Hard Times“, „Wrong Side Of The Tracks“, „Chain Of Fools“, besagtes „I Wish It Would Rain“, „Down-N-Dirty“ und „In Your Arms“ bildeten das starke Grundgerüst, um die Fangemeinde mit dem typischen Wechsel aus launig hart rockenden Nummern und den eingestreuten schmalzfreien Balladen, in beste Stimmung zu versetzen.

Highlights bis dahin sicherlich der Zwischenschrei von Ron Young beim Aretha Franklin-Cover „Chain Of Fools“, als Beweis für die immer noch starke Stimme des Bandleaders, an dem ein Joe Cocker sicherlich seine Freude gehabt hätte. Schön auch, als bei „Down-N-Dirty“ im Bridge die ja eigentlich vom Sänger gepachteten „Can’t you see, Can’t you see“-Zeilen von einem Zuschauer spontan übernommen wurden, was alle Anwesenden (inklusiv Band) sichtlich amüsierte und so zur lockeren Gesamtatmosphäre beitrug.

Young gab sich wie gewohnt kommunikativ (vielleicht schon etwas zu überdreht an diesem Abend), die Pfunde, die beim eh schon spindeldürren Wirbelwind Loren Moulinare (der wieder mit seiner durchgeknallten Mimik und Agilität ein absoluter Aktivposten) verlorengegangen zu sein schienen, hatten sich wohl bei Bassist Pharoah Barrett angesiedelt, der mit pumpenden Bassläufen, guten Harmoniegesängen und auch einem Leadvocal-Einsatz bei der zweiten Zugabe „Every Picture Tells A Story Happy“ mittlerweile eine gewichtige Rolle, nicht nur von der imposanten Statur her, im LC-Line-up einnimmt.

Mark Tremalgia spielte die meisten Soli auf seiner Les Paul (leider nicht immer transparent rauszuhören), Ersatz-Drummer Brian Irving fügte sich mit wuchtigem Spiel ganz flüssig ein, als wäre er schon immer dabei gewesen.

„Mama Tried“ vom momentan aktuellen Album „8“ finalisierte den Hauptteil, zwei Zugaben holte die mittlerweile stehende Audienz noch raus. Vor dem launigen „Vegas“ (klasse die Zeilen „Too stupid for New York, Too ugly for Hollywood) als erster Zugabe, ebenfalls auf „8“ vertreten, verteilte Ron wie gewohnt (siehe dazu auch unser Interview von 2016), Spitzen gegen das eigene Land, in dem er auf die immer noch weit verbreitete Bildungsarmut hinwies.

Hier führte er an, dass es in den Staaten ernsthaft sehr viele Menschen gibt, die New York für das Ende der Welt halten. Ok, wenn es statt geografisch, metaphorisch gemeint wäre, könnte man es auch als scharf skizzierte Ironie interpretieren (angesichts dessen, was diese Beton-Megastädten an Negativem um den ganzen Globus verbreiten), aber in der Tat scheint es sich wohl um ersteren Sachverhalt zu handeln…

Wie dem auch sei, der Little Caesar-Gig bot insgesamt 1 1/2 Stunden beste Hard Rock-Unterhaltung, wenn es jetzt noch gelingen würde, den Sound mal einwandfrei hinzukriegen, dann können sich alle, die die nächsten Stationen besuchen, auf eine tolle Show freuen.

Line-up:
Ron Young (lead vocals)
Mark Tremalgia (electric guitar, vocals)
Pharoah Barrett (bass, vocals)
Brian Irving (drums)
Loren Moulinare (electric guitar, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Kantine Köln

D-A-D – Support: Bonsai Kitten, 15.08.2021 , Dubois Arena, Essen – Konzertbericht

Weil sich Indoorveranstaltungen weiterhin problematisch gestalten, ergab sich für den Essener Hard Rock-Tempel Turock die Möglichkeit, einige Konzerte open air in der Dubois Arena in Essen-Borbeck zu veranstalten. Die ursprünglich als Boxarena in den 50er-Jahren wie ein Amphitheater gebaute Location gab einen schönen äußeren Rahmen, wobei der einzige kleine Nachteil die Bühne war, die ebenerdig ist, sodass die Zahl der Sitzmöglichkeiten im inneren Raum aufgrund von Sichtbeeinträchtigungen nur sehr begrenzt war.

