Eric Church – Heart & Soul – Triple-CD-Review

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Nachdem zunächst Morgan Wallen mit seinem 30 Songs umfassenden Doppelalbum „Dangerous“ für den ersten großen Paukenschlag des Country-Jahres 2021 gesorgt hatte, lässt auch der amtierende CMA Entertainer des Jahres, Eric Church, nicht locker und präsentiert mit „Heart“ „&“ „Soul“ ebenfalls ein opulentes Werk (gesplittet als Triple), das auch satte 24 Tracks aufweist.

Für die Aufnahmen hatte sich der Protagonist mit einem Heer an Songwritern und Musikern für 28 Tage in ein Restaurant in den Bergen von North Carolina eingemietet. Die innen völlig aus Holz gebaute Location wurde dazu kurzfristig in ein Aufnahme-Studio umfunktioniert. Für die hervorragnde Produktion zeichnet sich wieder sein Langzeit-Spezi Jay Joyce verantwortlich.

eric-church-heart-soul-14432Als besondere Aufgabe hatte Eric ausgelobt, jeden Tag einen neuen Song zu kreieren, sprich morgens geschrieben und abends eingespielt, so hatten alle anwesenden Akteure Gelegenheit, sich in die Entwicklung einzubringen. Für ihn selbst sei besonders wichtig gewesen, zu erfahren, was passiert, wenn man aus seiner eigenen Komfortzone gerissen wird. Er ist davon überzeugt, dass diese, kreative Prozesse eher behindern würde, wie die Erfahrung zum Vorgänger „Desperate Man„, immerhin ein Nr.1-Album, aus seiner Sicht gezeigt hätte.

Dass Church, bei dem ich glücklicher Weise bei einem seiner wenigen Deutschland-Konzerte 2014 in Köln (Vorband The Cadillac Three) zugegen sein durfte, vom Stil seiner Lieder in keine eindeutige Schublade mehr einzuordnen ist, dürfte spätestens seit „The Outsiders“ bekannt sein.

Und so verhält es sich auch auf dem neuen, in drei Alben, mit drei Titeln „Heart“ „&“ „Soul“, getrennten Teil. Schöne Geste übrigens von ihm an seine Fan-Base, den Church-Choir: „Das mittlere Werk „&“ wird nur für diesen speziell ab dem 20. April und nur auf Vinyl erhältlich sein. Die beiden anderen werden jeweils am 16. („Heart“), bzw. 23. April („Soul“) veröffentlicht.

Vom herrlich southern-rockigen Opener „Heart On Fire“ (erinnert ein wenig an Kid Rocks „All Summer Long“) auf „Heart“ bis zum emotionalen Finale „Lynyrd Skynyrd Jones“ (schöne melancholische Südstaaten-Leben-Hommage in Country-Storyteller-Manier) auf „Soul“, werden wieder diverseste Stile wie Country, New Country, Rock, Southern Rock, Pop, Funk und Soul harmonisch in Einklang gebracht.

Verdanken ist das neben den allesamt exzellent agierenden Musikern und Joyces famoser Produktion, in erster Linie dem variablen Singvermögen des ‚Chiefs‘ und einer brillierenden und stark eingebundenen Co-Sängerin Joanna Cotten (viele eingeflochtene Harmony-Parts und Kurz-Leads), die einen Großteil der Stücke dadurch absolut aufwertet.

Und so lässt der 43-jährige Singer/Songwriter neben seinen (New-) Countrywurzeln mit einigen weiteren (Southern-umwehten) Krachern wie „Stick That In Your Country Song“, „Bunch Of Nothing“, „Do Side“ oder „Bad Mother Trucker“ und Church-typischen Ohrwürmern wie „Never Break Heart“, „Crazyland“, „Doing Life With Me“, „Kiss Her Goodbye“)  immer wieder auch Reminiszenzen an vergangene Musikepochen einfließen.

Hier verneigt sich imaginär vor Größen wie u. a. Bruce Springsteen („Heart Of The Night“), Billy Joel („Russian Roulette“), John Cougar Mellencamp („Hell Of A View“), Tony Joe White (das herrlich relaxte „Rock & Roll Found Me“), Otis Redding („Look Good And You Know It“, das grandiose „Where I Wanna Be“), ZZ Top, Bee Gees („Break It Kind Of Guy“ – schönes „Eliminator“-Rhythmus-Flair, Falsetto-Gesang), den Allman Brothers („Jenny“) und ja sogar 10cc (mit „I’m Not In Love“-typischen Synthie-Hall) bei „Mad Man“.

Am Ende stellt sich natürlich unweigerlich die Frage, wer wohl bei der Wahl zum Album des Jahres von beiden, Wallen oder Church, bei den einschlägigen Awards, die Nase vorn haben wird (falls da nicht noch jemand, was relativ unwahrscheinlich sein dürfte, ähnlich Berauschendes aus dem Hut zaubern sollte). Wallen hat sich mit seinem rassistischen Fauxpas vor geraumer Zeit da sicherlich schon selbst im Vorfeld den Wind aus den eigenen Segeln genommen.

Auch wenn dieser meinem persönlichen Musik-Geschmack etwas mehr entgegen kommt, und auch noch einige Stücke mehr zu bieten hatte, brauche ich am Ende wohl doch nicht die Münze zu werfen. Eric Church, überzeugt mit „Heart“ „&“ „Soul“ auf  nahezu gleichem Niveau mit mehr Mut, Risiko und Diversität, man fiebert bei den Durchläufen einfach mehr mit und wird emotionaler gepackt.

Somit große Kirche, ähm, ich meine natürlich großes Kino, lieber Mr. Church!

