Thorbjørn Risager & The Black Tornado – 07.03.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Ris_haupt

Nachdem Thorbjorn Risager & The Black Tornado vor genau einem Monat die ausverkaufte Kulturrampe gerockt hatten, stand nun das Dortmunder Musiktheater Piano auf dem Programm. Trotz des parallel stattfindenden Spiels der Dortmunder Borussia war das Piano mit über 350 Besuchern bestens gefüllt.

Die Songauswahl entsprach erwartungsgemäß weitgehend der aus dem Krefelder Konzert. Interessant war, wie Risager und seiner Band es gelingen würde, die doch entschieden größere Location einzunehmen. Auch Pille Peelings, Mastermind der Krefelder Kulturrampe hatte sich auf den Weg nach Dortmund gemacht, um die Dänen aus der Sicht des Zuschauers in Ruhe anzuschauen.

Er, wie auch die anderen Besucher sollten nicht enttäuscht werden. Es entwickelte sich ein stimmungsvolles Konzert, in der die Band von der ersten Minute an die Besucher mitnahm (schöne stimmgewaltige Mitsingpassagen bei „Rock ’n‘ Roll Ride“). Das es sich um eine regelrechte Band handelt und nicht nur um einen Fronter, der von Musikern begleitet wird, zeigte sich indem, dass alle Musiker ein Stück ansagten und alle hinlänglich in Solopassagen ihre Freiräume hatten.

Risager überzeugte mit beeindruckenden Stimmvolumen und einigen starken Gitarrensoli, Joachim Svensmark begeisterte mit furiosen Gitarrensoli, wo er sich scheinbar selbst in einen Rausch spielte oder als er mit einem Geigenbogen das Intro zu „Never Givin‘ In“ spielte und auch bei einigen Tracks den Backgroundgesang beisteuerte. Emil Balsgaard klimperte an den Tasteninstrumenten zuweilen rasante Soli, aber genauso auch gefühlvolle Pianopassagen, wie bei der ersten Zugabe, als er alleine Risager begleitete.

Søren Bøjgaard bearbeitete meist mit stoischer Ruhe seinen Tieftöner, steuerte aber auch zuweilen eindrucksvolle Bassspuren mit dem Synthesizer bei. Martin Seidelin, wie gewohnt, bestens gelaut, bespielte seine Drums von gefühlvoll zurückhaltend bis hin zu einhämmernd, je nachdem, was eben für die Songs notwendig war.

Die Bläsersektion um Hans Nybo am Saxofon und Peter W. Kehl an der Trompete legte nicht nur tolle Passagen und Soli mit ihren Instrumenten hin, sondern waren auch die Animateure, die mit Tanz und Klatscheinlagen die Zuschauer zum Mitgehen brachten. Zudem unterstützten sie Risager auch als Backgroundsänger. Gelungen auch, wie Nybo bei „Sin City“ das Blatt einer Kreissäge als Percussioninstrument nutzte.

Thorbjorn Risager & The Black Tornado ist es wieder mal gelungen, mit einer bunten Mischung alter Songs, herausragend dabei das treibende „Hold My Lover Tight“ zum Ende des ersten Sets, und „All I Want“, „Paradise“, „Rock ’n‘ Roll Ride“ und „Baby Please Don’t Go“, aber auch neuen Songs wie „Sin City“, „Never Givin` In“ oder „Over The Hill“, restlos zu begeistern.

Ein besonderer Dank wieder einmal dem Musiktheater Piano für einen fantastischen Abend, dem noch in diesem Monat einige weitere Highlights folgen werden.

Line-up:
Thorbjørn Risager (lead vocals, guitar)
Joachim Svensmark (guitars, keys, vocals)
Emil Balsgaard (Keys)
Søren Bøjgaard (bass)
Martin Seidelin (drums, percussion, vocals)
Hans Nybo (saxophone, vocals)
Peter W Kehl (trumpet, percussion, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
Thorbjørn Risager & The Black Tornado bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

WellBad – 26.02.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

WB_haupt

Donnerstag Abend, strömender Regen, Deutschland im Würgegriff von Corona und dennoch finden etwa 150 Fans den Weg ins Piano zum ersten WellBad-Konzert in dieser Location.

Unter sphärischer Musik vom Band betreten die Musiker die Bühne und Daniel Webat begrüßt auf eindrucksvolle Weise dramatisch und psychedelisch die Besucher, und erzählt, was sie an dem Abend erwarten werde. Beeindruckend wie er durch seine schauspielerische Leistung, dabei alle in seinen Bann zog.

Im weiteren Verlauf stellte er zwischen aber auch während der Songs wild gestikulierend, zuweilen mit diabolisch rollenden Augen, immer wieder den Kontakt her. Famos dabei seine Stimmgewalt, mit der er vermutlich in vielen Musikgenren Fuß fassen könnte.

Mit dieser Fähigkeit ist auch das Besondere der Band aus Hamburg beschrieben, die so richtig in keine musikalische Schublade passt, was auch nach Aussage vom Drummer Jonas vom Orde, Fluch und Segen zugleich sein kann. Als was soll die Band angekündigt werden? Es finden sich in den Songs Elemente vom Blues, Rock, Jazz, Hipp Hop und einiges mehr wieder. WellBad versuchen mit ihrem eigenen Stil ihren Weg zu finden, ohne sich in irgendein Korsett pressen zu lassen.

Und da sind wir auch direkt beim Segen, der sich auch an diesem Abend zeigte. Das Konzert entwickelte von Beginn an eine enorme Dynamik und die Band überraschte mit verschiedensten Stilen auch innerhalb der einzelnen Songs, dass gar nicht die Chance war, in einem Einheitsbrei wegzudösen. Dies wäre auch spätestens bei einem der Urschreie Welbats unmöglich gewesen, mit dem er auch jeden Virus hätte vertreiben können.

Diese Durchmischung ist aber nur möglich durch die hohe Qualität der einzelnen Musiker. Arne Vogeler bearbeitete seine Gitarren in bester Hard Rock-Manier, aber auch in der Art großer Bluesgitarristen. Stefan Reich, das Tier am Bass, ständig in Bewegung, ließ seine Finger, auch in einem starken Solo, über den Bass gleiten, wobei er immer den passenden Ton traf.

Glänzend auch seine Einlagen am Kontrabass. Sein Partner in der Rhythmussektion, Jonas vom Orde bearbeitete seine Drums von ruhig gefühlvoll bis hin zu ekstatisch, als wenn er seine Drums in Kleinholz zerschlagen würde. Beeindruckend dabei sein mehrminütiges Solo zum Ende der Show. Joachim Refardt, der im Studio auch die Trompete spielt, konnte sich live ganz auf seine Tasteninstrumente konzentrieren, da die Band von einem Bläsertrio unterstützt wurde, welches den Songs nochmals eine größere Fülle gaben.