Dafür war auf den relativ steilen Rängen genügend Platz, um das Konzert zu verfolgen. Pünktlich um 19:00 Uhr betraten die aus Berlin kommenden Bonsai Kitten die Bühne und legten direkt rockig los. Im Mittelpunkt standen die Sängerin Tiger Lilly Marleen, die mit ihrer extrovertierten Art mit glitzernden Outfit schnell den Zugang zum Publikum fand und Gitarrist Andre „Wally“ Wahlhäuser mit einigen rockenden Soli.

Bassist Spoxx und Drummer Marc Reign sorgten für die nötige Rhythmusgrundlage in dem etwa 40-minütigen Auftritt, in dem die Band zum Großteil Songs des aktuellen Albums „Love And Let Die“ präsentierten. Zum Ende des D-A-D-Konzertes stand die ganze Band geduldig und gut gelaunt noch den Besuchern für Smalltalk, Fotos oder das Zeichnen von Fanartikeln zur Verfügung. Sehr sympathisch und fanfreundlich war dabei beim Verkauf der Vinylalben der Hinweis, dass die fürs Auge schönen, aber etwas teureren farbigen Vinyls in der Soundqualität schlechter wären, als die klassisch schwarze Pressung.

Nach einer etwa 40 minütigen Umbaupause betraten dann die vier Dänen unter dem Applaus der Fans die Bühne. Nach einer kurzen Begrüßung durch Fronter Jesper Binzer, in der er zum Ausdruck brachte, dass er froh sei, das erste Konzert im Ausland seit Beginn von Corona zu haben, legten D-A-D direkt los wie Danish Dynamite.

Den relativ weiten Abstand von der Bühne zum Publikumsbereich überbrückten die Binzer-Brüder immer wieder, indem sie die Bühne verließen und direkt vor den Zuschauern spielten, was natürlich von den Fans dankbar aufgenommen wurde. Jesper Binzer trug eine, einer Paradeuniform ähnelnde, blaue Jacke mit gelben Ornaten und bildete so mit seiner Gibson Flying V einen optischen Blickfang und brachte mit seiner symphatischen Art und teilweise deutschen Ansagen direkt das Publikum hinter sich.

Sein Bruder Jacob, ganz in schwarz gekleidet und seinem markanten Hut, glänzte mit vielen Soli und seiner fast schon stoischen Ruhe, mit welcher er seine verschiedenen Gitarren, meist eine Gibson Les Paul, bearbeitete. Stig Pedersen war wie so oft natürlich ein optisches Highlight. Eine enge rote Hose, Plateau-Stiefel, die in noch einmal um etwa 10 cm größer machten, eine schwarze Jacke, die statt eines Kragens wild nach oben stehende Federn hatte und dazu natürlich die selbstgebauten zweiseitigen Tieftöner, wobei er sich diesmal auf nur fünf Varianten beschränkte.

Wie so meist begann er mit dem Bass mit Plexiglascorpus, um nach einigen Songs auf den oberen Teil des hinteren Kotflügel eines Oldtimers mit Rückbeleuchtung zu wechseln. Später durfte dann noch der Bass, wo Korpus und Kopf der Gitarre vertauscht waren, bestaunt werden und zum Abschluss gab es den legendären Raketenbass, diesmal leider ohne pyrotechnische Effekte. Erstaunlich war, mit welcher Sicherheit sich Stig auf seinen Stiefeln auf der Bühne bewegte und dabei nicht an Posen sparte.

