Black Hawk Down vs. Cold Shot – 19.01.2019, Wirtschaftswunder, Wuppertal – Konzertbericht

Cold Shot

Eigentlich gehören ja Coveracts nicht zum Beuteschema des SoS-Magazins, aber diese beiden Bands covern Blues/Bluesrock (Cold Shot) und Rock/Hardrock (Black Hawk Down) auf ziemlich hohem Niveau, sodass über sie einfach mal berichtet werden muss. Leider treten sie zumeist nur im Großraum Wuppertal auf, obwohl sie durchaus einen größeren Bekanntheitsgrad verdient hätten.

Das Wirtschaftswunder, eine urige Wuppertaler Kneipe hatte beide Bands zu einem rockigen Konzertabend unter dem Motto „Black Hawk Down vs. Cold Shot“ eingeladen. Pünktlich um 20 Uhr ging’s dann auch im gut gefüllten WiWu mit Cold Shot los. Im Gepäck hatten die fünf Jungs mehr als 20 Blues-Klassiker von Eric Clapton bis ZZ Top, darunter auch so bekannte Songs wie „Born Under A Bad Sign“ von Albert King, „The Thrill Is Gone“ ( B.B. King), „Hoochie Coochie Man“ von Muddy Waters oder den Cream-Klassiker „White Room“, um nur ein paar zu nennen. Alle Stücke kamen knackig mit viel Spielfreude rüber und erfreuten das zahlreich erschienene Publikum.

Leider konnten die am Ende des Sets laut werdenden Wünsche nach einer Zugabe nicht erfüllt werden, da ja noch Black Hawk Down in den Startlöchern stand und gegen 23:30 Uhr aus Lärmschutzgründen der Strom abgeschaltet werden sollte. So war dann leider nach ca. 1 1/2 Stunden der Gig von Cold Shot beendet.

Nach einer kurzen Umbaupause betraten dann die vier Burschen von Black Hawk Down die kleine Bühne und heizten dem Publikum, das sich inzwischen unmittelbar vor der Band drängelte, mit „Personal Jesus“, gefolgt vom Deep Purple-Hammer „Highway Star“ und dem wohl bekanntesten Biker-Song „Born To Be Wild“ kräftig ein.

In den nächsten knapp 1 1/2 Stunden brannten die Jungs um Sänger Rollo ein Feuerwerk klassischer Rock-Hits wie z. B. „ Saturday Night“ (Hermann Brood), „Here I Go Again“ (Whitesnake), „Learn To Fly (Foo Fighters), „Rebell Yell“ (Billy Idol) und „ La Grange“ von ZZ Top ab, das von den zumeist noch jüngeren Zuhörern kräftig abgefeiert wurde. Eine Kurzversion von Deep Purple’s „Smoke On The Water“ und „Purple Rain“ von Prince bildeten dann nach weiteren massiven Zugabenwünschen die Rausschmeißer.

Insgesamt war es ein absolut rockiger und Laune machender Abend mit zwei absolut spielfreudigen Bands. Die Atmosphäre im WiWu stimmte ebenfalls, so dass dem Abzappeln nichts im Wege stand. Insbesondere Rollo, der sich als Sänger von Black Hawk Down, einmal mehr als richtige „Rampensau“ erwies, zog das Publikum mit seiner unglaublich energiegeladenen Bühnenpräsenz und Spontanität in seinen Bann.

Line-Up Cold Shot:
Christoph – Gesang, Gitarre
Dirk – Percussion, Harp, Gesang
Rolf – Bass, Gesang
Wolfgang – Gitarre
Rolf – Drums

Line-up Black Hawk Down:
Rollo – Gesang
Def – Bass
Stephan – Gitarre
Rolf – Drums

Tontechnik für beide Bands: Helge

Text und Bilder: Jörg Schneider

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Absolva – 29.11.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Absolva_haupt

An einem Donnerstag-Abend füllte die britische Hard Rock-Combo Absolva die Kulturrampe in Krefeld mit etwa 60 Zuschauern. Einige der Besucher hatten die Band als Support zum Michael Schenker Fest Anfang des Monats in der Oberhausener Turbinenhalle vermutlich noch in angenehmer Erinnerung.

Gegen 20:30 Uhr betraten die vier Musiker unter dem Applaus der in großer Zahl in den typischen Kutten gekleideten Hardrockfans die Bühne, um direkt mit „Life On The Edge“ vom aktuellen Album „Deflance“ zu zeigen, wo der Metalhammer hängt. Das Gerüst der Songs bildete das angesprochene aktuelle Werk,  meist in einem furiosen Tempo vorgetragen.

Die beiden Brüder Chris und Luke Appleton wechselten sich dabei mit Lead- und Rhythmusparts an den Gitarren ab und feuerten zahlreiche Soli durch die Rampe. Im Vordergrund stand meist allerdings Chris Appleton, der größtenteils für die Leadvocals zuständig war und auch sehr humorvoll durch den Abend moderierte. Beim Singen rollte er zuweilen mit weit aufgerissenen Augen, eher nichts zart besaitete Menschen.

Es näherte sich laut seiner Ansage, das Ende von fast über 200 Auftritten in diesem Jahr, auch als Begleitband von Blaze Bailey, bekannt aus seiner Zeit bei Iron Maiden. Wer dachte, dies hätte zu Verschleißerscheinungen geführt, war aber falsch gewickelt. Es wurde ein rasanter Abend, bei dem der Funke, zum Wohlgefallen der Musiker, direkt aufs Publikum übersprang.

Der immer wieder headbangende Bassist Karl Schramm zeigte durch sein fast ständiges Lächeln, mit welchem Spaß er und auch der Rest des Quartetts diesen Gig in der Rampe genoss. Dabei lieferte er eine starke Rhythmusarbeit, wobei er den Bass im ursprünglichen Stil zupfend bearbeitete und so im Sound sehr differenziert rüber kam.

An dieser Stelle sei schon erwähnt, dass es Malte Menzer am Mischpult gelang, den Sound exzellent auszusteuern. Auch lichttechnisch war das Konzert etwas besonderes. Absolva wollte durchgehend eine helle Beleuchtung und einen Verzicht auf ein Flaslightgewitter oder ständige Lichtwechsel, was ich persönlich als sehr angenehm empfand. Die Fans konnten so durchgehend auch dem Treiben an den Instrumenten bestens folgen.

Der vierte im Bunde, Drummer Martin McNee, von Chris Appleton als das „Tier“ an den Drums vorgestellt, war durch seine Statur eine eindrucksvolle Erscheinung mit rauschenden Bart, der in bester Metal-Manier, inklusiv einem starken Solo, die Drumsticks schwang.  Er konnte allerdings nicht nur ‚Vollgas‘ geben, sondern in einigen ruhigeren Stücken auch durchaus ‚anschmiegsam‘ seine Felle bearbeiten. Zudem nahm er immer wieder humorvoll Grimassen-schneidend Kontakt zum Publikum auf.

Neben den meist hart rockenden schnellen Tracks in typischem Stil der englischen Hard- und Heavy-Bands vorgetragen –  bei manchen war eine Nähe zu Iron Maiden, UFO, Gary Moore oder Black Sabbath erkennbar – bewiesen die Vier mit „Only When It’s Over“, ihre Balladentauglichkeit, wobei sich die beiden Appleton-Brüder durch sehr klares gefühlvolles Spielen und melodischen Gesang auszeichneten.

Mit „Code Red“ wurde als letztem Lied buchstäblich die Hütte abgerissen. Treibender Bass und Highspeedgitaren beschlossen zunächst den Hauptteil. Die Musiker verließen aber gar nicht erst die Bühne, genossen den Applaus und die Zugabeforderungen der Fans und legten noch einmal nach. Mit dem Black Sabbath-Klassiker „Heaven And Hell“, bei stark mitsingendem Publikum, gab es einen würdigen Abschluss eines knapp zweistündigen Heavy-Abends in der Rampe, um im Anschluss noch in der Kneipe mit den Fans zu klönen.