Insgesamt begeisterten WellBad im knapp zweistündigen Konzert die Besucher restlos, wobei für mich die blueslastigen Stücke wie „Mountain“, „Coalmine“ und das schon fast in einer Jamsession endende „Patience“ als letzte Zugabe die Höhepunkte waren.

Wer sich nicht nur stur auf eine Musikrichtung beschränkt und Spaß daran hat, wie eine Band verschiedenste Genres letztendlich in einem ganz eigenen Stil verknüpft, wird bei WellBad bestens aufgehoben sein. Man wird in Zukunft noch einiges von den Hanseaten erwarten können.

Ein Dank wieder einmal an das Team vom Piano für die problemlose Akkreditierung, welches auch jungen Bands die Chance gibt, sich angemessen zu präsentieren. Man sollte auf jedem Fall die Veranstaltungsvorschau vom Musiktheater Piano und von 3dog Entertainment studieren, da kommt in diesem Jahr noch einiges auf den Musikliebhaber zu!

Daniel Welbat – Vocals & Acoustic guitar
Joachim Refardt – Keys & Trumpet
Arne Vogeler – E-Guitar
Stefan Reich – Bass
Jonas vom Orde – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

WellBad
WellBad bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Bywater Call – 22.02.2020, Blue Notez Club, Dortmund – Konzertbericht

BWC_haupt

Kurz vor Ende der 7-wöchigen Tour durch Europa spielten die Kanadier Bywater Call im Dortmunder Blue Notez vor. Nachdem wir schon vom Konzert in der Krefelder Kulturrampe berichtet hatten, bot sich nun die Möglichkeit zu sehen, ob der fulminante dortige Auftritt so langer Zeit ‚on the road‘ wiederholbar ist. Zudem hatte ich einen Freund, der Musik studiert hat, dabei, der neben dem emotionalen Empfinden, auch einen anderen, professionelleren Blick auf das Konzert hatte.

Der Keller im Blue Notez war um 8:00 Uhr gut gefüllt und auch Pille Peerlings, Chef der Krefelder Kulturrampe, hatte den Weg nach Dortmund gefunden, um das Konzert unabhängig des Veranstalterstresses zu verfolgen. Pünktlich betrat dann die Band zunächst ohne Sängerin Meghan Parnell die Bühne, um ein kraftvolles Intro hinzulegen. Schon hier war die Dynamik und Harmonie der Musiker zu erkennen.

Nach einigen Minuten stieß dann auch die zierliche Fronterin hinzu und die Band legte ein knapp 100 minütiges zweigeteiltes Set hin, welches in großen Teilen dem von vor etwa 6 Wochen entsprach, was aber auch nicht verwunderlich ist, da die jungen Kanadier noch nicht so lange auf dem Markt sind und fast nur eigenes Sonmaterial präsentierten, dabei auch ein Lied, das erst auf dem nächsten Album im Herbst offiziell veröffentlicht wird.

Es ist schwer, Stücke aus einem durchweg starken southern-, soul- und blues-beeinflussten Konzert herauszuheben. Emotional war natürlich „Sign of Peace“, im Zuge der Geschehnisse der letzten Woche in Deutschland, ein Highlight. Leider gibt bei uns, aber auch vielen anderen Ländern nationalistische, rassistische Parteien, denen man nur das Zeichen des Mittelfingers zeigen kann. Nun aber weg von politischen Gedanken zu einem traumhaften Konzertabend.

Der Band gelang es praktisch von Beginn an, das Publikum mitzunehmen, wobei Energiebündel Meghan Parnell mit der kraftvollen Stimme, immer wieder den Kontakt herstellte und zuweilen die Besucher zum Mitsingen animierte, das auch trefflich gelang. Besonders sympatisch war dabei, dass sie sich nicht divenhaft in den Vordergrund spielte, sondern sich auch optisch in vielen Phasen zurückhielt, wenn die anderen Musiker Soloparts hinlegten.

Beeindruckend war das meist fingerpickende Bottleneckspiel von Dave Barnes an der Gitarre, dem es gefühlsmäßig gelang, die Weiten der kanadischen Landschaften in die Songs zu zaubern. Teilweise schien er dabei wie ein Derek Trucks in seine Musik versunken zu sein, dass er gar nicht mitbekam, was sich um ihn herab abspielte.

In die beiden prägenden Bestandteile der Band, den Gesang und die Gitarre, fügten sich die anderen Instrumente harmonisch und auf den Punkt gespielt ein, dass am Ende das homogene Werk exzellenter Musiker stand, von denen noch einiges zu erwarten ist, wenn es gelingt diesen Esprit beizubehalten. Alan Zemaitis an den Keyboards und am E-Piano untermalte zuweilen mit sphärischen Soundteppichen , glänzte aber auch mit starken Soli, oft in rasantem Tempo.

Den beiden Bläsern, Julian Nalli am Saxofon und Trompeter Stephen Dyte brachten ein weiteres Element in die southernrockige Musik von Bywater Call . Der leicht soulige Einschlag gab den Stücken etwas liebliches, wobei beide Musiker in ausgedehnten Soli ihr Können bewiesen, aber auch nur punktuell eingesetzt den Stücken, eine besondere Würze gaben. Des Weiteren übernahmen sie immer wieder Percussionparts, mit Schellenkränzen, die dann von mehreren Musikern gleichzeitig eingesetzt wurden, um einen imaginären räumlichen Kreis zu bilden.

Last but not least die Rhythmussektion um den nun bärtigen Drummer Bruce McCarthy (in Krefeld noch rasiert), der mit einer spielerischen Leichtigkeit, gemeinsam mit dem Bassisten Mike Meusel das Fundament des Septetts bildete. Beide glänzten ebenfalls in mehreren kurzen Soloparts, dass letztendlich, wie es sich für eine gute Band gehört, alle Musiker ihren Anteil hatten und nicht nur der spielerische Apendix eines Fronters waren.

Nach etwa 90 Minuten verabschiedete sich die Band, die aber nach frenetischen Zugabeforderungen für zwei Zugaben zurück kam. Zunächst betraten nur Meghan Parnell und Dave Barnes die Bühne. Mit „Swing Low“ folgte dann der für mich musikalische Höhepunkt. Barnes begleitete Parnell zum Einstieg allein an der Gitarre, deren Stimme in diesem ruhigen Part des Songs noch einmal voll zur Geltung kam. Nach einiger Zeit betrat dann der Rest der Band die Bühne und stieg nach und nach in das Stück ein, das dann immer mehr an Dynamik gewann und jammend endete.

