Vanja Sky – 19.09.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

An einem schönen Spätsommernachmittag besuchte Vanja Sky mit ihrer Band den Schlachtgarten. Kurz vor 17 Uhr kündigte Pille Peelings von der Kulturrampe die mittlerweile in Hamburg lebende Kroatin an und unter dem Applaus der etwa 70 Besucher betrat die Band die Bühne, und es sollte ein Konzert folgen, das einige Überraschungen parat haben sollte.

Ein Blickfang war natürlich die junge Kroatin mit ihrer langen blonden Mähne, gekleidet mit einer Gepardenhose, kniehohen Stiefeln und einem fast bis zum Boden reichenden schwarzen Mantel sowie einer trendigen Sonnenbrille im ersten Set.

Im Mittelpunkt der Setlist stand ganz klar das 2020 erschienene Werk „Woman Named Trouble“. Passend leitete der erste Song des Albums „Rock’n’Roll Train“ das Konzert ein, in den die Besucher sprichwörtlich von Anfang an einstiegen. Vanja und Band spielten in den zwei etwa 45-minütigen Sets fast das komplette aktuelle Album.

Schon bei der Ansage des folgenden „All Night“ vom Debutalbum „Bad Penny“ hatte eine bestens aufgelegte Vanja mit ihrem natürlichen Charme die Zuschauer eingefangen und schnell nutzten einige die Möglichkeit, im nicht bestuhlten Bereich vor der Bühne entsprechend eines Rockkonzerts mitzugehen. Im Vergleich zum letzten Konzert in 2019, das ich besucht hatte, präsentierte sich das Quartett noch homogener und gefestigter.

Die Basis für den wieder einmal bestens abgemischten Sound im Schlachtgarten legten Drummer Hanser Schüler, der auch am längsten mit Vanja Sky zusammen spielt und Bassist Artjon Feldtser, mit ihrem, je nach Bedarf, druckvollen oder aber auch dezenten zurückhaltenden Spiel.

Zudem unterstützte Feldtster die stimmlich bestens aufgelegte Vanja Sky bei den Backing Vocals und nutze die Pausen zwischen den Songs, um einmal als Intro die Melodie von „Eleanor Rigby“ einzuspielen oder vor den Zugaben erst mal den Platz vom Drummerkollegen Schüler zu blockieren. Im Vordergrund stand neben Sky Robert Wendt, der die Besucher ein ums andere Mal mit seinen Soli, auch in bester Southern Rock Manier, begeisterte.

Vanja Sky selbst hat auch einen großen Schritt gemacht. Vokal hat sie sich weiterentwickelt, was sich auch in Songs zeigt, wo sie die Gitarre beiseite legt und sich ganz auf ihre Stimme verlässt.

Im ersten Set waren die Highlights das southernrockende „Hard Times“ und der starke Bluessong „Crossroads Of Life“, wo Sky scheinbar richtig abgebogen zu sein scheint. Als letzten Song im ersten Set spielte die Band eine beeindruckende Version von „To Love Somebody“, wo vor allem das Zusammenspiel von Wendts Gitarre und Skys Stimme die Zuschauer gefiel.

Ihre Liebe zu den Fans zeigte Sky, als sie während des Songs die Bühne verließ und als Geschenke verpackte Lollys an alle Zuschauer verteilte. Mit diesem musikalischen, wie auch menschlichen Highlight wurde der erste Set beendet.

Nach etwa 20 Minuten Pause nahm die Band auf Hockern Platz und es folgte eine mutige Nummer. Rory Gallaghers „Shadow Play“ wurde als Akustiksong gespielt und es zeigte sich, dass dieser eigentlich fast schon hardrockende Kracher auch in dieser ruhigen Spielform seine Klasse hat.

So verleitete das Stück mit dem filigranen Gitarrenspiel Wendts und der harmonischen Stimme Skys die Besucher zum Träumen und mehrfach schienen die Musiker gen Himmel zu schauen, was wohl Rory zu dieser Variante sagen würde. Kaum war der letzte Ton verstummt, nutzte Bassist Artjon Feldtser die Chance, das Wort zu ergreifen.

Er schilderte, was das für ein besonderer Tag ist, da dies auch Vanjas Geburtstag sei. Das animierte die Zuschauer stimmgewaltig mit „Happy Birthday“ zu gratulieren, was, wenn ich es richtig gesehen habe, für Tränen der Rührung bei Sky sorgte.

Als Dankeschön folgte dann ein tolles Akustikcover der Black Crowes-Nummer „Girl From A Pawn Shop“. Danach wurden die Hocker auf Seite gestellt, Sky fragte eher rhetorisch, ob das begeisterte Publikum jetzt Lust auf Rock’n’Roll hat und mit „Devil Woman“, „Voodoo Mama“ und „Lets Go Wild“ wurde es auch wild, bis der Peter Green-Klassiker „Oh Well“ bluesig einen der Highlights einläutete.

Eine Version von „Simple Man“, welche sich nicht vor dem Original zu verstecken braucht, zeigte eindrucksvoll die Extraklasse eines Robert Wendt an der Gitarre, aber auch die Stimmgewalt der jungen Kroatin. Das Ende des Sets war die Erinnerung den Rock’n’Roll nicht zu vergessen mit dem gleichnamigen Titel auf Englisch, wo sich die Band noch einmal regelrecht austobte.

Kaum hatte die Band die Bühne verlassen, setzten lautstarke Zugabeforderungen ein und es folgte noch ein rockiges „I Don`t Need No Doctor“ und „Call Me If You Need Me“ und begeisternde knapp 100 Minuten lagen hinter der Band und den Besuchern.

Nach dem Konzert nahmen sich alle Musiker auch noch die Zeit zum Plausch mit den Zuschauern und so fand ein tolles Geburtstagskonzert einen schönen Abschluss. In der Form ist von Vanja Sky und ihrer Band noch einiges und nicht nur für die eingefleischten Bluesfans zu erwarten. Vanja Rocks!

Line Up:
Vanja Sky – Lead vocals, electric guitar, slide guitar
Robert Wendt – Electric guitar, slide guitar
Artjom Feldtser – Bass, vocals
Hans Jakob Schüler – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Kulturrampe, Krefeld
Schlachtgarten, Krefeld

12-4-2 – 26.08.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

Nach einigen erfolgreichen Konzerten im letzten Jahr ging das von Martin Engelien ins Leben gerufene Projekt 12-4-2 nun weiter. Die zwölf Gitarrenseiten wurden wie zuvor von Ben Granfelt und Thomas Blug bedient, der Viersaiter, wie gewohnt, vom Meister selbst, nur die zwei Drumsticks wechselten in die Hände von Mel Gaynor, der schon bei den Simple Minds aktiv war.

Pünktlich nachdem die Regenschauer sich weiter Richtung Süden verzogen hatten, kündigte Pille Peerlings die Band an und unter dem Applaus von etwa 90 Besuchern, die trotz der unsicheren Wetterlage den Weg zum Schlachtgarten gefunden hatten, betrat die Band im wieder schön illuminierten Gelände die Bühne.

Schon beim einleitenden Instrumental „One Earth“ zeigte die Band, welch exzellente Musiker auf der Bühne stehen. Granfelt und Blug schmissen sich ähnlich wie bei Wishbone Ash, wo Granfelt auch einige Jahre spielte, fast synchron twinguitarmäßig, die Melodien zu und die Rhythmusfraktion sorgte für eine volle, energiegeladene Grundlage und glänzte zuweilen auch mit starken Soloeinlagen. Es folgte eine bunte Mischung aus Songs, meist aus der Feder Granfelts und Blugs, welche mit einigen Coversongs gespickt waren, die es in sich hatten.

Nach dem Intro kündigte Granfelt mit einem Augenzwinkern den ersten eigenen Song an und es folgte eine starke Version des Gerry Rafferty Klassikers „Baker Street“ wo das Saxophon gar nicht vermisst wurde, da Granfelt und Blug an den Gitarren dies durch krachende Soli ersetzten.

Danach zeigte der von Granfelt als bester deutscher Gitarrist auf der Bühne vorgestellte Thomas Blug, bei „My House Is Green“, dass er ein genau so feines Händchen im Songwriting wie an den Gitarrensaiten hat. Dass der Song instrumental war, fiel gar nicht großartig auf, da man zuweilen das Gefühl hatte, die beiden Gitarristen würden ihr Instrumente singen lassen.

Beim folgenden „Breathe“ zeigte ein stimmlich bestens aufgelegter Granfelt, dass er mit Sicherheit zu der Topgarde der Gitarristen zählt, wobei er hier auch von Blug unterstützt wurde und die zweistimmigen Gitarren dem Song ein ganz neues Flair gaben. Nahtlos reihte sich das psychedelisch angehauchte Instrumental „Melodic Relief“ von Granfelts letzter Platte an, welches mit einigen jammenden Passagen aufwartete, wo alle Musiker ihr Können zeigen konnten.

Das verträumte „Faith, Hope & Love“ mag manchem als Wisbone Ash-Cover vorgekommen sein, es stammte aber aus Granfelts Zeit bei der Band und aus seiner Feder. Stark war hier, wie sich Granfelt und Blug perfekt ergänzten und für Begeisterung bei den Besuchern sorgte.

Zum Ende des Sets kam dann ein furioser Auftritt vom Drummer Mel Gaynor. Eine deftig rockende Version von „Superstition“, mit treibenden Drumbeats wurde von ihm passend dynamisch gesungen.

Nach einer kurzen Pause ging es dann mit „Freeway Jam“ und „Victorious“ weiter. Bei der Anmoderation seines Songs „Hey Stranger“ sorgte Ben Granfelt mit einer Freudschen Fehlleistung für Applaus. Er schilderte Situationen, wenn er auf Tourneen durch Städte geht, in Cafes sitzt, z. B. auch in Krefeld und man mit Fremden ins Gespräch kommt und sich vorstellt und er sich dann als Ben Krefeld benannte, was Engelien später bei der Vorstellung von ihm noch einmal unter dem Applaus der Besucher später aufnahm.

Das folgende „I Won’t Forget“ von Blug war eine passende Einleitung für „My Soul To You“ von der gleichnamigen Scheibe von Granfelt, wo er die Gitarre im Stile eines Mark Knopflers erklingen ließ. Zum Ende des zweiten Sets folgten Blugs „Whitching Hour“ und das fulminante „Almighty Blues“, angekündigt als ein Stück, das so 20 – 25 Minuten dauert. Warum die Zeitangabe von Bedeutung für Pille Peerlings und Kolja Amend von Bedeutung war, wusste zu diesem Zeitpunkt niemand.

Ein Solo der vier Musiker jagte das nächste und man hatte den Eindruck sie würden sich in einen regelrechten Rausch spielen, was für Standing Ovations sorgte. Unter lautstarken Zugabeforderungen verließ die Band die Bühne und wurde von Peerlings und Amend in Empfang genommen.

Was kaum einer bemerkt hatte, der Schlachtgarten bekam Besuch vom Ordnungsamt, das eine Beschwerde eines besorgten Krefelder Bürgers erhalten hatte, die zeigte, dass es neben Corona noch andere, vielleicht viel schlimmere und nachhaltigere Probleme für die Kultur unter freiem Himmel gibt: Nämlich Spaßbremsen, die um 22:30 Uhr nicht in der Lage sind, Musik von Außen zu ertragen.

Vielleicht hätte es ja auch gereicht, die Fenster zu schließen oder einfach die Glotze etwas lauter zu machen. Es gab auf jedem Fall die Auflage, dass das Konzert nach dem gerade begonnenen Song zu beenden sei. Dass danach weiter Züge über die direkt neben dem Gelände liegende Bahntrasse rumpelten, sei dabei nur am Rande erwähnt. Wegen der sehr stringenten Ansage des Ordnungsamtes machten sich die beiden Veranstalter Sorgen, da sie dachten, die 20 – 25 Minuten wären ein Scherz gewesen, aber schnell erkannten Sie, dass der Song für mehrere Jampassagen ausgelegt war.

Die Band kam dann noch einmal auf die Bühne, um sich zu verabschieden und es wurde erklärt, warum es keine weiteren Stücke gab. Trotz dieses abrupten Endes erlebten die Besucher ein ganz starkes Konzert, auch ohne das obligatorischen „Going Home“ bei Gigs mit Ben Granfelt und alle Anwesenden werden mit Sicherheit erneut dabei sein, wenn diese Musiker wieder zusammen auftreten. Dies wird dann aber vermutlich unter anderen Voraussetzungen stattfinden.

Bei den Konzerten im letzten Jahr stellten Granfelt und Blug fest, dass es richtig Spaß bereitet, gemeinsam was zu machen. Dies veranlasste Engelien zur Überlegung, Mel Gaynor an den Drums dazu zu holen und aus dem temporären Projekt eventuell eine eigenständige Band zu machen. In diesem Fall darf man sich schon jetzt auf eine absolut starke Liveband freuen.

Line-up:
Ben Granfelt (lead vocals, electric guitars)
Thomas Blug (electric guitar)
Martin Engelien (bass, bgv)
Mel Gaynor (drums, lead vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Kulturrampe, Krefeld
Schlachtgarten, Krefeld

Kai Strauss & The Electric Blues All Stars – 02.08.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

Nachholtermin des am 04. Juli ausgefallenen Konzerts. Als wenn die Veranstalter und Clubbesitzer durch die Pandemie nicht schon genug gebeutelt wären, musste der für den Termin geplante Kai Strauss & The Electric Blues All Stars-Gig dann auch noch wegen massiver Wasserschäden in Folge der sintflutartigen Regenfälle dieser Tage abgesagt werden.

Dazu fällt mir spontan der nahezu philosophisch tiefgründig anmutende Spruch von Rot-Weiss Essen-Mittelstürmer-Legende Jürgen ‚Kobra‘ Wegmann ein: „Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu…“

Mittlerweile ist der Schlachtgarten dank großen Engagements der Betreiber und Helfer in die bekannt heimelige Location zurück verwandelt, erste Konzerte haben schon wieder stattgefunden und auch der Kai Strauss-Auftritt sollte an diesem Abend jetzt realisiert werden. Immerhin spielte diesmal wenigstens das Wetter mit (auch wenn für einen Abend Anfang August recht kühl).

Zu Beginn betraten nach der Ansage von Mitveranstalter Markus ‚Pille‘ Peerlings zunächst die schick in Schwarz gekleideten Electric Blues All Stars die Bühne und spielten sich mittels eines Instrumentals in ihren Rhythmus. Hier ließ Mit-‚Alpha‘-Musiker Tommy Schneller, der sich aber im weiteren Verlauf ganz uneigennützig in den Dienst des Gesamtensembles stellte, ein erstes starkes Saxofon-Solo ab. Zum Ausklang stieß dann der Protagonist mit seiner blitzeblanken silber-weißen Stratocaster und einem End-Solo mit in den Gig ein.

Was mir direkt gut gefiel, war, dass Strauss sich insgesamt sehr kommunikativ gab und fast vor allen Stücken kleine kurze (bluestypische…) Anekdoten zum Besten gab. Das trug neben der engagierten musikalischen Gesamtleistung auch zur guten Stimmung erheblich bei.

Während seine Rhythmus-Fraktion, bestehend aus dem ultra-cool zupfenden Kevin DuVernay am Bass und Alex Lex am Schlagzeug sich konzentriert der Taktgebung widmete, hatten die drei restlichen Musiker Jens Buschenlange an der Trompete, Keyboarder Nico Dreier (bekannt auch für seine Mitwirkung bei den Bluesanovas – überwiegend mit Orgel- und punktuell mit Piano-Einlagen) und Schneller viele Gelegenheiten, ihre Solo-Künste feil zu bieten. Strauss, sich hier dann aber doch ganz als Platzhirsch zeigend, konterte im direkten Anschluss, so gut wie immer mit seinen quirligen Soli an seinem Paradegerät.

Das Kollektiv spielte im Verlauf ein zweiteiliges Set, inklusiv Tracks aus Kais eigener Feder (mit Hauptaugenmerk auf seinem aktuellen Album „In My Prime“) und diversen Stücken bekannter Blues-Ikonen, zu denen der mit fünf gewonnenen German Blues Awards dekorierte Westfale im Laufe seiner 30-jährigen Karriere eine besondere Beziehung entwickelt hat. Auch wenn sich Strauss als bekennender Fan des Texas Blues outete, und seine Stimme der von Devon Allman sehr ähnelte, stand der Haupt-Fokus doch eher auf den Bläser- und traditionell-ausgelegten Spielarten des Genres (Chicago- und Rhythm And Blues) , die man eher in den etwas nördlicheren und östlicheren Teilen der Staaten präferiert.

Die gute Stimmung im Publikum erreichte dann ihren Höhepunkt, als Strauss beim wahnsinnig starken Slowblues „Hard Life“ für’s ausgedehnte Solo ins Kiesbett vor der Bühne des Schlachtgartens wanderte, im Willie Dixon-Klassiker zu Ehren von Buddy Guys 85. Geburtstag „Let Me Love You Baby“ ein Solo mit der Gitarre hinter seinem Hintern als Showeinlage darbot und beim finalen, furios den Hauptteil abschließenden „Got To Be Some Changes Made“ (aus der Feder von Albert King), auch noch claptoneske Talente offenbarte.

Klar, dass diese letzte Klasse-Nummer den Wunsch im Publikum auslöste, lautstark nach einem Nachschlag zu verlangen. Da ließ sich das Sextett natürlich nicht lange bitten und erfüllte diesen mit einem schönen schunkeligen Instrumental , bei dem sich alle vier nochmals an ihren Instrumenten in eigener Sache ‚zeigen‘ konnten.

Insgesamt somit ein unterhaltsamer und kurzweiliger Abend im Krefelder Schlachtgarten, der eindeutig untermauerte, warum Kai Strauss in der nationalen und internationalen Bluesszene großes Renommee genießt. Ein tolle, mitnehmende und sehr sympathische Werbung für den Blues und den Schlachtgarten als erlebenswerte Live-Open-Air-Location! Vielen Dank an die Organisatoren Kolja und Pille samt Helferschaft, wobei auch der tolle Sound und die hervorragende Bühnenbeleuchtung nicht unerwähnt bleiben sollten.

Line-up:
Kai Strauss – lead vocals, electric guitar
Tommy Schneller – saxophone
Nico Dreier – keys
Jens Buschenlange – trumpet
Kevin DuVernay – bass
Alex Lex – drums

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Kai Strauss & The Electric Blues All Stars
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Schlachtgarten Krefeld
Kulturrampe Krefeld

Paulie Cerra Band – 23.07.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

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An einem schönen Sommerabend stand Paulie Cerra mit seiner Band auf der Bühne des Krefelder Schlachtgartens. Nachdem der Vorverkauf bis eine Woche vor dem Konzert eher träge verlief, entschlossen sich doch einige Fans der gepflegten Bluesmusik kurzfristig zu erscheinen, sodass der Schlachtgarten dann letztlich mit etwa 110 Besuchern recht gut besucht war.

Nach einer kurzen Bandankündigung durch Pille Peerlings bahnte sich das Quartett unter dem Applaus der Fans den Weg mitten zwischen den Tischreihen, was ein bisschen an einen Einzug von Gladiatoren erinnerte.

Hier handelte es sich aber eher um einen Einmarsch von Spitzenköchen der Bluesmusik, die in den folgenden etwa 140 Minuten Spielzeit etwas ganz besonderes präsentierten. Blues gespickt mit einer Prise Soul und einigen Spitzen von Funk. Da aber auch das Auge den Geschmack indirekt beeinflusst, zauberte der Lichttechniker des Schlachtgartens ein Bühnenlicht, was für so eine kleine Location schon beeindruckend ist. Damit sorgte er dafür, dass das bereitete musikalische Menü von der Bühne auch visuell bei den Gästen bestens ankam.

Cerra, vielen auch bekannt als Saxophonist von Joe Bonamassa (da haben wir ihn auch schon in Köln und Düsseldorf erlebt), zeigte seine spielerischen Qualitäten auch an den Keyboards und glänzte mit einer beeindruckenden Stimmbreite. Neben seinem spielerischen Können war er ein toller als Entertainer zwischen den Songs, wobei er auch stets darauf bedacht war, seine Band ins rechte Licht zu stellen.

An erster Stelle stand dabei Billy Haynes, der Bassist, der Tina Turner in den Anfangsjahren ihrer Solokarriere begleitete. Dass Haynes den Bass sitzend spielte tat der Qualität keinen Abbruch und die spielerische Leichtigkeit und die positive Stimmung, die er auf die Bühne brachte, waren schon beeindruckend. Neben dem Bass unterstützte er Cerra auch noch in einigen Songs als Backgroundsänger.

Aber auch Drummer Alvino Bennett wurde mehrfach hervorgehoben. Er flog zuweilen mit einer Leichtigkeit über die Drums, konnte aber auch, wenn es gewollt war, energisch hervorpreschen.

Last but not least Ben Forrester an der Gitarre. Der jüngste aus der Band, mit Cowboyhut und Feder, zeigte an seiner Gibson Les Paul, warum ihn Cerra für die Tour mit ins Boot genommen hatte. Ob fingerpickend, slidend oder in bester Blues-, zuweilen auch in Southern-Manier, zelebrierte der Könner seine E-Gitarren-Soli regelrecht.

Das Arrangement des ganzen Konzertes mit Songs, zumeist aus der Feder Cerras stammend, wobei das letzte Album „Hell & High Water“ größtenteils durchgespielt wurde, sorgte auch im Publikum für eine Stimmung, wie ich sie bei einem Konzert im Schlachtgarten bisher noch nicht erlebt habe. Von verträumt, bis hin zu enthusiastisch mitgehend waren alle Parameter vertreten. Besonders die letzten Songs wurden vom Publikum stehend mit Szenenapplaus begeistert abgefeiert.

Nachdem die Band nach dem letzten Song gebührend verabschiedet wurde und sich wieder den Gang durchs Publikum gebahnt hatte, kam Cerra nochmals auf die Bühne, um sich solo am Piano noch einmal zu verabschieden.

Nachdem dann Ceras endgültig die Bühne verlassen hatte, zog Kolja Amend vom Schlachtgarten noch einmal ein kurzes Resümee, in dem er seine Gefühle zu dem Konzert zum Ausdruck brachte. Ein Satz sagt dabei alles: „Ich habe immer noch eine Gänsehaut“.

Wer Paulie Cerra mit seiner Band auf der Tour noch erleben will, muss sich sputen, da sie sich zum Ende neigt. Es lohnt sich absolut, solch musikalische Hochkaräter, auch wenn sie bei Topstars ’nur‘ in der ‚zweiten Reihe‘ spielen, als eigenständigen Topact zu erleben.

