Beth Hart – Live At The Royal Albert Hall – CD/DVD-Review

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Review: Michael Segets

2018 ist ein Jahr der hochkarätigen Live-Veröffentlichungen. Unter anderem John Mellencamp, Little Steven, Jason Isbell legten vor und auch Beth Hart meldete sich mit „Front And Center“ bereits aus New York. Pünktlich zum Advent setzt Hart diese Serie fort und bringt ihren Auftritt in der Royal Albert Hall in London vom vierten Mai diesen Jahres auf Bild- und Tonträgern heraus.

Beth Hart muss hier nicht eigens vorgestellt werden. Die Blues-Musikerin dient oft genug als Referenz für andere Künstlerinnen des Genres. Nicht zuletzt durch ihre Zusammenarbeit mit Joe Bonamassa ist sie einem breiten Publikum bekannt. Für diejenigen, die sich noch nicht mit ihrem Repertoire auseinandergesetzt haben, bietet „Live At The Royal Albert Hall“ einen sorgsam ausgewählten Querschnitt ihres bisherigen, gut zwanzigjährigen, musikalischen Schaffens. Das Programm reicht von Titeln ihrer letzten Studio-Aufnahme „Fire On The Floor“ (2016) bis zurück zu ihrem Debüt-Werk „Immortal“ (1996).

Beth Hart wählt einen ungewöhnlichen Einstieg für ihr Konzert. Ganz auf ihre Stimme vertrauend schreitet sie „As Long As I Have A Song” a capella singend durch den Zuschauerraum in Richtung Bühne. Dort erwarten sie Jon Nichols an der Gitarre, Bob Marinelli am Bass und Bill Ransom am Schlagzeug, der den kraftvoll Startschuss für das rockige „For My Friends” gibt. Bereits hier brilliert Nichols mit einem ausgedehnten Solo an der E-Gitarre.

Temporeich geht es mit dem Blues Rocker „Lifts You Up“ weiter, bevor die Band mit „Close To My Fire” einen Gang runter schaltet. Nicols betätigt ausgiebig das Tremolo seiner Gitarre, sodass Country-typische Vibrationen den Song begleiten. Einen noch deutlicheren Country-Einschlag hat das hervorragende „Bang Bang Boom Boom“.

Beth Hart, die mittlerweile am Piano Platz genommen hat, lässt die beiden locker-rockenden und gute Laune verströmenden „Good As It Gets“ und „Spirit Of God“ folgen. Nach dem jazzigen „Baddest Blues“ erlebt das Konzert mit „Sister Heroine“ einen seiner Höhepunkte. Den berührenden, vom Klavierspiel sowie dem hier fast zerbrechlich wirkenden Gesang von Hart getragenen und wohl kurzfristig auf die Setlist gekommenen Song widmet sie ihrer verstorbenen Schwester. Beeindruckend fügt sich ein Gitarrensolo von Nichols in die Liedstruktur ein, die eine unglaubliche Dramatik entwickelt.

Anschließend legt Beth Hart das dynamische, eher experimentelle „Baby Shot Me Down“ nach. Ihre gewaltige Stimme spielt sie dann beim rockenden „Waterfall“ aus, bei dem härtere Gitarrenriffs den Ton angeben.

Die Mitte des Konzerts markiert „Your Heart Is As Black As Night”. Den Blues performt Hart in ihrem kleinen Schwarzen stilecht auf einem Hocker sitzend. Die bis hierher genannten zwölf Songs finden sich auf der ersten CD. Sie spiegeln die enorme Bandbreite von Harts Musik und die Vielzahl unterschiedlicher Stimmungen wider, die sie mit ihr erzeugen kann.

Balladen bilden den Schwerpunkt im zweiten Teil des Konzerts. Zuvor legt sich Hart aber bei dem Boogie „Saved” tempomäßig nochmal richtig ins Zeug und gibt Nichols Raum erneut sein Können an der Gitarre zu zeigen.

Nichols und Hart greifen bei „The Ugliest House On The Block” zu akustischen Gitarren. Bei „Spiders In My Bed” wechselt Hart zum akustischen Bass. Mit den beiden Songs verarbeitet Hart persönliche – mal eher amüsante, mal eher bittere – Erinnerungen in bester Singer/Songwriter-Tradition.

Danach singt Beth Hart vier Stücke allein am Klavier. Die sehr intensive Ballade „Take It Easy On Me” wird durch Überblendungen und langsame Kamerafahrten äußerst stimmungsvoll unterstützt. Filmtechnisch stellt der Titel sicherlich einen Höhepunkt der DVD dar. Es folgen „Leave The Light On”, „Mama This One’s For You” und „My California”. Emotional ist Beth Hart voll bei der Sache, zumal sie die einzelnen Titel Menschen widmet, die ihr viel bedeuten – so ihrer Mutter, die im Saal anwesend ist.

Das ansonsten sehr abwechslungsreiche Konzert verliert durch die verhältnismäßig lange Solo-Performance von Hart vielleicht etwas an Schwung, sorgt aber in dieser Phase durch den leidenschaftlichen Einsatz der Musikerin für Gänsehaut-Momente.

Nachdem die Band für die Zugabe wieder auf die Bühne zurückgekehrt ist, heizt sie bei „Trouble“ dem Publikum mächtig ein. Gegen Ende des Konzerts konzentriert sich Hart schließlich auf ihre musikalische Domäne: den Blues. Auf das spannungsgeladene „Love Is A Lie“ und das sanftere „Picture In A Frame“ folgt „Caught Out In The Rain“ als krönender Abschluss des zweistündigen Sets.

Auf der DVD finden sich als Extras ein dreiminütiges „Behind The Scenes“, das Impressionen der Konzertvorbereitung und alternative Perspektiven während des Auftritts einfängt, und ein fast halbstündiges „Interview“, bei dem Hart über Stationen ihrer musikalischen Karriere spricht. Auch während des Konzerts leitet sie viele Stücke mit persönlichen Bemerkungen ein.

Mit der Varianz der Stücke hinsichtlich aufgegriffenen Stileinflüssen, Tempo, Instrumentalisierung und Atmosphäre unterstreicht Beth Hart ihre Stellung als Ausnahmekünstlerin. Ich hätte mir mein Lieblingsstück von ihr „Thru The Window Of My Mind“ gewünscht, von dem meines Wissens noch keine Live-Version auf einem offiziellen Silberling existiert. Aber das ist keine Kritik an den vorliegenden Bild- und Tonträgern, an denen es weder technisch noch musikalisch ernstlich etwas auszusetzen gibt.

