Lainey Wilson – Sayin‘ What I’m Thinkin‘ – CD-Review

lainey_wilson_cover_300

Am Ende meines Reviews zu Lainey Wilsons 12 Minuten-EP „Redneck Hollywood“ schrieb ich, dass man sich nach dem Quickie mit ihr nach einer längeren (musikalischen) Beziehung sehnen würde.

Mittlerweile macht die aus Louisiana nach Nashville übergesiedelte Singer/Songwriterin auf dem BMG Unterlabel Broken Bow Records den nächsten Schritt und legt mit „Sayin‘ What I’m Thinkin'“, aufgenommen in den Neon Cross Studios, Nashville, TN, ihren ersten Longplayer vor.

Nun ja, wenn ich sagen würde, was ich in dieser katastrophalen Zeit denke, würde ich mich in erster Linie über über unsere, auf sich selbst bedachten und unfähigen Politiker samt ihrer unterstehenden Beamte- und vermeintlichen Expertenschaft auslassen, die mit ihrer Planlosigkeit und Willkür, Millionen von Menschen ihrer Jobs und Renten berauben werden.

Aber das steht auf einem anderen Blatt Papier, hören wir dann doch lieber Lainey Wilson auf ihrem Album bei ihren musikalischen Ausführungen zu. Die haben wenigstens Hand und Fuß. Kein Wunder, denn kein geringere als Star-Produzent Jay Joyce (John Hiatt, Little Big Town, Eric Church, Brothers Osborne) zieht hier die Fäden und der weiß exzellent, wie man den entsprechenden Künstler mit dem vorliegenden Songmaterial samt instrumenteller Umsetzung, perfekt in Einklang bringen kann.

Die vier Tracks „Things A Man Oughta Know“, „LA“, „Dirty Looks“ und „Straight Up Sideways“ von oben angeführter EP wurden mit übernommen und um acht weitere Stücke ergänzt, die ebenfalls alle von Lainey mit diversen namhaften Co-Autoren wie u. a. Matt Rogers, Brice Long, Shane Minor, Jonathon Singleton, Jason Nix, Casey Beathard) komponiert wurden.

Auch auf der Musikerseite wurde nicht mit großen Namen gespart. Leute wie Fred Eltringham, Rob McNelley, Joel King (herrlich knochiges Bass-Spiel), Tom Bukovac, Mickey Raphael, Jedd Hughes und natürlich Jay Joyce selbst, der wieder an allen Tasten, Knöpfen und Saiten involviert ist, kennt man von unzähligen Nashville-Parade-Scheiben.

Ich möchte mich hier natürlich auf die acht neuen Lieder fokussieren. Mit den beiden Openern „Neon Diamonds“ und „Sunday Best“ gibt es direkt zwei pfiffige Drinking-Songs, der erste aus reiner Laune, der andere eher aus einer Portion Frust heraus. Beide erinnern von der Art, wie auch von der Stimme an Trick Pony, bzw. deren Fronterin Heidi Newfield.

„Small Town, Girl“ begeistert mit swampiger Southern-Note und dementsprechenden E-Gitarrenspiel (Marke Skynyrd, klasse!). Das schunkelnde „Pipe“ mit Steel-artigem Slide fordert auf zu politisch unkorrekter Lebensweise, samt der damit oft verbundenen bitter zu schluckenden Pillen, und nicht alles so ernst zu nehmen, wie es erscheint.

Egal, ob du was zu feiern oder an persönlichen Schicksalsschlägen verarbeiten hast, es gibt immer eine Bar, in der man drüber sprechen kannst. Toller atmosphärischer Song, mit gelungener Botschaft! Klasse finde ich im Übrigen, wie auch in diesem Track, ihre bildhafte Sprache und die immer mal wieder eingeflochtene Selbstironie in den Texten.

In „WWDD“ fragt sich die Protagonistin, was ihr großes Vorbild Dolly Parton in einer bestimmten anstehenden Situation tun würde. Das ein wenig an Joni Mitchell erinnernde „Rolling Stone“ beschäftigt sich damit, Dinge, ggfs. auch Personen, hinter sich zu lassen, um ein Ziel zu verfolgen, egal, wie schmerzhaft es manchmal erscheinen möge.

Den Abschluss eines durchgehend abwechslungsreichen Albums bildet das melancholische Titellied, dass den Gedanken vom Vorgängerstück in seinen Konsequenzen weiterverfolgt.

Lainey Wilson beweist mit „Sayin‘ What I’m Thinkin'“ eindrucksvoll, warum sie von Music Row oder Strings & Spurs zu den kommenden großen Künstlern in 2021 proklamiert wird. Ein überaus gelungenes Debüt, dessen Ausführungen man sofort gerne zuhört. Am 19.02. wird die digitale Variante zu erwerben sein, das passende Vinyl dazu folgt am 16.04.2021.

Ach, und apropos des Eingangssatzes: Von mir aus kann diese Beziehung gerne noch lange so fortgeführt werden, ich schwöre unter diesen Umständen weiterhin bedingungslose Treue…!

Broken Bow Records (2021)
Stil: New Country

Tracks:
01. Neon Diamonds
02. Sunday Best
03. Things A Man Oughta Know
04. Small Town, Girl
05. LA
06. Dirty Looks
07. Pipe
08. Keeping Bars In Business
09. Straight Up Sideways
10. WWDD
11. Rolling Stone
12. Sayin‘ What I’m Thinkin‘

Laney Wilson
Laney Wilson bei Facebook
cmm-consulting for music and media

Lainey Wilson – Redneck Hollywood – EP-Review

Wil_300

Macht es Sinn, über eine Vier-Stücke-Veröffentlichung mit einer Gesamt-Spieldauer von gerade mal 12 Minuten, ein Review zu schreiben? Darüber könnte man vermutlich jetzt wesentlich länger als die Spielzeit des Silberlings philosophieren.

Da bei der aus dem kleinen Baskin in Louisiana, stammenden Lainey Wilson, jedoch sehr viel Talent und auch ein ordentliches Maß an Mut im Spiel ist, hat die junge Dame es verdient, mit ihrer EP „Redneck Hollywood“ unseren Lesern zugänglich gemacht zu werden.

Die Protagonistin, die schon jetzt als ‚CMT’s Next Women of Country for 2019‘ gehandelt wird, setzte sich irgendwann in so einen Dauercamp-Wohnwagen, um in Nashville ihr Glück zu versuchen. Schnell wurde dort ihr Songwriting-Talent entdeckt und ihre Dienste als Auftragsschreiberin von Sony/ATV in Anspruch genommen.

Mittlerweile hat Lainey allerdings auch beim arrivierten New Country-Label Broken Bow Records (Dustin Lynch, Craig Morgan, Chase Rice) einen Vertrag, der ihr jetzt mit diesem Kurzwerk zu öffentlicher Aufmerksamkeit verhelfen soll, nachdem sie bereits zu Beginn des Jahres als Support von Shooting-Star Morgan Wallen, einem größeren Publikum näher gebracht wurde.

Die vier Tracks, die von keinem geringeren als Star-Producer Jay Joyce (u. a. Little Big Town, The Wallflowers, Eric Church), betreut wurden, offerieren besonders die Vielseitigkeit der Künstlerin. Stimmlich erinnert sie mich ein wenig an Heidi Newfield vom früheren Erfolgsact Trick Pony.

Das zeigt sich im frechen, rotzigen, Southern country-rockigen Opener „Straight Up Sideways“, dem atmosphärischen, Fleetwood Mac-durchwehten „Dirty Looks“, im folkig (mit schöner Mandoline) melodramtischen „Things A Man Oughta Know“ (wo sie mit „if you really love a woman, don’t let her go“ eindringlich an die vereinte Männerschaft appelliert) und dem flippig-funkig shuffelnden „LA“, bei dem sie zu guter Letzt, einen klasse instrumentierten Gute-Laune-Song (tolle E-Gitarren, prägnanter Bass) raushaut.

Insgesamt ein kurzweiliger New Country-Quickie mit Lainey Wilson im wahrsten Sinne des Wortes, nach dem man sich eine längere (musikalische) Beziehung wünscht.

Broken Bow Records (2019)
Stil: New Country

Tracks:
01. Straight Up Sideways
02. Dirty Looks
03. Things A Man Oughta Know
04. LA

Laney Wilson
Laney Wilson bei Facebook
cmm-consulting for music and media