Bröselmaschine – 05.09.2020, Kantine-Biergarten, Köln – Konzertbericht

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Am ersten Septemberwochenende fand die Openair Konzertreihe im Biergarten der Kantine seine Fortsetzung. Gut 200 Besucher hatten sich an diesem, zum Glück trockenen Abend, bei eher herbstlichen Temperaturen eingefunden, um der mittlerweile etwa 50-jährigen Bröselmaschine rund um Peter Bursch zu lauschen.

Pünktlich um kurz vor Acht betrat Marcus Neu mit dem obligatorischen Hut, der in der Umbaupause genutzt wurde, um die Kollekte für die Band einzusammeln, die Bühne und stellte kurz die in Duisburg gegründete Band vor, die dann ohne große Vorschweife nach einer Begrüßung durch Peter Bursch loslegte.

Schon beim Intro zum ersten Song wurde klar, was die Besucher erwartete: psychedelisch angehauchter Prog Rock der Extraklasse. Zum Einstieg gab es mit „Elegy“ den Titelsong des aktuellen Albums. Schön war, dass als Gastmusikerin Tamara Sidorova die Band an der Geige unterstütze, wie Sie es auf dem aktuellen Album auch getan hatte.

Furios waren der Einklang mit Tom Plötzer an der Orgel und Michael Dommers sowie Peter Bursch an den Gitarren. Stella Tonon untermalte gestenreich singend die Dramaturgie des Songs und die Band hatte sofort das Publikum hinter sich gebracht.

Die beiden „Jungs“ der Rythmusfraktion sollen an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Die Drummaschine Manni von Bohr, seine Batterie ständig beackernd und der am Rand der Bühne sitzende Bassist Detlef Wiederhöft zeigten ihre Extraklasse.

Nach dem sehr heterogenen „Bliss“, auch vom aktuellen Werk, mit Stil- und Tempowechseln, die aber so miteinander verschlungen waren, dass es keine Brüche im Song gab, nahm sich Bursch das erste Mal die Sitar und mit „Oriental Mind“ umwehten passenderweise orientalische Klänge die Kantine.

Stella Tonon passte dazu ihren Gesangsstil an und bewegte sich zuweilen auch wie eine orientalische Tänzerin. Manche Passagen von Tom Plötzer an der Orgel erinnerten auch an Pink Floyd und Michael Dommers durchbrach immer wieder die Songstruktur mit feiner Gitarrensoloarbeit.

„Hello Hello“, wieder mit Einlagen von Tom Plötzer an der Orgel und Michael Dommers an der Gitarre, stellten ebenfalls  feinsten Prog Rock Pink Floydscher Prägung und deren  Einfluss auf die Szene dar.

Zum Abschluss des ersten Sets folgten noch zwei Hammersongs, zunächst „Indien Camel“, von gleichnamigen vorletzten Longplayer, wieder Bursch passenderweise an der Saz, in das die Band elegant den „Bolero“ einfließen ließ und eine feine bluesige Coverversion des Etta James-Klassikers „I’d Rather Go Blind“.

Die nun anstehende Pause nutzte Macus Neu dazu, wie schon zu Beginn des Konzertes angekündigt, um von den Besuchern den verdienten Obolus für die Band in seinem Hut zu sammeln.

Nach etwa 20 Minuten Pause betrat dann die Band wieder die Bühne. Einzig die Rhythmusfraktion fehlte. Detlef Wiederhöft kam zügig hinterher, während Manni von Bohr zunächst verschollen blieb, was Stella Tonon dazu veranlasste ihn per Mikro zu rufen.

Kurz danach war er dann auf der Bühne, nicht ohne noch schnell auf dem Weg einen Bekannten zu grüßen und mit dem spanisch gesungenen „Pajero“ wurde das zweite Set eröffnet.

Dieses Set entwickelte sich nach diesem mystisch-psychedelischen Lied dann mit mehr rockenden Elementen, als der Vorgänger. Dies soll allerdings keine Beurteilung sein, welcher von beiden, in einem insgesamt starken Konzert, jetzt besser war. Da werden die persönlichen Geschmäcker mit Sicherheit zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

„Sofarock“, älter als die Sängerin Stella Tonon entstand in alten Kommunenzeiten und das zuweilen mystisch klingende „Fall Into The Sky“ mit jazzigen Einflüssen folgten. Bei letzterem hatte im übrigen ein gewisser Helge Schneider mitgewirkt, was bei manchen Besucher im Vorfeld die Hoffnung hatte aufkeimen lassen, dass er eventuell an diesem Abend auch dazu stoßen würde, was abernicht der Fall war.

