Nazareth – Support: Spy # Row, 01.12.2019 , Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Dass Nazareth auch im 50. Jahr ihres Bestehens noch seine eingeschworene Fangemeinde hat, zeigte sich schon dadurch, dass das Musiktheater Piano wieder einmal ein ausverkauftes Haus meldete. Bemerkenswert dabei ist nicht mal, dass es die Band eigentlich ohne Unterbrechungen gibt, sondern sich das Line-up über die Jahre aus verschiedensten Gründen verändert hat.

Als einziges Gründungsmitglied ist nur noch Bassist Pete Agnew involviert, Gitarrist Jimmy Murrison ist immerhin schon seit 25 Jahren und Petes Sohn, Lee Agnew an den Drums, seit 20 Jahren dabei. Die für viele Fans weitreichendste Veränderung war allerdings der Ausstieg von Sänger Dan McCafferty 2013. Mit Carl Sentance scheint die Band aber jetzt einen Sänger gefunden zu haben, der auch stimmlich in den Sound der Schotten passt und auch dem Songwriting der Band gut zu tun scheint.

Bevor Nazareth die Bühne betraten, überbrückten die drei jungen Frankfurter von Spy # Row mit einem erfrischenden Hardrock/Heavy Metall-Auftritt die Wartezeiten auf das Rockurgestein. In ihrem knapp 30-minütigen Auftritt konnte die Band mit einer Mischung aus Hard– und Heavy-Rock überzeugen und heimste sich auch eine Menge Applaus ein. Aus den sieben gespielten Songs ragte für mich das ruhige „Every Road Leads You Home“ heraus.

Nach einer etwa 30-minütige Umbaupause wurde es in der Halle dunkel, die Bühne war in ein von Nebel umwabbertes Blaulila getaucht und aus den Boxen erklang passend Musik aus den schottischen Highlands.

Symbolisch legte Nazareth mit „Turn On Your Receiver“ los und es begann eine Show durch 50 Jahre ihrer Musik. Erfreulich war, dass es auch einige Songs vom aktuellen Album in die Setlist geschafft haben, was beweist, dass es sich bei Nazareth um eine lebendige Band handelt, die dank Sentances frischem Songwriting, immer noch auf einem guten Weg zu sein scheint.

So folgte schon direkt danach der erste Track aus diesem Werk „Never Dance With The Devil“, in dem Sentance seine Qualitäten als Hardrocksänger offerierte.

Dass mit „Razamanaz“ und „This Flight Tonight“, der Ballade „Dream On“ schon drei Klassiker in der Anfangsphase der Show gebracht wurden, zeugt von einem gewissen Selbstbewusstsein in die aktuelle Kompositionskraft. Nach „Love Leads To Madnness“ und „My White Bicycle“ legte das Quartett mit „Change“ noch ein aktuelles Stück nach, was auch für die Wechsel in der Bandgeschichte zu sehen ist.

Beim Crazy Horse-Cover „Beggars Day“ ging dann richtig die Post ab. Harte Gitarrenriffs von Murrison in Verbindung mit der prägnanten Stimme von Sentance ließen den Song zu einem Knaller werden und mit „Changin‘ Times“ und „Hair Of The Dog“ wurde entsprechend draufgesetzt. Etwas ruhiger wurde es mit dem Titelsong des aktuellen Albums „Tattoed On My Brain“ und dem Welthit „Love Hurts“, der das Publikum zum Schwelgen brachte.

Dass die Agnew-Connection bislang nicht benannt wurde, hat nicht den Grund, dass sie nur Beiwerk waren, aber bei „Morning Dew“, einem Lied aus den Anfangszeiten der Band, hatten sie ihren großen Auftritt. Pete legte am Bass einen fulminanten Rhythmus vor, sein Sohn wirbelte an den Drums, Murrison ließ seine Gitarre jaulen und nach etwa 2 Minuten begab sich auch Sentance auf die Bühne, um leicht mystisch im Gesang einzusteigen.

Danach konnte eigentlich nichts mehr kommen. Doch die Band hatte noch drei Zugaben im Gepäck. Dem heavy eingeläuteten und weiter hart performten „Miss Misery“ schloss sich mit „Where Are You Now“ eine der tollen Balladen der Band an, wo Sentance bewies, dass er McCafferty in der Performance in nichts nachsteht, er aber seinen eigenen Stil hat und gar nicht erst versucht, den legendären Schotten zu imitieren.

Passend zum Ende des Konzertes gab es „Go Down Fighting“. In 90 Minuten hat die Band alles auf die Bretter des Piano gebracht und die Hütte mit ihrer Spielfreude begeistert. Pete bearbeitete seinen Bass mit einem ständigen Lächeln im Gesicht, Sentance gab zuweilen den Animateur, Murrisons Antlitz meist durch die blonde Mähne verborgen, ließ aber manchmal auch seine Freude erkennen und Lee beackerte heftig seine Drums. Schön war auch die Geste Murrisons, der sich zur Show ein Shirt der Vorband angezogen hatte.

Ein Dank wieder einmal an das Piano für einen tollen Konzertabend, wobei diesmal irgendein technisches Problem vor dem Auftritt von Nazareth und zwischen den Songs zu einem Rauschen aus den Boxen führte, was aber in der Kürze der Zeit so behoben werden konnte, dass es mit den Songs direkt übertüncht wurde.

Wer Nazareth in nächster Zeit noch einmal sehen will, kann das Ende Januar tun. Da treten sie mit Wishbone Ash und Uriah Heep in der Dortmunder Warsteiner Halle auf.

Line-up Spy # Row
Sam Niklas Jäger – Vocals, Bass
Tim Louis Jäger – Guitar, Vocals
Arian Gerhard – Drums, Vocals

Line-up Nazareth
Carl Sentance (lead vocals, acoustic guitar)
Jimmy Murrison (guitars)
Lee Agnew (drums)
Pete Agnew (bass, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Musiktheater Piano

Danny Bryant & Bigband – 27.11.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Nachdem Danny Bryant in der Vorwoche im Quartett im Schwarzen Adler schon ein begeisterndes Konzert abgeliefert hatte, spielte er an einem Mittwoch nun mit seiner Bigband im Gepäck im Dortmunder Musiktheater Piano vor. Trotz des eigentlich ungünstigen Termins, zeitgleich blamierte sich der BVB in Barcelona, war das Piano jedoch gut gefüllt.

