Trigger Hippy – Full Circle & Then Some – CD-Review

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Review: Michael Segets

Trigger Hippy ist das Projekt von Schlagzeuger Steve Gorman (Black Crowes) und Bassist Nick Govrik (Highwater). Die beiden kennen sich schon lang Zeit und gründeten vor zehn Jahren Trigger Hippy. Das selbstbetitelte Debütalbum erschien aber erst 2014 mit Sängerin Joan Osborne und Jackie Greene an der Gitarre.

Für „Full Circle & Then Some“ hat sich die Band neu formiert. Amber Woodhouse übernimmt die femininen Gesangsparts, Ed Jurdi (The Band Of Heathens) singt ebenfalls und steuert mehrere Instrumente bei. Als Gastgitarrist ist Sadler Vaden (Jason Isbell And The 400 Unit) mit von der Partie.

Trigger Hippy greift tief in die Trickkiste und verarbeitet viele unterschiedliche stilistische Einflüsse von Country, Rock, R&B über Funk bis zu Psychedelic. Ein roter Faden oder eine verbindende Grundkonzeption konnte ich auf dem Longplayer nicht ausmachen. So wirkt das Werk als Ansammlung von Einzelstücken, bei denen nur gelegentlich ein Funke überspringt.

Der Opener „Don’t Wanna To Bring You Down“ kommt locker und leicht poppig mit einer Prise Soul daher. Govrik, Jurdi und Woodhouse geben sich hier das Mikro weiter. Wechselnde Lead-Vocals finden sich auf mehreren Stücken und sind sicherlich eine Stärke der Band. Schön zur Geltung kommt er auf dem rockigen Titelsong, bei dem Passagen auch mehrstimmig gesungen werden.

Die besten Stücke der CD bewegen ich aber im unteren Tempobereich. Hörenswertes Highlight ist dabei die von Govrik geschriebene und gesungene Southern-Ballade „Goddamn Hurricane“. Ebenfalls gelungen ist das swampige „Long Lost Friend“, das aus der Feder von Gorvik, Jurdi, Osborne und Will Hoge stammt.

Durch die Blues-Harp von Mickey Raphael (Willie Nelson) erhält auch „Dandelion“ eine gewisse Erdung. Einen Country-Einschlag weist „Strung Out On The Rain“ auf. In Richtung Country-Rock geht „Low Down Country Song”. „One Of Them” erinnert mit seinem Soul an Southside Johnny. Die Titel sind noch auf der Haben-Seite des Albums zu verbuchen.

Wenig überzeugt hingegen „The Butcher’s Daughter“ mit seinem Mix aus Sprechgesang, Funk und Pop. Ebenfalls keinen rechten Zugang gewinne ich zu „Paving The Road“, dem eher eintönigen „The Door” und dem über acht Minuten langem, psychedelisch angehauchten „Born To Be Blue“.

Mit wechselnden Stimmen und unterschiedlichen musikalischen Stilelementen bietet Trigger Hippy eine hohe Soundvarianz. Leider kommt dabei keine richtig runde Sache raus. Durch die Streuung landet „Full Circle & Then Some“ vor allem in der zweiten Hälfte dann aber doch ein paar Treffer.

Turkey Grass Records/Thirty Tigers (2019)
Stil: Rock, R&B and more

Tracks:
01. Don’t Wanna To Bring You Down
02. The Butcher’s Daughter
03. Strung Out On The Pain
04. Born To Be Blue
05. The Door
06. Full Circle And Then Some
07. Dandelion
08. Goddamn Hurricane
09. Long Lost Friend
10. One Of Them
11. Low Down Country Song
12. Paving The Road

Trigger Hippy
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Dan Baird & Homemade Sin – Screamer – CD-Review

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Review: Michael Segets

Vor gut dreißig Jahren bin ich auf The Georgia Satellites aufmerksam geworden, weil sie zusammen mit Tom Petty auf Tour waren. Der eigenwillige Gesang und die schrillen Gitarrenriffs machten die Band unverwechselbar. The Georgia Satellites würzten ihren Rock’n Roll mit einer Prise Southern und Punk, wobei die erdigen Songs stets auf eine etwas schräge Art harmonisch und strukturiert blieben. Dem Sound der Band hatte Dan Baird seinen Stempel aufgedrückt.

Nach „In The Land Of Salvation And Sin” (1989) habe ich die Band und Dan Baird aus den Augen verloren. Baird startete nach dem Ausstieg bei den Satellites eine Solo-Karriere, kurzzeitig mit der Begleitband The Sofa Kings und dauerhafter mit Homemade Sin. Erst durch die Zusammenarbeit mit Eric Ambel (The Del Lords, The Brandos) bei The Yayhoos tauchte Baird wieder in meinem Horizont auf.

Eine ernsthafte Erkrankung schränkte Dan Bairds Produktivität kaum ein. In den letzten Jahren veröffentlichte er regelmäßig neue Alben und bringt nun sein aktuelles „Screamer“ auf den Markt. Das neue Werk hat aber nichts trübsinniges, sondern sprüht vor Temperament. Einzig in manchen Texten – so bei „Charmed Life“ – scheint ein bissiger Galgenhumor durch.

In bewährter Georgia Satellites-Tradition scheppert der Opener „Bust Your Heart“ los. Die Drums bearbeitet Mauro Magellan, der Schlagzeuger der ehemaligen Formation. Die Arbeit an den Gitarren teilt sich Baird mit Warner E. Hodges (Jason And The Scorchers). Musikalisch in die gleiche Kerbe schlagen „What Can I Say To Help“, „Everlovin’ Mind” und „You’re Going Down”.

Dazwischen sind die beiden langsameren Stücke „Adilyda“, das Baid gemeinsam mit Will Hoge komponiert hat, und „Something Better“ eingestreut. Die meisten Stücke stammen von Dan Baird und Joe Blanton. So auch das eingängige „Up In Your Kitchen“ mit differenzierten und etwas weniger kratzigen Gitarrenparts. Einen Kontrast dazu bildet die knackige Cowpunk-Nummer „Mister And Ma’am“. Diese hat Terry Anderson mitgeschrieben, ebenso wie den Rock’n Roll „You Broke It“.

