Mickelson – Known To Be Unknown – CD-Review

Review: Michael Segets

Als siebzehnjähriger unterschrieb Mickelson vor vierzig Jahren seinen ersten Plattenvertrag. Seitdem gab es einige Höhen und Tiefen in seiner Karriere. Nun veröffentlicht er sein viertes Solowerk „Known To Be Unknown“ in Eigenregie. Alle Songs sind von ihm geschrieben und auch quasi im Alleingang musikalisch umgesetzt worden. Er spielt sämtliche Instrumente mit Ausnahme des Schlagzeugs (Frank Reina), der Hörner (Luke Kirley und Cayce Carnahan) sowie des Cellos (Sadie Mickelson). Zusätzliche Unterstützung holt er sich noch bei einem neunköpfigen Chor für „UNarmed American“.

Aus Massachusetts stammend führte Mickelsons Weg über New York in die Bay Area bei San Francisco, wo er heute als Produzent und Musiker tätig ist. In den 1980ern brachte er zwei Singles heraus, bevor der Plattenvertrag aufgelöst wurde. In den 90ern gewann er mit seiner Band Fat Opie einen MTV-Wettbewerb. Die damit verbundenen Zusagen, eine Tour von Neil Young zu begleiten sowie eine MTV-Sendung aufzunehmen, wurden allerdings nicht eingelöst. Dies war vorerst das Ende von Fat Opie, die 2010 nochmal kurzzeitig reanimiert wurde.

Nach einer Phase, in der Mickelson sich der Kunst und Illustration zuwandte, entdeckte er seine Leidenschaft für die Musik wieder. Sein Solodebüt „Flickering“ (2015) brachte ihm eine Ehrung im Rahmen der Grammy-Verleihung. Ein großer Hit ist ihm allerdings bislang nicht gelungen. Meine Prognose ist, dass sich daran auch mit „Know To Be Unknown“ nichts ändert, denn zu wenig eingängig und teilweise sperrig erweisen sich die Tracks. Bis zur Mitte des Albums steigern sich die Songs jedoch kontinuierlich.

Gewöhnungsbedürftig ist der Opener „UNarmed American“. Rhythmisch läuft der Track aus dem Ruder und wirkt mit seinen eingestreuten Klangelementen überfrachtet. Auch „Go To Bed Hungry“ lässt keine klare Linie erkennen, indem er zwischen Folk und Bombast fluktuiert. Ab „A Murder Of Crows“ nimmt Mickelson die experimentelleren Ideen zurück und gibt „Ithaca“ eine rockige Note. „Only Ugly When You Cry“ punktet mit seinem eingängigen Refrain. Der Track stellt zusammen mit „Die Trying“ den besten Beitrag auf der CD dar.

Daneben finden sich noch zwei Instrumentalstücke: das durch die Bläser getragene „Chicago Transit Authority“ sowie das kurze „Blur In The Memory“. Zum Abschluss des Werkes gibt es noch eine akustische Version von „UNarmed American“. Die Folkversion des Songs ist erheblich gelungener als das Arrangement des Auftakts und lässt die Lyrics deutlicher in den Vordergrund treten. Die Texte sind der CD beigefügt, was mittlerweile ja nicht mehr selbstverständlich ist.

„Known To Be Unknown“ ist kein leichtes Werk. Die Texte sind insgesamt stärker als die musikalische Umsetzung, die nicht Mainstream-tauglich erscheint. So wird sich Mickelsons Bekanntheitsgrad wohl weiterhin auf Insider beschränken.

Mickelson Music (2022)
Stil: Rock

Tracks:
01. UNarmed American
02. Got To Bed Hungry
03. A Murder Of Crows
04. Ithaca
05. Only Ugly When You Cry
06. Chicago Transit Authority
07. Die Trying
08. Blur In The Memory
09. UNarmed American (acoustic)

Mickelson
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Cruzados – She’s … Automatic! – CD-Review

Review: Michael Segets

Ende der 1980er, als CDs noch auf dem Vormarsch waren, erstand ich den ersten selbstbetitelten Longplayer (1985) der Cruzados auf dem Wühltisch. Die Band war mir völlig unbekannt und ich griff auf gut Glück zu. Am nächsten Tag war ich wieder im Laden und staubte die zweite Scheibe „After Dark“ (1987) zum Sonderpreis ab. Dies war der wesentliche Output der Truppe, die sich auflöste als Frontmann Tito Larriva mit Tito & Tarantula eine neue Band gründete, die Mitte der 1990er nicht zuletzt durch die Mitwirkung an dem Film „From Dust Till Dawn“ größere Bekanntheit erlangte.

Etwa zu dieser Zeit drehten sich auch die beiden Cruzados-Alben das letzte Mal in meinem Player. Erst als ich durch die Konzertankündigung der Kulturrampe darauf aufmerksam wurde, dass die Band tourt, griff ich wieder ins Regal holte die alten CDs hervor und besorgte mir das neue Album.

