Carly Pearce – 29: Written In Stone – CD-Review

Der Stachel sitzt tief bei Carly Pearce. Gerade mal acht Monate dauerte ihre Ehe mit dem Country-Musikkollegen Michael Ray. Dann war Schluss, Scheidung, das war’s. Dazu kam auch noch der Tod ihres früheren Produzenten busbee. Also alles andere als schöne Zeiten für die aus Kentucky stammende Künstlerin.

Wie heißt es so schön: Musik ist die beste Medizin, um solche Dinge aufzuarbeiten und wo hat das nicht größere Tradition als im Country. Zweifelsohne haben die Geschehnisse einen äußerst kreativen Prozess bei Pearce ausgelöst. Mit gleich 15 Songs voller Selbstreflexion und natürlich auch vielen Seitenhieben in Richtung des Ex-Partners werden die eigenen Wunden geleckt, aber auch wieder zum Blick nach vorne genutzt.

Sie und die beiden Produzenten Shane McAnally und Josh Osborne haben sich daher von ihrem zuletzt praktizierten, mainstreamig-ausgerichteten Stil wieder mehr zu ihren bluegrassigen, traditionellen Country-Roots hingewendet, was sich bei der Thematik dieses ‚Konzept‘-Albums auch anbietet.

“I ain’t a coal miner’s daughter, But I’ve sung it all my life/ I ain’t been a widow, But I’ve been an ex-wife/ And I hear your truth, And I feel your pain/ Now I know why you sang that way…” heißt es stellvertretend in „Dear Miss Loretta“, wo es dann auch noch vokale Unterstützung von Ikone Patty Loveless gibt. Weiteren Beistand erhält sie beim schönen „Never Wanted to Be That Girl“ von Ashley McBryde.

Und so dominieren auch die traditionell-typischen Countryinstrumente  wie Mandoline, (kratzige) Akustik- und E-Gitarre (oft Slide und Bariton), weinende/heulende Fiddle, knarzende Dobro (omnipräsent) und Steel zu Carlys oft verletzlichem Gesang, eindeutig die Szenerie. Drums/Percussion, Bass und Keys wirken eher als dezentes Beiwerk.

Hier kann Carly sich ganz auf das Können der involvierten Nashville-Parade-Musiker verlassen, die einfach wissen, wie man in einer solchen Stimmung, beziehungswiese Thematik, spielen muss. Die Scheibe erinnert mich rein musikalisch von der Art her ein wenig an Kathy MatteasRight Out Of Nowhere„.

Allein der Schlagabtausch am Ende von „Easy Going“ zwischen Ilya Toshinskys Akustikgitarre, Jenee Fleenors Fiddle und Josh Mathenys Dobro sind schon den Kauf des Werkes wert. Weitere Highlights in einem in sich geschlossenen Werk, sind die beiden, mit einem lässigen E-Gitarrenrhythmus shuffelnden „Your Drinkin‘, My Problem“ und „Liability“.

‚Leiden mit Carly‘ ist so das gefühlte Motto auf dem 15-teiligen Country-Gefühlstripp „29: Written In Stone“. Die Lebenserfahrung sagt natürlich am Ende auch, dass die Schuld meist nicht nur auf einer Seite zu suchen ist. Interessant wäre sicherlich mal zu wissen, was Michael Ray über die Scheibe zu sagen hat…

Big Machine Records (2021)
Stil: New Country

01. Diamondback
02. What He Didn’t Do
03. Easy Going
04. Dear Miss Loretta
05. Next Girl
06. Should’ve Known Better
07. 29
08. Never Wanted to Be That Girl
09. Your Drinkin‘, My Problem
10. Liability
11. Messy
12. Show Me Around
13. Day One
14. All The Whiskey In The World
15. Mean It This Time

Carly Pearce
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Universal Music

Lauren Alaina – Sitting Pretty On Top Of The World – CD-Review

Mit ihren nicht mal dreißig Jahren hat die aus Rossville, Georgia, stammende Lauren Alaina bereits eine sehr passable Karriere hingelegt. Durch die erfolgreiche Teilnahme an der Casting-Show American Idol, wo sie 2011 bei der 10. Staffel Platz 2 hinter Scotty McCreery belegte, und dem Debütalbum „Wildflower“, das direkt Platz 2 in der Billboard-Country-Charts (allgemein Platz 5) erklomm, geriet alles ins Rollen.

Jetzt, gute zehn Jahre später, bringt sie nach erfolgreichen Touren mit diversen Nashville-Superstars wie Alan Jackson, Blake Shelton, Carrie Underwood, Luke Bryan, Martina McBride und Jason Aldean, diversen Nominierungen und Auszeichnungen, nach „Road Less Travelled“ und einigen EPs mit „Sitting Pretty On Top Of The World“ ihr drittes Album (hier in Deutschland nur digital erhältlich) heraus.

Kommen wir direkt zum einzigen Wermutstropfen: Wie schon ein sehr geschätzter Kollege eines anderen Magazins richtig anmerkte, fragt man sich spontan, wer dieses Coverbild ‚verbrochen‘ hat, das die Protagonistin wirklich alles andere als vorteilhaft, in Szene setzt und auch farbkompositorisch- und schrifttechnisch nicht gerade brilliert. Gäbe es bei den gängigen Music-Awards im Bereich Art Direction oder Cover-Design auch sowas, wie die berühmt-berüchtigte ‚Goldene Himbeere‘ in der Filmbranche, wäre dies wirklich ein ganz heißer Kandidat.

Da es hier aber um Musik an sich geht, kann man dies trotzdem getrost ausblenden, denn hier überzeugt das Werk in allen Belangen. Stützen kann sich Lauren, wie gewohnt, auf ihre tolle ausdrucksstarke Stimme (die gefällt mir außerordentlich gut und ruft starke Assoziationen zu Lindsey Ell und Carrie Underwood hervor), aber auch auf ihr Songwriting-Können (sie hat alle der fünfzehn Tracks bis auf einen mit  komponiert). Produziert hat der Leadguitarist der Pop-Rock Band Boys Like Girls Paul diGiovanni (Mitchell Tenpenny, Jordan Davis), lediglich für das famose Frauenpower-Duett mit Trisha Yearwood (hat immer noch eine grandiose Stimme) bei „Getting Good“ saß David Garcia an den Reglerknöpfen.

Apropos Duette: Hier wissen auch die weiteren Beteiligungen vom dänischen Popstar Lukas Graham bei „What Do You Think Of?“, einem herzzerreißend gesungenen Schmachtfetzen und Jon Pardi bei „Getting Over Him“ (klasse Southern Country-Rocker), absolut zu überzeugen.

Die Stärke dieses Werkes liegt besonders in der Balance zwischen modern-poppigem Flair (nie zu dick auftragend) und knackigem New Country mit den typischen Instrumenten wie Steel-, Akustik- und E-Gitarre, Dobro, Fiddle, und Mandoline, die alle ebenso schön dezent, je nach Song, eingebracht werden.

Herrlich zum Beispiel das an „Tears Of Heaven“ erinnernde claptoneske Akustikgitarren-Intro/Spiel beim Titelstück „On Top Of The World“, für das sich, wie so oft, Ilya Toshinsky verantwortlich zeigt, der auch bei den anderen Tracks wieder seine gewohnte Maßarbeit verrichtet.

„Same Story, Different Saturday Night“, „I’m Not Sad Anymore“ und „Written In The Bar“ gehen allesamt auf das Konto des Songwriter-Quartetts Lauren Alaina, Hillary Lindsey, Lori McKenna und Liz Rose, die das heutige Beziehungsleben mit gewohnt charmanten und pointierten Texten countrytypisch reflektieren. Ein tolles Kreativteam!

Das knackig dahinpreschende „Run“ (dieser, wie einige andere Lieder auch, sehr an Lindsey Ell reminiszierend – Lauren hatte ja auch bei Ells Livestream-Event vor kurzem mitgewirkt) stammt lustiger Weise aus der Feder von Alaina, Kennedi Lyyken und Ben Johnson (hoho – hier ist allerdings natürlich nicht der einstmalige Doping-Sünder mit von der Partie…).

Meine Lieblingssongs in einem durchweg überzeugenden Longplayer sind neben dem herrlichen Storytelling-Opener „It Was Me“ die beiden Leviten-lesenden „When The Party’s Over“ (mit leichter „That Don’t Impress Me“-Shania-Note) und der melodiöse Countryschunkler „You Ain’t A Cowboy“, bei dem Alaina eine glänzende Gesangsvorstellung abgibt und E-Gitarrist Derek Wells auch ohne Solo, sondern nur mit akzentuierter Fill- und Hintergrundarbeit, sein exzellentes Können einfließen lässt.

Lauren Alaina liefert mit „Sitting Pretty On Top Of The World“ einen sehr schön abwechslungsreichen und kurzweiligen Longplayer ab, der sie wieder ganz oben ins Rampenlicht bringen wird. Wer Spaß an ausdrucksstarken, stimmgewaltigen Künstlerinnenkolleginnen wie z. B. Lindsay Ell, Carrie Underwood, Shania Twain, Carly Pearce, Whitney Duncan, etc. hat, der darf auch bei Lauren Alainas neuem Album bedenkenlos zugreifen. Klasse!

Mercury Nashville (Universal) (2021)
Stil: New Country

01. It Was Me
02. If The World Was A Small Town
03. Getting Good (feat. Trisha Yearwood)
04. Same Story, Different Saturday Night
05. On Top Of The World
06. Run
07. What Do You Think Of? (feat. Lukas Graham)
08. I’m Not Sad Anymore
09. Getting Over Him (feat. Jon Pardi)
10. Good Ole Boy
11. When The Party’s Over
12. You Ain’t A Cowboy
13. Goodbye Street
14. Written In The Bar
15. Change My Mind

Lauren Alaina
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Universal Music

Dan + Shay – Good Things – CD-Review

Die Dinge laufen gut für Dan + Shay alias Dan Smyers und Shay Mooney. Eigentlich schon von Beginn an. Das Duo setzte seit Beginn seiner Gründung und dem Gang nach Nashville konsequent auf eine doppelgleisige Country- und Pop-Strategie in Verbindung mit einem gewissen Boygroup-Charme.

Als der Plattenvertrag mit Warner unterzeichnet war, die Single „19 You + Me“ sowohl in den Country- als auch in den allgemeinen Charts einschlug, dazu noch das Debüt-Album „Where It All Began“ 2014 Platz 1 und 6 erreichte, geriet alles Folgende quasi zum Selbstläufer, auch wenn das nächste Werk „Obsessed“ 2016 ’nur‘ Platz 2 bzw. 8 erbrachte.

