Eric Steckel – 12.03.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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In Anbetracht der momentanen Situation – Veranstaltungen werden reihenweise abgesagt – ist es schwer, einen ganz normalen Konzertbericht zu verfassen. Schon einige Zeit vor Veranstaltungsbeginn schilderte mir Jenny Dore vom Musiktheater Piano und Veranstalter 3dog Entertainment sichtlich geschockt die momentane Situation.

Im Laufe des Tages erfolgten schon mehrere Absagen durch Künstler für Konzerte in den nächsten Wochen, was insbesondere für kleinere Veranstaltungsorte existenzgefährdend sein könnte. Bei ausbleibenden Besuchern oder abgesagten Konzerten bleiben die laufenden Kosten, für Mitarbeiter, Gebäude, Gagen etc. bestehen. Es bleibt zu hoffen, dass Andeutungen der Politik, dass es Hilfestellungen geben werde, diese auch an den richtigen Adressen, im benötigten Maße ankommen.

Nun aber zum Erfreulichen. Das Konzert von Eric Steckel und Band fand, wie geplant, statt. Steckel hatte sich im Vorfeld geäußert, dass er ja da wäre, warum sollte er dann nicht spielen. Nach und nach kamen die Besucher, mache kauften auch Karten für spätere Konzerte. Ein kleiner Lichtblick zumindest, dass man trotz des derzeitigen Wirrwarrs eine Zukunft sieht, wenn irgendwann wieder Normalität eintritt.

Kurz nach Acht legte dann Eric Steckel vor leider viel zu wenig Besuchern los wie die Feuerwehr. Trotz der überschaubaren Besucherzahl ließ er sich die sichtbar gute Laune, seine Musik zu präsentieren, nicht nehmen. Mit „Solid Ground“, einem hart rockenden Bluessong präsentierte er den Fans direkt ein Stück vom aktuellen Album „Grandview Drive“.

Schon beim Opener kam die spielerische Extraklasse Steckels zur Geltung, wobei ihm Joe Kamps am Bass und Tony Boyd eine solch fette Rhythmusgrundlage hinlegten, dass er sich mit exzessiven Soli darauf austoben konnte. An dem Strickmuster, welches die Anwesenden von Beginn an begeisterte, änderte sich bei „Juke Joint“ nichts. Bluesgrundlage, harte Gitarrenriffs, rasante Soli und eine dazu passende bluesige Stimme.

Mit „Feels Like Home“ brachte Steckel einen Hauch von Southern Rock ins Piano. Dabei braucht er sich weder stimmlich noch mit dem Gitarrensolo hinter Genregrößen zu verstecken und spätestens jetzt war jedem klar, warum John Mayall schon vor Jahren lobende Worte für den heute 30-jährigen Steckel fand, als er schon mit 18 Jahren sein ersten Album veröffentlichte.

Nach diesem fulminanten Einblick in die frühen Schaffensphasen war wieder neuer Stoff angesagt. Nach “Take My Love To Town” folgte das fast balladesk beginnende “Can’t You See”, das er dann gitarrentechnisch mit einem ausladenden Solo der Marke Allman Brothers Band abschloss. Bei “When Ignorence Turns To Bliss“ , einem Song von seinem Debüt, welchen er auf dem aktuellen Silbering noch einmal neu auflegte, wurde es dann wieder bluesiger, wobei erneut das quirlige Gitarrenspiel begeisterte.

“Best With You” spiegelte vom Titel ein klein wenig die Stimmung im Piano wieder, wo sowohl die Band wie auch die Zuschauer gemeinsam das Beste aus den wiedrigen Begleitumständen machten. Mit “We’re Still Friends” zog dann zunächst ein Hauch von Melancholie durchs Piano, ein langsamer Bluessong, bei dem zu Beginn einige Töne an Jimi Hendrix erinnerten, der sich von einem riesigen Bild neben der Bühne vermutlich wohlwollend und staunend das Treiben auf der Bühne betrachtete.

Die Hauptbestandtteile bildeten zunächst ein langsames Solo Steckels, in bluesiger Manier eines Gary Moores, und ein Drumsolo von Tony Boyd, der scheinbar versuchte, den Putz von den Wänden des Piano zu holen. Fein auch wie sich Steckel und Kamps am Bass zum Ende des Liedes hin regelrecht duellierten.

“Empty Promises” , ein klasse Southern Rocker läutete dann langsam das Ende der fulminaten Show ein, dem mit “Tennessee” noch ein zunächst harter Bluestrack folgte, in den Steckel aber wieder Klasse Soli in bester Southern-Manier einstreute, die zuweilen auch in Richtung der guten alten Outlaws gingen.

Unter brandendem Jubel der Fans verließ die Band die Bühne, um nach kurzer Zeit noch mit “She’s 19 Years Old “ noch eine letzte Zugabe nachzulegen.

Ein etwa 100-minütiges Konzert hatte so einen würdigen Abschluss gefunden, und Steckel wird vermutlich nicht das letzte Mal in Dortmund Halt gemacht haben. Von diesem recht jungen Musiker ist in der Zukunft noch einiges zu erwarten, ob in Richtung Southern- oder Bliues Rock spielt dabei keine Rolle, beides war an dem Abend in Dortmund Klasse!

Ein Dank geht wieder einmal an Jenny Dore vom Musiktheater Piano für die Akkreditierung und, dass es gelungen ist, solch einen Ausnahmegitarristen ins Piano zu holen. Es bleibt zu hoffen, dass die nun feststehenden Absagen der nächsten Konzerte ein baldiges Ende haben werden und es wieder zu solchen Highlights kommt, wie dem mit Eric Steckel!