Pünktlich um 8:00 Uhr begann sich die auf zwei Ebenen angelegte Bühne zu füllen. Mit vier Bläsern und dem Schlagzeug war der obere Teil schon proppevoll und unten warteten Keyboarder, Bassist und der zusätzliche Gitarrist, bis sich unter dem Applaus der wartenden Fans Danny Bryant dann als Letzter sehen ließ.

Eine kurze aber herzliche Begrüßung von Danny an die Fans und schon ging es los. Sprichwörtlich zum Opener „Holding All The Cards“ hatten Bryant und Band alles im Griff, wobei sie schon nach drei Stücken die Karten neu mischten und das in der Setlist als Zugabe aufgeführte „Guntown“ schon vorzogen. Die Songauswahl war sehr ähnlich zu der vom Konzert in der Vorwoche, wobei die Perfomance durch die große Besetzung natürlich eine andere war und so nicht das Gefühl aufkam, zweimal dasselbe Konzert gesehen zu haben.

„Guntown“, schon im Adler ein Highlight, gewann durch die Bläsersektion noch einmal an Intensität. In einer losgelösten Version von „Unchained“ hatten alle Musiker ihren Solopart und wurden zu Recht vom Publikum mit Szenenapplaus bedacht.

Zum Ende erfüllte Melancholie den Saal, als Stevie Watts an den Keyboards das Intro zu „Painkiller“ einspielte, danach Marc Raner nun mit akustischer Gitarre einsetzte und ein stimmlich bestens aufgelegter Bryant die Besucher fast träumen ließ. Die Rythmussektion um Paul Mallatratt am Bass und Schlagzeuger Dave Raeburn, hielt sich bedächtig zurück, um die Atmosphäre des Liedes nicht zu zerstören, die durch die dezent einsetzenden Bläser noch verstärkt wurde.

Nach etwa sieben Minuten war es dann soweit, Watts spielte an den Keys das scheinbare Outro, bis mit drei Schlägen von Raeburn an den Drums ein fulminantes mehrminütiges Solo Bryants einsetzte, in dem er dann fortwährend von allen Musikern bis zum fast hymnischen Ende unterstützt wurde.

Kurz danach war das Hauptset beendet, aber durch die Stimmung und Zugabeforderungen animiert, legte die Band nach kurzer Zeit noch einmal eine klasse Version des Hendrix-Klassikers „Little Wing“ nach. Dieser (Hendrix) betrachte von einem großen Bild neben der linken Bühnenseite das Treiben und hätte mit Sicherheit Spaß an dem gehabt, was die Band mit seinem Song machte.

Danach war dann scheinbar Feierabend. Das Licht ging an, Sound kam vom Band aus den Boxen aber die meisten Zuschauer verweilten noch im Saal und applaudierten. Die ersten standen schon am Merchandisestand. Als es in der Halle wieder laut wurde und die Band unter ’stehenden Ovationen‘ noch einmal die Bühne betrat, um noch einen letzten starken Rausschmeißer, Bryant nun mit seiner Gibson Firebird slidend, drauf zu setzen. Dann war aber nach etwa 120 Minuten energiegeladenen Blues Rocks zumindest musikalisch Feierabend.

Der großartige Abend wurde dann abgerundet, als alle Musiker sich im Merchandisebereich aufhielten, mit Fans Smalltalk hielten und einiges an Autogrammwünschen erfüllten.

Bryant bewies innerhalb von kurzer Zeit, dass er ein begnadeter Livemusiker ist, dem es im Sturm gelingt ein Publikum in seinen Bann zu ziehen, da er gleich drei ‚Waffen‘ sein Eigen nennen kann: Seine Qualitäten als Gitarrist, eine starke Stimme und eine Band, die ihn auf höchsten Niveau mit absoluter Spielfreude unterstützt. Wie gut, dass es Clubs in der Größe des Piano gibt, in der solche Musik ihre angemessene Plattform findet.

Die Leute, welche überlegt hatten, das Konzert zu besuchen, dann aber doch vor der Glotze das Treiben der gut bezahlten Balltreter des BVB verfolgten, haben an diesem Abend mit Sicherheit die falsche Entscheidung getroffen!

Line-up:
Danny Bryant (lead vocals, electric guitar)
Paul Mallatratt (bass)
Dave Raeburn (drums)
Stevie Watts (keys)
Marc Raner (guitars)
David Maddison (trumpet)
Alex Maddison (trombone)
Lauren Young (tenor saxophone)
Mark Wilkinson (baritone saxophone)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Danny Bryant
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Musiktheater Piano

The Aristocrats – 24.11.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Im Rahmen ihrer Tour machten The Aristocrats auch einen Stop im Musiktheater Piano in Dortmund, welches wieder einmal ausverkauft war. Schon kurz nach Einlass füllte sich der Saal sehr früh und wie gewohnt betrat das Trio pünktlich um 20 Uhr unter großem Applaus die Bühne. Schon der Bühnenaufbau mit einem Megaschlagzeug mittig im Vordergrund angeordnet, vermittelte den Eindruck, dass alle Musiker in vorderster Front gleichberechtigte Mitglieder der Band sind, was sich im späteren Verlauf auch immer wieder zeigte, als abwechselnd die Songs und deren Hintergründe beschrieben wurden.

Dies war für die Besucher immer besonders interessant, wenn der Lokalmatador, Marco Minnemann an den Drums, der allerdings schon vor vielen Jahren nach Kalifornien ausgewandert war, dies auf Deutsch machte. Es muss allerdings auch gesagt werden, dass Guthrie Govan an der Gitarre und Bryan Beller am Bass sich Mühe gaben und in einem wirklich verständlichen Englisch, ihre Ansagen machten. Diese Kurzbeschreibungen der Songs waren auch von besonderer Bedeutung, da die Band eigentlich ohne Gesang auskommt.

