Super Vintage – Shining Light – CD-Review

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Review: Michael Segets

Vor zwei Jahren legte Super Vintage mit „Destiny“ eine ordentliche Hard-Rock-Scheibe vor. Nun meldet sich die griechische Band mit „Shining Light“ zurück. Das neue Album macht einen gewaltigen Schritt vorwärts in Richtung Southern Rock.

Während der Einstieg in die CD mit den Gitarrenläufe bei „Down The Road“ oder der Gesangstil bei „Birds On A Wire“ noch deutlich zeigt, aus welcher musikalischen Ecke die Griechen kommen, nimmt das Werk anschließend eine Wendung zum Southern. Vor allem die Intros sind schön staubig und versetzen atmosphärisch in den amerikanischen Süden. Erstklassig ist dahingehend „Southern Son“, das zudem einen eingängigen Refrain bietet.

Die mehrstimmigen Gesangspassagen bei „Take A Ride“ und dem langsameren „Too Long“ zeugen ebenfalls von der neuen Ausrichtung von Super Vintage. Letztgenannter Song wird ebenso wie der starke Titeltrack „Shining Light“ von einer akustischen Gitarre getragen. Eine Art Desert Blues Rock spielt Super Vintage bei „Keep It Up“ und bei „Bourbon Man“. Dabei liegt die Betonung beim ersten Song auf Rock und beim zweiten auf Blues. Dazwischen streut das Quartett nochmal eine Nummer der härteren Gangart ein („Lone Star Rider“).

Zum Ende des Longplayers gibt es schließlich Southern Rock, der den amerikanischen Vorgängern dieses Genres ebenbürtig ist. Mit „Sweet Rockin‘ Mama“ frönt Super Vintage einer kräftigeren Spielart und mit der abschließenden Ballade „Brothers“ findet sich ein ruhigerer Beitrag auf der Scheibe.

Ihre Stärken, zu denen vor allem die atmosphärischen Intros zählen, baut Super Vintage weiter aus. Mit wenigen Ausnahmen enden die Stücke durch ein allmähliches Fade Out, was nicht so elegant wirkt. In den Details bestehen daher noch Optimierungsmöglichkeiten.

Bandleader Stavros Papadopoulos hat zurzeit eine äußerst produktive Phase. Neben seinem diesjährigen Solodebüt „Spirits On The Rise“ lotet er mit seiner Band Super Vintage neue musikalischen Regionen aus. Die Affinität zum Hard Rock scheint zwar auch auf „Shining Light“ durch, aber der erdigere Sound stellt einen Fortschritt gegenüber dem vorangegangenem Werk dar. Die Truppe gewinnt durch die Hinwendung zum Roots Rock an Profil.

„Shining Light“ ist eine der positiven Überraschungen 2020. Bei der Qualität des Songwritings hat Stavros Papadopoulos nochmal eine Schippe draufgelegt und so erscheint das Album deutlich abwechslungsreicher als der Vorgänger. Auf dem europäischen Festland widmen sich wenige Bands dem Southern. Wenn Super Vintage die aktuell eingeschlagene Richtung beibehält, kann sich das Quartett zu einem Referenzpunkt in Sachen Southern Rock auf dem alten Kontinent entwickeln.

Grooveyard Records (2020)
Stil: Hard Rock/Southern Rock

Tracks:
01. Down The Road
02. Birds On A Wire
03. Southern Son
04. Take A Ride
05. Shining Light
06. Too Long
07. Keep It Up
08. Lone Star Rider
09. Bourbon Man
10. Sweet Rockin‘ Mama
11. Brothers

Super Vintage
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Grooveyard Records

Branford Hwy – Same – EP-Review

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Review: Michael Segets

In letzter Zeit drehten sich für SoS meist Silberlinge in meinem CD-Player, die einem ruhigeren Gesamtkonzept folgten. Obwohl einige sehr gute Alben darunter waren, wurde es Zeit für etwas Abwechslung. Nun tönt mit der Debüt-EP von Brandford Hwy mal wieder Rock aus meinen Lautsprechern. Das Trio gibt auf den sechs Tracks Gas, was zu der Abkürzung Hwy, die wahrscheinlich für Highway steht, durchaus passt.

Die Schulfreunde Dewayne Hart (Lead Vocals, Guitar) und James Menezez (Bass) stammen aus Branford, Florida. Beide begeistern sich für den Rock der 70er beziehungsweise 80er Jahre und das hört man der EP auch an. Hart und Menezez hatten sich seit ihrer Jugend nie aus den Augen verloren, verfolgten aber unterschiedliche Bandprojekte, die hierzulande weitgehend unbekannt sind.

Allerdings waren sie auch mit Größen wie Godsmack, Dokken, L.A. Guns und Molly Hatchet unterwegs. Nun fanden sich die beiden Musiker zusammen, um die lang geplante gemeinsame Band Branford Hwy zu verwirklichen. Als Schlagzeuger komplettiert der Kalifornier Marc Myers die Truppe.

Branford Hwy haben eine Affinität zum Hard Rock, was „Hometown USA“ sowie manche Gitarrensoli zeigen. Diese halten sich jedoch im Rahmen und die Songs bleiben durchweg melodiös. Die Songstrukturen sind nicht übermäßig komplex, aber die braucht es auch nicht, um Spaß zu machen.

Das Erstlingswerk steigt stark ein. „Boots On The Ground” rockt aggressiv los und besticht durch einen eingängigen Refrain. „While The World Spins Around” kombiniert Southern-Flair mit Hard Rock-Elementen, was ziemlich gut funktioniert.

Mit dem folgenden „Fade Away“ gelingt Branford Hwy ebenfalls eine runde Rocknummer. In der zweiten Hälfte der EP fällt „Just In Time“ im Vergleich zu den anderen Stücken etwas ab. Das hymnenhafte „Legends“ lässt zum Abschluss der Scheibe den Classic Rock der 80er Jahre in seiner Reinform aufleben. Der Titel wird Nostalgiker besonders ansprechen.

Branford Hwy gibt einen Vorgeschmack auf den für Mitte des kommenden Jahres angekündigten Longplayer. Die selbstbetitelte EP bietet schmissigen Rock, der sich bei unterschiedlichen Stilrichtungen bedient. Da sich derzeit wenige Bands der Mischung aus Hard Rock und Southern Rock widmen, darf man gespannt sein, wie das Trio diese Lücke zukünftig ausfüllt.

