Copper Smoke – It’s About Time – CD-Review

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Review: Michael Segets

Im deutschsprachigen Raum können sich in Sachen Roots Rock nur wenige Musiker mit den amerikanischen Referenzpunkten messen. Markus Rill, die Schweizer Reto Burrell und Hank Shizzoe kommen da spontan in den Sinn. Mit Copper Smoke meldet sich nun ein Quintett aus Würzburg zurück, das im letzten Jahr in Country-Kategorien beim Deutschen Rock und Pop Preis ausgezeichnet wurde.

Sporen verdiente sich Copper Smoke ebenfalls als Support für Micky & The Motorcars sowie für The Captain Legendary Band. Nach der EP „The Guns Are Loaded“ (2012) und dem Debüt-Album „Second Chance“ (2014) veröffentlicht die Band jetzt acht Eigenkompositionen auf „It’s About Time“.

Die Songs stammen aus der Feder des Frontmanns Frank Halbig. Einzig „Long Way Home“ hat Gitarrist Dieter Engelhardt komponiert. Der Opener stellt ein erstes Highlight des Albums dar und erinnert stellenweise an Todd Thibaud. Das Songmaterial folgt genretypischen Mustern, wobei die wiedererkennbaren Refrains positiv hervorzuheben sind.

Schön aufgemacht sind das Digipack und das Begleitheft, in dem sich die Texte finden. Bis auf zwei Ausnahmen drehen sich die Titel um Beziehungsthemen. Das Älterwerden greift „Little More Tired (Little Less Wild)“ auf. Wie auch auf anderen Songs sorgt hier die Orgel von Jobst T. Braun für einen vollen Sound. Sozialkritische Töne schlägt Copper Smoke bei „Bullets, Tanks And Guns“ an.

Der Grundtenor der CD bewegt sich in gemäßigt rockenden Gefilden. Dieter Engelhardt steuert sowohl bei den kraftvollen Tracks („What If“) als auch bei den sanfteren („Bright Lights“) filigrane Gitarrenpassagen bei. Stärkster Rocker ist die erste Single „The Devil Makes Me Think Of You“. Unter den langsameren Stücken sticht „Broken Dishes” hervor. Gelungen ist auch der twangige Ausflug in den Country bei „Adeline“.

Mehrstimmiger Backgroundgesang, an dem sich auch Horst Metz (Bass) und Christoph Amann (Schlagzeug) beteiligen, unterstützt Sänger Frank Halbig auf einigen Songs. Bei der Abmischung steht stets die Stimme des Frontmanns im Vordergrund, was mir gefällt. Die einzelnen Beiträge der gut gespielten Instrumente sind deutlich getrennt, was vielleicht an der einen oder anderen Stelle auf Kosten eines organischen Gesamtsounds bei den jeweiligen Stücken geht.

Insgesamt beweist Copper Smoke, dass Roots Rock keine nationalen Grenzen kennt. Mit „It’s About Time“ zeigen die Franken, dass auch aus Deutschland ernstzunehmende Genrebeiträge stammen können.

Eigenproduktion/Timezone Records (2019)
Stil: Roots Rock

Tracks:
01. Long Way Home
02. What If
03. Adeline
04. Brocken Dishes
05. The Devil Makes Me Think Of You
06. Bright Lights
07. Little More Tired (Little Less Wild)
08. Bullets, Tanks And Guns

Copper Smoke
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Timezone Records

Micky & The Motorcars – Long Time Comin’ – CD-Review

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Review: Michael Segets

Für „Long Time Comin‘“ haben sich Micky & The Motorcars fünf Jahre Zeit gelassen. Nach Einschätzung von Gary Braun, dem älteren Bruder von Frontmann Micky, ist das Album besonders gelungen und er hofft, dass man sich die Zeit nimmt, es ganz durchzuhören. Ich habe mir die Zeit genommen und es mehrfach durchlaufen lassen. Gary hat Recht: Die Scheibe ist richtig gut geworden.

„Long Time Comin‘“ klingt ganz nach Micky & The Motorcars, ist aber einen Tick interessanter als das vorangegangene Studioalbum „Hearts From Above“ (2014). Dies mag auch daran liegen, dass sich Gary Braun stärker am Songwriting beteiligte und auch häufiger die Lead Vocals übernimmt. Hat er bislang nur gelegentlich diese Aufgaben erfüllt und sich stattdessen hauptsächlich auf das Gitarrenspiel konzentriert, sind die Anteile zwischen den Brüdern nun ausgeglichen.

Auch bei der Bandbesetzung gab es eine Veränderung. Während Joe Fladger (Bass) und Bobby Paugh (Schlagzeug) weiterhin mit von der Partie sind, ersetzt Pablo Trujillo Dustin Schafer an der Gitarre. Darüber hinaus rekrutierte Produzent Keith Gattis für das Projekt einige Studiomusiker, mit denen er schon lange zusammenarbeitet.

