Joseph Parsons – Digging For Rays – CD-Review

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Review: Michael Segets

Joseph Parsons erlebte ich 2013 im Essener Grend als Mitglied der US Rails. Mittlerweile ist Parsons aus der Truppe ausgestiegen, verfolgte aber mit Hardpan ein anderes Bandprojekt und war mit Todd Thibaud als Duo Parsons Thibaud unterwegs. Neben diesen Kollaborationen ist er auch solo sehr aktiv. Mit „Digging For Rays“ legt Joseph Parsons nun sein 13. Studioalbum vor, das er mit seiner bewährten Begleitband einspielte: Ross Bellenoit an der elektrischen Gitarre, Freddi Lubitz am Bass und Sven Hansen am Schlagzeug.

Dass Parsons schöne Melodien entwickeln und poetische Texte verfassen kann, stellt er auf seiner neuen CD erneut unter Beweis. Mit seiner markanten, weich und zugleich voll klingenden Stimme drückt er seinen Songs einen eigenen Stempel auf. Die Stimme von Parsons bringt beispielsweise auf „Sad Parade“, von seiner akustischen Gitarre begleitet, Emotionen unmittelbar rüber. Der pure Klang des Stücks macht es zu meinem Favoriten auf der Scheibe.

Als weitere langsamere Songs sind das sphärisch untermale „Long Road”, „Today“ – mit einem schönen Gitarrensolo – und „Piracy“ vertreten. Sie wirken harmonisch und melodiös. „Piracy“ kann live gespielt und weniger opulent arrangiert zu einem hervorragenden Teil von Parsons Repertoire werden. In der vorliegenden Version ist es mir einen Tick zu poppig geraten.

Gleiches gilt für einige andere Titel. Bei einzelnen Stellen von „Beautiful Lie“ kommt mir die englische Band Latin Quarter in den Sinn. Der Song ist eingängig, aber die Klangsphären vor allem am Ende des Stücks gehen schon stark in Richtung Pop. Bei „Come Around“ empfinde ich die gesprochene Passage störend. Der helle Soundteppich und der Klang des Schlagzeugs auf „Living Things“ liegen ebenfalls nicht auf meiner Linie.

Neben den kritischen Anmerkungen lässt sich aber auch positives verzeichnen: „Dreaming” beginnt mit akustischer Gitarre und entwickelt sich nicht zuletzt durch die einsetzende E-Gitarre zu einem spannenden Rocksong. Ein ähnliches Tempo, aber mit etwas dunklerer Atmosphäre, schlägt der Opener „Wide Awake“ an. Er hat von den Titeln des Albums den deutlichsten Wiedererkennungswert. Als Bonustrack gibt es das Stück in deutscher Sprache, mit der Parsons seine derzeitige Wahlheimat würdigt. Parsons‘ Akzent bei „Hellwach“ ist durchaus sympathisch. Seine Betonung erinnert mich an Herman van Veen.

Parsons „Digging For Rays“ ist nicht sein bestes, aber ein solides Album. Die Melodien und Songstrukturen sowie Parsons‘ Stimme bilden dessen Fundament, das bei einigen Songs durch die poppig geratenen Arrangements überlagert wird. Man darf gespannt sein, wie die Stücke live wirken, denn Parsons tourt wieder ausgiebig durch Deutschland, wobei er u. a. am 24. März im JZ Karo in Wesel Station macht.

Meer Music/Blue Rose Records/Soulfood (2018)
Stil: Rock, Pop

Tracks:
01. Wide Awake
02. Come Around
03. Living Things
04. Beautiful Lie
05. Today
06. Piracy
07. Sad Parade
08. Dreaming
09. Long Road
10. Hellwach (Bonus-Track)

Joseph Parsons
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Bluerose Records
Soulfood
Oktober Promotion
JZ Karo

US Rails – Support: Mark Olson – 11.03.2018, Wesel, Karo – Konzertbericht

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Wie bei fast jeder Tour der letzten Jahre, war auch 2018 das Jugendzentrum Karo wieder Veranstaltungsort für die US Rails.

Im Vergleich zum letzten Besuch der Truppe hatte sich einiges getan und die gesamten Bühnenwände waren mit schwarzen Theatervorhängen verkleidet, was ich zunächst als sehr positiv empfand. Allerdings hätte dann etwas mehr Beleuchtung gut getan, da die meist spärliche Bühnenausleuchtung so fast vollends geschluckt wurde. Dies war auch der einzige Makel, in einem ansonsten schönen Konzertabend, der mehr Zuschauer verdient gehabt hätte. Besonders hervorzuheben ist, dass es dem Soundmixer gelungen ist, einen wunderbar transparenten Klang in den Ort des Geschehens zu transportieren.

