Matt Horan – You Ain’t Country – Vinyl-Review

Review: Michael Segets

Mit seinem starken Solo-Debüt „Tears From The Mountain” sowie dem begeisternden Auftritt in der Kulturrampe letztes Jahr, hat sich Matt Horan in mein Herz gespielt. Entsprechend gespannt war ich auf den dort angekündigten Longplayer.

Während er auf seinem ersten Album als American Folk Singer stilsicher allein mit Gitarre oder Banjo unterwegs war, holte er sich für „You Ain’t Country“ die C.A.F. Band (Country As Fuck Band) ins Boot. Eine Band im Rücken zu haben ist für Horan nichts Neues. Über eine Dekade war er der Frontmann von Dead Bronco.

Dead Bronco nahm zwar eine Tribute-EP für Hank Williams auf, die Ausrichtung der Band ging aber eher in Richtung Punk oder Dark Folk. Nach der Auflösung der Band will Horan mit seinen Soloprojekten einen anderen Weg gehen. Auf seinem aktuellen Album kehrt er zu seinen Wurzeln, die im Country liegen, zurück.

Seinem Hang zum frühen Country lässt Horan zum Abschluss des neuen Werks freien Lauf. Mit Jodeln und Pedal Steel feiert er ihn mit der Ballade „Call To My Kin“. Dieser Beitrag setzt sicherlich einen Kontrapunkt zu den anderen Stücken, obwohl zuvor der Honky Tonk „Going Insane“ mit seinem Twang musikalisch ebenfalls eher traditionellen Bahnen folgt. „Cocaine Carolina“ kann gleichfalls in die Kategorie der Stücke eingereiht werden, die sich deutlich am Country klassischer Machart orientieren.

Der bereits von Johnny Cash eingespielte Song stellt das einzige Cover neben den neun Eigenkompositionen dar. Diese schlagen meist ein ordentliches Tempo – wie der Titeltrack – an, wobei auch einzelne langsame Beiträge („Paid In Blood“) eingestreut sind.

Weit entfernt von dem oftmals glattgebügelten Sound der Marke Nashville lässt uns Matt Horan an seiner Interpretation des Country teilhaben. Seine unmittelbare und raue Auslegung typischer Genre-Elemente, teilweise angereichert durch eine alternativ-punkige Attitüde, loten dessen Möglichkeiten aus. Tradition und Progressivität stehen nebeneinander und verschmelzen bei einigen Kompositionen. „You Ain`t Country“ hält somit spannende und intensive Hörerlebnisse bereit.

Dort, wo Horan spielerisch mit den Elementen des Country umgeht, läuft er zu Hochform auf. Der Opener „That’s Evil“ und „Appalachia“ sind zwei Uptempo-Nummern, die einen herrlich ungeschliffen, wild wirkenden Sound anschlagen. Einen maßgeblichen Anteil daran hat Horans Gesang. Mit ihm punktet er ebenso bei „Abilene“ und „Prodigal Son“.

Neben dem Eröffnungstrack zählt der letztgenannte Song zu meinen Favoriten auf dem Longplayer. Ebenfalls bemerkenswert ist „Conversing With The Devil“. Bei dem Song entfernt sich Horan rhythmisch weiter vom Country als bei den anderen Tracks und erzeugt dabei eine besonders dunkle Atmosphäre.

Für den Rhythmus der C. A. F. Band sind Fernando Chiquito an den Drums und Chus Cardin am Upright Bass verantwortlich. Gabi Perez steuert Pedal Steel und Dobro bei. Mit seinem hervorragenden Gitarrenspiel unterstützte Alex Atienza Horan bereits bei der zurückliegenden Tour.

Dead Bronco kündigte noch für Mai und Juni einige Konzerte in Europa – auch wieder in der Kulturrampe – an. Nach der plötzlichen Auflösung der Band wurden die Auftritte abgesagt. Wann Horan zukünftig den alten Kontinent besucht, bleibt daher offen. Der Weltenbummler lebte in den letzten Jahren hauptsächlich in Spanien. Als junger Familienvater verlagerte er seinen Lebensmittelpunkt nun allerdings zurück nach Davie, Florida. Zu wünschen wäre, dass er sich dennoch – gegebenenfalls mit der C. A. F. Band – bald wieder in unseren Gefilden blicken lässt.