Laust Sonne, wie gewohnt mit einem Anzug, beackerte die Drums, welche er im späteren Verlauf trotz Aufforderung Jesper Binzers nicht zerstörte.D-A-D gestalteten die Setlist so, dass nahezu alle Schaffensphasen der Band sich wieder fanden. Schon früh im Programm wurden die Besucher mit „Jihad“ auf Betriebstemperatur gebracht und auch das wieder ins Programm aufgenommene „Helpyourselfish“ begeisterte die Anwesenden. Passend dazu trug Pedersen einen Gitarrengurt mit den legendären Fischgräten, welche aus dem D-A-D Emblem, dem Büffelkopf, gebildet ist.

Das bluesige „A Prayer For The Loud“ vom gleichnamigen aktuellen Album zeigte, dass D-A-D auch dieses Genre beherrscht, wobei Jesper Binzer dies optisch fast wie ein Gebet zelebrierte. Danach gab sich ein Klassiker nach dem anderen die Hand und sorgte dafür, dass die Stimmung nicht abflaute. Ob „Riding With Sue“ oder das psychedelische „Monster Philosophy“ und die den Hauptteil abschließenden hardrockenden Nummern „Rim Of Hell“, „Bad Craziness“ und „Evil Twin“: Alle zeigten, warum D-A-D seit Jahrzehnten eine treue Fangemeinde haben, denen manchmal auch eine Anfahrt von über 600 km nicht zu weit ist.

Nach lautstarken Zugabeforderungen ließen die vier Dänen die Fans nicht lange warten und legten noch drei furiose Zugaben nach, wobei, wie nicht anders zu erwarten, der ‚motherfuckende‘ Tag danach („Sleeping My Day Away“) und das abschließende „It’s After Dark“ den krönenden Abschluss bildeten. Bei „Sleeping My Day Away“ konnte Jesper Binzer noch einmal mit famosen Gitarreneinlagen glänzen und bei „It`s After Dark“ zeigt Stig Pedersen, dass er auch gesanglich einiges zu bieten hat. Beide verabschiedeten sich im passenden dunkelblauen Licht sich dann abwechselnd vom Publikum.

Es gab danach noch einige weitere Zugabeforderungen, aber jedem müsste klar sein, dass nach „It’s After Dark“ nichts mehr kommen kann und darf. Dieser Song ist schon gleich einem Ritual der Abgesang auf jedem Konzert von D-A-D, und das darf nach etwa 100 Minuten Vollgas auch so sein!

Manch einer wartete vergeblich auf „Laugh And A Half“ oder „Grow Or Pay“ oder „I Won`t Cut My Hair“ und was da noch alles hätte kommen können. Aber ist es nicht viel schöner, wenn nicht immer dieselben Songs gespielt werden, sondern innerhalb des Repertoires mal getauscht wird, sodass nicht, wie bei einigen Bands, über Jahrzehnte praktisch das gleiche Konzert gespielt wird.

Fazit: Der Liebe Gott hatte vermutlich das Gebet zum Lautsein zu Beginn des Konzertes erhört und dafür gesorgt, dass das Wetter bis nach dem Konzert sommerlich warm geblieben ist, und ich die ersten Regentropfen erst auf der Windschutzscheibe hatte, als ich das Stadtgebiet von Essen verlassen hatte.

So ergab sich für die Fans ein rundum gelungener Konzertabend, in einer netten Location, in der auch für das leibliche Wohl gesorgt wurde, mit zwei Bands, die einfach Bock machen und selbst auch Freude haben, ihre Songs präsentieren zu dürfen.

Ein besonderer Dank gilt neben den Musikern und den Technikern für Sound und Licht dem Team des Turock für den reibungslosen und entspannten Ablauf, sowie Dragon Productions, hier besonders an Jörg Düsedau, für die wie immer problemlose Korrespondenz vor dem Konzert bezüglich einer Fotoerlaubnis, aber auch während des ganzen Abends (in dem Sinne Moin nach Hamburg, bis zum nächsten Mal).