Immerhin rückte 2018 ihr, nach sich selbst betitelter Silberling „Dan + Shay“ mit den Grammy-gekrönten Nr.1-Singles „Tequila“ und „Speechless“ die Dinge wieder ins Lot (Platz 1/6). 2019 folgte mit der Single „10,000 Hours“ und Kooperation mit Justin Bieber der nächste Nr.-1 Streich und Streaming-Superlativ. Der R&B-trächtige Song ist auf diesem, gerade frisch erschienenen Longplayer „Good Things“ natürlich auch vertreten.

Das neue, zunächst erstmal digital veröffentlichte Werk (CD ab 17. September) beinhaltet, wie nicht anders zu erwarten, nach dem Motto ‚Never change a winning team‘, eine rigorose Fortführung ihres Erfolgsrezeptes mit eingängigem Pop und ganz dezenten Country-Tüpfelchen (eigentlich mit der ‚Lupe‘ zu suchen), natürlich serviert von der Supergarde der Country-Studio-Musiker-Szene wie u. a. Bryan Sutton, Gordon Mote, Jimmie Lee Sloas, Ilya Toshinsky, Derek Wells, Nir Z, Charlie Judge, und Aubrey Haynie. Der formulierte Anspruch dürfte diesmal auch das Knacken der Pole-Marke in den allgemeinen Album-Charts implizieren.

Immerhin muss den beiden Protagonisten attestiert werden, dass sie es nicht, trotz ihres mittlerweiligen Status, wie so manche Kollegen, leicht machen, sondern weiterhin ihre Erfolgssongs aus der eigenen Feder (mit diversen Co-Writern) generieren. Toll in jedem Fall natürlich auch der passende Gesang (vornehmlich von Mooney) und die perfekt sitzenden Vokalharmonien (ergänzt noch von weiteren Klasse-Leuten wie Vicki Hampton, Robert Bailey oder Wendy Moten).

Vom eröffnenden Titelsong „Good Things„, über das mit leichtem Reggae-Teint versehene „Steal My Love“ (mit Steel-ähnlichen Drums…), dem smooth-souligen „You“ (mit gospeligen Harmonies, mein Lieblingstrack), vielen, mit prägnanten Refrains versehenen Stücken wie „Body Language“ (schön hier die Tracy Chapman-mäßige Akustikgitarren-Eröffnung), „Irresponsible“ (mit Mandoline und Violinen), „Lying“ (mit zarter Dobro), „Glad You Exist“ (Akustikgitarren- und Piano-geführter Schunkler), dem bereits erwähnten Bieber-Kracher „10,000 Hours“ gipfelt das ganze, schön zu hörende Pop-Konglomerat im abschließenden „I Should Probably Go To Bed„, wo es mit beatlesken, Queen- und ELO-verdächtigen Ingredienzien, ziemlich auf die Spitze getrieben wird.

Am Ende fragt man sich wie so oft bei solch vergleichbaren 99-prozentigen Pop-Scheiben, was solche Musik eigentlich für die Country-Charts autorisiert? Gibt es da eigentlich konkrete Regeln? Oder reicht es einfach nur in Nashville zu produzieren und die dortigen Musiker einzubeziehen? Müssen typische Instrumente vertreten sein? Wer entscheidet das überhaupt? Fragen über Fragen…

Ich glaube, bevor ich mir jetzt stundenlang bis in die Nacht hinein darüber den Kopf zermartere, folge ich lieber dem genannten Abschluss-Titel „I Should Probably Go To Bed“ von Dan + Shay zu ihrem nächsten mutmaßlichen neuen Nr.1-Album und sollte dann wohl doch besser zu Bett gehen…

Warner Music (2021)
Stil: New Country

01. Good Things
02. Steal My Love
03. You
04. Body Language
05. Give In To You
06. Irresponsible
07. Lying
08. One Direction
09. Let Me Go Over Her
10. Glad You Exist
11. 10,000 Hours (feat. Justin Bieber)
12. I Should Probably Go To Bed

Dan + Shay
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Oktober Promotion

Parmalee – For You – CD-Review

Drittes Album von Parmalee beim BBR Group-Unterlabel Stoney Creek Records, bei dem auch u. a. Lindsay Ell und Jimmie Allen unter Vertrag sind. Mit dem auch bei uns reviewten „Feels Like Carolina“ im Jahr 2013 begann quasi die Erfolgsgeschichte des aus North Carolina stammenden, Platin-ausgezeichneten Quartetts, bestehend aus den Brüdern Matt (lead vocals/guitar) und Scott Thomas (drums), ihrem Cousin Barry Knox (bass) und ihrem langjährigen Freund Josh McSwain (keys, guitar), die mittlerweile fast 500 Millionen On-Demand-Streams im Country-Radio vorweisen kann.

2010 erlangte die Band tragische Berühmtheit, als sie nach einem Auftritt in ihrem Tourbus überfallen wurde und Drummer Scott Thomas bei der daraus resultierenden Schießerei die Angreifer zwar mit seinem Gewehr außer Gefecht setzen konnte, dabei aber selbst lebensgefährlich verletzt wurde.

