Fischer-Z, Support: Brigitte Handley – 21.10.2017, Kantine, Köln – Konzertbericht

Fischer-Haupt

Dass Fischer-Z in unserem Magazin auftaucht, ist zwei Dingen geschuldet: Zum einen ist es auch eine Band, mit der Gernot und ich zu unseren Jugendzeiten mit Songs wie u. a. „Cruise Missiles“ oder „Berlin“, in unserem damaligen Rheinberger Treff, einer legendären Rock-Kneipe/Disco, immer wieder konfrontiert wurden. Und ich besitze tatsächlich sogar eine LP von ihnen, weiß aber bis heute, ehrlich gesagt, nicht, wie die in meinen Besitz gelangt ist (hat wahrscheinlich mal jemand bei mir liegen gelassen).

Desweiteren hatte sich Gernot, als alter Nostalgiker, den Gig gewünscht, und in Anerkennung seiner sich immer stärker entwickelnden Fotografiekünste (wurde an diesem Abend durch suboptimale Lichtverhältnisse arg gefordert) und auch seines unermesslichen Einsatzes fürs SoS, wollte ich mich natürlich dann auch gerne erkenntlich zeigen, selbst wenn britische Musik meist nur in gewissen Ausnahmefällen (eher der rockigeren Sorte wie Bad Company, Thin Lizzy, FM, Whitesnake, Ben Poole, King King, Grainne Duffy & Co.) zu meinen persönlichen Präferenzen zählt.

Mit dem Support, der Australierin Brigitte Handley (Brigitte Handley & The Dark Shadows), die solo, nur mit einer meist schrammelig gespielten E-Gitarre performte, wurde mein Nervenkostüm zunächst unter eine sehr harte Belastungsprobe gestellt (toller Stoff für Suizidgefährdete und auch Leute – je nach Vorliebe – aus der S/M-Szene…). Ihr depressives, psychedelisch dunkel infiziertes Liedgut (so weitestgehend in Richtung von Sisters Of Mercy), schien meiner Vermutung nach, auf Rat eines Therapeuten oder befreundeten Psychologie-Studenten, vielleicht zur Aufarbeitung etwaiger Kindheitstraumata, entstanden zu sein. Pädagoge Gernot gefiel sowas natürlich.

Seine Schwester Wiebke, die nach Ende des Handley-Auftritts, zu uns gestoßen war, bemerkte jedenfalls sofort eine deutliche Alterung meinerseits (gut es waren seit unserem letzten Treffen auch ca. satte 30 Jahre vergangen – die hatte sich scheinbar aber wohl in der letzten halben Stunde nochmals deutlich potenziert…). Vielleicht sollte ich, der ja in jungen Jahren als Leistungssportler auch schon immer unter einer erheblichen Doppelbelastung stand, um mit mir ins Reine zu kommen, es evtl. auch noch mit einer späten Musikerkarriere mal versuchen…

Der Auftritt von Fischer-Z, samt ihres kauzigen Masterminds John Watts, war aus meiner Sicht, um es vorwegzunehmen, ganz kurzweilig und unterhaltsam. Auch wenn solche Bands mit ihrem kommerziellen Erfolg in den 1980er-Jahren zur ‚Britisierung‘ und ‚Vermainstreamung‘, meines so geliebtes Southern Rock-Genres, ihren nicht unerheblichen Beitrag geleistet hatten (z. B. mit der Einbindung von diesen unsäglichen Synthesizer-Parts), lasse ich an diesem Abend mal ‚Fünfe gerade sein‘.

Watts (bekleidet mit karierter Tweet-Hose, Lacoste-Hemd und Pepita-Hut, wie ein kauziger Professor, der gerade auf dem Weg zu einer Golfstunde ist), der auch mit seinen humorvoll-ironischen, aber auch sozial-kritischen Ansagen, vor vielen Stücken brillierte, und seine vier Mitstreiter, begannen u. a.  mit dem Police-trächtigen, Reggae-untermalten „Room Service“ aus o. a. LP „Deaf For A Living“, nachdem zuvor das melodische „Angel Of Gardenia“ als Opener gedient hatte.

Dem begeistert mitgehenden Publikum in der Kantine, die nahezu randvoll war, wurden dann Stücke wie „So Close“, „Damascus Disco“ oder „Wild Wild Wild“ aus ihrem aktuellen Album „Building Bridges“, aber natürlich auch Klassiker wie „The Worker“ (Publikum singt anstelle von Watts den Refraintitel), „Pretty Paracetamol“, „Wax Dolls“ (alle aus ihrem Debüt „Word Salad“), das für mich überragende, schön atmosphärisch stampfende „Battalions Of Strangers“, das naturgemäß rot ausgeleuchtete „Red Skies Over Paradise (A Brighton Dream)“ bis hin zum launigen Stimmungshöhepunkt des Hauptteils „Marliese“, aus ihrem berühmten „Red Skies“-Werk, geboten.

Auch der Zugabenteil hatte es mit Tracks wie „Perfect Day“, „Will You Be There“, dem allseits bekannten „Berlin“ (mit viel Synthie-Hall) und der wirklich wunderbar gebrachten, sich gegen Ende immer mehr reduzierenden Schlussballade „Further From Love“, bei der jeder Musiker nach nochmaliger Vorstellung durch  John, nach und nach die Bühne verließ, absolut in sich. Somit war es insgesamt ein runder Fischer-Z-Gig in der Kölner Kantine, der zurecht vom Auditorium begeistert gewürdigt wurde.

Line-up Fischer-Z:
John Watts (Lead vocals, electric guitar)
? (Electric guitar)
Matthew Waer (Bass)
Matthew Gest (Keyboards)
Sinisa „Sin“ Banovic (Drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Brigitte Handley & The Dark Shadows
Kantine Köln

Ted Z And The Wranglers, 20.10.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Als eine der letzten Stationen ihrer ersten Europatournee machten Ted Z And The Wranglers in Krefeld halt. Bevor es bald zurück nach Costa Mesa, Kalifornien, geht, heizte die Truppe die Kulturrampe mit ihrem Qutlaw-Country mächtig auf. „Pille“ Peerlings versprach bei der Ankündigung der Band einen begeisternden Abend und behielt damit Recht. Unterbrochen von einer kurzen Pause präsentierte die Band zwei Sets, die es in sich hatten.

Das neue „Guest On Sunday Morning“ eröffnete den Abend. Danach folgte mit „Tightrope“ ein starkes Stück von dem ersten Longplayer „My Blood´s Still Red“ (2013), das von der Struktur und dem Gesang an Green On Red erinnert. Der langsamen Ballade „San Antoine“ steuerten Rachel Perry und Bassist Trevor Walton den Harmoniegesang bei. Bereits hier deutete sich die Extraklasse des Gitarristen Harrison Moore an. Der junge Mann, der mit seiner Baseball-Kappe direkt einem Manga entsprungen zu sein schien, überzeugte während des gesamten Konzerts mit seiner Fingerfertigkeit in allen Bereichen: ob beim Slide-Spiel, beim Picking oder bei rockigen Riffs. Wenn es Gerechtigkeit im Musikbusiness gäbe, müsste er zu einem der ganz Großen werden.