Absolva hat durch das sympathische Auftreten aller Musiker mit Sicherheit neue Fans in Krefeld gefunden, welche vermutlich beim nächsten Mal noch die eine oder andere Person mitbringen werden. Pille Peerlings als Veranstalter hätte schon an diesem Abend sicherlich eine volle Hütte verdient gehabt. In dem Sinne bedankte sich Chris Appleton schon während des Konzertes dafür, dass die Anwesenden nicht nur Absolva mit ihrem Besuch unterstützen, sondern auch generell dafür sorgen, dass solch kleine Clubs eine Überlebenschance haben.

Line Up:
Chris Appleton: Lead Vocals, Guitars
Luke Appleton: Backing Vocals, Guitars
Martin McNee: Drums
Karl Schramm: Bass, Backing Vocals

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Kulturrampe Krefeld

Sari Schorr & Band, 15.11.2018, Schwarzer Adler – Konzertbericht

Schor_haupt

Sari Schorr zum ersten Mal im Schwarzen Adler! Wir hatten das weibliche Energiebündel zuvor bereits 2017 und vor gut einem halben Jahr im voluminöseren Musiktheater Piano in Dortmund erlebt. Diesmal war für uns die spannende Frage, wie ihre Musik in der mehr beengten Clubatmosphäre der Rheinberger Kultstätte wirken würde.

Dazu kam, dass die aus Brooklyn, New York, stammende Sängerin mit „Never Say Never“  mittlerweile ihr, von der allgemeinen Kritikerschaft, als auch uns, hochgelobtes zweites Album im Schlepptau hatte.

Begleitet wurde sie, inklusiv einer Veränderung, von der bewährten ‚Klasse-Mannschaft‘ mit dem, an den diversen E-Gitarren, wieder furios auftrumpfenden Ash Wilson, dem niederländischen Tastenvirtuosen Bob Fridzema und dem britischen Parade-Drummer Roy Martin. Am Bass erwies sich der musikalische Tausendsassa Roger Inniss – wen wundert es –  als ideale Verstärkung der Rhythmusfraktion.

Mit „New Revolution“ als Opener gab es zwar keine musikalische Aufruhr im Adler, aber ihre eher auf klassischen Rock basierende Ausrichtung war in der überwiegend Blues-verwöhnten Vierbaumer Location, ein durchaus mutiges Unterfangen. Schön, dass Ernst Barten und sein Team immer auch ein offenes Ohr für ‚frisches Blut‘ bei ihrer Programm-Zusammenstellung beweisen.

Spaß bereitete mir bei diesem Stück direkt das Skynyrd-angelehnte E-Gitarren-Solo von Ash Wilson. Nach dem dezent Whitesnake-behafteten „Damn Reason“ (typische Orgel von Fridzema), der emotionalen Widmung in Richtung Robert Johnson mit „King Of Rock And Roll“, gab es mit dem schön bluesig umgesetzten „Demolition Man“ (Bob lässt seine Hammond herrlich ‚durchgurgeln‘) erstmals so richtig Wasser auf die Mühlen des Adler-Publikums (später nochmals vor allem bei der dritten Zugabe).

Das shufflige „Ain’t Got No Money“ zollte ihrer einstig finanziell etwas klammeren Zeit Tribut, als Sari noch in Paris lebte. Der Mott The Hoople-/Bad Company-Rock-Evergreen „Ready For Love“ begeistert aus dem Munde  einer solchen Stimm-Charismatikerin ebenso, wie es einst bei Paul Rodgers der Fall war.

In „I Just Wanna Make Love To You“ brillierte Roger Inniss mit einem starken Bass-Solo und legte mehr als eindeutig klar, warum er zu einem der meist gebuchtesten Akteure im Tieftönerbereich zählt.

Über „Kiss Me“ (Schorr hier wie eine rockige Melissa Etheridge), „Maybe I’m Fooling“ (erneut mit southern-rockigem E-Solo) und dem ein wenig auf sich selbst ironisch gemünzten „Valentina“, ging es mit dem Ian McLagan-Ohrwurm und zugleich Titelstück des neuen Werkes, „Never Say Never“, in die Schlussphase des Gigs.

Nach Vorstellung ihrer wieder bärenstark agierenden Begleitband nutzte Sari beim Schlusslied „Freedom“ die Gelegenheit, auf den in der USA existierenden Waffenwahn aufmerksam zu machen, der sich unter der Vorherrschaft eines Donald Trumps und wem auch immer danach, aber vermutlich kaum beseitigen lassen wird.

Drei lautstark eingeforderte Zugaben, u. a.  mit der eigenwilligen Schorr- Interpretation des One-Hit Wonders „Black Betty“ waren ein bestes Indiz dafür, dass sich im Adler oft auch ein Blick über den Tellerrand lohnt, auf dem der Blues diesmal eher als dekorierende Beilage präsent war.

Sari Schorr und ihre Begleittruppe haben an diesem Abend mit einer engagierten und couragierten Leistung eine beeindruckende Visitenkarte abgegeben. Ich bin mir relativ sicher, dass man sie nicht zum letzten Mal in Vierbaum erlebt haben wird.

Line-up:
Sari Schorr (lead vocals)
Roger Inniss (bass)
Roy Martin (drums)
Ash Wilson (electric guitar, vocals)
Bob Fridzema (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

Sari Schorr
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Schwarzer Adler Rheinberg

Black Stone Cherry, Support: Monster Truck – 11,11.2018, E-Werk, Köln – Konzertbericht

BSC-Haupt

Ein eher schwieriger Abend für mich. Da ich im Gegensatz zum Kollegen Gernot, nicht unbedingt ein Fan von überwiegend, mit härterer Gangart angetriebener Musik bin, war ich zunächst mit gemischten Gefühlen die Reise ins Kölner E-Werk zum Gig der Southern Hard Rock Band Black Stone Cherry und ihrem kanadischen Support Monster Truck angereist.

Die Nordamerikaner um ihren sympatisch wirkenden Fronter John Harvey begannen pünktlich um 20.00 Uhr ihr zehn Stücke umfassendes und knapp 45 Minuten währendes Vorprogramm.

Dabei präsentierten sie zum einen ältere Stücke wie „Don’t Tell Me How To Live“, „She‘ A Witch“, „Sweet Mountain River“ oder „The Lion“ und natürlich überwiegend Sachen aus ihrem brandaktuellen Werk „True Rockers“ wie „True Rocker“, „Evolution“, „Thundertruck“, „Denim Danger“, „Undone“ oder „Devil Don’t Care“.

In einem hart rockenden, aber durchaus auf guten Melodien basierten Mix, in der Tradition klassischer Vorbilder der Marke Led Zeppelin, Iron Maiden, Deep Purple & Co., gefiel mir das dezent progressive und atmosphärische „Undone“ am besten. Insgesamt ein Voract der besseren Sorte mit zukünftigem Headliner-Potential in dieser Sparte.

Line-up Monster Truck:
John Harvey (lead vocals, bass)
Jeremy Widerman (electric guitar, vocals)
Brandon Bliss (keys, vocals)
Steve Kiely (drums, vocals)

Nachdem es zunächst nach einer Umbaupause in Rekordzeit aussah, zog sich der Beginn des Headliners Black Stone Cherry dann doch noch ein Weilchen hin. Da sie aber mit Songs aus dem schon lange nicht mehr gehörten Allman Brothers-Werk „Brothers And Sisters“ überbrückt wurde, fiel das Warten nur halb so schwer.

Der Einstieg mit dem Led Zeppelin-umwehten „Rain Wizard“ ließ an Heftigkeit nichts zu wünschen übrig. Das Quartett mit charismatischen Leader Chris Robertson und den sich ständig in Bewegung befindenden Ben Wells und John Lawhon (immer wieder ihre Postionen links und rechts der Bühne tauschend) sowie dem wie von einer Tarantel gestochenen, trommelnden, bzw. fast schon prügelnden Irrwisch John Fred Young machten sofort klar, dass ihr dezent southern-infizierter Hard Rock nichts für zarte Gemüter sein wird.

Als sehr positiv empfand ich zunächst den Querschnitt des Publikums, der von Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen der jüngeren Sorte bis zu unserer Altersstufe reichte. Der Band scheint es somit zu gelingen, Generationen-übergreifend zu begeistern und somit auch dem uns geliebten Southern Rock ihre Dienste im Sinne des Genre-Fortbestandes zu erweisen.

