Bywater Call – 17.01.2020, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Vor knapp einem Jahr standen Samantha Martin & Delta Sugar auf der Rampe und lieferten einen bemerkenswerten Auftritt ab. Bywater Call hat dieselben Wurzeln: Beide Bands stammen aus Toronto, sind bei Gypsy Soul Records unter Vertrag und mit Teenage Head Music unterwegs. Musikalisch sind die Formationen mit ihrer Kombination von Blues, Rock und Soul ebenfalls auf einer Wellenlänge. Gemeinsam ist ihnen zudem, dass die Frontfrauen über grandiose Stimmen verfügen. Das gelungene Debütalbum von Bywater Call schürte zusätzlich die Erwartungen an das Konzert.

Pünktlich um 21 Uhr gingen die Scheinwerfer für Bywater Call an, was insofern bemerkenswert ist, da die Kulturrampe dank einer erfolgreichen Spendenaktion nun über eine neue Lichtanlage verfügt. Sämtliche Technik funktionierte einwandfrei, wobei die Aussteuerung des Sounds bei dem Gedränge des Septetts auf der Bühne sicherlich keine leichte Aufgabe war. Die Stimme von Meghan Parnell kam voll zur Geltung – nach Einschätzung mancher Konzertbesucher noch besser als auf der CD.

Das Publikum in der ausverkauften Location geriet unmittelbar in Schwingungen, als die Band mit „Arizona“ loslegte. Nach dem staubigen Bottle-Neck-Intro von Dave Barnes stieg die zierliche Frontfrau mit dem gewaltigen Organ auf die Bühne und nahm die Zuhörerschaft auf eine abwechslungsreiche Reise durch ihre musikalische Welt mit.

Auf der Bühne erwies sich Meghan Parnell als wahres Energiebündel, das ständig unterwegs war und Mitstreiter sowie Publikum fest im Griff hatte. Von der Bühnenpräsenz standen die anderen Musiker im Schatten der Sängerin, bekamen aber alle die Gelegenheit, ihr Können an ihren Instrumenten bei den immer wieder eingestreuten Soli zu beweisen. Den Anfang machten bei „This One’s On“ Alan Zemaitis an den Keys und Dave Barnes an der Gitarre.

Nach der Mischung aus Honky Tonk und Gospel bei „Gone At Last“ begann das bluesige „If You Want“ mit dem Saxophon von Julian Nalli und gipfelte dann in einer Schlagzeugeinlage von Bruce McCarthy. Der andere Bläser – Stephen Dyte an der Trompete – erhielt dann sein erstes Solo zum Einstieg in „Walk On By“. Der als erste Single ausgewählte Song stellte zusammen mit dem rockigen „Forgive“ den ersten Höhepunkt des Konzerts dar.

Im weiteren Verlauf des Abends coverten Bywater Call von The Band „Ophelia“ und „The Weight“ – mit ausgiebigen Bassläufen Mike Meusels eingeleitet – sowie „In The Right Place“ von Dr. John. Bei diesem hatten die beiden Bläser ein längeres Call And Response Intermezzo, das wie die Soli euphorisch von der Menge bejubelt wurde. Andere Stellen des Auftritts erinnerten an die Tedeschi Trucks Band oder The Commitments.

Neben den Covern stellten die Kanadier ein paar neue Titel vor. Bei „Sea We Swim“ spielte Meghan Parnell ihre Stimme erneut voll aus. Vor allem aber „I Remain“ ist ein Stück, auf dessen Veröffentlichung ich mich jetzt schon freue. Als langsamer Blues beginnend entwickelte das Stück eine ungeheuerliche Dynamik und steigerte sich zu einem bombastischen Finale.

Toll war auch „Silver Lining“ von dem aktuellen Longplayer. Von diesem performte die Band ebenso „Bring Me Down“ sowie eine rockigere Version – einschließlich Wechselgesang mit dem Publikum – von „Over And Over“, die mich mehr überzeugte als die Studioversion. Da eine Saite von Dave Barnes Gitarre riss, spielte er „Talking Backwards“ auf den verbliebenen fünf. Das tat dem klasse Rocktitel aber keinen Abbruch.

Mit diesem aufputschenden Ende des neunzigminütigen Hauptsets wollte sich das Publikum verständlicherweise nicht zufrieden geben. Die Band ließ sich auch nicht lange bitten und kam für die Zugabe schnell wieder auf die Bühne. Zuschauerrufe forderten „Hometown“, das eigentlich zu einem früheren Zeitpunkt auf der Setlist vorgesehen war. Die Ballade avancierte anscheinend nicht nur zu meinem Lieblingsstück des aktuellen Albums.