In typischer Micky & The Motorcars-Manier eröffnet „Road To You“ den Longplayer rockig im oberen Midtempo. Danach folgt ein erstes Highlight. Das lockere „Rodeo Girl“, das Micky und Gary gemeinsam schrieben, überzeugt auf ganzer Linie mit trockenem Schlagzeug, eingängigem Refrain und kurzen Gitarrensoli. Einen ausgeprägten Rhythmus und coolen Refrain weist auch „Stranger Tonight“ auf. Das Stück mit herrlich knarziger Gitarrenpassage entwickelt allerdings eine etwas düsterere Atmosphäre und trifft damit genau meinen Geschmack.

Einen außergewöhnlichen Titel stellt „Lions Of Kandahar“ dar. Er entführt inhaltlich und klanglich in den Nahen Osten. Bei dem Anti-Kriegs-Song drängt sich ein Vergleich mit dem Altmeister Steve Earle nahezu auf. Aus der Ich-Perspektive wird der Abschied eines Soldaten von der Familie und die Ankunft in Afghanistan geschildert. Anders als zuletzt bei „The Tillman Song“ von Leslie Stevens diente jedoch keine konkrete Person als Vorlage.

Die langsameren Stücke sind durchweg stimmungsvoll. „Run Into You“ und „All Looks The Same“ begleitet eine Mundharmonika – beim ersten eher dezent, beim zweiten steht sie stärker im Vordergrund. „Hold This Town Together“ ist eine gefühlvolle, Slide-unterlegte Heartland-Ballade, die im Andenken an den verstorbenen Freund und ersten Bassisten der Band Mark McCoy verfasst wurde.

Insgesamt herrscht ein gemäßigt rockender Ton auf dem Longplayer vor, der mal entspannter („Alone Again Tonight“), mal treibender („Break My Heart“) ist. Bei „Thank My Mother’s God“ und „Long Time Comin‘“, das mit Klavierakkorden eine weitere Soundnuance einbringt, mischen sich Country-Elemente in den Roots Rock von Micky & The Motorcars.

Die Band hat schon seit ihrer ersten Veröffentlichung im Jahr 2003 gute Musik gemacht. Dabei gelangen ihnen zwar einige einprägsame Titel, oftmals war der direkte Wiedererkennungswert oder die Unterscheidbarkeit der einzelnen Songs aber weniger gegeben. Auf ihrer neuen Scheibe präsentieren sich Micky & The Motorcars deutlich variabler und die Einzelbeiträge gewinnen mehr Konturen. In Sachen Songwriting kann daher ein deutlicher Sprung nach vorne verzeichnet werden.

Nicht nur musikalisch, auch textlich hat die Band zugelegt. Das Spannungsfeld von Vertrautheit und Geborgenheit auf der einen Seite sowie die Sehnsucht nach neuen Erfahrungen und der Schmerz über erlittene Verletzungen auf der anderen Seite fangen die Verse poetisch ein.

Mit „Long Time Comin‘“ melden sich Micky & The Motorcars eindrucksvoll zurück. Gereift und souverän beweist die Band um Micky und Gary Braun, dass sie eine Institution in Sachen Roots Rock ist. Durch dieses Album treten sie endgültig aus dem Schatten von Reckless Kelly, der Band ihrer Brüder Cody und Willy.

Thirty Tigers (2019)
Stil: Roots Rock/

Tracks:
01. Road To You
02. Rodeo Girl
03. Alone Again Tonight
04. Lions Of Kandahar
05. All Looks The Same
06. Thank My Mothers’s God
07. Break My Heart
08. Run Into You
09. Stranger Tonight
10. Hold This Town Together
11. Long Time Comin’

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Thirty Tigers
Oktober Promotion

North Mississippi Allstars – Up And Rolling – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Zurück zu den musikalischen Wurzeln! Das scheint der Leitgedanke der North Mississippi Allstars auf ihrer neuen CD „Up And Rolling“ zu sein.

Was das Stöbern in alten Fotoalben doch so alles bewirken kann: Die Inspiration für die Aufnahmen kam den Dickinson-Brüdern durch Bilder des texanischen Fotografen Wyatt McSpadden der 1996 die Hill Country Blues-Szene in Mississippi dokumentierte. Die Songs auf dem 10. Studioalbum sind daher in erster Linie eine Würdigung und Anerkennung regional beachteter Künstler wie Otha Turner und Junior Kimbrough.

Die große Bedeutung der Einflüsse dieser Künstler durchströmt die Recordings der Band, die damit auch ihre eigene biographische Note ins Album einbringt. Das leicht desert-rockige aber vom Fife-And-Drum-Stil dominierte „Call That Gone“ ist ein außergewöhnlicher und exzentrischer Einstieg ins neue Album.

Der nicht nur Sound-technisch im Spill The Wine-Style produzierte Titel-Track „Up And Rolling“ ist ein auch textlich in Drogen-Bezügen verankerter Song und erinnert noch mal an die „Botschaft“ dieses Longplayers: „We love to play these hill country blues ‚til you satisfied“.

Der Staple Singers Vintage-Gospel-Track und unwiderstehliche Stomper „What You Gonna Do?“ auf dem sich Mavis Staples höchstpersönlich dazu gesellt, ist eine berauschende Version des Hits vom 1965er Album „Freedom Highway“. Die Dickinson-Brüder haben zudem weitere hochkarätige Gäste für den Longplayer versammelt.