Auf „Something Like Love“ singt Baird etwa tiefer und nicht so knarzig. Dennoch hat die Nummer richtig Power. Insgesamt gibt die Scheibe mächtig Gas und macht richtig Spaß. Den Abschluss bildet das Rock-Stück „Good Problems To Have“ mit kräftigem Rhythmus. Durch Tempowechsel und zwei ausgedehnte Gitarrensoli kommt es auf annähernd sieben Minuten.

Dan Baird & Homemade Sin sind perfekt eingespielt. Der Neuzugang Sean Savacool am Bass fügt sich nahtlos ein. Man kann sich also auf ihre Europa-Tournee freuen. Im November gibt es ein paar Auftritte in Deutschland.

Das durchgängig überzeugende Album „Screamer“ ist eine Anregung für mich, die alten Georgia Satellites-CDs nochmal hervorzuholen und mich intensiver mit Dan Bairds Backlist auseinander zu setzen.

Jerkin’ Crocus Promotions Ltd. (JCPL)/H’Art (2018)
Stil: Rock

Tracks:
01. Bust Your Heart
02. What Can I Say To Help
03. Adilyda
04. Everlovin’ Mind
05. Something Better
06. You’re Goin Down
07. Charmed Life
08. Up In The Kitchen
09. Mister And Ma’am
10. Something Like Love
11. You Broke It
12. Good Problem To Have

Dan Baird & Homemade Sin
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H’ART Musik-Vertrieb GmbH
Jerkin’ Crocus Promotions Ltd. (JCPL)

Will Hoge – My American Dream – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

In Zeiten weitgehender sozialer Umwälzungen in den USA hat die Auseinandersetzung mit der politischen Ausrichtung des Landes auch in der Musikszene Einzug gehalten. Protestsongs gegen Donald Trump von Eminem („Campaign Speech“), Bruce Springsteen & Joe Grushecky („That’s What Makes Us Great“) oder Ryan Adams („Doomsday“) sind auch in den Charts erfolgreich.

Die zum Teil konservativ geprägte Country-Szene hielt sich bislang aus dem Politikfeld eher zurück. Will Hoge hingegen, ist einer der wenigen Stars des Country-Business, die immer wieder ihre politische Meinung auf Platten und im Social Media-Bereich zum Ausdruck bringen. Grund genug für Hoge in turbulenten Zeiten jetzt eine neue Scheibe zu veröffentlichen.

Auslöser für die Produktion dieses Longplayers war das Schulmassaker von Parkland, Florida. Als Vater von zwei Kindern war Hoge besonders von diesem Amoklauf betroffen und wollte seine Kritik gegenüber den bestehenden Waffengesetzen auch öffentlich äußern. Die Angst und die Sorge um seine Söhne (11 und 7 Jahre alt) und seine Ehefrau, die als Lehrerin arbeitet, trieb Hoge zum Schreiben.

Die Themen dieses Protest-Albums, mit denen Hoge sich auf „My American Dream“ auseinandersetzt, sind aber vielschichtiger und betreffen nicht nur die unzureichenden Waffengesetzte, sondern auch die Arbeit der Grenzpolizei, die Korruption in der Politik, die Armut breiter Bevölkerungsteile und das vernachlässigte Bildungssystem. Themen, die regelmäßig in den USA u.a. von Neil Young, Rich Hopkins oder Billy Bragg in England aufgegriffen werden.

Die schöne Akustik-Ballade „Thoughts and Prayers“ war der erste Song, den er fertiggestellt hatte und der als Vorab-Single erfolgreich war. Der Opener-Track „Gilded Walls“ ist mit klaren Vorwürfen und Aufforderungen an die Politik gespickt: “It’s clear you don’t care about the folks down here. Indside your Gilded Walls.“ Auf „Stupid Kids“ unterstützt er die Parkland Schüler-Bewegung, die sich gegen die laschen Waffengesetze richtet („Keep your feet marching. Raise up your voice don’t quit. Keep doin‘ what you’re doin‘. Keep being stupid kids“).

„Still A Southern Man“ ist ein nachdenklicher Song über seine Kindheit, als er in der Schule regelmäßig mit Rassismus konfrontiert wurde. In den Stücken „My American Dream“ und „The Illegal Line“ befasst sich Will Hoge mit der Einwanderungsproblematik und den Arbeitsverhältnissen in den USA und versetzt sich in die Charaktere von Betroffenen, ähnlich wie es Bruce Springsteen 1995 auf „Ghost Of Tom Joad“ getan hatte.

Der „Wut-Track“ auf der Platte ist der letzte Song „Nikki’s A Republican Now“, der durch seinen aufwühlenden Sound nachwirkt und von der Machart an den Musik-Aktivisten Tom Morello erinnert.

Das Album verkörpert Hoges Trauer und Wut über die bestehenden sozialen und politischen Verhältnisse in den Vereinigten Staaten. Immer wieder singt er sich den Frust und seine Unzufriedenheit von der Seele und adressiert seine Lieder an Politik und Regierung. „My American Dream“ ist daher nicht nur ein musikalisches Ausrufezeichen, sondern vielmehr auch ein politisches Statement eines besorgten und engagierten Künstlers.

EDLO Records (2018)
Stil: Alternative Country / Southern Rock

01. Gilded Walls
02. Stupid Kids
03. Still A Southern Man
04. Oh Mr. Barnum
05. Thoughts & Prayers
06. My American Dream
07. The Illegal Line
08. Nikki’s A Republican Now

Will Hoge
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Oktober Promotion

Will Hoge – Anchors – CD-Review

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Ich hatte ja vor einiger Zeit das Vergnügen, Will Hoge nach seinem Solo-Gig im kleinen Kölner Studio 672 mal kurz persönlich kennenzulernen. Dort bestätigte sich der gute Eindruck seiner Person, der einem anhand seiner Biografie und Musik schon irgendwo vorgeschwebt war. Ein bodenständiger, geerdeter und sympathischer Typ, der mir dann spontan auch sofort noch seine Live-CD zum Besprechen mit auf den Weg gab.

Mittlerweile hat der in Nashville ansässige, einstige Wegbegleiter von Dan Baird, wieder kreativ gewirkt und mit „Anchors“ sein 10. Studiowerk am Start. Erneut ist ihm ein Meisterwerk in Sachen Country-, Roots-, Americana- bzw. Singer/Songwriter-Stoff gelungen. Will setzt damit den Reigen seiner ausnahmslos guten Alben konsequent fort.