Der einzige Wehmutstropfen des Abends war, dass die Rufe nicht erhört wurden. Aber an dieser Stelle wäre der getragene Titel auch nicht passend gewesen. Das Konzert bot eine ausgewogene Mischung von langsameren und schnelleren Songs, bei der Bywater Call ein sehr gutes Gespür für die Dramaturgie bewies. So gab es abschließend das ebenfalls starke „Swing Low“ und das flotte, unveröffentlichte „Way I Am“, bei dem die Gäste nochmals eine ausgiebige Gelegenheit hatten, einen Gesangspart zu übernehmen.

Am Merchandise-Stand bildete sich eine Schlange von Autogrammjägern, die neben den frischen Eindrücken noch eine Trophäe mit nach Hause nehmen wollten. Die sieben Kanadier standen dann auch noch lange für Gespräche bereit und ließen so einen musikalisch hochkarätigen Freitagabend ausklingen.

Einen Vergleich mit dem letztjährigen Auftritt von Samantha Martin & Delta Sugar braucht Bywater Call nicht zu scheuen. Die hohen Erwartungen erfüllten die charismatische Meghan Parnell und ihre versierte Begleitung mühelos. Stellte sich im Vorfeld noch die Frage, ob die Band die Qualität ihrer Songs auf der Bühne umsetzen kann, lässt sich nun konstatieren, dass Bywater Call als Live-Act in der Lage ist, diesbezüglich noch eine Schippe drauf zu legen. Dieser Auftakt des Konzertjahres 2020 für SoS in der Kulturrampe legt die Messlatte hoch für die kommenden Gigs.

Line-up:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar,bgv)
Alan Zemaitis (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

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Kulturrampe Krefeld

Tedeschi Trucks Band – 14.04.2019, RuhrCongress, Bochum – Konzertbericht

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Die Tedeschi Trucks Band wieder zurück in unseren Sphären, diesmal im Bochumer RuhrCongress. Ungefähr 1.100 Zuschauer, überwiegend aus der Generation 50+, hatten sich in der bestuhlten Location eingefunden, um das eindrucksvolle Ensemble um die beiden Leader Susan Tedeschi (in einem rot-schwarzen luftigen Sommerkleid) und Derek Trucks, in ihrem musikalischen Treiben bewundern zu können.

Das erste, ca. 50-minütige Set plätscherte nach dem Opener „Loving You Is Sweeter Than Ever“ relativ relaxt und sehr melodisch vor sich hin. Da sich die Bandmitglieder vornehmlich auf ihre eigenen Parts konzentrierten (Trucks natürlich mit einigen reißenden Slides und quirligen Fingerfertigkeiten) und Susan Tedeschi weder Ansagen machte, noch Gelegenheit zur Interaktion aufkommen ließ, lag das Stimmungsbarometer im eher verhaltenen bis niedrigen Bereich.

Erst gegen Ende, als bei „Part Of Me“, die Backgroundsänger/in beim Leadgesang einbezogen wurden, die herrliche Ballade „Don’t Drift Away“ Gänsehautmomente erzeugte, und mit dem rockigen „Get What You Deserved“ mal die Post abging, begann sich die bis dato etwas unterkühlt wirkende, distanzierte Atmosphäre, ein wenig aufzulockern. Trotzdem muss konstatiert werden, dass auch hier die musikalische Leistung und der wunderbar transparente Sound (über den gesamten Gig hinweg), schon ein Genuss für die Sinne waren.

Nach einer guten halben Stunde Pause, uferte der zweite Teil dann allerdings in eine absolute Weltklasse-Leistung. Was die Musiker hier an instrumentellem Feuerwerk bei Stücken wie u. a. „Key To The Highway“ (starker Gesang von Mike Mattison), dem grandios groovenden „Signs, High Times“, „Statesboro Blues“, „Midnight In Harlem“ oder dem Santana-Cover „Soul Sacrifice“ ablieferten, war schon atemberaubend.

Der Spirit der Allman Brothers-Glanzzeiten schwebte zum Greifen nah durch die imposante Kongress-Halle, nicht zuletzt, dank Trucks Mörder-Saiten-Einlagen, zum Teil in Duane Allman-Manier und der wuchtigen Drum-Doppelbesetzung, mit den formidabel trommelnden J.J. Johnson und Tyler Greenwell.

Aber auch Susan Tedeschi verpasste dem Blind Willie McTell-Ursprungs-Klassiker mit weiblichen Lead vocals, eine neue Farbe. Ihre E-Gitarren-Soli (einmal herrlich im Twin-Modus mit Derek) waren ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Der phasenweise furios klimpernde Gabe Dixon trägt auch eine gehörige Portion Gregg Allman-Tastenblut in sich.

Am Ende des Hauptteils hatte die 12-köpfige Combo das Publikum, unter stehenden Ovationen, auf ihre Seite gezogen. Das war schon ganz großes musikalisches Kino. Und mit der launigen, viel-gecoverten Zugabe „Let’s Go Get Stoned“ (im Little Feat-Stil), bei dem sich dann alle Beteiligten nochmals gebührlich einbringen konnten (Vokalisten und Bläser), war das Eis dann endgültig gebrochen.

Insgesamt ein grandioser Abend, der eine spielfreudige, exzellent agierende Band auf allerhöchstem Weltklasse-Niveau zurückließ, aber auch einige kleine Schwächen im Rahmen der Eigen-, beziehungsweise Öffentlichkeitswerbung offerierte. Eine nicht mal zu zwei Drittel gefüllte Halle sollte auch in dieser Liga, vielleicht ein wenig zu denken geben. Nichtsdestotrotz ein höchst beeindruckendes Erlebnis!

Danke an Jenny Dore von 3-Dog-Entertainment für die gewohnt angenehme und zuverlässige Zusammenarbeit bei der Akkreditierung.

Line-up:
Susan Tedeschi (lead vocals, electric guitar, vocals)
Derek Trucks (electric guitar, slide guitar)
Mike Mattison (lead vocals, acoustic guitar, vocals)
Gabe Dixon (keys)
Brandon Boone (bass)
J.J. Johnson (drums)
Tyler Greenwell (drums)
Elisabeth Lea (trombone)
Ephraim Owens (trumpet)
Kebbie Williams (saxophone)
Alecia Chakour (vocals, percussion)
Mark Rivers (vocals, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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3Dog Entertainment
RuhrCongress Bochum

Tedeschi Trucks Band – Signs – CD-Review

TTB

Review: Stephan Skolarski

Die geballte musikalische Power der aus 12 Musikern bestehenden Tedeschi Trucks Band auf einer Platte zu vereinen, ist für jeden Produktionsprozess eine Herausforderung. Federführend bei der Entstehung des neuen Longplayers der US-Amerikanischen Blues- und Southern-Rock Formation, war der mehrfache Grammy Gewinner Jim Scott, der schon mit vielen Acts des Musik-Business zusammenarbeiten konnte (u.a. Rolling Stones, Tom Petty, Sting, Wilco) und diese Aufgabe gemeinsam mit Derek Trucks und Bobb Tis, exzellent bewältigt hat.

„Signs“ wurde im sogenannten ‚Swamp Raga‘ (Jacksonville, FL), dem eigenen Studio des Bandleader-Ehepaars Susan Tedeschi und Derek Trucks, aufgenommen und ist bereits das vierte Album in den letzten neun Jahren. Die gewohnte, abwechslungsreiche Unterstützung durch Bläser, Keyboards, Percussion und Backgroundgesang ist erneut das bekannte Markenzeichen dieses Kollektivs. Als Themen des Albums werden nicht nur auf dem Cover, sondern geradezu eindringlich in den Songs Umweltzerstörung und gesellschaftliche Spaltung angeprangert.

Leider musste die Band in der Vergangenheit einige Schicksalsschläge verkraften. Im Bekanntenkreis verstarben u.a. Butch Trucks, Gregg Allman, Leon Russel und B.B. King, die alle sehr enge Wegbereiter und Vorbilder waren. In liebevoller Erinnerung wird diesen Alt-Meistern im Booklet die besondere Wertschätzung erwiesen. Gewidmet ist das Werk jedoch ausdrücklich Colonel Bruce Hampton, der langjährig als Förderer und Mentor die musikalische Ausrichtung begleitet hat. Die Wirkung auf Sängerin Susan Tedeschi, die auch ihre Trauer und Wut verarbeitet, äußert sich dennoch in optimistischer Weise: „Als Musikerin möchte ich rausgehen, Kraft vermitteln und die Menschen inspirieren.“

