The Magpie Salute – High Water II – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Etwa ein Jahr nach „High Water I“, bringen Magpie Salute nun mit „High Water II“ den damals schon angekündigten Nachfolger. Die nahtlose Fortsetzung liegt auch daran, dass ein Teil der Songs schon damals mitproduziert wurden, aber Rich Robinson sich bewusst entschied, diese erst auf „High Water II“ zu veröffentlichen.

Mit „Sooner Or Later“ ist ein rasanter Eröffnungstrack ausgewählt worden, der der insbesondere im Mittelpart psychedelische Elemente aufweist, vom Songwriting aber durchaus eine Nähe zu den Black Crows erkennen lässt. Geschrieben ist das Stück, wie auch ein Großteil des Materials, von Robinson und John Hogg, die auch für das erfrischende groovende „Gimme Something“ verantwortlich sind.

Stilistisch ähnlich ist das folgende „Leave It All Behind“, welches nach der Tour für „High Water II“ komponiert wurde und zweideutig gesehen werden kann. Bisher ist noch keine weitere Tour der Magpie Salute geplant.

„In Here“ beginnt mit einem Intro, dass an die frühen Neil Young and Crazy Hourse-Phase erinnert. Mag es an der Begeisterung Robinsons für Gretsch Gitarren sein, die auch Young benutzte und, von der er eine Signature-Gitarre ‚Magpie‘ entwickelte?

Mit „You And I“ wird es sehr melodisch, leicht melancholisch und countresk. Diese Gangart setzt sich auch in „Mother Storm“ fort wobei Hoggs Stimme natürlich eine Abgrenzung darstellt.

Bei „A Mirror“ wird wieder leicht auf’s Gaspedal getreten, um den für mich stärksten, sehr emotionalen Track „Lost Boy“, geschrieben von Marc Ford und Robinson, nachzuschieben. Ein Countrysong mit Unterstützung durch Alison Krauss, die neben der Geige auch gesanglich der Band beiwohnt. Das folgende Stück könnte vom Songwriting und der Präsentation her eventuell dem verlorenen Sohn, dem zu früh verstorbenen David Bowie, gewidmet sein.

„Turn It Around“ hätte auch gut in die Zeit von „Lets Dance“ Phase gepasst. In „Life Is A Landslide“ sind auch Elemente des Vorgängers zu erkennen aber Robinson und Kumpanen bewegen sich in Richtung Southern Rock, um mit „Doesn`t Really Matter“ letztendlich wieder bei den Wurzeln Robinsons zu landen, die im psychedelischen umwobenen Bereich des Genres liegen. Das bluesige „Where Is This Place“ bildet den starken Abschluss eines insgesamt würdigen Nachfolgers von „High Water I“.

Es bleibt abzuwarten, wohin die Reise der Band gehen wird. Anders als bei Part I, ist noch kein dritter Teil oder eine Tour zur Promotion angekündigt. In der Präsenz dieses Albums „High Water I“ wäre es auf jeden Fall schön, Magpie Salute auch wieder auf deutschen Bühnen zu sehen.

Mascot Records/Provogue (2019)
Stil: Jam Rock

01. Sooner Or Later
02. Gimme Something
03. Leave It All Behind
04. In Here
05. You And I
06. Mother Storm
07. A Mirror
08. Lost Boy
09. Turn It Around
10. Life Is A Landslide
11. Doesn’t Really Matter
12. Where Is This Place

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Another Dimension

Trigger Hippy – Full Circle & Then Some – CD-Review

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Review: Michael Segets

Trigger Hippy ist das Projekt von Schlagzeuger Steve Gorman (Black Crowes) und Bassist Nick Govrik (Highwater). Die beiden kennen sich schon lang Zeit und gründeten vor zehn Jahren Trigger Hippy. Das selbstbetitelte Debütalbum erschien aber erst 2014 mit Sängerin Joan Osborne und Jackie Greene an der Gitarre.

Für „Full Circle & Then Some“ hat sich die Band neu formiert. Amber Woodhouse übernimmt die femininen Gesangsparts, Ed Jurdi (The Band Of Heathens) singt ebenfalls und steuert mehrere Instrumente bei. Als Gastgitarrist ist Sadler Vaden (Jason Isbell And The 400 Unit) mit von der Partie.