Das Konzert endete mit „I Am“ ähnlich wie es begann. Nachdem Parnell ihren Gesangspart beendet hatte, verließ sie die Bühne und überließ diese dem Rest der Band, die das Konzert in einem mehrminütigen Jam beendete. Bywater Call wussten somit schon bei ihrem ersten Europatrip das Publikum zu begeistern, dass diese Tour mit Sicherheit keine Eintagsfliege war.

In manchen Momenten war es Meghan Parnell anzumerken, wie ergriffen sie von der positiven Resonanz der Besucher war, die auch in den Songs nach Soloparts nicht sparsam mit Applaus umgingen. Nach knapp 2 Stunden Musik war der Abend aber noch nicht beendet und die sieben Musiker nahmen sich noch Zeit für die zahlreichen Fans am Merchendisestand.

Teenage Head Music-Mastermind Manny Montana hat es mal wieder geschafft, ein Kleinod aus Amerika nach Europa zu holen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn Bywater Call einen ähnlichen Weg einschlagen würden wie Blackberry Smoke, die vor Jahren auch von ihm über den großen Teich gebracht wurden.

Wer es verpasst hat, Bywater Call auf dieser Tour zu sehen, hat Anfang Mai noch einmal die Chance dies nachzuholen, wenn die Band am ersten Maiwochenende auf dem Moulin Blues Festival in Ospel, zwischen Venlo und Eindhoven, und im Kölner Yard Club spielen wird.

Ein Dank auch an die nette Aufnahme im Blue Notez Club, einem Veranstaltungsort, in dem in den nächsten Wochen noch einige Highlights auf die Besucher warten, als ein perfekter Gastgeber.

Line-up:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar,bgv)
Alan Zemaitis (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Bywater Call
Bywater Call bei Facebook
Teenage Head Music
Blue Notez Club Dortmund

Climax Blues Band, 16.02.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

CBB- haupt

Zur Climax Blues Band habe ich bis heute ein eigenartiges Verhältnis gehabt. Obwohl ihre Scheibe „Gold Plated“ und später auch „Shine On“, seit frühsten Sammlerzeiten in meinem LP-Bestand vor sich hinstauben (ich bin ja ein absoluter CD-Verfechter), kann ich mich an kaum einen Song außer ihrem Ohrwurm „Couldn’t Get It Right“, der in unser damaligen Musikkneipe oft gespielt wurde, bewusst erinnern.

So richtig habe ich auch nie den Drang verspürt, mich mit der Musik der Briten auseinander zu setzen, obwohl ich die Band eigentlich an sich sympathisch fand. So bin ich dann mit Kollegen Gernot auch eher aus Respekt vor dem langjährigen konstanten Wirken der Band (jetzt über 50 Jahre!), die Reise ins geliebte Musiktheater Piano recht unbedarft angetreten, um die Woche Sonntags Abends entspannt ausklingen zu lassen, sieben Tage zuvor mussten wir ja wegen des heftigen Sturms beim Blues Caravan leider passen.

Das aktuelle Line-up beinhaltet zwar kein Mitglied mehr aus der Gründerphase, die Herren Glover, Simpson, Adams und Hunt sind aber schon seit Urzeiten mit dabei. Letztgenannter ist zu Fuß nicht mehr so gut dabei (kam mit Gehstock teils unsicheren Schrittes auf die Bühne), hat dafür aber seine Quirligkeit in der Fingern bewahren können und lieferte so manches tolles E-Gitarrensolo ab.

Relativ ’neu‘ dabei sind Fronter Graham Dee (seit 2012, mit engagierter Performance, sehr angenehme Stimme) und Saxofonist Boysey Battrum, dessen Lungenflügel und Backen, die wohl am meisten beanspruchten menschlichen Organe, beziehungsweise Körperteile, während des Konzerts abgaben.

In der knapp zur Hälfte gefüllten Lütgendortmunder Location präsentierte das Sextett den überwiegend 40-60-jährigen Besuchern, einen breitgefächerten Soul-Funk-Blues Rock, der sich vor allem in der Spielfreude der beteiligten Musiker entfachte. Toller Rhythmusteppich von Simpson und Adams, markanter Gesang von Dee, variable Keyboardspielereien vom Spaßvogel der guten englischen Schule, George Glover, immer irgendwann durchzogen von Battrums famosen Saxofon-Plustereien und/oder Hunts E-Soli, bildeten eigentlich das immer wieder kehrende Grundschema, ohne dass es allerdings langweilig wurde.

Die Band versteht sich heute als eigenständiges Kollektiv, das eigentlich weniger auf die Historie zurückschaut und eher das ‚Hier und Jetzt‘ im Fokus hat. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass ihr aktuelles Album „Hands Of Time“ mit Tracks wie „Straight Down In The Middle“ (Opener), „17th Canal Street“, „What’s Your Name“, „The Cat“ (alle in Set 1) und „Hands Of Time“, „Ain’t That A Kick In The Head“, „Hard Luck“ (mit Vorstellung und Soli aller Beteiligten) und „Wrong Time“ (alle im 2. Part), hier den Löwenanteil der Spielzeit einnahm.

Zwischen durch gab es mit „The Seventh Son“ und „Spoonful“ noch zwei, auf CBB-Art interpretierte Willie Dixon-Klassiker und natürlich auch kurz vor Ende oben besagtes „Couldn’t Get It Right“ (mit schönem Gesangsinttro von Dee zu sanftem Orgelhall Glovers im abgedunkelten Piano, bevor dann die Band richtig einstieg). Schön diesen Klassesong mal nicht von einer dieser vielen unsäglichen heutigen Coverbands, sondern von absoluten Könnern, serviert zu bekommen.

Die Zugabewünsche des im kompletten Verlauf des Gigs begeistert mitgehenden Publikums, wurden dann mit dem launigen Boogie „Towards The Sun“ auf dem Fuße erfüllt. Am Ende war es eine kurzweilige, musikalisch unterhaltsame Show der Climax Blues Band, der auch in Zukunft noch einiges an Kreativität zuzutrauen ist. Hat sich gelohnt hinzufahren!

Graham Dee – lead vocals
George Glover – keys, vocals
Neil Simpson – bass
Roy Adams – drums, percussion
Boysey Battrum – saxophone
Lester Hunt – electric guitar, vocals

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Climax Blues Band
Climax Blues Band bei Facebook
Musiktheater Piano
Onstage Promotion

Blues Caravan – 09.02.2020, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbilder

BC2020-haupt

Blues Caravan 2020 mit Jeremiah Johnson, Whitney Shay und Ryan Perry. Das Sturmtief Sabine machte dem etablierten Team Mangold-Daus (und vermutlich auch noch einigen anderen) jedoch einen Strich durch die Rechnung. Da mussten wir aus Vernunftsgründen leider passen.