„Burnin'“ läutete den Reigen der kommenden Stücke ihres starken Silberlings „Family Tree“ ein, dessen schönes Cover auch das Bühnenhintergrundbild zierte. Zwischendurch wurden immer mal ein paar Klassiker wie „Can’t You See“, „Fly Like An Eagle“ oder auch „Stir It Up“ intoniert, das als Vorbote zum stimmungsreichen „Me And Mary Jane“ als einem der ersten Höhepunkte, angespielt wurde.

Der sporadisch als Perkussionist eingesetzte Jeff „Bongo“ Boggs konnte einem ein wenig leid tun. Er hatte nämlich mehr mit der Instandsetzung von Youngs Schlagzeuganlage zu tun, die den Ansprüchen seines furiosen Wirkens offenkundig nicht gewachsen war. Er konnte dann wenigstens bei der Vorstellung der Band beim tollen „Cheaper To Drink Alone“, als alle Beteiligten ihre Solierparts inne hatten, seine rhythmischen Fertigkeiten präsentieren.

Zuvor hatten Stücke wie u. a. das ZZ Top-umwehte „New Kinda Feelin'“, „Let It Roll“, „My Last Breath“ (sehr melodisch – sogar ein wenig mit Sister Hazel-Flair), „Soulcreek“ oder die Uptempo-Nummer „Maybe Someday“ für eine angenehme, begeisterte und ausgelassene Atmosphäre gesorgt.

Die schlug allerdings – zumindest was mein Empfinden angeht – nach der schönen Ballade „My Father Said“ und dem starken, Slide-trächtigen Southern Rocker „Ain’t Nobody“ mit „Lonely Train“ ins Unangenehme um. Fronter Chris Robertson hatte darum gebeten, einen Kreis in der Mitte der Zuschauer ‚auszusparen‘ wobei ich vermutet hatte, dass er sich dort selbst für eine Solo-Einlage hinein begeben wolle. Er offerierte dann allerdings für zwei freiwillige Menschen die Option, den erschaffenen Raum für eine Tanzeinlage zu nutzen.

Im Zuge der Aggressivität des Liedes hatte sich das aber schnell erledigt und eine Meute junger, angetrunken erscheinender Personen, nutze die Fläche für wüstes Herumschubsen und Springen (auch unter dem Fachbegriff ‚Pogen‘ geläufig…). Ein junge, unbeteiligte Frau in meiner Nähe ging dabei zu Boden und konnte froh sein, dass es umherstehenden Leuten gelang, in erster Linie sie und ihre umher geflogene Brille vor weiterem Schaden zu bewahren. Angesichts der deutlich sichtbaren Kinder (zum Teil auf den Schultern) eine ziemlich fahrlässige Sache, die man tunlichst unterlassen sollte.

So wurde der Genuss von der fortan sich im Zentrum auslebenden Meute bei launigen Stücken wie „Blame It On The Boom Boom“, „White Trash Millionaire“ und dem finalen „Family Tree“ leider durch ein gewisses ‚Unbehagen‘ in Mitleidenschaft gezogen. Aber vielleicht bin ich ja einfach auch nur zu alt. Black Stone Cherry bedankten sich am Ende für den in Deutschland stetig wachsenden Zuspruch, besonders auch, was ihre Besucherzahlen angeht. Um die 1.200 Leute hatten an diesem Abend für eine – bis auf die nicht geöffneten Oberränge – gefüllte Location gesorgt.

Als schon keiner mehr mit Zugaben rechnete und einige das E-Werk verlassen hatten, kamen zunächst Ben Wells und Chris Robertson alleine für „Peace Is Free“ auf die Bühne, wobei Robertsons grandiose Stimme mal in voller Pracht zur Geltung kam, um den Schluss des Liedes wieder im Kollektiv zu beenden.

Insgesamt ein gelungener Abend mit den benannten Abstrichen (aus meiner Sicht), der vor allem seinen Reiz darin hatte, dass Southern Rock in Kombination mit moderneren Musikelementen durchaus eine weiterhin zukunftsträchtige Option abzugeben scheint. Von daher muss man dankbar sein, dass sich Bands wie Black Stone Cherry, Blackberry Smoke, Hogjaw, Robert John & The Wreck & Co. hier mit qualitativem Anspruch als weiterführende Erben dieses Genres in den Dienst der Sache stellen.

Line-up Black Stone Cherry:
Chris Robertson (lead vocals, electric and slide guitar)
Ben Wells (electric guitar, vocals, percussion)
John Lawhon (bass, vocals)
John Fred Young (drums, vocals)
Jeff „Bongo“ Boggs (percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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E-Werk

Michael Schenker Fest, 01.11.2018, Turbinenhalle, Oberhausen – Konzertbericht

Schenker_haupt

Der mittlerweile 63 jährige Hard Rock-Gitarrist Michael Schenker machte mit seinem derzeitigen Projekt, dem Michael Schenker Fest, auch Halt in der Oberhausener Turbinenhalle, die mit knapp 700 Besuchern nicht ausverkauft, aber gut gefüllt war. Im Line-up hatte er die Sänger dabei, die ihn hauptsächlich in seiner Karriere nach den Anfangsjahren bei den Scorpions und bei UFO begleitet hatten. Das musikalische Material sollte ein Querschnitt durch sein gesamtes musikalisches Schaffen werden.

Nachdem die Vorband Absolva knapp 45 Minuten das Publikum mit einem sehr ansprechenden Hard Rock Performance auf Betriebstemperatur gebracht hatte, betrat Michael Schenker gegen 21:15 Uhr nach einer recht zügigen Umbaupause zu Klängen von AC/DC die Bühne. Schnurstracks ging er zu seinem Mikrofon und beschrieb kurz alle seine musikalischen Stationen. Einer der in Japan einen fast Gottes-ähnlichen Status hat, darf das eben.

Direkt danach begann Michael Schenker mit dem einzigen Song, bei dem er die Lead vocals inne hatte. Der 79er Hit „Holiday“ vom Scorpions-Album „Lovedrive“ war ein würdiger Einstieg in das Konzert. Unterstützt wurde er dabei an den Drums von Ted McKenna, der ihn schon bei Michael Schenker Group begleitete und der vor seiner Zeit mit Schenker, unter anderem für die Sensational Alex Harvey Band, Rory Gallagher die Drumsticks schwang und auch heute noch mit Gary McAvoy in der Band Of Friends die Musik des Iren zelebriert.

Chris Glenn am Bass war wie McKenna bei der Sensational Alex Harvey Band tätig, bevor er mit kurzen Unterbrechungen ab 1980 immer wieder mit Schenker zusammen arbeitete. Er leistete eine starke Rhythmusarbeit, glänzte mit kurzen Basssoli und war optisch der Hingucker bei den Songs, die jeweils zwischen den Parts der verschiedenen Sänger als Instrumentals gespielt wurden.

Glenn, mittig stehend, leuchtete mit grünen Laserstrahlen, die an seine Brille montiert waren, die Bühne aus . Der dritte im Bunde war Steve Mann an der zweiten Gitarre und den Keyboards, der auch schon für mehrere Jahre Mitglied der MSG war und während der Tracks auch genügend Raum für Soli bekam.

Nach „Holiday“, was einem Intro glich, wurde die Bühne immer voller, als Schenker die ersten Klänge des UFO-Knallers „Doctor Doctor“ intonierte. Graham Bonnet , Gary Barden und Robin McAuley wechselten sich über die Strophen im Leadgesang ab, wobei zu Beginn mischtechnische Probleme erkenn- und hörbar waren, die aber nach einen Nachjustieren der Tontechniker, schnell behoben waren.

Nach diesem ersten Highlight verließen die drei Sänger die Bühne und Michael kündigte Doogie White, Sänger bei Michael Schenkers Temple Of Rock an, mit dem er dann fünf Songs präsentierte. Doogie, der einige Wochen zuvor im Dortmunder Piano mit Demon’s Eye schon einen starken Auftritt hatte,  glänzte auch heute mit einem starken gesanglichen Auftritt und poste entsprechend über die Bühne.

