
Review: Michael Segets
Anfang dieses Jahres hatte Paradiddle Records ein beachtenswertes Großprojekt auf die Beine gestellt. Auf der Doppel-CD fand sich eine große Riege im Raum New York ansässiger Musikerinnen und Musikern zusammen, um die Musik von Warren Zevon zu würdigen – unter ihnen Willie Nile, Pete Mancini und Kerry Kearney. The Lucky Ones steuerten eine erdige Version von „Johnny Strikes Up The Band“ zu dem Tribute bei. Nach diesem ersten positiven Eindruck von der Band gab es kein Zögern, als Mike Meehan, der Kopf der Lucky Ones, eine Review-Anfrage zu der aktuellen EP „Prodigals And Vagabonds“ stellte.
Auf der EP finden sich fünf live erprobte Eigenkompositionen. Das erste Stück handelt dann auch von dem Leben auf Tour. „Roadshow“ ist ein runder, unaufgeregter Americana-Song, der von Meehans angenehmer, angerauter Stimme getragen wird. Nach dem erfreulichen Auftakt folgt das Highlight: „Absalom“. Es beginnt mit akustischer Gitarre, eine elektrische Gitarre und Akkorden treten sukzessive hinzu, bevor das Schlagzeug einsetzt. Die ersten Töne von Meehans Gesang erzeugen beim ersten Hören schließlich einen dieser Gänsehautmomente, die sich nicht so oft einstellen.
Das Akkordeon untermalt das anschließende „All Things Great And Small“ stimmungsvoll. Der Song bietet ein schönes instrumentelles Intermezzo, bei dem Gitarrenklänge die Führung übernehmen. Mit der akzentuierten Rhythmusarbeit hebt sich der Titel von den anderen ab. Auch „Mercy Of The Storm“ hat seine eigene Atmosphäre. Der Song ist vom Aufbau sowie Instrumentalisierung makellos und punktet erneut mit dem Intro. Der getragene Gesang, dem der Background noch einen melodramatischen Touch mitgibt, nimmt mich allerdings nicht so mit. Der Gesamteindruck wird durch dieses Detail jedoch kaum geschmälert.
Meehan selbst ist zu Recht besonders stolz auf den poetischen Text des Abschlusstracks „Counting Every Mile“. Als Songwriter hat er nach eigener Aussage von Levon Helm profitiert, mit dem er 2003 auf Tour war. Seit der Bandgründung 2015 schauen The Lucky Ones auf einige EPs und Beiträge auf Compilations zurück. „Prodigals And Vagabonds” macht auf alle Fälle Lust, den Backkatalog zu sichten und mehr von ihnen zu hören.
Vor allem die ersten drei Tracks berühren das für Americana schlagende Herz. Die aktuelle EP von Mike Meehan und The Lucky Ones ist aber durchweg lohnenswert. Melodiöses und dynamisches Songwriting mit poetischen Lyrics, markante Lead Vocals sowie handgemachte Performance fließen zu einem stimmungsvollen Sound zusammen, den man hierzulande weiter westlich als New York verorten würde.
Paradiddle Records (2026)
Stil: Americana
Tracks:
01. Roadshow
02. Absalom
03- All Things Great And Small
04. Mercy Of The Storm
05. Counting Every Mile

