DeWolff – Interview

Vor einigen Wochen hatten wir vor dem Black CrowesGig im RuhrCongress im nebenan liegenden Hotel die Gelegenheit, mit den drei sympathischen Jungs von DeWolff, die als Support-Act fungierten, u. a. über deren neues Album „Love, Death & In Between“, das am 03. Februar 2023 erscheinen wird, ein paar Worte zu wechseln.

Sounds Of South: Wie kam es zur Gründung und dem Bandnamen DeWolff?
DeWolff: (Luca) 2007 spielten wir, du weißt, wir sind Brüder, im Keller des Hauses unserer Eltern zusammen, es war eine Art Jam-Session. Kurze Zeit später kam der Name de Wolff zur Diskussion, inspiriert durch den Film „Pulp Fiction“. Daher stammt also der Name.

Sounds Of South: Wie erklärt ihr euch eure ungemein ansteigene Popularität in den letzten Jahren, obwohl ih ja nicht aus dem anglizistischen Sprachraum stammt (USA Großbritannien)?
DeWolff: (Luca) Ich weiß es nicht genau, aber ich denke, weil wir Musik von ganzem Herzen machen. Wir leiben es Musik zu machen, und das spüren die Leute, wenn sie uns Musik machen sehen. Wir sind eine gute Band! (Pablo) Haha, als individuelle Musiker sind wir richtig gut, aber wenn wir als band zusammen sind, passiert immer was ganz Spezielles. Wir sind jetzt über 20 Jahre zusammengewachsen und das passiert gewöhnlich nicht so oft. dass Bands dies über so einen langen Zeitraum tun, meistens kommen sie einfach so zusammen, Wir haben uns musikalisch kontinuierlich weiterentwickelt und das ist was, den Leuten gefällt, wenn sie uns treffen.

Sounds Of South: Ihr habt gesagt, dass mit dem Support von The Black Crowes ein persönlicher Wunsch in Erfüllung gegangen ist. Wie beurteilt Ihr solche Comebacks, obwohl bei der Band ja eigentlich Jahrzehnte zuvor eher nur ‚böses Blut‘ geflossen ist?
DeWolff: (Luca) Ja, mit den Black Crowes zu spielen, hat sich ein Traum verwirklicht, weil wir die seit unserer Geburt immer wieder gehört haben. Auch unsere Eltern sind Black Crowes-Fans und haben ihre Musik zu Hause regelmäßig laufen lassen. Es heißt, dass Pablo während eines Black Crowes-Gigs gezeugt worden sei. (Pablo) Ja, meine Eltern waren 1990 auf dem Pink Pop-Festival, als die Black Crowes da spielten, neun Monate später wurde ich geboren. Als wir sie getroffen haben, habe ich nichts von Verstimmtheiten bemerkt. Sie machten einen wirklich netten Eindruck. Dass sie gute Musik machen, versteht sich von selbst.

Sounds Of South: Kommen wir zum neuen Album, das für den Februar 2023 geplant ist und in das wir schon voarb reinhören durften. Fahrt ihr oft in Nachtzügen? Geht es da ähnlich so turbulent ab wie in dem Song („Night Train“)? Übrigens fand ich die Idee mit dem James Brown-mäßigen Sprechintro und die kurzen Reminiszenzen an „Locomotive Breath“ sehr originell.
DeWolff: (Pablo) Oh, ich kenne diesen Song, wir haben ihn schon gespielt. Tatsächlich? Wir sind immer nur ein Produkt der Musik, die wir hören. Die Idee kam mit einem Gitarren-Riff, dass wir dann zusammen mit einer Double Bass Drum versuchten, was wir normaler Weise nie tun. Da entstand dann so eine Art ‚Rollender Zug‘-Sache. Als ich dann noch „Night Train“ sang realisierten wir, dass es auch einen James Brown-Song mit dem Titel gibt. Den haben wir dann gecheckt und bemerkt, dass er ganz anders ist.

Sounds Of South: Das zweite Stück „Heart Stopping Kinda Show“ hat für mich den größten Southern Rock-Bezug (und vielleicht „Jackie Go To Sleep“) und ist somit mein Lieblingsstück des Albums. Wie seht ihr das als Experten? Schließlich seid ihr ja von Musikgrößen wie Seasick Steve euch mit den Allman Brothers verglichen.
DeWolff: (Luca) Ja, Seasick Steve schlief bei einem Festival in seinem Tourbus und er träumte, dass er den Allman Brothers zuhörte, sie spielen sah oder so ähnlich. Als er aufwachte ging er nach draußen und hörte uns auf der Bühne spielen. Er stellte sich dann neben die Bühne und erzählte uns dann die Story. Das war schon ein verrückter Vergleich und ein großes Kompliment für uns. (Robin) Ja, „Jackie Go To Sleep“ ist eine Art von „In Memory Of Elisabeth Reed“ und nun, wo du es sagst, könnte „Heart Stopping Kinda Show“ auch ein Black Crowes- oder Leon Russell-Song sein.

Sounds Of South: Das Centerstück des Werkes mit kanpp 17 Minuten Spielzeit ist sicherlich der Song „Rosita“. Wer ist die Dame und wie hat sie es geschafft eure gesamte im Kervax Studio in der Bretaagne versammelte ‚Mannschaft‘ in eine derartige musikalische Euphorie zu versetzen?:-)
DeWolff: (Pablo) Rosita ist eine mystische Figur, sie ist eine Göttin. Das Kied startet wie eine High School- Love Story. Genau wie im Film „Rosita“ geht es verrückt und eigenartig weiter. Ich wollte einen Song schreiben, der die gleiche Komik und Zufälligkeit wie Filme auf den Punkt bringt. Dann geht er in verschiedene Richtungen, er spricht aus wie wir träumen und der Himmel sagt „Schlafe für immer“, weil letztendlich der Schlafende stirbt und wenn sie sich offenbahrt, ist sie die Göttin der Liebe und des Todes. Sie ist keine reale Person, aber wir alle treffen diese Rositas mal irgendwann in unserem Leben.

Sounds Of South: Ich persönlich höre sehr gerne Balladen. Ich habe vor kurzen Mal ein neues Album von Pop-Rock-Ikone Richard Marx reviewt. Da waren gleich fünf drauf. Seine Art der Balladen unterscheidet sich natürlich enorm von euren wie z. B. „Wil‘ O Whisp“, „Gilded (Ruin Of Love)“ oder „Pure Love“. Was macht für euch eine perfekte Ballade aus?
DeWolff: (Luca) Eine Ballade muss eine Seele haben, das ist für uns die Hauptstimulation, wenn sie keine Seele hat, dann ist es Quatsch. Also, wenn wir eine Ballade schreiben, dann versuchen wir die Seele von den alten Otis Redding-Zeiten einzubinden. Er war der Meister der Balladen, er ist unsere größte Inspiration in der Hinsicht.

Sounds Of South: Die neue Scheibe ist ja insgesamt sehr Soul-beeinflusst. War der Besuch von Al Greens Predigt tatsächlich der Anstoß? Oder hat sich das beim Songwriting so ergeben oder hattet ihr einfach Bock drauf?
DeWolff: (Luca) Ich meine der Soul-Einfluss war schon lange da. Vielleicht schon 8-10 Jahre. Wir haben diese art der Musik schon immer geliebt. Aber es hat eine gewisse Zeit gedauert, diesen Stil in den DeWolff-Sound einzubinden. Aber ganz sicher war es auch Pablos Besuch in Al Greens Kirche in Memphis und da war sicherlich dann auch irgendwo der Klick da. (Pablo) ja, da war dieser spezielle Moment. Als ich in der Kirche ankam (die meiste Zeit ist er nicht dort, was ich nicht wusste), da war er an diesem Sonntag anwesend. Bei meinem Eintreffen wackelte das Gebäude, und es fühlte sich an, als wäre ein Rockkonzert im Gange. Ich ging rein, da war ein Hammondspieler, zwei große Boxen übereinander, da war eine riesige Energie und sie spielten nicht einfach nur Lieder, sondern wie große Akkorde und alle jammten miteinander und er schrie durch sie hindurch. Das war so schön und hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf mich.

Sounds Of South: Wer hat das orientalisch aussehende Coverbild mit der mythisch anmutenden Dame gemalt und was ist die Message hinter dem Bild?
DeWolff: (Luca) Das Cover hat Rosa de Weert, eine niederländische Künstlerin aus Amsterdam gemalt. Wir bewundern ihre Malerei schon eine längere Zeit. Das Album-Cover ist handgemalt, daher ist es authentisch. (Robin) Da ist wirklich nichts Digitales drin, es ist wie unsere Musik, menschlich, daher wollten wir so eine Art Malerei.

Sounds Of South: Am Ende eine ganz verrückte Frage: Ihr seid ja für eure musikalische Flexibilität und Vielseitigkeit bekannt. Könntet ihr euch vorstellen, auch mal eine Country-Platte zu machen?
DeWolff: (Pablo) Ja, es gab mal eine Zeit, da hörten wir viel Country und Americana-Sachen. Und ich sagte yeah, eines Tages machen wir vielleicht mal ein Country-Album, aber jetzt ist das noch illusorisch. (Luca) Letztes Jahr haben wir eine Album zusammen mit Freunden von uns, The Domburgers, aufgenommen, ein Soul-Projekt, das von Sam Cook und Otis Redding, Aretha & Co. inspiriert ist, und es war am Ende ein werk mit 14 Tracks und vor einigen Monaten haben wir mit einem weiteren Freund von uns, Theo Lawrence, er ist ein französischer Country-Sänger, bekannt für einige fantastische Countrysongs, ebenfalls was aufgenommen. Vielleicht machen wir sowas mal eines Tages als ein Seitenprojet.

———————————————————————————–

Das Interview in Englisch:

Sounds Of South: How did the band and the name DeWolff come about?
DeWolff: (Luca) It was in 2007 when we came together for the first time to jam in the cellar in the house of our parents, you know we are brothers, yes our first gig was like a kind of jam-session. I think not longer after that we came up with the name DeWolff, it was inspired of Mr. De Wolff from „Pulp Fiction“, so that is where the name come from.

Sounds Of South: How do you explain your tremendous raising popularity in the last few years, although you are not coming from the anglicism states such like USA and Great Britain?
DeWolff: (Luca) I don’t know I think it is because we are making music from the heart. We enjoy making music, that is what people see when we play on stage. (Pablo) We are a good band! Haha, as individual musicians we are pretty good, but when we are as a band together very special happens. We grew up as a band longer than 20 years and that does not usually happen, that bands are aged, they just get together, we grew up musically together and that does something that people enjoy listening do our watching.

Sounds Of South: You stated that with the support of the Black Crowes a dream came true. (Therefore)How do you assess such a comeback, just in case if there might have been any bad blood among the bandmates over the last decades?
DeWolff: (Luca) Yes, playing with the Black Crowes a dream has came true, because we have always been listening to that band ever since we were born. Our parents are Black Crowes fans and they always played that music at home, the story is that you Pablo was made during a Black Crowes concert. (Pablo) Yes probably, haha. Yes my parents were at Pink Pop in 1990 when they play there, and I was born nine months later. I do not noticed that they had problems, when we see them they were really nice guys and they make great music together.

Sounds Of South: Let’s talk about the new album that has been planed for beginning of February 2023. which we were authorized to hear of before. Do you actually often use night trains? Is it just as turbent as in the son „Night Train“? By the way I like the James Brown-based intro to the track as well as the the short reminiscences to „Locomotive Breath“.

DeWolff: (Pablo) Oh, I know that song. I think we already have played it. Really? It could be! We only the product of the music we have been listening to. The idea came with the guitar riff and we plaeyd it together and we tried to use a double base drum which we never do normally and we did that and we had this kind of rolling train thing and then I sing „night train“ and then we realized that it is also a James Brown song. Then we checked the song and heard that it is very different.

Sounds Of South: In my opinion the second track „Heart Stopping Kinda Show“ has the most Southern Rock influence (and perhaps „Jackie Go To Sleep“) and so it is one of my favourites on the album. How do you see it as an expert ? In the end you just have had even been compared with the Allman Brothers from an expert like Seasick Steve.
DeWolff: (Luca) Yes, Seasick Steve was sleeping in his bus, and he was dreaming that he was listening to the Allman Brothers, or he was dreaming seeing them play or something like that and when he woke up he turned out that he was hearing our music from the stage on the festival. He came outside and walked beside the stage and told us this story. It was a kind of crazy comparrison and a big compliment for us. Yes, „Jackie Go To Sleep“ is a kind of „In Memory Of Elisabeth Reed“ (Robin) now that you say and „Heart Stopping Kinda Show“ could a kind of Black Crowes or a Leon Russell song.

Sounds Of South: The center track with about 17 minutes running time is defenitely „Rosita.“ Who is that girl who got your complete crew in the Kervax Studio in the Betragne in such a musical excitement?
DeWolff: (Pablo) She is a mythical figure, (Luca) she is a goddess. (Pablo) The song started like a high school love story. As well as the movie „Rosita“ and then it goes on crazy and weird. I wanted to make a song that encapsulates the same weirdness and randomness that movies have, then it goes on in a crazy direction like it turns out like how we dream and the sky wants to say sleep forever, because it is always the sleepy dies and when she turns out she is the goddess of love and death. She is not a real person, but we all met Rositas in our life.

Sounds Of South: I personally love ballads. A few days ago I reviewed the new album of pop icon Richard Marx. There were even five on it. His kind of ballads differ a lot from yours just like „Wil‘ O Whisp“, „Gilded (Ruin Of Love)“ or „Pure Love“. What actually makes a perfect ballad in your opinion?
DeWolff: (Luca) A ballad has to be soulful. that is the main stimulation, if it doesn’t have soul it is just smush. So if we try to write a ballad we try add this soul from the old days like from Otis Redding. He was the master of ballads. And that is the biggest inspiration for us.

Sounds Of South: The new (Track)/ album is defenitely very soul-influenced. was it because of Al Green’s visit ? Or did that happen when writing songs? Or did you just want to do that?
DeWolff: (Luca) I think the soul influence was there a long time ago. Maybe 8, 9 or 10 years ago. We already loved this kind of music. It took sometime to incorporate that in the DeWolff sound. But defenitely Pablo visited Al Green’s church in Memphis, and defenitely there was a click somewhere. (Pablo) Yes it was a special moment. It was like when I arrived at the church, most time he is not there, but this Sunday he was there, but I didn’t know, as I arrived the building was shaking, and it was as there was a loud rock concert was going on, I went inside, the hammond player, like two Leslies on top of each other, it was really high energy but they were not really playing songs, more like big chords and everybody was like jamming and he was shouting over them and it was so beautiful and that had a profound influence on me.

Sounds Of South: Who painted the oriental looking cover picture with the kind of mythical looking lady and what is the message behind it?
DeWolff: (Luca) It is Rosa de Weert, she is a Dutch artist from Amsterdam, for quiet some time we were admiring her paintings, and the albumcover is hand-painted, so it is really unbuged. (Robin) Real, there is no digital stuff involved, it is the same as the music, human, so we kinda wanted the painting.

Sounds Of South: I just got a final and crazy question at the end: You are known for your flexibility and your versatility. Could you just imagine to do a country album?
DeWolff: (Pablo) Yes there was a time we were listening to Country and Americana and I said o yeah one day we might do a country album, but right now it is not really. (Luca) Last year we recorded an album with fiends of ours The Domburgers, it is a soul project, inspired by Sam Cooke and Otis Redding, Aretha and all that kind of stuff, and we made an album with 14 soul songs, and a couple of month ago we recorded some country tunes with another friend of us Theo Lawrence, he is a French country singer, known for some fantastic country songs, maybe we are going to release that someday, but as a side-project.

Bilder: Gernot Mangold
Interview: Daniel Daus

DeWolff
DeWolff bei Facebook
Mascot Label Group
Netinfect Promotion
RuhrCongress Bochum

The Black Crowes – Support: DeWolff – 08.10.2022, RuhrCongress, Bochum – Konzertbericht

Wenn sich eine einstige Supergroup wie die Black Crowes nach vielen Jahren des Zwists unter ihren Mitgliedern wieder zusammenfindet und dann bei uns in der Nähe auftaucht, sind wir natürlich auch zur Stelle. Aber der Reihe nach. Begonnen hatte alles beim The Georgia Thunderbolts-/Blackstone CherryGig in Köln, als uns Michael Schmitz vom Mascot Label fragte, ob wir gerne ein Interview mit der Supportgruppe DeWolff durchführen würden.

So machten wir uns am späten Samsatg-Nachmittag auf den Weg nach Bochum, um mit dem aufsteigenden niederländischen Trio im direkt um die Ecke des RuhrCongress gelegenen Stax by Friends-Hotel zu sprechen. Als wir eines der Parkhäuser ansteuerten, war gerade die Bundesliga-Partie VFL Bochum gegen Eintracht Frankfurt zu Ende und die Fans des hessischen Clubs liefen nach der 0:3-Niederlage mit ziemlich bedröppelten Gesichtern Richtung ihrer Fahrzeuge.

Nach dem Interview mit den drei netten Jungs, über das wir dann später noch berichten werden, ging es dann in die sich zunächst nur behäbig füllende Location, in der wir bereits zuvor Acts wie die Tedeschi Trucks Band, Beth Hart oder Kenny Wayne Shepherd begutachtet hatten. Einziger Unterschied, es gab diesmal keine erweiterte Tribünen-Bestuhlung und so fühlte sich der Innenraum, fast überdimensional groß an.

Am Ende kamen immerhin knapp 2.500 Zuschauer um sich das Rockmusik-Spektakel anzusehen, beziehungsweise  anzuhören. Den Auftakt machten dann DeWolff, ein aufstrebendes niederländisches Trio, bestehend auch aus zwei Brüdern, Pablo (vocals, guitar) und Luka van de Poel (drums, vocals) sowie Robin Piso (keys, vocals).

Die legten in einer knappen Dreiviertelstunde einen beherzten und recht selbstbewussten Auftritt hin. Sie starteten vor dem mit einem sehenden Auge und zwei heulenden Wölfen gestalteten Bühnenbild mit dem Opener ihres neuen, im Februar 2023 auf den Markt kommenden Albums „Love, Death & In Between“, „Night Train“, und rissen die Audienz mit ihrem retro-umwehten, souligen, 70er-Psychedelic Rock mit dezenten Southern-Einflüssen von Beginn an mit.

Pablo war der einzige, der nicht durch sein Arbeitsgerät statisch gebunden war und ihm gebührte dann als Fronter quasi die Gesamtheit der großen Bühne, die er dann auch ziemlich bewegungsfreudig nutzte. Schön seine Anekdote, dass er sich bereits als Fan für das ja schon vor zwei Jahren geplante BC-Konzert eine Karte gekauft hatte und sich jetzt mit dem Spielen im Vorprogramm ein echter Traum verwirklicht hat. So schnell kann es gehen im Musikbusiness!

Das jugendlich forsch auftrumpfende Trio spielte und jammte sich dann (zum Teil mit Wechselleadgesängen zwischen Pablo und Luka) durch Songs wie „Live Like You“, „Sugar Moon“, „Heart Stoppin‘ Kinda Show“ (auch vom neuen Album), „Tragedy Not Today“, „Double Crossing Man“ und „Nothing Is Changing“ als Schlusspunkt und wurde von den Anwesenden zurecht mit viel Applaus in ihre nächsten musikalischen Abenteuer verabschiedet.

Line-up De Wolff:
Pablo van de Poel (lead vocals, electric guitar)
Robin Piso (keyboards, vocals)
Luka van de Poel (drums, vocals)

Knapp 30 Minuten später war die schöne Bühne samt Bar und Jukebox hergerichtet und Backgroundsängerin Leslie Grant ‚drückte‘ den Elmore James-Klassiker  „Shake Your Moneymaker“ als Einspieler, der ja auch den Titel des wohl bekanntesten Black Crowes-Albums aus dem Jahre 1990 abgibt, während dem dann die aktuellen Mitglieder zu ihren Positionen schritten.

Fortan wurde dieses Werk auch in genau gleicher Reihenfolge komplett wieder aufgelegt. Die beiden Robinson-Brüder demonstrierten zwischenzeitlich immer wieder Nähe, um jeden aufkommenden Zweifel an der wieder gewonnenen Harmonie, direkt im Keime zu ersticken. Chris war natürlich der wuselige Fronter, der die Leute sofort mitnahm und besonders in den balladeskeren Stücken zu überzeugen wusste.

Ansonsten musste er doch ziemlich gegen den nicht immer transparent und teilweise dumpf wirkenden Sound, wenn alle zusammen agierten, ordentlich ansingen. Rich Robinson (mit vielen Einzelakzenten, z. B. mit der Akustikgitarre bei „She Talks to Angels“, Slide, Intros) und sein Gitarren-Pendant an der linken Bühnenseite Isaiah Mitchell (der mit mehr Soli) sorgten für den typischen Black Crowes-Rock. Bassist Sven Pipien (mit Harmoniegesängen) ging im voluminösen Sound ein wenig unter.

Der starke Drummer Brian Griffin (mit unaufgeregtem, aber sehr kräftigen und variablen Spiel) und ihr gefühlvoller Keyboarder Joel Robinow (mit HT-Einlagen bei u. a. „Jealous Again“ oder schöner Orgel bei „Struttin‘ Blues“) gefielen mir persönlich unheimlich gut. Als Fan von weiblichem Backgroundgesang bereiteten mir auch Mackenzie Adams und Leslie Grant großen Spaß, die bei „Seeing Things“ und beim späteren „Remedy“ besonders glänzen konnten.

Nach Ablauf des ‚Albums‘ mit dem knackigen „Starin‘ Cold“ ging es dann mit Stücken wie „Oh Josephine“, „Wiser Time“, „Thorn in My Pride“ und „Sting Me“ etwas progressiver weiter bis zum starken „Remedy“ als Finale eines insgesamt sehr überzeugenden Gigs. Die begeisterten Zuschauer konnten der Band aus Atlanta, Georgia, dann zum Schluss noch den Velvet Underground-Klassiker „Rock & Roll“ als Zugabe abgewinnen.

Am Ende hatten die Black Crowes meine zuvor gehegten Bedenken ausgeräumt, sodass ich unterm Strich als Fazit von einem gelungenen Comeback und lohnenswerten Besuch sprechen kann. Die Robinson-Brüder wieder in Harmonie vereint, neues Material geplant (hoffentlich wieder mit dem einen oder anderen Geistesblitz), so darf es gerne weitergehen!

Line-up The Black Crowes:
Chris Robinson (lead vocals, harp)
Rich Robinson (guitars, bgv)
Isaiah Mitchell (guitars, bgv)
Joel Robinow (keyboards)
Sven Pipien (bass, bgv)
Brian Griffin (drums)
Mackenzie Adams (bgv)
Leslie Grant (bgv)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

The Black Crowes
The Black Crowes bei Facebook
DeWolff
DeWolff bei Facebook
Mascot/Provogue Label Group
RuhrCongress Bochum

Beth Hart – 01.07.2019, RuhrCongress, Bochum – Konzertbericht

Beth-haupt

Nachdem der Opening-Act, Kenny Wayne Sheperd mit seinen Mannen, in der mit über 2.000 Zuschauern gefüllten RuhrCongress Halle zu Bochum, eine famose Blues Rock-Show abgeliefert hatte, galt es für die gerade von einer Erkältung genesene Kalifornierin Beth Hart samt ihrer Mitstreiter Jon Nichols, Bob Marinelli und Bill Ransom, als Headliner (in der USA war es ja genau anders herum), in unseren Sphären, dieser hohen Bürde gerecht zu werden.

Die in Los Angeles ansässige Protagonistin, auch bestens bekannt für ihre Zusammenarbeit mit Joe Bonamassa, lief quasi zur Hintertür in die Halle ein und bahnte sich mit „Love Gangster“ somit ihren Weg fast bis zum Ende des Songs, von der hintersten Reihe, mitten durchs Publikum, nach vorne zur Bühne.

Da auch hier nur bei insgesamt drei Tracks zu fotografieren erlaubt war und Gernot samt Fotokollegen ganz seitlich rechts unten in der Halle positioniert waren, und mit „Saved“ und „Baddest Blues“ (Beth erstmals am Piano) zwei nicht allzu lang währende Nummern folgten, war der Fotografier-Spaß von nur recht kurzer Natur bemessen (von daher gibt es diesmal auch nicht ganz so opulente Galerien zu begutachten, Gernot hat aber einen tollen Job gemacht, siehe unten).

Eines ist bei der sich gerne barfüßig bewegenden und kommunikationsfreudig gebenden Künstlerin sicher: auf bei Konzerten vorangegangenen Setlisten, ist kein Verlass. Ähnlich wie bei der Tedeschi Trucks Band, wählt sie meist spontan nach ihrem Gusto, aus dem reichhaltigen Fundus ihrer eigenen Lieder und verehrten Covernummern und mischt diese auch munter durch.

So ging es diesmal weiter von „Don’t Explain“ (schönes Nichols E-Solo), über das karibisch angehauchte „Let’s Get Together“, dem rhythmisch rockigeren „Fat Man“, zur über drei Tracks währenden Akustik-Session. Die wurde mit den beiden Bonamassa-Kooperationen „A Sunday Kind Of Love“ und „If I Tell I Love You“ sowie dem schlafwandlerischen „Lullaby Of The Leaves“, nebeneinander, zu viert sitzend am vorderen Bühnenrand, performt.

Für das atmosphärische „Setting Me Free“ (hymnisches Gitarrensolo von Nichols) und das launige „As Good As It Gets“ kehrte Beth an ihr Piano zurück, bei letztgenanntem mit Schifferklaviereinlagen.

Dass sie es auch an der Akustikklampfe drauf hat, bewies ihre stimmlich von Hauchen und Fauchen umgarnte Solovorstellung bei „Isolation“. Der emotionale Schlussverlauf des Hauptteils mit den, ihrem Ehemann (der sie von ihren Trink-, Drogen- und persönlichen Problemen wieder in die ‚Spur‘ gebracht hat) und ihrem Vater bedachten Songs wie „As Long As I Have A Song“ und „Tell Her You Belong To Me“, löste natürlich Zugaberufe und Beifallsgetrampel aus, es wurde Nachschub einfordert.

Der fiel dann mit dem Trio „Sinner’s Prayer“ (Nichols slidend), „Love Is A Lie“ und der emotionalen Ballade „No Place Like Home“ (Beth alleine am Molltöne verbreitenden Piano im Stile einer Melissa Etheridge),  nochmals ordentlich aus, sodass eine Gesamtspielzeit von 90 Minuten erreicht wurde.

Insgesamt Beth Hart, wie man sie kennt, mit einer gesangsgewaltigen, emotionalen, überwiegend stark auf die charismatische Protagonistin fixierten Show. Leichter Punktsieger an diesem Abend war für mich persönlich allerdings Kenny Wayne Sheperd.

Danke an Jenny Dore von 3Dog Entertainment für die gewohnt unkomplizierte Akkreditierung.

Line-up:
Beth Hart (lead vocals, piano, acoustic guitar)
John Nichols (electric and acoustic guitar, vocals)
Bob Marinelli (bass)
Bill Ransom (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Beth Hart
Beth Hart bei Facebook
Shooter Promotions
3Dog Entertainment
Mascot/Provogue Label Group
RuhrCongress Bochum

Kenny Wayne Shepherd – 01.07.2019, RuhrCongress, Bochum – Konzertbericht

Shep_haupt

Toll geschnürtes Paket gestern Abend im Bochumer RuhrCongress: Das einstige Blues Rock-Wunderkind, heute bereits ein gestandener Musiker, Kenny Wayne Shepherd und die kalifornische (Blues-) Rockröhre Beth Hart, zogen gut 2.200 Zuschauer in die Halle und sorgten für stimmungsvolle Unterhaltung.

Der aus Shreveport, Louisiana stammende Paradegitarrist hatte mit Weltklassedrummer Chris Layton (u. a. Stevie Ray Vaughans Double Trouble, Storyville, Arc Angels), Sänger Noah Hunt, dem starken Tastenspieler Joe Krown und Bassist Scott Nelson hervorragende ‚Rückendeckung‘ für seine unzähligen filigranen und ordentlich s(c)hep(p)ernden Soli.

Am Start hatte er sein kürzlich auch von uns reviewtes Album „The Traveler„, das mit den drei Eröffnungstracks (hier durfte auch nur fotografiert werden) „Woman Like You“, der Buffalo Springfield-Nummer „Mr. Soul“ (Neil Young-Fan Gernot Mangold sofort hoch erfreut) und „I Want You“, dann auch direkt in den Vordergrund gestellt wurde. Bei letztgenanntem Lied, sowie später beim Elmore James-Cover „Talk To Me Baby“ (mit herrlichem HT-Geklimper von Krown) übernahm der Protagonist dann auch das Frontmikro, das ansonsten Noah Hunt inne hatte.

Meine Favoriten im Set waren allerdings die ruhigeren und atmosphärischen Stücke wie „Heat Of The Sun“ und „Turn To Stone“ (James Gang), bei denen Kennys ausschweifende fingerfertige Saitenkünste (bei letztem phasenweise an Skynyrd erinnernd) am besten zum Tragen kamen.

Grandios auch das einst mit Mark Selby und Ehefrau Tia Sillers zusammen komponierte „Blue On Black“ und die fulminante Version vom, als Finale gebrachten Hendrix-Klassiker „Voodoo Chile“, bei dessen Schlussakkorden sich das Publikum zu stehenden Ovationen aus den Sitzen der bestuhlten Kongresshalle erhob.

Eine einstündige Blues Rock-Gala der Kenny Wayne Shepherd Band und eine tolle Einstimmung zu Beth Hart!

Line-up:
Kenny Wayne Shepherd (electric guitar, vocals, lead vocals)
Noah Hunt (lead vocals, electric and acoustic guitar, percussion)
Joe Krown (keys)
Scott Nelson (bass)
Chris Layton (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Kenny Wayne Shepherd
Kenny Wayne Shepherd bei Facebook
Shooter Promotions
3Dog Entertainment
Mascot/Provogue Label Group
RuhrCongress Bochum

Tedeschi Trucks Band – 14.04.2019, RuhrCongress, Bochum – Konzertbericht

TTB_haupt

Die Tedeschi Trucks Band wieder zurück in unseren Sphären, diesmal im Bochumer RuhrCongress. Ungefähr 1.100 Zuschauer, überwiegend aus der Generation 50+, hatten sich in der bestuhlten Location eingefunden, um das eindrucksvolle Ensemble um die beiden Leader Susan Tedeschi (in einem rot-schwarzen luftigen Sommerkleid) und Derek Trucks, in ihrem musikalischen Treiben bewundern zu können.

Das erste, ca. 50-minütige Set plätscherte nach dem Opener „Loving You Is Sweeter Than Ever“ relativ relaxt und sehr melodisch vor sich hin. Da sich die Bandmitglieder vornehmlich auf ihre eigenen Parts konzentrierten (Trucks natürlich mit einigen reißenden Slides und quirligen Fingerfertigkeiten) und Susan Tedeschi weder Ansagen machte, noch Gelegenheit zur Interaktion aufkommen ließ, lag das Stimmungsbarometer im eher verhaltenen bis niedrigen Bereich.

Erst gegen Ende, als bei „Part Of Me“, die Backgroundsänger/in beim Leadgesang einbezogen wurden, die herrliche Ballade „Don’t Drift Away“ Gänsehautmomente erzeugte, und mit dem rockigen „Get What You Deserved“ mal die Post abging, begann sich die bis dato etwas unterkühlt wirkende, distanzierte Atmosphäre, ein wenig aufzulockern. Trotzdem muss konstatiert werden, dass auch hier die musikalische Leistung und der wunderbar transparente Sound (über den gesamten Gig hinweg), schon ein Genuss für die Sinne waren.

Nach einer guten halben Stunde Pause, uferte der zweite Teil dann allerdings in eine absolute Weltklasse-Leistung. Was die Musiker hier an instrumentellem Feuerwerk bei Stücken wie u. a. „Key To The Highway“ (starker Gesang von Mike Mattison), dem grandios groovenden „Signs, High Times“, „Statesboro Blues“, „Midnight In Harlem“ oder dem Santana-Cover „Soul Sacrifice“ ablieferten, war schon atemberaubend.

Der Spirit der Allman Brothers-Glanzzeiten schwebte zum Greifen nah durch die imposante Kongress-Halle, nicht zuletzt, dank Trucks Mörder-Saiten-Einlagen, zum Teil in Duane Allman-Manier und der wuchtigen Drum-Doppelbesetzung, mit den formidabel trommelnden J.J. Johnson und Tyler Greenwell.

Aber auch Susan Tedeschi verpasste dem Blind Willie McTell-Ursprungs-Klassiker mit weiblichen Lead vocals, eine neue Farbe. Ihre E-Gitarren-Soli (einmal herrlich im Twin-Modus mit Derek) waren ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Der phasenweise furios klimpernde Gabe Dixon trägt auch eine gehörige Portion Gregg Allman-Tastenblut in sich.

Am Ende des Hauptteils hatte die 12-köpfige Combo das Publikum, unter stehenden Ovationen, auf ihre Seite gezogen. Das war schon ganz großes musikalisches Kino. Und mit der launigen, viel-gecoverten Zugabe „Let’s Go Get Stoned“ (im Little Feat-Stil), bei dem sich dann alle Beteiligten nochmals gebührlich einbringen konnten (Vokalisten und Bläser), war das Eis dann endgültig gebrochen.

Insgesamt ein grandioser Abend, der eine spielfreudige, exzellent agierende Band auf allerhöchstem Weltklasse-Niveau zurückließ, aber auch einige kleine Schwächen im Rahmen der Eigen-, beziehungsweise Öffentlichkeitswerbung offerierte. Eine nicht mal zu zwei Drittel gefüllte Halle sollte auch in dieser Liga, vielleicht ein wenig zu denken geben. Nichtsdestotrotz ein höchst beeindruckendes Erlebnis!

Danke an Jenny Dore von 3-Dog-Entertainment für die gewohnt angenehme und zuverlässige Zusammenarbeit bei der Akkreditierung.

Line-up:
Susan Tedeschi (lead vocals, electric guitar, vocals)
Derek Trucks (electric guitar, slide guitar)
Mike Mattison (lead vocals, acoustic guitar, vocals)
Gabe Dixon (keys)
Brandon Boone (bass)
J.J. Johnson (drums)
Tyler Greenwell (drums)
Elisabeth Lea (trombone)
Ephraim Owens (trumpet)
Kebbie Williams (saxophone)
Alecia Chakour (vocals, percussion)
Mark Rivers (vocals, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Tedeschi Trucks Band
Tedeschi Trucks Band bei Facebook
Shooter Promotions
3Dog Entertainment
RuhrCongress Bochum