Den Einstieg machte „Vigilante Man“ von „Temple of Rock“ und nach dem stark vorgetragenen Ufo-Klassiker „Natural Thing“ bedankte und verabschiedete Michael Doogie zunächst. Schon bei diesem ersten Teil des Konzertes, das in verschiedene Kapitel unterteilt wurde, war zu erkennen, mit welchem Spaß Schenker seine Songs präsentierte und immer wieder vom Bühnenrand posend, manchmal fast tänzelnd, seine Gitarren bearbeitend, Kontakt mit dem Publikum suchte. Den Vordergrund überließ er dabei den Lead-Sängern. Er zog sich meist, auf der Gitarre wirbelnd, zu seinen Marshall-Türmen im hinteren Teil der Bühne zurück.

Mit „Nemo“, einem mystisch wie aus unendlichen Tiefen daher kommenden Instrumental wurde Kapitel 1, klar vom danach folgenden Kapitel 2 abgegrenzt. Unterstützt wurde dieser psychedelische Track durch das etwas dunklere bläuliche Bühnenlicht, das von den Anfangs beschriebenen Lasereffekten Glenns durchbrochen wurde.

Im zweiten Kapitel begleitete der mittlerweile 71 jährige Graham Bonnet, in seiner Karriere unter anderem tätig bei MSG, Rainbow und Alcatrazz, die Band am Mikro. Für ihn typisch, mit Stoffjacke und Schlips bekleidet, trug er ebenfalls einen Anteil von fünf Stücken. Bonnet benötigte auch ein paar Minuten, bis gesanglich alles auf der Höhe war,  was aber auch durch Unstimmigkeiten bei der Monitor-Abmischung begründet war. „Assault Attack“ vom gleichnamigen MSG-Album, das mit ihm eingesungen wurde, war dabei die stärkste Nummer, die er entsprechend intonierte und gestenreich interpretierte.

Nachdem Graham von Michael gebührend verabschiedet wurde, füllte „Coast To Coast“, das Schenker damals, Ende der 70er Jahre mit den Scorpions auf „Lovedrive“ einspielte, den Übergang zu Kapitel 3. Ruhig beginnend entwickelte der Song immer mehr Dynamik und das Publikum feierte das gebotene Hard Rock-Gewitter entsprechend frenetisch ab.

Mit dem 63jährigen Gary Barden, Sänger in den Anfängen der Michael Schenker Band und wieder Mitglied in späteren Phasen, betrat nun der dritte Sänger die Bühne. Passend machte „Ready To Rock“ den Einstieg. Beim folgenden „Axeman“ unterstützte ihn Robin McAuley für einen Song und mit  „Armed And Ready“ wurde das Kapitel 3 beendet.

Beim starken „Warrior“ hatten alle vier Sänger abwechselnd und teilweise mehrstimmig ihren Anteil.

Dem vierten Kapitel setzte dann der 65-jährige, aber noch sehr vital daher kommende Robin McAuley, mit seinem ganz speziellen Charisma, den Stempel auf. Nach den zwei starken rockenden Nummern „Bad Boys“ und „Shoot Shoot“ kamen für „Heart & Soul“ noch einmal die anderen Sänger dazu, um Robin dann für die Knaller „Only You Can Rock Me“ und „Too Hot To Handle“ die Bühne nochmals allein zu überlassen.

Die beiden letzten Tracks setzten dem Konzert noch einmal die Krone auf. Eine etwa 10-minütige Version von „Rock Bottom“, bei der Schenker sich mit diversen Soli austoben konnte, beendete das Konzert zunächst.

Dennoch wurden, von dem weitgehend über das Konzert gut mitgehenden Publikum, eine Zugabe gefordert. Schenker und alle Mitstreiter ließen sich nicht lange bitten, obwohl es schon wirklich spät geworden war, und lieferten mit „Lights Out“ den entsprechenden Rausschmeißer, nach dem auch eigentlich nichts mehr kommen konnte.

Nach einem gewaltigen Lichtgewitter über die Bühne wurde es nach dem letzten Gitarrenanschlag Schenkers, entsprechend des Songstitels, dunkel in der Halle und zweieinhalb Stunden durch das musikalische Schaffen Schenkers waren wie im Fluge vergangen.

Den Zuschauern wurde, von einem glänzend aufgestellten und sehr vitalen agierenden Michael Schenker, eine starke Show mit einer gut durchdachten Song-Auswahl geboten, in der jede Schaffensphase ihren Platz finden konnte.

Schön war auch zu sehen, mit welchem Spaß die Musiker gemeinsam dieses Werk präsentierten. Wer auf guten Hard Rock steht, dem sei geraten, eines der noch anstehenden Konzerte zu besuchen. Dies gilt auch für die Vorband Absolva, die Ende November unter anderem in der Krefelder Kulturrampe zugegen sein wird.

Ein besonderer Dank geht an a.s.s. concerts & promotion gmbh für die kurzfristige und problemlose Akkreditierung und das gesamte Team in den Turbinenhalle, das auch einen Anteil an dem gelungenen Konzertabend hatte.

Line-up:
Michael Schenker (lead vocals, electric guitar)
Robin McAuley (lead vocals)
Graham Bonnet (lead vocals)
Doogie White (lead vocals)
Gary Barden (lead vocals)
Chris Glenn (bass)
Steve Mann (guitars, keyboards)
Ted McKenna (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Michael Schenker Fest
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a.s.s. concerts & promotion gmbh
Turbinenhalle, Oberhausen

Guitar Heroes Festival – 21.-23.09 2018 – Festivalnachlese

(14) HK - Gerds Ansage mit der Laura Cox Band

Die Entschleunigung rasanter Saitenläufe … oder auch Guitar-Heroes irgendwo im Nirgendwo

Es gibt Leute, die pimpen ihr Auto, fliegen in der Weltgeschichte rum, cruisen durch die Weltmeere oder züchten Büffel.

Der Biobäcker Gerhard Lorenzen, seines Zeichen passionierter ‚Musikverrückter‘, kann über solche Anwandlungen vermutlich nur schmunzeln – und veranstaltet seit 2007 Rock- und Blueskonzerte bei sich Zuhause in Joldelund, einer 715-Seelen Gemeinde im Kreis Nordfriesland in Schleswig Holstein. Drei Bundesstraßen und eine Bahnlinie sind jeweils etwa 10km entfernt … wahrlich eine (rock- und bluesmusikalische) Metropole.

Nein, falsche Fährte, was sich zunächst wie beißender Spott liest, entpuppt sich schnell als der (Noch?)Geheimtipp für alle Anhänger rockiger Bluesmusik oder bluesiger Rockmusik und Artverwandtes.

Genau dies wollten diesen Frühherbst ein Genre-Veteranenquartett aus Oldenburg/Bremen genauer unter die Lupe nehmen und starteten an einem Freitag-Vormittag bei viel Wind und aufgewirbeltem Staub – mit einem kleinen Caravan inklusive Vorzelt im Gepäck – zeitig gen Norden eine Fahrt ins vorfreudige Ungewisse.

Nach 3 ½ Stunden problemloser Fahrt (vom Navi – oder Fahrer mal abgesehen) erreichte der Vierer das Ziel irgendwo im Nirgendwo. Das Headquartier von Gerd – auch liebevoll und augenzwinkernd ’Gerds Juke Joint’ genannt – kam zunächst wenig spektakulär rüber (mit Ausnahme eines durch die Wand geknallten Autos), was sich im Laufe des Wochenendes aber noch gehörig ändern sollte.

Also … wohin mit dem Caravan? Ganz einfach … quasi in Gerds „Garten“ … bloß keine Obstbäume beim rangieren beschädigen! Erste Bullies, Wohnmobile und Caravans waren auch bereits vor Ort. Nun noch schnell vor dem drohenden Regen das rollende Schlafklo vernünftig ausgerichtet, Vorzelt enttüdelt und unfallfrei aufgebaut, die Mistral-Sturmverspannung ob der drohenden Nordwinde angebracht, Stühle und Tische aufgeklappt, den Bluetooth-Krawallmacher in Stellung gebracht und schlussendlich die Kühlbox geöffnet … das Joldelunder Festival der etwas anderen Art konnte beginnen!

Warum der etwas anderen Art?

Weil hier ein funkensprühender, glühender, für die Sache brennender Enthusiast mit Familie, Freunden und Gleichgesinnten – ohne jegliche kommerzielle Auswüchse(!) – etwas in atemberaubend privater Atmosphäre auf die Beine stellt, was sich grundlegend vom Zeitgeist unterscheidet … und zwar sehr wohltuend. Hier wird noch das Kredo Entschleunigung bei gleichzeitig beschleunigter Saitenarbeit großgeschrieben. Eine wahrhaft nicht alltägliche Konstellation!