Treibende Kraft hinter der Reanimation der Cruzados ist Songwriter und Bassist Tony Marsico, der bereits mit Bob Dylan, Neil Young, Roger Daltrey, Marianne Faithfull und Willie Nelson zusammenarbeitete. Als einziges Mitglied des ursprünglichen Quartetts suchte er Mitstreiter, mit denen er den Geist der Cruzados wieder aufleben lassen konnte. Fündig wurde er als neuen Sänger bei Ron Young von Little Caesar, der seine Gitarristen Loren Molinare und Mark Tremalgia sowie den Schlagzeuger Rob Klonel mitbrachte.

Marsico empfand das frühzeitige Ende der Cruzdados immer schon als unbefriedigend und möchte das neue Album als Reminiszenz an die beiden verstorbenen Ur-Cruzados Marshall Rohner und Chalo Quintana verstanden wissen. Das Projekt unterstützten auch andere Musiker aus der LA-Szene. So sind als Gäste unter anderem David Hidalgo und Steve Berlin von Los Lobos oder auch Dave Alvin dabei.

“She’s … Automatic!” ist eine Scheibe geworden, die von vorne bis hinten rockt, einzig unterbrochen durch die mittig platzierte Ballade „Sad Sadie“. Straight forward gehen neben dem Titeltrack auch der Opener „On The Tilt A Whirl“ und „Wing And A Prayer“. Klasse gitarrengetriebenen Rock bieten „54 Knockouts“ sowie das staubige „Nine Million Tears“. Daneben finden sich der Boogie „Let Me Down“ und das Southern-Flair versprühende „Across This Ghost Town“. In Richtung Bluesrock gehen „Son Of The Blues“, „Long Black Car“ ebenfalls wie das abschließende „Rock That Boat“.

Tony Marsico als einziges Bandmitglied der Urbesetzung lässt die Cruzados wieder auferstehen. Mit Ron Young als neuem Frontmann liefert die Band eine Scheibe ab, die ein hohes Tempo geht. Ehrlicher, handgemachter Rock, der ohne Schnörkel die Songs auf den Punkt bringt, stehen auf dem Programm. Die aktuellen Auftritte, mit denen „She’s … Automatic!” promotet wird, versprechen Highlights in der nun wieder anlaufenden Konzertsaison zu werden.

Deko Entertainment/Cargo (2022)
Stil: Rock

Tracks:
01. On The tilt A Whirl
02. Across This Ghost Town
03. Nine Million Tears
04. She’s Automatic
05. Son Of The Blues
06. Sad Sadie
07. Long Black Car
08. Let Me Down
09. Wing And A Prayer
10. 54 Knockouts
11. Rock That Boat

Cruzados
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Neil Young – Carnegie Hall 1970 – CD-Review

Review: Gernot Mangold

Es gibt viele Bootlegs von Neil Young-Konzerten, zum Teil auch in recht guter Qualität. In regelmäßigen Abständen veröffentlicht Young Schätze aus seinem Fundus von Livemitschnitten. Das Konzert in der Carnegie Hall war der erste Auftritt des jungen Neil Young in der legendären New Yorker Konzerthalle und spiegelt die Frühwerke des Musikers in seiner erfolgreichen folkigen Phase kurz vor seinem damaligen Meisterwerk „Harvest“.

Die überarbeitenden analogen Tonspuren sind von einer absolut hörenswerten Qualität und so gibt es ein Solokonzert, an dem Young sich am Mikro, an der Akustikgitarre oder am Piano präsentierte. Einzeln auf die Songs einzugehen wäre wie Eulen nach Athen zu tragen.

Die insgesamt 23 Stücke sind ein Querschnitt der ersten Alben „Neil Young“, „Everybody Knows This Is Nowhere“ und „After The Goldrush“ aus den Jahren 1968 bis 1970 sowie seiner Zusammenarbeit mit Stephen Stills bei Buffalo Springfield sowie CSN&Y und es gleicht einem „Greatest Hits“-Live-Album aus der Frühphase des kanadischen Amerikaners, wo den meisten noch gar nicht bewusst war, wie prägend er sich auf die Musikwelt später auswirken würde.

In dieser Form vorgetragen, zeigt sich die unglaubliche Stärke im Songwriting, aber auch die Fingerfertigkeit als Instrumentalist. Um zwei Songs doch namentlich zu zitieren, ist es dem „Old Man“ mit diesem Livealbum gelungen, was ihm in Zeiten von „I Am A Child“ als Grundlage für seine spätere Karriere diente.

Dass er später viele dieser Songs, meist mit Crazy Horse in einem E-Gitarrengewitter erklingen ließ, ist eine Geschichte, die später geschrieben wurde. „Carnegie Hall 1970“ ist für Fans von Folkmusik ein absolut hörenswertes Werk, aber auch für die Neil Young-Anhänger aus der eher rockigen Ära ein absolut empfehlenswertes Album, um manche Songs in ihrem absoluten Ursprung zu hören.