Ein Höhepunkt des ersten Sets war „Like A King“, Titelstück der zweiten EP der Band aus dem Jahr 2014. Der schnelle, staubtrockene Country-Song mit dem von Ted Z genölten Refrain ging direkt ins Tanzbein. „Lovin Blues“ rollte mit schönen Picking-Einlagen hinterher. Anschließend widmete Ted Z mit „Wiskey“ seinem Lieblingsgetränk einen Song. Während des Slide-Gitarrensolos von Harrison Moore brachte der Frontmann mit Stampfeinlagen ausdrucksstark Bewegung auf die Bühne. Bei „Cornerstore“ ergänzten sich die beiden elektrischen Gitarren von Rachel Perry und des Lead-Gitarristen prima. Die weibliche Stimme in den Harmoniegesängen wertet viele Songs nochmal auf. Besonders gelungen war der mehrstimmige Einstieg in „Johnny“, in dem ein tragischer Konflikt zweier Brüder thematisiert wird. Beim wunderschönen „Go Find Your Heaven“ stimmte dann auch – aufgemuntert durch Ted Z – das Publikum in den Refrain ein.

Tiefe Gitarrenklänge bereiteten das rockige „Setting Sun“ vor. Während „Bottles And Barrooms“ zum Schunkeln einlud, setzte „Kansas“ mit stampfendem Sound, abwechselndem Spiel der E-Gitarren und einer Lichtshow mit allem, was die Rampe hergibt, ein Ausrufezeichen zum Ende des ersten Sets.

Das zweite Set war insgesamt temporeicher angelegt. Mit schönem Slide-Intro nahm „Joseph Radcliff“ die Fahrt wieder auf. „Postcard“ setzte sie ungebrochen fort. Nach „Hold On“, das Erinnerungen an Tom Pettys „Wildflowers“-Album aufflackern ließ, folgte das langsame und bislang unveröffentlichte „Desiree“. Zu meinen Favoriten im Repertoire von Ted Z zählt „Shoot Em Up“, das Assoziationen zu Jason Ringenberg weckt. Harrison Moore zeigte hier wieder seine genialen Fähigkeiten an der Gitarre – diesmal mit härteren Riffs.

Das wehmütige „Ghost Train“ von der gleichnamigen CD (2015) wurde von Thor Fay am Schlagzeug und seiner Percussion treffend untermalt. Bei dem kraftvollen Rocker „Southland“ legte Ted Z einige Shuffle-Schritte aufs Parket. Das langsame Duett mit Rachel Perry „Sweet Loretta“ gönnte dem Publikum eine kurze Verschnaufpause, bevor mit „Rambler“ wieder Bewegung in die Menge kam. Der Song „Virginia“ – mit gelungenem Harmoniegesang – steigerte seine Geschwindigkeit und bereitete so auf den Boogie „Ball and Chain“ vor. Während des abschließenden Songs erfolgte die Vorstellung der Band.

Die Zuhörer bedachten die Musiker mit langem Applaus, sodass die Band als Zugabe noch „Trouble“ spielten. Zuvor vergewisserte sich Ted Z aber, dass keine Kinder im Saal anwesend waren, da der Text des Liedes nicht ganz jugendfrei ist. Ted lobte das Publikum als „bestes“ aufgrund von zwei Umständen: Die Leute würden so gut aussehen und vor allem seien sie zum Konzert gekommen.

Der freundliche und charismatische Ted Zakka hat neben Rachel Perry drei Wrangler zusammengetrieben, die trotz ihres jugendlichen Alters den Auftritt professionell gemeistert haben. Besonders hervorzuheben ist Gitarrist Harrison Moore, der mit seinem Spiel nicht nur mich, sondern auch Daniel und Gernot, die nun ja wirklich schon viele Virtuosen gesehen haben, zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Der abwechslungsreiche Auftritt von Ted Z And The Wranglers hat meine Erwartungen übertroffen. Wenn überhaupt etwas zu optimieren ist, dann hätte im ersten Set die eine oder andere Uptempo-Nummer eingestreut werden können. Wirklich vermisst habe ich nur „Afraid Of Dying“, das gefühlvolle Titelstück der ersten EP, die mittlerweile ausverkauft ist.

Line-up:
Ted Zakka (vocals, acoustic guitar)
Rachel Perry (electric guitar, vocals)
Harrison Moore (electric and slide guitar)
Trevor Walton (bass, vocals)
Thor Fay (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

Ted Z And The Wranglers
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Skinny Molly – 07.10.2017, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Dritter Abend unserer Konzerttriologie an diesem Wochende mit Skinny Molly, einer Band, die natürlich, als lupenreiner Southern Rock-Act, am perfektesten in unser eigentliches Anforderungsprofil passt.

Gegründet einst von Mike Estes (Drivin‘ Sideways, zeitweise Lynyrd Skynyrd/Blackfoot) und dem vor kurzem leider verstorbenen Molly Hatchet-Gitarristen Dave Hlubek, sind sie heute im Quartett, bestehend aus Estes, einer weiteren Southern Rock-Legende, dem Kraftpaket Jay Johnson (Blackfoot, Rossington Band), Luke Bradshaw und dem aus Wien stammenden Christoph Ullmann, der auch schon früher für Blackfoot getrommelt hat, unterwegs.

Das anwesende Publikum an diesem Abend im schönen Musiktheater Piano in Dortmund war mit zwischen 70-80 Zuschauern doch recht überschaubar, die Leute hatten sich aber im Raum recht gut verteilt, sodass es überhaupt nicht trist wirkte.

Kleine Randnotiz: Zur Auflockerung der Stimmung trug vor dem Konzert dann noch ein kauziger Besucher bei, der im Vorfeld des Gigs augenscheinlich erheblich zu tief ins Glas geschaut hatte. Der wankte schon leicht angeschlagen, als die Musiker gerade zur Bühne schritten, vor diese, stellte sich dann quasi vors anwesende Plenum und brüllte mit erhobener Flasche, wie auch später immer mal zwischendurch, erstmal ein lautes ‚Yeah‘, heraus. Das kam aber wohl eher aus erheblich ‚beschwingter‘ Freude heraus, nicht aus irgendeinem Geltungsdrang.

Ich hatte Skinny Molly bisher nur ein einziges Mal zuvor live gesehen und das war vor einigen Jahren in Holland, im Rahmen eines Festivals (was ich aber gar nicht so zur Kenntnis genommen hatte, da ich mich ganz spontan, auf die ‚letzte Minute‘ aufgemacht hatte). Da spielte die Band am Ende als Headliner nach zwei langatmigen, mir nicht zusagenden Voracts, erst gegen 1 Uhr nachts und wurde von mir somit nur sehr ermüdet und angenervt aufgenommen, was demnach also nicht ihrer ordentlichen Leistung geschuldet war.

Umso schöner, dass sich jetzt im geliebten Piano bei ‚voller Konzentration‘ im Rahmen ihrer jetzt stattfindenden ‚Southern Fried World Tour 2017‘, nochmals die Gelegenheit ergab, den Vierer zu begutachten. Estes, Johnson und Co. starteten zum Auftakt mit „Here For A Good Time“, von ihrem, immer noch aktuellen, gleichnamigen Album von 2014. Mike riss am Ende des Liedes eine Saite und schwenkte dann im weiteren Verlauf des ersten Sets (die Pause nutzte er dann zur Reparatur), etwas unplanmäßig, zu einer anderen Gibson Les Paul-E-Gitarre.

Über „Too Much“ von ihrem Debüt „No Good Deed“ und dem Stampfer „After You“ sowie dem Skynyrd-trächtigen „I Don’t Care“ vom Nachfolger „Haywire Riot“ wurde der Cover-Reigen mit Steve Earles „Copperhead Road“ in Gang gesetzt, dem im weiteren Verlauf des Abend noch altbekannte Stücke wie „Wishing Well“ (mit integrierter Vorstellung der Band) , „Train, Train“ (Jay bei beiden mit Lead Gesang, Mitsing-Interaktion), „Dead Flowers“ und meine geliebten „Call Me The Breeze“ und „SHA“ (beide jetzt in der gefühlt 1.000sten Variante gehört…, aber natürlich gut gespielt!) folgen sollten.

Das ebenfalls bekannte „Devil In The Bottle“ (hier aber legitim, da von Estes mitgeschrieben),  „When The Goin‘ Gets Tough The Tough Go Fishin'“, „Me And The Devil Himself“ (atmosphärischer Opener des 2. Sets, Erzählgsang), „Snakebit“ (Mike mit Slide und Anschluss von Jay im Solo-Part), „Two Good Wheels“ und das starke „Better Than I Should“ sowie das von Estes mit einer kleinen Träne der Dankbarkeit im Auge (bezüglich der Treue), der Southern Rock-Fan-Gemeinde gewidmete „For Y’all“ (1. Zugabe), waren die selbst-kreierten Stücke, die mir persönlich im Verlauf des Konzerts am meisten Spaß bereiteten.

Am Ende durfte natürlich „Free Bird“ nicht fehlen, das auch in einer starken Version performt wurde. Jay übernahm die berühmten Rossington-Slide-Parts, und lieferte sich mit Mike (Gesang) im berühmten Finish wüste Duelle, um sich auch kurz in Twins zu ‚vereinigen‘. Hier hatte dann auch die insgesamt stark agierende  Rhythmusfraktion ihren Glanzpunkt, die sich mit kräftigen Mitteln, zur Gitarrenpower von Estes und Johnson gesellte (Bradshaw ließ den Bass ganz hart pumpen und stampfte heftig mit den Füßen, dass man fast Angst bekam, dass er den unter Teppichen verborgenen Bühnenholzboden durchtreten könnte; Ullmann mit deftig polterndem Drumming). Gernot wurde sogar gestattet, aus der Bandperspektive vom hinteren Bühnenteil, zu fotografieren.

Am Ende nach dem Gig gab sich das äußerst sympathische und kooperative Quartett sehr publikumsnah, erfüllte jeden Autogrammwunsch und ließ sich ganz locker für die SoS-VIP-Galerie mit unserer Logotafel ablichten. Mit gutem Gelingen in Richtung der vier Musiker für ihre restlichen Auftritte in Spanien, Frankreich und England und herzlichen ‚Handshakes‘ verabschiedeten wir uns dann zur Rückfahrt in die regnerische Nacht. Auch der dritte Konzert-Abend hintereinander mit gut aufgelegten Skinny Molly hatte sich für uns absolut gelohnt! Tolle Musiker!

Line-up:
Mike Estes (lead vocals, lead guitar)
Jay Johnson (lead guitar, lead vocals)
Luke Bradshaw (bass, vocals)
Christoph Ullmann (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Skinny Molly
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Thorbjorn Risager & The Black Tornado – 06.10.2017, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

Ris-Haupt

Zu solch einem späten Zeitpunkt des Jahres, beginnt man sich unweigerlich Gedanken zu machen, was es so an Konzerthighlights gab, gerade, wenn man wie Gernot und ich, doch eine erhebliche Anzahl von überwiegend starken Gigs bis dato in 2017 beleuchtet hat. Natürlich hat man da auch noch die restlich geplanten Veranstaltungen mit im Auge.

Auf der To-Do-Liste stand nämlich der von uns schon des öfteren reviewte Thorbjørn Risager mit seinen The Black Tornado, der bereits vor einem guten Jahr im Schwarzen Adler eine Glanzleistung abgeliefert hatte.

Damals war ihr aktuelles Album „Change My Game“ noch nicht veröffentlicht, die Band hatte dem Publikum aber trotzdem schon ein paar Stücke als Vorgeschmack serviert. Mittlerweile sind seit dem Erscheinen dieses erneut gelungenen Werkes auch wieder Monate ins Land gezogen. Jetzt wird der Verkauf der CD von den fleißig tourenden Dänen weiter angekurbelt.

Mr. Schwarzer Adler, Ernst Barten, konnte sich demnach wieder über ein prall gefülltes Auditorium freuen. Wie gewohnt präsentierten Risager und seine Kumpanen einen zweigeteilten Set und machten mit urgewaltigem Blues Rock, erweitert um viele Facetten wie Swing, Dixie-Jazz, Roots-, Country- und Southern Rock, ihrem Bandnamen alle Ehre.

Mit Stücken wie dem sofort rhythmisch losrockenden Opener „If You Wanna Leave“, „Maybe It’s Alright“, „Paradise“, „I Used To Love You“ (tolle Ballade), dem Countryblues „Holler ‚N‘ Moan“, „The Straight And Narrow Line“ (mit fulminanten Sax-Solo von Hans Nybo) , „Too Many Roads“ (swampiger Southern-Stampfer), „China Gate“ (sehr atmosphärisch) und dem ungemein wuchtigen „Rock’N‘ Roll Ride“ war Set 1 an Abwechslungsreichtum und Spielfreude schon kaum zu toppen.