Mit „Sole Ruler“ und „Black Is Your Colour“ gab es  noch einmal zwei Songs des aktuellen Albums, wobei insbesondere letzteres durch einprägende Hardrockriffs besonders gefallen konnte.

Als vorletztes Stück wählte die Band mit „For My Friends“ passend einen wunderschönen Song, der den Anwesenden gewidmet war, dem mit „I Was Angry“ der Rausschmeisser folgte, in dem sich nach und nach die Musiker von der Bühne verabschiedeten und am Ende Manni von Bohrs diese für sich überließen, sodass dieser sich in einem mehrminütigen Drumsolo regelrecht austoben konnte. Zum Ende kamen aber alle zurück, um sich von den Zuschauern zu verabschieden.

Durch zahlreiche Zugabeforderungen animiert, verließen die Musiker gar nicht erst die Bühne, sondern ließen noch zwei Zugaben folgen. „Bei uns Zuhaus“ dem einzigen Stück, das von Peter Bursch auf deutsch gesungen wurde und welches eine passende Beschreibung von Duisburg zu meinen Zeiten, als ich dort noch in den siebziger Jahren wohnte und den damaligen Charakter der Stadt, vielen noch aus Schimanski Tatorten bekannt, zeigte.

Danach entwickelte sich sich aus einem zunächst chaotisch anmutenden Geplänkel als Intro ein Klassiker der so genannten Glam Rock-Epoche. Michael Dommers ließ in das Intro ein wohl bekanntes Riff einfließen und mit einer starken Interpretation des T-Rex Songs „Children Of The Revolution“ endeten etwa zwei Stunden mit Bröselmaschine und keiner der Anwesenden wird sein Kommen bereut haben.

In den vorangegangenen Stunden bewies die Band, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehört und weiter innovativ unterwegs ist. Bursch und seine Mitstreiter ließen es sich nicht nehmen, nach dem Konzert noch lange den Besuchern für Smalltalks oder zum Signieren von CDs/LPs zur Verfügung zu stehen.

Ein besonderer Dank geht noch einmal an Marcus Neu und das Team von der Kantine für die Bewirtung der Gäste, die es schafften, trotz der Coronaauflagen, einen solchen Abend zu ermöglichen.

Weiter geht es schon am Mittwoch mit einem Americana-Gig im Biergarten der Kantine und auch anderen Konzerten im Laufe des Monats. Es bleibt zu hoffen, dass das Wetter noch länger mitspielt. Gästen, die schnell frieren sei aber angeraten, eventuell zur Sicherheit eine Decke mitzunehmen oder sich zumindest dementsprechend warm anzuziehen.

Line-up:
Peter Bursch- Guitar, Sitar, Saz, Lead Vocals
Detlef Wiederhöft – Bass
Michael Dommers – Guitar, Vocals
Stella Tonon – Lead Vocals
Tom Plötzer – Keyboards
Manni von Bohr – Drums
Guest: Tamara Sidorova – Violin

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Kantine, Köln

New Nektar – 09.01.2020, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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In den Ankündigungen für das Konzert war sichtlich von Nektar die Rede. Wenn man aber das letzte Album „Megalomania“ von 2018 sieht, fällt ins Auge, dass die Band sich nun mit New Nektar benennt. Dies mag auch sinnvoll erscheinen, da 2016 mit Roye Albrighton das letzte verbliebene Gründungsmitglied verstorben war.

Von der damaligen Besetzung, die sich in der fortlaufenden Historie immer wieder änderte, ist jetzt nur noch Keyboarder Klaus Henatsch im Boot, der eine schlagfertige Truppe formiert hat, die nicht nur das Erbe der in den 70er Jahren gegründeten Progrockband verwaltet, sondern sich auch mit neuen Songmaterial weiterentwickelt hat, was sich dann auch im Laufe des Konzertes zeigte.

Mit der akademischen Viertelstunde Verspätung begann die Band, in einem, für einen Donnerstag-Abend gut gefüllten Yardclub, vor einem auch altersmäßig bunt gemischten Publikum, mit dem psychedelischen „Tab In The Ocean“ vom gleichnamigen, 1972 erschienen Album, wo sich zunächst Henatsch an den Keyboards in den Vordergrund spielte, bevor der Rest der Band mit einstieg. Der Anfang des Konzertes war mit Songs wie „King Of The Twilight“ oder „Desolation Valley“ ohnehin der Frühphase von Nektar gewidmet, in der die Band auch in Amerika ihre erfolgreichste Zeit hatte.

Kennzeichnend waren die psychedelische Untermalung durch das Keyboard, eine zuweilen treibende Rhythmusarbeit durch Heike Nolden, bestens gelaunt und dauergrinsend, am Bass und Norbert „Panza“ Lehmann an den Drums, sowie zum Teil furiose Gitarrenpassagen von Alex Hoffmeister, der gesanglich von Helen Landzettel und Sandra Kawka im Background unterstützt wurde. Durch die Heterogenität der Stücke mit Rhythmuswechseln, in denen sich ruhige wie auch harte Parts abwechselten, fühlte man sich mehrfach an die frühen Genesis erinnert.

In der Mitte des Konzertes folgte mit „Dr Kool“ ein Lied, wo die Bearbeitung des Jugendwahns durch Botox kritisch hinterfragt wurde. Nektar zeichnete sich ohnehin von den Texten her schon zu Anfangszeiten, immer als sehr kritisch zu gesellschaftlichen Problemen.

Darauf folgte dann für mich mit dem rockigen „Megalomania“ eines der Highlights der Show, dem mit „Selling The World“, dem einzigen Track, bei dem Keyboarder Klaus Henatsch den Leadgesang übernahm und „Where Do We Go To“, noch weitere Stücke des 2018er Albums „Megalomania“. Hier offerierte die Band, dass es sich nicht um das Verwalten alter Songs geht, sondern dass New Nektar sich mit dem Wechsel des Personals weiterzuentwickeln gedenkt.

Zum Ende des Gig legte das Sextett mit „Remember The Future Part 2“ noch einmal ein Kracher hin, wobei man es verstand, das Einstiegsriff und das Schlagzeug zu „Child In Time“ zu nutzen, um dieses dann immer wieder durch wilde, an Jimmy Hendrix erinnernde Gitarrensoli zu durchbrechen.

Nach einer langen Version „Man In The Moon“ von 1980 verabschiedete sich das Kollektiv dann vom Publikum. Wissenswert ist, dass zu den Zeiten, als der Song geschrieben wurde, ein gewisser Carmine Rojas, der danach unter anderem bei David Bowie, Rod Stewart, Joe Bonamassa und Ryan McGarvey den Tieftöner bediente, Bestandteil der Band war.

Durch frenetischen Zugabeforderungen animiert, betrat die Band dann noch einmal für den Zugabeteil die Bühne und schloss das Konzert passend mit „Good Day“ ab.

New Nektar bewies an diesem Abend in etwa 2,5 Stunden, dass alle Bandmitglieder vor Spielfreude strotzen und dass sie mit dem gelungenen Songwriting einen Bogen gespannt haben, der die alteingesessenen Sympathisanten nicht vergisst, aber auch neue Fans hinzugewinnen möchte. Man darf neugierig sein, wie es mit der Band weitergeht, die spätestens 2016 nach dem Tod von Roye Albrighton, dem auch ein Song gewidmet war, vor dem Ende stand, aber durch die Beharrlichkeit von Klaus Henatsch, der mit Alex Hofmeister einen passenden Ersatz fand, wiederbelebt wurde.

Dass die Geschichte weitergeschrieben wird, scheint sicher zu sein, da man zu jedem Zeitpunkt merkte, wie die Bandmitglieder aus der positiven Resonanz der Besucher Energie zogen, welche sich dann in ihrer Spielfreude entlud.

Ein besonderer Dank geht neben New Nektar für den schönen Abend, an Markus Neu vom Yardclub, sowie Mike Mouser von On Stage Promotions, für die, wie immer problemlose Akkreditierung.

Line Up:
Alex Hoffmeister: Guitar, lead Vocals
Heike Nolden: bass, violin, vocals
Norbert „Panza“ Lehmann: drums, vocals
Klaus Henatsch: Keys, vocals
Helen Landzettel: Vocals
Sandra Kawka: Vocals

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Yard Club Köln