Blackberry Smoke – You Hear Georgia – CD-Review

cover Blackberry Smoke - You Hear Georgia 300

Siebtes Album der beliebten Southern Rock-Band. Auf „You Hear Georgia“ ist das Quintett um Leader Charlie Starr bemüht, den ramponierten Ruf der Südstaaten und der dort lebenden Menschen wieder in ein differenzierteres Licht zu setzen.

Der Mastermind zum Titeltrack: „Textlich geht es in dem Song darum, dass der Süden missverstanden wird. Es ist offensichtlich eine raue und unruhige Welt und es gibt eine Menge schlechter Menschen. Aber es gibt auch eine Menge guter Menschen. Es begann mit der Idee, dass die Leute eine vorgefasste Meinung über dich haben könnten, weil du einen dicken Südstaaten-Akzent hast, und weitete sich dann auf die Realität aus, dass manche Leute es einfach so schwer haben, miteinander auszukommen, dank politischer oder religiöser Ansichten, oder einfach nur, weil Du aus einem bestimmten Teil des Landes kommst.“

Aber auch musikalisch weiß das neue Werk unter der Produktionsregie von Dave Cobb wieder absolut zu überzeugen. Besonders auffällig sind diesmal die starke Einbindung von E-Slide-Elementen in fast jedem Song und auch die schönen akzentuierten weiblichen Background Vocals, diesmal eingesungen von The Black Bettys.

Auch Keyboarder Brandon Still liefert wieder eine tolle Palette an wohl dosierten Tastenspielereien (HT-Piano, Orgel, E-Piano), die sich ganz in den Dienst der Songs stellen.

Bei den neuen zehn Stücken bleiben sich Blackberry Smoke ihrem gewohnten Stilspektrum, das wieder von knackigen Southern Rockern („Live It Down“, „You Hear Georgia“, „All Over The Road“), country-angehauchten Liedern („Ain’t The Same“ – Ohrwurm!, „Old Enough To Know“ – herrliche gesangliche Verbreitung von Lebensweisheiten), soulig-gospeligen („Hey Delilah“ – Marke Little Feat) und auch progressiven Stoff („Morningside“ – grandios hier das an Derek & The Dominos erinnernde E-Gitarrensolo) zu bieten hat.

Als sehr gelungen sind auch die beiden Gastpräsenzen zu bewerten. Wunderbar wie Starr und Jamey Johnson beim Steel-getränkten Countryheuler „Lonesome For A Livin’“ sich einen Bieterkampf in Sachen pathos-trächtigem Gesang abliefern und auch die Vorstellung von Warren Haynes, der sich hier angriffslustig und aggressiv wie zu Zeiten seines Debüts mit Gesang und E-Gitarre einbringt, gibt dem starken „All Rise Again“ ordentlich Feuer.

Und das aus meiner Sicht immer am meisten Eindruck hinterlassende Schlussstück, das melodische „Old Scarecrow“ mit seinen Tempi- und Stimmungswechseln (toll auch der Gesang von Starr) stellt einen maßgeblichen Höhepunkt des Werkes dar. Klasse, mein Favorit!

Blackberry Smoke präsentieren sich auf „You Hear Georgia“ ein weiteres Mal in blendender Verfassung und lassen herrlichen Georgia-Sound aus den Boxen rauschen. Sie festigen ihren Ruf in kreativer Hinsicht als beste zeitgenössische Southern Rock-Band. Großes Kompliment hierfür, aber auch ihr Engagement für wohltätige Zwecke, wo sie  bereits fast 500.000 Dollar für die Kinderkrebsforschung gesammelt haben! Es gibt also auch viel Gutes aus dem südstaatlichen Georgia zu hören!

Earache Records (2021)
Stil: Southern Rock

01. Live It Down
02. You Hear Georgia
03. Hey Delilah
04. Ain’t The Same
05. Lonesome For A Livin’ (feat. Jamey Johnson)
06. All Rise Again (feat. Warren Haynes)
07. Old Enough To Know
08. Morningside
09. All Over The Road
10. Old Scarecrow

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Oktober Promotion

Tennessee Champagne – Same – CD-Review

Tennessee Champagne 300

Review: Michael Segets

Das neue Label Juke Joint 500 spezialisiert sich auf hörenswerte Musik, die in den letzten Dekaden nie auf Vinyl herausgekommen ist. Die wieder anwachsende Zahl von Liebhabern der nicht-digitalen Präsentationsform wird ein solches Vorhaben begeistert aufnehmen. Sicher produziert das Label einige – bald heiß begehrte – Sammlerstücke, da die LPs farbig, handnummeriert und auf fünfhundert Pressungen limitiert sind. „… And Other Crimes“ der Go To Blazes aus dem Jahr 1995 setzte den Startschuss für das Programm.

Zeitgleich mit dem Sampler „Mo‘ Peaches“ folgt nun die selbstbetitelte Scheibe von Tennessee Champagne. Direkt zu Beginn von Juke Joint 500 weicht Gründer Reinhard Holstein von seinem Konzept ab und veröffentlicht eine CD, die gerade erst in den USA erschienen ist, auf Vinyl und digital. Die Qualität der Band aus Elizabethon, Tennessee, ließ ihm quasi keine andere Wahl. Und tatsächlich legt das Quintett ein feines Southern Rock-Album vor, das die Wegbereiter dieses Genres nicht verleugnen und mit den aktuellen Größen wie Blackberry Smoke mithalten kann.

Temporeich steigt das Album mit „Wicked“ und dem folgenden „Thunder In The Mountains“ ein. Während der Opener in der Tradition von Lynyrd Skynyrd steht, geht der zweite Track in Richtung Blues Rock. Schon am Anfang der Scheibe stechen die kräftigen Gitarren hervor, die den Sound der Band prägen. Vor allem die eingestreuten Soli haben die richtige Würze, sind dabei nicht zu lang und bleiben stets melodiös.