Die Aussage setzt wortwörtlich ein Zeichen, einen Maßstab für die Tracks und die Vitalität von „Signs“. Und so geht es auf dem Opener „Signs, High Time“ gewaltig los. Der Funk/Soul Mix auf „I‘m Gonna Be There“ driftet im Refrain zu einem eher gängigen Pop-Rhythmus ab. „Walk Through This Life“ liebäugelt mit angenehmen Soul-Country und greift zugleich die äußerst schweren Verluste der Vergangenheit auf, gepaart mit einem zuversichtlichen Blick in die Zukunft („Let’s walk through this life togehther/Show a little staying power/Even in our darkest hour/There’s still you and me“).

Das milde „Strenghten What Remains“ ist für die TTB ein vergleichsweise minimalistisches Arrangement und ein schöner, liebevoller Song. Auf dem melancholischen „All The World“, inklusive weinendem Gitarren-Solo von Derek Trucks), wird auf die Vergänglichkeit des Planeten aufmerksam gemacht („All the world is bleeding“). Die Vorab-Singles „Hard Case“ und „They Don’t Shine“ verfeinern die Platte durch Gospel-Power, klassischen Blues und warme Gitarren. „The Ending“ ist ein rein akustisches und trauriges Lied, das von Susan Tedeschis Stimme sanft getragen und von Derek Trucks und Oliver Woods (The Wood Brothers) Gitarren kunstvoll begleitet wird und nochmals die verstorbenen Freunde würdigt.

Der Longplayer „Signs“ steht für einen bunten Facettenreichtum aus Blues, Southern Rock, Funk und Soul; ähnlich üppige Sounds kommen im artverwandten Stil allenfalls noch von Gov‘t Mule oder der Marcus King Band rüber. Die Tedeschi Trucks Band schöpft ihr breites Potential auf jedem Alben neu und beständig aus. Sie haben mittlerweile ihren unverkennbaren Tedeschi-Trucks-Sound entwickelt, der sich durch einen hohen Wiedererkennungswert auszeichnet und auch auf „Signs“ fast schon magisch in seinen Bann zieht.

Fantasy Records (2019)
Stil: Blues Rock, Southern Rock

Tracklist:
01. Signs, High Times
02. I‘m Gonna Be There
03. When Will I Begin
04. Walk Through This Life
05. Strengthen What Remains
06. Still Your Mind
07. Hard Case
08. Shame
09. All The World
10. They Don‘t Shine
11. The Ending

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Tedeschi Trucks Band – 22.03.2017, E-Werk, Köln – Konzertbericht

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Puh, ich bin eigentlich jetzt am Tag danach, noch völlig überwältigt, von dem, was ich da gestern im Kölner E-Werk erlebt habe. Die Tedeschi Trucks Band hatte sich in der Domstadt angesagt, ein fantastisches Konzert abgeliefert und am Ende eine restlos begeisterte Audienz (mit dabei auch der kölsche Kultbarde Wolfgang Niedecken,  mit dem sich unser Knipser Gernot Mangold laut eigener Aussage, am Rande  des weitläufigen des Fotograbens für eine Weile ganz nett und unkompliziert unterhalten konnte) in die Nacht, bzw. auf die Heimreise geschickt.

Ich habe ja in letzter Zeit mit JJ Grey & Mofro oder Thorbjørn Risager & The Black Tornado zwei, im weitesten Sinne, vergleichbare und wirklich herzerfrischende Bands zu Gesicht bekommen, aber was das zwölfköpfige Ensemble um ihre beiden Führungspersönlichkeiten Susan Tedeschi und Derek Trucks da gestern abgebrannt hat, das war schon in einer ganz eigenen Liga.

Apropos Führungspersönlichkeiten: Man spürte zwar jeder Zeit, dass die beiden Hauptprotagonisten (insbesondere Susan Tedeschi) auf der Bühne ‚die Hosen an hatten‘, sie repräsentierten diesen Anspruch aber mit solch einer unaufgeregten und lockeren Art und Weise, vor allem mit einer merklichen Empathie für ihre Kollegen, dass man hier schon von absolutem Vorbild-Charakter sprechen kann.