Sandhill Studio Productions LLC (2020)
Stil: Rock

Tracks:
01. Boots On The Ground
02. While The World Spins Around
03. Fade Away
04. Hometown USA
05. Just In Time
06. Legends

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Two Side Moon Promotion

Blackwater Conspiracy – Two Tails & The Dirty Truth of Love & Revolution – CD-Review

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Nordiren in Sounds Of South! Was zunächst vielleicht paradox klingt, erhält seine Legitimation nicht nur beim Betrachten des Coverbildes ihres neuen Werks mit dem klangvollen Titel „Two Tails & The Dirty Truth of Love & Revolution“, das man auch auf jeder Country- und Southern-Scheibe platzieren könnte. Spätestens nach dem Hören wird man feststellen, dass sich die Briten, auch wenn sie maßgeblich vom Stil her, eher den Poser-Rockbands der 80er/90er-Jahre nahe stehen, zumindest manchen Interpreten unseres geliebten Genres durchaus verbunden fühlen.

Nach ihrem ebenfalls gelungenen Debüt „Shootin‘ The Breeze“ von 2017 knüpfen die Herren Phil Conalane (lead vocals, rhythm guitar), Brian Mallon (lead guitar, vocals), Kevin Brennan (Keys, vocals), Kie McMurray (bass, vocals) und Fionn O’Hagain (drums, percussion) jetzt nahtlos mit dem Zweitwerk an das zuvor Geleistete an.

Mit Sänger Phil Conalane, der vokal wie eine Mischung aus Bon Scott, Spike und Tom Keifer klingt, hat der Fünfer dabei ein echtes Ass im Ärmel. Gitarrist Brian Mallon lässt viele quirlige Soli ab und gibt manchem Song auch einen dezenten Southern-Teint (z. B. das hymnische Intro bei „All Wired Wrong“ oder seine Slide-Wischer bei „Take It On The Chin“) in Richtung der Black Crowes, Dan Baird oder Kid Rock.

Als Nordire ist man wahrscheinlich schon genetisch auf Krawall gebürstet, somit sind die meisten Tracks auch flott abgehende Rocker. Für eine gewisse Entschleunigung sorgt dann immer wieder der sehr variable Keyboarder Kevin Brennan, eine Art ruhender Pol im Kollektiv, wenn er das Honkytonkklimpern mal außen vor lässt.

Den Blick strikt nach vorne gerichtet, findet die CD auch mit dem Opener „Goodbye to Yesterday“, … „say hello to tomorrow“ (heißt es weiter), dann mit ordentlich Wums in die Spur. „Soul Revolutionaries“, „Just Like A Silhouette“, Tattooed & Blonde“, „Take It On The Chin“ oder das finale „Atlanta Smile“ sind weitere knackige Rocksongs mit hohem Spaßfaktor und bleiben dabei trotzdem immer sehr melodiebetont.

Ein paar schöne Balladen wie “ All Wired Wrong“, „In Another Lifetime“ oder „She Gets Me High“ mit teils hymnischen Ansätzen sind natürlich ebenfalls vertreten.

Wer Platten wie die Debüts der Quireboys „A Bit Of What You Fancy“, Georgia Satellites und der Black Crowes „Shake Your Moneymaker“, „Born Free“ von Kid Rock, AC/DCs „Highway To Hell“ oder Cinderellas „Long Cold Winter“ und „Still Climbing“ u. a. in seiner Sammlung hat, der wird auch an „Two Tails & The Dirty Truth of Love & Revolution“ seine helle Freunde haben.

Übrigens ist das Quintett schon mit einigen, uns sehr gut bekannten Acts wie Kris Barras, Joanne Shaw Taylor oder Tyler Bryant & The Shakedown zusammen aufgetreten, es wäre sicherlich wünschenswert, diese Band, wenn die Normalität hoffentlich mal wieder eingekehrt ist, dann auch mal bei uns begrüßen zu dürfen. Wir sagen von daher vorfreudig in Sachen Blackwater Conspiracy „hello tomorrow…“!

Bulletproof 20/20 Records (2020)
Stil: Rock

01. Goodbye to Yesterday
02. All Wired Wrong
03. Soul Revolutionaries
04. Tattooed & Blonde
05. In Another Lifetime
06. Take It On The Chin
07. The Healing (You & I)
08. Bird In A Coalmine
09. Just Like a Silhouette
10. She Gets Me High
11. Atlanta Smile

Blackwater Conspiracy
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Deep Purple – Deep South – Woodland Drive – Live At Jimmy Carter’s Farmhouse – CD-Review und Gewinnspiel

Wer kennt sie nicht, die Zeilen aus „Sweet Home Alabama“, in denen Ronnie Van Zant verächtlich singt: „In Birmingham they love the governor, boo boo boo!“.

Gemeint war kein anderer als der damals amtierende Gouverneur von Alabama, Wallace, der zum erzkonservativen Flügel der Demokraten zählte und als großer Verfechter der Rassenpolitik galt. Er bewarb sich im Verlauf seiner Karriere gleich viermal um das Mandat als Präsidentschaftskandidat seiner Partei.

1976 traf er dabei im innerparteilichen Wahlkampf auf Jimmy Carter, den damaligen Gouverneur von Georgia. Zu dieser Zeit war es Gang und Gäbe, dass die Kandidaten auf ihren Landsitzen große Parties für die wichtigen Persönlichkeiten in ihrem Lager und darüber hinaus abhielten.

Zu den Gepflogenheiten zählte dabei, sich angesagte Rock- und Popbands, oder  Solo-Künstler, als begleitende Livemusiker einzuladen. So traten bei Wallace Acts wie u. a. die Charlie Daniels Band oder Ted Nugent bei den imposanten Festen auf.

Da wollte natürlich auch Jimmy Carter nicht klein beigeben, und hatte auf seiner Farm in Plains namhafte Bands wie u. a. Lynyrd Skynyrd, die Allman Brothers oder die Eagles als illustre Stimmungsmacher.

Ein Novum war dabei, dass Carter eine britische Band zu sich nach Hause einlud, und zwar die Hardrocker von Deep Purple, die sich nach großen Jahren (mittlerweile in der Mark IV-Besetzung mit David Coverdale, Tommy Bolin, Jon Lord, Glenn Hughes und Ian Paice zugange), allerdings im Krisenmodus befand und sich kurze Zeit später, wenn auch nur temporär, aber immerhin für fast acht Jahre, auflöste.

