Larry Fleet – Workin’ Hard – CD-Review

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Review: Michael Segets

Herrlich harmonischer Country mit einer großen Portion Soul – so lässt sich das Debütalbum „Workin’ Hard” von Larry Fleet umschreiben. Dass es zu der Aufnahme kam, ist einer glücklichen Fügung geschuldet. Bei einer Scheunenparty spielte Fleet einige Titel und wurde von dem zufällig anwesenden Jake Owen angesprochen, den Fleets Talent begeisterte.

Von da an änderte sich das Leben von Fleet schlagartig. Vorher im Bauwesen tätig, war die Musik für den Mann aus Chattanooga, Tennessee, bloß eine Nebenbeschäftigung. Owen bestärkte ihn, seinen Job aufzugeben und mit ihm auf Tour zu gehen. Endgültig Feuer fing Fleet, als er für Willie Nelson eine Show eröffnen durfte. Nelson holte ihn dann während seines Sets mit auf die Bühne, womit sich ein Traum für Fleet erfüllte.

Neben Nelson, Merle Haggard und Waylon Jennings zählen auch Otis Redding sowie Marvin Gaye zu seinen Einflüssen, wodurch sich die Kombination aus Country und Soul erklären lässt. Zwei Jahre nach seinem Entschluss, tiefer in die Musikszene einzutauchen, liegt nun Fleets erstes Album vor. In dem titelgebenden „Workin‘ Hard“ bearbeitet er seine Herkunft und die Wende in seiner Biographie.

Während mit dem Opener „Tied Down“ und „Somethin’ Cold, Somewhere Hot” traditionsverbundener Country in einer modernisierten Form geboten wird, kommen die Soul-Anteile bei „Lied About Love“ und „Boys With Nothin’” stärker zum Tragen. Stellenweise gerät dabei Marc Broussard als Vergleichsgröße in den Sinn. Die Mischung von Country und Soul macht sich vor allem bei „Baby, You Do“ und „Mix ‘Em With Whiskey“ bezahlt. Das letztgenannte Stück stellt daher auch meinen Anspieltipp dar.

Fleet schiebt mit „Best That I Got“ und dem erdigen Titelsong zwei Balladen ein. Ansonsten bewegen sich die anderen Tracks in einem unaufgeregten mittleren Tempobereich. Bei einigen Beiträgen sorgt ein dezenter Backgroundgesang für weitere Harmonien. Diese wirken aber nicht süßlich, sondern geben den Songs zusätzlich eine gewisse Würze.

Wer in der Vorweihnachtszeit mal fünfundzwanzig Minuten für einen entspannten und entspannenden Mix aus Country und Soul hat, liegt mit „Workin‘ Hard“ richtig. Das Album von Larry Fleet ist eine geeignete Untermalung für eine kurze Auszeit bei einer Tasse Kaffee oder einem anderen Getränk – vielleicht mit Whiskey gemischt.

Big Loud Records (2019)
Stil: Country, Soul

Tracks:
01. Tied Down
02. Somethin’ Cold, Somewhere Hot
03. Lied About Love
04. Mix ‘Em With Whiskey
05. Baby, You Do
06. Best That I Got
07. Boys With Nothin’
08. Workin’ Hard

Larry Fleet
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Big Loud Records

The Mavericks – Play The Hits – CD-Review

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Review: Michael Segets

The Mavericks greifen tief in die Mottenkiste und entstauben eine Auswahl von alten Country- und Rock-‘n-Roll-Titeln, die zumeist aus den fünfziger und sechziger Jahre stammen. Die Tracklist von „Play The Hits“ bietet daher Coverversionen, deren Vorlagen oftmals nur noch Insidern bekannt sein dürften.

Ausnahmen bilden „Once Upon The Time”, bei dem Martina McBride, Raul Malo beim Gesang begleitet, sowie „Don’t Be Cruel” von Elvis Presley. Vielleicht wurden ebenfalls die Interpretationen von „Before The Next Teardrop Falls“ oder „Blue Eyes Crying In The Rain“ durch Dolly Parton beziehungsweise Willie Nelson oder Hank Williams schon mal gehört.

Das jüngste Stück „Swingin’”, mit dem John David Anderson 1982/83 Erfolg hatte, wird wie die anderen ganz im Stil der Frühzeit des Rock ‘n Rolls dargeboten, als dessen Abgrenzung zum Country noch fließender war. Schwerpunkt der Scheibe sind die Kompositionen von Country-Urgesteinen wie Harlan Howard, Hank Cochran, Don Harris und Dewey Steven Terry, die auf ihr zu neuen Ehren kommen.

Mit „Hungry Heart“ von Bruce Springsteen sowie mit „Are You Shure Hank Done It This Way” von Waylon Jennings spielen The Mavericks dann doch noch zwei modernere Klassiker. Der Titel von Springsteen bekommt eine andere, sanfte Atmosphäre, der von Jennings erhält eine Prise Soul. Die beiden Stücke stellen die Highlights des Albums dar, wobei allerdings bereits die Originale mehr auf meiner musikalischen Linie liegen als die anderen.

Mit vollem Bandeinsatz, Akkordeon und Bläsern erzeugen The Mavericks einen Retro-Sound, der zwischen Rock ’n Roll, Country, Soul und Swing liegt. Dabei lässt die Band auch gelegentlich ihren typischen Tejano- beziehungsweise Latino-Einfluss („Blame It On Your Heart“, „Before The Next Teardrop Falls“) durchscheinen.