Besonders Derek Trucks scheint eh glücklich und beseelt zu sein, wenn er seinen Glas-Bottleneck über den Finger streifen und seine berühmte Gibson SG filigran beackern darf, sowie sich in jammige Improvisationsläufe mit seiner Rhythmusfraktion und zum Teil auch den restlichen Musikern verstricken kann (z. B. mit Kofi Burbrige an Orgel und Flöte). Fulminante wie gefühlvolle Soli, in Slide- und normaler Spielweise (auf ganz hohem Level), ließ er natürlich in Hülle und Fülle vom Stapel.

Susan Tedeschi sah in ihrem schlichten, aber eleganten rot-braunen Kleid mit dazu getragenen Wildleder-Stiefeletten klasse aus und wusste samt ihrer sympathischen Aura, mit grandiosem Gesang (erinnert mich irgendwie immer an Bonnie Raitt) und partiell auch mit starkem Lead Gitarrenspiel (z. B. bei „I Pity The Fool“) zu beeindrucken.

Muhammad Ali-Double Mike Mattison, konnte bei drei, vier Stücken aus dem Background Trio heraustreten und zeigte mit seinen bluesig-souligen Vocals im Stile von Belushi, Brown & Co. am Haupt-Mikro, dass er auch problemlos zu jeder Zeit, einen packenden Fronter abgeben kann.

Seine zwei Mitstreiter im Background, Alecia Chakour (was für eine wuchtbrummige Röhre!) und Mark Rivers hatten ihre stärkste Szene beim herrlich gospeligen „I Wish I Knew How It Would Feel To Be Free“, als sie ebenfalls kurze Lead Parts übernehmen durften. Auch diese beiden sind für diese Positionen eigentlich fast zu schade, bürgen aber für die immense Qualität und das ungeheure Potential der Gesamtband.

Die Rhythmusleute Tim Lefebvre (ließ seinen Tieftöner ordentlich pumpen) sowie die beiden Drummer J.J. Johnson und Tyler Greenwell (mit glänzendem und atemberaubenden Doppel- Synchron-Solo wie zu besten ABB-Zeiten) verliehen den Songs (oft in Verbindung mit Trucks) immer wieder eine stetig zunehmende Dynamik, die es in sich hatte und avancierten das faszinierte Publikum immer wieder zu Mitwippbewegungen.

Kofi Burbridge hatte mit gurgelnden Orgel- und klimpernden HT-Piano-Eingaben seinen Spaß, ließ aber auch zweimal sein Können an der Querflöte aufblitzen. Last but not least, erfüllte das Bläser-Trio, bestehend aus Elisabeth Lea, Ephraim Owens und Kebbie Williams (der wieder, wie auf der DVD, mit freejazzigem Zappel-Solo, diesmal allerdings bei „Don’t Miss Me (When I’m Gone)“), seine plusternde Funktion zur Soundvolumen-Anreicherung, mit Bravour.

Ach, dann waren da ja auch noch die Songs, die an diesem Abend in einem zweigeteilten Set mit halbstündiger Pause aus dem schier unerschöpflichen Fundus (fast bei jedem Gig in anderer und neuer Zusammenstellung) in reichhaltig ausstaffierten Versionen präsentiert wurden. Lang gespielt, aber immer kurzweilig, variabel und emotional mitreißend performt.

Set 1 enthielt u. a. Tracks wie „Let Me Get By“ (Opener), „Key To The Highway“, „Darling Be Home Soon“, „Rise Up“ und „Right On Time“, Set 2 das Cover zu Ehren des kürzlich verstorbenen Leon Russell  „A Song For You“ (Gänsehaut-Opener, toller Gesang von Susan), „Anyhow“ (Derek mit unterschwelliger „Midnight Rider“ E-Hook), „Get Out Of My Life, Woman“, das großartige rhythmische „Freedom Highway“, das am Ende von Susan mit politsicher Botschaft versehene „I Pity The Fool“ (dazu knarzige E- Gitarre und sensationelle Vocals von ihr), als auch das am Ende eine unglaubliche Wucht und Kraft entwickelnde, fett groovigende „Don’t Know What It Means“.

Als zum Finale bei der weit über zehn Minuten währenden Zugaben-Kombi aus dem jammigen, „I Want More“ und dem Outro von Santanas „Soul Sacrifice“ alle Beteiligten der Tedeschi Trucks Band nochmal richtig Gas gaben, wusste man, das Einem ein Gig in Weltklasse-Sphären zuteil geworden ist.

Mit uns verließen ca. 1.200 Zuschauer  überglücklich und zutiefst beeindruckt das somit gut besuchte E-Werk. Wer noch die Chance hat, sich das Ensemble in unseren Breitengraden anzusehen(es folgen ja noch so einige Termine), sollte die Gelegenheit unbedingt nutzen. Einfach grandios! Einen herzlichen Dank auch an Shooter Promotions für die unkomplizierte und bestens organisierte Akkreditierung unseres immer noch jungen Magazins. War richtig klasse!

Line-up:
Susan Tedeschi (lead vocals, electric guitar, vocals)
Derek Trucks (electric guitar, slide guitar)
Mike Mattison (lead vocals, acoustic guitar, vocals)
Kofi Burbridge (keys, flute)
Tim Lefebvre (bass)
J.J. Johnson (drums)
Tyler Greenwell (drums)
Elisabeth Lea (trombone)
Ephraim Owens (trumpet)
Kebbie Williams (saxophone)
Alecia Chakour (vocals, percussion)
Mark Rivers (vocals, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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E-Werk

Tedeschi Trucks Band – Live From The Fox Oakland – CD-/DVD-Review

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Wow! Schon beim Auseinanderklappen des imposant und edel gestalteten Doppel-CD/DVD-Packages, das ein Live-Konzert der Tedeschi Trucks Band im historisch/orientalisch anmutenden, sehr beeindruckenden, 1928 errichteten Fox Theatre in Oakland, Kalifornien, dokumentiert, erahnt man bereits, dass hier was ganz Großes auf einen zukommt.

Während die DVD, unter der Regie von Jesse Lauter und Grant James abgelichtet, den Gig ‚filmisch‘, mit kleinen netten Zwischenepisoden des Drumherums, dokumentiert, spiegeln die beiden CDs das Konzert in nummerisch korrekter Reihenfolge sowie voller Länge der Songs wieder und enthalten mit dem orchestral swingenden „Right On Time“, dem souligen Schunkler „Don’t Drift Away“ und dem fusig-jazzigen Instrumental „Ali“, drei weitere tolle Tracks, die nicht visuell in Szene gesetzt wurden. Ich werde mich hier aber natürlich auf den erstgenannten Silberling konzentrieren.

Nach einem kurzen Intro steigt der Film mit „Don’t Know What It Means“ als Opener ein, ein Song aus dem letzten hochdekorierten Studiowerk „Let Me Get By“. Susan Tedeschi gibt direkt mal eine Kostprobe ihres stimmlichen Volumens und ihres versierten E-Gitarrenspiels, das in Form von vielen hervortretenden Adern,  deutliche Spuren auf ihrem Handrücken hinterlassen hat. Am Ende des Stückes glänzt Rastamann Kebbie Williams mit einem Sax-Solo, das free-jazzige Züge aufweist.

Keep On Growing“ vom einstigen „Derek And The Dominos“-Klassiker Layla and Other Assorted Love Songs“ steht natürlich ganz im Zeichen von Ehemann Derek Trucks, der hier gleich drei Soli auf seiner Gibson SG vom Stapel lässt, am Ende mit furiosem Slide. Leonard Cohens „Bird On The Wire“  wird in gospeliger Form mit emotionalem Ende interpretiert.

Passend zum spirituellen Ambiente des Fox (ein goldener Buddha wird eingeblendet), lässt Derek bei „Within You, Without You“ sein Arbeitsgerät in orientalischem Slide aufsurren, das dann nahtlos in den shuffligen Blues Rock-Stampfer „Just As Strange“ übergeht (Bonnie Raitt-Flair).

Beim souligen „Crying Over You“ hat Mike Mattison, der mich rein äußerlich immer irgendwie an Muhammad Ali erinnert, seinen ersten starken Gesangseinsatz, ein weiteres Highlight ist ist das Duell von Derek mit Keyboarder Kofi Burbridge, das in Frage-Antwort-Manier zelebriert und zudem mit einem Hammer-Solo vom Butch Trucks-Neffen beendet wird.

Das herrliche „Leavin‘ Trunk“ klingt, als wenn sich James Brown (erneut großartiger Gesang von Mattison) und die Allman Brothers (Susan und Derek gitarren-technisch in Hochform) zu einer Jam-Session zusammengefunden hätten. „I Pitty The Fool“ bluest unter Tedeschi-Regie samt plusternder Bläserfraktion (vervollständigt durch Elizabeth Lea und Ephraim Owens).