Zu Beginn spielte Mark Olson, bekannt von den Jayhawks zusammen mit Ingunn Ringvold einen etwa 50 minütigen Set, mit meist neuen Sachen und nur zwei alten Jayhawks-Songs, welche aber, in ein neues Gewand gesetzt, kaum als solche erkennbar waren. Besonders hervorzuheben ist die Vielfalt der von den beiden eingesetzten Instrumente, und der gelungene zweistimmige Gesang, der zum Teil als Kanon eingesetzt wurde

Ingunn Ringvold spielte bei einigen Songs auf einer armenische Harfe, Olson neben seiner Fender E-Gitarre einen Dulcimer, sodass sich ein keltischer, dezent psychedelischer Einschlag, durch den Act zog. Olson moderierte gut gelaunt und humorvoll durch die Stücke und das Publikum lauschte fast staunend den zum Teil unkonventionell eingesetzten Instrumenten.

Auch hier wäre mehr Licht schön gewesen, um die Handarbeit der Künstler besser beobachten zu können. Selbst Ringvold fragte nach etwas mehr Helligkeit, da sie zu wenig sehen würde. Nach einer frenetisch geforderten Zugabe zogen sich die beiden Protagonisten zurück, um den US Rails die Bühne zu übergeben, welche diese, nach einer angenehm kurzen Umbauphase, auch betraten.

Im Gepäck hatte die Band die neue CD „We Have All Been Here Before“, auf der Coversongs von ihnen favorisierter Bands in ein US Rails-Kostüm gesteckt wurden. Diese sorgten, bei dem einen oder anderen Zuhörer, sogar für etwas Wehmut. Unterstützt wurde das Quartett um Tom Gillam, Matt Muir an den Drums, Scott Bricklin (Gitarre und Keyboards) und Ben Arnold (Keyboards und Gitarre) von Cliff Hillis am Bass. Zudem wechselten sich alle vier im Lead-, mehrstimmigen und Background-Gesang ab, was durch die unterschiedlichen Tonlagen, jedem Song einen eigenständigen Charakter gab.

Zum Teil fühlte man sich an die Eagles mit deren Harmoniegesängen erinnert. Schön war, dass alle 4 Hauptprotagonisten gleichberechtigt ihre Anteile sowohl in der Anmoderation, wie auch als Hauptakteur der Songs hatten und so ein etwa zweistündiges, sehr abwechselungsreiches Konzert die Folge war.

Neben den eingestreuten Coversongs „Train in Vain“ von The Clash, „Second Hand News“ der legendären Fleetwood Mac (hier besonders hervorzuheben der mehrstimmige Harmoniegesang, der bewies, dass der Song auch ohne Stevie Nicks funktionieren kann) „Poor Poor Pitiful Me“ von Warren Zevon und „Running On Empty“ von Jackson Browne, spielte die Band eine bunte Mischung von Tracks aus den letzten 8 Jahren.

Besonders hervorzuheben sind dabei „Lucky Stars“ und „Rainwater“ vom 2010er-Album “US Rails”, “Colorado” und „Declaration“ vom 2016er-Werk “Ivy” sowie “Don’t Take Me Now” und der Raußschmeißer “Old Song On The Radio” von “Southern Canon”.

Den gelungenen Konzertabend rundete die Band ab, in dem alle Bandmitglieder sich die Zeit für Autogrammwünsche und Unterhaltungen mit den Fans nahmen. Gillam bat mich, die Fotos doch so auszuwählen, dass er darauf jung aussieht. Wenn man von der erfrischenden Musik auf das Alter der Musiker schließen sollte, hätte sich, meiner Ansicht nach, eine Bearbeitung über Photoshop eh erübrigt.

Wer auf authentische Westcoast-Musik mit inspirierten Akteuren steht, dem sei angeraten, zu schauen, ob die US Rails in der Nähe auftreten. So hat man mit einem Konzertbesuch die Gelegenheit,  sowohl die Liveclubs, als auch die Band zu unterstützen.

Line-up: Mark Olson
Mark Olson (lead vocals, guitars)
Ingunn Ringvold (lead vocals, harp, mellotron, percussion)

Line-up:
Tom Gillam (lead vocals, guitars, bgv)
Ben Arnold (lead vocals, keys, acoustic guitar, bgv)
Scott Bricklin (lead vocals, acoustic and electric guitar, keys, bgv)
Matt Muir (lead vocals, drums, bgv)
Cliff Hillis (bass)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Mark Olson
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Karo Wesel

US Rails – 30.10.2016, Wesel, Karo – Konzertbericht

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Nach der wunderbaren Einstimmung durch Water And Sand gaben nach fixer Umbaupause die musikalischen Schwergewichte der US Rails dann ihre beeindruckenden Westcoast-umwehten Roots Rock-Künste zum Besten. Die Band um Spaßvogel Tom Gillam, Scott Bricklin, Ben Arnold und Matt Muir hatte ja den, von nicht unerheblicher Dimension begleiteten Ausstieg von Joseph Parsons zu verkraften. Der wurde jedoch mit Jungspund Felix Beguin recht fließend über die Bühne gebracht und demnach angemessen kompensiert.

Auch die US Rails hatten mit „Ivy“ brandneues Liedgut am Start, das es im voll besetzten Weseler Kultclub einzuweihen galt. Los ging es jedoch mit dem allseits bekannten, von Ben Arnold besungenen flotten „Heartbreak Superstar“. Scott Bricklin (erinnerte vom Gesang ganz stark an Don Henley) war dann bei „Drag Me Down“ zur Stelle. Pfundskerl (in allen Belangen) Tom Gillam stieg mit dem Southern Soul Stück „Colorado“ an der Gesangsfront in den Set ein.

Nach Sachen wie „Lucky Man“ (Bricklin), „I’ve Got Dreams“ (Arnold), dem Stampfer „Everywhere I Go“ (Bricklin, Southern Twin-Solo) durfte dann auch Schlagzeuger Matt Muir, bei „Follow The Lights“ seine Multitasking-Fähigkeiten am Haupt-Mikro ins Licht stellen. Gillam übernahm wieder bei „He’s Still In Love“ (klasse Slide-Solo von ihm, HT-Piano-Einlagen von Arnold). Scott Bricklin führte anschließend durch den launig schunkelnden ‚Drinkin‘ Song‘ „Good Times“. Beim „Old Song On The Radio“ testete Tom zum ersten Mal die Mitsingbereitschaft seiner Audienz.

Für „You’re My Home“ wechselten Bricklin und Arnold die Instrumente, Erstgenannter beeindruckte mit Boogie-ähnlichen Klimper- sowie den typischen Hin- und Her-Streicheinlagen über die Tastatur. Muir war unter zu Hilfenahme von Pinsel Drums bei „Don’t Take Me Now“ wieder Gesangs-Leader. Nach „Heaven Right Now“ (Bricklin, schöne Twin-E-Gitarren-Passage) gab es bei „Way Of Love“ ein munteres ‚Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel‘. Bassist Beguin wechselte ans Piano, Bricklin streifte seinen Viersaiter über und Ben Arnold schulterte die Akustische und übernahm auch die Lead vocals. Er gefiel mir mit seiner rauchigen Stimme im vokalen Bereich am besten.

Scott Bricklin glänzte dafür als ‚Hans Dampf in allen Gassen, Matt Muir mit den erwähnten Multitasking-Fähigkeiten, der junge Beguin mit stetem Körpereinsatz (der schmale Bursche schwitzte dabei unter den ‚alten‘ Männern am meisten) und der schlitzohrige Gillam mit seiner charismatischen Aura und unzweifelhaften Entertainer-Qualitäten, sowie seinem E-Gitarren-Können. So hatte man wirklich nie das Gefühl, dass irgendein Akteur mehr im Vorder- oder Hintergrund stand. Tom war dann auch wieder bei „Declaration“ vom neuen Werk zur Stelle.

„Do What You Love“ diente sowohl zur Vorstellung der Band als auch mit seinem launigen Finish zum Abschluss des Hauptteils. Das klasse mitgehende Weseler Publikum ließ das Quintett natürlich nicht ohne weitere zusätzliche Tracks in den Feierabend. Mit dem Jackson Brown-Cover „Running On Empty“, dem herrlichen „Shine Your Light“ (furioses gospeliges Ende) und dem Mega-Ohrwurm „Lucky Stars“ (mein Favorit des Abends) legten die US Rails dann nochmal drei richtige Knaller nach, sodass wirklich keine Wünsche mehr offen blieben.

Auch der zweite Part dieses grandiosen Konzert-Pakets war eine Augen- und Ohrenweide. Die US Rails, die ich übrigens zum ersten Mal live gesehen habe, eroberten mein Southern-verwöhntes Musikherz sofort im Sturm. Genau meine Kragenweite. Auch Fotograf Gernot, für den die Band absolutes Neuland war, zeigte sich höchst beeindruckt, vor allem, was die herrlichen Satz-Gesänge anging. Danke an die Beteiligten für einen durchgehend tollen Abend und explizit auch an Karo-Leiter Mathias Schüller für die schnelle und unproblematische Akkreditierung.

Line-up:
Tom Gillam (lead vocals, guitars, bgv)
Ben Arnold (lead vocals, keys, acoustic guitar, bgv)
Scott Bricklin (lead vocals, acoustic and electric guitar, bass, bgv)
Matt Muir (lead vocals, drums, bgv)
Felix Beguin (bass, keys, bgv)

Bilder: Gernot Mangold
Video: Gudi Bodenstein
Text: Daniel Daus

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