In Würdigung der tollen Gesamtleistung hier die Auflistung aller Involvierten:

Musiker:

Lead Vocals: Eric Church
Additional Vocals: Casey Beathard, Craig Wright, Jason Hall, Jay Joyce, Jeff Hyde, Jeffrey Steele, Joanna Cotten, Jonathan Singleton
Acoustic Guitar: Bryan Sutton, Casey Beathard, Charlie Worsham, Eric Church, Jay Joyce, Jeff Cease, Jeff Hyde, Jeffrey Steele, Kenny Vaughn, Luke Dick
Electric Guitar: Charlie Worsham, Driver Williams, Eric Church, Jay Joyce, Jeff Cease, Kenny Vaughn, Luke Dick, Rob McNelley
Steel Guitar: Luke Dick
Slide Guitar: Jeff Cease
Banjo: Charlie Worsham, Jeff Hyde
Mandolin: Bryan Sutton, Charlie Worsham, Jeff Hyde
Dobro: Bryan Sutton
Resonator: Bryan Sutton
Bass: Lee Hendricks
Synth Bass: Billy Justineau
Drums: Craig Wright
Percussion: Craig Wright
Tambourine: Jay Joyce
Piano: Billy Justineau, Moose Brown
Mellotron: Billy Justineau
Electric Organ: Billy Justineau, Jay Joyce, Moose Brown
Keyboards: Jay Joyce
Synthesizer: Billy Justineau, Jay Joyce
Programming: Jay Joyce
Hand Claps: Billy Justineau, Brian Snoody, Casey Beathard, Charlie Worsham, Craig Wright, Driver Williams, Eric Church, Jason Hall, Jaxon Hargrove, Jay Joyce, Jeff Cease, Jeff Hyde, Jimmy Mansfield, Joanna Cotten, John Peets, Lee Hendricks, Luke Dick

EMI Records Nashville (Universal Music) (2021)
Stil: New Country & More

Tracks und Songwriter „Heart“:

01. Heart On Fire (Eric Church)
02. Heart Of The Night  (Eric Church, Jeremy Spillman, Jeff Hyde, Ryan Tyndell,      Travis Hill)
03. Russian Roulette (Eric Church, Casey Beathard, Monty Criswell)
04. People Break (Eric Church, Luke Laird)
05. Stick That In Your Country Song (Davis Naish, Jeffrey Steele)
06. Never Break Heart (Eric Church, Luke Dick)
07. Crazyland (Eric Church, Luke Laird, Michael Heeney)
08. Bunch Of Nothing (Eric Church, Jeff Hyde)
09. Love Shine Down (Eric Church, Casey Beathard, Jeffrey Steele)

Tracks und Songwriter „&“:

01. Through My Ray-Bans (Eric Church, Luke Laird, Barry Dean)
02. Doing Life With Me (Eric Church, Casey Beathard, Jeffrey Steele)
03. Do Side (Eric Church, Casey Beathard)
04. Kiss Her Goodbye (Eric Church, Casey Beathard)
05. Mad Man (Eric Church, Casey Beathard)
06. Lone Wolf (Eric Church, Jeff Hyde, Ryan Tyndell)

Tracks und Songwriter „Soul“:

01. Rock & Roll Found Me (Eric Church, Casey Beathard, Driver Williams)
02. Look Good And You Know It (Eric Church, Jonathan Singleton, Travis Meadows)
03. Bright Side Girl (Eric Church, Jeff Hyde, Scotty Emerick, Clint Daniels)
04. Break It Kind Of Guy (Eric Church, Casey Beathard, Luke Dick)
05. Hell Of A View (Eric Church, Casey Beathard, Monty Criswell)
06. Where I Wanna Be (Eric Church, Casey Beathard, Jeremy Spillman, Ryan Tyndell)
07. Jenny (Eric Church)
08. Bad Mother Trucker (Eric Church, Casey Beathard, Luke Dick, Jeremy Spillman)
09. Lynyrd Skynyrd Jones (Casey Beathard)

Eric Church
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Oktober Promotion

Track45 – Big Dreams – EP-Review

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Es ist manchmal schon wirklich erstaunlich, was sich Plattenfirmen alles einfallen lassen, um einen neuen, vielversprechenden Act zu promoten. Hier im Fall eines, von Kindheit an, Country-geschulten Geschwister-Trios, bestehend aus Jenna, Ben und KK Johnson (stammend aus Meridian im US-Bundesstaat Mississippi), das jetzt unter dem Namen Track45 firmiert, wurde zunächst im Oktober des vergangenen Jahres erst eine Mini-EP mit drei Stücken („Come On In“, „Me + You“ und „Met Me Now„) unter dem Namen „Small Town“ voran geschickt.

Wer jetzt meint, es folgt nach der Testphase ein komplettes Album, der bewegt sich auf dem falschen Pfad. Es wurden nämlich diese drei Stücke mit „Little Bit More“ und dem Dolly Parton-Cover „Light Of A Clear Blue Morning“ nochmals nur  um Track 4 und 5 erweitert, sodass der potentiellen Hörerschaft unter dem Titel „Big Dreams“ immerhin eine satte Spielzeit von knapp 16 Minuten präsentiert wird. Da verstehe wirklich einer die Welt…

Dass es sich bei den fünf Liedern um gutes Songmaterial handelt (geschrieben von den Dreien mit Leuten, die schon für Justin Timberlake, Weezer oder Charlie Puth aktiv waren und hochwertig eingespielt vom Who-Is Who der Nashville Studiomusiker), merkt man sofort, und nicht zuletzt sorgt kein geringerer als der frühere Tim McGraw-Mentor und Grammy-Preisträger Byron Gallimore für einen herrlich transparenten Sound an den Reglerknöpfen.

Das ist wirklich erfrischender Countrypop, bei dem die countryesken Instrumente immer die Federführung inne haben. Auch der breit aufgestellte Hauptgesang von KK Johnson, der von den klassischen Country-Chanteusen à la Parton bis hin zu modernen Vertreterinnen ihrer Art variiert (sie ’näselt‘ zwischenzeitlich fast wie Shania Twain), weiß zu begeistern.

Schwester Jenna und Bruder Ben, erweisen sich dabei als absolut perfekte Harmoniegesangspartner und letztgenannter zeigt sich bei sporadischen Kurzeinsätzen am Frontmikro auch als durchaus praktikable, weitere männliche Vokaloption.

Für unsere Klientel dürfte das dezent southern-epische „Little Bit More“ und das besagte, sehr modern umgesetzte Parton-Stück „Light Of A Clear Blue Morning“ (klasse hier vor allem die Temposteigerung im letzten Drittel) von besonderem Interesse sein, die restlichen Sachen gehen einfach luftig und melodiös in Ohr (u. a. mein Favorit, das front porch-mäßige „Come On In„).

Ob die großen Träume von Track45 mit „Big Dreams“ allerdings am Ende auch real in die Tat umgesetzt werden können, sprich, in die Phalanx der beherrschenden Misch-Acts wie Lady Antebellum, Little Big Town (den ähneln sie sehr stark), The Band Perry & Co. einbrechen zu können, steht am Ende auf einem anderen Blatt Papier. Immerhin, der erste, kleine Anfang ist gemacht, viel Talent und Potential ist beim Johnson-Trio in jedem Fall vorhanden.