Das knapp 15-minütige „I Want More“ dampft aus allen Gassen. Hier entfacht die Drum-Doppel-Besetzung  mit J.J. Johnson und Tyler Greenwell, wie sooft in diesem Gig, ihre ganze Kraft samt blindem Verständnis, auch Derek mit ABB-trächtigem Slide und Burbridge mit Marshall Tucker-umwehten Querflöten-Intermezzo sowie wüsten Orgel-Geklimper beim angeschlossenen „Soul Sacrifice“-Outro, wissen zu gefallen.

Das Titelstück des Studioalbums „Let Me Get By“ zeigt am Ende mit gospeligem Touch nochmals die ganze Spielfreude des Ensembles.  Selbst der Abspann mit einer Wohnzimmer-Performance der Band von Dylans „You Ain’t Going Nowhere“ ist ein Knüller. Hier dürfen auch die Back-Singer Alecia Chakour und Mark Rivers mal die Lead vocals bei einer der vielen Strophen übernehmen und Black Crowes-Fronter Chris Robinson ist auch noch als Gast mit von der Partie. Elisabeth Lea lässt ihre Posaune kurz plärren. Klasse gemacht.

Appropos Zwischenepisoden. Da wird ein Besuch von Derek bei US-Comedian Marc Maron  in seiner Garge gezeigt, ein Interview des Ehepaares beim Rolling Stone-Journalisten David Fricke, der auch den Begleittext des Booklets geschrieben hat, Dereks Vater als Verantwortlicher des Merchandisings kurz porträtiert, und Susan beim Testen des kongenialen Sounds im Gros des Fox vor leerer Kulisse mit dem Song „Color Of The Blues“.

Nicht zu vergessen auch noch der Bonusteil mit dem bluesigen „Anyhow“ (wieder mit Bonnie Raitt-Flair) und der Vollversion des Gastauftritts von Alam Khan, der mit seiner Sarod (so ein orientalisches Monsterknüppel-Instrument) auf „These Walls“ den Konterpart zu Dereks Slide-Spiel (der zum einzigen Male auf einer Les Paul) abgibt. Hier werden konventionelle Musikmauern eingerissen und die beiden versuchen mit diesem, quasi im Southern Yoga Rock-Stil zelebrierten Stück, dem Ambiente des orientalischen Theaters gerecht zu werden – Da heißt es für alle Beteiligten einfach nur ‚Om‘!

Fazit: „Live From The Fox In Oakland“ der Tedeschi Trucks Band zeigt das zwölf-köpfige Mega-Ensemble im absoluter Bestform. Es macht Spaß, diesen Könnern, in diesem speziellen Rahmen, bei bester Bild- und Tonqualität, Folge leisten zu können (vom kleinsten Tönchen auf der Bühne, bis hin zum Digipak, mit dem reichhaltig bebilderten Einsteckbooklet, inklusiv aller relevanten Informationen, Perfektionismus pur). Absolute Kaufempfehlung! Dieses Package gehört in jede Rockmusik-Sammlung, die was auf sich zählt. Sounds Of South ist bereits gespannt wie ein Flitzebogen, ob Tedeschi, Trucks & Co. demnächst auch in unserer Anwesenheit im Kölner E-Werk, dieses glänzende Niveau erneut auf die Bühne transferieren können werden. Die Vorfreude auf dieses zu erwartende Spektakel, ist jedenfalls mit diesem famosen Teil, nochmals enorm gestiegen!

Concord/Fantasy Records – Universal Music (2017)
Stil: Blues Rock & More

CD 1:
01. Don’t Know What It Means
02. Keep On Growing
03. Bird On The Wire
04. Within You, Without You
05. Just As Strange
06. Crying Over You
07. These Walls (feat. Alam Khan)
08. Anyhow

CD 2:
01. Right On Time
02. Leavin‘ Trunk
03. Don’t Drift Away
04. I Want More (Soul Sacrifice Outro)
05. I Pity The Fool
06. Ali
07. Let Me Get By

DVD:
01. Don’t Know What It Means
02. Keep On Growing
03. Bird On The Wire
04. Within You, Without You / Just As Strange
05. Crying Over You
06. Color Of The Blues
07. These Walls (feat. Alam Khan)
08. Leavin‘ Trunk
09. I Pity The Fool
10. I Want More (Soul Sacrifice Outro)
11. Let Me Get By
12. You Ain’t Going Nowhere

Bonus:
13. Anyhow
14 These Walls (feat. Alam Khan) – Full version

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