Auf dem T-Bone Walker Track „Mean Old World“ überkommt sogar dem Americana-Rocker Jason Isbell der Blues und auch Duane Betts scheint sich fernab des Southern-Rocks pudelwohl zu fühlen, als sich der Song am Ende zu einem 6-minütigen Boogie-Jam entwickelt.

Aber auch der Roadhouse Blues “Out On The Road” unter Beteiligung von Cedric Burnside (Sohn von Blues-Legende R.L. Brunside), das dunkel gestimmte „Lonesome In My Home“, das funkige “Bump That Mother” sowie die sozial-kritischen Ausflüge auf “Living Free” zeigen die vielseitigen Song-Arrangements dieser in Bestform aufgelegten North Mississippi Allstars.

Kris Kristoffersen-Country und Garth Brooks-Tendenzen gibt es auf dem Gospel getränkten “Take My Hand, Precious Lord”, auf dem ebenfalls Cedric Burnside mitwirkt. Das letzte Stück „Otha‘s Bye Bye Baby“ ist eine nachträgliche Ehrerbietung an Otha Turner, das Luther Dickinson 1996 mit dem Blues-Veteranen aufgenommen hat und damit jetzt einen denkwürdigen Schlusspunkt unter das neue Album setzt.

„Up And Rolling“ von den North Mississippi Allstars ist ein facettenreicher Longplayer, der sich gegen den überbordenden Pop-Arrangement-Trend in der Blues- und Country-Musik wendet und voller herzhafter, biographischer Komponenten und Bezüge der Südstaaten-Band ist.

Luther und Cody Dickinson zeigen mit ihrer neuen Scheibe, dass man mit kreativen Ideen und herausragenden Songwriting-Skills heutzutage immer noch ein klassisches Blues-Country-Album in der Tradition ihrer Heimat produzieren kann.

New West Records (2019)
Stil: Blues-Rock, Roots-Rock, Country

Tracklist:
01. Call That Gone
02. Up And Rolling
03. What You Gonna Do? (feat. Mavis Staples)
04. Drunk Outdoors
05. Peaches
06. Mean Old World (feat. Jason Isbell and Duane Betts)
07. Out On The Road (feat. Cedric Burnside)
08. Lonesome In My Home
09. Bump That Music
10. Living Free
11. Take My Hand, Precious Lord (feat. Cedric Burnside)
12. Otha‘s Bye Bye Baby (feat. Otha Turner)

North Mississippi Allstars
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Oktober Promotion

Derek Davis – Resonator Blues – CD-Review

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Review: Michael Segets

„Babylon A.D.“ ist nicht nur der Titel eines mittelmäßigen Science-Fiction-Actionfilms mit Vin Diesel, sondern auch der Name einer Hardrock-Band, die sich vor dreißig Jahren formierte, in den neunziger Jahren einige Erfolge landete, sich zwischenzeitlich auflöste und wieder vereinigte.

Derek Davis, Frontmann und Songwriter der Combo, wandelt seit 2012 auf Solopfaden und bringt mit „Resonator Blues” sein drittes Album heraus.
Der Titel der CD umreißt deren Programm. Der spezielle, etwas metallische Klang von Resonatorgitarren – oft mit Bottleneck-Slide gespielt – prägt den Longplayer, bei dem Davis auf eine Mischung von Blues und Rock unterschiedlicher Richtungen setzt.

Ob Dobro, Telecaster, Cigar Box Gitarre oder Bass, Davis zupft nicht nur sämtliche Saiten, sondern klopft auch auf die Tasten der Keys. Für die Mundharmonika-Einlagen holte er sich Charlie Knight. Am Schlagzeug sitzt James Pacheco, ein Kollege von Babylon A.D.

Mit angerauter Stimme treibt Davis die schnelleren Stücke voran oder gibt den langsameren eine intensive Note. Wenn er eine kräftige Vibration in seinen Gesang legt, erinnert dieser stellenweise an Roger Chapman. In jedem Fall ergänzt die Klangfarbe der Stimme die erdigen Gitarren hervorragend.

Davis covert zwei klassische Bluesstücke: „Death Letter“ von Son House sowie „It Hurt’s Me Too“ von Elmore James, die er auf seine Art interpretiert und modernisiert. Die anderen Songs schrieb Davis selbst und greift dabei auf verschiedene stilistische Einflüsse der Roots Music zurück.

„Resonator Blues“ ist ein Bluesrocker, wie er im Buche steht. Am Rock ’n Roll der 50er und 60er Jahre orientieren sich „Sweet Cream Cadillac“ und „Red Hot Lover“. Hervorragend sind „Mississippi Mud“ und „Whiskey and Water“, bei denen Davis dem Southern Rock alle Ehre macht. Charlie Knight glänzt hier, wie auch auf anderen Stücken – beispielsweise bei „Prison Train“ – mit seiner Mundharmonika.

Davis schreibt gute Texte, mit denen er zum Teil eindrucksvolle Geschichten entwirft. So thematisiert er in dem Folk-Song „Penitentiary Bound“ ein trauriges Familienschicksal. Das Stück hebt sich von den anderen der Scheibe dadurch ab, dass es akustisch gehalten ist. Dynamik erhält es allein durch Davis‘ kraftvollen Gesang.