Von diesem Fest sind jetzt Aufnahmen aus dem Archiv der Carter-Familie frei gegeben worden. Auch wenn sich der daraus resultierende Tonträger „Deep South – Woodland Drive – Live At Jimmy Carter’s Farmhouse“ klangtechnisch für heutige Verhältnisse auf Bootleg-Niveau bewegt, ist er doch als außergewöhnliches Zeitdokument und seiner Authentizität wegen (man hört z. B. teilweise während der Liedpausen Kron- bzw. Champagnerkorken knallen, gut vernehmbare Gesprächsschnipsel bei den Liedpausen, lautes Grillenzirpen, etc.), als äußerst wertvoll einzustufen.

Hinzukommen die diversen reizvollen Konstellationen, die durch spontane Mitwirkung in der Setliste von Musikern wie u. a. Ronnie Van Zant, Gregg Allman, Allen Collins, Ed King, Gary Rossington, Bob Seger, Neil Young oder Eric Clapton entstanden, die sich allesamt unter der prominenten Gästeschaft befanden.

Allein schon die zahlreichen, bisher unveröffentlichten Fotos von Helmut Newton (ebenfalls an diesem Abend zugegen) im 16-seitigen Schwarz-Weiß-Begleitbooklet sind den Erwerb dieser wunderbar gestalteten Doppel-CD wert.

Den Siedepunkt erreichte die Party natürlich, als die Briten oben besagten Skynyrd-Klassiker spielten und sowohl Van Zant als auch Neil Young (der ja in diesem Song ebenfalls sein Fett weg bekommt) im Schulterschluss zusammen auf die Bühne schritten, um die o. a. Zeilen der dritten Strophe gemeinsam zu intonieren. Aber auch beim Jam am Ende („Jam For Jimmy“), wo sich alle Genannten zusammenfanden (selbst Carter rasselte da mit dem Tambourine), gab es natürlich kein Halten mehr.

Konzentriert wurde sich neben den Hits wie „Child In Time“ (Lead vocals Bob Seger), „Highway Star“ (Lead vocals Eric Clapton) und „Smoke On The Water“ (Lead vocals Gregg Allman) aber im Wesentlichen auf die letzten beiden Alben dieser Ära, „Stormbringer“ und „Come Taste The Band“.

Carter verschaffte nicht zuletzt dieses öffentlichkeitswirksame Event enormen Rückenwind, sodass Wallace noch im gleichen Jahr seine Bewerbung zurückzog (es hieß aus gesundheitlichen Gründen), nachdem er mehrere Vorwahlen in den Südstaaten gegen Carter verloren hatte.

Jimmy Carter setzte sich dann 1976 knapp gegen den Republikaner Gerald Ford durch und wurde neuer 39. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Er wurde aber nach nur einer Amtszeit von Ronald Reagan abgelöst.

“Deep South – Woodland Drive – Live At Jimmy Carter’s Farmhouse“ von Deep Purple wird in einer limitierten Stückzahl von 5.000 Exemplaren ab Anfang April käuflich zu erwerben sein. Uns ist es vorab dank guter Beziehungen gelungen, fünf Exemplare zu ergattern, drei davon möchten wir unserer treuen Leserschaft zugänglich machen.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

Wie hieß der angesprochene Gouverneur von Alabama mit ganzem Namen?

a) Henry A. Wallace
b) Edgar Wallace
c) George C. Wallace

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 01.04.2020 (vor 24:00 Uhr) an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern eine/n Gewinner/in aus, der/die dann umgehend benachrichtigt und mit der CD beliefert wird.

Woodland Records (1976/2020)
Stil: Hard Rock

CD 1:
01. You Keep On Moving
02. Stormbringer
03. I Need Love
04. Love Don’t Mean A Thing
05. Holy Man
06. Dealer
07. Hold On
08. Lady Double Dealer
09. You Can’t Do It Right
10. High Ball Shooter
11. The Gypsy
12. Drifter

CD 2:
01. Soldier Of Fortune
02. Comin‘ Home
03. Lady Luck
04. Highway Star
05. Love Child
06. Smoke On The Water
07. Sweet Home Alabama
08. Child In Time
09. Jam For Jimmy

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D-A-D – Support: Hangarvain, 12.12.2019 , Zeche, Bochum – Konzertbericht

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Mit „Guten Abend meine Damen und Herren“, begrüßte Jesper Binzer im Rahmen der D-A-D-„A Tour For The Loud“ Tour das Publikum in der Bochumer Zeche. Im Gepäck hatten die Dänen neben der neuen Platte auch die italienische Band Hangarvain.

Nachdem im Vorfeld das Konzert als ausverkauft gemeldet wurde, kam einige Stunden vor Beginn über soziale Medien die Meldung, dass es doch noch einige Restkarten an der Abendkasse geben würde. Sei es drum, pünktlich um 20:00 Uhr betraten die vier Italiener von Hangarvain die bestens gefüllte Zeche Bochum.

Das oft beschriebene Nord-Süd-Gefälle Italiens war bei der Band, deren Heimatort mit Neapel angegeben ist, woher Sänger Segio Toledo Mosca und Gitarrist Alessandro Liccardo stammen (die Rhythmussektion um Bassist Gabo Sinatra und Drummer Simone Crimi kommtaus den Norden), nicht zu erkennen.

Sie präsentierten in den etwa 35 Minuten ihres Auftritts eine Mischung aus Hard- und Classic Rock, in denen auch einige Southernelemente durchklangen. Sänger Sergio überzeugte stimmlich und als Fronter und hatte einen für ihn besonderen Moment, als er mit „Father’s Sgoes“ einen Song seinem Vater widmete, seinen Kettenanhänger küsste und Richtung Himmel grüßte. Gitarrist Alessandro sagte die meisten Lieder an, legte einige starke Soli auf die Bretter und steuerte zum Teil den Backgroundgesang hinzu.

Bassist Gabo Sinatra und Drummer Simone Crimi legten eine kraftvolle Rhytmusgrundlage für die beiden Fronter hin. Dass die Band auch beim Publikum gut ankam zeigte sich, als dies bei „Freebird“ gesanglich im Refrain unterstützte, was auch beim Cover von „Black Betty“ der Fall war. Es gelang den Jungs auf jedem Fall, mit ihrem launigen Auftritt, die Wartezeit auf D-A-D zu verkürzen.

