The Liza Colby Sound – Object To Impossible Destination – CD-Review

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Review: Michael Segets

The Liza Colby Sound hat ihre diesjährige Europa-Tour zweigeteilt. Im Frühjahr war SoS bei zwei Gigs in Weert und Krefeld dabei. Bei den Gelegenheiten fingen Jörg und Gernot die heißen Shows mit ihren Fotoapparaten ein. Im Herbst unternehmen Liza Colby und ihre Mannen nochmal den Sprung über den Atlantik und kommen erneut in die SoS-Region, indem sie sich im Dortmunder Blue Notez blicken lassen.

Bei den vergangenen Auftritten hatte The Liza Colby Sound bereits die Stücke der neuen Scheibe „Object To Impossible Destination“ vorgestellt, die nun offiziell erscheint. Musik und Cover versetzen in die siebziger Jahre zurück, als Led Zeppelin die Charts dominierte. Mit hohem Tempo und schrillen Gitarren rockt die Band und gönnt sich kaum eine Verschnaufpause.

„Cool Hand“ eröffnet das Album in diesem Sinne. In die gleiche Kerbe schlägen „Try Me“, das hinsichtlich der Gitarrenarbeit noch einen Gang härter zu Sache geht, sowie „Young Girl“, das eine komplexe Songstruktur aufweist. Experimentelle Anflüge hat auch das langsamere „Creep On“ zu bieten. Es entwickelt eine fast hypnotische Wirkung und steht dem ähnlich angelegten, aber eingängigeren „Oh Baby“ in nichts nach.

Absolutes Highlight ist „Shake You“. Der reduziert beginnende Titel baut wunderbare Spannungsbögen auf und entwickelt damit eine außerordentliche Dynamik. Liza Colbys Gesang wird dabei nicht von scheppernden Gitarren begleitet, sodass dieser stärker im Vordergrund steht. Der Song zählte bereits bei dem Konzert in der Kulturrampe zu den Höhepunkten.

Die Live-Versionen haben in meiner Erinnerung sowieso die Nase vorn, aber das kann auch an der Bühnenpräsenz von Liza Colby liegen. Schade ist, dass „Thunder Rolling” nicht als Bonus-Track mit auf die Scheibe gepackt wurde. Zeitlich wäre da auf alle Fälle noch Platz gewesen, auch wenn der Titel stilistisch etwas herausgefallen wäre.

Ganz im Sinne des Albumkonzepts reiht sich die erste Single „Eye On You“ ein. Vor dem kräftigen Rhythmus, den Charles P. Roth am Schlagzeug und Alec Morton am Bass produzieren, sorgt Jay Shepard in einigen Passagen für einen vollen Soundteppich und liefert zudem ein gutes Gitarrensolo ab. Bei den meisten anderen Songs schlägt Tom McCaffrey die Saiten an.

Mit kraftvollen, dunklen Gitarrentönen beginnt „0 – Freak Out“, das mit einem expressiven Finale endet, bei dem sich die gesamte Band nochmal ins Zeug legt. Insgesamt schließt damit eine CD, die sich konsequent an der härteren Gangart des Siebziger-Jahre-Rocks orientiert. „Object To Impossible Destination” pustet die Gehörgänge frei.

Eigenproduktion (2019)
Stil: Rock

Tracks:
01. Cool Hand
02. Creep On
03. Try Me
04. Young Girl
05. Shake You
06. Eye On You
07. Oh Baby
08. 0 – Freak Out

The Liza Colby Sound
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Hogjaw, 22.06.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Nachdem Robert Jon & The Wreck am Vorabend mit feiner Leistung, weitere Standards im heutigen New Southern Rock-Bereich gesetzt hatten, war es einen Tag später den Elefanten im Genre-Porzellan-Laden, Hogjaw, vorbehalten, die frisch renovierte Kulturrampe, in Scherben zu zerlegen.

Chef Markus ‚Pille‘ Peerlings hatte die vier Amis aus Phoenix, Arizona, um ihren wuchtigen Fronter Jonboat Jones, als Dampfwalze angekündigt und die kamen dann dieser im Verlauf des Gigs auch mit der gebührenden Vehemenz nach.

Direkt mit dem wüsten Opener „Rollin‘ Thunder“, gab es schon ordentlich Zunder. Gas und nochmals Gas, schien das Motto zu sein, das Jonboat Jones für die nächsten Tracks unter seiner Regie wie „Beast Of Burden (Roll On)“, „Where Have You Gone“ und „Brown Water“ ausgegeben zu haben schien. Drummer J. ‚Kwall‘ Kowalski wirbelte schon hier wie das ‚Animal‘ von der Muppets-Show auf seiner Anlage herum.

Bei „North Carolina Way“ übernahm Lead-Gitarrsit Jimmy Rose das Front-Mikro, eines meiner Highlights des Konzerts (leider nur einmalig – könnte gerne öfter singen). Das atmosphärische „I Will Remain“ bot das erste Mal, wenn man das bei Hogjaw überhaupt so formulieren kann, dezenten Spielraum zum Durchatmen.

„Hells Half Way Of Mine“ erinnerte, wie so manch anderes auch, an Molly Hatchet zu „Flirtin‘ With Disaster“-Glanz-Zeiten. Beim Ted Nugent-umwehten „Am I Wrong“ konnte sich nun auch Kwall leadgesangstechnisch einbringen (später nochmal bei „Road Of Fools“), er zog danach auch immer mehr die Ansagen vor den Stücken an sich. Das überragende „County Line“, mit einer schier nicht enden wollenden Jam-Schlacht (mit Twins und allem Southern-Drum und Dran), trieb allen Anwesenden die Schweißtropfen auf die Stirn, sodass selbst ich kurzzeitig, zwecks Biernachschub, meinen angestammten Platz verlassen musste.

