Taylor McCall – Black Powder Soul – CD-Review

Review: Michael Segets

Das Cover von Taylor McCalls „Black Powder Soul” mit dem untoten Gunslinger hat mich direkt angesprochen. In einem Interview sagt McCall, dass der Mann auf dem Titelbild sein Inneres visualisiert – jemanden, der seinen Dämonen entgegentritt. Zu erwarten wäre bei der Aufmachung und dem Titel eine Scheibe, die sich einen Schritt neben den üblichen Konventionen des Countrygenres bewegt. Auf seinem Debütalbum zeigt sich McCall musikalisch von mehreren Seiten, wobei der Country entgegen der Vorannahme eine untergeordnete Rolle spielt.

Zum einen bewegen sich seine Songs in Singer/Songwriter-Bahnen. Wie auf „Man Out Of Time“ reicht auch auf „White Wine“ eine reduzierte Begleitung aus, um eine leicht wehmütige Stimmung zu erzeugen. McCalls schön angeraute Stimme kommt bei dem erdigen „So Damn Lucky“ besonders zur Geltung. Dieses Highlight unter den ruhigen Stücken punktet mit einer Mundharmonika-Passage. Eine Orgel untermalt das melodiöse „Wide Open“. Hier mischt sich ein bisschen Country mit hinein. Bereits „Red Handed“ weicht mit seiner expressiven Instrumentaleinlage vom typischen Singer/Songwriter-Stil ab. Erneut überzeugen Stimme und Gesang von McCall.

Die zweite Gruppe von voller instrumentierten Songs ist aggressiver und meist am Rock angelehnt. Beim dunklen Titelstück setzt nach dem Gitarrenintro zuerst der Gesang, dann Percussion und Schlagzeug ein, was eine gelungene Spannungskurve erzeugt. Vor dem stampfenden Rhythmus liegt die mit etwas Hall versehene Stimme von McCall. Der Song gipfelt in einem krachenden Gitarrenpart, der zwar nicht als filigran zu bezeichnen ist, sich aber prima in das Stück einpasst. „Hells Half Acre“ wartet ebenfalls mit härteren Riffs auf, die in einen Call-And-Response-Modus mit dem Gesang treten.

Neben den beiden Stücken gehört das mit gospelmäßigem Chor begleitete „Surrender Blues“ zu den Highlights der CD. Zu diesen ist das – vor allem im Refrain – an Steve Earle erinnernde „Highway Will“ ebenfalls zu zählen. Mit den Lyric-Videos zu „Highway Will“ und „So Damn Lucky“ pickt McCall zwei starke Stücke heraus.

Wurden bislang die Titel, die in der Singer/Songwriter-Tradition stehen, von denen mit breiterer Band im Rücken unterschieden, treten bei den letztgenannten weitere Facetten zutage. „Crooked Lanes“ spiegelt mit seinem fast hecktischen Rhythmus, der von einem trockenen Schlagzeug und Percussion getrieben wird, eine rockige Seite wider, bei „South Of Broadway“ machen sich Einflüsse des Blues bemerkbar. Diese treten im neunminütigen „Lucifer“ noch deutlicher hervor. Das Gesamtwerk entzieht sich so eindeutigen Genrezuordnungen.

Der in South Carolina aufgewachsene McCall brachte sich autodidaktisch das Gitarrenspiel bei, nachdem er mit sieben Jahren sein erstes, von seinem Vater gebaute Instrument bekommen hatte. Der begeisterte Angler machte diese Leidenschaft zwischenzeitlich zum Beruf, bevor er eine Karriere im Musikbusiness anvisierte. Besonders wichtig war es McCall, seinen Großvater auf seinem ersten Longplayer zu ehren. Dieser ist auf dem Gospel „Old Ship Of Zion“ zu hören, der als Prelude und Outro das Album rahmt.

Auf „Black Powder Soul“ von Taylor McCall stehen Americana, Rock und Blues nebeneinander und verschmelzen in einigen Tracks so ineinander, dass ein abwechslungsreiches und originelles Debüt entstanden ist. Die Scheibe hat Tiefe und gewinnt bei jedem Durchlauf weitere Schichten. McCalls Stimme und Songwriting lassen auf weitere Werke hoffen.

Black Powder Soul Music – Thirty Tigers/Membran (2021)
Stil: Americana/Rock and more

Tracks:
01. Old Ship Of Zion Prelude
02. Black Powder Soul
03. Red Handed
04. White Wine
05. Crooked Lanes
06. Hells Half Acre
07. Man Out Of Time
08. Surrender Blues
09. South Of Broadway
10. Wide Open
11. Highway Will
12. So Damn Lucky
13. Lucifer
14. Old Ship Of Zion Outro

Taylor McCall
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Riddy Arman – Same – CD-Review

Review: Michael Segets

Hatte ich zuletzt mit Blick auf die Newcomer Morgan Wade und Leah Blevins vermutet, dass eine Riege junger Musikerinnen in der Americana-Szene neue Akzente setzt, bestätigt Riddy Arman mit ihrem Debüt diese These. Anders als die vorgenannten Musikerinnen geht Arman im Landleben auf und tradiert im stärkeren Maße den Mythos des amerikanischen Westens. Dies schlägt sich musikalisch in der reduzierten, akustischen Instrumentierung und ihrer größeren Nähe zum Country nieder.