Line-up Hangarvain:
Sergio Toledo Mosca- lead vocals
Alessandro Liccardo- guitar and backing vocals
Gabo Sinatra – Bass
Simone Crimi – Drums

Nach einer moderaten Umbaupause dunkelte sich dann die Halle ab und es war nur noch das Touremblem angestrahlt, als die vier Dänen dann die Bühne betraten, um mit „Burning Star“, „Evil Twin“ und „Jihad“ direkt drei Hard Rock-Tracks zu präsentieren, die das Publikum sofort auf Betriebstemperatur brachte.

Dass dabei Stücke vom neuen Album, aus der Jahrtausendwende und der Anfangszeit der Band gewählt wurden, zeigt ein Selbstverständnis der Band, die sich immer weiterentwickelt hat, ohne sich aktuellen Tendenzen unterzuordnen. Jesper Binzer ist dabei nicht nur ein ausgezeichneter Rocksänger und Gitarrist, sondern auch ein exzellenter Entertainer.

Das leichte Kopfschütteln aus den ersten Reihen konterte er damit, dass er seine Pillen vergessen habe und ja erst der kleine Freitag sei. In einer kurzen meditativen Übung brachte er die Zuschauer dann durch Selbstsuggestion dazu zu glauben, dass Freitag sei. Positives Denken ist ja immer gut, aber alleine der launige Gig der Dänen, ließ alles abseits des Konzertes vergessen, wie zum Beispiel das für die meisten Besucher frühe Aufstehen am nächsten Tag.

Weiter ging es mit einer Mischung neuer und alter Lieder, die Dänen offerierten den Fans nahezu die Hälfte des aktuellen Albums „A Prayer For The Loud“, wie den Titelsong und „Nothing Ever Changes“, was, wie schon zuvor beschrieben, als Statement zur eigenen Bandgeschichte gesehen werden kann. Mittig im Konzert erfolgte dann einer der absoluten Höhepunkte, eine starke Version von „Grow Or Pay“.

Jacob Binzer mit tollen Soloeinlagen im Song, Jesper stimmlich wie zu den Aufnahmezeiten des Stückes Anfang der 90er Jahre, Laust Sonne seine Drums wild bearbeitend und Stig Pedersen seinen x-ten Bass beackernd und dabei die gesamte Bühne, bis hin zur Bassdrum als Arbeitsfläche nutzend, verwandelten die Halle in einen Hexenkessel.

Bei „Riding With Sue“, einem Stück mit Countyeinschlag, intonierte Jacob passend in das Intro die Melodie von „Ghostriders In The Sky“. Mit einer harten Version von „Monster Philosophy“ wurde dann das Finale der Show eingeläutet, wo Laust Sonne sich in einem Schlagzeugsolo austoben konnte, und Jesper die Audienz immer wieder aufforderte, diesen anzufeuern, was auch frenetisch in die Tat umgesetzt wurde.

Kurz danach war erst einmal Feierabend, aber die Dänen ließen sich nicht lange bitten und legten noch vier Zugaben nach. Die beiden Knaller „Bad Craziness“ und „Sleeping My Day Away“ sorgten sprichwörtlich fast dafür, dass wie bei einem überkochenden Topf der Deckel weg fliegt. Stig Pedersen war passend zu den Songs auf den Raketenbass umgestiegen. Nach diesen zwei Stücken wurde es düsterer auf der Bühne, und die Mannen verließen diese.

Das konnte es doch nicht gewesen sein. Irgendetwas fehlte noch und die beiden Binzers kamen allein mit Akustikgitarren zurück. Jesper erinnerte noch einmal daran, dass ja heute Freitag wäre, Jacob klimperte dazu ein bisschen flamencoartig auf seiner Gitarre, bis Jesper kurz in seinem typischen Deutsch mit dänischen Slang zwei Brüder, zwei akustische Gitarren und „Laugh ’n‘ A Half“ als Weihnachtsgeschenk ankündigte.

Was folgte waren magische Momente, in denen eine unglaubliche Stimmung auch dadurch hergestellt wurde, dass das textsichere Publikum Jesper gewaltig mitsang.

Danach kamen stießen auch Petersen und Sonne wieder dazu und das Konzert wurde, wie es sich für D-A-D gehört, gebührlich beendet. Stig gehörte zunächst der Leadgesang und mit „It’s After Dark“ wurde der klassische Raußschmeißer gespielt. Nach etwa 100 Minuten Danish Dynamite war dann der Abend zu Ende und spätestens jetzt auf dem Heimweg wird den meisten Besuchern erst klar geworden zu sein, dass dieser Freitag doch ein Donnerstag war.

D-A-D gehören noch lange nicht zum alten Eisen gehören und man darf gespannt sein was als nächstes kommt. Auch bei dieser Gig der Dänen machte deutlich, dass sie sich in Bezug auf Liveperformance, hinter niemanden zu verstecken brauchen und die Abende mit ihnen eine einzige große Feier sind.

Ein Dank an Jörg Düsedau und Jan Müller von DRAGON Productions und für die absolut unproblematische Akkreditierung mit Fotoerlaubnis für diesen tollen Abend in der Vorweihnachtszeit.

Line-up D-A-D:
Jesper Binzer – Vocals, Guitar
Stig Pedersen – Bass, Vocals
Jacob Binzer – Guitar
Laust Sonne – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

D-A-D
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Zeche Bochum
DRAGON Productions

Laura Cox – Burning Bright – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Nach dem 2017 erschienenen „Hard Blues Shot“ gibt es jetzt das zweite Album der jungen Französin. „Burning Bright “ ist schwer in ein bestimmtes Genre zu kategorisieren, da sie mit ihrer Band mehrere Musikstile im neuen Material aufgreift. Was aber klar zu erkennen ist, dass sie ohne große Schnörkel in der Rockmusik der alten Hard Rock-Bands ihre stilistischen Mittel findet.

Im Songwriting findet sie dabei die Unterstützung ihres Gitarristen Mathieu Albiac, der spieltechnisch auch auf Konzerten in den letzten Jahren eben in der beschriebenen Sparte von Musikern zuzuordnen ist.