„Live At The Royal Alber Hall“ verkürzt das Warten auf Weihnachten oder sollte zumindest bei Blues-Fans unter dem Tannenbaum liegen.

Provogue/Mascot Label Group/Rough Trade (2018)
Stil: Blues/Blues Rock and more

Tracks:
01. As Long As I Have A Song
02. For My Friends
03. Lifts You Up
04. Close To My Fire
05. Bang Bang Boom Boom
06. Good As It Gets
07. Spirit Of God
08. Baddest Blues
09. Sister Heroine
10. Baby Shot Me Down
11. Waterfalls
12. Your Heart Is As Black As Night
13. Saved
14. The Ugliest House On The Block
15. Spiders In My Bed
16. Take It Easy On Me
17. Leave The Light On
18. Mama This One’s For You
19. My California
20. Trouble
21. Love Is A Lie
22. Picture In A Frame
23. Caught Out In The Rain

Beth Hart
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VDELLI – 14.10.2018, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Kurz nachdem Joe Bonamassa in einem Interview mit dem Magazin Eclipsed den Schwarzen Adler zu seinem persönlichen Lieblingsclub geadelt hatte, war es auch für uns mal wieder Zeit, dem heimischen Blues-Tempel an der Baerler Straße in Vierbaum eine Visite abzustatten. Der australische Blues Rocker Michael Vdelli hatte sich mit Band für Sonntag-Abend zum Wochenausklang angesagt.

Der Termin und wohl auch der Herbstferienanfang schien so einige Leute von einem Besuch abgehalten zu haben, für die, die gekommen waren, sollte es ein lohnenswerter Gig werden. Michael Vdelli und seine beiden deutschen Mitstreiter Michi Weber sowie Björn Hofmann zeigten sich in absolut bester Spiellaune und wurden von den Anwesenden fast so lautstark gefeiert, als wenn die ‚Hütte‘ voll gewesen wäre.

Das Trio präsentierte eine gelungene Mischung aus dem VDELLI-Eigen-Fundus (u. a. „Soon As I Got  Paid“, „Nuff Your Stuff“, „Going Too Hard, „It Could Be Good“) als auch so manche Cover-Version einschlägiger Interpreten wie Tony Joe White / Tina Turner („Steamy Window“ – tolle eigenwillige Umsetzung), Tom Waits („Walking Spanish“), Soundgarden / Johnny Cash („Rusty Cage“), Willie Dixon („Wang Dang Doodle“), Bob Dylan / Jimi Hendrix („All Along The Watchtower“), Muddy Waters („Baby Please Don’t Go“), The Temptations („Papa Was A Rolling Stone“), Elmore James / ZZ Top („Dust My Broom“ mit schönem Slide – 1. Zugabe) oder Robert Johnson („Sweet Home Chicago“ – letzte Zugabe), natürlich in den von ihm etwas härter interpretierten Fassungen.

Björn Hofmann am Schlagzeug, Sohn der Legende (Ecki) Eckart Hofmann, und Michi Weber, der zunächst lange Zeit am Contrabass agierte (wechselte erst im letzten Drittel ab „Green Light Girl“ zum E-Bass) spielten ein schönes Fundament (dazu hatten beide noch ein paar Harmonie-Parts) für den engagiert singenden (Richtung Devon Allman/Mike Zito) und auch in den Ansagen sehr kommunikativen Protagonisten, der natürlich seiner, schon schwer malträtierten Gibson Les Paul Deluxe, wieder unzählige quirlige Soli abverlangte.

Dass Michael als aus Perth stammender australischer Rocker natürlich auch ein wenig AC/DC im Blut hat, zeigte sich unterschwellig in den starken Eigenkompositionen „My Baby Does Better“ und dem, mit furiosem Slide-Finale bestückten „You Aint Bringing Me Down“ als zweite Zugabe.

Nach dem kurzweiligen spielfreudigen Konzert schleppten die Drei schnell ihre Mitbringsel (CDs, T-Shirts, etc.) zum, auf die Schnelle, improvisierten Merchandising-Table und posierten auch noch gut gelaunt mit unserem Logo für die VIP-Galerie. Um es am Ende in Bonamassa-Sprache auszudrücken: Vielen Dank an das Team des weltbesten Blues Clubs für einen sehr gelungenen Abend und die, wie immer, gastfreundliche Aufnahme!

Line-up:
Michael Vdelli (lead vocals, guitars)
Michi Weber (bass, vocals)
Björn Hofmann (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

VDELLI
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Schwarzer Adler

Joe Bonamassa – Redemption – CD-Review

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Kaum ein Blues-Musiker hat sich in den letzten Jahren so umfangreich und vielfältig durch die Blues-Sparten gespielt wie Joe Bonamassa. Dabei rausgekommen sind Alben, die unterschiedlichste Blues Richtungen abdecken: Vom Chicago-Blues getränkten Live-Album zu Ehren von Howlin Wolf und Muddy Waters (2015) über die Huldigung seiner englischen Idole auf dem „British Blues Explosion„-Werk (2018), bis zu Kollaborationen mit Beth Hart (2013/2018) und eigenen Song-Kreationen, wie auf „Blues of Desperation“ (2016).

Auf bewährte Begleiter aus den vorangegangenen Produktionen greift Bonamassa bei „Redemption“ gerne zurück, wie z.B. seinen erfahrenen Produzenten Kevin Shirley oder seine langjährigen Bühnen- und Studiomitstreiter Reese Wynans (Keyboards), Michael Rhodes (Bass) und Anton Fig (Schlagzeug), gibt jedoch auch den beiden Leadgitarristen Kenny Greenberg und Dug Lancio ihren verdienten Platz.

Anton Figs schneller Schlagzeug-Wirbel auf „Evil Mama“ lässt John Bonhams Intro zum Klassiker „Rock And Roll“ von Led Zeppelin unwillkürlich zurück ins Gedächtnis kommen und geht dann über in einen Hard Rock-Rhythmus a là Black Stone Cherry – bis die Bläserformation einsetzt und dem Song einen dicken Soul-Anstrich verleiht. Bonamassa beendet den Track gekonnt mit einem seiner fesselnden Gitarrensoli. „King Bee Shakedown“ ist ein Boogie-Stück im Big Band-Stil, voll leidenschaftlichem Rhythm and Blues, mit einer Prise Rockabilly. Die tragische Songgeschichte „Molly O‘“ wird in einen saftigen Hard Rock Blues übergeleitet, der es in sich hat.

„I’ve Got Some Mind Over What Matters“ ist klassischer Chicago Blues und erinnert an „She Caught The Katy“ von Taj Mahal. Eine kleine Songperle liefert Bonamassa mit dem Slow-Blues „Self-Inflicted Wounds“ ab, bei dem er sich auch an tiefgründigem Songwriting versucht und persönliche Erlebnisse eindrucksvoll verarbeitet. Dem Titeltrack und mehr traditionell-geprägtem Delta-Blues-Stück „Redemption“, verleihen die starken Background-Vocals und Joes kerniges Solo zusätzlich einen auffälligen Charakter.

Auf dem Longplayer „Redemption“ wagt Joe Bonamassa zwar erneut den Schritt, 12 eigene Kompositionen einzuspielen, hat hierfür aber eine ganze Truppe erfahrener Songwriter aus Nashville an seiner Seite, die dem Eindruck entgegentreten sollen, hier wird nur auf Altbekanntes zurückgegriffen. Die geschickt ausgefeilten Arrangements wurden in fünf verschiedenen Studios aufgenommen und lassen ausreichend Platz für fette Bläser und Background-Gesang, für einen Big-Band-Sound mit typisch intuitiven Bonamassa Gitarrenparts.

J.B.’s 13. Studioalbum, – die Zahl 13 kann metaphorisch auch für einen Wandel oder einen Umbruch angenommen werden-, markiert ein Verlangen nach Rückkehr oder einen Wusch nach ‚Akzeptanz‘, wie es der Meister in einem kurzen Statement zur Konzeption der Scheibe darstellt.

Den neuen Longplayer als Meilenstein in Bonamassas umfangreicher Werkschau zu bezeichnen, gibt nur unvollständig die vielseitige und textlich tiefgreifende Qualität dieses atmosphärisch wunderbaren Albums wieder. Für Bonamassa Fans ist alles dabei, was das Blues-Herz begehrt. He’s deep in the blues again – und dies auf unübertroffen hohem Niveau.

Mascot Label Group (2018)
Stil: Blues Rock

01. Evil Mama
02. King Bee Shakedown
03. Molly O‘
04. Deep In The Blues Again
05. Self-Inflicted Wounds
06. Pick Up The Pieces
07. The Ghost Of Macon Jones
08. Just ‚Cos You Can Don’t Mean You Should
09. Redemption
10. I’ve Got Some Mind Over What Matters
11. Stronger Now In Broken Places
12. Love Is A Gamble

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Joe Bonamassa – DVD-Gewinnspiel

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Das Gewinnspiel ist beendet.

Die richtige Antwort hieß ‚Smokin‘ Joe‘!

Über eine tolle DVD von Joe Bonamassa darf sich

Detlef Kiefer aus Lauterbach

freuen, dem der Gewinn in den nächsten Tagen zugeht!

Sounds Of South wünscht viel Spaß damit!

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Netinfect Promotion hat uns dankenswerter Weise die aktuelle DVD „British Blues Explosion Live“ des Gitarrenmeisters für ein Gewinnspiel zur Verfügung gestellt.

Folgende explosive Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

Wie lautet der Spitzname von Joe Bonamassa?

a) Jokin‘ Joe
b) Smokin‘ Joe
c) Bluesin‘ Joe

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 23.06.2018 an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern eine/n Gewinner/in aus, der/die dann umgehend benachrichtigt und mit der DVD beliefert wird.

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Joe Bonamassa – British Blues Explosion Live – CD-/DVD-Review

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Joe Bonamassa goes British! Nachdem er 2015 auf einem seiner letzten Live-Alben (Live At Red Rocks) noch den US-amerikanischen Blues-Größen Muddy Waters und Howlin Wolf Tribut gezollt hat, nimmt er sich jetzt seinen britischen Helden an. Ergebnis ist eine tiefe Verneigung des „Meisterschülers“ vor seinen „Lehrmeistern“, in erster Linie vor den Gitarrenlegenden Jeff Beck, Eric Clapton und Jimmy Page, die von Bonamassa ausgiebig und meisterlich gewürdigt werden.

Das abwechslungsreiche Konzert-Album wurde 2016 in Greenwich, London, aufgezeichnet und kann nach den visionären Gitarristen im Wesentlichen in drei Abschnitte geteilt werden. Kenntnisreich ausgegrabene englische Bluesklassiker und -Raritäten, mit dem Schwerpunkt in den 1960er und 70er Jahren, spielt Bonamassa hier leidenschaftlich und exzellent, begleitet von einer überragenden Band, die komplettiert wird durch Keyboarder und Rock and Roll Hall of Famer Reese Wynans (u.a. Stevie Ray Vaughan), Michael Rhodes am Bass, Schlagzeuger Anton Fig (u.a. Bob Dylan, B.B. King) und Rhythmusgitarrist Russ Irwin (u.a. Aerosmith, Sting).

Und diese erstklassigen Begleitmusiker muss man einfach auch um sich haben, damit die überragende Qualität der gecoverten Bluesstücke vor dem kritischen, englischen „Expertenpublikum“ mitreißend zur Geltung kommt.

Ohne die nachhaltige Ausstrahlung, Persönlichkeit und Ausdauer seiner britischen Vorbilder, hätte der europäische Blues ab den 1960er Jahren wohl niemals die Brücke zur Rockmusik geschlagen. Besonders die technische Experimentierfreudigkeit der drei Gitarristen (u.a. Fuzz, Feedback) begeisterte Bonamassa. Das Doppelalbum bildet dabei die perfekte Live-Hommage an seine Helden und der Facettenreichtum, den der US-Amerikaner hier in Form eines explosiven Bluesfeuerwerks vorführt, gleicht einer Achterbahnfahrt durch die Gründerepoche der englischen Blues-Rock-Historie.

Aus dem Schaffenswerk von Jeff Beck hat er das legendäre Blues-Rock-Klassik Instrumental „Beck’s Bolero“ (1968), „Rice Pudding“ (1969) und „Plynth (Water Down The Drain)“ (1969) ausgewählt und orientiert sich damit an Becks früher Phase mit der Jeff Beck Group und den Studioalben „Truth“ (1968) und „Beck-Ola“ (1969).

Die Clapton-Sammlung hat Bonamassa breit gefächert durchforstet und „Mainline Florida“ und „Motherless Children“ vom 1974er Album „461 Ocean Boulevard“, „Double Crossing Time“ und „Little Girl“ aus Claptons Bluesbreakers-Zeit (1965/1966), „SWLABR“ aus seiner Cream Phase (1967) und „Pretending“ von „Journeyman“ (1989) herausgepickt.

Dem Led Zeppelin-Gitarristen Jimmy Page huldigt Bonamassa auf „Boogie With Stu“ (1974), „Tea For One (1976)“, „I Can’t Quit You Baby“ (1969) und mit den berauschenden Schluss-Akkorden von „How Many More Times“ (1969).

Die Songs geben Joe Bonamassa sehr viel Platz für kreativen Gestaltungsspielraum und eigene Interpretationen. Klanglich zelebriert der Gitarrenvirtuose alles was man von ihm bereits gewohnt ist: schnelle Tempowechsel, verschiedene Spielarten, lange Soloparts und genug Freiheiten für seine Begleitmusiker.

In Zeiten eines Blues-Revivals mit vielen jungen, aufstrebenden Musikern in Europa und den USA (u.a. Ben Poole, Ryan McGarvey, Laurence Jones) und ausverkauften Blues-Festivals veröffentlicht Bonamassa mit „British Blues Explosion“ sein persönliches, triumphales Statement. Am Ende des Live-Mitschnitts steht fest, es geht nicht nur um die Performance, sondern auch um die großartige Auswahl der Songs, mit denen er den britischen Blues wieder aufleben lässt und einem jüngeren Publikum zeitgemäß zugänglich macht.

Die DVD-Version von Joe Bonamassas „British Blues Explosion“ ist aufwendig gestaltet und fängt die Live-Atmosphäre vor malerischer und altehrwürdiger Kulisse des Old Royal Naval College in Greenwich, London, bildgewaltig ein. Das opulente Werk beginnt im Gegensatz zur CD mit einem informativen Intro über die British Blues Explosion in Gestalt von Jeff Beck, Eric Clapton und Jimmy Page in den 1960er Jahren; erzählt von Paul Jones, dem Sänger der „Blues Band“.

Die Songliste ist identisch mit der CD-Ausgabe, eine Extra DVD mit interessanten Live-Mitschnitten Bonamassas aus dem Liverpooler Cavern Club und dem Beatles Cover „Taxman“ ist beigefügt. Hervorzuheben ist die exakt abgestimmte Kameraführung mit häufigen Einblendungen von Bonamassas Gitarrenspielkunst und der ausgelassenen Spielfreude seiner Bandmitglieder.

Der US-Amerikaner trägt wie auf jedem seiner Konzerte einen feinen Anzug und eine dunkle Sonnenbrille. Leider gibt die Aufnahme der Konzert-Location inmitten architektonischer Prachtbauten auch die etwas sterile, altersbedingte Publikumsatmosphäre wieder, die opernhafte Züge nicht verheimlichen kann; dies sollte unter vornehmer englischer Zurückhaltung abgehakt werden.

Worauf Joe Bonamassa schon seit vielen Jahren enormen Wert legt, ist auch die visuelle Veröffentlichung seiner Konzert-CDs. Darüber hinaus achtet er regelmäßig auf interessante Locations für seine Konzertaufnahmen. Das naturprächtige Schauspiel auf der Bühne at Red Rocks, nahe Denver, das Greek Theatre in Los Angeles oder die Carnegie Hall in New York, zeigen seine Wertschätzung für schöne Locations und die persönliche Begeisterung für seine Gitarrenhelden, sieht man seinem Bühnenauftritt in Greenwich bei jedem Song an.

Joe Bonamassas „Explosion-Event“ und seine Rückbesinnung auf die Größen der englischen Blues-Rock-Zeit stehen damit ganz vorne in der Reihe vergleichbarer Produktionen, wie z.B. „The Blues“, der Dokumentation von Martin Scorsese oder auch den „Crossroads Guitar Festivals“ von Eric Clapton.

Mascot Label Group (2018)
Stil: Blues Rock

CD:

Disc 1:
01. Beck’s Bolero / Rice Pudding
02. Mainline Florida
03. Boogie With Stu
04. Let Me Love You Baby
05. Plyth (Water Down The Drain)
06. Spanish Boots
07. Double Crossing Time
08. Motherless

Disc 2:
01. SWLABR
02. Tea For One / I Can’t Quit You Baby
03. Little Girl
04. Pretending
05. Black Winter / Django
06. How Many More Times

DVD:

Disc 1:
01. British Blues Explosion (Intro)
02. Beck’s Bolero / Rice Pudding
03. Mainline Florida
04. Boogie With Stu
05. Let Me Love You Baby
06. Plyth (Water Down The Drain)
07. Spanish Boots
08. Double Crossing Time
09. Motherless
10. SWLABR
11. Tea For One / I Can’t Quit You Baby
12. Little Girl
13. Pretending
14. Black Winter / Django
15. How Many More Times
16. Credits

Disc 2:
01. Joe Bonamassa – Live At The Cavern Club
02. Taxman – Tribute To The Beatles
03. Fan Footage Of Joe Receiving A “Brick In The Wall” At The Cavern Club
04. Photo Gallery – British Blues Explosion Live UK Tour

Joe Bonamassa
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H(e)art And King – We Ain’t The Two – CD-Review

vierter_entwurf

Grund zur Freude bei der Southern Rock-Fraktion! Mit H(e)art And King gibt es ein neues, allerdings schon länger hinter ‚verschlossenen Türen‘ währendes, hochinteressantes Projekt, das man in solch einer Konstellation vermutlich nie erwartet hätte. Hinter dem Namen verbergen sich nämlich keine geringeren Künstler als Beth Hart und der ehemalige Lynyrd Skynyrd-Gitarrist Ed King.

Die umtriebige Beth Hart, die nicht nur als Solo-Interpretin, sondern ja auch erst vor kurzem wieder durch ihre  bereits etablierte Zusammenarbeit mit Joe Bonamassa auf „Black Coffee“ Aufsehen erregte, hat, laut eigener Aussage mittlerweile alles besungen, was stilistisch möglich ist, lediglich mit der Southern Rock-Sparte, hatte sie bisher nie richtige Berührungspunkte gehabt.

Da erinnerte sie sich an ihre Bekanntschaft mit Ed King, mit dem sie vor Jahren mal auf einen der berühmt-berüchtigten sonntäglichen Barbecue-Parties von Billy Powell, bei der sie mit Joe als Gast geladen war, ins Gespräch gekommen war. „Mein Gott ging es zu später Stunde da hoch her, Musiker müssen in der Regel Montags Morgens ja nicht früh raus“, erinnert sie sich. „Ich weiß noch wie Billies betrunkener Schwager, Lady Gaga, die ebenfalls in ihrem berühmten Fleischkostüm zugegen war, auf den Grill schmeißen wollte, was ihre Bodyguards aber in letzter Sekunde noch zu verhindern wussten. Dank dieses Abends kam mir übrigens auch später die Idee zu „Sunday Night Special“.

Ich besuchte dann vor einiger Zeit Ed ganz unverbindlich in Nashville, Tennessee bei seiner Frau und seinen Hunden und fragte, ob er nicht mal Lust auf ein gemeinsames Projekt hätte.“ King, mittlerweile bekanntlich von einer Herztransplantation gut erholt, zeigte sich sowohl überrascht, als auch absolut begeistert.

„Ed sagte mir, dass er sich eh in einem ständigen Songwriting-Prozess befinde, seit man ihm die Wiederaufnahme ins Skynyrd-Line-up 2006 verweigert hatte, und einige seiner seither geschriebenen Tracks auch ganz gut passen könnten. Aufgrund unserer beider Namen schoss dem passionierten Skatspieler sofort ‚King Of Hearts‘ heraus, wir konnten uns aber mit dem Rechteinhaber Bruce Gaitsch leider nicht einigen, da er sein ehemaliges Westcoast-Band-Projekt in diesem Jahr auch wiederbeleben möchte. So kam es am Ende dann schlicht zu ‚H(e)art And King‘.

Wir trafen uns immer wieder sporadisch in Nashville zu gemeinsamen Songwriting-Sessions und loteten anhand unserer reichhaltigen Kontakte aus, was in Sachen eines gemeinsamen Albums machbar ist“, so Beth gegenüber Sounds Of South.

„Nach und nach nahm die Sache immer konkretere Formen an, letztendlich hatten wir zwölf fantastische Songs im Köcher. Ed hatte Al Kooper als Produzent begeistern können, über Joe und Tom Hambridge, hatten wir Zugang zu den berühmten Blackbird Studios und mit Musikern wie Shannon Forrest, Tom Bukovac, Kenny Greenberg, Dan Dugmore, Ilya Toshinsky, Reese Wynans, Michael Rhodes, Bekka Bramlett und Mahalia Barnes ein unglaubliches Team für die Einspielung zur Seite stehen. Vielen Dank dafür nochmals an Tom.“

Auch wir können bestätigen, dass sich diese Kooperation voll und ganz gelohnt hat. Toller Southern Rock Kingscher, Stratocaster-lastiger Prägung, garniert mit Beth Harts unglaublicher Röhre – das hat schon was. Auch Ed King weiß übrigens am Mikro zu überzeugen, klasse sein Duett mit Beth bei „All I Couldn’t Do Was To Sing About It“.

Selbst textlich wissen Stücke wie „The Shuttle And The Moon“ (Kritik an der Kommerzialisierung der Raumfahrt) oder “I Never Streamed“ (Hinterfragung des heutigen medialen Konsumverhaltens) den Hörer zum Nachdenken anzuregen. Bei „Mississippi Gal“ bedient Ed wie einst zu Anfangszeiten bei Skynyrd den Bass, Joe Bonamassa ist als Gast an der E-Gitarre zugegen und Ilya Toshinsy bezaubert mit grandiosen Banjo- und Mandolinenklängen. Eines der vielen Highlights! Als einziges Coverstück hat Eds mitgeschriebenes berühmtes Paradelied „Sweet Home Alabama“, im Gott-weiß-wievielten Aufguss, immerhin seinen Reiz, dass es erstmalig durch eine Frau gesungen wird.

Unser Sounds Of South-Fazit lautet: Insgesamt ist das Debüt von H(e)art And King, alias Beth Hart und Ed King, ein starkes und äußerst gelungenes Werk zweier arrivierter Künstler, die ihr musikalisches Herz immer noch auf dem rechten Fleck tragen. Tolle Southern Rock-Platte mit allen Finessen, Nachschlag gerne erwünscht!

Erwähnenswert zudem, dass uns in Zusammenarbeit mit Netkonfekt Promotion zehn signierte Exemplare zur Verfügung gestellt wurden, die wir gerne an unsere Leser weiterreichen möchten. Voraussetzung ist unsere Facebook-Seite im linken Block ‚geliket‘ und eine Begründung im Kommentarfeld unter dem Artikel verfasst zu haben, warum du als Auserwählter für die Scheibe prädestiniert bist. Die zehn originellsten Anmerkungen werden dann umgehend mit der Scheibe belohnt.

Maskot Records/EnVogue (2018)
Stil: Southern Rock

01. We Ain’t The Two
02. Innocent And Peppermint
03. Railroad Music
04. I Don’t Need You
05. The Shuttle And The Moon
06. Sweet Home Alabama
07. I Never Streamed
08. Swamp Song
09. Rock’n’Roll And Whiskey
10. Mississippi Gal
11. All I Couldn’t Do Was To Sing About It
12. Sunday Night Special

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Joe Bonamassa – 28.03.2018, Lanxess Arena, Köln – Konzertbericht

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Was ist wohl in den Köpfen der beeindruckten Besucher beim Verlassen der nicht ganz ausverkauften, aber überaus gut gefüllten Kölner Lanxess-Arena nach dem großartigen Joe Bonamassa-Konzert umhergeschwirrt, fragte ich mich ganz spontan? Mein erster Gedanke war, was der Typ, sofern er noch lebt, der es Mitte der Sechziger Jahre, mit dem Spruch ‚Clapton Is God‘ in einer U-Bahn-Station im Londoner Stadtteil Islington, zu stiller Berühmtheit schaffte, wohl nach diesem Erlebnis für die Sinnesorgane, auf den Gemäuern der Domstadt zurückgelassen hätte.

Aber nach der Reihe: Pünktlich um 20:00 Uhr gingen die Lichter in der Arena kurz komplett aus und mit der Einspielung eines B.B. King-Stückes (die Alt-Blues-Experten mögen mich teeren und federn, falls es nicht so war),  wurden die Weichen für zwei außerordentlich starke Stunden der hohen zeitgenössischen Blues Rock-Schule gestellt.

Der Protagonist und seine hochkarätigen Begleitmusiker (laut O-Ton Bonamassas bei der Vorstellung vor „Slow Train“ mit die besten dieses Planeten), Michael Rhodes, Reese Wynans, Anton Fig, die Bläser-Sektion mit Lee Thornburg und Paulie Cerra, sowie die beiden agilen Backgroundsängerinnen Jade MacRae und Juanita Tippins, setzten mit „King Bee Shaketown“ als Opener, „Evil Mama“ und dem starken „Just Cause You Can“ zunächst auf neueren Stoff.

Hier muss ich direkt den wunderbar transparenten Sound (jeder der Beteiligten war perfekt zu hören) und die tolle Lighttshow in der Halle loben, die eigentlich nur durch ein paar Scheinwerfereffekte und einen, sich im Farbenspiel stetig verändernden Vorhang hinter der Bühne, stilvolle Eleganz verbreitete.

Joe, mittlerweile auch zu einem richtig starken Sänger herangereift, konzentrierte sein fulminantes Spiel auf insgesamt vier verschiedene Gitarrenmodelle, wobei die Gibson Les Paul den Schwerpunkt des Abends bildete. Nashville-Urgestein Reese Wynans, vor kurzem noch für seine Beteiligung bei Stevie Ray Vaughan in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen, präsentierte sprichwörtlich die gesamte Klaviatur seines Tastenkönnens.

Michael Rhodes wechselte auch oft das Arbeitsgerät und pumpte routiniert seinen Tieftöner-Part, während Anton Fig  in bewährt guter Manier trommelte. In der Bläser-Gilde hatte diesmal Paulie Cerra gegenüber Lee Thornburg etwas Übergewicht. Er hatte deutlich mehr Solo-Pluster-Parts und durfte beim bärenstarken „Slow Train“, ebenso wie zuvor die beiden Background-Röhren Mac Rae und Tippins, mal die Lead vocals übernehmen.

Als meine Favoriten des Abends entpuppten sich das balladeske „How Deep This River Runs“, das melodische „Mainline Florida“ (mit schönem Southern Rock-E-Solo) und die komplette Schlussphase mit den Tracks „Driving Toward The Daylight“, dem furiosen „Boogie With Stu“ (Wynans mit HT-Geklimper), das poltrig shuffelnde „Last Kiss“ und das zur reinen Männersache erklärte, fett rockende „How Many More Times“ (Joe, Michael, Reese und Anton im Quartett, die Sängerinnen und Bläser hatten die Bühne verlassen) zum Abschluss des Hauptteils.

Das krönende Finale gab es mit der atmosphärischen, unter die Haut gehenden Killerballade „Sloe Gin“, bei der Joe nochmals ein majestätisches E-Gitarren-Solo auf seiner Paula abließ. Einfach herrlich! Nach exakt zwei Stunden war dann Schicht.

Um aber nochmal zum Anfang zurückzukehren. Da Gernot keine Sprühdose im Auto hatte, das nass-kalte Sauwetter und die wenig aufmerksamkeitsträchtige Gegend, in der wir geparkt hatten, nicht dazu animierte, sich ebenfalls in irgendeiner Form zu verewigen, nutze ich für mein Statement lieber bequemer Weise dieses Magazin, da ja vermutlich auch ein paar Leutchen den Artikel lesen und gegebenenfalls, verbreiten werden.

Als jemand, der als bekennender Atheist, es nicht so mit dem Allmächtigen hat und auch mit Superlativen in Bezug zu Menschen eher sorgsam agiert, halte ich nach dieser starken Leistung ein ‚Bonamassa Is Good‘ für eine, im Sinne der Sache, vielleicht nicht ganz so dick auftragende, aber dafür umso ‚weltlichere‘ Würdigung…

Vielen Dank an Mark Dehler von Netinfect Promotion, der uns dieses tolle Ereignis ermöglicht hat!

Line-up:
Joe Bonamassa (lead vocals, electric guitar)
Michael Rhodes (bass)
Reese Wynans (keys)
Anton Fig (drums)
Juanita Tippins (vocals)
Jade MacRae (vocals)
Lee Thornburg (trumpet)
Paulie Cerra (sax, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Joe Bonamassa
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Beth Hart & Joe Bonamassa – Black Coffee – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Schwarzer Kaffee ist sicherlich nicht das typische Getränk, das man mit Rockmusik in Verbindung bringt. Vom Geschmack her sehr kraftvoll, kann schwarzer Kaffee gleichzeitig mit seinem unverfälschten Aroma überzeugen. Nein, das hier soll kein Bericht über eine Kaffeeverköstigung werden, aber das neue Album von Beth Hart und Joe Bonamassa, „Black Coffee“, wird mit diesen Attributen vortrefflich beschrieben: kraftvoll und unverfälscht.

Wenn der Scheinwerfer auf Joe Bonamassa gerichtet wird, sind Superlativen unvermeidbar. Das Wort „Gitarrenikone“ fällt in diesem Zusammenhang und seine Konzerte werden als „Guitar Event of the Year“ angekündigt. Seit den letzten Jahren hat er den Status als unangefochtene Zugspitze des jungen, modernen Bluesrock inne. Von daher ist eine Albumveröffentlichung des US-Amerikaners ein künstlerisches Großereignis.

Aber es steht halt nicht nur Joe Bonamassa auf dem Cover, sondern auch wieder Beth Hart. Die schrille und extravagante Bluesrockerin singt bereits zum dritten Mal an seiner Seite. Zwei Studioalben „Seesaw“ (2013) und „Don’t Explain“ (2011) und ein furioses Livealbum aus Amsterdam (2014) haben beide bereits zusammen aufgenommen. Auf „Black Coffee“ setzen sie Bewährtes gut fort. Zum einen wieder mit Kevin Shirley (u.a. Led Zeppelin, Iron Maiden, Aerosmith, Black Crowes) als Produzenten, der sich im Hard- und Bluesrock-Genre wohl fühlt. Zum anderen mit alten und neuen musikalischen Schätzen, die sie sich unnachgiebig und explosiv einverleiben.

Der kraftvolle Hard Rock Opener „Give It Everything You Got“ besticht mit voluminösem Sound, Joes ausgiebigem Solo und schönen Bläsersätzen. Auf „Damn Your Eyes“ glänzt Reese Wynans mit feiner Keyboarduntermalung. Den Titelsong „Black Coffee“, ein Ike und Tina Turner Cover, begleitet ein charismatischer Background Gesang in Motown Soul-Manier. Das langsame soul-jazzige „Lullaby Of Leaves“ beginnt sehr eintönig, rettet sich dann aber doch noch furios, mit einem 2-minütigen Gitarrensolo.

Eher swing-jazzige Töne gibt es auf Joe McCoys „Why Don’t You Do It Right“ von 1941 zu hören. Die 45-järige Beth Hart singt darauf rotzig und frech, erinnert dabei ein wenig an Amy Winehouse und man sieht sie schon förmlich vor sich mit dem Zeigefinger mahnend „„Why Don’t You Do It Right“, so intensiv kommt ihre Stimme rüber. „Saved“ ist eine schmissige Rhythm & Blues Nummer: mitreißend und tanzbar! „Sitting On Top Of The World“, ein typischer Blues-Rocker mit erneuter Bläseruntermalung, wurde bereits von Blues Größen wie Howlin‘ Wolf, B.B. King, Cream und Grateful Dead eingespielt. Dennoch schaffen es Beth und Joe dem Track, durch diese Big Band-Version wieder ihren unnachahmlichen Stil zu geben.

Das Album lebt von der guten und abwechslungsreichen Auswahl wunderschöner Songwriting-Perlen. Hart und Bonamassa verpassen den Songs dabei einen markanten und unverwechselbaren Sound. Die Arrangements überzeugen auf ganzer Linie und die fantastischen Gitarrenpassagen kommen anziehend intensiv zur Geltung. Kevin Shirley hat aus den gerade mal 5-Tage-Aufnahmesessions eine perfekt ausbalancierte Produktion abgeliefert. Da alle Songs mehr oder weniger live im Studio eingespielt wurden, kommt die Unverfälschtheit und nahbare Spontanität sehr gut zum Ausdruck.

„Joy, joy, joy“ ruft Beth Hart auf dem nächsten Track, der mit seinem unwiderstehlich stampfenden Rhythmus fesselt. Freude kommt bei diesem Album definitiv auf! Das abschließende „Addicted“ passt auf den ersten Blick nicht so recht auf die Liste zwischen 40-60er Jahre Blues, Soul und Jazz Nummern. Dem im Original Trip Hop Lied des österreichischen Elektrotrios Waldeck von 2007, drücken Joe und Beth aber ihren ganz eigenen hippen, musikalischen Stempel auf. „Addicted“ als abschließender Song, passt sehr gut, denn am Ende dieses Albums ist man wortwörtlich tatsächlich „Addicted“. Bitte zurücklehnen, unbedingt laut aufdrehen und genießen, gerne auch bei einem „Black Coffee“.

Mascot Label Group (2018)
Stil: Blues Rock

01. Give It Everything You Got
02. Damn Your Eyes
03. Black Coffee
04. Lullaby Of The Leaves
05. Why Don’t You Do Right
06. Saved
07. Sitting On Top Of The World
08. Joy
09. Soul On Fire
10. Addicted

Beth Hart & Joe Bonamassa
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Black Country Communion – BCCIV – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Hardrock Fans, Headbanger und Liebhaber des gepflegten 70’ger Jahre Bombastrocks aufgepasst: Black Country Communion is back! Seit ihrer Gründung in 2009 hatten die Hardrocker um Glenn Hughes (Deep Purple, Trapeze) bis zu ihrer Trennung in 2013 drei Alben veröffentlicht. Und nun 4 Jahre später sind Sie wieder auf Betreiben von Joe Bonamassa in Originalbesetzung ins Studio gegangen, um ihre neue Scheibe „BCCIV“ einzuspielen. Produziert wurde das Teil wieder von Kevin Shirley, der auch die drei Vorgängeralben der Band auf den Weg gebracht hatte und schon für Hits von Led Zeppelin, Iron Maiden, Aerosmith und Journey verantwortlich war.

Seit der Ankündigung in 2016 über eine geplante Reunion der Band warten die Fans gespannt auf ein neues Album der vier Hardrocker. Und jetzt im September 2017 ist es endlich soweit. Das, was die Mannen um Glenn Hughes (Blueser Joe Bonamassa; Jason Bonham, Sohn des legendären Led Zeppelin-Drummers John Bonham; Keyboarder Derek Sherinian) nun abliefern, ist purer Hardrock allerfeinster Qualität.

Das Album ist der lebende Beweis dafür, dass der 70’ger Classic-Rock noch lange nicht tot ist und auch im 21. Jahrhundert seine Daseinsberechtigung hat. Die Tracks auf dem Album sind daher gewohnt hart, teils auch melodiös oder einfach nur bombastisch. Hinzu kommt Glenn Hughes charakteristische Stimme, die mitunter an Stimmlage und Intonation von Robert Plant erinnert. So zu hören auf „Collide“ dessen Mittelteil bezeichnenderweise auch Anleihen von Led Zeps Song „Black Dog“ aufweist.

Andere Songs mit härterer Gangart sind „Sway‘“, ein waschechtes, bombastisches 70’ger Jahre Hardrockstück oder auch das etwas hektische, an den Titelsong „Black Country“ von BCC’s Debütalbum erinnernde „The Crow“ mit treibenden Riffs und einer wilden Synthezisereinlage im Mittelteil.

Einen schönen Kontrapunkt zu den härteren Stücken bildet „The Last Song For My Resting Place“, ein zu Beginn und Ende ruhiger Song mit dramatischem Mittelteil, zu dem Glenn Hughes von Wallace Hartley (dem bis zum bitteren Ende spielenden Geiger und Bandleader der Titanic-Kapelle) inspiriert wurde, mit Gesang und einem feinen von einer Geige begleiteten Mandolinenintro gespielt von Joe Bonamassa.

Auch das groovige „Over My Head“ kommt mit seinen kurzen choralen Einlagen recht melodiös daher und ist von allen Songs dieses Albums am ehesten radiotauglich.

Bereits seit Jahren engagiert sich Glenn Hughes in einem Projekt zum Schutz und zur Rettung von Delfinen. In dem Song „The Cove“ thematisiert er das sinnlose Abschlachten dieser großartigen Tiere durch japanische Fischer. Entsprechend bedächtig und düster ist dieses basslastige Stück.

„Wanderlust“ startet sehr harmonisch mit einem eingängigen Rhythmus und steigert sich dann im weiteren Verlauf mit Bonamassas flirrendem Gitarrenspiel und dem von Sherinian eindringlich gespielten Piano zu einem epischen Rocksong mit harten Riffs gegen Ende. Auch der Song „Love Remains“, ein Stück das Hughes seinen Eltern gewidmet hat, ist ähnlich angelegt, wenn auch mit härterem Einstieg und sanfterem Ende. Den Abschluss des Werks bildet dann das für BCC-Verhältnisse ruhige und während der Gesangspassagen zum Träumen anregende „When The Morning Comes“.