Line-up D-A-D:
Jesper Binzer – lead vocals, guitar
Jacob Binzer – guitars, vocals
Stig Pedersen – bass, vocals
Laust Sonne – drums, vocals

Line-up: Bonsai Kitten
Tiger Lilly Marleen – lead vocals
Andre „Wally“ Wahlhäuser – guitars, vocals
Spoxx – bass, vocals
Marc Reign – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

D-A-D
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Bonsai Kitten
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Turock, Essen
DRAGON Productions

Sons Of Liberty – Aces & Eights – CD-Review

Sons300

Vor gut drei Jahren hatte uns die Formation Sons Of Liberty mit ihrer EP „…Shinola“ sehr positiv überrascht und bewiesen, dass Briten nebst Blues- und Hard Rock, durchaus auch Southern Rock ganz gut umsetzen können.

Diesmal pokert der Fünfer eindeutig höher und legt mit „Aces & Eights“ einen mit zwölf Stücken gefüllten Longplayer vor, der eine klar erkennbare Weiterentwicklung offenbart. Auch hier sieht man mal wieder, wie wichtig es manchmal sein kann, einen guten Produzenten mit an den Tisch zu holen, wie es in diesem Fall mit Josiah J Manning passiert ist,  der auch schon uns bestens bekannte Acts wie die Kris Barras Band oder Wille & The Bandits unter seinen Fittichen hatte.

Nicht nur durch die Stimmähnlichkeit von Fronter Rob Cooksley zu Phil McCormack wird eine große Affinität zu härteren Vertretern des Genres deutlich. Ohne Zweifel fühlen sich er und seine Kollegen Fred Hale, Andy ‚Moose‘ Muse (beide bilden ein starkes, SR-festes Gitarrenduo) sowie Mark Thomas (Bass) und Steve Byrne (Drums – ein echter Rumpolterer) besonders zum Boogie-trächtigen Sound von Molly Hatchet hingezogen.

Beste Beispiele sind neben der überwiegend verwendeten, treibend-harten Hatchet-Grund-Gangart, Tracks wie „Don’t Hide Behind Your Weakness“, „Beef Jerky Boogie“, „Doc’s Remedy“, „I Come In Peace“ oder „Dead Man’s Hand“, die voller Reminiszenzen von Songs wie „Dreams I’ll Never See“, „Beatin‘ The Odds“, „Flirtin‘ With Disaster“, „It’s All Over Now“ oder „The Journey“ gespickt sind. Klassischen Southern Rock bietet das gelungene abwechslungsreiche „Texas Hill Country“.

Der Opener „Ruby Starr„, die Lead-Single „Damaged Reputation„, das herrliche „Fire & Gasoline“, und „Lights Are On“ im Stile von Größen wie Great White, AC/DC, Cinderella & Co. dürften dazu aussichtsreiche Bewerbungsvorlagen als Anheizer mit Headbang-Garantie für kommende Open-Air-Hard- und Heavy Rock-Festivals abgeben. Nichtsdestotrotz dürften die Jungs ebenso ein Garant für einen launiges Clubkonzert mit feucht-fröhlichem Anschluss sein.

Dass man aber nicht immer gleich mit dem Schlaghammer ins Haus fallen muss, offerieren die zum Teil episch und atmosphärisch anmutenden „Black Blizzard“  oder „I Come In Peace“.

Auch wenn das abschließende ZZ Top-/Skynyrd-destillierte „Whiskey Is My Vaccine“  (ja wer braucht da eigentlich überhaupt noch Biontech?) sicherlich eines der Highlights des Werkes darstellt, hätte ich es persönlich mit „I Come In Peace“ in der Reihenfolge getauscht.

Der emotional packende Song hätte zum krönenden Abschluss meiner Ansicht nach mit angefügtem typischen E-Gitarrenfinish zu einer absoluten Southern Rock-Hymne avancieren und zu einem echten Trademark der Band werden können. Dies schmälert aber den sehr guten Gesamteindruck des Albums nicht wirklich.

