Tedeschi Trucks Band – 14.04.2019, RuhrCongress, Bochum – Konzertbericht

TTB_haupt

Die Tedeschi Trucks Band wieder zurück in unseren Sphären, diesmal im Bochumer RuhrCongress. Ungefähr 1.100 Zuschauer, überwiegend aus der Generation 50+, hatten sich in der bestuhlten Location eingefunden, um das eindrucksvolle Ensemble um die beiden Leader Susan Tedeschi (in einem rot-schwarzen luftigen Sommerkleid) und Derek Trucks, in ihrem musikalischen Treiben bewundern zu können.

Das erste, ca. 50-minütige Set plätscherte nach dem Opener „Loving You Is Sweeter Than Ever“ relativ relaxt und sehr melodisch vor sich hin. Da sich die Bandmitglieder vornehmlich auf ihre eigenen Parts konzentrierten (Trucks natürlich mit einigen reißenden Slides und quirligen Fingerfertigkeiten) und Susan Tedeschi weder Ansagen machte, noch Gelegenheit zur Interaktion aufkommen ließ, lag das Stimmungsbarometer im eher verhaltenen bis niedrigen Bereich.

Erst gegen Ende, als bei „Part Of Me“, die Backgroundsänger/in beim Leadgesang einbezogen wurden, die herrliche Ballade „Don’t Drift Away“ Gänsehautmomente erzeugte, und mit dem rockigen „Get What You Deserved“ mal die Post abging, begann sich die bis dato etwas unterkühlt wirkende, distanzierte Atmosphäre, ein wenig aufzulockern. Trotzdem muss konstatiert werden, dass auch hier die musikalische Leistung und der wunderbar transparente Sound (über den gesamten Gig hinweg), schon ein Genuss für die Sinne waren.

Nach einer guten halben Stunde Pause, uferte der zweite Teil dann allerdings in eine absolute Weltklasse-Leistung. Was die Musiker hier an instrumentellem Feuerwerk bei Stücken wie u. a. „Key To The Highway“ (starker Gesang von Mike Mattison), dem grandios groovenden „Signs, High Times“, „Statesboro Blues“, „Midnight In Harlem“ oder dem Santana-Cover „Soul Sacrifice“ ablieferten, war schon atemberaubend.

Der Spirit der Allman Brothers-Glanzzeiten schwebte zum Greifen nah durch die imposante Kongress-Halle, nicht zuletzt, dank Trucks Mörder-Saiten-Einlagen, zum Teil in Duane Allman-Manier und der wuchtigen Drum-Doppelbesetzung, mit den formidabel trommelnden J.J. Johnson und Tyler Greenwell.

Aber auch Susan Tedeschi verpasste dem Blind Willie McTell-Ursprungs-Klassiker mit weiblichen Lead vocals, eine neue Farbe. Ihre E-Gitarren-Soli (einmal herrlich im Twin-Modus mit Derek) waren ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Der phasenweise furios klimpernde Gabe Dixon trägt auch eine gehörige Portion Gregg Allman-Tastenblut in sich.

Am Ende des Hauptteils hatte die 12-köpfige Combo das Publikum, unter stehenden Ovationen, auf ihre Seite gezogen. Das war schon ganz großes musikalisches Kino. Und mit der launigen, viel-gecoverten Zugabe „Let’s Go Get Stoned“ (im Little Feat-Stil), bei dem sich dann alle Beteiligten nochmals gebührlich einbringen konnten (Vokalisten und Bläser), war das Eis dann endgültig gebrochen.

Insgesamt ein grandioser Abend, der eine spielfreudige, exzellent agierende Band auf allerhöchstem Weltklasse-Niveau zurückließ, aber auch einige kleine Schwächen im Rahmen der Eigen-, beziehungsweise Öffentlichkeitswerbung offerierte. Eine nicht mal zu zwei Drittel gefüllte Halle sollte auch in dieser Liga, vielleicht ein wenig zu denken geben. Nichtsdestotrotz ein höchst beeindruckendes Erlebnis!

Danke an Jenny Dore von 3-Dog-Entertainment für die gewohnt angenehme und zuverlässige Zusammenarbeit bei der Akkreditierung.

Line-up:
Susan Tedeschi (lead vocals, electric guitar, vocals)
Derek Trucks (electric guitar, slide guitar)
Mike Mattison (lead vocals, acoustic guitar, vocals)
Gabe Dixon (keys)
Brandon Boone (bass)
J.J. Johnson (drums)
Tyler Greenwell (drums)
Elisabeth Lea (trombone)
Ephraim Owens (trumpet)
Kebbie Williams (saxophone)
Alecia Chakour (vocals, percussion)
Mark Rivers (vocals, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Tedeschi Trucks Band
Tedeschi Trucks Band bei Facebook
Shooter Promotions
3Dog Entertainment
RuhrCongress Bochum

2 Gedanken zu „Tedeschi Trucks Band – 14.04.2019, RuhrCongress, Bochum – Konzertbericht“

  1. Ich glaube, man muss den Kommentar schon ein wenig relativieren.
    TTB ist (nicht nur für mich) derzeit sicher eine der besten Live- Bands dieser Erde, wenn nicht die beste…
    TTB füllt in den Staaten Stadien, aber hier kommt sie in den Medien praktisch nicht vor, nur wer diese Musik sucht, findet sie. Andere Künstler werden vom NDR, WDR usw. präsentiert, da soll der Zulauf wohl größer sein.
    Wer aber kommt, der ist Fan, der erwartet von Derek nicht, dass er zur Rampensau wird, der will höchstklassige Riffs und Soli bekommen – und bekommt sie. Der erwartet von Susan auch nicht, dass sie zur Story- Tellerin wird, die 5 Minuten redet, bevor der Song beginnt. Aber sie lächelt, sie grüßt, sie bedankt sich, wirft am Ende mit Plektrons um sich…blöd, dass die so schlecht fliegen…
    Und alles ist untermauert von einer wirklich großartigen Band, es hätte wirklich kein besseres Erlebnis sein können, ich freu mir jetzt noch ein Loch in den Bauch, dass ich früh gebucht, quasi direkt vor Susan gesessen habe und diesen irren Abend habe genießen dürfen.
    Danke TTB!!!

    1. Ach ja, und die Altersstruktur: zwar gehöre ich selbst zur oben genannten Altersklasse, aber ich habe mindest ebenso viele Besucher aus der Altersklasse der Band selbst, also so zwischen 30 und 50, gesehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.