Mit stampfenden und klatschenden Hillbilly-Anflügen erzählt „Jesus Set Me Free“ von zwei Brüdern, die aufseiten der Konföderation im Amerikanischen Bürgerkrieg die Schrecken des Krieges erleben. Der treibende Titel ist mein Favorit der Scheibe.

Derek Davis kommt ursprünglich aus einer anderen musikalischen Ecke, legt mit „Resonator Blues“ aber ein beeindruckendes Roots-Rock-Album vor. Ähnlich wie unlängst Chris Shiflett scheinen die harten Jungs langsam erwachsen zu werden und sich mehr auf die Wurzeln des Rocks zu besinnen, ohne ihren Drive oder die Power zu verlieren.

„Resonator Blues“ ist das richtige Album, um im Cabrio über die Autobahn zu cruisen – da fehlt eigentlich nur noch das richtige Auto.

Southern Blood Records/Two Side Moon (2019)
Stil: Blues, Roots Rock

Tracks:
01. Resonator Blues
02. Sweet Cream Cadillac
03. Mississippi Mud
04. Penitentiary Bound
05. Jesus Set Me Free
06. Red Hot Lover
07. Death Letter
08. Whiskey and Water
09. Unconditional Love
10. It Hurts Me Too
11. Back in My Arms
12. Prison Train

Derek Davis
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Two Side Moon Promotion

Hollis Brown – Ozone Park – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Die Motive des Albumcovers sind schon eindeutige Hinweise dafür, in welche Richtung die musikalische Reise auf diesem Longplayer gehen könnte. Ein wohlklingender und bunter Stilmix aus US-Rocksounds der vielfältigen 60er und 70er erwartet einen hier. Das klingt nach überbordendem Retro-Charakter, ist jedoch ein heißer Anwärter auf eines der besten Alben des Jahres.

Dabei haben sich Hollis Brown auch bei ihrem Bandnamen von einem Song der 1960er Jahre inspirieren lassen; dem unverwüstlichen Folk-Track „The Ballad of Hollis Brown“ von Bob Dylan (1964). Die vier Bandmitglieder aus dem New Yorker Stadtbezirk Queens sind schon seit zehn Jahren in der Musikszene aktiv und verweisen nun mit dem Album „Ozone Park“ auf ihre urbanen Wurzeln und den gleichnamigen Stadtpark in ihrer Gegend.

Die bisherigen fünf Studioalben sind alle einfallsreiche „Kreationen“ – dies gilt auch für das komplexe Coverwerk „Gets Loaded“ von 2014, als sie nach einem Tribut Konzert zu Ehren von Lou Reed und Velvet Underground den LP-Klassiker „Loaded“ neu einspielten.

„Ozone Park“ beginnt abwechslungsreich mit ansteckenden Americana- und Indie-Folk-Passagen, die bei „She Don’t Love Me Now“ ihren Höhepunkt erreichen. Schon nach den ersten Tracks dürften Fans von Kurt Vile oder der schwedischen Aufsteiger-Combo Jetbone voll auf ihre Kosten kommen. Leichter Summer-Esprit im modernen Maroon 5-Gewand wird dann noch durch „Stubborn Man“ weiterverfolgt.

Es gibt viele kleine musikalische Elemente und Puzzlestücke, die das Album ausmachen und die man teilweise erst beim mehrfachen Hören entdeckt. Und obwohl die Heimat der bekennenden 60er und 70er-Jahrzehnte Musikfans die Ostküste der USA ist, so kann man doch auch vielfältige Eagles-California-Sound bzw. West Coast-Einflüsse aufspüren.

„Do Me Right“ erschafft eine erfrischende und zugleich melancholische Atmosphäre wie sie zuletzt z.B. The War On Drugs auf „A Deeper Understanding“ (2017) vollbringen konnten. Aus dem melodischen 80’s-tinged Gitarren-Rock geht es über zum psychedelisch austarierten Klangkunstwerk „After The Fire“, das in seinen knapp 90 Sekunden bestens dafür geeignet ist, um die ersten vier hervorragenden Stücke des Albums gehaltvoll auf sich wirken zu lassen.

„Forever In Me“ ist tiefsinnig gestaltet und „Someday Soon“ windet sich sehnsuchtsvoll in Wilco’scher Gelassenheit. „The Way She Does It“ ist in seiner harmonischen Ausstrahlung einfach grenzenlos ansteckend, wird aber ohrenbetäubend vom Garage-Rock-lastigen „Bad Mistakes“ im Black Keys-Stil abgelöst.

„Ozone Park“ von Hollis Brown“ ist eines der kreativsten und lebendigsten Alben 2019. Eine farbenfrohe Klangpallette aus 60’s-80’s Rock und spielfreudigen Elementen macht diese LP zu einer der großen Überraschungen in diesem Jahr. Und um es mit dem letzten Song der Scheibe auf den Punkt zu bringen: „Go For It“. Nimmt das Album in eure Sommer-Playlist auf!

Provogue (Mascot Label Group) (2019)
Stil: Americana, Roots-Rock, Alternative Rock

01. Blood From A Stone
02. Stubborn Man
03. She Don’t Love Me Now
04. Do Me Right
05. After The Fire
06. Fovever In Me
07. Someday Soon
08. The Way She Does It
09. Bad Mistakes
10. Go For It

Hollis Brown
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Daddy Long Legs – Lowdown Ways – CD-Review

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Review: Michael Segets

Nach The Suitcase Junket bin ich mit Daddy Long Legs wieder eher zufällig über einen Musiker gestolpert, der durch seinen eigenwilligen Sound hervorsticht und für Sounds-Of-South-Fans interessant sein könnte. Die Wurzeln von Daddy Long Legs liegen im Blues. Er nennt Howlin‘ Wolf, Leadbelly, Screamin‘ Jay Hawkins sowie Dr. Feelgood als Einflussgrößen. Vor diesem Hintergrund gibt Daddy Long Legs seinen Songs einen kräftigeren Schuss Rock und eine Note Country, Gospel oder Protopunk mit.

„Daddy Long Legs“ ist ein Roman von Jean Webster, der Anfang des 20. Jahrhunderts einigen Erfolg hatte und mehrere Adaptionen für Film und Bühne nach sich zog. Als Musical wurde er 1955 mit Fred Astaire verfilmt. Die Titelfigur ist ein unerkannt bleibender Wohltäter. Wenigstens hinsichtlich der Anonymität gibt es da Parallelen zum Musiker. Den Geburtsnamen des Leadsängers und virtuosen Blues-Harp-Spielers habe ich nämlich nicht herausgefunden. Bekannt sind hingegen die Namen seiner Begleiter. Murat Aktürk ist an den Gitarren und Josh Styles an Drums sowie Percussion aktiv.

Das in New York ansässige Trio veröffentlicht mit „Lowdown Ways“ bereits sein viertes Album. Es bleibt auf ihm seinem Sound, der durch die oftmals verzerrte Stimme des Frontmanns, die intensive Mundharmonika, schepperndes Schlagzeug sowie die knarzenden Gitarrenriffs geprägt wird, treu.

„Theme From Daddy Long Legs“ stimmt mit stampfendem Rhythmus auf den Longplayer ein. Die Anleihen beim Gospel scheinen hier bereits durch und werden später bei „Be Gone“ noch deutlicher. Nach dem Opener nimmt „Lowdown Ways“ Fahrt auf. Es folgen zwei rockige Stücke: das starke „Pink Lemonade” und das leicht countryfizierte „Ding Dong Dang“. Die Rhythmusarbeit auf beiden Tracks ist originell. Die erinnert bei „Mornin‘ Noon & Nite” anfänglich an John Lee Hookers „Boom Boom“ und treibt den Song ordentlich an. Das Schlagzeug von Josh Styles klingt dabei einfach prima.

Der Mittelteil des Albums erhöht das Tempo nochmals mit den beiden Boogies „Glad Rag Ball“ und „Winners Circle“. Das gradlinig countryrockende „Célaphine” lässt vor dem inneren Auge den Tanzsaal einer Landkirmes im mittleren Westen vorbeiziehen. Daddy Long Legs legt sich mit der Blues Harp kräftig ins Zeug. Anders als beim vorhergehenden „Bad Neighborhood” ist hier die Verzerrung der Stimme des Leadsängers zurückgenommen. Bei den meisten Stücken passen sich die Effekte, mit denen die Stimme verfremdet wird, sehr gut ein. Auf Dauer sind sie eventuell etwas viel, vor allem, wenn der Klang von oft gespieltem Vinyl imitiert wird.

Hörbar ist das gewollte Kratzen in den Höhen bei „Back Door Fool“. Der schön runde Country-Song bringt durch die akustische Gitarrenbegleitung ansonsten eine willkommene Abwechslung. Dass Daddy Long Legs auch ohne Technik eine gewisse Varianz in seine Stimme legen kann, beweist er auf dem bluesigen „Snagglepuss“. Der mit leichter Punk-Attitüde gespielte Country Rocker „Wrong Side Of The River” bildet den Abschluss des Albums und stellt noch vor „Pink Lemonade“ meinen Anspieltipp dar.

Der bluesinfiltrierte Roots Rock von Daddy Long Legs bewegt sich abseits des glattgebügelten Mainstreams und ist damit erfrischend anders. Knackige Songs, die etwas schräg mit den Traditionen umgehen, zeichnen Daddy Long Legs aus. Auf Dauer mögen die exzessiv eingesetzten Verzerrungen anstrengen, daher wird man „Lowdown Ways“ vielleicht nicht mehrfach hintereinander durchlaufen lassen, aber immer wieder mal auflegen.

Yep Roc Records/Red Eye Worldwide/H’Art (2019)
Stil: Blues, Roots Rock

Tracks:
01. Theme from Daddy Long Legs
02. Pink Lemonade
03. Ding Dong Dang
04. Mornin‘ Noon & Nite
05. Glad Rag Ball
06. Bad Neighborhood
07. Célaphine
08. Winners Circle
09. Back Door Fool
10. Snagglepuss
11. Be Gone
12. Wrong Side Of The River

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Yep Roc Records
Red Eye Worldwide
H’Art

Josh Ritter – Fever Breaks – CD-Review

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Review: Michael Segets

Seit zwanzig Jahren veröffentlicht der aus Idaho stammende Josh Ritter seine Musik. Hierzulande ist er weitgehend unbekannt, anders als in Irland, wo er Anfang der 2000er mit The Frames tourte und dort Chart-Platzierungen vorweisen konnte. Für sein zehntes Album holte er sich mit Jason Isbell prominente Unterstützung. Isbell brachte seine Band The 400 Unit mit, die Ritter auf „Fever Breaks“ begleitet.

Mit kräftigen Akkorden steigt Ritter bei „Ground Don’t Want Me“ ein. Das bärenstarke Stück vereint einen dynamischen Rhythmus mit einem harmonischen Refrain. „Old Black Magic” setzt direkt anschließend das nächste Ausrufezeichen. Die hervorragende Rhythmusarbeit von Chad Gamble und Jimbo Hart gepaart mit der energischen E-Gitarre von Sadler Vaden grooven und treiben den Song gehörig an.

Nach dem beeindruckenden Anfang schaltet Ritter erst einmal einen Gang runter. Erst bei dem scheppernden „Losing Battles” zeigt er sich erneut von seiner rockigen Seite. In der Mitte der CD findet sich „The Torch Committee“, das mit Sprechgesang und dem expressiven Geigenspiel von Amanda Shires eine dunkle Atmosphäre verströmt. Obwohl ich sonst kein Fan von durchgängigem Sprechgesang bin, fesselt der Song.

Die anderen Stücke sind von harmonischen Melodien geprägt, bei denen Ritters angenehme Stimme voll zur Geltung kommt. Dies gelingt ihm im mittleren Tempo mit dem von akustischer Gitarre getragenen „On The Water” und dem „All Some Kind Of Dream“. Hier verpackt Ritter einen hervorragenden Text mit sozialkritische Tönen in einen eingängigen, leicht countryfizierten Rhythmus.

„A New Man” erinnert an Jackson Browne, wobei dieser Eindruck möglicherweise durch das Klavierspiel von Derry Deborja hervorgerufen wird. Auffällig an diesem Song ist erneut die Geige von Amanda Shires. Die Lebensgefährtin von Jason Isbell untermalt mit ihrem Instrument ebenfalls das sanfte „Silverblade“. Auch die anderen Balladen „I Still Love You (Now And Then)” und „Blazing Highway Home” gehen ins Ohr.

Dabei sind sie durchaus unterschiedlich. Die eine hebt sich durch Akkordeon und mehrstimmigen Refrain ab, die andere beginnt als akustischer Folk und gewinnt durch die einsetzende Begleitung sowie dezenten Slide einen eigenen Charakter.

Josh Ritters „Fever Breaks“ ist ein abwechslungsreiches Album ohne Durchhänger geworden. Die Songs – sowohl in rockigeren Gefilden als auch im Americana-Bereich – überzeugen und erhalten durch Jason Isbell And The 400 Unit die letzten I-Tüpfelchen. Neben „American Love Song“ von Ryan Bingham gehört „Fever Breaks“ zu den Genre-Highlights des ersten Jahresdrittels und Josh Ritter schon jetzt zu den Entdeckungen des Jahres.

Phytheas Recordings/Rural Songs/Thirty Tigers(2019)
Stil: Roots Rock, Americana

Tracks:
01. Ground Don’t Want Me
02. Old Black Magic
03. On The Water
04. I Still Love You (Now And Then)
05. The Torch Committee
06. Silverblade
07. All Some Kind Of Dream
08. Losing Battles
09. A New Man
10. Blazing Highway Home

Josh Ritter
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

The Milestones – Beautiful Light – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die beiden Freunde Alex Wandres und Chris Metz aus Baltimore gründeten 2015 The Milestones. Mit dem Schlagzeuger John Love und dem Bassisten Jason Alford spielten sie nun „Beautiful Light“ in den Blackbird Studios, Nashville, ein. Auf ihrem Debütalbum, dem zwei EPs vorangegangen sind, orientiert sich die Band an einer härteren Gangart des Rocks.

Vor allem E-Gitarren, Schlagzeug und Gesangsstil bewegen sich auf „Beautiful Light“ in Richtung Hardrock. „Lonesome Train“, „Drivin‘ Back Home“ und „Sure I Want You“ erzeugen dem entsprechenden Druck. „Because Of You“ rockt kompromisslos und reicht an die Klasse von Little Caesar heran.

Highlight der CD ist nach meiner Einschätzung „Lay My Grave On The Mountain High“, bei dem etwas Soul und ein Southern-Akzent mitschwingt.
Mit vollem Sound performen The Milestones die gefällige Midtempo-Nummer „The Way To The Great Unknown“.

Einen auffälligen Rhythmus hat „True Love“, das damit einen höheren Wiedererkennungswert erhält. Auch auf diesem Stück lässt die Band die Gitarren kräftig kreischen.

Die quasi obligatorischen Balladen dürfen auf einem Rockalbum natürlich nicht fehlen. Durch die Aufnahme von „Madness & Delight“ sowie „Beautiful Light“ auf den Longplayer entsprechen The Milestones dem Klischee.

Interessanter ist „Signs Of Life“. Es beginnt mit akustischer Gitarre und entwickelt einige Spannungsbögen.

Der Klang des Songs ist etwas erdiger und hebt sich damit von dem der anderen ab. Dass The Milestones Potenzial haben, lässt der knapp einminütige Abschluss „Message From The Road“ erahnen. Auf Gesang und Mundharmonika reduziert, entsteht ein intensiver Moment, mit dem die Hörer entlassen werden.

So bleibt das Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre. „Beautiful Light“ bietet gut hörbaren Rock, die Einzeltitel setzen sich aber – mit wenigen Ausnahmen – kaum in den Gehörgängen fest. Dort, wo The Milestones etwas auf die üblichen Hardrock-Zutaten verzichten, gewinnen die Stücke an Kontur.

Das Songwriting ist durchaus vielversprechend. The Milestones könnten ihren Songs mit einem rootsigeren Sound ein deutlicheres Profil geben. Wie sich Alex Wandres und Chris Metz zukünftig zwischen Hard- und Rootsrock positionieren, bleibt abzuwarten. Man darf also gespannt sein, welchen Weg die junge Band zukünftig einschlägt.

Turenki Records (2019)
Stil: Rock

Tracks:
01. Lonesome Train
02. Drivin‘ Back Home
03. The Way To The Great Unknown
04. True Love
05. Madness & Delight
06. Because Of You
07. Lay My Grave On The Mountain High
08. Beautiful Light
09. Sure I Want You
10. Signs Of Life
11. Message From The Road

The Milestones
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The Trongone Band, 08.12.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Eigentlich war es ja erneut ein Wetter, um auf der Couch liegen zu bleiben. Da mit den Jungs von The Trongone Band aber ein äußerst verheißungsvoller New Southern Rock-Act erstmalig in unserer geliebten Kulturrampe in Krefeld vorstellig wurde, schwangen Gernot und ich natürlich unseren Hintern hoch. Da zählt das Engagement von Leuten wie KR-Chef Pille Peerlings und der Support von solch tollen Clubs einfach deutlich mehr, als manchmal die eigenen Befindlichkeiten.

Der durfte sich dann auch bei einem Erstauftritt von einer hier recht unbekannten Band über eine ziemlich gut gefüllte Location freuen (wenn ich mich recht erinnere, haben heutige Rampenfeger wie Hogjaw oder Robert Jon & The Wreck damals bei ihren Debüts vor deutlich weniger Zuschauern begonnen).

Ja, The Trongone Band. Ich glaube, dass es auch ein wenig mit mein Verdienst ist, dass diese Burschen in Europa zu sehen sind. Nach einem Geheim-Tipp meines Bekannten Harald Birkner hatte ich ihr Management um die Überlieferung ihres Erstlings „Keys To The House“ gebeten. Ich sehe mich heute noch bei der Verfassung meines überschwänglichen Reviews in unserem holländischen Urlaubsort Kamperland auf der Terrasse sitzen. Somit war ich vermutlich der erste, der etwas über das Virginia-Quartett in Deutschland publiziert hatte.

Nach der Fertigstellung folgte auf dem Fuße die Anfrage, ob ich Kontakte für Auftritte in Europa wüsste oder herstellen könnte. Da war es natürlich keine Sache, unsere Freunde und Experten auf diesem Gebiet, Teenage Head Music, ins Spiel zu bringen. Und siehe da, heute stehen sie unter der THM-Fahne auf den einschlägigen, dieser Musik gegenüber offenen Bühnen unseres Kontinents.

Da der Vierer um die beiden Trongone-Brüder Andrew und Johnny, sowie ihre Mitstreiter Ben ‚Wolfe‘ White und Chip Hale bis jetzt nur besagten Silberling und eine mit recht identischen Liedern bestückte Live-Scheibe im Portfolio zu bieten haben, war bereits mit dem Opener „Nothing To Lose“ klar, dass hier auch der Fokus liegen würde.

Gitarrist und Fronter Andrew Trongone und Keyboarder Ben ‚Wolfe‘ White hatten die Lead Vocals inne, die im ersten Abschnitt bei mir direkt vor der Bühne, wie auch der Gesamt-Sound (ziemlich Schlagzeug-lastig), teilweise etwas dumpf rüber kamen. Das besserte sich dann im  weiteren Verlauf aber zusehends.  Beide überzeugten vor allem bei ihren vielen Solo-Einlagen an ihren Instrumenten Telecaster, beziehungsweise Hammond-Orgel und E-Piano.

Chip Hale ließ seinen Tieftöner sehr filigran pumpen und hatte einen tollen einfühlsamen Groove, während sein Rhythmus-Partner Johnny Trongone viel Power erzeugte.

Als sich bei Andrew Trongone eine Gitarren-Saite in der Endphase bei „Straight To Hell“ in die Hölle verabschiedet hatte, trotzte dieser relativ beherrscht und abgeklärt der für ihn unangenehmen Situation und drehte dann mit Fünfen erst so richtig auf. Respekt dafür.

Erwähnenswert sind sicherlich auch die toll gespielten Cover-Versionen, wovon das grandios performte Dire Straits-Stück „Money For Nothing“ herausragte, aber auch der Little Feat-/Lowell George-Schwofer „Willin'“ und der fulminant gejammte „New Speedway Boogie“ (Grateful Dead) im Zugabenteil begeisterten.

Gefreut habe ich mich übrigens über die Anwesenheit meiner zur Zeit arg gebeutelten und wie so oft trinkfreudigen Rot-Weiß Essen-Freunde Happo & Co., die mit sachkundigen Kommentaren wie „Zugabe“ (schon nach dem vierten Lied „Anne Marie“), „ach, das spielen die auch?“ (nach undefinierbaren Anfangs-Akkorden eines Stückes) oder „ich muss Montag arbeiten“ (angesichts des sich immer weiter verlängernden Endabschnittes des Gigs),  ihrer ungezügelten Ruhrpottschnauze mal wieder freien Lauf ließen.

Im Anschluss an den Gig entpuppten sich die Trongone Band-Burschen vorne im Bluebird-Cafe als sehr nette, aufgeschlossene als auch sympathische Typen und kehrten für unser VIP-Logo-Bild nochmals auf die Bühne der Rampe zurück. Nach ihren nächsten Auftritten in den Niederlanden, Frankreich und Spanien können sie Weihnachten mit stolzer Brust von ihrer ersten Europa-Tournee in die Staaten zurückkehren. Wiedersehen ganz  klar erwünscht!

Line-up:
Andrew Trongone (lead vocals, electric guitar)
Ben White (keys, lead vocals)
Chip Hale (bass, vocals)
Johnny Trongone (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

The Trongone Band
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Ryan Peters – Songs For Old Souls – CD-Review

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Review: Michael Segets

Ryan Peters stammt aus dem Norden Michigans und lebt dort derzeit auch. Viel mehr Informationen konnte ich über den Mann, der mit „Songs For Old Souls“ sein Debüt veröffentlicht, im Netz nicht finden. Auf seiner facebook-Seite nennt er einige Hausnummern als musikalische Orientierung: Hank Williams, Johnny Cash, Waylon Jennings, Willie Nelson aus der Country-Sparte, Lynyrd Skynrd, The Band und jüngere Musiker wie Jason Isbell und Chris Stapleton. Deren Einflüsse klingen an der einen oder anderen Stelle des Albums auch an, ohne dass ich direkte Parallelen ziehen würde.

Wie das mit den Vergleichen auch sei: „Songs For Old Souls“ klingt angenehm vertraut und hält einige Highlights parat. Mein Favorit ist der Opener „Gotta Go“. Der kraftvolle Roots Rock mit einprägsamen Refrain überzeugt auf der ganzen Linie. Stark ist auch der Country-Rocker „Let Me Down Easy”. Unter den langsameren Titeln sticht „Nobody’s Dime“ mit einem tollen Southern-Flavour hervor, aber auch „Lighthouse“ weis mit seinem trocken stampfenden Rhythmus und gelungenem Gitarrensolo zu gefallen.

Die leicht angeraute Stimme von Ryan Peters ist vielleicht nicht unverwechselbar markant, aber sie passt prima zu den Songs der CD, die eine gelungene Mischung aus Balladen und schnelleren Midtempo-Stücken bietet. Das Pendel schlägt meist in Richtung Roots- oder Country-Rock aus, wobei Peters die Titel durchaus unterschiedlich arrangiert.

Nicht zuletzt durch den ausgiebigen Einsatz der Mundharmonika erhält „Railroad Village Blues”, bei dem Peters das Kleinstadtleben besingt, einen Country-Einschlag. Dieser kommt vor allem bei „Damned If I Don’t“ vollends zur Geltung. Dieser Song wird ebenso wie die insgesamt akustisch gehaltene Ballade „If He Got To Heaven” mit gehörig Slide untermalt.

„Living Too Fast” hat schöne Klavierpassagen und entwickelt wie auch „Before It Was Gone“ viel Drive, an dem der Gesang von Peters einen großen Anteil hat. In der zweiten Hälfte des Albums finden sich mit „Stab In The Dark“, „The Best Of Me“ und „Take Me Back“ noch drei solide, rockigere Titel, die sich mal durch melodiöse Gitarrenläufe, mal durch härtere Riffs auszeichnen.

Mit „Songs For Old Souls“ legt Ryan Peters ein vielversprechendes Debüt vor, das bodenständig und ehrlich klingt. Nach einem fulminanten ersten Teil finden sich im zweiten etwas schwächere Stücke, die aber immer noch gut hörbar sind. Einzelne Titel – wie „Gotta Go“ – begeistern vollständig, sodass man gespannt sein darf, was man zukünftig von dem Mann aus dem Great Lakes State hört.

Homestead Productions (2018)
Stil: Roots Rock / Country Rock

Tracks:
01. Gotta Go
02. Lighthouse
03. Railroad Village Blues
04. Let Me Down Easy
05. Nobody’s Dime
06. Living Too Fast
07. Before It Was Gone
08. Damned If I Don’t
09. Stab In The Dark
10. If He Got To Heaven
11. The Best Of Me
12. Take Me Back

Ryan Peters bei Facebook