Und so begab sich pünktlich um 19.45 Uhr das erwartungsfrohe Quartett auf den ausgebauten Scheunen-Dachboden des Biobäckers Gerd. Nicht ohne auf dem Weg dorthin einem Getränkewagen, einem Frühstücks- und Imbissbereich und einem Festzelt zu begegnen. Oben angekommen war erst recht Staunen angesagt. Sehr viel Holz, tolle Balkenkonstruktionen (fast wie ein Kirchenschiff!), ganz hinten im Raum ein kleiner Tribünen-Loungebereich, in der Mitte ein großzügiges Theken-Sit-in-Konzept, ein vergleichsweise kleines Mischpult, eine kleine Bühne für einen Kameramann, der sich als Bassist von Lake herausstellen sollte und schließlich der recht schmale Raum vor der eigentlichen Konzertbühne auf der Frontseite der Scheune.

Von dieser Bühne aus begrüßte Punkt 20.00 Uhr das Herz dieser Veranstaltung seine Gäste, gab einen kleinen Ausblick auf kommende Veranstaltungen und kündigte den ersten Act an – ein YouTube-Phänomen aus der Region von Paris … die Laura Cox Band, die letztes Jahr ihr Debütalbum veröffentlicht hatten.

Im Kontext des angekündigten Line-Ups hatte sie es nicht leicht, zumal auch der Sound noch nicht der beste war. Aber sie brachte zusammen mit ihren Mitstreitern am Schlagwerk, Bass und zweiter Gitarre als Opener ordentlich Feuer und Stimmung in die Bude. Insgesamt ließ das Line-Up an diesem Wochenende auf recht rockigen Blues schließen, natürlich gemäß des Veranstaltungstitels explizit Guitar-Solo-lastig.

In diesem Zusammenhang geriet der Vortrag der Laura Cox Band eher zu einer Rock-Party, die auch vor Schlachtrössern wie „Foxy Lady“ (weniger gelungen) und „Jumpin’ Jack Flash“ (deutlich mehr gelungen) nicht halt machte. Es war an diesem Wochenende die einzige Band mit zwei Gitarristen und den am wenigsten ausgeprägten Saitensoli, entsprechend zählte die Kompaktheit und das rockige „Los-Geh“- Potential der meisten Songs.

Eine technisch nicht besonders anspruchsvolle Band, die eher das Herz als das Hirn ansprach und folgerichtig als Anheizer gut Dampf auf den Kessel geben konnte. Die sehr lockere, offene, kommunikative Art von Laura Cox kam überdies sehr gut an. Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich der weitere Weg der Dame gestalten wird.

Nach der Umbaupause enterte dann der Niederländer Julian Sas mit seiner derzeit wahrhaftig formidablen Band die kleine Bühne und … räumte auf ganzer Linie ab! Das Publikum und die Musiker befeuerten sich zunehmend in einen Rausch, Gitarre und Orgel (Roland Bakker) wurde nebeneinander, miteinander und gegeneinander viel Raum gelassen, Rob Heijne (Schlagzeug) und Fotis Anagnostou (Bass) hielten nicht nur den Laden zusammen, sondern setzten virtuos und mit enormem Druck auch eigene Akzente, während ihr Chef traumhaft die Saiten nicht nur glühen, sondern vor allem auch „singen“ ließ. Bluesrock, Classic-Rock, Jam-Rock, Boogie-Rock, Rock’n’Roll … es blieben keine Wünsche offen und entsprechend euphorisiert brachte das Publikum die ebenfalls euphorisierte Band noch zu offensichtlich nicht geplanten Zugaben!

Da hatte es dann das erst weit nach Mitternacht auftretende einstige Gitarren-„Wunderkind“ Eric Steckel doch sehr schwer, das Publikum bei der Stange zu halten, zumal er leider keine Taste an Bord hatte und somit nicht ansatzweise das umsetzen konnte, was insbesondere sein derzeit aktuelles Album „Polyphonic Prayer“ verspricht. Immerhin ist Herr Steckel nicht nur ein Saitenartist, sondern auch außerordentlich versiert auf den Tasten unterwegs.

In Joldelund spielte er allerdings als Power-Trio und zerschredderte konsequent jeglichen Song-Ansatz. Schade, denn er hat selbige eigentlich sehr wohl im Repertoire. Für alle selbst aktiven Gitarristen unter uns gab es sicherlich interessante Erkenntnisse, für alle anderen war es zu fortgeschrittener Stunde eher anstrengend und so leerte sich auch unübersehbar das Auditorium.

Am nächsten Vormittag wurde dann zum Frühstück den Bio-Backwaren (gefühlt 15 verschiedene Sorten!) gehuldigt, die in großen Kisten für einen (sehr!) fairen Betrag zur Verfügung gestellt wurden, einschließlich Bio-Kaffee und Bio-Milch. Derart gestärkt ließ das Genre-Veteranenquartett im trotz teilweise unwirtlichen Wetters gemütlichen Vorzelt den Bluetooth-Speaker qualmen, so dass zumindest das ganze Umfeld auf den aktuellsten Stand der (Blues-)Rock/Classic-Rock/Country-Rock/Americana-Neuveröffentlichungen gebracht wurde.

Zusätzlich musizierten ab 14.00 Uhr insgesamt vier regionale Bands im Festzelt um die Gunst der Aufmerksamkeit, was auch sehr achtbar gelang!

Punkt 20.00 Uhr eröffnete dann die Sean Webster Band (UK/NL) den zweiten Abend … und räumte – von vielen unerwartet – gleich zu Beginn ultimativ ab!
Sean Webster, der „erst“ mit 14 Jahren die Gitarre für sich entdeckte und sich dabei von den drei ’Kings’ (Albert, Freddie, B.B.), Mark Knopfler, Robert Cray, Stevie Ray Vaughan, Gary Moore und vor allem Eric Clapton beeinflussen und inspirieren ließ, bestach umgehend mit einem außerordentlich gefühlvollen, gleichwohl energetischen Saitenspiel wie Gesang und präsentierte hochmelodische Songs bis hin zur fantastisch und geradezu beängstigend intensiv vorgetragenen Cover-Version von „I’d Rather Go Blind“ (Etta James).

Das Genre-Veteranenquartett erkannte hier messerscharf den Saitenartisten alter britischer Schule und erfreute sich zusammen mit dem völlig aus den Häuschen geratenen Publikum über eine singende, seufzende, leidende, jubilierende Saitenarbeit und feierte einen Protagonisten, der zu tollen Songs gesanglich sein Innerstes nach außen kehrte.

Unterstützt wurde er dabei von einer niederländischen Band, wobei Ruud Gielen am Schlagwerk und Floris Poesse am Bass ein wunderbar agiles wie federndes Rückgrat bildeten und Hilbrand Bos an der Taste willkommene Akzente setzte.

Insgesamt ein fulminanter Auftritt voller Leidenschaft, Spielfreude, hinreißender Soli und genauso hinreißendem Gesang. Das anfangs noch zurückhaltende Publikum warf zunehmend jegliche Zurückhaltung über Bord und stachelte den sichtlich freudig überraschten Sean Webster und seine Mannen zu absoluten Höchstleistungen an, die in offensichtlich drei gar nicht geplanten Zugaben gipfelten. Im Anschluss wurde der Merchandise-Stand geradezu gestürmt … und das völlig zu Recht!

Da hatte es der Haupt-Act des Festivals, Ryan McGarvey aus Albuquerque, New Mexico, tatsächlich schwer, trotz seiner unbestreitbar exorbitanten Fähigkeiten an den Saiten, das Publikum für sich zu gewinnen. Zu introvertiert und mit deutlich zu vielen elektronischen Spielereien ließ McGarvey seine musikalischen Inhalte zerfasern – sie rieselten quasi wie Sand durch die Finger. Er beeindruckte zwar insgesamt am Spielgerät, schredderte auch keinesfalls in der Manier eines Steckel, hatte ein solides neues Rhythmus-Fundament im Rücken, verlor sich aber leider im Effekte-Nirvana der unendlichen Möglichkeiten eines Ausnahmetalents.

