Brandy Clark – Your Life Is A Record – CD-Review

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Drittes Album der, von der Kritikerschaft bisher zurecht hochgelobten, vielfach Grammy-nominierten Country-Chanteuse Brandy Clark. Vielen wird ihr Name eher im Zusammenhang des Songwritings für andere Interpreten wie u. a. Sheryl Crow, Miranda Lambert, The Band Perry, Reba McEntire, LeAnn Rimes, Billy Currington, Darius Rucker, und Kacey Musgraves, über den Weg gelaufen sein.

Wir hatten schon ihr 2016 veröffentlichtes „Big Day in a Small Town“ in unserem Magazin reviewt. Und wieder gelingt es der 1977 geborenen, aus Morton, Washington stammenden, 1998 nach Nashville gezogenen Künstlerin mit brillanter Einfachheit, ihre Botschaften in Form gelungener Countrysongs zu vermitteln.

„Your Life Is A Record“ heißt das mit elf neuen Tracks bestückte, erneut von Jay Joyce (Little Big Town) in der Tradition von Vorbildern wie Patsy Cline, Loretta Lynn, Reba McEntire & Co. produzierte Werk.

Unbestrittener Star des Silberlings ist die wunderschön klare und auch im wahrsten Sinne fürs Countrygenre prädestinierte Stimme der Protagonistin, deren Ausstrahlung sich angesichts einer äußerst geschmackvoll zurückhaltend inszenierten Instrumentierung (Akustikgitarren und percussionartiger Rhythmus dominieren, sporadische Zutaten sind mal Dobro, Mandoline, E-Gitarre oder Piano) mit ergänzenden Musikern wie Joyce, Giles Reaves und Jedd Hughes, bestens zur Geltung kommt.

Streiten kann man sich darüber, ob die zwar sehr dezent eingeflochtenen, aber immer sehr orchestral anmutenden Elemente (Streicher, Bläser, Flöte), die dem ganzen einen ungeheuren Retro-Touch verabreichen, nötig gewesen wären oder nicht.

Mir persönlich hätte das Gesamtwerk, wie beim einzigen Song „Pawnshop“ (ohne diese Stilmittel) aufgezeigt, noch mehr zugesagt. Gastauftritte gibt es von Randy Newman beim kauzigen Duett „Bigger Boat“ (herrlich knochiger Gesang von ihm, dazu sein markantes Pianospiel) und von Gitarrist John Osborne bei „Bad Car”.

So macht man es sich am Ende am besten gemütlich und lässt die wunderbar entspannten, mit einer faszinierenden Stimme vorgetragenen elf Musikgeschichten an sich vorüber fließen. „Your Life Is A Record“ heißt Brandy Clarks neuer Longplayer. Wäre das Leben bei jedem Menschen so schön wie diese Platte, gäbe es auf dieser Welt wohl nicht soviel Leid und Elend…

Warner Music (2020)
Stil: New Country

Tracks:
01. I’ll Be The Sad Song
02. Long Walk
03. Love Is A Fire
04. Pawn Shop
05. Who You Thought I Was
06. Apologies
07. Bigger Boat
08. Bad Car
09. Who Broke Whose Heart
10. Can We Be Strangers
11. The Past Is The Past

Brandy Clark
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Oktober Promotion

Brandy Clark – Big Day In A Small Town – CD-Review

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Zweites, mit Hochspannung und viel Vorschusslorbeeren bedachtes Album der Singer/Songwriterin Brandy Clark. Die 40-Jährige, ursprünglich aus Morton, Washington, stammende Künstlerin, präsentiert mit „Big Day In A Small Town“, diesmal ein, als Art Konzeptalbum aufgebautes Werk, das in elf sympathischen Anekdoten, das Kleinstadtleben, mit all seinen Klischees und Facetten beleuchtet.

Brandy Clark hatte zu Anfang ihres musikalischen Treibens, nachdem sie eine Basketballkarriere aufgegeben hatte und zugunsten der Musik nach Nashville gezogen war, zunächst viele Erfolge als Songlieferant für bekannte Acts der Szene wie Sheryl Crow, Miranda Lambert („Mama’s Broken Heart“), The Band Perry („Better Dig Two“), Reba McEntire, LeAnn Rimes, Billy Currington, Darius Rucker oder Kacey Musgraves („Follow Your Arrow“). Diverse Nominierungen (u. a. bei den Grammys) und für letztgenannten Song sogar ein CMA-Award, ließen kein Zweifel an ihren kreativen Qualitäten.

