Hayseed Dixie, Support: Wally, 14.06.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Unterhaltung pur, gestern Abend im Musiktheater Piano in Dortmund! Just in dem Moment, wo das Unternehmen, in dem ich seit fast 30 Jahren gerne gearbeitet habe, mich im letzten Viertel meines Berufslebens, Mantra-artig mit Sekten-mäßig anmutenden Weiterbildungen und neu errichteten ‚Open Spaces‘ (Großraumbüros…), auf die wunderbaren Vorzüge und Chancen der Digitalisierung (ohne jegliche kritische Hinterfragung) einzuschwören gedenkt, gleicht so ein Konzert wie aus der guten linearen alten Zeit der Rockmusik, ganz vielem Balsam für die geschundene Seele.

Die Bluegrassrocker von Hayseed Dixie sorgten mit ihren eigenwillig semi-akustisch countrifizierten Covernummern bekannter Genre-Klassiker, vermischt mit ein paar Eigenkompositionen und deutschem Liedgut(!), für einen launigen Einstieg ins Wochenende.

Der Auftakt war allerdings dem talentierten Mannheimer Musiker André Wahlhäuser, alias Wally, vergönnt, der in Tradition von Musikern wie Niedecken, Stoppok oder Maahn, in lockerer und oft selbst-ironischer Manier, die Begebenheiten des monogamen Künstlerlebens in seinen deutschsprachigen Songs reflektierte. Er präsentierte dabei aus seiner aktuellen EP „Unter deinem Licht“, authentisch wirkende Tracks wie „Sag‘ mir wann der Flieger geht“, „Du bist der Teufel“ oder „Alles kommt, nix geht… Mehr“.

Als Unterstützung assistierte ihm bei einem Song, die Frontfrau der Berliner Deutsch Rock-Combo Bonsai Kitten, Tiger Lilly Marleen. Launiger Höhepunkt seiner Performance war der „Kackvogel vorm Fenster“, der den Protagonisten, nach durchzechter Nacht, mit seinem Gezwitscher am Fenster in den frühen Morgenstunden, um den wohl verdienten Schlaf brachte. Ein versierter Musiker (auch mit guter Gitarrenarbeit bei gleichzeitiger Fußperkussion), mit dem Herz am rechten Fleck und schöner Kontrast zu den heutigen, Medien-protegierten Weichspülern à la Foster & Co.

Als in der kurzen Umbauphase eine Wanne mit reichhaltig Eis und Bierflaschen befüllt wurde und anschließend Mandolinenspieler Hippy Joe Hyma in seinem urigen Hosenanzug, der scheinbar nur noch von den vielen aufgenähten Stickern zusammengehalten wird, samt Whiskeyflasche und seinen Mitstreitern John Wheeler, Tim Carter und Jake ‚Bakesnake‘ Byers (eine imposante holzfällerartige Erscheinung mit Händen so groß wie Klodeckel) die Bretter des Pianos betraten, konnte man schon die beschwingte, feucht-fröhliche Richtung des Abends antizipieren.

Das um die Jahrtausendwende zunächst als AC/DC-Coverband konzipierte Quartett, gab dann auch ein furioses Feuerwerk bluegrassig-rockiger Nummern bekannter Größen wie AC/DC, Black Sabbath, Aerosmith, Journey (stark „Don’t Stop Believin'“), Toto, Motörhead, Queen (herrlich eigenwillige Version), Survivor, etc., zum Besten, überzeugte allerdings auch mit Stücken aus eigener Feder wie u. a. „Kirby Kill“, „Tolerance“ oder dem melodischen „I’m Keeping Your Poop (In A Jar)“, das zu meinem Lieblingsstück des Abends avancierte.

Klasse auch „Woah Woah“, bei dem Tim Carter, der mit filigranem Banjo-Spiel, sowohl für die musikalische Brillanz der Truppe stand, als auch im weitesten Sinne den ruhenden Pol abgab, einmalig die Lead Vocals übernahm. Die hatte natürlich maßgebend die einzige Konstante der Band, John Wheeler, inne, der vor allem mit seinen deutschen Sprachkenntnissen und Liedern wie u. a. „Schnaps, das war sein letztes Wort“ oder „Die richtige Zeit für Schwarzbier“, sowie seiner sympathischen, kommunikativen und mitnehmenden Art, beim gesangssicheren Publikum punktete.

Die Stücke lebten natürlich auch von den fortwährenden Solo-Kombinationen mittels Banjo und Mandoline, die nahezu in jedem Track eingestreut wurden. Dabei fegte der positiv-verrückt erscheinende immer Grimassen-schneidende Hippy Joe Hymas mehrfach wie ein Derwisch von der Bühne durch die Audienz von Dortmunds Parade-Location.

Als im langen Zugabenteil Songs wie „T.N.T“, „Corn Liquer“, „Walk This Way“, „Hihway To Hell“ (mit integrierten „Free Bird“, „Tiny Dancer“ und „Eternal Flames“) fast Medley-artig ineinander griffen, gab es im begeistert mitgehenden Publikum schon längst kein Halten mehr. Eine einzigartige Hayseed Dixie-Party, bei der gesungen, getrunken und begeistert abgerockt wurde. So muss Live-Unterhaltung aussehen.