Da brauchte es dann im Anschluss zur Beruhigung diverser Synapsen Nervennahrung. Auch diesbezüglich hatte Gerd außergewöhnliches zu bieten: Die weltbesten (Bio-)Pommes, Bio-Bratwurst, würziger Nacken im Brötchen und an der Theke mit einer keine Wünsche offen lassender Getränkeauswahl schließlich verboten leckere selbstgebackene Teigtaschen in verschiedenen Ausführungen … jegliche Selbstdisziplinierung zwecklos!

Da konnte dann der letzte Act des Abends kommen … wieder nach Mitternacht und diesmal eine gemeinhin selbst in Genre- und Nerdkreisen völlig unbekannte Band namens Snakewater aus Manchester.Einzige Konstante ist hier Sänger und Gitarrist Bobby Grant, der unverhohlen zugibt, dass sein großes Idol Gary Moore ist.

Vom Bandnamen her könnte ja eher die weiße Schlange als Bezugsgröße vermutet werden, stattdessen ertönte zur vorgerückten Stunde bluesgrundierter Classic-Rock, neben erwähntem Herrn Moore eher an Bad Company und Free gemahnend, wobei Bobby Grant explizit Paul Kossoff als seinen weiteren Helden pries. Aus Sicht des Verfassers dieser Zeilen gab es hier bei allem Rock-Getöse die eine oder andere Songperle (Eigenbau) des gesamten Festivals zu entdecken!

Das „Guitar Heroes Festival“ in Joldelund wäre nicht komplett, gäbe es da nicht das inzwischen wohl legendäre Akustik-Set zum sonntäglichen Frühschoppen. Diesmal hatte Ryan McGarvey solo und ohne doppelten Boden die Ehre und sammelte dann auch prompt mit seiner Akustischen und fulminantem Spiel die Scherben des Vorabends auf, setzte sie wieder zusammen und fand zu seinen Songs zurück. Das anfangs noch ziemlich müde Publikum – diesmal wie in einem kleinen Theater brav sitzend – wachte zunehmend auf, um schließlich aus dem Gestühl zu schießen. Ryan McGarvey sollte zwingend mal eine Unplugged-Platte machen … dieser vormittägliche Auftritt war Dynamit, Weltklasse und bescherte dem Protagonisten dann doch noch verdiente CD-Verkäufe …

… und ließ insgesamt nur einen Schluss zu: Gerd weiß genau, was „seine“ Zielgruppe gerne hören möchte, denn er selbst verkörpert höchstpersönlich selbige geradezu exemplarisch. Ein durch und durch sympathischer Freak, der im Gegensatz zu vielen anderen mit ganz viel Enthusiasmus, Liebe und Engagement etwas aktiv auf die Beine stellt, um den Gegenstand seiner Begeisterung am Leben halten zu können. Nicht verschwiegen sei hierbei, dass dies ohne die Unterstützung seiner Familie und Freunden sicherlich nicht möglich wäre.

Deshalb sei an dieser Stelle auch darauf hingewiesen, dass es von „Guitar Heroes in Joldelund“ sogar ein Independent-Movie in Kinolänge gibt, welches als eine Art Dokumentation wunderbar den Spirit dieser Veranstaltung veranschaulicht. Gerd sucht latent und fortwährend nach Möglichkeiten, diesen Film präsentieren zu können.

Das Genre-Veteranenquartett jedenfalls ruft uneingeschränkt zu jeder möglichen Unterstützung auf!

(Unser Dank gilt besonders auch Gerhard Harder für das zur Verfügung stellen seiner Fotos!)

Text: Olaf Oetken
Fotos: GH (Gerhard Harder) und HK (Henry Klompmaker)

Gerd’s Juke Joint
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Demon’s Eye – 05.10.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Auf ihrer „Anniversary in Purple“-Tour 2018 machten Demon’s Eye auch Station im Musiktheater Piano in Dortmund. Dabei ist die jetzige Tour, wie von Fronter Daniele Gelsomino zu Beginn angekündigt etwas Besonderes. Es gibt mehrere Jubiläen zu feiern, wofür das schöne, restlos ausverkaufte Musiktheater Piano, das entsprechende Ambiente bot: Das 50-jährige Bestehen von Deep Purple, das 20-jährige Jubiläum von Demon’s Eye und 10 Jahre in denen Doogie White, von 1994 – 1997 Sänger von Rainbow, immer wieder als Gastmusiker dazustößt.

Pünktlich um 20:30 Uhr betraten die Musiker unter epischen Hammondorgelklängen vom Band, stilgerecht für eine Deep Purple- Coverband die Bühne und nahmen die Fans mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit zweier der bedeutendsten Hardrockbands. Der erste Set war alleine Deep Purple gewidmet, und begann mit dem Kracher „Highway Star“, welcher das Publikum direkt mitriss und eine Stimmung im Piano erzeugte, die über das gesamte Konzert nicht mehr abebben sollte.

Daniele Gelsomino bewies schon in diesem Song, dass er stimmlich den Originalen zu deren Glanzzeiten in nichts nachsteht, was oft einer der Knackpunkte von Coverbands ist. Mark Zyk bearbeitete seine Gitarre zum Teil mit eigenwilligen Spieltechniken, sodass insbesondere bei Improvisationsparts den Songs eine eigene Note gegeben wurde. Sein Wirken beeindruckte vor Jahren auch den mittlerweile verstorbenen Jon Lord, den Magier an der Hammondorgel. Lord lud Zyk 2010 ein im „Concertos for Group and Orchestra“ mit dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra zu partizipieren.

Brillant waren auch mehrere Gefechte, die Mark sich mit dem Orgelspieler Gert-Jan Naus lieferte, dem seine klassische Klavierausbildung bei der Interpretation der Purple-Klassiker zugute kam. Die Grundlage für den fetten Sound legte an diesem Abend die Rhythmusfraktion mit Maik Keller am Bass und Andree Schneider an den Drums, denen, wie auch den anderen Mitstreitern, jederzeit die Freude, beim Performen, anzusehen war. Beide zeichneten sich sowohl durch treibendes als auch virtuose Einlagen aus.

Weiter ging es mit dem Song, welcher der Band den Namen gibt; „Demon’s Eye“, vom 71er Deep Purple-Album „Fireball“. Er war dabei fast als Intro des Klassikers „Space Truckin`“ zu sehen, der auch Bestandteil des legendären Livealbums „Made In Japan“ war. dessen Tracks zum Großteil auch dieses Konzert dominierten. Besonders hervorzuheben im ersten Set war insbesonders eine ‚Extended Version‘ von „Child In Time“. Ich habe stimmlich seit 1986 wenig besseres, explit bei den schreienden Sequenzen von dieser Purple-Hymne in Erinnerung.

Aber auch das stark präsentierte „Hush“ sowie „Enya“, eines der Stücke auf dem letzten Album mit Richi Blackmoore, wussten zu überzeugen. Im Intro von „Enya“ hatte ich dabei irgendwie den Beginn des Eagles-Klassikers „Hotel California“ mit in den Ohren. Ob bewusst oder unbewusst, auf jedem Fall eine tolle Interpretation des Stückes mit genügend Platz für die Musiker, sich auszutoben und ihre spielerischen Künste zu zeigen.

Besonders Gitarrist Mark Zyk konnte immer wieder mit Posen, Verrenkungen beim Spiel und teilweise stakkato-ähnlichen Saitenanschlägen begeistern. Nach etwa 60 Minuten war das erste Set in eine rasante begeisternde Zeitreise beendet und Daniele Gelsomino kündigte an, nach einer etwa 15 minütigen Pause für einen Schotten Platz zu machen.

Als die Instrumentalisten unter dem Applaus der Zuschauer zurückkamen, setzte ein kurzes Intro ein, in dem unter dem Jubel der Fans Doogie White die Bühne betrat. Jetzt war erst einmal Rainbow- Time angesagt und die Anwesenden bekamen Songs einer weiteren Hardrocklegende zu hören. White war förmlich anzumerken, mit welchem Spaß er die Songs der Band sang, deren Bestandteil er selbst mehrere Jahre war. Besonders in Erinnerung blieben dabei „Kill The King“, „Far Over The Rainbow“ (vom Demon`s Eye Album mit Doogie White „The Stranger Within“) und nicht zuletzt ein Song, der das Gefühl des Abends bestens ausdrückte: Eine rasante Version von „Long Life Rock`n`Roll“, der auch die Fans zum mitsingen animierte.

Nach einigen Liedern holte White auch Daniele Gelsomino zurück auf die Bühne, nicht ohne ihn mit Lob für seine gesanglichen Fähigkeiten zu überschütten. Von nun an zündete die Band noch einmal ein Feuerwerk an Deep Purple-Klassikern, wobei sich die beiden Sänger auch in den Songs abwechselten, was diesen wiederum einen ganz eigenen Charakter gab. „Perfect Strangers“ mit dem markanten Orgelintro machte den Beginn und es reihten sich eine starke Version von „Mistreated“, ein Medley mit „Black Night“, „Smoke On The Water“ sowie „Woman From Tokyo“, passend wie ein Kettenglied in das andere, ein.

Nach knapp zwei Stunden Spielzeit verließen die Musiker unter begeisternden Klatschen und frenetischen Zugaberufen die Bühne, um diese nur wenig später wieder zu entern. Nach „Stormbringer“ kam zum Abschluss eine Hammerversion von „Burn“. Obligatorisch sich in den Armen liegend, wurde sich vom begeisterten Publikum im Piano verabschiedet.

Sichtlich beeindruckt von weiteren Zugabeforderungen betrat die Band nochmals die Bretter, um nun mit Sänger Doogie White einen grandiosen Schlusspunkt unter einen Abend zu setzen, der sowohl den Musikern wie auch dem Publikum in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Die epische Hardrockballade „The Temple Of The King“ von Rainbow widmete White verstorbenen Musikern aus dem Hardrockgenre um Deep Purple und Rainbow, wobei die Audienz immer wieder als Backgroundchor glänzen konnte. Diese beendete dann endgültig einen fantastischen Hardrockabend im Dortmunder Piano – Long Life Rock`n`Roll!

Man kann über Coverbands denken was man will, aber Demon’s Eye haben den Hits von Deep Purple wieder frisches Leben eingehaucht und somit einen Anteil, dass diese Form des Hardrocks weiterlebt und nicht in Vergessenheit gerät. Alle Bandmitglieder wussten mit spielerischen Können restlos zu überzeugen und ließen es sich nicht nehmen, den Nummern eigene Nuancen zu geben und sich so von vielen anderen Truppen dieser Sorte abzugrenzen.

Ein besonderer Dank geht wieder an das freundliche Piano-Team um Jenny Dore und Thomas Falke, die es immer wieder schaffen, tolle Acts in den Dortmunder Westen zu holen und heute zum Dank mit einer vollen Hütte belohnt wurden. Dies freute Thomas Falke, wie er in einem Gespräch zum Ausdruck brachte, auch besonders für Demon’s Eye. Angesichts der Begeisterung kündigten diese bereits an, nächstes Jahr wiederzukommen.

Wer auf die Dynamik der „alten“ Purple steht, sollte sich diesen Termin, wenn er zu Stande kommen sollte, im Kalender notieren – es wird sich lohnen!

Line-up:
Daniele Gelsomino (lead vocals)
Mark Zyk (guitars)
Gert-Jan Naus (keys)
Maik Keller (bass)
Andree Schneider (drums)

Special guest:
Doogie White (lead vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Demon’s Eye
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Deep Purple & Friends – 08.07.2018, Sparkassenpark, Mönchengladbach – Konzertbericht

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Im letzten Jahr veröffentlichten die inzwischen doch ergrauten „alten Herren“ in der aktuellen Mark VIII-Besetzung das mittlerweile 20. Album „Infinte“, um anschließend, ab Mai, ihre weltweite „Long Goodbye Tour“ zu starten, die noch bis zum 22.10.2018 andauern wird und die Band nun auch mit einem einzigen Konzert in NRW in den Sparkassenpark nach Mönchengladbach führte.

Nachdem die Support-Acts Navarone aus den Niederlanden und Axel Rudi Pell im zu Beginn noch nicht einmal halb gefüllten Sparkassenpark dem Publikum bei schönstem Sommerwetter mit mäßigem Erfolg einzuheizen versuchten, betraten die Altrocker um Frontmann Ian Gillan (lead vocals), Roger Glover (bass), Ian Paice (drums), Don Airey (keyboards) und Steve Morse (guitars) pünktlich um 20 Uhr die Bühne und eröffneten das Konzertspektakel mit dem Klassiker „Highway Star“.

Der unverwechselbare Snaredrum-Groove von Ian Paice zündete sofort und riss das Publikum vom ersten Takt an mit. Ohne Atempause ging’s dann mit einem Medley, bestehend aus „Pictures From Home“, „Hard Lovin‘ Man“ und „Strange Kind Of Woman“, weiter, welches die Zuhörer anschließend mit lautstarkem Applaus belohnten.

Einige der dargebotenen älteren Stücke („Sometimes I Feel Like Screaming“, „Uncommon Man“ und „Lazy“) hatte die Band sogar mit neuen Variationen arrangiert, sodass diese Klassiker wesentlich frischer und moderner rüber kamen.

Zwischendurch durften dann natürlich auch einige Sachen aus dem letzten Album „Infinite“ nicht fehlen. Besonders hervorzuheben sind hier das etwas düstere „Bedlam“ und „Birds Of Prey“ mit einem überwältigendem E-Gitarrenspiel von Steve Morse.

Nach „The Surprising“ verabschiedeten sich Gillan & Co.  für eine kurze Pause vom begeisterten Publikum und ließen Don Airey allein auf der Bühne zurück und das Auditorium wurde Zeuge eines überragenden Keyboard-Solos, welches letztendlich, nun wieder mit der kompletten Truppe, nahtlos in „Perfect Stranges“ überging.

Zum Abschluss des Gigs gab es dann vom „Machine Head“ Album, das sicherlich mit zu den besten Werken der Band überhaupt gehört, mit „Space Trucking“ und dem Partyknaller „Smoke On The Water“ noch einmal zwei Hammersongs auf die Ohren.

Natürlich durfte Deep Purple nicht so einfach ohne lautstark eingeforderte Zugaben die Bühne verlassen. Nach einer wirklich kurzen Pause wurde dann von den fünf Altrockern mit einer neuen Version von „Hush“ das grandiose Ende des Abends eingeleitet. Neu und einfach nur klasse, folgte dann ein von Roger Glover gespieltes und Ian Paice unterstützes Bass Solo, welches das in den finalen Track „Black Night“ mündete.

Nach einer ziemlich genau 1 3/4 Stunden andauernden, furiosen Reise durch die 50-jährige musikalische Bandgeschichte ging schließlich ein Wahnsinnskonzert, gekennzeichnet durch die unbändige Spielfreude und Bühnen-Action der Band, zu Ende. Deep Purple versteht es immer noch bestens, mit dem Publikum zu spielen und große Menschenansammlungen zum Kochen zu bringen. Dazu trägt sicherlich auch Ian Gillans Stimme bei, die immer noch vor Ausdrucksstärke strotzt, wenngleich sie in den hohen Tonlagen nicht mehr ganz so stark ist wie früher. Aber er ist ja nun mittlerweile auch schon 73 Jahre alt, da darf schon mal ein bisschen was fehlen.

Auch die Rhythmussektion mit Roger Glover und Ian Paice war fit wie eh und je. Seinen kleinen Schlaganfall aus 2016 hat Ian Paice offenbar ohne weitere Folgen gut weggesteckt und Steve Morse und Don Airey bewiesen einmal mehr, dass sie würdige Nachfolger für Ritchie Blackmore und den viel zu früh verstorbenen Jon Lord sind.

Insgesamt hat sich Deep Purple mal wieder übertroffen und ein grandioses knapp 2-stündiges Konzert gerockt. Die alten Haudegen (bis auf Steve Morse sind alle bereits 70 oder älter!) haben es noch immer richtig drauf, wirklich schade, dass ihr aufhören wollt! Aber man soll ja niemals nie sagen …. -:)

Zum Abschluß gilt noch unser Dank Frau Jardena Kifle vom Sparkassenpark-Marketing für die freundliche und reibungslose Akkreditierung.