Adam Zegarmistrz Glagla zählte jedoch zu den Uentwegten, die, laut seiner eigenen Aussage, eine begeisterte Show geliefert bekamen, und war für Sounds Of South zur Stelle, sodass wir zumindest eine eine Bildergalerie liefern können, die sein Statement visuell untermauert.

Vielen Dank lieber Adam!

Line-up:
Jeremiah Johnson (lead vocals, electric guitar, vocals)
Whitney Shay (lead vocals, vocals)
Ryan Perry (lead vocals,electric guitar, vocals)
Roger Inniss (bass)
Amanda Dal (drums)

Bilder: Adam Zegarmistrz Glagla

Jeremiah Johnson
Jeremiah Johnson bei Facebook
Whitney Shay
Whitney Shay bei Facebook
Ryan Perry bei Facebook
Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Music & Stories – 29.01.2020 – Dortmund, Warsteiner Music Hall – Festivalbericht

WM-haupt

Der Konzertreihe Music & Stories konnte nichts besseres passieren, dass drei britische Hochkaräter der Rockmusik gleichzeitig ihr 50-jähriges Bandjubiläum feiern. Was lag da näher als Wishbone Ash, Nazareth und Uriah Heep gemeinsam zu einem Konzertabend auf die Bühne zu bitten.

In der Dortmunder Warsteiner Music Hall fand diese Reihe mit dem 14. Konzertabend nun ihren Abschluss. Gespannt waren viele auf das Konzept, Livemusik mit Talkelementen zu verknüpfen. Als Moderator führte Andy Scott, bekannt als Gitarrist der legendären Sweet durch den Abend. So standen jeweils zwischen den 60-minütigen Sets (Uriah Heep spielte etwa 80 Minuten), Musiker der Bands auf der Bühne zu einer Gesprächsrunde zur Verfügung.

Dies hatte den Effekt, dass die ohnehin recht kurz gestalteten Umbaupausen, den Besuchern noch einmal durch Anekdoten aus 50 Jahren Musikhistorie, verkürzt wurden, wobei sich Scott als charmanter „Gastgeber“ zeigte und die Musiker mit Humor auf die Vergangenheit zurückblickten. Neben lustigen Sachen, wie ein Sturm von Frisbeescheiben auf die Bühne während eines Gigs, kamen aber auch nachdenkliche Geschichten zum Vorschein.

Genannt sei nur, als Andy Powell anmerkte, dass er auf einer Tour mit Nazareth mal festgestellt hatte, dass Schotten doch die trinkfestesten Briten wären und dabei den Nazareth Basser Pete Agnew ansprach, dieser aber darauf konterte, dass er vor Jahren vor der Entscheidung Trinken oder Leben stand, und seitdem dem Alkohol abgesagt hätte.

Als besonderen Service hatte der Veranstalter eine App zur Verfügung gestellt, in der die Gespräche direkt simultan übersetzt wurden. Dies war für viele jedoch nicht notwendig, da sich die britischen Musiker Mühe gaben, langsam und auch in einem sehr verständlichen Englisch zu sprechen, dass man dem Inhalt gut folgen konnte.

Das Wichtigste für die Besucher waren aber vermutlich die drei Konzerte, wobei Wisbone Ash sehr pünktlich um 19:00 Uhr den Anfang machte, sodass die sehr gut organisierte Veranstaltung an einem Mittwoch Abend bis 23:00 Uhr durchgeführt werden konnte.

WA-Teh

Wishbone Ash legten direkt mit „The King Will Come“, „Warrior“ und „Throw Down The Sword“ los und offerierten, was perfekte Twin-Guitars-Musik ist. Powell und Abrahams lieferten sich Sologefechte, die in sich stimmig und absolut harmonisch waren. Mit diesen drei Klassikern hatten sie direkt den Zugang zum Publikum gefunden und und es folgten weitere 45 Minuten der hohen Gitarrenspielkunst.

Doch auch Joe Crabtree an den Drums und Bob Skeat hatten genug Gelegenheit sich als exzellente Musiker zu präsentieren. Die Spielfreude der Briten war für jeden auch an der Mimik der bestens gelaunten Musiker ersichtlich.

Mit „We Stand As One“ folgte auch ein ganz neuer Song, wodurch auch noch einmal verdeutlicht wurde, dass Wishbone Ash eine Band ist, die sich nicht nur auf alten Werken ausruht. Dies traf aber auch für die beiden anderen Acts des Abends zu.

Mit „Jail Bait“, „Phoenix“ und “Blowin‘ Free“ als Zugabe folgten noch drei weitere Klassiker und 60 Minuten waren wie im Fluge vergangen. Herausragend war natürlich „Phoenix“ mit psychedelischen Soloparts und es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Powell fragte, ob es denn auch Besucher gäbe, die das Musiktheater Piano kennen, wo die Band die letzten Jahre immer im Januar auftrat und ihm diese Shows in absolut angenehmer Erinnerung geblieben sind.

Direkt nach dem Gig stand die gesamte Band den Besuchern am Merchandising-Stand zur Verfügung, was noch einmal die Publikumsnähe der Mannen um Powell verdeutlichte, mit der sie sich bestimmtt neue Freunde geschaffen haben.

Line-up Wishbone Ash:
Andy Powell – guitar, vocals
Marc Abrahams – gutar
Bob Skeat – Bass, background vocals
Joe Crabtree – Drums

Naz_Text (1)

Mit Nazareth wurde es dann eine Spur härter. Das hart rockende „Miss Misery“ und der folgende Kracher „Razamanaz“ brachten das Publikum direkt auf Betriebstemperatur.

Zum Abkühlen ließen die Schotten eine schöne Version des Joni Mitchel-Covers „This Flight Tonight“ und mit „Dream On“ eine ihrer Parade-Balladen folgen. Carl Sentance, der seit einigen Jahren den Leadgesang inne hat, überzeugte dabei mit einer starken Bühnenpräsenz und war stimmlich absolut auf der Höhe.

Jimmy Murrison, wie immer seine Gitarre ohne Plektron bearbeitend, bewies, dass er spielerisch die Bandbreite von Schmusesongs bis zum Heavy Metal abbilden kann. Father and Son, Pete Agnew am Bass und Lee Agnew am Schlagzeug zeigten, dass Familie auch auf der Bühne gut funktionieren kann. Pete, immer mit einem Lächeln oder schelmischen Grinsen, machte klar, dass er auch mit 73 Jahren, als einziges verbliebenes Gründungsmitglied, ins 51. Jahr der Bandgeschichte zu gehen gedenkt.

Danach wurde es wieder eine Spur härter und die Band mischte unter ältere Songs wie dem Crazy Horse-Cover „Beggars Day“ und „Hair Of The Dog“ mit „Change“, „Changin‘ Times“ und „Tattoed On My Brain“ drei Stücke vom aktuellen Album, die von den Fans auch sehr gut angenommen wurden.

Der Abschluss der Show wurde mit dem bekanntesten Stück von Nazareth, der Everly Brothers-Adaption „Love Hurts“ eingeläutet, wo Sentance mit schmachtenden Gesang für den einen oder anderen melancholischen Moment bei den Besuchern gesorgt haben dürfte. Mit dem Bonnie Dobson-Stück „Morning Dew“ aus der Anfangszeit von Nazareth wurde das Konzert beendet.

Beeindruckend hier der instrumentelle Einstieg in den Song, wo insbesondere Pete Agnew am Bass mit einem donnernden Lauf überzeugte, bis Murrison mit der Gitarre in diesen psychedelischen Song einstieg und Sentance erst nach einigen Minuten gesanglich hinzu stieß.

Nazareth gehören noch lange nicht zum alten Eisen und haben durch die später hinzugekommenen Musiker, immer wieder frischen Wind in die Band bekommen. Nach dem Konzert stand dann Carl Sentance am Mercendisestand für die Fans bereit, Pete hatte keine Zeit, da er für die anschließende Talkrunde bereitstehen musste.

Line-up Nazareth:
Carl Sentance – vocals
Jimmy Murrison -guitars
Pete Agnew – Bass vocals
Lee Agnew – drums

Heep_text

Nachdem die letzte Gesprächsrunde beendet war, verdunkelte sich die Halle zunächst und in einem folgenden Lichtgewitter begannen die britischen Hardrockveteranen von Uriah Heep mit „Grazed By Heaven“ ihre Show.

Sänger Bernie Shaw überzeugte direkt durch eine entsprechende Hardrockpräsenz mit einigen Posen und perfformte die Songs auch stimmlich gewohnt sicher. Mick Box das verbliebene Gründungsmitglied, das die Band über die Jahre auch zusammengehalten hat, steuerte zu jedem Stück starke Soli bei, wobei er zuweilen so tat, als würde er seine Griffhand wie bei einer Marionette mit der linken Hand steuern.

Mit „Too Scared To Run“, „Take Away My Soul“ ging es hard bis haevy weiter. Drummer Russell Gilbrook schien sich zuweilen die Seele aus dem Leib zu trommeln, Davey Rimmer am Bass posierte über die Bühne und hatte als besonderen visuellen Effekt, zuweilen den Lauf des Basses blau beleuchtet. Phil Lanzon an den Keyboards gab den Stücken die gewohnte Uriah Heep-Fülle.

Das etwas langsamere, aber dennoch hart performte „Rainbow Demon“ wurde mit einem starken Keyboard-Intro durch Lanzon eingeläutet, bis die restliche Band einstieg. Der folgende Klassiker „Gypsy“ brachte die Fans zum Toben und beim anschließenden „Look At Yourself“, bei dem auch die Bandmitglieder vorgestellt wurden, gab es einem furiosen instrumentalen Schlussteil.

Danach folgte einer der absoluten Höhepunkte der Uriah Heep -how. Shaw kündigte einen Song mit langen Intro und langen Outro an. Lanzon stieg zunächst mit der Orgel ein und die Band legte eine sphärische Version der Hymne „July Morning“ auf die Bühne.

Beim vermutlich bekanntesten Stück von Uriah Heep, bei dem zunächst Box mit der Akustikgitarre und Shaw singend alleine auf der Bühne anwesend waren, wurde das Publikum zum Mitsingen eingeladen, dem dieses auch nachhaltig nachkam. Danach läutete der Rest der Band dann das Ende des Konzertabends ein, auf den mit „Sunrise“ und „Easy Livin’“, noch zwei Zugaben folgten.

Herausragend dabei das furios gespielte „Easy Livin’“ als Rausschmeißer, der die Halle noch einmal zum Kochen brachte und einen würdigen Abschluss eines 5-stündigen Konzerts inklusive Talkabend bildete.

Line-up Kenny Wayne Shepherd:
Kenny Wayne Shepherd (electric guitar, vocals, lead vocals)
Noah Hunt (lead vocals, electric and acoustic guitar, percussion)
Bernie Shaw – vocals
Mick Box – guitar, vocals
Davey Rimmer – Bass
Russell Gilbrook – drums
Phil Lanzon – Keyboards

Fazit: Mit Music & Stories hat die PACO Agency eine beeindruckende Konzertreihe durch 14 Städte promotet. Die Kombination aus Livemusik und Talkelementen kann als gelungen angesehen werden, wozu auch die authentische Art von Andy Scott beitrug, der in den Konversationen unaufdringlich und charmant so mache Geschichte aus den Musikern, bzw. alten Freunden und deren gemeinsamer Erlebnisse herauskitzelte.

Über die Qualität der Musik zu reden ist in diesem Fall nicht mehr notwendig, es muss aber erwähnt werden, dass sowohl die Ton- wie auch die Lichttechniker, ganze Arbeit geleistet haben. Auch die gesamte Crew und Security leisteten durch koordinierte Arbeit, ihren Beitrag zu einem harmonischen und absolut runden Abend, der zeigte, dass dieses Konzept auch in Zukunft präsentabel erscheint.

Ein besonderer Dank an Karina Kahl von der PACO Agency für die problemlose Akkreditierung und an Tourmanager Ingo Joa, der den Kontakt hergestellt hat.

Bilder und Bericht: Gernot Mangold

Wishbone Ash
Wishbone Ash bei Facebook
Nazareth
Nazareth bei Facebook
Uriah Heep
Uriah Heep bei Facebook
Music & Stories
PACO Agency
Warsteiner Music Hall

Nazareth – Support: Spy # Row, 01.12.2019 , Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

NZ_haupt

Dass Nazareth auch im 50. Jahr ihres Bestehens noch seine eingeschworene Fangemeinde hat, zeigte sich schon dadurch, dass das Musiktheater Piano wieder einmal ein ausverkauftes Haus meldete. Bemerkenswert dabei ist nicht mal, dass es die Band eigentlich ohne Unterbrechungen gibt, sondern sich das Line-up über die Jahre aus verschiedensten Gründen verändert hat.

Als einziges Gründungsmitglied ist nur noch Bassist Pete Agnew involviert, Gitarrist Jimmy Murrison ist immerhin schon seit 25 Jahren und Petes Sohn, Lee Agnew an den Drums, seit 20 Jahren dabei. Die für viele Fans weitreichendste Veränderung war allerdings der Ausstieg von Sänger Dan McCafferty 2013. Mit Carl Sentance scheint die Band aber jetzt einen Sänger gefunden zu haben, der auch stimmlich in den Sound der Schotten passt und auch dem Songwriting der Band gut zu tun scheint.

Bevor Nazareth die Bühne betraten, überbrückten die drei jungen Frankfurter von Spy # Row mit einem erfrischenden Hardrock/Heavy Metall-Auftritt die Wartezeiten auf das Rockurgestein. In ihrem knapp 30-minütigen Auftritt konnte die Band mit einer Mischung aus Hard– und Heavy-Rock überzeugen und heimste sich auch eine Menge Applaus ein. Aus den sieben gespielten Songs ragte für mich das ruhige „Every Road Leads You Home“ heraus.

Nach einer etwa 30-minütige Umbaupause wurde es in der Halle dunkel, die Bühne war in ein von Nebel umwabbertes Blaulila getaucht und aus den Boxen erklang passend Musik aus den schottischen Highlands.

Symbolisch legte Nazareth mit „Turn On Your Receiver“ los und es begann eine Show durch 50 Jahre ihrer Musik. Erfreulich war, dass es auch einige Songs vom aktuellen Album in die Setlist geschafft haben, was beweist, dass es sich bei Nazareth um eine lebendige Band handelt, die dank Sentances frischem Songwriting, immer noch auf einem guten Weg zu sein scheint.

So folgte schon direkt danach der erste Track aus diesem Werk „Never Dance With The Devil“, in dem Sentance seine Qualitäten als Hardrocksänger offerierte.

Dass mit „Razamanaz“ und „This Flight Tonight“, der Ballade „Dream On“ schon drei Klassiker in der Anfangsphase der Show gebracht wurden, zeugt von einem gewissen Selbstbewusstsein in die aktuelle Kompositionskraft. Nach „Love Leads To Madnness“ und „My White Bicycle“ legte das Quartett mit „Change“ noch ein aktuelles Stück nach, was auch für die Wechsel in der Bandgeschichte zu sehen ist.

Beim Crazy Horse-Cover „Beggars Day“ ging dann richtig die Post ab. Harte Gitarrenriffs von Murrison in Verbindung mit der prägnanten Stimme von Sentance ließen den Song zu einem Knaller werden und mit „Changin‘ Times“ und „Hair Of The Dog“ wurde entsprechend draufgesetzt. Etwas ruhiger wurde es mit dem Titelsong des aktuellen Albums „Tattoed On My Brain“ und dem Welthit „Love Hurts“, der das Publikum zum Schwelgen brachte.

Dass die Agnew-Connection bislang nicht benannt wurde, hat nicht den Grund, dass sie nur Beiwerk waren, aber bei „Morning Dew“, einem Lied aus den Anfangszeiten der Band, hatten sie ihren großen Auftritt. Pete legte am Bass einen fulminanten Rhythmus vor, sein Sohn wirbelte an den Drums, Murrison ließ seine Gitarre jaulen und nach etwa 2 Minuten begab sich auch Sentance auf die Bühne, um leicht mystisch im Gesang einzusteigen.

Danach konnte eigentlich nichts mehr kommen. Doch die Band hatte noch drei Zugaben im Gepäck. Dem heavy eingeläuteten und weiter hart performten „Miss Misery“ schloss sich mit „Where Are You Now“ eine der tollen Balladen der Band an, wo Sentance bewies, dass er McCafferty in der Performance in nichts nachsteht, er aber seinen eigenen Stil hat und gar nicht erst versucht, den legendären Schotten zu imitieren.

Passend zum Ende des Konzertes gab es „Go Down Fighting“. In 90 Minuten hat die Band alles auf die Bretter des Piano gebracht und die Hütte mit ihrer Spielfreude begeistert. Pete bearbeitete seinen Bass mit einem ständigen Lächeln im Gesicht, Sentance gab zuweilen den Animateur, Murrisons Antlitz meist durch die blonde Mähne verborgen, ließ aber manchmal auch seine Freude erkennen und Lee beackerte heftig seine Drums. Schön war auch die Geste Murrisons, der sich zur Show ein Shirt der Vorband angezogen hatte.

Ein Dank wieder einmal an das Piano für einen tollen Konzertabend, wobei diesmal irgendein technisches Problem vor dem Auftritt von Nazareth und zwischen den Songs zu einem Rauschen aus den Boxen führte, was aber in der Kürze der Zeit so behoben werden konnte, dass es mit den Songs direkt übertüncht wurde.

Wer Nazareth in nächster Zeit noch einmal sehen will, kann das Ende Januar tun. Da treten sie mit Wishbone Ash und Uriah Heep in der Dortmunder Warsteiner Halle auf.

Line-up Spy # Row
Sam Niklas Jäger – Vocals, Bass
Tim Louis Jäger – Guitar, Vocals
Arian Gerhard – Drums, Vocals

Line-up Nazareth
Carl Sentance (lead vocals, acoustic guitar)
Jimmy Murrison (guitars)
Lee Agnew (drums)
Pete Agnew (bass, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Nazareth
Nazareth bei Facebook
Spy # Row
Spy # Row bei Facebook
Musiktheater Piano

Danny Bryant & Bigband – 27.11.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

DBBB_haupt

Nachdem Danny Bryant in der Vorwoche im Quartett im Schwarzen Adler schon ein begeisterndes Konzert abgeliefert hatte, spielte er an einem Mittwoch nun mit seiner Bigband im Gepäck im Dortmunder Musiktheater Piano vor. Trotz des eigentlich ungünstigen Termins, zeitgleich blamierte sich der BVB in Barcelona, war das Piano jedoch gut gefüllt.

Pünktlich um 8:00 Uhr begann sich die auf zwei Ebenen angelegte Bühne zu füllen. Mit vier Bläsern und dem Schlagzeug war der obere Teil schon proppevoll und unten warteten Keyboarder, Bassist und der zusätzliche Gitarrist, bis sich unter dem Applaus der wartenden Fans Danny Bryant dann als Letzter sehen ließ.

Eine kurze aber herzliche Begrüßung von Danny an die Fans und schon ging es los. Sprichwörtlich zum Opener „Holding All The Cards“ hatten Bryant und Band alles im Griff, wobei sie schon nach drei Stücken die Karten neu mischten und das in der Setlist als Zugabe aufgeführte „Guntown“ schon vorzogen. Die Songauswahl war sehr ähnlich zu der vom Konzert in der Vorwoche, wobei die Perfomance durch die große Besetzung natürlich eine andere war und so nicht das Gefühl aufkam, zweimal dasselbe Konzert gesehen zu haben.

„Guntown“, schon im Adler ein Highlight, gewann durch die Bläsersektion noch einmal an Intensität. In einer losgelösten Version von „Unchained“ hatten alle Musiker ihren Solopart und wurden zu Recht vom Publikum mit Szenenapplaus bedacht.

Zum Ende erfüllte Melancholie den Saal, als Stevie Watts an den Keyboards das Intro zu „Painkiller“ einspielte, danach Marc Raner nun mit akustischer Gitarre einsetzte und ein stimmlich bestens aufgelegter Bryant die Besucher fast träumen ließ. Die Rythmussektion um Paul Mallatratt am Bass und Schlagzeuger Dave Raeburn, hielt sich bedächtig zurück, um die Atmosphäre des Liedes nicht zu zerstören, die durch die dezent einsetzenden Bläser noch verstärkt wurde.

Nach etwa sieben Minuten war es dann soweit, Watts spielte an den Keys das scheinbare Outro, bis mit drei Schlägen von Raeburn an den Drums ein fulminantes mehrminütiges Solo Bryants einsetzte, in dem er dann fortwährend von allen Musikern bis zum fast hymnischen Ende unterstützt wurde.

Kurz danach war das Hauptset beendet, aber durch die Stimmung und Zugabeforderungen animiert, legte die Band nach kurzer Zeit noch einmal eine klasse Version des Hendrix-Klassikers „Little Wing“ nach. Dieser (Hendrix) betrachte von einem großen Bild neben der linken Bühnenseite das Treiben und hätte mit Sicherheit Spaß an dem gehabt, was die Band mit seinem Song machte.

Danach war dann scheinbar Feierabend. Das Licht ging an, Sound kam vom Band aus den Boxen aber die meisten Zuschauer verweilten noch im Saal und applaudierten. Die ersten standen schon am Merchandisestand. Als es in der Halle wieder laut wurde und die Band unter ’stehenden Ovationen‘ noch einmal die Bühne betrat, um noch einen letzten starken Rausschmeißer, Bryant nun mit seiner Gibson Firebird slidend, drauf zu setzen. Dann war aber nach etwa 120 Minuten energiegeladenen Blues Rocks zumindest musikalisch Feierabend.

Der großartige Abend wurde dann abgerundet, als alle Musiker sich im Merchandisebereich aufhielten, mit Fans Smalltalk hielten und einiges an Autogrammwünschen erfüllten.

Bryant bewies innerhalb von kurzer Zeit, dass er ein begnadeter Livemusiker ist, dem es im Sturm gelingt ein Publikum in seinen Bann zu ziehen, da er gleich drei ‚Waffen‘ sein Eigen nennen kann: Seine Qualitäten als Gitarrist, eine starke Stimme und eine Band, die ihn auf höchsten Niveau mit absoluter Spielfreude unterstützt. Wie gut, dass es Clubs in der Größe des Piano gibt, in der solche Musik ihre angemessene Plattform findet.

Die Leute, welche überlegt hatten, das Konzert zu besuchen, dann aber doch vor der Glotze das Treiben der gut bezahlten Balltreter des BVB verfolgten, haben an diesem Abend mit Sicherheit die falsche Entscheidung getroffen!

Line-up:
Danny Bryant (lead vocals, electric guitar)
Paul Mallatratt (bass)
Dave Raeburn (drums)
Stevie Watts (keys)
Marc Raner (guitars)
David Maddison (trumpet)
Alex Maddison (trombone)
Lauren Young (tenor saxophone)
Mark Wilkinson (baritone saxophone)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Danny Bryant
Danny Bryant bei Facebook
Musiktheater Piano

Pavlov’s Dog, 15.11.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

PD_haupt

Schon einige Wochen vor dem Auftritt vermeldete das Piano ein ausverkauftes Haus. Das mag zunächst erstaunlich sein, da die Band, die mit langer Unterbrechung seit knapp 46 Jahren besteht, nur wenige Alben auf den Markt geschmissen hat, die zunächst auch eher weniger beachtet wurden. Als einziges ständiges Mitglied ist auch nur noch der musikalische Kopf der Band, David Surkamp dabei, der aber wieder eine schlagkräftige Truppe um sich gesammelt hat.

Mit „Late November“ und „Fast Gun“ legte die Band direkt zwei Klassiker aus dem ersten Album „Pampered Menial“ aus dem Jahr 1975 vor. Surkamp zeigte sich dabei stimmlich auf der Höhe, wobei der Gesang nicht mehr ganz so hoch war wie vor über 40 Jahren, was der Qualität aber keinen Abbruch tat.

Zusammen mit David Malachowski, der erst im letzten Jahr zur Band stieß, wechselte er sich mit Rhythmus und Soloparts an den Gitarren ab, wobei Malachowski, der auch schon einige Jahre bei Savoy Brown gespielt hatte, oft in sich gekehrt auf der Bühne stand, um bei einigen Soli dann doch zu explodieren, während Surkamp gestenreich extrovertiert seinen Gesang untermalte. Bei einigen Stücken unterstützte Sara Surkamp, sonst meist für den Backgroundgesang oder Zweitstimme zuständig, zusätzlich an der Rythmusgitarre.

Eine tragende Rolle spielte auch Abbie Steiling, die zuweilen wie ein Teufel über die Saiten ihrer Geige fegte und zeigte, dass dieses Instrument auch im progressiven, zu Teilen folkigen Rock, als Stilmittel geeignet ist. Den Rhythmus und somit eine Basis der Musik legten der sich ständig in Bewegung befindliche Rick Steiling am Bass und der zuweilen stoisch wirkende Manfred Plötz an den Drums, die auf den Punkt ablieferten. Nicht zu vergessen, Mark Maher, der an den Keyboards oft einen psychedelischen Touch in den Sound brachte.

Nachdem der Start mit den zwei alten Songs geglückt war, präsentierte die Band mit „Shaking Me Down“, dem verträümten „Hurting Kind“ und „Winds Wild Early“ direkt drei Stücke vom aktuellen, 2018 erschienen Album „Prodigal Dreamer“, welche vom zu diesem Zeitpunkt schon begeistert mitgehenden Publikum, sehr gut angenommen wurden und sich stilistisch nahtlos am Altbekannten orientierten. Im weiteren Verlauf war der absolute Schwerpunkt auf Songs des ersten und des aktuellen Albums gelegt, welche fast vollständig durchgespielt wurden.

Aber auch einige Lieder des zweiten Werks „At The Sound Of The Bell“, wie „She Came Shining“ und „Standing Here With You“ fanden ihren Platz auf der Setliste, die immerhin 23 Stücke umfasste und in der sich altes, wir sprechen hier von Songs, die über 40 Jahre alt sind, mit aktuellem Material abwechselten. Schön war auch die Passage, als mit „Paris“, „Winter Blue“uns „Hard Times“ drei sehr melodiöse Songs vom aktuellen Longplayer aneinandergereiht waren und Surkamp in einem Übergang über seine Karriere als Musiker sprach.

Beim anschließenden hart performten „Canadian Rain“ ging dann so richtig die Post ab. Hier hatte die Rythmussektion mit einem minutenlangen Solo seinen großen Auftritt, wo Steiling seinen Bass nach allen Regeln der Kunst furios und posend bearbeitete und nur zu Recht vom Publikum begeistert mit Ovationen bedacht wurde.

