Will Hoge – Number Seven – CD-Review

Der Singer/Songwriter aus Nashville mit einem meisterhaften, neuen Album. Will Hoge, der ja bei den Aufnahmen zu seinem letzten Werk „The Wreckage“ nochmal so gerade „dem Tod von der Schüppe gesprungen“ war (er wurde auf seinem Roller von einem Van angefahren und schwer verletzt) ist mittlerweile gesundheitlich wieder voll genesen und steht auch musikalisch „voll im Saft“. Mit seinem schlicht „Numer Seven“ betitelten, neuen Longplayer präsentiert er sich in blendender Verfassung, ja, man kann fast behaupten, auf dem Höhepunkt seiner musikalischen Schaffensphase.

Erneut versteht er es wie kaum ein anderer Musiker der heutigen Zeit, unbequeme Wahrheiten in seine anspruchsvollen Texte einzubringen und mit der dazu passenden Musik stilvoll in Einklang zu bringen. Fast eine Art Bob Dylan der Neuzeit, nur mit einer anderen Stimme und seinen wunderbar melodischen Americana-Songs. Das Album beginnt in der Tradition seiner letzten Werke. „Fools Gonna Fly“, ein Stück, in dem er dem guten Lyriker Shakespeare den Sinn für die Realität recht humorvoll abspricht, kommt in einer gediegenen Mischung aus Tom Petty- und Bob Seger-Einflüssen daher, wobei Hoge die beiden in kreativer Hinsicht längst ein- bzw. überholt hat. Klasse hier die Mundharmonika-, Slidegitarrenkombination (Hoge/Pat Buchanan) im Soloteil.

„Too Old To Die Young“ wurde mit dem dem Titel entsprechenden Elan kraftvoll umgesetzt. Klasse hier die surrenden Slidegitarren. Am stärksten erscheint Hoge auf diesem Longplayer, wenn er seinem Zorn über das heutige Amerika in Songs wie „Goddam California“ (toller Steelguitar-getränkter Alternate Country, herrlich wie er im Refrain „…Goddam California, oh I miss my Tennessee…“ förmlich herausfleht), „American Dream“ (schonungslose Abrechnung mit den Zuständen seines Landes, dazu passend eine wunderbar traurig gespielte Steelgitarre) oder „The Illegal Line“ (die Geschichte eines illegalen Einwanderes im Grenzgebiet Mexiko/Texas wird plakativ aufgearbeitet, stark hier die eine gewisse Dramatik einbringenden psychedlischen E-Gitarrenparts im Stile von Neil Young’s Crazy Horse) seinen freien Lauf lässt.

Grandios „Silver Chain“ . Hier grummelt Hoge zunächst akustisch begleitet in grimmiger Dylan-Erzähl-Manier, schreit dann seine Gefühle in einem kräftigen Refrain regelrecht heraus (tolle E-Gitarrenarbeit von Kenny Vaughan). Roots Rock in Perfektion! Für die fröhlicheren Momente des Albums sorgen komischerweise Songs wie „Gone“ oder „Nothing To Lose“, obwohl sie thematisch (es geht um das Ende von Beziehungen) ebenfalls nicht gerade auf Frohsinn gepolt sind.

Mit „No Man’s Land“ haut Hoge dann sogar einen echten Mitgröl-Country-Gassenhauer raus, der am Ende passend mit ausgelassenen „Crowd“-Gesängen begleitet wird. Zum Schluss gibt es dann nochmals zwei Tracks zum „Zungeschnalzen“. Zunächst die herrlich einfühlsame, pianounterlegte Ballade „Trying To Be A Man“, die von Gastmusiker Vince Gill immer wieder mit filligraner Akustikgitarre ergänzt wird. Und ganz am Ende die voller Otis Redding-Flair befindliche, bluesig-soulige Nummer „When I Get My Wings“ (zugleich auch erste Single). Toll hier die Bläsereinsätze in bester Memphis-Tradition und ein unwiederstehliches E-Gitarren-Solo von Kenny Greenberg, einem der Star-Gitarristen der Nashville-Szene.

Musikalisch assistieren Hoge auf dieser von ihm selbst produzierten Scheibe seine Tourmusiker Adam Beard, Sigdur Birkis und Adam Ollendorf, aber auch Wegefährten früherer Tage wie Devin Mallone oder Ken Coomer und eine ganze Reihe von edlen Gitarristen wie die bereits genannten Pat Buchanan, Kenny Vaughan, Vince Gill, Kenny Greenberg, sowie Tom Bukovac oder der exzellente Keith Gatis. Dazu kommt ein wunderbar geschmackvoll schlicht in Rot, Weiß und Schwarz gestaltetes Digipack, dessen eingestecktes Booklett alle (lesenswerten) Texte beeinhaltet. Will Hoges „Number Seven“ ist somit erneut ein absoluter Garant für allerfeinsten Roots-/Heartland-/Alternate Country-/Americana-Rock geworden, zuweilen mit einem Hauch von Southern-Feeling! Bestnote dafür von uns!

Rykodisc Records (2011)
Stil:  Country-/Roots Rock

01. Fool’s Gonna Fly
02. Too Old To Die Young
03. Goddam California
04. American Dream
05. Gone
06. The Illegal Line
07. Silver Chain
08. Nothing To Lose
09. No Man’s Land
10. Trying To Be A Man
11. When I Get My Wings

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Bärchen Records

Will Hoge – The Wreckage – CD-Review

Baumstarkes, neues Album von Will Hoge! Roots-/Heartland-/Americana-Rock „with a southern croon“ vom Allerfeinsten! Der in Nashville lebende, amerikanische Songwriter hatte ja bereits mit dem Vorgängerwerk „Draw The Curtains„, wie auch mit seinen übrigen Veröffentlichungen schon ganz exzellente Kost serviert und ist von uns und den Kritikerscharen zurecht mit Lobeshymnen überschüttet worden. Also beste Vorraussetzungen, um sich mit einem weiteren Silberling in der ganz oberen Riege seiner amerikanischen Kollegen zu etablieren.

Doch leider sollte zunächst ein persönlicher Schicksalsschlag Hoge übel mitspielen. Während der Aufnahmen zu seinem neuen Album fuhr Hoge nach getaner Arbeit abends mit seinem Roller nach Hause und wurde von einem Van, der seine Bahn kreuzte, „volle Kanne“ erfasst. Schwer blutend, mit mehreren Knochenbrüchen und zeitweise erblindet musste sich Hoge einem mehrmonatigem Krankenhausaufenthalt unterziehen. Die Rehamaßnahmen dauern bis zum heutigen Tage an. Damit hatte es sich mit „The Wreckage“ (der Titel entstand in Anlehnung an seinen Unfall) erst einmal erledigt. Die Arbeiten waren zu diesem Zeitpunkt gerade zur Hälfte abgeschlossen.

Dieses Ereignes bescherte Hoge, laut eigener Aussage, eine vllkommen veränderte Lebenseinstellung. Es setzte ein regelrechter Lernprozess ein. Für ihn, der eigentlich in achtzehn Jahren keinen Tag ohne Musik verbracht hatte, lag jetzt der Fokus komplett auf der persönlichen Genesung und dem Wohlbefinden seiner Familie. Acht Monate nach dem Unfall jedoch ging es dann, mental gestärkt, endlich zurück ins Studio, um das begonnene Werk zu vollenden. Und es ist ein absoluter Knaller geworden. Im Vergleich zum erfolgreichen Vorgänger wurde zwar personell nur marginal geändert (Ken Croomer und Charlie Brosco, die auch das kürzlich erschienene, klasse Album der Southern Rocker SwamDaWamp produzierten, sassen erneut an den Reglern; die meisten Musiker, wie u.a. Pat Buchanan, Ban Baird, Ken Croomer, Tim Marks, sind abermals mit von der Partie), das Ergebnis aber gestaltet sich noch einen Tick stärker als zuletzt und dank Hoges, aus besagten Gründen sehr emotionaler Hingabe, um ein Vielfaches intensiver.

Das ist schon eine Pracht-Leistung, die er hier abliefert. Tolles Songmaterial, mit saftigen, Gitarren-orientierten Arrangements, zumeist voller Kraft und mit gutem Drive, unterbrochen von der ein oder anderen Ballade, alles ungemein melodisch. Das Album startet mit dem flockig, aber knackig instrumentierten „Hard To Love“, ein Stück in bester Bob Seger-Tradition im gehobenen Midtempo, mit einer klasse Pianountermalung, toller Melodieführung und einem starken Bariton-E-Gitarren-Solo. Weiter geht es in deftiger John Mellencamp-Manier mit dem schroffen, geradlinigen, einen tollen Drive aufbauenden, gnadenlos starken Roots-Rocker „Long Gone“ (fettes Drumming, kreischiges E-Gitarren-Solo), der einmal mehr die ungeheure Vielseitigkeit Hoge’s beweist. Hier geht’s richtig zur Sache!

Im Titelsong „The Wreckage“ entladen sich dann alle erlebten Geschehnisse auf beeindruckende Weise, ohne dabei textlich auf das Vorgefallene einzugehen. Selten hat man Hoge so intensiv, introvertiert, emotional und doch voller kühler Melancholie singen gehört (ein wenig an Radney Foster und Kevn Kinney erinnernd), wie bei diesem Track. Eine dumpfe Akustikgitarre, ein dezentes Piano und eine kalt hallende Steelgitarre erzeugen eine ganz besondere, regelrecht mitfühlende Atmosphäre. Das ist große und bewegend performte Musik.

Mit „Favorite Waste Of Time“, „Even If It Brakes Your Heart“ (mit dezentem Petty’schen „Into The Great Wide Open“-Flair) und „Highway Wings“ bewegt sich Will in luftig instrumentierten, genauso knackigen, wie melodischen, rootsigen Mellencamp-/Chris Knight-Gefilden. Das atmosphärische „What Could I Do“ steckt wieder voller eigenwilliger Melancholie, die von Jen Gunderman beigesteuerten Mellotron-Töne erzeugen Gänsehaut.

Zusammen mit der bezaubernden Ashley Monroe (singt im Stile einer jungen Dolly Parton) präsentiert Hoge im Duett bei der wundervollen Ballade „Goodnight / Goodbye“ entspannte, sehr melodische, großartige (Alternate)Countrymusic. Sein alter Weggefährte Dan Baird zupft hier die High String Guitar. Diese etwas besinnlichere Phase wird dann mittels „Just Like Me“, einem forschen Rootsrocker an der Schnittstelle zwischen Neil Young und John Mellencamp, wieder abgelöst.

Klasse hier das psychedelisch angehauchte, raue E-Gitarren-Solo von Pat Buchanan. Nach dem entspannten, wunderschönen „Where Do We Go From Now“, kommt das wieder voller Atmosphäre steckende, balladeske „Too Late Too Soon“, eindrucksvoll mit Gitarren (Southern Rock-kompatibles E-Gitarren-Solo), dumpfen Cello- und Bläsertönen in Szene gesetzt, sogar mit ein wenig Black Crowes-Flair rüber. Ein hervorragendes Album-Finale! Eigentlich ist Will Hoges neues Werk angesichts der Vorgeschichte als reinstes Wunder zu bezeichnen.

Woher dieser Musiker, der scheinbar wirklich am Rande des Ablebens taumelte, innerhalb so kurzer Zeit wieder die Kraft und Ideen zu solch einem starken Album schöpfte, verdient höchste Anerkennung und uneingeschränkten Respekt. Will Hoge hat sich mit diesem Werk endgültig in die Regionen der hier beschriebenen Bezugsgrößen katapultiert. Dieser Singer/Songwriter kann dem Vergleich mit den Mellencamps, Pettys, Chris Knights, Bob Segers, Dan Bairds & Co. locker standhalten.

Wir ziehen den Hut vor dieser Leistung und wünschen Will Hoge, auch wenn es sich im Fall von „The Wreckage“ (das Wrack) schon fast makaber anhört, für seine zukünftige Entwicklung musikalisch weiterhin „Hals- und Beinbruch“. Aber es wird schwer, dieses Werk zu toppen. Die Messlatte liegt verdammt hoch. Exzellenter Rootsrock-/Heartland-Rock-/rockin‘ Americana-Stoff (roadside Americana with the glory of Rock’n Roll“, wie es ein U.S.-Kritiker nennt) zum Genießen, aufgemacht im feinen Digipack inkl. eingelegtem Faltblatt mit allen Texten und Infos! Brillant!

Rykodisc Records (2009)
Stil:  Country-/Roots Rock

01. Hard To Love
02. Long Gone
03. The Wreckage
04. Favorite Waste Of Time
05. Even If It Breaks Your Heart
06. What Could I Do
07. Goodnight/Goodbye
08. Just Like Me
09. Highway Wings
10. Where Do We Go from Down
11. Too Late Too Soon

Will Hoge
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Bärchen Records

Stefanie Fix – Crooked Smile – CD-Review

Bei Stefanie Fix und ihrem aktuellen Album „Crooked Smile“, ist ihr Nachname, zumindest der Bedeutung im hiesigen Volksmund nach, auf gar keinen Fall Programm. Denn die nach Austin zugereiste Singer/Songwriterin frönt auf diesem Silberling überwiegend den recht langsam instrumentierten, nachdenklichen und schwermütigen Tönen.

Der bereits 2007 veröffentlichte Silberling (warum bekommen wir den eigentlich jetzt?), wurde von den Kritikern bisher durchgehend hochgelobt. Produziert wurde die Scheibe von Stephen Doster (Willie Nelson, Nancy Griffith, Dr. John) und Johnny Goudie. Die beteiligten Musiker Dony Wynn (Robert Palmer, Steve Winwood), Brad Houser, Stewart Cochran und John Sanchez liefern eine tadellose Leistung bei der instrumentellen Umsetzung ab, die jedoch in den meisten Fällen recht spartanisch ausfällt.

Die Songs pendeln in Bereichen von ruhigem, rootsigen Indie-Rock bis zu psychedelisch angehauchtem, aber sehr trockenen Pop. Als Eckpunkte sehe ich hier Damen wie Tori Amos und Kate Bush („Let The Sunshine Thru You“, „Holy Shit Ma“) bis zu einer unter Baldrianeinflüssen stehenden Melissa Etheridge („Far From You“, „Don’t Go, Don’t Stay“, „No Reason Now“, „The Secret I Keep“), also recht abenteuerlich und schwer vorstellbar, es kommt aber ungefähr hin.

Das ist Musik, so stelle ich es mir vor meinen geistigen Auge vor, die vielleicht Renate Künast, Jürgen Trittin & Co., spät nachts in der Lounge des Steigenbergers bei einem Gläschen Schampus zum Abschluss gefallen würde, bevor man am nächsten Tag auf dem Grünenparteitag dem Fußvolk der Delegierten mit trüber Oberlehrer-Miene wieder die heilende Wirkung von Müsli und Obstsäften anpreist.

Insgesamt ist „Crooked Smile“ von Stefanie Fix ein sehr spezielles Album, das man aus meiner Sicht nur bei ganz bestimmten Stimmungen und Gelegenheiten auflegen kann. Ein Werk für das intellektuell geprägte, weibliche Geschlecht und passionierte Frauenversteher, was den männlichen Part der Klientel betrifft, zu der ich mich, zugegebener Maßen, eher nicht zähle…

Hand To Mouth Recordings (2007)
Stil:  Singer/Songwriter

01. Let The Sunshine Thru You
02. (Baby) I Know You’re There
03. Far From You
04. Dancing With Ghosts
05. Holy Shit Ma
06. Don’t Go, Don’t Stay
07. No Reason Now
08. Crooked Smile
09. Walking Shoes
10. The Secret I Keep

Stefanie Fix
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Hemifran

Will Hoge – Draw The Curtains – CD-Review

Es gibt Künstler, die im Musikbusiness trotz hervorragender Outputs und eines enormen Potentials immer noch eine Art ‚gut behütetes Geheimnis‘ darstellen. Musiker, mit denen man dann aber, sobald sie mal im heimischen Player gelandet sind, sofort warm wird und für deren Biographie/Diskographie man sich postwendend zu interessieren beginnt. Mir fallen da spontan Leute wie Neal Casal, John Kilzer, Troy Newman, Danny Tate, Edwin McCain oder Billy Coulter ein. Will Hoge ist auch so ein typischer Fall.

Aufmerksam wurde ich auf ihn durch seine CD „Blackbird On A Lonely Wire“ aus dem Jahr 2003, ein schönes melodisches Rockalbum mit Major-Kontrakt und von daher mit jeder Menge radiofreundlicher Songs bestückt. Hoge verließ danach das Label aber auf eigenen Wunsch, um auf der Independent-Schiene wieder größeren Gestaltungsraum für sich in Anspruch nehmen zu können. Dazu hat Will noch einige Live-Scheiben erzeugt, die als authentischer Beweis seines unermüdlichen Schaffens auf der Bühne herhalten (bis zu 300 Gigs im Jahr). Das aktuelle Werk „Draw The Curtains“ ist mittlerweile sein vierter Studioplayer.

Der neue Silberling startet direkt mit einem wunderschönen, balladesk angehauchten Song über eine zerbrochene Beziehung („When I Can Afford To Lose“), der von Hoge emotional, aber nicht auf die Tränedrüse drückend, besungen wird. Ein klasse Piano, wunderbare E- und Akustikgitarrentupfer, dezentes Cello und eine herrlich trauriges Harp (inkl. Solo) verleihen dem Stück die passende Atmosphäre.

Das Schöne an Hoge ist zweifelsohne seine Vielseitigkeit. Ähnlich wie Bob Seger weiß er immer genau, wann es nach wohlig klingenden Ohrwürmern (hier noch „Dirty Little War“, „I’m Sorry Now“, „Draw the Curtains“) wieder Zeit ist, das Gaspedal zu drücken oder den Stil seiner Songs zu verändern. „These Were The Days“ ist ein flotter Rootsrocker , der auf Augenhöhe mit John Mellencamp und Bruce Springsteen in ihren besten Tagen mithalten kann.

Auch „Sex, Lies And Money“ ist ein rauer, slide-trächtiger Roadhouse-Rocker, der von Leuten wie Lance Keltner oder Dan Baird stammen könnte. Dan Baird ist übrigens ein Tour-Weggefährte aus Hoges Solo-Anfangstagen und spielt hier beim herrlich bluesig-souligen „Washed By The Water“ (mit gospelmäßigen weiblichen Backs) in Otis Redding-/Joe Cocker-Manier die dritte Gitarre neben Will und Nashville-Könner Pat Buchanan.

Wunderbar sind Stücke wie „Silver Or Gold“ mit bluesigem Barroom-Flair (herrlich gurgelndes B3 von Reese Wynans, tolle E-Arbeit von Adam Fluhrer aus Hoges Tourband), das flottere, im Storyteller-Stil vorgetragene „Midnight Parade“ (wieder mit schönem Slide) oder das abschließende Countrystück „The Highway’s Gone“ (mit typischen Steel-Einlagen), das Elemente von Hank Williams, Neal Casal oder Jackson Browne geschickt kombiniert.

Fazit:  Will Hoge hat zehn handverlesene Edelperlen auf eine Kette zu einem attraktiven und wertvollen Musik-Schmuckstück gefädelt. Tolle Instrumentalisten aus seiner Tourband (aktuell und ehemalig), aus der Nashville-Studioszene, dazu noch Gäste wie Dan Baird oder Rami Jaffee (The Wallflowers) und natürlich Hoge selbst, haben exzellente Arbeit geleistet. Die Produktion von Ken Cooner (Ex-Wilco) und Charlie Brocco ist glasklar auf den Punkt gebracht. Ich habe voller Begeisterung auf meinem, ein Review immer begleitenden Notizzettel, hinter jedem der zehn Songs ein ‚HL‘ (= Highlight) gesetzt, also rundum ein Hammerwerk!

Rykodisc Records (2007)
Stil:  Country-/Roots Rock

01. When I Can Afford To Lose
02. These Were The Days
03. Dirty Little War
04. Silver Or Gold
05. Sex, Lies And Money
06. I’m Sorry Now
07. Midnight Parade
08. Draw The Curtains
09. Washed By The Water
10. The Highway’s Home

Will Hoge
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Bärchen Records

Edwin McCain – Tinsel & Tap Shoes Live – CD/DVD-Review

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DVD & 5-Track Bonus CD! Singer/Songwriter und Warren Haynes-Kumpel Edwin McCain samt seiner großartigen, 5-köpfigen Band mit einer wundervollen Live-DVD! McCain ist mit seinem gefälligen, so herrlich melodischen, zuweilen von einer frischen Southern-Brise umhüllten Midwestern-/Heartland-/Roots-Rock-Pop in den Staaten längst kein Geheimtipp mehr. Gerade bei seinen Konzerten erfreut er sich einer immer größer werdender Beliebtheit. Zurecht! Eindrucksvoll dokumentiert wird das Ganze jetzt mit dieser tollen Live-DVD (+ Bonus-CD mit fünf Live-Stücken), die im House Of Blues in Myrtle Beach, seinem Heimatstaat South Carolina, während der aktuellen „Scream & whisoper“-Tour aufgenommen wurde.

Nicht nur das anwesende, sehr textsichere Publikum ist schier begeistert, nein, auch als Heim-Betrachter dieses Werkes kommt man voll auf seine Kosten und ist sicher stark beeindruckt. Diese locker und völlig unverkrampft vorgetragenen, herrlichen Songs, mit ihren Wahnsinns-Melodien erzeugen eine absolut angenehme Stimmung. Trotz einer hohen Anzahl von Besuchern verbreitet sich im Saal so etwas wie Wohnzimmer-Atmosphäre, und das nicht nur wegen der auf der Bühne ausgelegten, orientalischen Teppiche.

Die Burschen präsentieren ihre musikalischen Arrangements mit nahezu blindem Verständnis. Auch wenn Edwin McCain und sein exzellenter Lead-Gitarrist Larry Chaney die dominierenden Persönlichkeiten des Abends darstellen, muss man hier von einer glänzenden Mannschaftsleistung sprechen. Ein kleiner Einblick in die Setlist. Vom leicht psychedelisch-angehauchten Opener “My Mystery“ an, jagt in der Folgezeit ein Ohrwurm den nächsten. „Coming Down“ mit seinem hinreißenden, flüssigen Southern-Feeling, „Shooting Stars“ mit so etwas wie James Taylor meets U2-Flair, „Couldn’t Love You More“ als liebevolle Widmung an die Ehefrau, „Say Anything“, eine prächtige semi-akkustische Ballade, bei der sich Edwin’s Stimme voll entfalten kann, bis hin zu ihrem größten Hit „I’ll Be“, der das Hauptprogramm abschließt.

Da bleiben keine Wünsche offen. Zwischendurch macht der Frontmann seinem Ruf als Storyteller immer wieder alle Ehre und gibt die ein oder andere Anekdote zum Besten. Ganz stark auch „Sign The Door“, ein Slow-Blues mit phantastischen Sax- und E-Gitarrenparts oder „Beautiful Life“, ein Midtemposong, in dem sich der zweite Gitarrist Pete Railey einmal richtig ausleben kann, und wo sogar am Ende in Thin-Lizzy-Manier mit Larry Chaney zweistimmig agiert wird. Als Zugabe gibt es den Rod-Stewart-Klassiker „Maggie Mae“, der Edwin McCain mit seiner sanft-kratzigen Röhre natürlich gesangstechnisch auf den Leib geschnitten ist. Ein wirklich glänzendes, 90-minütiges Konzert in einer durchweg entspannten Atmpsühäre (viele, allerdings knackige Balladen) – ein Auftritt, der aufgrund seiner variablen musikalischen Darbietung vollends überzeugt. Von Blues-, Heartland-, Pop-, Southern- Roots, bis Jam-Rock-Pop-Elementen wird ein recht breites Spektrum abgedeckt.

Als Bonusmaterial gibt es noch ein paar Statements aller beteiligten Musiker, sowie einen Einblick in den Tourbus „The Black Pearl“ vom Meister persönlich, wie auch eine klasse 5-Track Bonus-CD vom gleichen Konzert, wobei zwei Stücke dort („Sorry to the friend“ und „Solitude“) nicht auf der DVD enthalten sind! Bild und Tonqualität sind hervorragend! Dazu kommt das Set in einer klasse Digipack-Verpackung, nicht im länglichen DVD-, sondern im CD-Format! Die DVD ist „code free“ und somit auf allen gängigen Geräten abspielbar!

Vanguard Records (2004)
Stil: Singer/Songwriter

DVD.
01. My Mystery
02. Coming Down
03. Darwin’s Children
04. Shooting Stars
05. Gramercy Park Hotel
06. Sing On The Door
07. Take Me
08. Couldn’t Love You More
09. Jesters, Dreamers & Thieves
10. Beautiful Life
11. Say Anything
12. I’ll Be
13. Maggie Mae
14. Wild At Heart

CD.
01. My Mystery
02. Shooting Stars
03. Gramercy Park Hotel
04. Sorry To A Friend
05. Sollitude

Edwin McCain
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Bärchen Records

Tres Chicas – Bloom, Red & The Ordinary Girl – CD-Review

Die drei „Hühner“ aus North Carolina sind zurück! Nachdem Caitlin Cary (Whiskeytown), Lynn Blakey (Glory Fountain) und Tonya Lamm (Hazeldine) bereits für ihr starkes Debüt „Sweetwater“ von der Kritikergilde mit Lobeshymnen geradezu überschüttet wurden, kommt jetzt mit „Bloom, Red & The Ordinary Girl“ konsequenter Weise der ersehnte Nachfolger. Die drei Damen begaben sich diesmal auf europäisches Terrain, um mit den britischen Produzenten Neil Brockbank und Robert Trehern (übernahm hier zumeist die Arbeit des Drummings) zusammenzuarbeiten, die sich u. a. bereits mit Musikergrößen wie Nick Lowe (spielt auf dieser CD bei zwei Tracks den Bass) oder Van Morrison einen Namen gemacht haben.

Mit involviert noch als tragende musikalische Säulen sind Geraint Watkins (überragende Piano- u. Orgelarbeit) und Matt Radford am Bass, sowie eine Anzahl hochwertiger Gastmusiker mit sporadischen Einsätzen (u. a. Bill Kirchen, Steve Donnolly, BJ Cole). Insgesamt ist die Atmosphäre gegenüber ihrem Erstling noch intimer geworden. Den Löwenanteil der Songwriting-Arbeit übernahmen Carey und Blakey, dazu kommt noch ein Stück aus der Feder von Geraint Watkins („My Love“), sowie das Lou-Ford-Cover „Drop Me Down“ (ein herrlich relaxter, melodischer Midtemposong mit toller Akustikgitarren-, Piano- und Orgeluntermalung), und die rhythmische, Steel-betonte Country Retro-Nummer „If You Think That It’s All Right“ aus der Feder von Johnny-Carver.

Die meisten Lieder sind von der einzigartigen, entspannten und auf stimmlicher Chemie basierenden Tres-Chicas-Atmosphäre geprägt. Sie reihen sich in einträchtiger Harmonie und Gemütlichkeit aneinander und wirken dabei fast noch intimer als auf dem Erstling. Zu dem gewohnten, folkigen Americana-/Alternate Country-Feeling gesellen sich vereinzelt dezente Blues-/Barroom- und ansatzweise auch mal angeswingte, jazzige Elemente. Klasse die von Poesie und Humor geprägten Texte (im Booklett natürlich aufgeführt), sowie der sinnliche Gesang der drei Hauptakteurinnen, sei es als Solistinnen oder auch im mehrstimmigen Bereich. Hier und da offenbart Caitlin Carey ihr etatmäßiges, versiertes Violinenspiel.

Herausragend neben dem Opener „Drop Me Down“ vielleicht das Barroom-trächige „Stone Love Song“ (tolles Piano, Flöte, Klarinette, Streicher), das herrlich dahinfließende „Sway“, die Orgel-betonte Ballade „Still Run“, das mit Countryflair und vielen, kleinen Soli behaftete, launige „Man Of The People“, die tolle Caitlin Carey-Nummer „400 flamingos“, sowie die herrliche Countryballade (wunderschöne Akustikgitarren- und Violinenparts) „Slip So Easily“, die seinerzeit auch schon Glory Fountain aufnahmen. Aber im Prinzip sind hier nicht der einzelne Song, sondern das stimmige Gesamtkonzept und die sympathischen musikalischen Persönlichkeiten der „Star“ des neuen Tres Chicas-Albums. So darf sich „Bloom, Red & The Ordinary Girl“ auch diesmal der Gunst der Kritikerzunft sicher sein! Feines Teil!

Yep Roc Records (2006)
Stil: Americana

01. Drop Me Down
02. Stone Love Song
03. My Love
04. Shade Trees in Bloom
05. Red
06. Sway
07. Only Broken
08. Stil I Run
09. The Man Of The People
10. 400 Flamingos
11. Slip So Easily
12. If You Think That It’s All Right

Tres Chicas
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