Line-up:
Paulie Cerra – lead vocals, keys, saxophone
Ben Forrester – guitar
Billy Haynes – bass
Alvino Bennett – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Paulie Cerra
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Schlachtgarten Krefeld
Kulturrampe Krefeld

Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws – 17.07.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

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Am Nachmittag gingen bange Blicke nach oben, ob das Wetter, das in vielen Teilen im Westen Deutschlands in den letzten Tagen für ein regelrechtes katastrophales Chaos gesorgt hatte, Krefeld diesmal verschonen würde.

Die Veranstalter, Kulturrampe und Schlachtgarten, hatten allerdings Glück und bis auf einige kurze Phasen leichten Nieselregens, spielte das Wetter bei angenehmen Temperaturen um die 24 Grad mit.

Kolja vom Schlachtgarten war es diesmal vergönnt, pünktlich um 20:30 Uhr die Band anzusagen und die etwa 70 Besucher zu begrüßen. Das Setup glich in weiten Teilen dem des Konzertes aus dem Schwarzen Adler von etwa zwei Wochen, aber dennoch hatte es einen anderen Charakter.

Schon zu Beginn ging das Publikum begeistert mit und spendete nach den Stücken zum Teil Standing Ovations, was sich auf die ganze Atmosphäre positiv auswirkte und auch von den Musikern regelrecht aufgesogen wurde.

Ein wichtiger Faktor schienen dabei auch die Rahmenbedingungen gewesen zu sein. Die gefühlte Weite der Openair-Veranstaltung suggeriert für die Besucher in der Coronazeit, im Gegensatz zu einem Indoor-Event, doch ein besseres Sicherheitsgefühl, was sich dann natürlich positiv auf das gesamte Verhalten auswirkte.

Dass der fast schon heimelig beleuchtete Schlachtgarten dabei auch eine große Rolle spielte, ist natürlich außer Frage gestellt. Da gibt draußen einfach mehr Möglichkeiten als innen.

Es ist schade, dass Corona weiterhin wie ein Damoklesschwert über dem öffentlichen Kulturleben liegt und trotz Öffnungsmöglichkeiten der Besuch von Konzerten auf einem eher mittelmäßigen bis niedrigen Niveau liegt, weil bei vielen noch der berechtigte Respekt vor dem Virus mit all seinen Varianten herrscht und vor Besuchen, trotz relativ geringer Inzidenzzahlen, abschreckt.

Es bleibt abzuwarten, was die nächsten Wochen bringen werden und zu hoffen, dass es nicht aufgrund der Reisezeit, wie im letzten Sommer, wieder zu einem exponentiellen Ansteigen der Fallzahlen kommt.

Line-up:
Dede Priest (lead vocals, electric guitar, fiddle, voclas, percussion)
Johnny Clark (electric guitar, acoustic guitar, vocals, lead vocals)
Ray Oostenrijk (bass)
Leon Toonen (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Dede Priest
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Schlachtgarten Krefeld
Kulturrampe Krefeld

The Bluesanovas – 17.06.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

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Nach einer schier endlos andauernden Pause in der Kulturrampe konnte mit den Bluesanovas endlich das erste Konzert in 2021 stattfinden. Bedingt durch noch bestehende Coronaregelungen fand es allerdings nicht in der Kulturrampe, sondern openair im nahegelegenen Schlachtgarten statt, womit die Kooperation der beiden Veranstaltungsorte aus dem letzten Jahr eine Fortsetzung fand.

Auch für die jungen Münsteraner war dieser Gig etwas Besonderes. Nach einigen Streamingevents war es der erste Auftritt in Krefeld und der zweite mit Zuschauern in diesem Jahr. Um kurz nach halb neun begrüßte Pille Peerlings zunächst die 100 anwesenden Zuschauer im ausverkauften Schlachtgarten, bei tropisch anmutenden Temperaturen, jenseits der 30 Grad Grenze.

Die letzten schweren kulturfreien Monate wurden noch einmal thematisiert, und der Beginn einer Konzertreihe im Schlachthof proklamiert. Derweil warteten die fünf Musiker schon im Eingangsbereich und betraten nach der Bandankündigung zügig die Bühne, um zunächst einmal ohne Fronter Melvin Schulz instrumental einzuläuten.

Schulz bahnte sich, während seine Mitstreiter schon das Publikum auf Betriebstemperatur brachten, den Weg zur Bühne und dann ging die Post ab. Trotz der hohen Temperaturen blieb das Quintett seinem Stil gerecht und es wurde nicht auf die stylischen Anzüge verzichtet. Die Musiker präsentierten eine Mischung aus Rock’n’Roll- und Bluessongs, welche vorwiegend aus der eigenen Feder stammten.

In dem etwa zweistündigen Konzert, welches in zwei Sets gespielt wurde, untermauerte die Band, dass sie nicht umsonst 2019 den deutschen Blueschallenge gewann und beim internationalen Challenge in Memphis immerhin bis ins Halbfinale kam. Im Vordergrund standen Melvin Schulz, der mit einem gewaltigen Stimmvolumen und so manchem Hüftschwung sowie einem Talent zu Entertainment die Besucher begeistern konnte und Filipe de la Torre, welcher seine Gitarren teils wie ein Derwisch bearbeitete.

Dabei ließen die beiden es sich nicht nehmen, sich von der Bühne in den Publikumsbereich zu begeben, wohl darauf achtend, dass immer zwei Armlängen Platz blieben. Nico Dreier bearbeitete sein Piano zuweilen mit furiosen Soli, aber auch um den Songs eine noch größere Komplexität zu verleihen.

Die Grundlage für die beeindruckenden zwei Stunden legte die Rhythmusformation mit Schlagzeuger Philipp Dreier und Bassist Nikolas Karolewicz, die zuweilen stoisch und ohne großen Schnickschnack den Grundrhythmus vorgab. Etwas fürs Auge waren dabei natürlich die Songs, in denen Karolewicz den Kontrabass bearbeitete.

Als Fazit kann gesagt werden, dass die Bluesanovas für ein begeisterndes Eröffnungskonzert im Schlachtgarten gesorgt haben und alle Erwartungen der Besucher mindestens erfüllen konnten. Aber nicht nur deren, auch wenn man die Gesichter der beiden verantwortlichen Veranstalter Pille Peelings (Kulturrampe) und Kolja Amend (Schlachtgarten) sah, war die Erleichterung, dass endlich wieder Kultur lief und die Freude über den Auftritt, erkennbar.

Ein weiterer Faktor für das gelungene Konzert war natürlich der bestens, durch Malte Menzer abgemischte Sound und die tolle Lichtinszenierung auf der Bühne und dem gesamten Gelände. Hier zeigte sich, dass es sich gelohnt hatte, im Bühnenequipment im Vergleich zum Vorjahr noch einmal nachzulegen. So ist in diesem Sommer noch einiges auf dem schmucken Gelände des Schlachtgartens zu erwarten und es wird unter dem Motto weitergehen:
Kein Rock ’n‘ Roll ist auch keine Lösung.

Line-up:
Melvin Schulz – lead vocals
Filipe de la Torre – guitar
Nico Dreier – piano
Nikolas Karolewicz – bass
Philipp Dreier – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Schlachtgarten Krefeld

Kulturrampenchef Markus ‚Pille‘ Peerlings – Interview

Pill-haupt

Eigentlich hätte ich gerne zum 15-jährigen Bestehen der Kulturrampe in Krefeld was zu einem Konzert geschrieben. Corona hat allerdings dafür gesorgt, dass dies nicht möglich ist. Um den Moment wenigstens ein klein wenig zu würdigen, verabredete ich mit Pille einen Termin, um wenigstens über 15 Jahre Kulturrampe reden zu können. Das schöne Wetter sorgte dafür, dass wir im ‚Biergarten‘ der Rampe zunächst eine Gourmetcurrywurst mit Pommes mit dem dazugehörenden Hygieneabstand zu uns nahmen, um dann gestärkt, 15 Jahre Krefelder Kulturgeschichte, Revue zu passieren zu lassen.

15875589_1270323359681975_3936416758692995256_oSounds Of South: Pille, 15 Jahre Kulturrampe sind schon ein beachtlicher Zeitraum. Wie kamst du damals auf die Idee, die Kulturrampe zu eröffnen?
Pille: Das ist eigentlich eine ganz simple Geschichte. Das waren hier früher Proberäume und ich war von der Krefelder Musikerinitiative für die Vermietung zuständig. Irgendwann lief das nicht mehr so gut und wir überlegten, was man mit den Räumen machen kann. Da kam dann ein Abend mit mehrere Leuten und einigem Bier, wo wir uns Gedanken machten und irgendeiner sagte „Konzerte“. Daran konnten wir uns am nächsten Morgen noch erinnern und wir haben es einfach so gemacht.

Sounds Of South: Einfach so gemacht? Die Räume waren ja angemietet, aber für eine andere Nutzung?
Pille: ‚Einfach so gemacht‘ ist natürlich nur grob umschrieben. Es mussten schon einige Formalitäten erledigt werden, bis es letztendlich umgesetzt werden konnte.

Sounds Of South: Gab es damals in irgendeiner Form eine Unterstützung der Stadt? Ich denke da zum Beispiel an besonders günstige Pachtbedingungen oder bist du da allein ins Risiko gegangen?
Pille: Nein, wir waren mit ein paar Leuten und die Sache wurde aus der Idee geboren und wir haben es dann umgesetzt.

100A5403-Bearbeitet-1024x683Sounds Of South: Wurde denn in einer Form eine Förderung z. B. durch das Kulturbüro der Stadt angeboten oder beantragt?
Pille: Nein, das haben wir ganz bewusst nicht gemacht, um uns in keine Abhängigkeit zu bringen. Es gab allerdings auch eine Zeit, als es finanziell sehr knapp war, wo die Stadt uns geholfen hat. Was auf jedem Fall gesagt werden muss, dass die Stadt uns sehr wohlgesonnen war, was oft schon viel wert ist. Aber Sachen wie z. B. einen Erlass der Miete oder Ähnliches gab es nicht, war von uns aber auch gar nicht gewollt.

Sounds Of South: Seit unserem Bestehen als Online-Magazin vor fünf Jahren berichten wir regelmäßig von Konzerten, die in der Rampe stattfanden. Ich möchte sogar so weit gehen, dass mir der Laden ans Herz gewachsen ist. In diesen Jahren habe ich eine unglaubliche Dynamik erlebt, auch was die Anzahl von Konzerten angeht, welche wohl 2018 von der Frequenz her, mit zum Teil zwei bis drei Veranstaltungen pro Woche, ihren Höhepunkt, hatte.
Pille: Ja das stimmt. Das war vor allem eine logistische Herausforderung. 2019 wäre es vermutlich auch in der Form weitergegangen, aber in dem Jahr entschlossen wir uns, die Rampe zu renovieren und hatten deshalb natürlich ein etwas schmaleres Programm.

14524516_1175728582474787_6604584540681543219_oSounds Of South: In der Umbauphase wurde von Freunden der Kulturrampe ein Förderverein gegründet, um finanziell, aber auch mit Arbeitskraft zu unterstützen. Das war dann das erste Mal, dass es so zu einer Unterstützung von außen kam. Entstand die Gründung vielleicht auch aus der Angst, dass es sonst finanziell nicht reichen könnte?
Pille: Jein, das ist eigentlich eine eher gewachsene Sache. Es gab schon immer Leute, die mir Hilfe angeboten und mich auch unterstützt haben, ohne die wir es gar nicht die ganzen Jahre geschafft hätten. Das lief schon seit langer Zeit, bis einige Leute sich entschlossen haben, den Verein zu gründen. So haben wir eine gute Unterstützung für Kosten, die wir zu tragen haben. Und ehrlich gesagt würde es ohne diese Unterstützung den Laden zumindest in der Form nicht mehr geben.

PD_12_File_017-1Sounds Of South: Ich habe hier eine interessante Liste liegen, was du in der Zukunft an Konzerten in der Planung hast. Auf Namen und Daten will ich gar nicht eingehen, da zurzeit keine verlässliche bindende Planung möglich ist. Wenn man sich Bands anschaut, die hier gespielt haben, stellt sich die Frage, wie du das schaffst, solche Acts wie z.B. Little Caesar oder Robert Jon & The Wreck auf die Bühne zu holen, da die Einnahmen durch den Ticketverkauf bei maximal 120 Gästen und sehr humanen Preisen begrenzt sind.
Pille: Die Frage ist aus mehreren Sichtweisen zu beantworten. Zunächst einmal glaube ich, dass wir mit dem Führen des Ladens und dem Umgang mit den Künstlern vieles richtig gemacht haben. Wir haben immer einen großen Wert auf die Technik gelegt, dass ein guter Sound besteht und haben immer versierte Techniker gehabt, was für so kleine Läden auch nicht unbedingt selbstverständlich ist. Ich glaube, das ist ein Faktor, der für Musiker immer sehr wichtig ist. Von den Gagen halten wir diese immer so hoch wie möglich, wobei diese natürlich durch die Größe des Ladens begrenzt sind. Das stellt für uns dann natürlich ein Problem dar, wenn eine bestimmte Summe vereinbart ist, und dann der Laden nur halb voll ist.

Sounds Of South: Kannst du dir vorstellen, dass manche Künstler auch bewusst auf Gage verzichten, da in der Rampe ein Wohlfühlfaktor herrscht und Konzerte oft eine regelrechte Party sind, die manchmal zu Beginn oder Ende einer Tour gefeiert wird?
Pille: Ich kann mir gut vorstellen, dass wir mit unserem Umgang und unserer Philosophie dazu beitragen, dass viele Künstler einen großen Spaß haben, hier aufzutreten. Nichtsdestotrotz sind die Gagen auf einem verdient hohen Niveau. Ein weiterer Faktor ist natürlich, dass wir ein schon etwas älteres begeisterungsfähiges Publikum haben, welches nach dem Konzert gerne am Merchstand verweilt und sich mit verschiedensten Produkten eindeckt, deren Erlös direkt den Künstlern zu Gute kommt. Ich glaube, das hat sich auch bei den Künstlern und Tourmanagern rumgesprochen und erleichtert manchmal die Verhandlungen.

100A5485-Bearbeitet-1024x683Sounds Of South: Wo gerade das Tourmanagement angesprochen wurde. Du arbeitest auch viel mit Teenage Head Music zusammen und ich habe den Eindruck, dass du zu deren Chief Manny Montana mit der Zeit ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut hast. Erleichtert dies manchmal die Realisierung von Acts?
Pille: Ja, das stimmt. Es hat sich wirklich etwas, wie auch zu anderen Agenturen, entwickelt. Es besteht fast schon ein blindes Verständnis. Er weiß ziemlich genau, was hier gerne gehört wird und er hat dann immer die passenden Bands für unseren Laden bei sich in der Agentur. Wichtig ist für uns allerdings nicht nur die spielerische Qualität der Bands, sondern auch, wie sie menschlich zu uns passen. Wenn wir da schlechte Erfahrungen machen würden, wäre es ein einmaliger Auftritt gewesen. Man kann fast sagen, dass, wenn z. B. von Teenage Head jemand bei uns auftritt, man das Gefühl hat, gute Freunde oder Familie kommen zu Besuch.

Sounds Of South: Genau das Gefühl haben wir auch. Einmal fühlen wir uns bei dir immer wie Gäste, aber auch zu Manny und einigen Künstlern hat sich etwas wie eine Freundschaft entwickelt, was für uns persönlich natürlich auch wie eine Wohlfühloase ist.
Pille: Genau das meine ich. Die Musikszene, gerade in unserer Musikrichtung, ist eher klein, dass man fast zwangsläufig zusammenwächst. Man schätzt sich untereinander, was für mich persönlich sehr wichtig ist.

Sounds Of South: Jetzt gehen wir mal aus der Wohlfühlecke in die aktuell eher bedrückende, durch Corona bedingte Situation. Vor ziemlich genau einem Jahr war Thorbjörn Risager das letzte Konzert, von dem ich vor dem ersten Lockdown berichtete. Wie ging es danach weiter, da Konzerte in der Rampe erst einmal nicht mehr realisierbar waren?
Pille: Nach Risager waren noch zwei Konzerte und am 13. März mussten wir ein Konzert absagen, nachdem der Soundscheck schon gelaufen war. Ein trauriger Abend, Hotelzimmer waren gebucht und und und. Als es im späten Frühjahr wieder möglich war, hatte wir das Glück mit dem Schlachtgarten einen Partner zu haben, mit dem wir im Vorjahr schon ein Openair Konzert veranstaltet hatten. So konnten wir einige Konzerte, welche wir im Sommer geplant hatten, in den Schlachtgarten umlegen. Damit war den Künstlern die Möglichkeit gegeben aufzutreten und da das Gelände recht weitläufig ist, konnten wir einiges auch im Rahmen der damals bestehenden Hygienebedingungen durchführen.

AQ2A2401Sounds Of South: Corona wird irgendwann aufhören oder sagen wir besser, wir werden Möglichkeiten haben, Corona in den Griff zu bekommen. Wie geht es dann weiter? Habt ihr schon ein Konzept für einen Wiedereinstieg? Gibt es Gedanken über eine spätere Zusammenarbeit mit dem Schlachtgarten für Konzerte im Sommer, wo eventuell mehr als 120 Zuschauer zu erwarten sind?
Pille: Gedanken über Kooperationen habe ich mir schon gemacht. Jetzt geht es aber erst einmal um die Planung für den Sommer, wo hoffentlich wieder die Möglichkeit gegeben ist, mit geeigneten Konzepten, Veranstaltungen durchzuführen. Darüber hinaus könnte eine Zusammenarbeit auch nach Corona im Sommer sinnvoll sein. In der Rampe ist es im Sommer manchmal doch sehr warm, sodass eine Openair-Location auch für die Zuschauer attraktiv sein kann. Ich kann auch nur sagen, dass es mit dem Schlachtgarten in jeder Hinsicht eine gute Zusammenarbeit im letzten Jahr war. Dass Konzerte vor dem Herbst in der Rampe stattfinden werden, halte ich für eher unwahrscheinlich, es sei denn es sind kaum spezielle Hygieneregeln zu beachten, da vermutlich die Zuschauerzahl sonst so begrenzt sein wird, dass ein Konzert sich nicht tragen kann.

AQ2A5701Sounds Of South: Nun aber noch einmal ein kleiner Rückblick auf 15 Jahre Kulturrampe. Wie viele Konzerte haben auf der schrägen Bühne schon stattgefunden? Gab es für dich besondere Highlights oder Momente, wobei die Frage natürlich schwer zu beantworten ist, da jeder Künstler und jedes Konzert für sich etwas Besonderes ist.
Pille: Ich schätze, dass es um die 1500 Konzerte waren. Es gab natürlich einige besondere Momente, wo, wie du gesagt hast, nicht unbedingt die Qualität der Musik die entscheidende Rolle spielte. Ich erinnere mich an die Band Times Bold, die Indiepop macht. Das ist schon sehr lange her, war für mich aber ein Moment, der mir zeigte, dass es richtig ist, was wir hier machen. Die Band war fast fertig und spielte noch eine Zugabe. Dafür setzten Sie sich auf die Bühnenkante, holten eine singende Säge raus, ließen die erklingen und sangen dazu einen Song. Die vielleicht 45 Zuschauer gingen alle nach vorne zur Band und ich stand hinten hinter der Theke, es war mucksmäuschenstill, man hörte nichts außer der Säge und dem Gesang der Band. Es war irgendwie ein magischer Moment, der mich in meinem Tun bestärkte.

DSC0012-1024x682Sounds Of South: Wo du gerade von der Ruhe redest. Ich erinnere mich an ein Konzert, wo du Gäste aufgefordert hattest, eine lautstarke Unterhaltung zu beenden, da alle anderen hier sind, um Musik zu hören.
Pille: Ja, das kommt zum Glück sehr selten vor, da wir hier ein sehr musikbegeistertes und auch diszipliniertes Publikum haben, welches einen großen Respekt vor der Arbeit der Musiker hat.

Sounds Of South: In einem ähnlichen Zusammenhang erinnere ich mich an eine Ansage von dir vor einem Konzert, wo du darum gebeten hast, dass nach dem zweiten Stück, keine Bilder mehr gemacht werden sollen. Dies hatte mich damals zunächst irritiert, da ich für Berichte auch einiges an Bildern mache, aber versuche, mich so am Bühnenrand, zuweilen sogar fast hinter den Boxen aufzuhalten, um nicht zu stören.
Pille: Ja, da hast du Recht. Es gibt Fotografen, die sich respektvoll verhalten, aber es gibt auch Knipser, die regelrecht störend sein können, wenn die Kamera oder das Handy hochgehalten werden, dass die dahinter Stehenden nichts mehr sehen, wenn geblitzt wird, oder einfach nicht erkannt wird, wenn ein Moment der Ruhe ist und nicht, um vor der Bühne rum zu hüpfen oder klickende Reihenaufnahmen zu machen.

100A4576-BearbeitetSounds Of South: Da bin ich ja beruhigt, da ich mich da nicht angesprochen fühle. 😉 Nun aber wieder zurück zu besonderen Momenten.
Pille: Da fällt mir sofort ein, wo Robert Jon & The Wreck und Hogjaw, zwei Bands, die ich besonders schätze, gemeinsam auf der Bühne standen. Da hab ich gedacht … eigentlich hab ich gar nichts gedacht. Ich habe nur gespürt, dass dies etwas ganz Besonderes, auch für die Zuschauer war. Aber auch sonst gab es viele besondere Künstler. Mit einem Blaze Bailey, einen ehemaligen Sänger von Iron Maiden hier zu haben, oder Little Caesar, das war schon stark. Für mich waren aber auch alle anderen für sich etwas Besonderes. Der Vorteil ist natürlich, dass ich die Musik der Künstler, die hier auftreten, gut finde.

100A0679-Bearbeitet_bearbeitet-1-1024x683Sounds Of South:  Für uns gab es auch viele Momente, in denen wir Kontakte zu Künstlern gewonnen haben und wir fühlen uns in der Rampe fast schon wie in einem zweiten Wohnzimmer. Was mich persönlich auch freute, war, dass mindestens ein Bild im Absolva-Livealbum, von einem Konzert in der Rampe stammte.
Pille: Ihr seid bei uns auch immer willkommen, da es für uns auch eine gute Sache ist, wenn über Konzerte in der Rampe zeitnah und authentisch berichtet wird.

Sounds Of South: Danke Pille, dass du dir die Zeit genommen hast. Ich wünsche und hoffe, dass deine Pläne für 2021 sich erfüllen und wir dann, wenn es möglich ist, unter dem Motto „Kein Rock`n`Roll ist auch keine Lösung“, wieder von vielen Konzerten berichten können.

Das Interview führte Gernot Mangold.

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Go Music – 10.10.2020, Jazzkeller, Krefeld – Konzertbericht

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Das ausgefallene Konzert

Eigentlich wollte ich am 10.10. den Gig der Rumrods im Biergarten der Kantine in Köln besuchen. Es sollte das letzte diesjährige Konzert in der Reihe der Biergartenkonzerte sein. Dann kam aber leider am Vormittag die Information, dass das Konzert abgesagt sei.

Neben den in Köln stark ansteigenden Fällen von Coronainfizierten, was eventuell auch einen Einfluss auf die Hygienekonzepte hatte, gab es die Wettervorhersage, die starken Regen hervorsagte und die Durchführung auch im Hintergrund der nun herbstlichen Temperaturen fast unmöglich gemacht hätte. Es zeigt das nächste Problem der Veranstalter auf und ist unbeeinflussbar.

Der Herbst und Winter kommt, und die Openair-Saison, die mit guten Konzepten und entsprechenden lokalen Gegebenheiten einiges noch realisierte, geht nun dem Ende entgegen. Was Indoor noch möglich ist, hängt dann von Erlassen, bei zu erwartenden steigenden Fallzahlen und von Konzepten ab und wie diese von den Behörden anerkannt werden. Ob die dann gestattete Besucherzahlen überhaupt den Aufwand finanzieren, bleibt allerdings abzuwarten.

Fast parallel zur Absage von Köln erreichte mich ein Post des Jazzkellers Krefeld, dass die geplante Veranstaltung von Go Music wegen der hervorgesagten Regenfälle kurzfristig von 20:00 Uhr auf 18:00 Uhr vorverlegt wurde. Nach kurzem Überlegen entschloss ich mich anzufragen, ob noch Plätze frei sind und fuhr, um Veranstalter zu unterstützen, nach Krefeld. Nicht um ein Konzertbericht zu schreiben, der steht schon für eine Veranstaltung aus dem GREND in der letzten Woche im Magazin, sondern einfach um Live-Musik zu hören.

Überraschend viele Gäste füllten trotz der kurzfristigen Vorverlegung des Konzertes den Openair-Bereich in der Fußgängerzone unmittelbar vor dem Jazzkeller. Trotz kälterer Temperaturen und mehrfach einsetzenden Nieselregens, verweilten die Fans gut gelaunt bis zum Ende des Konzertes, um dann im Starkregen den Heimweg anzutreten.

Ich bin gespannt, wie der Jazzkeller sein Programm weiter durchzieht, da in den nächsten Tagen berichtet werden soll, wie das Konzept aussehen soll, in den Herbst- und Wintermonaten weitere Konzerte durchzuführen. Es ist auf jeden Fall ausgeschlossen, dass diese in den Gewölben des Jazzkellers stattfinden, wo maximal 20 Besucher Zutritt hätten.

Schon heute war es für die Musiker auf der, dem Wind ausgesetzten Bühne ziemlich frisch. Dazu zwei Sprüche von Granfelt: „Ich freue mich schon auf die finnische Sauna“ und zum Ende bei der Verabschiedung, wo er von einem Auftritt Engeliens und den zwei Hoodies sprach, wobei er selbst und Charly T. sich die Kapuzen der Hoodies unter den Jacken hochgezogen hatten.

Schaut mal auf der Seite des Jazzkellers in den nächsten Tagen/Wochen nach, was für Veranstaltungen angeboten werden, wie der dazu gehörige Rahmen aussieht und unterstützt weiter Konzerte von Veranstaltern, die mit entsprechenden Konzepten versuchen, Livemusik in das nächste Jahr retten, sodass wenigstens die wenigen zugelassenen Plätze in den Clubs halbwegs gefüllt sind.

Line-up:
Ben Granfelt (lead vocals, electric guitars)
Martin Engelien (bass, bgv)
Charlie T. (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Martin Engelien
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Ben Granfelt
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Jazzkeller, Krefeld

Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws – 20.08.2020, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbericht

Ded_haupt

Es war der Moment, auf den ich seit dem 05.03.2020 sehnsüchtig gewartet habe. Das war nämlich der letzte Tag, an dem ich dieses Jahr ein Konzert besucht habe. Da hatte die Marcus King Band schon im Zuge erster Coronafälle in Köln noch einen saustarken Gig abgeliefert. Ab da, außer CD- und EP-Reviews, gähnende Leere in unserem Magazin.

Die Kulturszene, besonders in unseren bevorzugten Sphären, wurde von der Politik sträflich im Stich gelassen (wen wundert es bei Politikern der Marke Jens Spahn?), die Rede von Verzweiflung bis zum Bangen um die nackte Existenz grassierte allerorts, von den Betreibern, Veranstaltern bis hin zu den Künstlern selbst.

Mittlerweile gibt es erste dezente Bemühungen, mit ganz kleinen Schritten, auch im Konzertgeschehen, unter Einhaltung von Auflagen, wieder Fuß zu fassen. „Kein Rock ’n‘ Roll ist auch keine Lösung“ meinte Kuturrampenchef Markus ‚Pille‘ Peerlings‘ und tat sich mit Schlachtgarten-Betreiber Kolja Amend zusammen, um langsam wieder erste Gigs zu veranstalten.

An diesem Abend des 20. Augusts hatte sich die texanisch-niederländische Combo Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws angesagt, ein wunderbarer Act, um wieder ins Geschehen hineinzufinden. Also machten sich Kollege Gernot und ich zeitgemäß nach Krefeld auf, um aus der für uns neuen Location zu berichten.

Es waren maximal 99 Besucher zugelassen, deren Grenze auch knapp unter Maximum erreicht wurde. Alle mussten sich brav registrieren und sich in bestimmten Situationen an die Maskentragpflicht halten. Ansonsten konnte man sich unter Einhaltung der Abstandswahrung ohne Maske an seinem Platz bewegen. Schön wieder mal die vielen bekannten Gesichter zu sehen, die sonst in der Rampe oder bei Gigs der Bluesszene anzutreffen sind, aber auch einige neue Leute. Insgesamt ein schönes und angenehmes Ambiente.

Um 20:00 ergriff Pille (Kompliment übrigens für den Kinnbart!) das Mikro zur Ansage, kurze Zeit später kamen Dede, Johnny & Co. auf die Bühne, um mit dem rhythmischen „Did You Plan To Leave Me Now“ und „Wade In The Water“, den drückend schwülen Temperaturen angemessen, südstaatlich-blues rockig einzuheizen.

Die charismatische Texanerin, ganz in schwarz gekleidet, wieder mit den obligatorischen fingerlosen Handschuhen agierend, lief von Anbeginn zu Höchstform auf. Sowohl mit grandioser Stimme (die vorbeirauschenden Züge im abendlichen Hintergrund hatten gegen sie absolut keine Chance, geräuschmäßig Paroli zu bieten), starkem E-Gitarrenspiel (ihre vielen quirligen Soli immer mimisch/stimmlich mitbegleitend) als auch raunzender Violine (herrlich, wenn sie oft in bester Domina-Manier den Bogen bestimmend in die Luft hielt), der sie sogar Wah-Wah-Töne entlockte, animierte sie die Audienz immer wieder zu teils staunenden Beifallsbekundungen.

Aber auch Johnny Clark gab auf seiner Stratocaster und Gibson Les Paul (die kam meistens bei Songs mit Slide-Parts zum Einsatz) einen starken Counterpart ab. Ab und zu, wie u. a. beim schönen Hendrix-Cover „Hey Joe“ oder „Alaska“ übernahm er auch die schön rauchig gesungenen Lead Vocals. Die Rhythmusfraktion mit Ray Oostenrijk und Leon Toonen konzentrierte sich unaufgeregt, gänzlich auf ihren Job.