Musikalisch umgeben hat sich Hoge diesmal mit Leuten wie u. a. Drummer Jerry Roe (Emmylou Harris & Rodney Crowell, Darius Rucker), Bassist Dominic Davis (Jack White, Wanda Jackson) sowie den Gitarristen Brad Rice (Son Volt, Ryan Adams) und Thom Donovan (Lapush, Ruby Amanfu), als auch mit Sheryl Crow, die beim medial wohl verheißungsvollsten Anwärter dieser Scheibe, dem wunderbaren „Little Bit Of Rust“ Harmoniegesänge beisteuert. Großartig hier auch die Fiddle-/E-Slide-Gitarren-Solo-Kombination und die schön klirrende Mandoline.

Vom Heartland-umschwingten Opener „The Reckoning“ bis zum finalen, in Tom Petty-Manier gezeichneten „Young As We Will Ever Be“ fasziniert der Basketball-Fan mit seinen unaufgeregt klingenden und doch so fesselnd wie nuanciert arrangierten Songkompositionen ohne eine kleinste Schwachstelle zu offenbaren.

„The Grande Charade“, „Through Missing You“ (Slide-Solo)  und das Titelstück bedienen das Gemüt von Melancholikern, das überaus atmosphärische „Cold Night In Santa Fe“ erinnert mich ein wenig an Blackberry Smokes „The Whippoorwill“. Beim rockigsten Track der CD „(This Ain’t) An Original Sin“ (Uptempo, starkes E-Solo, Ohohoh-Gesänge) dürften Will die alten Tage seines Tourens mit Dan Baird vermutlich den Anstoß gegeben haben.

Die flockigen, eingängigen Stücke wie „Baby’s Eyes“, das Steel-getränkte, herrlich countryeske „Angels Wings“ und das an die Hoch-Zeiten von Bob Seger erinnernde „17“ (mit überraschenden Bläser-Einsätzen) könnten wieder als Vorlagen zur Adaption durch andere Bands dienen, wie es schon mal die Eli Young Band mit „Even If It Breaks Your Heart“ erfolgreich praktiziert hatte und prompt einen Nr. 1-Hit einfuhr.

Fazit: Mit seinem exzellenten neuen Longplayer „Anchors“ hat Will Hoge erneut bewiesen, dass an seinem Name kein Weg vorbeiführt, wenn es gilt, das Who-Is-Who der zeitgenössischen amerikanischen Singer/Songwriter-Szene zu benennen. Dieses Werk bietet ein weiteres Mal Leuten Zuflucht, die in der beschriebenen Musik ihr Passion erfüllt sehen! Eigentlich auch prädestiniert dafür, hier mit ganzer Band live vorgestellt zu werden. Wieder mal eine Hogesche Glanzleistung!

EDLO Records – Thirty Tigers (2017)
Stil: Country-/Roots Rock

01. The Recockning
02. This Grand Charade
03. Little Bit Of Rust
04. Cold Night In Santa Fe
05. Baby’s Eyes
06. (This Ain’t) An Original Sin
07. Through Missing You
08. Anchors
09. Angels Wings
10. 17
11. Young As We Will Ever Be

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Will Hoge – Solo & Live – CD-Review

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Dass Will Hoge, wie ich bereits im Vorfeld schon vermutete, ein netter und sympathischer Typ ist, bestätigte sich, als ich nach seinem starken Auftritt im Kölner Studio 672, kurz die Gelegenheit hatte, mit ihm ein paar Sätze zu wechseln. Im Anschluss überreichte er mir dann noch das vorliegende Werk zur Besprechung.

Wenn ich seine Ausführungen gegen Ende der CD richtig interpretiert habe, wurde im Dezember 2015 ein Konzert in Jackson, Mississippi, im Rahmen seiner Solo & Live Tour mitgeschnitten und auf diesem Silberling veröffentlicht, sowie, begleitend zu seinen Auftritten, jetzt in Europa mit vertrieben. Für mich eine schöne Gelegenheit, den gerade frisch erlebten Gig in Ruhe nachträglich reflektieren und verarbeiten zu können, auch wenn sich die beiden Setlisten doch ein wenig unterscheiden.

Will eröffnete hier mit dem knackigen „Too Old To Die Young“ (in Köln nicht gespielt) und servierte seiner Anhängerschaft in den Staaten im folgenden Verlauf eine bunte Mixtur von Songs aus seinen vielen diversen Studio-Veröffentlichungen, mal mit Akustik- oder E-Gitarre, Piano in Kombination mit einigen Harp-Einlagen. Dabei macht er, wie zum Beispiel an „Times Are Not Changing“ bestens zu erkennen, keinen Hehl daraus, dass er ein Faible für die großen Songwriter der Endsechziger/siebziger Jahre besitzt.

Deutlich vernehmbar immer wieder das anprangernde, attackierende Moment in seiner Stimme, wie es auch für die Dylans, Guthries oder Seegers & Co. typisch war. Klasse vor allem auch die herrlich kauzige Version von „Jesus Came To Tennessee“. Toll für mich persönlich, dass ich jetzt auch eine Fassung vom großartigen „Still A Southern Man“ in meiner Tonträger-Sammlung besitze. Die eingängigen Sachen wie „Middle Of America“ und „Even If It Breaks Your Heart“ sind natürlich auch präsent.

Beim vorletzten, seiner Frau Julia gewidmeten Stück, „Damn Spotlight (Julia’s Song)“, erzählt Will, wie auch in Köln, ein paar Details über die Entstehung des Liedes: Kurze Zeit nach Geburt seines Sohnes musste er seine Familie wieder für eine neun Wochen andauernde Tour verlassen. Von Sehnsucht getrieben in einem Hotelflur in Kansas City während eines Schneesturms, ließ er dann spontan seine Emotionen freien Lauf und verarbeitete sie in diesem schönen melancholischen Song.