Kompliment an die Herren Wheeler, Carter, Hymas und Byers, die sich nach dem Konzert auch noch für den persönlichen Kontakt ausgiebig am Merchandising-Stand Zeit nahmen (lustiger Weise sogar gesanglich während des Gigs angekündigt) und am Ende für das Foto mit unserem Logo nochmals auf die Bühne des Pianos zurückkehrten. Insgesamt eine tolle Sause mit Hayseed Dixie. Eine Band, die man live erlebt haben sollte. Exponentiell hohe Ausschüttung von Glückshormonen garantiert!

Line-up Wally:
André „Wally“ Wahlhäuser – Lead vocals, semi acoustic guitar, percussion
Tiger Lilly Marleen – Vocals

Line-up:
John Wheeler (alias Barley Scotch) – Lead vocals, semi acoustic guitar, vocals
Tim Carter – Banjo, vocals, lead vocals
Hippy Joe Hymas – Mandoline
Jake ‚Bakesnake‘ Byers – Bass, vocals

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Doyle Bramhall II, 01.06.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Pünktlich zum meteorologischen Sommeranfang stiegen die Temperaturen im Ruhrgebiet auf entsprechende Werte. Trotz des guten Wetters und der Konkurrenz durch das Champions League-Finale, füllte sich das Piano ab 20:00 Uhr merklich, dass die Besucher den Liveclub zu etwa zwei Drittel füllten.

Um 20:30 Uhr betrat Bramhall, im Gegensatz zum letzten Konzert in Dortmund, wo er mit einer 5-Mann Band auftrat, diesmal in klassischer Dreierbesetzung auf. Im Publikum sah man auch das eine oder andere Eric Clapton-Shirt, auch als Hinweis auf die Qualität Bramhalls, der ja in verschiedensten Bands als Musiker mitwirkte, unter anderem auch bei Roger Waters und besagtem Mr. Slowhand, zu dessen Band er auch nach dem Dortmunder Konzert hinzustoßen wird, um ihn auf der anstehenden Europatour zu unterstützen.

Entsprechend groß waren auch die Erwartungen der Fans. Soviel schon einmal vorweg genommen, sie sollten nicht enttäuscht werden. Doyle Bramhall II mit dunkler Jeans, schwarzem T-Shirt, Hut mit breiter Krempe und Federn und einer Sonnenbrille bekleidet, seine Mitstreiter im Look der 60er bis 80er Jahre, sollten in der Show den Anwesenden stilgerecht zeigen, dass Musik, die ihre Wurzeln in dieser Zeit hatte, etwas aufgepeppt, immer noch attraktiv sein kann.

Mit „Problem Child“ vom Album „Welcome“ wurde das Publikum willkommen geheißen. Schon hier zeigte sich, dass Bramhall und seine zwei Mitstreiter auch in kleiner Besetzung einen voluminösen Sound auf die Bretter des schmucken Piano zaubern können. Man konnte der Band hier schon die Spielfreude anmerken. Die stressige Anreise mit Staus und Soundscheck, der noch andauerte, als sich die Pforten des Piano schon geöffnet hatten und die Besucher noch in der Kneipe verweilen mussten, ehe der Saal etwas verspätet dann geöffnet wurde, schien wie weggeflogen.

Mit der southern-umhauchten Ballade „So You Want It To Rain“ zeigte Bramhall bereits seine Extraklasse an der halbakustischen Gibson, später an verschiedenen Fender-Modellen. Auch Adam Minkoff am Bass, feste Größe als Bramhall-Mitstreiter und Chris St.Hilaire an den Drums, konnten schon hier die Anwesenden begeistern. Bramhall überzeugte hier, aber auch in vielen anderen Songs, nicht durch Saitenhexerei, wo manche Gitarristen versuchen Geschwindigkeitsrekorde im Saitenanschlag aufzustellen, sondern durch ausgefeilte Spieltechnik und absolut gefühlvolles, auf den Punkt gebrachtes Spiel.

Dies zeichnete auch die beiden Begleiter aus, wo das Schlagzeug nicht als Trommelbude zweckentfremdet wurde, sondern St. Hilaire seine Drumsticks mit Bedacht einsetzte, um in schnelleren Phasen, auch eine große Dynamik zu entwickeln. Adam Minkoff mit ganz starken Bassplel rundete den Sound gekonnt ab.

Schön waren auch die Harmoniegesänge der drei, die als belebendes Stilelement, gekonnt eingesetzt wurden. Dies kam auch beim Paradestück, dem bluesigen „November“ vom „Rich Man“ Album zum tragen, wo Adam Minkoff den Bass bei Seite legte und sich den Keyboards widmete.

Danach folgten mit „Love And Pain“, „Everything You Need“ und „Searchin‘ For Love“, drei Songs des aktuellen Albums „Shades“, von dem Bramhall selbst sagt, dass ihm damit das Werk gelungen ist, in dem er alles verknüpft wurde, was für ihn bedeutsam ist. Alles drei sehr gefühlvolle blues-soulig-emotionale Songs.

Dabei offerierte der slow gespielte Blues „Searching For Love“ eindrucksvoll, warum Bramhall seit 2000 festes Bestandteil der Clapton Band ist und auch einen Anteil am Songwriting und der Produktion hat. Diese ‚Liebe‘ zu Doyles Musikstil ging sogar soweit, dass Clapton, Bramhall-Songs auf seinen Studioalben coverte.

