The Haden Triplets – The Family Songbook – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

In der traditionsreichen US-amerikanischen Country-Music-Szene kann die enge Beziehung zu den familiären, musikalischen Wurzeln manchmal die Triebfeder sein, ein sehr persönliches und tiefgehendes Album zu veröffentlichen. The Haden Triplets, drei Schwestern – Petra, Rachel, Tanya Haden – haben nun als zweites, gemeinsames Projekt das Familien-Liederbuch sehr weit geöffnet und u.a. vier noch nicht erschienene Songs ihres Großvaters erstmals aufgenommen. Carl E. Haden, war in den 1950er Jahren eine anerkannte Country-Größe und populärer Radio-Performer.

Die Familientradition wurde danach über seinen Sohn, Charlie Haden, einem Jazz-Bassisten, an die nächste Haden-Generation weitergegeben, die in den vergangenen 30 Jahren meist auf getrennten Wegen in zahlreichen Rock- und Jazz-Produktionen mitwirkte.

Nach ihrem gleichnamigen Debut (2014), das vom Ausnahmegitarristen Ry Cooder produziert wurde und bei Jack Whites Third Man Records erschienen ist, konnten die Schwestern nun mit Woody Jackson erneut einen Vorzeigeproduzenten für sich gewinnen.

Das überwiegend vom traditionellen Old-Time-Country-Sound getragene Album, beginnt jedoch mit dem experimentell arrangierten „Wayfaring Stranger“ dessen zarte Melodie im Triplets-Harmonie-Gesang aufgeht. Die durchweg längeren Stücke (ab 3 Minuten aufwärts) leben wie auch beim Kanye West-Cover „Say You Will“ von der Leichtigkeit der Stimmen und den fast spärlich – leisen Begleitinstrumenten, deren Soundgefüge teilweise an die kanadische Band „Cowboy Junkies“ erinnert.

Fast schon außerhalb des Rahmens der leisen Töne bewegt sich „Memories Of Will Rogers“ mit starker Band-Unterstützung und E-Gitarre, traditionell und modern zugleich, prägt es als Eigenkomposition von Carl E. Haden den Stil des Longplayers auf seine eigene Art. Das ebenfalls bemerkenswerte, von Emmylou Harris im Original für den Coen-Brothers Film “Oh Brother Where Art Thou” geschriebene „Pretty Baby“, kommt im A capella-Gewand nahezu fünf Minuten ungeschminkt daher und begeistert nicht nur als altbekannter Klassiker.

Überhaupt wirken die einheitlich langsameren Songs besonders intensiv und ansteckend, so auch bei „Every Time I Try“, einem Stück aus dem Wim Wenders Film „The End Of Violance“, das von Josh Haden, einem Bruder der „Triplets“ geschrieben wurde. Als passender Abschluss-Song unterstreicht die feierliche Gospel-Hymne „I’ll Fly A Way“ nochmals den Anspruch der Haden-Sisters makellose Harmonien souverän zu performen.

Der insgesamt aus großartigen Einzelstücken sehr unterschiedlicher Autoren eindrucksvoll geschmiedete Longplayer wird durch die typischen Harmonie-Gesangspassagen der Haden Triplets in Form eines tatsächlichen „Family Songbook“ zeitlos „veredelt“. Damit hat das Album, sicherlich gute Chancen – über den persönlichen und nostalgischen Charakter der Aufnahmen hinaus – die Familien-Dynastie musikalisch erfolgreich weiterzuführen.

Trimeter Records (2020)
Stil: Country, Folk

Tracklist:
01. Wayfaring Stranger
02. Who Will You Love?
03. Say You Will
04. Ozark Moon
05. Flee As A Bird
06. Memories Of Will Rogers
07. Pretty Baby
08. Gray Mother Dreaming
09. Every Time I Try
10. Wildwood Flower
11. What Would You Give
12. I’ll Fly Away

The Haden Triplets
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Oktober Promotion

Christopher Paul Stelling – Best Of Luck – CD-Review

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Review: Michael Segets

Christopher Paul Stelling bezeichnet seine Musik als Folk und wehrt sich gegen die Einordnung in das Americana- oder irgendein Alternative-Genre. Dabei ist der Singer/Songwriter sicherlich kein Purist, der nicht über den musikalischen Tellerrand schaut.

Wie für einen Folksinger anzunehmen, dominiert die akustische Gitarre die meisten Beiträge auf „Best Of Luck“. „Made Up Your Mind“ ist so ein genretypischer Song, bei dem sich die Begleitung im Wesentlichen auf diese reduziert. Sein Können an den Saiten zeigt Stelling auch bei dem Instrumentalstück „Blue Bed“.

Das wohl in einem kreative Rutsch entstandene „Have To Do For Now“ und „Something To Return“ profitieren von der Rhythmusarbeit, für die sich Stelling Schlagzeuger Jimmy Paxon (Stevie Nicks, Dixie Chicks) und Mike Valerio (Randy Newman), der den Upright-Bass zupft, holte. Die Melodien von „Waiting Game“ und „Goodnight Sweet Dreams“ werden von Stellings Klavier getragen. Der zweitgenannte Titel hat ebenso wie „Lucky Stars“ etwas von einem Gutenachtlied. Julia Christgau singt hier im Background und Ben Harper steuert die Lap Steel bei.

An der Realisation des Longplayers hatte Harper großen Anteil. Er gab den Anstoß dafür, dass Stelling die Songs einspielte. Harper übernahm auch den Sitz auf dem Produzentenstuhl. Diesen abzugeben, war eine neue Erfahrung für Stelling, der seine vier bisherigen Alben selbst produzierte. Thematisch drehen sich die Lyrics auf „Best Of Luck“ um Vertrauen, um unabgeschlossene Episoden der Vergangenheit und den Aufbruch zu ungewissen Ufern.

Der überwiegende Teil der CD schlägt ruhige Töne an, wobei Stelling sanft seine ausgefeilten Texte singt. „Hear My Calling“ überrascht daher, wenn Stelling mit sich überschlagender Stimme losrockt und dabei die E-Gitarre auspackt. Ebenfalls einen raueren Klang legt er bei „Until I Die“ in seinen Gesang. Während hier Anleihen beim Blues zu hören sind, verweist „Trouble Don’t Follow Me“ auf den Gospel. Die drei unterschiedlichen Uptempo-Nummern sind rundum gelungen und die Songs des Albums, die im Gedächtnis bleiben.

Christopher Paul Stelling lotet auf „Best Of Luck“ die Grenzen des Folks aus. Die Kompositionen folgen genretypischen Mustern, wobei durch die dezente Variation der Instrumentierung keine Monotonie aufkommt, aber der letzte Funke springt bei manchen langsameren Titeln nicht so richtig rüber. Größeren Wiedererkennungswert als die Balladen haben die rockigeren Stücke, bei denen vor allem der Gesang mehr Ecken und Kanten offenbart und so stärkere Konturen entwickelt.

Durch seine ausgiebigen Tourneen in den letzten zehn Jahren schaut der Mann aus Florida, der mittlerweile in North Carolina lebt, auf reichlich Bühnenerfahrung zurück. Im Frühjahr und Herbst sind Auftritte in Deutschland angekündigt, bei denen sich zeigen wird, wie die Songs live wirken.

Anti-/Indigo (2020)
Stil: Folk, Folk Rock

Tracks:
01. Have To Do For Now
02. Lucky Stars
03. Trouble Don’t Follow Me
04. Until I Die
05. Made Up Your Mind
06. Blue Bed
07. Something To Return
08. Hear My Calling
09. Waiting Game
10. Goodnight Sweet Dreams

Christopher Paul Stelling
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Anti-/Indigo
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Pavlov’s Dog, 15.11.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Schon einige Wochen vor dem Auftritt vermeldete das Piano ein ausverkauftes Haus. Das mag zunächst erstaunlich sein, da die Band, die mit langer Unterbrechung seit knapp 46 Jahren besteht, nur wenige Alben auf den Markt geschmissen hat, die zunächst auch eher weniger beachtet wurden. Als einziges ständiges Mitglied ist auch nur noch der musikalische Kopf der Band, David Surkamp dabei, der aber wieder eine schlagkräftige Truppe um sich gesammelt hat.

Mit „Late November“ und „Fast Gun“ legte die Band direkt zwei Klassiker aus dem ersten Album „Pampered Menial“ aus dem Jahr 1975 vor. Surkamp zeigte sich dabei stimmlich auf der Höhe, wobei der Gesang nicht mehr ganz so hoch war wie vor über 40 Jahren, was der Qualität aber keinen Abbruch tat.

Zusammen mit David Malachowski, der erst im letzten Jahr zur Band stieß, wechselte er sich mit Rhythmus und Soloparts an den Gitarren ab, wobei Malachowski, der auch schon einige Jahre bei Savoy Brown gespielt hatte, oft in sich gekehrt auf der Bühne stand, um bei einigen Soli dann doch zu explodieren, während Surkamp gestenreich extrovertiert seinen Gesang untermalte. Bei einigen Stücken unterstützte Sara Surkamp, sonst meist für den Backgroundgesang oder Zweitstimme zuständig, zusätzlich an der Rythmusgitarre.

Eine tragende Rolle spielte auch Abbie Steiling, die zuweilen wie ein Teufel über die Saiten ihrer Geige fegte und zeigte, dass dieses Instrument auch im progressiven, zu Teilen folkigen Rock, als Stilmittel geeignet ist. Den Rhythmus und somit eine Basis der Musik legten der sich ständig in Bewegung befindliche Rick Steiling am Bass und der zuweilen stoisch wirkende Manfred Plötz an den Drums, die auf den Punkt ablieferten. Nicht zu vergessen, Mark Maher, der an den Keyboards oft einen psychedelischen Touch in den Sound brachte.

Nachdem der Start mit den zwei alten Songs geglückt war, präsentierte die Band mit „Shaking Me Down“, dem verträümten „Hurting Kind“ und „Winds Wild Early“ direkt drei Stücke vom aktuellen, 2018 erschienen Album „Prodigal Dreamer“, welche vom zu diesem Zeitpunkt schon begeistert mitgehenden Publikum, sehr gut angenommen wurden und sich stilistisch nahtlos am Altbekannten orientierten. Im weiteren Verlauf war der absolute Schwerpunkt auf Songs des ersten und des aktuellen Albums gelegt, welche fast vollständig durchgespielt wurden.

Aber auch einige Lieder des zweiten Werks „At The Sound Of The Bell“, wie „She Came Shining“ und „Standing Here With You“ fanden ihren Platz auf der Setliste, die immerhin 23 Stücke umfasste und in der sich altes, wir sprechen hier von Songs, die über 40 Jahre alt sind, mit aktuellem Material abwechselten. Schön war auch die Passage, als mit „Paris“, „Winter Blue“uns „Hard Times“ drei sehr melodiöse Songs vom aktuellen Longplayer aneinandergereiht waren und Surkamp in einem Übergang über seine Karriere als Musiker sprach.

Beim anschließenden hart performten „Canadian Rain“ ging dann so richtig die Post ab. Hier hatte die Rythmussektion mit einem minutenlangen Solo seinen großen Auftritt, wo Steiling seinen Bass nach allen Regeln der Kunst furios und posend bearbeitete und nur zu Recht vom Publikum begeistert mit Ovationen bedacht wurde.

Interessant war der Beginn von „Aria“, wo Plötz die Drums so ertönen ließ, wie Trommler in alten Zeiten Armeen begleiteten. Den Leadgesang übernahm zunächst Surkamps Frau Sara, um sich dann mit ihrem Gatten abzuwechseln.

Zum Ende der Show setzte Pavlov’s Dog dann wieder auf Tracks des ersten Albums „Pampered Menial“. Nach „Natchez Trace“ und „Episode“ ging es bei „Theme From Subway Sue“ noch einmal ordentlich zur Sache. Danach verließ das Septett unter Ovationen die Halle. Durch lautstarke Zugabeforderungen im Piano, welches sich in einen kleinen Hexenkessel verwandelt hatte, blieb der Band nichts anders übrig, als noch einmal die Bühne zu betreten.

Die beiden Zugaben hatten es dann noch einmal in sich und waren der absolute Höhepunkt des Konzertes. Das treibende fast hardrockende „Song Dance“ wurde gekrönt von einem phantastischen Solo, in dem sich Malachowski an der Gitarre und Steiling an der Geige sprichwörtlich die Bälle zuschmissen und auch Surkamp noch seinen Senf dazu gab. Den Abschluss machte dann das wohl bekannteste Stück der Band. Das melodische „Julia“, auch mit einem furiosen Gitarrengewitter im Mittelteil, war sozusagen der krönende Abschluss eines etwa zweistündigen Konzertes.

Dass es sich bei Pavlow’s Dog um eine Band handelt, in dem Surkamp zwar der Mastermind ist, zeigte sich noch einmal nach dem Konzert, als alle Bandmitglieder an einer schnell bereitgestellten Tischreihe im Konzertsaal Platz nahmen und geduldig Autogrammwünsche der zahlreichen Fans erfüllten.

Ganz nach dem Motto des Pavlow’schen Hundes haben Surkamp und seine Frauen und Mannen an dem Abend eine Glocke geläutet, die dafür sorgen wird, dass den Anwesenden das Wasser im Mund zusammenlaufen wird, wenn sie, wie angekündigt, auch im nächsten Jahr wiederkommen werden.

Line-up:
David Surkamp – Gitarre, Gesang
Sara Surkamp – Gitarre, Gesang
Abbie Steiling – Geige, Gesang
David Malachowski – Gitarre
Mark Maher – Keyboards
Rick Steiling – Bass
Manfred Plötz – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Willy Tea Taylor – 06.11.2019, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Bevor ich die Ankündigung auf der Homepage der Kulturrampe sah, war mir Willy Tea Taylor völlig unbekannt. Einmal wahrgenommen, lief mir der Name aber einige Male über den Weg. So zählt beispielsweise Leslie Stevens ihn zu ihren musikalischen Vorbildern und tatsächlich genießt der Singer/Songwriter in der Independent-Szene einen beachtlichen Ruf.

Der Mann mit dem roten Rauschebart bewies in der Kulturrampe, dass er wirklich nur eine Gitarre und seine Stimme braucht, um die Zuhörer mit feinen Melodien und poetischen, tiefgründigen Texten in seinen Bann zu ziehen.

Die Reihe von akustischen Konzerten in der Rampe, in der ich beispielsweise mit Charlie Parr einen exquisiten Songwriter und mit Bet Williams eine außerordentliche Sängerin erleben durfte, wurde dieses Jahr nur sporadisch fortgesetzt. Daher stand schon früh fest, dass ich mir Willy Tea Taylor nicht entgehen lassen wollte.

Die Rampe bietet natürlich auch den idealen Rahmen für die private und fast schon intime Atmosphäre solcher Konzerte. Die kam mit gut zwanzig zahlenden Gästen auch schnell auf, obwohl diesmal der Auftritt im Saal stattfand.

Die Bestuhlung der vorangegangenen „Komischen Nacht“ wurde passend für den Gig leicht verändert und so genoss Willy Tea Taylor den Charme der Location in vollen Zügen, was er mehrmals betonte. Zwar mit einer Setlist angetreten, wich er schnell von ihr ab und ließ sich treiben. Gegen Ende des Konzerts spielte er seine Songs souverän auf Zuruf aus dem Publikum.

Willy Tea Taylor feierte in der Kulturrampe die Halbzeit seiner zweimonatigen Europatournee. Er zeigte sich sehr gut aufgelegt und bewies zwischen den Titeln viel Humor. Die Songs wurden von ihm meist mit Anekdoten oder Erläuterungen eingeleitet. Er erklärte auch, dass er beim Singen die Augen schließt, um sich in die Lieder vollständig einzufühlen.

Dies sei eine Eigenart von ihm und hätte nichts mit Schüchternheit zu tun. Schwierigkeiten mit dem Publikum in Kontakt zu treten, hatte er tatsächlich nicht. Aufgeschlossen und kontaktfreudig lieferte Taylor einen kurzweiligen Auftritt, wobei er sich über seinen Slang selbstironisch lustig machte. Man konnte den ganzen Abend hindurch spüren, dass er sich wohlfühlte und das taten die Besucher ebenfalls.

In bester Storyteller-Tradition entführte Willy Tea Taylor in seine Welt. Seine Folk-Songs atmen die Landluft seiner Heimat, der kalifornischen Kleinstadt Oakdale, die von Viehzucht, Rodeos und Baseball geprägt ist.

Das Baseball-Spiel wird in einigen Songs in ein allegorisches Verhältnis zum Leben gesetzt, so bei „Knucklehead Prime“ – dem Titelsong seiner letzten CD – oder „Brand New Game“, das sich ebenfalls auf dieser Scheibe findet. Sensibel nimmt der Künstler seine Umgebung wahr und transformiert sie in nacherlebbare Texte.

Nett war gleichfalls die Geschichte, die er zu „Lullaby“ erzählte. Statt die aufgetragenen Farmarbeiten zu erledigen, komponierte er dieses Stück. Nachdem er seinem Arbeitgeber den Titel vorspielte, bekam Taylor die Hälfte des Tagelohns ausgezahlt – Kulturförderung mal anders.

Mit Latzhose und Strickmütze bekleidet nimmt man dem Singer/Songwriter seinen ländlichen Hintergrund vollständig ab. Seine Heimat- und Familienverbundenheit scheint in seinen Texten, beispielsweise bei den hervorragenden „California“ und „Wandering Boy“, immer wieder durch. Seine antike 4-String-Gitarre aus dem Jahr 1927 taufte er nach seiner Urgroßmutter Beverly.

Seinem Opa widmete er das neue Stück „Fighting Man“, mit dem er das zweite Set eröffnete. Ein starker Titel, der wohl auf der nächsten Veröffentlichung zu finden sein wird.

Neben weiteren neuen Stücken – „Waterlogged“, „The Nurse“, „Devils Taxonomy“ und dem kurzen, aber sehr witzigen „Instagram“ – berücksichtigte Taylor seine beiden Alben „4 Strings“ und „Knucklehead Prime“ ausgewogen. Von seiner EP „Damn Good Dog“, die er zusammen mit The River Arkansas einspielte, stammten „For Sam“ und „Lazy Third Eye“.

„Young When I Left Home“ sowie „Marshall Law“ finden sich ursprünglich auf einem Album seiner Americana-Band The Good Luck Thrift Store Outfit. Auch die Zuhörer, die sich nicht intensiv in sein Werk eingearbeitet hatten, erhielten so einen Überblick über Taylors musikalisches Schaffen.

Die erste Dreiviertelstunde war bereits außergewöhnlich stimmungsvoll, aber der zweite Teil des Konzerts übertraf – nicht nur mit der Länge von 70 Minuten – alle Erwartungen. „Wrong Way To Run“ erzeugte Gänsehaut. Die Intensität von „Molly Rose“ war unglaublich. Die Fingerfertigkeit, mit der Taylor die Saiten zupft, traut man ihm zunächst nicht zu. Beim Gesang und bei zwei Pfeifintermezzi traf er jeden Ton.

Leider hatte ich mit meinem Wunschtitel „Bones“ bereits mein Pulver verschossen, sonst hätte ich mir „The Very Best“ noch erhofft. Aber auch ohne diesen Song bleibt Taylors Auftritt als das Beste im Gedächtnis, was in Sachen Folkkonzert möglich ist. Rampenchef Markus Peerlings bezeichnete den Abend als magisch. Dem ist nichts hinzuzufügen. Willy Tea Taylor ist ein charismatischer Singer/Songwriter, der authentisch seine Musik lebt.

Er und auch die Rampe hätten mehr Besucher verdient gehabt. Aber dennoch war das Konzert nicht nur für die Zuhörer, sondern – wie ich glaube – ebenso für Willy Tea Taylor ein schönes Erlebnis. Zumindest in dieser Hinsicht kann die erste Kooperation zwischen der Kulturrampe und der Konzertagentur Rootstown Bookings als voller Erfolg verbucht werden, sodass auf eine weitere Zusammenarbeit gehofft werden darf.

Eine weitere Premiere ist, dass Carsten Wohlfeld die Fotos für einen SoS-Bericht beisteuert.

Line-Up:
Willy Tea Taylor (vocals, guitar)

Text: Michael Segets
Bilder: Carsten Wohlfeld

Willy Tea Taylor
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Kulturrampe Krefeld
Rootstown Bookings

The Highwomen – Same – CD-Review

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The Highwomen sind ein neu formiertes Quartett, bestehend aus den vier Singer-/Songwriterinnen Brandi Carlile, Maren Morris, Amanda Shires und Natalie Hemby.

Wer unser Magazin aufmerksam liest, dem sind diese Namen, auch wenn keiner davon in unserer Interpretenskala zu finden ist, im einen oder anderen Artikel sicherlich schon mal begegnet.

Unweigerlich erinnert man sich an die Country-Super-Combo The Highwaymen, mit den allerdings gestandenen und allseits bekannten Recken Johnny Cash, Willie Nelson, Waylon Jennings und Kris  Kristofferson, die Mitte der Achtziger bis Mitte der Neunziger, mal im Kollektiv ein paar Zusatz-Dollar zu generieren suchten.

Marren Morris ist die mit Abstand jüngste im Bunde, allerdings vielleicht nicht zuletzt durch ihre Auftritte hier bei uns, vermutlich die kommerziell erfolgreichste.

Brandi Carlile hat uns vor kurzem besonders durch ihre starke Mitwirkung bei Tanya Tuckers Comeback Album erfreut.

Die Texanerin Amanda Shires ist für ihr filigranes Fiddle-Spiel, Gesänge in Richtung Emmylou Harris-Dolly Parton und als Ehefrau von Jason Isbell vordergründig bekannt.

Natalie Hemby hat neben ihren eigenen Sachen mit und für so ziemlich alles was Rang und Namen in der New Country-Szene hat Stücke kreiertm wie zum Beispiel die Eli Young Band, Carrie Underwood, Little Big Town, Keith Urban, Toby Keith, Blake Shelton, nur um ein paar zu nennen.

Ihre musikalische DNA wird direkt im schönen, mit einer Mark Knopfler-mäßig E-Gitarre begleiteten Opener „Highwomen“ proklamiert: „We’re the Highwomen, we sing of stories still untold, we carry the sons you can only hold, we are the daughters of the silent generations, you send our hearts to die alone in foreign nations, and may return to us as tiny drops of rain, but we will still remain.”

Im weiteren Verlauf erhält man trotz Unterstützung prominenter Gäste wie Sheryl Crow (Backgroundgesang, Bass), Yola (Gesang, Backgroundgesang), Dave Cobb (akustische/elektrische Gitarre), Jason Isbell (akustische/elektrische Gitarre), Phil Hanseroth (Bass, Backgroundgesang), Tim Hanseroth (Gitarre, Backgroundgesang), Chris Powell (Drums) und Peter Levin (Piano und Keyboards), recht dezent instrumentierte, countryeske Stücke (ähnlich wie auf Tanya Tuckers Album), die auf die Entfaltung der unterschiedlichen Gesangstypen und der vielen Harmoniegesänge, sowie die niveau- und humorvollen Texte (herrlich u. a. „Redesigning Women“, “My Name Can’t Be Mama”) fokussiert ist.

Mein Favorit ist das von von Jason Isbell mit kreierte und von Maren Morris angeführte, mit entspannt surrendem Slide hinterlegte, dezent Southern-angehauchte „Old Souls“. Hier stimmt von der Instrumentierung (klasse Slide-Solo) bis zu den Gesängen (Stevie Nicks-/Fleetwood Mac-Touch) einfach alles. Tolle Nummer.

Wer Spaß an beschriebenem Liedgut hat, und vielleicht die eine oder andere Bildungslücke mit (überwiegend traditioneller) Countrypowerfrauenmusik schließen möchte, der liegt bei den den vier Highwomen mit Morris, Hemby, Carlile und Shires goldrichtig. Ein absolut gelungenes Werk. Daher kann die Empfehlung nur lauten: „Take the Highwomen!“

MCA Nashville (2019)
Stil: Country Rock

01. Highwomen
02. Redesigning Women
03. Loose Change
04. Crowded Table
05. My Name Can’t Be Mama
06. If She Ever Leaves Me
07. Old Soul
08. Don’t Call Me
09. My Only Child
10. Heaven Is A Honky Tonk
11. Cocktail And A Song
12. Wheels Of Laredo

The Highwomen
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Brian Cottrill – Through The Keyhole – CD-Review

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Review: Michael Segets

Brian Cottrill ist Gitarrist und Sänger bei The Grey Agents, einer Band gestandener Herren, die sich dem Rock der frühen Achtziger-Jahre verschrieben haben. Mit „Through The Keyhole“ verzichtet er auf seine Begleitmusiker und zieht als Singer/Songwriter – nur mit Gitarre und Mundharmonika bewaffnet – eine persönliche Bilanz seines musikalischen Schaffens der letzten 35 Jahre.

Die Werkschau reicht bis zu seinem Song „Lace“ zurück, den er als Teenager geschrieben hat. Neben eigens für die CD verfassten Stücken legt Cottrill mit „The Murder Farm“ einen Titel der Grey Agents in einer akustischen Version neu auf.

Als musikalische Inspirationsquellen nennt er Bob Dylan und Tom Petty, deren Einflüsse auch gelegentlich durchscheinen. So erinnert der Einstieg „Remember My Name“ durch die Mundharmonika und den bitterbösen Text an die Frühzeit Dylans. Bei der Struktur der meisten Lieder orientiert sich Cottrill jedoch weniger am Folk, sondern eher an Rocksongs. Mehrere Titel bewegen sich – für ein akustisches Album – in einem flotteren Tempobereich.

In seinen Texten wendet sich der Mann aus West Virginia alltäglichen Themen zu, die auch gerne im Heartland Rock aufgegriffen werden. Familienbeziehungen und -geschichten nehmen dabei einen wichtigen Platz ein. So ist das leicht süßliche „Erica“ seiner Tochter gewidmet.

Sehr einfühlsam zeichnet er mit „Sammie Lee“ eine schwere Lebensgeschichte nach, die durch die seiner Eltern inspiriert wurde. Der Song hat mit fast acht Minuten eine ungewöhnlich lange Spielzeit für eine akustische Ballade. Er vollbringt dabei das Kunststück nicht eintönig zu werden, was für Cottrills Qualität als Songwriter und Musiker spricht.

Textlich stark ist ebenfalls das gesanglich etwas experimentellere „The Uncertain Keyhole Jangle“. Für das Mitlesen stellt Cottrill die Lyrics aller Titel auf seiner Website zur Verfügung. Um gescheiterte Beziehungen drehen sich „Lost und Forgotten“, das stellenweise Assoziationen zu den Stones weckt, sowie „All I’ve Got Is You”, das neben dem Opener und dem dynamischen „When The Fire Comes“ zu den Highlights auf der Scheibe zählt.

Mit dem Bonus-Track „Gates Of Venus” ergänzt Brian Cottrill sein Album. Anders als auf den neun vorangegangenen Stücken beschränkt er sich hier bei der Instrumentalisierung nicht auf akustische Gitarre und Mundharmonika, sondern spielt elektrische Gitarre, Bass, Schlagzeug, Mandoline und Keyboard, womit er sich als wahrer Multiinstrumentalist erweist. Die Anfangsakkorde klingen nach Tom Petty und in dessen Stil setzt Cottrill einen rockigen Schlusspunkt unter sein Solo-Werk.

Das Solo-Projekt von Brian Cottrill vereint gute Rockrefrains mit der textlichen Tiefe des Folk. Im Gesamteindruck pendelt „Through The Keyhole“ damit zwischen akustischem Rock- und Folkalbum. Durch die Varianz von Tempo, Gesang und Atmosphäre umschifft Cottrill geschickt die Gefahr der Monotonie, der akustisch gehaltene Longplayer tendenziell ausgesetzt sind.

Eigenproduktion/Two Side Moon Promotion (2019)
Stil: Singer/Songwirter

Tracks:
01. Remember My Name
02. Erica
03. All I’ve Got Is You
04. Lace
05. The Murder Farm
06. Lost And Forgotten
07. When The Fire Comes
08. Uncertain Keyhole Jangle
09. Sammie Lee
10. Gates Of Venus (Bonus-Track)

Brian Cottrill
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Two Side Moon Promotion

Tyler Ramsey – For The Morning – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die Zerrissenheit zwischen dem ständigen Unterwegssein als Musiker und der Sehnsucht nach Ruhe und Beständigkeit im Kreis der Familie thematisiert Tyler Ramsey auf seinem dritten Album „For The Morning“. Diesen Konflikt verpackt er in sanfte, fast zarte Kompositionen.

Nach der Geburt seiner Tochter ist Ramsey als Gitarrist der Band Of Horses ausgestiegen und aufs Land gezogen. Dort verbringt der Naturliebhaber viel Zeit mit Wanderungen. Seine Songs eignen sich atmosphärisch sehr gut dazu, als unaufgeregte Begleiter Wälder zu durchstreifen. Der Klang des Albums wird durch akustische Gitarre, Klavier und vor allem dem Gesang von Ramsey geprägt. Die Stimme wirkt oftmals so, als wäre sie weiter entfernt oder würde hinter einem Schleier liegen, was durchaus einen außergewöhnlichen Reiz entwickelt.

Der Startpunkt „Your Whole Life“ motiviert dazu, Ramsey auf seinem Weg zu folgen. Er entführt in eine Sphäre voller Wehmut. Die Pedal Steel von Matt Smith trägt dazu ihren Teil bei. Der Auftakt stellt mit dem folgenden „A Dream Of Home“ bereits den Höhepunkt des Longplayers dar. Das zweite Stück erinnert bei manchen Passagen an Tom Petty und seine CD „Wallflowers“. Aber auch „White Coat“ – mit Geigenbegleitung durch Scott Moore – sowie „Breaking A Heart“ sind harmonische Americana-Nummern, die eine dichte Stimmung erzeugen.

Wie das bei langen Wanderungen schon mal so ist, fällt der Mittelteil etwas schwerer. Dadurch, dass die anschließenden Songs von Tempo und Stil keine große Varianz zu den vorangegangenen bieten, stellen sich bei mir leichte Ermüdungserscheinungen ein. Nach dem etwas dunkleren „The Bottom Of The Sea“ und dem instrumentalen „Darkest Cloud“ geht es mit „Firewood“ und „Cheap Summer Dress“ aber wieder bergauf. Auf beiden Stücken zeigt Ramsey seine Klasse als Songwriter. Er holt sich zudem Unterstützung von Joan Shelley für den Backgroundgesang, was durchaus ein Gewinn für die Arrangements ist.

„Evening Country“ kann als Variation von „Evening Kitchen“, das Ramsey für die Band Of Horses schrieb, aufgefasst werden. Bei dem Titel überrascht nicht, dass der Song einen leichten Country-Einschlag aufweist, für den Russ Pahl die Pedal Steel beisteuert. Mit „For The Morning“ neigt sich der Streifzug mit Ramsey dem Ende. Hier greift er nochmal das Grundthema seines Werks auf, das sich mit dem veränderten Lebensrhythmus auseinandersetzt, das ein junges Familienleben mit sich bringt.

Ramsey genießt es, eine Heimat gefunden zu haben. Dennoch erfordert es das Musikerleben, auf Tour zu gehen. Im Mai macht sich Tyler Ramsey für fünf Konzerte nach Europa auf. Das einzige Deutschlandkonzert findet im Berliner Silent Green statt.

Tyler Ramsey lässt den Hörer von „For The Morning“ in poetischen Texten und sorgfältig arrangierten Kompositionen an seiner Welt teilhaben. Einige hervorragende Titel tragen über gewisse Längen, die das Album im Mittelteil entwickelt, hinweg. Die Aussteuerung des Gesangs, der über und neben den Instrumenten schwebt, erzeugt eine eigene, melancholische Atmosphäre, in die es lohnt, für eine Zeit einzutauchen.

Fantasy Records / Universal Music (2019)
Stil: Americana

Tracks:
01. Your Whole Life
02. A Dream Of Home
03. White Coat
04. Breaking A Heart
05. The Bottom Of The Sea
06. Darkest Clouds
07. Firewood
08. Cheap Summer Dress
09. Evening Country
10. For The Morning

Tyler Ramsey
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Unisversal Music
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Todd Snider – Cash Cabin Sessions Vol. 3 – CD-Review

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Review: Michael Segets

Back to the roots! Nachdem Todd Snider den Entschluss gefasst hatte, sich auf seine Wurzeln zu besinnen und ein Folkalbum zu machen, hörte er sich die Aufnahmen von Woody Guthrie an und kehrte in das Cash-Cabin-Studio zurück, in dem er bereits 2015 mit Loretta Lynn einen Song aufgenommen hatte. Das Ergebnis präsentiert er nun mit „Cash Cabin Sessions Vol. 3“.

Die Nummerierung bietet Anlass für Spekulationen, bleibt aber erst mal ein Geheimnis, denn ein Vol. 1 oder Vol. 2 brachte Snider nicht heraus. Vielleicht deutet der Titel auf die Einreihung in die musikalische Tradition hin, in die er sein Werk stellt. Da sind einerseits die Einflüsse der Folkmusiker wie Woody Guthrie oder Leadbelly und andererseits die Inspiration durch Johnny Cash zu hören.

Letztgenanntem setzt er ein sehr poetisches Denkmal mit „The Ghost Of Johnny Cash“. Jack Henderson Clement, einem langjährigen Freund von Johnny Cash, gedenkt Snider bei „Cowboy Jack Clements Waltz“.

Mit gefühlvoller Gitarre und starker Stimme reflektiert Todd Snider auf „Working On A Song“ über das Songschreiben und ein wohl nie zu vollendendes Stück, an dem er seit 30 Jahren arbeitet. „Like A Force Of Nature“ ist ebenfalls ein persönlicher und äußerst gelungener Titel, bei dem Jason Isbell den Harmoniegesang übernimmt. Der Klang geht dabei in Richtung Hardpan oder Parsons Thibaud. Thematisch kreist der Song ebenso wie „Watering Flowers In The Rain“ um Freundschaft.

Ein Folkalbum lässt natürlich auch politische oder sozialkritische Töne erwarten. Dieser Erwartung entspricht Snider auf der Hälfte der Titel. Dabei zeigt Snider, dass er das Herz auf dem rechten Fleck hat. Sei es, wenn er einen unreflektierten Patriotismus anprangert, sei es, wenn er feststellt, dass es sich anscheinend nicht immer auszahlt, das Richtige zu tun. Nun melden sich also auch die Musiker, wie gerade erst Ryan Bingham, zur derzeitigen politisch-sozialen Situation in den USA vermehrt zu Wort. Aber die Intellektuellen sind sowieso nicht das Problem in den Staaten.

Eingängig sind „Just Like Overnight“ und das leicht nölig gesungene „Framed“. Sperrig hingegen wirken die mit Sprechgesang vorgetragenen „Talking Relity Television Blues“, „Timeless Response To Current Events“ und „The Blues On Banjo“. Zusammen mit den beiden kurzen Intermezzi „Dedication“ und „Explanation“ erscheint ein großer Teil der CD damit ziemlich sprechlastig.

Snider spielt alle Instrumente, d. h. vor allem akustische Gitarre und Mundharmonika, selbst. Das Werk ist stripped down und tritt damit konsequent in die Fußstapfen der Folksinger und -songwriter. Sieht man von den gesprochenen Bluesstücken ab, die zwar politisch korrekt sind, mich aber musikalisch nicht so mitnehmen, liefert Todd Snider mit „Cash Cabin Sessions Vol. 3“ ein Album mit soliden Folktiteln ab, unter denen der Opener „Working On A Song“, „Like A Force Of Nature“ und „The Ghost Of Johnny Cash“ hervorstechen.

Aimless Rec./Thirty Tigers/Alive (2019)
Stil: Folk

Tracks:
01. Working On A Song
02. Talking Reality Television Blues
03. Like A Force Of Nature
04. Just Like Overnight
05. The Blues On Banjo
06. Framed
07. The Ghost Of Johnny Cash
08. Dedication
09. Cowboy Jack Clements Waltz
10. Explanation
11. Watering Glowers In The Rain
12. A Timeless Response To Current Events

Todd Snider
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Tom Russell – October In The Railroad Earth – CD-Review

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Review: Michael Segets

Tom Russell ist ein künstlerisches Allround-Talent: Seine Bilder hängen in Museen und Galerien, er schreibt Bücher und veröffentlichte eine enorme Anzahl Alben. Überragende Charterfolge konnte Russell bislang zwar nicht verbuchen, aber seine Songs wurden von einigen Musikgrößen aufgenommen. Zu diesen zählen Johnny Cash, Doug Sahm, Nanci Griffith, Ian Tyson, Dave Alvin und Joe Ely.

Aufgewachsen in Los Angeles wechselte Russell mehrfach seinen Wohnort. Er lebte in Austin, New York, Europa und zurzeit in El Paso. Nach zwei wenig erfolgreichen Alben in Kooperation mit Patricia Hardin zu Beginn seiner Karriere zog er sich zeitweise aus dem Musikgeschäft zurück, bis ihn Robert Hunter in den 1980er-Jahren wieder dafür gewann, Songs herauszubringen. In diesen verarbeitet er u. a. literarische Einflüsse von Charles Bukowski und aktuell bei „October In The Railroad Earth” von Jack Kerouac.

Die Stimme von Tom Russell ähnelt stark der von Johnny Cash. Von diesem nimmt er „Wreck Of The Old 97“ auf sein Album. Die anderen Songs schrieb Russell selbst. Neben dem Cash-Titel sind mit „October In The Railroad Earth” und „When The Road Gets Rough“ zwei tendenziell schnellere Country-Nummer auf dem Werk vertreten, die sich auch auf den Scheiben der verstorbenen Legende hätten finden können.

Das rockige „Hand-Raised Wolverines” sticht auf der CD durch die gelungene Kombination von dynamischer Songstruktur, kraftvollem Gesang und Bill Kirchens Gitarrenarbeit hervor. Die meisten Stücke schlagen als countryfizierte Folkballaden ein gemäßigtes Tempo an. „Red Oak Texas“ und das fast gesprochene „Pass Me The Gun, Billy” sind gut hörbar, bleiben aber nicht so richtig im Gedächtnis. Ganz anders als „Small Engine Repair“, das bereits für den Soundtrack zum gleichnamigen Film (2007) geschrieben wurde und zu meinen Favoriten auf dem Album gehört.

Durch den Begleitgesang von Eliza Gilkyson gewinnen „Back Streets Of Love” und „Highway 46”, das eine Reminiszenz an die Bakersfielder Countryszene mit ihrem prominenten Vertreter Merle Haggard darstellt, eine hohe Intensität. Sehr stimmungsvoll ist auch „T-Bone Steak And Spanish Wine”, bei dem eine helle akustische Gitarre Russells tiefen Gesang untermalt. Zusammen mit der Band Los Texmaniacs drückt Russel „Isadore Gonzalez” – im Dreivierteltakt mit Akkordeon und viel Ay, Ay, Ay – einen gehörigen Tejano-Stempel auf.

Tom Russell gelingt mit „October In The Railroad Earth” ein ausgewogenes Album zwischen Country und Folk mit gewichtiger Stimme und ausgefeilten Texten. Musikalisch folgt es traditionellen Pfaden und punktet dabei mit eingängigen Melodien und harmonischen Arrangements.

Proper Records/H’Art (2019)
Stil: Folk, Country

Tracks:
01. October In The Railroad Earth
02. Small Engine Repair
03. T-Bone Steak And Spanish Wine
04. Isadore Gonzalez
05. Red Oak Texas
06. Back Streets Of Love
07. Hand-Raised Wolverines
08. Highway 46
09. Pass Me The Gun, Billy
10. When The Road Gets Rough
11. Wreck Of The Old 97

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Ryan Bingham – American Love Song – CD-Review

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Review: Michael Segets

Fünfzehn neue Stücke stellt Ryan Bingham auf „American Love Song“ vor. Persönliche Erfahrungen und gesellschaftskritische Stellungnahmen verpackt er in unterschiedliche Facetten der Roots-Music. So steht „Beautiful And Kind“ ganz in der Tradition der Folk-Sänger a la Pete Seeger oder Woody Guthrie. Dem Blues frönt er mit „Hot House“ und „Got Damn Blues“, das sich am Ende in Richtung Gospel entwickelt. Rockige Töne schlägt Bingham bei „Nothin‘ Holds Me Down“ und beim Rolling Stones infiltrierten „Pontiac“ an.

Die überwiegende Anzahl der Titel lässt sich dem weiten Feld des Americana zurechnen, wobei Bingham mit dessen Ingredienzien spielerisch umgeht. Auf „Lover Girl“ ist mal eine Steel Guitar zu hören, auf „Time For My Mind“ schlägt er einen Rhythmus an, der beinah an die Karibik erinnert. Mehrere Stücke werden von dem leidenden Gesang Binghams getragen. „Stones“ beginnt sanft, entwickelt aber eine Dynamik, die mitnimmt. Dagegen fällt das klagende und etwas überladene „Blue“ etwas ab.

Mit dem vorab herausgegebenen „Wolves“ hat Bingham alles richtig gemacht. Bei der akustisch gehaltenen Ballade kommt sein eindringlicher Gesang besonders gut zur Geltung. Ebenso vollständig überzeugt „What Would I’ve Become“, das er nicht weniger intensiv, aber mit mehr Drive spielt. Ein weiterer Favorit ist der rumplige Opener „Jingle And Go“ mit dominantem Bar-Piano, das für einen Umtrunk in einer lauten Kneipe bestens geeignet erscheint.

Deutliche Worte zur Lage der Nation findet Bingham auf „Situation Station“. Er setzt auf die verbindende Kraft der Musik und wendet sich gegen Aus- und Abgrenzung, die er in Amerikas Politik verstärkt wahrnimmt. Auch „America“ schlägt inhaltlich in eine ähnliche Kerbe. Sein ausdrucksstarker Gesang wird hier von einer gleichmäßigen, sanften akustischen Gitarre untermalt. Bingham gibt sich dabei mahnend, aber nicht resignativ. Der Song könnte auch von Bruce Springsteen geschrieben sein.

Zum Abschluss des Albums würdigt Bingham mit „Blues Lady“ die starken Frauen seines Landes. Dabei hat er seine verstorbene Mutter ebenso wie Janis Joplin oder Aretha Franklin vor Augen.

Zusammen mit dem Co-Produzenten Charlie Sexton (Bob Dylan, Arc Angels, Sue Foley) bewegt sich Bingham sicher in den Spielarten der Roots Musik. Er komponiert tolle Songs, bei dem Texte und Musik stimmen. Vielleicht halten einzelne Titel nicht ganz die hohe Qualität des insgesamt starken Albums, bei der Anzahl der Stücke fällt das aber kaum ins Gewicht.

Axster Bingham Records/Thirty Tigers/Alive (2019)
Stil: Americana and more

Tracks:
01. Jingle And Go
02. Nothin‘ Holds Me Down
03. Pontiac
04. Lover Girl
05. Beautiful And Kind
06. Situation Station
07. Got Damn Blues
08. Time For My Mind
09. What Would I’ve Become
10. Wolves
11. Blue
12. Hot House
13. Stones
14. America
15. Blues Lady

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