Der Frontmann Chris Kelley singt hier mit angerauter Stimme, die bei der Ballade „Can’t Get Over You“ sanftere Facetten zeigt. So oder so kann er viel Soul und Gefühl in seinen Gesang legen. Die Balladen sind von einer Orgel unterlegt, welche vor allem bei „Stompin‘ Grounds“ sehr stimmungsvoll in den Song einleitet. Zusammen mit dem etwas dunkleren „Selfish Ways“ ist der Track – nicht zuletzt durch den unaufdringlichen Slide – mein Favorit unter den langsamen Stücken. Diese sind aber durchweg gelungen. So kommt mir am Anfang von „Singing To My Broken Heart“ Neil Young aus seiner “Harvest”-Zeit in den Sinn, was ja nicht der schlechteste Referenzpunkt ist.

The Allman Brothers Band scheint bei „Mountains In My Bones“ durch, das nochmal das Tempo anzieht. Mit dem hymnischen „Silver Tongue” setzen sich Tennessee Champagne – neben Chris Kelley gehören Dan Britt, Tim Hall, Jonathan Grindstaff und Bill Cowden zu der Truppe – selbst ein Denkmal. Über sechs Minuten zelebrieren die Jungs den Southern Rock mit allem was dazu gehört. Zum Southern mischen sich gelegentlich auch Blues-Elemente, beispielsweise beim swampigen Midtempo-Song „Corn From A Jar“, auf dem die Stimme des Leadsängers streckenweise verzerrt wird, oder beim rockigen Abschluss „Shake It“.

Am Anfang des Debüts von Tennessee Champagne, der A-Seite der LP, sind kräftige, temporeiche Nummern in der Überzahl, die zweite Hälfte wird von eindringlichen Balladen geprägt. Gemeinsam ist den Songs, dass sie die Erwartungen, die an Southern Rock gestellt werden, voll erfüllen. Das Quintett legt ein ausgewogenes Album vor, mit dem sie sich in dieser Musikrichtung einen Platz unter den Newcomern des Jahres, auch wenn dieses noch jung ist, sichern.

Juke Joint 500 (2021)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Wicked
02. Thunder In The Mountains
03. Can’t Get Over You
04. Mountains In My Bones
05. Silver Tongue
06. Stompin Grounds
07. Selfish Ways
08. Corn From A Jar
09. Singing To My Broken Heart
10. Shake It

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Juke Joint 500

Ole Whiskey Revival – Same – CD-Review

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Review: Michael Segets

Zum Ende des Jahres bietet Ole Whiskey Revival noch einen Southern-Rock-Leckerbissen. Die Band aus Shreveport, Louisiana, debütiert mit ihrem selbstbetitelten Album bei Whiskey Preachin‘ Records. Die Jungs bringen alles mit, was man von einer Southern-Truppe erwartet: gute, erdig und gitarrenorientiert umgesetzte Songs sowie ausufernde Gesichtsbehaarung. Inhaltlich bleiben die Stücke den genretypischen Themen verhaftet. Oft drehen sie sich um Frauen und Whiskey oder um Whiskey und Frauen. Insgesamt eine Scheibe, die richtig Spaß macht.

Mit dem kraftvollen „The Legend Of Jack Savannah“ steigt Ole Whiskey Revival in bester Southern-Manier ein. Der „Crescent City Blues“ entwickelt ordentlichen Drive und der Abschlusstrack „Ramblin‘“ weist ebenfalls einen rockigen Einschlag auf. Das Stück findet sich bereits auf dem Whiskey Preachin‘ Sampler – Volume 1“.

Mit ausdrucksstarker Gitarre bewegt sich „When the Smoke Clears“ zwischen Southern und Outlaw Country. Auch die Balladen bedienen sich in beiden Genres. Wimmernder Slide untermalt „Go Jump In A Creek“ und „Moonshine Melody“. Beim letztgenannten Beitrag übernimmt eine Dame als Duett-Partnerin zeitweise die Lead Vocals. Die Sängerin wird in den Credits nicht genannt, sie verhilft dem Song aber zu einem nostalgischen Siebziger-Jahre-Flair.
Am Ende gibt der Track überraschenderweise richtig Gas. Er belegt, dass Ole Whiskey Revival sich in den Traditionen auskennt und diese kreativ auslebt.

Das herrlich leiernd gesungene „Hairy Legged Hippie Chick“ spielt mit Country-Versatzstücken. Die augenzwinkernde Charakterisierung einer geliebten Frau zeigt, dass Ole Whiskey Revival einen gewissen Sinn für Humor hat, der nicht zuletzt auch auf dem Cover mitschwingt.

Das radiotaugliche „Whiskey Makes It Spin“ wurde als Video vorab ausgekoppelt. Auf die harmonische Midtempo-Nummer zu setzen, ist wahrscheinlich klug. Allerdings sind einige andere Songs letztlich interessanter. So hat „Sweet Evangeline“ ebenfalls einen eingängigen Refrain, die Gitarrenarbeit stellt dort allerdings einen zusätzlichen Pluspunkt dar. Wie dem auch sei, zwischen den Polen Blackberry Smoke und Chris Stapleton bringen Ole Whiskey Revival frischen Wind in die Szene.

Alex Troegel (Gitarre, Gesang) tat sich 2014 mit Trent Daugherty (Gitarre, Gesang), John Garcia (Gitarre, Gesang), and Stevey Hensley (Bass), die zuvor bei Magnolia Mae spielten, zusammen. Als Schlagzeuger trat Ryan Alexander der Band bei und Ole Whiskey Revival wurde geboren. Für das erste Album holten sie sich noch Kyle Roop hinzu, der bei einigen Titeln eine Steel Guitar beisteuert.