Den Rausschmeißer gibt auf diesem Werk das flockig rockende „Til I Do It Again“. Insgesamt ist Will Hoges „Solo & Live-Scheibe, wie bereits oben erwähnt, eine schöne Ergänzung zum erlebten Konzert. Für alle, die es nicht geschafft haben, seinen drei Auftritten hier beizuwohnen, ein schöner Ersatz, für das, was sie verpasst haben.

Wie ich von Will und auch der Vertreterin seiner Konzertagentur erfuhr, stehen die Chancen recht gut, dass er sich zeitnah wieder in unserem Lande blicken lässt. Die Krönung wäre es dann natürlich, wenn er noch ein paar Könner aus Nashville mit im Schlepptau hätte und im Bandgefüge performen würde. Wie dem auch sei, es gibt zumindest schon mal einen Grund zur Vorfreude…

Eigenproduktion (2016)
Stil: Singer/Songwriter

01. Too Old To Die Young
02. Doesn’t Have To Be That Way
03. When I Can’t Afford To Lose
04. Times Are Not Changing
05. (Pretty Sure) I’m Over You
06. Jesus Came To Tennessee
07. Little Bitty Dreams
08. When I Get My Wings
09. Through Missing You
10. Trying To Be A Man
11. Middle Of America
12. Woman Be Strong
13. Still A Southern Man
14. Even If It Breaks Your heart
16. Damn Spotlight (Julia’s Song)
17. Til I Do It Again

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Will Hoge, 15.03.2016, Studio 672, Köln, Konzertbericht

Verkehrte Welt in Köln. Während solche Schnösel wie Philipp Dittberner und AnnenMayKantereit es in der Domstadt problemlos schaffen, mit, von ziemlich überschaubarem Wert gehaltener Musik, die mittelgroßen Hallen wie Palladium oder Live Music Hall bis zum Bersten zu füllen, muss ein amerikanischer Weltklasse-Singer/Songwriter sich zunächst damit abfinden, dass vielleicht um die 60 Leute (darunter, inklusive mir, gerade mal zwei nebenberufliche Journalisten) im kleinen, aber feinen Studio 672 Präsenz zeigten. Das wirft wirklich kein gutes Licht auf den Musikgeschmack in unseren Breitengraden!

Na ja, zumindest konnte man wenigstens froh sein, dass nicht gleichzeitig in der darüber liegenden Location, dem Stadtgarten, ein Abi-Feier geplant war…

Pünktlich um 20:30 Uhr eröffneten Someday Jacob als Support in reduziertem Line-up. Bandleader Jörn Schlüter und Gitarrist Uli Kringler hinterließen zur Einstimmung mit ihrem folkig angehauchten Americana-Stoff von der Weser einen durchaus qualifizierten und sympathischen Eindruck.

Nach recht fixer Umbaupause betrat dann der Protagonist sein gemütlich ‚improvisiertes Wohnzimmer‘, bestehend aus Keyboard, Tisch für Getränke und Harp-Utensilien, gepolstertem Stuhl/Mikro für seine mit E-Gitarrenparts bestückten Lieder, sowie Stand-Mikro für die, naturgemäß, in stehender Form performten Tracks.

Zum Einstieg wählte Will „Silver Or Gold“ vom „Draw The Curtains“-Werk und verströmte direkt sein außergewöhnliches Charisma. Das zu meiner Überraschung insgesamt recht junge Publikum (ich gehörte mit meinen knapp über 50 Lenzen schon eindeutig zum alten Eisen) zog direkt von Anfang an mit, was Hoge auch sofort spürte.

Nach den weiteren, per Akustikgitarre (z. T. mit Harp-Ergänzung) gebrachten „Secondhand Heart“, „Growing Up Around Here“, „Still Got You On My Mind“, ließ Hoge sich für „When I Can’t Afford To Lose“ zum ersten Mal an den Tasten nieder und betonte in vielen kleinen Anekdoten vor den Songs, dass er als bekennender Familienmensch doch immer ein wenig daran zu knacken hat, wenn er aufgrund seines Tourens von Frau und Kindern zu Hause getrennt ist.

Seine aufrichtige Abneigung gegen faule, unfähige, nur an sich selbst denkende Politiker, formulierte er mittels der dylanesken Abwandlung „The Times They Are Not Changin’“ (hier spricht er auch mir aus der Seele). Als weiterer Bruder im Geiste erwies er sich bei meinem Favoriten des Abends „Still A Southern Man“.

Wenn er die Telecaster schulterte, rockte Will meist zünftig wie zu guten Zeiten mit seinem früheren Kumpel Dan Baird. „Long Gone“ und „Pocket Full Of Change“ seien hier genannt.

Ganz klasse natürlich auch seine Paradestücke wie das höchst-emotionale „When I Get My Wings“, das flockige „In The Middle Of America“ oder sein, von der Eli Young Band mit großem Erfolg gecovertes „Even If It Breaks Your Heart“. Für „Goognight / Goodbye“ holte sich Will eine junge Dame aus dem Publikum als Gesangs-Unterstützung. Die machte ihre Sache richtig gut und wurde von den anwesenden Zuschauern auch mit viel Applaus belohnt.

Mit „Til I Do It Again“ endete gegen 23:00 Uhr ein abwechslungsreicher und starker Hauptteil. Die nicht auf sich warten lassenden Zugabe-Rufe, befriedigte Will in recht melancholischer Manier mit den beiden unter die Haut gehenden „Hey Tonight“ und (dem seiner Frau gewidmeten) „Damn Spotlight (Julia’s Song)“. Großartig!

Welche Lehren ziehe ich nun aus diesem Abend? Für Ami-Künstler aus dem Südstaaten Rock-, New Country-, Roots- und Americana-Bereich ist aller Anfang in unseren Gefilden zunächst ziemlich schwer. Solange sie uns allerdings mit solch grandiosen Abenden beglücken, wie es gestern Will Hoge getan hat, werde ich meinen langjährigen Missionarsdienst nach besten Kräften, im Sinne der Sache, auch weiterführen. Danke an Will Hoge für dieses einzigartige Erlebnis.

Will Hoge
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Peter Rieger Konzertagentur
Prime Entertainment
Studio 672

Will Hoge – Small Town Dreams – CD-Review

Hoge

Neues Werk von Will Hoge! Baumstarker Roots-/Americana-Rock mit einem Schuß Country-, Heartland- und Southern-Feeling. Dieser Mann gibt einfach weiter Gas! Auch bei seinem mittlerweile 9. Studiowerk “Small Town Dreams“ (seinem zweiten bei Thirty Tigers Records) hält der Songwriter aus Nashville das fast schon beängstigend hohe Niveau seiner Voralben. Ja, man hat den Eindruck, dass die Ideen, seit seinem schweren Unfall, den er vor Jahren im Vorfeld zu den Aufnahmen von “The Wreckage“ erlitten hatte und nur knapp dem Tode von der Schippe gesprungen war, nur so weiter aus ihm heraussprudeln.

Produziert hat diesmal der Musiker, Songwriter und Produzent Marshall Altman (Eric Paisley, Frankie Ballard, Marc Broussard, Amy Grant), der in allen relevanten Bereichen ebenfalls stark mitmischt und ein tolles Team mit Hoge und den Restmusikern bildet. Den Einstieg wählte Will diesmal mit einer typischen Kleinstadt-Hommage. Der Song kommt im flockigen Stil der einstigen Tom Petty-“Into The Great Wide Open“-Zeit, durch die hervorragenden Nashville-Musiker (wie u. a. Tom Bukovac, Rob McNelly, Shannon Forrest, Jeff Roach, Tony Lucino) aber in ein zeitgemäßes Soundgefüge gebracht. Hitverdächtig!

Mit “They Don’t Make ‚Em Like They Used To“ folgt eine am Ende immense Intensität aufnehmende Powerballade. Jeff Roach leistet hier an den Tasten (Piano, Electric Piano, Orgel) Prachtarbeit und entwickelt sich im Verlauf neben Hoge zu heimlichen Star der CD. So ganz sind die zur Zeit in Nashville angesagten poppigen ‚Oh-oh-oh‘- Harmonie-Gesänge auch an Will nicht vorübergegangen. Das rhythmische und sehr leicht ins Ohr fließende, absolut radiotaugliche „Better Than You‘! (klirrende Mandolinenklänge von Jason Mowery), bleibt in der Hinsicht aber die einzige Ausnahme. Mit “Little Bitty Dreams“ liefert der sich im Booklet mit neuem frischen Kurzhaarschnitt präsentierende Künstler eine schöne, entspannte atmosphärisch Roots-Ballade (relaxtes E-Gitarren-Solo von Rob McNelly).

Die Frage ‚Outlaw oder Rockstar‘ ist die beherrschende Thematik von “Guitar Or A Gun“. Ein toller fast dramatisch anmutender, genauso fetziger wie melodischer Rootsrocker mit dezentem Outlaw-Flair und starken E-Gitarren. Hoge hat sich Gott sei Dank zu unser aller Freude für die erste Option entschiedenen. Die aktuelle Single, das großartige “Middle Of America“, typisch amerikanisch mit patriotischem Flair durchzogen (Will macht das aber in Maßen), verläuft in der Tradition großer US-Songwriter vom Kaliber Bruce Springsteen oder Bob Seger & Co. Ein toller Stimmungsmacher für seine Konzerte. Schöne Harmoniegesänge übrigens von Jessi Alexander, die das Lied mit kreiert hat.

Mit ‚“All I Want Is You Tonight“ und dem sensationellen “Just Up The Road“ liefert der Musiker aus Nashville zwei fantastische, kraftvolle Balladen ab, vollgepackt mit kleinen instrumentellen Delikatessen (u. a. herrliches E-Piano von Roach, wunderbarer Gastauftritt bei Zweitgenanntem durch Vince Gill mit Harmoniegesang und erstklassigem E-Gitarren-Gitarren-Solo). Bei “Desperate Times“ schien Will der alten Zeiten mit Kumpel Dan Baird zu gedenken. Ein launiger Southern Rocker in bester Georgia Satellites-Manier und Billy Powell-Gedächtnis-Honky Tonk-Pianogeklimper durch den erneut furios aufspielenden Jeff Roach. Der Song geht durch Mark und Bein! Das wieder sehr cool und relaxte “The Next Thing I Needed“ dient zum Durchatmen. Klasse hier die eingeflochtenen Slidefills von McNelly. Den krönenden Abschluss bildet “Til I Do It Again“, ein kochender, abgehender Rootsrocker mit einer dezent unterschwelligen CCR-Note. Hoge mitsamt seiner Musikerschar gibt nochmal richtig Gas. Ein super Finale eines super Albums!

Will Hoge beweist mit seinem 9. Longplayer “Small Town Dreams“, dass sein Name in in vorderster Reihe stehen muss, wenn um die wichtigsten US-Songwriter/Musiker in Sachen zeitgenössischer Roots-/(Country-)Rock-/Americana-Musik debattiert wird. Schöne zum Thema des Titels passende DigiPak-Gestaltung mit integriertem Steckbooklet mit allen lohnenswert zu verfolgenden Texten. Einfach große Klasse!

Thirty Tigers Records (2015)
Stil: Country-/Roots Rock

01. Growing Up Around Here
02. They Don’t Make ‚ Em Like They Used To
03. Better Than You
04. Little Bitty Dreams
05. Guitar Or A Gun
06. Middle of America
07. All I Want Is Us Tonight
08. Just Up The Road
09. Desperate Times
10. The Last Thing I Need
11. Til I Do It Again

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Bärchen Records

Will Hoge – Never Give In – CD-Review

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Will Hoge erneut in bestechender Form! Der in Nashville beheimatete Singer/Songwriter scheint sich in kreativer Hinsicht auf einem absoluten Höhenflug zu befinden. Verweilte er noch vor nicht allzu langer Zeit mit seiner EP „Modern American Protest Music“ mit eigens konzipierten Protestsongs auf den Spuren von einem seiner großen Vorbilder, Bob Dylan, holt er jetzt mit seinem neuen, fantastischen Album „Never Give In“ zu einem weiteren ganz großen Wurf aus.

Der Titel, wie auch das damit verbundene Titelstück (tolle Melodie, klasse Gitarrenarbeit inkl. würzigem Slide/ E-Solo), stehen auch so ein bisschen für Hoges Stehauf-Mentalität (er hat ja schon so einiges in Sachen Band-/Labelwechsel bis hin zu seinem furchtbaren Unfall, bei dem er schwer verletzt nur hauchdünn am Tod vorbeigeschrammt ist, mitgemacht), ein Mann der nie auf-/nachgegeben hat und sich heute musikalisch stärker denn je präsentiert.

„It encompasses a lot of things. The song is really based on a relationship between a man and a woman that has weathered hard times and fought to grow. There’s some truth in that with my wife which I really appreciate. On a larger note, it’s about the mentality of this whole organization. The roller coaster ride I’ve been through musically, emotionally, professionally, and physically with labels and without labels changing bands and managers, we’re here. We started our own label and we’re having more success than ever. That’s all due to the fact we’ve never stopped and we never give in.“ so Will selbst in einem Interview zum zentralen Thema/Lied seines neuen Werkes.

Und In der Tat, läuft es für Hoge in letzter Zeit wie am „Schnürchen“. Hatte vor geraumer Zeit die Eli Young Band mit dem von ihm gecoverten „Even If It Breaks Your Heart“ einen Nr. 1-Hit erzielt (auch das hier enthaltene, herrlich melodische „Goodbye Ain’t Always Gone“ wäre wieder wie für sie prädestiniert), so dürfte Will auch mit der abschließenden starken, voller Pathos steckenden Americana-/Countryhymne „Strong“ (wie der Titel es schon andeutet), der als Begleitmusik für die Chevrolet Silverado Truck-Werbung ausgewählt wurde, weitere enorme nationale Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Auch der Rest der Scheibe bietet typischen Hoge-Stoff (variabel, sehr melodisch, zwischen Country- und knackigem, zuweilen zünftigem, erdigem Roots-/Americana-Rock pendelnd, garniert mit einigen kraftvollen Heartland-RockEinlagen, in allen Tempi, mit intelligenten, immer ein wenig nach innen gekehrten Texten) auf absolutem Spitzenniveau.

Selbstredend, dass hier natürlich auch Topmusiker wie Kenny Greenberg, Tom Bukovac (beide wieder mit exzellenter Saitenarbeit), Tony Harrell, Adam Beard, Nick Buda, John Deaderick, und einige starke Backsinger wie die wunderbare Ashley Monroe, Jon Randall, Jessi Alexander, Maureen Murphy, oder Harmonie Reddick zur Einspielung mit von der Partie waren. Die beiden letztgenannten Sängerinnen liefern beispielsweise furiose Backs beim flotten Opener, dem knackigen, zündenden, schön angerauten Rootsrocker „A Different Man“. Der Silberling enthält natürlich auch wieder viele Querverweise zu musikalischen Größen, deren Glanz aber im Vergleich mit Will mittlerweile fast schon zu verblassen droht.

Das bereits erwähnte Titelstück mit seinem frappierenden „Into The Great Wide Open“-Flair, erinnert unweigerlich an Tom Pettys Parade-Zeiten, die grandios bluesig/dezent gospelig gesungene Ballade „This Time Around“ lässt sogar fast einen Otis Redding wieder aufleben. Ein Hammersong! Das schön gewählte Wortspiel bei dem famosen „Home Is Where The Heart Breaks“ ist der Aufhänger für ein herrlich rockendes Stück in der Tradition von Bob Seger (hat ein wenig was von „Rock’n‘ Roll Never Forgets“), „Pale September“ macht John Mellencamp alle Ehre und das ebenfalls straight rockende „Bad Old Days“ beinhaltet einige Reminiszenzen in die Zeit, als Will noch mit seinem alten Kumpel Dan Baird musizierte (durchaus auch Georgia Satellites-tauglich). Kurz vor Ende begibt sich Hoge in seiner eigenwilligen Art mit dem schön erzählten „Damn Spotlight (Julias Song)“ samt eines Hauchs von „The Boxer“ sogar in Simon & Garfunkel-ähnliche Gefilde (allerdings gänzlich ohne deren Schmachtfaktor), bevor der bereits oben angeführte Track „Strong“ (als Bonustrack) den glänzenden Abschluss eines immens starken Longplayers abgibt.

„I never really saw a dividing line between rock and country“ teilte Hoge kürzlich in einem Statement mit, und genaus das präsentiert er hier eindrucksvoll. Es gibt keine Trennung zwischen Rock und Country, sondern eine geradezu untrennbare Verbindung in seiner wunderbaren Musik. In einem U.S.-Review heisst es dazu treffend. Hoges music is a compelling mix of classic rock riffs, a Springsteen-styled way with charismatic storytelling and some rowdy roadhouse country twang“. Perfekt ausgedrückt, zusätzlich zu erwähnen sind eben nur noch diese hinreissenden Melodien.

Will Hoge präsentiert sich mit „Never Give In“ abermals in absolut blendender (auch stimmlich) Verfassung. Er zählt mittlerweile zu den wohl maßgebendsten Singer/Songwritern des Country-/Americana-/Rootsrock-Genres der Neuzeit. Die starken Texte zu seinen Tracks sind natürlich im eingesteckten Booklet des DigiPaks nachzulesen. Was für ein Pracht-Album! Wir werden nicht nachgeben, diesen begabten Songwriter/Musiker zu lieben und anzupreisen! Er hat es definitiv verdient! Einfach klasse dieser Mann!

Cumberland Recordings (2013)
Stil:  Country- / Roots Rock

01. A Different Man
02. Goodbye Ain’t Always Gone
03. Never Give In
04. This Time Around
05. Still Got You On My Mind
06. Home Is Where The Heart Breaks
07. Daddy Was A Gambling Man
08. Pale September
09. Bad Old Days
10. Damn Spotlight (Julia’s Song)
11. Strong

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Bärchen Records

Will Hoge – Number Seven – CD-Review

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Der Singer/Songwriter aus Nashville mit einem meisterhaften, neuen Album. Will Hoge, der ja bei den Aufnahmen zu seinem letzten Werk „The Wreckage“ nochmal so gerade „dem Tod von der Schüppe gesprungen“ war (er wurde auf seinem Roller von einem Van angefahren und schwer verletzt) ist mittlerweile gesundheitlich wieder voll genesen und steht auch musikalisch „voll im Saft“. Mit seinem schlicht „Numer Seven“ betitelten, neuen Longplayer präsentiert er sich in blendender Verfassung, ja, man kann fast behaupten, auf dem Höhepunkt seiner musikalischen Schaffensphase.

Erneut versteht er es wie kaum ein anderer Musiker der heutigen Zeit, unbequeme Wahrheiten in seine anspruchsvollen Texte einzubringen und mit der dazu passenden Musik stilvoll in Einklang zu bringen. Fast eine Art Bob Dylan der Neuzeit, nur mit einer anderen Stimme und seinen wunderbar melodischen Americana-Songs. Das Album beginnt in der Tradition seiner letzten Werke. „Fools Gonna Fly“, ein Stück, in dem er dem guten Lyriker Shakespeare den Sinn für die Realität recht humorvoll abspricht, kommt in einer gediegenen Mischung aus Tom Petty- und Bob Seger-Einflüssen daher, wobei Hoge die beiden in kreativer Hinsicht längst ein- bzw. überholt hat. Klasse hier die Mundharmonika-, Slidegitarrenkombination (Hoge/Pat Buchanan) im Soloteil.

„Too Old To Die Young“ wurde mit dem dem Titel entsprechenden Elan kraftvoll umgesetzt. Klasse hier die surrenden Slidegitarren. Am stärksten erscheint Hoge auf diesem Longplayer, wenn er seinem Zorn über das heutige Amerika in Songs wie „Goddam California“ (toller Steelguitar-getränkter Alternate Country, herrlich wie er im Refrain „…Goddam California, oh I miss my Tennessee…“ förmlich herausfleht), „American Dream“ (schonungslose Abrechnung mit den Zuständen seines Landes, dazu passend eine wunderbar traurig gespielte Steelgitarre) oder „The Illegal Line“ (die Geschichte eines illegalen Einwanderes im Grenzgebiet Mexiko/Texas wird plakativ aufgearbeitet, stark hier die eine gewisse Dramatik einbringenden psychedlischen E-Gitarrenparts im Stile von Neil Young’s Crazy Horse) seinen freien Lauf lässt.

Grandios „Silver Chain“ . Hier grummelt Hoge zunächst akustisch begleitet in grimmiger Dylan-Erzähl-Manier, schreit dann seine Gefühle in einem kräftigen Refrain regelrecht heraus (tolle E-Gitarrenarbeit von Kenny Vaughan). Roots Rock in Perfektion! Für die fröhlicheren Momente des Albums sorgen komischerweise Songs wie „Gone“ oder „Nothing To Lose“, obwohl sie thematisch (es geht um das Ende von Beziehungen) ebenfalls nicht gerade auf Frohsinn gepolt sind.

Mit „No Man’s Land“ haut Hoge dann sogar einen echten Mitgröl-Country-Gassenhauer raus, der am Ende passend mit ausgelassenen „Crowd“-Gesängen begleitet wird. Zum Schluss gibt es dann nochmals zwei Tracks zum „Zungeschnalzen“. Zunächst die herrlich einfühlsame, pianounterlegte Ballade „Trying To Be A Man“, die von Gastmusiker Vince Gill immer wieder mit filligraner Akustikgitarre ergänzt wird. Und ganz am Ende die voller Otis Redding-Flair befindliche, bluesig-soulige Nummer „When I Get My Wings“ (zugleich auch erste Single). Toll hier die Bläsereinsätze in bester Memphis-Tradition und ein unwiederstehliches E-Gitarren-Solo von Kenny Greenberg, einem der Star-Gitarristen der Nashville-Szene.

Musikalisch assistieren Hoge auf dieser von ihm selbst produzierten Scheibe seine Tourmusiker Adam Beard, Sigdur Birkis und Adam Ollendorf, aber auch Wegefährten früherer Tage wie Devin Mallone oder Ken Coomer und eine ganze Reihe von edlen Gitarristen wie die bereits genannten Pat Buchanan, Kenny Vaughan, Vince Gill, Kenny Greenberg, sowie Tom Bukovac oder der exzellente Keith Gatis. Dazu kommt ein wunderbar geschmackvoll schlicht in Rot, Weiß und Schwarz gestaltetes Digipack, dessen eingestecktes Booklett alle (lesenswerten) Texte beeinhaltet. Will Hoges „Number Seven“ ist somit erneut ein absoluter Garant für allerfeinsten Roots-/Heartland-/Alternate Country-/Americana-Rock geworden, zuweilen mit einem Hauch von Southern-Feeling! Bestnote dafür von uns!

Rykodisc Records (2011)
Stil:  Country-/Roots Rock

01. Fool’s Gonna Fly
02. Too Old To Die Young
03. Goddam California
04. American Dream
05. Gone
06. The Illegal Line
07. Silver Chain
08. Nothing To Lose
09. No Man’s Land
10. Trying To Be A Man
11. When I Get My Wings

Will Hoge
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Bärchen Records

Will Hoge – The Wreckage – CD-Review

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Baumstarkes, neues Album von Will Hoge! Roots-/Heartland-/Americana-Rock „with a southern croon“ vom Allerfeinsten! Der in Nashville lebende, amerikanische Songwriter hatte ja bereits mit dem Vorgängerwerk „Draw The Curtains„, wie auch mit seinen übrigen Veröffentlichungen schon ganz exzellente Kost serviert und ist von uns und den Kritikerscharen zurecht mit Lobeshymnen überschüttet worden. Also beste Vorraussetzungen, um sich mit einem weiteren Silberling in der ganz oberen Riege seiner amerikanischen Kollegen zu etablieren.

Doch leider sollte zunächst ein persönlicher Schicksalsschlag Hoge übel mitspielen. Während der Aufnahmen zu seinem neuen Album fuhr Hoge nach getaner Arbeit abends mit seinem Roller nach Hause und wurde von einem Van, der seine Bahn kreuzte, „volle Kanne“ erfasst. Schwer blutend, mit mehreren Knochenbrüchen und zeitweise erblindet musste sich Hoge einem mehrmonatigem Krankenhausaufenthalt unterziehen. Die Rehamaßnahmen dauern bis zum heutigen Tage an. Damit hatte es sich mit „The Wreckage“ (der Titel entstand in Anlehnung an seinen Unfall) erst einmal erledigt. Die Arbeiten waren zu diesem Zeitpunkt gerade zur Hälfte abgeschlossen.

Dieses Ereignes bescherte Hoge, laut eigener Aussage, eine vllkommen veränderte Lebenseinstellung. Es setzte ein regelrechter Lernprozess ein. Für ihn, der eigentlich in achtzehn Jahren keinen Tag ohne Musik verbracht hatte, lag jetzt der Fokus komplett auf der persönlichen Genesung und dem Wohlbefinden seiner Familie. Acht Monate nach dem Unfall jedoch ging es dann, mental gestärkt, endlich zurück ins Studio, um das begonnene Werk zu vollenden. Und es ist ein absoluter Knaller geworden. Im Vergleich zum erfolgreichen Vorgänger wurde zwar personell nur marginal geändert (Ken Croomer und Charlie Brosco, die auch das kürzlich erschienene, klasse Album der Southern Rocker SwamDaWamp produzierten, sassen erneut an den Reglern; die meisten Musiker, wie u.a. Pat Buchanan, Ban Baird, Ken Croomer, Tim Marks, sind abermals mit von der Partie), das Ergebnis aber gestaltet sich noch einen Tick stärker als zuletzt und dank Hoges, aus besagten Gründen sehr emotionaler Hingabe, um ein Vielfaches intensiver.

Das ist schon eine Pracht-Leistung, die er hier abliefert. Tolles Songmaterial, mit saftigen, Gitarren-orientierten Arrangements, zumeist voller Kraft und mit gutem Drive, unterbrochen von der ein oder anderen Ballade, alles ungemein melodisch. Das Album startet mit dem flockig, aber knackig instrumentierten „Hard To Love“, ein Stück in bester Bob Seger-Tradition im gehobenen Midtempo, mit einer klasse Pianountermalung, toller Melodieführung und einem starken Bariton-E-Gitarren-Solo. Weiter geht es in deftiger John Mellencamp-Manier mit dem schroffen, geradlinigen, einen tollen Drive aufbauenden, gnadenlos starken Roots-Rocker „Long Gone“ (fettes Drumming, kreischiges E-Gitarren-Solo), der einmal mehr die ungeheure Vielseitigkeit Hoge’s beweist. Hier geht’s richtig zur Sache!

Im Titelsong „The Wreckage“ entladen sich dann alle erlebten Geschehnisse auf beeindruckende Weise, ohne dabei textlich auf das Vorgefallene einzugehen. Selten hat man Hoge so intensiv, introvertiert, emotional und doch voller kühler Melancholie singen gehört (ein wenig an Radney Foster und Kevn Kinney erinnernd), wie bei diesem Track. Eine dumpfe Akustikgitarre, ein dezentes Piano und eine kalt hallende Steelgitarre erzeugen eine ganz besondere, regelrecht mitfühlende Atmosphäre. Das ist große und bewegend performte Musik.

Mit „Favorite Waste Of Time“, „Even If It Brakes Your Heart“ (mit dezentem Petty’schen „Into The Great Wide Open“-Flair) und „Highway Wings“ bewegt sich Will in luftig instrumentierten, genauso knackigen, wie melodischen, rootsigen Mellencamp-/Chris Knight-Gefilden. Das atmosphärische „What Could I Do“ steckt wieder voller eigenwilliger Melancholie, die von Jen Gunderman beigesteuerten Mellotron-Töne erzeugen Gänsehaut.

Zusammen mit der bezaubernden Ashley Monroe (singt im Stile einer jungen Dolly Parton) präsentiert Hoge im Duett bei der wundervollen Ballade „Goodnight / Goodbye“ entspannte, sehr melodische, großartige (Alternate)Countrymusic. Sein alter Weggefährte Dan Baird zupft hier die High String Guitar. Diese etwas besinnlichere Phase wird dann mittels „Just Like Me“, einem forschen Rootsrocker an der Schnittstelle zwischen Neil Young und John Mellencamp, wieder abgelöst.

Klasse hier das psychedelisch angehauchte, raue E-Gitarren-Solo von Pat Buchanan. Nach dem entspannten, wunderschönen „Where Do We Go From Now“, kommt das wieder voller Atmosphäre steckende, balladeske „Too Late Too Soon“, eindrucksvoll mit Gitarren (Southern Rock-kompatibles E-Gitarren-Solo), dumpfen Cello- und Bläsertönen in Szene gesetzt, sogar mit ein wenig Black Crowes-Flair rüber. Ein hervorragendes Album-Finale! Eigentlich ist Will Hoges neues Werk angesichts der Vorgeschichte als reinstes Wunder zu bezeichnen.

Woher dieser Musiker, der scheinbar wirklich am Rande des Ablebens taumelte, innerhalb so kurzer Zeit wieder die Kraft und Ideen zu solch einem starken Album schöpfte, verdient höchste Anerkennung und uneingeschränkten Respekt. Will Hoge hat sich mit diesem Werk endgültig in die Regionen der hier beschriebenen Bezugsgrößen katapultiert. Dieser Singer/Songwriter kann dem Vergleich mit den Mellencamps, Pettys, Chris Knights, Bob Segers, Dan Bairds & Co. locker standhalten.

Wir ziehen den Hut vor dieser Leistung und wünschen Will Hoge, auch wenn es sich im Fall von „The Wreckage“ (das Wrack) schon fast makaber anhört, für seine zukünftige Entwicklung musikalisch weiterhin „Hals- und Beinbruch“. Aber es wird schwer, dieses Werk zu toppen. Die Messlatte liegt verdammt hoch. Exzellenter Rootsrock-/Heartland-Rock-/rockin‘ Americana-Stoff (roadside Americana with the glory of Rock’n Roll“, wie es ein U.S.-Kritiker nennt) zum Genießen, aufgemacht im feinen Digipack inkl. eingelegtem Faltblatt mit allen Texten und Infos! Brillant!

Rykodisc Records (2009)
Stil:  Country-/Roots Rock

01. Hard To Love
02. Long Gone
03. The Wreckage
04. Favorite Waste Of Time
05. Even If It Breaks Your Heart
06. What Could I Do
07. Goodnight/Goodbye
08. Just Like Me
09. Highway Wings
10. Where Do We Go from Down
11. Too Late Too Soon

Will Hoge
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