Aus der Sicht unseres südstaatlich geprägten Magazins gefielen neben Risagers gewohnt prägnanter Stimme, auch sein Wirken auf einer schwarzen Les Paul (diesmal auch mit einigen starken Soli und Twins), Emil Balsgaards Honkytonk-Piano-Einlagen, und Peter Skjernings durchaus im Southern Rock verankertes Slide-Gitarrenspiel. Letztgenannter verbirgt seine Haarpracht somit zurecht weiter unter einem schwarzen Cowboyhut!

Nach der Verschnaufpause vom ersten Akt, ließen die Jungs ihr „Train“ direkt wieder in bester Southern Rock-Manier durch den Adler-Saal rauschen. Einer meiner Alltime-Favoriten der Truppe, das so herrlich groovige „Burning Up“, begeisterte nicht nur meine Wenigkeit.

Ach ja, da waren natürlich auch wieder die vielen Ansagen von Thorbjørn und seinen Mitstreitern, wie üblich, immer bemüht, in unserer Sprache, was natürlich zu großer Erheiterung beitrug. So offenbarte der Bandleader – man glaubt es kaum – dass er auch mal ein Kind war. Und so erfuhren wir von seiner schon ganz frühen Liebe zum Blues und der der damit verbundenen Faszination für B.B. King, den er mit dem anschließenden Blues würdigte.

Country-Feeling verbreitete dann der „Long Forgotten Track“ mit schönen Bariton-E-Gitarren-Parts, während das ZZ Top-Trächtige „Hold Your Lover Tight“ vom neuen Silberling das Southern Rock-Herz höher schlagen ließ. Auch das Delta-bluesige „On My Way“ passte ebenfalls in unser Beuteschema.

Die grandios gespielten „Baby Please Don’t Go“ (mit integrierten ‚Dialog‘ der Bläser und Gitarristen) und das fetzige „All I Want“ (Twin Gitarren, quirliges Abschluss-Solo von Skerning) brachten die insgesamt begeistert mitgehende, mitklatschende und mitsingende  ‚Adler-Meute‘ regelrecht in Rage.

Bei den fälligen Zugaben grüßte Thorbjørn zunächst mal vorab mit einer „Christmas Card From A Hooker In Minneapolis“ (Tom Waits-Cover, performt nur von ihm und Emil Balsgaard am Piano), und verwandelte zum guten Schluss wieder im vollen Line-up samt seiner vehement plusternden Bläser mit „Opener“ und dem Jimmy Reed-Klassiker „Baby What’s On Your Mind“ die Baerler Straße regelrecht zur Bourbon Street.

Unser Fazit: Der charismatische Fronter und seine Band haben eine perfekte Mischung aus kurzweiligen, abwechslungsreichen und packenden Songs, gepaart mit spielerischer Klasse und Entertainment gefunden, die einfach Jeden mitreißt. Am Ende resümierte ein sichtlich begeisterter Bekannter ebenfalls: „Mit dem Kauf eines Thorbjorn Risager & The Black Tornado-Tickets erwirbst du quasi ein Rundum-Sorglos-Paket.“  Dem bleibt am Ende eigentlich nichts mehr hinzuzufügen…außer, dass auch noch die Lichtbedingungen und der Sound top waren (Kompliment ans Adler-Team)!

Line-up:
Thorbjørn Risager (lead vocals, guitar)
Peter Skjerning (guitars, vocals)
Emil Balsgaard (Keys)
Søren Bøjgaard (bass)
Martin Seidelin (drums, percussion, vocals)
Hans Nybo (saxophone, vocals)
Peter W Kehl (trumpet, percussion, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
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Ruf Records
Schwarzer Adler

Lindsay Ell – Support: Walker McGuire – 05.10.2017, Blue Shell, Köln – Konzertbericht

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Auftakt in Sounds Of South für einen Kraftakt mit drei Konzerten an drei aufeinander folgenden Tagen. Den Anfang machte die kanadische New Country-Hoffnungsträgerin Lindsay Ell, die mit den beiden Burschen Jordan Walker Johnny McGuire, alias Walker McGuire, noch einen höchst talentierten Support-Act im Kölner Blue Shell mit dabei hatte.

Pünktlich wie die Maurer betraten Walker McGuire um 21:00 Uhr die kleine, in Rottönen recht spärlich ausgeleuchtete Bühne und setzten sich mit ihren Akustikgitarren auf die bereitgestellten Hocker. Schon beim Opener „Back Together“ erhielt man eigentlich bereits den Vorgeschmack auf das, was bei den sechs weiteren Stücken, in der insgesamt 35 Minuten währenden Spielzeit, passieren wird.

Und zwar wunderbar melodische Songs mit sich abwechselnden Lead vocals, immer wieder durchzogen von perfekt sitzenden Harmoniegesängen Marke Mini-Eagles, unterlegt mit einem flockigen Akustikgitarrenspiel beider Akteure. Wie wir von ihrem Tourmanager erfuhren, bringen die Jungs im Dezember eine neue CD auf den Markt. Als Appetizer hierzu gab das Texas/Kansas-Duo dann eigene Kompositionen wie „Mysteries Of The World“, das launige, einem Cancoon-Urlaub zu verdankende „What’s Your Name“, das einem ihrer Idole – John Mellencamp – angenäherte „18 Forever“ und „When It Rains It Pours“ zum Besten.

Anlässlich des plötzlichen Todes von Tom Petty hatten sie noch „Mary Jane’s Last Dance“ als Coverstück zu seinen Ehren parat, um danach mit ihrem bereits ausgekoppelten Top-40 Hit „‘Til Tomorrow“, eine kurzweilige gute halbe Stunde abzuschließen. Auch wenn es zunächst mal Kaffesatzleserei ist, mutmaßen wir mal, dass ihr neues Werk, dann mit Unterstützung der bewährten Nashville-Studio-Musiker, Liebhaber von Acts wie z. B. Love & Theft, Luke Combs, Halfway To Hazard, Sundy Best & Co. ansprechen wird. Gute Burschen!

Eine knappe Viertelstunde später trat dann der in Natura sehr klein und zierlich erscheinende Hauptact des Abends, Lindsay Ell, aufs Podium. Sie ist bereits seit 2010 beim starken Broken Bow–Unterlabel Stoney Creek Records unter Vertrag und hatte mit „The Project“ ihr aktuelles Album zur Vorstellung mit auf Reise, das von keinem Geringeren als der männlichen Sugerland-Hälfte Kristian Bush produziert worden ist (CD-Review folgt demnächst separat).

Die hübsche Blondine, einst von BTOs Randy Bachman entdeckt, hatte ja bereits vor geraumer Zeit im Schlepptau von The Band Perry in Köln ihr Können gezeigt und so hatten sich, für einen Länderspiel Abend der DFB-Vasallen, doch ganz manierliche 80 Zuschauer im Blue Shell eingefunden.

Auch Lindsay gelang es als Allein-Unterhalterin, ihren gut 60 Minuten währenden Gig sehr abwechslungsreich und ohne Längen zu gestalten. Dabei bewies das quirlige Leichtgewicht schon zum Auftakt bei „Wildfire“ ihre E-Gitarrenspiel-Qualitäten auf ihrer bunt gestylten Stratocaster mit teilweise bluesrockigem Touch, der nicht zuletzt – vermutlich als Ergebnis früheren intensiven Tourens mit Blues-Legende Buddy Guy – hinterblieben ist.

Über „The Project“-Tracks wie „Mint“, das flockige „Waiting On You“, das süffisante, R&B-angelehnte „Champagne“ (mit an einem E-Pad erzeugten Rhythmus-Effekten angetrieben) schritt sie zum ersten Coverstück „Slow Dancing In A Burning Room“, einer wunderbaren John Mayer-Ballade, die auch von ihr mit großartigem E-Gitarrenspiel plus Solo atmosphärisch dicht performt wurde.

Mit dem interaktiv gehaltenen „Good“ lotete sie einfach mal die vokalen Qualitäten der anwesenden Audienz aus, die ihrem Nachsingwunsch des Titels im kurzen Akustikteil des Abends ’stante pede‘ folgte. Ihre Wut über die schrecklichen Geschehnisse in Las Vegas entlud sich im, mit knarziger E-Gitarre untermalten und emotional besungenen „Castle“, für mich mit ein Highlight des Gigs.

Mit Reminiszenzen an alte Klassiker-E-Riffs von Tracks wie „Stairway To Heaven“, „Sweet Home Alabama“ als Intro mündete sie in Stevie Wonders „Superstition“, wo sie auch ihr Potential als Soulsängerin offenbahrte. Das melodische „Space“ sowie das wieder mit Stimmgeräuschen als Rhythmusgeber digital effekthascherisch versetzte „Criminal“ (mit krachendem E-Solo) beendeten einen kompakten, spielfreudigen sowie sehen- und hörenswerten Auftritt der Protagonistin, der vielleicht nur ein wenig Country-lastiger hätte ausfallen dürfen.

Die sympathische Künstlerin, ließ es sich nach dem Gig nicht nehmen, am Merchandising-Pult sämtliche Autogramm- und Bildwünsche bis zum letzten anstehenden Zuschauer zu erfüllen (ihr Manager hatte mit den unterschiedlichen Handys Schwerstarbeit zu verrichten) und posierte natürlich auch letzten Endes mit unseren Logo für die SoS-VIP-Galerie.

Dabei gab Lindsay uns bereits zu verstehen, dass sie voraussichtlich im März kommenden Jahres, – diesmal mit echter Bandunterstüzung – in die Domstadt zurückkehren wird und unterbreitete uns auch direkt eine Interviewmöglichkeit. Angesichts ihrer jetzt schon starken Solo-Leistung sind das doch mal schon hervorragende Aussichten für 2018. Wir kommen natürlich auch ein zweites Mal gerne wieder…

Line-up Lindsay Ell:
Lindsay Ell (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, percussion)

Line-up Walker McGuire:
Jordan Walker (lead vocals, acoustic guitar, harmony vocals)
Johnny McGuire (lead vocals, acoustic guitar, harmony vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Lindsay Ell
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Wizard Promotions
Blue Shell Köln

Jive Mother Mary, 16.09.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Nach Robert Jon & The Wreck im August präsentierten „Pille“ Peerlings und Teenage Head Musik mit Jive Mother Mary eine weitere hochkarätige Southern-Rock-Band in der Krefelder Kulturrampe. Frontmann Mason Keck und seine drei Mitstreiter zogen das Publikum von Beginn an in ihren Bann.

Der Titel „Feeling Fine“, mit dem die Band aus Alamance, North Carolina, loslegte, war zugleich Programm für die nächsten hundert Minuten. Die Begeisterung, mit der Jive Mother Mary den Auftritt bestritten, schwappte direkt auf die Gäste der Kulturrampe über. Dass mit „Long Odds“ und „Burning Up The Highway“ zwei bislang unveröffentlichte Songs auf den Opener folgten, ist zwar ungewöhnlich, tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Beim zweitgenannten übernahm Gitarrist Tyler Schulz anfänglich die lead vocals. Keck und Schulz legten sich anschließend bei „Down South Manifesto“ mit zweistimmigem Gesang und Twin-Gitarren mächtig in Zeug.

Perfekt eingespielt und voller Elan jamte die Band „Have A Cigar“. Die beiden Gründungsmitglieder Mason Keck und Schlagzeuger Seth Aldridge verstehen sich blind, was bei ihren Langhaarfrisuren sehr vorteilhaft ist. Bassist Will Sanders war nicht nur hier, sondern während des gesamten Konzerts in ständiger Bewegung und auch Tyler Schulz arbeitete kräftig, wie sein durchgeschwitztes T-Shirt bewies. Schön war, dass Sänger und Gitarrist Mason Keck immer wieder Kontakt zum Publikum aufbaute und auch physisch die Nähe zu ihm suchte. So stellte er sich bei seinen Gitarrensoli oft an den Bühnenrand und stieg auch zweimal von ihm herunter, sodass man sein filigranes Wirken unmittelbar beobachten konnte.

Einen ersten Höhepunkt erreichte das Konzert bei dem Rockstück „Outta Love“ von dem Album „All Fall Down“ (2009). Das folgende „I Tried To Let Go“, das Keck als „Southern Rock ’n Roll” bezeichnet, ließ den satten Klang des Schlagzeugs von Aldridge besonders gut zur Geltung kommen. Nach dem ruhigeren Song „The Ride“ kochte die Stimmung des Publikums bei dem kraftvollen „Move On Home“. Die aufgenommene Fahrt wurde durch das countryfizierte „Hollywood“ etwas abgebremst. Man hätte auch mit dem tanzbaren und melodischen Rocker „Save Me“ den Schwung direkt mitnehmen können. Hier spielte Mason Keck zunächst souverän mit einer gerissen Saite weiter, um dann doch noch auf seine zweite Gitarre umzusteigen.

Mit „Planes, Trains & Automobiles“, „Ba Dum“ und dem Eagles-inspirierten „Great Decline“ steuerte das Konzert auf sein Ende zu. Den Abschluss des Hauptsets bildete „Home“. Bei dem grandiosen Song setzt die Gitarre von Schulz gelungene Akzente in das Spiel von Keck, der zudem bewies, dass er auch in höheren Tonlagen gesanglich sicher unterwegs ist. Wenn darüber hinaus der Titel gemeinsam von den Bandmitgliedern in die Mikros gerufen wird, entwickelt der Song eine ungeheure Wucht. Eine Textzeile lautet wie die letzten EP: „Home Is Where Your Heart Is“.