Insgesamt entspricht das Album stilistisch, wie nicht anders zu erwarten, den ersten drei Vorgängern von BCC. Dennoch ist es bei weitem kein Aufguss bewährter Riffs. Es ist stärker, reifer und kraftvoller, die musikalischen Feinheiten wollen aber entdeckt werden. Dafür gefällt es beim wiederholten Hören von mal zu mal besser. Für alle Fans von BCC und Liebhaber des gepflegten Bombast-Hardrocks ist die Scheibe sicherlich ein Must-Have. Und vielleicht finden sogar auch die Ohren des einen oder anderen ‚Normalhörers‘ Gefallen an dem Werk.

Line-Up:
Glenn Hughes – Vocals, Bass
Joe Bonamassa – Gitarre, Vocals
Jason Bonham – Drums
Derek Sherinian – Keyboards

Provogue – Mascot Label Group – (2017)
Stil: Hard Rock

01. Collide
02. Over My Head
03. The Last Song For My Resting Place
04. Sway
05. The Cove
06. The Crow
07. Wanderlust
08. Love Remains
09. Awake
10. When The Morning Comes

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Joe Bonamassa – Live At Carnegie Hall – An Acoustic Evening – CD-/DVD-Review

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Es scheint so ein bisschen, als ob Joe Bonamassa hier in Sounds Of South in der Sparte ‚DVD des Jahres‘ den Spitzenplatz im Dauerabonnement belegen möchte. Auch in diesem Jahr bringt er mit seinem opulenten Doppel-CD-/Doppel-DVD-Werk „Live At Carnegie Hall – An Acoustic Evening“ ein absolut fantastisches Paket auf den Markt, an dem man als Musikgenießer nicht vorbei kommt.

Wie schon bei seinen Auftritten im beeindruckenden Greek Theatre in Los Angeles, ist man auch hier vom visuellen als auch klangtechnischen Erlebnis im historischen Manhattener Konzerthaus zutiefst beeindruckt, das wie gewohnt vom Team Kevin Shirley und Roy Wiseman nahezu mit Perfektion in Szene gesetzt wurde.

Der gute Smokin‘ Joe präsentiert diesmal ein schönen Reigen ausgewählter Stücke im akustischen Gewand. Auf der mit viel Liebe zum Detail angerichteten Bühne, begleiten ihn mit Leuten wie Keyboard-Legende Reese Wynans am Pianoflügel, Drummer Anton Fig und den Backgroundsängerinnen Juanita Tippins (mit wunderschönem ozeanischen Blumengeflecht im Haar), Mahalia Barnes (dezent Geisha-mäßig), bereits bekannte Gesichter.

Frisches und alternatives Blut wurde mit dem erfahrenen Perkussionisten Hossam Ramzy (Peter Gabriel), dem im Stile eines indischen Maharadschas bekleideten Sänger Gary Pinto, dem Multi-Instrumentalisten von den Hooters, Eric Bazilian (Dobro, Banjo, Flöte, Mandolinen, Saxofon) und dem nicht nur orientalischen Blickfang am Cello und der Erhu, Tina Guo aus Shanghai (mittlerweile aber in Los Angeles ansässig), ins Bandgefüge integriert.

Mit dem energiegeladenen Opener „This Train“, dem grandios atmosphärisch und folkig dargebotenen „Drive“, dem souligen „The Valley Runs Low“ und später „Livin‘ Easy“ (Bazilian mit starker Saxofon-Einlage) beinhaltet der Gig gleich vier Nummern seines letzten Studioalbum „Blues For Desperation“, die auch im akustischen Gewand überaus zu gefallen wissen. Natürlich wird auch der Backkatalog des Protagonisten reichhaltig verarbeitet.

Großartig sind das stampfende „Dust Bowl“, das wunderbare „Driving Towards The Daylight“ (Bazilian mit Banjo-, Wynans mit Pianofills, herrliche Harmoniegesänge), das countryeske „Black Lung Heartache“ mit einem wild slidenden Bonamassa oder auch das rhythmische „Get Back My Tomorrow“ (Publikum klatscht mit, Pinto mit Gesangseinlagen).

Ein Höhepunkt von vielen ist sicher auch das bluesig-gospelige „How Can A Poor Man Stand Such Times And Live?“, bei dem auch Tippins und Barnes ihre Solo-Parts bekommen und eines seiner Paradestücke „Song Of Yesterday“ in einer über neun-minütigen, packenden Fassung.

Center-Stück dieses Live-Werkes ist jedoch „Woke Up Dreaming“, das in den Bonus-Features nochmals in einer weiteren Version vom 2. Spielabend präsent ist. Das Stück brachte Joe, laut dem Bonus-Interview auf der zweiten DVD, bei dem auch alle anderen Musiker reichhaltig zu Worte kommen, an den Rande seiner technischen Fingerfertigkeiten. Und in der Tat liefert er sich hier mit der wüst am Cello schreddernden Tina Guo ein atemberaubendes Spielduell.

Die Klassiker „Hummingbird“ (Leon Russell, Joe Cocker, B.B. King) und „The Rose“ (Bette Middler) beenden ein zutiefst beeindruckendes Konzert. Komplettiert wird dieses tolle Doppel-CD-/DVD-Package durch eine starke Bildergalerie von Christie Goodman.

Nach „Live At The Greek Theatre“ liefert Joe Bonamassa mit „Live At Carnegie Hall – An Acoustic Evening“ einen weiteren audio-visuellen Hochgenuss ab, der in allen Belangen überzeugt und mitnimmt. Da heißt es einfach nur gemütlich ab aufs Sofa und sich von diesen großartigen Musikern akustisch-bluesig und auch ein wenig orientalisch in herrlichem Ambiente berauschen zu lassen!

Mascot Label Group (2017)
Stil: Acoustic Blues Rock & More

DVD1:
01. Cold Streets (Intro)
02. This Train
03. Drive
04. The Valley Runs Low
05. Dust Bowl
06. Driving Towards The Daylight
07. Black Lung Heartache
08. Blue And Evil
09. Livin‘ Easy
10. Get Back My Tomorrow
11. Mountain Time
12. How Can A Poor Man Stand Such Times And Live?
13. Song Of Yesterday
14. Woke Up Dreaming
15. Hummingbird
16. The Rose
17. Cold Streets (Credits)

DVD2:
01. Behind The Scenes
02. Woke Up Dreaming (Second Night)
03. Photo Gallery

Joe Bonamassa
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