Prinz Grizzley – Tilda – CD-Review

Review: Michael Segets

Der Alpen-Western „Das finstere Tal” (2014) ist ein Beispiel dafür, dass typische Motive und Stilmittel des Westernfilms weltweit zirkulieren und auch vor Österreich nicht haltmachen. Ähnlich verhält es sich mit Americana und Country im musikalischen Bereich, was Prinz Grizzley mit „Tilda“ eindrucksvoll belegt. „Tilda“ braucht sich hinter den amerikanischen Veröffentlichungen in diesem Bereich nicht zu verstecken.

Der Kopf hinter Prinz Grizzley ist C. H. Comper, der auch alle vierzehn Titel geschrieben hat. Unter diesen finden sich drei kurze Instrumentals. Bei „The Long March (Troubled Times Ahead)” mit dramatischen Trompeten und orchestralem Anstrich stand Ennio Moricone Pate. Einen Kontrapunkt setzt das am Celtic-Folk orientierte „Dance Of The Shovel (The Foreign Son)”. „The Bridge Shuffle (Death Of A Boy)“ stellt eher ein Klangexperiment dar, das musikalisch verzichtbar erscheint, im Kontext des Albumkonzepts aber seine Berechtigung hat.

Den thematischen Rahmen des Longplayers bildet die Lebensgeschichte der Großeltern von Prinz Grizzley, die vor allem durch die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs geprägt ist. Geschildert werden Situationen, in denen hart arbeitende Menschen versuchen, sich durchzuschlagen und den Wunsch nach heimatlicher Geborgenheit hegen. Die Sicherheit der Existenz ist aber stets gefährdet, wobei sich die Art und Ausprägung deren Bedrohung von zeitgeschichtlichen Faktoren abhängig zeigt. Das Spannungsfeld von Hoffnungen und Ängsten, Alltäglichem und Ausnahmesituationen, das Prinz Grizzley exemplarisch auf dem Album bearbeitet, erscheint daher universell und auch in den heutigen, krisengeschüttelten Zeiten aktuell. Zwischen dem intensiven Opener „Put Me Down (A Foreign Man)“, das nur von Stimme und akustischer Gitarre getragen wird, und dem fast schon klerikal anmutenden Abschluss „Watch Me Rising (Rest Easy My Old Heart)“ gibt Prinz Grizzley so einen Einblick in ein breites Spektrum an Gedanken und Gefühlen der Protagonisten seiner Songs, die durchaus nachvollziehbar sind.

Die Mehrzahl der Stücke ist am Folk orientiert, wobei bei einigen auch ein Country-Einschlag nicht zu verkennen ist. „A Mountain To Be Taimed (The Struggeling)“, das melodiöse „Pull Me Up (Not Everything Is Perfect)” oder das ruhige, gefühlvolle „Guess I Need Protection (Homecomming)” sind gelungene Beiträge, die in der Singer/Songwriter-Tradition stehen. Ein Höhepunkt ist sicherlich „WWII (Surviving)”, auf dem Prinz Grizzley nasaler singt und dabei die Klangfarbe seiner Stimme verändert.

Das mit Slide versehene „Rose On The Garbarge Hill (The Daughter)”, das akustisch gehaltene „Tilda Lee (Processing A Loss)“ sowie das flotte „Reign On, Queen Of The Mountains (A Price To Pay)” gehen in Richtung Alternative Country. Auch diese Beiträge sind gelungen. „The Calling (Settling Down)” kann als Gospel bezeichnet werden. Hier und auch an anderen Stellen tauchen religiöse Motive in den Texten auf. Letztlich geht es aber auf dem Album um existenzbedrohende Ereignisse, die über das Leben hereinbrechen sowie die Art, wie Menschen mit ihnen umgehen. In diesem Sinne ist das Coverbild, das im Hintergrund den Vulkanausbruch von Mount St. Helens 1980 zeigt, symbolträchtig.

Auf „Tilda“ erzählt Prinz Grizzley Geschichten, die an das Leben seiner Großeltern angelehnt sind – Geschichten von Wurzeln und Entwurzelung, von Träumen und Traumata. Neben der schlüssigen Gesamtkonzeption überzeugt der österreichische Singer/Songwriter mit einigen bemerkenswerten Titeln zwischen Folk, Country, Americana und Gospel.

DoWhWa Records (2026)
Stil: Americana, Country

Tracks:
01 Put Me Down (A Foreign Man)
02 A Rose On Garbage Hill (The Daughter)
03 Dance Of The Shovel (The Foreign Son)
04 Reign On, Queen Of Mountains (A Price To Pay)
05 A Mountain To Be Tamed (The Struggling)
06 Moon Over Green Mountains (Falling In Love)
07 The Calling (Settling Down)
08 Pull Me Up (Not Everything is Perfect)
09 The Long March (Troubled Times Ahead)
10 WWII (Surviving)
11 Guess I Need Protection (Homecoming
12 Bridge Shuffle (Death Of A Boy)
13 Tilda Lee (Processing A Loss)
14 Watch Me Rising (Rest Easy My Old Heart)

Prinz Grizzley
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Rola Music

Travis McKeveny And The Famous Doctor Scanlon Band – From Dublin To Duluth – CD-Review

Review: Michael Segets

Vor fünf Jahren verstarb Travis McKeveny unerwartet im Alter von fünfunddreißig. Er veröffentlichte eine EP und zwei Longplayer. Auf dem mit einem Grammy für das beste Bluegrass-Album ausgezeichneten „Laws Of Gravity“ (2017) der Infamous Stringdusters findet sich der Track „1901: A Canyon Odyssey”, der von McKeveny und Andy Falco geschrieben wurde. Kurz vor seinem Tod gründete Keveny The Famous Doctor Scanlon Band, mit der er neue musikalische Wege gehen wollte.

Sein Vater Gerry McKeveny sichtete nun Demos und Live-Aufnahmen, um auf deren Basis mit Freunden und früheren Bandmitgliedern die aufgefundenen Songs zu bearbeiten und neu einzuspielen. So ist Travis McKeveny selbst nur auf dem Abschlusstitel „Open All Night“ zu hören. The Famous Doctor Scanlon Band treten an, um den Geist der Originalaufnahmen zu transportieren und so das musikalische Vermächtnis von McKeveny zu würdigen.

Die Komplexität von McKevenys Songwriting kommt schon bei den ersten beiden Titeln „The Shoe Did“ und „4th Of May“ zum Ausdruck. Startet die CD mit modernem Americana, bleiben die anderen Stücke nicht auf dieses Genre begrenzt. „I’d Live On A Train“ geht beispielsweise in Richtung Western-Swing. „Sloane“ ist eine entspannte Soul-Nummer, obwohl es sich um eine unerfüllte Liebe dreht. Sie wird von Pete Mancini gesungen.

Für mich, dessen musikalische Vorlieben ja etwas einfacher gestrickt sind, stellt das folkige „It’s All Over (But The Letting Go)“ das erste Highlight des Albums dar. Vor allem in der zweiten Hälfte des Werks finden sich weitere bemerkenswerte Tracks. Atmosphärisch dicht ist das dunkle „Ferris Wheel“. Die erste Single „Get Into Trouble“ geht hingegen in die Füße. Das Duett zwischen Pete Mancini und Cassandra House ist ein flotter Song mit schönen Horn-Arrangements. Der Midtempo-Rocker „Bittersweet Somethings“ kann ebenfalls auf der Habenseite verbucht werden. Hier übernimmt Terry McKeveny die Lead Vocals. In Anbetracht der Geschichte rund um die CD gewinnt der bereits erwähnte Abschluss „Open All Night“ eine besondere emotionale Tiefe.

Einen besseren Nachruf auf den viel zu früh verstorbenen Songwriter Travis McKeveny kann man sich kaum vorstellen. Vater und befreundete Musiker:innen lassen den unvollendeten Nachlass auf „From Dublin To Duluth” in einem neuen Licht erstrahlen.

Paradiddle Records (2026)
Stil: Americana and more

Tracks:
01 The Shoe Did
02 4th Of May
03 Fat City
04 I’d Live On A Train
05 Sligo Girl
06 It’s All Over (But The Letting Go)
07 Sloane
08 Ferris Wheel
09 Get Into Trouble
10 Bittersweet Somethings
11 Open All Night

Paradiddle Records

Dallas Burrow – Modern Day Vagabond – CD-Review

 

Wieder mal ein neuer Name in Sounds Of South, mit dem es sich zu beschäftigen gilt. Der texanische Singer/Songwriter Dallas Burrow, wie so oft mit musikalischem Erbgut versehen (sein Vater Mike Burrow ist ebenfalls auf dem Terrain seit langem unterwegs und auf diesem Album mit vertreten), hat schon diverse EPs, CDs und Live-Scheiben herausgebracht.

Jetzt liefert er mit „Modern Day Vagabond“ einen Longplayer ab, der allein schon von den vielen illustren Gastpräsenzen her erahnen lässt, man es hier mit einem aufstrebenden Künstler zu tun bekommt.

Frei nach dem Motto ‚Lustig ist das Vagabundenmusikleben‘ wird Burrow von Leuten wie Grammy Gewinner Adam Odor (The Chicks, Silverada) und The Great Divide’s Mike McClure (Cross Canadian Ragweed, Turnpike Troubadours) in Sachen Produktion begleitet, als Stamm-Musiker sind McClure an der Akustikgitarre und Odor am Bass, Cameron Martin als Drummer, Asleep at the Wheel’s Katie Shore an der Fiddle, sowie  Kullen Fox — lange Zeit Multiinstrumentalist für Charley Crockett am Piano, Organ und Akkordeon mit dabei.

Am Ende waren auch noch weitere klingende Namen wie Mark Tokach (Charlie Robison Band), Larry Chaney (Edwin McCain), Colin Brooks (Band of Heathens), Donny Silverman (Townes Van Zandt), Mitglieder von West Texas Exiles und der legendäre Multiinstrumentalist Lloyd Maines involviert.

Dazu kommen noch die ganzen vokalen Gastpräsenzen von Susan Gibson, Will Sexton, Kelly Willis (die habe ich mal vor über 20 Jahren in Utrecht live gesehen), Kelley Mickwee, Mike McClure und Burrows Vater, Mike Burrow, die dem musikalisch eh schon abwechslungsreich gestalteten Longplayer noch weitere Goodies bescheren.

Dallas Burrow selbst erinnert mich von der Stimme her an Bobby Houck von The Blue Dogs, wie auch an deren Art Musik zu machen (u. a. „Modern Day Vagabond“, „Full Circle“, „Walking Side By Side“, „Time Is Now“, „Old Time Revival“), allerdings ist der Protagonist deutlich traditioneller unterwegs und stilistisch (zumindest hier) auch etwas breiter aufgestellt.

Mutig finde ich ausgerechnet den düstersten und mit etwas Southern Rock-Flair bedachten Song „Underdog“ zur Single auszuwählen. Beim Steel-getränkten, an die Pirates Of The Mississippi erinnernden „Memories“ gibt Dallas‘ Vater Mike mit Harmoniegesängen und kurzer kauziger Lead vocals-Solo-Einlage sein Stelldichein.

‚Mr. Red Dirt‘ Mike McClure verpasst „Whole Different Angle“ sein typisches Flair, „All I Want Is You“ sticht mit seinem souligen Charakter etwas heraus, genauso wie das stark Folk-geprägte Townes Van Zandt-Cover „Rake“ (nur mit Gesang, Mandoline und Flöte) am Ende.

Odor und McClure haben das Gesamtwerk relativ ’natur-belassen‘, man kann schon fast von einem Live-Charakter sprechen. Man kommt sich vor wie als Gast auf einer sommerlichen Musiker-Garten-Party, wo alle, die spielen können, ihre Instrumente mitgenommen haben, sich mit allen, die auch singen können auf einer improvisierten Bühne mit dem Gastgeber zusammenfinden, um gemeinsam geschmackvolle Countrymusik & More zu zelebrieren. Sehr unterhaltsam!

Forty Below Records (2026)
Stil: Country & More

Tracklist:
01. Modern Day Vagabond
02. Let ItShine
03. Miracle
04. No Problem
05. Full Circle
06. Walking Side By Side
07. Oldest Secret
08. Time Is Now
09. Memories
10. Underdog
11. Whole Different Angle
12. Can’t Turn Around
13. All I Want Is You
14. Rake

Dallas Burrow
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Jeffrey Halford & The Healers – Used Parts – CD-Review

Review: Michael Segets

Jeffrey Halford & The Healers unternehmen auf „Used Parts” erneut einen Streifzug durch die Roots Music. Mit-Produzent und Multiinstrumentalist Adam Rossi zählt ebenso wie Mike Anderson zu den altbewährten Bandmitgliedern, die durch Kevin T. White und einige Gastmusikerinnen und Gastmusiker verstärkt werden. Anders als auf ihrem Album aus dem Jahr 2022 „Soul Crusade“ legen Jeffrey Halford & The Healers den Schwerpunkt nicht auf den Blues, sondern setzen auf eine ausgewogene Mischung mehrerer Stilrichtungen.

Dennoch bieten „Chasing Forgiveness“ sowie „Mississippi Flyer“ Blues mit einem Swamp-Einschlag. Der letztgenannte wurde von Bill Wyman (Rolling Stones) geschrieben, der Halford persönlich bat, den Track aufzunehmen. Die anderen Stücke stammen von Halford. Unterstützung erhielt er dabei zum Teil von Colin Halford. Mit Hannah und Aaron Halford hat Jeffrey weitere Familienmitglieder in das Projekt einbezogen, die vor allem beim Backgroundgesang mitwirkten. Deren Harmonien setzen bei einigen Songs gelungene Akzente – so etwa bei den Soul-imprägnierten Titeln „Don’t Turn Out The Light“ oder „High Mountain Soul“. Auch im Refrain von „Corazón“ tragen sie zur Atmosphäre bei und versetzen zusammen mit den Keys, die beinahe wie ein Akkordeon klingen, an die amerikanisch-mexikanische Grenzregion.

Am Rock’n Roll der klassischen Machart orientieren sich zwei weitere Nummern. Für „Used Parts“ ließ sich Halford von Eddie Cochran inspirieren. Feines Gitarrenspiel und ein trockenes Schlagzeug prägen den lockeren Song. Heiße Erlebnisse in einem Zugabteil thematisiert „Rhythm Of The Rails“. Beide Uptempo-Nummern machen auf alle Fälle Spaß. Etwas getragener geht es auf „Living Worthwhile“ zu. Die Country-Ballade ist mit genretypischem Slide versehen, den Tom Heymann (Alejandro Escovedo, Chuck Prophet) an der Pedal Steel beisteuert.

Neben Liebesdingen beschäftigt sich Halford in seinen introspektiven Texten mit der Rastlosigkeit des tourenden Musikers beispielsweise beim Opener „Bright Lights“. Der Track erinnert mich zuweilen an James McMurtry). Die Suche nach Orientierungspunkten im Leben sowie deren Verlust reflektiert Halford beim abschließenden „True North“ mit zurückhaltender Instrumentalisierung.

Jeffrey Halford & The Healers beweisen Kreativität beim Zusammensetzen bekannter Elemente der Roots Music. Halford ist ein Bastler, der sein Handwerk versteht. Er schielt nicht auf außerordentliche Innovationen, sondern bewahrt die guten Teile und hält sie am Laufen. „Used Parts“ nimmt die Hörer mit und darauf kommt es letztlich ja an.

Shoeless Records (2026)
Stil: Blues, Americana and more

Tracks:
01. Bright Lights
02. Used Parts
03. Living Worthwhile
04. Don’t Turn Out The Lights
05. Rhythm Of The Rails
06. Corazón
07. Chasing Forgivness
08. High Mountain Soul
09. Mississippi Flyer
10. True North

Jeffrey Halford & The Healers
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JohThema Promotions

Son Volt – Sound Signal Serenades – CD-Review

Review: Michael Segets

Nachdem sich Son Volt den Songs von Doug Sahm angenommen hat, bietet „Sound Signal Serenades“ wieder Eigenkompositionen. Anknüpfend an die beiden vorangegangenen Veröffentlichungen „Union“ und „Electro Melodier“ setzt das neue Album in bewährter Manier den Weg der Band fort. Geprägt von dem markanten und gelegentlich gewöhnungsbedürftigen Gesang Jay Farrars bewegt es sich im Americana-Bereich mal mit einem rockigen, mal mit einem countryfizierten Einschlag. Dass Son Volt oftmals in die Alternative Country-Ecke geschoben wird, rechtfertigen Titel wie „This Mess Of A World“ und „Guardian Angel“.

Insgesamt erscheint das Werk eingängiger als ich die vorherigen erinnere, ohne in irgendeiner Weise angepasster zu sein. Das mag aber auch daran liegen, dass ich die Texte diesmal direkt mitgelesen habe und daher einen anderen Erstzugang zu der Scheibe aufbaute. Die Texte und besonders die Refrains sind komplex und werden in erster Linie Leute ansprechen, die auf einige Lebensjahre zurückblicken können und sich fragen, wohin der weitere Weg wohl führt. Die Fragen werden ohne Sentimentalität und ohne Verzweiflung aufgeworfen.

Diese nachdenkliche Stimmung bringt „New Born Soul“, das letzte Stück des Albums, auf den Punkt. Musikalisch hebt es sich mit seiner zurückhaltenden, hauptsächlich durch ein Klavier getragenen Instrumentalisierung von den anderen Songs ab. Inhaltlich schlägt es eine Brücke zurück zum Anfang der Scheibe, die mit „Kaleidosphere (Devil His Due)“ schwungvoll beginnt. Neben den beiden durchweg gelungenen Tracks stechen besonders der „Serenade Song“, der mit seinem Refrain auf Anhieb im Gedächtnis bleibt, sowie „Don Quixote’s Dream“, der mit ordentlich Slide daherkommt, hervor.

Zu den Highlights zählt zudem „The New Low-Down“. Hier orgelt Son Volt in wahrsten Sinne des Wortes los. Son Volt setzt mit der Instrumentalisierung der Song sowieso einige Akzente, wodurch eine Varianz in den Sound kommt, ohne dass die Linie des Longplayers verloren geht. Akustische Gitarren und Percussion prägen „The High Wall/Carnival Country“. Ein E-Gitarren-Intermezzo setzt gegen Ende von „Hurricane Eye” ein und gibt dem Track nochmal Aufwind. Auch die Atmosphäre der Songs unterscheidet sich. Während „Walkin‘ In The Maze“ fast schon süßlich wirkt – nicht zuletzt durch Farrars langgezogenen Gesang – setzt das anschließende „Illinois Central“ einen Kontrapunkt in Moll.

Ursprünglich exklusiv zum Record Store Day in den USA veröffentlicht kommt „Sound Signal Serenades” nun regulär heraus. Gut, dass das Album nicht nur Sammlern vorbehalten bleibt, sondern auch hierzulande einem breiten Publikum zugänglich gemacht wird. Es ist wohl das ausgewogenste Werk der letzten Jahre, das die Fans von Son Volt feiern werden. Für Neulinge erscheint „Sound Signal Serenades” als geeigneter Einstieg, um sich mit dem charakteristischen Sound der Band anzufreunden.

Transmit Sound/Thirty Tigers – Open (2026)
Stil: Americana/Alternative Country

Tracks:
01. Kaleidosphere (Devil His Due)
02. Away From The Blues
03. Serenade Song
04. Don Quixote’s Dream
05. The High Wall/Carnival Country
06. Hurricane Eye
07. The Next Low-Down
08. This Mess Of A World
09. Walkin’ In A Maze
10. Illinois Central
11. Guardian Angel
12. New Born Soul

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Thirty Tigers
Oktober Promotion

The Lucky Ones – Prodigals And Vagabonds – EP-Review

Review: Michael Segets

Anfang dieses Jahres hatte Paradiddle Records ein beachtenswertes Großprojekt auf die Beine gestellt. Auf der Doppel-CD fand sich eine große Riege im Raum New York ansässiger Musikerinnen und Musikern zusammen, um die Musik von Warren Zevon zu würdigen – unter ihnen Willie Nile, Pete Mancini und Kerry Kearney. The Lucky Ones steuerten eine erdige Version von „Johnny Strikes Up The Band“ zu dem Tribute bei. Nach diesem ersten positiven Eindruck von der Band gab es kein Zögern, als Mike Meehan, der Kopf der Lucky Ones, eine Review-Anfrage zu der aktuellen EP „Prodigals And Vagabonds“ stellte.

Auf der EP finden sich fünf live erprobte Eigenkompositionen. Das erste Stück handelt dann auch von dem Leben auf Tour. „Roadshow“ ist ein runder, unaufgeregter Americana-Song, der von Meehans angenehmer, angerauter Stimme getragen wird. Nach dem erfreulichen Auftakt folgt das Highlight: „Absalom“. Es beginnt mit akustischer Gitarre, eine elektrische Gitarre und Akkorden treten sukzessive hinzu, bevor das Schlagzeug einsetzt. Die ersten Töne von Meehans Gesang erzeugen beim ersten Hören schließlich einen dieser Gänsehautmomente, die sich nicht so oft einstellen.

Das Akkordeon untermalt das anschließende „All Things Great And Small“ stimmungsvoll. Der Song bietet ein schönes instrumentelles Intermezzo, bei dem Gitarrenklänge die Führung übernehmen. Mit der akzentuierten Rhythmusarbeit hebt sich der Titel von den anderen ab. Auch „Mercy Of The Storm“ hat seine eigene Atmosphäre. Der Song ist vom Aufbau sowie Instrumentalisierung makellos und punktet erneut mit dem Intro. Der getragene Gesang, dem der Background noch einen melodramatischen Touch mitgibt, nimmt mich allerdings nicht so mit. Der Gesamteindruck wird durch dieses Detail jedoch kaum geschmälert.

Meehan selbst ist zu Recht besonders stolz auf den poetischen Text des Abschlusstracks „Counting Every Mile“. Als Songwriter hat er nach eigener Aussage von Levon Helm profitiert, mit dem er 2003 auf Tour war. Seit der Bandgründung 2015 schauen The Lucky Ones auf einige EPs und Beiträge auf Compilations zurück. „Prodigals And Vagabonds” macht auf alle Fälle Lust, den Backkatalog zu sichten und mehr von ihnen zu hören.

Vor allem die ersten drei Tracks berühren das für Americana schlagende Herz. Die aktuelle EP von Mike Meehan und The Lucky Ones ist aber durchweg lohnenswert. Melodiöses und dynamisches Songwriting mit poetischen Lyrics, markante Lead Vocals sowie handgemachte Performance fließen zu einem stimmungsvollen Sound zusammen, den man hierzulande weiter westlich als New York verorten würde.

Paradiddle Records (2026)
Stil: Americana

Tracks:
01. Roadshow
02. Absalom
03- All Things Great And Small
04. Mercy Of The Storm
05. Counting Every Mile

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Paradiddle Records

Elizabeth Cook – Great Television – CD-Review

Review: Michael Segets

Elizabeth Cook flog bislang unter meinem Radar. Die aus Florida stammende und in Nashville heimische Sängerin veröffentlichte bereits 2000 ihr erstes Album. Mehreren Folgealben gelang der Sprung in die US-Country-Charts, allerdings ohne dabei absolute Spitzenpositionen zu erreichen. Einige Nominierungen bei den American Music Awards und ein Preis als Outlaw-Sängerin bei den Ameripolitan Music Awards zählen zu ihren Erfolgen. In Musikerkreisen ist Cook etabliert, was ihre vielen Kollaborationen mit namhaften Kolleginnen und Kollegen zeigen. Sie arbeitete mit Rodney Crowell, Don Was, Carlene Carter, Buddy Miller oder Dwight Yoakam zusammen und stand mit Jason Isbell auf der Bühne. Shooter Jennings produzierte „Great Television“.

Einen Karrieresprung bescherten ihr Auftritte in der „Late Show“ von David Letterman. Diese reflektiert Cook heute kritisch im Hinblick auf die Bedeutung, die den Medien in der gegenwärtigen Welt zukommt. Sie schöpft die Inspiration zu ihren Texten aus Geschichten, die kaum mediale Präsenz erzeugen und daher nicht oder nicht mehr erzählt werden. Cook erinnert beispielsweise an ein Unglück, bei dem 1971 in einer Waffenfabrik zahlreiche farbige Frauen ums Leben kamen („Thiokol Tripwire“). Dabei betrachtet sie den sozialen Kontext des Unglücks differenziert und stellt die Bedeutung der Arbeit für die Unabhängigkeit und das Selbstwertgefühl der Frauen heraus.

Cooks Texte erzählen aber auch Geschichten, die einen Bezug zu persönlichen Erlebnissen oder Erfahrungen aufweisen. „The Easy Kind“ zählt dazu. Unter dem gleichen Titel ist kürzlich ein Spielfilm erschienen, der auf ihrer Biographie beruht. Die Lyrics des Longplayers überzeugen und der Aufbau der Songs mit ihrem konsequenten Wechsel zwischen Strophe und Refrain kommt mir ebenfalls sehr entgegen. Als Songwriterin mag Cook in eine Linie mit Mary Chapin Carpenter oder Patty Griffin gestellt werden. Sie hat aber eine größere Affinität zum Rock. Ihr neues Album bewegt sich daher zwischen Americana, modernem Country und Rock.

Unter den ruhigen Beiträgen („In Your Vains“, „Lightly“) sticht „Okeechobee Mud“ heraus. Mit der Single „Sunset Promenade“ gelingt ihr zudem ein wunderbar runder Song, der ins Ohr geht. Country-Fans kommen mit der Ballade „The Easy Kind“ oder dem flotteren „Girls Of Atomic City“ auf ihre Kosten. Die Stimme von Cook ist für dieses Genre wie gemacht. Bei „Razorwire Wall“ wird sie von Evan Felker am Mikro begleitet. Der als zweite Single ausgekoppelte Song bringt etwas Honky Tonk ins Spiel.

Ihre rockige Seite lebt Cook mit „Caldonia And The Love Convoy“ und „19th Nervous Breakdown” aus. Sie bietet hier Rock’n Roll vom Feinsten. Mein Favorit des Albums ist jedoch „Feverfew“. Der Song baut mit den melodiösen Strophen und dem vorwärtsgehenden Refrain einen Spannungsbogen auf, der mich begeistert. Bemerkenswert ist, dass statt dem quasi obligatorischen Gitarrensolo dort eine Orgel zum Zug kommt.

Das aktuelle Jahr hat bereits einige sehr gute Alben hervorgebracht. „Great Television“ gesellt sich zu diesen hinzu. Es hält einige hochkarätige Stücke bereit. Unter den Fittichen von Shooter Jennings legt Elizabeth Cook einen Longplayer vor, der Americana mit rockigem Einschlag und eine gelegentliche Prise Country verbindet.

Agent Love Records – Thirty Tigers/Open(2026)
Stil: Americana, Rock

Tracks:
01. Sunset Promenade
02. Girls Of Atomic City
03. Thiokol Tripwire
04. Okeechobee Mud
05. Razorwire Wall
06. The Easy Kind
07. Caldonia And The Lov Convoy
08. In Your Veins
09. 19th Nervous Breakdown
10. Feverfew
11. Lightly

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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Ingvay – Still Moving – CD-Review

Review: Michael Segets

Während die Fußballwelt nach Amerika schaut, lohnt es sich zurzeit in Sachen handgemachter Musik durchaus, den Blick auf deutsche Künstler zu richten. Vor Kurzem trat J Schlueter mit seinem Solo-Debüt als Songwriter in Erscheinung, nun bringt Ingvay sein fünftes Album „Still Moving“ heraus. Der Hannoveraner begann seine Karriere als Toningenieur u. a. für Johnny Logan und deutsche Musiker wie Heinz Rudolf Kunze, Thomas D oder Max Mutzke. Für „Still Moving“ holte er sich Matthias Meusel (Schlagzeug), Uwe Seemann (Bass), Ulrich Rode (Gitarre) und Maik Schott (Keys) ins Studio.

Die neue CD hat ihre Wurzeln im Rock ’n Roll und wird gelegentlich mit einer Prise Blues und Americana versehen. Wie der Titel des Longplayers bereits andeutet, versteht Ingvay Leben als Bewegung. Aufbruch, Weg und Ankommen sind dabei Themen, denen sich die Songs widmen.

Mit „The Old Way“ startet das Album schwungvoll. Dem klassisch gemachten Rocksong, der sich besonders durch seinen eingängigen Refrain auszeichnet, folgt „Get Up“, der ebenfalls straigt forward geht. Beide Songs wurden berechtigterweise bereits ausgekoppelt. Gradlinigen Rock ’n Roll bietet später auch „Back To The Sun“. Beim „Some Kind Of Rock ’n Roll“ mischt Ingvay etwas Bluesrock hinein. Auch die Gitarren am Anfang von „Give Me A Shot” sind vom Blues inspiriert. Der Song erhält mit dem mehrstimmigen Gesang im Chorus einen nahezu hymnischen Charakter und wird zudem durch ein kurzes Gitarrensolo gewürzt.

„On Monday“ startet zurückhaltend, entwickelt sich dann aber zu einem harmonischen Roots Rock. Ein ebenso starkes Stück ist „New Reflection“. Hier beweist Ingvay erneut, dass er ein Händchen für einprägsame Refrains hat. „Wake Up This Time“ zeichnet sich gleichfalls durch seinen Chorus – nochmals mehrstimmig vorgetragen – aus, durch den der Titel eine beeindruckende Kraft entfaltet. Auch die ruhigeren Tracks – das melodiöse „Home By The River“ und das reduziert instrumentalisierte „Almost There“ – überzeugen.

Ingvays „Still Moving“ ist ein empfehlenswertes Album, das Freunde des ehrlichen, handgemachten Rock sicher anspricht. Vor allem beherrscht Ingvay die Kunst, eingängige Refrains zu schreiben ohne dabei trivial zu sein. Das Songwriting orientiert sich am Old Way, wirkt dabei aber frisch und alles andere als angestaubt.

Magic Mile Music (2026)
Stil: Rock, Americana

Tracks:
01. The Old Way
02. Get Up
03. Home By The River
04. Some Kind Of Rock ’n Roll
05. Now I Can See
06. Give Me A Shot
07. Wake Up This Time
08. New Reflection
09. Back To The Sun
10. On Monday
11. Almost Here

Ingvay
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Ryan Bingham And The Texas Gentlemen – They Call Us The Lucky Ones – CD-Review

Review: Michael Segets

Da ist er nun, der heiße Anwärter auf das Album des Jahres: Ryan Bingham and The Texas Gentlemen veröffentlichen mit „They Call Us The Lucky Ones” einen erstklassigen Longplayer. Nach seinen Ausflügen in die Schauspielerei („Yellowstone“) und seinem Solo-Projekt „Watch Out For The Wolf“ entdeckte Bingham seine Leidenschaft für das Musizieren im Kreise seiner Band wieder. Ein erstes Zeugnis davon legt sein Auftritt mit den Texas Gentlemen im Red Rocks Amphitheatre ab. Nun hat er elf neue Songs am Start, mit denen er das Roots Rock- und Americana-Herz ins Schwarze trifft.

Die Spielfreude der Band schwappt bei „I Got A Feelin‘“ oder „I’m A Goin‘ Nowhere“ über, bei denen die lockere Atmosphäre im Studio sowie der Spaß bei den Aufnahmen zu erahnen sind. Auf „Ballad Of The Texas Gentlemen“ feiert sich die Truppe quasi selbst. The Texas Gentlemen Ryan Ake, Daniel Creamer, Paul Grass und Scott Lee erhalten durch Richard Bowden (Geige, Mandoline) sowie Cody Huggins (Gitarren, Pedal Steel) auf dem Album durchgehend Unterstützung.

Huggins schrieb auch den Titeltrack und greift dort zur 12-String. „The Lucky Ones“ besticht durch einen klasse Refrain. Bingham hat bei seinen zehn Eigenkompositionen ebenfalls ein Händchen für Songstrukturen, die einen hohen Wiedererkennungswert aufweisen. Gelegentlich setzt er dabei auf einen mehrstimmigen Chorus („Blue Skies“, „I’m A Goin‘ Nowhere“). Die Qualität des Storytelling kommt bei den langsamen Beiträge besonders zur Geltung. „Cocaine Charly“ schildert beispielsweise das Schicksal eines Dealers, der von seiner Frau verraten und erschossen wird. Jede Sekunde der fast siebenminütigen murder ballad fesselt.

Die musikalischen Arrangement variieren, sodass jeder Beitrag sich von den anderen abhebt. Mundharmonika und Mandoline würzen „Twist The Knive“. Beim sanften Ghost Track „Twiglight“ reduziert sich die Begleitung auf ein Klavier. Daniel Creamer hämmert beim kantigen „Let The Big Dog Eat“ kräftig auf seine Keys. „Relevance“ legt ein galoppierendes Uptempo vor. Egal ob ruhigere Töne angestimmt werden oder die Fahrt in Richtung Rock geht: die Stücke überzeugen. Da Overdubs auf ein Minimum reduziert wurden, klingen die Aufnahmen rau und authentisch.

Einen einzelnen Ausritt in den Country unternimmt Bingham mit „Americana“. Der Titel entpuppt sich als eine bittere Abrechnung mit der amerikanischen Mentalität. Bei den Texten anderer Songs klingen ebenfalls gesellschaftskritische Töne an. Zumal es in der Welt nicht so rosig zugeht, propagiert Bingham die Liebe und die Lebensfreude an den kleineren Dingen.

Die Musikwelt darf sich glücklich schätzen, dass sie in den Genuss von „They Call Us The Lucky Ones” kommt. Ryan Bingham And The Texas Gentlemen haben ein vielseitiges und vielschichtiges Album geschaffen, das Americana und Roots Rock der authentischen Sorte bietet.

The Bingham Recording Company/Thirty Tigers – Open (2026)
Stil: Americana, Roots Rock

Tracks:
01. The Lucky Ones
02. Let The Big Dog Eat
03. I Got A Feelin’
04. Twist The Knife
05. Americana
06. Cocaine Charlie
07. Blue Skies
08. Relevance
09. The Ballad Of The Texas Gentlemen
10. I’m A Goin’ Nowhere
11. Twilight (Ghost Track)

Ryan Bingham
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Kiefer Sutherland – 09.05.2026, Live Music Hall, Köln – Konzertbericht

Puh, wie die Zeit vergeht. 3 1/2 Jahre ist es schon wieder her, als ich Kiefer Sutherland zuletzt bei einem Konzert in Köln erlebt habe, damals im größeren Carlswerk. Jetzt hatte er sich im Rahmen der Promotion für sein neues Album „Grey“, das am 29. Mai veröffentlicht wird, zu einer Europa-Tour angesagt, bei der Deutschland viermal bedacht wurde.

Der Gig in der Kölner Live Music Hall bildete davon gestern den Abschluss. Zunächst hatte aber der Ire Colin Andrew, aus dem County Kerry stammend, die Gelegenheit, sich einem größeren Publikum zu präsentieren. Iren sind ja hier bei uns eine beliebte Spezies. Andrew, der Sutherland auch 2024 schonmal sporadisch supportete, hatte mit seinem Charme und humorvollen Auftreten, keine Probleme, das Publikum auf seine Seite zu ziehen.

Das gelang ihm in der Anfangsphase ganz schnell mit einer guten Coverversion des Prince-Klassikers „Purple Rain“. Aus dem eigenen Portfolio blieb in den insgesamt kurzweiligen 30 Minuten noch das abschließende „Still Waiting“ hängen. Der Bursche kam beim Publikum in der Domstadt gut an.

Eine halbe Stunde später pünktlich um 20:00 Uhr betrat der kanadische Protagonist Kiefer Sutherland, vielen bei uns hier eher als Schauspieler bekannt, als Part seines für die Europa-Tour zusammengestellten Quintetts, unter großem Applaus die Bühne.

Mit den Brüdern Ash und Phil Wilson sowie Roger Inniss hatte er gleich drei Musiker, die ich auch schon entweder in eigener Sache (Ash Wilson Trio) oder in Begleitung von Interpreten wie Sari Schorr, Tasha Taylor oder beim Blues Caravan in kleinerer Umgebung kennengelernt hatte und die zum Teil auch in unserer VIP-Galerie ihren Platz haben.

Für den Country-Touch in seinen Songs sorgte der amerikanische Multi-Instrumentalist CJ Hillman oder auch besser bekannt als Chris Hillman. Sutherland bot den von ihm typisch zelebrierten Americana-Sound in Stile der großen amerikanischen Rock-Poeten a là Springsteen, Petty & Co. mit schönen Ausflügen in Country-, Southern- und Pop-Rock-Gefilde.

Das sympathische an ihm ist sein sehr natürliches Benehmen und Erscheinungsbild, die aufgesetzte und affektierte Art vieler prominenter Persönlichkeiten seines Kalibers liegt ihm offensichtlich fern.

Dem Southern Rock-Passionisten ging natürlich bei der Coverversion des Marshall Tucker-Evergreens „Can’t You See“ das Herz auf, der hier mit 3er-E-Gitarren-Besatz in einer sehr rockigen Version modifiziert wurde.

Das neue Werk „Grey“ wurde mit den Stücken „Down Below“ (Opener), „Goodbye California“, „Come Back Down“, „American Farmer“ (in Protestsong-Manier der Marke Dylan),“Simpler Time“ und „Starlight“ (letzte Zugabe mit epischem E-Gitarren-Solo von Ash Wilson) mehr als ordentlich bemustert. Dazu kam noch mit „Love Will Bring You Home“ (geschrieben von Kiefer zusammen mit Ash Wilson) ein bis dato unveröffentlichter fluffiger und melodischer Track hinzu, der auch als Namensgeber der Tour fungiert.

Shuffliges Bakersfield-Flair verströmte das countryeske „This Is How It’s Done“, „Down In A Hole“ bot heftigen Stampf-Rock. Das southern-soulige „Friday Night“ begeisterte auch an einem Samstag-Abend, ein Highlight. Der Tex-Mex-Schunkler „Agave“ bot einen launigen Abschluss eines durchweg gelungenen und sehr abwechslungsreichen Hauptteils.

Im Zugabenbereich hatten Kiefer & Co. neben dem bereits erwähnten „Starlight“ vom neuen Silberling, mit dem Phil Collins Welthit „In The Air Tonight“ noch ein echtes Überraschungsbonbon in petto, bei dem es Phil Wilson dann im berühmten Drum Bridge krachen lassen durfte.

Für Kiefer Sutherland und seine Truppe geht es jetzt nach einem kurzen Abstecher in Belgien bis Ende Mai weiter nach UK, wo Inniss und die Wilsosn dann Heimspiele haben.

Line-up:
Kiefer Sutherland (lead vocals, electric guitar)
Chris Hillman (electric guitar, pedal steel)
Ashley Wilson (electric guitar)
Roger Inniss (bass)
Phil Wilson (drums)

Text und Bilder: Daniel Daus

Kiefer Sutherland
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Motion
Live Music Hall, Köln