Cowboy Trash Records (2022)
Stil: Country

Tracks:
01. That’s Evil
02. Going Insane
03. Prodigal Son
04. Abilene
05. Cocaine Carolina
06. Appalachia
07. Paid In Blood
08. You Ain’t Country
09. Conversing With The Devil
10. Call To My Kin

Matt Horan

Hayes Carll – You Get It All – CD-Review

Review: Michael Segets

Der mehrfach ausgezeichnete Hayes Carll bringt nach zwei Jahren den Nachfolger zu „What It Is“ heraus. „You Get It All“ knüpft nahtlos an seine vorherige Scheibe an. Sie bietet wieder feine Songs mit sensiblen Texten, die mehrmals mit einer Prise scharfzüngigem Humor gewürzt sind. Insgesamt gelingt Carll ein Album, das das hohe Niveau noch konstanter als der Vorgänger hält. Einen Vergleich mit Musikern wie John Prine, Hank Williams, Jr. oder Randy Travis braucht er nicht zu scheuen.

Carll sieht seine musikalischen Wurzeln im Country, was am Anfang der CD augenfällig wird. Der zusammen mit den Brothers Osborne geschriebene Opener „Nice Things“, der Titeltrack mit besonders eingängigem Refrain oder auch das klassisch anmutende „Any Other Way“ zeigen, dass er die Spielregeln des Genres beherrscht. Er performt die Stücke erdig, gradlinig und locker heraus. Vor allem in der ersten Hälfte des Longplayers kommen Geige und dezenter Slide zum Einsatz. Dabei trifft Carll genau das richtige Maß.

Im hinteren Abschnitt des Albums setzt der Texaner dann verstärkt auf die Begleitung durch das Klavier („If It Was Up To Me“), teilweise ergänzt durch eine Orgel („The Way I Love You“), oder arrangiert einzelne Tracks etwas opulenter („Leave It All Behind“). Insgesamt dominieren die Balladen auf dem Werk. Textlich bewegend ist „Help Me Remember“. Aus der Perspektive eines an Demenz leidenden Mannes schildert er dessen Ängste und seinen Kampf um Identitätswahrung. Musikalisch bringt das Duett mit Brandy Clark, die „In The Mean Time“ mitkomponierte, Abwechslung.

„To Keep From Being Found“ überrascht durch seinen rockigen Einschlag. Der Country-Rocker im Geist der 80er mit Bar-Piano und flotter elektrischer Gitarre unterbricht die eher getragene Stimmung der Balladen. Eine expressive E-Gitarre hört man auf dem bluesigen „Different Boats“. Zu den Highlights des Albums zählt sicherlich der Outlaw-Country „She’ll Come Back To Me“. Nach der atmosphärischen Einstimmung durch eine akustische Gitarre setzt ein stampfender Rhythmus ein, der ins Blut geht. Die Geigen-Passage erinnert leicht an den Soundtrack von Gangstagrass zu der Fernsehserie „Justified“.

Bei manchen Songs können Ähnlichkeiten hinsichtlich des Songwriting-Stils mit Steve Earle ausgemacht werden. Der Vergleich mag vielleicht auf wenig Gegenliebe bei Carll stoßen, da seine Ehefrau Allison Moorer, die die CD co-produzierte und auch bei „If It Was Up To Me“ beteiligt war, dessen ehemalige Partnerin war. Aber der Hardcore-Troubadour ist ja musikalisch keine schlechte Referenz.

Mit „You Get It All“ lässt Hayes Carll dem vorangegangenen „What It Is” ein mindestens ebenbürtiges Werk folgen. Zwischen Country und Americana spielt Carll seine Stärken aus, die in seinem Songwriting sowie in den pointierten Texten liegen. Die Melodien scheinen ihm mühelos von der Hand zu gehen. Die Titel wirken selbst bei schweren Themen unverkrampft und unverstellt.

