
Review: Michael Segets
Elizabeth Cook flog bislang unter meinem Radar. Die aus Florida stammende und in Nashville heimische Sängerin veröffentlichte bereits 2000 ihr erstes Album. Mehreren Folgealben gelang der Sprung in die US-Country-Charts, allerdings ohne dabei absolute Spitzenpositionen zu erreichen. Einige Nominierungen bei den American Music Awards und ein Preis als Outlaw-Sängerin bei den Ameripolitan Music Awards zählen zu ihren Erfolgen. In Musikerkreisen ist Cook etabliert, was ihre vielen Kollaborationen mit namhaften Kolleginnen und Kollegen zeigen. Sie arbeitete mit Rodney Crowell, Don Was, Carlene Carter, Buddy Miller oder Dwight Yoakam zusammen und stand mit Jason Isbell auf der Bühne. Shooter Jennings produzierte „Great Television“.
Einen Karrieresprung bescherten ihr Auftritte in der „Late Show“ von David Letterman. Diese reflektiert Cook heute kritisch im Hinblick auf die Bedeutung, die den Medien in der gegenwärtigen Welt zukommt. Sie schöpft die Inspiration zu ihren Texten aus Geschichten, die kaum mediale Präsenz erzeugen und daher nicht oder nicht mehr erzählt werden. Cook erinnert beispielsweise an ein Unglück, bei dem 1971 in einer Waffenfabrik zahlreiche farbige Frauen ums Leben kamen („Thiokol Tripwire“). Dabei betrachtet sie den sozialen Kontext des Unglücks differenziert und stellt die Bedeutung der Arbeit für die Unabhängigkeit und das Selbstwertgefühl der Frauen heraus.
Cooks Texte erzählen aber auch Geschichten, die einen Bezug zu persönlichen Erlebnissen oder Erfahrungen aufweisen. „The Easy Kind“ zählt dazu. Unter dem gleichen Titel ist kürzlich ein Spielfilm erschienen, der auf ihrer Biographie beruht. Die Lyrics des Longplayers überzeugen und der Aufbau der Songs mit ihrem konsequenten Wechsel zwischen Strophe und Refrain kommt mir ebenfalls sehr entgegen. Als Songwriterin mag Cook in eine Linie mit Mary Chapin Carpenter oder Patty Griffin gestellt werden. Sie hat aber eine größere Affinität zum Rock. Ihr neues Album bewegt sich daher zwischen Americana, modernem Country und Rock.
Unter den ruhigen Beiträgen („In Your Vains“, „Lightly“) sticht „Okeechobee Mud“ heraus. Mit der Single „Sunset Promenade“ gelingt ihr zudem ein wunderbar runder Song, der ins Ohr geht. Country-Fans kommen mit der Ballade „The Easy Kind“ oder dem flotteren „Girls Of Atomic City“ auf ihre Kosten. Die Stimme von Cook ist für dieses Genre wie gemacht. Bei „Razorwire Wall“ wird sie von Evan Felker am Mikro begleitet. Der als zweite Single ausgekoppelte Song bringt etwas Honky Tonk ins Spiel.
Ihre rockige Seite lebt Cook mit „Caldonia And The Love Convoy“ und „19th Nervous Breakdown” aus. Sie bietet hier Rock’n Roll vom Feinsten. Mein Favorit des Albums ist jedoch „Feverfew“. Der Song baut mit den melodiösen Strophen und dem vorwärtsgehenden Refrain einen Spannungsbogen auf, der mich begeistert. Bemerkenswert ist, dass statt dem quasi obligatorischen Gitarrensolo dort eine Orgel zum Zug kommt.
Das aktuelle Jahr hat bereits einige sehr gute Alben hervorgebracht. „Great Television“ gesellt sich zu diesen hinzu. Es hält einige hochkarätige Stücke bereit. Unter den Fittichen von Shooter Jennings legt Elizabeth Cook einen Longplayer vor, der Americana mit rockigem Einschlag und eine gelegentliche Prise Country verbindet.
Agent Love Records – Thirty Tigers/Open(2026)
Stil: Americana, Rock
Tracks:
01. Sunset Promenade
02. Girls Of Atomic City
03. Thiokol Tripwire
04. Okeechobee Mud
05. Razorwire Wall
06. The Easy Kind
07. Caldonia And The Lov Convoy
08. In Your Veins
09. 19th Nervous Breakdown
10. Feverfew
11. Lightly
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