Sass Jordan – Support: Chris Caddell And The Wreckage – 09.05.2019, Arnheim, Luxor Live – Konzertbericht

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Gut eineinhalb Jahre, nachdem wir die wundervolle Location Luxor Live in Arnheim bezüglich eines Sass Jordan-Gigs für uns entdeckt hatten, wollten wir uns, nach nun bereits einigen zwischenzeitlichen Besuchen, ihre Rückkehr im Rahmen eines Europa-Kurztripps, natürlich nicht entgehen lassen. Immerhin hatte ich das damalige Konzert im Rückblick 2017 zum Jahreshighlight auserkoren.

An diesem Abend im Luxor Live gab es wieder das gleiche ‚Package‘. Das Vorprogramm bestritt ihr hochtalentierter und wildgelockter Gitarrist Chris Caddell mit seiner Begleitband The Wreckage, samt Drummer Cassius Pereira (auch schon für kanadische Stars wie Jeff Healey und Johnny Reid tätig) und dem erfahrenen Bassisten Derrick Brady.

Chris stellte in einer halben Stunde mit Songs wie u. a. „From The Wreckage“, „My End“, „Workin'“ oder „Stop“, Sachen aus seinem eigenen Kreativfundus vor. Er scheint als Gitarrist immer stärker zu werden und offerierte bei einigen Tracks mit tollen Slideeinlagen und filigranen Soli auch eine gewisse Southern Rock-Kompatiblität.

Am Ende gab es mit „Fade To Black“ eine schöne bluesig-proggig-umwehte Dire Straits-Cover-Version, aus der Spätphase (1991 „On Every Street“) der einstigen Superband. Insgesamt eine megastarke Vorstellung des spielfreudigen Trios.

Nach einer weiteren haben Stunde Gelegenheit zum Regenerieren für Caddell, Brady und Pereira, kam dann die in komplett schwarz gekleidete kanadische Diva mit der langen blonden Mähne, samt dem besagten Trio auf die Bühne und wählte mit „If You’re Gonna Love Me“ direkt einen launigen Einstieg, bei dem ihre positive Energie verströmende und sofort einnehmende Art, bestens zur Geltung kam.

Da sie sich schon seit längerem eine kreative Pause, zumindest, was die Veröffentlichung von ganz neuen Songs angeht, gönnt, schien das Interesse, der ja ansonsten eigentlich immer musikverrückten Holländer, doch ein wenig abgeebbt zu sein. Es waren, trotz der starken Leistung 2017, viel weniger Zuschauer präsent, was sich am Ende auch ein wenig in der Stimmung niederlegte. Die war natürlich alles andere als schlecht, aber nicht so euphorisch wie beim letzten Mal.

Dabei hatte Sie sich neben den Klassikern „You Don’t Have To Remind Me“, „Mobile Again“, „High Road Easy“, „Feeling’s Gone“ und „Make You A Believer“, mit Stücken wie „I’m The One“, „Crazy Heart“, „Big BLue Plantation“, Winding Me Up“, I’m Not“, „Head“, „If I Was You“ und „Desire“,
durchaus Mühe gegeben, einiges an Variation zum letzten Arnheim-Auftritt zu bieten.

Die Tracks kamen mir diesmal in der Performance deutlich härter und mit mehr Wums vor, was natürlich zum großen Teil an der wieder furios aufspielenden Begleitband lag, wo besonders der wie entfesselt agierende Chris Caddell (z. B. sein Hammer-Solo bei „Feeling’s Gone“) seinen großen Anteil hatte. So wurde das Quartett um die bewegungsfreudige (viel tanzend und hüpfend), wieder wild mit ihren Armen gestikulierende, gesangsgewaltige (herrlich ihr Zwischenschrei bei „Feeling’s Gone“) und auch mimisch begeisternde Fronterin, naturgemäß nicht ohne Zugabe in den Feierabend gelassen.

Die wurde dann mit dem launig shuffelnden „So Hard“, wie schon beim letzten Stelldichein, recht rockig dargeboten. Die mit nur 70 Minuten auch etwas kurz geratene Spielzeit, verflog aufgrund des hohen Unterhaltungswertes naturgemäß wie im Flug. Da hätte man gerne, auch angesichts der Anreise, noch 3-4 Tracks mehr gehört. Am Ende nahm sich dann Chris Caddell zumindest noch die Zeit für unser obligatorisches VIP-Galerie-Bild.

Danke an Marijn de Valk und dem Luxor Live Team für die gewohnt gastfreundschaftliche Aufnahme und die Akkreditierung. Tot ziens bis zum nächsten Mal.