Nachdem er in diesem Stück sprichwörtlich nach Liebe gesucht hatte, fand er diese im folgenden „Izabella“, einem Hendrix-Cover (es muss ja nicht immer „Hey Joe“ oder „Purple Haze“ sein). Jimmy,  der bildlich neben der Bühne auf einem großen Bild an der Wand hängt, schaute Doyle Bramhall in Hochform genüsslich zu, wie er mit Band seine Musik wieder zum Leben erweckte.

Mit „The Veil“ einer ruhigen Ballade, dem bluesigen „Mama Can’t You Help Me“,  von „Rich Man“, deutete Bramhall an, dass er zumindest in musikalischer Hinsicht, ein reicher Mann ist. Einmal mehr starkes Songwiting, über die meist filigranen spielerischen Fähigkeiten braucht nichts mehr erwähnt zu werden, aber auch gesanglich mit differenzierenden Stimmlagen war sein Können omnipräsent. Interessant war, wie in einer Zwischenpassage von allen Dreien die Melodie von „Walk On The Wildside“ gesanglich intoniert wurde. Einfach passend zu einem von guter Laune geprägten Konzert.

Mit „Angel“ einem der schönsten Hendrix-Songs, war der emotionale Höhepunkt des Abends erreicht. Nach diesem sehr gefühlvollen Track, wurde es mit „Hands Up“ rauher, eingeläutet von Minkhoff mit einem starken Basssolo, während Bramhall und St. Hilaire dem Spiel nebeneinander sitzend lauschten, was zum Ende hin psychedelisch, fast Doors-ähnlich ausuferte und das Finale Grande einläutete.

Doyle kündigte einen Lovesong an und mancher der Besucher rieb sich zunächst verwundert die Augen. Schon beim ersten Anschlag der Gitarre fand ich mich ein paar Jahrzehnte zurückversetzt. Nachdem Matthias Johannson das Trio an den Keyboards zum Quartett erweitert hatte, folgte eine starke, vom Punk der Stooges umwehte Version des Klassikers „I Wanna Be Your Dog“. Eine absolut positive Überraschung im Set.

Als Zugabe gab es dann noch eine losgelöste Version der Beatles-Nummer „She Said“, die auch hart interpretiert wurde und das begeisterte Publikum nach 90 Minuten intensiver Livemusik in das restliche Wochenende schickte.

Bramhall ließ es sich trotz des engen Terminkalenders und der anstehenden Reise in Richtung Clapton nicht nehmen, am Merchandise-Stand nicht nur vorbei zu schauen. Er nahm sich alle Zeit, den zahlreichen Foto-und Autogrammwünschen bestens gelaunt und auch humorvoll nachzukommen. So hatte der Abend einen runden Abschluss gefunden und die Fans konnten entweder zufrieden beschwingt den Heimweg antreten oder noch auf ein paar Absacker in der gemütlichen Kneipe des Pianos verweilen.

Ein besonderer Dank wieder an Jenny Dore und 3Dog Entertainment für die Akkreditierung, aber auch an das gesamte Team des Pianos, das eine, wie immer, gastfreundliche Atmosphäre schaffte. Ein Freund von mir, der das erste Mal mit im Piano war, sagte auf der Rückfahrt, dass er selten einen Laden mit solch einem Flair und  einem dem Gast so zugewendeten Personal gesehen hat. Er, wie auch Doyle Bramhall II, werden vermutlich/hoffentlich nicht das letzte Mal dort gewesen sein, sodass Livemusik, dort wo sie ursprünglich hingehört, auch in Zukunft weiterleben wird.

Line-up:
Doyle Bramhall II (Lead vocals, electric guitar, vocals)
Chris St. Hilaire Cole (Drums, vocals)
Adam Minkoff (Bass, keys, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Doyle Bramhall II
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Curse Of Lono – 25.05.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbilder

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Der englischen Band Curse Of Lono gelang es als Support von Samantha Fish, die Menge mit ihrem unverkennbaren ‚Cinematic Southern Gothic Rock‘ für 45 Minuten in den Bann zu ziehen.

Line-up Curse Of Lono:
Felix Bechtolsheimer (lead vocals, guitars)
Neil Findlay (drums)
Dani Ruiz Hernandez (keyboards, background vocals)
Joe Hazell (guitars, background vocals)
Charis Anderson (bass, background vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Stephan Skolarski

Curse Of Lono
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Samantha Fish – Support: Curse Of Lono – 25.05.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Perfekt gestylt und im extravaganten Outfit betrat Samantha Fish um 21:15 Uhr die Bühne im Dortmunder Piano. Sie konnte dabei auf die volle Unterstützung eines restlos ausverkauften Musiktheaters zählen.

Kurz zuvor gelang es der englischen Support-Band Curse Of Lono die Menge mit ihrem unverkennbaren ‚Cinematic Southern Gothic Rock‘ für 45 Minuten in den Bann zu ziehen.

Bei ihrem letzten Auftritt im Piano (12.11.2017) wurde Fish noch von einer größeren Band begleitet; das auf drei Musiker reduzierte Format minderte ihre energiegeladene Performance aber keineswegs.

Der Opener „American Dream“, von ihrem letzten Erfolgsalbum „Belle Of The West“ (2017), holte das Publikum sofort ab, das offen bereit war, sich zusammen mit der US-Amerikanerin auf einen spannenden Blues-Abend einzulassen. Mit ihrem rasanten Bottleneck-Spiel setzte sie zugleich ein erstes Ausrufezeichen. „Chills & Fever“ vom gleichnamigen Longplayer (2017), offenbarte einen frechen und souligen Gesangsstil der 30-jährigen aus Kansas City.

Spätestens beim dritten Track „Don’t Say You Love Me“ merkte jeder, dass sich Samantha Fish in Deutschland bereits eine treue Fangemeinde erspielt hat, die auf ihre Gesten und Solo-Parts frenetisch reagierte. Als Überraschung präsentierte sie den neuen Song „Watch It Die“ von ihrem im Herbst erscheinenden Album „Kill Or Be Kind“.

Raue Klänge im Desert-Sound gab es dann mit ihrem „Highway“-Hit von der „Wild Heart“-LP (2015). Einen Tempowechsel brachte der Slow-Blues „Either Way I Lose“, den Fish besonders emotional performte und das Publikum lauschte aufmerksam den ungewöhnlich leisen Tönen der Gitarre.

Der gute Laune Blues Song „Little Baby“, im feurigen New Orleans Blues-Stil, gab dem Keyboarder Raum zur Entfaltung und war ein glänzender Übergang zum langsam vorgetragenen Stück „Blood In The Water“, das sehr minimal ausgestaltet war und ihre Stimme in den Mittelpunkt rückte. Der nächste Track, im angekündigten Mississippi-Blues-Stil, entfaltete seine Qualität im feinen Slide-Guitar Spiel und dem krönenden Abschluss-Duell zwischen Gitarre und Bass.

Auf „Need You More“ griff sie zur Akustik-Gitarre und brachte eine reife Folk-Country Nummer auf die Bühne, die den Dixie Chicks alle Ehre gemacht hätte. Ein erneuter Wechsel der E-Gitarre führte zum harten Stoner-Blues „No Angels“. „Daugthers“, wie die vier vorherigen Stücke ebenfalls von ihrer „Belle of the West“-Scheibe, ist ein „Song about dancing“, wie Fish dem Publikum entgegenrief und damit zum wilden Jam-Blues überging.

„Are you ready to Rock’n’Roll?“ fragte Samantha in die Menge, bevor die Band mit dem R.L. Burnside-Cover „Shake ‚Em on Down“ den umjubelten Schlusspunkt setzte und ein Konzert der Extraklasse gekonnt abrundete.

Samantha Fish präsentierte sich auch nach dem Konzert aufgeschlossen und Fan-nah, als sie ungezwungen und ausgiebig die Gelegenheit gab, Autogramme und Fotos zu ergattern.

Das ausverkaufte Piano zeigte einmal erneut, dass Samantha Fish in die Spitze der Blues-Front-Women vorgestoßen ist. Ihr schriller und eigenwilliger Bühnenauftritt und ihre herausragenden Fähigkeiten als Songwriterin und Gitarristin ergeben eine Kombination, die auch über die Blues-Grenzen hinaus weiter für Furore sorgen wird.

Danke an das Musiktheater für die Akkreditierung und die immer wieder außergewöhnliche Atmosphäre.

Line-up Samantha Fish:
Samantha Fish (lead vocals, electric and acoustic guitar)
Phil Breen (keys)
Chris Alexander (bass, vocals)
Scott Graves (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Stephan Skolarski

Samantha Fish
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Musiktheater Piano
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Ryan McGarvey – 12.05.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbilder

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Unglaublich, aber wahr. ‚Konzertjunkie‘ Gernot Mangold besuchte einen Tag nach Ryan McGarveys starkem Gig im Schwarzen Adler, glatt auch noch seinen Auftritt im Dortmunder Musiktheater Piano. Hier seine wie immer farbenfrohe Bildergalerie.

Line-up:
Ryan McGarvey (lead vocals, guitars)
Artha Meadors (bass)
Logan Miles Nix (drums)

Bilder: Gernot Mangold

Ryan McGarvey
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Aynsley Lister – 28.04.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Rein gefühlsmäßig haben wir in den letzten Wochen die halbe britische Blues Rock-Szene beleuchtet. Mit Aynsley Lister stand im schönen Lütgendortmunder Musiktheater Piano  der nächste Hochkaräter von der Insel an.

Für den Kollegen Mangold war der wuselige Gitarrero aus Leicester absolutes Neuland, meine Wenigkeit durfte ihn nun zum dritten Mal begutachten. Das erste Mal, quasi zu Beginn des Internetzeitalters im heimischen Schwarzen Adler zu Rheinberg, als er ein ganz junger Spund war und Gernot für die Entwicklung seiner Bilder noch in die Dunkelkammer hätte rennen müssen, letztes Jahr im urigen Leverkusener topos und nun in Dortmunds Konzertschmuckstück vor gut besuchter Kulisse.

Drei in ihrer Art völlig unterschiedliche Locations, ich war gespannt, wie Aynsleys Gitarrenkünste und seine Songs im volumigsten der Auftrittsorte rüber kommen würden.

Das Bandgefüge zum Gig in der Bayerstadt war zu 50 Prozent erneuert. Jono Martin zupfte unaufgeregt im Dienst des Protagonisten den E-Bass und hatte ganz dezente Harmoniegesangseinsätze. Craig Bacon kam mir gleich bekannt vor, und tatsächlich, ich hatte ihn früher schon mal als Drummer von Stevie Nimmo gesehen.

Etatmäßig war Andrew Price wieder als Tastenmann (mit vielen Orgelschwurbeleien und Pianogeklimper) an Listers Seite zugange. Die beiden hatten zwischendurch immer wieder ihren Spaß, als Lister seinen Spezi zu ‚Frage-Antwort‘-Scharmützeln an ihren Instrumenten herausforderte. Aynsley bestach natürlich mit unzähligen fingerfertigen Soli auf seinen beiden Stratocastern.

Da sein ‚jüngstes‘ Werk „Eyes Wide Open“ nun schon drei Jahre zurückliegt, verwunderte es nicht, dass sein Programm im Piano dem der letzten Zeit ähnelte und lediglich in der Songanordnung dezent variierte.

Nach kurzem Warmspielen stieg das Quartett mit „All Of Your Love“ ein, pacte mal runter („Il Grande Mafioso“, „Home“) und wieder in unterschiedlichen Tempi rauf („Stay“, das poppige „Soul“, das stampfende „Running Out On Me“).

Als sich der Brite eine halbakustische Klampfe schnappte und deltabluesig mit schönem Slide „Heyde 2612“ einleitete und der launige Barroomschunkler „One More Time“ (claptonsekes Solo am Ende) nachgeschoben wurde, begann sich der Gig peu à peu zu intensivieren.

Mit dem atmosphärischen Blues „Everthing I Have To Give“ (Listers Zwischen-Solo in Peter Green-Manier), dem flockigen „Inside Out“, „I’m Tore Down“ (für die Freunde der Traditionalisten, zum Teil schön jammig) und  dem soundgewalltigen „Possession“ war der Hauptteil auch schon im Fluge vergangen.

„Purple Rain“ ging in der gitarrenlastigen Lister-Version als erste der beiden lautstark geforderten Zugaben natürlich unter die Haut, während das saustarke „Handful Of Doubt“ als Rausschmeißer nochmals die ganze Dynamik, Variabilität  und Spielfreude des Vierers offerierte.

Am Ende für mich aufgrund des beeindruckenden Klangs und auch der schönen Beleuchtung im Piano, das bisher beste Lister-Konzert, ohne die beiden anderen erlebten damit abwerten zu wollen.

Kaum war der Gig beendet, hatte sich Aynsley auch schon eine Jacke über’s verschwitzte T-Shirt gezogen und stand im Foyer in seiner sympathischen Art den Besuchern für Bilder und Autogramme zur Verfügung. Toller Bursche, dieser britische Gitarren-Wizard!

Line-up:
Aynsley Lister (lead vocals, guitars)
Andrew Price (keys)
Jono Martin (bass, vocals)
Craig Bacon (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Aynsley Lister
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Musiktheater Piano

Thunder – Support: Massive Wagons – 03.04.2019, Kantine, Köln – Konzertbericht

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Thunder nach etwas über einem Jahr wieder in der Kantine! Köln erweist sich allerdings zunehmend als schwieriges Terrain für die britischen Hardrocker. Nachdem der Besuch schon beim letzten Mal, nicht allzu prall ausgefallen war, fanden sich am Mittwoch Abend vielleicht etwas über 200 Zuschauer zum Auftritt im Rahmen ihrer „Stand Up“-Tour ein.

Morley, Bowes & Co. zeigten sich davon allerdings ziemlich unbeeindruckt und bedankten sich bei den ‚Standhaften‘ mit einem spielfreudigen Konzert – ja man kann schon konstatieren – Thunder hatten richtig Bock!

Zunächst heizte allerdings die aus dem nordenglischen Carnforth stammende, 2009 gegründete Power Hard Rock-Combo, Massive Wagons, mächtig ein. Das Quintett um den agilen Sänger Barry Mills, 2013 Gewinner des ‚Highway To Hell-Competitions‘, das schon einige Alben herausgebracht hat und demnächst auch die Abschiedstour in Großbritannien von Lynyrd Skynyrd zusammen mit Status Quo supporten wird, präsentierte in einer guten Dreiviertelstunde u. a. Songs wie „Back To The Stack“, „Billy Balloon Head, „Tokyo“ oder „China Plates“ aus ihrem aktuellen Longplayer „Full Nelson“, der immerhin Platz 16 der UK-Album-Charts als Achtungserfolg erreicht hat.

Als sich die fünf massiven ‚Wagonführer‘ (besonders der stattliche Bassist Adam Bouskill…) mit dem kräftigen Rock ’n Roller „Fee Fi Fo Fum“ unter viel Applaus von der Audienz verabschiedet hatten, war ihre Mission als energiegeladener Appetitanreger des Hauptacts Thunder punktgenau erfüllt worden (die Bilder zum Massive Wagons-Auftritt siehe hier in einer separaten Galerie).

Nach der Umbaupause gab es mit dem AC/DC-„Thunderstruck“-Einspieler einen britisch humorvollen Beginn. „Thunder, Thunder“ ertönte es aus den Boxen und aus den Kehlen der anwesenden Zuschauer im Einklang, als die fünf erfahrenen Hard Rock-Recken auf der Bühne eintrafen, um dann mit „Loser“ sofort die Chemie zum Publikum auszuloten. Der bestens gelaunte und bombig aufgelegte Sänger Danny Bowes forderte direkt, wie auch im weiteren Verlauf, kontinuierlich Stimmung ein und bekam diese auch freudig zurückgespiegelt.

Viel trug an diesem Abend auch die gute gewählte Setlist dazu bei, die u. a. einen schönen Mix aus ihren, zum Teil balladenhaft-umwehten Paradesongs wie „Low Life In High Places“, „Don’t Wait For Me“ oder „Love Walked In“ und Power- und Mitgröltracks wie „Higher Ground“, „Backstret Symphony“ oder „I Love You More Than Rock ‘n‘ Roll“ aufbot.

Luke Morley war neben seinen beiden Akustikgitarren-Intermezzi, diesmal neben seiner hellen Stratocaster und der schwarzen Les Paul, schwerpunktmäßig mit einer bordeaux-rot-weißen Flying-V-E-Gitarre unterwegs, und lieferte zahlreiche einfühlsame, als auch quirlige Soli ab.

Ben Matthews, der leider nicht so gut zu hören war, erwies sich mit E-Gitarren-, Keyboardeinsätzen, Harmoniegesängen und als Kuhglocken-Perkussionist bei „I Love You More Than Rock ‚n‘ Roll“, als vielseitigster Akteur, während Chris Childs (auch mit Harmony vocals) und der wieder hinter seiner Schießbude verbarrikadierte kauzige Harry James (natürlich mit dunkler Sonnenbrille), ihren meist treibenden Rhythmus entfachten.

Fronter Danny Bowes war erneut die gewohnte Rampensau, Kompliment was der fast 60-Jährige immer noch an Energie aus sich und seiner Stimme herauskitzelt.

Da war es am Ende natürlich nicht verwunderlich, dass die Band ohne Verlängerung aus der Domstadt entlassen wurde. Die sympathischen Briten ließen sich nicht lumpen und es, ihrem Namen gebührend, mit dem flotten „Serpentine“ und dem herrlichen „Dirty Love“ (am Ende wieder mit launiger Publikumseinbindung), trotz der spärlichen Kulisse, abschließend nochmals ordentlich krachen.

Ein toller Gig von Thunder, besser und unterhaltsamer kann man einen Mittwoch Abend (musikalisch) eigentlich nicht verbringen!

Line-up Thunder:
Danny Bowes (lead vocals)
Luke Morley (electric and acoustic guitars, vocals)
Ben Matthews (keyboards, electric guitar, percussion, vocals)
Chris Childs (bass, vocals)
Harry James (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Thunder
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Kantine Köln

Sari Schorr & Band, 21.03.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Sari Schorr ist eine Dame, die mittlerweile zweifelsohne zu einer unserer Dauergäste in Sounds Of South avanciert ist. Nach den beiden Alben-Reviews zu „A Force Of Nature“ und dem amtierenden Silberling „Never Say Never„, sah ich sie jetzt zum vierten Mal live. Gestern Abend gab es ihr drittes ‚Stelldichein‘ im Dortmunder Musiktheater Piano.

Was die Besucherzahlen angeht, zumindest unter meiner Präsenz, scheint die New Yorkerin, trotz konstant guter Leistungen, bei uns irgendwie immer noch nicht richtig angekommen zu sein. Ob der Grund ist, dass sie den Blues-Fans zu rockig und den Rock-Fans zu bluesig ist, oder es einfach nur am Wochentag lag, bleibt somit im großen Reich der Spekulationen angesiedelt.

Abgesehen von der mit 80 Minuten (inklusiv zweier Zugaben) etwas knapp bemessenen Spielzeit, ließ der Abend keine Wünsche offen. Gegenüber dem letzten Gig in Rheinberg gab es zwei personelle Veränderungen. Matt Beable zupfte den Bass und der angesehene, aus dem britischen Brighton stammende Keyboarder Stevie Watts, bediente stilsicher Piano und Orgel.

Allein der heftig rockende und stampfende Opener „The New Revolution“ war schon das Eintrittsgeld wert. Was der an diesem Abend überragende Gitarrist Ash Wilson hier schon auf seiner schnieke weißen Duesenberg-Gitarre an Riffs und Soli abließ, war regelrecht beeindruckend. Er scheint sich von Auftritt zu Auftritt weiterzuentwickeln. Für mich diesmal der heimliche Star.

Sari selbst überzeugte natürlich mit ihrer sympathischen Präsenz, ihrer gewohnt positiven Ausstrahlung und ihrem engagierten, vor Kraft nur so strotzenden Gesang. Nicht zuletzt wegen ihrer blendenden vokalen Performance beim Mott The Hoople-/Bad Company-Klassiker „Ready For Love“ darf sich sich meines Lobes, des angehenden weibliche Pendants zu Paul Rogers, erfreuen.

Das Album „Never Say Never“ stand natürlich, mit gleich acht Stücken, absolut im Mittelpunkt des Geschehens. Neben den beiden bereits genannten Liedern, gab es das Robert Johnson gewidmete „King Of Rock And Roll“ (ebenfalls mit Bad Co-Flair), „Thank You“ (mit furioser Wah-Wah-Einlage von Wilson), das Powerstück „Freedom“ (mit tollen Solier-Parts von Wilson und Watts), „Valentina“ (Ash kann es auch auf der Stratocaster) und die mir aufgrund der Melodik am besten gefallenden „Never Say Never“ (herrlicher Schwofer) sowie „Back To LA“ als abschließende Zugabe (wunderbar songdienliches und melodisches E-Gitarrenspiel).

Bei diesen beiden Tracks kam dann auch eine gewisse stimmliche Ähnlichkeit zu Melissa Etheridge, allerdings etwas mehr im Rock verwurzelt, zum Ausdruck. Nicht zu vergessen natürlich Schorrs eigenwillige Interpretation von „Black Betty“, die als erste Zugabe serviert wurde.

Insgesamt ein gelungenes kompaktes Konzert, bei dem eine charismatische Sängerin plus einer stark und spielfreudig agierenden Band, ein schlüssiges Gesamtkonzept abgaben. Sari Schorr bleibt – wie bei ihren Studioalben – auch live eine Bank!

Line-up:
Sari Schorr (lead vocals)
Matt Beable (bass, vocals)
Roy Martin (drums)
Ash Wilson (electric guitar, vocals)
Stevie Watts (keys)

Bilder: Gernot Mangold
Video „Ready For Love“: Adam Zegarmistrz Glagla
Bericht: Daniel Daus

Sari Schorr
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Musiktheater Piano
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Mike Zito – Support: Jeremiah Johnson – 14.03.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Was für ein Abend im Lütgendortmunder Musiktheater Piano! Der von uns so geschätzte texanische Blues Rocker Mike Zito, den wir noch letztes Jahr im Rahmen des Blues Caravans an gleicher Stelle beleuchtet hatten, gab diesmal ein Stelldichein in eigener Sache und hatte als Support noch Jeremiah Johnson mit dabei, der letztes Jahr mit „Straitjacket“ sein Debüt unter dem Ruf Records Label gefeiert hatte.

Beide wurden jeweils bei ihren Auftritten durch Matt Johnson am Schlagzeug und Kaugummi-Kauer Terry Dry (herrlich kauziger Typ mit skurrilem Erscheinungsbild) am Bass verstärkt. Zunächst war es dann natürlich Jeremiah Johnson bei seiner Deutschland-Premiere vorbehalten, sich und seine Musik dem Publikum näher zu bringen.

Sein früheres Album „Grind“ befindet sich in meinem Besitz. Von daher war Johnson, zumindest für mich kein völlig Unbekannter. Und aus dem legte mit dem Opener des Werkes „Black Lingerie“ sofort eine toll groovende Nummer hin. Herrlich wie seine Delaney-E-Gitarre rumknarzte (erinnerte mich ein wenig an das Spiel von Wishbone Ahs Mark Abraham) und auch Johnsons leicht angerauchte Stimme wusste zu überzeugen.

Ein Kompliment hier an den Tontechniker des Pianos, der einen wunderbar transparenten und klaren Sound in allen Belangen aussteuerte und somit seinen Anteil an dem insgesamt tollen Abend hatte. Das auch von dieser CD stammende “Georgia Peach“ offenbarte Johnsons Affinität zum Southern Rock und dem Betts-umwobenen Gitarrenspiel, bedingt durch das unterschiedliche Gitarrenmodel, natürlich etwas rauer klingend.

Mit dem Schwofer „King And Queen“, „Blues In Herr Eyes“ und „Straitjacket“ gab es dann den Schwenk in Richtung des aktuellen Longplayers, von dem mit „Believe In America“ noch das patriotische Bekenntnis zur Heimat später folgte. Wahnsinn was der Protagonist insgesamt an quirligen Soli abzwirbelte.

Für uns als Southern Rock-Freunde gab es als Bonbons die Stücke „Skip That Stone“ (mit kleinen „Jessica“-Einlagen) und das atmosphärische, Marshall Tucker-trächtige „Southern Drawl“. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der aus St. Louis, Missouri stammende Musiker bereits in die Herzen der Piano-Besucher gespielt.

Ich habe bei meinen vielen Besuchen selten einen Support erlebt, der so vom Publikum gefeiert und angetrieben wurde. Johnson wurde unter heftigem Klatschen dann noch zweimal auf die Bühne zurückbeordert, wo er mit „Get In The Middle“ on top eine Bakersfield-Nummer zum Besten gab und bei „Gasoline And Smokes“ noch mal gitarrentechnisch aus allen Rohren feuerte. Großartige Performance, Jeremiah Johnson!

Nach einer kurzen Pause wusste Routinier Mike Zito natürlich um die Höhe der Latte, die Kollege Johnson aufgelegt hatte. Der Texaner warf sofort sein sympathisches Charisma in die Waagschale und konterte mit den formidablen Slidekünsten (als auch vielen konventionellen Spielereien) auf seiner, mit goldenen Reglerknöpfen verzierten, schnieke glitzernden, bordeaux-rot-weißen Music Man StingRay-Gitarre.

Zito eröffnete mit „Mississippi Nights“ und dem Titeltrack des aktuellen Werkes „First Class Life“, die später noch mit dem herrlichen Deltablues zu Ehren von Blind Willie Johnson „Old Black Graveyard und dem wunderbar launigen „Back Problems“ (furiose Soli aller Beteiligten, sehr schön sphärisch das von Komiker Terry Dry, der trotz seiner Flachsereien immer auf präzises Spiel achtete) ergänzt wurden.

Mit „Bad News Is Coming“ lieferte er eine grandiose Hommage an Luther Allison ab und präsentierte mit Sachen wie unter anderem „Wasted Time“, „Keep Coming Back“, „Judgement Day“ (mit integriertem Kurz-„Whole Lotta Love“) und „Make Blues Not War“ einige Schlüssellieder seiner früheren Alben.