Reprise Records/Warner Music (2021)
Stil: Folk

Tracks:
01. Down By The River
02. Cinnamon Girl
03. I Am A Child
04. Expecting To Fly
05. The Loner
06. Wonderin`
07. Helpless
08. Southern Man
09. Nowadays Clancy Can’t Even Sing
10. Sugar Mountain
11. On The Way Home
12. Tell Me Why
13. Only Love Can Break Your Heart
14. Old Man
15. After The Gold Rush
16. Flying On The Ground Is Wrong
17. Cowgirl In The Sand
18. Don`t Let It Bring You Down
19. Birds
20. Bad Fog Of Loneliness
21. Ohio
22. See The Sky About To Rain
23. Dance Dance Dance

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Los Lobos – Native Sons – CD-Review

cover Los Lobos - Native Sons 300

Review: Michael Segets

Just another band from East L. A. – so bezeichneten sich Los Lobos selbst, dabei besteht für die Wölfe kein Grund zur Bescheidenheit. Spätestens mit ihrem internationalen Superhit „La Bamba“ sind sie über die Grenze ihrer Heimatstadt hinaus bekannt. Dennoch ist die Band in der kalifornischen Metropole tief verwurzelt und besinnt sich mit „Native Sons“ auf die musikalischen Einflüsse, die sie prägten. Bis auf den Titeltrack, der eine Eigenkomposition darstellt, covern Los Lobos eben die Bands und Musiker, die eng mit L. A. verbunden sind.

Seit den 1980ern gelten Los Lobos als Inbegriff des Tex-Mex und haben dem Tejano mit ihrem eigenständigem Sound einen Stempel aufgedrückt. In der Folgezeit erweiterte die Band ihre Bandbreite, sodass die musikalische Richtung ihrer Alben kaum abzusehen ist. „Kiko“ (1992) gilt unter Kritikern als ein Höhepunkt unter den Veröffentlichungen, wobei „The Neighborhood“ (1990), mit den Gastmusikern Levon Helm und John Hiatt, bereits den Aufbruch zu neuen Ufern markierte.

In der letzten Dekade tourten sie mit Neil Young, der Tedeschi Trucks Band und den North Mississippi Allstars, bevor es um die Combo stiller wurde. Mit „Native Sons“ melden sich Los Lobos nun wieder zurück, allerdings ohne neues Eigenmaterial zu präsentieren, sieht man von dem Titelsong ab. Dass die Mannen aus L. A. bei ihren Covern den jeweiligen Songs eigene Facetten und einen veränderten Klang mitgeben können, haben sie ausgiebig auf mehreren Tribute-Alben bewiesen und so hört sich „Native Sons“ ganz nach Los Lobos an.

„Never No More“ von Percy Mayfield und „Flat Top Joint“ von Dave Alvin (The Blasters) sind im Stil des klassischen Rock ’n Roll gehalten. Ein hohes Tempo geht auch „Farmer John“. Der Song ist bereits auf diversen Live-Mitschnitten von Los Lobos zu finden. Einzelne Tracks haben einen Funk-Einschlag („Love Special Delivery“), gehen in Richtung R&B („Misery“) oder kombinieren beides („The World Is A Ghetto“). Wie häufig bei den Longplayern von Los Lobos finden sich zudem spanische Titel auf „Native Sons“, die beim Uptempo oft einen zirzensischen Eindruck hinterlassen oder leicht in schmalzige Regionen abdriften. Der Salsa „Los Chucos Suaves” und das schmachtende „Dichoso” bilden da keine Ausnahme.

Die Band um David Hidalgo liefern darüber hinaus Versionen von Musikern ab, die eher ins SoS-Spektrum fallen. Von Jackson Browne interpretieren sie „Jamaica Say You Will “ und von Stephen Stills „Bluebird/For What It’s Worth”. Die beiden Songs von Stills sind auf CD oder LP als Medley gespielt, auf der digitalen Ausgabe sind sie als Einzeltitel getrennt. Gelungen ist auch „Sail On, Sailor”, das durch die Beach Boys bekannt ist. Als Abschluss der CD gibt es das Instrumentalstück „Where Lovers Go“, das als Rausschmeißer seit langer Zeit von Los Lobos live erprobt ist.

Der spezielle Sound von Los Lobos wird nicht zuletzt durch das Saxophon von Steve Berlin geprägt. Steve Berlin, der Mitte der 1980er der Band beitrat, hat sich mit seinem Instrument und als Produzent einen Namen gemacht. So unterstützte er beispielsweise Sheryl Crow, Joan Osborne und The Suitcase Junket. Los Lobos holten für „Native Sons“ einige Gastmusiker mit an Bord und David Hidalgo Junior sitzt bei der Hälfte der Stücken am Schlagzeug.

So bunt schillernd wie man sich das Leben in L.A. vorstellt, ist auch die Liebeserklärung „Native Sons“ von Los Lobos an ihre Heimatstadt ausgefallen. Bei der Auswahl der Coverversionen greifen David Hidalgo, Steve Berlin und ihre Mitstreiter unterschiedliche musikalische Stile auf. Gemeinsam ist den Songs nicht nur, dass sie von Musikern stammen, die die Szene in L. A. prägten, sondern auch, dass sie durch den typischen Sound von Los Lobos zusammengeschweißt werden.

