The Magpie Salute – High Water I – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Man könnte die Scheibe mit einem Wort beschreiben: „Geil“. Doch nun zur Rechtfertigung dieses Schlagwortes. Vor etwa einem Jahr endete die Plattenkritik zum Erstling von Magpie Salute, live aufgenommen und ausschließlich Coversongs (natürlich auch von den Black Crowes) beinhaltend, mit dem Satz: „Nach dieser Platte darf man gespannt sein, was als nächstes geboten wird“.

Nun folgt das erste Studioalbum, mit vielsagenden Namen „High Water 1“. Wie der Titel es schon vermuten lässt, ist im nächsten Jahr auch ein Nachfolger geplant. Doch nun zum aktuellen Werk.

Rich Robinson und seinen Mitstreitern aus Black Crowes-Zeiten, Gitarrist Marc Ford und Sven Pipien am Bass, haben mit Sänger John Hogg, Keyboarder Matt Slocum und Drummer Joe Magistro eine Band geformt, die voll die gesetzten Erwartungen der Liveplatte des letzten Jahres, erfüllt hat.

Obwohl die Musiker zuvor über eine Dekade nicht mehr zusammen musiziert haben, sprang bei der Gründung der Band direkt der Funke über. Dies zeigt sich auch in der Spielfreude, welche auf „High Water 1“ omnipräsent ist, in jedem einzelnen Song. Eine Beschreibung aller Stücke würde den Rahmen einer Rezension sprengen, einzelne Stücke hervorzuheben, würde den anderen Songs allerdings auch nicht gerecht werden.

Auf jedem Fall gelingt es der Band in den zwölf Tracks keine Langeweile aufkommen zu lassen, wobei hier die absolute Stärke die Besinnung auf die Einfachheit von Musik ist, die ohne große künstliche Aufarbeitung von Vocals oder den Instrumenten auskommt, was bei der musikalischen Qualität der Band auch nicht notwendig ist. Der Reigen spannt sich dabei von Southern-lastigen Songs, über leicht Country-angehauchte ruhige Lieder zu fast schon punkig wirkenden gesanglichen Parts der Marke Iggy Pop, um schließlich auch noch Elemente der psychedelisch angehauchten Rockmusik der 70er Jahre mitzunehmen.

Schön ist besonders die Vielzahl der eingesetzten Saiteninstrumente (bis hin zur Hawaigitarre) und die vielseitigen Spielvarianten. Die Keyboards untermalen die etwas ruhigeren Songs zuweilen in träumerischer Art und Weise. Hier kommt auch die Aussage Robinsons zum Tragen, dass in vielen der Kompositionen auch alte Probleme aus Crowes-Zeiten aufgearbeitet wurden und diese nun aus der Welt geschafft worden sind.

Zugute kommt auch der zum Teil mehrstimmige und wechselnde Leadgesang, der jedem Song einen eigenen Charakter verleiht. Wenn die Platte als ein Spiegel der Harmonie der Band gesehen wird, ist von Magpie Salute noch einiges zu erwarten, wobei natürlich die absoluten Stärken in den etwas härteren, southernlastigeren Songs liegt, welche im Ansatz immer wieder die Möglichkeit offerieren, in jammende improvisierende Soundteppiche abzuschweben.

Dies ist absolut positiv, auch für mögliche Liveauftritte zu sehen, wo Southern-Fans die Chance nutzten sollten, die Elster zu begrüßen. Dies aus zwei Gründen: einmal, um ein vermutlich furioses Konzert zu erleben, aber auch einer alten indianischen Tradition zu folgen, da der Gruß der Elster bekanntlich als gutes Omen zu sehen ist. Von daher absolute Kaufempfehlung!!!!

Mascot Records/Provogue (2016)
Stil: Jam Rock

01. Mary The Gypsy
02. High Water
03. Send Me An Omen
04. For The Wind
05. Sister Moon
06. Color Blind
07. Take It All
08. Walk On Water
09. Hand In Hand
10. You Found Me
11. Can You See
12. Open Up

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Chris Robinson Brotherhood – Barefoot In The Head – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Chris Robinson Brotherhood legen mit „Barefoot In The Heat“ einen starken Nachfolger zum letzten Album „Anyway You Love, We Know How You Feel“ nach. Stilistisch ist es gelungen, sich von den Fesseln der Black Crowes zu lösen, ohne dabei typische Southernrockelemente aus den Augen zu verlieren. Durch kreative Einflüsse aus Folk, Americana und Country kommt die Scheibe weitaus abwechselungsreicher her als alte Crows Platten.

Mit dem Einsteiger „Behold The Seer“ samt funkig gespielter Gitarre und zeitweiligem Bigband Sound, zieht die Band mit Neil Casal (Gitarre), Tony Leone (Drums), Adam MacDougall (Keyboards), Jeff Hill und ‚last but not least‘ Chris Robinson (Gitarre und durchgehend starke, abwechselungsreiche Lead Vocals) den Zuhörer direkt in ihren Bann. Der Song ist geprägt von einer Spielfreudigkeit, in der alle Musiker ihre Stärken präsentieren können, und die sich durch das ganze Album zieht.

Es folgt eine bunte Mischung aus folkigem, Country-geprägten Songs, die insbesondere durch die Keyboarduntermalung zeitweilig psychedelische Züge annehmen. Ein Überraschungsmoment hat „Hark, the Herald Hermit Speaks“ wo Robinsons Gesang Dylansche Züge annimmt, dabei aber klar und transparent bleibt. Mit „High Is Not The Top“ legen CRB ein absolutes Gute-Laune-Stück im Countrykostüm hin, was zum verträumten Tanzen einlädt oder die Zeit auf endlosen Highways verkürzt.

Das eher melancholisch daherkommende „If You Had A Heart To Break“ ist eine starke Ballade mit wunderschöner Keyboarduntermalung, die stilistisch in die starke Eagles-Ära in der Zeit von „Desperado“ gepasst hätte. Den psychedelischen Höhepunkt bildet „Glow“ mit verschiedensten Stilelementen, in dem der Sarod- Spieler Alam Khan (sein Vater Ali Akbar Khan spielte auf dem legendären „Concert for Bangladesh“ mit) den Zuhörer gedanklich in indische/fernöstliche Regionen entführt. Für mich das absolute Highlight der Platte, wobei es schwerfällt ein Stück hervorzuheben.
Fazit: „Good To Know“, mit Anfangs fast reggaeartigem Gesang, könnte auch sinnbildlich genommen werden. Gut zu wissen, dass Robinson sich mit seiner Band aus den scheinbaren Fesseln der Black Crows gelöst hat und mit diesem Werk seine stilistische Vielfalt auch im Songwriting beweist.

Noch schöner wäre es zu erfahren, ob und wann Robinson uns das Material, am besten mit dem Gastmusiker Alam Khan, live in Deutschland präsentiert. Material, welches auch live viele Improvisationsmöglichkeiten bietet, sind auf dem starken Album „Barefod In The Head“ auf jedem Fall vorhanden. Bis dahin muss man sich mit diesem durchgehend gelungenen Longplayer begügen, der aufgrund des stilistischen Mixes nie langweilig wird (absolute Kaufempfehlung).

Megaforce Records (2017)
Stil: Rock

01. Behold The Seer
02. She Shares My Blanket
03. Hark, The Herald Hermit Speaks
04. Blonde Light Of Morning
05. Dog Eat Sun
06. Blue Star Woman
07. High Is Not The Top
08. If You Had A Heart To Break
09. Glow
10. Good To Know

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The Magpie Salute – Same – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Nomen est Omen – der Name der Band lässt in zweierlei Hinsicht erahnen, was den Zuhörer auf der Platte erwartet. Die Elster lässt grüßen, was bedeutet, dass die Krähe in diesem Revier nicht mehr auftaucht.

Wer auf eine Reunion der Black Crowes wartet, kann vermutlich noch lange warten, denn mit den Magpie Salute hat sich 2016 eine Band gefunden, in welcher sich mit Rich Robinson, Marc Ford an der Gitarre und Sven Pipien am Bass, Eddie Harsch an den Keyboards, vier ehemalige Crowes Mitglieder zusammengetan haben, um mit Joe Magistro an den Drums, Nico Bereciartua als drittem Gitarristen, John Hogg mit starken Lead Vocals und Matt Slocum an den Keyboards, das Gerüst einer neuen Supergruppe zu bilden.

Der Begriff einer Supergruppe kann deswegen durchaus gewählt werden, da es den Protagonisten gelingt, mit einer großen musikalischen Bandbreite, Coversongs (die Elster klaut nun mal gerne) hinzulegen, die alle einen eigenen Charakter haben, sodass so niemals der Vergleich zu einer der zahlreichen Coverbands aufkommt.

In einigen Stücken wird der eingefleischte Black Crowes-Fan eben diese wiedererkennen. Andere Tracks wiederum lassen das Flair von The Band oder von Crosby, Stills, Nash and Young in einer erfrischenden Form wieder aufleben. Ein insgesamt starkes Album ohne einen Ausreißer nach unten, bei dem es schwerfällt, Songs besonders hervorzuheben.

„Fearless“ von Pink Floyd in ein Kleid mit Southern Rock-Einflüssen zu packen, ist mutig, aber letztendlich vollkommen gelungen und es wird der Bogen der psychedelischen Floyd zum Southern Rock der Crowes gespannt – Kompliment! „Time Will Tell“, ursprünglich vom viel zu früh verstorbenen Bob Marley, zeigt, das Southern Rock und Reggae durchaus miteinander kompatibel sein können.

In diesem live im Studio aufgenommenen Album ist die Dynamik, die Spielfreude, aber auch die Fähigkeit der Improvisation zu erkennen, wobei einige Songs den Charakter einer Jamsession haben, in der jeder der Musiker die Gelegenheit bekommt, seine spielerische Qualität zu zeigen, ohne zu ausufernd zu werden.

Nach dieser Platte darf man gespannt sein, was als nächstes geboten wird. Live mit den Magpie Salute wird mit Sicherheit ein Erlebnis für Freunde gepflegter Southern Rock-Musik der Richtung Black Crowes, aber auch für Freunde vom Stoff der großen Acts der 70er Jahre. Leider wird Eddie Harsch, einer der Keyboarder, nicht mehr dabei sein, da er kurz nach den Aufnahmen im Alter von nur 59 Jahren im November 2016 verstorben ist.

Eagle Records (2016)
Stil: Jam Rock

01. Omission
02. Comin‘ Home
03. What Is Home
04. Wiser Time
05. Goin‘ Down South
06. War Drums
07. Ain’t No More Cane
08. Fearless
09. Glad And Sorry
10. Time Will Tell

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Oktober Promotion

Marc Ford & The Neptune Blues Club – 18.05.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Ein Hauch von ‚Stardom‘ gestern in der Kulturrampe! Der ehemalige Gitarrist der berühmten Black Crowes, Marc Ford, hatte sich mit seinem Projekt The Neptune Blues Club in dem beliebten Krefelder Club unter der Federführung von Teenage Head Music erstmalig vorgestellt.

Kulturrampen-Chef Markus ‚Pille‘ Peerlings hatte mal wieder das Pech, mit einem grippalen Infekt passen zu müssen. So war es einem anderen Kulturrampen-Original, Mario Scholten, vorbehalten, Ford und seine Mitstreiter Mike Malone sowie die aus dem englischen Bristol engagierte Rhythmus-Sektion, bestehend aus Tom Gilkes und Chris Jones, anzusagen.

Auf Songs aus der ‚Krähen-Ära‘ wurde von Marc komplett verzichtet (vermutlich auch aus rechtlichen Gründen), im Fokus standen ausschließlich Tracks aus dem Fundus seiner eigenen Alben, besonders natürlich dem aktuellen Longplayer „The Vulture“.

Nach etwas holprigen Beginn mit sporadischen Unstimmigkeiten über die Setlist, kleineren technischen Malheuren (z. B. das über dem Keyboard angebrachte Mikro flutschte bei Malone mal plötzlich nach unten weg, später riss der Gitarrengurt an einem von Fords Arbeitsgeräten während des Spielens) nahm der der erste Set mit dem von Malone gesungenen „Ghetto Is Everywhere“ richtig Fahrt auf. Stark die schöne Ballade „All We Need To Do Is Love“ mit sanft gurgelnder Orgel und atmophärischem E-Gitarren-Solo von Ford. Das launige „Arkansas Gas Card“ und das bluesig, dezent gospelige „Deep Water“ verabschiedeten in die Pause.

Im zweiten Set legte das Quartett nochmals eine Schüppe drauf und auch die Stimmung wurde von Stück zu Stück immer besser. Nach dem Beginn mit „Old Lady Sunrise“, dem Stampfer „I’m Free“, dem bluesigen „Don‘t Get Me Killed“ (Malone mit zwei aneinandergehaltenen Mikros beim Gesang und toller Harp), dem rhythmisch, mit HT-Piano und grandioser Slide-Vorstellung von Ford abgehenden „Shame On Me“, dem herrlich swampigen „I Pay For My Mistakes“ ging es bei „Shalimar Dreams“ zum ersten Mal in den Improvisations-Modus, der seinen Höhepunkt im grandiosen „Devil In The Details“ mit angehängtem furiosen jammigen „Greazy Chicken“, mit Soli aller Beteiligten, fand, bei dem vor allem dann natürlich Ford sein extravagantes Können zur Schau stellte.

Die frenetisch eingeforderte Zugabe der völlig begeisterten Audienz wurde dann mit dem Titelstück des aktuellen Werkes „The Vulture“ zu bereits später Stunde belohnt. Knapp 60 Zuschauer (für eine Premiere in der Rampe während der Woche durchaus ok) konnten sich einen guten Eindruck verschaffen, warum der leicht kauzig wirkende Marc Ford schon eine Hausnummer in der Riege der renommierten Gitarristenszene darstellt.

Insgesamt ein Abend mit dezent Southern umwobenen Blues Rock, der auch ohne BC-Songs als durchaus gelungen und wertvoll bezeichnet werden darf. Marc Ford & The Neptune Blues Club sollte man als Konzertbesucher unserer Tage in jeden Fall auf der Habenseite verbucht wissen.

Line-up:
Marc Ford (lead vocals, electric guitar, slide guitar, vocals)
Mike Malone (lead vocals, harp, keys, vocals)
Chris Jones (bass)
Tom Gilkes (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Marc Ford
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Kulturrampe Krefeld