Insgesamt dominieren langsame, schmachtende Tracks. „Don’t You Ever Get Tired (Of Hurting Me)”, „Why Can’t She Be You” und „I’m Leaving It Up To You” zählen zu diesen durcharrangierten Titeln, für die man in einer speziellen Stimmung sein muss.

In den neunziger Jahren hatten The Mavericks hohe Verkaufszahlen und erhielten einige Auszeichnungen. Nach der zwischenzeitlichen Auflösung der Band folgte 2012 die Reunion. Von den Gründungsmitgliedern sind Frontmann Raul Malo und Schlagzeuger Paul Deakin noch dabei und auch Jerry Dale McFadden ist an den Keys wieder vertreten. Als Gitarrist stieß Eddie Perez hinzu.

Zum dreißigjährigen Bandjubiläum feiern The Mavericks die Musik, die dreißig Jahre vor ihrer Gründung aktuell war. „Play The Hits“ enthält eine Auswahl von Songs, zu denen die Band eine besondere Bindung hat. Das Album lädt zum Schwelgen in der Vergangenheit ein und ist in seiner konsequenten Ausrichtung am Sound der fünfziger/sechziger Jahre ungewöhnlich und mutig. Ob The Mavericks damit den Zeitgeist treffen ist fraglich und ein kommerzieller Erfolg erscheint eher unwahrscheinlich.

Mono Mundo Recordings/Thirty Tigers (2019)
Stil: Country, Rock ’n Roll

Tracks:
01. Swingin’
02. Are You Sure Hank Done It This Way
03. Blame It On Your Heart
04. Don’t You Ever Get Tired (Of Hurting Me)
05. Before The Next Teardrop Falls
06. Hungry Heart
07. Why Can’t She Be You
08. Once Upon A Time (feat. Martina McBride)
09. Don’t Be Cruel
10. Blue Eyes Crying In The Rain
11. I’m Leaving It Up To You

The Mavericks
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Brantley Gilbert – Fire & Brimstone – CD-Review

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Knapp drei Jahre ist es her, dass Brantley Gilbert, neben Jason Aldean wohl einer der beiden Platzhirsche in Nashville im im eher Rock-getriebenen Country, sein letztes Album „The Devil Don’t Sleep“ veröffentlicht hat.

Allerdings hat der aus Jefferson, Georgia stammende Musiker, das Recht der Zeit auf seiner Seite, denn er bedient sich nicht Fremdkreationen, sondern ist auch diesmal wieder in alle 15 Tracks als alleiniger Kompositeur oder Mitschreiber (natürlich mit prominenten Co-Autoren wie u. a. Justin Weaver, Rhett Akins, Rodney Clawson, Andrew DeRoberts) involviert.

Produziert haben das Werk Brandon Day, Mike Elizondo (Eminem, Pink, Nelly Furtado) und Star-Producer Dann Huff (Liebhaber seines unverwechselbaren Gitarrenspiels werden hier ihre helle Freude haben).

Gilbert legt direkt mit zwei swampigen Southern Rockern los („Fire’t Up“, „Not Like Us“), klasse mit seiner Reibeisen-Stimme in Szene gesetzt. Zum Piepen das mit Spezi Colt Ford (herrlich sein Husten zu Beginn des Liedes, selbstredend wieder mit Sprecheinlage), Lukas und Willie Nelson dargebotene „Welcome To Hazeville“, wo der eigentlich total untergehende Willie in den letzten Sekunden mit der gesprochenen Titelzeile, dem Song noch mal eine markante Note verpasst.

Mit dem Einsetzen von dem auch uns gut bekannten Countrypop-Sternchen Lindsay Ell beim Schmachtfetzen „What Happens In A Small Town“ driftet die CD mit Drum-Loops und punktuellen Synthies (wenn auch nicht ungekonnt) und das Songmaterial allerdings überwiegend in eine Art hochkarätigen Mainstream Rock, die auch Fans der Marke Nickelback, Hinder & Co. zusagen müsste (z. B. „Tough Town“, „Never Gonna Be Alone“).

Andrew DeRoberts mit Mandoline und Ilya Toshinsky mit Banjo sind zwar im Hintergrund sporadisch bemüht, auch die Countryklientel bei Laune zu halten, aber insgesamt dominieren doch die melodischen Rocklänge.

Eines der Highlights ist in jedem Fall auch das balladeske Titelstück, das genau in der Mitte der Scheibe angesiedelt wurde. Es lebt von der tollen Melodie, den Stimmungswechseln (atmosphärischer Strophengesang, Powerrefrain) und den wunderbar prägnant dazu gemischten Stimmen von Alison Krauss und Jamey Johnson sowie einem epischen Huff-E-Solo.

Das fluffige „New Money“ könnte auch aus dem Fundus von Kip Moore stammen, zum Schluss wird es mit dem von Vaterfreude getragenen „Man That Hung The Moon“ noch emotional (Babygeräusche zum Ausklang). Hier zeigt Huff mit einem filigranen Solo, dass er es auch an der Akustikgitarre drauf hat.

Die Covergestaltung zeigt den Tattoo-verzierten Protagonisten überwiegend in einem düsteren Raum eines verlassen wirkenden Industriegebäudes. Texte und alle relevanten Infos zum Werk enthält das Booklet.

Wer gerne rauchige Stimmen hört, nicht ausnahmslos auf Country fokussiert ist, und dabei auch melodisch mainstreamigen Rock (dezent Southern) nicht verteufelt, kann  bei Brantley Gilberts „Fire & Brimstone“ unbedenklich zugreifen. Mir persönlich gefällt die Scheibe!

Valory Music (2019)
Stil: New Country

Tracklist:
01. Fire’t Up
02. Not Like Us
03. Welcome To Hazeville (feat. Colt Ford & Lukas Nelson & Willie Nelson)
04. What Happens In A Small Town (feat. Lindsay Ell)
05. She Ain’t Home
06. Lost Soul’s Prayer
07. Tough Town
08. Fire & Brimstone
09. Laid Back Ride
10. Bad Boy
11. New Money
12. Breaks Down
13. Man Of Steel
14. Never Gonna Be Alone
15. Man That Hung The Moon

Brantley Gilbert
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Universal Music Group

Trigger Hippy – Full Circle & Then Some – CD-Review

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Review: Michael Segets

Trigger Hippy ist das Projekt von Schlagzeuger Steve Gorman (Black Crowes) und Bassist Nick Govrik (Highwater). Die beiden kennen sich schon lang Zeit und gründeten vor zehn Jahren Trigger Hippy. Das selbstbetitelte Debütalbum erschien aber erst 2014 mit Sängerin Joan Osborne und Jackie Greene an der Gitarre.

Für „Full Circle & Then Some“ hat sich die Band neu formiert. Amber Woodhouse übernimmt die femininen Gesangsparts, Ed Jurdi (The Band Of Heathens) singt ebenfalls und steuert mehrere Instrumente bei. Als Gastgitarrist ist Sadler Vaden (Jason Isbell And The 400 Unit) mit von der Partie.

Trigger Hippy greift tief in die Trickkiste und verarbeitet viele unterschiedliche stilistische Einflüsse von Country, Rock, R&B über Funk bis zu Psychedelic. Ein roter Faden oder eine verbindende Grundkonzeption konnte ich auf dem Longplayer nicht ausmachen. So wirkt das Werk als Ansammlung von Einzelstücken, bei denen nur gelegentlich ein Funke überspringt.

Der Opener „Don’t Wanna To Bring You Down“ kommt locker und leicht poppig mit einer Prise Soul daher. Govrik, Jurdi und Woodhouse geben sich hier das Mikro weiter. Wechselnde Lead-Vocals finden sich auf mehreren Stücken und sind sicherlich eine Stärke der Band. Schön zur Geltung kommt er auf dem rockigen Titelsong, bei dem Passagen auch mehrstimmig gesungen werden.

Die besten Stücke der CD bewegen ich aber im unteren Tempobereich. Hörenswertes Highlight ist dabei die von Govrik geschriebene und gesungene Southern-Ballade „Goddamn Hurricane“. Ebenfalls gelungen ist das swampige „Long Lost Friend“, das aus der Feder von Gorvik, Jurdi, Osborne und Will Hoge stammt.

Durch die Blues-Harp von Mickey Raphael (Willie Nelson) erhält auch „Dandelion“ eine gewisse Erdung. Einen Country-Einschlag weist „Strung Out On The Rain“ auf. In Richtung Country-Rock geht „Low Down Country Song”. „One Of Them” erinnert mit seinem Soul an Southside Johnny. Die Titel sind noch auf der Haben-Seite des Albums zu verbuchen.

Wenig überzeugt hingegen „The Butcher’s Daughter“ mit seinem Mix aus Sprechgesang, Funk und Pop. Ebenfalls keinen rechten Zugang gewinne ich zu „Paving The Road“, dem eher eintönigen „The Door” und dem über acht Minuten langem, psychedelisch angehauchten „Born To Be Blue“.

Mit wechselnden Stimmen und unterschiedlichen musikalischen Stilelementen bietet Trigger Hippy eine hohe Soundvarianz. Leider kommt dabei keine richtig runde Sache raus. Durch die Streuung landet „Full Circle & Then Some“ vor allem in der zweiten Hälfte dann aber doch ein paar Treffer.

Turkey Grass Records/Thirty Tigers (2019)
Stil: Rock, R&B and more

Tracks:
01. Don’t Wanna To Bring You Down
02. The Butcher’s Daughter
03. Strung Out On The Pain
04. Born To Be Blue
05. The Door
06. Full Circle And Then Some
07. Dandelion
08. Goddamn Hurricane
09. Long Lost Friend
10. One Of Them
11. Low Down Country Song
12. Paving The Road

Trigger Hippy
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Lukas Nelson & Promise Of The Real  – Turn Off The News (Build A Garden) – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die alten Country-Legenden geben allmählich den Staffelstab weiter an die nächste Generation. Zu denken wäre da an Waylon und Shooter Jennings, Steve und Justin Townes Earle oder Willie und Lukas Nelson. Die Söhne führen zwar einerseits die Traditionslinien ihrer Väter fort, schlagen aber andererseits ihre eigenen musikalischen Wege ein, sind mittlerweile selbst schon im Musikgeschäft etabliert und haben sich bereits einige Reputation erarbeitet.

Lukas Nelson konnte durch seine Mitwirkung an dem Film „A Star Is Born“ sowie dem dazugehörigen Soundtrack zuletzt einen großen Erfolg verbuchen. Nach der Zusammenarbeit mit Lady Gaga und Bradley Cooper bringt Lukas Nelson mit seiner Band Promise Of The Real nun ein neues Studioalbum „Turn Off The News (Build A Garden)” an den Start, auf dem einige bekannte Gäste mitwirken, so Shooter Jennings, Sheryl Crow, Kesha, Lucius und Neil Young.

Vor allem mit Neil Young arbeiten Lukas Nelson & Promise Of The Real eng zusammen. Sie begleiten das kanadische Rockurgestein auf seinen Touren und spielten mit ihm neben einem Live-Album auch zwei Longplayer im Studio ein. Die enge Verbundenheit zu Young äußert sich zudem im Namen der Band, der einer Textzeile aus dessen Song „Walk On“ entliehen ist.

Lukas Nelson wählt mit der Single „Bad Case” einen rockigen Einstieg in die CD, an den das Titelstück anschließt. „Turn Off The News (Build A Garden)” hat – wie viele seiner Songs – einen einprägsamen Refrain. In manchen Passagen ist es etwas opulent, sodass mir die alternative akustische Version, die sich als Bonus auf dem Silberling findet, noch mehr zusagt. Bei ihr wird umso deutlicher, dass Lukas Nelson ein talentierter Songschreiber ist.

Im Mittelteil des Longplayers finden sich mit „Civilized Hell“, dem ruhigen „Simple Life“ und dem sommerlichen „Lotta Fun“ einige gelungene, sorgfältig arrangierte Titel. Wenn Nelson „Save A Little Heartache” trällert oder den Gesang bei „Mystery“ in die Länge zieht, geht der Gestaltungsdrang allerdings mit ihm durch. Dabei sind auch in diesen Songs gute Ansätze vorhanden, beispielsweise die Gitarrenlicks seines Vaters Willie. Bei „Where Does Love Go” ist zu hören, dass sich Lukas Nelson an der Musik von Roy Orbison orientiert. Er fängt deren leicht schwülstige Atmosphäre treffend ein.

Beim Durchhören des Albums treten bei den im Midtempo gehaltenen Tracks leichte Ermüdungserscheinungen ein. Die Tendenz hier und da einige musikalische Schlenker einzubauen, die zwar technisch gekonnt, letztlich aber austauschbar sind, spülen die Titel manchmal etwas weich. Bestes Beispiel dafür ist „Stars Made Of You”, das – wäre es auf Deutsch gesungen – einen Platz in der Schlagerparade haben könnte.

Gegen Ende der CD landet Nelson allerdings noch einige Treffer. Vor allem der Rocker im Southern-Style „Something Real“ ragt hervor. Aber auch das sich zu einem furiose Finale steigernde „Out In LA“ sowie der Bonus-Track „Consider It Heaven“ wissen zu überzeugen.

Lukas Nelson hätte bei der Produktion von „Turn Off The News (Build A Garden)“ mehr auf die Kraft seines Songwritings vertrauen können. Das Arrangement einiger Stücke nimmt ihnen etwas von der Wirkung, die möglich gewesen wäre. Manche Titel sind in ein ziemlich gefälliges Gewand gekleidet und ragen damit nicht aus dem Mainstream heraus. Die reduzierten Balladen erscheinen weniger glatt und deuten das Potential der Band an, die dort größeres Profil zeigt. Im oberen Tempobereich, wenn Lukas Nelson & Promise Of The Real die Zügel loslassen, liefert die Band feinen Rock ab.

Fantasy Records/Universal Music (2019)
Stil: New Country/Rock

Tracks:
01. Bad Case
02. Turn Off The News (Build A Garden)
03. Where Does Love Go
04. Save A Little Heartache
05. Lotta Fun
06. Civilized Hell
07. Mystery
08. Simple Life
09. Out In LA
10. Something Real
11. Stars Made Of You
12. Turn Off The News (Build A Garden) (Accoustic) (Bonus Track)
13. Consider It Heaven (Bonus Track)

Lukas Nelson
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Fantasy Records
Oktober Promotion

George Strait – Honky Tonk Time Machine – CD-Review

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Um die großen Country-Neo-Traditionalisten der Marke Alan Jackson & Co., habe ich bisher, bis auf ganz wenige Ausnahmen, immer einen großen Bogen gemacht. Mit dieser oft ein wenig altbacken klingenden und pathos-getränkten Sparte dieser Musik kann ich mich irgendwie nicht anfreunden.

Jetzt wollte mich Universal Music scheinbar zu meinem, mir selbst verwehrten Glück zwingen und hat mir die neue CD „Honky Tonk Time Machine“ des Altmeisters George Strait geschickt. Die geneigte Kundschaft bekommt natürlich genau das, was man bei einem Major-Künstler seines Rangs und Namens erwartet.

Fängt bei der umfangreichen Covergestaltung (Booklet mit allen Texten und Infos, dazu ein bisschen Heimatverbundenheit/Patriotismus auf dem Titelbild in Form einer altehrwürdigen texanischen Location mit texanischer Fahne oben drauf) an, geht über Straits väterlichen Gesang weiter und hört bei der dazu routiniert eingespielten Musik auf.

Die geht gefällig countryesk ins Ohr und ist immer wieder leicht swingend, zum Teil melancholisch, serviert vom Who-Is-Who der Nashville Studiomusiker-Riege wie Greg Morrow, Glenn Worf, Mike Rojas, Ilya Toshinsky, Eric Darken, Mac McAnally, E-Bariton-Spezialist Brent Mason, Stuart Duncan, Paul Franklin & Co.

Aber abgesehen von drei vier Stücken, die immer wieder solche retro-umwobene Fiddle-, Steel- und Pianosequenzen enthalten, mit denen meine Gehörgänge einfach nicht klar kommen und die wohl eher für den Seniorentanz oder -tee in den Altersheimen von Austin und Nashville prädestiniert sind, lässt Strait auch einige gefällige Stücke wie den flockigen Opener „Every Little Honky Tonk Bar“, die Tex-Mex-umwehten „Two More Wishes“ und „Código“, den schönen Schwofer „Old Violin“, den Schunkler „Take Me Away“ oder den knackigen Countryrocker „Honky Tonk Time Machine“ vom Stapel.

Neben der Einbindung von Enkel Harvey beim schmalzigen „God And Country Music“ gibt es am Ende noch als Farbtupfer die Gastpräsenz von Willie Nelson beim es schon erahnen lassenden Titel „Sing One With Willie“, wo sich beide Recken gegenseitig Ehre und Respekt erweisen.

Über die Leistungen und Verdienste des ‚King Of Country‘ braucht man nicht zu diskutieren – absolut beeindruckend! Man bekommt auf dieser Scheibe auf jeden Fall einen guten Einblick in das Erfolgsrezept des Texaners. Zielgerichte, qualitativ hochwertige Klientelmusik, die keinen Millimeter vom Standard des Bewährten abweicht.

In Sachen meiner Person ist es dem guten George mit seiner „Honky Tonk Time Machine“ allerdings auch weiterhin nicht gelungen, mich in seine neo-traditionellen Fänge hineinzubeamen.

MCA Nashville (2019)
Stil: Neo-traditional Country

01. Every Little Honky Tonk Bar
02. Two More Wishes
03. Some Nights
04. God And Country Music
05. Blue Water
06. Sometimes Love
07. Código
08. Old Violin
09. Take Me Away
10. The Weight Of The Badge
11. Honky Tonk Time Machine
12. What Goes Up
13. Sing One With Willie

George Strait
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Universal Music

Ryan Peters – Songs For Old Souls – CD-Review

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Review: Michael Segets

Ryan Peters stammt aus dem Norden Michigans und lebt dort derzeit auch. Viel mehr Informationen konnte ich über den Mann, der mit „Songs For Old Souls“ sein Debüt veröffentlicht, im Netz nicht finden. Auf seiner facebook-Seite nennt er einige Hausnummern als musikalische Orientierung: Hank Williams, Johnny Cash, Waylon Jennings, Willie Nelson aus der Country-Sparte, Lynyrd Skynrd, The Band und jüngere Musiker wie Jason Isbell und Chris Stapleton. Deren Einflüsse klingen an der einen oder anderen Stelle des Albums auch an, ohne dass ich direkte Parallelen ziehen würde.

Wie das mit den Vergleichen auch sei: „Songs For Old Souls“ klingt angenehm vertraut und hält einige Highlights parat. Mein Favorit ist der Opener „Gotta Go“. Der kraftvolle Roots Rock mit einprägsamen Refrain überzeugt auf der ganzen Linie. Stark ist auch der Country-Rocker „Let Me Down Easy”. Unter den langsameren Titeln sticht „Nobody’s Dime“ mit einem tollen Southern-Flavour hervor, aber auch „Lighthouse“ weis mit seinem trocken stampfenden Rhythmus und gelungenem Gitarrensolo zu gefallen.

Die leicht angeraute Stimme von Ryan Peters ist vielleicht nicht unverwechselbar markant, aber sie passt prima zu den Songs der CD, die eine gelungene Mischung aus Balladen und schnelleren Midtempo-Stücken bietet. Das Pendel schlägt meist in Richtung Roots- oder Country-Rock aus, wobei Peters die Titel durchaus unterschiedlich arrangiert.

Nicht zuletzt durch den ausgiebigen Einsatz der Mundharmonika erhält „Railroad Village Blues”, bei dem Peters das Kleinstadtleben besingt, einen Country-Einschlag. Dieser kommt vor allem bei „Damned If I Don’t“ vollends zur Geltung. Dieser Song wird ebenso wie die insgesamt akustisch gehaltene Ballade „If He Got To Heaven” mit gehörig Slide untermalt.

„Living Too Fast” hat schöne Klavierpassagen und entwickelt wie auch „Before It Was Gone“ viel Drive, an dem der Gesang von Peters einen großen Anteil hat. In der zweiten Hälfte des Albums finden sich mit „Stab In The Dark“, „The Best Of Me“ und „Take Me Back“ noch drei solide, rockigere Titel, die sich mal durch melodiöse Gitarrenläufe, mal durch härtere Riffs auszeichnen.

Mit „Songs For Old Souls“ legt Ryan Peters ein vielversprechendes Debüt vor, das bodenständig und ehrlich klingt. Nach einem fulminanten ersten Teil finden sich im zweiten etwas schwächere Stücke, die aber immer noch gut hörbar sind. Einzelne Titel – wie „Gotta Go“ – begeistern vollständig, sodass man gespannt sein darf, was man zukünftig von dem Mann aus dem Great Lakes State hört.

Homestead Productions (2018)
Stil: Roots Rock / Country Rock

Tracks:
01. Gotta Go
02. Lighthouse
03. Railroad Village Blues
04. Let Me Down Easy
05. Nobody’s Dime
06. Living Too Fast
07. Before It Was Gone
08. Damned If I Don’t
09. Stab In The Dark
10. If He Got To Heaven
11. The Best Of Me
12. Take Me Back

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John Hiatt – The Eclipse Sessions – CD-Review

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Review: Michael Segets

Obwohl ihm die ganz großen Verkaufszahlen bisher verwehrt blieben, zählt John Hiatt doch zu den renommierten amerikanischen Singer-Songwritern, dessen Stücke von vielen Künstlern aufgenommen wurden. Rosanne Cash, Eric Clapton und B. B. King, David Crosby, Bob Dylan, Willie Nelson, Bonnie Raitt, Bob Seger sowie Bruce Springsteen reihen sich in die Liste der Interpreten seiner Songs ein.

Musikalisch bewegt sich Hiatt auf seinen Veröffentlichungen zwischen Folk Rock und Heartland Rock mit Einflüssen von Blues und Americana. Am bekanntesten dürfte seine Single „Have A Little Faith In Me” (1987) sein. Mit seiner Scheibe „Walk On“ hat er 1995 ein (unterschätztes) Meisterwerk abgeliefert. Von der Kritik hoch gelobt ist sein „Spätwerk“. Seit 15 Jahren veröffentlicht er bei New West beständig neue Alben.

Im Sommer vergangenen Jahres zog sich Hiatt mit Bassist Patrick O’Hearn und Schlagzeuger Kenneth Blevins in das Heimstudio von Kevin McKendree zurück, um als Trio „The Eclipse Sessions“ innerhalb von wenigen Tagen einzuspielen. McKendree produzierte den Tonträger, steuerte selbst noch einige Keys bei und holte seinen Sohn Yates für eine ergänzende E-Gitarre hinzu. Herausgekommen ist ein typisches John-Hiatt-Album.

Die CD beginnt mit zwei starken Midtempo-Stücken. Die Anlage von „Cry For Me“ erinnert mich an Songs von Warren Zevon, was vielleicht auch an der Klavierbegleitung liegt. Das rootsige, mit gleichmäßigem Rhythmus unterlegte „All The Way To The River“ punktet durch Hiatts Gesang und schöne E-Gitarrenpassagen. An Intensität wird es nur noch durch das herausragende „Nothing In My Heart“ übertrumpft. Hier stellen sich bei mir Assoziationen zu Gurf Morlix ein.

Dabei ist die markante Stimme von Hiatt natürlich ein Alleinstellungsmerkmal. Diese kommt vor allem bei den akustisch angelegten „Aces Up Your Sleeve“ und „Hide Your Tears“ ebenso wie auf dem bluesigen „I Like The Odds Of Loving You“ zur Geltung. Wenn Hiatt höher singt, wie auf „Outrunning My Soul” oder „One Stiff Breeze”, wirkt das eher ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig. Dennoch entwickeln die Stücke – wenn man ihnen eine Chance gibt – bei mehrmaligen Hören ihren Reiz.

Eine groovende Uptempo-Nummer liefert Hiatt mit „Poor Imitation Of God“. Yates McKendree setzt hier und bei „Over The Hill” gelungene Akzente mit seiner elektrischen Gitarre. Harmonisch klingen „The Eclipse Sessions“ mit „Robber’s Highway” aus.

Im Vorfeld der Sessions überlegte John Hiatt, ob er eine Solo-Scheibe aufnehmen soll und sich lediglich mit akustischer Gitarre begleitet. Man weiß nicht, was dabei herausgekommen wäre. Auf „The Eclipse Sessions“ hat er sich für die Begleitband entschieden und das Ergebnis lässt sich gut hören. Wie auf den meisten Werken von John Hiatt finden sich wieder einige hervorstechende Titel, die durch den Drive, die die größere Instrumentalisierung erzeugt, profitieren.

New West (2018)
Stil: Folk Rock

Tracks:
01. Cry To Me
02. All The Way To The River
03. Aces Up Your Sleeve
04. Poor Imitation Of God
05. Nothing In My Heart
06. Over The Hill
07. Outrunning My Soul
08. Hide Your Tears
09. I Like The Odds Of Loving You
10. One Stiff Breeze
11. Robber’s Highway

John Hiatt
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New West Records
Rough Trade

Aaron Lewis – Sinner – CD-Review

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2012 wurde von Aaron Lewis, der sich bis dahin eigentlich, als Frontmann der Alternative Metal Band Staind, einen Namen gemacht hatte – das brachte ihm übrigens die Ehre ein, in der Liste der besten Metal-Sänger aller Zeiten auf Platz 49 geführt zu werden – eine feine Trennlinie gezogen, um sich, was seine anberaumte Solo-Karriere betrifft, voll und ganz auf Countrymusik zu konzentrieren.

Sein Longplayer-Debüt „The Road“ erreichte auch prompt einen Platz unter den Top 10 in den Billboard Country-Album-Charts. Jetzt, fast vier Jahre später (wo ist eigentlich die Zeit geblieben?), hat der wüst tätowierte, bärtige und wuchtig, sowie charismatisch wirkende Protagonist (so stelle ich mir rein äußerlich einen Parade-Redneck vor, eine typische Art von menschlichem Wesen, die man eigentlich immer nur zum Freund haben möchte…), genug eigenständiges neues Material kreiert, um mit „Sinner“ das nächste Country-Kapitel aufzuschlagen.

Aaron steigt in sein neues Werk sofort mit dem Titelsong „Sinner“ ein, direkt unter Beteiligung vom Duett-erprobten Hochkaräter Willie Nelson, der mit seiner kauzigen Stimme einen schönen Kontrast abgibt. Danach kommt mit „That Ain’t Country“ ein Klagelied auf die Authentizität des heutigen Liedguts im Genre. Kann man sehen, wie man will, Lewis fand die Songs der Altrecken halt ehrlicher und besser. Die instrumentelle Verarbeitung seiner Stücke ist demnach auch absolut in traditionellen Sphären angelegt. Steel, Dobro, Harp, Akustik- und E-Gitarren (absolute Klasse hier Bariton-Spezialist Brent Mason) geben den Ton an, gespielt natürlich nur von Klasse-Leuten (u. a. Ben Kitterman, Jim ‚Moose‘ Brown, Paul Franklin & Co.). Produziert hat in den berühmten Blackbird Studios mit Buddy Cannon eine weitere Koryphäe in diesem Bereich.

Als zusätzliche prominente Unterstützer sind Vince Gill, Dan Tyminski und Alison Krauss von Union Station mit dabei, Letztgenannte mit herrlichen Harmoniegesängen u. a. beim gelungenen Chris Stapelton-Cover „Whiskey And You“. Das Southern-rockige „Northern Redneck“ steht vermutlich noch im Zeichen der Zusammenarbeit vom Vorgänger mit Charlie Daniels. Ein typisches Lied, das auch auf jedes CDB-Album kompatibel wäre.

Und so ziehen sich die allesamt recht atmosphärisch, im Erzählstil gebrachten, durchgehend melodischen Tracks (bis auf zwei Ausnahmen alle von Aaron komponiert), in ihrer traditionell und fein performten Art, wie ein roter Faden bis zum Ende, durch das Album. Mir gefallen besonders Stücke wie „Mama“, „Stuck In These Shoes“ oder „I Lost It All“, dank der bereits angeführten Krauss-Harmoniegesänge. Am Ende darf dann Tochter Zoe Lewis mit ihrer The Loving Mary Band, das bereits mal von den Dixie Chicks gecorverte Bruce Robison-Stück „Travellin‘ Soldier“ präsentieren, Papa Aaron, singt diesmal nur als Zuarbeiter.

Als dezente Kritik möchte ich kurz vermerken, dass Lewis mir ein wenig zu viel depressive Stimmung in eigener Sache (Worte wie ‚demons‘, ‚damage‘, ‚darkness‘, ’sinner‘ usw. werden dazu gerne in den Texten verwendet) mit seinen musikalischen Proklamationen verbreitet. Im Prinzip sollte er heilfroh sein, ein erfolgreiches Dasein als Musiker fristen zu können.

Ich glaube, wenn bei ihm, 5 mal die Woche, wie bei mir, der Wecker um 04:23 Uhr (sowohl freiwillig, als auch gezwungener Maßen…) klingeln würde, um sich, nach dem Gang mit dem Hund, dann in den digital-dominierten, heutigen Büroalltag zu stürzen (inkl. zweier Fahrten durch das Baustellen-verzierte Ruhrgebiet), würden bei ihm aber die Dämonen erst recht und in noch viel längerer Schlange vor der Tür stehen! Ok, auch ich weiß, dass ich hier auf recht hohem Niveau jammere, ganz ganz vielen Menschen auf dieser Welt geht es trotzdem sicherlich deutlich schlechter auch als mir.

Fazit: Aaron Lewis zieht mit „Sinner“ seinen eingeschlagenen, auf traditionellen Country-Pfaden weilenden Stil, weiter konsequent fort. Charismatischer Gesang, klasse Gäste, exzellente Musiker und ein erfahrener Produzent sorgen für den Stoff, den Leute mit Wonne aufsaugen werden, die mit dem zeitgenössischen modernen New Country wenig am Hut haben, und mehr auf die gute alte Tage des Genres stehen oder, was ihren Musikgeschmack angeht, halt recht flexibel sind. Und, lieber Aaron, zu deiner Beruhigung: Du brauchst keine Buße tun, dass „Sinner“ sofort auf Platz 1 der Billboard Charts geschossen ist. Das hat der liebe Gott dir sicher schon längst auch so verziehen…

Dot Records (2016)
Stil: Country

01. Sinner (feat. Willie Nelson)
02. That Ain’t Country
03. Whiskey And You
04. Northern Redneck
05. Mama
06. Sunday Every Saturday Night
07. Lost And Lonely
08. Story Of My Life
09. Stuck In These Shoes
10. I Lost It All
11. Travelin‘ Soldier
15. Piece Of My Heart (feat. The Loving Mary Band)

Aaron Lewis
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Universal Music Group

Randy Rogers & Wade Bowen – Hold My Beer Vol. 1 – CD-Review

Rogers Bowen

Ist das herrlich! Liebe Leute, kann Countrymusic schön sein. Die beiden eng befreundeten, texanischen Red Dirt-Ikonen Randy Rogers (Randy Rogers Band) und Wade Bowen haben sich zusammen getan, um ein gemeinsames Album einzuspielen – ein Album reinster, edler Countrymusic. Unter der Produktion von Lloyd Maines (auch mit vielen Instrumenten wie Pedal Steel, Dobro, Akustik-Gitarre und Mandoline involviert) spendieren die beiden uns mit “Hold My Beer – Vol. 1“ ein durch und durch traditionelles Werk in einem prächtigen, klaren Sound aus wunderbar transparenten Gitarren (E-Gitarren, Baritone Gitarren, herrliche Telecaster-Soli, akustische Gitarren), brillanter Pedal Steel und surrenden Fiddles, der sich jedoch gleichzeitig, trotz traumhafter Melodien, immer eine feine Portion „Grit“ bewahrt.

Diese Musik ist rein, ehrlich und authentisch bis in ihren tiefsten Kern und man merkt allen beteiligten hochkarätigen Akteuren (u. a. Jay Saldana, Caleb Jones, Will Knaak, Todd Laningham, Riley Osborne, Micah Vasquez sowie Brady Black und Geoffrey Hill von der Randy Rogers Band) den Spaß deutlich hörbar an, den sie bei dem Projekt hatten. Maines kitzelte aus ihnen förmlich Höchstleistungen heraus, es macht wirklich Laune, den vielen Feinheiten beizuwohnen.

Das Werk startet mit “In The Next Life“, einem Lied über ihre lang währende Freundschaft, vorgetragen im Wechselgesang der beiden (wie fast alle Stücke) und gespickt mit klasse Telecaster-/Fiddle-Fills und Solokombination. Das erste Coverstück (aus der Feder von Joe Ely) “I Had My Hopes Up High“ groovt mit herrlich selbstironischem Text locker in Saloon-Manier vor sich hin. HT-Piano, Twin Gitarren, Steel, Fiddle – Herz was willst du mehr? – einfach nur klasse!

Mit “‘Til It Does“ folgt eine wunderschöne Countryballade, die Wade mal live in einer Kurzfassung vorgestellt hatte und dann auf Randys Drängen für das Projekt zu Ende geschrieben wurde. Ähnlich schön auch das später platzierte “El Dorado“. Weiter geht’s mit dem Line Dance-tauglichen Schunkler “Good Luck With That“ (pumpender Bass, Dobro, Steel), dem starken Merle Haggard-Klassiker “It’s Been A Great Afternoon“ (tolle Dobro-/Fiddle-/ Telecaster-Solo-Kombination) und dem textlich wieder hochamüsanten “Standards‘‘ (es geht um einen Musikmanager, der Randy mal einen potentiellen Hit anbieten wollte, der aber dankend ablehnte, weil er sich für diesen Song nicht ‘verbiegen‘ lassen wollte).

“Hangin‘ Out in Bars“ beschreibt wieder mit viel Augenzwinkern, was Männer am liebsten tun, um ihre Verflossene zu vergessen. Ein typischer Country-Drinkin‘-Song. “Lady Bug“ bewegt sich auf einem toll vom Maines ausgebreiteten Banjo-Fundament, das mit Fiddle, feiner Mandoline und Dobro um weitere Country-Komponenten ergänzt wird. Den Abschluss macht ein weiteres Cover “Reasons To Quit“ aus der Feder von Merle Haggard und Willie Nelson. Eigentlich hatten Wade und Randy vor, ein eigenes Stück zu dem Thema (Ausstieg aus dem Künstlerleben) zu verfassen, entschieden aber, dass man die Thematik nicht besser und humorvoller auf den Punkt bringen kann, als es die Countryveteranen seiner Zeit getan hatten. Dafür ist die Umsetzung mit großartiger Akustikgitarre, Dobro und Fiddle umso besser gelungen. Toll!

Sehr schön auch die Gestaltung des Klapp-DigiPaks von Betsy Baird. Im Innern ist auf der rechten Seite ein alter Gemälderahmen ausgestanzt. Die Infos/Songtexte zum Werk wurden jeweils auf die Rückseite von vier einzelnen Polaroid-artigen Schwarz-/Weiß-Bildern (mit Randy und Wade) gedruckt. Diese kann man dann je nach Gusto wechselweise in den Bilderrahmen passgenau einschieben. Eine nette Zusatzgeschichte.

“Hold My Beer – Vol. 1“ von Randy Rogers und Wade Bowen ist geradezu ein Musterbeispiel dafür, wie gehaltvolle, natürliche, genauso honky-tonkige, wie Outlaw-behaftete, lupenreine „real Countrymusic“ der Gegenwart klingen sollte. Nashville, bitte mal genau hinhören! Das ist die höchste Country-Qualität! Klasse vor allem, dass vermutlich, wie es das ‘Vol. 1‘, ja förmlich suggeriert, ein Nachschlag irgendwann wohl schon in ihren Planungen mitberücksichtigt ist. Bitte mehr davon, die Herren! Großartig!

Stil: Country
Eigenproduktion (2015)

01. In The Next Life
02. I Had My Hopes Up High
03. ‚Til It Does
04. Good Luck With That
05. It’s Been A Great Afternoon
06. Standards
07. El Dorado
08. Hangin‘ Out In Bars
09. Lady Bug
10. Reasons To Quit

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