Das Titellied vom letzten Studioalbum „Way Down Yonder“ (mit launiger Publikums-Mitschrei-Interaktion), das tolle „Redemption“, das fulminant abgehende „Never Surrender“, „Road Of Fools“ und der Stampfer „El Camino“ schmetterten in Richtung Schlussgerade.

Zum letzten Track des Hauptteils fiel mir spontan folgende fiktive Geschichte ein, die, frei übersetzt, in etwa so verlaufen hätte sein können: Elvis Hogjaw nach dem Konzert mit einem Fairtrade-Sakko-bekleideten Zottelhaar- und Bartträger am Stehtisch. Der hat ein Glas Bio-Leitungswasser in der Hand und sagt mit noch leicht gerötetem Kopf: „Herr Elvis, I bin der Toni Holzleitner von den Grünen.“

Jetzt schon hoch erregt: „Ich möchte Ihnen mitteilen, dass meine Partei in Deutschland, das Verherrlichen von Waffen, aufs Schärfste verurteilt!“ Dann völlig außer sich: „Hier hat die Bundesregierung inklusiv des Innenministers, auf ganzer Linie, grenzenlos versagt!“ Elvis Hogjaw (kopfschüttelnd einen saftigen Schluck aus der Bierpulle nehmend): „Toni, Gi tsum Teufel…!“

Der verlässt den Tisch echauffiert, kehrt zu seiner Begleiterin Kathrin Boring-Eckzahn zurück an die Theke und bestellt völlig konsterniert zwei ‚Berliner Weiße mit Schuss‘. Die (Nase rümpfend) in ihrer berühmt arrogant-herablassenden Art: „Mensch Anton, dich kann man wirklich nur vom Hof jagen!“

„Gitsum“, immer wieder schön zu hören, nicht nur am Ostermontag, sondern auch an diesem Abend, der Klassiker der Band (wer ihn noch nicht kennt und in der Lage ist, manches nicht ganz so bierernst zu nehmen, siehe nebenstehenden Link).

Als das Quartett mit „This Whiskey“ noch einen weiteren hymnischen Song mit langem Gitarrenfinish als Zugabe losließ, wusste man, das die Männer um Jonboat Jones alles gegeben hatten und sich den Gang in den Theken-/Merch-Bereich mit kühlen Drinks mehr als wohl verdient hatten. Die Rampe hatte, bildlich gesehen, dem ‚Up In Flames‘-Tour-Motto getreu, buchstäblich in Flammen gestanden.

Aus meiner Sicht der bisher mit Abstand stärkste Gig, den ich von Hogjaw gesehen hab. Ein weiterer unvergessener Southern Hard Rock-Abend in Krefelds Kultclub!

Line-up:
Jonboat Jones (lead vocals, electric guitar)
Jimmy Rose (electric guitar, vocals, lead vocals)
Elvis DD (bass)
J. ‚Kwall‘ Kowalski (drums, vocals, lead vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Hogjaw
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Robert Jon & The Wreck, 21.06.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Gerade in den Tagen, wo Lynyrd Skynyrd, nochmal einen mustergültigen Versuch gestartet haben, den letzten verklärten Southern Rock-Fans in Deutschland mit ihrem unsäglichen Coverprogramm von sich selbst, noch einige Euronen aus der Tasche zu ziehen (Ronnie Van Zant wird sich angesichts des lieblosen Treibens wohl vermutlich ständig im Grabe rumdrehen…), tut es gut zu wissen, dass es auch noch diverse hungrige und kreative Acts im Genre gibt, bei denen monetäre Aspekte, zunächst mal, hinten angestellt werden.

Ein Glücksfall hierbei sind Robert Jon & The Wreck, deren wirklich famose Entwicklung ich von Anfang an mitverfolgt habe. Mit begonnen hat ihre Geschichte zweifellos an dem Ort, wohin sie jetzt zum wiederholten Male zurückgekehrt sind, unserer geliebten Kulturrampe. Auch nicht zu vergessen der lange Atem und der Glaube an die Kalifornier seitens Teenage Head Music, der sich mittlerweile immer mehr zu rentieren scheint.

Zunächst wurde aber zu Konzertbeginn, Rampenchef Markus ‚Pille‘ Peerlings in seiner frisch renovierten Location, mit einem Ständchen zum 50-jährigen Geburtstag, lauthals beglückwünscht. Nach seiner Ansage gab das Quintett um seinen charismatischen Leader Jon Burrison mit „Going Down“ vom neuen Werk „Take Me Higher“ sofort Vollgas.

Das schöne an den Jungs: Trotz kontinuierlicher Präsenz bei uns, schaffen es die Kalifornier bisher immer wieder, neue Akzente zu setzen. Letztes Mal war es die brillante Einführung der Neumitglieder Warren Murrel und des Leadgitarristen Harry James, jetzt halt wieder mit einer neuen Scheibe mit Eigenkreationen, die dann mit Tracks wie u. a. „Makes Me Wanna Yell“, „Take Me Higher“, „Something To Remember Me by“ und „Coming Home“ gebührend vorgestellt wurde. Und auch spielerisch scheint die Truppe erneut eine kleine Schippe oben drauf gelegt zu haben.