New West Records/Pias-Rough Trade (2021)
Stil: Rock and more

Tracks:
01. Love Special Delivery
02. Misery
03. Bluebird/For What It’s Worth
04. Los Chucos Suaves
05. Jamaica Say You Will
06. Never No More
07. Native Son
08. Farmer John
09. Dichoso
10. Sail On, Sailor
11. The World Is A Ghetto
12. Flat Top Joint
13. Where Lovers Go

Los Lobos
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Son Volt – Electro Melodier – CD-Review

cover Son Volt - Electro Melodier 300

Review: Michael Segets

Nach dem hochgelobten „Union“(2019) setzt Son Volt nun den eingeschlagenen Weg fort. Die Band liefert mit „Electro Melodier“ erneut ein Americana-Album ab, bei dem sie diesmal jedoch öfter Ausflüge in rockigere Gefilde nimmt. Wie auf dem vorangegangenen Werk sind neben dem Bandleader und Sänger Jay Farrar Mark Spencer (Keyboards, Steel Guitar), Chris Frame (Guitar), Andrew Duplantis (Bass) und Mark Patterson (Drums) mit von der Partie.

Das fünfundzwanzigste Bandjubiläum, das 2020 zu feiern gewesen wäre, hatte sich Jay Farrar anders vorgestellt. Corona hat so manche Pläne durchkreuzt, aber da gerade die Tour zu „Union“ abgeschlossen war, stand sowieso die Arbeit an neuen Songs an, für die er sich nun mehr Zeit nahm.

Farrar wollte diesmal einen unpolitischen Longplayer in Angriff nehmen. Seine sozialkritische Ader konnte er jedoch nicht ganz unterdrücken. Mit „Living In The USA“ stellt sich Farrar in die Tradition von Bruce Springsteens „Born In The USA“ oder Neil Youngs „Rockin‘ In A Free World“. Ganz so rockig geht es dann bei Son Volt nicht zur Sache, dennoch setzt der Song ein Ausrufezeichen auf der Scheibe.

Ein weiterer Titel mit politischer Aussage stellt „The Globe“ dar, der zusammen mit „The Globe Prelude“ quasi in zwei Versionen vertreten ist. Der Track ähnelt dem Opener und ersten Auskopplung „Reverie“ von Tempo und Anlage. Beide sind gradlinig und erdig. Dazwischen schiebt sich „Arkey Blue“, dessen Intro und Outro mit härterer Gitarre und kraftvollem Schlagzeug für Son Volt eher ungewöhnlich ist. Im Vergleich dazu plätschert der Mittelteil etwas dahin. Insgesamt startet die CD allerdings dynamisch.

Danach fährt Farrar das Tempo zurück. „Diamonds And Cigarettes“, bei dem Laura Cantrell die Harmonien beisteuert, sowie „Lucky Ones“ thematisieren eine dauerhafte, lang währende Liebe. Farrar ist seit einem Vierteljahrhundert anscheinend glücklich verheiratet. Auf dem reduziertesten, folkähnlichen „War On Misery“ steht seine Stimme, bei der oftmals ein leicht leidender Unterton mitschwingt, im Zentrum.

In dem hinteren Drittel des Albums legt sich Mark Spencer mit der Steel Guitar ins Zeug. Die Ballade „Sweet Refrain“ hält, was der Titel verspricht. „Rebetika“ und „The Levee Of Down“ gehen durch den Slide stärker in Richtung Country. Beim Abschluss „Like You“ sticht die Key-Begleitung hervor, für die ebenfalls Spencer verantwortlich zeichnet. Neben den ruhigeren Tracks finden sich mit dem gelungenen Roots-Rocker „These Are The Times“ und dem als Hommage an Led Zeppelin zu verstehenden „Someday Is Now“ Songs mit einem rockigeren Einschlag auf dem Longplayer.

Son Volt präsentiert mit „Electro Melodier“ eine ausgewogene Mischung aus Americana, Rock und Country. Obwohl es von der Grundausrichtung mit dem vorangegangenen „Union“ vergleichbar ist, wirkt das neue Album so etwas abwechslungsreicher. Konstanz beweist Jay Farrar mit seiner Band weiterhin durch seine gefeilten, sozialkritischen Texte. Für August und September sind 16 Konzerttermine in den Vereinigten Staaten angekündigt, um das neue Material live zu präsentieren. Son Volt ist mit „Electro Melodier“ auch diesbezüglich zurück im Rhythmus.

Transmit Sound/Thirty Tigers (2021)
Stil: Americana

Tracks:
01. Reverie
02. Arkey Blue
03. The Globe
04. Diamonds And Cigarettes
05. Lucky Ones
06. War On Misery
07. Living In The USA
08. Someday Is Now
09. Sweet Refrain
10. The Levee On Down
11. These Are The Times
12. Rebitika
13. The Globe Prelude
14. Like You

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Thirty Tigers
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Neil Young – Young Shakespeare – CD-Review

cover Neil Young - Young Shakespeare

Review: Gernot Mangold

Neil Young hat mal wieder in seinem Archiv gekramt und den Mitschnitt eines Solo-Akustik-Konzertes gefunden. Historisch ist der Livemitschnitt aus dem Shakespeare Theater in Stratfort, Connecticut, etwas besonderes. Er entstand wenige Monate nach der Veröffentlichung des wegweisenden Erfolgsalbums „After The Goldrush“, das Young zur Folkikone machte. Young spielte neben Stücken des aktuellen Albums und Frühwerken einige Songs, die erst knapp ein Jahr später auf dem Megaseller „Harvest“ veröffentlicht werden sollten.

Die intime Atmosphäre des Konzertes wird auch dadurch deutlich, dass im Mitschnitt nicht die Ansagen zwischen den Songs weggeschnitten wurden, sondern einen recht redeseligen Neil Young zeigen, was nicht immer der Fall war.

Die instrumental bis auf ein Minimum reduzierten Stücke zeigen die Fähigkeiten Youngs im Songwriting und die Soundqualität lässt wenig zu wünschen übrig, da die analogen Bänder, die digital aufgearbeitet worden sind, auch für einen geplanten Musikfilm gemacht worden sind.

Die Songauswahl zeigt den damaligen musikalischen Stand Neil Youngs, wo Material von CSN&Y und mit Crazy Horse im Mittelpunkt steht. Dass mit „Dance Dance Dance“ sogar ein von Crazy Horse herausgebrachtes Stück gespielt wurde, zeigt seine schon damals bestehende Verbundenheit mit seiner Begleitband, die ihn fast seine ganze Karriere begleitete.

Das Livewerk lebt neben der Atmosphäre, die zuweilen zum besinnlichen Träumen einlädt, von den Emotionen der Stücke, in denen Young auch zur Protestikone der damaligen Zeit aufstieg, den er im Prinzip bis heute nicht verlassen sollte.

Das eindringliche klagende „Ohio“ nimmt den Zuhörer in seinen Bann und kann auch textlich heute noch als aktuell gesehen werden, es müssten nur einige Namen ausgetauscht werden (was ich dann selbst bei einem späteren Neil Young- Konzert mal erleben durfte).

Das emotionalste Stück ist das ein Jahr später auf „Harvest“ veröffentlichte „The Needle And The Demaged Done“, in dem er den Weg von Künstlern beschreibt, die ein Opfer der Heroinsucht wurden. Namentlich wurde Danny Whitten, der Gitarrist von Crazy Horse nicht benannt, aber etwa ein Jahr später musste dieser wegen seiner Sucht die Band verlassen und starb wenig später an einem Mix aus Drogen und Medikamenten. So wie Young den Song spielte, kann der Zuhörer das Gefühl bekommen, dass sich Young, in der Ahnung was passieren würde, schon zu dem Zeitpunkt von seinem damaligen Freund verabschiedet hätte.

Gelungen ist auch, wie Neil Young die erst später veröffentlichten Tracks „A Man Needs A Maid“ und „Heart Of Gold“ träumerisch miteinander thematisch verschmelzen lässt und zeigt, dass sich Letztgenanntes auch gut auf dem Piano begleiten lässt.

Das Album ist für Neil Young-Fans fast schon als Pflicht anzusehen, da es einen guten Überblick über eine frühe Phase des Künstlers gibt und es schöne akustische Versionen von Stücken wie „Down By The River“ oder „Cowgirl In The Sand“ beinhaltet, die auf diesen schon eine gewisse Härte aufweisen, und erahnen ließen, in welche Richtung sich Neil Young später insbesondere mit Crazy Horse entwickeln sollte.

Für Freunde der akustischen Musik oder des Folkrocks ist das Album ebenfalls lohnend, da es auch eine Art „Greatest Hits“, live eingespielt darstellt und das durch seine Zeitlosigkeit immer noch aktuell ist.

Band:
Neil Young: Vocals & Guitar, Piano

Reprise Records/Warner Music (2021)
Stil: Folk

Tracks:
01. Tell Me Why
02. Old Man
03. The Needle And The Demage Done
04. Ohio
05. Dance Dance Dance
06. Cowgirl In The Sand
07. A Man Needs A Maid / Heart Of Gold
08. Journey Through The Past
09. Don’t Let It Bring Down
10. Helpless
11. Down By The River
12. Sugar Mountain

Oktober Promotion

Tennessee Champagne – Same – CD-Review

Tennessee Champagne 300

Review: Michael Segets

Das neue Label Juke Joint 500 spezialisiert sich auf hörenswerte Musik, die in den letzten Dekaden nie auf Vinyl herausgekommen ist. Die wieder anwachsende Zahl von Liebhabern der nicht-digitalen Präsentationsform wird ein solches Vorhaben begeistert aufnehmen. Sicher produziert das Label einige – bald heiß begehrte – Sammlerstücke, da die LPs farbig, handnummeriert und auf fünfhundert Pressungen limitiert sind. „… And Other Crimes“ der Go To Blazes aus dem Jahr 1995 setzte den Startschuss für das Programm.

Zeitgleich mit dem Sampler „Mo‘ Peaches“ folgt nun die selbstbetitelte Scheibe von Tennessee Champagne. Direkt zu Beginn von Juke Joint 500 weicht Gründer Reinhard Holstein von seinem Konzept ab und veröffentlicht eine CD, die gerade erst in den USA erschienen ist, auf Vinyl und digital. Die Qualität der Band aus Elizabethon, Tennessee, ließ ihm quasi keine andere Wahl. Und tatsächlich legt das Quintett ein feines Southern Rock-Album vor, das die Wegbereiter dieses Genres nicht verleugnen und mit den aktuellen Größen wie Blackberry Smoke mithalten kann.

Temporeich steigt das Album mit „Wicked“ und dem folgenden „Thunder In The Mountains“ ein. Während der Opener in der Tradition von Lynyrd Skynyrd steht, geht der zweite Track in Richtung Blues Rock. Schon am Anfang der Scheibe stechen die kräftigen Gitarren hervor, die den Sound der Band prägen. Vor allem die eingestreuten Soli haben die richtige Würze, sind dabei nicht zu lang und bleiben stets melodiös.

Der Frontmann Chris Kelley singt hier mit angerauter Stimme, die bei der Ballade „Can’t Get Over You“ sanftere Facetten zeigt. So oder so kann er viel Soul und Gefühl in seinen Gesang legen. Die Balladen sind von einer Orgel unterlegt, welche vor allem bei „Stompin‘ Grounds“ sehr stimmungsvoll in den Song einleitet. Zusammen mit dem etwas dunkleren „Selfish Ways“ ist der Track – nicht zuletzt durch den unaufdringlichen Slide – mein Favorit unter den langsamen Stücken. Diese sind aber durchweg gelungen. So kommt mir am Anfang von „Singing To My Broken Heart“ Neil Young aus seiner “Harvest”-Zeit in den Sinn, was ja nicht der schlechteste Referenzpunkt ist.

The Allman Brothers Band scheint bei „Mountains In My Bones“ durch, das nochmal das Tempo anzieht. Mit dem hymnischen „Silver Tongue” setzen sich Tennessee Champagne – neben Chris Kelley gehören Dan Britt, Tim Hall, Jonathan Grindstaff und Bill Cowden zu der Truppe – selbst ein Denkmal. Über sechs Minuten zelebrieren die Jungs den Southern Rock mit allem was dazu gehört. Zum Southern mischen sich gelegentlich auch Blues-Elemente, beispielsweise beim swampigen Midtempo-Song „Corn From A Jar“, auf dem die Stimme des Leadsängers streckenweise verzerrt wird, oder beim rockigen Abschluss „Shake It“.

Am Anfang des Debüts von Tennessee Champagne, der A-Seite der LP, sind kräftige, temporeiche Nummern in der Überzahl, die zweite Hälfte wird von eindringlichen Balladen geprägt. Gemeinsam ist den Songs, dass sie die Erwartungen, die an Southern Rock gestellt werden, voll erfüllen. Das Quintett legt ein ausgewogenes Album vor, mit dem sie sich in dieser Musikrichtung einen Platz unter den Newcomern des Jahres, auch wenn dieses noch jung ist, sichern.

Juke Joint 500 (2021)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Wicked
02. Thunder In The Mountains
03. Can’t Get Over You
04. Mountains In My Bones
05. Silver Tongue
06. Stompin Grounds
07. Selfish Ways
08. Corn From A Jar
09. Singing To My Broken Heart
10. Shake It

Tennessee Champagne
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Juke Joint 500

Neil Young – Homegrown – CD-Review

NY_300

Review: Gernot Mangold

„Endlich ein neues Album von Neil Young!“, werden die einen sagen, während die anderen vermutlich konstatieren, dass dem alten Mann nichts Neues einfällt, weil er jetzt ein Album auf den Markt bringt, das er vor etwa 47 Jahren einspielte, aber bis dato nie veröffentlichte, wenn man von einigen Songs absieht, die später auch auf dem legendären „Decade“-Werk einen Platz fanden.

Um es vorwegzunehmen, es war eine gute Idee, dieses Album doch noch zu veröffentlichen, was er aus persönlichen Gründen, die ihn damals belasteten, nicht tat.

Es hätte zu dieser Zeit sehr gut als stilistische Fortsetzung des Klassikers „Harvest“ dienen können. Nun zeigt es heute noch einmal die musikalisch sanfte Seite von Neil Young, die er später insbesondere mit seiner Begleitband Crazy Horse verließ, aber immer wieder auch live aufleben ließ.

In einem Brief auf seiner Webseite erklärt er die Hintergründe, warum das Album zunächst auf Masterbändern verstaubte, ehe das, wie er es selbst nannte, ‚entkommene Album‘, doch den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat. Wenn Neil Young dabei den Begriff ‚großartig‘ verwendet, ist dies nicht mit der Artikulierung eines berühmt-berüchtigten Amerikaners zu verwechseln…

Den Hörer erwarten zwölf starke Folkrocksongs, die in keinster Weise verstaubt wirken, sondern, bei denen es einfach Spaß macht, zuzuhören. Unterstützt wird er unter anderem von Levon Helm und Karl T Himmel an den Drums, sowie seinen Freunden Ben Keith (Steel- & Slideguitar), Tim Drummond (Bass) und Stan Szelest (Piano) sowie Robbie Robertson und Emmylou Harris.

Schon die ersten Klänge von „Seperate Ways“ zeigen Neil Youngs Songwriting-Stärke und ziehen den Zuhörer regelrecht in ihren Bann. Schöne Melodiebögen untermalen seinen Gesang und auch Keith kann an der Steelguitar glänzen, bis Neil das Lied mit der Mundharmonika ausklingen lässt. „Try“ setzt den ruhigen Trend fort, traumwandlerisch bewegt er sich, unterstützt von Emmylou Harris im Backgroundgesang, gefühlt durch die Weiten der Prärie.

Im kurzen „Mexico“ wird Young nur vom Piano assistiert und dieser kurzweilige Song überrascht durch einige gekonnte stilistische Übergänge. „Love Is A Rose“ ist den eingefleischten Fans bekannt. Tolle Harmonien, Wechsel von akustischer Gitarre und Mundharmonika als prägendes Instrument und dezentes, aber klar klar differenziertes Schlagzeugspiel und dazu Youngs Stimme, machen diesen Song aus.

Mit „Homegrown“, wo auch Robertson mitspielt, wird es etwas rauer, aber auch tanzbar. Dass Neil Young immer für Experimente oder Überraschungen zu haben ist, offeriert er bei „Florida“, wo er eine Geschichte erzählt und von futuristisch anmutenden, kaum definierbaren Klängen, begleitet wird.

Nach dem harschen Vorsong,  entführt der Kanadier mit „Kansas“ die Audienz wieder in seine damalige Welt der Folkrockmusik.

In „We Don’t Smoke It“ findet der Blues Einzug in den Longplayer, mit klasse Pianoparts und dem bekannten Youngschen Stil, die elektrische Gitarre zu bearbeiten.

„White Line“ kennen die Young-Fans vom „Ragged Glory“ Album. Man spürt hier außergewöhnliche Youngs Gabe, Tracks differenziert zu interpretieren: in der frühen Version auf diesem Album folkig im Stile von Songs wie „Comes A Time“, später härter, eben Crazy Horse-like. In beiden Versionen absolut hörenswert.

„Vacancy“ mit Harmonygesängen liegt nahe bei den früheren CSNY-Songs mit zum Teil härteren Gitarrenpassagen. Für mich einer der stärksten Songs auf dem Album.

Beendet wird die Platte von zwei alten Bekannten, die auch Platz auf „Decade“ gefunden haben. „Little Wing“ (mit schönen Harris-Harmonies) und „Star Of Bethlehem“ runden dieses Klassewerk ab.

Für Neil Young-Hardliner ist das Album natürlich ein Pflichtkauf. Musikliebhaber, die auf eher ruhige folkige Klänge stehen, erleben einen sich damals in Hochform befindlichen Protagonisten. Schön wäre es, wenn Young einige dieser Songs noch einmal in Europa in ein Set einbauen könnte.

Reprise Records (Warner) (2020)
Stil:  Folk, Rock

Tracklist:
01. Separate Ways
02. Try
03. Mexico
04. Love Is A Rose
05. Homegrown
06. Florida
07. Kansas
08. We Don’t Smoke It No More
09. White Line
10. Vacancy
11. Little Wing
12. Star of Bethlehem

Neil Young
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US Rails – Mile By Mile – CD-Review

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Review: Michael Segets

Vor einigen Jahren sah ich die US Rails in Essen noch als Quintett auf der Bühne. Nach dem Ausstieg von Joseph Parsons, machten die übrigen Bandmitglieder fleißig weiter. Sie tourten regelmäßig auch durch unsere Region, wo Sound-Of South sie zweimal in Wesel besuchte, und veröffentlichten Alben in hoher Taktzahl. Ein Freund, mit dem ich seinerzeit das Konzert in Essen erlebte, machte mich auf das sechste Studioalbum „Mile By Mile“ der US Rails aufmerksam.

Auf der vorangegangenen Scheibe „We All Been Here Before“ coverte die Truppe unter anderem Kompositionen von Jackson Browne, Neil Young, Warren Zevon, Fleetwood Mac, den Beatles und den Stones. In dem Spannungsfeld diesen Musik tummelt sich die Band seit ihrer ersten Veröffentlichung vor zehn Jahren. Besondere Markenzeichen der US Rails sind wechselnde Leadstimmen sowie mehrstimmige Harmoniegesänge.

Ben Arnold, Scott Bricklin, Tom Gillam und Matt Muir funktionieren als Team und obwohl jeder mindestens einen Song verfasste, kommt bei „Mile By Mile“ wieder ein Gesamtpaket ohne Brüche heraus. Im Vergleich zu den früheren Scheiben ist die neue etwas rockiger ausgerichtet und hat anders als „Ivy“, dem 2016er Album mit Eigenkompositionen, einen direkteren und erdigeren Sound.

Vor allem bei den ersten drei Stücke rocken die US Rails locker und unverkrampft los. Den Anfang macht Bassist Scott Bricklin mit „Take You Home“, gefolgt von Tom Gilliams „Mile By Mile“ und Ben Arnolds „Trash Truck“. Eine erste Verschnaufpause bietet dann „Water In The Well”, das aus der Feder von Matt Muir stammt. Der Schlagzeuger steuert selten Songs bei, legt hier aber eine sehr schöne, dynamische Ballade vor. Aufgepeppt wird sie durch einen gospelig-souligen Chor, Gilliams elektrische Gitarre sowie den Keys von Ben Arnold.

Ben Arnolds angeraute Stimme hebt sich von denen seiner Mitstreiter ab. Sie gibt sowohl Balladen („Slow Dance”) als auch schnelleren Nummern („What You Mean To Me“) einen gewissen Touch. Besonders der erdige Roots Rocker „Tombstones & Tumbleweeds” profitiert von dem mitschwingenden Blues seiner Stimme. Dem herausstechenden Song folgt „See The Dream”, der zwar etwas weniger rockig angelegt ist, dafür aber eine wunderbar eingängige Melodie hat. Er stammt ebenso wie „Hard Headed Woman” von Scott Bricklin.

Nach dem eingangs erwähnten Titelsong kommt Tom Gilliam noch zweimal mit seinen Ideen zu Wort. Neben dem routinierten Midtempo-Rock „Fooling Around” performt der humorvolle Aktivposten der Live-Shows „Easy On My Soul” mit herrlichem Westcoast-Ambiente inklusive Slide-Passagen.

Die US Rails zeigen keine Ermüdungserscheinungen. Seit einer Dekade unterhalten sie auf Bühne und Tonträgern hervorragend. Ihrem Stil bleiben sie weiterhin treu, der etwas rockigere Einschlag von „Mile By Mile“ steht ihnen dabei gut zu Gesicht. Das Album ist insgesamt das stärkste des Quartetts. Die melodischen Songs passen atmosphärisch prima zu einem geselligen Sommerabend.

BlueRose Records (2020)
Stil: Rock, Americana/

Tracks:
01. Take You Home
02. Mile By Mile
03. Trash Truck
04. Water In The Well
05. What You Mean To Me
06. Hard Headed Woman
07. Easy On My Soul
08. Tombstones & Tumbleweeds
09. See The Dream
10. Fooling Around
11. Slow Dance

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BlueRose Records

Fried Goat – Rock N Roll Saves Lives – CD-Review

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Review: Michael Segets

Auf der Webseite von Fried Goat finden sich unter der Rubrik Education Infomaterial über Ziegen sowie einige Rezepte zu deren Zubereitung. Anscheinend verbirgt sich hinter dem Bandnamen eine weitergehende Leidenschaft, über die ich hier nicht spekulieren möchte. Tatsache ist, dass sich Westy Bowen (vocals, guitar), Brian Brittingham (drums), Brian Heinbaugh (vocals, guitar, madolin), Deke Wiggins (lead guitar, vocals) und Ruskin Yeargain (bass, vocals) als Fried Goat zusammengefunden und sich der Rockmusik verschrieben haben.

Dabei wildern sie in unterschiedlichen Stilrichtungen ohne sich auf eine festzulegen. Beim Roots Rocker „Make You Cry“ schwingt ein Hauch Southern Rock mit, ebenso bei „LA Moon“, das wie „Safe From Harm“ etwas poppiger angelegt ist. Anleihen beim Hardrock sind bei „Gumbo Knows“ und „Henry’s Glory“ auszumachen.

Assoziationen zu Neil Young wecken „Rest Again“ und „Rotten Structure“, letztgenanntes vor allem durch die Mundharmonika. Einflüsse der Kinks und des Britpops hört man bei „Circus K“ und „China Made Me“, das mit auffälligen Riffs und verzerrtem Gesang heraussticht. Runde, eingängige Nummern gelingen Fried Goat mit „Ground“ und dem starken „Leaving Ain’t Easy“, bei dem die Band wie bei einigen anderen Titeln auf mehrstimmigen Harmoniegesang setzt.

Mit dem Liebeslied „Anything“ und dem kurzen Intermezzo akustischer Gitarren „It’s Been A Good Run“ finden sich zwei ruhigere Titel auf der CD. Hervorzuheben sind „Face Tattoo Blues“, das auf interessante Weise mit dem Tempo spielt, und der Country-Song „Long Goodbye“. Einer Textzeile von ihm ist der Albumname entnommen. Klasse ist hier das Bar-Piano.

Highlight der Veröffentlichung stellt für mich die Cover-Version von „Light Of Day“ dar. Fried Goat machen aus dem krachenden Rocker, der von Bruce Springsteen stammt und den Joan Jett And The Blackhearts ursprünglich performten, eine intensive akustische Ballade. Sollten Springsteen oder Jett die Interpretation hören, würde sie ihnen gefallen, vermutet Deke Wiggins während der „Apartment Sessions“. Auf der Homepage und auf YouTube steht für eine begrenzte Zeit das gut einstündige Video über das aktuelle Album online, bei der die Bandmitglieder die einzelnen Songs kommentieren und einige Tracks anspielen.

„Rock N Roll Saves Lives“ ist der dritte Longplayer von Fried Goat, der mit 16 Tracks die Bezeichnung auch wirklich verdient. Die Band bedient sich bei unterschiedlichen Stilrichtungen des Rocks und hütet sich dabei vor Extremen. Die CD ist daher durchgängig gut hörbar. Wer musikalisch breiter aufgestellt ist, wird Freude an dem Album haben. Wer in seinem Geschmack etwas spezialisierter in Richtung Roots oder Southern Rock ist, wird zumindest eine Auswahl aus dem reichhaltigen Angebot treffen können.

Outhouse Vinyl/Two Side Moon (2019)
Stil: Rock

Tracks:
01. LA Moon
02. China Made Me
03. Anything
04. Rest Again
05. Rotten Structure
06. Long Goodbye
07. Make You Cry
08. Face Tattoo Blues
09. Leaving Ain’t Easy
10. Ground
11. Circus K
12. Gumbo Knows
13. Safe From Harm
14. It’s Been A Good Run
15. Henry’s Glory
16. Light Of Day

Fried Goat
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