Stoney Creek Records (2021)
Stil: New Country

01. Met Me Now
02. Little Bit More
03. Come On In
04. Me + You
05. Light Of A Clear Blue Morning

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Lime Tree Music

Tebey – The Good Ones – CD-Review

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Im Jahr 2019, als die musikalische Welt noch in Ordnung war, hatte uns der kanadische Singer/Songwriter Tebey Solomon Ottoh, oder kurz Tebey, im Rahmen der SOUND OF NASHVILLE-Konzertreihe in Köln schon absolut positiv überrascht.

Jetzt zu Anfang dieses Jahres bringt er sein erstes Album „The Good Ones“ (insgesamt sein drittes) auf seinem eigens gegründeten Label Jayward Artist Group heraus. Stark mit involviert an allen Fronten auch wieder, wie damals in Köln beim Gig, Danick Dupelle, den Insider auch von der Gruppe Emerson Drive kennen werden, der sich hier als Co-Writer und -Producer, als auch Instrumentalist (Guitars, Bass, Keys, Ganjo, Banjo, Programming) vielschichtig in die Credits einträgt.

Dass Tebey ein feines ‚Händchen‘ für Songs mit Chartpotential hat, weiß man nicht zuletzt von Nr. 1-Hits wie „Somebody Else Will“, dass er für Justin Moore kreiert hat, als auch u. a. Who’s Gonna Love You“, mit dem er selbst die Pole-Position in Kanada erreichte.

AQ2A6350-1024x683Und so liefert er auch auf diesem Werk wieder acht traumhaft schöne Tracks ab, bei denen die Hooks und Refrains, fließend ins Blut und Gedächtnis gehen. Was mir dabei besonders gefällt ist, obwohl ich ja gewöhnlich eher rauer singende Fronter mag, seine außergewöhnlich klare und absolut auf den Punkt zu den Songs passende Stimme. Bestes Beispiel direkt, der auch schon in Köln performte Opener „Shotgun Rider„, der perfekt die positiv ansteckende Gesamtstimmung des Werkes widergibt.

Danick Dupelle sorgt mit seinen Ganjo-/Banjo-Untermalungen und immer wieder schön eingeflochtenen E-Gitarren (auch das eine oder andere starke Kurz-Solo ist zugegen) dafür, dass dem überwiegend poppigen Charakter der Stücke ein countryesker Mindestgehalt beigemischt wird.

Beim tollen „Good Jeans“ kommt man um den unweigerlichen Vergleich mit Keith Urban nicht mehr herum, klasse auch sein atmosphärisches Bariton-E-Spiel beim finalen „Doing It Again“. Auch Dupelles Band Emerson Drive oder Leute wie Drew Womack (Ex Lead-Sänger von Sons Of The Desert), Mitchell Tenpenny & Co. fallen einem spontan als Vergleichsgrößen ein.

Zu gefallen weiß natürlich auch der herrlich dahin schmachtende Titeltrack, bei dem im Wechsel- und Harmoniegesang mit der kanadischen Kollegin Marie-Mai (Star Académie, Sängerin auf der Abschlussfeier der olympischen Winterspiele in Vancouver) alle alle Register der Duettgesangeskunst gezogen werden.

Fazit nach 24 Minuten gute Laune versprühender, melodischer und eingängiger Countrypop-Musik: Tebey beweist mit „The Good Ones“ eindrucksvoll, dass er zu den wirklich Guten des Genres zählt. Für solche Musik wurden – so meine ich – irgendwann Cabriolets erfunden.

Jayward Artist Group (2021)
Stil: New Country

01. Shotgun Rider
02. Happened On A Saturday Night
03. The Good Ones
04. Song Of The Summer
05. Bad For Me
06. Good Jeans
07. See You Around
08. Doing It Again

Tebey
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Jayward Artist Group Inc.

Lainey Wilson – Sayin‘ What I’m Thinkin‘ – CD-Review

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Am Ende meines Reviews zu Lainey Wilsons 12 Minuten-EP „Redneck Hollywood“ schrieb ich, dass man sich nach dem Quickie mit ihr nach einer längeren (musikalischen) Beziehung sehnen würde.

Mittlerweile macht die aus Louisiana nach Nashville übergesiedelte Singer/Songwriterin auf dem BMG Unterlabel Broken Bow Records den nächsten Schritt und legt mit „Sayin‘ What I’m Thinkin'“, aufgenommen in den Neon Cross Studios, Nashville, TN, ihren ersten Longplayer vor.

Nun ja, wenn ich sagen würde, was ich in dieser katastrophalen Zeit denke, würde ich mich in erster Linie über über unsere, auf sich selbst bedachten und unfähigen Politiker samt ihrer unterstehenden Beamte- und vermeintlichen Expertenschaft auslassen, die mit ihrer Planlosigkeit und Willkür, Millionen von Menschen ihrer Jobs und Renten berauben werden.

Aber das steht auf einem anderen Blatt Papier, hören wir dann doch lieber Lainey Wilson auf ihrem Album bei ihren musikalischen Ausführungen zu. Die haben wenigstens Hand und Fuß. Kein Wunder, denn kein geringere als Star-Produzent Jay Joyce (John Hiatt, Little Big Town, Eric Church, Brothers Osborne) zieht hier die Fäden und der weiß exzellent, wie man den entsprechenden Künstler mit dem vorliegenden Songmaterial samt instrumenteller Umsetzung, perfekt in Einklang bringen kann.

Die vier Tracks „Things A Man Oughta Know“, „LA“, „Dirty Looks“ und „Straight Up Sideways“ von oben angeführter EP wurden mit übernommen und um acht weitere Stücke ergänzt, die ebenfalls alle von Lainey mit diversen namhaften Co-Autoren wie u. a. Matt Rogers, Brice Long, Shane Minor, Jonathon Singleton, Jason Nix, Casey Beathard) komponiert wurden.

Auch auf der Musikerseite wurde nicht mit großen Namen gespart. Leute wie Fred Eltringham, Rob McNelley, Joel King (herrlich knochiges Bass-Spiel), Tom Bukovac, Mickey Raphael, Jedd Hughes und natürlich Jay Joyce selbst, der wieder an allen Tasten, Knöpfen und Saiten involviert ist, kennt man von unzähligen Nashville-Parade-Scheiben.

Ich möchte mich hier natürlich auf die acht neuen Lieder fokussieren. Mit den beiden Openern „Neon Diamonds“ und „Sunday Best“ gibt es direkt zwei pfiffige Drinking-Songs, der erste aus reiner Laune, der andere eher aus einer Portion Frust heraus. Beide erinnern von der Art, wie auch von der Stimme an Trick Pony, bzw. deren Fronterin Heidi Newfield.

„Small Town, Girl“ begeistert mit swampiger Southern-Note und dementsprechenden E-Gitarrenspiel (Marke Skynyrd, klasse!). Das schunkelnde „Pipe“ mit Steel-artigem Slide fordert auf zu politisch unkorrekter Lebensweise, samt der damit oft verbundenen bitter zu schluckenden Pillen, und nicht alles so ernst zu nehmen, wie es erscheint.

Egal, ob du was zu feiern oder an persönlichen Schicksalsschlägen verarbeiten hast, es gibt immer eine Bar, in der man drüber sprechen kannst. Toller atmosphärischer Song, mit gelungener Botschaft! Klasse finde ich im Übrigen, wie auch in diesem Track, ihre bildhafte Sprache und die immer mal wieder eingeflochtene Selbstironie in den Texten.

In „WWDD“ fragt sich die Protagonistin, was ihr großes Vorbild Dolly Parton in einer bestimmten anstehenden Situation tun würde. Das ein wenig an Joni Mitchell erinnernde „Rolling Stone“ beschäftigt sich damit, Dinge, ggfs. auch Personen, hinter sich zu lassen, um ein Ziel zu verfolgen, egal, wie schmerzhaft es manchmal erscheinen möge.

Den Abschluss eines durchgehend abwechslungsreichen Albums bildet das melancholische Titellied, dass den Gedanken vom Vorgängerstück in seinen Konsequenzen weiterverfolgt.

Lainey Wilson beweist mit „Sayin‘ What I’m Thinkin'“ eindrucksvoll, warum sie von Music Row oder Strings & Spurs zu den kommenden großen Künstlern in 2021 proklamiert wird. Ein überaus gelungenes Debüt, dessen Ausführungen man sofort gerne zuhört. Am 19.02. wird die digitale Variante zu erwerben sein, das passende Vinyl dazu folgt am 16.04.2021.

Ach, und apropos des Eingangssatzes: Von mir aus kann diese Beziehung gerne noch lange so fortgeführt werden, ich schwöre unter diesen Umständen weiterhin bedingungslose Treue…!

Broken Bow Records (2021)
Stil: New Country

Tracks:
01. Neon Diamonds
02. Sunday Best
03. Things A Man Oughta Know
04. Small Town, Girl
05. LA
06. Dirty Looks
07. Pipe
08. Keeping Bars In Business
09. Straight Up Sideways
10. WWDD
11. Rolling Stone
12. Sayin‘ What I’m Thinkin‘

Laney Wilson
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Lindsay Ell – #LiveRedesigned Concert Experience – Studio-Charity-Konzertbericht

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Als Lindsay Ell uns nach ihrem Solo-Konzert 2017 im Blue Shell versprach, beim nächsten Mal in Deutschland mit kompletter Band zurück zu kehren, war die musikalische Welt noch in Ordnung. Die New Country-Welle schwappte aus den Staaten zu uns rüber und immer mehr tolle und angesagte Nashville-Interpreten/innen schienen ‚Goold Ole Germany‘ als attraktive Live-Auftrittsmöglichkeiten für sich zu entdecken.

Ganz Wort gehalten hatte sie nicht, aber immerhin konnten wir sie dann 2019 nochmals im Rahmen der SOUND Of NASHVILLE-Reihe wieder an gleicher Stelle als allein unterhaltende Headlinerin begrüßen.

Heute, knapp zwei Jahre später ist auf der Welt nichts mehr, so wie es mal war. Die Corona-Pandemie hat die gesamte Kulturbranche in den Ruin getrieben und den meisten Beteiligten der Zunft und vielen darüber hinaus, die einstige Existenzgrundlage unter den Füßen weggezogen.

Eine politische Lobby in Deutschland scheint es nicht zu geben, was soll man aber auch bei Leuten wie Merkel, Spahn, von der Leyen, Grütters, Altmaier, Heil, Laschet & Co. erwarten, da von hat vermutlich niemand, jemals eine Rockmusik-Location von innen her gesehen. Auch in Amerika dürfte sich das Ausmaß an Dilettantismus in der politischen Realität in ähnlichen, wenn nicht noch schlimmeren Bereichen bewegen.

Jetzt hat sich die zierliche Kanadierin für ein Charity-Event namens #LiveRedesigned Concert Experience zur Verfügung gestellt, eine Art Studiokonzert, das man dieses Wochenende käuflich, sowohl live als auch noch bis zu 48 Stunden später, als Stream verfolgen konnte. Die Erlöse kommen ihrer Band und den rund 200, an der Produktion beteiligten Menschen zu Gute und gewährt ihnen somit zumindest übergangsweise etwas Arbeit und Salär.

Für die Organisation und Umsetzung des Events zeichnen sich Firmen wie Fireplay, PRG und VYE verantwortlich. Überwiegend im Fokus des etwas über eine Stunde währenden Konzerts stand dabei die Performance ihres aktuellen Werkes „Heart Theory„.

Die Songs wurden im Groben und Ganzen in der gleichen Reihenfolge wie auf dem Album gespielt, es macht Spaß die lebenslustige und kommunikative langmähnige Blondine (in schöner schwarzer Lackmontur) mit ihren versierten Mitmusikern/innen (klasse vor allem der in Phil Collins-Manier trommelnde Harry Miree) am Bildschirm bei toller Bild- und Tonqualität zu verfolgen. Eine riesige Videoleinwand im Hintergrund sorgt für weitere visuelle Atmosphäre.

Zwischenzeitlich gibt es eine Interaktion von Ell und den in Kacheln (als Waben und Kreise) gerahmten, live auf der Videowall zugeschalteten Konzertverfolgern. Auch Kollegen wie u. a. Brad Paisley, Charles Kelley (Lady Antebellum) und Lee Brice geben kurze Zwischenstatements ab.