Whiskey-Liebhaber Robert Jon (superbe vokale Präsenz, tolle Gitarrenzuarbeit) und Keyboarder Steve Maggiora (mit gewohnt variablen Keys-Einsätzen) bilden das erfahrene Grundgerüst, die beiden ‚Hungerhaken‘ Henry James, diesmal mit etwas gestutzter Afro-Mähne, wieder in hippiesker Montur (mit unzähligen konventionellen als auch Slide-Soli) und Drummer Andrew Espantman (was für  ein Trommelwirbler) sorgen mit der treibenden Bedienung ihrer Instrumente, für den immensen Drive, der das Kollektiv letztendlich so auszeichnet, und der fleißig zupfende Bassist Warren Murrell tummelt sich vergnügt irgendwo mitten drin.

Die Stücke „Cannonball“ und „Whipping Post“ zum Ende des ersten, beziehungsweise Beginn des zweiten Sets, boten rein instrumentelle Finesse und Spielfreude pur im allmanesken Ambiente. Das herrliche „Old Friend“, das fantastische „Cold Night“ (der wie entfesselt spielende James nicht mehr zu bremsen) gegen Ende und die beiden Zugaben „Mary Anne“ sowie „On The Run“ hatten die Rampenbesucher längst zu frenetischen Begeisterungsstürmen hingerissen.

Ganz großes Southern Rock-Kino in der aufgehübschten Kulturrampe. Lynyrd Skynyrd war gestern, die Zukunft des Genres müsste, wenn es so etwas wie Gerechtigkeit gibt, eigentlich Robert Jon & The Wreck vorbehalten sein!

Line-up:
Robert Jon Burrison (lead vocals, electric guitar)
Henry James (electric guitar, vocals)
Warren Murrel (bass)
Andrew Espantman (drums, vocals)
Steve Maggiora (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Robert Jon & The Wreck
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The Tip – 26.04.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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The Tip waren als Support für The Darkness und L.A. Guns unterwegs, mit denen sie musikalisch auf einer Wellenlinie liegen. Markus ‚Pille‘ Peerlings prophezeite bei der Ankündigung von The Tip auf der Webside der Kulturrampe daher einen Abend mit viel Testosteron und Adrenalin, bei dem man sich anschnallen sollte. Er hatte nicht zu viel versprochen. Die Band aus Nashville gab von Beginn an mächtig Gas. In der ausverkauften Rampe blieb allerdings kein Platz, um einen Gurt anzulegen.

Mit einer halbstündigen Verspätung bahnte sich die Band von bombastischer Musik begleitet ihren Weg durch die wartende Menge zu der abgedunkelten Bühne. Dort stand bereits ein Tablett mit Whiskey und Cola bereit. Verzichtend auf die koffeinhaltige Limonade nahm der charismatische Frontmann Benny Carl einen kräftigen Schluck aus der Whiskeyflasche und zog das wie entfesselt rockende Publikum mit dem Kracher „Can You Smell The Money“ von der aktuellen Scheibe „Sailor’s Grave“ direkt in seinen Bann.

Danach folgte das ebenso starke „Ride Tonight“, das sich auf dem selbstbetitelten Debütalbum (2015) findet. Hier gab Gitarrist Myles Baker bereits einen Vorgeschmack auf die Riffs und Hooklines mit denen er den Sound der Band während des Konzerts prägte.

Nach dem Einstieg erspähte mich Drummer Dixie Carl, wie ich mir konzentriert Notizen machte und kam kurzerhand hinter seinem Schlagzeug hervor, um mir Stift und Block aus der Hand zu nehmen. Erst nachdem ich bewiesen hatte, dass ich zu angemessen ekstatischen Bewegungen fähig bin, gab er mir meine Arbeitsgeräte zurück.

Dixie Carl lieferte an den Drums eine große Show ab. Er zog mit Mimik und genretypischen Posen die Aufmerksamkeit oftmals auf sich. Dass er zudem sein Instrument fest im Griff hat, zeigte er in einem langen und kreativen Solo. Als später am Abend auch noch ein Fell den Geist aufgab, bewies Dixie Carl Improvisationstalent, übernahm bei „Struttin‘“ den Gesangspart, schwang die Hüften und überbrückte so den Austausch der Trommel.

Aber auch die anderen Bandmitglieder waren äußerst aktiv, allen voran Sänger Benny Carl, der ständig in Bewegung war – beispielsweise bei einem Rock’n Roll-Medley vollführte er einen Duckwalk a la Chuck Berry beziehungsweise Angus Young. Er feuerte das Publikum mehrmals an, zu klatschen oder einen Gesangpart zu übernehmen. Seine Einlagen an der Mundharmonika wurden frenetisch bejubelt.

The Tip berücksichtigten Titel ihrer beiden Alben, präsentierten einzelne neue Stücke und streuten Coverversionen in die Setlist ein. Sie spielten „Whiskey And Coke“ sowie „Rock N‘ Roll Heaven“ von ihrer letzten CD, von ihrem Debüt „Favorite Sin“, „Don’t Want It“ und „Rock N‘ Roll Man“. Der von Myles Baker gesungene Fleetwood-Mac-Klassiker „Oh Well“ wurde hervorragend interpretiert. Nicht nur bei ihm kochte der Saal förmlich über.

Das Tempo des schweißtreibendes Sets wurde lediglich durch den Blues „L‘ve Me E’ry Woman“ unterbrochen. Ansonsten folgte ein Rocker nach dem anderen. „We’re An American Band“ von Grand Funk Railroad war die erste Zugabe. Den Abschluss bildete „Otta Control“, bei dem der agile Bassist Robby Bote sich nochmal richtig ins Zeug legte, während sich Benny Carl beim Stagediving und ausgiebigen Crowdsurfing feiern ließ. Zum fulminanten Finale putschten sich die Gitarren gegenseitig auf, bevor um Punkt 23 Uhr die letzten Töne verhallten.

Erwartungsgemäß beanspruchte die Lautstärke die Gehörgänge, aber der Sound war wie immer in der Rampe optimal ausgesteuert. Die Live-Versionen der Songs kamen erdiger rüber als die Studioaufnahmen, was mir besonders gut gefiel. The Tip zelebrieren den Rock auf der Bühne und lieferten eine Show ab, die im Gedächtnis bleibt.

Bei dem mitreißenden Auftreten der Band, deren erster Europatour sich dem Ende zuneigt, war es nicht verwunderlich, dass die CDs bereits ausverkauft waren. So blieb nichts anderes übrig, als bei den T-Shirts zuzuschlagen. Die Bandmitglieder brauchten zwar einige Zeit, um sich umzukleiden, mischten sich dann aber unter die Menge.

Jörg und ich unterhielten uns ausführlich mit Dixie Carl, der erzählte, wie er zur Musik gekommen ist und welche Pläne die Band zurzeit schmiedet. Obwohl er es liebt, auf der Bühne zu stehen – was er während des Konzerts deutlich gezeigt hatte –, freut er sich nun doch auf zuhause und seine Freundin. Wie es sich für einen Rockmusiker gehört, fand Dixie Carl noch ein paar deutliche Worte für den Mainstream in Nashville und für den amerikanischen Präsidenten. Schließlich signierte er noch einen Drumstick, den er mir während des Auftritts als Entschädigung für die Torpedierung meiner Arbeit zugeworfen hatte.

Line-Up:
Benny Carl (lead vocals, guitar, harmonica)
Myles Baker (guitar, vocals)
Robby Bote (bass)
Dixie Carl (drums, vocals)

Text: Michael Segets
Bilder: Jörg Schneider

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The Liza Colby Sound – 13.04.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Seine Impressionen aus dem niederländischen Weert verband Jörg mit dem heißen Tipp, The Liza Colby Sound live zu erleben. Dieser Empfehlung sind Gernot und ich gerne gefolgt, zumal der Abschluss ihrer ersten Europa-Tournee die Band in unsere heimatliche Kulturrampe führte. Circa hundert weitere Besucher wollten sich die vorerst letzte Gelegenheit, Liza Colby und ihre Begleiter auf der Bühne zu sehen, nicht entgehen lassen. Der Rahmen für ein angemessenes Finale der Tour war also gegeben.

Markus „Pille“ Peerlings ließ es sich natürlich nicht nehmen, das Energiebündel aus New York persönlich anzukündigen. Zuvor erinnerte er in eigener Sache an den neu gegründeten Förderverein der Kulturrampe, der hilft das tolle Konzertangebot der Location zu ermöglichen.

Um 21:15 Uhr legte The Liza Colby Sound mit neuen Stücken los, die keinen Zweifel an dem weiteren Verlauf des Abends aufkommen ließen. Kräftig treibender Rock stand auf dem Programm, der Assoziationen zu den frühen Jefferson Airplane oder Led Zeppelin weckte. Liza Colby wird gelegentlich mit Tina Turner verglichen. Die Ähnlichkeiten beschränken sich jedoch eher auf Äußerlichkeiten, wie die Löwenmähne und die energische Art, sich in High Heels über die Bühne zu bewegen.

Vor allem die glänzenden Einlagen von Jay Shepard an der Gitarre nutzte die Sängerin mehrmals, um sich lasziv auf der Bühne zu rekeln. Temperamentvoll und ausdrucksstark – zumeist mit einem Tamburine bewaffnet – zeigte Liza Colby durchgängige Präsenz und zog in ihrer spärlichen Bekleidung die Blicke auf sich. Die Musik hätte es dabei gar nicht nötig, dass durch gewagte Bühnenoutfits von ihr abgelenkt wird.

Der Beginn des Konzerts stand ganz im Zeichen des neuen Tonträgers „Object To Impossible Destination“, der fast komplett vorgestellt wurde. Das Album erscheint offiziell erst im Juli, aber die Band hatte bereits einige Pressungen im Gepäck. Auf die ineinander gespielten „Cool Hand“ und „Creep On“ folgten „Try Me“ und „Young Girl“. Nach einer knappen halben Stunde, bei der kaum Zeit zum Luftholen blieb, richtete die Bandleaderin einige Worte an das Publikum.

Im Mittelteil griff die Band auf Stücke ihrer EP „Draw“ und ihrer Live-EP zurück. Dabei wurden auch einzelne langsamere Titel eingestreut, wobei die Songs meist komplexe Spannungsbögen aufbauten und schließlich doch einen deutlichen Rockeinschlag der härteren Art bekamen. So war „Codine“ einer der hervorragenden Titel des Konzerts.

Bei „White Light“ gestaltete Alec Morton am Bass das Intro. Charles P. Roth gab seine Künste am Schlagzeug in einem mehrminütigen Solo zum Besten. Er bearbeitete ausgiebig alle zu Verfügung stehenden Felle und Becken, was ihm tosenden Applaus einbrachte, zumal er das Publikum zur gesanglichen Begleitung seines Intermezzos einlud. Die Rhythmusgruppe begleitete durchweg souverän die Performance von Colby und bildete den Hintergrund für die vielen Soli von Jay Shepard. Der zeigte an seiner Gitarre, dass er sowohl filigrane Töne als auch deftige Rückkopplungen in seinem Repertoire hat.

Von Videos bekannt fügten sich „Cryin“ und das starke „Thunder Rolling“ nahtlos in die Vorstellung ein. Der neue Titel „Shake You“ stellte für mich einen der Höhepunkte des Auftritts dar. Bei ihm stieg Liza Colby von der Bühne runter und mischte die Menge hautnah auf.

Zum Ende des Konzerts stellte die Sängerin zunehmend Kontakt zum Publikum her, indem sie zum Mitklatschen animierte oder einen Wechselgesang mit ihm anstimmte. Mit „Eye On You“, das wohl die erste Single des neuen Albums wird, ging das Hauptset zu Ende. Nach der Zugabe „Oh Baby“ verabschiedete sich die Band nach 85 energiegeladenen Minuten.

Nach dem Auftritt nahmen sich die sympathischen Bandmitglieder viel Zeit für die alten und neuen Fans. Da ich die in den Startlöchern stehende CD noch nicht kannte, half mir Jay Shepard bei der Zuordnung der Titel zur Setlist. Dort erfuhr ich auch, dass die Band im Oktober wohl wieder den Sprung über den Atlantik machen wird. Wer jetzt The Liza Colby Sound verpasst hat, erhält im Herbst eine neue Chance. Also: Augen und Ohren offenhalten!

Line-Up:
Liza Colby (vocals, tambourine)
Jay Shepard (guitar, vocals)
Alec Morton (bass)
Charles P. Roth (drums, vocals)

Text: Michael Segets
Bilder: Gernot Mangold

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Samantha Martin & Delta Sugar, 22.02.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Nach knapp zwei Monaten Liebesentzug war es am 22.02.2019 endlich wieder soweit: Kulturrampen-Time! Dafür schien das Wiedersehen um so leidenschaftlicher zu werden, denn mit Samantha Martin & Delta Sugar hatte sich ein überaus heißer Blues-Soul-Rock-Act in großer Septett-Formation aus dem kanadischen Ontario im kleinen Krefelder Club angesagt.

Auch KR-Macher Markus Pille Peerlings musste dringend seine Akkus wieder aufladen und war aus einer länger-wöchigen Reha-Phase nun wieder für große musikalische Events und Taten einsatzbereit. Er feierte ebenfalls seine diesjährige Konzert-Premiere in seinem zweiten ‚Wohnzimmer‘.

21:15 Uhr schlängelte sich die Band um ihr anführendes Energiebündel Samantha Martin durch die proppenvolle Location, um mit Tracks wie dem satt groovenden Opener „Rocky“, dem CCR-angehauchten „All Night Long“ oder dem herrlichen Schwofer „Gonna Find It“ schwül-heiße New Orleans-Frenchquarter-Atmosphäre im Auditorium zu verbreiten.

Die kleine aber durchaus charismatische Fronterin überzeugte mit gewaltiger Energie und Emotionalität in ihrer Stimme und ansteckender Bühnenpräsenz, die von den beiden dunkelhäutigen Sängerinnen Sherie Marshall und Mwansa Mwansa (was für eine Erscheinung!), noch weitere vokale Vehemenz in Sachen Harmonien und Backgrounds erhielt.

Aber auch die beiden überragend agierenden Curtis Chaffey (mit akribisch genauem E-Gitarrenspiel) und Andrew Moljgun mit seinen Keyboard-Klimpereien sowie einigen furiosen Saxofoneinlagen, als auch die satt groovende Rhythmusfraktion, bestehend aus Ian MacEwan am Bass und ‚Babyface‘ Stephen Adu am Schlagzeug, hatten erheblichen Anteil daran, dass es in der Rampe wie in einem Hexenkessel brodelte.

Das Publikum tanzte, wippte und tobte schon im ersten Set, das mit dem swampigen Stomper „Don’t Shoot“, dem Stones-Cover „Happy“ sowie dem progressiv-umwobenen „My Crown“, weitere intensive Highlights bot.

Klar, dass der Umsatz an kühlen Gersten-Getränken nicht nur in der folgenden Pause florierte. „Feel Good“, der Opener des zweiten Abschnittes, stand quasi metaphorisch für den Rest der Show.  Die Stimmung und Begeisterung in der Rampe steigerte sich von Minute zu Minute, man blickte allseits in beglückte und euphorisierte Gesichter.

Mein persönlicher Favorit  des Abends, das countryeske Lucinda Williams-Stück „Fruits Of My Labor“ (sinnbildlich auch vielleicht auch als Belohnung für Pille Peerlings grandiose Arbeit zu sehen) sowie das furiose Cover-Trio mit „Hard To Handle , „Proud Mary“ (mit Duett-Einbindung unseres Facebook-Freundes ‚Mod Idul‘), und „The Letter“ in jeweils grandiosen Versionen brachten zum Abschluss die Grundmauern der Rampe regelrecht ins Wanken.

Jedem Besucher war am Ende klar, dass Manny Montanas Teenage Head Music mit Samantha Martin & Delta Sugar wieder mal ein absolutes Ass aus dem Ärmel gezogen hatte. Ein unvergesslicher Abend in Krefelds-Parade-Rock Club und zugleich schon ein früher Konzerthöhepunkt 2019!

Line-up:
Samantha Martin (lead vocals, acoustic guitar)
Curtis Chaffey (electric guitar)
Ian MacEwan (bass)
Stephen Adu (drums)
Andrew Moljgun (keys, saxophone)
Sherie Marshall (bgv)
Mwansa Mwansa (bgv, percussion)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Samantha Martin & Delta Sugar
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Teenage Head Music
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Wishbone Ash – 06.02.2018, Kulturfabrik, Krefeld – Konzertbericht

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Bereits Mitte Januar hatte die Truppe um Wishbone Ash-Gründungsmitglied Andy Powell bereits ein gefeiertes Konzert im Dortmunder Musiktheater Piano abgeliefert. Und nun gaben sich die Jungs innerhalb von kaum vier Wochen zum zweiten Mal die Ehre eine Bühne in unseren Gefilden zu betreten. Gastgeber war diesmal die Krefelder Kulturfabrik, nicht zu verwechseln mit der sich in der Nähe befindlichen, urigen Kulturrampe in Krefeld, der hiesigen Lieblingslocation des SoS-Teams.