Seit 2012 konzentriert sich Clark auch auf ihre eigene Karriere. Nach einer EP und ihrem, von Kritikern mit Lob überschütteten Major-Debüt „12 Stories“, das in kommerzieller Hinsicht allerdings noch nicht die erwartete Resonanz erfuhr, soll jetzt mit „Big Day In A Small Town“, für das Warner Bros. ihr Top-Produzent Jay Joyce (u. a. Little Big Town, Keith UrbanEric Church, Carrie Underwood) zur Seite stellte, der endgültige Durchbruch geschafft werden. Die spannende Frage war hier, ob das Gespann Joyce, der ja in letzter Zeit mit seinen sehr modernen ‚Innovationen‘, viel Kritik/Unmut der herkömmlichen New Countryklientel auf sich zog, und die eher, in Richtung Vorbilder Marke Patsy Cline oder Reba McEntire gestrickte Protagonistin, zusammen überhaupt harmonieren würden.

Um es vorweg zunehmen, es hat prächtig funktioniert, da sich Joyce, der eher traditionell ausgerichteten Akteurin weitestgehend untergeordnet hat, und nur an einigen ‚Stellschrauben‘, im Vergleich zum Vorgänger, marginal gedreht hat. Das Ergebnis ist ein schöner Mix, bzw. Kompromiss aus einigen eingängigen New Countrytracks mit dezenten Hit-Ambitionen, so wie die melodischen Opener „Soap Opera“ (chorales Intro, Banjounterlegung, E-Kurz-Solo) und dem flockigen „Girl Next Door“ (beide mit Sugarland-Flair) oder der humorvolle groovige Country Rocker „Broke“ und das flotte „Love Can Go To Hell“ (ein wenig Fleetwood Mac goes Country), sowie, gerade im zweiten Teil des Albums, eine schöne Inszenierung des altbewährten Country, mit seinem typischem breitgefächerten Storytelling, wie ihn Kacey Musgraves in letzter Zeit so vortrefflich und erfolgreich praktiziert hat.

Die bedankt sich übrigens bei Brandy für ihre, bereits o. a. Dienste, in dem sie beim Retro-Schunkler „Daughter“, ihren Harmonie-Gesang mit einbringt. Die von Lori McKennas Handschrift gezeichnete Hommage an das schwere Leben allein erziehender Mütter „Three Kids No Husbands“ oder der Saloon-Heuler „Drinkin‘ Smokin‘ Chheatin'“ (ganz allein aus Brandys Feder – die auch die übrigen Tracks, naturgemäß mit diversen Co-Writern wie u. a. schwerpunktmäßig Shane McAnally und Jessie Jo Dillon, kreiert hat), sind weitere Exemplare aus der ‚guten alten Zeit‘ des Genres.

Mit „Homecoming Queen“, „You Can Come Over“ (schöne, Procul Harum-mäßige Orgel) und dem abschließenden melancholischen, den Verlust des Vaters beklagenden „Since You’ve Gone To Heaven“, wurden ein paar atmosphärische Balladen eingeflochten, die den ausdrucksstarken Gesang Clarks (irgendwo zwischen einer ‚twangenden‘ Jennifer Nettles, Julie Roberts und Kacey Musgraves), vortrefflich dokumentieren.

Eingespielt haben das Werk gestandene Musiker u. a. wie Fred Eltringham, Dave Roe, John Deaderick (setzt viel Akzente an den diversen Keys), Forest Glen Whitehead, Jay Joyce, Keith Gattis und Rob McNelley. „Big Day In A Small Town“ präsentiert Brandy Clark als ‚komplette‘ Künstlerin, die sowohl als exzellente Songschreiberin, gute Sängerin, und auch als Instrumentalistin (Akustik-Gitarre) zu gefallen weiß. Mit Jay Joyce, diesmal als feinfühligem Produzenten an ihrere Seite, könnten jetzt recht große Tage bevorstehen. Verdient hätte sie es ohne Zweifel. Ein starkes Album. Dicke Konkurrenz für Kacey Musgraves, Jennifer Nettles & Co.

Warner Bros. (2016)
Stil: New Country

01. Soap Opera
02. Girl Next Door
03. Homecoming Queen
04. Broke
05. You Can Come Over
06. Love Can Go To Hell
07. Big Day In a Small Town
08. Three Kids No Husband
09. Daughter
10. Drinkin‘ Smokin‘ Cheatin‘
11. Since You’ve Gone To Heaven

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