Beth Hart – 01.07.2019, RuhrCongress, Bochum – Konzertbericht

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Nachdem der Opening-Act, Kenny Wayne Sheperd mit seinen Mannen, in der mit über 2.000 Zuschauern gefüllten RuhrCongress Halle zu Bochum, eine famose Blues Rock-Show abgeliefert hatte, galt es für die gerade von einer Erkältung genesene Kalifornierin Beth Hart samt ihrer Mitstreiter Jon Nichols, Bob Marinelli und Bill Ransom, als Headliner (in der USA war es ja genau anders herum), in unseren Sphären, dieser hohen Bürde gerecht zu werden.

Die in Los Angeles ansässige Protagonistin, auch bestens bekannt für ihre Zusammenarbeit mit Joe Bonamassa, lief quasi zur Hintertür in die Halle ein und bahnte sich mit „Love Gangster“ somit ihren Weg fast bis zum Ende des Songs, von der hintersten Reihe, mitten durchs Publikum, nach vorne zur Bühne.

Da auch hier nur bei insgesamt drei Tracks zu fotografieren erlaubt war und Gernot samt Fotokollegen ganz seitlich rechts unten in der Halle positioniert waren, und mit „Saved“ und „Baddest Blues“ (Beth erstmals am Piano) zwei nicht allzu lang währende Nummern folgten, war der Fotografier-Spaß von nur recht kurzer Natur bemessen (von daher gibt es diesmal auch nicht ganz so opulente Galerien zu begutachten, Gernot hat aber einen tollen Job gemacht, siehe unten).

Eines ist bei der sich gerne barfüßig bewegenden und kommunikationsfreudig gebenden Künstlerin sicher: auf bei Konzerten vorangegangenen Setlisten, ist kein Verlass. Ähnlich wie bei der Tedeschi Trucks Band, wählt sie meist spontan nach ihrem Gusto, aus dem reichhaltigen Fundus ihrer eigenen Lieder und verehrten Covernummern und mischt diese auch munter durch.

So ging es diesmal weiter von „Don’t Explain“ (schönes Nichols E-Solo), über das karibisch angehauchte „Let’s Get Together“, dem rhythmisch rockigeren „Fat Man“, zur über drei Tracks währenden Akustik-Session. Die wurde mit den beiden Bonamassa-Kooperationen „A Sunday Kind Of Love“ und „If I Tell I Love You“ sowie dem schlafwandlerischen „Lullaby Of The Leaves“, nebeneinander, zu viert sitzend am vorderen Bühnenrand, performt.

Für das atmosphärische „Setting Me Free“ (hymnisches Gitarrensolo von Nichols) und das launige „As Good As It Gets“ kehrte Beth an ihr Piano zurück, bei letztgenanntem mit Schifferklaviereinlagen.

Dass sie es auch an der Akustikklampfe drauf hat, bewies ihre stimmlich von Hauchen und Fauchen umgarnte Solovorstellung bei „Isolation“. Der emotionale Schlussverlauf des Hauptteils mit den, ihrem Ehemann (der sie von ihren Trink-, Drogen- und persönlichen Problemen wieder in die ‚Spur‘ gebracht hat) und ihrem Vater bedachten Songs wie „As Long As I Have A Song“ und „Tell Her You Belong To Me“, löste natürlich Zugaberufe und Beifallsgetrampel aus, es wurde Nachschub einfordert.

Der fiel dann mit dem Trio „Sinner’s Prayer“ (Nichols slidend), „Love Is A Lie“ und der emotionalen Ballade „No Place Like Home“ (Beth alleine am Molltöne verbreitenden Piano im Stile einer Melissa Etheridge),  nochmals ordentlich aus, sodass eine Gesamtspielzeit von 90 Minuten erreicht wurde.

Insgesamt Beth Hart, wie man sie kennt, mit einer gesangsgewaltigen, emotionalen, überwiegend stark auf die charismatische Protagonistin fixierten Show. Leichter Punktsieger an diesem Abend war für mich persönlich allerdings Kenny Wayne Sheperd.

Danke an Jenny Dore von 3Dog Entertainment für die gewohnt unkomplizierte Akkreditierung.

Line-up:
Beth Hart (lead vocals, piano, acoustic guitar)
John Nichols (electric and acoustic guitar, vocals)
Bob Marinelli (bass)
Bill Ransom (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Beth Hart
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RuhrCongress Bochum

Kenny Wayne Shepherd – 01.07.2019, RuhrCongress, Bochum – Konzertbericht

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Toll geschnürtes Paket gestern Abend im Bochumer RuhrCongress: Das einstige Blues Rock-Wunderkind, heute bereits ein gestandener Musiker, Kenny Wayne Shepherd und die kalifornische (Blues-) Rockröhre Beth Hart, zogen gut 2.200 Zuschauer in die Halle und sorgten für stimmungsvolle Unterhaltung.

Der aus Shreveport, Louisiana stammende Paradegitarrist hatte mit Weltklassedrummer Chris Layton (u. a. Stevie Ray Vaughans Double Trouble, Storyville, Arc Angels), Sänger Noah Hunt, dem starken Tastenspieler Joe Krown und Bassist Scott Nelson hervorragende ‚Rückendeckung‘ für seine unzähligen filigranen und ordentlich s(c)hep(p)ernden Soli.

Am Start hatte er sein kürzlich auch von uns reviewtes Album „The Traveler„, das mit den drei Eröffnungstracks (hier durfte auch nur fotografiert werden) „Woman Like You“, der Buffalo Springfield-Nummer „Mr. Soul“ (Neil Young-Fan Gernot Mangold sofort hoch erfreut) und „I Want You“, dann auch direkt in den Vordergrund gestellt wurde. Bei letztgenanntem Lied, sowie später beim Elmore James-Cover „Talk To Me Baby“ (mit herrlichem HT-Geklimper von Krown) übernahm der Protagonist dann auch das Frontmikro, das ansonsten Noah Hunt inne hatte.

Meine Favoriten im Set waren allerdings die ruhigeren und atmosphärischen Stücke wie „Heat Of The Sun“ und „Turn To Stone“ (James Gang), bei denen Kennys ausschweifende fingerfertige Saitenkünste (bei letztem phasenweise an Skynyrd erinnernd) am besten zum Tragen kamen.

Grandios auch das einst mit Mark Selby und Ehefrau Tia Sillers zusammen komponierte „Blue On Black“ und die fulminante Version vom, als Finale gebrachten Hendrix-Klassiker „Voodoo Chile“, bei dessen Schlussakkorden sich das Publikum zu stehenden Ovationen aus den Sitzen der bestuhlten Kongresshalle erhob.

Eine einstündige Blues Rock-Gala der Kenny Wayne Shepherd Band und eine tolle Einstimmung zu Beth Hart!

Line-up:
Kenny Wayne Shepherd (electric guitar, vocals, lead vocals)
Noah Hunt (lead vocals, electric and acoustic guitar, percussion)
Joe Krown (keys)
Scott Nelson (bass)
Chris Layton (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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RuhrCongress Bochum

Tedeschi Trucks Band – 14.04.2019, RuhrCongress, Bochum – Konzertbericht

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Die Tedeschi Trucks Band wieder zurück in unseren Sphären, diesmal im Bochumer RuhrCongress. Ungefähr 1.100 Zuschauer, überwiegend aus der Generation 50+, hatten sich in der bestuhlten Location eingefunden, um das eindrucksvolle Ensemble um die beiden Leader Susan Tedeschi (in einem rot-schwarzen luftigen Sommerkleid) und Derek Trucks, in ihrem musikalischen Treiben bewundern zu können.

Das erste, ca. 50-minütige Set plätscherte nach dem Opener „Loving You Is Sweeter Than Ever“ relativ relaxt und sehr melodisch vor sich hin. Da sich die Bandmitglieder vornehmlich auf ihre eigenen Parts konzentrierten (Trucks natürlich mit einigen reißenden Slides und quirligen Fingerfertigkeiten) und Susan Tedeschi weder Ansagen machte, noch Gelegenheit zur Interaktion aufkommen ließ, lag das Stimmungsbarometer im eher verhaltenen bis niedrigen Bereich.

Erst gegen Ende, als bei „Part Of Me“, die Backgroundsänger/in beim Leadgesang einbezogen wurden, die herrliche Ballade „Don’t Drift Away“ Gänsehautmomente erzeugte, und mit dem rockigen „Get What You Deserved“ mal die Post abging, begann sich die bis dato etwas unterkühlt wirkende, distanzierte Atmosphäre, ein wenig aufzulockern. Trotzdem muss konstatiert werden, dass auch hier die musikalische Leistung und der wunderbar transparente Sound (über den gesamten Gig hinweg), schon ein Genuss für die Sinne waren.

Nach einer guten halben Stunde Pause, uferte der zweite Teil dann allerdings in eine absolute Weltklasse-Leistung. Was die Musiker hier an instrumentellem Feuerwerk bei Stücken wie u. a. „Key To The Highway“ (starker Gesang von Mike Mattison), dem grandios groovenden „Signs, High Times“, „Statesboro Blues“, „Midnight In Harlem“ oder dem Santana-Cover „Soul Sacrifice“ ablieferten, war schon atemberaubend.

Der Spirit der Allman Brothers-Glanzzeiten schwebte zum Greifen nah durch die imposante Kongress-Halle, nicht zuletzt, dank Trucks Mörder-Saiten-Einlagen, zum Teil in Duane Allman-Manier und der wuchtigen Drum-Doppelbesetzung, mit den formidabel trommelnden J.J. Johnson und Tyler Greenwell.

Aber auch Susan Tedeschi verpasste dem Blind Willie McTell-Ursprungs-Klassiker mit weiblichen Lead vocals, eine neue Farbe. Ihre E-Gitarren-Soli (einmal herrlich im Twin-Modus mit Derek) waren ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Der phasenweise furios klimpernde Gabe Dixon trägt auch eine gehörige Portion Gregg Allman-Tastenblut in sich.

Am Ende des Hauptteils hatte die 12-köpfige Combo das Publikum, unter stehenden Ovationen, auf ihre Seite gezogen. Das war schon ganz großes musikalisches Kino. Und mit der launigen, viel-gecoverten Zugabe „Let’s Go Get Stoned“ (im Little Feat-Stil), bei dem sich dann alle Beteiligten nochmals gebührlich einbringen konnten (Vokalisten und Bläser), war das Eis dann endgültig gebrochen.

Insgesamt ein grandioser Abend, der eine spielfreudige, exzellent agierende Band auf allerhöchstem Weltklasse-Niveau zurückließ, aber auch einige kleine Schwächen im Rahmen der Eigen-, beziehungsweise Öffentlichkeitswerbung offerierte. Eine nicht mal zu zwei Drittel gefüllte Halle sollte auch in dieser Liga, vielleicht ein wenig zu denken geben. Nichtsdestotrotz ein höchst beeindruckendes Erlebnis!

Danke an Jenny Dore von 3-Dog-Entertainment für die gewohnt angenehme und zuverlässige Zusammenarbeit bei der Akkreditierung.

Line-up:
Susan Tedeschi (lead vocals, electric guitar, vocals)
Derek Trucks (electric guitar, slide guitar)
Mike Mattison (lead vocals, acoustic guitar, vocals)
Gabe Dixon (keys)
Brandon Boone (bass)
J.J. Johnson (drums)
Tyler Greenwell (drums)
Elisabeth Lea (trombone)
Ephraim Owens (trumpet)
Kebbie Williams (saxophone)
Alecia Chakour (vocals, percussion)
Mark Rivers (vocals, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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RuhrCongress Bochum

Glenn Hughes – 24.10.2018, Zeche, Bochum – Konzertbericht

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Nachdem 3 Dog Entertainment schon einige Tage vor dem Konzert nur noch einige wenige verfügbare Karten für das Glenn Hughes Konzert meldete, gingen die letzten sieben Karten am Konzerttag über den Tresen, und die Zeche war restlos ausverkauft.

Punktgenau um 20:00 Uhr betrat Glenn mit seiner Band die Bühne. Der symphatische, mittlerweile 67-jährige Hughes hat dieses oft nervige Hinauszögern eines Konzertbeginns eben nicht nötig!

Schon direkt zu Beginn beschrieb er, was die Zuschauer an diesem Abend erwarten sollte. In großen Teilen ein Querschnitt der Deep Purple-Ära Mitte der 70er Jahre, wo er in der Mark 3 und Mark 4 Besetzung als Sänger und Bassist Bestandteil des Hartdrockdinosauriers war. Als Reminiszenz an diese Zeit war er auch mit einer stylischen 70er Jahre-Jeans, einem bunten hippieähnlichen Hemd und der obligatorischen leicht pinken Sonnenbrille mit kreisrunden Gläsern gestylt.

Der Einstiegssong „Stormbringer“ war auch vom Titel her geschickt gewählt, die Gemäuer der Zeche wurden an diesem Abend noch einmal von typischen Hardrock der Marke Deep Purple umweht. Hughes nahm dabei immer wieder Kontakt zu den Fans auf und poste wie zu alten Zeiten. Auch gesanglich war der Auftritt bemerkenswert gut, was für einem Hardrocksänger in dem Alter nicht selbstverständlich ist.

Von der ersten Sekunde an war auch spürbar, mit welcher Freude Hughes die Musik präsentierte und auch die Resonanz aus dem gut mitgehenden Publikum genoss. Bei „Gettiin‘ Tighter“ bewies er in einem ausgedehnten Solo auch noch einmal, wie gut er seinen E-Bass beherrscht.

Schön war, dass Glenn, der auch lichttechnisch meist im Vordergrund stand, seinen Mitstreitern für mehrminütige Passagen die Bühne überließ, wo diese sich als Solisten zeigen konnten. Vor „You Fool No One“ legte Jesper Bo Hansen ein monumentales Keyboardsolo hin, das an die Jon Lord-Ära erinnerte.

Ich meine ganz zu Beginn dabei einige Klänge gehört zu haben, die musikalisch in die skandinavische Region gehören. Soren Anderson, der mir schon als Gitarrist bei Jesper Binzer im Frühjahr bei einem Konzert in Essen positiv aufgefallen war, legte ein mehrminütiges Gitarrensolo hin, konnte aber auch in fast allen anderen Tracks glänzen.

In „High Ball Shooter“ hatte Drummer Fernando Escobedo seinen großen Auftritt. Über mehrere Minuten bearbeitete er seine Drums zum Teil mit einem solchen Tempo, dass das Auge den Drumsticks nicht mehr folgen konnnte, um dann aber in langsameren Passagen mit seinen Stöcken zu jonglieren.

Als vorletzten Song kündigte Hughes eine Bluesnummer an, philosophierte in der Ansage über die Funktion von Musik im friedlichen Zusammenleben von Menschen. Dazu erwähnte er, dass er immer gerne in Deutschland ist, da er durch seine Frau eine familiäre Bindung hier hin hat. Taktisch klug, aber auch ehrlich gemeint. Die ‚Extendet Version‘ von „Mistreated“, einer der besten und intensivsten Purple-Songs für mich, war auch vom frenetischen Applaus der Fans her, eines der absoluten Highlights eines ganz starken Auftritts.

Als letzten Track des Hauptteils durfte das furios gespielte „Smoke On The Water“ natürlich nicht fehlen, an das sich eine schöne Version von „Georgia On My Mind“ anschloss, in der Hughes seine stimmlichen Fähigkeiten auch in höhern Tonlagen zum Besten gab. Am Ende schaute er durch die Decke der Zeche, die bei „Smoke On The Water“, wie von ihm vorher in der Ansage versprochen, angehoben wurde. Dabei schien er ein kurzes Gebet abgeschickt zu haben.

Als die Band die Bühne verlassen hatte, forderten die Fans in der Zeche, welche mit der kleinen Tribüne und der Empore immer ein schönes Ambiente bietet, lautstark Zugaben.

Hughes und seine Band ließen sich auch nicht lange bitten und brachten mit „Burn“ und dem fetzigen „Highway Star“ die Zeche noch einmal zum Kochen.

Nach etwa zwei Stunden guten alten Hard Rocks war die Show dann vorbei. Hughes hatte aber vorher schon angekündigt, auch nächstes Jahr wieder zukommen. Die zufriedenen Fans hatten allen Anschein nach genau das geboten bekommen, was sie erwartet hatten. Auch mit fast 70 ist es noch möglich, ordentlich abzurocken und sich nicht auf den balladesken Songs auszuruhen.

Ein Dank geht an Jenny Dore, für die problemlose Akkreditierung zu diesem Ereignis/Erlebnis, dass Sie es mit 3 Dog Entertainment immer wieder schafft, namhafte und wirklich gute Künstler in die Region um Dortmund zu holen. Und wenn das eigene Piano halt zu klein ist, gibt es genügend Lokalitäten in der Region, wie eben die Bochumer Zeche, wo dann die Post abgehen kann.

Line-up:
Glenn Hughes (lead vocals, bass)
Soren Anderson (guitar)
Fernando Escobedo (drums)
Jesper Bo Hansen (keyboards)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Glenn Hughes
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Zeche Bochum
3Dog Entertainment

Walter Trout – 26.10.2017, Zeche, Bochum – Konzertbericht

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Nachdem die Anreise zur Zeche Bochum aufgrund von Staus und Umleitungen länger als gewohnt gedauerte hatte, war ich dann doch noch nach über zwei Stunden Anfahrt (für ca. 70 km!) auf die letzte Minute um kurz nach 20 Uhr in der proppevollen Zeche angekommen und konnte mir noch mit Mühe einen Platz in der zweiten Reihe ergattern.

Zehn Minuten später betrat dann der Altmeister unter dem Jubelgeschrei der zahlreichen Fans zusammen mit seinen Musikern Sammy Avila (keyboards), Danny Avila (Bass) und Michael Leasure (drums) die Bühne und heizte dem Publikum von Beginn an kräftig ein (u. a. auch mit den älteren Songs „Cold Cold Feeling“ und „Put It Right Back“).

Danach gab’s neues Material vom aktuellen Album „We’re All In This Together“. Auf „Got Nothing Left“ folgte dann mit „Blues For Jimmy T.“ eine Reminiszenz an seinen, wie er selbst sagt, Mentor und LehrmeisterJohn Mayall, eine tolle Bluesnummer über Walter Trouts besten, aber vor einigen Jahren verstorbenen, Freund.

Zuvor holte sich Walter aber noch Dennis Zabienski, einen Gelsenkirchener Gitarristen, auf die Bühne, um mit ihm gemeinsam den B. B. King Klassiker „The Thrill Is Gone“ zu zelebrieren. Von Walter Traut wurde Zabienski als als junges Blues-Talent angesagt, das er schon seit dessen Kindertagen kennt. Der junge Gitarrist legte dann tatsächlich eine Performance hin, die sich hören und sehen lassen konnte. Man darf durchaus gespannt sein, was es von ihm in Zukunft noch so alles zu Hören geben wird.

Der Rest des Konzertes lief dann gewissermaßen unter Familentreffen, da nun auch Walter Trouts Sohn Jon die Bühne betrat und kräftig mitmischen durfte. In „Do You See Me At All“ vom neuen Album lieferte er sich ein wahres Gitarrenduell mit seinem Vater. Im sich anschließenden Titeltrack des Albums „We’re All In This Together“ setzte sich sodann Jons förmlich explodierende Spielfreude fort.

Besinnlich wurde es, als Walter Trout über seine schwere Lebererkrankung und anschließende Lebertransplantation sprach. Seine damaligen Sorgen und Ängste hatte er nach seiner Genesung auf dem Album. „The Battle Scares“ verarbeitet, von dem er das nachdenkliche Stück „Please Take Me Home“ mit Sohn Jon an der Akkustikgitarre spielte. Und natürlich versäumte er es nach dem Song nicht, leidenschaftlich für Organspenden zu werben.

Mit „Going Down“ ging dann das Konzert nach knapp zwei Stunden ohne Pause zu Ende. Herausragend hier Sammy Avilas Sohn mit einem minutenlangen, virtuosen Bass-Solo und einem ebenso beeindruckenden, wilden Schlagzeugsolo von Micheal Leasure. Ein perfekter Abschluss für ein grandioses Konzert mit einem Walter Trout in bester Spiellaune! Kaum zu glauben, dass dieser Mann vor noch nicht allzu langer Zeit mit dem Tod gerungen hat.

Bei dem lautstarken Verlangen des Publikums nach einer Zugabe ließen sich Walter Trout und seine Mannen nicht lange bitten und kehrten unter tosendem Beifall auf die Bühne zurück. Das ruhige „Amazing Grace“ bildete dann in der 15 minütigen Zugabe den Einstieg in den wilden Chuck Berry Rock’ n Roll-Klassiker „Little Queenie“, der vom Auditorium nach Animation von Walter Trout minutenlang inbrünstig mitgesungen und abgefeiert wurde.

Welch ein grandioses Konzert! Schade, dass es gefühlt viel zu schnell endete! Es war Walter Trout at his best!

Line-up:
Walter Trout (lead vocals, electric guitar)
Danny Avila (bass)
Michael Leasure (drums, vocals)
Sammy Avila (keys, vocals)
Special guests:
Jon Trout (electric guitar, vocals)
Dennis Zabienski (electric guitar)

Bericht und Bilder: Jörg Schneider

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Zeche Bochum
Jörg Schneider Webseite

Blackberry Smoke – 02.12.2009, Zwischenfall, Bochum – Konzertbericht

Da ist man doch eigentlich ein eingefleischter Southern Rock-Fan und ich kann mich ehrlich gesagt kaum daran erinnern, wann ich das letzte Mal ein Live-Konzert aus diesem Genre gesehen habe. Es muss wohl Molly Hatchet in der Bochumer Zeche gewesen sein (auch schon ewig und drei Tage her), aber da ja kaum eine Band außer ihnen und Lynyrd Skynyrd (die schaue ich mir allerdings erst wieder an, wenn die Band statt der immer wieder runtergedudelten Klassiker schwerpunktmäßig Songs aus den Alben der Johnny Van Zant-Ära spielt, vermutlich also nie mehr…) in unseren Sphären auftaucht, ist es auch nicht ganz so verwunderlich.

Dabei gibt es in letzter Zeit soviel hoffnungsvollen Nachwuchs in diesem Genre. Und da tauchen dann aus dieser Riege plötzlich glatt Blackberry Smoke, deren hervorragendes Album „Little Piece Of Dixie“ von mir (und nicht nur von mir) zu Recht über den grünen Klee gelobt worden ist, hier zu einer Europa-Tournee auf und spielen auch noch in erreichbarer Nähe, nämlich in Bochum-Langendreer im Zwischenfall, einer Location, die eigentlich für ganz andere Musik (u.a. Metalcore, Punk, Hardcore…) bekannt ist. In Sekundenschnelle war die über Jahre angestaute Resignation wie weggefegt, ich war wieder heiß auf live gespielten Southern Rock.

Als Support spielte die Bochumer Band Northern Beach, die mit ihrem Frontmann Achim Bihler eine knappe Dreiviertelstunde mit sympathischem, recht erträglichen Punkrock und Rock’n’Roll einheizten, auch wenn ich mir hier eher eine weitere Southern Band oder gar keine Vorband gewünscht hätte. Die Jungs gaben ordentlich Gas am Stück. Schmankerl des Auftritts war allerdings der Kommentar meines Freundes Helmut ‚Happo‘ Tautges, seines Zeichens Präsident vom Fanclub Uralt-Ultras des immer noch besten und sympathischsten Fußballclubs Deutschlands (und darüber hinaus), Rot-Weiss Essen, der die Band vor dem letzten Stück lauthals aufforderte, doch mal bitte was Hartes zu spielen… Bekannt für seine selbstgedrehten RWE- und Musikvideos schlüpfte der passionierte Stones-Fan an diesem Abend auch noch in die Rolle des Film-Regisseurs, dazu später mehr.

Nach kurzer Umbaupause legten Blackberry Smoke, die für ihre Tour das Motto ‚Too Rock’n’Roll for Country, too Country for Rock’n’Roll‘ ausgegeben hatten, dann um 22.00 Uhr mit dem Countryfeger „Memphis Special“ los, um sich schwerpunktmäßig ihrem o.a. Album zu widmen. „Like I Am“, „Good One Coming On“, „Restless“ und „Bottom Of This“ erbrachten den Beweis, dass straighter Southern Rock gepaart mit der einen oder anderen Countryanleihe wunderbar funktionieren und den anwesenden Insideranteil der leider nur um die 60 Zuschauer spielend in Wallung bringt. Die Stimmung war trotz des übergroßen Platzangebotes und der nicht ganz optimalen Akustik im Raume prächtig.

Einen ersten Höhepunkt für mich erreichte das Konzert, als der Südstaaten-Fünfer (Charlie Starr, Paul Jackson, Brit und Richard Turner und der jetzt fest integrierte Keyboarder Brandon Still), das in Georgia Satellites-Manier gebrachte „Sanctified Woman“, eine furios abgehende Highspeed-Coverversion des Outlaws-Klassikers „Freeborn Man“ (fast kaum erkennbar, herrliches Slidespiel von Bandleader Charlie Star, HT-Piano) und ein funkig country-rockendes „Up In Smoke“ zum Besten gaben. Klasse auch das relativ neue Stück „Everbody Knows She’s Mine“, bei dem Starr und Zweitgitarrist Paul Jackson (leider oft zu leise ausgesteuert) dann nach zwei starken Einzel-Soli auch zur Southern-typischen Twin-Einlage ausholten. Mit dem countryfizierten „Son Of A Bourban“ und dem überragenden „Freedom Song“ vom aktuellen Werk, war der Hauptteil schon nach einer knappen Stunde vorbei.

Das als Zugabe stürmisch eingeforderte „Shake Your Magnolia“ rockte und stampfte noch mal höllenmäßig, rhythmisches Fußwippen mit den Cowboystiefeln und sonstigem Schuhwerk unvermeidbar. Das finale „Constant Sorrow“ begann mit einzelnen kleinen Duellen der beiden Gitarristen und ging vom Countryschwofer (inkl. Vorstellung der Band) in einen furiosen Rock’n’Roller über, ein starker Abschluss eines leider viel zu kurzen Konzertes, ein kleiner Wermutstropfen neben dem nicht ganz optimalen Sound (oft zu laut). Allerdings auch ein wenig verständlich, angesichts der Tatsache, dass es sich um einen Tag inmitten der Woche handelte und das Zwischenfall direkt am Rande einer bewohnten Fußgängerzone liegt.

Der hier abgelieferte Tour-Auftakt von Blackberry Smoke kam mir trotz der sehr guten Leistung noch ein bisschen wie ein erstes Abtasten und dezentes Warmspielen vor, was aber absolut nicht als Vorwurf gedacht ist, der Abend hat insgesamt richtig Spaß gemacht. Ich bin mir sicher, dass die Jungs im Laufe des Dezembers noch die eine oder andere Schüppe drauflegen, vor allem, wenn die Zuschauer-Resonanz etwas voluminöser ausfällt.

Kurz nach dem Ende konnte ich den unkomplizierten und sehr sympathischen Charlie Starr noch zu einem kurzen Weihnachtsgruß überreden, der Essener Sönke Wortmann alias Presidente Happo war natürlich mit der Kamera sofort zur Stelle. Starr ließ sich auch noch zu einem gemeinsamen Foto überreden und so war er, ohne es zu wissen, in Form von Happo, Freund Däddi und mir in die geballte Rot-Weiß Essen-Fußballkompetenz eingerahmt. Danach ging es noch in die Zwischenfall-Lounge, wo die Besucher Zeit und Gelegenheit hatten, sich mit den Musikern zu unterhalten (ich konnte noch ein paar Worte mit dem netten Brandon Still sprechen) und sich am recht umfangreichen Merchandising-Stand mit Blackberry Smoke-Artikeln (u.a. drei verschiedene T-Shirts) einzudecken.

Blackberry Smoke haben es an diesem Abend in Bochum mit tollen Songs, handwerklicher Bravour und sympathischer Präsenz geschafft, die längst verschwunden geglaubte Südstaatenrocklust in mir wieder zu erwecken. Leute, geht auf die anstehenden Konzerte, damit die Jungs positiv über Deutschland berichten können. Vielleicht kommen sie dann ja mit den vielen talentierten Bands im Schlepptau gerne wieder und wir erleben eine nicht für möglich gehaltene kleine Southern Rock-Renaissance!

Danke an Blackberry Smoke und Norbert vom Zwischenfall für die unproblematische Akkreditierung.

Blackberry Smoke
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Zwischenfall Bochum

Steve Lukather & Band – 26.03.2009, Zeche, Bochum – Konzertbericht

Eigentlich ist es eher einem Zufall, bzw. meiner bekannten Passion für den Southern Rock zu verdanken, dass meine bessere Hälfte und ich diesem Konzertabend beiwohnten. Das klingt zunächst im Kontext mit Steve Lukather etwas merkwürdig, ich bemühe mich aber das Rätsel in den nächsten Zeilen aufzulösen.

Ich bin mir zwar relativ sicher, dass ich bereits durchaus Berührungspunkte mit Steve Lukather hatte (vermutlich aber eher unbewusst, d.h. in meiner Plattensammlung, insofern, dass dieser auf diversen Tonträgern anderer Interpreten mitgewirkt hat), aber von ihm selbst oder seiner allseits bekannten Band Toto ist in der Dausschen Sammlung Fehlanzeige zu vermelden. Der primäre Auslöser für den Besuch dieses Gigs war mein Kontakt zu Craig deFalco, Bandleader einer von mir sehr geliebten und hoch geachteten Southern Rock Band mit dem Namen Laidlaw, den ich vor geraumer Zeit mal für unser Magazin interviewt hatte. Hä, werden viele jetzt denken, spinnt oder halluziniert der Daus jetzt endgültig.

Nein, denn jetzt kommt die Auflösung: Dieser hatte mir in einem Mail-Kontakt offeriert, dass er mit Steve Lukather gut befreundet ist und aus diesem Grund als Gitarrentechniker für seine aktuelle ‚Ever Changing Times‘-Tour angeheuert wurde. Er hatte mir spontan angeboten, sich sowohl um Gästelistenplätze zu kümmern (was sich allerdings dank unserer netten Beziehung zu Underdawg-Promotion erübrigt hatte – danke an Sandra für die unkomplizierte Akkreditierung), als auch nach dem Konzert für ein kurzes Pläuschchen zur Verfügung zu stehen.

So besorgte ich mir zur Vorbereitung schnurstracks Steves aktuelles Album. Nach vier bis fünf Hördurchgängen begann der Silberling allmählich immer besser zu gefallen, so dass sich dann auch eine gewisse Vorfreude aufs Konzert einstellte, obwohl eigentlich eh klar war, dass man in einen so anerkannten Musiker vom Kaliber eines Steve Lukather normalerweise auch blindes Vertrauen investieren kann.

Ein kleinen Dämpfer gab es dann doch. Bei meiner Recherche im Vorfeld hatte ich in einem Forum gelesen, dass Lukather beim Gig auf der Burg Satzvey angeblich einen schlechten Tag erwischt haben sollte, der Funke zum Publikum wäre einfach nicht über gesprungen. An diesen Abend im verregneten Bochum (übrigens Lukathers einziges Konzert in NRW), um es vorwegzunehmen, war aus meiner Sicht zumindest nach nichts davon zu spüren. Ganz im Gegenteil. direkt beim Opener „Crooked“ / „Twist“ wurde richtig straight geradeaus und gut gelaunt gerockt, wobei Steve erste filigrane Fingerübungen an seinem Arbeitsgerät (dem von Anfang an beeindruckt wirkenden und gut mitgehendem Publikum) ablieferte.

Die nächsten rund zwanzig Minuten standen dann ganz im Zeichen des neuen Albums. Mit „Ever Changing Times“ (herrlich melodisch dargeboten), „How Many Zeros“ (mit fetter Gitarrenpassage) und „Stab In The Back“ (inkl. Wah Wah-Gitarre gegen Ende) gab es eine ordentliche Dosis, die nur zwischenzeitlich vom ebenfalls recht geradlinig rockenden „Live For Today“ (glänzendes Lukather-E-Solo) unterbrochen wurde. Steve merkte man an, dass er sich in der rappelvollen Zeche sichtlich wohl fühlte. Er lächelte und gab sich sogar recht redselig, nippte am vom Publikum gereichten Bier und verteilte ein Küsschen an Craig deFalco (stellte ihn auch kurz vor), der den ganzen Abend dank Lukathers munterer Gitarrenwechselei Schwerstarbeit zu verrichten hatte . Es folgte eine humorvolle Anekdote bezüglich seines Sohnes Trevor, der ja bereits auch auf musikalischen Pfaden waltet und in „Ever Changing Times“ mit involviert war.

Im weiteren Verlauf wurde dann der Fokus mehr auf ausgedehntes Jammen und Improvisieren gelegt, wobei sich Steves Begleitmannschaft nach und nach auch ausgiebig in den Vordergrund spielen durfte. Zum Piepen dabei Bassist Carlitos Del Puerto, der mit obercooler Sonnenbrille einem Zwillingsbruder von Lenny Kravitz gleich kam. Alles gipfelte dann in einem munteren Instrumentenwechsel. Lukather übernahm das Keyboard, Steve Weingart wurde zu einem (richtig guten) E-Solo verdammt, und Drummer Eric Valentine bekam bei seinem intensiven Solo sogar die Augen verbunden. Auch der zweite Gitarrist, Ricky Z., erhielt ausreichend Gelegenheit, einige E-Läufe und recht gute Harmoniegesänge einzustreuen.

Nach Zweieinviertelstunde wurde mit dem dezent karibisch anmutenden „Hero With 1000 Eyes“ (inkl. Oohooh-Mitgesang des Publikums) der Hauptset beendet. Die unweigerlich folgenden Zugaberufe wurden mit einer eigenwilligen Lukather-Interpretation des Pink Floyd-Klassikers „Shine On You Crazy Diamond“ belohnt. Mit „Road Goes On“ ließ Steve dann mit einer reinen Solo-Performance akustisch einen hervorragenden und abwechslungsreichen Abend ausklingen, der keine Wünsche offen ließ, sofern man nicht mit dem Anspruch gekommen war, zahlreiche Toto-Klassiker serviert zu bekommen.

Mir, dem genrefremden Rockfan hat das Konzert jedenfalls großen Spaß bereitet und ich bin froh einem solchen Gitarrenkünstler mal live beigewohnt zu haben. Am Ende gab es noch den verabredeten Small Talk mit Craig deFalco, der einen äußerst netten und sympathischen Eindruck hinterließ. Er besorgte mir sogar die Setliste und reichte noch einige Original-Lukather-Plektrons. Craig verriet mir, dass der neue Laidlaw-Silberling in ca. zwei Monaten fertig sein soll und auch mit Lukather-Beteiligung aufwarten kann. Also, insgesamt ein runder Abend, der mir im Gedächtnis haften bleiben wird und mit eindeutiger Besuchsempfehlung für die noch folgenden Lukather-Gigs endet.

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Frontiers Records
Zeche Bochum
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