Trigger Hippy greift tief in die Trickkiste und verarbeitet viele unterschiedliche stilistische Einflüsse von Country, Rock, R&B über Funk bis zu Psychedelic. Ein roter Faden oder eine verbindende Grundkonzeption konnte ich auf dem Longplayer nicht ausmachen. So wirkt das Werk als Ansammlung von Einzelstücken, bei denen nur gelegentlich ein Funke überspringt.

Der Opener „Don’t Wanna To Bring You Down“ kommt locker und leicht poppig mit einer Prise Soul daher. Govrik, Jurdi und Woodhouse geben sich hier das Mikro weiter. Wechselnde Lead-Vocals finden sich auf mehreren Stücken und sind sicherlich eine Stärke der Band. Schön zur Geltung kommt er auf dem rockigen Titelsong, bei dem Passagen auch mehrstimmig gesungen werden.

Die besten Stücke der CD bewegen ich aber im unteren Tempobereich. Hörenswertes Highlight ist dabei die von Govrik geschriebene und gesungene Southern-Ballade „Goddamn Hurricane“. Ebenfalls gelungen ist das swampige „Long Lost Friend“, das aus der Feder von Gorvik, Jurdi, Osborne und Will Hoge stammt.

Durch die Blues-Harp von Mickey Raphael (Willie Nelson) erhält auch „Dandelion“ eine gewisse Erdung. Einen Country-Einschlag weist „Strung Out On The Rain“ auf. In Richtung Country-Rock geht „Low Down Country Song”. „One Of Them” erinnert mit seinem Soul an Southside Johnny. Die Titel sind noch auf der Haben-Seite des Albums zu verbuchen.

Wenig überzeugt hingegen „The Butcher’s Daughter“ mit seinem Mix aus Sprechgesang, Funk und Pop. Ebenfalls keinen rechten Zugang gewinne ich zu „Paving The Road“, dem eher eintönigen „The Door” und dem über acht Minuten langem, psychedelisch angehauchten „Born To Be Blue“.

Mit wechselnden Stimmen und unterschiedlichen musikalischen Stilelementen bietet Trigger Hippy eine hohe Soundvarianz. Leider kommt dabei keine richtig runde Sache raus. Durch die Streuung landet „Full Circle & Then Some“ vor allem in der zweiten Hälfte dann aber doch ein paar Treffer.

Turkey Grass Records/Thirty Tigers (2019)
Stil: Rock, R&B and more

Tracks:
01. Don’t Wanna To Bring You Down
02. The Butcher’s Daughter
03. Strung Out On The Pain
04. Born To Be Blue
05. The Door
06. Full Circle And Then Some
07. Dandelion
08. Goddamn Hurricane
09. Long Lost Friend
10. One Of Them
11. Low Down Country Song
12. Paving The Road

Trigger Hippy
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Chris Robinson Brotherhood – Servants Of The Sun – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Mit „Servants Of The Sun“ liefert die Chris Robinson Brotherhood ein Album ab, das stilistisch „Big Moon Ritual“ und „The Magic Door“ aus der Anfangszeit der kalifornischen Band nahe kommt. Es ist auch an der Zeit, Vergleiche zu den Black Crowes, mit denen Robinson bekannter Weise große Erfolge hatte, endlich zu beenden.

Die Black Crowes sind Vergangenheit. Robinson hat längst mit seiner Band einen eigenen Stil kreiert, in dem Elemente aus Blues, Soul, Southern Rock und Funk harmonisch miteinander verschmelzen. Der mittlerweile 50-jährige Robinson serviert mit seiner Band einen erfrischenden Mix der genannten Richtungen, wobei sowohl Grundelemente des Southern Rock Marke Allman Brothers Band, als auch Arrangement-Ähnlichkeiten zu Crosby, Stills, Nash & Young erkennbar sind.

Dies wird schon beim Opener „Some Earthly Delights“ deutlich, der in einem jammenden Part endet. Natürlich sind auch Ähnlichkeiten zu den Black Crowes, wie bei „Let It Fall“ unüberhörbar, was allerdings auch nicht verwunderlich ist, da dort der Gesangspart Robinsons besonders im Anfangsteil deutlich im Vordergrund steht. Ansonsten wird der Song aber souliger und funkiger performt und somit eine Abgrenzung geschaffen, was sich auch in „Rare Birds“ fortsetzt.