Als Überraschungsgäste sorgen Lauren Alaina („wrong girl“) und Carly Pearce bei ihrem eigenen, schön countryesk performten „Next Girl“ für weitere Duett-Farbtupfer. „Criminal“ (von Ells Album „The Project„) und „body language of a breakup“ werden in rein akustischer Form präsentiert (Ell, Austin Goodloe und Eric Fortaleza). Sehr schön auch das kammermusikartige „make you“ (Lindsay am Piano), bei dem es sanfte Streicherquartettunterstützung gibt.

Wie auf dem Longplayer, richtet die sehr quirlig auf ihren Saitengeräten agierende und auch engagiert singende Fronterin mit „ReadY to love“ den Blick wieder positiv nach vorne. Toll hier ihr emotional gespieltes Abschluss-E-Gitarrensolo auf Knien und Rücken liegend.

Insgesamt gesehen ist Lindsay Ells #LiveRedesigned Concert Experience eine noble und schöne Sache, bei der ich allerdings befürchte, dass sie für die Leidtragenden nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein abgibt, aber immerhin, allein schon die Geste zählt! Nichtsdestotrotz kann man nur hoffen, dass es irgendwann mal wieder ein Leben in früherer Normalität geben wird und dann auch Lindsay Ell mit Band ‚live in echt‘ in unseren Regionen präsent ist. Wie gesagt, schön wär’s…

Line-up:
Lindsay Ell (lead vocals, electric and acoustic guitar, piano)
Eric Fortaleza (bass, acoustic guitar, vocals)
Austin Goodloe (electric and acoustic guitar, vocals)
Harry Miree (drums)
David Crutcher (keys)
Kristin Weber (1st violin)
Laura Epling (violin)
Emily Nelson (cello)
Nicole Neely (viola)

Lindsay Ell
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Oktober Promotion

 

Logan Mize – Still That Kid – CD-Review

Still That Kid - Album Art

Logan Mize möchte auch nach fast einer Dekade recht erfolgreichen Treibens im New Country Business sich das Kind im Manne bewahren. Das proklamiert er jetzt auf seiner dritten Big Yellow Dog Music-Produktion nicht nur mit dem Titel des Albums „Still That Kid“, sondern auch ganz klar mit einem der Center-Tracks „I Ain’t Gotta Grow Up“, der gleich in zwei Versionen (einmal mit Unterstützung von Willie Jones) enthalten ist.

Der aus Clearwater, Kansas, stammende Musiker bewegt sich immer noch so ein wenig in der Warteschleife zum ganz großen Durchbruch. Immerhin hat er es zum schon zum Tour-Support von vielen Stars der Szene wie Lady Antebellum, The Band Perry, LeAnn Rimes, Eric Church, Dierks Bentley, der Charlie Daniels Band, Blake Shelton (auf der Blake Shelton Country Cruise), Stoney LaRue, Hank Williams, etc. geschafft.

2016 sorgte er für viel Aufsehen, als er in Eigenregie über seine sozialen Netzwerke eine Solo-Akustik-Tournee buchte und dabei in weniger als zwei Monaten mehr als 20.000 Meilen in einem 1989er Chevy-Kombi namens “Glenn” zurücklegte. Logan war auf dieser Tour sein eigener Sound- und Lichttechniker und spielte Akustikshows, die Fans im ganzen Land begeisterten.

Er ist übrigens verwandt mit Billy Mize. Dieser prägte früher ganz stark den Bakersfield-Sound mit, den man unter anderem von Country-Ikonen wie Merle Haggard und Buck Owens kennt. Und das spürt man auch meines Erachtens ein wenig unterschwellig an der Rhythmusgebung seiner Songs, auch wenn diese natürlich eindeutig im ganz modernen New Country verankert sind.

Das Werk besteht insgesamt aus dreizehn angenehm zu hörenden Stücken, wobei, wie anfangs erwähnt „I Ain’t Gotta Grow Up“ und „Grew Apart“ jeweils in unterschiedlichen Darreichungsformen eingespielt wurden.

Letztgenannter Song, einmal mit Donovan Woods und mit Alexandra Kay performt, wobei die aus Illinois stammende Sängerin, mit ihrer zauberhaften, zwischen Kate Bush und Dolly Parton pendelnden Engelsstimme, hier einen herrlichen Counterpart zu Logans mannsstarkem Gesangsorgan bildet, hat für mich, gerade in der zweiten Version, das größte Hitpotential.

Dass er auch kompositorische Qualitäten verinnerlicht hat, beweisen seine beiden jeweils mit Blake Chaffin kreierten Tracks „American Livin’“ (hymnische, slide-bestückte Hommage an das amerikanische Kleinstadtleben) und „Prettiest Girl In The World“ (melancholische Ballade mit weinender Steel und klirrender Mandoline).

Ein nicht unerheblicher Anteil der Lieder wie „Who Didn’t“, „Gone Goes On And On“, „Get ‘Em Together“ (klasse Duett mit der ebenfalls toll singenden Clare Dunn) und „Practice Swing“ folgt in ihrer Struktur ein wenig dem Erfolgsrezept (Midtempo-Strophe, markanter euphorischer Powerrefrain) dem vom Superstar-Duo Florida Georgia Line.

Insgesamt überzeugt Logan Mize auf dem von Daniel Agee produzierten „Still That Kid“ mit einem durchgehend melodischen und abwechslungsreich anzuhörenden Silberling. Es könnte der Durchbruch werden, zumindest aber der Initialschritt, um aus dem Schatten der heutig Etablierten herauszutreten. Möge er dabei trotzdem seinen jugendlichen Elan und Charme, den er dabei an den Tag legt, auch in Zukunft weiterhin bewahren.

Big Yellow Dog Music (2021)
Stil: New Country

01. American Livin’
02. I Ain’t Gotta Grow Up
03. Who Didn’t
04. Grew Apart feat. Donovan Woods
05. Gone Goes On And On
06. Prettiest Girl In The World
07. Hometown
08. Get ‘Em Together feat. Clare Dunn
09. Practice Swing
10. Slow
11. Something Just Like This
12. Grew Apart feat. Alexandra Kay
13. I Ain’t Gotta Grow Up feat. Willie Jones

Logan Mize
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Lime Tree Music

Whitney Duncan – Heartbreaker – digital EP-Review

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Es ist wohl müßig, sich Gedanken darüber zu machen, wie viele Männerherzen Whitney Duncan schon im Laufe ihrer Sturm- und Drangzeit gebrochen hat, an einer großen Schar an glühenden Verehrern dürfte es der hübschen Blondine sicherlich nicht gemangelt haben.

Fakt ist aber, dass sie nach einer gescheiterten ehelichen Kurzliason, seit 2014 mit dem ‚Survivor: South Pacific‘-Reality Show-Kandidaten Keith Tollefson, wenn man es den Bildern ihres Facebook-Acounts und ihrem aktuellen Video zu „Lightweight“ entnehmen darf, sehr glücklich verheiratet ist.

Ich wurde 2009 in der damalig hier bei uns noch gern gesehenen Sendung ‚Country Roads‘ auf sie aufmerksam, als dort ihr Videoclip zum schönen, sommerlich gute Laune verbreitenden Song „Skinny Dippin'“ vorgestellt wurde.

Kurz darauf besorgte ich mir auch ihre unter Major-Fahne produzierte, ebenfalls angenehm zu hörende CD „Right Road Now“, auf der dieser Track enthalten war. Besonders angetan war ich von ihrer frech klingenden Stimme aber auch ihrem kompositorischen Können zu den frisch und knackig klingenden Liedern.

Das war dann aber auch schon, musikalisch gesehen, ihre erfolgreichste Zeit. Seither gibt es außer einem in Eigenregie entstandenen Minialbum „One Shot“ und ein paar Single-Versuchen nichts mehr Weltbewegendes zu vermelden. Im Gespräch blieb sie eher in den Staaten durch Teilnahme an Reality-Formaten wie der oben angeführten ‚Survivor‘-Show oder auch ‚The Amazing Race‘ (zusammen mit Gatte Tollefson).

Jetzt meldet sich die ursprünglich aus Scotts Hill, Tennessee, stammende Singer/Songwriterin (übrigens Cousine von Jonathan Singleton) mit einem weiteren Kurzwerk „Heartbreaker“ erneut auf musikalischem Parkett zurück. Fünf kurzweilige, in unterschiedlichen Tempi und Stimmungen erzeugte Songs, die von Produzent Michael Carter (Luke Bryan, Cole Swindell) sehr variabel, teilweise mit schönem rockigen Flair in Szene gesetzt wurden.

Nach dem ersten Hören ohne irgendwelche Hintergrundinfos hatte ich zunächst vermutet, dass Dann Huff seine Finger im Spiel haben könnte, aber auch die Herren Rob McNelley, James Mitchell und Adam Shoenfeld sind jederzeit zu mitreißend hymnischer, Hintergrund-, Fill- und E-Gitarren-Soli-Arbeit in der Lage.

Klasse hier auch Billy Pandas prägnantes bärenstarkes Akustikgitarrenspiel sowie Dave Cohens zurückhaltende Keys-Variationen (Orgel, Piano, Synthie), die beide zum stimmigen Gesamtergebnis ihren gehörigen Teil, neben den stimmlichen Qualitäten der Protagonistin und den brillanten E-Gitarristen, beitragen.

So verschwimmen am Ende die Stilarten wie New Country Richtung Lindsay Ell („Homesick“, „Damn I Do“), Heidi Newfield, Shania Twain (das launige „All She Wants„) gekonnt mit melodischem Rock à la Robin Beck oder Pop der Marke Pink. Mit der melancholischen Titelliedballade (mit heulend-seufzender Slide-E-Gitarre) schließt ein knapp 17 Minuten währendes, gelungenes Comeback.

Es hat Spaß gemacht, mal wieder was von Whitney Duncan gehört zu haben, eine ganze CD wäre sicherlich noch schöner gewesen. Wie dem auch sei, mit „Heartbreaker“ ist es ihr auf jeden Fall gelungen, mein musikalisches Herz erneut zu gewinnen. Die EP kann man auf den einschlägigen Portalen zum Download erwerben.

Fire Sign Music (2021)
Stil: New Country

01. Homesick
02. Lightweight
03. All She Wants
04. Damn I Do
05. Heartbreaker

Whitney Duncan
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Morgan Wallen – Dangerous – Do-CD-Review

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Das nenne ich für 2021 direkt mal eine Ansage! Der Shooting Star von 2018, Morgan Wallen, der mit seinem Platin-dekorierten Debütalbum „If I Know Me“, direkt Platz 3 der Country Billboard Album Charts erstürmte und seitdem mit diversen Top-10-Singles (darunter zwei Nr.1-Hits), die Nashville-Szene aufmischt, legt bei seinem Zweitwerk „Dangerous“ gleich mal eine Doppel-CD mit satten 30 Tracks nach!

Es scheint dafür zu sprechen, dass der ehemals hochtalentierte, nur durch eine Ellbogenverletzung gestoppte Youngster, letztendlich zum New Country konvertierte Musiker, entweder kein Vertrauen in die Schnelllebigkeit im Business zu besitzen scheint oder aber von einem Höchstmaß an Selbstvertrauen in das eigene musikalische kreative Können gezeichnet ist.

Die Wahrheit liegt sicherlich irgendwo mitten drin, Fakt ist, dass die Idee zu diesem opulenten Werk aus einem Spaß mit seinem Manger heraus entstanden ist, allerdings sich seither auch schon ein immenser Fundus an verheißungsvollen Liedern angesammelt hatte. Die meisten anderen Künstler samt ihrer Labels, so mutmaße ich es einfach mal, hätten mit diesem hochwertigen Material, die Zeit auf sechs Jahre mit drei Alben ‚gestreckt‘.

Die wieder von Joey Moi (acoustic guitar, background vocals, electric guitar, programming) mit einigen Co-Producern produzierte Doppel-CD, wurde dabei natürlich von absoluten Könnern wie u. a. Tom Bukovac (electric guitar), Dave Cohen (keys & b3), Paul Franklin (steel guitar), Wes Hightower (background vocals), Jerry Roe (drums & percussion), Jimmie Lee Sloas (bass), Ernest Keith Smith (background vocals), Bryan Sutton (acoustic Guitar, banjo, dobro, mandolin, resonator), Ilya Toshinskiy (acoustic guitar) und Derek Wells (electric guitar), grandios passend zu Wallens rauchig-heiser knödelndem Gesang (eine Art Mischung aus Travis Tritt und Frankie Ballard) eingespielt.

Morgan kann gleich bei sechzehn Tracks die Songwriter-Credits mit für sich beanspruchen, dazu gesellt sich geradezu ein Heer an klangvollen Kompositeuren wie u. a. Ashley Gorley, Michael Hardy, Josh Osborne, Rhett Akins, Josh Thompson, Rodney Clawson, Lee Thomas Miller, Josh Kerr, Shane McAnally, Hillary Lindsey, Dallas Davidson, Marv Green, Ben Hayslip, Luke Laird und Ben Burgess, der dazu bei „Outlaw“ eine vokale Gastpräsenz aufweist. Auch einige aktuelle Kollegen wie Thomas Rhett („Your Bartender“), Jason Isbell (tolle Adaption seines „Cover Me Up“),  Devin Dawson und Eric Church (Quittin‘ Time“) zählen zur exquisiten Liste der Ideengeber mit dazu.

Ein weiteres starkes Duett gibt es bei „Only Thing That’s Gone“, wo Chris Stapleton seine unnachahmliche Stimme mit einbringt. Das Gesamtwerk bietet insgesamt klassisch modernen, ausnahmslos melodischen New Country, mit all seinen Facetten.

Das Team Wallen-Moi, verzichtete dabei wohltuend auf allzu poppige Attitüden (die nur in wenigen Ausnahmen wie bei „Warning“, „Dangerous“ oder „Heartless“ und dazu noch sehr erträglich). Im Vordergrund stehen ganz klar die vielen filigran gespielten Saiteninstrumente, wie Akustik- und E-Gitarre, Mandoline (herrlich Bryan Sutton), Dobro und Steel. Klasse auch Dave Cohens dezent eingebrachten Keys- und B3-Einlagen. Auf CD 2 weisen einige Tracks wie „Somethin‘ Country“, „Country A$$ Shit“ oder „Whatcha Think Of Country Now“ sogar leicht (southern) rockige Reminiszenzen an unsere geliebten The Cadillac Three auf.

Insgesamt muss man bei diesem monströsen Doppelsilberling schon von purer Reizüberflutung sprechen. Vom eröffnenden entspannten „Sand In My Boots“ bis zum finalen ergreifenden ‚Leaving-Song‘, „Quittin‘ Time“, kann man sich gar nicht so schnell über den vorhergehenden Song freuen, wie man schon wieder vom nächsten, zum faszinierenden Zuhören animiert wird. Es gibt nahezu gar keinen Ausfall, selbst von Füllern kann kaum gesprochen werden.

Zu meinen persönlichen Favoriten zählen neben den schon genannten, Ohrwurm-Tracks wie „Wasted On You“, „Somebody’s Problem“ und „7 Summers“ (beide Richtung Midland), „Neon Eyes“, „Your Bartender“,  „More Than My Hometown“ (alle CD1), „Rednecks, Red Letters, Red Dirt“, „Blame It On Me“, „Me On Whiskey“, das flockige „Need A Boat“, „Silverado For Sale“ und „Livin‘ The Dream“ (alle CD2).

Morgan Wallen setzt mit „Dangerous“ direkt in den ersten Tagen des Jahres ein ganz großes Ausrufezeichen. Was für eine Ansage an die gehobene Konkurrenz! Man muss kein Prophet sein, um ihn bereits jetzt schon zu den Abräumern in Sachen Awards, Chartplatzierungen und Verkäufen in 2021 zu proklamieren.

„Dangerous“ von Morgan Wallen ist hochdosierter, wahnsinnig guter New Country-Stoff mit ganz gefährlichem Suchtpotenzial. Demnach absolute Kaufempfehlung beim Musikdealer ihres Vertrauens!

Big Loud / Republic / Universal (2021)
Stil: New Country

Tracks:
CD1
01. Sand In My Boots
02. Wasted On You
03. Somebody’s Problem
04. More Surprised Than Me
05. 865
06. Warning
07. Neon Eyes
08. Outlaw (feat. Ben Burgess)
09. Whiskey’d My Way
10. Wonderin‘ Bout The Wind
11. Your Bartender
12. Only Thing That’s Gone (feat. Chris Stapleton)
13. Cover Me Up
14. 7 Summers
15. More Than My Hometown

CD2
01. Still Goin‘ Down
02. Rednecks, Red Letters, Red Dirt
03. Dangerous
04. Beer Don’t
05. Blame It On Me
06. Somethin‘ Country
07. This Bar
08. Country A$$ Shit
09. Whatcha Think Of Country Now
10. Me On Whiskey
11. Need A Boat
12. Silverado For Sale
13. Heartless (Wallen Album Mix)
14. Livin‘ The Dream
15. Quittin‘ Time

Morgan Wallen
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Universal Music Group

Russell Dickerson – Southern Symphony – CD-Review

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Der aus Union City, Tennessee, stammende Musiker mit seinem zweiten Album! Russell Dickerson, der bereits mit seinem Gold-dekorierten Debüt „Yours“ und diversen Singles daraus, einen erfolgreichen Einstieg mit einigen Top-10-Platzierungen ins Music Business gefeiert hatte, weiß, wo in der Musikhauptstadt der USA, der Hase langläuft.

Schließlich hat er einen Bachelor-Hochschulabschluss an der dortigen, berühmten Belmont-Universität vorzuweisen. Jetzt hat er erneut mit Langzeit-Freund Casey Brown, der schon den Erstling in vielerlei Hinsicht (Produzent, diverse Musikinstrumente und Co-Writer) begleitet hatte und Dann Huff (als Co-Produzent), den zweiten Streich mit „Southern Symphony“ ausklamüsert (klasse übrigens auch das coole Cover wie seiner Zeit bei Kid RocksBorn Free„).

Russell liefert zehn wunderbar kurzweilige und eingängige  New Country-Songs, die exzellent den Spagat zwischen ’nicht zu poppig‘ und ‚doch noch Country-kompatibel genug‘ meistern. Ein Erfolgsgarant dafür ist seine starke Charakterstimme und das fulminante versierte E-Gitarrenspiel von Huff.

Hier weiß man sofort, ohne auch nur eine Backgroundinformation zum Album gelesen zu haben, dass er seine Finger, im wahrten Sinne des Wortes, im Spiel hat.  Unverkennbar wieder Huffs hymnisch anmutende Soli.

Herausstechende Songs sind neben dem tollen Opener „Never Gets Old“ (mit Skynyrd-umwehten E-Gitarren), unzweifelhaft der pathetische Lovesong „Love You Like I Used To“ (klasse Powerrefrain, zwei heulende Southern-E-Soli von Huff), der wieder die Top-5 der Billboard-Single-Charts erklommen hat und die launig-süffige Kooperation mit dem Erfolgsduo Florida Georgia Line bei „It’s About Time“.

Weiterhin wissen u. a. das wunderbar countryesk-melancholische Titelstück „Southern Symphony“ (mit allem was Country ausmacht: Dobro, Steel, Diddle, einfühlsame Gitarren – einfach klasse instrumentiert und gesungen) oder auch der melodische Schmachtfetzen „Come To Jesus“ in einem durchgehend überzeugenden Zweitwerk zu gefallen.

Und wenn Dickerson seiner Liebsten beim finalen „Waiting For You“ voller Inbrunst samt poppiger 90er-Jahre-Keys und -Sirenen-Sax-Soli gesteht, dass er sein ganzes Leben auf sie gewartet habe, dann wartet man schon jetzt gespannt auf seine weitere musikalische Entwicklung.

Russell Dickersons „Southern Symphony“ beinhaltet eine perfekt von Huff arrangierte, moderne New Country-Sinfonie in zehn Sätzen (meist in Midtempo-/Powerrefrain-Struktur). Stoff für Freunde von Interpreten wie Kip Moore, Chase Rice, Billy Currington, Canaan Smith, David Nail, Phil Vassar & Co., der bestens unterhält. Dickes Kompliment an Russell Dickerson und sein ihn umgebendes Team!

Triple Tigers/Membran (2020)
Stil: (Country) Pop

01. Never Gets Old
02. Home Sweet
03. All Yours, All Night
04. Love You Like I Used To
05. Forever For A Little While
06. It’s About Time (feat. Florida Georgia Line)
07. Honey
08. Southern Symphony
09. Come To Jesus
10. Waiting For You

Russell Dickerson
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Oktober Promotion

Granger Smith – Country Things – CD-Review

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Wie auf dem Cover bestens dargestellt, ist Granger Smith ein Country-Bursche durch und durch. Das aus Dallas stammende Multitalent (Musiker, Buchautor, Modelabelinhaber, Youtube-Serien-Star mit „The Smiths“, Fund-Gründer) war ja auch schon mit seinen Werken „4×4“ und „Dirt Road Driveway“ früher zu Gast in unserem Magazin.

Jetzt sprudelte seine ungemeine Kreativität erneut aus ihm heraus und er präsentiert hier auf seinem neuen Album „Country Things“ gleich 18 Stücke. Kräftig unterstützt wird er dabei mit gleich vier Tracks von seinem,  tiefstes Country-Slang sprechenden, Kautabak kauenden und Bier trinkenden Alter Ego Earl Dibbles Jr.

Der präsentiert sich in absoluter Hochform und ist bei den ausnahmslos starken Songs „Country & Ya Know It“ (launiger Southern Country Rock, sogar line-dance tauglich und mitsingbar), „Workaholic“ (herrlicher Text zu beach-tauglicher Musik „when it comes to weekend, I’m a workaholic…“ ), „Diesel“ (beißender, Pferde-starker Southern Rocker) und dem finalen epischen „Holler“ mit an Bord.

Granger selbst glänzt wieder mit seinen melodischen Liedern, die allesamt mit ihrer Melodik und den eingängigen Refrains zu überzeugen wissen. Da gibt es fast zwei Hände voll an Kandidaten, die man auch gut im Radio laufen lassen kann.

Verlassen kann er sich dabei auf viele tolle und gestandene Musiker wie u. a.  Mark Hill (Bass) , Mike Johnson (Steel Guitar), Derek Wells (Guitars – überragend!), Dave Cohen (Keys), Bryan Sutton (Acoustic guitar), Eric Darken (Percussion, Drums), Wes Hightower (Background vocals) verlassen, auch ein Indiz dafür, dass Smith sich im Business längst mit viel Fleiß etabliert hat.

Auf meinem Notizzettel sind hier das wunderbare „Man Made“ (famose Dobro-ähnliche Akustikgitarre von Derek Wells samt Solo), das entsprechend des Titels, emotional vorgetragene „Hate You Like I Love You“, das stimmungsvolle „Where I Get It From“ (selbstironischer Refrain, starke Bariton-E-Gitarre von Wells), das fernweh-erzeugende „Mexico“, der PS-trächtige Southern Rocker „Chevys, Hemis, Yotas & Fords“, die wirklich schöne Hommage an die normalen Alltagshelden („…not for the ones on the screens in Hollwood…“) mittels „Heroes“, sowie das für mich hittauglichste Lied „That’s Why I Love Dirt Roads“ (in zwei Versionen, u. a. mit Tiktok-Star Lathan Warlick), als besondere Highlights vermerkt.

Hinter bekannten Kollegen wie u. a.  Brad Paisley, Blake Shelton oder Eric Church (wem der mittlerweile zu experimentell ist, liegt hier bei Smith in jedem Fall richtig), braucht der umtriebige Texaner sich längst nicht mehr zu verstecken.

Wie typisch für ihn, versucht Granger Smith hier maßgeblich, mit den countrytypischen, oft im Genre besungenen Themen (Naturverbundenheit, Treue, Religiösität, Autos, Sport, Bescheidenheit, etc.) zu punkten, die bei der überwiegend konservativ strukturierten Musikhörerschaft in den Staaten gut ankommt (und das macht er wirklich gut). „Country Things“ halt! Und auch Earl Dibbles Jr. kann sich überaus zufrieden auf der Veranda zurücklehnen und das nächste kühle Bierchen genehmigen…

BMG Rights Management (2020)
Stil: New Country

01. Country Things
02. Man Made
03. Hate You Like I Love You
04. Country & Ya Know It (feat. Earl Dibbles Jr.)
05. I Kill Spiders
06. Where I Get It From
07. Buy A Boy A Baseball
08. Mexico
09. That’s What Love Looks Like
10. Chevys, Hemis, Yotas & Fords
11. 6 String Stories
12. Anything Like Me
13. That’s Why I Love Dirt Roads
14. Heroes
15. Workaholic (feat. Earl Dibbles Jr.)
16. Diesel (feat. Earl Dibbles Jr.)
17. That’s Why I Love Dirt Roads (feat. Lathan Warlick) – Bonustrack
18. Holler (feat. Earl Dibbles Jr.) – Bonustrack

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Lime Tree Music