Die Jungs von Jive Mother Mary spielen mit so viel Leidenschaft, dass sie auf der Bühne zuhause sein müssen! Die Band zählt in ihrer Heimat North Carolina zu den anerkanntesten Live-Acts und konnte in Krefeld beweisen, dass dieser Status berechtigt ist. Die Live-Versionen der Stücke haben mich zumeist mehr überzeugt, als die mir bekannten Studio-Aufnahmen.

„The Climb“ und das sofort wiederzuerkennende „Keep On Keepin‘ On“ stellten die erste Zugabe dar. Damit hatten die Amerikaner alle Tracks der letzten beiden EPs im Programm. Da das Publikum die Band noch nicht gehen lassen wollte, gab sie als spontane Zweit-Zugabe „I Can Still Be Your Man“. Der ältere Song, war wohl zeitweise in Vergessenheit geraten und wurde nun erstmals live performt.

Jive Mother Mary liefern Southern Rock auf hohem Niveau. In Erinnerung bleibt vor allem das virtuose Gitarrenspiel von Mason Keck, begleitet von seiner eindrucksvollen Mimik. Dabei hatten seine Instrumental-Einlagen genau das richtige Maß. Sie waren ausgedehnt, aber nicht so lang, dass die Grundanlage der Songs in den Hintergrund getreten wäre.

Nach Daniels fast überschwänglichem Lob der niederländischen Konzertkultur anlässlich des vortägigen Auftritts von Sass Jordan wollte ich heute eigentlich einen Hinweis auf die treue Fan-Basis der Kulturrampe einbauen. Allerdings fehlten viele der üblichen Verdächtigen. Zum Glück haben einige neue Liebhaber von guter Live-Musik den Weg zum Krefelder Großmarkt gefunden.

Jive Mother Mary und die unverzagten Veranstalter hätten ein volleres Haus verdient gehabt. Vielleicht hat der Umstand, dass dies die erste Deutschlandtour der Band ist – oder die verhältnismäßig geringe Anzahl an (aktuellen) Veröffentlichungen – dies verhindert. Die Band zeigte sich aber begeistert von Publikum und der Location. Schlagzeuger Seth Aldridge kündigte an, bald mit einer neuen CD im Gepäck zurückzukommen. Das wäre dann eine zweite Chance – die wirklich jeder nutzen sollte – um Jive Mother Mary live zu erleben.

Line-up:
Mason Keck (lead vocals, electric guitar, vocals)
Tyler Schulz (electric guitar, vocals, lead vocals)
William Sanders (bass, vocals)
Seth Aldridge (drums, vocals)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Michael Segets

Jive Mother Mary
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Kulturrampe Krefeld

Sass Jordan – Support: Chris Caddell And The Wreckage – 15.09.2017, Arnheim, Luxor Live – Konzertbericht

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Ein Gig, auf den ich mich dieses Jahr schon seit längerem gefreut habe, war der von Sass Jordan, die anlässlich des 25-jährigen Jubileums ihres Paradealbums „Racine“  (jetzt zeitgleich neu eingespielt, wieder aufgelegt als „Revisted“-Ausgabe, siehe unsere Besprechung), in Europa tourt.

Die Kinnlade ging natürlich immens runter, als das geplante Konzert im Kölner Jungle Club wegen zu geringem Kartenabsatzes kurzfristig abgesagt wurde. Der deutsche Michel besucht in der Domsadt scheinbar lieber anonyme Kommerz-orientierte Massenveranstaltungen zu horrenden Preisen – Metallica lassen grüßen.

Sounds Of South, das Magazin, das immer auf Zack und flexibel ist, reagierte sofort, und organisierte  in Verbindung mit Brooke-Lynn Promotion noch spontan eine Akkreditierung für den Gig im niederländischen Arnheim, übrigens Gernots und mein erster Auslandseinsatz in Sachen Live-Berichterstattung seit Bestehen dieses Magazins.

An dieser Stelle muss ich mal eine Lanze für unser Nachbarland brechen. Als Hundebesitzer und demnach passionierter langjähriger Zeeland-Urlauber bewundere ich immer wieder den Sinn für deren Gemeinschaftsleben, die recht entspannt und gebildet wirkenden Menschen, u. a. auch besonders die Pflege der dortigen Infrastruktur.

Das Land scheint nicht von einer, durch eine kleine elitäre geldgeile Klicke, infiltrierten selbstsüchtigen und entrückten Politikerschaft sowie einer weitestgehend unfähigen und nicht belastbaren Beamtenschaft delegiert zu werden. Und so auch in Arnheim: Eine einladende Stadtstruktur, perfekte Straßen, gepflegte Sauberkeit, wohin das Auge blickte, ein durch Elektrobusse befahrener Stadtkern, bezahlbare Parkhäuser (2 Euro für den Abend), dazu eine wunderbar hergerichtete Konzert-Location, eine straffe, freundliche Top-Organisation des Events eingeschlossen.  Der gerechte Lohn: Ein volles Haus (geschätzt etwas mehr als 500 Leute)!

Beim Jordan-Abend wurden direkt zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die Kanadierin wurde von Chris Caddell begleitet, der als Vorband mit den beiden anderen involvierten Musikern Cassius Pereira und Derrick Brady, die Gelegenheit erhielt, für sein Solo-Projekt Werbung zu machen.

Das Trio (blues-) und (southern-) rockte mit einer wuchtigen Intensität, wobei sich Caddell  als angenehmer Sänger und starker E-Gitarrist (auch als Slide-Spieler) profilieren konnte. Stücke wie „From The Wreckage“, „Workin'“, „The Rescue“, „Through My Hands“ und die abschließenden „Ohio“ (fette rockige Version zur Freude des Neil Young-Liebhabers Gernot) und „Killing Me“ füllten eine toll performte erste halbe Stunde. Ich habe selten eine so gute Vorgruppe erlebt.

Nach einer halben Stunde Pause in dem eindrucksvoll gestalteten Konzertsaal, den die drei Burschen auch zum Kleidungswechsel nutzten, ging es mit der Protagonistin der Veranstaltung im Quartett weiter.

Schon der Auftakt mit den vier „Racine“-Stücken „If You Gonna Love Me“, „Who Do You Think You Are“, „Where There’s A Will“ und der herrlichen Ballade „Remind Me“ ließ einem wohlige Schauer, den Rücken runter laufen. Das Publikum, wie auch wir beiden, waren absolut begeistert und sofort auf Betriebstemperatur!

Sass Jordan ist einfach eine einnehmende Frontfrau. Für Ihr Alter immer noch toll aussehend, körperlich absolut erstklassig in Form, sympathisch, kommunikativ, dazu diese extravagante Stimme, sowohl zahm wie ein Lamm, aber auch überwiegend kräftig und aggressiv wie ein beute-hungriges Raubtier.

Sass, wie sich ihren Ansagen entnehmen ließ, wohl nicht zum ersten Mal an dieser Stelle auftretend, zeigte sich gut gelaunt, redefreudig, tanzte, gestikulierte, schlängelte mit den Armen, ließ die blonde Mähne wehen und zog mit einem gut ausgewähltem Programm ihres Schaffensspektrums, die Leute über die gesamte Dauer in ihren Bann. Auch hier bewiesen die drei Mitstreiter wieder ihre instrumentelle Klasse (Caddell mit toller Rhythmus-, Fill- und auf den Punkt gebrachter Solo-Arbeit an der E-Gitarre, der ungemein agile Brady mit seinem pumpenden Bass – beide auch mit guten Harmoniegesängen – sowie der heftig polternde Pereira).

Und so schloss sich in einem erstklassigen Wechselbad der musikalischen Gefühle, mit Songs wie „Mobile Again“, „Shuffle“ (herrliches Slide-Solo von Caddell, Schatten-Box-Einlage von Sass am Ende), dem fulminanten „Pissin‘ Down“ (Jordan knurrt regelrecht zum Abschluss des Liedes), dem grandiosen „The Feeling’s Gone“ (Sass mit schrillem Cockerschem Urschrei), dem stampfenden „Ugly“, „Damaged“ und „High Road Easy“, der „Racine“-Kreis des Hauptteils mit dem allseits beliebten „Make You A Believer“, das den Saal in euphorische Sphären bewegte.

Die nicht lange auf sich warten lassenden Zugaben wurden mit einer unter die Haut gehenden Cover-Version vom einstigen Stevie Nicks-Debütwerk „Bella Donna“, „Stop Dragging My Heart Around“ (damals im Duett mit Tom Petty), bei dem Sass und Chris diesmal duettierten, und dem knackigen „So Hard“ zelebriert.

Ein Wahnsinns-Abend, der in allen Belangen überzeugte. Selbst Kollege Gernot, bei dem meine anfängliche Überzeugungsarbeit gefruchtet hatte, war richtig ‚von den Socken‘. Ich bin mir relativ sicher, gestern mit Sass Jordan & Band, das vermutliche Konzert-Highlight des Jahres 2017 erlebt zu haben. Einfach wunderbar!

Danke an Birgit Bräckle von Brooke-Lynn Promotion und SJ-Tour-Manager Wouter Bakker für die verlässliche und spontane Unterstützung.

Line-up Chris Caddell And The Wreckage:
Chris Caddell (lead vocals, electric guitar)
Derrick Brady (bass, vocals)
Cassius Pereira (drums)

Line-up Sass Jordan:
Sass Jordan (lead vocals)
Chris Caddell (electric guitar, vocals)
Derrick Brady (bass, vocals)
Cassius Pereira (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Sass Jordan
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Chris Caddell And The Wreckage
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Brooke Lynn Promotion
Luxor Live, Arnheim

UFO, 07.09.2017, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

UFO_Haupt

UFO ist eine Band, die Gernot und mich durch unsere Jugend und auf so mancher Fete begleitet hat, demnach war klar, dass wir auch im SoS über ein Konzert berichten würden, sofern sich die Gelegenheit dazu bieten würde. Und am 07.09. war es, im von uns immer überaus gerne besuchten Musiktheater Piano in Dortmund, soweit.

Besitzerin Jenny Dore durfte sich am Abend zuvor schon über ein ausverkauftes Haus bei Mothers Finest freuen, auch bei der legendären britischen Truppe um Phil Mogg war die Hütte wieder rappelvoll. Ich hatte die Band schon an gleicher Stelle drei Jahre zuvor gesehen, als sie noch ihre damalige CD „Seven Deadly“ im Gepäck hatte, die mir, wie auch der Vorgänger „The Visitor“, ziemlich gut gefallen hatten.

Die Briten starteten, aus nicht ersichtlichen Gründen, mit 20 Minuten Verspätung und ließen vermutlich deswegen auch mit „Baby Blue“ und „Making Moves“ zwei geplante Stücke unter den Teppich fallen, der vielleicht einzige kleine Kritikpunkt dieses Abends.

Aber als das Quintett mit Phil Moog, Vinnie Moore, Rob de Luca, Paul Raymond und Andy Parker zu „Faith Healer“-Klängen auf die Bühne marschierte und mit dem Opener „We Belong To The Night“ direkt in die Vollen ging, war sofort prächtige Stimmung in der Bude, die auch bis zur letzten Sekunde des Konzerts anhielt.
Nach „Run Boy Run“ vom letzten Studioalbum aus eigener Hand „A Conspiracy Of Stars“ (später gab es mit „Messiah Of Love“ noch einen weiteren Track daraus), und „Ain’t No Baby“ folgten mit „Lights Out“ und „Only You Can Rock Me“ die ersten Highlights aus ihrer großen Zeit (damals ja noch mit Michael Schenker), was natürlich sofort mit frenetischen „U-F-O, U-F-O“- Rufe gefeiert wurde.

Bereits zu dieser Zeit hatte Vinnie Moore mit seinen vielen quirligen E-Gitarrensoli neben dem wieder mit britischem Charme singenden und moderierenden Fronter Phil Mogg die Co-Hauptrolle eingenommen. Andy Parker überzeugte mit einer überaus fetten Drum-Performance, dem agilen Basser de Luca wurden einige Harmoniegesänge gegönnt, während sich Paul Raymond mit Piano- und Orgel- sowie Rhythmus-E-Gitarren und Backgroundvocals-Einsätzen als der variabelste zeigte.

„Burn Your House Down“ (sehr schön knackig) von „Seven Deadly“ und das vom Tempo her abwechslungsreiche „Cherry“ läuteten die heiße Schlussphase des Hauptteils ein. Das teil-balladeske „Love To Love“ mit Piano- und Akustikgitarrenklängen (Moore wechselte auch zur E-Gitarre), das dreckig rockende „Too Hot To Handle“ (mein persönlicher Favorit des Abends) und eines ihrer Paradesongs „Rock Bottom“ (Mitgrölrefrain, saustarke mehrphasige E-Gitarrepassage von Moore) brachten den, auch mit vielen jüngeren Besuchern durchzogenen Saal, endgültig in Rage.

Mit den beiden allseits bekannten und launig performten Hit-Rausschmeißern „Doctor Doctor“ und „Shoot Shoot“ gab es am Ende kein Halten mehr. UFO hatten ihre treue Fan-Gemeinde wieder voll (na ja, wie oben erwähnt, fast voll…) auf ihre Kosten kommen lassen. Ein gelungener Abend im Piano mit Hard Rock der guten alten Schule und Zeit, der viele schöne Erinnerungen wach rief.

Vielen Dank wie immer an Jenny Dore für die unkomplizierte und nette Kooperation.

Line-up:
Phil Mogg (lead vocals)
Vinnie Moore (electric and acoustic guitars)
Rob de Luca (bass, vocals)
Andy Parker (drums)
Paul Raymond (keys, guitar, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Krissy Matthews, 04.09.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Zum Auftakt seiner Europa-Sommer-Tour gab sich Krissy Matthews am 4. September mal wieder mit seiner Band (Sam Weston, bass und Kev Hickman, drums) in der Krefelder Kulturrampe, die Ehre. Schade nur, dass an diesem Abend auch Deutschland gegen Norwegen kickte und das Konzert wohl deshalb nur vor einer handvoll unverzagter Bluesrock-Fans stattfand.

Der Spielfreude, mit der Krissy Matthews mit seiner Band zu Werke ging und der Stimmung im Saal, tat dies allerdings keinen Abbruch. Das Trio gab in zwei Sets einen bunten Strauss älterer und neuer Songs zum Besten, die vom wenigen Publikum begeistert abgefeiert und abgetanzt wurden. Dabei konnte Krissy Matthews erneut seine Klasse als Blues-Gitarrist unter Beweis stellen.

Hervorzuheben sind auch seine beiden Mitstreiter. Kev Hickman verausgabte sich mit seinem Elan hinter der Schießbude, wobei ihm der Spaß am Trommeln förmlich ins Gesicht geschrieben stand und einen derart extrovertierten Bassisten wie Sam Weston dürfte es wohl schwerlich ein zweites Mal geben.

Nach rund zwei Stunden und zwei Zugaben war das Konzert dann zu Ende und die Gäste gingen glücklich und zufrieden nach Hause. Insgesamt war es ein toller Abend, auch wenn Band und Pille Peerlings als Macher der Kulturrampe, ein größeres Publikum verdient gehabt hätten. Und an alle Daheimgebliebenen: ihr habt echt was verpasst!

Line-up:
Krissy Matthews (lead vocals, electric guitar)
Sam Weston (bass, vocals)
Kev Hickman (drums)

Bericht und Bilder: Jörg Schneider

Krissy Matthews
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Kulturrampe Krefeld
Jörg Schneider

J.P. Harris & The Tough Choices – Support: Miss Tess – 17.08.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Hatte sich Kulturrampen-Macher Markus ‚Pille‘ Peerlings vor gut einem Jahr noch zurecht über das überschaubare Publikum anlässlich des Konzerts von JP Harris & The Tough Choices dezent echauffiert, durfte er sich diesmal über eine sehr gut gefüllte Rampe freuen. Die starke Leistung der Nashville-Band um ihren Leader aus Montgomery, Alabama, hatte vermutlich etliche damalige Besucher erneut angelockt und auch die anderen tollen Konzerte in diesem Sektor der letzten Zeit, in Verbindung mit Mundpropaganda (und unserer tollen Berichterstattung, ähm…), dürften noch ihr Übriges dazu getan haben.

Als Support hatte Harris die junge, von New York nach Nashville übergesiedelte Country-Chanteuse Tessa Reitz alias Miss Tess im Schlepptau, die samt ihres Mitspielers Thomas Bryan Eaton zunächst ihre eigene Musik präsentierte und anschließend dann, zusammen mit ihm, auch zum Line-up von Harris dazu stieß.

Beide, ausgerüstet mit den Telecaster E-Gitarren, die später von JP Harris und Mark Sloan geschultert wurden (Eaton mit vielen starken Soli), legten den Fokus auf eine gelungene Mischung von Tracks aus Tess‘ aktuellem Album „Baby We All Know“ (u. a. „Ride That Train“, „Little Lola“ mit schönem CCR-Flair, das flotte „Take You, Break You, Shake You“), einem Willie Dixon Cover („I Just Wanna Make Love To You“), einem Stück aus Eatons eigenem Fundus, das er auch selbst sang (Tess Harmonies), sowie einem brandaktuellen neuen Song namens „The Moon Is An Ashtray“.

Schön, dass gegen Ende noch Jon Whitlock an den Drums mit dazukam (Tess jetzt am Bass), so dass man auch ein wenig ihre Musik im ‚Vollversion‘-Ambiente vermittelt bekam. Ein gelungener sympathischer Auftakt!

Line-up:
Tess Reitz (lead vocals, electric guitar, bass, vocals)
Thomas Bryan Eaton (electric guitar, pedal steel, vocals)
Jon Whitlock (guest drums)

Nach kurzer Pause, ein Umbau war im Prinzip gar nicht nötig, schritt JP Harris zur Sache, wie oben angeführt, im Vergleich zum Vorjahr mit Tess Reitz am Bass und Tom Bryan Eaton an der Pedal Steel, in leicht modifizierter Besetzung.
Da er noch kein neues Album am Start hatte, ähnelte das Programm im Groben und Ganzen mit kleinen Ausnahmen, der letztjährigen Darbietung. Tracks wie u. a. „California Turnarounds“ (Opener), „Badly Bent“, „Two For The Road“,  „South Oklahoma“, „I’ll Keep Calling“ oder „Home Is Where The Hurt Is“ traten aus dem Unterbewusstsein wieder hervor.

JP Harris verkörperte den erzählenden, oft witzelnden Fronter, Mark Sloan und Eaton ließen ihr filigranes Können an der Leadgitarre und Pedal Steel mit unzähligen quirligen Bariton-, bzw. weinenden, wimmernden und leiernden Soli reichhaltig aufblitzen. Besonders zu erwähnen vielleicht das starke Duett von JP mit Tess Reitz bei „Better Move It On Home“.

Harris outete seine Empathien für diverse, hier z. T. nicht so bekannte Countrymusiker wie Red Simpson („Happy Go Lucky Truck Driver“), Micky Newberry („Why Have You Been Gone So Long“), Jerry Reed (das bei uns durch die Version der Outlaws bestens geläufige „Free Born Man“ in einer fulminanten Darbietung), Terry Allen („Amarillo Highway“), aber auch für Altstars wie Waylon Jennings („Lonesome On’ry And Mean“) und Dave Dudley mit einigen Covernummern. Mit der einzigen Zugabe „Six Days On The Road“ von letzgenanntem Dave Dudley verabschiedeten sich Harris & Co nach intensiven, abwechslungsreichen und kurweiligen 20 Stücken von der begeisterten Audienz.

Somit hatten JP Harris & The Tough Choices am Ende einem die Wahl nicht schwer gemacht. Der Besuch hatte sich erneut absolut gelohnt. Eine tolle Werbung für mit viel Herz, Drive und Humor gespielten Live-Country, die in der Kulturrampe bestens angenommen wurde.

Line-up:
JP Harris (lead vocals, electric guitar)
Mark Sloan (electric guitar, vocals)
Tess Reitz (bass, vocals)
Jon Whitlock (drums)
Thomas Bryan Eaton (pedal steel)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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