Nach „Mojave Gold“ von The Rhyolite Sound erweitert Whiskey Preachin‘ Records seinen Label-Katalog mit Ole Whiskey Revival um einen zweiten Hochkaräter. Ole Whiskey Revival legt mit den neun Eigenkompositionen ein rundum gelungenes Debüt vor. Die abwechslungsreichen Tracks zeigen die Band aus Louisiana als Kenner der Ingredienzien, welche Southern Rock und Outlaw Country ausmachen. Diese würzen sie gelegentlich noch mit einer Prise Humor, sodass sie ernsthaft zu den hervorragenden Neuentdeckungen dieses Jahres zählen.

Whiskey Preachin’ Records/Indigo (2020)
Stil: Southern Rock, Outlaw Country

Tracks:
01. The Legend Of Jack Savannah
02. Hairy Legged Hippie Chick
03. Crescent City Blues
04. Moonshine Melody
05. When The Smoke Clears
06. Sweet Evangeline
07. Whiskey Makes It Spin
08. Go Jump In A Creek
09. Ramblin’

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Whiskey Preachin’ Records

Lynyrd Skynyrd – Support: Blackberry Smoke – 18.06.2019 – Max-Schmeling-Halle, Berlin – Konzertbilder

LS haupt

Die Urgesteine des Southern Rokcs machten im Rahmen ihrer in Deutschland drei Gigs umfassenden Last of the Street Survivors Farewell Tour Halt in Berlin. Support waren Blackberry Smoke. Anbei ein paar Impressionen.

Bilder: spreewilder

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Max-Schmeling-Halle Berlin

Blackberry Smoke – Support: Quaker City Night Hawks – 27.10.2018, Musiekcentrum De Bosuil, Weert – Konzertbericht

BS-haupt

Drittes Southern Rock-Konzert innerhalb von fünf Tagen mit drei hochkarätigen Bands (alle irgendwie mit unterschiedlichen musikalischen Ansätzen) – wann hat es das schon mal gegeben? Erlebt das Genre bei uns in Europa nochmal ein kleine Renaissance?

Dritte im Bunde waren die momentanen Platzhirsche der Szene, vor allem was den Zuschauerzuspruch angeht, Blackberry Smoke, die sich zur Zeit wieder auf hiesiger Tournee befinden.

Ich begleite das Georgia-Quintett ja eigentlich review-technisch schon von Anfang an, selbst als sie noch jedem Zuschauer in relativ kurzem Zeitraum die Hände schütteln konnten und man mit den Jungs nach dem Gig an der Theke noch gemütlich ein Bier trinken konnte.

Die Zeiten sind lange vorbei. Charlie Starr und seine Bandkumpanen Paul Jackson, Brandon Still, Richard und Brit Turner haben sich durch kontinuierlich gute Scheiben und regelmäßige Live-Präsenz bei uns, eine stetig wachsende Fangemeinde aufgebaut (überraschender Weise mit auch sehr vielen jüngeren Anhängern), und sorgen hier mittlerweile in den mittelgroßen Locations für ausverkaufte Häuser.

So auch an diesem Abend im brechend vollen Musiekcentrum De Bosuil im holländischen Weert, zu dem auch viele Deutsche aus dem Grenzgebiet angereist waren.

Als Support hatten sie diesmal die texanischen Quaker City Night Hawks mit dabei. Ich muss direkt sagen, endlich mal ein Act, der auch Spaß gemacht hat, nachdem bei allen Konzerten zuvor, die ich bisher von Blackberry Smoke erlebt hatte, immer grottenschlechte und  nicht passende Acts erstmal die Toleranz auf die Probe gestellt hatten.

Das Lonestar-Quartett um die beiden Leader Sam Anderson (so ein Marcus King-Typ) und David Matsler (schöne Stimme Richtung Cody Canada) lieferten angenehme, versierte Kostproben aus ihren bisherigen Fundus (mit u. a. „Cold Blues“, „Mockingbird“, „Fox In The Hen House“) und gaben mit Stücken wie „Colorado“ und „Suit In The Back“ einen Ausblick auf ihr neues, voraussichtlich im Februar erscheinendes Album.

Trademark des Vierers sind die wechselnden Lead- und sich ergänzenden Harmoniegesänge der beiden Hauptprotagonisten, gepaart mit texanisch angehauchter E-Gitarrenarbeit. Mein Favorit aus ihrem Programm war der „Rattlesnake Boogie“, der passender Weise mit schönen Rasseleffekten versehen wurde. Eine klasse Truppe, bei der es durchaus lohnt, sich mit ihr tiefergehend zu beschäftigen.

Charlie Starr und seine Kollegen hatten mit dem launigen Auftakttrio „Fire In The Hole“, „Nobody Gives A Damn“ und „Good One One Comin‘ On“ die Audienz sofort auf ihrer Seite. Schwerstarbeit musste ihr Gitarren-Rowdie leisten, der Starr und Paul Jackson mit stetig wechselnden Arbeitsgeräten versorgen musste.

Im Gegensatz zu Lynyrd Skynyrd, die es jetzt Jahrzehnte geschafft haben, sich bei Ihren Live-Auftritten auf ein paar wenigen Stücken auszuruhen, darf man sich bei Blackberry Smoke über einen steten Wechsel in der Setlist freuen. Konstant ist bei Blackberry Smoke nur das Line-up, was eine auf eine gute interne Harmonie Rückschlüsse zulässt. Rein äußerlich ist eigentlich hier nur das Wachsen und Ergrauen der beiden imposanten Turner-Bärte als marginale Randnotiz zu vermerken.

So wurden natürlich die aktuellen Silberlinge „Find A Light„/“The Southern Ground Sessions“ („Best Seat In The House“, das wunderbare „Run Away From It All“) genauso umfassend abgebildet wie auch Stücke aus den vergangenen Alben (u. a. „Waiting For The Thunder“, „Let It Burn“, Sanctified Woman“, „Up In Smoke“, „Son Of The Bourbon“, „Like An Arrow“).

Zu gefallen wusste der Fünfer sowohl bei instrumentell ausufernderen Sachen mit zum Teil progressivem Touch wie „Medicate My Mind“, „The Whippoorwill“ oder „Sleeping Dogs“ (mit Einbindung des Beatles-Klassikers „Come Together“) als auch bei Ausflügen in den countryesken Bereich z. B. „I Ain’t Got The Blues“ und dem Gänsehaut-erzeugenden Ohrwurm „One Horse Town“.

Über den Mehrwert, der durch Brandon Still mit seiner variablen Keyboard-Arbeit (Orgel, E-Piano, HT-Piano) erzeugt wird, ist ja hier schon mehrfach philosophiert worden. Die Turners verrichteten ihr routiniertes Rhythmus-Werk, Paul Jackson glänzte neben Charlie Starr als unangefochtenem Leader (viele schöne E-Gitarrenspielereien), vornehmlich in den Twin-Passagen und bei kleineren Soli.

Blackberry Smoke präsentierten sich an diesem Abend in bester Spiellaune und hatten spürbar richtig Bock, was sich am Ende mit „Flesh And Bone“, dem herrlichen „Ain’t Much Left Of Me“ (mit integriertem „Mississippi Kid“ von Skynyrd) und dem, auf Zuschauerwunsch gespielten, zuvor schon länger nicht mehr performten „Train Rollin'“ in gleich drei Zugaben äußerte.

Eine gut aufgelegte Band, erstmalig ein perfekter Sound von Anfang an (Kompliment an den Mischer) und ein begeistert mitgehendes Publikum sowie die dementsprechend tolle Stimmung – Blackberry Smoke lieferten eine starke Werbung für den Southern Rock! Unser Dank an Olli Bergmann von Oktober Promotion und den Tourmanager Dan Tobin für die unkomplizierte Akkreditierung. Hat Spaß gemacht – eine Woche, die lange in Erinnerung bleiben wird!

Line-up:
Charlie Starr (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Paul Jackson (electric guitar, acoustic guitar, vocals)
Brandon Still (keys)
Richard Turner (bass, vocals)
Brit Turner (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Oktober Promotion

Blackberry Smoke – The Southern Ground Sessions – EP–Review

Review: Stephan Skolarski

Wer von DER Southern-Rock Band, Lynyrd Skynyrd, ausgewählt wird, um sie als Support-Act auf ihrer Abschieds-Tour zu begleiten, dem eilt ein beträchtlicher Ruf voraus. Zu Blackberry Smoke muss daher nicht viel gesagt werden, auch weil sie den Southern-Rock Virus bereits seit den 2000er Jahren erfolgreich verbreiten.

Das im April veröffentlichte sechste Studioalbum „Find A Light“ wurde hier in „Sounds of South“ schon ausführlich bewertet. Zur eigenen Tournee folgt jetzt eine Sonderausgabe, inklusive Akustik-Session-EP.

Aufgenommen in Zac Browns Southern Ground Studios in Nashville, TN, sind fünf Stücke vom aktuellen Album als abgewandelte Version enthalten. „Run Away From It All“ und „Medicate My Mind“ klingen durch die fehlende Lead-Gitarren-Power und die hinzugefügte Akustik-Bridge wie „echte“ Country Songs.

Amanda Shires – Ehefrau von Jason Isbell und in seiner Band The 400 Unit aktiv – haben Blackberry Smoke auch auf der Akustik-Version von „Let Me Down Easy“ an die Fiddle gebeten. Die wehmütige Grundstimmung des „Originals“ kommt als Akustik-Song jetzt noch deutlicher zur Geltung.

Das eingängige „Best Seat In The House“, hat als Akustik-Track nichts von der Lebendigkeit der Urfassung verloren. Auf „Mother Mountain“ performt, wie schon auf „Find A Light“, wieder Oliver Wood von den Wood Brothers im Duett mit Charlie Starr. Die beiden Versionen unterscheiden sich aber leider nur geringfügig voneinander.

Als Highlight ist natürlich das Tom Petty and the Heartbreakers-Cover „You Got Lucky“ vom 1982er Album „Long After Dark“ hervorzuheben, dem Blackberry Smoke in der Akustik-Spielart eine ganz neue musikalische Atmosphäre geben.

Lynyrd Skynyrd haben schon 1994 auf „Endangered Species“ (1994) Ausflüge in die Akustik-Welt unternommen. Blackberry Smoke wandeln mit der „Southern Ground Sessions“-EP daher auf den Spuren ihrer Idole. Die EP ist ein spannender Versuch einige Songs des Longplayers neu zu interpretieren und mit der Zugabe von Pettys Klassiker „You Got Lucky“ wird es besonders für eingefleischte Fans ein Genuss sein, die Southern-Rocker von ihrer ruhigen Seite kennenzulernen.

Earache Records (2018)
Stil: Southern Rock / Country Rock

01. Run Away From It All
02. Medicate My Mind
03. Let Me Down Easy (feat. Amanda Shires)
04. Best Seat In The House
05. You Got Lucky (feat. Amanda Shires)
06. Mother Mountain (feat. Oliver Wood)

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Oktober Promotion

Blackberry Smoke – Find A Light – CD-Review

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Sie sind mittlerweile die unangefochtene  Lichtgestalt des Southern Rocks. Keine der übrig gebliebenen arrivierten Vertreter des Genres wie Skynyrd, Molly Hatchet oder (am ehesten vielleicht noch) die Outlaws & Co.  können dem Quintett um ihren Leader Charlie Starr, was kompositorische Kraft und Variabilität angeht, noch annähernd das Wasser reichen.

Ich habe Blackberry Smoke quasi seit ihren ersten Stehversuchen in unserem Lande durchgehend begleitet (damals noch vor 50 Zuschauern spielend) und freue mich über ihre tolle Entwicklung. Nach ihrem starken Vorgänger „Like An Arrow“ heißt es jetzt „Find A Light“. Und das dreizehn Tracks umfassende Album (Charlie bei allen Liedern kompositorisch involviert) setzt diesmal noch einen drauf.

Der leichtgewichtige, aber auch nicht unbedingt spindeldürre Bandleader schickt seine Jungs mit „Flesh And Bone“, einem psychedelisch stampfenden Rocker ins Rennen, um mit dem von einer melodischen Hook getragenen „Run Away From It All“, den Anwärter für die Radiostationen nachzulegen. Toll auch das mit Tempowechseln herrlich verschachtelte rotzige „Crooked Kind“.

Bei „Medicate My Mind“ (im Gregg Allman-Stil) und „I’ve Got This Song“ (mit Fiddle-Ergänzung) werden erste Countrybezüge sichtbar (später folgen noch das balladeske „Seems So Far“, das mit Harmoniegesängen von Amanda Shires verzierte „Let Me Down Easy“, sowie das mit den Wood Brothers performte, dazu leicht folkige Schlussstück „Mother Mountain“).

Von Will Hoge hätte auch das launig ins Ohr gehende, rootsige „Best Seat In The House“ stammen können. Robert Randolph assistiert mit flinken Fingern dem Quintett bei der quirlig poltrigen Uptemponummer „I’ll Keep Ramblin'“. Auch das aus Skynyrd-, Black Crowes- und typischem Blackberry Smoke-Stil verschmelzende, NASCAR-taugliche „Nobody Gives A Damn“ knallt gewaltig. Klasse hier die HT-Fills von Brandon Still.

Kommen wir zum vermeintlichen Höhepunkt des Albums. Der ist aus meiner Sicht ganz klar das Pathos-getränkte „Till The Wheels Fall Off“ mit teilweise hymnischen Zügen a la „Free Bird“, „Lonesome Guitar“, „The Journey“ und Co. Doch wo bleibt hier am Ende das im Genre obligatorische E-Gitarrenfinish? Leider Fehlanzeige, nach dem Abschluss-Refrain ist abrupt finito. Hier hätte man zweifellos eine der großen Southern Rock-Hymnen des 21. Jahrhunderts für sich verbuchen können. Chance verpasst, vielleicht der einzige kleine Makel.

Trotzdem ist „Find A Light“ natürlich eine ganz brillante, vor allem sehr abwechslungsreiche Scheibe geworden. Ronnie Van Zant wäre vermutlich um sein Erbe stolz gewesen. Schön zu wissen, dass Blackberry Smoke im kommenden Oktober wieder in Europa (natürlich auch in Deutschland) auflaufen werden, wobei wir dann aus geografischen Gründen vermutlich den Termin im niederländischen Weert wahrnehmen werden.

Earache Records/ADA-Warner Music (2018)
Stil:  Southern Rock

01. Flesh And Bone
02. Run Away From It All
03. The Crooked Kind
04. Medicate My Mind
05. I’ve Got This Song
06. Best Seat In The House
07. I’ll Keep Ramblin‘ (feat. Robert Randolph)
08. Seems So Far
09. Lord Strikes My Dead
10. Let Me Down Easy (feat. Amanda Shires)
11. Nobody Gives A Damn
12. Till The Wheels Fall Off
13. Mother Mountain (feat. The Wood Brothers)

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Blackberry Smoke – 24.03.2017, Bürgerhaus Stollwerck, Köln – Konzertbericht – Support: The Biters

BS_Köln-Haupt

Ich muss zugeben, dass man sich, selbst als erfahrener Musikjournalist, nach einem Weltklasse-Gig, wie dem von der Tedeschi Trucks Band schwer tut, die Dinge wieder genau einzuschätzen, vor allem, wenn man sich 48 Stunden später beim nächsten Konzert zunächst im Vorgruppenmilieu wiederfindet.

Da hatte der eigentliche Grund des Besuchs, die Southern Rocker aus Atlanta Georgia, Blackberry Smoke, nämlich eine junge Band, namens, The Biters, im ausverkauften Kölner Bürgerhaus Stollwerck, mit im Schlepptau. Sagen wir es mal so: Die ebenfalls aus Georgia stammenden Burschen waren zumindest besser als die grauenhafte Vorband, die BS 2014 in der Kantine supportet hatte.

Aber auch das, was das Quintett, letztendlich mit ihrem 70ies-umwehten Rock, mit vereinzeltem Southern-Touch („Going Back To Georgia“, „1975“), zum Besten gab, war nicht allzu erbaulich. Mein Rat an Jungs wäre es, sich mehr auf die Verbesserung ihrer kompositorischen und spielerischen Fähigkeiten zu konzentrieren, als mit vulgären Ansagen und Bierdosen-Ex-Saufen auf der Bühne mit zwei jungen Trunkenbolden aus dem Publikum, punkten zu wollen. Das Ganze war somit eher bitter als bissig.

Das hatte was von, um es mal im Fußballer-Jargon auszudrücken, Mittwochs  das 6:1 vom FC Barcelona gegen Paris live vor Ort zu erleben und sich dann zwei Tage danach ungewollt bei Viktoria Köln gegen die U23 von Schalke 04 in der Kicker-Alltags-Realität wiederzufinden (und in diesen Sphären kennt sich der Autor, könnt ihr mir glauben, bestens aus…).

Kommen wir zum eigentlichen Anlass des Besuches, Blackberry Smoke. Obwohl ich die Band auf ihren Alben eigentlich unheimlich mag, konnten sie mich bei meinen bisher erlebten Gigs (Zwischenfall Bochum, Luxor Köln und Kantine Köln) auch nicht gerade vom Hocker reißen, jedesmal war der Sound ziemlich bescheiden, in der Kantine vor drei Jahren sogar mehr als übel.

Das Quintett erfreut sich aber gerade in der Domstadt, offensichtlich unglaublicher Beliebtheit, das Bürgerhaus Stollwerck war picke-packe-voll und somit ausverkauft. Charlie Starr und seine Jungs sorgten dann mit dem launigen Eröffnungstrio „Six Ways To Sunday“, „Fire In The Hole“ und „Good One Comin‘ On“, von Beginn an, für gute Stimmung in der Bude. Der Sound war bis dato wieder zu laut und übersteuert, mich beschlich erneut ein mulmiges Gefühl.

Nach „Testify“ und dem furiosen Opener ihres neuen starken Werkes „Like An Arrow„,  „Waiting For The Thunder“, bekam der Mann am Mischpult, die Sache deutlich besser in der Griff und es entwickelte sich ein richtig dynamischer und guter Gig. Über „Rock And Roll Again“ (schönes Honkytonk-Piano-Geklimper von Brandon Still), „Let It Burn“ (Skynyrd-Flair), dem atmosphärisch dichten „Pretty Little Lie“ (tolles E-Solo von Starr)  bis hin zum, durch einen jammigen Mittelteil erweiterten „Sleeping Dogs“, wo das Quintett zum ersten Mal, auch seine Qualitäten im feineren Zusammenspiel bewies (z. B. schöne Double Leads von Starr und Paul Jackson), fand die Georgia-Truppe immer besser in ihren Rhythmus.

In satt rockender Manier wurden dann imaginär mit dem heiligen Geiste die Hände geschüttelt, um mit dem progressiven Prachtstück „The Whippoorwill“, erneut ein Highlight zu setzen. „Up In Smoke“ brachte dann interaktiv, die Hütte wieder zum Kochen. Als Charlie Starr erstmals die Akustikgitarre überstreifte, hieß es mit „I Ain’t Got The Blues“ Countrytime, im, bis zu den Oberrängen, gefüllten Bürgerhaus.

Das shufflige „Payback’s A Bitch“, der herrliche Stampfer „Restless“ (HT-Piano, quirliges E-Solo Starr) und eines meiner Lieblingstracks der Band, der melodische Ohrwurm „One Horse Town“ (diesmal Paul Jackson an der Akustikgitarre) läuteten das Finale des Hauptteils ein, der mit dem tollen „Freedom Song“ (Starr mit Slide, nachher beide Gitarristen mit Double Leads) beendet wurde.

Mit starken und launigen Fassungen von „What Comes Naturally“  und „Ain’t Much Left Of Me“ kehrte die Band zum Zugabenteil (Charlie mittlerweile mit einem lustig aussehenden Indianer-Hut auf dem Kopf) auf die Bühne zurück und machten den musikalischen Sack zu. Insgesamt eine starke Vorstellung mit leichten Abzügen zu Beginn. Blackberry Smoke hatten mich zum ersten Mal, auch live, überwiegend richtig beeindruckt und im Stollwerck diesmal doch die Schokoladenseite des Southern Rocks repräsentiert. Danke natürlich auch an Wizard Promotions für die problemlose Akkreditierung.

Line-up:
Charlie Starr (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Paul Jackson (electric guitar, acoustic guitar, vocals)
Brandon Still (keys)
Richard Turner (bass, vocals)
Brit Turner (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Wizard Promotions
Bürgerhaus Stollwerck Köln

Blackberry Smoke – Like An Arrow – CD-Review

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Ich verfolge die Entwicklung von Blackberry Smoke ja schon quasi von Beginn an. So erinnere ich mich noch gut, als sie hier, fast noch völlig unbekannt, im Bochumer Zwischenfall vor ein paar Leutchen ihr Live-Debüt in unserm Lande gaben. Damals erhielt man die Truppe aus Georgia noch zum Anfassen und es wurde nach dem Gig zusammen am Tresen getrunken.

So kam es auch dazu, dass sich Bandleader Charlie Starr plötzlich inmitten einer geballten Macht an Rot-Weiss Essen-Fußball-Kompetenz, in Form von RWE-Uralt-Ultra-Präsident Happo, seinem Freund Däddi und mir, wiederfand, was natürlich bildlich festgehalten wurde. So, infiziert von der Aura des ganz Großen, war es irgendwie klar, dass es ab jetzt nur noch steil bergauf gehen konnte. Erklärungen sind manchmal halt ganz einfach…

Und siehe da, in den nächsten Jahren füllten sie dann bei uns wesentlich größere Locations wie z. B. das Luxor oder die noch viel größere Kantine in Köln. In Amerika tourten sie mit den großen Acts und zählten ganz schnell auch selbst zu begehrten Headlinern. Auch, was ihre Alben, angeht, haben sie sich mit ihrem letzten Werk „Holding All The Roses“, das die Spitze der Billboard Country Charts erklomm, in kontinuierlicher Form zum Branchen-Primus der Southern Rock-Szene gemausert, zumal die Ex-Größen der Zunft, in kreativer Hinsicht, ihre Parade-Zeiten ja längst hinter sich gelassen haben.

Mittlerweile ist ihr neuer Silberling „Like An Arrow“ fertig. Dazu hat sich der Fünfer, wie gewohnt bestehend aus Charlie Starr (lead vocals, guitar), Richard Turner (bass, vocals), Brit Turner (drums), Paul Jackson (guitar, vocals) und Brandon Still (keyboards) in  das Quarry Recording Studio in Kennesaw, GA, unweit von ihrer Heimatstadt Atlanta, begeben.

Das Teil beginnt direkt mit einem Donnerhall. Der satt rockende Opener „Waiting For The Thunder“ signalisiert der, in letzter Zeit, stark auflebenden Konkurrenz samt vieler junger heißer Bands, wer im Southern Rock-Hause noch das Sagen hat. Ein bärenstarker Auftakt! „Let It Burn“, mit schöner an „3 Steps“ erinnernder E-Gitarren-Hook und launigem HT-Piano-Geklimper, dürfte mit seinem dezentem Bakersfield-Touch so manchen Club oder auch diverse Dancehalls in Wallung bringen.

Das folgende „The Good Life“ wandelt in dezent progressiver Art auf den Spuren ihres „Whippoorwill“, die Harmoniegesänge kommen mit früherem Outlaws-Feeling. Schön hier auch die weinenden Steel-Einlagen. Der knarzige Stampfer „What Comes Naturally“ ist wieder ein typischer Kneipenheuler, der sich vermutlich am besten in Bierlaune entfaltet. Klasse das Slide-Solo von Starr.

Das allmaneske „Running Through Time“ dient schon mal als Vorbereitung auf das spätere große Finale. Der rockig stampfende Titeltrack lädt mit seinem eingängigen und mitsingbaren Refrain “… we all live and die, time will always roll on by, like an arrow we will fly”, some stay low and some get high…“ zur Interaktion in ihren Live-Shows ein.  Das von typischer Southern Rock-E-Gitarrenarbeit (Twin-Part im Soloteil) durchzogene „Ought To Know“ dient zum Durchatmen.

Sunrise In Texas“ hat das Quintett schon viele Jahre im Live-Programm. Jetzt hat man sich entschlossen, es auch im Studio aufzunehmen. Eine wunderbar zirrpende Mandoline als Führungsinstrument dominiert die melodische Countrynummer „Ain’t Gonna Wait“, während bei „Workin‘ For A Workin‘ Man“ wieder in bester BS-Tradition gerockt wird (stark Brandon Stills heulende Orgel).

Gegen Ende überrascht der Atlanta-Fünfer mit einem herrlich durch Mark und Bein gehenden funkigen Groover namens „Believe You Me“, eher selten im Genre anzutreffen, aber mit tollen Gitarren, E-Piano und pumpendem Bass durchaus kompatibel gestaltet. Passt! Für das Finale „Free On The Wing“ darf Urgestein Gregg Allman dann sein immer noch herrlich rotziges Organ für ein paar Gesangszeilen im Duett mit Starr mit einfließen lassen. Ein schön entspannter Instrumentalteil lässt das Lied passender Weise in Allman-/Gov’t Mule-Manier ruhig ausklingen.

Blackberry Smoke melden sich mit ihrem selbst-produzierten, brandneuen „Like An Arrow“ beeindruckend zurück. Ich wüsste ehrlich gesagt nicht, wie man neue Kreationen im Southern Rock, besser gestalten könnte. Ein rundum abwechslungsreich gestaltetes Werk, ansprechende Songs mit vielen kleinen Highlights und Überraschungen. Kein Frage. Dieser Pfeil trifft ganz klar ins Schwarze!

3 Legged Records (2016)
Stil:  Southern Rock

01. Waiting For The Thunder
02. Let It Burn
03. The Good Life
04. What Comes Naturally
05. Running Through Time
06. Like An Arrow
07. Ought To Know
08. Sunrise In Texas
09. Ain’t Gonna Wait
10. Workin‘ For A Workin‘ Man
11. Believe You Me
12. Free On The Wing (feat. Gregg Allman)

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Blackberry Smoke – 02.12.2009, Zwischenfall, Bochum – Konzertbericht

Da ist man doch eigentlich ein eingefleischter Southern Rock-Fan und ich kann mich ehrlich gesagt kaum daran erinnern, wann ich das letzte Mal ein Live-Konzert aus diesem Genre gesehen habe. Es muss wohl Molly Hatchet in der Bochumer Zeche gewesen sein (auch schon ewig und drei Tage her), aber da ja kaum eine Band außer ihnen und Lynyrd Skynyrd (die schaue ich mir allerdings erst wieder an, wenn die Band statt der immer wieder runtergedudelten Klassiker schwerpunktmäßig Songs aus den Alben der Johnny Van Zant-Ära spielt, vermutlich also nie mehr…) in unseren Sphären auftaucht, ist es auch nicht ganz so verwunderlich.

Dabei gibt es in letzter Zeit soviel hoffnungsvollen Nachwuchs in diesem Genre. Und da tauchen dann aus dieser Riege plötzlich glatt Blackberry Smoke, deren hervorragendes Album „Little Piece Of Dixie“ von mir (und nicht nur von mir) zu Recht über den grünen Klee gelobt worden ist, hier zu einer Europa-Tournee auf und spielen auch noch in erreichbarer Nähe, nämlich in Bochum-Langendreer im Zwischenfall, einer Location, die eigentlich für ganz andere Musik (u.a. Metalcore, Punk, Hardcore…) bekannt ist. In Sekundenschnelle war die über Jahre angestaute Resignation wie weggefegt, ich war wieder heiß auf live gespielten Southern Rock.

Als Support spielte die Bochumer Band Northern Beach, die mit ihrem Frontmann Achim Bihler eine knappe Dreiviertelstunde mit sympathischem, recht erträglichen Punkrock und Rock’n’Roll einheizten, auch wenn ich mir hier eher eine weitere Southern Band oder gar keine Vorband gewünscht hätte. Die Jungs gaben ordentlich Gas am Stück. Schmankerl des Auftritts war allerdings der Kommentar meines Freundes Helmut ‚Happo‘ Tautges, seines Zeichens Präsident vom Fanclub Uralt-Ultras des immer noch besten und sympathischsten Fußballclubs Deutschlands (und darüber hinaus), Rot-Weiss Essen, der die Band vor dem letzten Stück lauthals aufforderte, doch mal bitte was Hartes zu spielen… Bekannt für seine selbstgedrehten RWE- und Musikvideos schlüpfte der passionierte Stones-Fan an diesem Abend auch noch in die Rolle des Film-Regisseurs, dazu später mehr.

Nach kurzer Umbaupause legten Blackberry Smoke, die für ihre Tour das Motto ‚Too Rock’n’Roll for Country, too Country for Rock’n’Roll‘ ausgegeben hatten, dann um 22.00 Uhr mit dem Countryfeger „Memphis Special“ los, um sich schwerpunktmäßig ihrem o.a. Album zu widmen. „Like I Am“, „Good One Coming On“, „Restless“ und „Bottom Of This“ erbrachten den Beweis, dass straighter Southern Rock gepaart mit der einen oder anderen Countryanleihe wunderbar funktionieren und den anwesenden Insideranteil der leider nur um die 60 Zuschauer spielend in Wallung bringt. Die Stimmung war trotz des übergroßen Platzangebotes und der nicht ganz optimalen Akustik im Raume prächtig.

Einen ersten Höhepunkt für mich erreichte das Konzert, als der Südstaaten-Fünfer (Charlie Starr, Paul Jackson, Brit und Richard Turner und der jetzt fest integrierte Keyboarder Brandon Still), das in Georgia Satellites-Manier gebrachte „Sanctified Woman“, eine furios abgehende Highspeed-Coverversion des Outlaws-Klassikers „Freeborn Man“ (fast kaum erkennbar, herrliches Slidespiel von Bandleader Charlie Star, HT-Piano) und ein funkig country-rockendes „Up In Smoke“ zum Besten gaben. Klasse auch das relativ neue Stück „Everbody Knows She’s Mine“, bei dem Starr und Zweitgitarrist Paul Jackson (leider oft zu leise ausgesteuert) dann nach zwei starken Einzel-Soli auch zur Southern-typischen Twin-Einlage ausholten. Mit dem countryfizierten „Son Of A Bourban“ und dem überragenden „Freedom Song“ vom aktuellen Werk, war der Hauptteil schon nach einer knappen Stunde vorbei.

Das als Zugabe stürmisch eingeforderte „Shake Your Magnolia“ rockte und stampfte noch mal höllenmäßig, rhythmisches Fußwippen mit den Cowboystiefeln und sonstigem Schuhwerk unvermeidbar. Das finale „Constant Sorrow“ begann mit einzelnen kleinen Duellen der beiden Gitarristen und ging vom Countryschwofer (inkl. Vorstellung der Band) in einen furiosen Rock’n’Roller über, ein starker Abschluss eines leider viel zu kurzen Konzertes, ein kleiner Wermutstropfen neben dem nicht ganz optimalen Sound (oft zu laut). Allerdings auch ein wenig verständlich, angesichts der Tatsache, dass es sich um einen Tag inmitten der Woche handelte und das Zwischenfall direkt am Rande einer bewohnten Fußgängerzone liegt.

Der hier abgelieferte Tour-Auftakt von Blackberry Smoke kam mir trotz der sehr guten Leistung noch ein bisschen wie ein erstes Abtasten und dezentes Warmspielen vor, was aber absolut nicht als Vorwurf gedacht ist, der Abend hat insgesamt richtig Spaß gemacht. Ich bin mir sicher, dass die Jungs im Laufe des Dezembers noch die eine oder andere Schüppe drauflegen, vor allem, wenn die Zuschauer-Resonanz etwas voluminöser ausfällt.

Kurz nach dem Ende konnte ich den unkomplizierten und sehr sympathischen Charlie Starr noch zu einem kurzen Weihnachtsgruß überreden, der Essener Sönke Wortmann alias Presidente Happo war natürlich mit der Kamera sofort zur Stelle. Starr ließ sich auch noch zu einem gemeinsamen Foto überreden und so war er, ohne es zu wissen, in Form von Happo, Freund Däddi und mir in die geballte Rot-Weiß Essen-Fußballkompetenz eingerahmt. Danach ging es noch in die Zwischenfall-Lounge, wo die Besucher Zeit und Gelegenheit hatten, sich mit den Musikern zu unterhalten (ich konnte noch ein paar Worte mit dem netten Brandon Still sprechen) und sich am recht umfangreichen Merchandising-Stand mit Blackberry Smoke-Artikeln (u.a. drei verschiedene T-Shirts) einzudecken.

Blackberry Smoke haben es an diesem Abend in Bochum mit tollen Songs, handwerklicher Bravour und sympathischer Präsenz geschafft, die längst verschwunden geglaubte Südstaatenrocklust in mir wieder zu erwecken. Leute, geht auf die anstehenden Konzerte, damit die Jungs positiv über Deutschland berichten können. Vielleicht kommen sie dann ja mit den vielen talentierten Bands im Schlepptau gerne wieder und wir erleben eine nicht für möglich gehaltene kleine Southern Rock-Renaissance!

Danke an Blackberry Smoke und Norbert vom Zwischenfall für die unproblematische Akkreditierung.

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Zwischenfall Bochum