Robert Jon & The Wreck, 24.06.2022, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Zum ersten Mal traten Robert Jon & The Wreck im Dortmunder Musiktheater Piano auf. Bei tropischen Temperaturen mit der entsprechenden Luftfeuchtigkeit heizten die fünf Kalifornier den Besuchern gewaltig ein. In dem etwa 100 minütigen Konzert, das einen Querschitt über alle Alben darstellte, zeigten die jungen Musiker, dass sich die Southern Rock-Fans sich keine Sorgen machen müssen, wie es weitergeht, wenn die Dinos der Szene so langsam abtreten.

Stellvertretend für die gelungene Songauswahl sei „Cold Night“ mit einem jammenden Zwischenteil genannt, bei dem Henry James und Robert Jon Burrison zusammen mit Bassisten Warren Murrel nicht nur visuell Gedanken an die Guitararmy aufleben ließen. Dazu drummt sich Andrew Espantman regelrecht die Seele aus dem Leib und Keyboarder Steve Maggioreoffenbart, warum er neben seiner Stammband auch als Keyboarder bei den Rocklegenden von Toto fungiert.

Mit diesem Auftritt, wo sich die Sommertour nach zig Konzerten langsam dem Ende zuneigt, hat die Band bei den etwa 140 Fans mit Sicherheit einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, der beim nächsten Mal einen weitaus besseren Besuch erwarten lässt, wobei unter den derzeitigen Bedingungen der Besuch bei einer Premiere in Ordnung ist. Wer Robert Jon mit seinen Mannen in der Region noch einmal sehen will, dem sei ein Besuch beim Static Roots Festival in Oberhausen angeraten. Die Kulturrampe in Krefeld ist schon ausverkauft.

Ein Dank mal wieder an Thomas und Jenny vom Piano dafür, dass sie trotz der widrigen Bedingungen die Fahne der Rockmusik weiter hochhalten, auf dass es nach der jetzt kommenden Sommerpause mit anstehenden Renovierungsarbeiten mit dann steigenden Besucherzahlen weitergeht. Karten für die dann anvisierten Konzerte sind schon im Verkauf und zudem gibt es noch einige Veranstaltungen von 3Dog Entertainment in den kommenden Wochen, die sicherlich besuchenswert sind.

Line-up:
Robert Jon Burrison (lead vocals, electric guitar)
Henry James (electric guitar, vocals)
Warren Murrel (bass)
Andrew Espantman (drums, vocals)
Steve Maggiora (keys, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Robert Jon & The Wreck
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Musiktheater Piano, Dortmund
3Dog Entertainment
Teenage Head Music

Kamchatka – Support: Jail Job Eve – 23.06.2022 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Nach mehreren Verschiebungen bedingt durch die Coronapandemie konnte das schwedische Powertrio Kamchatka endlich das aktuelle Album „Hoodoo Lightning“ promoten.

Als Support gaben sie der Osnabrücker Band Jail Job Eve die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Dies gelang den jungen Musikern, welche mit ihrer kraftvollen Mischung aus Blues-, Hard- und Melodic Rock beeindrucken konnten. Im Vordergrund stand die Fronterin Victoria Semel mit ihrer starken Rock- und Bluesstimme. Da es sich aber um eine Band handelt, hatten auch die anderen Musiker die Möglichkeit ihre spielerischen Qualitäten unter Beweis zu stellen.

Benedikt Schlereth lieferte harte Gitarrenriffs, konnte aber auch gefühlvolle Soli, zuweilen sogar mit einem Southernflair oder slidend beisteuern. Auch Jens Niemann an den Keyboards legte einige feine Soli hin und unterlegte die Songs mit Soundteppichen.

Stark auch die Rhythmussektion um Drummer Josef Röhner, der die richtige Mischung aus powervollen Drumming und gefühlvoller Zurückhaltung bei den ruhigeren Nummern zeigte und Laurenz Gust der mit einem klar differenzierten Bassspiel mit einigen feinen Läufen überzeugen konnte.

Bei Ihren Songs nahmen die Musiker auch zum aktuellen Tagesgeschehen Stellung, wie bei „No Means No“, wo es um Gewaltsituationen geht, oder beim Titel „Lost“, wo es Sängerin Victoria Semmel gelang, das Publikum zum Mitsingen zu animieren und die Botschaft an die Frauen gesendet wird, sich auf die Bühnen der Rockmusik zu trauen und dass sie dort auch anerkannt werden. Im letzten Song „Riot“ zollte man noch Tribut für die russische Rockband Pussy Riot, die wegen ihrer zurecht kritischen Haltung zur Politik in Russland politisch verfolgt wird, was bis zur Inhaftierung der Musikerinnen führte.

Nach etwa 45 Minuten verließ die Band unter dem Applaus der Besucher die Bühne. In der Form ist von den jungen Musikern aus Osnabrück noch einiges in der Zukunft zu erwarten.

