Larkin Poe – Support: Ferris & Sylvester – 28.05.2022 – Live Music Hall, Köln – Konzertbericht

Part 2 eines für uns arbeitsreichen Wochenendes. Nach dem wir am Tag zuvor bei den Hard Rock-Urgesteinen Europe und Whitesnake ‚fremdgegangen‘ waren, bewegten wir uns mit dem Besuch der beiden Lovell-Schwestern, alias Larkin Poe, am Samstag in der Live Music Hall zu Köln, wieder zurück in das von uns bevorzugte Terrain.

Die geplanten Larkin Poe-Konzerte zuvor, waren wegen der Corona-Pandemie jeweils zweimal verschoben worden. Diesmal konnte der Gig endlich stattfinden, die Location des (zurecht) ordentlich gehypten Duos (durch Bass und Schlagzeug ergänzt) in der mit 1.300 Besuchern rappelvollen Hütte, konnte nun endlich stattfinden.

Wie sooft bei Konzerten (auch am Abend zuvor) lief uns das uns nahestehende, musikbegeisterte Ehepaar Doreen und Mario Scholten über den Weg, das sich schon am Nachmittag im Rahmen eines ‚Meet And Greet‘ (der Göttergatte war von seiner Herzensdame zum Geburtstag damit beglückt worden) mit den beiden Protagonistinnen getroffen hatte. Die beiden berichteten von zwei sehr angenehmen und trotz ihres Erfolges, sehr natürlich und lebensnah gebliebenen Musikerinnen.

Als Support begannen pünktlich um 19:00 Uhr die beiden Briten Issy Ferris und Archie Sylvester (Ferris & Sylvester). Die hatten ihre knapp 2 Monate junge, erste CD „Superhuman“ mit im Gepäck, aus dem die beiden dann naturgemäß auch viele Stücke wie u. a. „The Party’s Over“, „Golden“ und „Flying Visit“, präsentierten.

Zu gefallen wussten auch die eigenwillig integrierte Cover-Version des Jimi Hendrix-Klassikers „Little Wing“ sowie der schnippische „London’s Blues“ zum Abschluss ihrer gesanglich als auch instrumental anspruchsvollen Performance. Ferris & Sylvester wurden begeistert mit durchgängig viel Applaus nach ca. 45 Minuten vom Publikum in den verdienten Feierabend verabschiedet.

Line-up Ferris & Sylvester:
Issy Ferris: lead vocals, acoustic guitar, bass, percussion
Archie Sylvester: guitars, lead vocals

15 Minuten später war schon die Bühne für den Hauptact Larkin Poe angerichtet. Der Name des Duos aus Atlanta, Georgia, stammt, wie ich recherchieren konnte, von ihrem Ur-Ur-Ur-Großvater, der übrigens wohl ein Cousin des amerikanischen Schriftstellers Edgar Allen Poe war. Die beiden waren ziemliches Neuland für Fotograf Gernot und mich, da wir die bisherigen Reviews zu ihren letzten Scheiben (u. a. „Self Made Man“ und „Kindred Spirits“ immer unserem Benjamin im Magazin, Stephan Skolarski, überlassen hatten.

Die beiden Schwestern führten dann mit ihren beiden Mitstreitern, Tarka Layman und Kevin McGovan, die sich überwiegend mit ihrer Rhythmus-gebenden Arbeit im Hintergrund hielten, durch ein unterhaltsames. 15 Tracks (inklusive einer Zugabe) umfassendes Programm, das von südstaatlich umwobenen Traditional-Blues und Southern Rock geprägt war.

Fronterin Rebecca war dabei naturgemäß mit ihrer pfiffigen und kommunikativen Art die dominantere Persönlichkeit, Schwesterherz Megan, diejenige, die eher auf die instrumentelle Konzentration fokussiert war. Sie steuerte allerdings neben ihren klasse Slides auf ihrer Umhänge-Lap Steel, auch präzise sitzende Harmony-vocals bei. Aber auch Rebecca wusste mit einigen knarzigen Soli auf ihren beiden benutzten E-Gitarren zu gefallen. Begeistert hat mich vor allem ihrer wunderbar klarer Gesang, der mich irgendwie an eine Annie Lennox in einer Southern-Variante erinnert hat.

Als Freunde des Southern Rocks hatten wir natürlich an Songs wie „Keep Diggin'“, „Bleach Blonde Bottle Blues“, „Holy Ghost Fire“, „Back Down South“ (mit integrierten ABB-„Blue Sky“-Kurz-Intermezzo), „Summertime Sunset“, „Black Echo“ und „Blue Ridge Mountains“, besonderen Spaß.

Den zünftigen Abschluss bildet „Wanted Woman / AC/DC“, bevor in der vom Publikum heftig eingeforderten Zugabe mit „Come On In My Kitchen“ den alten Traditional-Blues-Größen der Marke Robert Johnson & Co. Tribut gezollt wurde.

Larkin Poe lieferten an diesem Abend ein überzeugendes Konzert ab. Schön zu wissen, dass sich der Southern Rock auch im weiblichen Nachwuchsbereich keine Sorgen zu machen braucht. Beim nächsten Besuch in der Domstadt, behaupte ich mal, wird eine Halle der größeren Kategorie für die mittlerweile in Nashville, Tennessee, ansässige Band gebucht werden müssen. Klasse Leistung der Mädels!

Line-up Larkin Poe:
Rebecca Lovell: lead vocals, electric guitar
Megan Lovell: lap steel guitar, bgv
Tarka Layman: bass
Kevin McGovan: drums

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Live Music Hall, Köln

High South – 28.04.2022 – Yard Club, Köln – Konzertbericht

Geplant war das Konzert von High South schon in 2020, um das kurz zuvor erschienene Album „Peace, Love & Harmony“ zu promoten. Doch nach wenigen Shows wurde die Europatournee wegen Corona abgebrochen und nun konnte der damals abgesagte Termin in Köln endlich nachgeholt werden. In der Zwischenzeit hatte Phoenix Mendoza die Band verlassen, mit Devon Ian Pangle fanden Jamey Garner und Kevin Campos aber einen dritten Frontmann, der schon in der John Fogerty Band auf sich aufmerksam gemacht hatte.

In den zwei Sets präsentierte die Band fast das vollständige aktuelle Studioalbum und das danach aufgenommene Livealbum. Dabei spickte die Band die eigenen Songs mit einigen Coversongs, die erkennen ließen, welche Künstler die Musiker von High South inspirieren. Besonders hervorzuheben waren dabei das Kasey Musgraves-Cover „Slow Burn“, „Love The One You´re With“ von CSNY, „Take It Easy“ von den Eagles als letzter Song des zweiten Sets, sowie die letzten beiden Zugaben “Folsome Prison Blues“ und „The Weight“ von Johnny Cash bzw. The Band.

Ganz im Stile der adaptierten Songs performten die drei Amerikaner ihre eigenen Songs im Gegensatz zum Album ohne Begleitmusiker und nur mit akustischen Gitarren, wobei Jamey Garner bei einigen Stücken die Gitarre bei Seite legte und stattdessen mit abwechslungsreichen Mundharmonikaspiel überzeugte. Die besondere Note aller Stücke waren allerdings die Harmoniegesänge. Jeder der Drei hatte natürlich seine Soloparts und zuweilen entstand bei Wechselgesängen der Eindruck von regelrechten Dialogen.

So zauberte High South ein folkiges Westcoast Feeling in den Yardclub und sorgte für den einen oder anderen Sonderapplaus des enthusiastisch mitgehenden Publikums. Ein Highlight war auch, als die Band im zweiten Set bei „Honestly“ endgültig auf Vollakustik umstieg, sich vor die Mikros stellte, die Stecker aus den Gitarren zog und wie zum Beginn der Bandhistorie auf jede Verstärkerleistung verzichtete, um ihr ganzes stimmliches Volumen in die Waagschale zu werfen.

In der ersten Zugabe „Peace Love & Harmony“ erinnerte Garner passend zum Titel an die schweren Coronazeiten und die gegenwärtige Weltsituation. Die Menschen mögen sich diese drei Worte zu Eigen machen und so für eine bessere Welt sorgen.

Mit der an diesem Abend abgegebenen Visitenkarte ist von High South noch einiges zu erwarten. Dazu gehörte auch der Auftritt nach dem Konzert, wo die drei Protagonisten geduldig Autogrammwünsche erfüllten und sich mit einigen Fans zusammen fotografieren ließen.

Ein Dank mal wieder an den Yard Club für die wie immer freundliche Aufnahme.  Ebenso muss immer wieder erwähnt werden, dass Markus Neu als Booker den Mut hat, auch hier nicht so bekannten Musikern eine Chance zu gewähren, in der Region Fuß zu fassen.

Line-up:
Jamey Garner – vocals, guitar, harp
Kevin Campos – vocals, guitar
Devon Ian Pangle – vocals, guitar

Text und Bilder: Gernot Mangold

High South
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Knoll Music Management
Die Kantine/Yard Club

Jason Ringenberg – Rhinestoned – CD-Review

Ringenberg 300

Review: Michael Segets

Hat sich Jason Ringenberg nach langer Abstinenz 2019 mit „Stand Tall“ eindrucksvoll zurückgemeldet, legt er nun mit „Rhinestoned“ nach. Zum Teil stammen die Songs noch aus der Phase seines vorangegangenen Albums – so „Nashville Without Rhinestones“, auf dem Ringenberg seinem Überdruss an den Entwicklungen im Musikbusiness Ausdruck verleiht. Dass sich Ringenberg entschlossen hat, dennoch weiterhin Alben zu veröffentlichen, ist ein Glücksfall, denn die Musik des Cowpunk-Rockers macht einfach Spaß.

Die neue CD weist einen stärkeren Country-Einschlag auf als der Vorgänger. Dies ist auch ein Grund dafür, dass „Stoned On Rhinestones“ erst auf dem aktuellen Longplayer seinen Platz fand. In dem flotten Track, den Ringenberg mit seiner typischen sarkastischen Attitüde vorträgt, nimmt er Bezug zu Hank Williams beflügelnder Musik. Da wundert es nicht, dass mit „You Win Again“ ein Song der Country-Ikone auf dem Album vertreten ist.

Ringenberg wollte verschiedene Phasen der Country-Musik aufgreifen. Er covert dazu das locker und gradlinig rockende „Time Warp“ von den Ozark Mountain Daredevils sowie „The Storms Are On The Ocean“ von der Carter Family. Kristi Rose übernimmt beim letztgenannten Stück die Rolle seiner Duett-Partnerin. Fats Kaplin (Hayes Carll, Tom Russell) steuert Geige und Akkordeon bei. Auf anderen Tracks ist er mit der Steel Pedal zugange. Schließlich widmet sich Ringenberg einem alten Kirchenlied und verpasst ihm eine punkige Erfrischungskur. Auf „Christ The Lord Is Risen Today“ wurde er durch seine Töchter Addie und Camille aufmerksam, die im Harmoniegesang zu hören sind.

Die stärksten Songs des Albums stellen allerdings die neueren Eigenkompositionen dar. Ringenberg musste sich diese nach eigener Aussage während der Pandemie förmlich abringen. Lediglich „The Freedom Rides Weren’t Free“ und „I Rode With Crazy Horse“ entstanden in einem Rutsch quasi über Nacht. Das eine ist eine starke Rocknummer in typischer Manier Ringenbergs, das andere ist ein ebenso typischer Midtempo-Song, der – wie bei ihm üblich – einen deutlichen Schritt neben dem Mainstream liegt. Beide sind klasse. „The Freedom Rides Weren’t Free“ setzt sich inhaltlich mit den Protesten gegen die Rassentrennung in den 1960 auseinander. Ringenberg schrieb das Stück kurz vor den Unruhen in den USA und der Black-Lives-Matters-Bewegung. Ringenberg war seiner Zeit mal wieder voraus.

Zu den weiteren Highlights zählt der Opener „Before Love And War“ mit Harmonien von Kristi Rose und schön staubigem Gitarrensound. George Bradfute spielt mehrere Gitarren und lässt diese auf „Keep That Promise“ kräftig scheppern. Ringenberg arbeitete mit Bradfute bereits zu Zeiten der Jason And The Scorchers zusammen und vertraute ihm auch diesmal die Produktion an.

Neben diesen beiden starken Country Rockern schlagen das selbstreferenzielle „My Highway Songs“ sowie das abschließende „Windows Town“ in die gleiche Bresche, sind aber etwas zahmer angelegt. Die eingängigen Refrains gehen ins Ohr und der unverwechselbare Gesang von Ringenberg sorgt dafür, dass sie dort bleiben.

Mit seinen angeschrägten Coverversionen von klassischen Country-Songs setzt Ringenberg sie nochmal in ein innovatives Licht. Allerdings läuft er vor allem bei seinen rockigen Eigenkompositionen erneut zur Hochform auf. „Rhinestoned“ ist kein polierter Strass, sondern ein ungeschliffenes Juwel – so wie Country Rock sein sollte.

Courageous Chicken Entertainment (2021)
Stil: Country Rock

Tracks:
01. Before Love And War
02. The Freedom Rides Weren’t Free
03. Nashville Without Rhinestones
04. The Storms Are On The Ocean
05. Christ The Lord Is Risen Today
06. I Rode With Crazy Horse
07. My Highway Songs
08. Time Wrap
09. You Win Again
10. Stoned On Rhinestones
11. Keep That Promise
12. Window Town

Jason Ringenberg
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Travis Tritt – Set In Stone – CD-Review

TT_300

Travis Tritt genießt in der Southern Rock-Szene seit langem ein hohes Ansehen, auch wenn er Hardlinern vermutlich insgesamt wohl ‚too Country‘ daherkommt. Tritt ist jedenfalls in seiner bisherigen Karriere mit dieser Doppelstrategie gut und erfolgreich gefahren (millionenfache Plattenverkäufe, fünf Nr. 1-Hits, Mitglied in der Grand-Ole-Opry, unzählige Auszeichnungen, selbst ein Highway wurde in seinem Wohnort in Georgia nach ihm benannt) und so verwundert es kaum, dass er sich auf seinem neuen Werk „Set In Stone“, das erste nach über zehn Jahren, dieser Linie treu bleibt.

Der mittlerweile 58-jährige Musiker und Schauspieler, der das En-gros der Stücke mit Co-Writern wie u. a. Channing Wilson, Adam Hood, Wyatt Durrette und Brent Cobb kreiert hat, überrascht hier vor allem mit fünf bärenstarken Southern Rock-Stücken, wobei besonders der Skynyrd-trächtige Opener „Stand Your Ground“ (herrliche Twins, tolles E-Gitarrensolo, rotzige weibliche Backing vocaks der auch ansonsten überzeugenden Kristen Rogers), die von epischem Flair umgebenen „Southern Man“ (Richtung Doc Holliday) und „Open Line“ (mein Lieblingsstück, wunderbar hier das unterschwellige Einbeziehen von Gitarren-Anleihen des Eagles-Klassikers „Hotel California“), bei denen man gut und gerne noch ein passendes, Southern-typisches E-Gitarren-Finish der Marke „Free Bird“, „Lonesome Guitar“ & Co., hätte anhängen können.

Die restlichen sechs Tracks in traditioneller Country-Storyteller-Manier (von Tritts Stimme her werden dabei meist automatisch Assoziationen an den guten alten Kenny Rodgers geweckt), die meist ein Loblied auf die gute alte Zeit und die typischen Südstaaten-Lebenswerte (oft voller Pathos und Emotion) abgeben, sind gut und stimmig zum Durchatmen in die Setlist eingefügt, klasse das zu vielen Fills und Soli einladende „They Don’t Make Em’ Like That No More“, das man quasi zu einer Art Endlos-Uptemponummer ausdehnen könnte. Sicherlich ein tolles Live-Stück.

Apropos Instrumente, hier dominieren natürlich Akustik- und E-Gitarren, Bass, Drums, Pedal Steel, Fiddle, Piano, Orgel, weibliche Backing vocals (famos: Bekka Bramlett und Kristen Rogers) und eine tolle Harmonica (auf „Way Down In Georgia“), gespielt von klasse agierenden Musikern wie Chris Powell, dem stark eingebundenen und überragenden Leroy Powell, Brian Allen, Philip Towns und Brian Arrowood.

Ein Übriges zum Gelingen der Scheibe trägt auch die wunderbare Produktion des momentan omnipräsent erscheinenden Dave Cobb, der hier wirklich ein tolles Gespür für die Interaktion zwischen Tritts gewohnt warm-rauen Gesang und den richtigen Instrumenten zueinander zeigt und sich auch an der Akustikgitarre einige Male dazugesellt.

Travis Tritt meißelt sich mit seinem 14. Werk „Set In Stone“ ein weiteres tolles Denkmal in seine musikalische Legende. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich schon lange keines von seinen früheren Alben mehr gehört habe, wächst mit jedem weiteren Hördurchgang in mir das Gefühl, mich hier mit einem seiner bislang stärksten Tonträger beschäftigt zu haben, klasse!

Big Noise Entertainment (2021)
Stil: Southern Country Rock

01. Stand Your Ground
02. Set In Stone
03. Ghost Town Nation
04. Smoke In A Bar
05. Leave This World
06. They Don’t Make Em’ Like That No More
07. Better Off Dead
08. Southern Man
09. Open Line
10. Ain’t Who I Was
11. Way Down In Georgia

Travis Tritt
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Aristo Media Group

Stoney LaRue – Double Live 25 – Digital CD-Review

Stoney 300

Stoney LaRue zählt ohne Zweifel zu einer der prägenden Größen der Red Dirt-Szene, deren Glanzzeit, als die vielversprechenden Acts und Newcomer im gefühlten Monatstakt zu Tage traten, mittlerweile allerdings deutlich verblasst ist.

Der einstige Bewohner des berühmten Yellow House in Stillwater, Oklahoma, das damals von vielen Musikern wie u. a. auch Mike McClure und Brandon Jenkins zum Jammen genutzt wurde, ist damit neben den Kollegen wie Randy Rogers, Wade Bowen, Jason Boland, Cody Canada, der Eli Young Band und vielleicht noch Casey Donahew einer der letzten verbliebenen Etablierten des Genres, die uns konstant weiter mit guter Musik versorgen.

Nach seinem überaus starken letzten Studioalbum „Onward“ in 2019 und der, durch die Corona-Pandemie abrupt unterbrochenen Tour 2020, entschloss er sich zusammen mit seinem Gitarristen Jesse Duke und Tontechniker Roy Shelton, das bei vielen Konzerten aufgenommene Tonmaterial mal zu ’sichten‘ und einer Bewertung für ein weiteres Live-Album zu unterziehen, zumal der letzte Output dieser Art bei ihm ja auch schon eine Weile her ist.

Um es vorweg zu nehmen, das Ganze hat sich absolut gelohnt! Herausgekommen ist ein überragendes, abwechslungsreiches Livewerk mit gut 2 1/4 Stunden Spielzeit, das vom lässig-southern groovenden Opener „Hill Country Boogaloo“ bis zum furiosen, über 12 Minuten dauernden Rausschmeißer „Oklahoma Breakdown“ mit angehängtem Freddie King-„Going Down“-Blues Rock-Intermezzo“, auf ganzer Linie überzeugt.

Dass LaRue eine klasse Stimme besitzt und einen guten Akustikgitarrenspieler abgibt, ist kein Geheimnis, aber gerade sein packendes Zusammenwirken mit Leadgitarrist Jesse Duke an den E-Gitarren, macht diesen Tonträger besonders reizvoll für Southern Rock-Anhänger (man höre sich da allein die Twin-Parts bei „Down In Flames“ an). Aber auch Freunde des Jam-Rocks werden von Stücken (neben dem bereits genannten „Oklahoma Breakdown“) wie „Bluebird Wine“ (über acht Minuten) oder dem furiosen „One Chord Song“ (über 15 Minuten) begeistert sein.

Für viel satten Drive als perfekte Ergänzung sorgt auch immer wieder die Rhythmusfraktion mit dem Bassisten namens Kiko (plus Harmoniegesang) sowie den beiden pulsierenden Drummern Brian Furgeson (Tracks 2, 6 ,12 ,14 ,15) und Adrian Myers (Rest).

Für ein Maximum an Abwechslung garantieren dann der geliebte, etat-mäßige Red Dirt-Stoff, Westcoast-angelehnte Sachen in Eagles-Manier (u. a. „Blending Colors“, „Dresses“, „Empty Glass“) und auch viele spacige Instrumental-Intros und Bridges (u. a. bei „Sharescropper“, „Sirens“, „One Chord Song“).

“Double Live 25” wird es zunächst nur in digitaler Form geben, physische Varianten sind dann für später in diesem Jahr geplant (Zeitpunkt noch offen). Das hier seit dem 28. April publizierte grandiose Material von Stoney LaRue und seiner Band ist wie geschaffen für unsere Klientel. Es macht sowohl wehmütig, aber auch ein wenig Hoffnung und Vorfreude, endlich irgendwann wieder tolle Live-Musik in den vielen, ans Herz gewachsenen Locations vor Ort zu erleben. Absolute Kaufempfehlung! Über zwei Stunden authentisch-rauer Genuss ohne Overdubs.

One Chord Song, LLC. (2021)
Stil: Red Dirt & More

01. Hill Country Boogaloo
02. Bluebird Wine
03. Golden Shackles
04. Fallin‘ And Flyin‘
05. Us Time
06. Blending Colors
07. Velvet
08. Sharescropper
09. Dresses
10. Steel Heart, Crystal Eyes
11. Travellin Kind
12. Idabel Blues
13. Too Soon
14. Sirens
16. Wiregrass
17. Easy She Comes
16. Forever Young
18. You Oughta Know Me By Now
19. Empty Glass
20. Message In a Bottle
21. Down In Flames
22. One Chord Song
23. Feet Don’t Touch The Ground
24. Look At Me Fly
25. Oklahoma Breakdown

Stoney LaRue
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RPR Media

Neil Young – Young Shakespeare – CD-Review

cover Neil Young - Young Shakespeare

Review: Gernot Mangold

Neil Young hat mal wieder in seinem Archiv gekramt und den Mitschnitt eines Solo-Akustik-Konzertes gefunden. Historisch ist der Livemitschnitt aus dem Shakespeare Theater in Stratfort, Connecticut, etwas besonderes. Er entstand wenige Monate nach der Veröffentlichung des wegweisenden Erfolgsalbums „After The Goldrush“, das Young zur Folkikone machte. Young spielte neben Stücken des aktuellen Albums und Frühwerken einige Songs, die erst knapp ein Jahr später auf dem Megaseller „Harvest“ veröffentlicht werden sollten.

Die intime Atmosphäre des Konzertes wird auch dadurch deutlich, dass im Mitschnitt nicht die Ansagen zwischen den Songs weggeschnitten wurden, sondern einen recht redeseligen Neil Young zeigen, was nicht immer der Fall war.

Die instrumental bis auf ein Minimum reduzierten Stücke zeigen die Fähigkeiten Youngs im Songwriting und die Soundqualität lässt wenig zu wünschen übrig, da die analogen Bänder, die digital aufgearbeitet worden sind, auch für einen geplanten Musikfilm gemacht worden sind.

Die Songauswahl zeigt den damaligen musikalischen Stand Neil Youngs, wo Material von CSN&Y und mit Crazy Horse im Mittelpunkt steht. Dass mit „Dance Dance Dance“ sogar ein von Crazy Horse herausgebrachtes Stück gespielt wurde, zeigt seine schon damals bestehende Verbundenheit mit seiner Begleitband, die ihn fast seine ganze Karriere begleitete.

Das Livewerk lebt neben der Atmosphäre, die zuweilen zum besinnlichen Träumen einlädt, von den Emotionen der Stücke, in denen Young auch zur Protestikone der damaligen Zeit aufstieg, den er im Prinzip bis heute nicht verlassen sollte.

Das eindringliche klagende „Ohio“ nimmt den Zuhörer in seinen Bann und kann auch textlich heute noch als aktuell gesehen werden, es müssten nur einige Namen ausgetauscht werden (was ich dann selbst bei einem späteren Neil Young- Konzert mal erleben durfte).

Das emotionalste Stück ist das ein Jahr später auf „Harvest“ veröffentlichte „The Needle And The Demaged Done“, in dem er den Weg von Künstlern beschreibt, die ein Opfer der Heroinsucht wurden. Namentlich wurde Danny Whitten, der Gitarrist von Crazy Horse nicht benannt, aber etwa ein Jahr später musste dieser wegen seiner Sucht die Band verlassen und starb wenig später an einem Mix aus Drogen und Medikamenten. So wie Young den Song spielte, kann der Zuhörer das Gefühl bekommen, dass sich Young, in der Ahnung was passieren würde, schon zu dem Zeitpunkt von seinem damaligen Freund verabschiedet hätte.

Gelungen ist auch, wie Neil Young die erst später veröffentlichten Tracks „A Man Needs A Maid“ und „Heart Of Gold“ träumerisch miteinander thematisch verschmelzen lässt und zeigt, dass sich Letztgenanntes auch gut auf dem Piano begleiten lässt.

Das Album ist für Neil Young-Fans fast schon als Pflicht anzusehen, da es einen guten Überblick über eine frühe Phase des Künstlers gibt und es schöne akustische Versionen von Stücken wie „Down By The River“ oder „Cowgirl In The Sand“ beinhaltet, die auf diesen schon eine gewisse Härte aufweisen, und erahnen ließen, in welche Richtung sich Neil Young später insbesondere mit Crazy Horse entwickeln sollte.

Für Freunde der akustischen Musik oder des Folkrocks ist das Album ebenfalls lohnend, da es auch eine Art „Greatest Hits“, live eingespielt darstellt und das durch seine Zeitlosigkeit immer noch aktuell ist.

Band:
Neil Young: Vocals & Guitar, Piano

Reprise Records/Warner Music (2021)
Stil: Folk

Tracks:
01. Tell Me Why
02. Old Man
03. The Needle And The Demage Done
04. Ohio
05. Dance Dance Dance
06. Cowgirl In The Sand
07. A Man Needs A Maid / Heart Of Gold
08. Journey Through The Past
09. Don’t Let It Bring Down
10. Helpless
11. Down By The River
12. Sugar Mountain

Oktober Promotion

AC/DC – Highway To Nashville – CD-Review und Gewinnspiel

Dass man aus AC/DC-Klassikern tolle launige Countrynummern machen kann, haben bereits Hayseed Dixie nachhaltig bewiesen. Der mittlerweile auch in den Niederlanden lebende Mastermind der australischen Hard Rock-Legende, Angus Young, war nach einem Konzert der Band, das er im De Bosuil in Weert besucht hatte, so angetan, dass der Wunsch immer stärker in ihm wuchs, selber mal Hand in Sachen Country anzulegen.

So nahm Young mit Dann Huff Kontakt auf, der die Australier mit seiner damaligen Band Giant 1989 bei der „Blow Up Your Video“-Tour bei einigen Konzerten in den Staaten supportet hatte. Huff zählt ja bekannter Maßen mit zu den besten Gitarristen der Welt und ist heute in Nashville eine der bestimmenden und nicht wegzudenkenden Produzentengrößen.

Huff bot Angus sofort an, seine Kontakte spielen zu lassen und kurze Zeit später stand die Idee, ein komplettes AC/DC-Country-Album in reiner Duettform mit allen Hits aufleben zu lassen. Die Stars der Music City-Gilde ließen sich auch nicht lange bitten und standen Spalier für das anspruchsvolle Werk.

Huff übernahm die Arbeit an den Reglern (zusammen mit Brendan O’Brien, den man natürlich auch nicht außen vor lassen wollte) und steuerte auch viele E-Gitarrenparts bei. Als ergänzende Musiker wurden neben den aktuellen „Power Up“-AC/DC-Akteuren und den ganzen Country-Sängern, stilsichere Koryphäen wie Ilya Toshinsky (Mandoline, Dobro, Banjo, Akustikgitarre), Gorden Mote (Keys), Dan Dugmore (Pedal Steel) sowie Stuart Duncan an der Fiddle mit eingebunden.

Direkt der Opener „Highway To Hell“ bietet Vergnügen pur. Mit dem starerprobten Jason Aldean, der ja auch schon an der Seite von Bob Seger für Furore gesorgt hat, ist das die richtige Einstimmung auf ein höchst unterhaltsames Werk.

Brian Johnson zeigt zumindest im Studio, dass er es gesanglich immer noch drauf hat, und bildet einen unwiderstehlichen Vokal-Counterpart zu seinen vielen, auf dem Album vertretenen Countrypromis. Richtig Laune schien ihm das Duett mit der Tochter von Johnny Cash zu machen, da singt er am Ende statt „Whole Lotta Rosie“ begeistert „Whole Lotta Rosanne“!

Beim letzten Track „Walk All Over You“ hat sich das ganze Team zu Ehren von Bon Scott noch etwas besonderes einfallen lassen. Zu den Lead Vocals von Wynonna, die früher mit Huff zusammen auch schon einmal auf einem Sampler Skynyrds „Free Bird“ zu ganz neuem Flair verholfen hatte, wurde die Originalstimme des 1980 verstorbenen Kultsängers in den Song hineinprojiziert.

Wenn Scott dann in der 3. Strophe mit „Reflections on the bedroom wall…“ und im folgenden Refrain einsetzt (was man ohne dieses Vorwissen jetzt nicht erwarten würde), ist Gänsehaut garantiert, die neue furiose E-Gitarrenpassage von Huff und Young ist einfach nur göttlich. Das Ende des Songs ist dann wieder Wuchtbrumme Wynonna überlassen, die auch nochmal ihre ganze voluminöse gesangliche Klasse ausspielt. Ein gebührender Abschluss, nach dem einfach nichts mehr kommen kann.

Das zunächst nur für den US-Markt konzipierte AC/DC-Lust- und Laune-Projekt „Highway To Nashville“ bereitet einen Höllen-Spaß und Abwechslung von der ersten Sekunde bis zum o. a. Sensationsfinale „Walk All Over You“ mit der emotionalen Bon Scott-Verneigung.

Dann Huff und Brendan O’Brien haben in Zusammenarbeit mit den heutigen Gleichstrom-/Wechselstrom-Recken ein mit Augen- und Ohrenmaß zusammengeführtes Gesamtwerk kreiert, das sowohl bei Edelfans der Band wie auch bei Country- und allgemeinen Rock-Liebhabern bei so mancher heiß und hoch hergehenden Party in den Player finden wird. Unbedingt zulegen!

Gerade O’Brien zeigte sich von der spielerischen und technischen Effizienz in Nashvilles Studiowesen begeistert: „Das war wirklich eine tolle Sache, wir haben alle viel von einander gelernt, ich werde davon sicherlich einiges für die nächsten Alben von AC/DC und so manch anderer Band mitnehmen und entsprechend einbringen“.

Wie wir aus Insiderkreisen erfahren haben, wird die Scheibe in den nächsten Tagen direkt auf Platz 1 in den Billboard-Country-Charts einsteigen. Ein schönes nachträgliches Geburtstagsgeschenk für Angus Young zum 66. Geburtstag, dessen handsigniertes Rezensions-Exemplar Sounds Of South an eine(n) unserer treuen Leser/innen verlost.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden: Welcher der beteiligten Country-Künstler ist im gleichen Land wie AC/DC groß geworden:

a) Eric Church
b) Keith Urban
c) Willie Nelson

Schicke wie immer eine E-Mail mit der richtigen Lösung an dan@sounds-of-south.de. Einsendeschluss ist der 1. April bis zum Ende des Tages.

Thunder Struck Music (2021)
Stil: Country Rock

01. Highway To Hell – feat. Jason Aldean
02. Thunderstruck – feat. Keith Urban
03. Hells Bells – feat. Brad Paisley
04. Whole Lotta Rosie – feat. Rosanne Cash
05. T.N.T. – feat. Tim McGraw
06. You Shook Me All Night Long – feat. Blake Shelton
07. Shot Down In Flames – feat. Willie Nelson
08. Shoot To Thrill – feat. Alan Jackson
09. Back In Black – feat. Clint Black
10. Dirty Deeds Done Dirt Cheap – feat. Big & Rich
11. Heatseaker – feat. Billy Ray Cyrus
12. Stiff Upper Lip – feat. Kenny Chesney
13. Touch To Much – Luke Combs
14. Let There Be Rock – feat. Brantley Gilbert
15. If You Want Blood (You Got It) – feat. Chris Stapleton
16. Down Payment Blues – feat. Miranda Lambert
17. Nick Of Time – feat. Dierks Bentley
18. High Voltage – feat. Eric Church
19. Girls Got Rhythm – feat. Jaren Johnston
20. Walk All Over You – feat. Wynonna

AC/DC
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Israel Nash – Topaz – CD-Review

cover 300 Israel Nash - Topaz

Gleich fünf Tracks eines neuen Albums vorab digital als EP zu veröffentlichen, ist eher eine ungewöhnliche Entscheidung, um einen kommenden Longplayer zu promoten. Diese Vorgehensweise des US-Singer/Songwriters Israel Nash, der im Dezember seine „Topaz-EP“ unter Hinweis auf das gleichnamige Album herausbrachte, hat das Interesse an seinem nunmehr erscheinenden Longplayer jedoch nicht geschmälert.

Die von uns am 15.12.2020 rezensierte Edition ist insoweit nur die Hälfte einer 10 Songs umfassenden Scheibe, die bereits damals eine angenehme Erwartungshaltung aktivierte. Dieses Review erstreckt sich daher im Wesentlichen auf die neuen Titel, der von Nash in Kooperation mit Adrian Quesada (The Black Pumas) produzierten „Topaz“-LP.

Eindeutig ist, Nashs sechstes Studio-Werk bringt seine treibende Kraft auch bei den weiteren Songs mit intensiver Ausstrahlung unüberhörbar voran. So kann die Soul-Ballade „Stay“ (Anspieltipp) uneingeschränkt mit ihren Motown-Vorbildern konkurrieren und entwickelt in ihrer orchestrierten Version einen meisterlichen Sound.

Wie beim Ohrwurm „Indiana“, ist die vielseitige Stimme von Israel Nash die musikalische Eloquenz eines nachwirkenden Refrains, der die weiteren, guten Lyrics überstrahlt und den Einsatz der Bläser-Sektion und Pedal-Steel herausfordert. Das kontrastreiche „Howlin‘ Wind“ wirkt hingegen fast beruhigend.

Sehr unterschiedliche Einflüsse – etwa von Dylan bis Neil Young – bilden insgesamt die Basis der ideenreichen Eigenkompositionen und lassen das Album modern und zeitlos erscheinen – eine seltene Eigenschaft in der oft schnelllebigen, aktuellen Musikszene.

Dass der 40-jährige, ausgebildete Politikwissenschaftler sich auch vor politischen Statements nicht scheut, zeigen „Sutherland Springs“, mit verzehrten Klängen und traurigen Lyrics über den Amoklauf im kleinen US-Ort am 05.11.2017 und das wütend klingende „Pressure“, das eine zunehmende Einschüchterung von Menschen unter verzweifelten Lebensbedingungen beklagt.

Israel Nash hat mit „Topaz“ ein persönliches Album eingespielt, das zwischen Soul-Country und psychodelischem Folk-Rock die sehr hohen Erwartungen nach der EP erfüllt. Mit den in jeder Hinsicht ambitionierten Songs besitzt der Longplayer gute Chancen, in der Kategorie ‚Album des Jahres‘ ganz oben mitzumischen und damit als musikalischer Edelstein zu glänzen.

Loose Music (2021)
Stil: Folk-Rock, Country-Rock

Tracks:
01. Dividing Lines
02. Closer
03. Down In The Country
04. Southern Coasts
05. Stay
06. Canyonheart
07. Indiana
08. Howling Wind
09. Sutherland Springs
10. Pressure

Israel Nash
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Oktober Promotion

Jeff Jacobs Band – Out Of The Keg – CD-Review

JJB_300

Das Ende des Jahres bietet in diesem Magazin meist etwas Luft zum ‚Atmen‘, sofern man das angesichts der üblen Geschehnisse der letzten zehn Monate, überhaupt so benennen kann.

Es ist hier zumindest in diesem Sinne gemeint, dass man auch mal Zeit findet, auf Musik jenseits von Bemusterungen und Veröffentlichungsterminen, zurückzugreifen, sei es wieder alte Scheiben zu hören oder Dinge, zu denen man gar keine Muße hatte, in den Player zu schieben.

Ein tolles Album, das erst jetzt in dieser Phase bei mir zum Zuge kommt, ist das bereits schon im Januar veröffentlichte Werk “Out Of The Keg” der Jeff Jacobs Band.

Der aus San Antonio, Texas, eher schwierigen, nicht betuchten Verhältnissen stammende Rauschebart-tragende Bandleader betreibt das Projekt seit 2012, hat es aber 2018 mit neuen Leuten wie u. a. Frank Torres (drums), Newman Ramzel (lead guitar), Ed Lubin (rhythm guitar) und Jon Hernandez (bass) reformiert.

Nachdem sich Jacobs ganz zu Beginn noch in diversen Genres ausgetobt hatte, war es dann doch die texanische Country Musik-Szene, in der er sich schließlich heimisch fühlte.

„Country music is about life, struggles, and family. That is where I am in my life so it just made sense to go in that direction,“ so Jeff zu seiner finalen Ausrichtung.

„Out Of The Keg“ ist nunmehr das dritte Werk dieser Machart in herrlich unbefangener, launiger Red Dirt-Manier. Dieses Genre bietet natürlich mit seinen einbezogenen Stilen wie Country-, Southern Rock und -Pop, die ideale Spielwiese für den vielfältigen Protagonisten (mittlerweile zweifacher Vater) samt seiner Mannen.

Schon mit dem flott country-rockenden Opener „Love Stricken (Feel Our Heat)“, mit raunzenden Orgel- und wiehernden Fiddle-Einlagen (inklusiv Solo), lässt das Kollektiv keinen Zweifel an seinen Qualitäten aufkommen, knackige, bestens live-kompatible Kompositionen, mit tollen Melodien zu verbinden.

Jacobs hat dabei diese typisch angenehm raspelig-rauchige Stimme, wie man sie von Leuten wie u. a. Wade Bowen, Phil Hamilton, Bart Crow & Co. geboten bekommt.

Und so liefert die Band eine schöne Mischung an stimmungsvollen Tracks wie „I Feel Crazy“ (knackig abgehender Footstomper mit starker quirliger E-Gitarrenarbeit), das im Eli Young Band-Stil performte „Can’t Get Her Out Of My Head“, das Rockabilly-Western-trächtige „Guitar Man“ (tolle Baritone-E-Gitarre), zwei mitsingbare Trinklieder wie „I Got Drunk“ (Bandstudioversion) und „Diehards And Drunkards“ (akustisch performte Hommage an die Fans), sowie zwei herrlichen Ohrwurm-Balladen (die jeweils und mit weinender Steel und Fiddle bestückten „Drink Another Heartache“  und „Ride Until We’re Gone“).

Und am Ende gibt die Band noch den zweifachen Beweis für Ihre Live-Qualitäten, zunächst mit dem rasanten Texas-Boogie „Having Too Much Fun“ (erinnert ein wenig an die Skynyrdsche Variante von „T For Texas“) und der Jacobs Solo-Performance von „I Got Drunk“ mit gesanglicher Einbindung der bestens gelaunten Fan-Audienz zum Liedausklang.

Die Jeff Jacobs Band serviert mit „Out Of The Keg“ herrlich frisch gezapften, kurzweiligen, bestens unterhaltenden und melodischen Red Dirt-Stoff, wie man ihn von Acts der Marke JB And The Moonshine Band, Wade Bowen, Randy Rogers Band, Bart Crow, Phil Hamilton & The Backroad Drifters, Britt Lloyd Band, etc.  zu schätzen und lieben weiß.

Es ist genau diese unbeschwerte Art von Country Rock-Musik, die man in den vergangenen zehn Monaten (und vermutlich auch noch bis weit in 2021 hinein), vor allem was Live-Konzerte betrifft, so schmerzlich vermisst hat und sich in die baldige Realität zurück ersehnt.  Somit ein absoluter Geheimtipp zum Jahresende, diese Jeff Jacobs Band!

Edgewater Music Group (2020)
Stil: Red Dirt

Tracks:
01. Love Stricken (Feel Our Heat)
02. I Feel Crazy
03. I Got Drunk
04. Can’t Get Her Out Of My Head
05. Drink Another Heartache
06. Guitar Man
07. Ride Until We’re Gone
08. Diehards And Drunkards
09. Having Too Much Fun (Live)
10. I Got Drunk (Live at the Hydration Station)

Jeff Jacobs Band
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Israel Nash – Topaz – EP-Review

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Review: Stephan Skolarski

Mit seiner Absicht „etwas zu schaffen, das zum Nachdenken anregt“, hat der texanische Singer/Songwriter Israel Nash im Laufe dieses Jahres nach „Lifted“ (2018) einen neuen Longplayer eingespielt und spontan vorab die EP „Topaz“ veröffentlicht. Der fünf Stücke umfassende Tonträger gibt einen Vorgeschmack auf das voraussichtlich für März 2021 vorgesehene Album und wurde im hauseigenen Studio, in der Nähe von Austin, zum großen Teil von Nash allein aufgenommen.

Es muss dabei unbedingt auch die Umgebung sein, die Israel Nash als sein „ewiges Zuhause“ bezeichnet und die Songs, wie „Canyonheart“ inspiriert – eine in angenehmen Klangfarben der frühen Neil Young-Tage mit Bob-Dylan-Feeling ausgestattete Ballade, ein Edelstein des Country Rock. Dieses fast stimmungsvolle Soundgefüge wird mit dem bläsergeprägten, soulhaften Track „Down In The Country“ atmosphärisch fortgesetzt, der als brillant-leidenschaftlicher Song von Nashs Stimme und einem herrlichen Guitar-Solo beinahe magisch getragen wird.

Mit „Closer“ und „Southern Coasts“ folgen zwei Stücke, deren persönliche Ausstrahlung an die „schönen, alten Zeiten“ der psychedelisch verträumten 70er Roots-Country-Rock-Hippie Jahre erinnert und die in ihrer wunderbaren Gelassenheit musikalisch über die „Landschaft“ dahingleiten.

Der fünfte Titel „Dividing Lines“ bringt zum Schluss den fragilen, experimentellen Charakter Nashs zum Vorschein, ein etwas undurchsichtiger, ungeschliffener „Schmuckstein“ zum Nachdenken. Dieses Ansinnen verfolgt Israel Nash durchweg über seine tieferen Lyrics, mal politisch und kritisch und manchmal eben liebevoll emotional, stets aber zum Reflektieren geeignet.

Israel Nash hat mit seiner „Topaz“ -EP die verschiedenen Färbungen seines Songwritings eindrucksvoll in einer kleinen Anzahl von Preziosen vorgestellt, die ihre individuellen Empfindungen und Gefühle in Form musikalischer Schmuckstücke preisgeben und als „Southern Rock in Zuckerwatte“ weitere hohe Erwartungen an das neue Album wecken.

Neben diesem „Topaz“-Pre-Release bleibt bis März jedenfalls noch ausreichend Zeit, bei Bedarf auch die bisherigen Nash-Produktionen ausgiebig kennenzulernen (siehe z.B. den SoS-Konzertbericht aus Nashs Frühphase im Jahr 2012).

Loose Music (2020)
Stil: Folk Rock, Country Rock

Tracklist:
01. Canyonheart
02. Down In The Heart
03. Closer
04. Southern Coasts
05. Dividing Lines

Israel Nash
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