Little Caesar, 24.09.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbilder

Zum Abschluss der drei Konzerte in NRW (zuvor in Köln und Dortmund) rockten Little Caesar jetzt den Schlachtgarten in Krefeld. Bei sommerlich milden Temperaturen hatten etwa 100 Besucher den Weg in die fast schon heimelig wirkende Openair-Location gefunden.

An der Stimmung der Fans konnte man erkennen, dass keiner den Weg an diesem Abend bereut hatte. Neben dem furiosen Auftritt, wie bei den vorherigen Gigs, war diesmal auch das klangliche Erlebnis einwandfrei und die Instrumente waren klar differenziert herauszuhören und auch der Gesang konnte sich, wenn auch manchmal mit Mühe, gegen die Lautstärke der Drums und Gitarren behaupten.

Nun ist die Openair-Saison der Kulturrampe und des Schlachtgartens fast abgeschlossen und am nächsten Mittwoch werden Robert Jon & The Wreck die letzte Woche eines gelungenen Kultursommers in dieser feinen Location einläuten.

Line-up:
Ron Young (lead vocals)
Mark Tremalgia (electric guitar, vocals)
Pharoah Barrett (bass, vocals)
Brian Irving (drums)
Loren Moulinare (electric guitar, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Kulturrampe, Krefeld
Schlachtgarten, Krefeld

Little Caesar, 16.09.2021, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Nachdem vor zwei Wochen das Musiktheater Piano nach fast einem Jahr Coronapause wieder die Tore geöffnet hatte, waren am heutigen Sonntag die Los Angeles Hardrocker Little Caesar erstmals hier in Dortmund zu Gast. Das Setup war mit dem Gig auf dem Freideck der Kantine vom 14.09.21 vergleichbar und wurde im dazugehörigen Review schon besprochen.

Wenn man beide Konzerte nebeneinander stellt, zeigte sich, dass die Intensität in Dortmund um einiges größer war. Die Hauptgründe, bei vergleichbaren Zuschauerzahlen, waren vermutlich der klarer abgemischte und lautere druckvollere Sound, sowie, dass das Konzert unbestuhlt war. Zudem durften die Dortmunder Lokalmatadoren von Markk 13 die Wartezeit der Gäste verkürzen.

Was den Stammgästen mit Sicherheit aufgefallen ist, dass das Piano in der konzertfreien Phase nicht nur einen neuen Anstrich und überarbeitete Böden bekommen hat, sondern das ohnehin vorhandene Flair durch drei Kronleuchter im Konzertsaal noch einmal aufgehübscht wurde.

Ein klein wenig wird man durch die Leuchter an das Fillmore East erinnert, was durch die alten Konzertplakate der legendären Grateful Dead an den Wänden unterstützt wird.

Dem Musikfan sei angeraten in die Konzertankündigungen der nächsten Wochen zu schauen, das Schmuckkästchen wartet mit einigen Highlights auf. Am nächsten Samstag z. B. wird Thorbjørn Risager & The Black Tornado zu Gast sein. Was einen da erwarten wird, kann im morgigen Konzertbericht aus dem Schwarzen Adler nachgelesen werden.

Line-up:
Ron Young (lead vocals)
Mark Tremalgia (electric guitar, vocals)
Pharoah Barrett (bass, vocals)
Brian Irving (drums)
Loren Moulinare (electric guitar, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Musiktheater Piano Dortmund

Little Caesar, 14.09.2021, Open Air Bühne (Freideck), Kantine, Köln – Konzertbericht

Deutschland-Auftakt der Europa-Tournee von Little Caesar. Zum ersten Mal gab das Quintett um Bandleader Ron Young sein Stelldichein im Kölner Kantinen-Areal, sprich der dort anliegenden Open Air Bühne am sogenannten Freideck. Ich persönlich habe die Truppe aus Los Angeles bis jetzt zwar einige Male live gesehen, aber immer nur in der kleinen Krefelder Kulturrampe, die soundtechnisch aufgrund der Lautstärke dabei jedes mal so ziemlich an ihre Grenzen gebracht wurde. Deshalb war ich sehr gespannt, wie die Musik diesmal auf dem weitläufigen Gelände rüberkommen würde.

Der Wettergott kam der Bitte vom Klassiker ihres ersten Albums „I Wish It Would Rain“ nur eine knappe halbe Stunde vor Konzertbeginn auf der Hinfahrt von Rheinberg nach Köln nach, während des gut 90 Minuten währenden Gigs durfte man sich über trockene Verhältnisse bei sehr angenehmen Temperaturen freuen. Auch die gute Besucherzahl (Kantinenmacher Marcus Neu hatte da im Vorfeld etwas Bedenken) trug von daher zu besten Voraussetzungen bei.

Pünktlich um 19:30 Uhr betraten Ron Young, Mark Tremalgia, Pharao Barrett, Loren Moulinare und Brian Irving (der etatmäßige Drummer Tom Morris musste aus familiären Gründen passen) die große Bühne und legten mit „Drive It Home“, wie bei Little Caesar gewohnt, direkt einen ordentlichen Hard Rock-Drive vor.

Auch an diesem Abend zeigte sich, welch hohe Bedeutung das damals umjubelte Major-Debüt von 1990 und zugegebener Maßen immer noch beste Werk, für die Setlist der Band spielt. „Rock-N-Roll State Of Mind“, „Hard Times“, „Wrong Side Of The Tracks“, „Chain Of Fools“, besagtes „I Wish It Would Rain“, „Down-N-Dirty“ und „In Your Arms“ bildeten das starke Grundgerüst, um die Fangemeinde mit dem typischen Wechsel aus launig hart rockenden Nummern und den eingestreuten schmalzfreien Balladen, in beste Stimmung zu versetzen.

Highlights bis dahin sicherlich der Zwischenschrei von Ron Young beim Aretha Franklin-Cover „Chain Of Fools“, als Beweis für die immer noch starke Stimme des Bandleaders, an dem ein Joe Cocker sicherlich seine Freude gehabt hätte. Schön auch, als bei „Down-N-Dirty“ im Bridge die ja eigentlich vom Sänger gepachteten „Can’t you see, Can’t you see“-Zeilen von einem Zuschauer spontan übernommen wurden, was alle Anwesenden (inklusiv Band) sichtlich amüsierte und so zur lockeren Gesamtatmosphäre beitrug.

Young gab sich wie gewohnt kommunikativ (vielleicht schon etwas zu überdreht an diesem Abend), die Pfunde, die beim eh schon spindeldürren Wirbelwind Loren Moulinare (der wieder mit seiner durchgeknallten Mimik und Agilität ein absoluter Aktivposten) verlorengegangen zu sein schienen, hatten sich wohl bei Bassist Pharoah Barrett angesiedelt, der mit pumpenden Bassläufen, guten Harmoniegesängen und auch einem Leadvocal-Einsatz bei der zweiten Zugabe „Every Picture Tells A Story Happy“ mittlerweile eine gewichtige Rolle, nicht nur von der imposanten Statur her, im LC-Line-up einnimmt.

Mark Tremalgia spielte die meisten Soli auf seiner Les Paul (leider nicht immer transparent rauszuhören), Ersatz-Drummer Brian Irving fügte sich mit wuchtigem Spiel ganz flüssig ein, als wäre er schon immer dabei gewesen.

„Mama Tried“ vom momentan aktuellen Album „8“ finalisierte den Hauptteil, zwei Zugaben holte die mittlerweile stehende Audienz noch raus. Vor dem launigen „Vegas“ (klasse die Zeilen „Too stupid for New York, Too ugly for Hollywood) als erster Zugabe, ebenfalls auf „8“ vertreten, verteilte Ron wie gewohnt (siehe dazu auch unser Interview von 2016), Spitzen gegen das eigene Land, in dem er auf die immer noch weit verbreitete Bildungsarmut hinwies.

Hier führte er an, dass es in den Staaten ernsthaft sehr viele Menschen gibt, die New York für das Ende der Welt halten. Ok, wenn es statt geografisch, metaphorisch gemeint wäre, könnte man es auch als scharf skizzierte Ironie interpretieren (angesichts dessen, was diese Beton-Megastädten an Negativem um den ganzen Globus verbreiten), aber in der Tat scheint es sich wohl um ersteren Sachverhalt zu handeln…

Wie dem auch sei, der Little Caesar-Gig bot insgesamt 1 1/2 Stunden beste Hard Rock-Unterhaltung, wenn es jetzt noch gelingen würde, den Sound mal einwandfrei hinzukriegen, dann können sich alle, die die nächsten Stationen besuchen, auf eine tolle Show freuen.

Line-up:
Ron Young (lead vocals)
Mark Tremalgia (electric guitar, vocals)
Pharoah Barrett (bass, vocals)
Brian Irving (drums)
Loren Moulinare (electric guitar, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Kantine Köln

Super Vintage – Destiny – CD-Review

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Review: Michael Segets

Griechenland zählt nicht unbedingt zu den Hochburgen des Rock ‘n Roll. Dass dort aber nicht nur Sirtaki gespielt wird, beweisen Super Vintage, die mit „Destiny“ ein Hard Rock-Album produzierten, das sich vor den internationalen Größen nicht zu verstecken braucht.

Mastermind der Band ist Stavros Papadopoulos, der 2012 die Band Hush ‘N Rush gründete. Nach vier Veröffentlichungen in Eigenproduktion unterschrieb die Band drei Jahre später einen Vertrag bei Grooveyard Record und benannte sich in diesem Zuge in Super Vintage um. Neben einer Zusammenstellung aus dem Frühwerk liegen mit „Destiny“ nun drei weitere Alben der Band unter neuem Namen vor.

Songwriter, Sänger und Gitarrist Stavros Papadopuolos wird von Anbeginn der Band vom Gitarristen Panagiotis Zabourlis und vom Schlagzeuger Lazaros Simitsis begleitet. Seit 2016 ist Jim Moralis am Bass mit dabei.

Mit ihrem melodiösem Hard Rock liegen die Jungs von Super Vintage auf der gleichen Wellenlänge wie Little Caesar und auch die rauchige, leicht angekratzte Stimme von Papadopuolos weist Ähnlichkeiten mit der von Ron Young auf.

Bis zum abschließenden „Destiny“ lassen es die Hellenen mächtig rocken. Das akustisch gehaltenen Titelstück ist dabei mehr als die für Hard Rock-Scheiben quasi obligatorische Ballade. Es zeigt Super Vintage von einer filigraneren Seite, von der ich zukünftig gerne mehr hören würde.

Bei den anderen Tracks des Albums geht die Band straight drauflos. Super Vintage versteht es dabei, die Songs zu strukturieren und Melodien erkennbar zu halten. Dabei nutzen Stavros Papadopuolos und Panagiotis Zabourlis stets die Gelegenheit zu längeren Gitarrenintermezzi. Diese sind mir schon etwas zu viel, aber das mögen eingefleischte Genreliebhaber anders sehen.

Das Album wirkt sehr homogen. Das heißt, dass es auf der einen Seite keine Ausfälle gibt, die Songs sind durchweg gelungen. Auf der anderen Seite ist der Wiedererkennungswert der einzelnen Beiträge jedoch nicht besonders ausgeprägt.

„Streets Of This Town“ sticht durch den aggressiv gesungenen Refrain allerdings etwas hervor. Auch finden sich einige schöne Intros, wie auf „Down Home Tradition“, zu dessen Abschluss Lazaros Simitsis gehörig auf die Becken zimmert. Ebenso treibt der Schlagzeuger „The Road“ ordentlich an.

Für den Abschluss von „Southern Train“ hat sich die Band etwas einfallen lassen, ansonsten wirken die Fade Outs mancher Songs eher etwas lieblos. Anspieltipps wären vielleicht die erdigen „Brotherhood Of Blues“ und „Naked Tree“.

Super Vintage liefern gitarrenorientierten und melodiösen Rock der härteren Gangart ab. Dem durchgehend gut hörbaren Longplayer „Destiny“ fehlen die hervorragenden Highlights, die sich sofort einprägen. Dies kann sich bei mehrmaligem Hören noch ändern – eine Chance, die man den Griechen getrost geben kann.

Grooveyard Records (2018)
Stil: Hard Rock

Tracks:
01. Rock N‘ Roll Saviors
02. Brotherhood of Blues
03. Edge of Time
04. Naked Tree
05. Streets of This Town
06. Down Home Tradition
07. Everything You Wanted
08. Southern Train
09. The Road
10. Destiny

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Little Caesar, 23.05.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Nach den Delta Saints sorgte Little Caesar innerhalb von zehn Tagen wieder für eine frühzeitig ausverkaufte Kulturrampe. Die Band aus Los Angeles hat sich auf den letzten Touren durch Europa eine solide Fanbasis quer durch alle Altersgruppen erspielt. So freute sich Frontmann Ron Young, dass sehr viele Besucher an dem Abend mit Band-T-Shirt angereist waren.

Der jüngste Fan, der wohl gerade erst als Teenager durchgeht, wurde vom Bandleader standesgemäß mit der Ghetto-Faust begrüßt. Daneben konnten im Publikum sowohl mehrere jüngere Frauen als auch ältere Stammgäste der Rampe ausgemacht werden.

Aufgrund ihrer Auftritte in den vergangenen Jahren sind die Konzerte in Krefeld für Little Caesar fast schon Heimspiele. Mario Scholten kündigte die Band um 20.45 Uhr an und die legte dann richtig los. „Vegas“, „Rock-N-Roll State Of Mine“, „Hard Times“, „Sick And Tired” und „21 Again” wurden ohne Unterbrechung hintereinander weg gespielt. Die Rock-Kracher heizten unmittelbar die Stimmung auf und brachten die Leute in Wallung.

Nach dem rasanten Einstieg richtete Ron Young zur Einstimmung auf „In Your Arms“ einige Worte an den randvollen Saal. Die schöne Ballade wurde von einigen textsicheren Fans komplett mitgesungen. Das starke „Dirty Water“ folgte mit einem gehörigen Blues-Touch, den Youngs technisch verzerrte Stimme zum Einstieg in den Song verstärkte.

Danach ging es mit den von Chuck Berry und Johnny Thunders inspirierten Rock-N-Roll-Stücken „Stand Up“ und „Real Rock Drive“ druckvoll weiter. Dazwischen streute die Band ihren Klassiker „Down And Dirty“ ein. Young animierte die Besucher bei den Songs zum Klatschen und nicht wenige ließen ihre Haare kräftig fliegen oder legten sich mit der Luftgitarre ins Zeug.

Young zelebriert seine Bühnenauftritte und will gemeinsam mit dem Publikum einzigartige Momente erleben. Mit der Aufforderung, den Augenblick zu genießen, leitete der Bandleader die Ballade „Time Enough For That“ von der neuen Scheibe „Eight“ ein. Darauf folgte das obligatorische „Chain Of Fools“ mit mehrstimmigem Gesang. Mark Tremalgia steuerte hier ein ausgiebiges Gitarrensolo bei und wurde dafür frenetisch gefeiert.

Mit Country-Anleihen rockte anschließend „Mama Tried“ – mein Favorit des neuen Albums. Nach einem kurzen Exkurs über durchlebte Exzesse lieferten sich Loren Molinare und Mark Tremalgia ein mitreißendes Gitarrenduell bei „Rum And Coke“. Nach 75 Minuten endete mit „Drive It Home“ das Hauptset.

Der Applaus holte die Band für eine Viertelstunde zurück auf die Bühne. „Cajun Panther“, „Nobody Said“ und das Medley „Every Picture Tells A Story – Happy“ bildeten die Zugabe. Bei dem letztgenannten Titel übernahm Bassist Pharoah Barrett zeitweise die Lead Vocals. Der Hüne mit knallig rot gefärbtem Bart sorgte zusammen mit Tom Morris am Schlagzeugt für den Rhythmus. Mark Tremalgia glänzte bei einigen Gitarrensolos. Loren Molinare sorgte mit seinen Posen für Bewegung auf der Bühne.

Während Ron Young bei seinem letzten Besuch in Krefeld 2016 gesundheitlich angeschlagen war, präsentierte er sich nun wieder stimmlich in Topform und trug wie gewohnt Sonnenbrille und Schlägerkappe. Vielleicht erzählte Young während des Konzerts insgesamt weniger als bei den zuvor besuchten, aber er interagierte gewohnt charismatisch und mit seiner ihm eigenen Begeisterung packte er die Zuschauer auch diesmal.

Mit sieben Titeln ihres Debüt-Albums aus dem Jahr 1990 setzte Little Caesar auf bewährtes. Von dem aktuellen Longplayer wählte die Band die fünf richtigen Stücke aus. Lediglich „Good Times“ habe ich auf der Setlist vermisst. Live gespielt gefiel mir „Time Enough For That“ noch besser als auf der CD. Vielleicht lag das auch daran, dass die Ballade eine der Verschnaufpausen während des temporeichen und ziemlich lauten Auftritts darstellte.

Der gradlinige, ehrliche und erdige Rock-N-Roll von Little Caesar garantiert kurzweilige Konzerte. Teenage Head Music hat mit der Truppe eine klasse Band im Programm, die man mal auf der Bühne gesehen haben sollte.

Line-up:
Ron Young (lead vocals)
Mark Tremalgia (electric guitar, vocals)
Pharoah Barrett (bass, vocals)
Tom Morris Williams (drums)
Loren Moulinare (electric guitar, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Little Caesar – 8 – CD-Review

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Review: Michael Segets

In meinem CD-Regal steht das hoch gelobte Debütalbum aus dem Jahr 1990. Danach hatte ich Little Caesar lange Zeit aus den Augen verloren. Erst 2014 bekam ich sie anlässlich eines Konzerts in der Krefelder Kulturrampe wieder auf den Schirm. Auf der Bühne räsonierte Frontmann Ron Young darüber, dass der Band der ganz große Durchbruch verwehrt blieb, er aber damit zufrieden sei, dass er die Freiheit habe, seine Musik zu machen und sie vor Publikum zu spielen.

Die Karriere von Little Caesar verlief tatsächlich wechselhaft. Nach zwei bei Geffen herausgebrachten Longplayern löste sich die Truppe aus Los Angeles 1993 auf. Eine Reunion um die Jahrtausendwende war nur von kurzer Dauer. Erst 2009 folgte mit „Redemption“ ein neues Studioalbum. Nun liegt „Eight“ vor, dessen Titel sich wohl auf die Anzahl der Veröffentlichungen bezieht, wobei die beiden EPs der Band mitgezählt wurden.

Von den Gründungsmitgliedern sind noch Sänger Ron Young, Gitarrist Loren Molinare und Schlagzeuger Tom Morris übrig. Neu hinzugekommen sind Pharoah Barrett am Bass und Mark Tremalgia als zweiter Gitarrist. Musikalisch liegt die neue Scheibe wie gewohnt auf der Grenze zwischen kraftvollem Rock und melodiösem Hard Rock. Little Caesar machen keine Experimente, sondern konzentrieren sich auf das, was sie können.

Nach den ersten Takten des Anfangsstücks „21 Again“ wird die Pegel nochmal hochgeregelt. Ein deutliches Zeichen dafür, dass die Scheibe laut gehört werden will. In ordentlichem Tempo legen die Jungs los und halten das Tempo fast durchgängig bis zum Fade-out des zehnten Tracks. Der erdige Sound des Schlagzeugs, melodische Strophen, eingängiger Refrain und fulminanter Schluss machen „Mama Tried“ zum besten Song des Albums.

„Vegas“ hat einen Chorus, der auf Konzerten zum mitgrölen einlädt. Die Gitarrenriffs, einschließlich eines typischen Gitarrensolos, und die ausgiebigen Schläge auf das Becken weisen deutlich in Richtung Hard Rock. Das Gleiche gilt für „Good Times“, das mit Youngs kraftvollem Gesang das Zeug zu einer Live-Hymne hat. Zwischen den beiden Tracks reduziert Little Caesar die krachenden Elemente. „Crushed Velvet“ erinnert an ZZ Top, einschließlich des obligatorischen Gitarrenparts.

Nach der Hälfte des Albums nimmt sich Little Caesar dann doch noch Zeit für eine Ballade. „Time Enough For That“ wurde vorab ausgekoppelt und täuscht etwas über die rockige und temporeiche Anlage der CD hinweg. Gerade wenn sich die Band wie hier auf die Melodien konzentriert, ist sie aber besonders stark. Das zweite langsamere Stück „Morning“ entwickelt zwar nicht den Drive und die Intensität der Single, dennoch sorgt es für einen willkommenen Tempowechsel auf dem Longplayer.

Bei „Straight Shooter“ ist der Name nämlich Programm und auch „That´s Alright“ hat ordentlich Fahrt. In der zweiten Hälfte des Albums ragt „Another Fine Mess“ besonders heraus. Durch das Piano und den weiblichen Backgroundgesang erhält der harmonisch rockende Song eine Leichtigkeit, die ihn von den anderen unterscheidet.

Das Cover zieren ein Totenkopf mit Schläger-Keppi, dem Markenzeichen von Ron Young, eine schwarze Billard -Acht und zwei karierte Ziel-erreicht-Flaggen aus dem Motorsport. Die Symbolik verbreitet also Endzeitstimmung. Da der Schädel aber eine glühende und rauchende Zigarre zwischen den Zähnen hält, scheint noch nicht alles zu Ende zu sein.

Little Caesar gibt jedenfalls mit „Eight“ ein beeindruckendes Lebenszeichen von sich. Die Hälfte der Songs weiß zu begeistern, die andere Hälfte ist – wie ein guter Freund von mir gerne formuliert – völlig im Geltungsbereich. Die Band kommt im Mai und Juni für fünf Konzerte nach Deutschland. Mich freut, dass sie dabei auch der Kulturrampe in Krefeld die Treue hält.

Golden Robot Records (2018)
Stil: Hard Rock

01. 21 Again
02. Mama Tried
03. Vegas
04. Crushed Velvet
05. Good Times
06. Time Enough For That
07. Straight Shooter
08. Another Fine Mess
09. Morning
10. That’s Alright

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Little Caesar, 15.05.2016, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Novum im Sounds Of South: Die erste gemeinsame Arbeit mit meinem früheren Schulkollegen Gernot Mangold, der sich für die tollen Bilder verantwortlich zeigt, sowie das erste Live-Interview. Und zwar mit Ron Young, denn an diesem Abend hatten sich zum wiederholten Male, Little Caesar in der ausverkauften Krefelder Kulturrampe angesagt.

Ron hatte im Gespräch vor dem Gig bereits angedeutet, dass er gesundheitlich angeschlagen ist, biss aber bis zum Ende des Konzertes inkl. zweier Zugaben (u. a. „Thick & Tired“) auf die Zähne. Mit dabei hatte er und seine Truppe, die gerade veröffentlichte Live-CD „Brutally Honest: Live From Holland“.

Rollen wir aber das Feld von vorne auf. ‚Mr. Kulturrampe‘ Pille Peerlings hatte diesmal als nette Geste, den Part der Bandansage, an einen seiner Stammkunden, Mario Scholten, abgetreten, der sich in dieser als großer Fan der Kalifornier outete. Er besitzt ebenfalls wie Ron Young, auch einen Faible für reichhaltige Tattooverzierungen auf den Armen. Wenn man von der Seite nicht ganz so genau hinsah, hatte er mit seiner Schlägerkappe auf dem Kopf sogar ein wenig Ähnlichkeit mit ihm (wenn Ron sich einen etwas üppigeren Bartwuchs leisten würde).

Little Caesar, spielten im gewohnten 5er-Line-up – übrigens neben dem jetzt schon etablierten Basser Pharoah Barrett, mit dem neuem Gitarristen Alex Kane (Life, Sex& Death), der sich mit einigen quirligen Soli und schönen Posen sofort als belebendes Element erwies.

Was mir persönlich sehr zusagte, war der gute Sound. Bei den letzten Veranstaltungen von Little Caesar in der Rampe hatte man doch arg auf übertriebene Lautstärke gesetzt, was dieser kleinen Location einfach nicht zuträglich ist, und dann phasenweise in breiiges Getöse mündete. Diesmal passte es richtig gut.

Das Quintett eröffnete mit „God’s Creation“ von ihrer damaligen EP, bevor es dann mit ihrem brillanten Major-Debütalbum in die Geffen-Jahre ging. Ron Young vermerkte, dass es, auf den Tag genau, jetzt 26 Jahre her sind, seit dieses ‚Immer-Noch-Paradewerk‘ der Band, das Licht der Welt erblickte. Es folgte natürlich „Down’N’Dirty“.

Im weiteren Verlauf gab es eine bunte Mischung aus den bisherigen Longplayern. Stücke wie u. a. „Rock’N’Roll State Of Mind“, „Hard Times“, „Hard Rock Hell“, „Is Your Crazy, Gettin‘ Lazy?“ „American Dream“ und „Rum & Coke“ offerierten, was alle an Little Caesar schätzen: Launiger, gut abgehender Hard Rock, bei dem das Gespür für tolle Melodien trotzdem erhalten und erkennbar bleibt. Als Durchatmer dienten die balladesk-umwehten „I Wish It Would Rain“ und „Redemption“.

Gegen Ende merkte man Ron Young doch ein wenig die schwindenden Kräfte an und der – wieder agile – Spaßvogel und Irrwisch Loren Molinare entlaste ihn mit einigen Songansagen. Vermutlich auch ein Grund, warum ihr größter Hit „Chain Of Fools“ nicht gebracht wurde. Insgesamt ein sehr kurzweiliges, stimmungsvolles Little Caesar-Konzert bei voller Hütte inkl. begeisterter Zuschauer, das Spaß gemacht hat. Was will man mehr?

Danke an Gernot, Ron & Band, Pille und Teenage Head Music für die gewohnt reibungslose Abwicklung und Unterstützung.

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Kulturrampe Krefeld

Little Caesar – Same – CD-Review

Little Caesar machten 1987 erstmalig die musikalischen Bühnen um Los Angeles herum unsicher. Ein herrlich prollig wirkendes Quintett, bestehend aus Ron Young (Vocals), Apache (Guitar), Loren Molinare (Guitar), Fidel Paniagua (Bass) und Tom Morris (Drums), dem man sofort blindlings seine gesamten Ersparnisse anvertrauen würde. Ein Freudenfest für jeden Tattoo-, Biker- oder Bodybuilding-Studiobesitzer, ein Albtraum aller Schwiegermamas dieser Welt, sofern man nicht als Mutter von Amy Winehouse, Kate Moss, Pamela Anderson oder anderen durchgeknallten Sternchen dieser Art geboren wurde. Dem einstmaligen Türsteher Ron Young (wen wundert es?) brachte sein extravagantes Aussehen sogar eine kleine Rolle als Biker in „Terminator 2“ ein , wo er sich mit dem großen Arnold Schwarzenegger in die Haare geraten durfte.

Genug der Oberflächlichkeiten, kommen wir zum musikalischen Treiben der Band. Eine von Joe Hardy (ZZ Top) produzierte EP ebnete ihnen den Weg Anfang der neunziger Jahre zum damals angesagten Label von David Geffen, auf dem dann dieses Meisterwerk des Hard Rocks fabriziert wurde. Es beginnt mit einem kurzen, knackigen E-Gitarrenintro und wenn dann Ron Young mit den Worten »Well let your hair down honey, get your high heels on« und seinem rotzigen Organ bei „Down-N-Dirty“ einsteigt, ahnt man bereits, dass da was ganz Großes auf einen zurollt. Der Song zählt für mich mit zum Besten, was in diesem Genre meinen Wissenshorizont je erreicht hat.

Mit dem Aretha Franklin-Cover „Chain Of Fools“ gelang Little Caesar sogar der Sprung in die Billboard Top 100. Die Stärke der Truppe und auch des Albums war zweifelos die Vielseitigkeit, sowie das Glück, mit Ron Young einen außergewöhnlich charismatischen Sänger (mit einer grandiosen Stimme) zu besitzen, so dass man sich leicht tat, in Sachen Tempo und auch beim Einflechten anderer Musikstile variabel agieren zu können. Nein, Little Caesar bretterten nicht nur kompromisslos drauf los, es wurde bei allem pulsierenden Drive immer wieder auf Melodik, entspannte Midtempo- und dezent auch auf balladeske Momente Wert gelegt („In Your Arms“, „From The Start“,“Midtown“). Sogar bluesige („Cajun Panther“, „Wrong Side Of The Tracks“) und soulige („I Wish It Would Rain“) Elemente wurden harmonisch mit einer gewissen Grundhärte in Einklang gebracht. Selbst in der Southern Rock-Szene konnte man aufgrund der herrlichen Gitarrenarbeit punkten (sie tourten im Vorprogramm von Lynyrd Skynyrd).

Das Debüt wurde übrigens von keinem geringeren als Bob Rock produziert, der in dieser Zeit Bands wie u.a. Metallica, Mötley Crüe oder The Cult auf die Sprünge half. Das schleichende Ende des Quintetts begann mit dem Ausstieg von Gitarrist Apache und vor allem mit der Nichtakzeptanz Little Caesars bei der aufstrebenden MTV-Generation. Man legte zwar noch das Folgealbum „Influence“ nach, das zum Erstling aber trotz prominenter Verstärkung durch Earl Slick (John Lennon, David Bowie, Ian Hunter) schon dezente Abstriche machte. Die Band zerfiel nach einer Europa-Tournee (immerhin Headliner im berühmten Londoner Marquee-Club), Ron Young gründete mit Ex-Quiet Riot- und Whitesnake-Mitgliedern eine weitere potentielle Supergruppe, die aber bereits nach einem Werk ihre musikalischen Tätigkeiten wieder einstellte. Young sang dann danach noch in Bands wie Four Horsemen und Dirt.

Earl Slick hatte sich vorübergehend die Vermarktungsrechte von Little Caesar gesichert und brachte mit „This Time…It’s Different“ noch mal eine CD mit Outtakes, unveröffentlichten Songs und zwei Live-Tracks heraus, die man nur über ihn erwerben konnte und zu meinem teuersten, je gekauften Silberling (ca. 60 D-Mark) arrivierte. Mittlerweile sind Bestrebungen im Gang, Little Caesar im Original-Line-Up wieder aufleben zu lassen, da auch Apache grünes Licht für eine Rückkehr signalisiert hat. Ich bin gespannt, ob man es schafft, das Rad der Zeit noch mal zurückzudrehen und einen Geniestreich wie ihr Debüt zu wiederholen. Wie dem auch sei, Little Caesars Erstling bleibt in jedem Fall ein unsterbliches und unvergessenes Highlight in der Geschichte des Hard Rock-Genres!

Geffen Records (1990)
Stil: Hard Rock

01. Down-N-Dirty
02. Hard Times
03. Chain Of Fools
04. In Your Arms
05. From The Start
06. Rock-N-Roll State Of Mind
07. Drive It Home
08. Midtown
09. Cajun Panther
10. Wrong Side Of The Tracks?
11. I Wish It Would Rain
12. Little Queenie

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