Das neue Werk „For You“, das von Hauptsongwriter Matt Thomas (mit diversen Co-Autoren) thematisch ganz in das Zeichen der Liebe gesetzt wurde, könnte jetzt den endgültigen Durchbruch bedeuten. Mit der vorab ausgekoppelten Single „Just The Way“ in Kollaboration mit dem bekannten Trap-Künstler Blanco Brown (Trap ist eine Unterkategorie des Hip-Hops) geht es ganz steil in Richtung Pole-Platzierung in den Charts (zur Zeit Platz 3 in den Billboard Hot Country Songs, Nr. 1 in den Airplay-Charts). Ich persönlich hätte hier allerdings lieber eine Zusammenarbeit mit Chad Kroeger präferiert, das Lied, wie auch das später folgende „I See You“ haben aus meiner Sicht in ihrer Machart durchaus potentiellen Nickelback-Charakter.

Die restlichen Tracks beeindrucken in erster Linie durch ihre eingängige Melodik, die mit ihren schönen Akustik- und E-Gitarren, Piano- und Steel-Tupfern auf der einen Seite, und durchgängig verwendeten Loops und einer gewissen Glätte und Beliebigkeit auf der anderen, sowohl in Country- als auch in Pop-Gefilden gefallen möchte.

Hier erweist sich vermutlich auch das schöne Duett von Matt mit Model, Tiktok- und Instagram-Star Avery Anna als auch die Einbindung von Michael Fitzpatrick (alias FITZ And The Tantrums; die Band trug den Titelsong zur 11. Staffel der RTL-Dschungelcamp-Serie bei…) beim Bro-Country-umwobenen „Greatest Hits“, als sehr hilfreich.

Zu meine Favoriten zählt das textlich und auch musikalisch launig konzipierte „I’ll Take The Chevy“ mit schön einfach mitsingbaren und amüsanten Zeilen wie „You wear the Gucci, I’ll wear the carhart, you watch The Housewives, I’ll watch the NASCAR, You drive the highway, I’ll sling the mud, you sip the Champagne, I’ll drink the Bud“. Wird vermutlich ein Dauerbrenner auf den noch vermeintlichen folgenden Partys in diesem Jahr (ich denke hier insbesondere an die in den Staaten beliebten Springbreak-Events), sofern es die Pandemie-Lage wieder erlaubt.

Mit dem hochmelodischen Titeltrack „For You“ inklusiv seines reumütigen Charakters (gut geeignet, um im Kerzenschein bei der Liebsten zu punkten/Wiedergutmachung zu avisieren), gelingt den Burschen zusammen mit Producer David Fanning am Ende dazu noch ein echt emotionaler Ohrwurm, der eindeutig aufzeigt, dass männliche Wesen, nicht nur, wie oben beschrieben, simpel, sondern durchaus auch sensibel strukturiert sein können.

Somit überwiegend mehr ein Album für den leichten Hörgenuss und sehr zielgerichtet für die Chart-relevante jüngere Klientel, als für den tiefgründigeren Country-Liebhaber ausgelotet. Trotzdem insgesamt natürlich sehr gut gemacht!

Stoney Creek Records (2021)
Stil: New Country

01. Only You
02. Just The Way (mit Blanco Brown)
03. Backroad Girl
04. Take My Name
05. I Do
06. Miss You Now
07. Greatest Hits (feat. Fitz)
08. Better With You
09. Forget You (feat. Avery Anna)
10. Alone Like That
11. I See You
12. I’ll Take The Chevy
13. For You

Parmalee
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Lime Tree Music

Gary Allan – Ruthless – CD-Review

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Ups, habe ich irgendetwas in Sachen Gary Allan in der Zwischenzeit verpasst, dachte ich spontan, als ich vom Erscheinen seiner neuen CD „Ruthless“ Kenntnis genommen hatte. Es ist eine gefühlte Ewigkeit her, dass ich seine letzte Scheibe reviewt hatte. Und tatsächlich ist seit seinem Nr. 1-Album „Set You Free“ nichts Großartiges passiert, zu dieser Zeit vor acht Jahren existierte dieses Magazin noch gar nicht.

Der einst von einer kalifornischen Ranch aus nach Nashville aufgebrochene Musiker hält sich seit 1996 fortwährend mit seinen Werken, die es alle in die oberen Regionen schafften (seit 1999 dann immer unter den Top-10), in Major-Status-Gefilden, hat es aber trotz der konstanten und guten Leistungen irgendwo nie in die ganz großen Star-Gefilde der Marke Tim McGrawBlake Shelton & Co. geschafft.

Als ‚a maverick in the mainstream‘ hat ihn ein US-Magazin, wie ich finde, ganz treffend charakterisiert. Allan hat sich ja zunächst aus der traditionelleren Bakersfield-Schule à la Buck Owens und Merle Haggard, peu à peu zu einem moderneren New Country-Interpreten entwickelt, aber seine ‚Roots‘ eigentlich dabei nicht ganz aus den Augen verloren. Vielleicht hat auch der Selbstmord seiner dritten Ehefrau 2004 eine Rolle gespielt, dass er immer eine gewisse Ernsthaftigkeit behalten hat.

Sei neuer Longplayer „Ruthless“, der zehnte insgesamt, nach einer Pause also von acht Jahren, zeigt Gary wieder in Bestform. Zusammen mit einer ganzen Riege von Produzenten an seiner Seite , die ihn während seiner Karriere begleitet hatten, (Gary Allan – Tracks 3, 5-7, 12, 13; Tony Brown – Tracks 1, 2, 4, 8-10; Greg Droman Tracks 3, 5-7, 12, 13; Jay Joyce – Track 11; Mark Wright – Tracks 1, 2, 4, 8-10), tollen Musikern und Songwritern (er selbst hat nur das wunderbar emotionale „Pretty Damn Close“ mit geschrieben) ist es ihm wieder gelungen, genau das passende Liedgut für sich auszuwählen.

Vieles erinnert an den Stoff, der dem New Country in den Neunziger Jahren zu seiner Popularität verholfen hat, aber in diesem Fall mit der typischen Allan-Euphoriebremse. Nach den beiden fluffigen eingängigen, aber etwas beliebigen Openern „Temptation“ und „Waste Of A Whiskey Drink“, reicht sich eigentlich ein toller Song dem nächsten die Klinke in die Hand.

Herrlich die beiden stark gespielte E-Gitarren-Soli in „Till It Felt Like You“, das obligatorische surrende Slidespiel zu „Slide“, die immer wieder zu den Titeln stimmungsvollen Instrumentierungen, die im bluesigen Titelschwofer „Ruthless“ (mit dezent souligen Bläsersätzen) ihren Höhepunkt finden. Auch das an Erich Church erinnernde „Unfiltered“ (wenn wundert es, dass hier Jay Joyce mit an den Strippen gezogen hat…) ist ein Ohrwurm par exellence.

Richtig klasse, allerdings ein wenig auch wie ein Fremdkörper im Gesamtkontext wirkend, ist das von Jesse Winchester geschriebene „Little Glass Of Wine“. Das mit Violine, Piano, Jazz-Gitarre, weinender Steel und dezentem Harmoniegesang sowohl kammermusikartig als auch Chanson-artig in Szene gesetzte Kleinod, hätte meiner Ansicht nach besser zu Musikern der Ära Frank Sinatra, Dean Martin und Konsorten gepasst.

Bevor man jedoch schlummernd mit dem schweren Roten im Sessel ins Reich der Träume einkehrt, holt einen der zünftige Heartland-Rocker „The Hard Way“ im Stile von John Mellencamp, Will Hoge & Co. wieder auf den harten Boden der Tatsachen zurück. Ein klasse Abschluss.

Mit „Ruthless“ bleibt sich Gary Allan schonungslos seinem gefundenen Stil treu. Klasse Musik, die ihren Erfolg mit sich bringt, ihn aber wie gewohnt aus dem ganz großen Glitzerlicht raushalten wird. Ganz sicher eines der besten New Country-Alben des Jahres, tolles Comeback des Eigenbrötlers!

MCA Nashville (2021)
Stil:  New Country

01. Temptation
02. Waste Of A Whiskey Drink
03. Till It Felt Like You
04. Slide
05. Pretty Damn Close
06. High As I’ve Ever Been
07. What I Can’t Talk About
08. SEX
09. Trouble Knows Trouble
10. Ruthless
11. Unfiltered
12. Little Glass Of Wine
13. The Hard Way

Gary Allan
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Universal Music

Brett Young – Weekends Look A Little Different These Days – CD-Review

BY_300

Wir haben Brett Young seit seinem erfolgreichen Major-Label-Debüt 2017 begleitet. Dieses, wie auch der Nachfolger „Ticket To L.A.“ (beide mit Platin ausgezeichnet) offerierten eine gewisse musikalische Konstanz, die von einer Kompatibilität sowohl für die Country- als auch die allgemeinen Pop-Charts bestimmt wurde. Über 5 Milliarden Streams seiner Songs hinterlassen hier ebenfalls eine deutliche Sprache.

Im privaten Leben des aus Anaheim, Kalifornien, stammenden Musikers scheint es nach Hochzeit, erstem Kind und baldiger Erwartung des nächsten, momentan etwas unsteter zuzugehen. Der etwas gestresst wirkende Blick auf dem Coverbild spricht Bände.

Eine Art  Turning-Point im Leben, den die meisten von uns als Beendigung der Sturm- und Drangzeit nur allzu gut kennen. Diese damit verbundenen Eindrücke reflektiert der smarte Sänger jetzt auf seinem neuesten Werk mit dem aussagekräftigen Titel „Weekends Look A Little Different These Days“.

Und so heißt es als Beweis auch im den Reigen eröffnenden, wieder sehr melodischen und eingängigen Titelstück so schön: “I used to stay up late and sleep in all day long // Now it’s bed by nine and wake up with the dawn // I used to need the world to spin around me // Used to think that I had everything // Now I thank // God that everything has changed // My weekends look a little different these days”.

Kurz wie der gefühlte Verlauf eines Wochenendes ist mit knapp 26 Minuten und insgesamt acht Liedern auch die Spielzeit des Silberlings gehalten. Stilsicher, kurzweilig (im wahrsten Sinne des Wortes) und chartträchtig hat wie auch zuvor wieder Dann Huff, das ganze, von Brett mit namhaften Co-Songwritern wie u. a. Jon Nite, Ross Copperman, Ashley Gorley und Zach Crowell verfasste Songkonvolut, in Szene gesetzt.

Schöne Melodien, gut merkbare Refrains, verarbeitet mit klaren Akustik- und E-Gitarren, modernen Drums, sanften Keyboardklängen, hier und da ein Steeltupferchen oder ein gekonntes Mini-E-Solo. Alles wie gehabt, Erfolg im Prinzip vorprogrammiert!

Nach gefälligem, aber auch etwas beliebig erscheinenden Beginn, überzeugt die CD dann vor allem in der zweiten Hälfte, wo mit dem, garnicht wie es der Titel vermuten lassen würde, sehr fröhlichen, strandtauglichen „Leave Me Alone“ (dezenter Reggae-Touch), dem tollen Heartland-Powerstück „Not Yet“ (Slide-Gitarren, klares Piano, Tempo- und Stimmungswechsel, kräftiger Refrain), dem launigen, mit Bläsern und quäkiger Harp (klasse Solo) durchzogenen Stomper „You Got Away With It“ und dem herrlichen slowbluesigen Schwofer „You Didn’t“, etwas mehr auf Diversität statt Komfortzone gesetzt wird.

Leute, die Musik von Interpreten wie z. B. Jordan Davis, Old Dominion, Tebey & Co. gerne hören, sind auch bei Brett Young immer bestens aufgehoben. Selbst wenn dessen Wochenenden sich ein wenig verändert haben, ändert das nichts an der Tatsache, dass die musikalische Erfolgsstory auch mit „Weekends Look A Little Different These Days“ in gewohnter Weise fortgesetzt wird. Also, es gibt deutlich Schlimmeres im Leben, lieber Brett!

BMLG (2021)
Stil: New Country

01. Weekends Look A Little Different These Days
01. Lady
03. This
04. Dear Me
05. Leave Me Alone
06. Not Yet
07. You Got Away With It
08. You Didn’t

Brett Young
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Universal Music

Blake Shelton – Body Language – CD-Review

cover Blake Shelton - Body Language_300

Die erste Frage, die ich mir angesichts des Coverbildes von Blake Sheltons neuem, elften Album „Body Language“ stellte, war, wie seine angelehnte Pose mit leicht gesenktem Kopf und den beiden Händen in den Hosentaschen wohl zu deuten ist.

Auf die meisten Menschen, so liest man, soll eine Person, die eine oder gar beide Hände in den Hosentaschen vergräbt, verlegen, unsicher und unbeholfen, wenn nicht sogar flegelhaft, unhöflich oder sogar grob respektlos wirken.

Ich interpretiere die Haltung des erfolgsverwöhnten Nashville-Superstars eher als nachdenklich und ein wenig reflektierend, nach dem Motto, hab ich die (zu mir) passenden Songs ausgewählt und wieder alles richtig gemacht? Wird es am Ende wieder ein Nr.1-Album?

Blake Shelton befindet sich seit seinem Debüt kurz nach der Jahrtausendwende in einem einzigen Höhenrausch (auch von uns reviewtechnisch oft begleitet). Das versetzt ihn, ähnlich wie z. B. den Kollegen Tim McGraw, zwar in die bequeme Situation, nicht an eigene Kreativität beim Songwriting gebunden zu sein und sich quasi am Fundus der Nashville Songsschmiede relativ frei nach seinem Geschmack bedienen zu können, bringt allerdings auch einen immensen Erfolgsdruck mit sich, hier das richtige Gespür in die Waagschale zu werfen.

Aber der 2017 zum ‚Sexiest Man Alive‘ gewählte Musiker, Juror (bei ‚Nashville Star‘) und Coach (bei ‚The Voice‘ – siebenfacher Gewinner) wäre nicht über einen so langen Zeitraum, da, wo er heute ist, wenn er nicht längst einen Instinkt, ja schon fast ein Erfolgsgen in dieser Hinsicht entwickelt hätte.

Und so verhält es sich auch auf „Body Language“: Sämtliche zwölf Tracks wirken wie für Blakes angenehme Stimme geschaffen, eine Scheibe, bei der man sich, angesichts dieser nervtötenden Zeit, entspannt mit einem Glässchen Wein in den Sessel fallen lassen kann und dem Flow der Lieder relaxt lauschen kann.

Das Werk beginnt allerdings mit dem schönen, knackigen Southern Country Rocker „Minimum Wage“ (trotzdem sehr melodisch, textlich witzig sowie mit schönem Dobro-Slide und klasse Telecaster-Solo). Beim Titelstück gibt es mit der Einbindung von den Swon Brothers ein wenig Karrierehilfe für die Brüder aus Oklohama, diese hatte Shelton als Coach bei The Voice 2013 auf den dritten Platz gebracht.

„Happy Anywhere“ wirkt als eine Art beidseitige Liebeserklärung im Rahmen seiner Liason mit Gwen Stefani, die stimmmäßig ebenfalls harmonisch mitmischt.

Ansonsten gibt es das gewohnt niveauvolle Shelton-Liedgut: Lässig-melodisch groovende New Countrysongs, mal etwas traditioneller („Corn“ mit klasse Text,  „The Flow“ mit klirrendem Banjo, „The Girl Can’t Help It“ – tanzbarer Stomper), mal etwas moderner („Monday Mornin’ Missin’ You“ – Ohrwurm, „Whatcha Doin’ Tomorrow“ – humorvoller Schunkler), dezente Tex-Mex-Ingredenzien („Makin’ It Up As You Go“ – Trinklied mit spanischer Akustikgitarre, „Neon Time“ – Eagles/Midland-angehauchter Schwofer mit Crowd-Gesang im Endrefrain).

Und mit der Beschwörung der Kraft des ‚heilgen Buches‘, in Form des allerdings sehr schönen Stückes „Bible Verses“, gießt Blake das obligatorische (Weih-)Wasser auf die Mühlen seiner religiös-konservativen Klientel.

Insgesamt wieder eine tolle Scheibe. „Body Language“ wird den Status Quo von Blake Shelton in Nashvilles Superstarriege weiter festigen. Ob es zu einem erneuten Nr.1-Werk reicht, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen. In jedem Fall Grund genug, die Hände aus den Taschen zu nehmen und mit breiter Brust seinen Weg voranzuschreiten!

Warner Bros. (2021)
Stil: New Country

01. Minimum Wage
02. Body Language (feat. The Swon Brothers)
03. Happy Anywhere (feat. Gwen Stefani)
04. Now I Don’t
05. Monday Mornin’ Missin’ You
06. Corn
07. Makin’ It Up As You Go
08. Whatcha Doin’ Tomorrow
09. The Girl Can’t Help It
10. The Flow
11. Neon Time
12. Bible Verses

Blake Shelton
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Oktober Promotion

Thomas Rhett – CD-Gewinnspiel

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Das Thomas Rhett-Gewinnspiel ist beendet. Die Lösung lautet ‚Rhett Akins‘.

Sounds Of South und Universal Music gratulieren folgendem Gewinner:

Mario Scholten

Lieber Mario, du bekommst das Werk zeitnah zugeschickt!

Wir wünschen viel Spaß damit!

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Der aktuelle Sieger bei den Academy of Country Music Awards in der Kategorie ‚Männlicher Künstler des Jahres‘, Thomas Rhett, kehrt mit dem Album „Country Again Side A“ zu seinen Wurzeln zurück.

In Zusammenarbeit mit Universal Music verlosen wir ein Exemplar von dieser CD.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

Wie heißt sein Vater und Förderer?

a) Trace Adkins
b) Rhett Akins
c) Chet Atkins

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 26.05.2021 an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern eine(n) Gewinner/in aus, der/die dann umgehend benachrichtigt und mit der CD beliefert wird.

Thomas Rhett
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Thomas Rhett – Country Again Side A – CD-Review

Rhett_300

Thomas Rhett hat sein immenses künstlerisches Potential sicherlich dem Vater Rhett Akins zu verdanken. Der Papa war ein guter Countrymusiker mit einigen Alben (man erinnert sich zum Beispiel an das schöne Werk „Friday Night In Dixie“), denen der große kommerzielle Erfolg jedoch versagt blieb. Fortan konzentrierte der sich auf das Songwriting für andere Interpreten und begleitete den Karriereaufbau des Sohnemanns.

Nach seinem starken Einstieg mit „It Goes Like This“ in die Nashville-Szene, das direkt Platz 2 in den Album-Charts erreichte, wurde auch schnell die Kompatibilität seiner angenehmen Stimme in Richtung Pop-Geschäft erkannt. Die nächsten drei Alben schlugen in beiden Charts allesamt ein wie eine Bombe, auch wenn man sich fragen musste, ob die Musik wirklich noch als Country zu werten war.

Der Erfolg gibt in jedem Fall recht, Thomas‘ Songs wurden mittlerweile im Milliardenbereich gestreamt, 2021 holte er sich bei den Academy of Country Music Awards in der Kategorie ‚Männlicher Künstler des Jahres‘ den Titel. Ich weiß nicht, ob der Papa den Zeigefinger erhoben hat, auch mal wieder die Countryklientel etwas stärker mitzunehmen, fest steht, dass Thomas diese, zumindest temporär, wieder in Fokus gerückt hat.

„Country Again – Side A“ suggeriert schon vom Titel her eine gewisse Reumütigkeit und stellt gleichermaßen geschickt noch weiteres Material für die Zukunft in Aussicht. Heißt wohl übersetzt: „Liebe Countryfans ich habe und werde euch nicht vergessen!“ Und damit auch der letzte Funken Zweifel beseitigt ist, wurde auch das Coverbild absolut profihaft in Szene gesetzt: Hier präsentiert sich der Protagonist tief in sein Innerstes gekehrt, im typisch an den Ärmeln hochgekrempelten Baumwollhemd und mit einer Akustikgitarre in der Hand. Sowas nennt man wohl perfekt durchdachtes Marketing.

Und tatsächlich, im Vergleich zu den letzten Jahren ist das aktuelle Werk eine ordentliche Kehrtwende. Es dominieren neben Rhetts Gesang, Akustik- und E-Gitarren, Steel und Fiddle (eingespielt natürlich von den Koryphäen der Studiomusiker des Genres). Sämtliche Tracks sind in eingängige Melodien und Texte verpackt worden. Kein Wunder unter den Co-Songschmieden sind Thomas, der lobenswerter Weise überall involviert war, viele bekannte Leute wie u. a. Josh Miller, Matt Dragstrem, Jesse Frasure, Josh Thompson, Ashley Gorley, Luke Laird und auch der Vater (bei „What’s Your Country Song“) behilflich gewesen.

Produziert hat das Ganze kein geringerer als Dann Huff, der natürlich auch die Pop-Klientel nicht komplett außer Acht lässt (da werden dann z. B. mal geschickt ein paar Drum-Loops mit verpackt), am besten zu erkennen beim süffig-launigen „Put It On Ice“, dass Thomas im Duett mit dem Kollegen Hardy performt und den beiden, im Florida Georgia Line-Gewand gebrachten „What’s Your Country Song“ und dem knackigen „Blame It On A Backroad“.

Damit gerade am Ende nicht noch so der Eindruck eines etwas halbherzigen Bekenntnisses entsteht, dem eher dann doch das Prinzip der heimlichen Gewinnmaximierung vorangestellt wird, besticht der Rausschmeißer „Ya Heard“ mit lupenreinem Roots-Countrystoff samt plusternder Neil Young-Mundharmonika.

Insgesamt liefert Thomas Rhett mit „Country Again Side A“ ein durchgehend hörenswertes Album ab. In diesem Stil gefällt er mir deutlich besser als bei den drei Vorgängern. Auch wenn es vielleicht wie ein Schritt zurück in die richtige Spur anmutet, eine gelungene Mixtur wie bei seinem Debüt „It Goes Like This“ wäre für mich persönlich in Zukunft die wünschenswertere und ehrlichere Variante.

Valory Records (2021)
Stil: New Country

01. Want It Again
02. Growing Up
03. What’s Your Country Song
04. Where We Grew Up
05. Heaven Right Now
06. To The Guys That Date My Girls
07. More Time Fishin‘
08. Country Again
09. Put It On Ice (mit Hardy)
10. Blame It On A Backroad
11. Ya Heard

Thomas Rhett
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Universal Music

Brett Kissel – What Is Life? – CD-Review

0 - What Is Life - CoverArt

Der in seinem Heimatland Kanada enorm erfolgreiche Brett Kissel (mittlerweile allerdings in Nashville lebend), ist nicht nur ein guter Musiker und Songwriter, an ihm scheint wohl auch ein tiefgründiger Philosoph verloren gegangen zu sein. Auf seinem neuen Album befasst er sich mit einer der zentralen Menschheitsfragen „What Is Life?“, oder besser gesagt, wohl damit, was ein solches lebenswert macht.

Antworten dazu finden sich bereits in seinem gesprochenen Prolog zu Beginn, aber auch in manchen Songs. Klar zum Ausdruck kommt, dass für Brett seine Familie die wesentliche Rolle spielt, nicht ohne Stolz gewährt er hier seinen drei Kindern und der Ehefrau mittels kleiner Sprech-Intermezzi zwischen den Liedern, so etwas wie eine kleine Teilhabe an seinem Schaffen.

Rein musikalisch betrachtet, bleiben dann zehn Stücke über, die deutlich offerieren, warum Kissel, der in Kanada in letzter Zeit fast alles an Preisen (u. a. JUNO-Award, CCMA Awards) abgeräumt hat und seitens der Presse als ‚The New King of Canadian Country‘ betitelt wird, schon US-Mega-Größen wie Brad Paisley oder Garth Brooks supportet hat.

Als Bezugsgrößen fallen mir im US-Bereich aber eher moderne Interpreten wie Keith Urban (vor allem der Opener „Make A Life, Not A Living“), Sam Hunt & Co. ein, auf kanadischer Seite sehe ich ihn in ähnlichen Regionen wie z. B. die dortigen Kollegen Tebey oder Doc Walker.

Press (5)Mir gefallen besonders die relativ gitarrenlastigen Tracks wie „Night In The Life“ (da gibt es sogar ein kurze Twin-E-Passage, die an die guten alten Thin Lizzy erinnert) oder „Slidin’ Your Way“, wo dann dem Titel entsprechend, mittels Dobro geslidet wird. Toll auch das vorwiegend zurückgenommene, von Moll-Piano-Klängen und dezenten Streichern begleitete „From This Day Forward“, bei dem sich Kissels gute Stimme besonders herauskristallisieren kann.

Am Ende stellt er beim Abschlusstrack und quasi Abschlussfazit zugleich, „Kindness“ (nur Gesang, begleitet von einer Akustikgitarre), mit den Worten „if kindness is contagious“ die Hypothese in den Raum, dass bei einer herzlichen Erziehung oder Verhaltensweise, auf dieser Welt kein Platz für Hass und die daraus dementsprechend negativen Folgen resultieren würden.

Damit hat er unbestritten recht, ich gehe da persönlich sogar noch etwas weiter, wenn die reichen und mächtigen Bestimmer dieser Erde, sich nicht so egoistisch, beziehungsweise asozial verhalten würden, wäre ein noch größerer Schritt in die richtige Richtung vollzogen. Aber in diesen Sphären sind Begriffe wie ‚Teilen‘ oder ‚Verzichten‘ ja bekanntlich von vorne herein Fremdworte, da führt man lieber Krieg und gibt keine Ruhe, bis man auch den letzten potentiellen Widersacher aus dem Weg geräumt hat.

Aber das Abschlussfazit soll natürlich musikalischer Natur und dem Protagonisten vorbehalten sein. Der in unseren Breitengraden vermutlich noch nicht so bekannte Brett Kissel liefert auf seinem aktuellen Longplayer „What Is Life?“ zehn schön ins Ohr gehende, melodische, knackig und lebhaft produzierte New Country-Stücke, die sein erfolgreiches Standing von Kanada bis nach Nashville hin festigen, gegebenenfalls sogar ausbauen werden. Somit also auch ein heißer Tipp für die New Country-Fan-Gemeinde in unserem Land!

Warner Music Canada (2021)
Stil: New Country

01. What Is Life? – A Perspective
02. Make A Life, Not A Living
03. Die To Go Home
04. From Aria (Interlude)
05. Down To Earth
06. Better Bad Idea
07. Night In The Life
08. From Leo (Interlude)
09. Everything In The Rearview
10. Slidin’ Your Way
11. Without
12. From This Day Forward
13. From Mila (Interlude)
14. Kindness

Brett Kissel
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