Skinny Molly – 18.11.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Wenn eine Band wie Skinny Molly in unseren Regionen auftaucht, ist das für uns natürlich ein Pflichttermin. Vor gut einem Jahr an gleicher Stelle im Musiktheater Piano in Dortmund hatten Estes, Johnson & Co. ja ein starkes und zugleich launiges Konzert gegeben, auch wenn der Besucherzuspruch nicht der tollste war.

Der überaus konzertintensive November aller Ortens hier in unserer Gegend und der nicht einfache Sonntag-Abend-Termin zum endgültigen Wochenausklang, ließen da kein Besserung vermuten, zumal das Quartett keinen neuen Tonträger zu bieten hatte.

Ganz in Skynyrdscher Tradition, nach dem Motto ‚bloß keine Experimente‘ (vermutlich damals ganz tief von Gary Rossington bei Mike Estes eingeimpft…), wurde auf den bewährten Stoff ihrer bisherigen drei CDs gesetzt und das ganze mit den üblichen Klassikern der Branche wie „Sweet Home Alabama“, „Call Me The Breeze“, „Free Bird“ und auch häufig benutzten Tracks wie „Wishing Well“, „Copperhead Road“ sowie „Dead Flowers“ garniert.

Wow, fast hätte ich vergessen, dass auch noch „Workin‘ For MCA“ (als Opener, zugegebener Maßen saustark gebracht) und „Whiskey-Rock-A-Roller“, im Gegensatz zum letzten Mal, dazu genommen wurden.

Kann man Skinny Molly aber deswegen böse sein? Nein, natürlich nicht, denn das Quartett bietet seine Show mit soviel herrlicher Spielfreude sowie markanter Präsenz und sympathischen Auftreten, dass man das Thema ‚Innovation‘ hier einfach mal für zwei Stunden geistig beiseite schieben muss.

Mike Estes mit seinem herrlichen Gibson-E-Gitarren-Dauer-Geknarze, Jay Johnsons flinke Finger, die immer wieder eingestreuten Twin-Attacken, als auch das surrende Slide-Geschwurbel, rauben einem Southern Rock-Fan natürlich in diesem Moment den Verstand, selbst wenn er zum tausendsten Mal „Sweet Home Alabama“ & Co. serviert bekommt.

Und die Version von „Free Bird“ mit dem Hammer-Instrumental-Finish und den ganzen, immer wieder den Song verlängernden Tushs am Ende, war an einfach ’ne Mords-Gaudi und natürlich brillant performt. Der neue Drummer und Benjamin im Team, Kyle Law, machte neben seinem bewährtem Rhythmus-Kollegen, dem einstigen Grand Ole Opry-Musiker Luke Bradshaw, einen mehr als ordentlichen Job.

Fazit: Viel Skinny (Songauswahl, Estes‘ Gitarrenpiel), seit Dave Hlubeks Ausscheiden so gut wie kein Molly (Hatchet) mehr, dafür durch Jay Johnsons Gesangsparts (bei „Wishing Well“ und „On The Run“) an dieser Stelle etwas mehr Blacky (Blackfoot).

Man kann nur hoffen, dass die etwas bequemlich erscheinenden Herren demnächst zu ihrer kreativen Ader zurückfinden und bei einer weiteren Rückkehr eine neue CD mit dabei haben. Mehr auf den Überraschungsmoment zu setzen (vielleicht auch mal was aus Estes‘ Drivin‘ Sideways Zeit oder andere, weniger gecoverte LS-Stücke wie zum Beispiel „Am I Losin'“, „I Never Dreamed“ , „Trust“ oder „Searching“ spielen), könnte auch nicht schaden.

Noch weniger Zuschauer als zuletzt, sollten an diesem Abend Warnschuss genug gewesen sein, auch wenn der Gig, rein für sich betrachtet, insgesamt wirklich wieder sehr schön war.

Line-up:
Mike Estes (lead vocals, lead guitar)
Jay Johnson (lead guitar, lead vocals)
Luke Bradshaw (bass, vocals)
Kyle Law (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Skinny Molly
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Sari Schorr & Band, 15.11.2018, Schwarzer Adler – Konzertbericht

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Sari Schorr zum ersten Mal im Schwarzen Adler! Wir hatten das weibliche Energiebündel zuvor bereits 2017 und vor gut einem halben Jahr im voluminöseren Musiktheater Piano in Dortmund erlebt. Diesmal war für uns die spannende Frage, wie ihre Musik in der mehr beengten Clubatmosphäre der Rheinberger Kultstätte wirken würde.

Dazu kam, dass die aus Brooklyn, New York, stammende Sängerin mit „Never Say Never“  mittlerweile ihr, von der allgemeinen Kritikerschaft, als auch uns, hochgelobtes zweites Album im Schlepptau hatte.

Begleitet wurde sie, inklusiv einer Veränderung, von der bewährten ‚Klasse-Mannschaft‘ mit dem, an den diversen E-Gitarren, wieder furios auftrumpfenden Ash Wilson, dem niederländischen Tastenvirtuosen Bob Fridzema und dem britischen Parade-Drummer Roy Martin. Am Bass erwies sich der musikalische Tausendsassa Roger Inniss – wen wundert es –  als ideale Verstärkung der Rhythmusfraktion.

Mit „New Revolution“ als Opener gab es zwar keine musikalische Aufruhr im Adler, aber ihre eher auf klassischen Rock basierende Ausrichtung war in der überwiegend Blues-verwöhnten Vierbaumer Location, ein durchaus mutiges Unterfangen. Schön, dass Ernst Barten und sein Team immer auch ein offenes Ohr für ‚frisches Blut‘ bei ihrer Programm-Zusammenstellung beweisen.

Spaß bereitete mir bei diesem Stück direkt das Skynyrd-angelehnte E-Gitarren-Solo von Ash Wilson. Nach dem dezent Whitesnake-behafteten „Damn Reason“ (typische Orgel von Fridzema), der emotionalen Widmung in Richtung Robert Johnson mit „King Of Rock And Roll“, gab es mit dem schön bluesig umgesetzten „Demolition Man“ (Bob lässt seine Hammond herrlich ‚durchgurgeln‘) erstmals so richtig Wasser auf die Mühlen des Adler-Publikums (später nochmals vor allem bei der dritten Zugabe).

Das shufflige „Ain’t Got No Money“ zollte ihrer einstig finanziell etwas klammeren Zeit Tribut, als Sari noch in Paris lebte. Der Mott The Hoople-/Bad Company-Rock-Evergreen „Ready For Love“ begeistert aus dem Munde  einer solchen Stimm-Charismatikerin ebenso, wie es einst bei Paul Rodgers der Fall war.

In „I Just Wanna Make Love To You“ brillierte Roger Inniss mit einem starken Bass-Solo und legte mehr als eindeutig klar, warum er zu einem der meist gebuchtesten Akteure im Tieftönerbereich zählt.

Über „Kiss Me“ (Schorr hier wie eine rockige Melissa Etheridge), „Maybe I’m Fooling“ (erneut mit southern-rockigem E-Solo) und dem ein wenig auf sich selbst ironisch gemünzten „Valentina“, ging es mit dem Ian McLagan-Ohrwurm und zugleich Titelstück des neuen Werkes, „Never Say Never“, in die Schlussphase des Gigs.

Nach Vorstellung ihrer wieder bärenstark agierenden Begleitband nutzte Sari beim Schlusslied „Freedom“ die Gelegenheit, auf den in der USA existierenden Waffenwahn aufmerksam zu machen, der sich unter der Vorherrschaft eines Donald Trumps und wem auch immer danach, aber vermutlich kaum beseitigen lassen wird.

Drei lautstark eingeforderte Zugaben, u. a.  mit der eigenwilligen Schorr- Interpretation des One-Hit Wonders „Black Betty“ waren ein bestes Indiz dafür, dass sich im Adler oft auch ein Blick über den Tellerrand lohnt, auf dem der Blues diesmal eher als dekorierende Beilage präsent war.

Sari Schorr und ihre Begleittruppe haben an diesem Abend mit einer engagierten und couragierten Leistung eine beeindruckende Visitenkarte abgegeben. Ich bin mir relativ sicher, dass man sie nicht zum letzten Mal in Vierbaum erlebt haben wird.

Line-up:
Sari Schorr (lead vocals)
Roger Inniss (bass)
Roy Martin (drums)
Ash Wilson (electric guitar, vocals)
Bob Fridzema (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

Sari Schorr
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Schwarzer Adler Rheinberg

Imperial Crowns – 28.10.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Nach dem Soul Return-Konzert im holländischen Weert vor einigen Monaten, hatte deren Gitarrist JJ Holiday dem Kollegen Jörg Schneider noch einen Gig im Musiktheater Piano von den Imperial Crowns nahegelegt, bei denen er auch als Mitglied beteiligt ist.

Jörg beschäftigte sich fortan mit der Band, war sofort Feuer und Flamme und besprach vor kurzem direkt auch deren Jubileums-Live-Album. Mir sagte die hier wohl auch durch einen Rockpalast-Auftritt bekannte und von Kultstatus umwehte Gruppe garnichts, da mir aber JJs Slide-lastiges E-Gitarrenspiel sehr gefiel, ließ ich mich dann zu einem Besuch im schönen Dortmunder Club überreden, auch wenn hiermit für mich in dieser Woche, das 4. Event innerhalb von sechs Tagen anstand. Und ein Blick über den berühmten Tellerrand kann ja manchmal nicht schaden.

Es war für die Kalifornier an diesem Sonntag-Abend der letzte Auftritt im Rahmen ihrer Europa-Tournee. Ein Film-Team hatte mit gleich fünf Kameras dick aufgefahren. Schade , dass mit nur knapp 100 Zuschauern der äußere Rahmen dadür etwas bescheiden ausfiel.

Auf die Minute um 20:00 Uhr legte das Quartett, bestehend aus dem mir, muss ich zu meiner Schande gestehen, bis dato ebenfalls nicht geläufigen Fronter Jimmie Wood, JJ Holiday, Billy Sullivan und James Carter standesgemäß mit „Preachin‘ The Blues“ mit ihrem treibenden Rhythm & Blues Rock los.

Allein schon das herrlich schrille Erscheinungsbild des mit einem purpur-roten, weit geöffneten Hemd aus Tüll mit Samtapplikationen, schwarzer Streifencordhose mit Schlag und quietschroten Schlangenleder-Stiefeletten bekleideten redseligen Fronters, seine geschminkten Augenpartien, die hauchdünnen Backenkoteletten, die tiefschwarz gefärbten Haare, ließen auf einen unterhaltsamen Abend schließen. Er erinnerte mich irgendwie in seiner Art an eine Mischung aus Iggy Pop, Alice Cooper und dem ebenfalls in LA ansässigen Little Caesar-Chef Ron Young.

Während der etwas müde wirkende JJ Holiday (wieder mit gewohnt viel Slide und quirligen Riffs im Picking-Stil), der elegant gekleidete James Carter und Billy Sullivan, routiniert und gekonnt, ihre instrumentellen Parts (mit dezenten Harmoniegesangsbeteiligungen) im Reich der Imperial Crowns verichteten, hatte natürlich der charismatische Wood mit seinen gepredigten Anekdoten, seinem energiegeladenen Gesang (immer wieder auch mit Voice-Effekten) und wüstem Harpspiel sowie seinem unbändigen Bewegungsdrang auf der Bühne, natürlich die Krone oben auf.

Die Band präsentierte, wie nicht anders zu erwarten, mit u. a. “Lil Death“, „The Calling“, „Soul Deep Freak“, “Love Blues”, dem grandios wirbelnden “Altar Of Love”,„Papa Lawd“, „Miss Aphrodite“, „Star Of The West“ und dem zum Schluss furios abgehenden ”Ramblin’ Woman Blues” viele Tracks aus dem oben angesprochenen Album.

Mein Lieblingsstück eines ansonsten rastlosen Abends, war der etwas ruhigere Schwofer „Liberate“ mit schönem JJ-Slide-Solo. Und ganz entsprechend dem Wesen des Fronters, wurde mit dem delta-bluesigen „Restless Soul“, die einzige Zugabe zum Besten gegeben.

Wood charakterisierte sich dabei selbst sehr treffend in der abschließenden Ansage als „I’m a man who’s just singin‘ and preachin‘ the Blues“. Passt Jimmie, wir werden dir auch weiterhin gerne gebannt zuhören…!

Line-up:
Jimmie Wood (lead vocals, harp, percussion)
JJ Holiday (electric guitar, slide guitar, percussion, vocals)
Billy Sullivan (drums)
James Carter (bass, vocals, percussion)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Imperial Crowns
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Yasi Hofer – 18.10.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Yasi Hofer besuchte mit ihrer Band erstmals das Dortmunder Musiktheater Piano. Pünktlich gegen 20:00 Uhr betrat die junge Ulmerin mit ihren Mitstreitern die Bühne der mit etwa 120 Besuchern gefüllten Location. Der instrumentale Opener „Namaste“ ließ erahnen, was die Zuschauer erwarten konnten.

Drei starke Musiker, die perfekt miteinander harmonieren, angeführt von der jungen Ausnahmegitarristin Yasi, die schon zu Beginn ihrer Karriere mit ihrem Vorbild Steve Vai auf der Bühne stand. Bereits in diesem ersten Song zeigte sie eindrucksvoll ihr vielfältiges Repertoire von hartem Rock, bis zu gefühlvollem filigranen Spiel, in dem auch immer wieder Prisen von Blues eingestreut waren.

Nach diesem jammenden Intro wendete sich Yasi Hofer sichtlich gerührt an das zu diesem Zeitpunkt schon frenetisch mitgehende Publikum und hatte so nebst ihrer Spielstärke, das Piano auch durch ihr erfrischendes und positives Auftreten im Sturm erobert. Hofer kündigte schon zu Beginn an, dass sie ihre beiden bisherigen Alben präsentieren wird und entschuldigte sich, dass sie seit zwei Jahren nichts neues folgen ließ.

Es sollten im Verlauf des Konzertes aber zwei Stücke folgen, welche für eine kommende Platte vorgesehen sind. Das sozialkritische leicht, bluesige „Working Mans Live“ und das instrumentale Rockriffsong genannte Stück, das wie ein wildes Pferd über die Bühne rockte. Die Resonanz aus dem Publikum kann so interpretiert werden, dass der Probelauf als gelungen bezeichnet werden kann.

Danach gab sich ein Kracher dem nächsten die Klinke in die Hand. Besonders in Erinnerung blieb das jammende „Faith“ mit ganz starken Bass-Solo. Auch das gefühlvolle bluesige „Painting My Own World“, „Society“ und „Feeling Zany“ offerierten, dass Hofer auch in ihren jungen Jahren schon ausgereifte rockige Songs schreiben kann, die immer wieder mit knackigen, aber auch gefühlvollen Soli gewürzt werden. Mit einer ausladenden Version von „Eclipsed“ und dem psychedelischen „Crossfire“ wurde das Ende der Show eingäutet.

Hofer und ihre Band mussten sich dreimal von den Besuchern verabschieden, da sie durch begeisterte Zugabeforderungen mehrmals auf die Bühne zurückgeholt wurden. Passend zum Spiel der noch 25-jährigen Yasi schien der Jimi Hendrix von einem großen Bild seitlich der Bühne dem Ganzen zu lauschen, bei dem die Ausnahmegitarristin teilweise in atemberaubenden Tempo über die Saiten fegte, um im nächsten Moment balladesk, fast singend ihr Paradegerät klingen zu lassen.

Nach knapp 120 Minuten war dann endgültig Schluss und ein mitreißender Abend fand ein Ende, mit der Ankündigung nächstes Jahr gerne wieder zu kommen. Da wird nach diesem grandiosen Abend vermutlich jeder Besucher einen Bekannten mitbringen und für ein gefülltes Piano sorgen. Abschließend erfüllte Yasi Hofer geduldig und wohl gelaunt die zahlreichen Autogrammwünsche.

Ein Dank wieder einmal an Jenny Dore, die mit dem Engagement von Hofer ein gutes Händchen bewies, und einer aufstrebenden jungen Künstlerin die Möglichkeit gab, ihr Können zu präsentieren.

Line-up:
Yasi Hofer (lead vocals, electric guitar)
Steffen Knauss (bass)
Christoph Scherer (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Yasi Hofer
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Demon’s Eye – 05.10.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Auf ihrer „Anniversary in Purple“-Tour 2018 machten Demon’s Eye auch Station im Musiktheater Piano in Dortmund. Dabei ist die jetzige Tour, wie von Fronter Daniele Gelsomino zu Beginn angekündigt etwas Besonderes. Es gibt mehrere Jubiläen zu feiern, wofür das schöne, restlos ausverkaufte Musiktheater Piano, das entsprechende Ambiente bot: Das 50-jährige Bestehen von Deep Purple, das 20-jährige Jubiläum von Demon’s Eye und 10 Jahre in denen Doogie White, von 1994 – 1997 Sänger von Rainbow, immer wieder als Gastmusiker dazustößt.

Pünktlich um 20:30 Uhr betraten die Musiker unter epischen Hammondorgelklängen vom Band, stilgerecht für eine Deep Purple- Coverband die Bühne und nahmen die Fans mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit zweier der bedeutendsten Hardrockbands. Der erste Set war alleine Deep Purple gewidmet, und begann mit dem Kracher „Highway Star“, welcher das Publikum direkt mitriss und eine Stimmung im Piano erzeugte, die über das gesamte Konzert nicht mehr abebben sollte.

Daniele Gelsomino bewies schon in diesem Song, dass er stimmlich den Originalen zu deren Glanzzeiten in nichts nachsteht, was oft einer der Knackpunkte von Coverbands ist. Mark Zyk bearbeitete seine Gitarre zum Teil mit eigenwilligen Spieltechniken, sodass insbesondere bei Improvisationsparts den Songs eine eigene Note gegeben wurde. Sein Wirken beeindruckte vor Jahren auch den mittlerweile verstorbenen Jon Lord, den Magier an der Hammondorgel. Lord lud Zyk 2010 ein im „Concertos for Group and Orchestra“ mit dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra zu partizipieren.

Brillant waren auch mehrere Gefechte, die Mark sich mit dem Orgelspieler Gert-Jan Naus lieferte, dem seine klassische Klavierausbildung bei der Interpretation der Purple-Klassiker zugute kam. Die Grundlage für den fetten Sound legte an diesem Abend die Rhythmusfraktion mit Maik Keller am Bass und Andree Schneider an den Drums, denen, wie auch den anderen Mitstreitern, jederzeit die Freude, beim Performen, anzusehen war. Beide zeichneten sich sowohl durch treibendes als auch virtuose Einlagen aus.

Weiter ging es mit dem Song, welcher der Band den Namen gibt; „Demon’s Eye“, vom 71er Deep Purple-Album „Fireball“. Er war dabei fast als Intro des Klassikers „Space Truckin`“ zu sehen, der auch Bestandteil des legendären Livealbums „Made In Japan“ war. dessen Tracks zum Großteil auch dieses Konzert dominierten. Besonders hervorzuheben im ersten Set war insbesonders eine ‚Extended Version‘ von „Child In Time“. Ich habe stimmlich seit 1986 wenig besseres, explit bei den schreienden Sequenzen von dieser Purple-Hymne in Erinnerung.

Aber auch das stark präsentierte „Hush“ sowie „Enya“, eines der Stücke auf dem letzten Album mit Richi Blackmoore, wussten zu überzeugen. Im Intro von „Enya“ hatte ich dabei irgendwie den Beginn des Eagles-Klassikers „Hotel California“ mit in den Ohren. Ob bewusst oder unbewusst, auf jedem Fall eine tolle Interpretation des Stückes mit genügend Platz für die Musiker, sich auszutoben und ihre spielerischen Künste zu zeigen.

Besonders Gitarrist Mark Zyk konnte immer wieder mit Posen, Verrenkungen beim Spiel und teilweise stakkato-ähnlichen Saitenanschlägen begeistern. Nach etwa 60 Minuten war das erste Set in eine rasante begeisternde Zeitreise beendet und Daniele Gelsomino kündigte an, nach einer etwa 15 minütigen Pause für einen Schotten Platz zu machen.

Als die Instrumentalisten unter dem Applaus der Zuschauer zurückkamen, setzte ein kurzes Intro ein, in dem unter dem Jubel der Fans Doogie White die Bühne betrat. Jetzt war erst einmal Rainbow- Time angesagt und die Anwesenden bekamen Songs einer weiteren Hardrocklegende zu hören. White war förmlich anzumerken, mit welchem Spaß er die Songs der Band sang, deren Bestandteil er selbst mehrere Jahre war. Besonders in Erinnerung blieben dabei „Kill The King“, „Far Over The Rainbow“ (vom Demon`s Eye Album mit Doogie White „The Stranger Within“) und nicht zuletzt ein Song, der das Gefühl des Abends bestens ausdrückte: Eine rasante Version von „Long Life Rock`n`Roll“, der auch die Fans zum mitsingen animierte.

Nach einigen Liedern holte White auch Daniele Gelsomino zurück auf die Bühne, nicht ohne ihn mit Lob für seine gesanglichen Fähigkeiten zu überschütten. Von nun an zündete die Band noch einmal ein Feuerwerk an Deep Purple-Klassikern, wobei sich die beiden Sänger auch in den Songs abwechselten, was diesen wiederum einen ganz eigenen Charakter gab. „Perfect Strangers“ mit dem markanten Orgelintro machte den Beginn und es reihten sich eine starke Version von „Mistreated“, ein Medley mit „Black Night“, „Smoke On The Water“ sowie „Woman From Tokyo“, passend wie ein Kettenglied in das andere, ein.

Nach knapp zwei Stunden Spielzeit verließen die Musiker unter begeisternden Klatschen und frenetischen Zugaberufen die Bühne, um diese nur wenig später wieder zu entern. Nach „Stormbringer“ kam zum Abschluss eine Hammerversion von „Burn“. Obligatorisch sich in den Armen liegend, wurde sich vom begeisterten Publikum im Piano verabschiedet.

Sichtlich beeindruckt von weiteren Zugabeforderungen betrat die Band nochmals die Bretter, um nun mit Sänger Doogie White einen grandiosen Schlusspunkt unter einen Abend zu setzen, der sowohl den Musikern wie auch dem Publikum in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Die epische Hardrockballade „The Temple Of The King“ von Rainbow widmete White verstorbenen Musikern aus dem Hardrockgenre um Deep Purple und Rainbow, wobei die Audienz immer wieder als Backgroundchor glänzen konnte. Diese beendete dann endgültig einen fantastischen Hardrockabend im Dortmunder Piano – Long Life Rock`n`Roll!

Man kann über Coverbands denken was man will, aber Demon’s Eye haben den Hits von Deep Purple wieder frisches Leben eingehaucht und somit einen Anteil, dass diese Form des Hardrocks weiterlebt und nicht in Vergessenheit gerät. Alle Bandmitglieder wussten mit spielerischen Können restlos zu überzeugen und ließen es sich nicht nehmen, den Nummern eigene Nuancen zu geben und sich so von vielen anderen Truppen dieser Sorte abzugrenzen.

Ein besonderer Dank geht wieder an das freundliche Piano-Team um Jenny Dore und Thomas Falke, die es immer wieder schaffen, tolle Acts in den Dortmunder Westen zu holen und heute zum Dank mit einer vollen Hütte belohnt wurden. Dies freute Thomas Falke, wie er in einem Gespräch zum Ausdruck brachte, auch besonders für Demon’s Eye. Angesichts der Begeisterung kündigten diese bereits an, nächstes Jahr wiederzukommen.

Wer auf die Dynamik der „alten“ Purple steht, sollte sich diesen Termin, wenn er zu Stande kommen sollte, im Kalender notieren – es wird sich lohnen!

Line-up:
Daniele Gelsomino (lead vocals)
Mark Zyk (guitars)
Gert-Jan Naus (keys)
Maik Keller (bass)
Andree Schneider (drums)

Special guest:
Doogie White (lead vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Musiktheater Piano
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The Brandos – 05.10.2018, Blue Notez, Dortmund – Konzertbericht

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Aus dem Blue Notez Club in Dortmund berichtete SoS ja schön öfter. Da die Location aber am anderen Ende des Ruhrgebiets liegt, hatte es mich noch nie dorthin verschlagen. Für The Brandos – und um den Blue Notez Club mal persönlich kennenzulernen – kämpfte ich mich durch den freitäglichen Feierabendverkehr. Belohnt wurde ich mit einem tollen Konzert in einem ebensolchen Ambiente.

Der Veranstaltungsort liegt im Keller eines Gesamtschulgebäudes. Der Eingang wirkt daher etwas steril, aber sobald man das Gewölbe betritt, findet man sich in einem schön schummrigen Konzertraum wieder. Die niedrige Decke sowie die drapierten Stehtische und Barhocker sorgen dafür, dass man sich direkt heimisch fühlt. Obwohl das Blue Notez sehr gut besucht war, erlebte ich den Abend als sehr entspannt.

Vielleicht lag das auch an dem Publikum, das zusammen mit der Band gealtert ist. Dabei muss Dave Kincaid – dem Bandleader und einzig verbliebenem Gründungsmitglied der Brandos – neidlos zugestanden werden, dass man ihm die 61 Jahre nicht ansieht und auf der Bühne schon gar nicht anmerkt.

Dave Kincaid und seine Weggefährten lieferten ein gewohnt temporeiches Konzert, das einen Querschnitt aus der gut dreißigjährigen Bandgeschichte bot. Kincaid überlegte kurz, wann er das letzte Mal in Dortmund auftrat. Das war wohl anlässlich seiner ersten Tour in Europa 1987. Von ihrem Debüt „Honor Among Thieves“ spielten sie „Gettysburg“ und „Nothing To Fear“, die sich schon damals auf der Setlist fanden.

Seit 1992 nimmt das Album „Gunfire At Midnight“ einen oberen Top-Ten-Platz in meiner persönlichen Liste ein. Neben dem Titelstück, wurden „The Solution“, „The Keeper“, „Anna Lee“ sowie „Ridin‘ The Red-Eye“ geboten. Beim letzten Stück stellte der Frontmann seine Begleiter vor. Wie bei der Tour im vergangenen Jahr standen Gitarrist Frank Giordano und Bassist Sal Maida neben ihm auf der Bühne. Am Schlagzeug arbeitete diesmal Phil DiMarco.

Von dem dritten Album „Light Of Day“ streute die Band neben dem titelgebenden Song noch „Fight For Love“ und das wunderbar sanfte „Love Of My Life“, das Kincaid und Girodano lediglich mit ihren Gitarren begleiteten, ein.

Der Longplayer „Over The Border“ (2007) war mit „The Only Love I Can Get”, „Let It Go”, „She’s The One” und „Over The Border” selbst vertreten. Den Abschluss des Hauptsets und die erste Zugabe bestritten „The Siege“, „Pass The Hat“ und „Can’t Go Home“ vom 1996er-Album.

Nachvollziehbar ist, dass überproportional viele Titel von der aktuellen Veröffentlichung „Los Brandos“ stammten. Die drei Auskopplungen „Suffer In Silence“, „Señor Coyote“ und „What Kind Of A World“, das Kincaid solo performte, standen ebenso auf dem Programm wie „Woodstock Guitar“ und die beiden spanisch gesungenen Stücke „Querer A Los Niños“ und „Maligna Presencia“. In Vergleich zur Tour im Vorjahr sind allerdings „Bella Encantadora“ und „These Troubled Times“ weggefallen.

The Brandos haben es krachen lassen. Nicht nur die Lautstärke war ordentlich, sondern auch das, was die Band spielte, erzeugte gehörig Druck. Die Qualität der einzelnen Songs steht für mich sowieso außer Frage. Auf alle Fälle machten The Brandos mit ihrem Konzert Werbung für ihren Backkatalog, der durch Blue Rose Records aktuell komplett als Silberlinge und größtenteils ebenfalls auf Vinyl wiederveröffentlicht wurde.

Der Blue Notez Club hat ein abwechslungsreiches Programm, bei dem der Rock und auch der Southern Rock nicht zu kurz kommen. Ein Besuch, selbst wenn die Anreise etwas länger dauern sollte, lohnt sich. Ein schöner Nebeneffekt war, dass ich den Hausfotografen Peter Schepers kennenlernen durfte. Gedankt sei an dieser Stelle Lothar von Blue Notez für die unkomplizierte Akkreditierung.

Line-up:
Dave Kincaid (lead vocals, guitars)
Frank Giordano (guitars, hamonica, vocals)
Sal Maida (bass, vocals)
Phil DiMarco (drums, vocals)

Bilder: Peter Schepers
Bericht: Michael Segets

Deutsche The Brandos-Fanpage
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Blue Notez Dortmund

Devon Allman Project – Support: Wynchester- 29.08.2018, Yard Club, Köln – Konzertbericht

Obwohl ich das Devon Allman Project ja schon letzte Woche in Dortmund erlebt hatte, gab es, neben der unbestrittenen Klasse und reizvollen Konstellation des Projekts, genügend triftige Gründe, um noch einen weiteren Besuch im Kölner Yard Club anzuschließen.

Da spielte unter anderem unsere Verbundenheit zu deren engagiertem Club-Chef Marcus Neu eine gewichtige Rolle, der immer ein herzlicher Gastgeber ist, aber auch, dass Sounds Of South Hof-Fotograf Gernot Mangold in der westfälischen Metropole noch urlaubsbedingt passen musste und sich den Gig natürlich jetzt nicht entgehen lassen wollte. Dazu hatte er noch eines seiner Highlight-Bilder von Devon vom Konzert vor knapp zwei Jahren, auf großwandiger Leinwand abgebildet, mit zum Unterzeichen dabei.

Dazu gab es diesmal mit dem Duo Wynchester, bestehend aus Mike Bray und John Konesky einen reizvollen Support. Gerade letztgenannter John Konesky hat durch Mitwirkung bei Bands wie Trainwreck, Tenacious D, der Kyle Gass Band und als Gitarrist beim Soundtrack von The Hangover Part II eine höchst interessante Vita zu Buche stehen.

Das Duo spielte mit u. a. „Gospel Of Good Times“, dem schön swampigen “Two Man Job” , „My Glass Is Half Full” und “High Desert Rambler”, Stücke aus ihrer aktuellen CD. Dazu gab es mit „Easy“ (Lionel Richie) und „Reelin‘ In The Years“ (Steely Dan) zwei klasse Cover-Nummern im ungewohnten Akustik-Gewand. Bray sorgte für die gesanglichen Akzente, Konesky deutete mit vielen quirligen Soli auf seiner Klampfe und einigen Harmonie-Parts an, warum seine musikalischen Dienste gern in Anspruch genommen werden. Eine unterhaltsame, kurzweilige halbe Stunde.

Wie schon in Dortmund, bekam dann Duane Betts zunächst die Gelegenheit, seine Künste als Fronter zu präsentieren. Das Programm war bis auf eine Jam-Instrumental-Version von „Whipping Post“ (statt “In Memory Of Elizabeth Reed“) nahezu identisch. Er und sein kongenialer Gitarrenpartner Johnny Stachela ließen wieder einige herrliche Soli (Twin, Slide) ab. Lustig anzusehen war immer Duanes ‚Schnute‘, wenn er sich in seine Spielkünste ganz vertiefte. Mein Favorit war das mit einer markanten E-Gitarren-Hook und dezentem Eagles-Flair bedachte „Ride It Out“, das man auch auf seiner aktuellen EP „Sketches Of American Music“ finden kann.

Der auffällig von seinem flauschigen Backenbart befreite und somit glatt rasierte Devon Allman begann seine Vorherrschaft auf der Bühne mit dem Instrumental „Mahalo“, wo er auf seiner Strat auch ordentlich Gas gab. Das soulig-funkige „I’ll Be Around“ mit integrierter Leisespiel-Phase und brachialem Übergang, begeisterte ebenso wie die Royal Southern Brotherhood-Nummer „Left My Heart In Memphis“.

Mit „Blue Sky“ und dem grandios performten Klassiker “In Memory Of Elizabeth Reed“ (für mich das Highlight des Gigs) stieg der Betts-Sprössling wieder ein. Im ruhigeren Part (auch hier waren wieder Hocker auf der Bühne) gefielen das Grateful Dead-Cover „Friend Of The Devil“ und eines von Vater Greggs Paradestücken „Melissa“.

Nach der gospeligen, wieder von Keyboarder Nicolas David angeführten Bill Withers-Einlage „Lean On Me“ beendete ein weiterer berühmter Song aus der Feder von Gregg Allman, „Midnight Rider“, das Hauptprogramm. Die Zugabe-Rufe der restlos begeisterten Yard Club-Audienz wurde dann mit einer Hammer-Version vom Prince-Klassiker „Purple Rain“ bedient, bei der alle Musiker nochmals auftrumpften und gleich vier E-Gitarristen involviert waren. Am Ende des Liedes ließ der ‚Chef‘ des Projekts, Devon Allman, nochmals ein sattes Solo ab.

Fazit: Auch der zweite Besuch hatte sich absolut gelohnt. Während in Dortmund die Musik voluminöser rüber kam, stand an diesem Abend in Köln eher das intensivere, direktere Club-Feeling im Vordergrund. Was das Zuschauerinteresse hierzulande betrifft, ist es für Devon und Duane allerdings noch ein weiter Weg, um die Fußstapfen ihrer Väter treten zu können.

Bild-TextDie hatten nämlich in der Domstadt damals locker die legendäre Sporthalle, wie auch später das E-Werk bis zum Rande gefüllt. Aber ein kleiner Anfang ist zumindest gemacht. In jedem Fall war es eine tolle Werbung für den Southern Rock. Und am Ende war dann auch Gernot noch wunschlos glücklich, als die Unterschrift Devons sein wunderschönes Bild zierte.

Danke, wie immer, an Marcus Neu für die gewohnt freundliche und lockere Aufnahme in ’seinem‘, immer wieder gern besuchten Yard Club.

Line-up: Wynchester
Mike Bray (lead vocals, acoustic guitar)
John Konesky (acoustic lead guitar, vocals)

Line-up: Devon Allman Project
Devon Allman (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Duane Betts (lead vocals, electric guitar)
Tyler Jackson Stokes (electric guitar, vocals)
Johnny Stachela (electric guitar, slide guitar, vocals)
Justin Corgan (bass)
John Lum (drums)
Nicholas David (keys, vocals)
R. Scott Bryan (percussion, acoustic guitar, keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Yard Club Köln

Devon Allman Project – 23.08.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Die Vorfreude war natürlich riesengroß! Dass es Jenny Dore gelungen war, die beiden Sprösslinge der berühmten einstigen Allman Brothers-Protagonisten, Devon und Duane, im Rahmen des Devon Allman Projects vereint ins Musiktheater Piano zu lotsen, kam ja fast einer kleinen Sensation gleich.

Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass doch ziemlich viele Southern Rock-Sympathisanten an einem Donnerstag-Abend den Weg in die schöne, Jugendstil-verzierte Dortmunder Location gefunden hatten, zumal auch einige vermutlich noch die starke Leistung von Devon Allman vor gut zwei Jahren an gleicher Stelle in Erinnerung hatten.

Auch wir hatten schon vorher die Werbetrommel gerührt und ich war doch überrascht, so manchen unserer Leser, im Publikum zu erkennen.  Pünktlich um 20:00 Uhr betrat zunächst Dickey Betts-Sohnemann Duane mit seinem starken Co-Gitarristen Johnny Stachela, dem agilen Bass-Spieler Justin Corgan und dem Kraftbündel John Lum am Schlagzeug die Bühne, um mit „Downtown Run Around“, im Rahmen eines 40-minütigen Gigs, loszulegen.

Als meine Favoriten entpuppten sich dabei das mit einer Eagles-Note versehene „Ride It Out“ und die furiose Version des legendären, von seinem Daddy geschriebenen Allman-Jams „In Memory Of Elizabeth Reed“ (mein Gott, ging da in Sachen E-Gitarren und Rhtythmus-Sektion die Lutzi ab). Der Gesang von Duane weißt vielleicht noch nicht ganz die Markanz seines Vaters Dickey auf (vermutlich dem noch jungen Alter und dem deutlich gesünderen Lebenswandel geschuldet), aber im Gitarrespielen steht der Bursche ihm in nichts nach. Trotzdem eine immens starke Vorstellung von Betts & Co.!

Nach einer Pause, die zum Lüften des brütend warmen Pianos und zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlust genutzt wurde, schob Devon, begleitet zunächst von Tyler Jackson Stokes als zweitem Gitarristen, mit „Mahalo“ noch ein Instrumental hinterher.  Im Gegensatz zu dem eher introvertierten Betts-Jüngling, brachte dieser mit seiner impulsiven Art sofort Stimmung in die Bude.

Mit dem souligen, herrlich groovenden Spinners-Song „I’ll Be Around“ aus dem Jahre 1972 wurde so richtig Schwung in die Beine der Besucher gebracht, auch Devon und die beiden Gitarristen hatten mit ein paar einstudierten synchronen Seitschritten ihren Spaß. Wunderbar dann das folgende „Left My Heart In Memphis“ bei dem der kauzige Nicholas David mit Bruce Hornsby-ähnlicher Piano-Einlage glänzte.

Für den ABB-Klassiker „Blue Sky“ war Duane Betts am Mikro wieder zur Stelle, die beiden grandiosen E-Gitarren-Soli im langen Instrumentalteil des Liedes von Stachela und ihm waren Weltklasse.

Zum countryesken „Friend Of The Devil“ (mit schönem Solo von Stokes) wurden Hocker auf der Bühne platziert. Das anschließende, von Gregg für Devons Mutter geschriebene „Multi Colored Lady“ offerierte die sanfte und melancholische Seite des Haupt-Protagonisten. Melodie-verliebte Leute wie mich fixte dann das wunderbare „Live From The Heart“ natürlich besonders an.

Beim gospeligen Bill Withers-Klassiker „Lean On Me“ hatte erneut Nicholas David seinen Auftritt, diesmal sogar mit tiefer Stimme am Frontmikro. Das Piano glich, nicht nur der heißen Temperaturen wegen, einer Südstaaten-Kapelle. Mit „Hot ‚Lanta“ wurde zum Abschluss des Hauptteils nochmals kräftig gejammt und der legendären Band der Väter Ehre erwiesen.

Zum heftig eingeforderten Zugabenteil stand dann alles was Spielen konnte auf der Bühne. Mit dem Don Henley-Stück „The Boys Of Summer“ und dem „Midnight Rider“ (nochmal für Vater Gregg) wurde ein vermutlich denkwürdiger Abend für hiesige Verhältnisse unter frenetischem Applaus beendet.

Im Anschluss gaben sich die Akteure publikumsnah und unterzeichneten wohl-gelaunt am Merchandising-Stand die diversen Kauf-Utensilien und hatten auch noch ganz relaxt Zeit für Fotos, was wir natürlich für unser Bild für die VIP-Galerie nutzten. Unser Dank gilt wie immer Jenny Dore und Thomas Falke vom Piano, die sich, wie immer, als tolle Gastgeber mit viel Musik-Sachverstand präsentierten.

Line-up:
Devon Allman (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Duane Betts (lead vocals, electric guitar)
Tyler Jackson Stokes (electric guitar, vocals)
Johnny Stachela (electric guitar, slide guitar, vocals)
Justin Corgan (bass)
John Lum (drums)
Nicholas David (keys, vocals)
R. Scott Bryan (percussion, acoustic guitar, keys, vocals)

Bilder: Adam Zegarmistrz Glagla
Text: Daniel Daus

Devon Allman
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Duane Betts
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Chris Kramer & Beatbox’N’Blues – Way Back Home – CD-Review

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Review: Michael Segets

Bandleader Chris Kramer geht zusammen mit dem zweifachen Deutschen Beatboxmeister Kevin O Neal und dem Gitarristen Sean Athens als Chris Kramer & Beatbox’N’Blues in die zweite Runde. Im letzten Jahr hatte die Band quasi als Vorbereitung ihrer ausgedehnten Tour durch die Vereinigten Staaten das Album „On The Way To Memphis“ herausgebracht. Kaum zurückgekehrt, nahmen die drei Musiker in den Arnsberger Megaphone Studios die fünfzehn Tracks von „Way Back Home“ auf. Die zahlreichen Eindrücke von ihrer Reise auf den Spuren des Blues beschreibt Kramer ausführlich in den Linernotes und kündigt dort einen Dokumentarfilm über die Tour an.

Im Zentrum der Songs steht die Mundharmonika von Chris Kramer, die er meisterhaft beherrscht. Nicht umsonst hat er mit renommierten nationalen und internationalen Musikern wie Helge Schneider, Peter Maffay, Jack Bruce oder Pete York zusammengearbeitet.

Auf der Scheibe zeigen Chris Kramer & Beatbox’N’Blues eine große Bandbreite an Blues-Variationen. Die mal dezenten, mal vordergründigen Beatbox-, Rap- und Hip Hop-Elemente erweitern das musikalische Spektrum und geben der Band einen eigenen Sound. Der entwickelt durchaus seinen Reiz, auch wenn er Blues-Puristen vielleicht nicht anspricht.

„Jukebox“ gibt mit einem Funk-Einschlag und einem Beatbox-Zwischenstück den Startschuss zur CD. Auch bei „Ain’t Nobody At Home“ beatboxt Kevin O Neal, was sich gut in den stampfenden Rhythmus des rockigen Stücks einpasst. O Neals Soundeffekte peppen ebenso den eher traditionellen Boogie „Beatbox’N’Boogie“ auf. Das gleiche Konzept verfolgt die Band auf „Last Man Riding“. Der Song startet in bester ZZ Top-Manier, wofür das Gitarrenspiel von Sean Athens verantwortlich ist, und zählt für mich neben dem eingängigen „Just A Little Boy“, das ohne auffällige Effekte auskommt, zu den Highlights des Albums.

O Neal ergänzt die Vocals von Kramer bei „Happy Birthday“ durch Rap-Einlagen. Der Track erinnert an die der Band Gangstagrass, die durch die Titelmusik der Fernsehserie „Justified“ einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt hat. Die Fusion von Hip Hop und Blues deutet sich schon bei dem Titel „Hippin’N’Hoppin‘ The Blues“ an. Auch hier rappt O Neal nochmal einen Part.

Stärker dem traditionellen Blues verhaftet sind die englischsprachigen Balladen: „Ashes To Ashes“, das von den drei Bandmitgliedern komponiert wurde, und „Lawyer Clark Blues“ von John Estes. Bei der dritten Ballade „Hot Summer Day” kommen wieder mehr Effekte zum Einsatz. Der Akzent liegt jedoch auf dem nachklingenden Gitarrenspiel von Athens, das Assoziationen zu Gary Moore weckt.

Trotz aller Varianz bilden die ersten zwei Drittel des Albums doch eine insgesamt homogene Einheit, die gegen Ende mit drei Instrumentalstücken und zwei auf Deutsch gesungenen Titeln etwas verloren geht.

Bei „Deep In The Ground“ ergänzen sich Mundharmonika und Gitarre sehr schön. Streicher und Soundeffekte laden auf dem sanften „Tallachatchie Flats“ zum Träumen ein. Auf „Go With The Flow“ zeigt Athens nochmal ausgiebig, was er an der Gitarre kann. Mit Vogelgezwitscher und sanften Mundharmonika-Melodien wirkt das fast acht Minuten lange Stück im Vergleich zu den anderen allerdings fast seicht.

Das langsame „Der Wolkenmacher” ist eine wehmütige Reminiszenz Kramers an seinen Vater und das Revier vor dem Strukturwandel. Als Ruhrpottler fehlt natürlich nicht die Begeisterung für den Fußball, die Kramer mit „Erst hatt‘ ich kein Glück“ auf höchst unterhaltsame und witzige Weise zum Ausdruck bringt. Der Text besteht aus bekannten Stilblüten von Fußballspielern und Trainern, die originell zusammengefügt sind. Musikalisch würde das Lied auf Westernhagens „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ passen.

Die Kombination des Blues mit Hip Hop- und Rap-Elementen funktioniert. Sie bricht mit Hörgewohnheiten und erzeugt eine gewisse Spannung, die auch bei mehrmaligen Hören der Stücke aufrecht erhalten bleibt. Dennoch sprechen mich die Songs, auf denen zurückhaltender mit den Soundeffekten umgegangen wird, mehr an. Dies liegt allerdings an meiner musikalischen Sozialisation. Die Variationsbreite auf „Way Back Home“ geht gegen Ende des Albums auf Kosten einer klaren konzeptionellen Linie. Dafür bietet es mit „Erst hatt‘ ich kein Glück“ dort nochmal ein Lied, das in jedem Fall im Gedächtnis bleibt.

Blow ‚Till Midnight Records/Fenn Music (2018)
Stil: Blues/Blues Rock and more

01. Jukebox
02. Ain’t Nobody At Home
03. Beatbox’N’Boogie
04. Ashes To Ashes
05. Lawyer Clark Blues
06. Happy Birthday
07. Just A Little Boy
08. Last Man Riding
09. Hot Summer Day
10. Hippin’N’Hoppin‘ The Blues
11. Deep In The Ground
12. Go With The Flow
13. Erst hatt´ ich kein Glück
14. Der Wolkenmacher
15. Tallahatchie Flats

Chris Kramer
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Canned Heat – 25.07.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Ein halbes Jahrhundert Musikgeschichte und eine weltweite Bühnenerfahrung stehen für den Bandnamen Canned Heat, der traditionsbewusst auf einen alten amerikanischen Blues-Song zurückgeht. Gründungsmitglied und Bassist Larry ‚The Mole‘ Taylor hat den starken Markentitel zusammen mit Schlagzeuger Fito de la Parra bis heute erfolgreich aufrechterhalten. Beide Urgesteine spielten bereits zu Woodstock-Zeiten gemeinsam.

Bei nahezu tropischen Temperaturen um die 30° Grad war ein Einheizer eigentlich nicht erforderlich, aber als die ersten Töne des zeitlosen Top-Hits „On The Road Again“, vom legendären 68er-Album, „Boogie With Canned Heat“ erklingen, zeichnet sich für die Menge ein großartiger Konzertabend ab. Den Gesangspart übernimmt zunächst Gitarrist John Paulus, der sich bemüht, die einzigartige Falsetto Stimme von Alan Wilson nachzuahmen und diese Aufgabe durchaus überzeugend bewältigt.

Gefolgt vom Southern-Blues-Rock getränkten „Time Was“ mit harter Bassline, dem bluesigen „I’m Her Man“ und „Bullfrog Blues“ vom Debütalbum aus dem Jahre 1967, kam mit „Goin‘ Up The Country“ der erfrischende, California-Sound angehauchte, Chart-Erfolg vom dritten Studioalbum „Living The Blues“. Dass sie den Blues auch heute noch ‚leben‘, konnte man spätestens auf dem Slow Blues „So Sad“ hören, der an diesem Abend die einzige ruhige Nummer bleiben sollte.

Die ansonsten durch und durch rockige Blues Performance wurde fortgesetzt mit dem Garage-Sound geprägten Blues-Klassiker „Rollin‘ and Tumblin'“ und dem Publikumsliebling „Let’s Work Together“, der während des Konzertes durch Zwischenrufe immer wieder gefordert wurde. Die obligatorische Zugabe mit dem 12 Minuten-Stunner „Fried Hockey Boogie“, inklusive der ausgiebigen Soli von Gitarre, Bass und Schlagzeug, krönte die Leistung, der von vielen Besuchern verehrten Blues-Helden. Eigentlich sollte es das gewesen sein, aber für „Cryin‘ Won’t Help You“ kamen sie nach lauten „We want more“-Rufen nochmals auf die Stage.

Die ehrwürdige Ballroom-Atmosphäre in der Dortmunder Blues Location und die prominente Bühnenbesetzung haben immer wieder eine besondere Beziehung zwischen Publikum und Band entstehen lassen – zum Beispiel während des Refrains von „Same All Over“ oder nach intensiven Mundharmonika- oder Gitarrensoli, die durch überschwänglichen Applaus gewürdigt wurden. So verabschiedeten sich die Blues Rock-Veteranen Larry Taylor und Fito de la Parra eingerahmt und Arm in Arm mit ihren Gefährten nach einer perfekten und kurzweiligen Show von überwältigten Besuchern, für die dieser Abend teilweise auch ein Rückblick in ihre Jugendzeit war.

Eine der kommerziell erfolgreichsten und bekanntesten Blues Rock- und Boogie-Formationen der Musikwelt hat ihre bis heute andauernde Ausnahmestellung und bewegende Bandgeschichte demonstrativ untermauert und vor allem eines bewiesen: Don’t forget to boogie!

Line-up:
Dale Spalding (lead vocals, guitar, harmonica)
John Paulus (electric guitar, bass, vocals)
Larry Taylor (bass, electric guitar)
Fito de la Parra (drums)

Bilder: Adam Zegarmistrz Glagla
Text: Stephan Skolarski

Canned Heat
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Musiktheater Piano
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