Dualtone Records (2021)
Stil: Americana, Country

Tracks:
01. Nice Things
02. You Get It All
03. Help Me Remember
04. Any Other Way
05. Different Boats
06. In The Mean Time
07. She’ll Come Back To Me
08. To Keep From Being Found
09. Leave It All Behind
10. The Way I Love You
11. If It Was Up To Me

Hayes Carll
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Oktober Promotion

Jason Ringenberg – Rhinestoned – CD-Review

Ringenberg 300

Review: Michael Segets

Hat sich Jason Ringenberg nach langer Abstinenz 2019 mit „Stand Tall“ eindrucksvoll zurückgemeldet, legt er nun mit „Rhinestoned“ nach. Zum Teil stammen die Songs noch aus der Phase seines vorangegangenen Albums – so „Nashville Without Rhinestones“, auf dem Ringenberg seinem Überdruss an den Entwicklungen im Musikbusiness Ausdruck verleiht. Dass sich Ringenberg entschlossen hat, dennoch weiterhin Alben zu veröffentlichen, ist ein Glücksfall, denn die Musik des Cowpunk-Rockers macht einfach Spaß.

Die neue CD weist einen stärkeren Country-Einschlag auf als der Vorgänger. Dies ist auch ein Grund dafür, dass „Stoned On Rhinestones“ erst auf dem aktuellen Longplayer seinen Platz fand. In dem flotten Track, den Ringenberg mit seiner typischen sarkastischen Attitüde vorträgt, nimmt er Bezug zu Hank Williams beflügelnder Musik. Da wundert es nicht, dass mit „You Win Again“ ein Song der Country-Ikone auf dem Album vertreten ist.

Ringenberg wollte verschiedene Phasen der Country-Musik aufgreifen. Er covert dazu das locker und gradlinig rockende „Time Warp“ von den Ozark Mountain Daredevils sowie „The Storms Are On The Ocean“ von der Carter Family. Kristi Rose übernimmt beim letztgenannten Stück die Rolle seiner Duett-Partnerin. Fats Kaplin (Hayes Carll, Tom Russell) steuert Geige und Akkordeon bei. Auf anderen Tracks ist er mit der Steel Pedal zugange. Schließlich widmet sich Ringenberg einem alten Kirchenlied und verpasst ihm eine punkige Erfrischungskur. Auf „Christ The Lord Is Risen Today“ wurde er durch seine Töchter Addie und Camille aufmerksam, die im Harmoniegesang zu hören sind.

Die stärksten Songs des Albums stellen allerdings die neueren Eigenkompositionen dar. Ringenberg musste sich diese nach eigener Aussage während der Pandemie förmlich abringen. Lediglich „The Freedom Rides Weren’t Free“ und „I Rode With Crazy Horse“ entstanden in einem Rutsch quasi über Nacht. Das eine ist eine starke Rocknummer in typischer Manier Ringenbergs, das andere ist ein ebenso typischer Midtempo-Song, der – wie bei ihm üblich – einen deutlichen Schritt neben dem Mainstream liegt. Beide sind klasse. „The Freedom Rides Weren’t Free“ setzt sich inhaltlich mit den Protesten gegen die Rassentrennung in den 1960 auseinander. Ringenberg schrieb das Stück kurz vor den Unruhen in den USA und der Black-Lives-Matters-Bewegung. Ringenberg war seiner Zeit mal wieder voraus.

Zu den weiteren Highlights zählt der Opener „Before Love And War“ mit Harmonien von Kristi Rose und schön staubigem Gitarrensound. George Bradfute spielt mehrere Gitarren und lässt diese auf „Keep That Promise“ kräftig scheppern. Ringenberg arbeitete mit Bradfute bereits zu Zeiten der Jason And The Scorchers zusammen und vertraute ihm auch diesmal die Produktion an.

Neben diesen beiden starken Country Rockern schlagen das selbstreferenzielle „My Highway Songs“ sowie das abschließende „Windows Town“ in die gleiche Bresche, sind aber etwas zahmer angelegt. Die eingängigen Refrains gehen ins Ohr und der unverwechselbare Gesang von Ringenberg sorgt dafür, dass sie dort bleiben.

Mit seinen angeschrägten Coverversionen von klassischen Country-Songs setzt Ringenberg sie nochmal in ein innovatives Licht. Allerdings läuft er vor allem bei seinen rockigen Eigenkompositionen erneut zur Hochform auf. „Rhinestoned“ ist kein polierter Strass, sondern ein ungeschliffenes Juwel – so wie Country Rock sein sollte.

Courageous Chicken Entertainment (2021)
Stil: Country Rock

Tracks:
01. Before Love And War
02. The Freedom Rides Weren’t Free
03. Nashville Without Rhinestones
04. The Storms Are On The Ocean
05. Christ The Lord Is Risen Today
06. I Rode With Crazy Horse
07. My Highway Songs
08. Time Wrap
09. You Win Again
10. Stoned On Rhinestones
11. Keep That Promise
12. Window Town

Jason Ringenberg
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Josh Turner – Country State Of Mine – CD-Review

Jotu_300

Review: Michael Segets

MCA Nashville bewies ein glückliches Händchen damit, Josh Turner unter Vertrag zu nehmen. Seit 2003 sind seine Alben und Singles regelmäßig in den amerikanischen Charts vertreten und belegen dabei häufig Spitzenpositionen und dies nicht nur in den Country-Listen. Über acht Millionen Verkäufe und zweieinhalb Billionen Streams sprechen für sich.

Nachdem er sich auf seinem letzten Longplayer „I Serve A Savior“ (2018) dem Gospel zuwandte, kehrt Turner nun zu seiner Domäne dem Country zurück. Dabei nimmt er sich einige Klassiker vor und holt sich zudem prominente Unterstützung. Bei der Playlist trifft Turner eine persönliche Auswahl und greift nicht auf die ganz großen Hits des Genres zurück.

Zwei Tracks stammen im Original aus den 1950ern: „The Caretaker“ von Johnny Cash sowie „Alone And Forsaken“ von Hank Williams. Bei dem letztgenannten, sehr stimmungsvollen Track ist Allison Moorer im Background zu hören. 1973 schrieb Kris Kristofferson „Why Me“. Den Walzer singt Turner im Duett mit dem Altmeister. Die anderen Stücke entstanden in den achtziger und neunziger Jahren.

Für die Neueinspielung von „I’ve Got It Made“ und „Forever And Ever, Amen“ gewann Turner mit John Anderson beziehungsweise Randy Travis die Musiker, die Songs zuerst aufnahmen. Titel von Waylon Jennings („Good Ol’ Boys”), Alan Jackson („Midnight in Montgomery”) und Bruce Robison/George Strait („Desperately”) covert Turner ebenfalls, womit sich die Riege der auf dem Werk berücksichtigten Countrygrößen nochmal steigert. Damen sind etwas insgesamt unterrepräsentiert. Das Trio Runaway June hat allerdings einen großartigen Auftritt bei „You Don’t Seem To Miss Me“.

Der Beitrag zählt wie das flotte „I Can Tell By The Way You Dance” zu meinen Favoriten. Der Song von Vern Gosdin wurde von Turner ebenso wie „I’m No Stranger To The Rain“ und „Country State Of Mine” öfter live gespielt. Mit dem Titeltrack verbindet Turner ein besonderes Bühnenerlebnis in Georgia, das er zusammen mit Chris Janson hatte. Deshalb holte er für die Albumaufnahme des Stücks von Hank Williams auch Janson hinzu.

Die radiotauglichen Songs bewegen sich überwiegend in einem mittleren Tempobereich. Mit seiner angenehmen Stimme, die wie für Country-Nummern gemacht scheint, performt Turner sie souverän. Dabei verzichtet er auf große Innovationen, sondern verneigt sich vor seinen Inspirationsquellen, indem er die Traditionen des Genres in leicht modernisierter Form wieder aufleben lässt.

Das Who-Is-Who der Country-Szene gibt sich auf „Country State Of Mine“ unter der Federführung von Josh Turner die Ehre. Dieser Umstand sowie die perfekt auf den Mainstream in Nashville abgestimmte Produktion werden Turners Erfolgsgeschichte fortschreiben. Der Sound ist voll und klar von Kenny Greenberg produziert. Das Begleitheft lässt mit den Texten und einigen Fotos, die Turner zusammen mit den Gesangspartnern oder Songwritern zeigen, keine Wünsche offen.

MCA Nashville (2020)
Stil: New Traditional Country

Tracks:
01. I’m No Stranger To The Rain
02. I’ve Got It Made (fest. John Anderson)
03. Why Me (feat. Kris Kristofferson)
04. Country State Of Mine (feat. Chris Janson)
05. I Can Tell By The Way You Dance
06. Alone And Forsaken (feat. Allison Moorer)
07. Forever And Ever, Amen (With Special Guest Randy Travis)
08. Midnight in Montgomery
09. Good Ol’ Boys (Theme From The Dukes Of Hazzard)
10. You Don’t Seem To Miss Me (feat. Runaway June)
11. Desperately (feat. Maddie & Tae)
12. The Caretaker

Josh Turner
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MCA Nashville
Universal Music

The Mavericks – Play The Hits – CD-Review

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Review: Michael Segets

The Mavericks greifen tief in die Mottenkiste und entstauben eine Auswahl von alten Country- und Rock-‘n-Roll-Titeln, die zumeist aus den fünfziger und sechziger Jahre stammen. Die Tracklist von „Play The Hits“ bietet daher Coverversionen, deren Vorlagen oftmals nur noch Insidern bekannt sein dürften.

Ausnahmen bilden „Once Upon The Time”, bei dem Martina McBride, Raul Malo beim Gesang begleitet, sowie „Don’t Be Cruel” von Elvis Presley. Vielleicht wurden ebenfalls die Interpretationen von „Before The Next Teardrop Falls“ oder „Blue Eyes Crying In The Rain“ durch Dolly Parton beziehungsweise Willie Nelson oder Hank Williams schon mal gehört.

Das jüngste Stück „Swingin’”, mit dem John David Anderson 1982/83 Erfolg hatte, wird wie die anderen ganz im Stil der Frühzeit des Rock ‘n Rolls dargeboten, als dessen Abgrenzung zum Country noch fließender war. Schwerpunkt der Scheibe sind die Kompositionen von Country-Urgesteinen wie Harlan Howard, Hank Cochran, Don Harris und Dewey Steven Terry, die auf ihr zu neuen Ehren kommen.

Mit „Hungry Heart“ von Bruce Springsteen sowie mit „Are You Shure Hank Done It This Way” von Waylon Jennings spielen The Mavericks dann doch noch zwei modernere Klassiker. Der Titel von Springsteen bekommt eine andere, sanfte Atmosphäre, der von Jennings erhält eine Prise Soul. Die beiden Stücke stellen die Highlights des Albums dar, wobei allerdings bereits die Originale mehr auf meiner musikalischen Linie liegen als die anderen.

Mit vollem Bandeinsatz, Akkordeon und Bläsern erzeugen The Mavericks einen Retro-Sound, der zwischen Rock ’n Roll, Country, Soul und Swing liegt. Dabei lässt die Band auch gelegentlich ihren typischen Tejano- beziehungsweise Latino-Einfluss („Blame It On Your Heart“, „Before The Next Teardrop Falls“) durchscheinen.

Insgesamt dominieren langsame, schmachtende Tracks. „Don’t You Ever Get Tired (Of Hurting Me)”, „Why Can’t She Be You” und „I’m Leaving It Up To You” zählen zu diesen durcharrangierten Titeln, für die man in einer speziellen Stimmung sein muss.

In den neunziger Jahren hatten The Mavericks hohe Verkaufszahlen und erhielten einige Auszeichnungen. Nach der zwischenzeitlichen Auflösung der Band folgte 2012 die Reunion. Von den Gründungsmitgliedern sind Frontmann Raul Malo und Schlagzeuger Paul Deakin noch dabei und auch Jerry Dale McFadden ist an den Keys wieder vertreten. Als Gitarrist stieß Eddie Perez hinzu.

Zum dreißigjährigen Bandjubiläum feiern The Mavericks die Musik, die dreißig Jahre vor ihrer Gründung aktuell war. „Play The Hits“ enthält eine Auswahl von Songs, zu denen die Band eine besondere Bindung hat. Das Album lädt zum Schwelgen in der Vergangenheit ein und ist in seiner konsequenten Ausrichtung am Sound der fünfziger/sechziger Jahre ungewöhnlich und mutig. Ob The Mavericks damit den Zeitgeist treffen ist fraglich und ein kommerzieller Erfolg erscheint eher unwahrscheinlich.

Mono Mundo Recordings/Thirty Tigers (2019)
Stil: Country, Rock ’n Roll

Tracks:
01. Swingin’
02. Are You Sure Hank Done It This Way
03. Blame It On Your Heart
04. Don’t You Ever Get Tired (Of Hurting Me)
05. Before The Next Teardrop Falls
06. Hungry Heart
07. Why Can’t She Be You
08. Once Upon A Time (feat. Martina McBride)
09. Don’t Be Cruel
10. Blue Eyes Crying In The Rain
11. I’m Leaving It Up To You

The Mavericks
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Ryan Peters – Songs For Old Souls – CD-Review

RyPet_300

Review: Michael Segets

Ryan Peters stammt aus dem Norden Michigans und lebt dort derzeit auch. Viel mehr Informationen konnte ich über den Mann, der mit „Songs For Old Souls“ sein Debüt veröffentlicht, im Netz nicht finden. Auf seiner facebook-Seite nennt er einige Hausnummern als musikalische Orientierung: Hank Williams, Johnny Cash, Waylon Jennings, Willie Nelson aus der Country-Sparte, Lynyrd Skynrd, The Band und jüngere Musiker wie Jason Isbell und Chris Stapleton. Deren Einflüsse klingen an der einen oder anderen Stelle des Albums auch an, ohne dass ich direkte Parallelen ziehen würde.

Wie das mit den Vergleichen auch sei: „Songs For Old Souls“ klingt angenehm vertraut und hält einige Highlights parat. Mein Favorit ist der Opener „Gotta Go“. Der kraftvolle Roots Rock mit einprägsamen Refrain überzeugt auf der ganzen Linie. Stark ist auch der Country-Rocker „Let Me Down Easy”. Unter den langsameren Titeln sticht „Nobody’s Dime“ mit einem tollen Southern-Flavour hervor, aber auch „Lighthouse“ weis mit seinem trocken stampfenden Rhythmus und gelungenem Gitarrensolo zu gefallen.

Die leicht angeraute Stimme von Ryan Peters ist vielleicht nicht unverwechselbar markant, aber sie passt prima zu den Songs der CD, die eine gelungene Mischung aus Balladen und schnelleren Midtempo-Stücken bietet. Das Pendel schlägt meist in Richtung Roots- oder Country-Rock aus, wobei Peters die Titel durchaus unterschiedlich arrangiert.

Nicht zuletzt durch den ausgiebigen Einsatz der Mundharmonika erhält „Railroad Village Blues”, bei dem Peters das Kleinstadtleben besingt, einen Country-Einschlag. Dieser kommt vor allem bei „Damned If I Don’t“ vollends zur Geltung. Dieser Song wird ebenso wie die insgesamt akustisch gehaltene Ballade „If He Got To Heaven” mit gehörig Slide untermalt.

„Living Too Fast” hat schöne Klavierpassagen und entwickelt wie auch „Before It Was Gone“ viel Drive, an dem der Gesang von Peters einen großen Anteil hat. In der zweiten Hälfte des Albums finden sich mit „Stab In The Dark“, „The Best Of Me“ und „Take Me Back“ noch drei solide, rockigere Titel, die sich mal durch melodiöse Gitarrenläufe, mal durch härtere Riffs auszeichnen.

Mit „Songs For Old Souls“ legt Ryan Peters ein vielversprechendes Debüt vor, das bodenständig und ehrlich klingt. Nach einem fulminanten ersten Teil finden sich im zweiten etwas schwächere Stücke, die aber immer noch gut hörbar sind. Einzelne Titel – wie „Gotta Go“ – begeistern vollständig, sodass man gespannt sein darf, was man zukünftig von dem Mann aus dem Great Lakes State hört.

Homestead Productions (2018)
Stil: Roots Rock / Country Rock

Tracks:
01. Gotta Go
02. Lighthouse
03. Railroad Village Blues
04. Let Me Down Easy
05. Nobody’s Dime
06. Living Too Fast
07. Before It Was Gone
08. Damned If I Don’t
09. Stab In The Dark
10. If He Got To Heaven
11. The Best Of Me
12. Take Me Back

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Hank Williams, jr. – It’s About Time – CD-Review

Hank

Hank Williams jr. ist nach seinem etwas müde wirkenden Vorgängerwerk von 2012 wieder zurück – und präsentiert sich angriffslustig, energiegeladen und dazu in absoluter Top-Form! „It‘s About Time“ heißt sein neues Album und es strotzt voller sattem Outlaw Country und mit viel Skynyrd-Flair bedachtem Southern Rock. Starke E-Gitarren (toll JT Corenflos und Tom Bukovac!), quietschende Fiddles, quäkende Harp, klimperndes Piano, pulsierende Bläser-Einlagen und herrliche, southern-typische weibliche ‚uuh-uuh‘ und ‚aah-aah‘-Harmoniegsänge in Hülle und Fülle, dazu in einer richtig wuchtigen Produktion von Julian Raymond verarbeitet.  Hank Williams, jr. – It’s About Time – CD-Review weiterlesen