Schon bei „Blues Fuckers“ zu Beginn der Show zeigte sich, wohin die Reise an diesem Abend gehen sollte. Eine Mischung aus Fusion, Jazz, Prog- und Heavyrock, gewürzt mit Country- und Americana-Einflüssen wurde dem begeisterten Publikum geboten. Hier war schon zu erkennen, warum die Bandmitglieder mit Größen wie Joe Satriani oder Steven Wilson die Bühne geteilt haben.

Govan bearbeitete seine Gitarren in einer zuweilen atemberaubenden Geschwindigkeit und und erzeugte dabei aber Melodien, die sich im Thema der Songs wiederspiegelten. Zuweilen hatte man das Gefühl, insbesondere wenn er Wah-Wah-Effekte einsetzte, die Gitarre würde auch den Gesang übernehmen. Bryan Beller stand diesem zuweilen virtuosen Spiel am Bass in keinster Weise nach und spielte neben den Rhythmusparts in vielen Stücken sein Instrument in Solomanier.

Mit viel Humor brachten Sie die ausgiebige Version des älteren Tracks „D Grade Fuck Movie Jam“, für den sie vor Jahren von der amerikanischen Musikpresse zerrissen worden sind, als diese ihn als einen schlechten Song für einen schlechten Porno betititulierte. Musikgeschmack kann eben verschieden sein, wobei eine solche Aussage bei der spielerischen Qualität schon ziemlich despektierlich ist. „Spanish Eddie“ wurde dann von Govan angesagt, der das Lied auch komponiert hat und es ertönten zunächst Flamenco-Töne in der Halle, um sich später mit der gesamten Band in einem Fusion-Gewitter zu entladen.

Nach „When We All Come Together“ erzählte Beller ausführlich, was ihn veranlasste „The Ballad Of Bonnie And Clyde“ zu schreiben. Dieser Song spiegelte seine Gefühle wieder, nachdem zwei Leute Teile seine Equipments gestohlen hatten. Obwohl diese zwar zunächst aufgrund ihrer dilettantischen Vorgehensweise von der amerikanischen Polizei dingfest gemacht werden konnten, sah er aber von seinen Sachen am Ende doch nichts wieder.

Bei „Get It Like That“ hatte Minnemann seinen großen Auftritt, wobei sein Drumspiel schon vorher extraklasse war. In das Stück eingebettet legte er ein Drumsolo hin, welches deutlich machte, warum das Schlagzeug manchmal auch als Schießbude bezeichnet wird. Schlagfolgen, die zuweilen fast schon surreal wirkten, wechselten sich mit der Bassdrum, die das altehrwürdige Piano in seinen Festen wackeln ließ, mit teilweise spielerisch ruhigen Passagen.

Dies war auch der erste Song mit Gesang. Minnemann ließ ein Gummischwein zur Melodie ins Mikro quitschen und Beller am Bass vervollständigte den zweistimmigen Gesang mit einer quitschenden Gummigans. Bemerkenswert, wie Hundespielzeug in eine so komplexe Musik eingebunden werden kann und dabei noch Qualität herauskommt. Beendet wurde der Schlagzeugteil dann mit einer kurzen Passage von „Another One Bites The Dust“.

Nach den bisher zuweilen sehr komplizierten Songmustern wurde es mit „Last Orders“, einer Anklage gegen die englische Kneipenordnung sehr melodiös mit einem Einschlag von Americana. Dass der eigentliche Sinn der Regelung, eine höhere Leistungsfähigkeit der Briten nicht erreicht wurde, zeigte sich spätestens beim Brexit.

In „The Kentucky Meat Shower“ verarbeitet Govan seine Kindheitserinnerungen an ein Bilderbuch, welches er zu Beginn dem Publikum mit Erklärungen zeigte, um danach mit seinen Kollegen Klangcollagen zu produzieren, die unter anderem auch die im Buch dargestellte Explosion widerspiegelten.

Das eigene, naive Fehlverhalten nach einer Tornadowarnung war für Minnemann der Anlass, „Desert Tornado“ zu schreiben. Der Band gelang es fabelhaft die Momente von der Ruhe vor dem Sturm bis hin zu den zerstörerischen Böen ins Piano zu transportieren, um sich danach mit „Flatlands“ zunächst vom Publikum zu verabschieden.

Stürmisch wie die Show waren auch die Zugabeforderungen der Besucher. Im abschließenden melodiösen „Smuggler’s Corridor“ wurde dann die Audienze mit einbezogen, um mehrfach eine Art Refrain anzutönen. Die Besucher scheiterten dann allerdings in dem Moment vokal, als Gitarrist Govan die Stimmlage mit seinem Instrument so hoch vorgab, dass man Angst um die Fenster im Piano haben musste.

Nach etwa 130 Minuten war dann ein beeindruckendes Schauspiel beendet, in dem die drei Musiker offerierten, was spielerisch mit ihren Instrumenten, fernab von jeglichen Mainstream, möglich ist. Ein Dank an das Team vom Piano aber auch an Yvette von Shooter Promotions und die Band für das Entgegenkommen beim Fotografieren.

Line-up:
Guthrie Govan – guitar
Bryan Beller – bass
Marco Minnemann – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

The Aristocrats
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Musiktheater Piano
Shooter Promotions

Pavlov’s Dog, 15.11.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Schon einige Wochen vor dem Auftritt vermeldete das Piano ein ausverkauftes Haus. Das mag zunächst erstaunlich sein, da die Band, die mit langer Unterbrechung seit knapp 46 Jahren besteht, nur wenige Alben auf den Markt geschmissen hat, die zunächst auch eher weniger beachtet wurden. Als einziges ständiges Mitglied ist auch nur noch der musikalische Kopf der Band, David Surkamp dabei, der aber wieder eine schlagkräftige Truppe um sich gesammelt hat.

