Neil Young & Crazy Horse – Colorado – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Sieben Jahre ist es mittlerweile her, dass Neil Young mit seiner eigentlichen Stammband Crazy Horse ein Studioalbum aufnahm. In der Besetzung von Crazy Horse hat sich mittlerweile eine markanteVeränderung ergeben. Für den Gitarristen Sampedro ist nun Nils Lofgren wieder an Bord, der schon zu Beginn der Achtziger Jahre im Tour-Line-up der Band war.

Mit dem Opener „Thinking Of Me“ begibt sich Young stilistisch wieder in die countryeske Zeit der späten siebziger Jahre. Harmonischer Gesang, akustische Gitarren und begleitende Mundharmonika lassen wieder das Feeling dieser Ära aufkommen und wird insbesondere die Fans der Alben wie „Harvest“, „Zuma“ oder den ersten Teil von „Rust Never Sleeps“ hellhörig werden lassen.

Die Idylle des Country ist aber mit „She Showed Me Love“ erst einmal beendet. Der für das Ensemble typische Gitarrensound mit z. T. stampfenden Rhythmus knüpft nahtlos an damalige Glanzzeiten an und zeigt, dass Young mit den Jahren seiner mittlerweile über 50-jährigen Musikerkarriere nichts an Klasse eingebüßt hat. Schön in diesem Song auch der harmonische Background Gesang von Lofgren und die für Young typisch abgehakt wirkende Solospielart.

„Olden Days“ nimmt wieder etwas Dampf aus dem Kessel. Leicht balladesk vorgetragen, bringen Crazy Horse hier einen sehr melodischen Song.

„Help Me Lose My Mind“ offeriert einen scheinbar zerrissenen Young. Wütende Gesangspassagen wechseln mit melodischen Refrains und wilde Soli des Meisters unterstützen die Thematik des Songs, in dem Young scheinbar flehentlich um Hilfe für sich bittet, wenn er den Verstand verliert, was hoffentlich nicht so schnell passiert, wenn man dabei an die enorme Kreativität des gebürtigen Kanadiers denkt.

Dem eher düsteren Vorsong lässt Young mit „Green Is Blue“ ein sehr harmonisches Stück folgen, bei dem er sich in seiner typischen Art am Piano begleitet.

Wer Neil Young kennt, weiß, dass er immer zu aktuellen Weltgeschehen Stellung bezieht. Das hart vorgetragene „Shut It Down“ kommt fast wie das wütende Plädoyer eines Staatsanwalts her, der die anklagt, welche die Zerstörung der Umwelt mit zu verantworten haben.

Fast träumerisch kommt dagegen „Milky Way“ her, wo auch die elektrischen Gitarren eher reduziert eingesetzt werden und so ein sehr harmonischer, eher ruhiger Track entsteht. Thematisch geht es bei „Eternity“ ähnlich weiter. Neil Young am Piano, die anderen Instrumente sehr zurückhaltend eingesetzt, wird die Ewigkeit und den Zug der Liebe beschrieben.

In „Rainbow Of Colours“ mit getragene Gesangspassagen und melancholisch gespielte Harmonien beschreibt Young in der für ihn typischen Art kritisch die alten USA.

Im abschließenden „I Do“, einem sehr ruhiges Lied erscheint die Stimme des Kanadiers fast zerbrechlich und man könnte den Eindruck haben, er würde um das Resümee einer Beziehung gehen.

„Colorado“ ist ein insgesamt starkes Neil Young & Crazy Horse-Album, auf dem Young wieder einige seiner Facetten zeigt. Nicht so brachial wie zu Zeiten nach „Live Rust“, aber immer noch dynamisch, legt er mit Crazy Horse einen weniger psychedelischen Nachfolger zu „Psychedelic Pill“ hin, der aber beweist, dass Crazy Horse noch lange nicht gezähmt ist.

Ein Werk, dass in keiner Neil Young-Sammlung fehlen sollte. Dies nicht nicht nur der Vollständigkeit halber, sondern der erfrischenden Qualität der scheinbar unendlichen Ideen des Youngschen Songwritings geschuldet. Es bleibt zu hoffen, dass die Formation noch einmal den Weg über das große Wasser macht, um den Fans in Europa auch dieses neue Material live zu präsentieren.

Line Up Crazy Horse:
Neil Young – lead vocals, guitars, piano, vibraphone, harp
Nils Lofgren – guitars, vocals, harmonium
Ralph Molina – drums, vocals
Billy Talbot – bass, vocals

Reprise Records (Warner) (2019)
Stil:  Rock

Tracklist:
01. Thinking Of Me
02. She Showed Me Love
03. Olden Days
04. Help Me Lose My Mind
05. Green Is Blue
06. Shut It Down
07. Milky Way
08. Eternity
09. Rainbow Of Colors
10. I Do

Neil Young
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Oktober Promotion

Sheryl Crow – Threads – CD-Review

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In der Laufbahn eines beständig erfolgreichen Künstlers gibt es immer so etwas wie ein Karrierealbum, also eines, das eindeutig den den Höhepunkt der Schaffenszeit darstellt. Wer zu diesem Zeitpunkt abtritt, tut dies in weiser Voraussicht, dass es danach vermutlich kaum noch Steigerungspotential gibt. Was das Verpassen dieses Momentes und die oft weniger erfreulichen Umstände danach zum Teil bewirken, hat man bei vielen einstigen Lichtgestalten aus Kultur, Politik und Sport, zu Genüge erlebt.

Im Fall der eigentlich noch recht jungen Sheryl Crow (gerade mal mein Alter…!) verwundert es doch ein wenig , aber sie wird sich solch eine Ankündigung aber wohl gut überlegt haben. Im Leben der Mitfünfzigerin, die sich einst als Mädel einer musik-begeisterten Familie aus Missouri auf ihren Weg gemacht hatte, um dann als Backgroundsängerin von Michael Jackson, den Eagles und Bob Dylan, den Einstieg zu finden, glänzte bekanntlich nicht immer alles, vor allem Probleme im gesundheitlichen Bereich (Krebs, Gehirntumor), zerrten vermutlich besonders an ihren Kräften.

In mein Leben trat sie, wie vermutlich bei vielen, mit ihrem flippigen Hit „All I Wanna Do“, dass selbst meine Ehefrau und Stieftochter begeistert waren und wir gemeinsam ihren Support bei Joe Cocker in Dortmund damals live begutachteten. Dies war allerdings auch zugleich schon das letzte Mal, dass ich sie auf der Bühne erleben konnte, habe aber doch so einige ihrer späteren Alben wie zuletzt „Feels Like Home“ in meiner Sammlung.

Ihr neues Werk „Threads“ ist quasi eine pompöse Abschiedsfeier, bei der alle hochkarätigen Gäste aus dem Hier und Jetzt und der glorreichen Vergangenheit des Rock, Pop und Country erschienen  sind, um quasi dem Lebenswerk der Protagonistin, nochmals die Ehre erweisen.

Crows einstiges Vorbild Stevie Nicks ist beim flockigen Frauenpower-Stück „Prove You Wrong“ dabei. Im folgenden Verlauf geben sich prominente Namen wie Bonnie Raitt, Eric Clapton, Sting, Chris Stapleton, Keith Richards, Don Henley, Joe Walsh, Neil Young, Kris Kristofferson, Willie Nelson, Emmylou Harris, Vince Gill (und und und), die Klinke in die Hand, um mit Sheryl, bei den überwiegend selbst geschriebenen Stücken (mit renommierten Co-Writern) zu performen.

Selbst Johnny Cashs kurz vor seinem Tode aufgenommene Gesangsspuren wurden posthum bei „Redemption Day“, einem der bewegenden Höhepunkte des Werks, dazugemischt.

Meine Favoriten sind der oben bereits erwähnt Opener „Prove You Wrong“, das dank Bonnie Raitt herrlich slide-getränkte „Live Wire“, die radio-taugliche Kooperation mit Chris Stapleton bei „Tell Me When It’s Over“ (erinnert von der Machart ein wenig an dessen Zusammenarbeit mit Justin Timberlake bei „Say Something“ ), „The Worst“ (tolle Nylon-String-Gitarre von Keith Richards), der melancholische Barroom-Schwofer „Lonely Alone“ mit Willie Nelson und als absoluter Kracher das Southern Rock-taugliche „Still The Good Old Days“ mit dem kauzigen Joe Walsh, der sowohl gitarren- als auch gesangstechnisch brilliert.

Ebenfalls nicht schlecht ist das R&B-tanztaugliche „Wouldn’t Want To Be Like Yous“ mit St. Vincent. Das unter Mitwirkung von Clapton und Sting (den mag ich eh nicht) erzeugte George Harrison-Stück „Beware of Darkness“ sowie der pianogetränkte Schmachtfetzen unter Beteiligung von Vince Gill zünden bei mir nicht ganz so richtig.

Schön auch die Gestaltung des Klapp-DigiPaks. Es beinhaltet nämlich ein großes poster-ähnliches Einsteck-Faltblatt, das auf der eine Seite viele Bilder von Sheryl mit besagten Künstlern enthält und auf der anderen  sämtliche Texte, Infos zu den involvierten Musikern und die Entstehungstories zu den einzelnen Tracks beinhaltet.

Insgesamt ein von der Spielzeit randvoll bepackter Silberling, der aber durch seine Diversität der Charaktere eine unheimliche Kurzweiligkeit ausstrahlt. Wer letztendlich so viele klangvolle Namen des Musikbusiness als Gast auf einem Album von sich versammeln kann, weiß am Ende, dass er mit Stolz auf sein Schaffensspektrum zurückblicken kann.

Die Frage, die sich Sheryl Crow nach „Threads“ sicherlich gestellt haben wird ist: Kann ich das überhaupt noch toppen oder nur noch verlieren? Mehr Stardom geht nämlich wirklich nicht. Mein Tipp: Liebe Sheryl, genieße einfach entspannt dein restliches Leben, wie auch immer es in Zukunft ausfallen möge.

The Valory Music Co. (Universal) (2019)
Stil: New Country

01. Prove You Wrong (feat. Stevie Nicks & Maren Morris)
02. Live Wire (feat. Bonnie Raitt & Mavis Staples)
03. Tell Me When It’s Over (feat. Chris Stapleton)
04. Story of Everything (feat. Chuck D & Andra Day & Gary Clark Jr.)
05. Beware of Darkness (feat. Eric Clapton & Sting & Brandi Carlile)
06. Redemption Day (feat. Johnny Cash)
07. Cross Creek Road (feat. Lukas Nelson & Neil Young)
08. Everything Is Broken (feat. Jason Isbell)
09. The Worst (feat. Keith Richards)
10. Lonely Alone (feat. Willie Nelson)
11. Border Lord (feat. Kris Kristofferson)
12. Still The Good Old Days (feat. Joe Walsh)
13. Wouldn’t Want To Be Like You (feat. St. Vincent)
14. Don’t (feat. Lucius)
15. Nobody’s Perfect (feat. Emmylou Harris)
16. Flying Blind (feat. James Taylor)
17. For The Sake of Love (feat. Vince Gill)

Sheryl Crow
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Universal Music

Sister Hazel – Earth – EP-Review

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Mit “Earth” beschließen Sister Hazel ihre vierteilige „Elements“-EP-Reihe, dem naturgemäß die Scheiben “Water”, „Wind“ und „Fire“ zuvor gegangen waren. Sie treffen damit auch, rein thematisch, im Rahmen der aktuellen Klimadiskussionen, absolut den Zahn der Zeit.

Wieder gibt es sechs wunderbar melodische Stücke (plus einem Kurz-Bonus-Track „Remember Me“), die an Eingängigkeit kaum zu überbieten sind.
Der Florida-Fünfer ist für seine Konstanz bekannt. Die Band spielt seit 1993 von Beginn an in unveränderter Besetzung mit Ken Block, Drew Copeland, Jett Beres , Ryan Newell und Mark Trojanowski.

Sicherlich ein Beweis dafür, dass die Chemie in diesem Kollektiv stimmen muss, was sich vermutlich auch im wunderbaren Songwriting niederzuschlagen scheint, das diesmal zum Teil in Kooperation mit bekannten Musikern wie Darius Rucker (solo, Hootie & The Blowfish), Randy Montana oder den Nashville -Hitkomponisten Jerry Flowers und Barry Dean veredelt wurde.

Als Produzent ist erneut Ben Jackson involviert, der auch schon bereits mit vielen uns bekannten Interpreten wie Joe Nichols, Frankie Ballard, Ty Herndon, Jana Kramer, Jimmy Wayne, Jon Pardi oder Steve Azar zusammengearbeitet hat.

Als prominente Gastmusiker sind Dave Lagrande (Keys), Steve Hinson (Steel guitar) und Billy Montana (Harmonica bei „Follow The River“) mit von der Partie.

Kaum sind die ersten Akustikgitarrenklänge ertönt und Ken Blocks berühmter, leicht näselnder Gesang beim Opener „Raising A Rookie“ erklungen, befindet man sich im obligatorischen Sister Hazel-Wohlfühlmodus, der dann auch erst mit Ausklingen der EP beendet ist.

Überwiegend er und zweimal Drew Copeland (der aber wieder beim Killertrack des Werkes „Follow The River“) stehen am Frontmikro, während der überragend spielende Ryan Newell mit seinen variablen Saiteneinlagen (viele Southern Rock-kompatible E-Soli, schöne Mandoline) für die markantesten instrumentellen Akzente sorgt.

Alle Tracks nisten sich sofort in die Gehörgänge ein, explizit eventuell noch herauszuheben sind vielleicht noch das  herrlich melodische „Memphis Rain“ und das launige, ebenfalls von Block gesungene „Good For You“ (mit HT-Geklimper) von dem Mitverfasser Drew Copeland zurecht sagt: It’s the kind of song you can crank up, roll down your windows, and drive down the beach with.”

Die symbolträchtige Darstellung auf dem Titelbild,  in Verbindung mit der Thematik des schön und umfangreich gestalteten Coverartworks, lässt viel Spielraum für Interpretationen oder Spekulationen des Betrachters, bzw. Konsumenten des Silberlings.

Fest steht, die Erde wird sich samt ihrer Elemente weiterdrehen und das hoffentlich, friedlich, human, nachhaltiger, bzw. umweltbewusster als bisher, sowie mit noch unzähligen weiteren Sister Hazel-Ohrwürmern und -Alben!

Trotz all meiner mantra-mäßig wiederholten Lobeshymnen bezüglich dieses Quintetts, befürchte ich allerdings, dass Sister Hazel bei uns weiterhin eines der best gehütesten musikalischen Geheimnisse bleiben werden.

Meine Empfehlung lautet, sich gleich alle vier EPs auf einmal als Einstieg zu besorgen, danach ist einer Suchtgefahr allerdings Tür und Angel geöffnet…

Croakin‘ Poet Records (2019)
Stil: Southern (Rock) Pop

01. Raising A Rookie
02. I Don’t Do Well Alone
03. Slow Lightning
04. Memphis Rain
05. Good For You
06. Follow The River
07. Elements Part IV (Remember Me)

Sister Hazel
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Wade Bowen – Interview

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Eine gute Stunde vor seinem Gig im Blue Shell, stand uns der texanische Singer-/Songwriter Waden Bowen für ein Interview zur Verfügung und entpuppte sich als sehr sympathischer, relaxter und humorvoller Gesprächspartner, der bei uns musikalisch noch viel vor haben zu scheint.

Sounds Of South: Hallo Wade, du bist ja eigentlich schon lange im Geschäft, warum hat es erst jetzt mal geklappt, bei uns in Deutschland aufzutreten (letztes Jahr mal ausgeklammert, wo du ja wegen der Erkrankung absagen musstet?
Wade Bowen: Ja, es war sehr frustrierend, die Tour abzusagen. Wir wollten hier einige Shows spielen, aber durch meine gesundheitlichen Stimmprobleme mussten wir einfach canceln. Er war sehr schlimm, aber wir sind jetzt hier und starten einen erneuten Anlauf. Ich möchte das auf jeden Fall weiterführen und die Grundlage schaffen, wieder zu kommen und etwas aufzubauen.

Sounds Of South: Ich bin ja einer der ganz wenigen, die deine tollen Leistungen hier schon seit vielen Jahren publizieren. Was glaubst du, warum ein in den Staaten so beliebter Künstler wie du, in Deutschland meist nur Insidern bekannt ist?
Wade Bowen: Gut, ich glaube, überall, wo du neu hinkommst, musst du einfach anfangen und die Leute mit deiner Musik anfreunden. Leute wie du helfen uns dabei, aber es ist letztendlich genau wie in den Staaten. Wir besuchen neue Orte, versuchen langsam die Dinge zu entwickeln, beziehungsweise größer werden zu lassen. Deshalb ist das eigentlich genau das selbe, hier her zu kommen, wie nach Kalifornien zu fahren.

Sounds Of South: Wie kreiert man bei dem inflationären Wust an Musik und Neuveröffentlichungen heute, immer noch so viele Ohrwürmer wie du?
Wade Bowen: Ich liebte das Songwriting von Anfang an  und liebe es auch immer noch. Ich bin immer auf der Suche Neues zu schreiben und aufzunehmen. I push mich immer wieder selbst, um noch besser zu werden und hoffentlich bewirkt dieser Antrieb, meine Karriere weiter zu beflügeln und die Platten ’sprudeln‘ zu lassen.

Sounds Of South: Es gab eine Zeit im Red Dirt-Genre, als die Acts und neuen Platten wie Pilze aus dem Boden schossen. Mittlerweile ist es gefühlt deutlich ruhiger geworden. Wie schätzt du die Lage ein? Welches sind zur Zeit deiner Meinung nach die tatentiertesten Newcomer?
Wade Bowen: Ich glaube, es gibt zur Zeit immer noch genügend Acts, die aber in wahrscheinlich in Deutschland nicht bekannt sind. Da sind schon einige , die in der Red Dirt-Szene bei uns aufstreben. Das ist meiner Ansicht nach normal. Der Erfolg im Genre besteht letztendlich weiter, wie es war. Da sind auch jetzt  weiterhin einige talentierte Leute. Der wohl zur Zeit die meiste nationale Aufmerksamkeit erfahrende Künstler, ist nach meiner Ansicht Cody Johnson. Er kommt aus der Red Dirt- und Country-Szene und bringt diese Musik zur Zeit auf ein sehr populäres Level.

Sounds Of South: Erzähl mal bitte was zu deinem, mit so vielen starken Songwritern und Musikern kreierten neuen aktuellen Album „Solid Ground“.
Wade Bowen: „Solid Ground“ ist das intensivste Album, an dem ich bisher gearbeitet habe. Ich habe so viele Freunde angesprochen und so viele Leute haben mir beim Schreiben und Aufnehmen des Projekts geholfen. Es ist ein einziger Liebesbrief an Texas. Ich wollte Leute dazu bringen zu begreifen, wo ich her bin und was Musik in Texas bedeutet. Ich glaube, das ist das, was du auf dieser Scheibe hörst. Sie ist eine ehrliche Mischung aus Rock, Country und Blues.

Sounds Of South: Welche Musiker haben dich am meisten in deinem Werdegang beeinflusst?
Wade Bowen: Ich würde hier spontan Bruce Springsteen benennen. Ich habe deswegen auch meinen Sohn nach ihm benannt, ich bin ein großer Fan von ihm. Dazu kommen noch Guy Clarke und George Strait, um noch zwei zu nennen. Aber insgesamt habe ich sehr viele verschiedene Einflüsse.

Sounds Of South:Was sind deine drei absoluten Inselplatten?
Wade Bowen: Aller Zeiten? Oh, das ist eine schwierige Frage. da überforderst du mich. Ich würde spontan sagen Guy Clark „Old No. One“, Patty Griffin „Thousand Kisses“ und das „Greatest Hits“-Album der Eagles (lacht).

Sounds Of South: Mit Randy Rogers warst du ja auch schon wieder zusammen aktiv. Wie verläuft da die Abstimmung, beziehungsweise die Zusammenarbeit zwischen euch?
Wade Bowen: Die klappt sehr gut, wir arbeiten ziemlich intensiv zusammen. Wir haben ein Live-Album fertig und auch die Aufnahmen zum neuen Studio-Album „Hold My Beer, Vol. 2“ sind beendet. Es wir nächstes Jahr herauskommen. Wir sind vom Ergebnis absolut begeistert und hoffen, dass es auch in Deutschland auf den Markt kommen wird.

Sounds Of South: Was schätzt du, wie viele Frauenherzen du schon mit deiner Reibeisenstimme zum Dahinschmelzen gebracht hast?
Wade Bowen: (Lacht herzhaft) Ich hoffe doch ein Menge! So verdient man sein Geld. Hol die Frauen in deine Shows und dann kommen die Männer gleich mit, hahaha!

Sounds Of South: Was macht Wade Bowen privat, wenn er mal keine Musik im Kopf hat?
Wade Bowen: Am liebsten beschäftige ich mich mit meinen Kindern. Ich liebe sie und wenn ich nicht unterwegs bin, bin ich total auf ihre Weiterentwicklung fokussiert. Ich bin leidenschaftlicher Golfspieler und schaue mir auch gerne Spielfilme an. Aber an erster Stelle, stehen, wie gesagt, meine Kinder.

Vielen Dank für das Gespräch, Wade!

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Das Interview in Englisch:

Sounds Of South: You are in business for quite long time, so why had it only worked out now to perform in Germany (aside from last year where you have to cancel because of a disease)?
Wade Bowen: Yes, it was very frustrating to cancel last year. We were trying to play over here a lot more and last year with my voice getting hurt and I had to cancel. It was very upsetting, but we start all over again now that we are here you know. It is something I want to continue and hopefully build keep coming back and watch it grow, hopefully.

Sounds Of South: I am just one of a very few who have published your great performances here for many years. So what do you think, why are artists so popular in the States as you, mostly only known to insiders in Germany?
Wade Bowen: Well I think as anywhere you go brand new you have to start over and get people familiar with your music. We have people like you that help us do that, but it is the same when we were in the States. We still go places trying to grow and make it bigger. It’s tough to get the music worldwide, we were finding that’s out, that’s why we are coming over here to tour and take looking get something going here, just as we would be in California, you know.

Sounds Of South: How are you able to create still that much catchy tunes, considering the inflationary mass of music and new releases?
Wade Bowen: You know I just loved it, I still love it, I’m always looking for something new to write and record and always pushing myself to be better so I hopefully that drive keeps my career growing and keeps the records coming.

Sounds Of South: There was a time in the „Red Dirt-genre“, when the acts and new records sprang up like mushrooms. Meanwhile, it has felt much calmer. How actually would you rate this? Who are the most talented ones at the moment from your point of view?
Wade Bowen: I think there are still that many going as they were. They are probably not as well known in Germnany, but there are still quite a few popping up in the red dirt scene down there were we are. I think if it feels common than that’s ok. I think the success is still going on down there as well as it’s ever been. There are some talented people. The most one right now in the red dirt scene, who’s getting the most national exposure in the United States is Cody Johnson. He is from our red dirt scene and kinda came up to that and he is really taking red dirt and country music to a really popular level.

Sounds Of South: Please tell us something about your – with so many strong songwriters and musicians – created new current album („Solid Ground“).
Wade Bowen: „Solid Ground“ is the hardest I’ve ever worked on an album. I called on so many friends and so many people helped me write and record that project. So it is a love letter to Texas. I really wanted people to be able to hear were I come from and what’s the the sound of Texas is. And i think that’s what you hear in this project. It is Rock, it is Country, it’s blues, it’s all of those things.

Sounds Of South: Which musicians have influenced you most during your career?
Wade Bowen: I would say Bruce Springsteen I named my son Bruce, because I’m I big fan of him. Guy Clarke, George Strait, just to name a few. I have quite a diverse group of influences.

Sounds Of South: What are your three absolute Island plates?
Wade Bowen: Ever? Uuh, that’s a touph one, you’re swamping me. I’d say just of the top of my head Guy Clark „Old No. One“, Patty Griffin „Thousand Kisses“ and Eagles „Greatest Hits“ (laughs).

Sounds Of South: Your were already active together with Randy Rogers again. How is actually going the coordination between the two of you, respectively the cooperation?
Wade Bowen: „It’s going really well. We are working on and on. We released another live album and we’re finshed a new studio album „Hold My Beer, Vol. 2“, which will be out next year. We are really proud and excited about the record and it hopefully will be out here as well.

Sounds Of South: What do you think, how many women’s hearts have you made melt away with your grindstone voice?
Wade Bowen: (laughs) Hopefully a lot! That’s how you make your money! Get the women to your shows and the men will come, too, hahahah!

Sounds Of South: What makes Wade Bowen private, when he has no music in his head?
Wade Bowen: I hang out with my kids, I love my kids, when I’m not on the road I focus on them and what they have going on, I love to play golf and I love movies, but mostly hanging out with my kids, That’s what I do.

Thank you very much, Wade!

Bilder: Jörg Schneider
Interview: Daniel Daus

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Wade Bowen – Support: Jamie Freeman – 06.08.2019, Blue Shell, Köln – Konzertbericht

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Was hatte ich letztes Jahr dem Köln-Auftritt von Wade Bowen, einem meiner ganz großen Lieblingskünstler im Red Dirt-, Country Rock-Geschehen, entgegen gefiebert, der ja bekannter Weise, wie auch seine anderen Gigs hier bei uns, wegen seiner Erkrankung, dann leider abgesagt werden musste. Immerhin hielt der sympathische Texaner Wort, dass die Konzerte in jedem Fall nachgeholt werden.

Und tatsächlich, am gestrigen Abend war es endlich soweit, on top erhielten wir sogar die Gelegenheit ihn im urig kleinen, aber sehr gemütlichen Backstage-Raum des Blue Shells interviewen zu können (siehe demnächst hier in unserem Magazin). Der Besuch war für ein Debüt in der kulturell lebhaften Domstadt für einen Dienstag Abend mit um die 80 Zuschauer, ordentlich besucht. Im Country (Rock)-Genre ist in Deutschland immer noch viel Pionierarbeit zu leisten, aber es kommt dank der Labels und einiger engagierter Promotion-Agenturen langsam in Fahrt.

Zunächst präsentierte sich aber der britische Singer/Songwriter Jamie Freeman mit hintergründigen Texten (u. a. thematisierte er den aus den Medien bekannten Hochhausbrand in London mit „The Fire“, als auch seine, nicht von Rosen gebettete Kindheit „Rum And Coke“), als Alleinunterhalter mit seiner Akustikgitarre und legte den Fokus stark auf sein im Mai herausgekommenes Album „Dreams About Falling“.

Vom eröffnenden „Standing On A Star“ bis zum finalen „All In The Name“ dürfte er mit seiner authentischen Show so einige neue Freunde unter den Anwesenden erschlossen haben. Er wurde jedenfalls nach seinen Liedern, als auch am Ende, mit viel Beifall verabschiedet. Eine kurzweilige Angelegenheit.

Um 21:30 Uhr war dann der lang herbei gesehnte Moment gekommen, als sich Wade Bowen mit seinem Begleitmusiker Nick Gardner auf den bereit gestellten Barhockern, auf der wie so oft, in monotonem Rotlicht bestrahlten Flach-Bühne niederließen (Bilder deshalb leider nur in s/w). Trotz des Openers „Trouble“ waren die beiden Musiker keinesfalls auf Ärger gebürstet, sondern es sollte sich ein sehr schöner interaktiver und vor allem unterhaltsamer Gig entwickeln.

Die Chemie zwischen Publikum und Protagonisten stimmte von Anfang an, was nicht nur Bowens herrlichem Reibeisengesang geschuldet war, sondern in erster Linie seiner kommunikativen, oft von einer gewissen Selbstironie geprägten Art vor den Tracks. Da wurde viel gewitzelt und auch seitens des Publikums (es waren auch einige Amis drunter) gestichelt, zum Beispiel als das Thema Randy Rogers bei „‚Til It Does“ (vom „Hold My Beer – Vol. 1„-Werk) angeschnitten wurde.

Unter die Haut ging es, als Wade mit belegter Zunge vor „Death, Dyin‘ And Deviled Eggs“ ein paar Worte über sein ‚Seuchenjahr‘ 2018 mit der oben angesprochenen Krankheit (als er Angst hatte, seine Stimme zu verlieren) und dem Tod seines Neffen Chase erzählte.

Wurde sich am Anfang mit Tracks wie u. a. „Couldn’t Make You Love Me“ (Wade mit Harp-Einsatz), One Step Closer“, „West Texas Rain“ an die auf dem Boden liegende Setlist gehalten, wurde dann im zweiten Teil auf Zuschauerwünsche eingegangen und spontan agiert. Richtig rockig wurde es eigentlich nur bei „Fell In Love On Whiskey“, bei dem dann auch Nick Gardner an der Harp rumplusterte und auch mal mit dem Glas-Bottleneck in Slide-Manier über den Gitarrenhals schwurbelte.

Nick begeisterte vor allem mit mit seinen vielen kleinen filigranen Zwischen-Soli, erwies sich aber auch bei wenigen Stücken („Til It Does“) als kongenialer Harmoniesänger zu Wade. Ein Highlight – wie auch auf dem aktuellen Album „Solid Ground“ – war natürlich, das mit dezentem „Hotel California“-Flair in Tex-Mex-Style performte „Day Of The Dead“. Herrlich!

Mit dem von Bowen-Mentor Ray Wylie Hubbard mit erhobenen Zeigefinger abgenommenen, hochzeitskompatiblen Stück „Who I Am“ aus Wades kompositorischer Frühphase, dem Ohrwurm „Saturday Night“, und dem, mit herrlicher Hook bedachten „Sunshine On A Dreamer“, war die Akustik-Deutschland-Premiere des Texaners auch schon wie im Fluge zu Ende.

Der tosende Applaus sorgte zumindest noch mit „If We Ever Make It Home“ für einen einmaligen Nachschlag und das Versprechen, im nächsten Jahr mit kompletter Band zurück zu kehren. Somit schön zu wissen, dass auch 2020 das Bowen-Fieber wieder gesichert ist…

Line-up Jamie Freeman:
Jamie Freeman (lead vocals, acoustic guitar)

Line-up Wade Bowen:
Wade Bowen (lead vocals, acoustic guitar, harp)
Nick Gardner (acoustic guitar, slide-guitar, harp, vocals)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

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Blue Shell Köln

Mac Powell And The Family Reunion – Back Again – CD-Review

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Review: Michael Segets

Thirty Tigers hat mit Mac Powell einen Country-Rocker ins Programm genommen, der mit „Back Again“ einen äußerst gelungenen Einstand auf dem Label feiert. Vormals mit Third Day, einer christlich orientierten Rockband unterwegs, wandelt er mittlerweile auf Solopfaden. In Eigenproduktion hat Mac Powell vier Alben, davon zwei mit The Family Reunion, herausgebracht.

Thematisch kreisen die Texte auf „Back Again“ oftmals ums Unterwegssein und Ankommen, um glückliche oder weniger geglückte Beziehungen, also durchaus um weltliche Dinge. Dass Powell aus der christlichen Ecke kommt, scheint nur in einzelnen Songs wie bei „Flood Water“ dezent durch. Das Stück liefert ebenso wie der Opener „Back Again“ einen sehr schön erdigen Country Rock. Ebenso rockig, aber mit geringerem Country-Einschlag folgen „Whoo!“ und „Watermelon Rind“.

Nach einer kurzen Verschnaufpause mit „Red On A Rose“ – meinem Favoriten unter den ruhigen Tracks –, dessen Melodie von Klavier und Gitarre bestimmt wird, folgt mit „I’m Beginning To Wonder“ nochmals ein stampfender Country-Rock-Song. Danach lässt der Mann aus Alabama die sanfte Midtempo-Nummer „Going To California“ mit Country-typischem Rhythmus und entsprechendem Slide folgen.

Die Ballade „I Could Get Used To This“ hat in der Sparte Hit-Potential. Eingängig folgt sie dem Muster moderner Country-Balladen, wird aber von Powell rootsig arrangiert, sodass sie sie eine übermäßige Süße umschifft. Später wimmert auf „Heaven“ die Slide etwas mehr, das Stück kommt aber mit einem ausgiebigen Gitarrensolo am Ende richtig in Fahrt und geht in Richtung Southern.

Ebenfalls zu den getragen Titeln gehört „Sittin‘ Here Talking With You“, das aus der Feder von Barry Bayles und Chris Stapleton stammt. Bei allen anderen Stücken war Mac Powell am Songwriting zumindest beteiligt.

Neben den Balladen finden sich in der zweiten Hälfte des Albums „Tiptoein‘“, „What I Came Here For“, „Mess Of Me“ und „Settling Down“, die sich nicht nur im mittleren Tempo bewegen, sondern auch zwischen Rock und Country, wobei die Nadel tendenziell zum Rock hin ausschlägt. Die Titel liegen allerdings allesamt deutlich über dem Mittelmaß. Zum Abschluss folgt mit „Mississippi“ noch ein Höhepunkt mit kraftvollem Rhythmus und ebensolchem Chorus.

Im ersten Teil des Longplayers überwiegt eine rockige Note, im zweiten wird das Tempo etwas zurückgenommen. Die Midtempo-Songs haben ebenfalls Power und sind zudem abwechslungsreich. Auch die Balladen sind unterschiedlich angelegt und auf die jeweilige Art gelungen, wobei das Cover die schwächste ist – aber das mögen Fans von Chris Stapleton anders sehen.

Insgesamt lässt sich das Album kurz und bündig mit dem Titel des dritten Songs umschreiben. „Whoo!“ Mac Powell And The Family Reunion setzen mit ihrem Album „Back Again“ ein Ausrufezeichen in Sachen Country Rock, der sich noch als Roots Rock versteht. Handgemacht und erdig – statt aufgeplustert und glattgezogen – lautet das Programm, mit dem die überzeugenden Songs umgesetzt werden.

Thirty Tigers (2019)
Stil: Country Rock

Tracks:
01. Back Again
02. Flood Waters
03. Whoo!
04. Watermelon Rind
05. Red On A Rose
06. I’m Beginning To Wonder
07. Going To California
08. I Could Get Used To This
09. Tiptoein’
10. Heaven
11. What I Came Here For
12. Mess Of Me
13. Settling Down
14. Sittin’ Here Talking With You
15. Mississippi

Mac Powell And The Family Reunion
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Lick Creek – Too Damn Country – CD-Review

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Das schöne an der Arbeit in Sounds Of South sind die positiven Überraschungen, die einen manchmal wie aus dem Nichts ereilen. Vermutlich wäre die Scheibe „Too Damn Country“ von Lick Creek, im Wust der heutigen Veröffentlichungen, spurlos an mir vorüber gegangen, wenn sie mir nicht von Two Side Moon Promotion, mal auf Verdacht, als mp3-Files zugemailt worden wäre.

Lick Creek wurden Ende 2013 von Fronter Lance Stone (male vocals) gegründet, bis sich die heutige Formation mit Maddie Brown (female vocals) als weiblicher Counterpart, Ryan King (lead guitar/mandolin/pedal steel), Robert Bryant (drums), Tyler Landess (lead guitar) und Steve Gragert (bass), gefunden hatte.

Nachdem man zunächst mit Coversongs begonnen hatte, brachten es ihre ersten vielversprechenden Eigenkreationen zum Support von namhaften, auch bei uns reviewten Interpreten wie u. a. David Nail, Aaron Lewis, The Steel Woods oder Cody Jinks. Die Teilnahme am Kontest ‚Nash Next’ brachte die Band unter die letzten 10 Bewerber von immerhin 1.750 gestarteten Acts. In der Jury bestehend aus Desmond Child, Kix Brooks, Scott Brochetta und Brantley Gilbert, hinterließen sie besonders beim Partner von Ronnie Dunn (Brooks & Dunn) bleibenden Eindruck.

Mittlerweile ist nach einer EP jetzt ihr erster Longplayer, allerdings ‚leider‘ muss man hier sagen bzw. schreiben, mit nur mit 9 Tracks fertig. Wenn man das prozessionsartige Intro noch ausklammert, kommt man eigentlich nur auf acht Stücke, die dafür aber allesamt gelungen sind und keine Schwachstelle oder Hänger beinhalten.

Dabei hat man den Eindruck, dass die Band ihre finale Marschroute, was ihren Stil betrifft, noch nicht ganz gefunden hat. Da wird von Country-/Southern Rock („Holy Water“, das launige „Big Dogs“), keltischem Folk („Anna Lynn“), New Country („Mississippi“, „Crazy Things“ und „Too Damn Country“) bis hin zu Americana-/Roots Rock-Liedern („See You Again“ und „Radio On“) ordentlich, aber sehr gekonnt und mit viel Feingefühl, gemischt. Aber vielleicht setzt man ja auch bewusst auf Bandbreite.

Überragend der variable Gesang von Lance Stone, der sich von der Stimmlage, je nach Musikstil, in Sphären von Garth Brooks, über Blake Shelton bis zu Ed Jurdi bewegt. So erinnern die famosen Lieder „See You Again“ (was für ein Ohrwurm!) und „Radio On“ unweigerlich an die Band Of Heathens. Herrlich dazu passend und auf den Punkt, die immer wieder eingeflochtenen Harmoniegesänge von Maddie Brown.

Auch die starke, einfühlsame Rhythusfraktion, sowie die beiden Gitarristen (mit klasse E- und Slidearbeit), machen einen exzellenten Job, wobei Ryan King, on top mit klirrenden Mandolineneinlagen und wimmernder Steel, beeindruckende musikalische Multitaskingfähigkeiten offeriert.

Wenn dann zum Abschluss das herrliche „Radio On“ mit der gut gemeinten Empfehlung ‚make love with the radio on‘ läuft, würde man da ja gerne nachkommen. Allerdings können die Bandmitglieder von Lick Creek nicht ahnen, welche musikalische Gräueltaten in den hiesigen Stationen, besonders bei uns NRW, verübt werden.

Da empfiehlt es sich dann doch eher, dafür einen schönen Sampler oder eine dementsprechend geeignete CD in Player zu legen, und gerne dann auch mit so herrlichen Stücken von Lick Creek wie „See You Again“ oder „Crazy Things“. Insofern entpuppt sich „Too Damn Country“ von Lick Creek, aufgrund der eher überschaubaren Dauer, als flotter Quickie, der aber umso nachhaltiger im Gedächtnis bleibt.

Eigenproduktion (2019)
Stil: Country Rock

Tracks:
01. The River (intro)
02. Holy Water
03. See You Again (recorded live in studio)
04. Anna Lynn
05. Big Dogs
06. Mississippi
07. Crazy Things
08. Too Damn Country
09. Radio On (recorded live in studio)

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Caleb Johnson & The Ramblin‘ Saints – Born From Southern Ground – CD-Review

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Schön ist es immer, wenn das Geben und Nehmen im Leben, in einem gesunden Verhältnis stehen. Daran sollte sich vor allem die kleine superreiche, immer mehr Geld scheffelnde, nimmer satte Bagage in unserem Land, mal ein Beispiel nehmen. Und unsere verehrte SPD schaut freudig, mit sich selbst beschäftigt, seit zig Jahren zu, und wundert sich, warum ihr die Arbeitnehmer in Scharen das Kreuzchen auf dem Wahlzettel verweigern.

In diesem Fall hat sich ein Gewinner bei einer unserer Verlosungen, Markus Heselmeier, bei mir gemeldet und mir als kleines Dankeschön nachträglich, die neue, kürzlich erschienene CD von Caleb Johnson & The Ramblin‘ Saints, „Born From Southern Ground“, ‚warm ans Herz gelegt‘. Eine nette Geste, wie ich finde.

Und Junge-Junge, er hat wirklich recht. Was der Gewinner der 13. American Idol-Staffel hier samt involvierter Musiker und Backgroundsängerinnen (u. a. Audley Freed, Kenny Greenberg, Fred Eltringham, Mike Webb, Tony Lucido, Josh Sawyer, Brennan Dugan, Angela Primm, Gale Mayes, Devonne Michelle) unter der Co-Produktionsregie von Nashville-Musiker Bryan Sutton in Zac Browns Southern Ground Studio, ablieferte, ist atemberaubend.

Was für eine grandiose Gesangsmeisterleistung von dem aus Asheville, North Carolina, abstammenden Protagonisten (phasenweise wie ein Mike Zito oder Warren Haynes auf Speed) und auch der drei immer beteiligten Backgroundmädels, die eine Atmosphäre erzeugen, als wenn ein ganzer Kirchenchor zugegen wäre.

Allein der furiose, episch anmutende Opener „Holding On„, mit der Who-Orgel direkt zu Beginn, den treibenden Drums und E-Gitarren, dürfte selbst Hard Rock-Fans, den Mund wässrig machen. Und dann immer wieder der sich ‚reinstürzende‘, bis in die Spitzen motivierte Gesang, samt der choralen weiblichen Begleitung, herrlich.

Keineswegs solide, aber Gold wert, ist das swampige „Solid Gold“, wieder mit nahezu euphorischen Gesängen und einem tollen Slide-Solo. Wozu eine ‚liebestechnische Unterzuckerung‘ bei Johnson hinführen könnte, beweist das unter heftigen Drums sowie funkigen Gitarren und Keys groovende „Sugar„. Johnson rastet am Mikro förmlich aus. Klasse hier auch die Tempowechsel.

Kommen wir zum Part der Lieder, die gut auch auf das erste Album der Black Crowes gepasst hätten (Calebs Gesang selbstredend ähnlich dem von Chris Robinson). Da wäre zunächst das cool shuffelnde „Born And Raised“ mit dem euphorischen Refrain und die beiden famosen Versionen von „Hanging With The Band“, einmal in ‚Vollmontur‘ und am Ende in einer ‚Stripped Down‘-Geschichte mit Akustikgitarren, viel Slide und Piano (stark wie am Ende die Slidegitarre immer wieder auf den Gesang ‚antwortet‘).

In meiner Jugend hätte die soulige Ballade „Blind“ das Zeug zum Klammerblues auf den einschlägigen Feten gehabt. Nicht zu vergessen das fast metal-artig, vehement stampfende „Ride With The Devil“, das in seinem psychedelischen Finale mit krachenden Speeddrums und sirenenartigen E-Gitarren, kriegerischer Endzeitstimmung gleicht.

Gut, dass Caleb und die Mädels zu Pianoklängen mit der Refrainzeile von „It’s Not The End“, die Gemüter beim anschließenden Lied wieder zu beruhigen versuchen. Ein schöner gospeliger, pathos-getränkter Melodic Rocker mit southern typischer E-Gitarren-Twin-Einlage und Orgelhall zum Schluss.

Caleb Johnson & The Ramblin‘ Saints sollte von jedem, der in der Southern, Melodic- oder Hard Rock-Sparte seine Vorlieben hat, mal ein Chance bekommen. Man erhält eine ultra-engagierte Gesangsleistung eines vokalen Vulkans in tollem Songmaterial, eingespielt von erhabenen Musikern der Nashville-Szene. Das ist bei Gott kein Geschwafel! Zulegen und Staunen! Nochmals herzlichen Dank an Markus Heselmeier für diesen hervorragenden Geheimtipp!

Big Johnson Records (2019)
Stil: (Southern) Country Rock

01. Holding On
02. Solid Gold
03. Sugar
04. Born And Raised
05. Better Off Alone
06. Blind
07. Hanging With The Band
08. Ride With The Devil
09. It’s Not The End
10. Hanging With The Band (Acoustic)

Caleb Johnson & The Ramblin‘ Saints
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Reckless Kelly – Bulletproof Live – CD-Review (digital)

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Wenn man sich mit Red Dirt-Rockmusik beschäftigt, kommt man am Namen der Familie Braun nicht vorbei. Deren vier Söhne spielen in gleich zwei maßgeblichen Acts des Genres eine gewichtige Rolle. Und zwar zum einen die beiden jüngeren Micky und Gary bei Micky And The Motorcars, sowie Willy und Cody bei Reckless Kelly.

Bei beiden Bands hatte ich schon mal das Vergnügen, live zugegen zu sein, was allerdings schon längere Zeit her ist. Micky And The Motorcars tauchten 2010 mal völlig überraschend in Duisburg auf, und spielten, weil sie kaum einer kannte, vor einer sehr überschaubaren Anzahl von Leuten.

Bei Reckless Kelly war es anders, die trumpften zu Zeiten, als es noch das tolle Blue Highways Festival im niederländischen Utrecht gab, im großen, prall gefüllten Saal auf, ein Highlight der damaligen Veranstaltung im Jahr 2004.

2008 spielten Reckless Kelly ihr kontrovers angenommenes Album „Bulletproof“ ein, das sich 2018 zum zehnten Mal jährte und im Rahmen ihrer US-Sommer-Tour noch einmal live eingespielt und in gleicher Abfolge zusammengestellt wurde, lediglich ergänzt um den uralten Jimmie Rodgers-„California Blues (Blue Yodel #4)“.

Geboten bekommt man natürlich den typischen Reckless Kelly-Sound mit Willy Brauns charismatischem Gesang. Treibende Red Dirt-Rocksongs, die mit einer Bruce Springsteen-ähnlichen Wucht und Art voranpreschen („Ragged As The Road“, „Love In Her Eyes“, „American Blood“, „Wandering Eye“), aber auch unter die Haut gehende, melancholische Balladen und Ohrwürmer wie „I Never Had A Chance“, „How Was California?“, „Don’t Say Goodbye“, „God Forsaken Town“ sowie das grandiose Titelstück mit seinem furiosem, psychedelisch anmutenden Instrumentalfinale.

Der mittlerweile ausgeschiedene Gitarrist David Albeyta liefert sich herrliche Scharmützel mit Mandolinen- und Fiddle-Spieler Cody Braun. Einen nicht unerheblichen Teil am Gelingen des Projekts haben allerdings auch die omnipräsenten Orgelklänge, die dem RK-Sound ordentliches Zusatz-Volumen verabreichen.

Auch die Harp-Einlage bei „A Guy Like Me“ und sporadische Akkordeon-Klänge bei „I Never Had A Chance“ und dem Jimmie Rodgers-Stück (zweifach integrierte Solokombi aus Fiddle, E -Gitarre und Akkordeon), bieten immer wieder herrliche Farbtupfer.

„Bulletproof Live“ huldigt in würdiger Weise ein vergangenes Kapitel der Texaner und bietet einen schönen Vorgeschmack auf die anstehenden Live-Termine. Es erscheint am 21. Juni in digitaler Form. Warum der Westen bei der Tour dieser tollen Truppe leider nur im abgelegenen musikalischen Niemandsland berücksichtigt wurde, bleibt allerdings das Geheimnis der federführenden Booking-Agentur.

Reckless Kelly auf Tour ab 27. Juni:
27.06. Eppstein, Wunderbar Weite Welt
28.06. Neustadt an der Weinstrasse, Kulturhalle Lachen
29.06. Bad Rappenau, Schlosshof Bonfeld
01.07. Arnstadt, Kulisse
02.07. Olsberg, Linie 73 Alter Bahnhof Bigge
03.07. Nürnberg, Kuenstlerhaus Kantine
04.07. Hamburg-Bergedorf, Club am Donnerstag
05.07. Isernhagen, Blues Garage
06.07. Lauchhammer, Real Music

No Big Deal Records (2019)
Stil: Country Rock/ Red Dirt

01. Ragged As The Road
02. You Don’t Have To Stay Forever
03. Love In Her Eyes
04. Passin‘ Through
05. I Never Had A Chance
06. One False Move
07. A Guy Like Me
08. American Blood
09. How Was California?
10. California Blues (Blue Yodel #4)
11. Mirage
12. Don’t Say Goodbye
13. God Forsaken Town
14. Wandering Eye
15. Bulletproof

Reckless Kelly
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Kiefer Sutherland – Reckless & Me – CD-Review

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Es gibt, was meinen Musikgeschmack betrifft, eigentlich nur zwei Schauspieler aus dem amerikanischen Show Business, die bei mir nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Und das sind bisher Kevin Costner und John Corbett. Mit dem Kanadier Kiefer Sutherland (Sohn von Ehren-Oscar-Preisträger Donald Sutherland), bei uns in erster Linie durch zahlreiche Spielfilme wie u. a. „Young Guns“, „Flatliners“, „The Jury“ oder die Echzeitserie „24“ (als Jack Bauer) bekannt, gesellt sich jetzt ein weiterer hochkarätiger Akteur hinzu.

War sein Debütalbum „Down In A Hole“ schon nicht von schlechten Eltern (man erinnere sich nur an das grandiose „Going Home“), legt er jetzt mit „Reckless & Me“ ein absolutes Country Rock-Meisterwerk nach. Produziert (als auch kompositorisch und instrumentell involviert) hat es erneut sein Freund Jude Cole (früher Mal in Moon Martins Backgroundband tätig, heute auch Producer u. a. von Lifehouse). Auch das Engros der Musiker (Brian MacLeod, Jim Cox, Greg Leisz und die Backgroundsänger/innen Chaz Mason, Samantha Nelson und Carmel Echols) hat zum großartigen Ergebnis dieses Werks wieder beigetragen.

Wer Sutherland bis dato durch die Synchron-Stimme von Tobias Meister im Kopf hat, wird zunächst durch das wunderbar rauchige Vokalorgan des 52-jährigen Medien-Omnisassas beeindruckt, das für das wunderbare Konglomerat aus Country-, Southern Rock und Americana-Zutaten, natürlich prädestiniert ist. Warum ist „Reckless & Me“ noch ein wenig stärker als der Vorgänger?

Das Songmaterial ist einfach einen Tick besser, melodischer, es greift effektiver ineinander, es packt einen irgendwie viel intensiver. Der bekannteste Track dürfte der Opener „Open Road“ sein, den hat Kiefer vor einiger Zeit – ich trau es mich kaum zu schreiben – in der Helene Fischer Show im Duett mit ihr performt hat (wenn man ehrlich ist, mit respektablem Ergebnis, besonders die Blondine überrascht mit Carrie Underwood in Nichts nachstehenden, countryesken Vocals). Hier auf dem Silberling kommt er natürlich in weniger effekthascherischer Weise im Midtempobereich, etwas downgestrippt und mit nur dezenten Harmoniegesängen.

Das mit herrlichen Pianoklimpereien durchzogene, temperamentvolle und treibende „Something You Love“ geht durch Mark und Bein. Bruce Springsteen und Bob Seger lassen grüßen, ein Killertrack für’s Live-Repertoire. Die Southern Soul-Ballade „Faded Pair Of Blue Jeans“ mit seinen, wie durch einen lauen Wind smooth wehenden Twin-Gitarren, erzeugt Gänsehaut, der Titeltrack besticht dagegen durch seine schwermütige bluesige Note (klasse Bariton-E-Gitarre, grandiose Slide-Soli).

Das in Kid Rock-Manier lässig dahin schunkelnde „Blame It On Your Heart“ (HT-Piano, launige ‚Oh yeah‘-Harmonie-Gesänge, Steel-Geleier) beschließt die erste Hälfte. Mit dem Bakersfield-Countryfeger „This How It’s Done“, dem Tex-Mex-umwehten „Agave“ („La Grange“-reminiszierende E-Hook“, Salsa-Note) und dem
dem saucoolen Southern-Schwofer „Run To Him“ (klasse weibliche Harmonies, tolles HT-Piano-Solo, Organ, Slide-Solo) folgt ein fantastisches und facettenreiches Trio. Einfach toll, wobei auch immer wieder Kiefers anpassungsfähiger raspeliger Gesang erwähnt werden muss!

Die beiden Endstücke gehen dann mit autobiografischem Charakter einher. In der etwas Pathos-getränkten, wunderbar melodischen Ballade „Saskatchewan“ kochen ein wenig die Kindheits- und Heimatgefühle des Protagonisten hoch, während das grassige „Song For A Daughter“ seiner mittlerweile ins Frauenalter entrückten Tochter Sarah, die es ja ebenfalls bereits zu gehobenen Schauspielehren gebracht hat, gewidmet sein dürfte.

Hier sieht man vorm geistigen Auge Kiefer auf der Veranda seiner Villa nach ein paar Gläschen Whiskey im Kreise seiner Mitmusiker sitzen, die seine melancholischen Schwelgereien bezüglich des mittlerweile groß gewordenen Mädels, mit den typischen Instrumenten wie Akustikgitarre, Mandoline, Akkordeon & Co. begleiten. Ein emotionaler Abschluss mit relativ niedrig gehaltenem Kitsch-Faktor.

Kiefer Sutherland hat mit „Reckless & Me“ einen Longplayer hingelegt, der ohne Zweifel zu den ganz großen Jahres-Highlights zählen wird. Wer Musiker wie Bruce Springsteen, Bob Seger, John Mellencamp, Tom Petty, John Corbett, Will Hoge, John Hiatt und Konsorten mag, kann bedenkenlos zugreifen und wird, so behaupte ich es mal, begeistert sein. Was meine persönlichen Überraschungen betrifft, hat mich kein Album seit Kid Rocks „Born Free“ so schnell wieder in positiver Hinsicht vereinnahmt. Dicke Kaufempfehlung!

BMG Rights Management
Stil: Country Rock

Tracks:
01. Open Road
02. Something You Love
03. Faded Pair Of Blue Jeans
04. Reckless & Me
05. Blame It On Your Heart
06. This How It’s Done
07. Agave
08. Run To Him
09. Saskatchewan
10. Song For A Daughter

Kiefer Sutherland
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