Mit „Venus In Chrome“ wird es psychedelischer. Ein fast schon Doors-ähnliches Keyboardintro, in das die anderen Instrumente später einsetzen aber diese fast surreal anmutende Thematik nie ganz verlassen.

Das balladeske „Stars Fell On California“ wird im Westcoast Stil-fast träumerisch gespielt, wobei die Gitarren und das Keyboard im Hintergrund eine tolle harmonische Einheit bilden.

Mit „Comin‘ Round The Mountain“ wird wieder etwas Fahrt aufgenommen und Robinson begibt sich wieder auf die Southern-Country-Schiene, was sich in „The Chauffeur’s Daughter“, einem Song, der die Bedeutung von Liebe thematisiert, nahtlos fortsetzt. „Dice Game“, wieder im Westcoast-Gewand, verleitet den Zuhörer ins Träumerische, aus dem er im folgenden „Madder Rose In“ jäh gerissen wird.

Dieser weniger als eine Minute dauernde Track, oder soll man lieber sagen diese futuristische elektronische Klangsequenz, ist nur das Intro, für das abschließende  „A Smiling Epitaph“.  Dieses mystisch psychedelisch umwobene Stück wechselt von eher düsteren bis zu beschwingten Elementen, die auch als Spiegel des Lebens gesehen werden können, in dem es Aufs und Abs gibt.

Insgesamt ist es Robinson gelungen ein emotionales, sehr vielfältiges Album zu produzieren, in dem manche Feinheit erst beim zweiten Hören richtig bewusst wird.

Chris Robinson – Lead Vocals, Guitars
Neal Casal – Guitar, Vocals
Adam MacDougall – Keyboards
Jeff Hill – Bass
Tony Leone – Drums

Silver Arrow Records (2019)
Stil: Rock

01. Some Earthly Delights
02. Let It Fall
03. Rare Birds
04. Venus In Chrome
05. Stars Fall On California
06. Come`n Round The Mountain
07. The Chauffuer’s Daughter
08. Dice Game
09. Madder Rose Interlude
10. A Smiling Epitaph

Chris Robinson Brotherhood
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H’ART Musik-Vertrieb GmbH

The Magpie Salute – 19.11.2018 – Club Volta, Köln – Konzertbericht

MPShaupt

Die Elster grüßte diesmal an einem Montagabend im Kölner Club Volta. Nachdem ich einige Konzerte der damaligen Black Crowes ab den 90ern und erst im letzten Jahr eines von Marc Ford mit seinem Neptune Blues Club besucht, als auch beide Platten von Magpie Salute reviewt hatte, war die Erwartung an den Abend entsprechend hoch.

Der Club begann sich nach dem Einlass um 19:00 Uhr  erst langsam zu füllen. Im E-Werk und Palladium, beide im nahen Umfeld liegend, fanden gut besuchte Veranstaltungen statt, sodass ein ziemliches Verkehrschaos herrschte. Der auf dem Gelände des Carlswerks liegende, erst im Sommer eröffnete Club Volta, war zudem nicht optimal ausgeschildert. Ein direkt gegenüber liegendes Parkhaus sorgte dann aber dafür, dass eine Parkplatzsuche nicht notwendig war.

Die Location selbst bot eine ansprechende Kulisse für eine Band der Klasse von Magpie Salute. Eine relativ helle Wandgestaltung mit riesigen von hinten angestrahlten gläsernen Mandala-ähnlichen Scheiben und riesige Kerzenständer in hinteren Bereich, sorgten für eine wohlige Atmosphäre in der etwa zu zwei Dritteln gefüllten Halle.

Kurz vor 20:00 Uhr wurde das Licht gedämpft und der Duft angezündeter Räucherstäbchen zog durch den Club. Unter dem Applaus der Fans betraten die sechs Bandmitglieder die Bühne und legten direkt mit einer jammenden Version des Titeltracks „High Water“ los.