Mit „Late November“ und „Fast Gun“ legte die Band direkt zwei Klassiker aus dem ersten Album „Pampered Menial“ aus dem Jahr 1975 vor. Surkamp zeigte sich dabei stimmlich auf der Höhe, wobei der Gesang nicht mehr ganz so hoch war wie vor über 40 Jahren, was der Qualität aber keinen Abbruch tat.

Zusammen mit David Malachowski, der erst im letzten Jahr zur Band stieß, wechselte er sich mit Rhythmus und Soloparts an den Gitarren ab, wobei Malachowski, der auch schon einige Jahre bei Savoy Brown gespielt hatte, oft in sich gekehrt auf der Bühne stand, um bei einigen Soli dann doch zu explodieren, während Surkamp gestenreich extrovertiert seinen Gesang untermalte. Bei einigen Stücken unterstützte Sara Surkamp, sonst meist für den Backgroundgesang oder Zweitstimme zuständig, zusätzlich an der Rythmusgitarre.

Eine tragende Rolle spielte auch Abbie Steiling, die zuweilen wie ein Teufel über die Saiten ihrer Geige fegte und zeigte, dass dieses Instrument auch im progressiven, zu Teilen folkigen Rock, als Stilmittel geeignet ist. Den Rhythmus und somit eine Basis der Musik legten der sich ständig in Bewegung befindliche Rick Steiling am Bass und der zuweilen stoisch wirkende Manfred Plötz an den Drums, die auf den Punkt ablieferten. Nicht zu vergessen, Mark Maher, der an den Keyboards oft einen psychedelischen Touch in den Sound brachte.

Nachdem der Start mit den zwei alten Songs geglückt war, präsentierte die Band mit „Shaking Me Down“, dem verträümten „Hurting Kind“ und „Winds Wild Early“ direkt drei Stücke vom aktuellen, 2018 erschienen Album „Prodigal Dreamer“, welche vom zu diesem Zeitpunkt schon begeistert mitgehenden Publikum, sehr gut angenommen wurden und sich stilistisch nahtlos am Altbekannten orientierten. Im weiteren Verlauf war der absolute Schwerpunkt auf Songs des ersten und des aktuellen Albums gelegt, welche fast vollständig durchgespielt wurden.

Aber auch einige Lieder des zweiten Werks „At The Sound Of The Bell“, wie „She Came Shining“ und „Standing Here With You“ fanden ihren Platz auf der Setliste, die immerhin 23 Stücke umfasste und in der sich altes, wir sprechen hier von Songs, die über 40 Jahre alt sind, mit aktuellem Material abwechselten. Schön war auch die Passage, als mit „Paris“, „Winter Blue“uns „Hard Times“ drei sehr melodiöse Songs vom aktuellen Longplayer aneinandergereiht waren und Surkamp in einem Übergang über seine Karriere als Musiker sprach.

Beim anschließenden hart performten „Canadian Rain“ ging dann so richtig die Post ab. Hier hatte die Rythmussektion mit einem minutenlangen Solo seinen großen Auftritt, wo Steiling seinen Bass nach allen Regeln der Kunst furios und posend bearbeitete und nur zu Recht vom Publikum begeistert mit Ovationen bedacht wurde.

Interessant war der Beginn von „Aria“, wo Plötz die Drums so ertönen ließ, wie Trommler in alten Zeiten Armeen begleiteten. Den Leadgesang übernahm zunächst Surkamps Frau Sara, um sich dann mit ihrem Gatten abzuwechseln.

Zum Ende der Show setzte Pavlov’s Dog dann wieder auf Tracks des ersten Albums „Pampered Menial“. Nach „Natchez Trace“ und „Episode“ ging es bei „Theme From Subway Sue“ noch einmal ordentlich zur Sache. Danach verließ das Septett unter Ovationen die Halle. Durch lautstarke Zugabeforderungen im Piano, welches sich in einen kleinen Hexenkessel verwandelt hatte, blieb der Band nichts anders übrig, als noch einmal die Bühne zu betreten.

Die beiden Zugaben hatten es dann noch einmal in sich und waren der absolute Höhepunkt des Konzertes. Das treibende fast hardrockende „Song Dance“ wurde gekrönt von einem phantastischen Solo, in dem sich Malachowski an der Gitarre und Steiling an der Geige sprichwörtlich die Bälle zuschmissen und auch Surkamp noch seinen Senf dazu gab. Den Abschluss machte dann das wohl bekannteste Stück der Band. Das melodische „Julia“, auch mit einem furiosen Gitarrengewitter im Mittelteil, war sozusagen der krönende Abschluss eines etwa zweistündigen Konzertes.

Dass es sich bei Pavlow’s Dog um eine Band handelt, in dem Surkamp zwar der Mastermind ist, zeigte sich noch einmal nach dem Konzert, als alle Bandmitglieder an einer schnell bereitgestellten Tischreihe im Konzertsaal Platz nahmen und geduldig Autogrammwünsche der zahlreichen Fans erfüllten.

Ganz nach dem Motto des Pavlow’schen Hundes haben Surkamp und seine Frauen und Mannen an dem Abend eine Glocke geläutet, die dafür sorgen wird, dass den Anwesenden das Wasser im Mund zusammenlaufen wird, wenn sie, wie angekündigt, auch im nächsten Jahr wiederkommen werden.

Line-up:
David Surkamp – Gitarre, Gesang
Sara Surkamp – Gitarre, Gesang
Abbie Steiling – Geige, Gesang
David Malachowski – Gitarre
Mark Maher – Keyboards
Rick Steiling – Bass
Manfred Plötz – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Doyle Bramhall II, 06.11.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Doyle Bramhall II zum zweiten Mal in diesem Jahr im Musiktheater Piano in Dortmund! Nachdem er bereits im Juni im schönen Club gespielt hatte, überraschte er Jenny Dore wohl mit dem Angebot, jetzt noch mal einen Zwischenstopp an der Lütgendortmunder Straße tätigen zu wollen.

An diesem nasskalten November-Abend musste allerdings auch der prominente Texaner, der ja immerhin von Leuten wie Roger Waters oder Eric Clapton als Gitarrist gebucht wird, zur Kenntnis nehmen, dass es mitten in der Woche, nur sehr schwer bei uns ist, richtig viele Leute vom heimischen Sofa wegzulocken. Die Zuschauerzahl hätte wie letzte Woche schon bei Laurence Jones, bei solch einer Qualität, doch gerne etwas höher ausfallen dürfen.

Mit 20-minütiger Verspätung kam das Trio auf die Bühne. Nach kurzem Warmspielen zum psychedelisch angehauchten Opener „Love & Pain“ ließ es der wieder recht egozentrisch, introvertiert und wortkarg rüberkommende Protagonist (so hatte ich ihn auch bei meinem ersten Besuch in Erinnerung), zunächst mit Tracks wie „Mama Can’t Help“, „November“, „Everthing You Need“ oder „Searching For Love“ recht melodisch angehen.

Der neue Drummer Tony Leone ist ja ähnliche Charaktere von der Chris Robinson Brotherhood gewohnt und auch Bramhalls konstanter Mitstreiter Adam Minkoff (mit Haaren wie Schafswolle auf dem Kopf), der wieder durch seine Vielseitigkeit glänzte (Keys und Bass, einmal sogar gleichzeitig) und diesmal stärker bei den Vocals eingebunden war, scheinen den Protagonisten bei seinem filigranen Gitarrenwirken ziemlich gelassen hinzunehmen.

Ab dem Hendrix-Cover „Izabella“ und spätestens mit dem Stooges-Song „I Wanna Be Your Dog“ wurde es ziemlich psychedelisch, jammig, teilweise punkig (auch bei „Green Light Girl“ als Abschluss des Hauptteils) und für meine Gehörgänge oft zu frickelig und technisch. End-60er-/Anfang-70er-Rock-affine Leute, die wohl auch die größte Gruppe unter den Anwesenden darstellten, werden demnach ganz gut auf ihre Kosten gekommen sein. Auch Doyle hatte in dieser Phase zumindest ab und zu Spass in den Backen und lächelte kurzzeitig in Richtung seiner Begleitmusiker. Er ließ sich sogar mal zu einer Ansage wie „What day is it?“ hinreißen.

Erst mit den Zugaben, dem weiteren Hendrix-Klassiker „Angel“, der allerdings mit zunehmender Dauer im Gitarrenpart auch sehr kräftig aufbrauste und dem atmosphärischen „So You Want It To Rain“ (Bramhall temporär mit dezentem Southern-Spiel), wurde der Gig wieder wieder etwas gemäßigter beendet. Ich persönlich hätte mir mal ein zwei Stücke aus seiner Arc Angels-Zeit gewünscht, aber es geht ja hier nicht um meine Befindlichkeiten.

Immerhin ließ der Meister sich dann am Merchandising-Stand sehen, und wirkte da eigentlich ganz herzlich, weniger unnahbar als auf der Bühne und erfüllte ganz gelassen Autogramm- und Fotowünsche (u. a. auch einen schönen großformatigen Schnappschuss des Kollegen Mangold). Insgesamt also ein qualitativ hochwertiger musikalischer Abend (Doyle spielt schon toll Gitarre), der aber eher dem Charakter einer ‚Vorlesung‘ für Musikstudenten von einem in sich gekehrten Lehrmeister glich. Für eine packendere Stimmung und mehr Begeisterung an einem nasskalten ungemütlichen Mittwoch-Abend in der Arbeitswoche muss man ein Publikum letztendlich doch deutlich mehr mitnehmen.

Line-up:
Doyle Bramhall II (lead vocals, electric guitar, vocals)
Tony Leone (drums, vocals)
Adam Minkoff (bass, keys, vocals, lead vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Doyle Bramhall II
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Laurence Jones Band – 30.10.2019, Musiktheater Piano, Dortmund- Konzertbericht

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Die britische Blues Rock-Szene hat sich mittlerweile, zumindest was unsere Konzertberichterstattung betrifft, fest in unserem Magazin etabliert. Jetzt bot sich in unserem geliebten Musiktheater Piano in Dortmund nochmals der Besuch von Laurence Jones mit seiner Band an, der uns bereits schon im April dieses Jahres in Arnheim überzeugt hatte.

Die Zuschauerresonanz blieb für einen Blues Rocker seiner Güteklasse ein wenig hinter den Erwartungen zurück. Ob es am Tag mitten in der Woche oder am gleichzeitig stattfindenden Fußballmatch zwischen Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach (2:1) lag, dass potentielle Genre-Kundschaft wie auch einige sonstige Stammgäste fernblieben, darüber kann nur gemutmaßt werden, fest steht, die deutlich attraktivere Begegnung fand jedenfalls parallel in Essen statt (Niederrheinpokalspiel SpVg Schonnebeck – Rot-Weiss Essen 0:9)…

Wie dem auch sei, um 20:20 Uhr betrat der Protagonist und sein durch zwei Umbesetzungen verändertes Line-up (jetzt dabei Jack Alexander Timmis am Bass und Abbie Adi als Backroundsängerin) die Bretter des Pianos und legte mit dem neuen „I‘m Waiting“ schon mal die erste rockige Duftmarke hin.

Im weiteren Verlauf gab es mit Stücken wie „Wipe Those Tears Dry“, dem treibenden „Stay“, „Heart Is on Fire“, „Beautiful Place“ „Quite like You“, „Mistreated“ schon eine ordentliche Portion aus seinem aktuellen Album, wobei Laurence natürlich einige filigrane Soli (sehr hoher Wah-Wah-Anteil) auf seiner abgewetzten Stratocaster abließ.

Für „Long Long Lonely Ride“ schulterte er einmalig die akustische Gitarre und es zog kurzzeitig eine ordentliche rockende Countrybluesbrise durchs Piano. Keyboarder Benny Holland blühte schon zu diesem Zeitpunkt auf und klimperte sich an seinen Tastengeräten (Piano und Hammond-Orgel) auch mehrmals in den Vordergrund.

Die neue langbeinige Backgroundsängerin Abbie Adi (toller Anblick in ihrem eleganten schwarzen Outfit) machte das, was man bei diesen Damen kennt und liebt: Sie schwang die Hüften, sang ihre ‚Uuhs‘ und ‚Aahs‘, und schüttelte ab und zu auch mal rhythmisch mit dem Tambourine.

Während der schmächtige Phil Wilson (Bruder von Ash Wilson) mit einigen schöne Poltereinlagen glänzen konnte, erledigte der zweite Neuling, Jack Alexander Timmis, ein soliden Job am Bass, hatte aber auch kaum Gelegenheit, sich großartig zu profilieren.

Mit der ganz starken Ballade „Take Me“, der furiosen Version von „All Along The Watchtower“, bei der Laurence immer wieder zum großen Hendrix-Bild seitlich der Bühne hinblickte, Jones‘ Paradesstück „Thunder In The Sky“ (Wahnsinns-Soli des Briten), besserte sich die Stimmung von Minute zu Minute.

Das Bo Diddley-Cover „Before You Accuse Me“, das stonesk angehauchte “Everything’s Gonna Be Alright” und der flott interpretierte CCR-Klassiker “Fortunate Son” schlossen dann den kurzweiligen Hauptteil ab. Die eingeforderte Zugabe ließ nicht lange auf sich warten. Jones & Co. ließen mit „Live It Up“  die feine Lütgendortmunder Location zum Ende des Abends nochmals aufleben. Ein gelungener finaler ‚Rausschmeißer‘.

Nach dem Gig nahm sich Laurence noch Zeit für unser obligatorisches Bild für die VIP-Galerie und auch für seine Fans. Vielen Dank an Jenny Dore vom Piano, die für sich für die gewohnt herzliche Gastfreundschaft verantwortlich zeigte.

Line-up:
Laurence Jones (lead vocals, electric and acoustic guitar)
Jack Alexander Timmis (bass)
Phil Wilson (drums, backing vocals)
Bennett Holland (keys, backing vocals, vocals)
Abbie Adi (backing vocals, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

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Mystery – Support: FORS – 22.10.2019 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Dienstag Abend, Europapokal und trotzdem ein sehr gut gefülltes Musiktheater Piano. Allein diese Faktoren lassen auf eine qualitativ hochwertige Veranstaltung schließen.

Den Beginn machten die Prog-Instrumental Band Fors aus der Schweiz, die mit einem anspruchsvollen Programm die Wartezeit auf den Topact verkürzten.

Line-up FORS:
Roland Hegi – guitars
Doro Wetter – keyboards
Harry Schärer – bass + keyboards
FeelX – drums

Wie geplant begann die kanadische Band Mystery um 20:45 Uhr mit ihrem Programm mit „Delusion Rain“. Schon bei dem Opener zeigte sich, wohin die Reise gehen sollte und warum die Band im Medium Radio wenig kompatibel ist.

Wie bei den meisten progressiven Bands unterschritten die Songs selten die 7-Minuten-Grenze, dies aber ohne langatmig zu sein, da innerhalb der Stücke eine große Vielfältigkeit herrschte. Herausragend war auch das generelle harmonische Zusammenspiel der Band trotz der Komplexität der Songs.

Michel St-Pere und Sylvain Moincau zeigten in den sich abwechselnden Leadguitar-Passagen, welche zum Teil an Pink Floyd erinnerten, dass sich Mystery diesbezüglich nicht hinter anderen Prog-Bands zu verstecken brauchen und heimsten dafür viel Beifall der beeindruckten Anwesenden ein

Jean Pageau überzeugte mit seiner klaren ausdrucksvollen Stimme, aber auch mit einigen Keyboardeinlagen und an der Querflöte. Die Rhythmusfraktion um Drummer Jean Sebastien Goyette und Bassist Francois Moincau, der daneben auch die Taurus Pedals beisteuerte, legten eine starke Grundlage für den gesamten sehr gut differenzierten Sound (Kompliment an die Soundtechnik), den Antoine Michaus oft mit entsprechenden Klangteppichen und Soli unterlegte.

Über “Something To Believe In”, “Scarlet”, “The Willow Tree”, “Come To Me” und “The Sailor And The Mermaid” kam es für mich zu einem der Höhepunkte des Abends. Zu „Shadow Of The Lake” hatte sich Jean Pageau einen breitkrempigen Hut und eine düstere Maske aufgesetzt und unterstütze aber auch gestenreich mystisch das Grundthema des Songs.

Die folgenden Tracks “Looking For Something Else”, “Where Dreams Come Alive”, “Through Different Eyes” sorgten schon für eine großartige Stimmung, dem die Band danach mit „A Song For You“ – nomen est omen – ein Stück den Besuchern widmete. Es war zu erkennen, dass beidseitig immer wieder der Funke übersprang. Die Besucher forderten, nachdem die Band die Bühne verlassen hatte, frenetisch die Nachspielzeit.

Die Kanadier ließen sich nicht lange bitten, lieferten aber „nur“ zwei Zugaben. Dies sei aber entschuldigt, da das epische „Chrysalis“ (etwa 15 Minuten dauernd), sich nicht gerade als kurz erwies. Pageau, leitete passend zum Thema des Konzertes mit einer Schmetterlingsmaske über die Bühne tanzend, den Song ein.

Mit „The Preacher’s Fall“ wählte die Band einen dynamischen fetzigen Rausschmeißer, nach dem auch nichts mehr ging. Die Band tanzte zum Teil auf der Bühne, gab den grünen Hut wie bei einem Spiel von Person zur nächsten Person weiter und nach 2,5 Stunden ließen sie ein begeistertes Publikum zurück.

Ein ganz starker Auftritt der Band, bei deren Auftritt Einflüsse von Pink Floyd, Supertramp und Barclay James Harvest erkennbar waren, wobei Mystery insgesamt eine härtere Gangart einschlägt.