Line-up Chris Caddell And The Wreckage:
Chris Caddell (lead vocals, electric guitar)
Derrick Brady (bass, vocals)
Cassius Pereira (drums)

Line-up Sass Jordan:
Sass Jordan (lead vocals)
Chris Caddell (electric guitar, vocals)
Derrick Brady (bass, vocals)
Cassius Pereira (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Sass Jordan
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Chris Caddell And The Wreckage
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Luxor Live, Arnheim

Greg Holden – World War Me – CD-Review

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Manchmal frage ich mich tatsächlich, warum man teilweise so erpicht ist, bei uns mit diversen Werken besprochen zu werden. In der Regel sollte die Musik doch irgendwie schon zur,  im Namen des Magazins klar definierten Intention passen, egal wie gut sie auch auf ihre Art sein möge. Die neue Scheibe von Greg Holden „World War Me“ ist so ein typisches Beispiel. Diese unserer Klientel vorzustellen, ist demnach wahrscheinlich genau so sinnvoll, wie ein Elternabend im Waisenhaus…

Der gebürtige Schotte, über Brighton, London und New York, mittlerweile in Los Angeles ansässig, ist zweifellos ein Künstler mit interessanter Vita und viel musikalischem Potential. Seine Sympathisantschaft dürfte sich allerdings eher aus dem Bereich des jüngeren Publikums rekrutieren. Hier geht es hauptsächlich um radiofreundlichen, dezent Indie- und elektronisch umwehten Pop.

Der sozial engagierte und weit gereiste, mir bis dato völlig unbekannte Singer/Songwriter, hatte seinen bisherigen Zenit mit der Co-Komposition des Stückes „Home“ für den American Idol-Gewinner Philip Phillips, das ihm  weltweite Beachtung einbrachte und ihn und seine Musik in den Major-Bereich katapultierte.

Mit „World War Me“, seinem vierten Longplayer (allerdings nur mit 9 Stücken), verarbeitet er laut eigens geschriebener Credits zum Werk, eine von 2016 bis 2018 währende, mit sich selbst ausgefochtene Existenzkrise (oder halt, was Musiker als eine solche bezeichnen…), mit dem Ziel, wieder in die musikalische Spur zurückzufinden.

Die relativ helle Stimme des Protagonisten und sein britisch umwehter Pop, manchmal in Richtung U2 oder Simple Minds („What I Deserve“) tendierend, ist, trotz guter Texte, natürlich überhaupt nicht meine ‚Cup of tea‘. Dennoch offenbart sich das Kompositionshändchen des Künstlers, mit seinen überwiegend tanzbaren Fundamenten und eingängigen, wie auch mitsingbaren Refrains, ein größeres Publikum anzusprechen.

Holden ist aus meiner Sicht zum Beispiel sowohl für einschlägige Tanzclubs, als auch für die großen Festivals im Indie- und Pop-Bereich prädestiniert und wird dort mit großer Sicherheit ein Stimmungsgarant sein.

Mir persönlich gefallen noch das, aus Frust über die Trump-Wahl entstandene „Temptation“ (mit markanter Synthie-Fiep-Hook – in unseren Kreisen hätte man die mit einer E-Gitarre erzeugt…), das flockig launige „Power Shift“, das atmosphärische, Piano-bestückte „Nobody’s Perfect“ oder das überwiegend akustisch gehaltene Duett mit der Grammy-nominierten Songwriterin Garrison Starr, „I’m Not Your Enemy“ zum Abschluss, das die vorher eingeschlagenen Pop-Pfade mal beherzt verlässt und an Kooperationen  von Josh Abbott mit Kacey Musgraves erinnert.

Fazit: „World War In Me“ ist ein auf die geneigte Klientel bestens zugeschnittenes und starkes Pop-Album geworden, das Greg Holden auch schon aufgrund des Major-Backgrounds, wieder große Beachtung und Erfolg bescheren wird, in unserem Magazin aber, bis vielleicht auf den Endtrack, völlig deplatziert erscheint.

BMG Rights Management (2019)
Stil: Pop

01. Nothing Changes
02. On The Run
03. Something Beautiful
04. Temptation
05. Chase The Money
06. What I Deserve
07. The Power Shift
08. Nobody’s Perfect
09. I’m Not Your Enemy

Greg Holden
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Marc Broussard – Home (The Dockside Sessions) – CD-Review

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Review: Michael Segets

Marc Broussard sorgt dafür, dass er im Gespräch bleibt. Vor einem Jahr brachte er „Easy To Love“ heraus, hatte einen ARD-Fernsehauftritt, tourte durch Deutschland – SoS besuchte seinen Gig in Düsseldorf – und schob das Weihnachtsalbum „Magnolias & Mistletoe“ nach. Möglich wäre sicherlich gewesen, einen Live-Mitschnitt oder eine Best-Of-CD herauszubringen. Stattdessen hat er sich für eine besondere Kombination dieser Alternativen entschieden.

„Home“ versammelt Neueinspielungen bereits veröffentlichter Songs, die größtenteils live in den Dogside Studios aufgenommen wurden. Eigentlich waren die Aufnahmen lediglich für Youtube-Videos gedacht. Nach 30 Millionen Klicks war der Schritt zur Produktion eines Albums naheliegend.

Marc Broussard verfügt über eine ausdrucksstarke Stimme, die im Vordergrund der ruhigen Songs steht. Die instrumentale Begleitung beschränkt sich zumeist auf akustische Gitarre und/oder Klavier. Ted Broussard und Andy Bourgeois übernehmen diese. Lediglich beim Klassiker von Otis Redding „These Arms Of Mine“ – zuvor mit Huey Lewis eingespielt – kommen noch Keys und beim abschließenden „Home Anthology“ Drums zum Einsatz.

Das letztgenannte Stück hebt sich durch die höhere Dynamik, zu der die elektrische Gitarre von Roddie Romero und der Backgroundchor beitragen, deutlich von den vorangegangenen Titeln ab.

Bei der überwiegenden Anzahl der Songs zelebriert Broussard den Soul. So legt er fünf Titel neu auf, die sich auf seinem Album „S.O.S.“ finden. Auf diesem Werk widmet sich Broussard der Soul-Musik der 1950er und 1960er Jahre. Ein Highlight stellt die akustische Version von „Cry To Me“ dar.

Bekannt wurde der Song von Burt Berns durch den Film „Dirty Dancing“. Ebenfalls sehr stark ist „I Love You More Than You’ll Ever Know” – ein Blues aus der Feder von Al Kooper.

Neben den Covern greift Broussard auch auf eigene Titel zurück, die ihm besonders am Herzen liegen. Sechs Songs von „Carencro“ aus dem Jahr 2004 präsentiert er in neuem, gereiften Gewand. Beispielsweise bei „Gavin’s Song“ sind deutliche Unterschiede im Arrangement zu hören.

Das Stück wurde bereits für das letztjährige Album „Easy To Love“ neu aufgenommen. Von dieser Version unterscheidet sich die aktuelle auf „Home“ allerdings nur in Nuancen. Mein Favorit des neuen Albums ist „Send Me A Sign“, das sich im Original ebenfalls auf „Easy To Love“ findet.

Marc Broussard hat Soul in der Stimme, der auf „Home“ hervorragend zur Geltung kommt. Mit dem Album zieht er eine persönliche Zwischenbilanz seines bisherigen Schaffens, wobei das Resultat des Überarbeitungsprozesses der Songs den Stand seiner musikalischen Entwicklung einfängt.

Zurücklehnen und diese Werkschau der anderen Art genießen, lautet daher die Empfehlung.

Big Lake Music / India Media Group (2019)
Stil: Southern Soul Rock

Tracks:
01. French Café (Live at Dockside Studio)
02. The Wanderer (Live at Dockside Studio)
03. I Love You More Than You’ll Ever Know (Live at Dockside Studio)
04. Lonely Night in Georgia (Live at Dockside Studio)
05. Do Right Woman, Do Right Man (Live at Dockside Studio)
06. The Beauty of Who You Are (Live at Dockside Studio)
07. Gavin’s Song (Live at Dockside Studio)
08. Let Me Leave (Live at Dockside Studio)
09. Send Me a Sign (Live at Dockside Studio)
10. Don’t Be Afraid to Call Me (Live at Dockside Studio)
11. Come in from the Cold (Live at Dockside Studio)
12. Lucky (Live at Dockside Studio)
13. Cry to Me (Acoustic)
14. These Arms of Mine (Live Acoustic)
15. Home Anthology

Marc Broussard
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Music Matters

Joseph Parsons – Digging For Rays – CD-Review

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Review: Michael Segets

Joseph Parsons erlebte ich 2013 im Essener Grend als Mitglied der US Rails. Mittlerweile ist Parsons aus der Truppe ausgestiegen, verfolgte aber mit Hardpan ein anderes Bandprojekt und war mit Todd Thibaud als Duo Parsons Thibaud unterwegs. Neben diesen Kollaborationen ist er auch solo sehr aktiv. Mit „Digging For Rays“ legt Joseph Parsons nun sein 13. Studioalbum vor, das er mit seiner bewährten Begleitband einspielte: Ross Bellenoit an der elektrischen Gitarre, Freddi Lubitz am Bass und Sven Hansen am Schlagzeug.

Dass Parsons schöne Melodien entwickeln und poetische Texte verfassen kann, stellt er auf seiner neuen CD erneut unter Beweis. Mit seiner markanten, weich und zugleich voll klingenden Stimme drückt er seinen Songs einen eigenen Stempel auf. Die Stimme von Parsons bringt beispielsweise auf „Sad Parade“, von seiner akustischen Gitarre begleitet, Emotionen unmittelbar rüber. Der pure Klang des Stücks macht es zu meinem Favoriten auf der Scheibe.

Als weitere langsamere Songs sind das sphärisch untermale „Long Road”, „Today“ – mit einem schönen Gitarrensolo – und „Piracy“ vertreten. Sie wirken harmonisch und melodiös. „Piracy“ kann live gespielt und weniger opulent arrangiert zu einem hervorragenden Teil von Parsons Repertoire werden. In der vorliegenden Version ist es mir einen Tick zu poppig geraten.

Gleiches gilt für einige andere Titel. Bei einzelnen Stellen von „Beautiful Lie“ kommt mir die englische Band Latin Quarter in den Sinn. Der Song ist eingängig, aber die Klangsphären vor allem am Ende des Stücks gehen schon stark in Richtung Pop. Bei „Come Around“ empfinde ich die gesprochene Passage störend. Der helle Soundteppich und der Klang des Schlagzeugs auf „Living Things“ liegen ebenfalls nicht auf meiner Linie.

Neben den kritischen Anmerkungen lässt sich aber auch positives verzeichnen: „Dreaming” beginnt mit akustischer Gitarre und entwickelt sich nicht zuletzt durch die einsetzende E-Gitarre zu einem spannenden Rocksong. Ein ähnliches Tempo, aber mit etwas dunklerer Atmosphäre, schlägt der Opener „Wide Awake“ an. Er hat von den Titeln des Albums den deutlichsten Wiedererkennungswert. Als Bonustrack gibt es das Stück in deutscher Sprache, mit der Parsons seine derzeitige Wahlheimat würdigt. Parsons‘ Akzent bei „Hellwach“ ist durchaus sympathisch. Seine Betonung erinnert mich an Herman van Veen.

Parsons „Digging For Rays“ ist nicht sein bestes, aber ein solides Album. Die Melodien und Songstrukturen sowie Parsons‘ Stimme bilden dessen Fundament, das bei einigen Songs durch die poppig geratenen Arrangements überlagert wird. Man darf gespannt sein, wie die Stücke live wirken, denn Parsons tourt wieder ausgiebig durch Deutschland, wobei er u. a. am 24. März im JZ Karo in Wesel Station macht.

Meer Music/Blue Rose Records/Soulfood (2018)
Stil: Rock, Pop

Tracks:
01. Wide Awake
02. Come Around
03. Living Things
04. Beautiful Lie
05. Today
06. Piracy
07. Sad Parade
08. Dreaming
09. Long Road
10. Hellwach (Bonus-Track)

Joseph Parsons
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Bluerose Records
Soulfood
Oktober Promotion
JZ Karo

Jasmine Wynants-Granfelt – In My Mind – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Am 6. März veröffentlicht Jasmine Wynants-Granfelt, nachdem sie mit verschiedenen Bands schon einige Platten auf den Markt gebracht hat, ihr erstes Solo-Album “In My Mind”.

Die Ankündigung der neuen Platte auf ihrer Webseite beginnt mit einem mystischenText: „♥ I want to look into Your eyes for Eternity…swim in the Mystery of Your Soul…fall into the Pumping of Your Heart…climb onto the Wandering of Your Feet..lost in The Hole in the Universe ♥”

Passend zu diesem das vieldeutig interpretierbare psychedelisch angehauchte Plattencover, der in Belgien geborenen, in Singapur und den Niederlanden aufgewachsenen Wynants-Granfelt, die es wegen der Liebe zur finnischen Musikszene 2011 nach Helsinki zog. Ob das finnische Wetter, wie auf der Homepage beschrieben, auch eine Rolle spielte, sei dahingestellt.

Auf dem Tonträger erwarten einen 11 Songs, die mit einer Ausnahme, dem Cover „Wild Frontier“ von Gary Moore, alle von ihr selbst geschrieben sind. Produziert ist es von Magnus Axberg und Ben Granfelt, der auch alle Gitarren einspielte und dem Werk einen entsprechenden Charakter verleiht. Wer aber glaubt, dass es sich um ein Granfelt-Album mit seiner Frau als Vokalistin handelt, ist allerdings auf dem Holzweg.

Mit „The Gravedigger’s Wife“ beginnt die Scheibe direkt furios grunge-punk-rockend im Stile alter Billy Idol-Sachen, was durch Wynants-Granfelts leicht schnoddrigen Gesangsstil in diesem Song noch unterstützend wirkt

„Extraordinary Man“ ist eine Art Homage an den britischen Comedian Ricky Gervais, dem sie zu Beginn des Liedes fast eine Art Heiratsantrag macht (wie kann Ben Granfelt bei solch einem Text weiter ruhig seine Gitarre spielen?), dies aber zum Ende relativiert. „Don’t worry I am married, I’m not looking for a score“. Ben und Ricky können somit beide beruhigt sein, sie liebt nur die Art von Humor und gibt damit auch einen Einblick in ihre Seele.

„In My Mind“ beeindruckt zunächst mit einem orientalisch angehauchten Intro, dem Jasmine auch ihre facettenreiche Stimme entsprechend anpasst. Mit „Song For Him“ zeigt sie, dass sie auch radiotaugliche Songs der Kategorie Stevie Nicks kann, wobei sie allerdings stimmlich rauer und wilder, wie auch im folkigen „Trudyanne“, daherkommt.

Ihre Flexibilität im Songwriting wird spätestens in dem Moment klar, wo dem Grunge-umwehten „Bye Bye Babydoll“ das fast swingende „Pimp“ folgt. Einer der absoluten Highlights der Platte ist das rockige „For What It’s Worth“, in dem Ben Granfelts Gitarrenspiel herausragt.

Im weitesten Sinne erinnert es mich in einigen Passagen an einen meiner Favoriten der Guitar Slingers, „This Is Forever“. Diesem Topsong wird mit dem Gary Moore Cover „Wild Frontier“ in einer akustisch, folkig, keltisch interpretierten Version ein weiterer Höhepunkt nachgelegt, wobei Jasmine mit sanfter gefühlvoller Stimme fast träumerisch daherkommt.

Nach dem swingenden „Mr. Postman“ gibt Jasmine Wynants-Granfelt im letzten Song noch einmal einen Einblick in ihre Seele. Beim folkig-lastigen „Cigarettes“ bekennt sie, dass es wohl Momente gibt, in denen sie für eben solche sterben würde.

Als Fazit kann gesagt werden, dass Jasmine Wynants-Granfelt mit „In My Mind“ einen ganz starken und abwechslungsreichen Longplayer hingelegt hat. Trotz der vielen Stilelemente ist er in sich kompakt und demnach ohne Längen, da man immer wieder (positiv) überrascht wird.

Neben der facettenreichen Stimme Jasmins setzt natürlich auch das Gitarrenspiel Ben Granfelts, der nicht umsonst einige Jahre bei Wishbone Ash spielte, viele Glanzpunkte. Aus diesen Gründen absolute Kaufempfehlung, und die Hoffnung, dass Wynants-Granfelt diese Songs, am besten mit ihrem Gatten auch in den hiesigen Clubs zum Besten gibt.

Als Service gibt es auf der Webseite Wynants-Granfelts die Texte von allen Songs schon vor der Veröffentlichung des Albums.

Supersounds Music (2019)
Stil: Rock

01. The Gravediggers’s Wife
02 Extraordinary Man
03. In My Mind
04. Song For Him
05. Trudyanne
06. Bye Bye Babydoll
07. Pimp
08. For What It’s Worth
09 Wild Frontier
10. Mr. Postman
11. Cigarettes

Jasmine Wynants-Granfelt
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HER – Black And White – CD-Review

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Nach ihrem launigen Konzert im Kölner Yard Club vor gut zwei Wochen überreichte uns Monique Staffile auch ihr neues Studiowerk „Black And White“ zum Reviewen.

Die CD kommt diesmal Coverart-technisch in einem recht spartanisch gehaltenen, passend zur Thematik, gewählten schwarz-weiß bedruckten Papp-Schuber, wobei sich auf der Rückseite, nebst zweier Gesichtsausschnitte von Monique an den Rändern, alle relevanten Infos zum Album befinden (Titel, Musiker, etc.).

Während ihres Gigs hatte sie bereits Stücke wie „A Plan“, „You Don’t Want Me Anymore“, „Black And White“ und das emotionale, einigen bereits Verstorbenen in Moniques Bekanntenkreis gewidmete „Right Now“ – auf diesem Longplayer der melodischste und emotionalste Track – bereits vorgestellt. Hier im Studio klingt alles natürlich deutlich besser und klarer ausgesteuert als auf der Bühne.

Zu meinem persönlichen Leidwesen, gibt es auch diesmal keinen Schwenk zurück zu ihrer mehr Countryrock-umwehten Her & Kings County-Zeit. Sie und ihr musikalischer Gefährte Caleb ‚KBC‘ Sherman, der wieder vom Songwriting, instrumentellen Wirken bis zur Produktion eingebunden ist, haben sich weiterhin in einen aufmüpfigen New Wave-umwitterten Poprock kalibriert, sei es britischer, aber auch durchaus deutsch anmutender Natur, wobei mir hier Acts wie Nina Hagen oder Ideal in den Sinn kommen.

Aufgrund Moniques gut zu dieser Stilart passenden Rotzgöhren-Stimme kann dies auch durchaus nachvollzogen werden. Auf meinem Notizzettel habe ich neben dem treibenden „You Don’t Want Me Anymore“ und „Right Now“, noch das in Siebziger Rockmanier stampfende „Hide“ (klimpriges Piano), das atmosphärisch schleichende „Oh My God“ sowie das Hagen-mäßig schrille Synthie-trächtige „Make Believe“ als Anspieltipps vermerkt.

Fazit: Die aus Brooklyn stammende und in Nashville lebende Monique Staffile, alias HER, hat ihren Stil gefunden und geht diesen Weg konsequent weiter. Ihre neue CD „Black And White“ bietet klare Kante, kaum Schattierungen dazwischen und somit ganz viel New York und so gut wie gar kein Tennessee mehr.

Eher weniger meine Welt, vor allem nicht im heimischen Wohnzimmer, aber was bleibt, ist natürlich weiterhin der große Sympathiebonus, denn Monique trägt das Herz am rechten Fleck.

Eigenproduktion (2019)
Stil: New Wave / Rock / Pop

01. Break Me
02. A Plan
03. You Don’t Want Me Anymore
04. Black And White
05. Hide
06. Oh My God
07. Strike A Fire
08. Right Now
09. Make Believe
10. Love Story

Her
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Florida Georgia Line – Can’t Say I Ain’t Country – CD-Review

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Mit dem Titel ihres 4. Studio-Albums „Can’t Say I Ain’t Country“, setzen Florida Georgia Line ihren größten Kritikern ein geschicktes Statement entgegen, das man aufgrund seines weit auslegbaren Interpretationsspielraums, wohl kaum entkräften kann.

Diese werfen dem erfolgsverwöhnten Duo, bestehend aus Brian Kelley und Tyler Hubbard, durch ihre nicht unerhebliche Einflechtung von Pop-, Rock-, R&B- und Hip Hop-Elementen, eine zu starke Verwässerung des Genres, quasi eine Art Etikettenschwindel vor.

Auch auf diesem Werk gibt es , wen wundert es angesichts des immensen Erfolges, natürlich keine 180 Grad-Kehrtwende in Richtung lupenreiner Countrymusik. Im Prinzip bleibt auch hier alles beim Alten.

Durch die Einbindung von eher im Hip Hop gebräuchlichen Skits, bei denen ein gewisser Brother Jervel in bestem Slang, auf die Anrufbeantworter der beiden, weitestgehend sinnfreie, aber aus seiner Sicht eminent wichtige Neuigkeiten quasselt, wird dem Ganzen sogar eher noch einer oben drauf gesetzt.

Trotzdem hat die Scheibe mit einigen schönen Countryrockern wie dem Titelstück „Can’t Say I Ain’t Country“, „Speed Of Love“ oder der tollen Kooperation mit Jason Aldean bei „You Can’t Hide Red“ sowie dem herrlich grassig-folkig instrumentierten „Simple“ auch in dieser Hinsicht wieder einiges zu bieten.

Ansonsten wird selbstredend wieder alles unternommen, um eine möglichst große Käuferschicht zu bedienen, sprich, sowohl in den Country- wie auch den allgemeinen Billboard-Charts abzuräumen.

Bis auf das Tanzclub-ausgelegte „Swerve“ , wo es mir dann doch wirklich zu ‚bunt‘ getrieben wird, gibt es teils eingängige melodische Tracks („Talk You Out“, „Women“, „People Are Different“, „Told You“ als auch launigen und mitsingbaren Stoff („Y’all Boys“, „Colorado“), der für große Massen, sei es als Käuferschichten oder als Publikum bei ihren Live-Auftritten, geradezu prädestiniert ist.

Wenn man aber genauer hinhört, sind es die vielen kleinen Feinheiten der Nashville-Studiomusiker, die mit ihren Akustik- und Barition-E-Gitarreneinlagen und der dezenten Einbindung von Steel, Mandoline, Banjo oder Dobro auch bei diesen Liedern zu punkten wissen. Die Protagonisten wissen hingegen mit ihren angenehmen Stimmen und vielen Harmoniegesängen zu überzeugen.

Wer im New Country-Genre weitestgehend flexibel unterwegs ist und mit melodiöser, charttauglich ausgerichteter Musik keine Probleme hat, der kann bei „Can’t Say I Ain’t Country“ von Florida Georgia Line wieder unbedenklich zugreifen. Und wer jetzt trotz meiner Ausführungen immer noch behauptet, das wäre absolut kein Country, der werfe selbst den ersten (musikalischen) Stein…

Big Machine Label Group (2018)
Stil: New Country

01. Tyler Got Him A Tesla (Skit) [feat. Brother Jervel]
02. Can’t Say I Ain’t Country
03. Simple
04. Talk You Out Of It
05. All Gas No Brakes (Skit) [feat. Brother Jervel]
06. Speed Of Love
07. Women [feat. Jason Derulo]
08. People Are Different
09. Told You
10. Sack’a Puppies (Skit) [feat. Brother Jervel]
11. Y’all Boys [feat. HARDY]
12. Small Town
13. Sittin‘ Pretty
14. Catfish Nuggets (Skit) [feat. Brother Jervel]
15. Can’t Hide Red [feat. Jason Aldean]
16. Colorado
17. Like You Never Had It
18. Swerve
19. Blessings

Florida Georgia Line
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Universal Music
Oktober Promotion

Sister Hazel – Fire – EP-Review

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Wenn ich Ken Blocks einzigartige, so herrlich ‚näselnde‘ Stimme, samt eines der weiteren, vielen vielen Sister Hazel-Ohrwürmer aus den Boxen erklingen höre, weiß ich, dass meine persönliche musikalische Welt immer noch Ordnung ist.

Jetzt gibt es nach „Water“ und „Wind“ mit „Fire“ die dritte EP aus ihrem vierteiligen Elemente-Zyklus. Und die lässt es einem, mit dem wunderbar melodischen Opener „Every Heartbreak“, direkt wieder warm ums Herz werden.

Ein typischer Sister Hazel-Track mit den gewohnten Komponenten wie einer markanten Eingangshook, eben Blocks markantem Gesang, Tempi- und Stimmungswechseln, toller Gitarre von Ryan Newell (hier mit Slide), Harmoniegesänge und alles dann noch schön eingängig zusammen geschnürt.

Das folgende von Rhythmus-Gitarrist Drew Copeland gesungene dynamische „On And On“ offeriert ein weiteres Luxusproblem des so beständigen, durch Jett Beres (Bass) und Mark Trojanowski (Drums) vervollständigtem Quintetts, das mittlerweile auch bei uns verdient hätte, über ihren Insiderstatus hinaus, bekannt zu werden. Copeland ist nämlich ebenfalls ein außerordentlich guter Lead-Sänger, der hier mit „Fire“ und „She’s All You Need“ auch einen fast gleichwertigen Anteil am Frontmikro hat.

Das Titelstück ist diesmal klar der Mittelpunkt der EP (selbst von der Platzierung her). Ein sehr schön atmosphärischer Midtemposong mit einem dezenten Southern Rock-Touch, der sich am Ende in Newells tollem E-Gitarren-Solo in Marshall Tucker-Manier äußert. Auch das roots-poppige „She’s All You Need“ mit seinen pettyesken Zügen im Refrain und der Bruce Hornsby-angelehnten Piano-Passage, hat Chartpotential, sofern es von den Radiostationen mal erkannt werden würde.