Line-up Jail Job Eve:

Victoria Semel – vocals
Benedikt Schlereth – guitar
Jens Niemann – Hammond Orgel
Laurenz Gust – bass
Josef Röhner – drums

Nach einer kurzen Umbaupause war es dann soweit und die drei Musiker von Kamchatka betraten die Bühne und präsentierten einen Querschnitt von Songs von ihren Anfangszeiten bis zum letzten Album „Hoodoo Lightning“.
Krachend  begann das Trio mit „Perfect“ vom 2011er Album „Bury Your Roots“, um dann mit „Seed“ einen bluesgetünchten Song aus ihrem Debutalbum nachzulegen.

Thomas Juneor Andersson zeigte in diesen beiden Stücken seine Vielseitigkeit an der Gitarre, welche von knallharten Rockriffs, bis hin zur Rhythmusarbeit in Richtung ZZ Top ging. Bei den Soli, in denen er Elemente verschiedenster Musikstile miteinander verschmelzen ließ, spielte er sich zuweilen in einen Rausch, um dann aber wieder punktgenau in den jeweiligen Songs wieder anzukommen. Im Gesang wechselte er sich mit Bassist Per Wiberg ab, der insbesondere bei den stark bluesigen Stücken mit seiner etwas rauheren Stimmlage überzeugen konnte.

Dabei legte er fette Bassläufe hin, welche absolut differenziert erkennbar waren. Hier schon ein Lob an Harro Kleffmann, dem es gelang den gewaltigen Sound ins Piano zu zaubern, dass es auch trotz der Lautstärke sehr klar war.
Mit „Auto Mowton/Spacegirl Blues“, auch vom ersten Album, ging es im Hard Rock der 70er Jahre im Stile von Bands wie Mountain weiter, und es kam immer wieder zu jammenden Einlagen.

Hier ist auch Drummer Tobias Strandvik hervorzuheben, der an den Drums zuweilen ein Tempo vorlegte, dass die Drumsticks nur so durch die Luft wirbelten. Vom aktuellen Album präsentierten die Schweden das rockige „Rainbow Ridge“, „Blues Science“ mit Heavy-Elementen in Part I („Thunder Rise“), während der musikalisch sehr heterogene Part II („Hoodoo Lightning“) wieder die gesamte Bandbreite vom Blues bis zum Hard- oder Heavy Rock widerspiegelte.

Mit zwei Songs vom 2015er Album „Long Road Made Of Gold“ beendete die Band das Set krachend mit bluesigen Hard Rock. Stark der klare Gesang bei „Get Your Name On“ mit stakkatoartigem Gitarrenspiel von Andersson und der etwas rauhere Gesang von Wiberg bei „Human Dynamo“.

Nach lautstarken Zugabeforderungen legte die Band mit „TV Blues“ noch eine harte Tex-Bluesnummer nach, um mit dem jammenden „No“ ein klasse Konzert, welches die Fans nicht nur durch die Außentemperaturen zum Schwitzen brachte, zu beenden. Schon wenige Minuten nach dem Konzert fanden sich die drei Musiker am Merchandisingstand ein und nahmen sich reichlich Zeit für Gespräche und zum Signieren von Fanartikeln. So konnten die drei sympathischen Skandinavier neben der starken Musik weitere Pluspunkte bei den Fans verbuchen.

Line-up Kamchatka:
Thomas Juneor Andersson – vocals, guitar
Per Wiberg – bass
Tobias Strandvik – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Kamchatka
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Jail Job Eve
3Dog Entertainment

Eric Steckel – Support Rovar – 22.05.2022 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Das letzte Mal sah ich Eric Steckel am 13.03.2020 im Musiktheater Piano. Es war das letzte Konzert, bevor es einen Tag später endgültig zum Lockdown durch Corona kam, der die Kulturszene für einen langen Zeitraum beeinflusste und unter dessen Folgen jetzt noch die Clubs und Musikszene leiden, was sich auch an vielen Absagen, mangels Kartenvorverkauf, Krankheit oder auch an geringen Zuschauerzahlen zeigt, die kaum genügen, um die Kosten zu decken, den Club aufzuschließen.

Immerhin hatten sich an einem sonnigen Sonntagabend doch so viele Zuschauer im Saal des Piano eingefunden, dass das Bild nicht so trostlos war, wie bei einigen Gigs, die ich in der letzten Zeit besucht hatte. Dennoch blieb genug Luft nach oben übrig.

Schon gegen 19:45 Uhr begannen die drei jungen Musiker von Rovar die Anwesenden mit ihrer Mischung aus Grunge und Hardrock auf Betriebstemperatur zu bringen. In ihrem knapp 40-minütigen Auftritt gelang es dem Trio, Werbung in eigener Sache, für ihre erste EP und das anstehende erste Album zu machen.

Line-up Rovar:
Luca Mewes: guitar, vocals
Paul Ulrich: bass
Bennet Fuchs: drums

Nach einer kurzen Umbaupause betrat dann fast unbemerkt von den Besuchern Eric Steckel mit seiner Band die Bühne, während aus den Lautsprechern noch die Musik von Molly Hatchet erklang. Steckel stöpselte seine Gitarre ein und übertönte dann die Hintergrundmusik mit einem kurzen Soundscheck, der es nicht nur lautstärkemäßig in sich hatte und fast eine Art Intro zum Konzert darstellte.

