Jive Mother Mary, 16.09.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

JMM_Haupt

Nach Robert Jon & The Wreck im August präsentierten „Pille“ Peerlings und Teenage Head Musik mit Jive Mother Mary eine weitere hochkarätige Southern-Rock-Band in der Krefelder Kulturrampe. Frontmann Mason Keck und seine drei Mitstreiter zogen das Publikum von Beginn an in ihren Bann.

Der Titel „Feeling Fine“, mit dem die Band aus Alamance, North Carolina, loslegte, war zugleich Programm für die nächsten hundert Minuten. Die Begeisterung, mit der Jive Mother Mary den Auftritt bestritten, schwappte direkt auf die Gäste der Kulturrampe über. Dass mit „Long Odds“ und „Burning Up The Highway“ zwei bislang unveröffentlichte Songs auf den Opener folgten, ist zwar ungewöhnlich, tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Beim zweitgenannten übernahm Gitarrist Tyler Schulz anfänglich die lead vocals. Keck und Schulz legten sich anschließend bei „Down South Manifesto“ mit zweistimmigem Gesang und Twin-Gitarren mächtig in Zeug.

Perfekt eingespielt und voller Elan jamte die Band „Have A Cigar“. Die beiden Gründungsmitglieder Mason Keck und Schlagzeuger Seth Aldridge verstehen sich blind, was bei ihren Langhaarfrisuren sehr vorteilhaft ist. Bassist Will Sanders war nicht nur hier, sondern während des gesamten Konzerts in ständiger Bewegung und auch Tyler Schulz arbeitete kräftig, wie sein durchgeschwitztes T-Shirt bewies. Schön war, dass Sänger und Gitarrist Mason Keck immer wieder Kontakt zum Publikum aufbaute und auch physisch die Nähe zu ihm suchte. So stellte er sich bei seinen Gitarrensoli oft an den Bühnenrand und stieg auch zweimal von ihm herunter, sodass man sein filigranes Wirken unmittelbar beobachten konnte.

Einen ersten Höhepunkt erreichte das Konzert bei dem Rockstück „Outta Love“ von dem Album „All Fall Down“ (2009). Das folgende „I Tried To Let Go“, das Keck als „Southern Rock ’n Roll” bezeichnet, ließ den satten Klang des Schlagzeugs von Aldridge besonders gut zur Geltung kommen. Nach dem ruhigeren Song „The Ride“ kochte die Stimmung des Publikums bei dem kraftvollen „Move On Home“. Die aufgenommene Fahrt wurde durch das countryfizierte „Hollywood“ etwas abgebremst. Man hätte auch mit dem tanzbaren und melodischen Rocker „Save Me“ den Schwung direkt mitnehmen können. Hier spielte Mason Keck zunächst souverän mit einer gerissen Saite weiter, um dann doch noch auf seine zweite Gitarre umzusteigen.

Mit „Planes, Trains & Automobiles“, „Ba Dum“ und dem Eagles-inspirierten „Great Decline“ steuerte das Konzert auf sein Ende zu. Den Abschluss des Hauptsets bildete „Home“. Bei dem grandiosen Song setzt die Gitarre von Schulz gelungene Akzente in das Spiel von Keck, der zudem bewies, dass er auch in höheren Tonlagen gesanglich sicher unterwegs ist. Wenn darüber hinaus der Titel gemeinsam von den Bandmitgliedern in die Mikros gerufen wird, entwickelt der Song eine ungeheure Wucht. Eine Textzeile lautet wie die letzten EP: „Home Is Where Your Heart Is“.

Die Jungs von Jive Mother Mary spielen mit so viel Leidenschaft, dass sie auf der Bühne zuhause sein müssen! Die Band zählt in ihrer Heimat North Carolina zu den anerkanntesten Live-Acts und konnte in Krefeld beweisen, dass dieser Status berechtigt ist. Die Live-Versionen der Stücke haben mich zumeist mehr überzeugt, als die mir bekannten Studio-Aufnahmen.

„The Climb“ und das sofort wiederzuerkennende „Keep On Keepin‘ On“ stellten die erste Zugabe dar. Damit hatten die Amerikaner alle Tracks der letzten beiden EPs im Programm. Da das Publikum die Band noch nicht gehen lassen wollte, gab sie als spontane Zweit-Zugabe „I Can Still Be Your Man“. Der ältere Song, war wohl zeitweise in Vergessenheit geraten und wurde nun erstmals live performt.

Jive Mother Mary liefern Southern Rock auf hohem Niveau. In Erinnerung bleibt vor allem das virtuose Gitarrenspiel von Mason Keck, begleitet von seiner eindrucksvollen Mimik. Dabei hatten seine Instrumental-Einlagen genau das richtige Maß. Sie waren ausgedehnt, aber nicht so lang, dass die Grundanlage der Songs in den Hintergrund getreten wäre.

Nach Daniels fast überschwänglichem Lob der niederländischen Konzertkultur anlässlich des vortägigen Auftritts von Sass Jordan wollte ich heute eigentlich einen Hinweis auf die treue Fan-Basis der Kulturrampe einbauen. Allerdings fehlten viele der üblichen Verdächtigen. Zum Glück haben einige neue Liebhaber von guter Live-Musik den Weg zum Krefelder Großmarkt gefunden.

Jive Mother Mary und die unverzagten Veranstalter hätten ein volleres Haus verdient gehabt. Vielleicht hat der Umstand, dass dies die erste Deutschlandtour der Band ist – oder die verhältnismäßig geringe Anzahl an (aktuellen) Veröffentlichungen – dies verhindert. Die Band zeigte sich aber begeistert von Publikum und der Location. Schlagzeuger Seth Aldridge kündigte an, bald mit einer neuen CD im Gepäck zurückzukommen. Das wäre dann eine zweite Chance – die wirklich jeder nutzen sollte – um Jive Mother Mary live zu erleben.

Line-up:
Mason Keck (lead vocals, electric guitar, vocals)
Tyler Schulz (electric guitar, vocals, lead vocals)
William Sanders (bass, vocals)
Seth Aldridge (drums, vocals)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Michael Segets

Jive Mother Mary
Jive Mother Mary bei Facebook
Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Sass Jordan – Support: Chris Caddell And The Wreckage – 15.09.2017, Arnheim, Luxor Live – Konzertbericht

Sasss_Haupt

Ein Gig, auf den ich mich dieses Jahr schon seit längerem gefreut habe, war der von Sass Jordan, die anlässlich des 25-jährigen Jubileums ihres Paradealbums „Racine“  (jetzt zeitgleich neu eingespielt, wieder aufgelegt als „Revisted“-Ausgabe, siehe unsere Besprechung), in Europa tourt.

Die Kinnlade ging natürlich immens runter, als das geplante Konzert im Kölner Jungle Club wegen zu geringem Kartenabsatzes kurzfristig abgesagt wurde. Der deutsche Michel besucht in der Domsadt scheinbar lieber anonyme Kommerz-orientierte Massenveranstaltungen zu horrenden Preisen – Metallica lassen grüßen.

Sounds Of South, das Magazin, das immer auf Zack und flexibel ist, reagierte sofort, und organisierte  in Verbindung mit Brooke-Lynn Promotion noch spontan eine Akkreditierung für den Gig im niederländischen Arnheim, übrigens Gernots und mein erster Auslandseinsatz in Sachen Live-Berichterstattung seit Bestehen dieses Magazins.

An dieser Stelle muss ich mal eine Lanze für unser Nachbarland brechen. Als Hundebesitzer und demnach passionierter langjähriger Zeeland-Urlauber bewundere ich immer wieder den Sinn für deren Gemeinschaftsleben, die recht entspannt und gebildet wirkenden Menschen, u. a. auch besonders die Pflege der dortigen Infrastruktur.

Das Land scheint nicht von einer, durch eine kleine elitäre geldgeile Klicke, infiltrierten selbstsüchtigen und entrückten Politikerschaft sowie einer weitestgehend unfähigen und nicht belastbaren Beamtenschaft delegiert zu werden. Und so auch in Arnheim: Eine einladende Stadtstruktur, perfekte Straßen, gepflegte Sauberkeit, wohin das Auge blickte, ein durch Elektrobusse befahrener Stadtkern, bezahlbare Parkhäuser (2 Euro für den Abend), dazu eine wunderbar hergerichtete Konzert-Location, eine straffe, freundliche Top-Organisation des Events eingeschlossen.  Der gerechte Lohn: Ein volles Haus (geschätzt etwas mehr als 500 Leute)!

Beim Jordan-Abend wurden direkt zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die Kanadierin wurde von Chris Caddell begleitet, der als Vorband mit den beiden anderen involvierten Musikern Cassius Pereira und Derrick Brady, die Gelegenheit erhielt, für sein Solo-Projekt Werbung zu machen.

Das Trio (blues-) und (southern-) rockte mit einer wuchtigen Intensität, wobei sich Caddell  als angenehmer Sänger und starker E-Gitarrist (auch als Slide-Spieler) profilieren konnte. Stücke wie „From The Wreckage“, „Workin'“, „The Rescue“, „Through My Hands“ und die abschließenden „Ohio“ (fette rockige Version zur Freude des Neil Young-Liebhabers Gernot) und „Killing Me“ füllten eine toll performte erste halbe Stunde. Ich habe selten eine so gute Vorgruppe erlebt.

Nach einer halben Stunde Pause in dem eindrucksvoll gestalteten Konzertsaal, den die drei Burschen auch zum Kleidungswechsel nutzten, ging es mit der Protagonistin der Veranstaltung im Quartett weiter.

Schon der Auftakt mit den vier „Racine“-Stücken „If You Gonna Love Me“, „Who Do You Think You Are“, „Where There’s A Will“ und der herrlichen Ballade „Remind Me“ ließ einem wohlige Schauer, den Rücken runter laufen. Das Publikum, wie auch wir beiden, waren absolut begeistert und sofort auf Betriebstemperatur!

Sass Jordan ist einfach eine einnehmende Frontfrau. Für Ihr Alter immer noch toll aussehend, körperlich absolut erstklassig in Form, sympathisch, kommunikativ, dazu diese extravagante Stimme, sowohl zahm wie ein Lamm, aber auch überwiegend kräftig und aggressiv wie ein beute-hungriges Raubtier.

Sass, wie sich ihren Ansagen entnehmen ließ, wohl nicht zum ersten Mal an dieser Stelle auftretend, zeigte sich gut gelaunt, redefreudig, tanzte, gestikulierte, schlängelte mit den Armen, ließ die blonde Mähne wehen und zog mit einem gut ausgewähltem Programm ihres Schaffensspektrums, die Leute über die gesamte Dauer in ihren Bann. Auch hier bewiesen die drei Mitstreiter wieder ihre instrumentelle Klasse (Caddell mit toller Rhythmus-, Fill- und auf den Punkt gebrachter Solo-Arbeit an der E-Gitarre, der ungemein agile Brady mit seinem pumpenden Bass – beide auch mit guten Harmoniegesängen – sowie der heftig polternde Pereira).