Set-List:
01. „Highway Star“ (from „Machine Head“)
02. „Pictures of Home“ (from „Machine Head“)
03. „Hard Lovin‘ Man“ (from „Deep Purple In Rock“)
04. „Strange Kind Of Woman“ (from „Fireball“)
05. „Sometimes I Feel Like Screaming“ (from „Purpendicular“)
06. „Uncommon Man“ (from „Now What?!“)
07. „Lazy“ (from „Machine Head“)
08. „Time For Bedlam“ (from „Infinite“)
09. „Birds Of Prey“ (from „Infinite“)
10. „The Surprising“ (from „Infinite“)
11. Don Airey Keyboard-Solo
12. „Perfect Strangers“ (from „Perfect Strangers“)
13. „Space Truckin'“ (from „Machine Head“)
14. „Smoke On The Water“ (from „Machine Head“)

Zugaben:
15. „Hush“ (from „Shades Of Deep Purple“)
16. Roger Glover Bass-Solo
17. „Black Night“ (from „Deep Purple In Rock“)

Line-up Deep Purple:
Ian Gillan (lead vocals)
Steve Morse (guitars)
Don Airey (Keyboards)
Roger Glover (bass)
Ian Paice (drums)

Text: Rolf Kulm
Bilder: Jörg Schneider

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El Colosso – 15.06.2018, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Premiere für El Colosso in der Kulturrampe. Der Vierer aus Melbourne präsentierte dabei seine erste LP. Ja, man kann wirklich von einer Langspielplatte sprechen, da die Besucher nach dem Konzert die Möglichkeit hatten, eine limitierte Auflage in rotem Vinyl zu erwerben. Trotz der für einen Erstauftritt eher erschwerenden Faktoren wie die Fußball-WM und Biergartenwetter, fanden sich genügend Rockbegeisterte, um die Rampe relativ gut zu füllen.

Relativ pünktlich gegen 20:15 Uhr, nach der obligatorischen Ansage vom Rampenmacher Pille Peerlings, begann ein furioser Ritt von El Colosso, der die Anwesenden durchweg begeisterte, was sich besonders an den Ovationen zwischen den Songs erkennbar war.

Die Jungs aus Down Under, welche vielfach dem Stoner Rock zugeordnet werden, eröffneten mit den Gig mit „Leather Head“, vom bisher einzigen Album „Pathways“. Schon hier traten die Einflüsse der Band zu Tage, von denen an dieser Stelle nur Led Zeppelin, Black Sabbath, Monster Magnet, Thin Lizzy oder Queens of the Stoneage genannt seien.

Im Vordergrund, nicht nur räumlich, standen Sänger Matt Cooper, der teils schreiend aber auch harmonisch singend, oft auf gesangliche Stilelemente des Heavy Metals zurückgriff und Gitarrist Benny James, ein Hüne von Mann, dessen Mikrofonständer so hoch war, dass Pille für seine Ansage eine leere Bierkiste als Hilfsmittel benötigte, um überhaupt ans Mikro zu gelangen.

James konnte in jedem Song mit mindestens einem zum Teil ausladenden Solo sein Können als Hard Rock-Gitarrist beweisen und lieferte dem Publikum auch die visuell dazugehörigen Posen. Craig Fryers am Bass, der sich meist im Hintergrund aufhielt, lieferte sich mit Peter Hayden, einem ‚Tier‘ an den Drums, der sichtbar bestens gelaunt, meist mit einem verschmitzten Lächeln energievoll sein Arbeitsgerät ‚beackerte‘, die rhythmische Basis für die Songs.

Besonders hevorzuheben waren das mit schweren Bässen tragend daherkommende „Limbo“, das stilistisch in die Ära der alten Black Sabbath-Klassiker mit einer Prise Monster Magnet einzuordnen ist, eine ausladende Version von „Moving Mountains, mit psychedelischen Gitarrensoli und die erste Zugabe „Doom Boogie“, ein krachender Heavy-Song.

Neben allen Tracks des aktuellen Albums bekamen die Besucher auch „Strung Out“ und „Cannon Ball“ von der ersten EP geboten. „Cannon Ball“, das letzte Lied des Abends, bildete mit harten Bassläufen, kraftvollen Drums, Hard/Heavy- Gitarensoli und einem sich voll verausgabenden Sänger Matt Cooper, noch einen Höhepunkt, der zeigte, dass El Colosso ein wirklich guter Liveact in der Szene ist.

Angenehm war nach dem Konzert der Umgang mit den Fans, wo sich alle vier Musiker direkt in der Kneipe der Rampe einfanden und Platten signierten, wobei sie sich die Mühe machten, die Namen der Fans herauszubekommen um so eine persönliche Widmung zu hinterlassen. Auch für einen längeren oder kürzeren Smalltalk nahmen sich die Vier aus Down Under genügend Zeit.

Als Fazit kann gesagt werden, dass es sich um einen gelungenen Abend für Fans der härteren Musik gehandelt hat und dass es Teenage Head Music mal wieder gelungen ist, eine starke, hier eher noch unbekannte Band nach Europa zu bringen. Ein Dank auch an Pille und sein Team, für die wie gewohnt gute Arbeit, die für einen tollen Konzertabend wie diesen unabdingbar ist.

Hervorzuheben ist auch, dass kleine Clubs, wie die Rampe, immer wieder das Risiko eingehen, hier noch nicht bekannten Musikern die Chance zu ermöglichen, sich hier zu präsentieren. Ohne solche Locations würde es viele heute berühmte Bands nicht geben. Deshalb an dieser Stelle noch einmal der Appell, insbesondere Clubs dieser Art zu besuchen, die für handgemachte Livemusik stehen!

Line-up:
Matt Cooper (lead vocals)
Benny James (electric guitar, vocals)
Craig Fryers (bass, vocals)
Peter Hayden (drums, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

El Colosso
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

The Gäs – 09.06.2018, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Guten Hard Rock alter Schule gab’s am Samstag Abend in der Krefelder Kulturrampe. Das Kölner Quintett „The Gas“ gaben dort zum ersten Mal ihr Stelldichein und hatten als Support die junge Band Another State Of Mind mitgebracht. Gegen 21 Uhr betraten die jugendlichen Burschen aus Krefeld die Bühne und versuchten mit ihrem Punk/Death Metal-Gemisch, dem Publikum in der leider nicht annähernd ausverkauften Kulturrampe einzuheizen.

So richtig sprang der Funke sprang dann aber erst nach einer kurzen Umbauphase über, als die Truppe aus der Domstadt mit ihrem ersten Song loslegte. Im Laufe des Abends spielten sie dann sämtliche Songs aus ihrem aktuellen und ersten Album „Savage“. Ihr druckvoller Hardrock und kommunikative Performance begeisterte die Zuhörer von Anfang an, bis The Gäs sich dann gegen 23 Uhr mit einer Zugabe vom Publikum verabschiedete.

The Gäs sind der charismatische und extrovertierte Sänger Pedro Cardoso, der sich fast bis zur Dehydration verausgabende Jakob Timmermann an der E-Gitarre (ein Vollblutmusiker, der übrigens auch in der AC/DC-Tribute Band Ballbreakers den Angus Young gibt), der punkige Michael Krol und Mike Schneider beide ebenfalls an der E-Gitarre und Bass, sowie Sina Doering am Schlagzeug (sie ist in der letzten Zeit durch verschiedene Musikprojekte auf Youtube bekannt geworden, so z. B. Led Zeppelins genial gecovertes „Black Dog“.

Nach dem Konzert habe ich Sina auf den doch etwas ungewöhnlichen Namen der Band angesprochen. Er ist weder kölschen Ursprunges, noch hat er einen anderen tieferen Sinn, ein reines Phantasieprodukt also, ohne weitere Bedeutung.

Bedeutunglos ist die energiegeladene Musik der Truppe jedenfalls nicht und für Liebhaber des schnörkellosen Hardrock ist die sympathische Band eine klare Empfehlung. Gerne sehen wir sie in der Kulturrampe wieder.

Dank an Pille Peerlings für die wie gewohnt problemlose Fotoerlaubnis in der Kulturrampe.

Line-up:
Pedro Cardoso (lead vocals)
Jakob Timmermann (electric guitar)
Michael Krol (electric guitar, bass)
Mike Schneider (bass, electric guitar)
Sina Doering (drums, percussion)

Text und Bilder: Jörg Schneider

The Gäs
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