Selbst wenn auf dem gelungenen Coverbild von „Aces & Eights“ nicht alle Karten offen auf den Tisch gelegt werden und es insgesamt keinen Royal Flash gibt, kann man sicher sein, dass die Sons Of Liberty hier ein drittes Ass ‚im Ärmel‘ haben werden. Und ein musikalisches Full House ist ja wohl auch ein guter Grund genug, ein gewieftes Pokerface mit großer Gewinnaussicht aufzusetzen…

Eigenproduktion (2021)
Stil: Southern Hard Rock

01. Ruby Starr
02. Don’t Hide Behind Your Weakness
03. Black Blizzard
04. Beef Jerky Boogie
05. Damaged Reputation
06. Texas Hill Country
07. Fire & Gasoline
08. Doc’s Remedy
09. I Come In Peace
10. Dead Man’s Hand
11. Lights Are On
12. Whiskey Is My Vaccine

Sons Of Liberty
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AC/DC – Highway To Nashville – CD-Review und Gewinnspiel

Dass man aus AC/DC-Klassikern tolle launige Countrynummern machen kann, haben bereits Hayseed Dixie nachhaltig bewiesen. Der mittlerweile auch in den Niederlanden lebende Mastermind der australischen Hard Rock-Legende, Angus Young, war nach einem Konzert der Band, das er im De Bosuil in Weert besucht hatte, so angetan, dass der Wunsch immer stärker in ihm wuchs, selber mal Hand in Sachen Country anzulegen.

So nahm Young mit Dann Huff Kontakt auf, der die Australier mit seiner damaligen Band Giant 1989 bei der „Blow Up Your Video“-Tour bei einigen Konzerten in den Staaten supportet hatte. Huff zählt ja bekannter Maßen mit zu den besten Gitarristen der Welt und ist heute in Nashville eine der bestimmenden und nicht wegzudenkenden Produzentengrößen.

Huff bot Angus sofort an, seine Kontakte spielen zu lassen und kurze Zeit später stand die Idee, ein komplettes AC/DC-Country-Album in reiner Duettform mit allen Hits aufleben zu lassen. Die Stars der Music City-Gilde ließen sich auch nicht lange bitten und standen Spalier für das anspruchsvolle Werk.

Huff übernahm die Arbeit an den Reglern (zusammen mit Brendan O’Brien, den man natürlich auch nicht außen vor lassen wollte) und steuerte auch viele E-Gitarrenparts bei. Als ergänzende Musiker wurden neben den aktuellen „Power Up“-AC/DC-Akteuren und den ganzen Country-Sängern, stilsichere Koryphäen wie Ilya Toshinsky (Mandoline, Dobro, Banjo, Akustikgitarre), Gorden Mote (Keys), Dan Dugmore (Pedal Steel) sowie Stuart Duncan an der Fiddle mit eingebunden.

Direkt der Opener „Highway To Hell“ bietet Vergnügen pur. Mit dem starerprobten Jason Aldean, der ja auch schon an der Seite von Bob Seger für Furore gesorgt hat, ist das die richtige Einstimmung auf ein höchst unterhaltsames Werk.

Brian Johnson zeigt zumindest im Studio, dass er es gesanglich immer noch drauf hat, und bildet einen unwiderstehlichen Vokal-Counterpart zu seinen vielen, auf dem Album vertretenen Countrypromis. Richtig Laune schien ihm das Duett mit der Tochter von Johnny Cash zu machen, da singt er am Ende statt „Whole Lotta Rosie“ begeistert „Whole Lotta Rosanne“!

Beim letzten Track „Walk All Over You“ hat sich das ganze Team zu Ehren von Bon Scott noch etwas besonderes einfallen lassen. Zu den Lead Vocals von Wynonna, die früher mit Huff zusammen auch schon einmal auf einem Sampler Skynyrds „Free Bird“ zu ganz neuem Flair verholfen hatte, wurde die Originalstimme des 1980 verstorbenen Kultsängers in den Song hineinprojiziert.

Wenn Scott dann in der 3. Strophe mit „Reflections on the bedroom wall…“ und im folgenden Refrain einsetzt (was man ohne dieses Vorwissen jetzt nicht erwarten würde), ist Gänsehaut garantiert, die neue furiose E-Gitarrenpassage von Huff und Young ist einfach nur göttlich. Das Ende des Songs ist dann wieder Wuchtbrumme Wynonna überlassen, die auch nochmal ihre ganze voluminöse gesangliche Klasse ausspielt. Ein gebührender Abschluss, nach dem einfach nichts mehr kommen kann.

Das zunächst nur für den US-Markt konzipierte AC/DC-Lust- und Laune-Projekt „Highway To Nashville“ bereitet einen Höllen-Spaß und Abwechslung von der ersten Sekunde bis zum o. a. Sensationsfinale „Walk All Over You“ mit der emotionalen Bon Scott-Verneigung.

Dann Huff und Brendan O’Brien haben in Zusammenarbeit mit den heutigen Gleichstrom-/Wechselstrom-Recken ein mit Augen- und Ohrenmaß zusammengeführtes Gesamtwerk kreiert, das sowohl bei Edelfans der Band wie auch bei Country- und allgemeinen Rock-Liebhabern bei so mancher heiß und hoch hergehenden Party in den Player finden wird. Unbedingt zulegen!

Gerade O’Brien zeigte sich von der spielerischen und technischen Effizienz in Nashvilles Studiowesen begeistert: „Das war wirklich eine tolle Sache, wir haben alle viel von einander gelernt, ich werde davon sicherlich einiges für die nächsten Alben von AC/DC und so manch anderer Band mitnehmen und entsprechend einbringen“.

Wie wir aus Insiderkreisen erfahren haben, wird die Scheibe in den nächsten Tagen direkt auf Platz 1 in den Billboard-Country-Charts einsteigen. Ein schönes nachträgliches Geburtstagsgeschenk für Angus Young zum 66. Geburtstag, dessen handsigniertes Rezensions-Exemplar Sounds Of South an eine(n) unserer treuen Leser/innen verlost.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden: Welcher der beteiligten Country-Künstler ist im gleichen Land wie AC/DC groß geworden:

a) Eric Church
b) Keith Urban
c) Willie Nelson

Schicke wie immer eine E-Mail mit der richtigen Lösung an dan@sounds-of-south.de. Einsendeschluss ist der 1. April bis zum Ende des Tages.

Thunder Struck Music (2021)
Stil: Country Rock

01. Highway To Hell – feat. Jason Aldean
02. Thunderstruck – feat. Keith Urban
03. Hells Bells – feat. Brad Paisley
04. Whole Lotta Rosie – feat. Rosanne Cash
05. T.N.T. – feat. Tim McGraw
06. You Shook Me All Night Long – feat. Blake Shelton
07. Shot Down In Flames – feat. Willie Nelson
08. Shoot To Thrill – feat. Alan Jackson
09. Back In Black – feat. Clint Black
10. Dirty Deeds Done Dirt Cheap – feat. Big & Rich
11. Heatseaker – feat. Billy Ray Cyrus
12. Stiff Upper Lip – feat. Kenny Chesney
13. Touch To Much – Luke Combs
14. Let There Be Rock – feat. Brantley Gilbert
15. If You Want Blood (You Got It) – feat. Chris Stapleton
16. Down Payment Blues – feat. Miranda Lambert
17. Nick Of Time – feat. Dierks Bentley
18. High Voltage – feat. Eric Church
19. Girls Got Rhythm – feat. Jaren Johnston
20. Walk All Over You – feat. Wynonna

AC/DC
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