Mit großer Spielfreude arbeitete die Crew – ohne die sonst übliche Verschnaufpause zur Halbzeit – ihre Setliste virtuos ab, deren Songfolge dem Gig in Dortmund entsprach, also überwiegend Klassiker aus den 70’er Jahren.

Obwohl ich im Vorfeld des Konzertes erfahren hatte, dass drei der Bandmitglieder gesundheitlich etwas angeschlagen gewesen sein sollten, war davon während des Gigs absolut nichts zu spüren. Alle vier bearbeiteten ihre Instrumente hingebungsvoll und meisterhaft. Bewundernswert welche Klangwelten die beiden Leadgitarristen Andy Powell und Mark Abrahams mit den Saiten ihrer Gitarren hervorzurufen in der Lage sind. Stark auch der Einsatz des Bassisten Bob Skeat, insbesondere als F.U.B.B. intoniert wurde.

Zum Abschluss des Konzertes gab es dann noch die beiden Klassiker „Jailbait“ (mein absoluter Lieblingssong von Wishbone Ash) und „Phoenix“ auf die Ohren. Das Publikum bedankte sich für den gelungenen Abend mit reichlich Applaus. Nach der Zugabe „Blowin‘ Free“ ging dann ein wunderbares, gut 100 minütiges, energiegeladenes Konzert in der gut gefüllten Kulturfabrik zu Ende.

Line-up:
Andy Powell (lead vocals, lead guitar, acoustic guitar)
Mark Abrahams (lead guitar, acoustic guitar)
Bob Skeat (bass, vocals)
Joe Crabtree (drums)

Text und Bilder: Jörg Schneider

Wishbone Ash
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Kulturfabrik Krefeld e.V.

Red Beard, 20.12.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Das Musikjahr 2018 neigt sich dem Ende entgegen und was kann es Schöneres geben, als die Konzertsaison nochmals mit einem verheißungsvollen Teenage Head Music-Southern Rock-‚Jung-Act‘ in unserer geliebten Kulturrampe abzuschließen.

Zunächst möchte ich kurz ein paar salbende Worte über diese beiden langjährigen Kooperationspartner verlieren. Das Label Teenage Head Music um ihren Mastermind Manny Montana hat auch 2018 wieder einen unermesslichen Beitrag geleistet, den Southern Rock in Europa präsent zu halten. Besonders lobenswert aus meiner Sicht, dass man sich nicht auf den Lorbeeren funktionierender arrivierter Bands ausruht, sondern immer bestrebt ist, neuen jungen, nicht minder talentierten Combos, eine Plattform zu bieten.

Gar nicht oft genug kann man den Einsatz von Markus ‚Pille‘ Peerlings hervorheben, dem es auch dieses Jahr wieder mit unermesslichem Einsatz, trotz der begrenzten Möglichkeiten seiner Krefelder Kult-Location, gelungen ist, ein Wahnsinnsprogramm auf die Beine zu stellen, und der auch für 2019 schon wieder die Weichen für tolle Musik gestellt hat. Danke lieber Pille, wo wäre bodenständige Rockmusik heute ohne Typen wie dich und solche Clubs?

Kommen wir aber nun zu Red Beard, eine mir bis dato nur namentlich bekannte Band von den Kanaren (mit denen ich in meinem bisherigen Leben nur urlaubstechnisch in Berührung gekommen bin). Die hatten mit ihrem, vom geschätzten Kollegen Michael Segets reviewten Album „Dakota„, einen aktuellen Longplayer am Start.

Nachdem Bandchef Jaime Jiménez Fleitas und der quirlige Lead-Gitarrist Fabio La Perna ihre Arbeitsgeräte bei einem kurzen Intro im Twin-Modus ‚vorgeglüht‘ hatten, wurde mit „Something Real“ durch ein ein kurzweiliges Gemisch aus Southern- und Country Rock-Ingredienzien losgestampft.

Soweit ich meine handschriftlichen Notizen überschauen kann, wurde in dem gut 20 Stücke umfassenden Programm (inklusiv der beiden launigen Zugaben „I’m Trying To Do My Best“ und „Hold On“) bis auf zwei Cover-Nummern („Can’t You See“ und „Midnight Rider“), auf den Fundus ihrer bestens anhörbaren Eigenkreationen gesetzt.

Auffälig war, das bei vielen Stücken eingestreute Stones-Gitarrenriff-Fundament als Rhythmus-Untermalung, das dann mit den typischen Zutaten à la Skynyrd, Marshall Tucker, Georgia Satellites oder auch Blackberry Smoke (bei Country-lastigeren Sachen wie zum Beispiel „I Can’t Slow Down“) kombiniert wurde.

Das neue Album „Dakota“ wurde dabei lobenswerter Weise komplett vorgestellt. Klasse hier u. a. der Opener des Werkes „A Place To Settle Down“ mit seinen „Sweet Home Alabama“-Reminiszenzen oder der schunklige Footstomper „Begging For More“. Wenn es dem regelrecht bescheiden wirkenden Fronter Jaime Jiménez Fleitas vielleicht gelingt, noch etwas kommunikativer (vielleicht mal mit ein paar Ansagen oder Anekdoten vor den Songs) und mitreißender auf das Publikum zuzugehen, kann hier in Zukunft ein äußerst verheißungsvoller Southern Rock-Live-Act gedeihen.