In Ohio aufgewachsen durchstreifte Arman die Vereinigten Staaten, arbeitete auf verschiedenen Ranches und machte Abstecher nach New York und New Orleans. Die Singer/Songwriterin findet ihren Frieden allerdings in der Abgeschiedenheit der Farmen mit Viehzucht und Ackerbau. Dies spiegelt sich in ihren Texten wider, in denen sie die Ambivalenz dieses Lebens auslotet.

Auf der einen Seite steht die Schönheit und Erfüllung, die die Arbeit in der Natur und mit den Tieren bietet. Diesen Aspekt heben „Old Maid’s Draw“ sowie „Herding Song“ in ruhiger Weise hervor. Die belastende Stille und die Isolation, die sich fern der Städte und Mitmenschen breit machen kann, thematisiert Arman auf der anderen Seite. Das mit Streichern begleitete „Both Of my Hands“ transportiert diese eindrucksvoll und auch „Help Me Make It Through The Night“ – ein Titel von Kris Kristofferson – greift die Einsamkeit auf.

Wie Wade und Blevins nutzt Arman ihr Debüt, um ehemalige Beziehungen Revue passieren zu lassen. Auf „Half A Heart Keychain” und dem etwas kräftiger instrumentalisierten „Too Late To Write A Love Song” reflektiert sie deren Scheitern. In die gleiche Kerbe schlägt „Barbed Wire”. Sehr schön entfaltet sie dort den Dualismus des Cowboy-Mythos zwischen Autarkie und sozialen Bindungen. Der Stacheldraht symbolisiert die Grenze dieser beiden Pole. Arman ist wahrscheinlich zu jung, um den Western „Mit stahlharter Faust“ mit Kirk Douglas zu kennen, aber dieser Klassiker kommt mir bei diesem Thema in den Sinn.

Gerahmt wird das Werk durch zwei Titel, die sich mit Familiengeschichten befassen. Den Anfang macht „Spirits, Angels, Or Lies”, der vielleicht emotional am meisten berührt. Der Text beruht auf einer wahren Begebenheit: In der Nacht, in der Johnny Cash verstarb, erschien er Armans Vater am Krankenbett – einen Monat vor seinem eigenen Tod. Am Ende der CD steht „Problems On My Own”. Der Track versinnbildlicht die Emanzipation von der Familie und der Vergangenheit.

Das Erstlingswerk von Arman erscheint auf dem Label La Honda Records, das auch Colter Wall und Vincent Neil Emerson unter Vertrag hat. Arman, deren Songs zwischen Country und Folk changieren, befindet sich dort also in guter Gesellschaft.

Das selbstbetitelte Debütalbum von Riddy Arman reiht sich in eine Folge interessanter Veröffentlichungen ein, die junge Musikerinnen wie Morgan Wade oder Leah Blevins dieses Jahr vorlegen. In der thematischen Ausrichtung ähnlich, zeigen alle drei Künstlerinnen ein selbstständiges Profil. Im Vergleich zu ihren Kolleginnen setzt Arman weniger auf eingängige Melodien, stattdessen wirken ihre Songs besonders pur und unverstellt. Ihnen haftet eine gewisse Schwere und Sprödigkeit an, die durchaus einen eigenen Charme entwickeln.

La Honda Records – Thirty Tigers (2021)
Stil: Folk/Country

Tracks:
01. Spirits, Angels, Or Lies
02. Half A Heart Keychain
03. Barbed Wire
04. Both Of My Hands
05. Help Me Make It Through The Night
06. Herding Song
07. Old Maid’s Draw
08. Too Late To Write A Love Song
09. Problems On My Own

Riddy Arman
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Leah Blevins – First Time Feeling – CD-Review

cover Leah Blevins - First Time Feeling 300

Review: Michael Segets

Wer denkt nicht von Zeit zu Zeit an die eigene Jugend zurück und an das, was man damals so verzapft hat? Die aus Kentucky stammende Sängerin und Songwriterin Leah Blevins gibt uns mit „First Time Feeling“ einen Einblick in ihre Vergangenheit, wobei die zeitliche Distanz zur Jugendphase bei ihr noch nicht besonders groß ist. Die zurückliegenden Jahre waren wohl wild und einige Hindernisse säumten ihren Selbstfindungsprozess. Nach der Scheidung ihrer Eltern fand sie Halt bei ihren Großeltern. Von ihrer Familie schon früh musikalisch gefördert, zog es sie nach Nashville.

Blevins siedelte schließlich nach Dallas um, wo Paul Cauthen sie unter seine Fittiche nahm. Zusammen mit Blevins und Beau Bedford produzierte Cauthen ihr Debütalbum. Das starke „Believe“ schrieben alle drei gemeinsam. Bedford und Cauthen steuern zudem die Gitarren auf dem Opener „Afraid“ bei. Das Arrangement des Stücks trägt dabei die Handschrift von Cauthen.

Der Beat sowie die R&B-Elemente, mit etwas Disco-Feeling gepaart, erinnern an sein „Room 41“. „Mountain“, das er ebenfalls mitkomponierte, ist hingegen als klassische Americana-Ballade – einschließlich Geigenpassage und Backgroundchor – angelegt.

Insgesamt schlägt Blevins auf ihrem Longplayer ruhige Töne an. Ihr heller Sopran passt in das Americana-Genre und im Zusammenspiel mit den harmonischen Melodien weckt er nostalgische Gefühle. Dass dieser Retro-Eindruck gewollt ist, zeigt das Coverbild. „First Time Feeling“ wirkt wie ein Klassiker und geht unmittelbar ins Ohr. Auch „Beautiful Desaster“ dreht sich um die Liebe, allerdings um eine bereits gescheiterte. Der Track ist atmosphärisch daher etwas dunkler. Beide Songs sind hervorragend, wobei der letztgenannte für mich noch um eine Nasenlänge vorne liegt.

Beziehungen bearbeitet Blevins ebenso in den anderen Songs. So wirft sie bei „Magnolias“ ein Schlaglicht auf ihre ehemalige Familiensituation. Meist steht aber das Verhältnis zu einem Partner im Fokus. Dabei durchzieht stets ein Riss die Beziehung – sei es bei „Clutter“ oder „Mexican Restaurant“ und selbst bei dem eigentlich optimistisch angelegten „Little Birds“. Gründe für diesen Bruch liegen in ihrer sensiblen Wahrnehmung und ihrem kritischen Selbstbild.

Ihre Selbstreflexivität kleidet Blevins in poetische Verse, was ihr besonders eindrucksvoll bei „Fossil“ gelingt. Der Titel ist im Hintergrund mit sanft hallender Gitarre versehen, was nochmal auf den Mitproduzenten Cauthen hindeutet. Meist wurden die ersten Takes für die Veröffentlichung ausgewählt, weil in diesen wohl die Spontanität und unmittelbare Intensität von Blevins Gesang am besten zur Geltung kam.

Leah Blevins „First Time Feeling“ zeigt eine junge Frau, die auf ihre Jugendjahre von einem erwachsenen, selbstreflexiven Standpunkt aus zurückblickt. Wie unlängst bei Morgan Wade bestechen viele von Blevins Texte durch ihre authentisch wirkende Schonungslosigkeit sich selbst gegenüber.

Es scheint, dass sich eine frische Generation von Musikerinnen mit einem neuen Selbstbewusstsein Gehör verschafft. Mit eingängigen Melodien bleibt Blevins meist den Traditionen der Americana-Szene verhaftet, scheut sich aber nicht, diese bei manchen Songs neu zu interpretieren, wobei sie auf die Erfahrung von Paul Cauthen und Beau Bedford zählen konnte.

Crabtree – Thirty Tigers/Membran (2021)
Stil: Americana

Tracks:
01. Afraid
02. Beautiful Disaster
03. First Time Feeling
04. Little Birds
05. Fossil
06. Magnolias
07. Clutter
08. Believe
09. Mexican Restaurant
10. Mountain

Leah Blevins
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Paul Thorn – Never Too Late To Call – CD-Review

Review: Michael Segets

1997 veröffentlichte A&M Records Paul Thorns ersten Longplayer. Thorn verabschiedete sich danach von dem Major-Label und bringt seine Musik seitdem in Eigenregie heraus, wobei ihm sein langjähriger Freund Billy Maddox durchgängig zur Seite steht. „Never Too Late To Call“ reiht sich so nahtlos in das bisherige Werk von Thorn ein – soweit ich sie überblicke. In meinem Regal befinden sich seine drei erfolgreichsten Alben, die es in den US-Charts in die Top 100 geschafft hatten: „Pimps And Preachers“ (2010), „What The Hell Is Going On?“ (2012) sowie „Too Blessed To Be Stressed“ (2014).

2018 folgte noch ein Album mit Gospel-Covern, bei dem u. a. Bonnie Bishop mitwirkte. Auf dem nun vorliegenden „Never Too Late To Call“ sind nun wieder Eigenkompositionen versammelt, an denen Thorn die letzten sieben Jahre arbeitete. Thorn, der für seine persönlichen Texte bekannt ist, greift glückliche Beziehungen auf, die trotz ihrer Schwierigkeiten Bestand haben. Seine neue CD wirkt daher vielleicht eine Nuance gesetzter und zahmer als seine bisherigen.

Folglich finden sich einige ruhige Stücke auf der Scheibe, die mit dem akustisch gehaltenen Folk „Two Tears Of Joy“ beginnt. „What I Could Do“ und „Goodbye Is The Last Word“ sind konventionell gehaltene Balladen mit dezenter Begleitung. Ambivalent stellt sich „Apple Pie Moonshine“ dar. Gut gefällt dort der etwas rau-kratzige Gesang, Abstriche ergeben sich aus den langgezogenen Uh-Hu’s im Refrain. Ähnliche lautmalerische Ausflüge unternimmt Thorn ebenso bei „Sapalo“. Der vom Blues infiltrierte Track sorgt mit seinem akzentuierten Rhythmus zwischen den Balladen am Anfang des Albums allerdings für Abwechslung.

Die thematische Ausrichtung des Longplayers und die situierte Lebensphase Thorns kommen im Duett mit seiner Frau Heather („Breaking Up For Good Again“) sowie in „Sapphire Dream“, das er gemeinsam mit seiner Tochter Kitty Jones singt und geschrieben hat, zum Ausdruck. Seiner verstorbenen Schwester, die rund um die Uhr für ihn erreichbar war, ist „It’s Never Too Late To Call“ gewidmet,. Der sensible, dem Album seinen Namen gebende Song hat etwas von Steve Earle. Unabhängig davon, ob man diese Verbindung wahrnehmen möchte, stellt das Stück das Highlight unter den Balladen dar.

In der zweiten Hälfte des Albums zieht Thorn das Tempo mit einigen Tracks an. Der gradlinige Heartland-Rocker „Here We Go“ liegt ziemlich genau auf meiner Linie. Bei „You Mess Around Get A Buzz“ kommt mal eine kräftige elektrische Gitarre zum Zuge, womit Thorn beweist, dass er nicht weichgespült ist. Der Abschluss „Holy Hotty Toddy“ verpackt eine Prise Humor in einen lockeren Rocker mit rundem Refrain.

Thorn trat als Support für einige Größen des Musikgeschäfts auf, so für John Prine, Robert Cray, Bonnie Riatt oder Toby Keith. Für die Produktion seines Longplayers gewann er Matt Ross-Spang (Jason Isbell, Will Hoge, Lucero, Arlo McKinley). Wie sein aktuelles Werk einschlägt, bleibt abzuwarten. Verdient hätte Thorn, dass es an die Erfolge vom Beginn der letzten Dekade anknüpft.

Auf „Never Too Late To Call” von Paul Thorn dominieren die ruhigeren Töne. Unter den Balladen entwickeln der Titeltrack sowie die Duette mit Frau und Tochter den größten Reiz. Zusammen mit den eingestreuten Rockstücken gelingt ihm so ein Album, das zu weiten Teilen überzeugt.

Tracklist:
01. Two Tears Of Joy
02. It’s Never Too Late To Call
03. Sapalo
04. Breaking Up For Good Again
05. What I Could Do
06. Here We Go
07. Apple Pie Moonshine
08. Sapphire Dream
09. You Mess Around & Get A Buzz
10. Goodbye Is The Last Word
11. Holy Hottie Toddy

Paul Thorn
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Lauren Anderson – Love On The Rocks – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Die Chicagoerin Lauren Anderson durfte mit ihrem ausdrucksstarken Gesang bereits Konzerte von Beth Hart, Samantha Fish, Walter Trout und Mike Zito, der auch auf ihrem Album in einem Song als Gastgitarrist zu hören ist, eröffnen. Zudem wurde sie bereits 2015 von den Midwest Music Awards zur Sängerin des Jahres gekürt.

Ihr zweites Album „Love On The Rocks“, das nun am 06. August erscheint, hat Lauren Anderson in Eigenregie produziert und veröffentlicht. Es enthält neun feine, zumeist ruhige, Songs. Immer getragen von ihrer kraftvollen, warmen Altstimme.

Gleich zu Beginn stellt sie in dem leicht gospelig anmutenden A-Capella-Stück „Keep On“ ihre stimmlichen Qualitäten unter Beweis, lediglich unterstützt durch den Takt vorgebendes Klatschen und harmonische Background Vocals, während in dem Titelsong „Love On The Rocks“ die verletzliche Seite ihre Stimme zum Ausdruck kommt. Ähnlich auch das folgende „Back To Chicago“ mit Mike Zito als Gastgitarrist und einem schönen Gitarrensolo im letzten Drittel des Titels. „The Way I Want“ ist eine eingängige Midtempo-Nummer mit lakonisch wirkendem Gesang von Anderson.

Das ebenfalls ruhige „Holdin‘ Me Down“ überrascht mit einem orientalisch klingenden Intro, welches sich wiederkehrend durch den gesamten Song zieht. Lediglich die Titel „Just F***ing Begun“ und „I‘m Done“ sind beiden einzigen Stücke, die etwas härter zur Sache gehen. Der erstgenannte Song ist sehr rhythmisch, untermalt mit kompromisslos treibenden Drums. Im Gegensatz dazu steht „I‘m Done“ mit seinen funkigen Gitarreneinlagen und einem abrupten Ende.

Das Album endet dann mit zwei etwas längeren, ruhigen Songs: „Stand Still“ eher balladesk, nachdenklich und „Your Turn“ ist ein melodiöser, schöner Slowblues mit Geigen und Pianobegleitung.

Auf ihrem Album vereint Lauren Anderson gekonnt Elemente von Blues, Rock und Soul und findet damit ihren eigenen Stil. Insbesondere als Sängerin hinterlässt sie einen bleibenden Eindruck. Nicht ganz so rau und whiskygeschwängert wie Janis Joplin, dennoch ausdrucksstärker als Joss Stone und mitunter auch an Layla Zoe erinnernd, immer gefühlvoll und verführerisch. Wir dürfen auf mehr gespannt sein.

Label: Independent
Stil: Blues/Americana

Tracks:
01. Keep On
02. Love On The Rocks
03. Back To Chicago
04. The Way I Want
05. Holdin‘ Me Down
06. Just F***ing Begun
07. I‘m Done
08. Stand Still
09. Your Turn

Lauren Anderson
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Son Volt – Electro Melodier – CD-Review

cover Son Volt - Electro Melodier 300

Review: Michael Segets

Nach dem hochgelobten „Union“(2019) setzt Son Volt nun den eingeschlagenen Weg fort. Die Band liefert mit „Electro Melodier“ erneut ein Americana-Album ab, bei dem sie diesmal jedoch öfter Ausflüge in rockigere Gefilde nimmt. Wie auf dem vorangegangenen Werk sind neben dem Bandleader und Sänger Jay Farrar Mark Spencer (Keyboards, Steel Guitar), Chris Frame (Guitar), Andrew Duplantis (Bass) und Mark Patterson (Drums) mit von der Partie.

Das fünfundzwanzigste Bandjubiläum, das 2020 zu feiern gewesen wäre, hatte sich Jay Farrar anders vorgestellt. Corona hat so manche Pläne durchkreuzt, aber da gerade die Tour zu „Union“ abgeschlossen war, stand sowieso die Arbeit an neuen Songs an, für die er sich nun mehr Zeit nahm.

Farrar wollte diesmal einen unpolitischen Longplayer in Angriff nehmen. Seine sozialkritische Ader konnte er jedoch nicht ganz unterdrücken. Mit „Living In The USA“ stellt sich Farrar in die Tradition von Bruce Springsteens „Born In The USA“ oder Neil Youngs „Rockin‘ In A Free World“. Ganz so rockig geht es dann bei Son Volt nicht zur Sache, dennoch setzt der Song ein Ausrufezeichen auf der Scheibe.

Ein weiterer Titel mit politischer Aussage stellt „The Globe“ dar, der zusammen mit „The Globe Prelude“ quasi in zwei Versionen vertreten ist. Der Track ähnelt dem Opener und ersten Auskopplung „Reverie“ von Tempo und Anlage. Beide sind gradlinig und erdig. Dazwischen schiebt sich „Arkey Blue“, dessen Intro und Outro mit härterer Gitarre und kraftvollem Schlagzeug für Son Volt eher ungewöhnlich ist. Im Vergleich dazu plätschert der Mittelteil etwas dahin. Insgesamt startet die CD allerdings dynamisch.

Danach fährt Farrar das Tempo zurück. „Diamonds And Cigarettes“, bei dem Laura Cantrell die Harmonien beisteuert, sowie „Lucky Ones“ thematisieren eine dauerhafte, lang währende Liebe. Farrar ist seit einem Vierteljahrhundert anscheinend glücklich verheiratet. Auf dem reduziertesten, folkähnlichen „War On Misery“ steht seine Stimme, bei der oftmals ein leicht leidender Unterton mitschwingt, im Zentrum.

In dem hinteren Drittel des Albums legt sich Mark Spencer mit der Steel Guitar ins Zeug. Die Ballade „Sweet Refrain“ hält, was der Titel verspricht. „Rebetika“ und „The Levee Of Down“ gehen durch den Slide stärker in Richtung Country. Beim Abschluss „Like You“ sticht die Key-Begleitung hervor, für die ebenfalls Spencer verantwortlich zeichnet. Neben den ruhigeren Tracks finden sich mit dem gelungenen Roots-Rocker „These Are The Times“ und dem als Hommage an Led Zeppelin zu verstehenden „Someday Is Now“ Songs mit einem rockigeren Einschlag auf dem Longplayer.

Son Volt präsentiert mit „Electro Melodier“ eine ausgewogene Mischung aus Americana, Rock und Country. Obwohl es von der Grundausrichtung mit dem vorangegangenen „Union“ vergleichbar ist, wirkt das neue Album so etwas abwechslungsreicher. Konstanz beweist Jay Farrar mit seiner Band weiterhin durch seine gefeilten, sozialkritischen Texte. Für August und September sind 16 Konzerttermine in den Vereinigten Staaten angekündigt, um das neue Material live zu präsentieren. Son Volt ist mit „Electro Melodier“ auch diesbezüglich zurück im Rhythmus.

Transmit Sound/Thirty Tigers (2021)
Stil: Americana

Tracks:
01. Reverie
02. Arkey Blue
03. The Globe
04. Diamonds And Cigarettes
05. Lucky Ones
06. War On Misery
07. Living In The USA
08. Someday Is Now
09. Sweet Refrain
10. The Levee On Down
11. These Are The Times
12. Rebitika
13. The Globe Prelude
14. Like You

Son Volt
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Lucinda Williams – Southern Soul: From Memphis To Muscle Shoals & More – CD-Review

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Review: Michael Segets

Nach ihrem Tribute für Tom Petty lässt Lucinda Williams nun den zweiten Schlag ihres Cover-Projekts Lu’s Jukebox folgen. Auf „Southern Soul: From Memphis To Muscle Shoals & More” wendet sie sich keinem einzelnen Künstler zu, sondern covert querbeet soulige Titel, die im amerikanischen Süden, unter anderem in der für sein Studio bekannten Kleinstadt Muscle Shoals in Alabama, verwurzelt sind.

Die ausgewählten Songs entstanden in den 1960ern und frühen 1970ern. Zu den heute noch bekanntesten zählen sicherlich „I Can’t Stand The Rain“ von Ann Pleebles und Al Greens „Take Me To The River“. Dem schrillen Cover des ersten Titels durch Tina Turner setzt Williams eine wunderbar geerdete Version entgegen. Auch die Interpretation des zweitgenannten Stücks hebt sich von anderen Covern, wie denen von den Talking Heads oder den Commitments, ab. Williams gibt ihm eine rootsige Note und führt ihn mit breitem Gitarrensound zu einem fulminanten Ende.

Die CD beginnt mit dem Ohrwurm „Games People Play“. Meine Lieblingsversion des von Joe South geschriebenen Songs stammt von den Georgia Satellites. Williams spielt ihn anders, aber vergleichbar gut. Sehr klar und straight, einschließlich elegantem Gitarrensolo, startet sie mit ihm auf ihre Reise durch den Soul mit Zwischenstopp beim Blues. Die Genregrenzen verschwimmen bei Williams Interpretationen, die ebenso wie auf ihrem ersten Coveralbum die Songs zu ihren eigenen macht.

Während dort jedoch die ursprünglichen Tracks von Tom Petty noch überwiegend in meine Gehörgängen präsent waren, sind die Songs von Percy Sledges „It Tears Me Up“ oder „You’ll Lose A Good Thing” von Barbara Lynn – ebenfalls von Aretha Franklin aufgenommen – quasi Neuentdeckungen. Sie dürften beim breiten Publikum weitgehend in Vergessenheit geraten sein, auch wenn sie zu ihrer Zeit Hits darstellten.

„You Dont’t Miss Your Water” stammt aus der Feder von William Bell und repräsentiert die Memphis-Seite des Albums. Dem Song und vor allem „Misty Blue“ hört man ihr Alter an. Stärker modernisiert wirkt „Rainy Night In Georgia” oder auch „Main Street Mission“, das zu den ganz starken Stücken auf der CD gehört. Zum Abschluss der Scheibe spielt Williams einen eigenen Song, der sich nahtlos in die Cover einpasst. „Still I Long For Your Kiss“ findet sich auf ihrem Erfolgsalbum „Car Wheels On A Gravel Road” und wurde von Duane Jarvis mitkomponiert.

Die ursprünglichen Titel von „Southern Soul: From Memphis To Muscle Shoals & More” tauchen vermutlich selten in den Playlists der SoS-Leser auf. Mit ihrem Gesang und der erdigen Begleitung verändert Williams die Atmosphäre der meisten Songs so, dass sie auch bei denjenigen Gehör finden können, die sich sonst weniger mit dem Sound der sechziger Jahre identifizieren. Letztlich transformiert Williams die Originale in Americana-Versionen, die sie mit einer gehörigen Portion Soul in ihrer Stimme vorträgt.

Williams Cover-Reihe ist auf sechs CDs angelegt. Neben Country-Nummern der 1960ern nimmt sie sich noch Weihnachtsliedern an. Darüber hinaus stehen Tribute-Alben für Bob Dylan und die Rolling Stones aus. Die Eigenständigkeit der Interpretationen auf den ersten beiden Veröffentlichungen verspricht für die weiteren Streifzüge durch Lu’s Jukebox einiges.

Highway 20 – Thirty Tigers/Membran (2021)
Stil: Americana

Tracks:
01. Games People Play
02. You’ll Lose A Good Thing
03. Ode To Billie Joe
04. I Can’t Stand The Rain
05. Misty Blue
06. Main Street Mission
07. You Don’t Miss Your Water
08. It Tears Me Up
09. Rainy Night In Georgia
10. Take Me To The River
11. Still I Long For Your Kiss

Lucinda Williams
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Lukas Nelson & Promise Of The Real – A Few Stars Apart – CD-Review

cover Lukas Nelson Promise Of The Real 300

Review: Stephan Skolarski

In Zeiten fehlender gesellschaftlicher Harmonie sind es manchmal künstlerische Konzepte oder Kompositionen, die den Bedarf nach harmonischer Rückbesinnung und Bereicherung bewusst machen. Mit ihrem 8. Studio-Longplayer „A Few Stars Apart“ haben Lukas Nelson & Promise Of The Real den Versuch unternommen, die familiäre Geborgenheit und Wärme, die sie während der Corona-Zwangspause erfahren haben, zu bewahren.

Die teilweise pathetische Erzählkunst von Lukas Nelson wird zu Beginn in „Empires“ akustisch brillant dargeboten und offeriert den Einstieg in die Ausdrucksvielfalt eines hochtalentierten Songwriters. Die immer wiederkehrende Ohrwurmvitalität kommt im optimistischen Country Rocker „Perennial Bloom“ mit viel Eagles-Flair voll zur „Blüte“ und verleiht dem Album eine Bestnote. Dass die gefeierte Formation als nahezu schonungslose Tournee-Band fast 10 Jahre ununterbrochen ihre Road-Erfahrungen gesammelt hat, lässt die vom renommierten Dave Cobb im RCA-Studio in Nashville gefühlvoll beeinflusste Produktion erkennen.

Einen Abstecher in die Randbereiche klassischer Jim Croce-Songkunst unternimmt Lukas Nelson mit „Throwing Away Your Love“, poetisches Storytelling im Liebesliedgewand, das im folgenden Titelsong „A Few Stars Apart“ als melancholische Klavierballade vom eindringlichen Vocal-Part des Grammy Award Winners geprägt ist.

„A song is like a short story“, so Nelson und die besinnliche Faszination seiner Lyrics entfaltet ihre poetische Wirkung auch in langsamen Refrain-Passagen bei „No Reason“ und „Leave ‘Em Behind“, einem nicht weit von Neil Young angesiedelten Paradestück. Der Altmeister hat von Beginn an die Karriere der Band mit Begeisterung begleitet und diese als Backing-Band mit auf Tournee genommen. Zudem sind inzwischen 4 gemeinsame Produktionen entstanden.

Die berechtigte Erwartungshaltung auf einen lautstarken Rock-Kracher erfüllt die Band mit „Wildest Dreams“, herrlicher Tom Petty Style – pure Harmonie! Dieses als angenehm empfundene, melodische Klangbild kommt ebenso bei „More Than We Can Handle“ zum Einsatz, und wirkt – vielleicht zur Erinnerung an Harry Nilson – immer wieder modern old school.

In Anlehnung und aus Respekt vor der eigenen Familientradition (Willie Nelson), dem Lukas Nelson sicherlich auch zum Teil die erforderliche Veranlagung und Inspiration verdankt, enthält „A Few Stars Apart“ ebenfalls eindeutige Reminiszenzen. Daher runden „Hand Me A Light“ (eine typische Country-Walzer-Ballade im Duett mit Co-Autorin Rina Ford) und der Abschlusstrack „Smile“ die dauerhaft harmonische Wirkung der Scheibe ab.

Nicht selten ist die Dominanz eines talentierten Songschreibers ausschlaggebend für die Stilrichtung und den Erfolg einer Band, deren musikalische Resonanz und Ausdrucksstärke jedoch erst durch die Harmonie in der Gemeinschaft entsteht.

Mit ihrem neuen Album „A Few Stars Apart“ haben Lukas Nelson & Promise Of The Real dieses Harmoniebedürfnis „eingefangen“, musikalisch aufbereitet und wieder ein respektables Gesamtwerk geschaffen. Zwischen Country, Folk, Americana und Roots verbreiten 11 Songs eine Leichtigkeit und kreative Anziehungskraft, für diejenigen, die sich darauf einlassen und die liebevolle Poesie der Lyrics für sich als wichtig erachten.

Fantasy Records (2021)
Stil: Americana, Country

Tracks:
01. Empires
02. Perennial Bloom
03. Throwing Away Your Love
04. A Few Stars Apart
05. No Reason
06. Leave ‘Em Behind
07. Wildest Dreams
08. Giving You Away
09. Hand Me A Light
10. More Than We Can Handle
11. Smile

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Mike Cooley, Patterson Hood & Jason Isbell – Live At The Shoals Theatre – CD-Review

Cooley_300

Review: Michael Segets

Jason Isbell war von 2001 bis 2007 Mitglied bei Drive-By Truckers, der Band aus Georgia, die von Mike Cooley und Patterson Hood gegründet wurde. Sieben Jahre nach der Trennung fanden sich die drei Musiker zu einem Akustikkonzert im Shoals Theatre in Florence, Alabama, zusammen. Die Aufnahme vom 15. Juni 2014 wird nun auch hierzulande als Doppel-CD und vierfach LP veröffentlicht.

Der von Dennis Crosby aufgenommene, von Gena Johnson gemischte und von Pete Lyman gemasterte Mitschnitt fängt die Live-Atmosphäre des Abends ein, den Cooley, Hood und Isbell allein mit ihren akustischen Gitarren sowie ihrem, teilweise in mehrstimmigen Passagen verschmelzenden, Gesang bestritten. In diesen reduzierten Versionen entfalten die Songs eine andere Wirkung als mit kompletter Band im Studio und sind stärker auf sich selbst zurückgeworfen. Die Kraft gewinnen sie aus den leisen Tönen und feinen Nuancen, wobei die drei Musiker so harmonieren, dass nicht zu bemerken ist, dass sie bereits seit Jahren nicht mehr zusammen aufgetreten waren.

Die Setlist konzentriert sich auf die Phase als Isbell noch Teil der Band war. Dabei liegt der Fokus auf den beiden Platten „Decoration Day“ (2003) und „The Dirty South“ (2004), die mit fünf beziehungsweise sechs Titeln nahezu die Hälfte der Tracks ausmachen. Sie füllen vor allem die erste CD. Noch bevor Isbell als vollwertiges Mitglied, das sich auch am Songwriting beteiligte, bei Drive-By Truckers einstieg, unterstützte er die Band bei der Tour zu „Southern Rock Opera“ (2001). „Women Without Whiskey”, „Zip City” und „Let There Be Rock” stammen von diesem Longplayer.

Während sich von jedem Drive-By Truckers-Album zwischen 2006 und 2014 ein bis zwei Stücke auf der Setlist finden, ist lediglich das Debüt „Gangstabilly“ (1998) mit „The Living Bubba“ aus der Prä-Isbell-Ära vertreten. Auf der zweiten CD spielt das Trio zwei Tracks von Isbells Solokarriere. Sowohl „Cover Me Up“ als auch „Alabama Pines“ gehören mittlerweile zu den Klassikern in Isbells Repertoire. Ebenso wie Patterson, der drei Studioalben veröffentlichte, wandelt auch Cooley, der eine akustische Live-Scheibe herausbrachte, gelegentlich auf Solopfaden. Die beiden konzentrieren sich aber weiterhin auf ihr Bandprojekt.

Cooley, Hood und Isbell bewiesen bei dem Auftritt Ausdauer: Fast 140 Minuten boten sie ihre Songs dar, was nicht nur für ein akustisches Konzert schon eine ordentliche Spielzeit ist. Den Abschluss bildet dabei eine dreizehnminütige Performance von „Let There Be Rock”, die die achte Seite der vierfach LP alleine füllt. Ansonsten sind auf der LP-Ausgabe drei bis vier Tracks pro Seite gepresst. Denjenigen, die nicht zum inneren Kreis der Fangemeinde der Drive-By Truckers beziehungsweise von Jason Isbell zählen, mag der portionsweise Genuss des Konzerts entgegenkommen, denn – obwohl die Qualität der einzelnen Songs überzeugt – bleibt das Konzert insgesamt ohne große Spannungsbögen.

Den besonderen Reiz des Abends macht die Reunion der beiden Köpfe hinter Drive-By Truckers – Mike Cooley und Patterson Hood – mit dem zum Solo-Star aufgestiegenen Jason Isbell aus. Die akustischen Interpretationen lassen die Songs der drei Musiker nochmal in einem anderen Licht erscheinen, wobei das Konzert aus einem Guss wirkt, bei dem die lange Pause des gemeinsamen Musizierens nicht zu spüren oder zu hören ist.

Southeastern Records/Thirty Tigers (2021)
Stil: Americana

Tracks:
CD1
01. Intro
2. Tornadoes
3. Carl Perkins‘ Cadillac
4. Decoration Day
5. Heathens
6. Eyes Like Glue
7. TVA
8. Puttin‘ People on the Moon
9. Marry Me
10. Goddamn Lonely Love
11. My Sweet Annette
12. Women Without Whiskey
13. Outfit
14. Daddy Needs A Drink

CD2
01. Self Destructive Zones
02. Cover Me Up
03. The Living Bubba
04. Space City
05. Danko/Manuel
06. Grand Canyon
07. Cartoon Gold
08. Alabama Pines
09. Zip City
10. Never Gonna Change
11. Let There Be Rock

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Tom Petty – Finding Wildflowers (Alternate Versions) – CD-Review

Finding Wildflowers 300

Review: Michael Segets

Die Veröffentlichungspolitik mancher Label ist aus Fanperspektive schon recht fragwürdig. Dass manche Alben in unterschiedlichen Editionen rauskommen, mag ja noch angehen, unfair wird es, wenn diese unterschiedlichen Ausgaben nach und nach – eventuell angereichert durch ein oder zwei Bonusstücke – erscheinen. Als eingeschworener Fan ist man dann quasi gezwungen, das gleiche Album ein zweites Mal zu kaufen. Bei „Finding Wildflowers“ von Tom Petty verhält es sich etwas anders.

Letztes Jahr wurde „Wildflowers & All The Rest“ in unterschiedlichen Versionen herausgebracht. Die Standard-Ausgabe umfasst neben dem Originalalbum ein zweites, dessen Erscheinen ursprünglich von Petty geplant, aber nicht realisiert wurde. Weitere Editionen ergänzten Demotracks, Live-Aufnahmen und einzelne unveröffentlichte Titel. Diejenigen, die sich mit der normalen oder Deluxe-Edition begnügten, können nun ein Upgrade erwerben, das keine Überschneidungen zu diesen Ausgaben aufweist und bisher lediglich in der Super-Deluxe-Variante – meines Wissens bereits vergriffen – erhältlich war.

„Finding Wildflowers“ bietet im Wesentlichen alternative Einspielungen der Wildflower-Songs sowie drei weitere Titel. Die früheren Versionen der bekannten Songs klingen rauer und unterscheiden sich dadurch auch atmosphärisch etwas von den schließlich herausgegebenen. Die einzelnen Instrumente sind nicht so verbunden abgemischt, wodurch der Soundteppich nicht so voll klingt. Dadurch sind die einzelnen Musiker differenzierter zu unterscheiden. Die Rohvarianten entwickeln dabei durchaus ihren Charme und manche Tracks, die auf der Original-CD vielleicht etwas süßlich geraten sind, gewinnen in der reduzierteren Alternative. „Only A Broken Heart”, „House In The Woods”, „Wake Up Time” sowie „Don’t Fade On Me” erhalten so einen neuen Anstrich.

Schlagzeug und Gitarren hören sich bei „Wildflowers” erdiger und der rauer an und geben besonders dem sowieso guten „Honey Bee“ nochmal einen anderen Kick mit. „Cabin Down Below“ ist einmal in einer akustischen Version vertreten, die – anders als vermutet – ebenfalls mit Schlagzeug eingespielt und nicht auf eine Gitarre beschränkt ist. Die zweite Variante punktet mit einem Klaviersolo. Der Track läuft eine Minute länger als das Original. Bei den anderen Songs sind die zeitlichen Abweichungen geringer.

Wenn man die ursprünglich veröffentlichten Aufnahmen mit den neuen vergleicht, lassen sich durchaus Änderungen im Detail feststellen. Bei „You Wreck Me“ fällt das Gitarrensolo anders aus und das Klavier ist dominanter, bei „Good To Be King“ tritt der Backgroundgesang deutlicher in Erscheinung. Die Liebhaber von Tom Pettys Musik werden sicherlich Spaß am genaueren Abgleich der Tracks finden. Für diese sind dann bestimmt auch die zuvor nie gehörte Single „You Saw Me Comin‘“, die Studioeinspielung von „Drivin’ Down To Georgia“ sowie das lediglich als B-Seite von „You Don’t Know How It Feels” veröffentlichte „Girl On LSD“ interessant. Von der erfolgreichen Auskopplung von „Wildflowers“ fehlt eine alternative Aufnahme ebenso wie von „Time To Move On“ und „To Find A Friend“.

„Finding Wildflowers (Alternate Versions)“ stellt eine willkommene Ergänzung für Fans von Tom Petty dar, die die Investition in die Super-Deluxe-Ausgabe des vorangegangenen „Wildflowers & All The Rest“ gescheut hatten. Ihnen bietet sich nun die Möglichkeit, ihre Sammlung zu komplettieren. Die Fan-Basis von Tom Petty scheint auch dreieinhalb Jahre nach seinem Tod noch breit genug zu sein, damit sich eine solche Veröffentlichung für ein Major-Label rechnet. Dabei sind die alternativen Versionen sorgsam produziert und ausgewählt, sodass nicht der Eindruck entsteht, dass auf leicht verdientes Geld geschielt wird. Stattdessen präsentieren sich die altbekannten Stücke in einer neuen Form, die es verdient, gehört zu werden.

Eine weitere gute Nachricht für Fans von Tom Petty: Parallel zu „Finding Wildflowers (Alternate Versions)“ erscheint in Kürze ein Tribute-Album von Lucinda Williams, auf dem sie ihre Interpretationen seiner Songs vorstellt.

Warner Records/Warner Music (2021)
Stil: Rock, Americana

Tracks:
01. A Higher Place
02. Hard On Me
03. Cabin Down Below
04. Crawling Back To You
05. Only A Broken Heart
06. Drivin’ Down To Georgia
07. You Wreck Me
08. It’s Good To Be King
09. House In The Woods
10. Honey Bee
11. Girl On LSD
12. Cabin Down Below (Acoustic Version)
13. Wildflowers
14. Don’t Fade On Me
15. Wake Up Time
16. You Saw Me Comin’

Tom Petty
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