Line up:
Eric Steckel- vocals, guitar
Tony Boyd – drums
Jos Kamps – bass

Text und Bilder: Gernot Mangold

Eric Steckel
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Thorbjørn Risager & The Black Tornado – 07.03.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Nachdem Thorbjorn Risager & The Black Tornado vor genau einem Monat die ausverkaufte Kulturrampe gerockt hatten, stand nun das Dortmunder Musiktheater Piano auf dem Programm. Trotz des parallel stattfindenden Spiels der Dortmunder Borussia war das Piano mit über 350 Besuchern bestens gefüllt.

Die Songauswahl entsprach erwartungsgemäß weitgehend der aus dem Krefelder Konzert. Interessant war, wie Risager und seiner Band es gelingen würde, die doch entschieden größere Location einzunehmen. Auch Pille Peelings, Mastermind der Krefelder Kulturrampe hatte sich auf den Weg nach Dortmund gemacht, um die Dänen aus der Sicht des Zuschauers in Ruhe anzuschauen.

Er, wie auch die anderen Besucher sollten nicht enttäuscht werden. Es entwickelte sich ein stimmungsvolles Konzert, in der die Band von der ersten Minute an die Besucher mitnahm (schöne stimmgewaltige Mitsingpassagen bei „Rock ’n‘ Roll Ride“). Das es sich um eine regelrechte Band handelt und nicht nur um einen Fronter, der von Musikern begleitet wird, zeigte sich indem, dass alle Musiker ein Stück ansagten und alle hinlänglich in Solopassagen ihre Freiräume hatten.

Risager überzeugte mit beeindruckenden Stimmvolumen und einigen starken Gitarrensoli, Joachim Svensmark begeisterte mit furiosen Gitarrensoli, wo er sich scheinbar selbst in einen Rausch spielte oder als er mit einem Geigenbogen das Intro zu „Never Givin‘ In“ spielte und auch bei einigen Tracks den Backgroundgesang beisteuerte. Emil Balsgaard klimperte an den Tasteninstrumenten zuweilen rasante Soli, aber genauso auch gefühlvolle Pianopassagen, wie bei der ersten Zugabe, als er alleine Risager begleitete.

Søren Bøjgaard bearbeitete meist mit stoischer Ruhe seinen Tieftöner, steuerte aber auch zuweilen eindrucksvolle Bassspuren mit dem Synthesizer bei. Martin Seidelin, wie gewohnt, bestens gelaut, bespielte seine Drums von gefühlvoll zurückhaltend bis hin zu einhämmernd, je nachdem, was eben für die Songs notwendig war.

Die Bläsersektion um Hans Nybo am Saxofon und Peter W. Kehl an der Trompete legte nicht nur tolle Passagen und Soli mit ihren Instrumenten hin, sondern waren auch die Animateure, die mit Tanz und Klatscheinlagen die Zuschauer zum Mitgehen brachten. Zudem unterstützten sie Risager auch als Backgroundsänger. Gelungen auch, wie Nybo bei „Sin City“ das Blatt einer Kreissäge als Percussioninstrument nutzte.

Thorbjorn Risager & The Black Tornado ist es wieder mal gelungen, mit einer bunten Mischung alter Songs, herausragend dabei das treibende „Hold My Lover Tight“ zum Ende des ersten Sets, und „All I Want“, „Paradise“, „Rock ’n‘ Roll Ride“ und „Baby Please Don’t Go“, aber auch neuen Songs wie „Sin City“, „Never Givin` In“ oder „Over The Hill“, restlos zu begeistern.

Ein besonderer Dank wieder einmal dem Musiktheater Piano für einen fantastischen Abend, dem noch in diesem Monat einige weitere Highlights folgen werden.

Line-up:
Thorbjørn Risager (lead vocals, guitar)
Joachim Svensmark (guitars, keys, vocals)
Emil Balsgaard (Keys)
Søren Bøjgaard (bass)
Martin Seidelin (drums, percussion, vocals)
Hans Nybo (saxophone, vocals)
Peter W Kehl (trumpet, percussion, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

WellBad – 26.02.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Donnerstag Abend, strömender Regen, Deutschland im Würgegriff von Corona und dennoch finden etwa 150 Fans den Weg ins Piano zum ersten WellBad-Konzert in dieser Location.

Unter sphärischer Musik vom Band betreten die Musiker die Bühne und Daniel Webat begrüßt auf eindrucksvolle Weise dramatisch und psychedelisch die Besucher, und erzählt, was sie an dem Abend erwarten werde. Beeindruckend wie er durch seine schauspielerische Leistung, dabei alle in seinen Bann zog.

Im weiteren Verlauf stellte er zwischen aber auch während der Songs wild gestikulierend, zuweilen mit diabolisch rollenden Augen, immer wieder den Kontakt her. Famos dabei seine Stimmgewalt, mit der er vermutlich in vielen Musikgenren Fuß fassen könnte.

Mit dieser Fähigkeit ist auch das Besondere der Band aus Hamburg beschrieben, die so richtig in keine musikalische Schublade passt, was auch nach Aussage vom Drummer Jonas vom Orde, Fluch und Segen zugleich sein kann. Als was soll die Band angekündigt werden? Es finden sich in den Songs Elemente vom Blues, Rock, Jazz, Hipp Hop und einiges mehr wieder. WellBad versuchen mit ihrem eigenen Stil ihren Weg zu finden, ohne sich in irgendein Korsett pressen zu lassen.

Und da sind wir auch direkt beim Segen, der sich auch an diesem Abend zeigte. Das Konzert entwickelte von Beginn an eine enorme Dynamik und die Band überraschte mit verschiedensten Stilen auch innerhalb der einzelnen Songs, dass gar nicht die Chance war, in einem Einheitsbrei wegzudösen. Dies wäre auch spätestens bei einem der Urschreie Welbats unmöglich gewesen, mit dem er auch jeden Virus hätte vertreiben können.

Diese Durchmischung ist aber nur möglich durch die hohe Qualität der einzelnen Musiker. Arne Vogeler bearbeitete seine Gitarren in bester Hard Rock-Manier, aber auch in der Art großer Bluesgitarristen. Stefan Reich, das Tier am Bass, ständig in Bewegung, ließ seine Finger, auch in einem starken Solo, über den Bass gleiten, wobei er immer den passenden Ton traf.

Glänzend auch seine Einlagen am Kontrabass. Sein Partner in der Rhythmussektion, Jonas vom Orde bearbeitete seine Drums von ruhig gefühlvoll bis hin zu ekstatisch, als wenn er seine Drums in Kleinholz zerschlagen würde. Beeindruckend dabei sein mehrminütiges Solo zum Ende der Show. Joachim Refardt, der im Studio auch die Trompete spielt, konnte sich live ganz auf seine Tasteninstrumente konzentrieren, da die Band von einem Bläsertrio unterstützt wurde, welches den Songs nochmals eine größere Fülle gaben.

Insgesamt begeisterten WellBad im knapp zweistündigen Konzert die Besucher restlos, wobei für mich die blueslastigen Stücke wie „Mountain“, „Coalmine“ und das schon fast in einer Jamsession endende „Patience“ als letzte Zugabe die Höhepunkte waren.

Wer sich nicht nur stur auf eine Musikrichtung beschränkt und Spaß daran hat, wie eine Band verschiedenste Genres letztendlich in einem ganz eigenen Stil verknüpft, wird bei WellBad bestens aufgehoben sein. Man wird in Zukunft noch einiges von den Hanseaten erwarten können.

Ein Dank wieder einmal an das Team vom Piano für die problemlose Akkreditierung, welches auch jungen Bands die Chance gibt, sich angemessen zu präsentieren. Man sollte auf jedem Fall die Veranstaltungsvorschau vom Musiktheater Piano und von 3dog Entertainment studieren, da kommt in diesem Jahr noch einiges auf den Musikliebhaber zu!

Daniel Welbat – Vocals & Acoustic guitar
Joachim Refardt – Keys & Trumpet
Arne Vogeler – E-Guitar
Stefan Reich – Bass
Jonas vom Orde – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Climax Blues Band, 16.02.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Zur Climax Blues Band habe ich bis heute ein eigenartiges Verhältnis gehabt. Obwohl ihre Scheibe „Gold Plated“ und später auch „Shine On“, seit frühsten Sammlerzeiten in meinem LP-Bestand vor sich hinstauben (ich bin ja ein absoluter CD-Verfechter), kann ich mich an kaum einen Song außer ihrem Ohrwurm „Couldn’t Get It Right“, der in unser damaligen Musikkneipe oft gespielt wurde, bewusst erinnern.

So richtig habe ich auch nie den Drang verspürt, mich mit der Musik der Briten auseinander zu setzen, obwohl ich die Band eigentlich an sich sympathisch fand. So bin ich dann mit Kollegen Gernot auch eher aus Respekt vor dem langjährigen konstanten Wirken der Band (jetzt über 50 Jahre!), die Reise ins geliebte Musiktheater Piano recht unbedarft angetreten, um die Woche Sonntags Abends entspannt ausklingen zu lassen, sieben Tage zuvor mussten wir ja wegen des heftigen Sturms beim Blues Caravan leider passen.

Das aktuelle Line-up beinhaltet zwar kein Mitglied mehr aus der Gründerphase, die Herren Glover, Simpson, Adams und Hunt sind aber schon seit Urzeiten mit dabei. Letztgenannter ist zu Fuß nicht mehr so gut dabei (kam mit Gehstock teils unsicheren Schrittes auf die Bühne), hat dafür aber seine Quirligkeit in der Fingern bewahren können und lieferte so manches tolles E-Gitarrensolo ab.

Relativ ’neu‘ dabei sind Fronter Graham Dee (seit 2012, mit engagierter Performance, sehr angenehme Stimme) und Saxofonist Boysey Battrum, dessen Lungenflügel und Backen, die wohl am meisten beanspruchten menschlichen Organe, beziehungsweise Körperteile, während des Konzerts abgaben.

In der knapp zur Hälfte gefüllten Lütgendortmunder Location präsentierte das Sextett den überwiegend 40-60-jährigen Besuchern, einen breitgefächerten Soul-Funk-Blues Rock, der sich vor allem in der Spielfreude der beteiligten Musiker entfachte. Toller Rhythmusteppich von Simpson und Adams, markanter Gesang von Dee, variable Keyboardspielereien vom Spaßvogel der guten englischen Schule, George Glover, immer irgendwann durchzogen von Battrums famosen Saxofon-Plustereien und/oder Hunts E-Soli, bildeten eigentlich das immer wieder kehrende Grundschema, ohne dass es allerdings langweilig wurde.

Die Band versteht sich heute als eigenständiges Kollektiv, das eigentlich weniger auf die Historie zurückschaut und eher das ‚Hier und Jetzt‘ im Fokus hat. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass ihr aktuelles Album „Hands Of Time“ mit Tracks wie „Straight Down In The Middle“ (Opener), „17th Canal Street“, „What’s Your Name“, „The Cat“ (alle in Set 1) und „Hands Of Time“, „Ain’t That A Kick In The Head“, „Hard Luck“ (mit Vorstellung und Soli aller Beteiligten) und „Wrong Time“ (alle im 2. Part), hier den Löwenanteil der Spielzeit einnahm.

Zwischen durch gab es mit „The Seventh Son“ und „Spoonful“ noch zwei, auf CBB-Art interpretierte Willie Dixon-Klassiker und natürlich auch kurz vor Ende oben besagtes „Couldn’t Get It Right“ (mit schönem Gesangsinttro von Dee zu sanftem Orgelhall Glovers im abgedunkelten Piano, bevor dann die Band richtig einstieg). Schön diesen Klassesong mal nicht von einer dieser vielen unsäglichen heutigen Coverbands, sondern von absoluten Könnern, serviert zu bekommen.

Die Zugabewünsche des im kompletten Verlauf des Gigs begeistert mitgehenden Publikums, wurden dann mit dem launigen Boogie „Towards The Sun“ auf dem Fuße erfüllt. Am Ende war es eine kurzweilige, musikalisch unterhaltsame Show der Climax Blues Band, der auch in Zukunft noch einiges an Kreativität zuzutrauen ist. Hat sich gelohnt hinzufahren!

Graham Dee – lead vocals
George Glover – keys, vocals
Neil Simpson – bass
Roy Adams – drums, percussion
Boysey Battrum – saxophone
Lester Hunt – electric guitar, vocals

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Climax Blues Band
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Musiktheater Piano
Onstage Promotion

Blues Caravan – 09.02.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbilder

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Blues Caravan 2020 mit Jeremiah Johnson, Whitney Shay und Ryan Perry. Das Sturmtief Sabine machte dem etablierten Team Mangold-Daus (und vermutlich auch noch einigen anderen) jedoch einen Strich durch die Rechnung. Da mussten wir aus Vernunftsgründen leider passen.

Adam Zegarmistrz Glagla zählte jedoch zu den Uentwegten, die, laut seiner eigenen Aussage, eine begeisterte Show geliefert bekamen, und war für Sounds Of South zur Stelle, sodass wir zumindest eine eine Bildergalerie liefern können, die sein Statement visuell untermauert.

Vielen Dank lieber Adam!

Line-up:
Jeremiah Johnson (lead vocals, electric guitar, vocals)
Whitney Shay (lead vocals, vocals)
Ryan Perry (lead vocals,electric guitar, vocals)
Roger Inniss (bass)
Amanda Dal (drums)

Bilder: Adam Zegarmistrz Glagla

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Ruf Records
Musiktheater Piano
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Nazareth – Support: Spy # Row, 01.12.2019 , Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Dass Nazareth auch im 50. Jahr ihres Bestehens noch seine eingeschworene Fangemeinde hat, zeigte sich schon dadurch, dass das Musiktheater Piano wieder einmal ein ausverkauftes Haus meldete. Bemerkenswert dabei ist nicht mal, dass es die Band eigentlich ohne Unterbrechungen gibt, sondern sich das Line-up über die Jahre aus verschiedensten Gründen verändert hat.

Als einziges Gründungsmitglied ist nur noch Bassist Pete Agnew involviert, Gitarrist Jimmy Murrison ist immerhin schon seit 25 Jahren und Petes Sohn, Lee Agnew an den Drums, seit 20 Jahren dabei. Die für viele Fans weitreichendste Veränderung war allerdings der Ausstieg von Sänger Dan McCafferty 2013. Mit Carl Sentance scheint die Band aber jetzt einen Sänger gefunden zu haben, der auch stimmlich in den Sound der Schotten passt und auch dem Songwriting der Band gut zu tun scheint.

Bevor Nazareth die Bühne betraten, überbrückten die drei jungen Frankfurter von Spy # Row mit einem erfrischenden Hardrock/Heavy Metall-Auftritt die Wartezeiten auf das Rockurgestein. In ihrem knapp 30-minütigen Auftritt konnte die Band mit einer Mischung aus Hard– und Heavy-Rock überzeugen und heimste sich auch eine Menge Applaus ein. Aus den sieben gespielten Songs ragte für mich das ruhige „Every Road Leads You Home“ heraus.

Nach einer etwa 30-minütige Umbaupause wurde es in der Halle dunkel, die Bühne war in ein von Nebel umwabbertes Blaulila getaucht und aus den Boxen erklang passend Musik aus den schottischen Highlands.

Symbolisch legte Nazareth mit „Turn On Your Receiver“ los und es begann eine Show durch 50 Jahre ihrer Musik. Erfreulich war, dass es auch einige Songs vom aktuellen Album in die Setlist geschafft haben, was beweist, dass es sich bei Nazareth um eine lebendige Band handelt, die dank Sentances frischem Songwriting, immer noch auf einem guten Weg zu sein scheint.

So folgte schon direkt danach der erste Track aus diesem Werk „Never Dance With The Devil“, in dem Sentance seine Qualitäten als Hardrocksänger offerierte.

Dass mit „Razamanaz“ und „This Flight Tonight“, der Ballade „Dream On“ schon drei Klassiker in der Anfangsphase der Show gebracht wurden, zeugt von einem gewissen Selbstbewusstsein in die aktuelle Kompositionskraft. Nach „Love Leads To Madnness“ und „My White Bicycle“ legte das Quartett mit „Change“ noch ein aktuelles Stück nach, was auch für die Wechsel in der Bandgeschichte zu sehen ist.

Beim Crazy Horse-Cover „Beggars Day“ ging dann richtig die Post ab. Harte Gitarrenriffs von Murrison in Verbindung mit der prägnanten Stimme von Sentance ließen den Song zu einem Knaller werden und mit „Changin‘ Times“ und „Hair Of The Dog“ wurde entsprechend draufgesetzt. Etwas ruhiger wurde es mit dem Titelsong des aktuellen Albums „Tattoed On My Brain“ und dem Welthit „Love Hurts“, der das Publikum zum Schwelgen brachte.

Dass die Agnew-Connection bislang nicht benannt wurde, hat nicht den Grund, dass sie nur Beiwerk waren, aber bei „Morning Dew“, einem Lied aus den Anfangszeiten der Band, hatten sie ihren großen Auftritt. Pete legte am Bass einen fulminanten Rhythmus vor, sein Sohn wirbelte an den Drums, Murrison ließ seine Gitarre jaulen und nach etwa 2 Minuten begab sich auch Sentance auf die Bühne, um leicht mystisch im Gesang einzusteigen.

Danach konnte eigentlich nichts mehr kommen. Doch die Band hatte noch drei Zugaben im Gepäck. Dem heavy eingeläuteten und weiter hart performten „Miss Misery“ schloss sich mit „Where Are You Now“ eine der tollen Balladen der Band an, wo Sentance bewies, dass er McCafferty in der Performance in nichts nachsteht, er aber seinen eigenen Stil hat und gar nicht erst versucht, den legendären Schotten zu imitieren.

Passend zum Ende des Konzertes gab es „Go Down Fighting“. In 90 Minuten hat die Band alles auf die Bretter des Piano gebracht und die Hütte mit ihrer Spielfreude begeistert. Pete bearbeitete seinen Bass mit einem ständigen Lächeln im Gesicht, Sentance gab zuweilen den Animateur, Murrisons Antlitz meist durch die blonde Mähne verborgen, ließ aber manchmal auch seine Freude erkennen und Lee beackerte heftig seine Drums. Schön war auch die Geste Murrisons, der sich zur Show ein Shirt der Vorband angezogen hatte.

Ein Dank wieder einmal an das Piano für einen tollen Konzertabend, wobei diesmal irgendein technisches Problem vor dem Auftritt von Nazareth und zwischen den Songs zu einem Rauschen aus den Boxen führte, was aber in der Kürze der Zeit so behoben werden konnte, dass es mit den Songs direkt übertüncht wurde.

Wer Nazareth in nächster Zeit noch einmal sehen will, kann das Ende Januar tun. Da treten sie mit Wishbone Ash und Uriah Heep in der Dortmunder Warsteiner Halle auf.

Line-up Spy # Row
Sam Niklas Jäger – Vocals, Bass
Tim Louis Jäger – Guitar, Vocals
Arian Gerhard – Drums, Vocals

Line-up Nazareth
Carl Sentance (lead vocals, acoustic guitar)
Jimmy Murrison (guitars)
Lee Agnew (drums)
Pete Agnew (bass, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Musiktheater Piano

Danny Bryant & Bigband – 27.11.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Nachdem Danny Bryant in der Vorwoche im Quartett im Schwarzen Adler schon ein begeisterndes Konzert abgeliefert hatte, spielte er an einem Mittwoch nun mit seiner Bigband im Gepäck im Dortmunder Musiktheater Piano vor. Trotz des eigentlich ungünstigen Termins, zeitgleich blamierte sich der BVB in Barcelona, war das Piano jedoch gut gefüllt.

Pünktlich um 8:00 Uhr begann sich die auf zwei Ebenen angelegte Bühne zu füllen. Mit vier Bläsern und dem Schlagzeug war der obere Teil schon proppevoll und unten warteten Keyboarder, Bassist und der zusätzliche Gitarrist, bis sich unter dem Applaus der wartenden Fans Danny Bryant dann als Letzter sehen ließ.

Eine kurze aber herzliche Begrüßung von Danny an die Fans und schon ging es los. Sprichwörtlich zum Opener „Holding All The Cards“ hatten Bryant und Band alles im Griff, wobei sie schon nach drei Stücken die Karten neu mischten und das in der Setlist als Zugabe aufgeführte „Guntown“ schon vorzogen. Die Songauswahl war sehr ähnlich zu der vom Konzert in der Vorwoche, wobei die Perfomance durch die große Besetzung natürlich eine andere war und so nicht das Gefühl aufkam, zweimal dasselbe Konzert gesehen zu haben.

„Guntown“, schon im Adler ein Highlight, gewann durch die Bläsersektion noch einmal an Intensität. In einer losgelösten Version von „Unchained“ hatten alle Musiker ihren Solopart und wurden zu Recht vom Publikum mit Szenenapplaus bedacht.

Zum Ende erfüllte Melancholie den Saal, als Stevie Watts an den Keyboards das Intro zu „Painkiller“ einspielte, danach Marc Raner nun mit akustischer Gitarre einsetzte und ein stimmlich bestens aufgelegter Bryant die Besucher fast träumen ließ. Die Rythmussektion um Paul Mallatratt am Bass und Schlagzeuger Dave Raeburn, hielt sich bedächtig zurück, um die Atmosphäre des Liedes nicht zu zerstören, die durch die dezent einsetzenden Bläser noch verstärkt wurde.

Nach etwa sieben Minuten war es dann soweit, Watts spielte an den Keys das scheinbare Outro, bis mit drei Schlägen von Raeburn an den Drums ein fulminantes mehrminütiges Solo Bryants einsetzte, in dem er dann fortwährend von allen Musikern bis zum fast hymnischen Ende unterstützt wurde.

Kurz danach war das Hauptset beendet, aber durch die Stimmung und Zugabeforderungen animiert, legte die Band nach kurzer Zeit noch einmal eine klasse Version des Hendrix-Klassikers „Little Wing“ nach. Dieser (Hendrix) betrachte von einem großen Bild neben der linken Bühnenseite das Treiben und hätte mit Sicherheit Spaß an dem gehabt, was die Band mit seinem Song machte.

Danach war dann scheinbar Feierabend. Das Licht ging an, Sound kam vom Band aus den Boxen aber die meisten Zuschauer verweilten noch im Saal und applaudierten. Die ersten standen schon am Merchandisestand. Als es in der Halle wieder laut wurde und die Band unter ’stehenden Ovationen‘ noch einmal die Bühne betrat, um noch einen letzten starken Rausschmeißer, Bryant nun mit seiner Gibson Firebird slidend, drauf zu setzen. Dann war aber nach etwa 120 Minuten energiegeladenen Blues Rocks zumindest musikalisch Feierabend.

Der großartige Abend wurde dann abgerundet, als alle Musiker sich im Merchandisebereich aufhielten, mit Fans Smalltalk hielten und einiges an Autogrammwünschen erfüllten.

Bryant bewies innerhalb von kurzer Zeit, dass er ein begnadeter Livemusiker ist, dem es im Sturm gelingt ein Publikum in seinen Bann zu ziehen, da er gleich drei ‚Waffen‘ sein Eigen nennen kann: Seine Qualitäten als Gitarrist, eine starke Stimme und eine Band, die ihn auf höchsten Niveau mit absoluter Spielfreude unterstützt. Wie gut, dass es Clubs in der Größe des Piano gibt, in der solche Musik ihre angemessene Plattform findet.

Die Leute, welche überlegt hatten, das Konzert zu besuchen, dann aber doch vor der Glotze das Treiben der gut bezahlten Balltreter des BVB verfolgten, haben an diesem Abend mit Sicherheit die falsche Entscheidung getroffen!

Line-up:
Danny Bryant (lead vocals, electric guitar)
Paul Mallatratt (bass)
Dave Raeburn (drums)
Stevie Watts (keys)
Marc Raner (guitars)
David Maddison (trumpet)
Alex Maddison (trombone)
Lauren Young (tenor saxophone)
Mark Wilkinson (baritone saxophone)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Musiktheater Piano

The Aristocrats – 24.11.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Im Rahmen ihrer Tour machten The Aristocrats auch einen Stop im Musiktheater Piano in Dortmund, welches wieder einmal ausverkauft war. Schon kurz nach Einlass füllte sich der Saal sehr früh und wie gewohnt betrat das Trio pünktlich um 20 Uhr unter großem Applaus die Bühne. Schon der Bühnenaufbau mit einem Megaschlagzeug mittig im Vordergrund angeordnet, vermittelte den Eindruck, dass alle Musiker in vorderster Front gleichberechtigte Mitglieder der Band sind, was sich im späteren Verlauf auch immer wieder zeigte, als abwechselnd die Songs und deren Hintergründe beschrieben wurden.

Dies war für die Besucher immer besonders interessant, wenn der Lokalmatador, Marco Minnemann an den Drums, der allerdings schon vor vielen Jahren nach Kalifornien ausgewandert war, dies auf Deutsch machte. Es muss allerdings auch gesagt werden, dass Guthrie Govan an der Gitarre und Bryan Beller am Bass sich Mühe gaben und in einem wirklich verständlichen Englisch, ihre Ansagen machten. Diese Kurzbeschreibungen der Songs waren auch von besonderer Bedeutung, da die Band eigentlich ohne Gesang auskommt.

Schon bei „Blues Fuckers“ zu Beginn der Show zeigte sich, wohin die Reise an diesem Abend gehen sollte. Eine Mischung aus Fusion, Jazz, Prog- und Heavyrock, gewürzt mit Country- und Americana-Einflüssen wurde dem begeisterten Publikum geboten. Hier war schon zu erkennen, warum die Bandmitglieder mit Größen wie Joe Satriani oder Steven Wilson die Bühne geteilt haben.

Govan bearbeitete seine Gitarren in einer zuweilen atemberaubenden Geschwindigkeit und und erzeugte dabei aber Melodien, die sich im Thema der Songs wiederspiegelten. Zuweilen hatte man das Gefühl, insbesondere wenn er Wah-Wah-Effekte einsetzte, die Gitarre würde auch den Gesang übernehmen. Bryan Beller stand diesem zuweilen virtuosen Spiel am Bass in keinster Weise nach und spielte neben den Rhythmusparts in vielen Stücken sein Instrument in Solomanier.

Mit viel Humor brachten Sie die ausgiebige Version des älteren Tracks „D Grade Fuck Movie Jam“, für den sie vor Jahren von der amerikanischen Musikpresse zerrissen worden sind, als diese ihn als einen schlechten Song für einen schlechten Porno betititulierte. Musikgeschmack kann eben verschieden sein, wobei eine solche Aussage bei der spielerischen Qualität schon ziemlich despektierlich ist. „Spanish Eddie“ wurde dann von Govan angesagt, der das Lied auch komponiert hat und es ertönten zunächst Flamenco-Töne in der Halle, um sich später mit der gesamten Band in einem Fusion-Gewitter zu entladen.

Nach „When We All Come Together“ erzählte Beller ausführlich, was ihn veranlasste „The Ballad Of Bonnie And Clyde“ zu schreiben. Dieser Song spiegelte seine Gefühle wieder, nachdem zwei Leute Teile seine Equipments gestohlen hatten. Obwohl diese zwar zunächst aufgrund ihrer dilettantischen Vorgehensweise von der amerikanischen Polizei dingfest gemacht werden konnten, sah er aber von seinen Sachen am Ende doch nichts wieder.

Bei „Get It Like That“ hatte Minnemann seinen großen Auftritt, wobei sein Drumspiel schon vorher extraklasse war. In das Stück eingebettet legte er ein Drumsolo hin, welches deutlich machte, warum das Schlagzeug manchmal auch als Schießbude bezeichnet wird. Schlagfolgen, die zuweilen fast schon surreal wirkten, wechselten sich mit der Bassdrum, die das altehrwürdige Piano in seinen Festen wackeln ließ, mit teilweise spielerisch ruhigen Passagen.

Dies war auch der erste Song mit Gesang. Minnemann ließ ein Gummischwein zur Melodie ins Mikro quitschen und Beller am Bass vervollständigte den zweistimmigen Gesang mit einer quitschenden Gummigans. Bemerkenswert, wie Hundespielzeug in eine so komplexe Musik eingebunden werden kann und dabei noch Qualität herauskommt. Beendet wurde der Schlagzeugteil dann mit einer kurzen Passage von „Another One Bites The Dust“.

Nach den bisher zuweilen sehr komplizierten Songmustern wurde es mit „Last Orders“, einer Anklage gegen die englische Kneipenordnung sehr melodiös mit einem Einschlag von Americana. Dass der eigentliche Sinn der Regelung, eine höhere Leistungsfähigkeit der Briten nicht erreicht wurde, zeigte sich spätestens beim Brexit.

In „The Kentucky Meat Shower“ verarbeitet Govan seine Kindheitserinnerungen an ein Bilderbuch, welches er zu Beginn dem Publikum mit Erklärungen zeigte, um danach mit seinen Kollegen Klangcollagen zu produzieren, die unter anderem auch die im Buch dargestellte Explosion widerspiegelten.

Das eigene, naive Fehlverhalten nach einer Tornadowarnung war für Minnemann der Anlass, „Desert Tornado“ zu schreiben. Der Band gelang es fabelhaft die Momente von der Ruhe vor dem Sturm bis hin zu den zerstörerischen Böen ins Piano zu transportieren, um sich danach mit „Flatlands“ zunächst vom Publikum zu verabschieden.

Stürmisch wie die Show waren auch die Zugabeforderungen der Besucher. Im abschließenden melodiösen „Smuggler’s Corridor“ wurde dann die Audienze mit einbezogen, um mehrfach eine Art Refrain anzutönen. Die Besucher scheiterten dann allerdings in dem Moment vokal, als Gitarrist Govan die Stimmlage mit seinem Instrument so hoch vorgab, dass man Angst um die Fenster im Piano haben musste.

Nach etwa 130 Minuten war dann ein beeindruckendes Schauspiel beendet, in dem die drei Musiker offerierten, was spielerisch mit ihren Instrumenten, fernab von jeglichen Mainstream, möglich ist. Ein Dank an das Team vom Piano aber auch an Yvette von Shooter Promotions und die Band für das Entgegenkommen beim Fotografieren.

Line-up:
Guthrie Govan – guitar
Bryan Beller – bass
Marco Minnemann – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Shooter Promotions

Pavlov’s Dog, 15.11.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Schon einige Wochen vor dem Auftritt vermeldete das Piano ein ausverkauftes Haus. Das mag zunächst erstaunlich sein, da die Band, die mit langer Unterbrechung seit knapp 46 Jahren besteht, nur wenige Alben auf den Markt geschmissen hat, die zunächst auch eher weniger beachtet wurden. Als einziges ständiges Mitglied ist auch nur noch der musikalische Kopf der Band, David Surkamp dabei, der aber wieder eine schlagkräftige Truppe um sich gesammelt hat.

Mit „Late November“ und „Fast Gun“ legte die Band direkt zwei Klassiker aus dem ersten Album „Pampered Menial“ aus dem Jahr 1975 vor. Surkamp zeigte sich dabei stimmlich auf der Höhe, wobei der Gesang nicht mehr ganz so hoch war wie vor über 40 Jahren, was der Qualität aber keinen Abbruch tat.

Zusammen mit David Malachowski, der erst im letzten Jahr zur Band stieß, wechselte er sich mit Rhythmus und Soloparts an den Gitarren ab, wobei Malachowski, der auch schon einige Jahre bei Savoy Brown gespielt hatte, oft in sich gekehrt auf der Bühne stand, um bei einigen Soli dann doch zu explodieren, während Surkamp gestenreich extrovertiert seinen Gesang untermalte. Bei einigen Stücken unterstützte Sara Surkamp, sonst meist für den Backgroundgesang oder Zweitstimme zuständig, zusätzlich an der Rythmusgitarre.

Eine tragende Rolle spielte auch Abbie Steiling, die zuweilen wie ein Teufel über die Saiten ihrer Geige fegte und zeigte, dass dieses Instrument auch im progressiven, zu Teilen folkigen Rock, als Stilmittel geeignet ist. Den Rhythmus und somit eine Basis der Musik legten der sich ständig in Bewegung befindliche Rick Steiling am Bass und der zuweilen stoisch wirkende Manfred Plötz an den Drums, die auf den Punkt ablieferten. Nicht zu vergessen, Mark Maher, der an den Keyboards oft einen psychedelischen Touch in den Sound brachte.

Nachdem der Start mit den zwei alten Songs geglückt war, präsentierte die Band mit „Shaking Me Down“, dem verträümten „Hurting Kind“ und „Winds Wild Early“ direkt drei Stücke vom aktuellen, 2018 erschienen Album „Prodigal Dreamer“, welche vom zu diesem Zeitpunkt schon begeistert mitgehenden Publikum, sehr gut angenommen wurden und sich stilistisch nahtlos am Altbekannten orientierten. Im weiteren Verlauf war der absolute Schwerpunkt auf Songs des ersten und des aktuellen Albums gelegt, welche fast vollständig durchgespielt wurden.

Aber auch einige Lieder des zweiten Werks „At The Sound Of The Bell“, wie „She Came Shining“ und „Standing Here With You“ fanden ihren Platz auf der Setliste, die immerhin 23 Stücke umfasste und in der sich altes, wir sprechen hier von Songs, die über 40 Jahre alt sind, mit aktuellem Material abwechselten. Schön war auch die Passage, als mit „Paris“, „Winter Blue“uns „Hard Times“ drei sehr melodiöse Songs vom aktuellen Longplayer aneinandergereiht waren und Surkamp in einem Übergang über seine Karriere als Musiker sprach.

Beim anschließenden hart performten „Canadian Rain“ ging dann so richtig die Post ab. Hier hatte die Rythmussektion mit einem minutenlangen Solo seinen großen Auftritt, wo Steiling seinen Bass nach allen Regeln der Kunst furios und posend bearbeitete und nur zu Recht vom Publikum begeistert mit Ovationen bedacht wurde.

Interessant war der Beginn von „Aria“, wo Plötz die Drums so ertönen ließ, wie Trommler in alten Zeiten Armeen begleiteten. Den Leadgesang übernahm zunächst Surkamps Frau Sara, um sich dann mit ihrem Gatten abzuwechseln.

Zum Ende der Show setzte Pavlov’s Dog dann wieder auf Tracks des ersten Albums „Pampered Menial“. Nach „Natchez Trace“ und „Episode“ ging es bei „Theme From Subway Sue“ noch einmal ordentlich zur Sache. Danach verließ das Septett unter Ovationen die Halle. Durch lautstarke Zugabeforderungen im Piano, welches sich in einen kleinen Hexenkessel verwandelt hatte, blieb der Band nichts anders übrig, als noch einmal die Bühne zu betreten.

Die beiden Zugaben hatten es dann noch einmal in sich und waren der absolute Höhepunkt des Konzertes. Das treibende fast hardrockende „Song Dance“ wurde gekrönt von einem phantastischen Solo, in dem sich Malachowski an der Gitarre und Steiling an der Geige sprichwörtlich die Bälle zuschmissen und auch Surkamp noch seinen Senf dazu gab. Den Abschluss machte dann das wohl bekannteste Stück der Band. Das melodische „Julia“, auch mit einem furiosen Gitarrengewitter im Mittelteil, war sozusagen der krönende Abschluss eines etwa zweistündigen Konzertes.

Dass es sich bei Pavlow’s Dog um eine Band handelt, in dem Surkamp zwar der Mastermind ist, zeigte sich noch einmal nach dem Konzert, als alle Bandmitglieder an einer schnell bereitgestellten Tischreihe im Konzertsaal Platz nahmen und geduldig Autogrammwünsche der zahlreichen Fans erfüllten.

Ganz nach dem Motto des Pavlow’schen Hundes haben Surkamp und seine Frauen und Mannen an dem Abend eine Glocke geläutet, die dafür sorgen wird, dass den Anwesenden das Wasser im Mund zusammenlaufen wird, wenn sie, wie angekündigt, auch im nächsten Jahr wiederkommen werden.

Line-up:
David Surkamp – Gitarre, Gesang
Sara Surkamp – Gitarre, Gesang
Abbie Steiling – Geige, Gesang
David Malachowski – Gitarre
Mark Maher – Keyboards
Rick Steiling – Bass
Manfred Plötz – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Musiktheater Piano
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Doyle Bramhall II, 06.11.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Doyle Bramhall II zum zweiten Mal in diesem Jahr im Musiktheater Piano in Dortmund! Nachdem er bereits im Juni im schönen Club gespielt hatte, überraschte er Jenny Dore wohl mit dem Angebot, jetzt noch mal einen Zwischenstopp an der Lütgendortmunder Straße tätigen zu wollen.

An diesem nasskalten November-Abend musste allerdings auch der prominente Texaner, der ja immerhin von Leuten wie Roger Waters oder Eric Clapton als Gitarrist gebucht wird, zur Kenntnis nehmen, dass es mitten in der Woche, nur sehr schwer bei uns ist, richtig viele Leute vom heimischen Sofa wegzulocken. Die Zuschauerzahl hätte wie letzte Woche schon bei Laurence Jones, bei solch einer Qualität, doch gerne etwas höher ausfallen dürfen.

Mit 20-minütiger Verspätung kam das Trio auf die Bühne. Nach kurzem Warmspielen zum psychedelisch angehauchten Opener „Love & Pain“ ließ es der wieder recht egozentrisch, introvertiert und wortkarg rüberkommende Protagonist (so hatte ich ihn auch bei meinem ersten Besuch in Erinnerung), zunächst mit Tracks wie „Mama Can’t Help“, „November“, „Everthing You Need“ oder „Searching For Love“ recht melodisch angehen.

Der neue Drummer Tony Leone ist ja ähnliche Charaktere von der Chris Robinson Brotherhood gewohnt und auch Bramhalls konstanter Mitstreiter Adam Minkoff (mit Haaren wie Schafswolle auf dem Kopf), der wieder durch seine Vielseitigkeit glänzte (Keys und Bass, einmal sogar gleichzeitig) und diesmal stärker bei den Vocals eingebunden war, scheinen den Protagonisten bei seinem filigranen Gitarrenwirken ziemlich gelassen hinzunehmen.

Ab dem Hendrix-Cover „Izabella“ und spätestens mit dem Stooges-Song „I Wanna Be Your Dog“ wurde es ziemlich psychedelisch, jammig, teilweise punkig (auch bei „Green Light Girl“ als Abschluss des Hauptteils) und für meine Gehörgänge oft zu frickelig und technisch. End-60er-/Anfang-70er-Rock-affine Leute, die wohl auch die größte Gruppe unter den Anwesenden darstellten, werden demnach ganz gut auf ihre Kosten gekommen sein. Auch Doyle hatte in dieser Phase zumindest ab und zu Spass in den Backen und lächelte kurzzeitig in Richtung seiner Begleitmusiker. Er ließ sich sogar mal zu einer Ansage wie „What day is it?“ hinreißen.

Erst mit den Zugaben, dem weiteren Hendrix-Klassiker „Angel“, der allerdings mit zunehmender Dauer im Gitarrenpart auch sehr kräftig aufbrauste und dem atmosphärischen „So You Want It To Rain“ (Bramhall temporär mit dezentem Southern-Spiel), wurde der Gig wieder wieder etwas gemäßigter beendet. Ich persönlich hätte mir mal ein zwei Stücke aus seiner Arc Angels-Zeit gewünscht, aber es geht ja hier nicht um meine Befindlichkeiten.

Immerhin ließ der Meister sich dann am Merchandising-Stand sehen, und wirkte da eigentlich ganz herzlich, weniger unnahbar als auf der Bühne und erfüllte ganz gelassen Autogramm- und Fotowünsche (u. a. auch einen schönen großformatigen Schnappschuss des Kollegen Mangold). Insgesamt also ein qualitativ hochwertiger musikalischer Abend (Doyle spielt schon toll Gitarre), der aber eher dem Charakter einer ‚Vorlesung‘ für Musikstudenten von einem in sich gekehrten Lehrmeister glich. Für eine packendere Stimmung und mehr Begeisterung an einem nasskalten ungemütlichen Mittwoch-Abend in der Arbeitswoche muss man ein Publikum letztendlich doch deutlich mehr mitnehmen.

Line-up:
Doyle Bramhall II (lead vocals, electric guitar, vocals)
Tony Leone (drums, vocals)
Adam Minkoff (bass, keys, vocals, lead vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Doyle Bramhall II
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