Schon hier zeigte sich sehr positiv, dass es sich um ein Kollektiv handelt und nicht ein Projekt von Rich Robinson darstellt, der im Mittelpunkt des Geschehens steht. Passend zum Gitarren-orientierten Sound, flankierten Robinson und Ford die Bühne, um abwechselnd bei vielen Soli zu glänzen.

Leadvocalist Hoog unterstütze dabei oft  mit einer akustischen Gitarre. Leicht im Hintergrund überzeugten Sven Pipien am Bass, Joe Magistro an den Drums und Matt Slocum an den Keyboards mit einer starken Rythmusgrundlage, wobei aber alle sich auch in kurzen Soli zeigen konnten.

Schnell hatte die Band durch ihre positive Ausstrahlung und Spielfreude, die Fans in ihren Bann gezogen und es entwickelte sich ein rasanter Abend, gefüllt mit handgemachter Musik ohne computeranimierte Effekthascherei. Es wurde ein breites stilistisches Spektrum, von Southern Rock, über Westcoast, Americana aber auch der damaligen Flowerpower-Musik abgebildet, wobei neben den Songs von „High Water 1“, die das Skelett des Konzertes bildeten, einige Black Crowes-Klassiker, Sachen von Ford und Robinson als auch stark modifizierte Coversongs die Show abrundeten.

Dem Opener folgten mit „Take It All“, „Walk On Water“, „For The Wind“ und “Open Up” allesamt Tracks des aktuellen Albums, die durch starke Soli von Ford und Robinson eine noch größere Dynamik als auf Platte entwickelten .

In manchen Momenten fühlte ich mich auch durch deren Wildheit und ungezügelte Kraft an jammende Passagen von Neil Young mit Crazy Horse erinnert. Nach den zwei schönen Cover, „Feel“ von Big Star und „Hard To Cry Today“ hatte Marc Ford seinen großen Auftritt bei der Präsentation seines  „Smoke Signals“.

Er bewies, dass er sowohl stimmlich, wie auch gitarrentechnisch nahtlos an seine starken Zeiten bei den Black Crowes heranreicht, wenn nicht sogar durch seine Lebenserfahrung in sich harmonischer wirkt. Öfters glitt ihm sogar ein Lächeln durchs Gesicht, was vermuten lässt, mit welcher Freude er Bestandteil dieser wirklich starken Southern-/Westcoast-Band ist.

Nach diesem gewaltigen Highlight wurde es ruhiger auf der Bühne. Nur noch Robinson, Ford und Hoog hatten sich mittig, mit akustischen Gitarren bewaffnet positioniert und lieferten drei Lieder der Extraklasse ab. Nach „Sister Moon“ fühlte man sich bei der CSN-Adaption „You Don’t Have To Cry“ in die Zeit der damaligen Supergroup zurückversetzt.

Alle drei glänzten mit abwechselnden Harmoniegesängen und gefühlvollem Gitarrenspiel. Schön zu sehen war, dass nicht nur das Publikum diese Songs regelrecht aufsog, sondern auch die drei restlichen Bandmitglieder neben der Bühne mitwippten, klatschten und sangen. Nach den unruhigen Zeiten der Black Crowes scheinen sich hier mit Robinson, Ford und Pipien Musiker als Freunde wiedergefunden zu haben, die mit den drei anderen Beteiligten  etwas harmonisches auf die Beine gestellt haben.

Die Elster wird in der Historie der Indianer ja eher als positiver Bote gesehen, sodass die Namenswahl der Band als durchaus passend erscheint. Zum Ende des dritten Songs des akustischen Sets stießen die anderen Musiker wieder dazu und brannten nun bis zum Ende der Show ein wahres Feuerwerk der Spielfreude ab.

Robinson zeigte bei „Trial And Faith“ seine vokalen Fähigkeiten, während ansonsten Hoog diesbezüglich im Vordergrund stand und auch gut die Black Crowes Songs sang. Überhaupt muss gesagt werden, dass die vielen Harmoniegesänge den Stücken eine große Ausdruckskraft und Bandbreite gaben, die zum Teil auch an alte Eagles-Klassiker erinnerten.

Mit „Oh Josephine“, „She Gave Good Sunflower“ und „Wiser Time“ hatte die Band ob bewusst oder unbewusst, eine geschickte Entscheidung gegen die großen Hits der Crowes gewählt, sodass am Ende nicht die Krähe der Elster ein Auge auspickt hatte und das Magpie Salute-Konzert zu einer Greatest Hits-Sammlung der Black Crowes mutierte.

Mit „Send Me An Omen“ als Rausschmeißer beendeten Magpie Salute einen begeisternden Gig nach etwa zwei Stunden. Es ist zu hoffen, dass dieses ein positives Omen ist, und die Band dem ersten Studioalbum ein zweites folgen lässt, wie es der Titel ja eigentlich schon suggeriert. Die Elster hatte gegrüßt und die Zuschauer haben diesen Gruß dankend angenommen.

In einem kurzen Gespräch mit dem Tourmanager nach dem Konzert war lediglich eine kleine Enttäuschung erkennbar, dass die Bude nicht voll war, was angesichts dieser Leistung sicherlich verdient gewesen wäre.

Die Gründe dafür lagen eigentlich auf der Hand: Der Montag zu Wochenbeginn, der oft ein schwieriger Tag ist, zwei weitere Konzerte im direkten Umfeld, sowie das Fußballländerspiel und eventuell die Location, die vielen noch nicht so bekannt ist (sich aber in allen Belangen als guter Gastgeber gezeigt hatte und mit Sicherheit zukünftig einen festen Platz als Konzertlocation in Köln inne haben wird), werden vermutlich den einen oder anderen Besucher vom Kommen abgehalten haben.

Somit darf man den überzeugenden Magpie Salute-Auftritt jedoch schon als Investition in die Zukunft betrachten.

Rich Robinson – Guitars/Vocals
Marc Ford – Guitars/Vocals
John Hoog – Lead Vocals/Acoustic guitar/Percussion
Joe Magistro – Drums
Sven Pipien – Bass/Vocals
Matt Slocum – Keyboards

Text und Bilder: Gernot Mangold

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The Magpie Salute – High Water I – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Man könnte die Scheibe mit einem Wort beschreiben: „Geil“. Doch nun zur Rechtfertigung dieses Schlagwortes. Vor etwa einem Jahr endete die Plattenkritik zum Erstling von Magpie Salute, live aufgenommen und ausschließlich Coversongs (natürlich auch von den Black Crowes) beinhaltend, mit dem Satz: „Nach dieser Platte darf man gespannt sein, was als nächstes geboten wird“.

Nun folgt das erste Studioalbum, mit vielsagenden Namen „High Water 1“. Wie der Titel es schon vermuten lässt, ist im nächsten Jahr auch ein Nachfolger geplant. Doch nun zum aktuellen Werk.

Rich Robinson und seinen Mitstreitern aus Black Crowes-Zeiten, Gitarrist Marc Ford und Sven Pipien am Bass, haben mit Sänger John Hogg, Keyboarder Matt Slocum und Drummer Joe Magistro eine Band geformt, die voll die gesetzten Erwartungen der Liveplatte des letzten Jahres, erfüllt hat.

Obwohl die Musiker zuvor über eine Dekade nicht mehr zusammen musiziert haben, sprang bei der Gründung der Band direkt der Funke über. Dies zeigt sich auch in der Spielfreude, welche auf „High Water 1“ omnipräsent ist, in jedem einzelnen Song. Eine Beschreibung aller Stücke würde den Rahmen einer Rezension sprengen, einzelne Stücke hervorzuheben, würde den anderen Songs allerdings auch nicht gerecht werden.

Auf jedem Fall gelingt es der Band in den zwölf Tracks keine Langeweile aufkommen zu lassen, wobei hier die absolute Stärke die Besinnung auf die Einfachheit von Musik ist, die ohne große künstliche Aufarbeitung von Vocals oder den Instrumenten auskommt, was bei der musikalischen Qualität der Band auch nicht notwendig ist. Der Reigen spannt sich dabei von Southern-lastigen Songs, über leicht Country-angehauchte ruhige Lieder zu fast schon punkig wirkenden gesanglichen Parts der Marke Iggy Pop, um schließlich auch noch Elemente der psychedelisch angehauchten Rockmusik der 70er Jahre mitzunehmen.

Schön ist besonders die Vielzahl der eingesetzten Saiteninstrumente (bis hin zur Hawaigitarre) und die vielseitigen Spielvarianten. Die Keyboards untermalen die etwas ruhigeren Songs zuweilen in träumerischer Art und Weise. Hier kommt auch die Aussage Robinsons zum Tragen, dass in vielen der Kompositionen auch alte Probleme aus Crowes-Zeiten aufgearbeitet wurden und diese nun aus der Welt geschafft worden sind.

Zugute kommt auch der zum Teil mehrstimmige und wechselnde Leadgesang, der jedem Song einen eigenen Charakter verleiht. Wenn die Platte als ein Spiegel der Harmonie der Band gesehen wird, ist von Magpie Salute noch einiges zu erwarten, wobei natürlich die absoluten Stärken in den etwas härteren, southernlastigeren Songs liegt, welche im Ansatz immer wieder die Möglichkeit offerieren, in jammende improvisierende Soundteppiche abzuschweben.

Dies ist absolut positiv, auch für mögliche Liveauftritte zu sehen, wo Southern-Fans die Chance nutzten sollten, die Elster zu begrüßen. Dies aus zwei Gründen: einmal, um ein vermutlich furioses Konzert zu erleben, aber auch einer alten indianischen Tradition zu folgen, da der Gruß der Elster bekanntlich als gutes Omen zu sehen ist. Von daher absolute Kaufempfehlung!!!!

Mascot Records/Provogue (2016)
Stil: Jam Rock

01. Mary The Gypsy
02. High Water
03. Send Me An Omen
04. For The Wind
05. Sister Moon
06. Color Blind
07. Take It All
08. Walk On Water
09. Hand In Hand
10. You Found Me
11. Can You See
12. Open Up

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Chris Robinson Brotherhood – Barefoot In The Head – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Chris Robinson Brotherhood legen mit „Barefoot In The Heat“ einen starken Nachfolger zum letzten Album „Anyway You Love, We Know How You Feel“ nach. Stilistisch ist es gelungen, sich von den Fesseln der Black Crowes zu lösen, ohne dabei typische Southernrockelemente aus den Augen zu verlieren. Durch kreative Einflüsse aus Folk, Americana und Country kommt die Scheibe weitaus abwechselungsreicher her als alte Crows Platten.

Mit dem Einsteiger „Behold The Seer“ samt funkig gespielter Gitarre und zeitweiligem Bigband Sound, zieht die Band mit Neil Casal (Gitarre), Tony Leone (Drums), Adam MacDougall (Keyboards), Jeff Hill und ‚last but not least‘ Chris Robinson (Gitarre und durchgehend starke, abwechselungsreiche Lead Vocals) den Zuhörer direkt in ihren Bann. Der Song ist geprägt von einer Spielfreudigkeit, in der alle Musiker ihre Stärken präsentieren können, und die sich durch das ganze Album zieht.

Es folgt eine bunte Mischung aus folkigem, Country-geprägten Songs, die insbesondere durch die Keyboarduntermalung zeitweilig psychedelische Züge annehmen. Ein Überraschungsmoment hat „Hark, the Herald Hermit Speaks“ wo Robinsons Gesang Dylansche Züge annimmt, dabei aber klar und transparent bleibt. Mit „High Is Not The Top“ legen CRB ein absolutes Gute-Laune-Stück im Countrykostüm hin, was zum verträumten Tanzen einlädt oder die Zeit auf endlosen Highways verkürzt.

Das eher melancholisch daherkommende „If You Had A Heart To Break“ ist eine starke Ballade mit wunderschöner Keyboarduntermalung, die stilistisch in die starke Eagles-Ära in der Zeit von „Desperado“ gepasst hätte. Den psychedelischen Höhepunkt bildet „Glow“ mit verschiedensten Stilelementen, in dem der Sarod- Spieler Alam Khan (sein Vater Ali Akbar Khan spielte auf dem legendären „Concert for Bangladesh“ mit) den Zuhörer gedanklich in indische/fernöstliche Regionen entführt. Für mich das absolute Highlight der Platte, wobei es schwerfällt ein Stück hervorzuheben.
Fazit: „Good To Know“, mit Anfangs fast reggaeartigem Gesang, könnte auch sinnbildlich genommen werden. Gut zu wissen, dass Robinson sich mit seiner Band aus den scheinbaren Fesseln der Black Crows gelöst hat und mit diesem Werk seine stilistische Vielfalt auch im Songwriting beweist.

Noch schöner wäre es zu erfahren, ob und wann Robinson uns das Material, am besten mit dem Gastmusiker Alam Khan, live in Deutschland präsentiert. Material, welches auch live viele Improvisationsmöglichkeiten bietet, sind auf dem starken Album „Barefod In The Head“ auf jedem Fall vorhanden. Bis dahin muss man sich mit diesem durchgehend gelungenen Longplayer begügen, der aufgrund des stilistischen Mixes nie langweilig wird (absolute Kaufempfehlung).

Megaforce Records (2017)
Stil: Rock

01. Behold The Seer
02. She Shares My Blanket
03. Hark, The Herald Hermit Speaks
04. Blonde Light Of Morning
05. Dog Eat Sun
06. Blue Star Woman
07. High Is Not The Top
08. If You Had A Heart To Break
09. Glow
10. Good To Know

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The Magpie Salute – Same – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Nomen est Omen – der Name der Band lässt in zweierlei Hinsicht erahnen, was den Zuhörer auf der Platte erwartet. Die Elster lässt grüßen, was bedeutet, dass die Krähe in diesem Revier nicht mehr auftaucht.

Wer auf eine Reunion der Black Crowes wartet, kann vermutlich noch lange warten, denn mit den Magpie Salute hat sich 2016 eine Band gefunden, in welcher sich mit Rich Robinson, Marc Ford an der Gitarre und Sven Pipien am Bass, Eddie Harsch an den Keyboards, vier ehemalige Crowes Mitglieder zusammengetan haben, um mit Joe Magistro an den Drums, Nico Bereciartua als drittem Gitarristen, John Hogg mit starken Lead Vocals und Matt Slocum an den Keyboards, das Gerüst einer neuen Supergruppe zu bilden.

Der Begriff einer Supergruppe kann deswegen durchaus gewählt werden, da es den Protagonisten gelingt, mit einer großen musikalischen Bandbreite, Coversongs (die Elster klaut nun mal gerne) hinzulegen, die alle einen eigenen Charakter haben, sodass so niemals der Vergleich zu einer der zahlreichen Coverbands aufkommt.

In einigen Stücken wird der eingefleischte Black Crowes-Fan eben diese wiedererkennen. Andere Tracks wiederum lassen das Flair von The Band oder von Crosby, Stills, Nash and Young in einer erfrischenden Form wieder aufleben. Ein insgesamt starkes Album ohne einen Ausreißer nach unten, bei dem es schwerfällt, Songs besonders hervorzuheben.

„Fearless“ von Pink Floyd in ein Kleid mit Southern Rock-Einflüssen zu packen, ist mutig, aber letztendlich vollkommen gelungen und es wird der Bogen der psychedelischen Floyd zum Southern Rock der Crowes gespannt – Kompliment! „Time Will Tell“, ursprünglich vom viel zu früh verstorbenen Bob Marley, zeigt, das Southern Rock und Reggae durchaus miteinander kompatibel sein können.

In diesem live im Studio aufgenommenen Album ist die Dynamik, die Spielfreude, aber auch die Fähigkeit der Improvisation zu erkennen, wobei einige Songs den Charakter einer Jamsession haben, in der jeder der Musiker die Gelegenheit bekommt, seine spielerische Qualität zu zeigen, ohne zu ausufernd zu werden.

Nach dieser Platte darf man gespannt sein, was als nächstes geboten wird. Live mit den Magpie Salute wird mit Sicherheit ein Erlebnis für Freunde gepflegter Southern Rock-Musik der Richtung Black Crowes, aber auch für Freunde vom Stoff der großen Acts der 70er Jahre. Leider wird Eddie Harsch, einer der Keyboarder, nicht mehr dabei sein, da er kurz nach den Aufnahmen im Alter von nur 59 Jahren im November 2016 verstorben ist.

Eagle Records (2016)
Stil: Jam Rock

01. Omission
02. Comin‘ Home
03. What Is Home
04. Wiser Time
05. Goin‘ Down South
06. War Drums
07. Ain’t No More Cane
08. Fearless
09. Glad And Sorry
10. Time Will Tell

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Oktober Promotion

Marc Ford & The Neptune Blues Club – 18.05.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Ein Hauch von ‚Stardom‘ gestern in der Kulturrampe! Der ehemalige Gitarrist der berühmten Black Crowes, Marc Ford, hatte sich mit seinem Projekt The Neptune Blues Club in dem beliebten Krefelder Club unter der Federführung von Teenage Head Music erstmalig vorgestellt.

Kulturrampen-Chef Markus ‚Pille‘ Peerlings hatte mal wieder das Pech, mit einem grippalen Infekt passen zu müssen. So war es einem anderen Kulturrampen-Original, Mario Scholten, vorbehalten, Ford und seine Mitstreiter Mike Malone sowie die aus dem englischen Bristol engagierte Rhythmus-Sektion, bestehend aus Tom Gilkes und Chris Jones, anzusagen.

Auf Songs aus der ‚Krähen-Ära‘ wurde von Marc komplett verzichtet (vermutlich auch aus rechtlichen Gründen), im Fokus standen ausschließlich Tracks aus dem Fundus seiner eigenen Alben, besonders natürlich dem aktuellen Longplayer „The Vulture“.

Nach etwas holprigen Beginn mit sporadischen Unstimmigkeiten über die Setlist, kleineren technischen Malheuren (z. B. das über dem Keyboard angebrachte Mikro flutschte bei Malone mal plötzlich nach unten weg, später riss der Gitarrengurt an einem von Fords Arbeitsgeräten während des Spielens) nahm der der erste Set mit dem von Malone gesungenen „Ghetto Is Everywhere“ richtig Fahrt auf. Stark die schöne Ballade „All We Need To Do Is Love“ mit sanft gurgelnder Orgel und atmophärischem E-Gitarren-Solo von Ford. Das launige „Arkansas Gas Card“ und das bluesig, dezent gospelige „Deep Water“ verabschiedeten in die Pause.

Im zweiten Set legte das Quartett nochmals eine Schüppe drauf und auch die Stimmung wurde von Stück zu Stück immer besser. Nach dem Beginn mit „Old Lady Sunrise“, dem Stampfer „I’m Free“, dem bluesigen „Don‘t Get Me Killed“ (Malone mit zwei aneinandergehaltenen Mikros beim Gesang und toller Harp), dem rhythmisch, mit HT-Piano und grandioser Slide-Vorstellung von Ford abgehenden „Shame On Me“, dem herrlich swampigen „I Pay For My Mistakes“ ging es bei „Shalimar Dreams“ zum ersten Mal in den Improvisations-Modus, der seinen Höhepunkt im grandiosen „Devil In The Details“ mit angehängtem furiosen jammigen „Greazy Chicken“, mit Soli aller Beteiligten, fand, bei dem vor allem dann natürlich Ford sein extravagantes Können zur Schau stellte.

Die frenetisch eingeforderte Zugabe der völlig begeisterten Audienz wurde dann mit dem Titelstück des aktuellen Werkes „The Vulture“ zu bereits später Stunde belohnt. Knapp 60 Zuschauer (für eine Premiere in der Rampe während der Woche durchaus ok) konnten sich einen guten Eindruck verschaffen, warum der leicht kauzig wirkende Marc Ford schon eine Hausnummer in der Riege der renommierten Gitarristenszene darstellt.

Insgesamt ein Abend mit dezent Southern umwobenen Blues Rock, der auch ohne BC-Songs als durchaus gelungen und wertvoll bezeichnet werden darf. Marc Ford & The Neptune Blues Club sollte man als Konzertbesucher unserer Tage in jeden Fall auf der Habenseite verbucht wissen.

Line-up:
Marc Ford (lead vocals, electric guitar, slide guitar, vocals)
Mike Malone (lead vocals, harp, keys, vocals)
Chris Jones (bass)
Tom Gilkes (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Marc Ford
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld