Elles Bailey – Shining In The Half Light – CD-Review

Elles Bailey zählt zu den Künstlerinnen, die bei den Dingen, die wir in ihrer Sache bisher im SoS beleuchtet haben, allesamt restlos überzeugen konnte. Zum einen bei ihren beiden starken Konzerten 2018 und 2019 im heimeligen topos in Leverkusen und auf ihren beiden bis dato veröffentlichten Silberlingen, wobei sie bei ihrem Debüt „Wildfire“ sogar den geschätzten Kollegen Segets begeisterte, der ja für seinen überwiegenden Faible für eher verschrobene Musik bekannt ist.

Am 25. Februar erscheint nun ihr drittes Werk „Shining In The Half Light“, das zum ersten Mal (vermutlich der Pandemie und auch den zu dieser Zeit zu erwartenden Mutterfreuden der Protagonistin geschuldet) komplett in den Middle Farm Studios  im englischen Devon entstanden ist (bei den Vorgängern war Elles ja zum Teil auch nach Nashville gereist).

Assistiert und geholfen haben ihr in Sachen Songwriting Leute wie Ash Tucker, Will Edmunds, Martin Harley, Matt Owens von der Indie-Folk-Band Noah And The Whale, Alex Maile, Tamara Stewart, Brett Boyett sowie ihr sympathischer Gitarrist Joe Wilkins, der sich auch wieder für die formidable Saitenarbeit verantwortlich zeigt. 

Bassist Matthew Waer, Jonny Henderson an den Keys und Drummer Matthew Jones vervollständigten den instrumentellen Teil, Izo Fitzroy, Jade Elliot sowie Andrusilla Mosley sorgten für herrlich gospelige Harmoniegesänge, Dan Weller (Enter Shikari) übernahm die Produktion der Scheibe.

Elles Bailey ist für mich eindeutig die amerikanischste Britin, die ich bisher rezensieren durfte. Nicht nur ihrer Stimme wegen, die mich zu einem großen Teil in ihrer Gewalt und Variabilität an die grandiose Sängerin Wynonna erinnert, sondern vor allem dank des stark südstaatlich geprägten Sounds, der von swampigen Slide-Gitarren, Southern Rock-artigem und countryesken Sound, nicht zu vergessen den weiblichen Backgroundvocals, bestimmt wird.

Gerade die drei ersten Stücke „Cheats And Liars„, „The Game“ und „Stones“ werden unserer Southern Rock-Klientel Freudentränen in die Augen treiben, was aber auch für die ruhigeren Sachen gilt, die nur so vor Southern Soul und Countryfeeling strotzen und bei denen die überragenden Lead vocals von Bailey noch besser zum Tragen kommen.

Klaro, bei Tracks wie dem mit wummernder Orgel und rockigen E-Gitarren angeschobenen „Sunshine City“, das auch gut auf Whitesnakes damaliges „Ready ‚An Willing“ gepasst hätte, oder dem abschließenden Titelsong „Shining In The Half Light“ mit einem unterschwelligen psychedelischen Bad Co.-Flair, blinzelt der britische Ursprung dann auch mal hervor.

Kommen wir am Ende zu den Ungerechtigkeiten dieser Welt. Während ihrer Landsmännin Adele die Welt stilübergreifend zu zu Füße liegt, vom Finanziellen ganz zu schweigen, wird Elles Bailey wohl, trotz einiger Aufseher, wie die Wahl zum ‚UK Blues Artist of the Year 2021‘ oder einer Nominierung zum ‚Artist of the Year‘ bei den UK Americana Awards 2022, weiterhin eher ihrem sparteninternen Insiderstatusleben fristen müssen.

Dabei kann sie auf eine mindestens ebenso, wenn nicht sogar  ausdrucksstärkere Stimme als der Star aus London verweisen und die bessere Musik, wie es auch „Shining In The Half Light“ wieder beweist, macht sie ohnehin schon immer…

Outlaw Music – (2022)
Stil: Blues/(Southern) Rock/Country/Roots

01. Cheats And Liars
02. The Game
03. Stones
04. Colours Start To Run
05. Different Kind Of Love
06. Who’s That
07. Sunshine City
08. Halfway House
09. Riding Out The Storm
10. Shining In The Half Light

Elles Bailey
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V2 Records & Bertus Musikvertrieb

 

 

 

Kommen wir am Ende zu den Ungerechtigkeiten dieser Welt. Während ihrer Landsmännin Adele die Welt stilübergreifend zu zu Füße liegt, vom Finanziellen ganz zu schweigen, wird Elles Bailey wohl weiterhin, trotz einiger Aufseher, wie die Wahl zum ‚UK Blues Artist of the Year 2021‘ oder einer Nominierung zum ‚Artist of the Year‘ bei den UK Americana Awards 2022, eher ihrem sparteninternen Insiderstatus fristen müssen.

Dabei kann sie auf eine mindestens ebenso, wenn nicht sogar  ausdrucksstärkere Stimme verweisen und die bessere Musik macht sie ohnehin schon immer…

Outlaw Music – (2022)
Stil: Blues/(Southern) Rock/Country/Roots

01. Cheats And Liars
02. The Game
03. Stones
04. Colours Start To Run
05. Different Kind Of Love
06. Who’s That
07. Sunshine City
08. Halfway House
09. Riding Out The Storm
10. Shining In The Half Light

Elles Bailey
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Kommen wir am Ende zu den Ungerechtigkeiten dieser Welt. Während ihrer Landsmännin Adele die Welt stilübergreifend zu zu Füße liegt, vom Finanziellen ganz zu schweigen, wird Elles Bailey wohl weiterhin, trotz einiger Aufseher, wie die Wahl zum ‚UK Blues Artist of the Year 2021‘ oder einer Nominierung zum ‚Artist of the Year‘ bei den UK Americana Awards 2022, eher ihrem sparteninternen Insiderstatus fristen müssen.

Dabei kann sie auf eine mindestens ebenso, wenn nicht sogar  ausdrucksstärkere Stimme verweisen und die bessere Musik macht sie ohnehin schon immer…

Outlaw Music – (2022)
Stil: Blues/(Southern) Rock/Country/Roots

01. Cheats And Liars
02. The Game
03. Stones
04. Colours Start To Run
05. Different Kind Of Love
06. Who’s That
07. Sunshine City
08. Halfway House
09. Riding Out The Storm
10. Shining In The Half Light

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Jamestown Revival – Young Man – CD-Review

Jamestown Revival mit ihrem vierten Album! Die aus Texas stammende Band um das Anführer-Duo Zach Chance und Jonathan Clay führen den Weg, den sie auf dem Vorgängerwerk „San Isabel“ eingeschlagen haben, konsequent fort, allerdings in noch reduzierterer Form. So wurde die E-Gitarre zum Beispiel diesmal völlig ausgeklammert.

Ihre bisherigen, in Eigenregie produzierten, überwiegend hochgelobten Alben, waren aber wegen des unausgewogenen Sounds zum Teil kritisiert worden (stimmt, wie ich meine). Deshalb hat man mit Robert Ellis und Joshua Block erstmals zwei echte Profis an die Reglerknöpfe gelassen und das merkt man in der Tat sofort.

Die dominierenden Instrumente wie Akustik- und Steel-Gitarre, sowie Fiddle (kommt erstmalig bei den Jungs zum Einsatz), die für einen sehr starken Country-Einschlag sorgen, sind hervorragend auf die von Chance und Clay meist im Doppelgesang performten Songs abgestimmt. Dazu gesellen sich, je nach Stimmung der Tracks, Mandoline, Dobro, ein hauchzartes E-Piano, Bass und überwiegend perkussive Klänge als Rhythmusgeber.

„Ich denke wirklich, dass dies ein Album über das Erwachsenwerden und das Einleben in eine Identität ist.“  Es geht darum, seine Identität zu verlieren und danach sie wieder zu suchen. Es ist das Gefühl, als hättest du sie gefunden und dann erkannt, dass es nicht so ist. Und es geht um unsere Erfahrungen aus den letzten 15 Jahren des Musikmachens – die Erfolge und Misserfolge und all diese Dinge miteinander vermischt,“ so Clay zur Intention des neuen Longplayers.

Der herrlich desertmäßig mit hallender, als auch fiepender Steel und mexikanisch anmutender Akustikgitarre in Szene gesetzte Opener „Coyote“ gibt direkt die oft melancholisch und im countryesken Veranda-Stil gehaltene Grundstimmung des nachfolgenden Songmaterials vor.

Viele Lieder wie u. a. das überragende Titellied „Young Man“ erinnern mich aufgrund der tollen, typisch texanischen Vokalharmonien an den Stil der Band Of Heathens, allerdings hier natürlich ohne deren rockigen Charakter (man muss sich aber im Prinzip nur klassische Drums und deren E-Gitarren ‚dazudenken‘). Mein Lieblingstrack ist das zum Entschleunigen animierende „Slow It Down“, das dank der Pedal Steel-Töne sogar mit einen leichten Marshall Tucker Band-Touch daherkommt.

Am Ende erhält man mit „Young Man“ von Jamestown Revival ein tolles atmosphärisches Gesamtwerk, fein eingespielt und mit klasse Texten, das man sehr schön als perfekte Hintergrundmusik zum sommerlichen Barbecue-Abend laufen lassen kann.

Eigenproduktion (2022)
Stil: Country / Americana

Tracks:
01. Coyote
02. Young Man
03. Moving Man
04. Northbound
05. These Days
06. One Step Forward
07. Slow It Down
08. Way It Was
09. Old Man Looking Back
10. Working On Love

Jamestown Revival
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Oktober Promotion

Holman Autry Band – Roots – CD-Review

HOLM_300

Review: Stephan Skolarski

Der ungebrochene Ehrgeiz, das „eigene Ding“ zu machen, ist in der 12-jährigen Bandgeschichte der Holman Autry Band aus Madison County, Georgia, die konstante musikalische Triebfeder geblieben. Auch ihre neue, fünfte Scheibe „Roots“ entwickelt trotz vertrauter Einflüsse, die aus den weiten Gefilden des Southern und Country Rock zu spüren sind, ein maßgeschneidertes Eigenleben. Diese Maßarbeit verdankt die Combo u.a. wieder einmal Davis Causey, ihrem Freund und Produzenten, der den 12 „Original“ Holman Autry Songs den großartigen Studio-Sound verpasst.

Schon mit dem ersten Track „Keys In The Truck“ kommt die Band in der schnellen Südstaaten-Rock-Kategorie“ (Dickey Betts lässt grüßen) auf Touren. Sie erinnert im nächsten sehr eingängigen Country-Rock „Square“ an ihre Idole und im Refrain augenzwinkernd daran, dass die Holman Autrys einen Vergleich mit diesen bisweilen nicht scheuen müssen. Die Bandmitglieder Brodye Brooks (Lead Gitarre), Casey King (Vocals und Bass Gitarre), Josh Walker (Vocals und Rhythmus Gitarre) und Brandon Myers (Schlagzeug) sind alle „self-taught musicians“, die sich schon seit der Highschool-Zeit kennen und bei Sounds of South mittlerweile als Review-Stammgäste angekommen sind.

In der Interpretation, das gesamte Album als „Black Label Country“, also einer eigenen Stilrichtung zu bezeichnen, hat die Band auch den Titelsong „Roots“ melodisch einfallsreich und in gewisser Weise experimentell ausgestaltet – ein klassischer Mid-Tempo Südstaaten-Rock verbindet sich mit typischen Gospel-Soul-Rhythmen zum Ohrwurm. Dass diese spirituellen Wurzeln in der Country-Musik ebenfalls ihren Platz haben, belegt die folgende einfühlsame Akustik-Nummer „Jesus In Jail“ nicht nur im Storytelling, sondern bringt, wie der fünfte Titel „Cotton Gin“, althergebrachte Folk- und Bluegrass-Weisen wörtlich ins Spiel einer mehr als unterhaltsamen Scheibe.

Ein Portrait der amerikanischen Provinz und deren originellen Eigenheiten gelingt der Holman Autry Band weiterhin beim geradezu „leichtfüßig“ daher kommenden „Dam Fishing“, das im Country Rock Stil und Mitsing-Refrain wirkungsvoll hängen bleibt. Sowie bei der mittel-schweren Blues-Rock-Nummer „Louisiana Lucy“ mit ausgeprägter E-Gitarren-Dominanz. Die gefühlvoll-angenehme Gitarren-Arbeit auf dem achten Stück „Small Price“ findet ihre vertraute Klangatmosphäre vergleichbar durchaus bei den Eagles wieder, während die „Great American Tragedy“ als intensive Southern-Rock-Sound-Collage mit balladenartiger Struktur auch bei den Drive-By Truckers für Begeisterung gesorgt hätte.

Diese unbekümmerte, aber gleichwohl erfrischende, eigene Songschmiede der Holman Autry Band liefert im Anschluss mit „Something Old“ schließlich wie selbstverständlich den alternativen Mid-Tempo Highway-Country-Song, der vom Riff-Gewitter des markanten Southern-Rock-Blues „Your Own Desaster“ im unverkennbaren Skynyrd-Mythos abgelöst wird. Den Abschluss der Scheibe bildet die langsame Country-Rock-Ballade „Where The Song Went“ und fordert damit unvermittelt zum „Play It Again!“ auf.

Nach „Sweet Southern Wind“ (2009) und „Electric Church“ (2016) hat die Holman Autry Band mit dem bemerkenswerten Album „Roots“ erneut einen starken Longplayer vorgelegt, der ihre Songwriting-Qualitäten nochmals bestätigt und die musikalischen Wurzeln der Gruppe im breiten Umfeld des Southern- und Country-Rock energiegeladen präsentiert.

Eigenproduktion (2019)
Stil: Southern Rock, Country

01. Keys In The Truck
02. Square
03. Roots
04. Jesus In Jail
05. Cotton Gin
06. Dam Fishing
07. Louisiana Lucy
08. Samall Price
09. Great American Tragedy
10. Something Old

Holman Autry Band
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Smooth Hound Smith – Dog In A Manger – CD-Review

SHS_300

Review: Stephan Skolarski

Dass eine Band, die aus nur zwei Personen besteht, hervorragend funktionieren kann und zudem Erfolg hat, beweisen Smooth Hound Smith (SHS) mit ihrem dritten Album „Dog In A Manger“. Diese seit 2012 unter dem skurrilen Namen reichlich aktive Formation besteht aus dem Multi-Instrumentalisten Zack Smith (Vocals, guitars, harmonica, banjo, foot drums) und seiner Ehefrau Caitlyn Doyle (Vocals, percussion), die zusammen die volle Breitseite der American-Roots-Music auf den Plattenteller bringen (neun Eigenkompositionen und einen Coversong).

Bereits mit dem Longplayer „Sweet Tennessee Honey“ (2016) hatte das ursprünglich aus Kalifornien stammende Duo für Aufmerksamkeit gesorgt und konnte u.a. als Support für die Dixie Chicks Tournee-Erfahrung sammeln. Eine Vielzahl weiterer Konzerte sind seitdem gespielt und zeigen ihre Wirkung auf „Dog In The Manger“, einem ausgesprochen experimentierfreudigen und liebevollen Album, das mit dem Opener „Life Isn’t Fair“ in Singer/Songwriter Mentalität stilsicher eröffnet wird.

Das melodische Stück „One In The Morning“ schließt sich ebenso nahtlos an, wie der Titelsong „Dog In A Manger“, der die gesanglichen Qualitäten von SHS als Duett geradezu offensiv herausfordert und Vergleiche mit berühmten Country-Sängern wie Carter-Cash, nicht scheuen muss.

Der Track wird von Zack Smith als sein Lieblingsstück der Produktion beschrieben: „Dog is probably my favourite piece of music overall on this new record. The title comes from an old Greek fable and is now used, albit, infrequently, as an idiom to speak of one who, out of spite, prevents others from succeeding or finding happiness“.

Nach „Backslide“, einem Song, der direkt aktuelle, politische Hintergründe in den USA thematisiert, kommt mit „Waiting For A Spark“ die Vorab-Single, von Caitlyn Doyle überwiegend solo und als rockiger Country-Track nach dem Vorbild einer Dolly Parton interpretiert.

Bei „Three Shades Of Lonely“ werden die rockigen und bluesigen Eindrücke des Longplayers durch Luther Dickinson an der Slide-Gitarre nochmals in rauer Manier hervorgehoben und als besonders empfehlenswert hinterlegt. Gleiches gilt für die Fleetwood Mac-Nummer „Second Hand News“, die dem Original in Form eines feinsinnigen Finger-Picking-Folk-Songs alle Ehre macht.

Smooth Hound Smith sind mit ihrem Album „Dog In A Manger“ voll in der Spur, die traditionsreiche, amerikanische Country-Folk-Szene gekonnt aufzumischen und ideenreich und konsequent herauszufordern. Sie werden damit 2020 erneut in Europa auftreten und ihren handgemachten Roots-Rock auch hierzulande endlich wieder live präsentieren.

Eigenproduktion (2019)
Stil: Americana, Country, Roots

Tracklist:
01. Life Isn’t Fair
02. One In The Morning
03. Dog In A Manger
04. Backslide
05. Waiting For A Spark
06. I Got My Eyes On You
07. Three Shades Of Lonely
08. Used To Be Your Man
09. Second Hand News

Smooth Hound Smith
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Black Pike Favorites

Gretchen Peters – Dancing With The Beast – CD-Review

Peters_300

Die bei uns vermutlich eher nur mäßig bekannte (ich zum Beispiel kannte sie bisher nicht), in Bronxville, New York, geborene, in Colorado aufgewachsene und schon lange Zeit in Nashville lebende Singer/Songwriterin Gretchen Peters, veröffentlicht seit ihrem Debüt 1996 „The Secret Of Life“ in regelmäßigen Abständen neue Tonträger.

In dieser Zeit, man höre und staune, hat sie auch für Größen wie Martina McBride, Etta James, Trisha Yearwood, Patty Loveless, George Strait, Anne Murray, Shania Twain oder Neil Diamond komponiert. Weitere Prominenz wie Faith Hill coverte ein Stück von ihr und selbst ein Bryan Adams greift beim Songwriting immer wieder gerne auf ihre Ideen und Inputs zurück. Mit „When You Love Someone“ gab es sogar schon eine gemeinsame Kooperation, bzw. Veröffentlichung.

Auf ihrer neuen Scheibe „Dancing With The Beast“ beschäftigt sie sich mit Dingen rund um die Frau, nicht zuletzt auch, weil im Entstehungszeitraum die #Me Too-Debatte losgetreten wurde. Mich hat allerdings der sich, mit der Vergänglichkeit des Lebens, in starken Worten und mit herrlich atmosphärischer Musik unterlegte Song „Disappearing Act“ (unbedingt ansehen!) neugierig gemacht.

Die CD bewegt sich größten Teils, wie bei Künstlerinnen aus diesem Genre üblich, im introvertiert melancholischen Bereich (u. a. „Arguing With Ghosts“, „The Boy From Rye“, „The Show“, „Love That Makes A Cup Of Tea“), wobei eine zurückgenommene Instrumentierung  mit akustische Gitarre, Piano und ab und zu einfließende Steel die Richtung vorgeben.

Meine Favoriten sind neben bereits erwähntem  „Disapperaing Act“, Lieder, wie die mit einer knarzenden Dobro bestückten „Wichita“ und „Lay Low“, die fast mystisch anmutende Ballade „Lowlands“, das dezent poppige Titelstück, das großartige bluesige „Truckstop Angel“ mit tollem Zusammenspiel von E-Gitarre und Piano und die Steel-dominierte Countryballade „Say Grace“, die der Scheibe trotz einer gewissen ‚Schwere‘ und ‚Tiefe im intellektuellen Anspruch‘, durchaus Abwechslungsreichtum und Kurzweiligkeit bescheren.

Insgesamt typischer Stoff, wie man ihn aus Kreisen von Kolleginnen wie Lucinda Williams, Mary Gauthier, Matraca Berg, Suzy Boguss, Lisa Brokop, Tift Merritt & Co. immer wieder serviert bekommt, allerdings mit durchaus eigenem Charme und Charakter. Somit ein gelungener ‚Tanz‘ mit Gretchen Peters!

Proper Records/H’art (2018)
Stil: Singer/Songwriter/Americana

01. Arguing With Ghosts
02. Wichita
03. The Boy From Rye
04. Disappearing Act
05. Lowlands
06. The Show
07. Dancing With The Beast
08. Truckstop Angel
09. Say Grace
10. Lay Low
11. Love That Makes A Cup Of Tea

Gretchen Peters
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H’ART Musik-Vertrieb GmbH

Charlie Parr – 06.02.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Parr-Haupt

‚Pille‘ Peerlings, der Chef der Krefelder Kulturrampe, hat 2018 die neue Konzertreihe „Caesar’s Pallets“ ins Leben gerufen. Im „Bluebird Cafe“ (BBC) werden dienstags akustisch gehaltene Liveauftritte präsentiert, bei denen vor allem Newcomern eine Bühne geboten wird. Nach dem Gastspiel des gut aufgelegten Dortmunders Edy Edwards lud das BBC zum ersten „Special“ mit dem alten Hasen Charlie Parr aus Minnesota ein.

Der im Qualitätsjahrgang 1967 geborene Singer/Songwriter hatte seine neue CD „Dog“ im Gepäck. Eine Auswahl der stärksten Stücke seines sechzehnten Album streute Parr in die beiden Sets des Abends ein. Neben dem eingängigen Titelsong „Dog“ durfte das grandiose „Hobo“ natürlich nicht fehlen. Ebenfalls begeistert vom Publikum aufgenommen wurden „I Ain’t Dead Yet“ und das swingende „Boiling Down Silas“. Den Geist New Orleans atmete die Liveversion von „LowDown“ – trotz der reduzierten Instrumentierung – ebenso deutlich wie auf dem Longplayer.

Parr beeindruckte mit den Klangvariationen, die er seiner akustischen 12-String-Guitar entlockte. Slide-Passagen, so bei „Remember Me If I Forget“, und feines Picking, wie bei „Last Day“ wechselten sich ab oder wurden bei „True Friends“ gekonnt kombiniert. Nicht nur hinsichtlich der Gitarrenarbeit zog Parr alle Register, auch mit den stilistischen Elementen zwischen Folk, Blues und Country zeigte er die Bandbreite seiner älteren Kompositionen.

Er spielte mit einem augenzwinkernden Kommentar zu Bob Dylan „Cheap Wine“, das Blues-getränkte „Too Much Liquor, Not Enough Gasoline“, seinen bislang größten Erfolg „1922 Blues“ und die stampfende Country-Nummer „Rocky Raccoon“. Seine besondere Vorliebe zu Hunden schien erneut bei „Old Dog Blue“ durch.

Neben den Eigenkompositionen unternahm Parr eine Zeitreise durch die Geschichte des Folks mit seinen unterschiedlichen Variationen. So spielte er „My Grandfathers Clock“ und „Ragged And Dirty“, das von William Brown stammt. Die Auswahl der Songs trifft Parr auf seinen Konzerten spontan. Er lässt sich von Stimmungen treiben oder wird getrieben. Wer kann das bei Künstlern schon sagen? Den krönenden Abschluss bildete eine A-Cappella-Zugabe von „Ain’t No Grave Gonna Hold My Body Down“. An Intensität übertraf Parr die bekannte Version von Johnny Cash bei weitem.

Das Publikum im vollen BBC verabschiedete Parr mit tosendem Applaus. Es erlebte einen introvertierten Musiker, dessen Humor in kurzen Anekdoten aufblitzte. In seinen Songs legt er hingegen seelische Abgründe offen. Manche sprachlichen Wendungen bleiben reduzierte Gedankensplitter, die zur Interpretation einladen. In bester Singer/Songwriter-Tradition erzählt Parr Geschichten, denen man gerne zuhört, da sie Situationen und Gefühle aufgreifen, die wohl jeder mal erlebt hat.

Vergänglichkeit und Tod, Freiheit und Einsamkeit sind in seinen Texten gegenwärtig. Aus seinen Lyrics spricht oftmals ein tiefes Mitgefühl für verlorene Seelen und eine rastlose, letztlich unvollendete, Sinnsuche. Charlie Parr stellt sich der Frage, welche Spuren man hinterlässt. Von dem Abend bleibt die Erinnerung an ein intimes Konzert und an die intensive Darbietung eines bescheiden auftretenden Menschen, der großartige Songs schreibt.

Das BBC ist eine tolle Idee und eine bessere Alternative zu einem Abend vor dem Fernseher, der schnell vergessen wird. Dass bei den Caesar’s-Pallets-Konzerten in der Regel auf einen festgesetzten Eintritt verzichtet wird und stattdessen ein Hut rumgeht, ist fair und lädt zu einem spontanen Besuch ein. Für den nächsten Termine im Februar sind das Duo Kassiopeia und Hello Luke angekündigt.

Line-Up:
Charlie Parr (vocals, guitar)

Bilder und Text: Michael Segets

Charlie Parr
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Kulturrampe Krefeld

Will Hoge – Anchors – CD-Review

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Ich hatte ja vor einiger Zeit das Vergnügen, Will Hoge nach seinem Solo-Gig im kleinen Kölner Studio 672 mal kurz persönlich kennenzulernen. Dort bestätigte sich der gute Eindruck seiner Person, der einem anhand seiner Biografie und Musik schon irgendwo vorgeschwebt war. Ein bodenständiger, geerdeter und sympathischer Typ, der mir dann spontan auch sofort noch seine Live-CD zum Besprechen mit auf den Weg gab.

Mittlerweile hat der in Nashville ansässige, einstige Wegbegleiter von Dan Baird, wieder kreativ gewirkt und mit „Anchors“ sein 10. Studiowerk am Start. Erneut ist ihm ein Meisterwerk in Sachen Country-, Roots-, Americana- bzw. Singer/Songwriter-Stoff gelungen. Will setzt damit den Reigen seiner ausnahmslos guten Alben konsequent fort.

Musikalisch umgeben hat sich Hoge diesmal mit Leuten wie u. a. Drummer Jerry Roe (Emmylou Harris & Rodney Crowell, Darius Rucker), Bassist Dominic Davis (Jack White, Wanda Jackson) sowie den Gitarristen Brad Rice (Son Volt, Ryan Adams) und Thom Donovan (Lapush, Ruby Amanfu), als auch mit Sheryl Crow, die beim medial wohl verheißungsvollsten Anwärter dieser Scheibe, dem wunderbaren „Little Bit Of Rust“ Harmoniegesänge beisteuert. Großartig hier auch die Fiddle-/E-Slide-Gitarren-Solo-Kombination und die schön klirrende Mandoline.

Vom Heartland-umschwingten Opener „The Reckoning“ bis zum finalen, in Tom Petty-Manier gezeichneten „Young As We Will Ever Be“ fasziniert der Basketball-Fan mit seinen unaufgeregt klingenden und doch so fesselnd wie nuanciert arrangierten Songkompositionen ohne eine kleinste Schwachstelle zu offenbaren.

„The Grande Charade“, „Through Missing You“ (Slide-Solo)  und das Titelstück bedienen das Gemüt von Melancholikern, das überaus atmosphärische „Cold Night In Santa Fe“ erinnert mich ein wenig an Blackberry Smokes „The Whippoorwill“. Beim rockigsten Track der CD „(This Ain’t) An Original Sin“ (Uptempo, starkes E-Solo, Ohohoh-Gesänge) dürften Will die alten Tage seines Tourens mit Dan Baird vermutlich den Anstoß gegeben haben.

Die flockigen, eingängigen Stücke wie „Baby’s Eyes“, das Steel-getränkte, herrlich countryeske „Angels Wings“ und das an die Hoch-Zeiten von Bob Seger erinnernde „17“ (mit überraschenden Bläser-Einsätzen) könnten wieder als Vorlagen zur Adaption durch andere Bands dienen, wie es schon mal die Eli Young Band mit „Even If It Breaks Your Heart“ erfolgreich praktiziert hatte und prompt einen Nr. 1-Hit einfuhr.

Fazit: Mit seinem exzellenten neuen Longplayer „Anchors“ hat Will Hoge erneut bewiesen, dass an seinem Name kein Weg vorbeiführt, wenn es gilt, das Who-Is-Who der zeitgenössischen amerikanischen Singer/Songwriter-Szene zu benennen. Dieses Werk bietet ein weiteres Mal Leuten Zuflucht, die in der beschriebenen Musik ihr Passion erfüllt sehen! Eigentlich auch prädestiniert dafür, hier mit ganzer Band live vorgestellt zu werden. Wieder mal eine Hogesche Glanzleistung!

EDLO Records – Thirty Tigers (2017)
Stil: Country-/Roots Rock

01. The Recockning
02. This Grand Charade
03. Little Bit Of Rust
04. Cold Night In Santa Fe
05. Baby’s Eyes
06. (This Ain’t) An Original Sin
07. Through Missing You
08. Anchors
09. Angels Wings
10. 17
11. Young As We Will Ever Be

Will Hoge
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Oktober Promotion

Andy Frasco And The U.N. – Songs From The Road – CD/DVD-Review

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Review: Michael Segets

Andy Frasco bezeichnet seine Musik selbst als „Party Blues“. Er will mit seiner Mucke gute Laune versprühen und dies gelingt ihm bei seinem Open-Air-Konzert in Bamberg auf ganzer Linie. Die Aufnahme der Live-Show vom 13. August 2016 umfasst fünfzehn Songs und zeigt, dass Frasco und seine Band wissen, wie Partystimmung erzeugt wird.

„C Boogie“ eröffnet das Konzert und heizt direkt die Atmosphäre im Publikum auf. Frasco hält es nicht hinter den Keyboards, sondern begibt sich ins Publikum und animiert mit einer eigenwilligen Tanzeinlage. „When You Lonely (Fill You Up)“ nimmt den Schwung mit. Die Bläser um Ernie Chang am Saxophon laufen hier auf Hochtouren. Auch bei dem Soul-durchtränkten „Tie You Up“ sowie dem eingängigen „Make It Worth“ verströmt die Band große Spielfreude, unterstützt durch einen Schluck Jägermeister.

„Mature As Fuck“ startet und endet als Rock-Nummer, die zum Mitgrölen einlädt. Dazwischen liegt ein kurzes Reggae-Intermezzo. Bei „Stop Fucking Around“ bezieht Frasco das Publikum in den Refrain ein. Den Gesangspart bei einer Strophe übernimmt Gitarrist Shawn Eckels. Durch die Vorstellung und Soli der Bandmitglieder kommt „It´s Been A Struggle“ auf über 14 Minuten Spielzeit.

Mit dem Country-Bar-Song „Smokin´ Dope And Rock `N Roll”, das als Medley mit „Purple Rain“ von Prince gespielt wird, zeigen die zehn Musiker weitere Facetten ihrer musikalischen Bandbreite. Das Bluegrass-infiltrierte „Down The Road” schließt die Ausflüge der Band in die Spielarten des Country ab. „Doin´ It” versetzt die Hörer dann beinahe in die Disco-Ära der siebziger Jahre. Dabei klingen die Töne, die Matt Owen seiner Tuba entlockt, fast wie ein funky Keyboard.

Der Blues „Baby Take The Day Of“ findet sich nicht auf der Audio-CD, statt dessen ist dort das beschwingte „Crazy Guy“ aufgenommen, mit dem sie auf 79 Minuten Spielzeit kommt. Frasco zeigt, dass er das Spiel mit dem Publikum beherrscht und lädt es bei „Sunny Day Soldier“ erneut dazu ein, ihn gesanglich zu unterstützen, was dieses gerne wahrnimmt. Schließlich holt Frasco noch einige Kinder auf die Bühne, um mit ihnen zu singen und zu tanzen.

Jugendfrei sind die Anzüglichkeiten während des Konzerts zwar nicht immer, aber Frasco rechnet damit, dass er nicht ganz verstanden wird und wer will das bei so einer Sause schon genau nehmen? Die Tanzparty findet bei „What More Can I Say” ihren Höhepunkt und vorläufigen Abschluss.

Die beiden Zugaben zeigen nochmal andere Seiten von Andy Frasco and the U.N. Die Zugabe beginnt mit dem ruhigen Stück „Main Squeeze“, bei dem sich Frasco stimmungsvoll am Piano begleitet und die Band erst später einsteigt. „Killing In The Name“ von Rage Against The Machine schlägt eine härtere Gangart an und lässt es zum Abschluss richtig krachen.

Die Besucher in Bamberg erlebten ein abwechslungsreiches Konzert mit einer sympathischen, ungestüm aufspielenden Band, die jenseits von stilistischen Einordnungen dazu einlädt, Spaß mit ihr und an ihrer Musik zu haben. Andy Frasco and the U.N. empfehlen sich mit „Songs From The Road“ auf alle Fälle für den Besuch ihrer Konzerte.

Unabhängig von der Musik oder der Show gibt es einen Kritikpunkt an der DVD: Wenn man die Scheibe durchlaufen lässt, unterbrechen fünf ein- bis zweiminütige Impressionen von dem Leben der Band während ihrer Tour den Konzertmitschnitt. Die Kurzfilme zerstückeln das Konzert, was eher störend ist. Man hätte sie auch als Bonus separieren können, aber vielleicht verstehe ich das künstlerische Gesamtkonzept nicht. Gut hingegen ist, dass die einzelnen Songs direkt vom Titelmenü angewählt werden können.

Ruf Records (2017)
Stil: Party Blues & More

DVD:
01. C Boogie
02. When You’re Lonely (Fill You Up)
03. Tie You Up
04. Make It Work
05. Mature As Fuck
06. Stop Fucking Around
07. It’s Been A Struggle
08. Smokin‘ Dope And Rock N‘ Roll
09. Down The Road
10. Doin‘ It
11. Baby Take The Day Off
12. Sunny Day Soldier
13. What More Can I Say
14. Main Squeeze
15. Killing In The Name

CD:
01. C Boogie
02. When You’re Lonely (Fill You Up)
03. Tie You Up
04. Make It Work
05. Mature As Fuck
06. Stop Fucking Around
07. It’s Been A Struggle
08. Smokin‘ Dope And Rock N‘ Roll
09. Crazy Guy
10. Down The Road
11. Doin‘ It
12. Sunny Day Soldier
13. What More Can I Say
14. Main Squeeze
15. Killing In The Name

Andy Frasco And The U.N.
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Ruf Recordske

Andy Frasco And The U.N. – Happy Bastards – CD-Review

Frasco_Bastards_300

Schon beim Blick auf das farbenfrohe Cover-Artwork von „Happy Bastards“, dem neuen Album von Andy Frasco And The U.N. kriegt man schon irgendwie gute Laune. Auch die Bilder innen, ein wenig in Warholscher Manier, zeigen u. a. einen, nicht nur der wilden Haare wegen, elektrisiert wirkenden Bandleader. Das neue Werk erscheint zum ersten Male unter der Flagge des Blues (Rock)-spezialisierten Ruf-Labels.

Frasco bekennt sich laut eigener Aussage zwar auch zum Blues, möchte diesen allerdings in eine völlig konträre Richtung interpretieren. Seine Musik soll Leute in positive Stimmung bringen, erst wenn er Leute mit lachenden und zufriedenen Gesichtern seine Konzerte verlassen sieht, hat er einen guten Job gemacht, so der aus LA stammende Kalifornier.

Bunt ist ebenfalls die Zusammenstellung seiner Band. Seine Mitstreiter Ernie Chang (saxophone), Shawn Eckels (guitars, vocals), Andee Avila (drums, vocals), Supaman (bass) und einige Gastmusiker kommen aus den Niederlanden, Deutschland, Missouri, Tennessee und Texas. Kein Wunder also, dass sich das auch auf die stilistische Songvielfalt auswirken musste.

Und die ist auch beeindruckend hoch. Hier gibt es von Blues/Rhythm’n‘ Blues („You’re The Kind Of Crazy I Like“, „Blame It On The Pussy“ – mit Blues Brothers/James Brown-Flair), über Discopop („Doin‘ It“ – Richtung Bee Gees), Reggae- („Here’s To Letting You Down“)/Calypso- („Let’s Get Down To Business“) Klänge, Rock, Rock’n’Roll, Gospel („My Recovery“ mit „When The Saints Go Marching In“-Anleihen), Funk und Southern Soul, fast alles geboten, was einen in beste Feier-Laune versetzen kann.

Meine persönlichen Favoriten sind die Stücke, die in Richtung Southern Soul schwenken. Da wären die drei schön atmosphärisch ruhigeren Sachen wie „Tie You Up“, das großartige „Make it Work“ (Saxophon-lastig, tolles Southern Rock-mäßiges E-Gitarren-Fills-Spiel,  würde auch zu JJ Grey toll passen) und „Good Ride“ (klasse Sax, starkes E-Solo, hallendes Organ)  oder auch das, an die Dirty Guv’nahs erinnernde, rotzig freche „Mature As Fuck“.

Bandleader Andy Frasco beeindruckt mit einer, wie es nicht anders zu erwarten war, vokalen Bandbreite, die von bluesig-melancholisch  bis rotzig-euphorisch alles bietet. Ich mag es, wenn sich Sänger auch im Studio, sich so richtig spürbar, voller Emotionen reinhängen. Frasco ist ohne Zweifel, so einer.

Fazit: Diese, mit vermutlich etwas Ironie im Hintergedanken, selbst ernannten Bastarde um Andy Frasco und seine U.N.s  machen wirklich einen zufriedenen und glücklichen Eindruck. Ihre Scheibe „Happy Bastards“ ist eine musikalische Bereicherung für jede gute Party. Ach ja, lieber Andy, und nicht zu vergessen, auch ich als eigentlicher Southern Rock-Fan habe dieses Review mit einem Lächeln im Gesicht beendet! Guter Job, Jungs!

Ruf Records (2016)
Stil: Party Blues & More

01. Tie You Up
02. You’re The Kind Of Crazy I Like
03. Doin‘ It
04. Make It Work
05. Mature As Fuck
06. Here’s To Letting You Down
07. When You’re Lonely (Fill You Up)
08. (Oh My My) Can’t Get You Off My Mind
09. Let’s Get Down To Business
10. Blame It On The Pussy
11. Good Ride
12. My Recovery

Andy Frasco And The U.N.
Andy Frasco And The U.N. bei Facebook
Ruf Records

Band Of Heathens – 13.02.2009, Karo, Wesel – Konzertbericht

Das ist mal wieder typisch. Da freut man sich seit Wochen auf die texanische Newcomertruppe Band Of Heathens und just an dem Tag, als es soweit ist, ereilt einen eine schwere Bronchitis. Aber da Typen meines Schlages sich von solchen Dingen normalerweise nicht zurückwerfen lassen, hieß es angesichts dieses zu erwartenden Genusses auf die Zähne zu beißen. Also ein paar lindernde Medikamente eingeworfen, zweimal inhaliert, ein ausgedehntes Mittagsschläfchen nach der Arbeit und ab zum immer wieder gern besuchten Karo nach Wesel.

Gerade angekommen, gab es schon die erste Überraschung. Der frühere RockTimes-Kollege Mike war von einem Bekannten kurzfristig überredet worden und ebenfalls angereist. Diesmal auch vertreten, mein befreundeter und musikbegeisterter Fußballbekannter Happo, genau wie wir ein mit viel Liebe führender Homepagebetreiber der Uralt-Ultras) von Rot-Weiss Essen, der mit großer Gefolgschaft und lockerer, Ruhrpott-typischer Zunge angereist war.

Als erster bekam dies der Musiker und Leiter des Karos, Mathias Schüller zu spüren, der kurzfristig für die eigentlich als Vorband geplante Weseler Schülercombo Without Wax eingesprungen war (dem Sänger mussten die Mandeln rausoperiert werden) und nur mit der Akustikklampfe behangen ca. 30 Minuten aus dem Programm seiner bisher drei veröffentlichten CDs, Songs mit deutschen Texten präsentierte. Als er vor dem letzten Stück ein wenig selbstironisch (bezeichnete sich als die zweite große Weseler Musikhoffnung) seine Silberlinge zu einem deutlich günstiger werdenden Staffelpreis beim Gesamtpaket zum Verkauf anpries, bekam er direkt die Breitseite, dass er da aber ein schlechter Geschäftsmann sei. Mit einem Lächeln aber auch etwas bedröppelt wirkend, verwies er entschuldigend auf seine sozialpädagogischen Wurzeln.

Also die Stimmung war von Anfang an gut im immer voller werdenden Karo. 21.15 Uhr betraten dann die in der Realität doch sehr jung wirkenden Musiker (mit einer augenscheinlichen Vorliebe für Rotwein) der Band Of Heathens die Bühne. Jeder der gleichberechtigt agierenden Frontmänner (Gordy Quist, Ed Jurdi und Colin Brooks) übernahm dann direkt für einen Song das Mikro, wobei das von Brooks gesungene „Hallelujah“ direkt zu einem der vielen Höhepunkte des Abends avancierte. Und so gab es in der ersten Stunde ein munteres Wechselspiel beim Front- (auch innerhalb der Stücke), Harmoniegesang und an den einzelnen Instrumenten, sowie in der abwechslungsreichen Mixtur aus Roots-, Country- und Southern Rock.

Mein Freund Happo, der die Band im Vorfeld um Filmerlaubnis für einen Song gebeten hatte (und auch genehmigt bekam) bediente die Kamera in der Manier eines Sönke Wortmann (der von ihm ausgewählte Song kann hier angesehen werden). Nach einer zwanzigminütigen Pause ging es so richtig in die Vollen, ein genialer Song löste den nächsten ab: Die mit Little Feat-Flair behafteteten „One More Step“ und „Unsleeping Eye“, mein persönlicher Lieblingssong der Band, das rockige „Heart On My Sleeve“, das mit einer grandiosen Hamonika-Passage von Ed Jurdi endende „Don’t Call On Me“ und der herrlich relaxte Delta-Blues „Chippin'“ (tolles Akustik-Slidespiel von Brooks).

Das Karo stand regelrecht Kopf, die anwesenden Zuschauer wippten, klatschten rhythmisch, zollten stürmische Begeisterung und avisierten die Zahlung von Höchstpreisen, falls die Band sich bald wieder bei uns blicken lässt. Die jungen Burschen von Band Of Heathens zeigten sich sichtlich beeindruckt von der fulminanten (fast Hafenstraßen-ähnlichen) Stimmung und gaben noch mal alles.

Mit dem souligen „Ain’t No More Cain“, bei dem dann der sich bis dato im Hintergrund haltende Bassist Seth Whitney noch eine Strophe zum Besten geben durfte und frenetisch dafür bejubelt wurde, schien um 23.50 Uhr dann Schicht zu sein. Angesichts des anhaltenden Applauses aber legten die Jungs nochmals zwei Lieder oben drauf. Zum einen das balladeske „Quaters And Dime“, zum endgültigen Abschluss eine ca. zehn Minuten währende Fassung von „Still Love Me ‚Til The Sun Shines“ mit einer fantastischen, retro-psychedelisch anmutenden und kräftezehrenden Gitarrenpassage am Ende. Grandios!

Um 0:10 Uhr, nach knapp drei Stunden, verließen nur glückliche und zufriedene Gesichter das Karo. The Band Of Heathens war den Vorschusslorbeeren mehr als gerecht geworden und hatten ein regelrechtes Feuerwerk an Americana vom Feinsten abgeliefert. Einziges kleines Manko ist vielleicht noch der recht verhalten kommunikativ wirkende Übergang zwischen den einzelnen Stücken, da hätte man sich durchaus das Vorstellen der Bandmitglieder oder einzelner Songs gewünscht. Aber die Burschen haben ja noch eine Menge Zeit. Für mich steht fest, dass ich auch beim nächsten Mal versuche dabei zu sein, egal ob man mich kerngesund, von der Intensivstation, aus der Leichenhalle oder sonst wo her ankarren müsste…

Danke an Blue-Rose für die, wie immer, unproblematische Akkreditierung.

Line-up:
Ed Jurdi (vocals, guitars, keyboard)
Gordy Quist (vocals, guitars)
Colin Brooks (vocals, guitars, dobro)
Seth Whitney (bass, vocals)
John Chipman (drums, backing vocals)

The Band Of Heathens
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Blue Rose Records
Karo Wesel