„You Are Love“, „Crocuses“, „Drinkin‘ Again“, das slow-bluesige „What It Is Ain’t What it Ain’t“, „Vermillion Allure“ und das eine Pause einläutende „Flowers Under The Bridge“ hinterließen bei mir besonderen Eindruck im immer noch schwül-warmen Krefelder Schlachtgarten, der eher einer Location in den Bayous Louisianas glich.

Schwarze Wolken und sporadisch runter fallende Tropfen während der 10-minütigen Unterbrechung, erzeugten ein paar angstvolle Blicke gen Himmel, wurden aber von der stimmlichen Urgewalt Priests samt Androhung eines „Texas Hurricane“ schnell zum Weiterziehen ‚überzeugt‘. Mit Tracks wie u. a. dem bereits erwähnten „Alaska“, dem abermals swampigen „Lynched At The Crossroad“, (Dede singt phasenweise durch ein Megafon), dem countryesken „Strawberry Party“ und dem Abschluss des Hauptteils „Cotton Candy“, steigerte sich Stimmung im Publikum kontinuierlich, sodass es um 22:00 Uhr noch in die Verlängerung ging.

Nach dem stimmungsvollen Freddie King-Cover „Palace Of The King“ und dem herrlichen „Spinning Down“ (Dede und Johnny mit Wechselgesang, sägende Fiddle) als Finale erhoben sich die Leute zu stehenden Ovationen. Man merkte allen Beteiligten die herabfallende Last an, die sich in den vergangenen Monaten in den meisten Köpfen angehäuft hatte.

Von der Dame an der Getränkeausgabe, dem Licht- und Tontechniker, der Band Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws, den engagierten Organisatoren Pille und Kolja, über die diszipliniert agierenden Besucher, trugen alle zu einem denkwürdigen Abend mit toller Musik bei, der hoffentlich peu à peu wieder in die kulturelle Normalität zurückführt. Rock ’n‘ Roll ist von daher immer eine Lösung!

Line-up:
Dede Priest (lead vocals, electric guitar, fiddle)
Johnny Clark (electric guitar, vocals, lead vocals)
Ray Oostenrijk (bass)
Leon Toonen (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Dede Priest
Johnny Clark & The Outlaws
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Schlachtgarten Krefeld
Kulturrampe Krefeld

Thorbjorn Risager & The Black Tornado – 06.02.2020, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Ris-haupt

Thorbjörn Risager machte an einem Donnerstag-Abend die Kulturrampe in Krefeld voll. Dies sogar in zweierlei Hinsicht. Schon Tage vorher war die letzte Karte über den Tresen gegangen, sodass nicht nur die Bude prall gefüllt war, sondern auch die Bühne bis zum letzten Quadratmeter, damit alle Mannen um den Bandleader Platz finden konnten.

Schnell füllte sich der kleine, aber feine Konzertsaal mit Risager-Fans, von denen einige schon auf Konzerten in den Tagen zuvor waren und um kurz nach acht Uhr kündigte Pille Peerlings nicht ohne erkennbaren Stolz die Band an. Interessant ist dabei, dass die Initiative für den Auftritt von der Risager & Co. ausging und die Rampe der kleinste Veranstaltungsort der Tour war.

Es scheint sich bei den Musikern herumgesprochen zu haben, dass den Krefelder Club ein Flair umgibt, den man als Musiker gerne mitnimmt. Im Laufe des Konzertes gab Risager dies auch zum Ausdruck, dass nicht die Menge der Besucher ausschlaggebend für einen gelungenen ausschlaggebend sei, sondern eher das Ambiente und die Stimmung.

Die Band legte direkt los wie die Feuerwehr und präsentierte den Besuchern ein zweiteiliges Set von insgesamt knapp 2 Stunden Spieldauer, wo ein Klassesong den nächsten jagte. Risager wählte eine bunte Mischung aus alten Stücken und neuen, vom erst Anfang des Jahres bei Ruf-Records erschienen Album „Come On In“. Positiv war dabei, dass das neue Werk mit sieben Songs zu großen Teilen dem Publikum präsentiert wurde.

Insgesamt kamen alle Lieder sehr gut beim begeistert mitgehenden Publikum an, wobei die gefühlvolle Ballade „Two Lovers“ im ersten Set besonders hervorstach, während im zweiten Part „Over The Hill“ (Gitarrist Joachim Svensmark bearbeitete hier seine Gitarre zunächst mit einem Geigenbogen) und „Sin City“ herausragten, wo Hans Nybo neben dem Saxofon, auch an einem Kreissägenblatt, welches am Mikrofonständer hing, im Takt anschlug und Drummer Martin Seidlin damit assistierte.

Ohnehin muss gesagt werden, dass der Schwarze Tornado Risager fulminant unterstütze. Neben der spielerischen Güte muss die Spielfreude hervorgehoben werden, mit der die Musiker die Besucher von der ersten Sekunde bis zum Schlussakkord mitnahmen. Risager selbst moderierte gut gelaunt und humorvoll durch das Konzert, war stimmlich sowohl bei den treibenden rockenden Stücken, wie auch den Balladen stimmlich bestens aufgelegt und überzeugte mit einigen starken Gitarrensoli. Was die Gitarrenarbeit angeht, muss der Jungspund der Band, Joachim Svensmark hervorgehoben werden, der zuweilen wie ein Derwisch über die Saiten fegte aber auch gefühlvolle Soli hinlegte.

Die Rhythmussektion um Drummer Martin Seidelin, wie immer mit seinem roten Hut Grimassen schneidend und Basser Søren Bøjgaard, der in einigen Songs auch über einen Syntheziser, Basslinien einspielte, legten eine volle Grundlage im klar ausgepegelten Sound in der Kulturrampe. Kompliment an dieser Stelle schon einmal für Malte Menzer, der nicht nur einen tollen Sound in die Rampe zauberte, sondern die Bühne auch mit einem schönen Licht illuminierte.

Die Würze in den Blues und Rock’n’Roll von Thorbjörn Risager & The Black Tornado geben Peter W Kehl an der Trompete und Hans Nybo am Saxophon, beide zuweilen auch als Backgroundsänger, Tänzer und Einpeitscher agierend und Emil Balsgaard, der sein Piano zum Teil mit Honkytonk-Einlagen zum Glühen brachte.

Neben den neuen Tracks begeisterten aber auch die alten, wobei die Band bei „Hold My Lover Tight“ eine Energie auf die Bühne brachte, dass förmlich die Decke abhob.

Atmosphärisch herausragend waren „Rock’n’Roll Ride“, bei dem das Publikum begeistert im geänderten Refrain auf Deutsch mitsang und Risager so stimmlich auf das am nächsten Tag folgende Konzert in Berlin begleitete und die launige Zugabe „Baby Please Don’t Go“, dem viele Besucher auch folgten und nicht direkt nach dem Konzert die Kulturrampe verließen, sondern sich am Merchandise-Stand mit Utensilien versorgten und den einen oder anderen Plausch mit den bestens gelaunt bereit stehenden Musikern hielten.

So hatte ein herausragender Konzertabend einen würdigen Abschluss gefunden, der im Sinne der Besucher noch des öfteren wiederholt werden könnte. Ein großer Dank an Pille dafür, dass es ihm immer wieder gelingt, in die kleine aber feine Kulturrampe solch hochkarätige Acts hinein zu locken.

Line-up:
Thorbjørn Risager (lead vocals, guitar)
Joachim Svensmark (guitars, keys, vocals)
Emil Balsgaard (keys)
Søren Bøjgaard (bass)
Martin Seidelin (drums, percussion, vocals)
Hans Nybo (saxophone, vocals)
Peter W Kehl (trumpet, percussion, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
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Kulturrampe Krefeld