Interessant war der Beginn von „Aria“, wo Plötz die Drums so ertönen ließ, wie Trommler in alten Zeiten Armeen begleiteten. Den Leadgesang übernahm zunächst Surkamps Frau Sara, um sich dann mit ihrem Gatten abzuwechseln.

Zum Ende der Show setzte Pavlov’s Dog dann wieder auf Tracks des ersten Albums „Pampered Menial“. Nach „Natchez Trace“ und „Episode“ ging es bei „Theme From Subway Sue“ noch einmal ordentlich zur Sache. Danach verließ das Septett unter Ovationen die Halle. Durch lautstarke Zugabeforderungen im Piano, welches sich in einen kleinen Hexenkessel verwandelt hatte, blieb der Band nichts anders übrig, als noch einmal die Bühne zu betreten.

Die beiden Zugaben hatten es dann noch einmal in sich und waren der absolute Höhepunkt des Konzertes. Das treibende fast hardrockende „Song Dance“ wurde gekrönt von einem phantastischen Solo, in dem sich Malachowski an der Gitarre und Steiling an der Geige sprichwörtlich die Bälle zuschmissen und auch Surkamp noch seinen Senf dazu gab. Den Abschluss machte dann das wohl bekannteste Stück der Band. Das melodische „Julia“, auch mit einem furiosen Gitarrengewitter im Mittelteil, war sozusagen der krönende Abschluss eines etwa zweistündigen Konzertes.

Dass es sich bei Pavlow’s Dog um eine Band handelt, in dem Surkamp zwar der Mastermind ist, zeigte sich noch einmal nach dem Konzert, als alle Bandmitglieder an einer schnell bereitgestellten Tischreihe im Konzertsaal Platz nahmen und geduldig Autogrammwünsche der zahlreichen Fans erfüllten.

Ganz nach dem Motto des Pavlow’schen Hundes haben Surkamp und seine Frauen und Mannen an dem Abend eine Glocke geläutet, die dafür sorgen wird, dass den Anwesenden das Wasser im Mund zusammenlaufen wird, wenn sie, wie angekündigt, auch im nächsten Jahr wiederkommen werden.

Line-up:
David Surkamp – Gitarre, Gesang
Sara Surkamp – Gitarre, Gesang
Abbie Steiling – Geige, Gesang
David Malachowski – Gitarre
Mark Maher – Keyboards
Rick Steiling – Bass
Manfred Plötz – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Pavlov’s Dog bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Doyle Bramhall II, 06.11.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

DB_haupt

Doyle Bramhall II zum zweiten Mal in diesem Jahr im Musiktheater Piano in Dortmund! Nachdem er bereits im Juni im schönen Club gespielt hatte, überraschte er Jenny Dore wohl mit dem Angebot, jetzt noch mal einen Zwischenstopp an der Lütgendortmunder Straße tätigen zu wollen.

An diesem nasskalten November-Abend musste allerdings auch der prominente Texaner, der ja immerhin von Leuten wie Roger Waters oder Eric Clapton als Gitarrist gebucht wird, zur Kenntnis nehmen, dass es mitten in der Woche, nur sehr schwer bei uns ist, richtig viele Leute vom heimischen Sofa wegzulocken. Die Zuschauerzahl hätte wie letzte Woche schon bei Laurence Jones, bei solch einer Qualität, doch gerne etwas höher ausfallen dürfen.

Mit 20-minütiger Verspätung kam das Trio auf die Bühne. Nach kurzem Warmspielen zum psychedelisch angehauchten Opener „Love & Pain“ ließ es der wieder recht egozentrisch, introvertiert und wortkarg rüberkommende Protagonist (so hatte ich ihn auch bei meinem ersten Besuch in Erinnerung), zunächst mit Tracks wie „Mama Can’t Help“, „November“, „Everthing You Need“ oder „Searching For Love“ recht melodisch angehen.

Der neue Drummer Tony Leone ist ja ähnliche Charaktere von der Chris Robinson Brotherhood gewohnt und auch Bramhalls konstanter Mitstreiter Adam Minkoff (mit Haaren wie Schafswolle auf dem Kopf), der wieder durch seine Vielseitigkeit glänzte (Keys und Bass, einmal sogar gleichzeitig) und diesmal stärker bei den Vocals eingebunden war, scheinen den Protagonisten bei seinem filigranen Gitarrenwirken ziemlich gelassen hinzunehmen.

Ab dem Hendrix-Cover „Izabella“ und spätestens mit dem Stooges-Song „I Wanna Be Your Dog“ wurde es ziemlich psychedelisch, jammig, teilweise punkig (auch bei „Green Light Girl“ als Abschluss des Hauptteils) und für meine Gehörgänge oft zu frickelig und technisch. End-60er-/Anfang-70er-Rock-affine Leute, die wohl auch die größte Gruppe unter den Anwesenden darstellten, werden demnach ganz gut auf ihre Kosten gekommen sein. Auch Doyle hatte in dieser Phase zumindest ab und zu Spass in den Backen und lächelte kurzzeitig in Richtung seiner Begleitmusiker. Er ließ sich sogar mal zu einer Ansage wie „What day is it?“ hinreißen.

Erst mit den Zugaben, dem weiteren Hendrix-Klassiker „Angel“, der allerdings mit zunehmender Dauer im Gitarrenpart auch sehr kräftig aufbrauste und dem atmosphärischen „So You Want It To Rain“ (Bramhall temporär mit dezentem Southern-Spiel), wurde der Gig wieder wieder etwas gemäßigter beendet. Ich persönlich hätte mir mal ein zwei Stücke aus seiner Arc Angels-Zeit gewünscht, aber es geht ja hier nicht um meine Befindlichkeiten.

Immerhin ließ der Meister sich dann am Merchandising-Stand sehen, und wirkte da eigentlich ganz herzlich, weniger unnahbar als auf der Bühne und erfüllte ganz gelassen Autogramm- und Fotowünsche (u. a. auch einen schönen großformatigen Schnappschuss des Kollegen Mangold). Insgesamt also ein qualitativ hochwertiger musikalischer Abend (Doyle spielt schon toll Gitarre), der aber eher dem Charakter einer ‚Vorlesung‘ für Musikstudenten von einem in sich gekehrten Lehrmeister glich. Für eine packendere Stimmung und mehr Begeisterung an einem nasskalten ungemütlichen Mittwoch-Abend in der Arbeitswoche muss man ein Publikum letztendlich doch deutlich mehr mitnehmen.

Line-up:
Doyle Bramhall II (lead vocals, electric guitar, vocals)
Tony Leone (drums, vocals)
Adam Minkoff (bass, keys, vocals, lead vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Doyle Bramhall II
Doyle Bramhall II bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment