The Proven Ones – You Ain’t Done – CD-Review

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Ich kann als mäßiger Blues (Rock)-Experte nur schwer abschätzen, in wie weit The Proven Ones 2018 mit ihrem Debütwrk „Wild Again“ hierzulande bleibenden Eindruck hinterlassen, geschweige denn, überhaupt zur Kenntnis genommen wurden.

Fest steht, dass das Quintett mit schillernden Leuten besetzt ist (man spricht in den Staaten sogar von einer Supergroup), die in Bands wie u. a. The Fabulous Thunderbirds, Ronnie Earl And The Broadcasters, The Radio Kings, The James Harman Band, Rod Piazza And The Mighty Flyers, The Mannish Boys oder Sugar Ray and the Bluetones ihr Können schon nachhaltig nachgewiesen haben. Nicht zu vergessen auch Präsenzen auf der Bühne oder im Studio bei John Lee Hooker, Big Mama Thornton, Chuck Berry, Big Walter Horton, Big Joe Turner, Otis Rush, Bo Diddley und diversen anderen Acts.

Bei The Proven Ones handelt es sich um die Herren Kid Ramos (guitars, vocals), Anthony Geraci (keys), Willie J. Campbell (bass), Jimi Bott (drums, percussion) und Brian Templeton (lead vocals, harmonica), die jetzt den Nachfolger „You Ain’t Done“ hinterherlegen. Kein geringer als der uns bestens bekannte Mike Zito hat an der Akustikgitarre und als Co-Produzent, auch noch seine Qualitäten mit eingebracht.

Beim Songwriting haben sich diesmal alle Musiker beteiligt. Dadurch gibt es mit dem latin-rockigen, in bester Santana-Manier performten „Nothing Left To Give“ (Geraci) oder dem zwischen Delta-Blues und New Orleans Dixie pendelnden „I Ain’t Good For Nothin'“ (Ramos) auch mal Ausflüge aus dem ansonsten sich durchziehenden südstaatlich angehauchten Blues Rock-Schema.

Nach einem kurzen gut einminütigen Spielerei-Intro geht es mit „Get Love“ sofort knackig los. Ein energiegeladener southern souliger Blues Rocker mit herrlicher Ramos-E-Gitarre, Piano, gurgelnder Orgel und zünftiger Bläserfraktion, wobei einem sofort JJ Grey und seine Mofro in den Sinn kommen.

Trompetenspieler Joe ‚Mack‘ McCarthy und Saxophonist Chris Mercer setzen dann auch im weiteren Verlauf immer wieder ihre Duftmarken. Auch die folgenden „Gone To Stay“ (schön punkige Drums), das Titelstück „You Ain’t Done“ (Stones goes Southern, herrliche Slide-Gitarre, klasse BGVs von LaRhonda Steele) und „Already Gone“ (Acapella-Intro, starker Gesang von Templeton, der bei oft Assoziationen mit Malford Milligan hervorruft) haben allesamt ordentlich ‚Wums‘.

Kommen wir zu meinen drei Favoriten, die etwas ruhigeren „Whom My Soul Loves“ (southern-souliger Ohrwurm im Duett von Templeton und der brillanten Gastsängerin Ruthie Foster), „Milinda“ (eine Art Symbiose aus „Sweet Melissa“ und „Layla“) und das flockig schunkelnde „She’ll Never Know“ (klasse E-Fills von Ramos, dazu ein Solo wie einst bei den Allman Brothers).

Der pianoträchtige Stampfer „Fallen“ und das an „Honky Tonk Woman“ reminiszierende „Favorite Dress“ (typischer Stones-E-Gitarrenrhythmus) lassen am Ende keine Wünsche offen, die prominenten Musiker werden ihren hohen Vorschusslorbeeren absolut gerecht. Somit wurde „You Ain’t Done“ eingehend auf bewährte Art überprüft und erhält letztendlich verdient das Sounds Of South-Gütesiegel. Absolut empfehlenswert!

The Proven Ones sind übrigens für das beliebte 29. Grolsch Blues-Festival in Schöppingen Ende Mai gebucht, ob es mit dem Auftritt klappt, ist aufgrund der bekannten Corona-Problematik allerdings erstmal Kaffeesatzleserei.

Gulf Coast Records (2020)
Stil: Blues Rock

01. Get Love (Intro)
02. Get Love
03. Gone To Stay
04. You Ain’t Done
05. Already Gone
06. Whom My Soul Loves
07. Milinda
08. Nothing Left To Give
09. She’ll Never Know
10. I Ain’t Good For Nothin‘
11. Fallen
12. Favorite Dress

The Proven Ones
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Gulf Coast Records

Jimmy Carpenter – Soul Doctor – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Was es bedeutet, in verschiedenen Bands über 35 Jahre „On The Road“ das Musik-Business von der Pike auf zu erlernen, das kann der Blues-Musiker Jimmy Carpenter begeistert erzählen und musikalisch aufbereiten. Auf seinem vierten Solo-Album „Soul Doctor“ kommt der US-amerikanische Saxophonist, Singer-Songwriter und Arrangeur jedenfalls dermaßen in Fahrt, dass es den geneigten Hörer gerne mal komplett vom Hocker reißt – entsprechende Lautstärke vorausgesetzt.

Die 10 Tracks des Studio-Longplayers, davon sieben Eigenkompositionen – von Carpenter selbst arrangiert und produziert – verbreiten eben jenen virtuosen, klassischen Soul-Blues-Sound, der immer wieder für eine Überraschung gut ist. Bereits der Titeltrack „Soul Doctor“ verneigt sich zu Beginn vor den vielen Vorbildern des Soul-Blues im typischen Rhythmus und durch Carpenters ausgeprägte Vocals; E-Gitarre und Sax bringen den Aufreißer zusätzlich auf Touren. Das Songwriter-Talent wird auch beim stimmungsvollen Memphis-Soul-Stück „When I Met You“ nochmals deutlich, wenn die Horn-Section im 60er Soul-Sound einsetzt und ein Touch von Van Morrison überschwappt.

Mit dem anschließenden Blues-Shuffle „Wild Streak“ folgt ein weiteres Highlight – Carpenters herrliche Sax-Einlage und Mike Zitos rasantes Slide – Solo inklusive (ein 5-minütiger Muntermacher für das Frühstücksradio). Im gleichen Stil geht der Longplayer zum nächsten Track über: „Love It So Much“ ist eine perfekt arrangierte Nummer im New Orleans-Groove, dessen beeindruckender Bläser-Sound funky im Dr. John-Stil nachwirkt.

Der folgende Slow-Blues „Need Your Love So Bad“ wurde schon erfolgreich von Fleetwood Mac gecovert (Original-Titel von Little Willie John) und bekommt bei Carpenters Version ein wunderbar dynamisches Tenor-Sax-Solo obendrauf, wie auch der ungemein fröhliche Funk-Jazz-Track „Wanna Be Right“ im Anschluss.

Einen schönen Übergang bildet das Cover der alten Ray Charles Komposition „One Mint Julep“ als ebenso funkiges, Saxophon – getriebenes Instrumentalstück, das vom schnellen „Wrong Turn“ im Südstaaten-Blues-Rock und wilden Slide- und Harmonica-Solos abgelöst wird. Dabei kann man die Spielfreude der großen Begleitband förmlich spüren – ein unbedingter Anspieltipp des Albums.

Dieses kommt mit dem Instrumental „LoFi Roulette“ beinahe etwas zur „Ruhe“, wobei schöne Solos von Sax, E-Gitarre und Hammond B3 in Form einer „familiären“ Jam-Session im Ohr bleiben. Einen würdigen Abschluss findet der „Soul Doctor“ in einer umwerfend lässigen Cover-Version von Eddie Hintons „Yeah Man“, das mit seiner optimistischen Botschaft die mehr als gelungene Produktion abrundet.

Jimmy Carpenters kraftvoll-swingende Platte „Soul Doctor“ beweist, dass er ganz im Soul-Blues-Sektor „zu Hause“ ist und mit seinem musikalischen Charme und den spritzigen Arrangements begeistern kann. Es bleibt zu hoffen, dass die Blues-Community auch hier verstärkt auf ihn aufmerksam wird – dieses Album verdient Respekt!

Gulf Coast Records (2019)
Stil: Soul, Blues, Rock

Tracks:
01. Soul Doctor
02. When I Met You
03. Wild Streak
04. Love It So Much
05. Need Your Love So Bad
06. Wanna Be Right
07. One Mint Julep
08. Wrong Turn
09. LoFi Roulette
10. Yeah Man

Jimmy Carpenter
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Billy Price – Dog Eat Dog – CD-Review

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Review: Michael Segets

Billy Price startete in den siebziger Jahren seine Karriere an der Seite des Blues-Gitarristen Roy Buchanan, in den Achtzigern war er mit der Keystone Rhythm Band unterwegs. Anschließend veröffentlichte er unter seinem Künstlernamen in regelmäßigen Abständen CDs. Der große Durchbruch blieb dem fast siebzigjährigen allerdings lange Zeit verwehrt.

Erst 2016 erhielt er Anerkennung in Form von Preisen, so unter anderem einen Blues-Music-Award für seinen Longplayer „This Time For Real“, den er zusammen mit Otis Clay veröffentliche. Auch das nachfolgende „Reckoning“ (2018) erhielt eine Nominierung als bestes Soul Blues Album.

Mit „Dog Eat Dog“ legt Billy Price nun nach. Auch auf seinem neuen Werk bewegt er sich zwischen Soul und Blues. Er bleibt dabei seinem Sound treu, der vor allem durch Saxophon und Trompete geprägt wird.

Stärkstes Stück ist das soulige „Walk Back In“, aber auch das von Bobby Byrd stammende und mit viel Swing versehene „We’re In Love“ überzeugt. Die meisten Titel sind im Midtempo angesiedelt, wie das ausgekoppelte „Working On Your Chain Gang“ oder „Lose My Number“.

In Richtung R&B gehen „Same Old Heartache“ und „More Than I Needed“. Nicht zuletzt durch das Keyboard von Jim Pugh erhalten „Toxicity” sowie das langsamere „Remnants“ einen Funk-Einschlag. Ein Anflug von Raeggae mischt sich bei „All Night Long Cafe‘“ hinzu. Mike Zito veredelt den Track mit einem Gitarrensolo.

Billy Price ist also kein musikalischer Purist, sondern schöpft aus unterschiedlichen musikalischen Stilen und baut diese so in sein Album ein, dass kein Bruch entsteht. Für die meisten Sound-Of-South-Leser sind aber wahrscheinlich die Blues-orientierten Songs interessanter. Bei dem getragenen, von Otis Rush geschriebenen „My Love Will Never Die“ kommt eine genregerechte Gitarre – gespielt vom Produzenten Kid Andersen – zum Einsatz.

Etwas flotter ist „You Gotta Leave“. Hier hat Price ebenso wie bei „Dog Eat Dog“, auf dem er von Alabama Mike am Mikro unterstützt wird, den Blues in der Stimme. Das Titelstück stammt aus der Feder von Rick Estrin, der sich mit der Mundharmonika an der Neueinspielung beteiligt.

Locker und routiniert präsentiert Billy Price auf dem Album seinen Soul mit einer Prise Blues. Konstant liefert er eingängige und facettenreiche Eigenkompositionen und Cover, von denen allerdings keine so herausragend sind, dass sie sich längerfristig in den Gehörgängen festsetzen würden. Ob diese Beständigkeit ausreicht, um mit „Dog Eat Dog“ an die Erfolge seiner vorherigen Scheiben anzuknüpfen, bleibt daher abzuwarten.

Gulf Coast Records (2019)
Stil: Soul/Blues

Tracks:
01. Working On Your Chain Gang
02. Lose My Number
03. We’re In Love
04. Dog Eat Dog
05. My Love Will Never Die
06. All Night Long Cafe‘
07. Walk Back In
08. Toxicity
09. Remnants
10. Same Old Heartaches
11. More Than I Needed
12. You Gotta Leave

Billy Price
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Gulf Coast Records

Ally Venable – Texas Honey – CD-Review

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Vor kurzem stand Ally Venable im Rahmen des Blues Caravan 2019 noch auf der Bühne im Dortmunder Musiktheater Piano und wurde in Sounds Of South ausführlich vorgestellt. Dort hinterließ sie einen nachhaltigen Eindruck. Jetzt kommt mit „Texas Honey“ ihr neues Album heraus – nach Puppet Show (2018) und No Glass Shoes (2016) bereits der dritte Longplayer der erst 20-jährigen Texanerin.

Sie hatte mit dem erfahrenen Blues-Gitarristen Mike Zito einen gestandenen Produzenten an ihrer Seite, der freudig von den Aufnahmen erzählt: „Ally ist die Zukunft des Blues und gleichzeitig eine Kreuzung zwischen Blues und amerikanischem Roots-Rock.“

Im überwiegend christlichen Süden der USA hat sie durch die Kirche ihre Gesangsstimme entdeckt. Sie hat aber nicht zur Worship-Musik gefunden, sondern in die Tradition des Texas-Blues-Rock – wie z.B. die, ihres großen Vorbildes Stevie Ray Vaughan, dessen Gitarrenkünste in „Love Struck Baby“ gewürdigt werden. Ein Song von Vaughans Debütalbum „Texas Flood“ (1983), der auch durch Allys Stimme in neuer Lebendigkeit begeistert.

„Nowhere To Hide“ eröffnet die LP rockig und frech und man bekommt einen ersten Eindruck, warum sie bereits 2015 bei den ETX Music Awards u.a. als beste Gitarristin ausgezeichnet wurde. Die Single-Auskopplung „Broken“ knüpft nahtlos an den rauen Blues der Vorgänger-Alben an. Der Titelsong „Texas Honey“ beweist, dass Ally Venable nicht nur gesanglich das Herzstück einer starken Blues-Rock-Band sein kann, sondern auch an ihrer 6-saitigen-Gitarre ein Highlight nach dem anderen abliefert und bei „Running After You“ ausgiebig für den Bottleneck-Einsatz verantwortlich ist!

„Blind To Bad Love“ ist ein harter Slow-Blues, der vom beständigen Schlagzeug-Beat getragen wird. Auf „Come And Take It“ wird Ally an der Gitarre und vocal-technisch vom Memphis-Blues-Musiker Eric Gales begleitet.

Mike Zito greift auf „Texas Honey“, neben seiner Produzententätigkeit, auch mehrfach musikalisch ins Geschehen ein und jammt z.B. bei „One Sided Misunderstanding“ zusammen mit seiner „Schülerin“, in einer Art und Weise die wirklich jeden Blues-Fan „elektrisieren“ sollte.

„White Flag“ setzt diesen Power-Blues mit knarzender E-Gitarre fort. Als letztes Stück nimmt sich Ally Venable den Blues-Traditional „Careless Love“ vor, der schon von zahlreichen Künstlern des Jazz- und Blues-Bereichs interpretiert wurde. Aber Ally gelingt es, diesem Klassiker in frischer und aktueller Weise das besondere Texas-Feeling einzuimpfen und doch ihre eigene jugendliche Note beizusteuern.

„Texas Honey“ ist eine LP, aus überwiegend selbstverfassten Songs, die melodischen und modernen Blues-Rock mit der typischen texanischen Härte verbindet. Ally Venable findet stets die richtige Balance zwischen imponierenden Solo-Parts und persönlichen Texten.

Sie rockt mit einer so ureigenen Entschlossenheit, die man wohl nur so im US-amerikanischen Süden in die Wiege gelegt bekommt und bringt ein Blues-Album in die Szene, das ihre Position als aufstrebendes Talent mit enorm viel Potenzial festigt.

Ruf Records (2019)
Stil: Blues Rock

01. Nowhere To Hide
02. Broken
03. Texas Honey
04. Blind To Bad Love
05. Come And Take It
06. Love Struck Baby
07. One Sided Misunderstanding
08. White Flag
09. Long Way Home
10. Running After You
11. Careless Love

Ally Venable
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Ruf Records

Mike Zito – Support: Jeremiah Johnson – 14.03.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Was für ein Abend im Lütgendortmunder Musiktheater Piano! Der von uns so geschätzte texanische Blues Rocker Mike Zito, den wir noch letztes Jahr im Rahmen des Blues Caravans an gleicher Stelle beleuchtet hatten, gab diesmal ein Stelldichein in eigener Sache und hatte als Support noch Jeremiah Johnson mit dabei, der letztes Jahr mit „Straitjacket“ sein Debüt unter dem Ruf Records Label gefeiert hatte.

Beide wurden jeweils bei ihren Auftritten durch Matt Johnson am Schlagzeug und Kaugummi-Kauer Terry Dry (herrlich kauziger Typ mit skurrilem Erscheinungsbild) am Bass verstärkt. Zunächst war es dann natürlich Jeremiah Johnson bei seiner Deutschland-Premiere vorbehalten, sich und seine Musik dem Publikum näher zu bringen.

Sein früheres Album „Grind“ befindet sich in meinem Besitz. Von daher war Johnson, zumindest für mich kein völlig Unbekannter. Und aus dem legte mit dem Opener des Werkes „Black Lingerie“ sofort eine toll groovende Nummer hin. Herrlich wie seine Delaney-E-Gitarre rumknarzte (erinnerte mich ein wenig an das Spiel von Wishbone Ahs Mark Abraham) und auch Johnsons leicht angerauchte Stimme wusste zu überzeugen.

Ein Kompliment hier an den Tontechniker des Pianos, der einen wunderbar transparenten und klaren Sound in allen Belangen aussteuerte und somit seinen Anteil an dem insgesamt tollen Abend hatte. Das auch von dieser CD stammende “Georgia Peach“ offenbarte Johnsons Affinität zum Southern Rock und dem Betts-umwobenen Gitarrenspiel, bedingt durch das unterschiedliche Gitarrenmodel, natürlich etwas rauer klingend.

Mit dem Schwofer „King And Queen“, „Blues In Herr Eyes“ und „Straitjacket“ gab es dann den Schwenk in Richtung des aktuellen Longplayers, von dem mit „Believe In America“ noch das patriotische Bekenntnis zur Heimat später folgte. Wahnsinn was der Protagonist insgesamt an quirligen Soli abzwirbelte.

Für uns als Southern Rock-Freunde gab es als Bonbons die Stücke „Skip That Stone“ (mit kleinen „Jessica“-Einlagen) und das atmosphärische, Marshall Tucker-trächtige „Southern Drawl“. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der aus St. Louis, Missouri stammende Musiker bereits in die Herzen der Piano-Besucher gespielt.

Ich habe bei meinen vielen Besuchen selten einen Support erlebt, der so vom Publikum gefeiert und angetrieben wurde. Johnson wurde unter heftigem Klatschen dann noch zweimal auf die Bühne zurückbeordert, wo er mit „Get In The Middle“ on top eine Bakersfield-Nummer zum Besten gab und bei „Gasoline And Smokes“ noch mal gitarrentechnisch aus allen Rohren feuerte. Großartige Performance, Jeremiah Johnson!

Nach einer kurzen Pause wusste Routinier Mike Zito natürlich um die Höhe der Latte, die Kollege Johnson aufgelegt hatte. Der Texaner warf sofort sein sympathisches Charisma in die Waagschale und konterte mit den formidablen Slidekünsten (als auch vielen konventionellen Spielereien) auf seiner, mit goldenen Reglerknöpfen verzierten, schnieke glitzernden, bordeaux-rot-weißen Music Man StingRay-Gitarre.

Zito eröffnete mit „Mississippi Nights“ und dem Titeltrack des aktuellen Werkes „First Class Life“, die später noch mit dem herrlichen Deltablues zu Ehren von Blind Willie Johnson „Old Black Graveyard und dem wunderbar launigen „Back Problems“ (furiose Soli aller Beteiligten, sehr schön sphärisch das von Komiker Terry Dry, der trotz seiner Flachsereien immer auf präzises Spiel achtete) ergänzt wurden.

Mit „Bad News Is Coming“ lieferte er eine grandiose Hommage an Luther Allison ab und präsentierte mit Sachen wie unter anderem „Wasted Time“, „Keep Coming Back“, „Judgement Day“ (mit integriertem Kurz-„Whole Lotta Love“) und „Make Blues Not War“ einige Schlüssellieder seiner früheren Alben.

Und da Mike Zito nicht nur ein lockerer Typ ist, sondern durchaus den Gentleman in sich trägt, holte er Jeremiah Johnson zurück auf die Bretter des Pianos. Fortan wurde mit den beiden überragend gespielten „Gone To Texas“ und „One More Train“ im Quartett die große Southern Rock-Keule geschwungen, Double Leads und schmissige Einzel-Soli inbegriffen, dass es einem die Freudentränen in die Augen trieb.

Eigentlich wollte kaum jemand die vier Musiker von der Bühne lassen, aber angesichts der noch bevorstehenden Konzerte ging der fließende Übergang zum Merchandising Stand absolut in Ordnung. Johnson schien angesichts der Begeisterung für ihn vor Dankbarkeit überzuschäumen, so dass er jeden Besucher quasi persönlich per Handschlag verabschiedete.

Und in der Tat, das Musiktheater Piano hatte aus meiner Sicht, nicht zuletzt auch wegen der vielen Southern-Ingredienzien, einen der stärksten Blues Rock-Abende erlebt, seit dem ich diese schöne Location besuche. Es war ein großes Vergnügen – Kompliment, die Herren Zito, Dry und Jeremiah und Matt Johnson! Unsere dicke Empfehlung zu Anfang der Tour: Hingehen, wem sich auch immer die Möglichkeit dazu bietet!

Line Up:
Mike Zito – Lead vocals, electric and slide guitar
Jeremiah Johnson – Lead vocals, electric guitar
Matthew R. Johnson – Drums, vocals
Terry Dry – Bass, vocals

Bilder: Gernot Mangold
Video „Bad News Is Coming“: Adam Zegarmistrz Glagla
Text: Daniel Daus

Mike Zito
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Jeremiah Johnson
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Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Blues Caravan – 10.02.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Das war doch mal wieder ein attraktives Paket, im wahrsten Sinne des Wortes, was Thomas Ruf im Rahmen des Blues Caravans 2019 auf den Weg gebracht hat. Seit 2005 schickt er tolle Künstler seines Labels im Trio auf die Reise und hat damit so manche formidable Karriere initiiert.

Im letzten Jahr hatte er um die Newcomerin Vanja Sky, mit Bernard Allison und Mike Zito, zwei hart gesottene Blues-Recken geschert, diesmal gab es mit der Finnin Ina Forsman, die 2016 schon mal partizipierte, der Texanierin Ally Venable und der Serbin Katerina Pejak, wieder eine geballte Jung-Frauen-Power.

Alle drei Musikerinnen hatten neue Alben am Start, wobei Mike Zito bei Venable und Pejak als Produzent involviert war. An diesem gut besuchten Sonntag-Abend im wie immer schönen Musiktheater Piano in Lütgendortmund, starteten die drei Protagonistinnen, verstärkt durch Bass-Tausendsassa Roger Inniss, der auch durch den Abend moderierte, und Elijah Owing an den Drums, mit dem direkt knackig rockenden Gemeinschaftssong „They Say I’m Different“, bei dem alle schon ihre Gesangskünste einbrachten.

Ina Forsman mit einem knallroten Rüschenkleid in Center-Position, die sehr elegant in schwarz gekleidete Katarina Pejak am Keyboard (hätte optisch auch blendend in ein Klassik-Ensemble gepasst) und Ally Venable mit schwarzem, äußerst knappen Pailletten-Mini Fummel-Einteiler und kniehohen Stiefeln waren auch optisch ein Hingucker für die zahlreich versammelte Fotografenschaft und das anwesende Restpublikum.

Ina verließ danach die Bühne und Katarina Pejak hatte als erste die Gelegenheit, ihr neues Debütwerk „Roads That Cross“ zu protegieren. Ally unterstützte an der E-Gitarre. Sie wählte als Einstieg, das in Barroom-Manier swingende „She’s Coming After You“, gefolgt vom herrlich Country-umwehten Titelstück, einer Gänsehaut-Ballade, die mit eines meiner Highlights des Gesamtgigs darstellte.

Der „Turtle Blues“ als Hommage an Janis Joplin (schönes HT-Piano), eine weitere herrliche Ballade „Old Pain“ (mit kleiner amüsanter Anekdote aus Franklin, Tennessee, zur Einleitung) und das rauchig atmosphärische Joni Mitchell-Cover „Sex Kills“ (auch auf der neuen CD vertreten) mit Kneipenpiano-Einlage bewiesen, dass der Serbin, von der Mike Zito sagt, dass sie mit ihrer Musik einen sowohl zum Nachdenken als auch zum Weinen bringen kann, für die Zukunft einiges zuzutrauen ist. Eine klasse Performance von Katarina Pejak!

Als das selbstbewusste langmähnige, erst 19-jahre junge ‚Texas Honey‘ Ally Venable, im Trio mit Inniss und Owings, mit dem gleichnamigen Titeltrack ihres im März erscheinenden Silberlings „Texas Honey“ übernahm, kam rockiger Schwung in die Bude.

Die ließ ihr Vorbild Stevie Ray Vaughan bei Stücken wie „Nowhere To Hide“, „Broken“ (Pejak assistierte am Piano), „Devil’s Son“, „Back Water Blues“ und nicht zuletzt beim überragend gespielten „Riviera Paradise“ in klassischer, wie auch in Slide-Spielart, rassig wieder aufleben. Auch sie insgesamt mit tadellosem Job in texanischer Blues-Manier.

Nach kurzer Pause hatte dann Ina Forsman ihren großen Auftritt. Sie stellte ihr neustes Werk „Been Meaning You To Fall“ ins Rampenlicht. Ihr energiegeladener und engagierter Gesang sowie ihre fesselnde Bühnenpräsenz war geradezu ansteckend. Sie schien ihren Frust durch den Verlust ihres Handys, auf dem sich alle Daten für neue Songs befanden regelrecht weg singen zu wollen. Immerhin gab es ja mit dem neuen Longplayer dann doch noch ein unvermutetes Happyend.

Ihre Vorstellung war überwiegend grooviger und souliger Natur, klasse gefiel mir das Southern Rock-angelehnte E-Gitarrensolo Venables am Ende von „Be My Home“. Emotionaler Höhepunkt sowie Abschluss ihres Sets war meiner Meinung nach die mit Katarina im Duo aufgeführte Pianoballade „Figure“, in der sie ihr wohl erlebtes Beziehungschaos aufarbeitete.

Danach ging es dann wieder mit versammelter Mannschaft bei launigen Tracks wie u. a. „Love Me Like a Man“ (Bonnie Raitt), „Company Store“ (mit klasse Acapella-Gesang) inklusiv der Staus Quo-trächtigen SRV-Zugabe „The House Is Rockin‘“ (inklusivt Mitsing-Interaktion) fulminant zur Sache, wobei sich die drei Mädels beim Leadgesang, immer wieder die Klinke in die Hand gaben.

Insgesamt war auch dieser Blues Caravan 2019 wieder eine unterhaltsame, ja sehr gelungene Sache. Mit Ina Forsman, Ally Venable und Katarina Pejak präsentierten sich drei sehr musikalisch versierte, wie auch hübsch anzusehende, unterschiedliche Charaktere, die den Blues in all seinen Facetten äußerst kurzweilig und modern auslegten, aber auch im Team zu überzeugen wussten. Wer eine oder mehrere der noch kommenden vielen Veranstaltungen im Rahmen des Blues Caravan 2019 besucht, macht alles richtig!

Line-up:
Ina Forsman (lead vocals, percussion, vocals)
Ally Venable (lead vocals, electric guitar, slide guitar, vocals)
Katarina Pejak (lead vocals, keys, vocals)
Roger Inniss (bass)
Elijah Owings (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ina Forsman
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Ally Venable
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Katarina Pejak
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Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Blues Caravan – 2018 – CD-/DVD-Review

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Review: Gernot Mangold

Der Blues Caravan von Ruf Records kann mittlerweile als eine Institution gesehen werden, bei der jährlich drei Bluesmusiker gemeinsam einen Abend gestalten. Somit ist eine Abgrenzung zu den ‚klassischen‘ Festivals zu erkennen. Jeder Akteur hat die Möglichkeit, eigene Songs zu performen, wobei immer wieder auch andere Künstler dazu stoßen können  oder alle gemeinsam zu einer Einheit verschmelzen.

Bisher war es so, dass drei aufstrebenden Bluesmusikern die Möglichkeit gewährt wurde, sich einem größerem Publikum zu zeigen und so ihren Bekanntheitsgrad zu steigern.

In diesem Jahr ist Thomas Ruf von dieser Tradition abgewichen und hat mit Mike Zito und Bernard Allison zwei musikalische Schwergewichte der Bluesszene in den Caravan gesteckt und ihnen mit der Kroatin Vanja Sky eine noch junge Bluesmusikerin zur Seite gestellt.

Grund dafür ist vermutlich, dass Ruf mit Luther Allison 1984 in das Bluesgeschäft einstiegen war und sich dieses Jahr der Tod von Luther zum 20ten Mal jährt.

Soviel zu Vorgeschichte über das Projekt Blues Caravan 2018. Im Frühjahr 2018 gaben die drei Protagonisten auch in Dortmund ein begeisterndes Konzert, über welches wir berichteten.

Es kann vorweg genommen werden, dass sich die Eindrücke aus der westfälischen Metropole, auch auf dem Package, bestehend aus CD und DVD, gut wiedergegeben werden. Auf der DVD wird den Musikern bei vielen Nahaufnahmen schön auf die Finger geschaut, aber meist eine Perspektive gewählt, als stände man in einer der ersten Reihe vor der Bühne. Auf unnötigen technischen Aufnahme-Schnickschnack wird lobenswerterweise verzichtet.

Die Aufnahmen sind chronologisch zum realen Ablauf des Konzertes so gewählt, dass alle drei, unabhängig vom Bekanntheitsgrad, mit der selben Zahl von Stücken auf der DVD und auch der CD zu finden sind. Ausnahme ist die Begleitband, bestehend aus Roger Inniss am Bass und Mario Dawson an den Drums, die den Set durchspielen und auch visuell immer wieder in Szene gesetzt werden.

Nach einleitenden Worten von Thomas Ruf und der Vorstellung der Künstler spielen alle drei zusammen, wie könnte es passender sein, mit „Low Down Dirty“ einen Luther Allison-Klassiker. Die wechselnden Gesangsparts von Mike Zito, Vanja Sky und Bernard Allison geben dem Song dabei einen besonderen Charme und alle drei wissen in den Soloparts mit ihrer Fingerfertigkeit zu brillieren.

Die folgenden vier Songs, alle aus dem Soloalbum „Bad Penny“ von Vanja Sky, läuten einen bluesrock`n`rollenden Teil des Konzertes ein. Unschwer ist zu erkennen, dass Rory Gallagher und Stevie Ray Vaughan musikalische Vorbilder der jungen Kroatin sind. Alle vorgetragenen Tracks sind von einem kraftvollen, fast schon hard rockenden, aber immer sehr melodischen Blues geprägt und Sky zeigt ihre vielfältigen Spieltechniken. Dabei beweist sie im Einklang mit ihrer prägnanten Stimme, dass sie durchaus das Zeug hat, bedeutender Bestandteil der aufstrebenden weiblichen Blues-Szene zu werden.

Hier Songs fällt kein Stück ab. Beim kraftvollen „Crossroads Of Life“ offeriert sie ihre jammenden Qualitäten, in „Married Man“, mit Unterstützung vom slidenden Mike Zito, dass sie auch ruhig und gefühlvoll kann. Der erste Gitarrenanschlag ihres letzten Songs reicht, und der Bluesfan weiß, was kommt: Eine kraftvolle Coverversion des Titelsongs ihres Albums „Bad Penny“. Auch eine entsprechende weibliche Stimme kann also zur Musik von Rory Gallagher ganz gut passen.

Die nächsten vier folgenden Tracks gehören Mike Zito, der schon in seiner Ansage ankündigt, was den Zuhörer erwartet. Blues mit texanischen und damit auch einhergehenden Southern-Einflüssen. Ein sehr schöner Kontrast zum etwas raueren Part von Sky. Bei „One More Train“ legt Mike die Latte schon im ersten seiner Songs hoch. Sehr schön kommt die klare Stimme Zitos zum Tragen und ein sichtlich gut gelaunter Musiker lässt Blues und Southern Rock miteinander verschmelzen. Er glänzt mit gefühlvollen Soli an seiner mit dem Peace-Symbol verzierten Gitarre.

Die hier auf der DVD widergespiegelte friedvolle Stimmung könnte mit Sicherheit auch der Welt gut tun. Das folgende „Keep Coming Back“ steht im Zeichen seiner Stärke als einer der besten Slidegitarristen. Mit „Wasted Time“ folgt ein klassischer Bluestrack, gespickt mit texanischen Rock-Elementen. „Make Blues Not War“ von seiner gleichnamigen Platte aus 2016 ist sein letzter Song, der in der Tradition des Blues, sowohl als Programm für das Konzert, als auch als Botschaft an die Menschheit gesehen werden kann.

Nach einem kurzen Break, der bei der Aufnahme durch den Übergang deutlich wird, setzt Bernard Allison die Show fort. Mit „In The Open“ vom 1997 Album „Keepin‘ The Blues Alive“ bringt er zunächst ein Instrumental, das direkt seine Qualitäten an der Gitarre in den Mittelpunkt stellt.

Mit „Rocket 88“ folgt ein Coverstück, das vielfach als eines der ersten im Rock’n’Roll gilt und Anfang der 50er Jahre von Ike Turners Band Kings Of Rhythm unter dem Pseudonym Jackie Brenston And His Delta Cats genutzt wurde.

Allison interpretiert den Song rau und mit furiosen Soli. „The Way Love Was Meant To Be“, eine sehr schöne, 1997 selbst geschriebene, melodisch-ruhige Nummer, wird in ihrer leichten Melancholie nur von mehreren Soli, dann aber jäh, unterbrochen.

Zum Abschluss seines Soloparts lässt Allison im Instrumental „Testify“ noch einmal seine ganze Klasse an seinem Paradeinstrument raus – ganz im Sinne der geerbten musikalischen Gene seines Vaters.

Danach sitzen die Musiker wieder in einem Boot oder besser gesagt, in einem Caravan. Mike Zito stößt im nächsten Lied dazu, um danach auch Vanja Sky wieder miteinzubinden. Zito und Allison würdigen im Medley „Bad News Is Coming“ und „Bad Love“ die beiden Bluesgrößen Luther Allison und Eric Clapton.

Überhaupt stehen die gemeinsamen Songs im Zeichen von Luther Allison. Bei einer knackigen Version von „Life Is A Bitch“ haben alle drei Künstler sowohl ihren stimmlichen wie instrumentalen Anteil, wodurch der Song eine ganz eigene, Strahlkraft bekommt.

Stilistisch zieht sich dieser wechslende Gesang auch durch die folgenden , „Move From The Hood“, „Serious (As A Heartattack)“, einer melancholischen Version des Stückes, das Bernard Allison in seiner Ansage seinem Vater widmet und „Give Me Back My Wig“, welches anfangs fast hymnisch den Abschluß einer gelungenen DVD bildet, um im weiteren Verlauf noch einmal in einer Mischung aus Rock’n’Roll und Blues mit mehreren Gitarrenduellen, inclusive Bass zu enden.

Als Fazit kann gesagt werden, dass Ruf Records mit der DVD/CD zum Bluescaravan 2018 eine, auch in der Songauswahl vortreffliche Kompilation zur Tour gelungen ist, die in der Sammlung eines Bluesfans nicht fehlen sollte, da hier auf einer Scheibe drei sehr unterschiedliche Künstler, verschiedene Arten des Blues miteinander verschmelzen lassen.

Auch nach Veröffentlichung des Packages wird der Blues Caravan mit mehreren Konzerten in Europa, auch in den Niederlanden fortgesetzt und der geneigte Fan hat noch einmal die Möglichkeit diese Spitzenzusammensetzung live zu erleben und sich eventuell einen erstandenen Silberling unterzeichnen zu lassen. In dem Zusammenhang macht es mich persönlich stolz, dass ich einen kleinen Anteil an dem Album, in Form einiger Bildaufnahmen, hatte.

Line-up:
Vanja Sky (lead vocals, electric guitar)
Bernard Allison (lead vocals, electric guitar)
Mike Zito (lead vocals, electric guitar)
Roger Inniss (bass, vocals)
Mario Dawson (drums, vocals)

Ruf Records (2018)
Stil: Blues Rock

DVD:
01. Intro Tom
02. Low Dowwn And Dirty
03. All Night
04. Crossroads Of Life
05. Married Man
06. Bad Penny
07. One More Train
08. Keep Coming Back
09. Wasted Time
10. Make Blues Not War
11. In The Open
12. Rocket 88
13. The Way Love Was Meant To Be
14. Testify
15. Bad News Is Coming / Bad Love (Medley)
16. Life Is A Bitch
17. Move From The Hood
18. Serious (As A Heart Attack)
19. Give Me Back My Wig

CD:
01. Low Dowwn And Dirty
02. All Night
03. Do You Wanna?
04. Married Man
05. Keep Coming Back
06. Wasted Time
07. Make Blues Not War
08. In The Open
09. Rocket 88
10. The Way Love Was Meant To Be
11. Life Is A Bitch
12. Serious (As A Heart Attack)

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Mike Zito
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Ruf Records

Mike Zito – First Class Life – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Als Bluesmusiker in den Vereinigten Staaten sein Geld zu verdienen ist aufgrund der Vielzahl hervorragender Künstler nicht leicht. Doch Mike Zito hat es inzwischen geschafft und blickt zufrieden auf das Erreichte: „Ich habe eine wunderbare Familie, ich bin clean und kann von der Musik leben.“ Sein mittlerweile 14. Studioalbum „First Class Life“ spiegelt dabei viele Abschnitte seines künstlerischen Werdegangs wieder.

Wie er in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist und dank der Musik seine Drogenabhängigkeit überwinden konnte, diese Erlebnisse verarbeitet er u.a. in dem aktuellen Longplayer. Der 47-jährige Texaner wollte eine „richtige Bluesplatte“ einspielen und dieses Vorhaben ist ihm eindrucksvoll gelungen. Das Album wurde in seinem Heimatstaat Texas in wenigen Tagen aufgenommen und beginnt mit einer shakigen und spritzigen Blues-Rock Nummer, die an traditionelle Blues-Wurzeln des Mississippi-Deltas anknüpft. Der  ausdrucksstarke Titelsong „First Class Life“, könnte autobiographischer nicht sein, so deutlich versinnbildlicht er Zitos Aufstieg aus St. Louis zu einem hoch geschätzten Bluesmusiker („I got a second chance and living a first class life“).

Seine Performance bei der Blues-Supergroup „Royal Southern Brotherhood“, deren Mitbegründer er neben Cyrill Neville und Devon Allman war, hat ihm auch über Genre Grenzen hinaus, Erfolg und Anerkennung gebracht. Der Working Class-Slowblues „The World We Live In“ vermittelt seine geradlinigen Singer/Songwriter-Qualitäten und geht über in das amüsante „Mama Don’t Like No Wah Wah“, als Anspielung auf eine Erzählung über die US-amerikanische Bluessängerin Koko Taylor. Eher düsteren Desert-Rock Sound und gleichzeitige Rassismuskritik gibt es mit dem Song „Old Black Graveyard“ auf die Ohren, gefolgt von dem groovigen Blues „Dying Day“.

Zito beschäftigt sich auf seinem Album mit aktuellen Lebenssituationen und transportiert einen sozialkritischen Arbeiterklassen-Ethos. Das gesellschaftsrelevante „The World We Live In“ in seiner Soft Blues-Rock-Melodie oder das Rock ’n‘ Roll-Blues Stück „Trying To Make A Living“ formen ein soziales Gespür für die alltäglichen, existentiellen Fragen und Gedanken der ‚einfachen‘ Bevölkerung. So ist das Album auch eine musikalische Verarbeitung von Mike Zitos Vergangenheit.

Einflüsse von Savoy Brown, den frühen Fleetwood Mac, Stevie Ray Vaughan und auch Joe Bonamassa verbindet Mike Zito mit seinem persönlichen, eleganten Blues-Stil und „jongliert“ gekonnt die unterschiedlichsten Richtungen vom Delta- über den Chicago- bis hin zum Memphis-Blues. Der einzige Wermutstropfen der bleibt, ist leider, dass Zito sein qualitativ hochwertiges Gitarrenspiel und Repertoire nicht vollends darbietet. Die obligatorischen Gitarren-Blues-Riffs sind ein wenig zu kurz und zeigen nicht sein Können, das er bereits auf vorherigen Studioalben oder bei Royal Southern Brotherhood abgerufen hat.

Auf „First Class Life“ fühlt man Zitos Blues-Spirit in beeindruckender Art und Weise. Der Langspieler bietet eine abwechslungsreiche Produktion, die unterschiedliche Blues-Stile gekonnt wiedergibt. Seine Vielseitigkeit und sein zielsicherer Spürsinn, Emotionen eines Bluessongs authentisch hervorzurufen, werden hier perfekt unter Beweis gestellt.

Ruf Records (2018)
Stil: Blues (Rock)

01. Mississippi Nights
02. Wasted Time
03. First Class Life
04. I Wouldn’t Treat A Dog (The Way You Treat Me)
05. The Wolrd We Live In
06. Mama Don’t Like No Wah Wah
07. Old Black Graveyard
08. Dying Day
09. Back Problems
10. Time For A Change
11. Damn Shame
12. Trying To Make A Living

Mike Zito
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Ruf Records

Blues Caravan – 21.01.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Was für ein grandioser Abend im Musiktheater Piano in Dortmund! Labelinhaber Thomas Ruf, hat diesmal im Rahmen eines 22 Konzerte umfassenden Blues Caravans durch Deutschland mit Bernard Allison und Mike Zito, zwei echte Blues-Rock-Schwergewichte auf die Reise geschickt und ihnen mit der Kroatin Vanja Sky noch eine talentierte weibliche Newcomerin in Obhut gegeben, deren neue CD „Bad Penny“ es auch ein wenig bei uns zu promoten galt.

Dem nicht genug. Mit Star-Bassist Roger Inniss, den wir ja neulich schon bei Tasha Taylors Konzert bewundern durften, und dem furiosen Drummer aus der Bernard Allison Band, Mario Dawson, wurde das musikalische Treiben der drei Protagonisten in Sachen Rhythmus-Sektion, mit absoluter Weltklasse unterfüttert.

Auch Bernard Allisons neues Werk „Let It Go“ steht in den Startlöchern, zudem hatte Ruf Records ja noch anlässlich des 20. Todestages seines Vaters Luther im letzten Jahr ein fantastisches, limitiertes LP-Set auf den Markt gebracht, sodass der Geist dieser Blues-Musik-Ikone naturgemäß im Konzert  mitschwebte und auch mit Stücken gehuldigt wurde.

Aber von vorne. Pünktlich um 20:00 Uhr (vorbildlich!), betraten die Musiker samt Label-Chef die Bühne. Blickfang war zunächst natürlich der weibliche Part des Trios, der mit hochhackigen Stiefeletten, einer super-eng anliegenden Leggings und einem Flokati-ähnlichen weißen Überwurf, rein optisch, auch eher anderen Gewerben als dem Blues-Musikertum, hätte zugeordnet werden können. Aber was soll’s, scheiß was auf ‚Haute Couture‘, hier geht’s schließlich um Musik!

Nach Rufs Vorstellung stieg das Quintett mit Luther Allisons „Low Down And Dirty“, dem Stück, mit dem man das Ereignis auch als Trailer beworben hatte, in den Gig ein. Der abwechselnde Gesang der drei Hauptdarsteller und die surrenden E-Gitarren (Bernard mit klasse Slide), samt des damit verbundenen Southern Blues Rock-Flairs, waren natürlich direkt nach unserem Gusto. Stark!

Zu loben ist besonders die kurzweilige Gestaltung des Abends. Im Anschluss hatte jeder der drei Protagonisten Gelegenheit, sich in kleineren Segmenten, in eigener Sache zu präsentieren und zeitweise zu pausieren. Lediglich Inniss und und Dawson mussten richtig schuften, die spielten von Beginn bis Ende durch.

Los ging es mit Vanja Sky, die mit ein paar Stücken aus ihrem neuen Album „Bad Penny“ aufwartete. Ihre gute Stimme, ordentliches Gitarrenhandwerk und Songwriting, geben Hoffnung, in einem, von Damen mittlerweile auch stark frequentierten Genre, demnächst Fuß fassen zu können. Mike Zito kam zur Unterstützung zweimal mit auf die Bühne. Hängen blieb u. a. das Slide-trächtige „Crossroads Of Life“,  die Rory Gallagher-Cover-Nummer „Bad Penny“ und das Rhythm-bluesige, abschließende „Give Me Back My Soul“.

Als nächster war mit Mike Zito, einer meiner persönlichen Lieblings-Blues Rocker, an der Reihe. Mit seiner tollen Stimme, seiner Southern-umwehten Interpretation des Blues Rocks und all seinen ausnahmslos starken Alben, hat er sich schon lange in mein Herz gespielt. Jetzt hatte ich endlich auch mal die Gelegenheit, ihn live zu erleben (übrigens, wie sich nachher am Merchandising- Stand herausstellte, auch ein sehr sympathischer Typ).

„One More Train“, „Keep Coming Back“, das überragende „Gone To Texas“, „Wasted Time“ (mit Stevie Ray Vaughan-Flair) und „Make Blues Not War“, das Titelstück seines aktuellen Albums, und das Southern Rockige „Highway Mama“ hießen die Stationen seiner brillanten ‚Solo‘-Performance. Danach folgte eine viertelstündige Pause.

Der wie ein Rasta-lockiger Mafiosi in Erscheinung tretende Bernard Allison, legte als Spaßmacher im Bunde samt Inniss und Dawson, mit einem fingerfertigen Instrumental los und servierte mit dem Reggae-umgarnten „Love Was Meant To Be“ meinen Favoriten seines Sets nach. Auch seine Version von Hendrix „Voodoo Child“ in einer ‚Extended Version‘ war der Hammer.

Der mit satten vier Stücken gestaltete Zugabenbereich stand dann nochmals mit u. a. „Life Is A Bitch“, bei dem dann alle wieder zugegen waren, im Zeichen von Luther Allison. Am Ende konnten auch Roger Inniss und Mario Dawson mit zwei furiosen Solo-Einlagen auf ihren Arbeitsgeräten glänzen, wobei Letztgenannter auf seinem Schlagzeug (teilweise mit sich überkreuzenden Schlägen) regelrecht wütete.

Nach fast 3 Stunden (inkl. der Pause) ganz großer Blues Rock-Schule ging es anschließend noch am Merchandising-Stand weiter und es durfte sich über reißenden Tonträger-Absatz, den man sich auch redlich verdient hatte, gefreut werden. Sky, Zito und Allison standen am Ende auch noch anstandslos für unser obligatorisches Bild für die VIP-Galerie zur Verfügung.

Fazit: Ein herrlicher Abend mit spielfreudigen und gut gelaunten Akteuren, der keine (Blues Rock)-Wünsche offen ließ. Wer die reichhaltigen Gelegenheiten bei den noch kommenden Konzerten, verstreichen lassen sollte, verpasst wirklich einen musikalischen Genuss. Blues Caravan 2018 – Hingehen Pflicht!

Line-up:
Vanja Sky (lead vocals, electric guitar)
Bernard Allison (lead vocals, electric guitar)
Mike Zito (lead vocals, electric guitar)
Roger Inniss (bass, vocals)
Mario Dawson (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Mike Zito – Make Blues Not War – CD-Review

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Einer meiner Lieblings-Musiker legt schon wieder nach. Der umtriebige Mike Zito hat keinesfalls ‚ein Rad ab‘, auch wenn er sich schon wieder von seiner starken Begleitband der letzten Veröffentlichungen „The Wheel“ losgelöst hat. Es passt halt einfach zu seiner unsteten, sich immer in Bewegung befindlichen Persönlichkeit, Dinge zu ändern,  konstant ist bei ihm scheinbar nur die Liebe zur Familie und dem Blues Rock an sich.

Für sein neues Werk mit dem plakativen Titel „Make Blues Not War“ hat er sich mit dem uns ebenfalls gut bekannten, Musiker, Songschreiber und Produzenten Tom Hambridge zusammengetan. Der auch in Nashville viel beschäftigte Tausendsassa erweist sich für das aktuelle Album, aufgrund der Ruppigkeit vieler Stücke und der partiellen Southern-Ausrichtung auch als absoluter Gewinn. Er hat einen Großteil der Tracks (mit) komponiert, spielt das Schlagzeug, sang Harmonies bei „One More Train“ und hat das Gesamtwerk in einem schön rauen, aber auch knackigen ‚Live-Sound‘ produziert.

Das Album lebt natürlich von der Präsenz des Protagonisten, der in Sachen Stimme (mit eine der besten im Blues Rock-Genre) und E-Gitarrenspiel (wieder mit vielen prächtigen Slide-Einlagen), dieses Werk dominiert. Aber auch Leute wie der stark auftrumpfende Keyboarder Kevin McKendree (B3, Wurlitzer-Piano, Clavinet), Nashville-Musiker Rob McNelley (tolle E-Gitarrenzuarbeit) oder Gastmusiker wie Walter Trout (herrliches E-Solo beim Auftaktstück), Jason Ricci an der Harp und Sohnemann Zach (Gitarre bei „Chip Off The Block“) sorgen für kurzweilige Momente in der Zito-Show.

Das Werk bietet, wie nicht anders erwartet, die typischen Blues Rock-Ingredienzien. Da wird im Tempo variiert, zwischen retro (das stampfende „Wasted Time“, das an Muddy Waters erinnernde, harp-infizierte Titelstück „MBNW“ und der finale Piano-Klimper-Boogie „Route 90“)  und moderner Auslegung gependelt. Mit „Bad News Is Coming“ und „Road Dog“ sind zwei Mörder Slow ‚Bluese‘ samt großartiger E-Gitarren-Solo-Passagen dabei, psychedelisches à la Hendrix gibt es bei „Redbird“. Was uns besonders gefällt, sind aber immer wieder, die Southern-rockigen Zutaten.

Da wär z. B. der furiose Opener „Highway Mama“ der in Sachen Orgel- und E-Gitarren-Arbeit die Allman Brothers-Fangemeinde zum Niederknien bringen wird. Hätte ein Gregg Allman nicht besser performen können! Die Signalwirkung aufreizender Beine des weiblichen Geschlechts ist schon in so manchem Song thematisiert worden, der in Texas beheimatete Zito, machte es bei „Crazy Legs“ ZZ Top nach und mischt zusätzlich noch Skynyrdsche Zutaten mit unter.

Großartig auch das wieder in Allman-Manier shuffelnde „On The Road“ (typische Orgel) sowie das launig Southern-rockende „One More Train“ (McKendree mit zünftigem HT-Piano) oder die delta-bluesige wehmütige Hommage an seine Frau „Girl Back Home“ (surrende Slide-Gitarre). Bei „Chip Off The Block“ zeigt Zitos Sprössling Zach, dass er die Fingerfertigkeit des Vaters mit den Genen übertragen bekommen hat. Er soll seinen alten Herrn demnächst auf Tour mit begleiten.

Mike Zitos neue Scheibe setzt nicht nur aufgrund des Titels „Make Blues Not War“ ein starkes Ausrufezeichen. Ein absolutes Blues Rock-Klasse-Werk, das Spielfreude pur offeriert und schön aufzeigt, wie man diesen Musikstil perfekt mit südstaatlichem Flair kombinieren kann. Wenn dieser Appell auch noch eine einvernehmliche Forderung nach gerechterer Verteilung des Vermögens und der Ressourcen, sowie ein respektvolleres Untereinander auf diesem Erdball,  implizieren würde (musikalisch gehören unsere Vorlieben bei Zito ja eh dazu), würde Sounds Of South eine dererlei Charta sofort auf dem Fuße mit unterzeichnen!

Ruf Records (2016)
Stil: Blues Rock

01. Highway Mama
02. Wasted Time
03. Redbird
04. Crazy Legs
05. Make Blues Not War
06. On The Road
07. Bad News Is Coming
08. One More Train
09. Girl Bak Home
10. Chip Off The Block
11. Road Dog
12. Route 90

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