Wie schon auf der Tour erlebt, als Cox und Band weitaus härter zu Werke gingen, als vor etwa zwei Jahren, macht mit „Fire Fire“ ein stampfender Hard Rocksong den Auftakt, der bei Deep Purple-Fans, gemeint sind die aus den Anfangszeiten, mit Sicherheit für Entzücken sorgen wird. Ähnlich rockend geht es mit „Bad Luck Blues“ weiter.

Mit „Last Breakdown“ und „Looking Upside Down“ nehmen die Franzosen den Fuß vom Gaspedal und landen im Mainstream. Dass Laura Cox auch ein Herz für den Southern Rock hat (in Rheinberg spielte sie beispielsweise ja auch „Simple Man“), offeriert sie hier auch gesanglich im balladesken „Just Another Game“, wobei die Gitarren-Soloparts, z. T. slidend, nicht so ausufernd, sondern dezenter daherkommen, als bei manchen Southern-Vertretern.

„Here’s To War“ ist wieder ähnlich dem Stil der Rockladys in den 90er Jahren und mit „Freaking Out Loud“ lässt die Französin, wie es der Titel verspricht, wieder ordentlich krachen, was in „As I Am“ seine Fortsetzung findet.

Etwas ruhiger wird es mit den Südstaaten-umhauchten „River“, dem es vielleicht gut getan hätte, wenn sie und Albiac die Zügel von ihren Gitarren genommen hätten und, wie live in ihren Songs erlebt, ein Gitarrengewitter abgebrannt hätten.

Den Abschluss macht passend für das Album das balladeske „Letters To The Otherside“. Insgesamt ist Laura Cox mit Band ein ansprechendes Album gelungen, das sich gut durchhören lässt, aber innerhalb des Songmaterials sowohl klassische Härte aber auch Mainstream aufweist, wobei Mainstream nicht schlecht sei muss.

Wenn man im Nachgang das neue Album und das letzte Konzert, in dem Sie schon neues Material spielte, vergleicht, zeigt sich, dass Laura Cox mit ihren jetztigen Mitstreitern eher Livemusiker sind, wo dem Studiomaterial im Konzert noch etwas Würze beigegeben wird und der Mainstream aus den Songs geschossen wird.

Line Up:
Laura Cox – Vocals, Guitar, Lap Steel, Banjo
Mathieu Albiac – Guitar
Francois C. Delacoudre – Bass
Antonin Guerin – Drums

Earmusic (Edel) (2019)
Stil: Rock

Tracklist:
01. Fire Fire
02. Bad Luck Blues
03. Last Breakdown
04. Looking Upside Down
05. Just Another Game
06. Here’s To War
07. Freaking Out Loud
08. As I Am
09. River
10. Letters To The Otherside

Laura Cox Band
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Corky Laing’s Mountain – 03.10.2019 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Schon beim Betreten des Konzertsaals im Piano fiel das direkt am Bühnenrand stehende Schlagzeug auf. Dies war aber auch nicht verwunderlich, da Drummer Corky Laing als letztes Gründungsmitglied des kanadischen Powertrios, das Vermächtnis der Band weiterleben lässt.

Schon zu Beginn zeigte sich, dass Corky nichts von seiner Dynamik verloren hat und er legte mit seinen beiden Mitstreitern direkt los wie die Feuerwehr. Beim Gesang wechselte er sich mit Basser Mark Mikel ab, während Gitarrist Richi Scarlett mit einer Klasse Hardrock-Gitarre glänzte.

Neben dem Musikalischen könnte Corky Laing auch als Entertainer glänzen. Zwischen den Songs erzählte er immer wieder Anekdoten dazu. In einer der ersten Ansagen kündigte Laing an, dass er das Publikum auf eine Zeitreise in die Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts mitnehmen wolle.

Mit „Travelin‘ In The Dark“ und „Theme From An Imaginery Western“ wurden direkt zwei Klassiker präsentiert und nach „Don’t Look Around“, erzählte Corky etwas über Mississippi und die Entstehung eines Songs mit der einläutenden Kuhglocke, um eine hart rockende Version von „Mississippi Queen“ nachzulegen, in der Scarlet mit einem rauen Gitarrenspiel begeistern konnte. Mit „Never In My Life“ blieben Mountain weiter auf dem Gaspedal.

Nachdenklich war die Geschichte, die Laing zu „Nantucket Sleighride“ erzählte. In einer Metapher verglich er das Schicksal von Walfängern, die den dicksten Fisch fangen wollten, aber letztendlich der See Tribut zollen mussten, mit dem Musikbusiness, wo nach Künstler, die hoch hinaus wollten, nie wieder kamen.

Mit einem Schmunzeln erwähnte er, dass es ihm nicht so ergangen ist, er sei ja heute noch hier. Diesen musikalischen Höhepunkt leitete stilgemäß Mikel mit einem Keyboard-Intro ein.

Danach verließen seine Mitstreiter die Bühne, Laing philosophierte weiter über Musiker und legte dann eine Coverversion von Dylans „Like A Rolling Stone“ hin. Teils schreiend, begleitete er sich selbst dabei nur am Schlagzeug. Danach kamen seine Begleiter wieder zurück und beendeten mit „For Yasgur’s Farm“ und „Sittin‘ On A Rainbow“ zunächst das Konzert.

Die leider für den Auftritt zu wenigen Besucher forderten allerdings lautstark Zugaben und die drei Recken ließen es sich nicht nehmen, mit dem Ten Years After-Klassiker „Going Home“ den passenden Rausschmeißer nachzulegen. Seinen Bezug zu dem Song und auch zu Woodstock erklärte Corky zuvor dem andächtig lauschenden Publikum.

90 Minuten Hard Rock aus den Siebzigern waren wie im Fluge vergangen und es war zu erkennen, dass Mountain ein zufriedenes Publikum zurück ließ. Nach der Show nahmen sich alle drei Musiker noch Zeit für einen Plausch mit dem Fans am Merchandising-Stand.

Ein Dank an Jenny und Thomas, sowie Onstage Promotions, dass sie den Zuschauern mit dieser Band noch einmal einen Blick auf die Musik aus der Woodstock-Zeit gewährleistet haben.