Insgesamt aber ein musikalisch überzeugendes Debüt von Red Beard in der Krefelder Kulturrampe, das von etwa 50 Zuschauern zurecht mit viel Applaus und teilweise fast ekstatischem ‚Updancen‘ anerkannt wurde. Die Spanier reihen sich damit würdig in Liste von Bands der jungen New Southern Rock-Generation wie Robert Jon & The Wreck, Voltage, The Trongone Band, Them Dirty Roses, The Vegabonds & Co. ein, deren Entwicklung mit Spannung weiterverfolgt werden darf. Ein sehr gelungenes Jahresfinale in der Rampe!

Line-up:
Jaime Jiménez Fleitas (lead vocals, electric guitar)
Fabio La Perna (electric guitar, vocals)
Francisco Marrero Fajardo (bass)
Josiño Perez (drums)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

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The Trongone Band, 08.12.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Eigentlich war es ja erneut ein Wetter, um auf der Couch liegen zu bleiben. Da mit den Jungs von The Trongone Band aber ein äußerst verheißungsvoller New Southern Rock-Act erstmalig in unserer geliebten Kulturrampe in Krefeld vorstellig wurde, schwangen Gernot und ich natürlich unseren Hintern hoch. Da zählt das Engagement von Leuten wie KR-Chef Pille Peerlings und der Support von solch tollen Clubs einfach deutlich mehr, als manchmal die eigenen Befindlichkeiten.

Der durfte sich dann auch bei einem Erstauftritt von einer hier recht unbekannten Band über eine ziemlich gut gefüllte Location freuen (wenn ich mich recht erinnere, haben heutige Rampenfeger wie Hogjaw oder Robert Jon & The Wreck damals bei ihren Debüts vor deutlich weniger Zuschauern begonnen).

Ja, The Trongone Band. Ich glaube, dass es auch ein wenig mit mein Verdienst ist, dass diese Burschen in Europa zu sehen sind. Nach einem Geheim-Tipp meines Bekannten Harald Birkner hatte ich ihr Management um die Überlieferung ihres Erstlings „Keys To The House“ gebeten. Ich sehe mich heute noch bei der Verfassung meines überschwänglichen Reviews in unserem holländischen Urlaubsort Kamperland auf der Terrasse sitzen. Somit war ich vermutlich der erste, der etwas über das Virginia-Quartett in Deutschland publiziert hatte.

Nach der Fertigstellung folgte auf dem Fuße die Anfrage, ob ich Kontakte für Auftritte in Europa wüsste oder herstellen könnte. Da war es natürlich keine Sache, unsere Freunde und Experten auf diesem Gebiet, Teenage Head Music, ins Spiel zu bringen. Und siehe da, heute stehen sie unter der THM-Fahne auf den einschlägigen, dieser Musik gegenüber offenen Bühnen unseres Kontinents.

Da der Vierer um die beiden Trongone-Brüder Andrew und Johnny, sowie ihre Mitstreiter Ben ‚Wolfe‘ White und Chip Hale bis jetzt nur besagten Silberling und eine mit recht identischen Liedern bestückte Live-Scheibe im Portfolio zu bieten haben, war bereits mit dem Opener „Nothing To Lose“ klar, dass hier auch der Fokus liegen würde.

Gitarrist und Fronter Andrew Trongone und Keyboarder Ben ‚Wolfe‘ White hatten die Lead Vocals inne, die im ersten Abschnitt bei mir direkt vor der Bühne, wie auch der Gesamt-Sound (ziemlich Schlagzeug-lastig), teilweise etwas dumpf rüber kamen. Das besserte sich dann im  weiteren Verlauf aber zusehends.  Beide überzeugten vor allem bei ihren vielen Solo-Einlagen an ihren Instrumenten Telecaster, beziehungsweise Hammond-Orgel und E-Piano.

Chip Hale ließ seinen Tieftöner sehr filigran pumpen und hatte einen tollen einfühlsamen Groove, während sein Rhythmus-Partner Johnny Trongone viel Power erzeugte.

Als sich bei Andrew Trongone eine Gitarren-Saite in der Endphase bei „Straight To Hell“ in die Hölle verabschiedet hatte, trotzte dieser relativ beherrscht und abgeklärt der für ihn unangenehmen Situation und drehte dann mit Fünfen erst so richtig auf. Respekt dafür.

Erwähnenswert sind sicherlich auch die toll gespielten Cover-Versionen, wovon das grandios performte Dire Straits-Stück „Money For Nothing“ herausragte, aber auch der Little Feat-/Lowell George-Schwofer „Willin'“ und der fulminant gejammte „New Speedway Boogie“ (Grateful Dead) im Zugabenteil begeisterten.

Gefreut habe ich mich übrigens über die Anwesenheit meiner zur Zeit arg gebeutelten und wie so oft trinkfreudigen Rot-Weiß Essen-Freunde Happo & Co., die mit sachkundigen Kommentaren wie „Zugabe“ (schon nach dem vierten Lied „Anne Marie“), „ach, das spielen die auch?“ (nach undefinierbaren Anfangs-Akkorden eines Stückes) oder „ich muss Montag arbeiten“ (angesichts des sich immer weiter verlängernden Endabschnittes des Gigs),  ihrer ungezügelten Ruhrpottschnauze mal wieder freien Lauf ließen.

Im Anschluss an den Gig entpuppten sich die Trongone Band-Burschen vorne im Bluebird-Cafe als sehr nette, aufgeschlossene als auch sympathische Typen und kehrten für unser VIP-Logo-Bild nochmals auf die Bühne der Rampe zurück. Nach ihren nächsten Auftritten in den Niederlanden, Frankreich und Spanien können sie Weihnachten mit stolzer Brust von ihrer ersten Europa-Tournee in die Staaten zurückkehren. Wiedersehen ganz  klar erwünscht!

Line-up:
Andrew Trongone (lead vocals, electric guitar)
Ben White (keys, lead vocals)
Chip Hale (bass, vocals)
Johnny Trongone (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

The Trongone Band
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Absolva – 29.11.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Absolva_haupt

An einem Donnerstag-Abend füllte die britische Hard Rock-Combo Absolva die Kulturrampe in Krefeld mit etwa 60 Zuschauern. Einige der Besucher hatten die Band als Support zum Michael Schenker Fest Anfang des Monats in der Oberhausener Turbinenhalle vermutlich noch in angenehmer Erinnerung.

Gegen 20:30 Uhr betraten die vier Musiker unter dem Applaus der in großer Zahl in den typischen Kutten gekleideten Hardrockfans die Bühne, um direkt mit „Life On The Edge“ vom aktuellen Album „Deflance“ zu zeigen, wo der Metalhammer hängt. Das Gerüst der Songs bildete das angesprochene aktuelle Werk,  meist in einem furiosen Tempo vorgetragen.

Die beiden Brüder Chris und Luke Appleton wechselten sich dabei mit Lead- und Rhythmusparts an den Gitarren ab und feuerten zahlreiche Soli durch die Rampe. Im Vordergrund stand meist allerdings Chris Appleton, der größtenteils für die Leadvocals zuständig war und auch sehr humorvoll durch den Abend moderierte. Beim Singen rollte er zuweilen mit weit aufgerissenen Augen, eher nichts zart besaitete Menschen.

Es näherte sich laut seiner Ansage, das Ende von fast über 200 Auftritten in diesem Jahr, auch als Begleitband von Blaze Bailey, bekannt aus seiner Zeit bei Iron Maiden. Wer dachte, dies hätte zu Verschleißerscheinungen geführt, war aber falsch gewickelt. Es wurde ein rasanter Abend, bei dem der Funke, zum Wohlgefallen der Musiker, direkt aufs Publikum übersprang.

Der immer wieder headbangende Bassist Karl Schramm zeigte durch sein fast ständiges Lächeln, mit welchem Spaß er und auch der Rest des Quartetts diesen Gig in der Rampe genoss. Dabei lieferte er eine starke Rhythmusarbeit, wobei er den Bass im ursprünglichen Stil zupfend bearbeitete und so im Sound sehr differenziert rüber kam.

An dieser Stelle sei schon erwähnt, dass es Malte Menzer am Mischpult gelang, den Sound exzellent auszusteuern. Auch lichttechnisch war das Konzert etwas besonderes. Absolva wollte durchgehend eine helle Beleuchtung und einen Verzicht auf ein Flaslightgewitter oder ständige Lichtwechsel, was ich persönlich als sehr angenehm empfand. Die Fans konnten so durchgehend auch dem Treiben an den Instrumenten bestens folgen.

Der vierte im Bunde, Drummer Martin McNee, von Chris Appleton als das „Tier“ an den Drums vorgestellt, war durch seine Statur eine eindrucksvolle Erscheinung mit rauschenden Bart, der in bester Metal-Manier, inklusiv einem starken Solo, die Drumsticks schwang.  Er konnte allerdings nicht nur ‚Vollgas‘ geben, sondern in einigen ruhigeren Stücken auch durchaus ‚anschmiegsam‘ seine Felle bearbeiten. Zudem nahm er immer wieder humorvoll Grimassen-schneidend Kontakt zum Publikum auf.

Neben den meist hart rockenden schnellen Tracks in typischem Stil der englischen Hard- und Heavy-Bands vorgetragen –  bei manchen war eine Nähe zu Iron Maiden, UFO, Gary Moore oder Black Sabbath erkennbar – bewiesen die Vier mit „Only When It’s Over“, ihre Balladentauglichkeit, wobei sich die beiden Appleton-Brüder durch sehr klares gefühlvolles Spielen und melodischen Gesang auszeichneten.

Mit „Code Red“ wurde als letztem Lied buchstäblich die Hütte abgerissen. Treibender Bass und Highspeedgitaren beschlossen zunächst den Hauptteil. Die Musiker verließen aber gar nicht erst die Bühne, genossen den Applaus und die Zugabeforderungen der Fans und legten noch einmal nach. Mit dem Black Sabbath-Klassiker „Heaven And Hell“, bei stark mitsingendem Publikum, gab es einen würdigen Abschluss eines knapp zweistündigen Heavy-Abends in der Rampe, um im Anschluss noch in der Kneipe mit den Fans zu klönen.

Absolva hat durch das sympathische Auftreten aller Musiker mit Sicherheit neue Fans in Krefeld gefunden, welche vermutlich beim nächsten Mal noch die eine oder andere Person mitbringen werden. Pille Peerlings als Veranstalter hätte schon an diesem Abend sicherlich eine volle Hütte verdient gehabt. In dem Sinne bedankte sich Chris Appleton schon während des Konzertes dafür, dass die Anwesenden nicht nur Absolva mit ihrem Besuch unterstützen, sondern auch generell dafür sorgen, dass solch kleine Clubs eine Überlebenschance haben.

Line Up:
Chris Appleton: Lead Vocals, Guitars
Luke Appleton: Backing Vocals, Guitars
Martin McNee: Drums
Karl Schramm: Bass, Backing Vocals

Text und Bilder: Gernot Mangold

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