Danach folgten, knapp zwei Stunden Powerrock mit Vollgas auf der Überholspur. Was mit „Solid Ground“ und dem ZZ Top-Klassiker „Waiting For The Bus“ noch relativ ruhig begann, sollte sich mit zunehmender Konzertdauer zu einem regelrechten Gitarrengewitter entwickeln.

Neben einigen Coversongs standen Tracks des aktuellen Albums „Grandview Drive“ im Mittelpunkt, wobei „Can´t You See“ Southern Rock-Flair ins Piano brachte. Die Gesangspassagen, die durch harte Gitarrenriffs unterbrochen wurden, hätten auch der Marschall Tucker Band gut zu Gesicht gestanden und zum Ende spielte Steckel sich mit einem southern-typischen Solo in einen regelrechten Rausch.

Spätestens hier hatte er das Publikum mit seiner Spielfreude und seiner positiven Ausstrahlung für sich eingenommen. Selten habe ich aber auch gesehen, mit welcher Freude ein Musiker auf die Resonanz der Zuschauer reagierte, dass man das Gefühl haben konnte, sodass sich Zuschauer und Band in einer Wechselbeziehung immer weiter anstachelten. Steckel jagte mit seinen Fingern teilweise über die Gitarrensaiten, dass man dieser Geschwindigkeit kaum folgen konnte, traf dabei aber jede Note auf den Punkt.

In einer jammenden Phase überließ Steckel seinen beiden Kompagnons, welche ansonsten die Grundlage für den Sound legten, die Bühne, und so konnten Jos Kamps mit einem tollen Basssolo, in das er den Rhythmus von „Another One Bites The Dust“ einbaute und Henri van den Berg an den Drums zeigen, dass sie weit mehr sind als nur Begleitmusiker. Jos Kamps übernahm zuweilen sogar die Rolle des Animateurs, in dem er gestenreich, aufgrund der phantastischen Leistungen Steckels an der Gitarre, das Publikum aufforderte, diesen weiter anzufeuern.

Mit einer scheinbar nicht endenden Version von „Tennessee“, mit krachenden Soli Steckels und stampfenden Bassläufen, ging es ins jammende Finale mit „Best With You“ und nach zwei Stunden Powerrock wurde ein toller Konzertabend beendet, der schon jetzt eine Vorfreude auf das nächste Mal gemacht hat, mit einem dann hoffentlich rappelvollen Piano.

Line-up Eric Steckel:
Eric Steckel: guitar, lead vocals
Jos Kamps: bass
Henri van den Berg: drums

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Eric Steckel
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Rovar
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Danny Bryant & Bigband – 06.05.2022, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Knapp zweieihalb Jahre lag das letzte Konzert von Danny Bryant mit seiner Bigband mittlerweile zurück und war bei Bryant in positiver Erinnerung geblieben. Er betonte schon zu Beginn des Konzerts, wie er sich freue, wieder im Piano aufzutreten, da die Termine in Dortmund von der Atmosphäre her für ihn immer etwas Besonderes waren. Schnell entwickelte sich, auch durch die klasse Bandleistung, eine gute Stimmung in dem leider nur knapp zur Hälfte gefüllten Saal.

Bryant spielte in den knapp 120 Minuten Spielzeit eine bunte Mischung alter und neuer Songs vom aktuellen Werk „The Rage To Survive“. Hervorragend war vom neuen Album „Invisible Me“, dem Bryant mit seiner Stimme und gekonnten Soli seinen Stempel aufdrückte und durch die Bläsersektion ein gewaltiger Sound erzeugt wurde.

Die absoluten Höhepunkte der Show hob sich Bryant allerdings bis zum Ende auf. In einer Lang-Version von „Unchained“ hatten alle Musiker ihre Soloanteile, dass auch Paul Mallatratt am Bass und Dave Raeburn an den Drums mit feinen Soli ihr Können direkt beweisen konnten, was dem geneigten Zuhörer allerdings zuvor schon nicht verborgen geblieben war.

In „Painkiller“ konnte die Band dann die gesamte musikalische Bandbreite zeigen. Instrumental standen zunächst Marc Raner, bei der Ballade zunächst mit akustischer Gitarre und Stevie Watts am Piano im Vordergrund. Bryant beschränkte sich hier auf den Gesang und die anderen Musiker hielten sich eher zurück. In der Mitte des Songs kam es dann zu einem Pianosolo, während dessen Raner seine akustische Gitarre gegen die elektrische tauschte. Mit dem ersten Anschlag Raeburns an den Drums ging danach für mehrere Minuten die Post ab.

Raner und Bryant schossen sich die Soli regelrecht um die Ohren und die Bläsersektion setzte immer wieder stakkatoartige Segmente. Nach einer weiteren Zugabe beendete die Band unter dem Applaus der Besucher das Konzert und Bryant begab sich sofort zum Merchandising-Stand und stand geduldig den wartenden Fans zur Verfügung. Ein feiner Bluesabend mit einer spielfreudigen Band im Musiktheater Piano wurde so noch einmal positiv abgerundet.