Block glänzt dann bei den restlichen „Life And Love“ (Tex-Mex-Flair), dem herz-Schmerz-Lovesong „Here With You“ und dem ziemlich krawallig verlaufenden Finalstück „Elements III (Growin‘ Up)“, das, man glaubt es im Zusammenhang mit Sister Hazel kaum, anfangs an alte Queen-Zeiten erinnert (Mercury-ähnelnde Stimme und May-mäßig aufbrausende E-Gitarre) und dann in eine kurze Uptempophase mit schnellem Gesang und Honkytonk-Piano mündet, um dann abrupt zu enden.

Auch das dritte ‚Element‘ von Sister Hazel zündet von vorn bis hinten. Sieben tolle Lieder in gewohntem Sister Hazel-Ambiente! Schön zu sehen, beziehungsweise zu hören, dass das Feuer von Block, Copeland & Co. noch lange nicht erloschen zu sein scheint.

Croakin‘ Poet Records (2019)
Stil: Southern (Rock) Pop

01. Every Heartbreak
02. On And On
03. Life And Love
04. Fire
05. She’s All You Need
06. Here With You
07. Elements Part III (Growin‘ Up)

Sister Hazel
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Jesse Kinch – I’m Not Like Everybody Else – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Musik-Castingshows gibt es mittlerweile wie „Sand am Meer“. In allen erdenklichen Formaten werden neue Superstars gesucht. Allein in Deutschland konkurrieren mit „DSDS“, „Voice of Germany“ oder „Das Supertalent“ regelmäßige Sendungen, um die nächste große Entdeckung zu präsentieren. International, vor allem im englischsprachigen Raum, sind Castingshows ebenso zahlreich im TV vertreten. Die Erfolgreichen dieser Shows können den schnellen Erfolg jedoch meistens nicht lange aufrechterhalten und bleiben oft nur als One-Hit-Wonder im Gedächtnis.

Der Sieger der US-Show „Rising Star“, Jesse Kinch, musste sich 2014 dem Urteil der Jury aus US-Country-Star Brad Paisley, Pop-Sternchen Kesha und Rapper Ludacris stellen. Entgegen der weit verbreiteten Methode, Gewinner solcher Sendungen sofort zu vermarkten und Alben zu veröffentlichen, beschritt Kinch, teils unfreiwillig, einen anderen Weg. Aufgrund von Unstimmigkeiten mit seinem früheren Label über seine musikalische Ausrichtung konnte sein Debüt-Album leider erst vier Jahre (inklusive Label-Wechsel) nach seinem TV-Erfolg erscheinen.

Die Vorab-Single „Preaching Like The Pope“, zu der auch ein Musikvideo aufgenommen wurde, ist für diese Platte ein stimmiger, rockiger Opener mit überzeugendem Refrain. Im 90er ‚Take That-Stil‘ wirkt die schöne Rock-Ballade „How Do I Reach You (The Last Veil)“ besonders eindrucksvoll. Die Auswahl des Ray Davies-Covers und Titelstücks „I’m Not Like Everybody Else“ kann auch als persönliches Statement verstanden werden, da der 24-jährige als Casting-Show-Gewinner nicht den üblichen Einstieg ins Musikbusiness hatte. Der ursprüngliche Beat-Song begeistert als sehnsuchtsvolle Rock-Ballade mit Streicher-Arrangement. Auf „After All These Lovers“ kommt seine Bariton-Stimme voll zum Einsatz. Die Spencer Davies Group-Adaption „I’m A Man“ bleibt hingegen sehr nah am Original.

Bis auf das Schlagzeug hat Kinch in Lenny Kravitz-Manier alle Instrumente selbstständig eingespielt. Insgesamt werden acht Eigenkompositionen und fünf Cover-Songs angeboten, deren Schwerpunkt in den 1960er Jahren liegt, eine Phase, die Kinch auch als sehr wichtig für seine Musik erachtet und dabei bekannte Größen, wie Jim Morrison, Jimi Hendrix oder CCR als Vorbilder nennt.

„No Reason At All“ hat einen 1960er-Beat-Anstrich und „Nighttime New York City“ ist viel bluesiger als die anderen Songs. Der Michael-Jackson-Pop-Hit „Billie Jean“ verwandelt sich bei Jesse Kinch in eine einfühlsame Rock-Ballade und wird von Streichern im langsamen Rhythmus begleitet. Das vielfach neu aufgelegte „I Put A Spell On You“ ragt leider nicht aus der Masse der zahlreichen Versionen heraus. An den Beatles Song „This Boy“ von der „Meet the Beatles“-LP (1964) wagt sich Kinch ebenfalls heran, weicht aber nicht bedeutend von der Lennon/McCartney-Originalausgabe ab. Der letzte Track „Tamed“ ist vielschichtig komponiert, Gitarrensolo, Schlagzeug- und Keyboard-Parts bringen die Scheibe rockig zum Ende.

Auf seiner Debüt-Platte „I’m Not Like Everybody Else“ beweist Jesse Kinch, dass er aus der Menge der Casting-Show Teilnehmer qualitativ herausragt. Es ist zu hoffen, dass er sich zukünftig mit seinen musikalischen Ideen und Fähigkeiten behaupten kann.