Line Up:
Corky Laing – Drums & vocals
Mark Mikel – Bass, keyboards, & vocals
Richi Scarlet – Guitars

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Corky Laing’s Mountain
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Musiktheater Piano
Onstage Promtion

Laura Cox Band – 21.09.2019, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Dass Ernst Barten, der ja gerade das siebzigste Lebensjahr vollzogen hat, zumindest was seine unternehmerische Verantwortung für den Schwarzen Adler betrifft, am Ende dieses Jahres in den wohl verdienten Ruhestand gehen wird, ist ja in der hiesigen Presse und auch durch uns ausgiebig thematisiert worden.

Demnach dürfte allseits bekannt sein, dass genossenschaftliche Bemühungen im Gange sind, den Adler, zweifellos über viele Dekaden einer der großen kulturellen Instanzen der Stadt Rheinberg und Umgebung, im Sinne seines langjährigen Besitzers weiterzuführen. Wer sich finanziell, ideenmäßig oder auch tatkräftig einbringen möchte und dies noch nicht getan hat, kann sch über den Link am Ende des Artikels genauer informieren.

Zwei gute Nachrichten gibt es im Rahmen des Laura Cox Band-Gigs für die potentiellen Genossenschaftler zu vermerken. Zum einen konnte die bauliche Substanz des historischen Gebäudes der ungemeinen Dezibel-Schallwellenwucht des französischen Hard Rock-Quartetts, in seinen Grundfesten nicht im Ansatz erschüttert werden, zum anderen scheint das Konzept, auch jüngere und eigenständig kreative Bands ergänzend zum bewährten Blues-Kerngeschäft einzubeziehen, durchaus überlegenswert zu sein. Der Adler war an diesem Abend für das Debüt eine Newcomer-Band aus einem Adler-untypischen Genre sehr gut besucht.

Die durch ihre Youtube-Clips einer breiteren Fanbasis bekannte Laura Cox und ihre Mitstreiter Mathieu Albiac (electric guitar, vocals), François C. Delacoudre (bass, vocals) und Antonin Guérin (drums) ließen vom zünftigen Opener „Hard Blues Shot“ an, keine Kompromisse gelten, es wurde brachial in harter Manier, aber durchaus auch mit Melodien im Blick, kräftig abgerockt.

Im Mittelpunkt stand hierbei natürlich das filigrane Gitarrenspiel, das die Bandleaderin auf unterschiedlichen Modellen (überwiegend Gison Les Paul und sporadisch Gibson-Firebird, Fender Telecaster, einmal mit Banjo bei „Barefoot In The Countryside“) ausgiebig präsentierte. Aber auch ihr Co-Gitarrist Mathieu Albiac trug mit sattem Rhythmuspiel und einigen Solo-Einlagen zum fetten Sound des Vierers bei.

Neben vereinzelten Covernummern („Foxy Lady“ von Hendrix, mit typisch psychedelischen Wah-Wah-Spiel und Skynyrds „Simple Man“ in einer Power-Version im Anschluss an meinen Favoriten des Abends „Good Ol Days“) gab es auch schon einen Ausblick auf das am 08.11.2019 erscheinende, neue Album „Burning Bright“, das uns bereits vorliegt und zu gegebener Zeit, kurz vor VÖ, besprochen werden wird.

Als Appetitanreger gab es hier aus dem Fundus straight rockende Stücke wie „Bad Luck Blues“, „Here’s To War“, „River“, „As I Am“ und „Fire Fire“. Bei letztgenanntem hatte man angesichts der lautstarken „Fire, Fire“-Rufe in einer von Cox initierten Interaktion des klasse mitgehenden Adler-Publikums kurzzeitig Befürchtungen, dass die heimischen Gessmänner samt ihrer Feuerwehr-Brigaden ausrücken könnten…

Den Unterschied zum Gig des Vorjahres, den wir in Köln besucht hatten, machte diesmal der Bassist François C. Delacoudre aus, der mich mit seinem wüsten Spiel an den Kollegen Barend Courbois erinnerte. Der machte ordentlich Dampf, was nicht zuletzt bei seinem Solo, als er seinen Viersaiter teilweise wie eine Leadgitarre behandelte (sogar kurz hinter dem Kopf spielend), überaus eindrucksvoll untermauert wurde. Dabei ergänzte er sich hervorragend mit dem fett polternden Drummer Antonin Guérin (der auch mit einer schönen Trommel-Solo-Einlage im Anschluss an Delacoudre).

Und so hieß es am Ende bei der letzten Zugabe dann auch passend „If You Wanna Get Loud Come To The Show“. Die anwesenden Adler-Besucher, die ihr Kommen sicherlich nicht bereut hatten, werden einem erneuten Besuch der Laura Cox Band (die würde jedenfalls gerne wieder im Adler spielen) positiv gesonnen sein, dann schon hoffentlich unter starker und kompetenter genossenschaftlicher Führung und gerne auch mit etwas mehr jüngeren Besuchern.

Line-up:
Laura Cox (lead vocals, guitars)
Mathieu Albiac (electric guitar, vocals)
François C. Delacoudre (bass, vocals)
Antonin Guérin (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Laura Cox Band
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Schwarzer Adler
Genossenschaftsinitiative Adler Erhalten

UFO, 30.07.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche, wenn UFO ins Musiktheater Piano nach Dortmund kommt, ist die Hütte voll. An diesem Abend natürlich erst recht, wo sich das britische Hard Rock Urgestein, live wohl zum letzten Mal seinen Fans präsentierte.

Wie es der Titel der Tour ‚Last Orders‘ schon andeutet, war Abschied nehmen angesagt. Für mich persönlich hieß es in Sachen UFO ‚aller guten Dinge sind drei‘, jedes Mal war das Piano der Gastgeber. Mit der berühmten akademischen Viertelstunde Verspätung betraten dann Moog, Moore & Co. nach dem Glockenschlag durch ihren Tourmanager, die Bretter des Lütgendortmunder Schuckkästchens und rockten ihr Standardprogramm, das sie u. a. auch in der Kölner Kantine abgeliefert hatten, sukzessive runter.

Mit “Mother Mary “, “We Belong To The Night” und “Run Boy Run” stampften und rockten der sich scheinbar irgendwie nie verändernde Hosenträger tragende Phil Moog und seine Begleiter, geradeaus los. Lead-Gitarrist Vinnie Moore ließ bereits die ersten seiner unzähligen quirligen und hymnischen Soli auf einer Dean Vinman Semi Hollow Metallic White-E-Gitarre vom Stapel.

Bei „Venus“ wurde es zum ersten Mal etwas ruhiger. Sowohl Moore mit Akustik- und E-Gitarreneinsatz, als auch, der als Ersatz für den kürzlich leider verstorbenen Paul Raymond fungierende, Neil Carter, mit E-Gitarren- und Keyboardseinsätzen, mussten bei diesem Lied Multitaskingfähigkeiten an den Tag legen.

Apropos Neil Carter, der füllte seine Doppelrolle deutlich temperamentvoller als Raymond aus, er war wie ein Irrwisch ständig auf der Bühne in Bewegung und hatte auch noch, genau wie der ebenfalls gewohnt agile Bassist Rob de Luca, dezente Harmoniegesangseinsätze.

Die Piano-Lichtanlage hielt dem musikalischen Druck von „Lights Out“ problemlos stand, während bei der Powerballade „Baby Blue“ das Doppelspielchen von Vinnie und Neil, erneut vollzogen wurde, Der langmähnige Lockenkopf hatte hier allerdings zur Abwechslung eine Stratocaster im Anschlag.
Das stimmungsträchtige “Only You Can Rock Me” ließ Anflüge von Wehmut erst garnicht aufkommen, mein Lieblingsstück des Abends „Burn The House Down“ hatte auch keine Evakuierungen, beziehungsweise Feuerwehreinsätze zur Folge.

Ab dem herrlichen „Love To Love“ gab es dann den gewohnt starken Abgang mit Klassikern wie u. a. „Too Hot To Handle“, „Rock Bottom“ und „Doctor Doctor“, den Phil Moog (trotz seines fortgeschrittenen Alters, stimmlich immer noch in bester Verfassung), der zwischenzeitlich die Träger seiner Hose runtergelassen hatte, locker und gewohnt humorvoll absolvierte.

„U-F-O, U-F-O“ skandierte das Publikum lauthals, als es nach dem schallenden Schluss (Trommelwirbel von Andy Parker) von „Shoot, Shoot“ realisiert hatte, dass eine bravuröse Hard Rock-Ära zumindest live an diesem Abend zu Ende gegangen war. Phil Moog und seine Mannen kamen dann auch nicht mehr auf die Bühne zurück. Ein kurzes, schmerzloses und doch irgendwie stimmungsvolles Finale, bei dem man gerne nochmals zugegen war. Die letzte UFO-Runde in Dortmund war somit Geschichte.

Vielen Dank wie immer an Jenny Dore für die unkomplizierte und nette Kooperation.

Line-up:
Phil Mogg (lead vocals)
Vinnie Moore (electric and acoustic guitars)
Rob de Luca (bass, vocals)
Andy Parker (drums)
Neil Carter (keys, electric guitar, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

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UFO – 20.06.2019, Kantine, Köln – Konzertbericht

UFO_haupt

Im Rahmen der ‚Last Orders‘-Tour kamen UFO an einem frühsommerlichen Abend auch in die Kantine im Kölner Norden. Diese Tour zum 50-jährigen Bandjubiläum, bildet, wie der Name es schon suggeriert, vermutlich den Abschluss einer der erfolgreichsten englischen Hard Rock-Vertreter der ersten Stunden. Somit kam aus diesem Grund eine gewisse Wehmut auf, aber auch, weil Paul Raymond, langjähriger Keyboarder und Gitarrist der Band, kurz nach den ersten Auftritten überraschend verstorben war und zunächst nicht klar war, ob fortgesetzt werden würde.

In einem Statement vor einigen Wochen wurde dann aber mitgeteilt, dass es im Sinne Raymonds, einem absolut sympatischen Musiker und Menschen, weitergeht. An den Keyboards und der Gitarre sprang Neil Carter ein, der schon 1980 -1983 bei UFO spielte.

Kurz nach 20:00 Uhr dunkelte sich die Halle ab und es erklangen die Töne des Alex Harvey-Klassikers „Faith Healer“, um dann das Tourlogo hell anzustrahlen: Ein im Zentrum stilisierter Kronkorken samt Logo, dem Tourtitel und der Zeitspanne des Bestehens. Daneben strahlte ein Spot auf eine Glocke, die auf einem der Verstärker platziert war und diese letzte ‚Bestellung‘ der Fans eingeläutet wurde.

Nachdem das Quintett die Bühne betreten hatte und Moog kurz die Fans begrüßt hatte, ging es direkt hardrockend mit „Mother Mary“ los. Andy Parker an den Drums und Rob de Luca erzeugten einen hämmernden Rhythmus in die Kantine, in der der Sound laut, aber differenziert ausgesteuert war. Moore legte furiose Soli hin und zeigte sich, wie die anderen Mitglieder, bestens gelaunt und spielfreudig.

Unterstützt wurde er zunächst von Neil Carter, der zumeist als Rhythmusgitarrist fungierte, später aber auch starke Keyboardpassagen beisteuerte. Über den mittlerweile 73-jährigen Phil Mogg kann man nur staunen. Drahtig und charismatisch zeigte der Fronter, dass man auch in seinem Alter noch die Töne entsprechend treffen kann und man ihn, obwohl er sich demnächst zurückziehen wird, noch lange nicht zum alten Eisen zählen darf.

Nach dem Klassiker „Mother Mary“, der auch Bestandteil des legendären „Strangers In The Night“-Livealbums war, kamen mit „We Belong To The Night“ vom 82er Album „Mechanix“ und dem relativ neuen „Run Boys Run“ von „A Conspiracy Of Stars“, zwei klassische Nummern, die für die entsprechende Stimmung in der recht gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Kantine sorgten.

Vor dem nächsten Track stellte ein Crew-Mitglied eine Akustikgitarre an einem Ständer auf die linke Seite der Bühne, auf der sich zuvor Moore an seiner elektrischen Gitarre ausgetobt hatte. Es folgte einer der vielen Höhepunkte des Konzertes. Bei lila Licht begann Vinnie das akustische Intro von „Venus“ von „Walk On Water“ aus dem Jahr 1995, später einsetzend mit gefühlvollen Gesangspassagen, um die Ruhe des Songs immer wieder dann mit seiner E-Gitarre infernalisch zu durchbrechen.