Und da Mike Zito nicht nur ein lockerer Typ ist, sondern durchaus den Gentleman in sich trägt, holte er Jeremiah Johnson zurück auf die Bretter des Pianos. Fortan wurde mit den beiden überragend gespielten „Gone To Texas“ und „One More Train“ im Quartett die große Southern Rock-Keule geschwungen, Double Leads und schmissige Einzel-Soli inbegriffen, dass es einem die Freudentränen in die Augen trieb.

Eigentlich wollte kaum jemand die vier Musiker von der Bühne lassen, aber angesichts der noch bevorstehenden Konzerte ging der fließende Übergang zum Merchandising Stand absolut in Ordnung. Johnson schien angesichts der Begeisterung für ihn vor Dankbarkeit überzuschäumen, so dass er jeden Besucher quasi persönlich per Handschlag verabschiedete.

Und in der Tat, das Musiktheater Piano hatte aus meiner Sicht, nicht zuletzt auch wegen der vielen Southern-Ingredienzien, einen der stärksten Blues Rock-Abende erlebt, seit dem ich diese schöne Location besuche. Es war ein großes Vergnügen – Kompliment, die Herren Zito, Dry und Jeremiah und Matt Johnson! Unsere dicke Empfehlung zu Anfang der Tour: Hingehen, wem sich auch immer die Möglichkeit dazu bietet!

Line Up:
Mike Zito – Lead vocals, electric and slide guitar
Jeremiah Johnson – Lead vocals, electric guitar
Matthew R. Johnson – Drums, vocals
Terry Dry – Bass, vocals

Bilder: Gernot Mangold
Video „Bad News Is Coming“: Adam Zegarmistrz Glagla
Text: Daniel Daus

Mike Zito
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Jeremiah Johnson
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Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Joanne Shaw Taylor, 03.03.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Vor gut zwei Jahren hatten wir Joanne Shaw Taylor bereits schon mal in unserem gern besuchten Musiktheater zu Dortmund beleuchtet. Damals wie auch jetzt fand das Konzert an einem Sonntag Abend statt. Auffällig war diesmal besonders, dass sich die Besucherzahl gefühlt nahezu verdoppelt hatte, was sicherlich auch ihrer guten Leistung 2017 geschuldet war.

Somit war das Piano nahezu voll, als die Protagonistin um 20:05 Uhr mit ihrem auf zwei Positionen veränderten Line-up, im Rahmen ihrer „Reckless Heart“-Tour,  die Bretter der immer wieder sehens- und aufsuchenswerten Lütgendortmunder Location betrat.

Der gestrige Gig hatte aus meiner Sicht einige Licht- und Schattenseiten. Als positiv zu vermerken gilt, dass sie gut die Hälfte der Stücke der Setliste, ihrem neuen Album „Recklesss Heart“ widmete, das ab dem 15.03.2019 käuflich zu erwerben ist.

Dass sie eine vortreffliche Gitarristin ist und eine tolle Stimme hat, mit der sie wuchern kann, darüber gibt es wohl keine Diskussionen. Unzählige quirlige Soli und auch ihr Zusammen- wie auch Wechselspiel mit Bob Fridzema an den Keys gehörten zu Schlüsselmomenten ihrer Performance, an deren Ende insgesamt 13 Stücke plus zwei Zugaben auf der Habenseite standen.

Als meine persönlichen Highlights habe ich den, mit Fridzemas HT-Klimpereien verzierten Opener „In The Mood“, das mit furiosen Lang-Soli von beiden versehene „Let It Burn“, das dezent Southern-angehauchte „“The Best Thing“, den Slowblues „Time Has Come“,  das Beth Hart umwehte „Reckless Heart“ und den leicht swampig treibenden Track „Going Home“ vermerkt.

Das Finale des Haupteils, „Bad Love“, zur der sie ein güldenes Gibson SG-Gitarren-Modell schulterte, wurde nochmals im Uptempo-Modus bewältigt. Die beiden Zugaben „Mud Honey“ und das Instrumental „White Sugar“ wurden recht emotionslos runtergeniedelt.

Über die wesentlich härtere Gangart als vor zwei Jahren (Gernot gefiel es besser, mir blieb ein wenig die Melodiösität auf der Strecke), kann man noch streiten. Über das wenig empathische Verhalten der Protagonistin (meist in sich gekehrt, überwiegend, selbst beim Lächeln, auf sich und ihren Gitarrenklang fixiert, kaum Ansagen, Fernbleiben am Merchandising-Stand) gegenüber dem ihr eigentlich wohlgesonnenen Publikum, als auch ihrer Rhythmusfraktion (Drummer Perry wieder hinter eine Plexiglaswand verbannt), die meist nur schmückendes Beiwerk darzustellen schien, sowie ihre, sich nicht gerade durch Freundlichkeit auszeichnende Tourmanagerin, wohl eher nicht.

Joanne Shaw Taylor sollte sich darüber im Klaren sein, dass ihr zweifelsohne durch gute Leistung aufgebautes Kartenhaus, dennoch immer fragil ist und gerade bei der übergroßen Konkurrenz im Blues Rock-Genre, schneller als gedacht, wieder einstürzen kann. Bei den ‚weichen‘ Faktoren sollten sie und ihr Team zukünftig noch an sich arbeiten.

Line-up:
Joanne Shaw Taylor (lead vocals, electric guitar)
Tom Sansbury (bass, vocals)
Oliver Perry (drums, vocals)
Bob Fridzema (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

Joanne Shaw Taylor
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