Curb Records (2018)
Stil: (Retro) Rock-Pop / Singer/Songwriter

Tracks:
01. Preaching Like The Pope
02. How Do I Reach You (The Last Veil)
03. I’m Not Like Everybody Else
04. After All These Lovers
05. I’m A Man
06. Rain On The Dog
07. Masami (The Elegant Beauty)
08. No Reason At All
09. Nighttime New York City
10. Billie Jean
11. I Put A Spell On You
12. This Boy
13. Tamed

Jesse Kinch
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Carrie Underwood – Cry Pretty – CD-Review

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CUSounds Of South-Redakteuren geht ja der Ruf voraus, mental gefestigte, an der Sache orientierte Menschen zu sein. Beim Blick auf den Promo-Begleitzettel zu Carrie Underwoods neuem Werk „Cry Pretty“ weckte bei mir, zugegeben,  allerdings nicht, wie gewohnt, zuerst der Text mit den dazugehörigen Album-Informationen mein Interesse, sondern das große, integrierte Foto der langmähnigen blonden Künstlerin. Mann-o-Mann, ist das ein hübsches Mädel…!

Gut, die Sturm- und Drangzeit ist bei einem in unserem Alter schon lange vorüber. Dass der Zahn der Zeit an einem genagt hat (sofern man den Blick in den Spiegel ignoriert hat), merkt man dann relativ schnell, spätestens, wenn man sich über die involvierten Musiker in den Liner-Notes des Booklets informieren möchte. Da ist ohne Lesebrille oder Zuhilfenahme eines Vergrößerungsglases absolut Schicht im Schacht.

Apropos Musiker: Da ist hier natürlich bei der Einspielung mit Leuten wie u. a. Chris McHugh, Jimmy Lee Sloas, Tom Bukovac, Rob McNelly, Danny Radar, Dan Dugmore, Charlie Judge, Ilya Toshinsky & Co. die Crème de la Crème der Nashville-Studio-Musiker-Riege vertreten und trägt samt der Produktion des ebenfalls instrumentell und kreativ involvierten David Garcia zum starken und hochwertigen Klangbild der Stücke bei.

Auch unter den Songwritern befinden sich mit Hillary Lindsay, Tom Douglas, Brett James und Chris DeStefano Leute, bei denen man eine Hitgarantie quasi mitbucht. Lobend muss hier erwähnt werden, dass Carrie satte 9 von 13 Tracks mitgeschrieben hat.

Die CD beginnt direkt mit dem Titellied, einer schönen Powerballade (klasse E-Gitarren-Solo). Wenn hier vier tolle Damen wie Carrie Underwood, Hillary Lindsay, Liz Rose und Lori McKenna was ausklamüsern, muss das eigentlich gut werden. Toller Einstieg!

Für die Wahrung der Country-Etikettierung sorgen in erster Line die Herren Dan Dugmore, Steve Hinson mit Steel- und Ilya Toshinsky samt Bouzouki-, Banjo- und Dobro-Einlagen bei Songs wie „Ghosts In The Stereo“, „Low“, „Drinking Alone“, „The Bullet“ oder dem überwiegend Piano- und Cello-lastigen „Spinning Bottles“.

Ansonsten gilt hier wohl überwiegend bei der Pop- und R&B-Klientel von Damen wie Rihanna, Beyoncé oder Mariah Carey mal vorstellig zu werden. Gipfeln tut es in dem eigentlich keineswegs schlechten Song „The Champion“ als abschließendes Duett mit Rapper Ludacris, der hier seine Sprecheinlagen zum Besten gibt. Diese Stücke leben dann in erster Linie von ihrer Melodik, der versierten Instrumentierung und dem in allen Bereichen starken, immer emotional wirkenden Gesang der Protagonistin.

Am Ende gefallen mir das atmosphärische „Low“ und der flippige ‚Gute-Laune-Song‘ „Southbound“ (klasse Bariton-E-Gitarren-Solo) mit am besten.

Also insgesamt, kein Grund für PETA’s World’s Sexiest Vegetarian von 2007 (was für ein Titel!) in Sachen ihrer neuen CD „Cry Pretty“, zu jammern oder auf Heulsuse zu machen. Das Album wird von kommerziellem Erfolg begleitet werden. Hitpotential ist mehr als genug vorhanden. Trotz der offensichtlichen Avancen in Richtung Pop/R&B bleibt die ehemalige American Idol-Queen, insgesamt noch dem (New) Country verbunden. Und, was das zu Anfang erwähnte rein Äußerliche betrifft, bleibt für mich nur anzumerken: Nie war Weinerei schöner anzusehen, ähm anzuhören…!

Capitol Records Nashville (2018)
Stil: New Country (Pop)

01. Cry Pretty
02. Ghosts On The Stereo
03. Low
04. Backsliding
05. Southbound
06. That Song That We Used To Make Love To
07. Drinking Alone
08. The Bullet
09. Spinning Bottles
10. Love Wins
11. End Up With You
12. Kingdom
13. The Champion (feat. Ludacris)

Carrie Underwood
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