Für Freunde der gepflegten Blues- und Rockmusik steht in den nächsten Wochen noch einiges im Piano auf dem Plan, dass es sich lohnt, mal auf die Webseite zu schauen und mit den Besuchen, den Veranstalter, wie auch die Bands zu unterstützen, da viele Konzerte in letzter Zeit mehr Besucher verdient gehabt hätten, als sich letztendlich eingefunden haben.

Line-up:
Danny Bryant (lead vocals, electric guitar)
Paul Mallatratt (bass)
Dave Raeburn (drums)
Lukas Bossardt (keys)
Marc Raner (guitars)
Finn Bradley (trumpet)
Alex Maddison (trombone)
Lauren Young (tenor saxophone)
Mark Wilkinson (baritone saxophone)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Danny Bryant
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Musiktheater Piano

Gerry McAvoy’s Band Of Friends – 21.04.2022, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbilder

Line-up:
Jim Kirkpatrick (lead vocals, electric guitar)
Paul Rose (electric guitar)
Gerry McAvoy (bass, lead vocals)
Brendan O’Neill (drums)

Bilder: Adam Zegarmistrz Glagla

Band Of Friends
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Musiktheater Piano, Dortmund

Blues Caravan – 20.04.2022, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Ähnlich wechselhaft wie in diesen Zeiten ging es scheinbar auch beim diesjährigen Blues Caravan 2022 zu. Zunächst war mit Eddie 9V, Ghalia Volt und Katie Henry geplant, dann sollte es Ryan Parry an der Gitarre richten, was dann allerdings von Will Jacobs erledigt wurde. 

An diesem Abend im schönen Dortmunder Piano wurde Ghalia Volt durch den Wirbelwind Whitney Shay ersetzt, die ja schon 2020 ihre Visitenkarte abgegeben hatte. Die nicht nur musikalisch kraftvolle Rhythmusfraktion bestand dann etatmäßig aus Ex-Rozedale-Drummer Denis Palatin und Tomek German. Denis hatte die Bühne mit seinen eigens für den Blues Caravan künstlerisch hergestellten Windfängern optisch aufgewertet. Er kann also nicht nur auf Felle und Becken trommeln.

Pünktlich um 20:00 Uhr sagte Mastermind und Labelinhaber Thomas Ruf seine ‚Schäfchen‘ an und es wurde mit dem obligatorisch kreierten Titelsong zur Reihe „Hop On A Ride“ dynamisch im Voll-Line-up mit wechselnden Leadgesangsparts der einzelnen Protagonisten losgelegt. 

Feststellen konnte man im für einen Mittwoch-Abend ordentlich gefüllten Piano, dass die Musiker (Palatin mal ausgenommen), deutlich jünger waren, als die, wie so oft in der Blues-Szene, in die Jahre gekommene Kundschaft (ich schließe mich da natürlich mit ein…).  Aber schön, dass zumindest auf der Künstlerseite der Nachwuchs nicht abzubrechen scheint.

Nach dem launigen Auftakt durfte dann zunächst Will Jacobs sein Können offenbaren. Er präsentierte sich bei Songs wie u. a. „One Day At A Time“, „Have You Ever Loved A Woman“ (klasse hier sein phasenweise ohne Mikro performter Gesang), „Funky Woman“ oder „Got Your Mojo Working“ als guter Sänger und mit seinem Spiel auf Stratocaster und Gibson Les Paul als quirlger und variabler E-Gitarrist. Er beherrscht die Bandbreite von Blues, Soul, Rock bis dezent hin zum Country souverän. Eine starke Vorstellung von ihm.

Er blieb dann auf der Bühne, um die zierliche Katie Henry zu supporten, die dann ihre Stärken am E-Piano, aber auch an der Telecaster-E-Gitarre in Roots-Manier einbrachte. In Ihrem Programm hatte die sympathische Amerikanerin natürlich überwiegend Tracks wie „Nothing To Lose“, „Empty Cup“, „On My Way“ oder „Bury Me“ aus dem vom Kollegen Schneider zurecht hochgelobten aktuellen Album „On My Way“ am Start. Von der jungen Dame ist noch einiges in Zukunft zu erwarten. Klasse Mädel!

Folgerichtig bestritt dann die temperamentvolle Whitney Shay den Abschlusspart der Solovorstellungen. Die umtriebige rothaarige Kalifornierin verwandelte dann die Bühne des Pianos mit Tracks wie „Love’s Creeping Up On You“ „Getting In My Way“, „Boy, Sit Down“, „A Woman Rules The World“, „Stand Up!“ und „Get Down With It“ in eine Rhythm and Blues- und Soul-Arena. Eine ansteckende Performance voller Energie!

Am Ende schloss sich mit der Rückkehr von Katie Henry dann wieder der Kreis und mit u. a. „Voodoo Woman“ und dem CCR-Klassiker „Fortunate Son“ sowie zweier Zugaben („You Got To Move“) gab es einen schönen Ausklang mit allen Beteiligten.

Während der Pause und nach dem Gig standen die Akteure dann mit Thomas Ruf den Besuchern zur Verfügung und wir konnten auch noch unsere Bilder für die VIP-Galerie schießen. Eine weitere überzeugende Ausgabe des Blues Caravan-Konzepts. Weiter so Thomas Ruf & Co.!

Line-up:
Will Jacobs (lead vocals, electric guitar, vocals)
Katie Henry (lead vocals, electric guitar, Keys, vocals)
Whitney Shay (lead vocals, percussion, vocals)
Tomek Germann (bass)
Denis Palatin (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Will Jacobs
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Katie Henry
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Whitney Shay
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Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Steve Rothery – 17.04.2022, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Zum einzigen Konzert in Deutschland trat Steve Rothery mit seiner Band im Dortmunder Musiktheater Piano auf. Nachdem am Nachmittag auf der Webseite des Pianos mitgeteilt wurde, dass es noch einige Restkarten für das Konzert gäbe, waren diese auch schnell verkauft.

Um 21:00 Uhr betrat die Band die Bühne und spielte zunächst mit „Morpheus“, „Old Man Of The Sea“ und „Summer`s End“ drei instrumentale progressive Stücke von Rotherys Soloalbum, die schon für gute Stimmung in der Konzerthalle sorgten.

Zum vierten Song betrat dann Martin Jakubski die Bühne und es folgte eine exquisite Auslese von Marillion-Songs. Dabei standen insbesondere TRACKS aus den ersten Jahren auf dem Programm, in denen der Band der Durchbruch als eine der angesehensten progressiven Rockbands gelang.

Yatim Halimi am Bass und Drummer Leon Parr sorgten für eine Rhythmusgrundlage, auf welche der komplexe Sound aufgebaut war. Im Mittelpunkt standen natürlich Steve Rothery, der mit gewaltigen Soli glänzte und Martin Jakubski, der stimmlich Fish, dem Sänger in den ersten Jahren von Marillion, in nichts nachstand. Unterstützt wurde er dabei vom sehr textsicheren stimmgewaltigen Publikum, das so manche Songzeilen übernahm.

Für den typischen und vollen Sound, für den Marillion auch bekannt ist, sorgten Ricardo Romano an den Keyboards, der neben dem Aufbau von Klangteppichen und starken Soli aus dem Hintergrund immer wieder das Publikum anstachelte, mitzugehen, obwohl das gar nicht nötig war, und der zweite Gitarrist, Dave Foster, dem Steve Rothery auch einige Soli überließ und der sich dabei auch als Meister seines Fachs zeigte.

Es ist schwer, aus den Liedern, die allesamt vom Publikum frenetisch gefeiert wurden, irgendwelche hervorzuheben. Der bombastische Sound von Songs wie „Script For A Jester`s Tear“, „Incubus“ oder „Fugazi“ ließ das altehrwürdige Musiktheater Piano regelrecht in seinen Grundfesten beben. Nach etwa 90 Minuten beendete die Band mit „Afraid Of The Sunlight“ zunächst das Konzert und verschwand im Backstagebereich.

Zugabeforderungen in einer Lautstärke, wie ich Sie im Piano selten erlebt habe, sorgten dafür, dass die Band sich nicht lange bitten ließ und die Bühne wieder betrat. Passend zum Ostersonntag folgte als erste Zugabe „Easter“. Danach schilderte Rothery, dass ein Song vor 37 Jahren für den Durchbruch von Marillion verantwortlich war. Schon bei den ersten Tönen von „Keyleigh“ gingen die Arme im Publikum hoch, es wurde wie bei den anderen Tracks auch rhythmisch mitgeklatscht und Martin Jakubski hatte um die 400 Backgroundsänger.

„Keyleigh“ endet dann in einer Art Medley des „Misplaced Childhood“-Albums, in welche noch „Lavender“, „Blue Angel“ und „Heart of Lothian“ eingeflochten wurden. Auf dieses Highlight setzte die Band dann noch mit „Garden Party“ und mit „Market Square Heroes“, dem ältesten Song aus dem Jahr 1982, zwei Kracher mit furioser Gitarrenarbeit Rotherys drauf und riss damit sprichwörtlich das Piano ab. Nach 30 Minuten Zugaben verabschiedete sich die Band vom begeisterten Publikum und wurde dabei nochmals minutenlang gefeiert.

Ein denkwürdiger Abend, an den die Besucher, als auch die Verantwortlichen des Piano, sowie die Band, sich gerne erinnern werden, hatte so einen entsprechenden und verdienten Abschluss gefunden, der Lust auf Mehr macht.

Line-up:
Steve Rothery (electric guitar)
Martin Jakubski (vocals)
Dave Foster (guitar)
Yatim Halimi (bass)
Leon Parr (drums)
Ricardo Romano (keys)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Steve Rothery
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Musiktheater Piano, Lütgendortmund

Ana Popovic – 09.04.2022, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Nach über einem Jahr konnte endlich das zuvor schon verschobene Konzert mit Ana Popovic und Band im Dortmunder Musiktheater Piano stattfinden. Erfreulich war, dass der Saal sich nach Einlass zunehmend füllte und schließlich mit über 300 Besuchern auch ansehnlich gefüllt war, sodass endlich wieder richtige Konzertstimmung zu spüren war. Gegen 20:30 Uhr betrat zunächst nur die Begleitband die Bühne, um mit einem instrumentalen Intro gewissermaßen den Teppich für Ana Popovic auszurollen.