Ein Dank an das gesamte Piano-Team, wo ich diesmal den Lichttechniker hervorheben will, der mit seiner Lightshow, die Dramaturgie der Songs entsprechend unterstützte, aber auch an die Band, die sich nach dem Konzert noch Zeit für die Fans nahm, um zahlreiche Autogrammwünsche zu erfüllen, sowie On Stage Promotion, die dieses Prog-Sextett in unsere Region gebracht hat.

Line-up Mystery:
Michel St-Pere – Guitar, vocals
Jean Pageau – Lead Vocals, keyboards, flute
Antoine Michaud – Keyboards
Francois Fournier – Bass, taurus pedals, vocals
Sylvain Moincau – Guitars, vocals
Jean Sebastien Goyette – Drums, vocals

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

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Mystery
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On Stage Promotion

Mike Tramp & Band Of Brothers – 13.10.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Wir als Kinder der Endsiebziger/-achtziger Musikjahre sind auch als Southern Rock-Fans natürlich nicht an so mancher Poser-Rockband der damaligen Zeit vorbeigekommen. Und manche Interpreten haben bis heute ihre Sympathien hinterlassen, ich denke da an so Acts wie Little Caesar, Cinderella, Thunder & Co.

Auch der Fronter von White Lion, Mike Tramp, ist so ein Fall. Dessen Werdegang habe ich seitdem auch immer wieder sporadisch im Blick gehalten, seine Soloalben, die ich zur Kenntnis bekam, gefielen mir ausnahmslos gut.

Jetzt ergab sich die Gelegenheit, den gebürtigen Dänen, mal im schönen Musiktheater Piano, live unter die Lupe zu können. Er firmiert mittlerweile unter dem Namen Mike Tramp & Band Of Brothers und hat mit dem starken Lead-Gitarristen Henrik Berger, dem schlaksigen Bassisten Claus Langeskov und dem nicht nur wüst aussehenden Drummer Jakob Rønlov, tolle Mitmusiker um sich versammelt.

200 Zuschauer – für einen Sonntag Abend ein stattlicher Besuch  trotz parallelem Spiel der Frankfurter Fußballmafia – wollten sich den Auftritt des charismatischen Fronters nicht entgehen lassen.

Der punktete schon direkt bei der Begrüßung mit „Ein schönes guten Abend!“ und wusste mit vielen Anekdoten zu den Songs, die immer wieder in einem deutsch durchmischten Englisch dargeboten wurden, im Auditorium für Erheiterung zu sorgen.

Zum Piepen allein schon die Story zu „Broken Heart“, als Mike nach einer Rückkehr von Plattenaufnahmen (die, statt wie gewünscht, auf den Bahamas, in Frankfurt stattfanden – da geriet schon am Flughafen die Abholung, als man mit ‚White Tiger‘ begrüßt wurde, zur Farce) auch noch Yngwie Malmsteen, bei seiner Frau im eigenen Hause überrascht hatte, als dieser wohl gerade nicht an seiner Gitarre rumgefrickelt hatte…

Tramp betonte auch immer wieder, dass er heute mit sich im Reinen sei, und dass er sein Leben viel gelassener sehe. Er möchte einfach nur er selbst sein, statt irgendwelchen Ansprüchen, welcher Art auch immer, hinterherzuhecheln.

Da Mike mit „Stray From The Flock“ ein neues Album am Start hat, gab es dann einen gelungenen Mix mit Sachen aus diesem Werk („Best Days Of My Life“ als Opener, „Homesick“, „No Closure“ und „Dead End Ride“), weiteren früheren Stücken aus seinem Solo-Repertoire (dem großartigen „High Like A Mountain“, „Trust In Yourself“, „Give It All You Got“), einen sporadischen Freak Of Nature-Ausflug (mit dem starken „What Am I) und vielen White Lion-Evergreens wie „Little Fighter“, „Lady Of The Valley“, „Hungry“, „Living On The Edge“ und „When The Cildren Cry“.

Mit dem Abschluss des Hauptteils, dem Golden Earing-Klassiker „Radar Love“ (sehr schön interpretiert, war zu Anfang gar nicht so leicht zu erkennen), hatte die ohnehin schon gute Stimmung, dann ihren Siedepunkt erreicht.

Angetan von der einzigartigen Piano-Location (O-Ton Tramp: „That’s Rock and Roll!“) und den, ihm die Treue haltenden Leuten, zelebrierte das Quartett noch „Coming Home“ mit furios eingeschobenen „The Boys Are Back In Town“ (Thin Lizzy)- und „Whole Lotta Love“ (Led Zeppelin)-Intermezzi und verabschiedete sich emotional mit dem, der Dortmunder Audienz gewidmeten „Farewell To You“, nochmals aus der Schlussphase der White Lion-Zeit.

Dank der hervorragenden Leistung der Band (bei 2 1/2 Stunden Spielzeit!) gab es eine nicht enden wollende Schlange am Merchandising-Stand, wo Tramp sich dann noch ausgiebig Zeit für seine Fans nahm, um Autogramm und Bildwünsche zu erfüllen.

Insgesamt einer der stärksten und stimmigsten Live-Auftritte, die wir in diesem Jahr erlebt haben, ein großes Kompliment an Mike Tramp und seine Band Of Brothers! Stay as you are!

Line-up:
Mike Tramp (lead vocals, acoustic and electric guitar)
Henrik Berger (electric guitar, vocals)
Claus Langeskov (bass, vocals)
Jakob Rønlov (drums, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Mike Tramp
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JD Simo – 10.10.2019 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Simo_haupt

J.D. Simo machte letzten Donnerstag Halt im Dortmunder Musiktheater Piano. Vielleicht hatte auch der Tag mitten in der Woche einen Anteil, dass das Konzert des aus Nashville stammenden Musikers nicht mit der Zuschauerresonanz gewürdigt wurde, die es eigentlich verdient gehabt hätte.

Wer bei Nashville an das Genre Country denkt, war an diesem Abend jedoch falsch gewickelt. Simo legte mit seiner Band ein intensives Feuerwerk hin, das in vielen Passagen an den Blues der Marke Jimi Hendrix erinnerte. Begleitet wurde er dabei von Adam Abrashoff an den Drums, der auch die Gelegenheit hatte, in einem intensiven Solo seine Künste zu beweisen und von Andraleia Buch am Bass, die auch einige jazzige Elemente einfließen ließ, aber in den meisten Songs, mit einem treibenden energischen Bassspiel überzeugen konnte.

Neben älteren Tracks wie „People Say“ oder „I Want Love“ streute er auch einige Sachen des aktuellen Albums „Off At 11“ ein, die vom Publikum sehr gut angenommen wurden. Besonders hoben sich dabei „Temptation“ und „You Need Love“, ein toller Bluessong, z.T an The Cream erinnernd, vor. In beiden Stücken, wie im Prinzip ansonsten auch, glänzte Simo mit ausladenden Soli.

Den Höhepunkt legte Simo an das Ende des Konzertes. Eine ausladende Version des Beatles- (später JoeCocker) Klassikers „With A Little Help From My Friends“, wo die gesamte Band sich scheinbar in einen Rausch spielte und der durch Cocker geprägte Urschrei nicht fehlte, beendete den Hauptteil des Gigs

Die durch begeisterte Zugabeforderungen animierte Band, legte dann den für mich stärksten Song des Abends nach. Das etwa 10-minütige „I´d Rather Die In Vain“ offerierte noch einmal die spielerischen Fähigkeiten der Band und Simo lebte sich in mehreren Soli regelrecht aus.

Etwa 100 Minuten krachender Blues-Sound waren wie im Fluge vergangen, wobei sich die Musiker auch von der geringen Zuschauerzahl nicht negativ beeinflussen ließen sondern mit einer sichtbaren Spielfreude dafür sorgten, dass die Anwesenden dennoch für eine entsprechende Stimmung sorgten.

Ein Dank auch an das Piano, dass Künstlern wie J.D. Simo eine Bühne gegeben wird, ihre Musik live zu präsentieren und der Band für das sympathische Auftreten nach dem Konzert. Es bleibt zu hoffen, dass J.D. Simo und seine Band beim nächsten Mal mehr Zuschauerresonanz erhalten, als an diesem Donnerstag Abend. Bei den Anwesenden haben sie in jedem Fall Werbung in eigener Sache gemacht und hoffentlich dienen diese als Mulkiplikatoren für ein potentielles nächstes Mal.

Line-up:
J.D. Simo – Gitarre und Vocals
Adam Abrashoff – Schlagzeug
Andraleia Buch – Bass

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

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Skinny Molly – 05.10.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

SM_haupt

In veränderten Line-up traten Skinny Molly an diesem Abend im Dortmunder Piano auf. Statt Jay Johnson, dessen Vater vor wenigen Wochen gestorben war, spielte der Tscheche Pavel Marcel die zweite Lead-Gitarre. Es kann vorweg genommen schon gesagt werden, dass er die Lücke des charismatischen Ex-Blackfoot-Gitarristen sehr gut füllte.

Das andere, was auch gut gefüllt war, war das Musiktheater Piano, wo sich die Besucherzahl im Vergleich zu den letzten Auftritten deutlich erhöht hatte. Dies mag am sympathischen Gig der Amerikaner im Vorjahr liegen. Neues eigenes Material spielte hier jedenfalls keine Rolle.

Das Programm bestand aus einigen Skynyrd-Klassikern, wo direkt zu Beginn „Working For The MCA“ die Fans auf Betriebstemperatur brachte. Danach standen aber eigene Songs, wie „Too Much“, „Tough Go Fishin’“ und „Me And The Devil Himself“ im Vordergrund, die im klassischen Southern-Gewand mit harten Rockeinschlag präsentiert wurden.

Mit „Copperhead Road“, einem Steve Earle-Song, bei dem Mike Estes die Gitarre gegen die Mandoline tauschte, und auch damit zu glänzen wusste, begann eine Zeit mit stark gespielten Coversongs, wie „Call Me The Breeze“, „Devil In The Bottle“ (schrieb Estes mit für LS) und dem obligatorischen „Sweet Home Alabama“.

Bei allen Songs brillierte die Rhythmussektion mit Kyle Law an den Drums und Luke Bradshaw am Bass, der ständig wie auf einem Laufband in Bewegung war. Abgeschlossen wurde dieser Coverpart mit einer phantastischen Version des Stones-Stückes „Dead Flowers“.

Nach einigen Eigenkreationen, aus denen insbesondere „Two Good Wheels“ und das dem Publikum gewidmete „For Y’All“ hervorstachen, kam der für mich musikalische Höhepunkt des Abends, eine Extended Version der Southern-Hymne „Freebird“. Marcel zauberte zu Beginn ein Vogelzwitschern aus seiner Gitarre, Estes zeigte, dass er auch stimmlich noch voll auf der Höhe ist und ein scheinbar nicht endendes Gitarrenduell riss das Publikums zu Begeisterungsstürmen hin. Somit war es nicht verwunderlich, dass frenetisch Zugaben gefordert wurden.

Die Jungs um Estes ließen sich auch nicht lange bitten und spielten eine launige Version des Everclear-Songs „Santa Monica“, den Sie erstmals auf einer Tour performten sowie eine eine wuchtige Adaption des Robert Johnson-Klassikers „Crossroads“, der aber durch Cream erst legendär wurde und bewiesen dabei, dass sie auch den Blues können.

Nach etwa 100 Minuten war dann eine starke Vorstellung von Skinny Molly beendet, doch die Band ließ es sich nicht nehmen, noch einige Zeit mit den Fans im Merchandising-Bereich zu verbringen. Fürs nächste Jahr ist auch eine neue Platte vorgesehen, sodass das Programm vermutlich etwas spannender ausfallen wird.

Line-up:
Mike Estes (lead vocals, lead guitar)
Pavel Marcel (lead guitar)
Luke Bradshaw (bass, vocals)
Kyle Law (drums, vocals)

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

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