Mit „Lights Out“ aus dem Jahr 1977, folgte ein absoluter Kracher, den viele auch wahrscheinlich als Rausschmeißer erwartet hätten. Hämmernde Bassläufe von Rob de Luca und ein Gewitter vom sehr agilen Any Parker legten eine Basis, als gäbe es kein Morgen mehr. Wenn man es so will, gingen nach dem Konzert in der Kölner Kantine, die UFO-Lichter vermutlich auch für immer aus.

Moore und Carter bespielten auf dieser Grundlage im Highspeed ihre Gitarren und zeigten, warum UFO in der damaligen Zeit einer der besten Acts ihrer Sparte waren und auch bis heute geblieben sind. Über die gesanglichen Stärken Moogs, der seine Fähigkeiten bis ins Jetzt transportiert hat, ist eingangs schon alles gesagt worden.

Zwischen den Stücken gab er den gut gelaunten Entertainer und nahm sich auch selbst mal auf die Schippe. Ich erinnere mich, als er vor einem Song etwas verwirrt tat, welcher Song denn folgen sollte und bemerkte, dass er ja zum Glück nur nach unten sauf die Tracklist am Boden schauen müsste. Vielleicht auch eine Anspielung auf sein Alter und dass es besser sei aufzuhören, bevor es peinlich wird.

Mit „Baby Blue“ von „You Are Here“ aus 2004 wurde es wieder ruhiger. Akustische Klänge von Moore, Keyboardwolken Carters, gefühlvoller Gesang und eine zurückhaltende Rhythmussektion zeichneten diesen Song in weiten Teilen aus, wobei er von Gitarrenpassagen mit balladeskem Solo von Moore durchbrochen wurde.

Danach nahm das Konzert aber direkt wieder Fahrt auf. „Only You Can Rock Me“ aus dem Jahr 1978 von „Obsession“, später auch in „Strangers In The Night“ live eingespielt, brachte die Halle zum Kochen.

Mit „Burn Your House Down“ begab sich die Briten auf einen Zeitsprung ins Jahr 2012. Wenn man den Titel des Songs sprichwörtlich nimmt, war die Band schon zu diesem Zeitpunkt auf dem besten Wege die Hütte abzubrennen. Danach ging es bis zum Ende des Gigs in die ganz früheren Phasen der Bandgeschichte.

Mit dem eher langsamen, aber trotzdem rockenden „Cherry“ wurde „Love To Love“ eingeläutet. Ich hatte hier den Eindruck, dass Carter mit seinen Blicken die Decke der Halle durchbrechen wollte, um Richtung Raymonds im Himmel zu schauen, da dieser bei diesem Song früher seine eindrucksvollsten Passagen hatte.

Diese zum Teil träumerisch vorgetragene Ballade entwickelte sich im Laufe des Liedes in eine Härte, die ich zuvor bisher so nicht wahrgenommen hatte. Absolute Spitzenklasse, mit welcher Dynamik die Band ihre Instrumente dabei bearbeitete. um immer wieder beim eigentlichen Grundrhythmus des Songs wieder anzukommen. „Makin‘ Moves“ brachte die Besucher im Highspeed in Bewegung, und wenn es nur das Bewegen des Kopfes war.

Mit dem Klassiker „Too Hot To Handle“, wurde das Ende des Konzertes eingeläutet. Die Band ließ es sich aber nicht nehmen, dem Publikum, das den Auftritt bisher frenetisch gefeiert hatte, noch eine ‚Last Order‘ zu gewähren, die mit einem galaktisch gespielten „Rock Bottom“ begann, wo sich scheinbar nicht endend, ein Gitarrensolo an das nächste reihte und auch Moog seine gut geölte Stimme noch nicht verloren hatte.

Moore bespielte seine Gitarre zum Teil über und hinter dem Kopf, Carter und de Luca trafen sich immer wieder auf der Bühne, um direkt gegenüberstehend, kurze Soli einzuwerfen oder auch zu posen. Auch Parker steuerte kurze Intermezzi bei, während Moog, der zu weiten Teilen ‚arbeitslos’war, mit seinem Mikrfonständer über die Bühne wirbelte. Topfit der ‚Alte Mann‘ des Hard Rocks!

Kein UFO Konzert, ohne dass der Arzt kommt. Schon beim ersten Ton auf der rot ausgeleuchteten Bühne, feierte das Publikum ein stark und hart vorgetragenes „Doctor Doctor“, dem zum Abschluss noch „Shoot Shoot“ folgte. Moore hatte sich zu diesem Song einen Cowboyhut auf seine wallende Mähne gesetzt und es folgte ein kräftig gespielter Rausschmeißer, in dem er zum Teil Soli spielte, die im Ansatz an klassische Sachen des Southern-Szene, Richtung Allman Brothers, erinnerten.

Nach etwa 100 Minuten war dann der letzte Song gereicht und die Halle begann sich zu leeren. Man konnte in zufriedene Gesichter blicken, die noch einmal bei einem der letzten Auftritte einer der größten Hard Rock-Bands ‚ever‘, zugegen gewesen sind. Wer die Chance hat, eines der noch folgenden Konzerte zu besuchen, sollte sich diese nicht entgehen lassen, in der eine alte Band zeigt, dass man auch mit zig Jahren auf dem Buckel, immer noch dynamisch und mit einer fast jugendlichen Spielfreude, ein Publikum begeistern kann.

Hervorzuheben ist auch der gut abgemischte Sound und ein Lichttechniker, dem es gelungen ist, passend zu Dramaturgie des Konzertes, das Bühnenbild entsprechend zu illuminieren.

Ein Dank auch an Marcus Neu von der Kantine, der mit dem Veranstalter alles regelte, sodass wir über dieses Konzert in Wort und Bild berichten konnten. In eigener Sache auch ein Dank an die Band, die nach der Show noch ein Bild von vor zwei Jahren, aufgenommen im Dortmunder Piano, zeichnete und dem Tourmanager, mit dem ich mich anschließend noch über die Entstehung des Bildes unterhielt. In dem Sinne: Bis Ende Juli in Dortmund, wo ich vermutlich den ‚Last Orders‘ von UFO nochmals nachkommen werde.

Line-up:
Phil Mogg (lead vocals)
Vinnie Moore (electric and acoustic guitars)
Rob de Luca (bass, vocals)
Andy Parker (drums)
Neil Carter (keys, guitar, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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