Unter den Applaus der Fans stieß dann Popovic hinzu und nach einer kurzen Begrüßung folgte ein Konzert, das die meisten Fans so schnell nicht vergessen werden. Schnell wurde klar, dass die Grenzen des altbekannten Blues weit überschritten werden sollten und Popovic mit ihrer Bigband Blues, Jazz, Funk und Soul modern ineinander verschmelzen ließ.

Die stimmlich bestens aufgelegte Popovic begeisterte auch mit vielen Soli, mal slidend, mal fingerpickend, aber auch krachend rockig, wie nicht anders zu erwarten, was aber auch durch die großartige Band ermöglicht wurde. Dabei hatte jeder der Musiker mehrfach die Möglichkeit, in Solopassagen Akzente zu setzen.

Was neu an Popovic war, dass sie statt der lockigen Mähne, ihre Kurzhaarfrisur, wie auch Basser Cory Burns unter einem breitkrempigen Hut versteckte, aber wie gewohnt mit hochhackigen Stiefeln, diesmal im Leopardenoutfit, visuelle Reize zu versprühen.

Besonders tat sich dabei die Italoconnetion hervor. Michele Papadia legte an seinen Tasteninstrumente nicht nur komplexe Klangteppiche zur Untermalung, sondern begeisterte auch mit furiosen Highspeedsoli oder Duellen mir Basser Cory Burns oder Ana Popocic in denen sie sich die Noten regelrecht zuspielten.

Die beiden Bläser Claudio Giovagnoli am Saxophon und Trompeter Davide Ghidoni setzten immer wieder starke, auch funkige und jazzige Akzente in die Songs und spielten sich bei manchen Soli gemeinsam mit Ana Popovic in einen regelrechten Rausch, der von den Besuchern mit Ovationen honoriert wurde.

Was wer aber eine Band ohne eine starke Rhythmussektion, die gewissermaßen das Fundament für die anderen Musiker bildet. Corey Burns sorgte nicht nur für den Rhythmus mit den tiefen Tönen am Bass, sondern streute auch das eine oder andere gekonnte Solo ein und unterstütze zudem, wie auch Drummer Jerry Kelley mit Backgroundvocals und sichtlich guter Laune, zuweilen mit weit geöffneten rollenden Augen, die positive Gesamtstimmung. Drummer Kelley zeigte seine Klasse mit fein akzentuiertem Einsatz an den Drums aber auch mit einigen Kurzsoli

In dem etwa 100-minütigen. abwechslungsreichen Konzert, waren für mich die beiden rockigen Songs „Sexy Tonight“ mit einem Refrain, der mich leicht an „Open Invitation“ von Santana erinnerte und das krachende „Wrong Woman“ als erste Zugabe die absoluten Highlights, wo aber jeder Besucher für sich und das auch zurecht, andere Songs hätte nennen können.

Schön war auch, dass sich Ana Popovic und Bandmitglieder die Zeit nahmen und den Fans CDs mit persönlicher Widmung signierten und auch für das eine oder andere Erinnerungsfoto bereitstanden. Popovic ließ sich auch nicht die gute Laune verderben, als ein etwas unvorsichtiger Fan sein auf dem Merchandisingtisch abgestelltes Bier umkippte, das sich auf ihrer Jacke und den zum Glück eingeschweißten Auslage CDs ergoß.

Ein besonderer Dank geht wieder einmal an das Team des Piano, das nach über zwei Jahren erschwerten Betrieb endlich wieder einmal den Lohn eines sehr gut besuchten Konzertes einfahren durfte, an das sich die meisten Besucher mit Sicherheit gerne erinnern werden.

Line-up:
Ana Popovic (lead vocals, electric guitar)
Cory Burns (bass, vocals)
Jerry Kelley (drums)
Michele Papadia (keys, vocals)
Claudio Giovagnoli (saxophone)
Davide Ghidoni (trumpet)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Ana Popovic
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Musiktheater Piano, Lütgendortmund

Carl Carlton & The Songdogs – 17.11.2021, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Vor etwa 20 Jahren scharrte Carl Carlton, ein gebürtiger Friese, eine Gruppe hochkarätiger Musiker um sich, mit der er seine tief im Blues und R´n´B verwurzelten musikalischen Ideen in Songs umzusetzen gedachte. Vater des Gedankens war kein geringerer als Robert Palmer, mit dem er bis zu dessen Tod etwa 10 Jahre zusammen arbeitete.

So entstanden Carl Carlton & The Songdogs, zu deren Stammbesetzung bis zur ersten Auflösung, temporäre Musiker wie Palmer, Levon Helm und Garth Hudson von The Band, Sonny Landreth, Ronnie Wood, um nur einige zu nennen, beiwohnten. Dass Carlton selbst als Produzent für Eric Burdon, Joe Cocker oder Paul Young arbeitete und Udo Lindenberg, Marius Müller Westernhagen Peter Maffay und Wolfgang Niedecken über Jahre begleitete, sei nur am Rande erwähnt, um eine Vorstellung zu haben, wer an dem Abend im Musiktheater Piano zu Gast war.

Nach einer erfolgreichen Reunion 2019 stand nun die Stammbesetzung von Carl Carlton & The Songdogs im Rahmen der „High In A Sweet“-Release Tour auf der Bühne, zu der im späteren Verlauf noch ein Überraschungsgast hinzustieß.
In den etwa zwei Stunden zeigte die Band, warum sie schon zu Anfangszeiten von den Kritikern hochgelobt worden ist.

Die Setlist umfasste Songs aus den bisherigen Studioalben der Band aber auch eine hochklassig gespielte Coversongs von Musikern, die Carlton bei seiner Musik beeinflusst haben. So nannte er Gregg Allman, bevor er den Allman Brothers-Klassiker „Jessica“ mit einer regelrechten Jamsession im Mittelteil präsentierte, als einen dieser Musiker, welche nun im Himmel in einer Supergroup spielen könnten.

Auch der vor kurzen verstorbenen Stones Legende Charlie Watts wurde mit „Can´t You Hear Me Knocking“ als erste Zugabe eine Aufwartung gemacht, die auch den wie im Original eigentlich durch Zufall aufgenommenen improvisierten Jam nicht ausließ.

Der Großteil der Songs stammte dann aber doch aus der Feder Carltons, ließ aber keine Zweifel an den Einflüssen zu. „Lifelong Guarantee“ mit klasse Honkytonk-Pianoeinlage von Pascal Kravetz hätte auch Platz auf jeder der alten rauen Stones-Platten haben können. Hier zeigte sich auch, wie bei den anderen Songs, die Klasse seiner Band, in der visuell auf der Bühne, in erster Reihe mit Carlton, zwei Urgesteine von Mothers Finest in die Saiten griffen oder diese zupften.

Moses Mo wechselte sich mit Carlton bei der Lead- und Rhythmus-Gitarre ab und wirbelte zuweilen tanzend über die Bühne während er sein Instrument bearbeitete. Dass Carlton zuweilen daneben stand, um das Treiben zu bestaunen, ist auch als Anerkennung der Spielkunst zu sehen. Dabei nutze er nicht nur seine Finger, um die Saiten in Vibration zu bringen, sondern zeigte, dass es auch mit den Zähnen gelingen kann, wenn man es eben kann.

Ganz stark auf sein Auftritt bei „God`s Gift To A Man“, als er zu Beginn des Songs an den Bühnenrand sprang, einige knackige Riffs in die Menge schleuderte und ein rockender Bluessong folgte, der einen gedanklich an die ganz alten AC/DC erinnerte.

Wyzard am Bass bestätigte fortwährend, dass der Rhythmus bei Ihm im Blut steckt und sorgte neben Drummer Bertram Engel für die volle Grundlage der Songs. Mit seiner Kleidung hätte er auch bei Bob Marley gut in die Band gepasst und bei „Love, Understanding & Respect“ und „Kingston“ zeigte er auch tanzend, seine Reggae-Affinität. Stark, wie die Band hier Reggae und Bluesrock ineinander verschmelzen ließen. Zu denken gab Carlton beim ersten Song, was der Einzug von harten Drogen in Jamaica für negative Spuren hinterlassen hat.

Mitten im Konzert wurden für einen Song Barhocker auf die Bühne gestellt und Carlton bat die Schauspielerin und Musicalsängerin Melanie Wiegmann auf die Bühne. Zunächst gab es mit „Love Hurts“ einen Song, der vielen durch Nazareth bekannt ist, aber erstmals von den Everly Brothers veröffentlicht wurde und auch von vielen anderen Musikern gecovert wurde.

Carlton und Wiegmann lehnten sich mit ganz dezenter Unterstützung der Band aber an der Version von Emmylou Harris an. Danach wurde es wieder lauter und Carlton und Wiegmann performten einen Grateful Dead-Song, der nach Aussage Carltons einer der letzten gesungenen Songs von Gregg Allman vor dessen Tod war. In „Black Muddy River“ brachte die Band einen gehörigen Southern Flair in die Halle (hier auch starke Gesangspassagen von Pascal Kravetz), welcher dann im Instrumental „Jessica“ mündete, wo ein Feuerwerk an Gitarren- und Keyboardsoli einen in die Weiten der Südstaaten versetzten.

Stark auch „Coming Home“ und „Moonlight in New York“, in dem sich Carton vom Songwriting her Richtung Tom Petty bewegte und auch seine Qualitäten als Gitarrist zuweilen slidend offerierte. In einem Konzert ohne Längen gelang es Carl Carlton & The Songdogs die etwa 120 Besucher in die Welt der Garde alter Songwriter zu versetzen und von der momentanen Situation um Corona abzulenken. Passend beendete er das Konzert dann mit dem Lennon-Stück „Instant Karma“, das dieser mit Yoko Ono veröffentlichte und brachte gewissermaßen das Piano leuchten und ein Strahlen in die Augen der Zuschauer.

Ein besonderer Dank geht an das Piano, dem es zu so unplanbaren Zeiten weiter gelingt, so großartige Künstler in den Westen zu holen und so die Kultur weiterleben lässt.

Line-Up:
Carl Carlton – vocals, guitar
Moses Mo – guitar, backing vocals
Pascal Kravetz – keyboards, organ, backing vocals
Wyzard – bass, backing vocals
Bertram Engel – drums, backing vocals
Special Guest: Melanie Wiegmann – vocals

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Carl Carlton & The Songdogs
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Big Daddy Wilson – 12.11.2021, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Big Daddy Wilson gehört zu den Ausnahmen, der in den ungewissen Coronazeiten den Weg über den großen Teich in die so genannte alte Welt gemacht haben. Dabei machte er auch Halt im Dortmunder Musiktheater Piano, wo er schon vor der Pandemie einen recht gut besuchten Auftritt hatte. Bedingt durch die verständlichen Maßnahmen, eine Ungewissheit und auch Angst bei manchen Musikfans, war der Besuch dieses Mal leider eher zurückhaltend.
Die Bluesfans, die sich auf den Weg zu dem Konzert gemacht haben, sollten aber in den Genuss eines tollen Konzertabends kommen.

Um 20:30 Uhr betrat die italienische Begleitband zunächst ohne Big Daddy Wilson die Bühne und legte erst einmal ein instrumentales Intro hin, während der Bandleader von den meisten unbemerkt am seitliche Bühnenaufgang mit einem Lächeln im Gesicht auf den Moment wartete, bis er unter dem Applaus der Fans die Bühne betrat. Er bedankte sich schon zu Beginn für das Kommen  und wie schön es für ihn und die Band ist, wieder auf einer Bühne vor Publikum stehen zu können. Er erwähnte auch kurz das aktuelle Album „Hard Time Blues“, das mit sieben Songs auf der Setlist gewissermaßen im Mittelpunkt stehen sollte.

Mit “I Know” und „Ain´t Got No Money” vom 2019 erschienenem Album „Deep In My Soul” wählte Big Daddy Wilson zunächst zwei altbewährte Songs zum Einstieg, um dann kompakt in einem Block das im September erschienene Album zu präsentieren.

Zuweilen bekam man den Eindruck, dass Wilson seine Fans in den Ansagen und den Songs auf eine Reise in seine eigene Kindheit, aber auch in die Geschichte seiner Vorfahren entführen würde. Bei „Poor Black Children“ konnte man sich regelrecht die Situation derer vorstellen und bei „Yazoo City“ wurde einem textlich, aber auch vom fast klagenden Gesang, die Misere der damals und zum Teil auch noch heute unterdrückten Bevölkerungsgruppe vor Augen geführt.

Nach „I Can´t Help But Love You” verließ Big Daddy Wilson die Bühne und überließ diese seiner Begleitband, welche verdientermaßen bei „Down In Mexico“ allein im Mittelpunkt stand. Hier bewies Caesare Nolli, dass er nicht nur ein richtig guter Gitarrist ist (bei manchen Soli fühlte ich mich ein klein wenig an den Carlos Santana in den Frühzeiten erinnert), sondern auch ein exzellenter Sänger ist.

Um beim Gesang zu bleiben – dass es sich bei Big Daddy Wilson um einen begnadeten charismatischen Bluessänger mit der entsprechenden Tonbandbreite handelt, ist bekannt. Ein I-Tüpfelchen war aber der harmonische Backgroundgesang aller Begleitmusiker, insbesondere bei den Refrains.

Nach dieser gelungenen Einlage seiner Band stieß Big Daddy Wilson wieder hinzu und ließ noch sieben ältere Songs folgen, wo insbesondere „Crazy World“, in dem er den Zustand der Welt beschreibt, und das folgende positive „Love Is The Key“ herausragten.

Die Grundlage eines tollen Abends war natürlich die italienische Begleitband um Caesare Nolli, der zuweilen mit einer stoischen Leichtigkeit die Saiten seiner Fender mit einigen feinen Soli gespickt bearbeitete, Enzo Messina, der neben der Untermalung der Songs auch mit mehreren Soli am Keyboard begeistern konnte und die Rhythmussektion mit Nik Taccori an den Drums und Paolo Legramandi am Bass, der neben der dynamischen Rhythmusbegleitung auch mit einer feinen Soloeinlage glänzen konnten.

Der Band um Big Daddy Wilson war es an diesem Abend gelungen, einen Hauch von Blues und Soul in das Piano zu bringen und fast von Beginn an dafür zu sorgen, dass die Fans im Takt der Songs mitgingen. Besonders hervorzuheben war dabei die sympathische Ausstrahlung, die von Wilson ausging, die er mit dem Satz untermauerte, dass Sie hier wären, um dafür zu sorgen, dass die Besucher, von der Musik erfüllt, positiv in die Zukunft blicken mögen. Bei seinen Gesten hatte man den Eindruck, er würde am liebsten das gesamte Publikum umarmen.

Zudem zeigte er Verständnis für den eher übersichtlichen Besuch und wünschte sich von den Anwesenden, dass diese im Freundeskreis dafür sorgen, dass beim nächsten Mal das Piano wieder gut gefüllt ist. In dem Sinne, ein Konzerttipp für das nächste Jahr, seht euch Big Daddy Wilson an und lasst euch in seine Blueswelt mitnehmen.

Line-up:
Big Daddy Wilson – lead vocals
Caesare Nolli – guitar
Paolo Legramandi – bass
Nik Taccori – drums
Enzo Messina – keyboards

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

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