Und so schloss sich in einem erstklassigen Wechselbad der musikalischen Gefühle, mit Songs wie „Mobile Again“, „Shuffle“ (herrliches Slide-Solo von Caddell, Schatten-Box-Einlage von Sass am Ende), dem fulminanten „Pissin‘ Down“ (Jordan knurrt regelrecht zum Abschluss des Liedes), dem grandiosen „The Feeling’s Gone“ (Sass mit schrillem Cockerschem Urschrei), dem stampfenden „Ugly“, „Damaged“ und „High Road Easy“, der „Racine“-Kreis des Hauptteils mit dem allseits beliebten „Make You A Believer“, das den Saal in euphorische Sphären bewegte.

Die nicht lange auf sich warten lassenden Zugaben wurden mit einer unter die Haut gehenden Cover-Version vom einstigen Stevie Nicks-Debütwerk „Bella Donna“, „Stop Dragging My Heart Around“ (damals im Duett mit Tom Petty), bei dem Sass und Chris diesmal duettierten, und dem knackigen „So Hard“ zelebriert.

Ein Wahnsinns-Abend, der in allen Belangen überzeugte. Selbst Kollege Gernot, bei dem meine anfängliche Überzeugungsarbeit gefruchtet hatte, war richtig ‚von den Socken‘. Ich bin mir relativ sicher, gestern mit Sass Jordan & Band, das vermutliche Konzert-Highlight des Jahres 2017 erlebt zu haben. Einfach wunderbar!

Danke an Birgit Bräckle von Brooke-Lynn Promotion und SJ-Tour-Manager Wouter Bakker für die verlässliche und spontane Unterstützung.

Line-up Chris Caddell And The Wreckage:
Chris Caddell (lead vocals, electric guitar)
Derrick Brady (bass, vocals)
Cassius Pereira (drums)

Line-up Sass Jordan:
Sass Jordan (lead vocals)
Chris Caddell (electric guitar, vocals)
Derrick Brady (bass, vocals)
Cassius Pereira (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Sass Jordan
Sass Jordan bei Facebook
Chris Caddell And The Wreckage
Chris Caddell And The Wreckage bei Facebook
Brooke Lynn Promotion
Luxor Live, Arnheim

UFO, 07.09.2017, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

UFO_Haupt

UFO ist eine Band, die Gernot und mich durch unsere Jugend und auf so mancher Fete begleitet hat, demnach war klar, dass wir auch im SoS über ein Konzert berichten würden, sofern sich die Gelegenheit dazu bieten würde. Und am 07.09. war es, im von uns immer überaus gerne besuchten Musiktheater Piano in Dortmund, soweit.

Besitzerin Jenny Dore durfte sich am Abend zuvor schon über ein ausverkauftes Haus bei Mothers Finest freuen, auch bei der legendären britischen Truppe um Phil Mogg war die Hütte wieder rappelvoll. Ich hatte die Band schon an gleicher Stelle drei Jahre zuvor gesehen, als sie noch ihre damalige CD „Seven Deadly“ im Gepäck hatte, die mir, wie auch der Vorgänger „The Visitor“, ziemlich gut gefallen hatten.

Die Briten starteten, aus nicht ersichtlichen Gründen, mit 20 Minuten Verspätung und ließen vermutlich deswegen auch mit „Baby Blue“ und „Making Moves“ zwei geplante Stücke unter den Teppich fallen, der vielleicht einzige kleine Kritikpunkt dieses Abends.

Aber als das Quintett mit Phil Moog, Vinnie Moore, Rob de Luca, Paul Raymond und Andy Parker zu „Faith Healer“-Klängen auf die Bühne marschierte und mit dem Opener „We Belong To The Night“ direkt in die Vollen ging, war sofort prächtige Stimmung in der Bude, die auch bis zur letzten Sekunde des Konzerts anhielt.
Nach „Run Boy Run“ vom letzten Studioalbum aus eigener Hand „A Conspiracy Of Stars“ (später gab es mit „Messiah Of Love“ noch einen weiteren Track daraus), und „Ain’t No Baby“ folgten mit „Lights Out“ und „Only You Can Rock Me“ die ersten Highlights aus ihrer großen Zeit (damals ja noch mit Michael Schenker), was natürlich sofort mit frenetischen „U-F-O, U-F-O“- Rufe gefeiert wurde.

Bereits zu dieser Zeit hatte Vinnie Moore mit seinen vielen quirligen E-Gitarrensoli neben dem wieder mit britischem Charme singenden und moderierenden Fronter Phil Mogg die Co-Hauptrolle eingenommen. Andy Parker überzeugte mit einer überaus fetten Drum-Performance, dem agilen Basser de Luca wurden einige Harmoniegesänge gegönnt, während sich Paul Raymond mit Piano- und Orgel- sowie Rhythmus-E-Gitarren und Backgroundvocals-Einsätzen als der variabelste zeigte.

„Burn Your House Down“ (sehr schön knackig) von „Seven Deadly“ und das vom Tempo her abwechslungsreiche „Cherry“ läuteten die heiße Schlussphase des Hauptteils ein. Das teil-balladeske „Love To Love“ mit Piano- und Akustikgitarrenklängen (Moore wechselte auch zur E-Gitarre), das dreckig rockende „Too Hot To Handle“ (mein persönlicher Favorit des Abends) und eines ihrer Paradesongs „Rock Bottom“ (Mitgrölrefrain, saustarke mehrphasige E-Gitarrepassage von Moore) brachten den, auch mit vielen jüngeren Besuchern durchzogenen Saal, endgültig in Rage.

Mit den beiden allseits bekannten und launig performten Hit-Rausschmeißern „Doctor Doctor“ und „Shoot Shoot“ gab es am Ende kein Halten mehr. UFO hatten ihre treue Fan-Gemeinde wieder voll (na ja, wie oben erwähnt, fast voll…) auf ihre Kosten kommen lassen. Ein gelungener Abend im Piano mit Hard Rock der guten alten Schule und Zeit, der viele schöne Erinnerungen wach rief.

Vielen Dank wie immer an Jenny Dore für die unkomplizierte und nette Kooperation.

Line-up:
Phil Mogg (lead vocals)
Vinnie Moore (electric and acoustic guitars)
Rob de Luca (bass, vocals)
Andy Parker (drums)
Paul Raymond (keys, guitar, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

UFO
UFO bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Krissy Matthews, 04.09.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Matt_Haupt (1)

Zum Auftakt seiner Europa-Sommer-Tour gab sich Krissy Matthews am 4. September mal wieder mit seiner Band (Sam Weston, bass und Kev Hickman, drums) in der Krefelder Kulturrampe, die Ehre. Schade nur, dass an diesem Abend auch Deutschland gegen Norwegen kickte und das Konzert wohl deshalb nur vor einer handvoll unverzagter Bluesrock-Fans stattfand.

Der Spielfreude, mit der Krissy Matthews mit seiner Band zu Werke ging und der Stimmung im Saal, tat dies allerdings keinen Abbruch. Das Trio gab in zwei Sets einen bunten Strauss älterer und neuer Songs zum Besten, die vom wenigen Publikum begeistert abgefeiert und abgetanzt wurden. Dabei konnte Krissy Matthews erneut seine Klasse als Blues-Gitarrist unter Beweis stellen.

Hervorzuheben sind auch seine beiden Mitstreiter. Kev Hickman verausgabte sich mit seinem Elan hinter der Schießbude, wobei ihm der Spaß am Trommeln förmlich ins Gesicht geschrieben stand und einen derart extrovertierten Bassisten wie Sam Weston dürfte es wohl schwerlich ein zweites Mal geben.

Nach rund zwei Stunden und zwei Zugaben war das Konzert dann zu Ende und die Gäste gingen glücklich und zufrieden nach Hause. Insgesamt war es ein toller Abend, auch wenn Band und Pille Peerlings als Macher der Kulturrampe, ein größeres Publikum verdient gehabt hätten. Und an alle Daheimgebliebenen: ihr habt echt was verpasst!

Line-up:
Krissy Matthews (lead vocals, electric guitar)
Sam Weston (bass, vocals)
Kev Hickman (drums)

Bericht und Bilder: Jörg Schneider

Krissy Matthews
Krissy Matthews bei Facebook
Kulturrampe Krefeld
Jörg Schneider

J.P. Harris & The Tough Choices – Support: Miss Tess – 17.08.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

JP_haupt (1)

Hatte sich Kulturrampen-Macher Markus ‚Pille‘ Peerlings vor gut einem Jahr noch zurecht über das überschaubare Publikum anlässlich des Konzerts von JP Harris & The Tough Choices dezent echauffiert, durfte er sich diesmal über eine sehr gut gefüllte Rampe freuen. Die starke Leistung der Nashville-Band um ihren Leader aus Montgomery, Alabama, hatte vermutlich etliche damalige Besucher erneut angelockt und auch die anderen tollen Konzerte in diesem Sektor der letzten Zeit, in Verbindung mit Mundpropaganda (und unserer tollen Berichterstattung, ähm…), dürften noch ihr Übriges dazu getan haben.

Als Support hatte Harris die junge, von New York nach Nashville übergesiedelte Country-Chanteuse Tessa Reitz alias Miss Tess im Schlepptau, die samt ihres Mitspielers Thomas Bryan Eaton zunächst ihre eigene Musik präsentierte und anschließend dann, zusammen mit ihm, auch zum Line-up von Harris dazu stieß.

Beide, ausgerüstet mit den Telecaster E-Gitarren, die später von JP Harris und Mark Sloan geschultert wurden (Eaton mit vielen starken Soli), legten den Fokus auf eine gelungene Mischung von Tracks aus Tess‘ aktuellem Album „Baby We All Know“ (u. a. „Ride That Train“, „Little Lola“ mit schönem CCR-Flair, das flotte „Take You, Break You, Shake You“), einem Willie Dixon Cover („I Just Wanna Make Love To You“), einem Stück aus Eatons eigenem Fundus, das er auch selbst sang (Tess Harmonies), sowie einem brandaktuellen neuen Song namens „The Moon Is An Ashtray“.

Schön, dass gegen Ende noch Jon Whitlock an den Drums mit dazukam (Tess jetzt am Bass), so dass man auch ein wenig ihre Musik im ‚Vollversion‘-Ambiente vermittelt bekam. Ein gelungener sympathischer Auftakt!

Line-up:
Tess Reitz (lead vocals, electric guitar, bass, vocals)
Thomas Bryan Eaton (electric guitar, pedal steel, vocals)
Jon Whitlock (guest drums)

Nach kurzer Pause, ein Umbau war im Prinzip gar nicht nötig, schritt JP Harris zur Sache, wie oben angeführt, im Vergleich zum Vorjahr mit Tess Reitz am Bass und Tom Bryan Eaton an der Pedal Steel, in leicht modifizierter Besetzung.
Da er noch kein neues Album am Start hatte, ähnelte das Programm im Groben und Ganzen mit kleinen Ausnahmen, der letztjährigen Darbietung. Tracks wie u. a. „California Turnarounds“ (Opener), „Badly Bent“, „Two For The Road“,  „South Oklahoma“, „I’ll Keep Calling“ oder „Home Is Where The Hurt Is“ traten aus dem Unterbewusstsein wieder hervor.

JP Harris verkörperte den erzählenden, oft witzelnden Fronter, Mark Sloan und Eaton ließen ihr filigranes Können an der Leadgitarre und Pedal Steel mit unzähligen quirligen Bariton-, bzw. weinenden, wimmernden und leiernden Soli reichhaltig aufblitzen. Besonders zu erwähnen vielleicht das starke Duett von JP mit Tess Reitz bei „Better Move It On Home“.

Harris outete seine Empathien für diverse, hier z. T. nicht so bekannte Countrymusiker wie Red Simpson („Happy Go Lucky Truck Driver“), Micky Newberry („Why Have You Been Gone So Long“), Jerry Reed (das bei uns durch die Version der Outlaws bestens geläufige „Free Born Man“ in einer fulminanten Darbietung), Terry Allen („Amarillo Highway“), aber auch für Altstars wie Waylon Jennings („Lonesome On’ry And Mean“) und Dave Dudley mit einigen Covernummern. Mit der einzigen Zugabe „Six Days On The Road“ von letzgenanntem Dave Dudley verabschiedeten sich Harris & Co nach intensiven, abwechslungsreichen und kurweiligen 20 Stücken von der begeisterten Audienz.

Somit hatten JP Harris & The Tough Choices am Ende einem die Wahl nicht schwer gemacht. Der Besuch hatte sich erneut absolut gelohnt. Eine tolle Werbung für mit viel Herz, Drive und Humor gespielten Live-Country, die in der Kulturrampe bestens angenommen wurde.

Line-up:
JP Harris (lead vocals, electric guitar)
Mark Sloan (electric guitar, vocals)
Tess Reitz (bass, vocals)
Jon Whitlock (drums)
Thomas Bryan Eaton (pedal steel)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

J.P. Harris & The Tough Choices
J.P. Harris & The Tough Choices bei Facebook
Miss Tess
Miss Tess bei Facebook
Kulturrampe Krefeld

Matt Schofield – 27.07.2017, Blue Notez, Dortmund – Konzertbericht

Matt-Haupt

Da wir uns im Moment, zumindest was die von präferierte Live-Musik angeht, so ein wenig in einem kleinen Sommerloch befinden, passte es natürlich ganz hervorragend, dass es dem Blue Notez Club, der ja auch für sein ausgewogenes und anspruchsvolles Programm bekannt ist, gelungen war, den exzellenten britischen, Awards-dekorierten Gitarristen Matt Schofield wieder nach Dortmund zu locken.

Zudem habe ich mich gefreut, mal wieder mit unserem Fotografen Peter Schepers, der ja quasi im Blue Notez ‚zu Hause‘ ist, einen gemeinschaftlichen Konzertbericht zu erstellen. Matt und seine Mitstreiter Drummer Jamie Little, Bassist Carl Stanbridge sowie Tastenmann Dan Moore eröffneten um 20.15 Uhr ihren am Ende etwas über 100 Minuten dauernden Gig (inklusive einer Zugabe) mit dem groovigen Opener „What I Want Hear“, der Dank Moores Orgelspiel auch ein wenig Allman-Flair aufwies.

Matt, der übrigens vor fünf Jahren schon einmal an gleicher Stelle aufgetreten war, ließ die Organisatoren sich über eine prall gefüllte Location freuen. Ich habe bei meinen bisherigen Besuchen im Blue Notez auch noch nicht so viele Besucher schon zu Einlass-Beginn vor der Pforte stehen sehen. Die Band legte mit „Live Wire“ direkt ein starkes Stück nach, auch hier schwebte dezente Südstaaten-Luft mit, den Song könnte man sich durchaus auch im Warren Haynes-Umfeld vorstellen.

Als eines seiner persönlichen Lieblingsstücke in einem Greatest Hits-Programm, ohne wirklich je einen Greatest Hit gehabt zu haben, bezeichnete der Protagonist den Slowblues (sehr schön sperrig gespielt) „See Me Through“. Schofield zeigte natürlich nicht nur hier mit seinen vielen brillanten Soli, warum er etliche Male zum besten britischen Gitarristen ausgezeichnet wurde.

Aber auch ein harmonisch agierendes Kollektiv scheint ihm ungeheuer wichtig zu sein. So durften sich seine Mitspieler, die er auch immer wieder zwischendurch vorstellte, bei „Siftin‘ Thru Ashes“ zum ersten Mal mit integrierten Solo-Parts ihr Können präsentieren. Das im Stile der großen Blues-Meister wie Albert Collins & Co recht retro gebrachte „I Don’t Know What I’d Do“ und das knackige, claptoneske „Ship Wrecked“ waren die nächsten Stationen.

Was ein guter Sänger im Blues Genre wert ist, zeigte sich dann beim Gastauftritt von Jay Stollman, der dem Quartett bei zwei Tracks (u. a. „Don’t Take Advantage Of Me“) am Frontmikro assistierte. Toll sein energiegeladener und emotionaler Gesang (aus meiner Sicht eigentlich sogar fast mehr für’s Hard Rock-Genre prädestiniert), der mich ein wenig an Chris Ousey erinnerte. Stollman erwies sich als echter Zusatz-Farbtupfer.

„Where Do I Have To Stand“ war dann das absolute Highlight des Gigs. Matt brillierte in zwei intensiven filigranen E-Gitarren-Solo-Passagen auf seiner stark beanspruchten Stratocaster, wobei ich Klänge von David Gilmour bis hin sogar zu Ted Nugent zu entdecken glaubte. Toll, was der Mann alles auf seinem Arbeitsgerät abzuliefern weiß.

Zum Ende gab es noch ein Instrumental mit erneutem Solieren aller Beteiligten, wobei hier Jamie Littles percussion-artiges Agieren mit den Händen zu Beginn des Drum-Solos ordentlich Eindruck machte und eine retro-bluesige Zugabe, mit der Matt Schofield und seine Mannen die restlos begeisterte Audienz auf den Heimweg verabschiedete. Natürlich nicht, bevor am Merchandising-Stand, dann noch alle Autogramme und Fotografie–Wünsche erfüllt wurden. Insgesamt ein sehr starker Abend im Blue Notez, in der Matt tolle Werbung für den Blues Rock und nicht zuletzt auch in eigener Sache ablieferte. Klasse!

Line-up:
Matt Schofield (lead vocals, electric guitar)
Dan Moore (keys)
Carl Stanbridge (bass, vocals)
Jamie Little (drums)
Jay Stollman (guest lead vocals)

Bilder: Peter Schepers
Bericht: Daniel Daus

Matt Schofield
Matt Schofield bei Facebook
Jay Stollman
Florence Miller Agency bei Facebook
Blue Notez Dortmund

Nick Moss Band – 13.07.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

Moss-Haupt

Mit Nick Moss hatte sich ein echtes Schwergewicht der heute noch praktizierenden Vertreter des Chicago Blues in der Krefelder Kulturrampe angesagt.

Rampen-Chef Pille Peerlings sinnierte bei der Einleitung, bzw. Ansage, wie man wohl das Durchschnittsalter des Blues-Publikums in Zukunft senken könnte, und bot vermutlich den meist akademisch behafteten Anhängern und Philosophen des Genres, abendfüllenden Diskussionsstoff bezüglich dieser schier unlösbar erscheinenden Fragestellung. Denn in der Tat dominierte wieder mal die Ü-50 Generation im Saale. Schöner  Spruch eines Zuschauers daraufhin übrigens: „Pille du bist hier der Jüngste im Raum!“

Dem im wahrsten Sinne des Wortes mit wuchtigen Körpermaßen ausgestatteten Protagonisten, diesmal komplett auf einer Telecaster agierend, und seinen Mitstreitern Dennis Gruenling, Taylor Streiff, Nick Fane und Patrick Seals (Moss betitelte den backenbärtigen Drummer bei der Vorstellung der Band als Baby-Duane Allman) wohnten um die 100 Besucher an diesem Donnerstag Abend bei (also fast voll) und boten diesem äußerst stimmungsvollen Gig einen würdigen Rahmen.

Ja, ich muss tatsächlich schon überlegen, wann ich überhaupt mal, solch eine rasende Meute in der kleinen Kult-Location erlebt habe (auch wieder dabei, eine schon früher bei diversen Gigs zur Kenntnis genommene, ekstatisch vor der Bühne tanzende blonde Dame, die erneut voll in der Mossschen Musik aufging).

Das Instrumental zu Konzertbeginn um 20:45 Uhr diente zunächst mal der Abmischung des richtigen Sounds. Moss war mit der Einstellung seiner Gitarrentöne überhaupt nicht zufrieden und gestikulierte in Richtung Mischpult. Nach kurzen Instruktionen nach Ende des Openers war dann alles takko und die Band spielte sich mit „Someday“ quasi in den Gig ‚hinein‘.

Der Song hatte eigentlich auch schon wegweisende Wirkung auf die folgenden Tracks, meist durch Ricks Gesang, klimpernde Piano-, Harp- und quirlige intensive E-Gitarrensoli auf einem retrobehafteten swingendem Blues-Rhythmus-Teppich, in Szene gesetzt.

Vieles erinnerte mich, was meinen kleinen Horizont dieser recht Harp-lastigen Musikspielart angeht (ich hoffe, die Experten verzeihen mir hier ggfs. eine eventuelle zu einfache oder gar falsche Analyse), an Acts wie Muddy Waters, Paul Butterfield, Nick Gravenites oder ganz dezent auch an die J. Geils Band.

Mit dem herrlich schrill aussehenden Dennis Gruenling (Sonnenbrille, Schlangenleder-Sakko, schwarz lackierte Fingernägel, samt einer Unzahl von Ringen an den Greifern) wurde dieses Instrument natürlich per se dann zum echten Gesamtfarbtupfer. Der durfte dann auch bei zwei Stücken mal seine Gesangskünste als Fronter zum Besten geben.

Songs wie „Get Your Hand Out Of My Pockets“, das leicht Bakersfield-umwehte „Rockin‘ The Blues“, der überragende Schwofer „Woman You Must Be Crazy“ (mit ein wenig „Statesboro Blues“-Flair) und „Pretty Girls Everywhere“ (erste Zugabe) blieben bei mir im Gehör hängen. Zum krönenden Abschluss erzeugten dann Nick (am Schlagzeug sitzend, seichten Beckenrhythmus mit dem Fuß vorgebend, singend und E-Gitarre spielend) und Dennis an der Harp, im Duo bei der  zweiten (vehement) eingeforderten Zugabe, noch ein wenig Delta-Blues-Atmosphäre.

Somit lautet das knappe Fazit des launigen und umjubelten Abends in Abwandlung eines bekannten Sprichworts: Mit Nick Moss echt was los in der Krefelder Kulturrampe! Wer übrigens das Quintett in unseren Sphären nochmal sehen möchte, sollte dazu am morgigen Samstag (15.07.) die Gelegenheit im Kölner Yard Club nutzen.

Line-up:
Nick Moss (lead vocals, electric guitar)
Dennis Gruenling (harp, lead vocals)
Taylor Streiff (keys)
Nick Fane (bass)
Patrick Seals (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Nick Moss Band
Nick Moss Band bei Facebook
Kulturrampe Krefeld

Dead Bronco – 04.07.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

DB_Haupt

Dadurch bedingt, dass ich erst am 02.07.2017 aus Zeeland zurückgekehrt war, befand ich mich eigentlich noch so ein wenig im Urlaubsmodus, zumal ich mich erst nächsten Montag wieder meiner ‚lebenserhaltenden‘ Arbeit zuwenden muss.

Kollege Gernot schickte eine spontane Mail, ob wir nicht kurzfristig zu Dead Bronco in unsere geliebte knuddelige Rampe fahren sollen. Na ja, warum nicht, dachte ich, und so zogen wir am Dienstag Abend für die uns beiden völlig unbekannte amerikanisch-spanische Formation, Richtung Krefeld los.

Kopf des seit 2012 bestehenden Quintetts ist der aus Florida stammende, nach Spanien übergesiedelte Matt Horan, der mit Dani Merino,  Manu Heredia,  Oscar Calleja und Danel Marín mittlerweile drei Alben und eine EP vorweisen kann. Kleine weitere interessante Randnotizen zur Band : Horan hat eine Schauspiel-Neben-Rolle im 2016er Horrorfilm „The Night Watchmen“ ergattern können und die Band ist Labelinhaber einer Biersorte ‚La Bronca‘.

Bei unserer Ankunft erlebten wir zunächst wie Rampen-Kultfigur und Tattoo-Studio-Besitzer Mario Scholten, aufgrund eines personellen Engpasses, Dienst an der Kasse schieben musste. Er hatte sicher seine helle Freude, als der im Unterhemd bekleidete und reichhaltig am Körper verzierte Bandleader mit seinen Jungs um 20:45 Uhr die Bühne betrat.

In der kleinen Krefelder Location scheint sich in Sachen Country peu à peu eine Countryfangemeinde zu bilden und so konnte Rampen-Chef Pille Peerlings zur Ansage knapp 60 Zuschauer für einen Dienstag in der Woche begrüßen. Recht ordentlich, wie ich meine.

Horan und Co. arbeiteten dann in einem 27 Stücke umfassenden, schweißtreibendem Programm sämtliche Facetten des traditionell gespielten Country ab, wobei der Fokus auf ziemlich abgehenden, oftmals punkig angehauchten Stoff dieser Art gelegt wurde. Der hohe Anteil an Uptemponummern trug natürlich erheblich dazu bei, dass viele der Anwesenden, vor allem einige Frauen, richtig in Tanzwallung gerieten.

Die Stimmung war somit prächtig, weshalb letztendlich auch noch satte vier Zugaben (u. a. das starke, an die Skynyrdsche Version von „T For Texas“ erinnernde „Working Man Blues“ und das launige „Hillbilly Joker“) aus der Band herausgeholt wurden.

Lobenswert finde ich, dass die fünf Burschen ihr neues Album „Bedridden And Hellbound“, laut meinen Notizen, so gut wie komplett vorstellten und bei den Covernummern auf unbekanntere, bzw. eigenwillige Tracks wie z. B. „False Hearted Lover’s Blues“ von Hank Williams sr., Merle Haggards „Mama Tried“ (mit klasse Bariton-E-Solo) oder Glenn Danzigs „I’m The One“ zurückgriffen.

Als weitere Earcatcher habe ich Stücke wie den in Bakersfield-Manier gebrachten Heuler „My True Love“ (hier geht es um Bier, nicht um eine Frau…), den dezent ZZ Top-angelehnten „Make My Eyes Bleed Boogie“, das nach sich selbst benannte, ein wenig mit „Ghost Riders In The Sky“-Flair bedachte „Dead Bronco“, das polternde „Mudd The Demon“ (schönes bluesiges Bridge plus quirligem E-Solo) und das sich am Ende des Hauptteils fast selbst überschlagene punkige „Penitent Man“ (Horan schreit, tanzt und headbangt) vermerkt.

Insgesamt auch eine sehr geschlossene Bandleistung. Horan gab sich als Führungspersönlichkeit sehr kommunikativ und erzählte oft kleine Anekdoten zu den Songs. Die Rhytmusfraktion mit dem solide polternden Danel Marín wurde natürlich durch den Upright Bass von Oscar Calleja auch visuell bereichert, für das Solieren waren der quirlig, auf einer markanten Gretsch-Gitarre spielende Manu Heredia und sein kongenialer, recht introvertiert wirkende Partner an der Lap Steel, Dani Merino, verantwortlich, die auch beide vereinzelt Harmonie-Gesänge beisteuerten.

Wer auf launigen, recht ruppig und größtenteils fett abgehend gespielten Country der traditionelleren Sorte steht, hat in den nächsten Tage nur noch zweimal die Gelegenheit,  Dead Bronco in unserem Lande beizuwohnen. Für Gernot und mich war es eine unterhaltsame Abwechslung zu Beginn der Woche, deren Besuch sich durchaus gelohnt hatte. Ein quicklebendiger Gig von Dead Bronco!

Line-up:
Matt Horan (lead vocals, acoustic guitar)
Dani Merino (lap steel, vocals)
Manu Heredia (electric guitar, vocals)
Oscar Calleja (upright bass)
Danel Marín (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Dead Bronco
Dead Bronco bei Facebook
Kulturrampe Krefeld

The Delta Saints – 02.07.2017, Yard Club, Köln – Konzertbericht

DS_Köln_Haupt

Endlich mal wieder in der schönsten Stadt Deutschlands, wie die Gäste im Müngersdorfer Stadion beim Fußball begrüßt werden. Mein Weg führte mich allerdings in den schummrigen Yard Club im Kölner Norden zum Konzert der Delta Saints aus Nashville, zum zweiten Teil der „Monte Vista„-Tour. Im Fußball lag vermutlich auch der Grund, dass der Club nur etwa zur Hälfte gefüllt war, da zeitgleich die deutsche Nationalmannschaft um den Confed Cup spielte.

Pünktlich gegen 20:15 Uhr legte das Quintett los und zog direkt die Anwesenden mit dem groovenden „Heavy Hammer“ vom 2014er Album „Bones“ in ihren Bann, wobei sich Ben Ringel ohne Gitarre ganz auf den Gesang konzentrieren konnte. Danach präsentierte die Band zunächst „Burning Wheels“ und es wurde etwas psychedelischer. Dazu passte auch der Titelsong „Bones“ vom 14er Album. Mit „California“ nahm das Konzert richtig Fahrt auf und das Publikum ging fast tanzend mit. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wusste jeder der Anwesenden, dass er/sie den Gang in den Yard Club nicht zu bereuen brauchte.

Das traf sowohl auf die Zuschauer, wie auch die Band zu. Ben Ringel moderierte sichtlich gut gelaunt und humorvoll durch die Songs, Dylan Fitch entlockte seinen Gitarren mit einem Dauerlächeln und Zwinkern ins Publikum in jedem Song gekonnte Solis.  David Supica am Bass, mal in sich gekehrt, mal extrovertiert, legte mit dem sichtlich gut gelaunten Vincent Williams an den Drums eine kräftige Rhytmusgrundlage, die den beiden Gitarristen die Möglichkeit gab, sich in abwechslungsreichem Saitenspiel auszutoben. Last but not least, bereicherte Nate Kremer mit seinem gekonnten Wirken an den Keyboards auf dieser Tour die Band. Hier war dann auch die Nähe zu den psychedelischen Led Zeppelin und David Bowie erkennbar.

Weiter ging es unter anderem mit „Dust“ und „Berlin“ aus dem Album „Bones“, was zusammen mit dem aktuellen Longplayer „Monte Vista“ im Mittelpunkt der Setliste stand.  Mein persönlicher Höhepunkt des Konzerts war „Spaceman“, eine Hommage an den im letzten Jahr verstorbenen David Bowie, das auch durchaus in eines der Konzerte des Meisters gepasst hätte.

Mit „3000 Miles“, „Butte La Rose“ sowie „Nola“ wurde das furiose Finale des Hauptacts eingeläutet. Bei letztgenanntem konnte Supica am Bass mit einem ausladenden Solo glänzen, ehe Kremer an den Keyboards mit einstieg und eine fast jazzige Einlage gab. In diesem Instrumental konnten alle Bandmitglieder ihre spielerischen Fähigkeiten in Soloeinlagen eindrucksvoll präsentieren.

Nach einer lautstark geforderten Zugabe war nach etwa 100 Minuten ein kurzweiliger Konzertabend beendet und sichtlich zufriedene Besucher verließen den Yardclub, wobei sich die fünf Protagonisten noch etlichen Unterhaltungen stellen. Man konnte gelebte Nähe zu den Fans sehen, was eben immer das große Plus dieser kleinen, aber feinen Clubkonzerte ist.

Das Fazit des Konzerts mit den Delta Saints im Yard Club ist, dass alle einen phantastischen Abend hatten, keiner sein Kommen zu bereuen brauchte und handgemachte Livemusik von begnadeten Künstlern immer wieder ein Erlebnis ist.

Wer für die folgenden Konzerte noch überlegt, die Delta Saints zu besuchen, wird nicht schlecht beraten sein, den Weg dorthin zu machen. Die, die in der ausverkauften Kulturrampe am Mittwoch eine Karte ergattert haben, können sich auf etwas Großartiges einstellen. Das konnte auch Pille, der Betreiber der Krefelder Location, der den Weg nach Köln gemacht hatte, mit eigenen Ohren/Augen erfahren. Es sollten genug Erfrischungsgetränke kaltstellt werden und die Ventilatoren angeschmissen werden! Wird sicher ’ne heiße Sache!

Vielen Dank auch an Markus Neu vom Yardclub für die sehr kurzfristige unproblematische Akkreditierung. Es hat Spass gemacht, den Laden zu besuchen! Gerne wieder!!!

Line-up:
Ben Ringel (lead vocals, guitars, percussion)
Dylan Fitch (electric guitar)
David Supica (bass)
Vincent “Footz” Williams (drums)
Nate Kremer (keys, percussion)

Text und Bilder: Gernot Mangold

The Delta Saints
The Delta Saints bei Facebook
Teenage Head Music
Yard Club Köln

The Vegabonds – 16.06.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

Vegabonds_haupt

The Vegabonds in der Krefelder Kulturrampe! Eine Band, auf die ich mich schon geraume Zeit gefreut habe, weil ich ihre Entwicklung eigentlich seit Anbeginn ihres Treibens mitverfolge. Schön, dass ich jetzt endlich mal die Gelegenheit hatte, sie live zu erleben, nachdem ich bei ihrem letzten Deutschland-Besuch verhindert war.

Wie wir von Teenage Head Tour-Manager Dieter ‚Heavy-d‘ Bossaerts vor dem Gig erfuhren, hatte der Nachmittag für die Jungs gar nicht gut begonnen. Keyboarder Beau Cooper kannte sich mit den elektrischen Begebenheiten unseres Landes nicht ganz so aus und hatte, mangels eines angebrachten Adapters, erstmal sein Arbeitsgerät mutmaßlich komplett in die ewigen Jagdgründe geschickt.

Rampentechniker ‚Mondo Hausmeister‘ konnte aber noch auf die Schnelle, ein Ersatz-Keyboard organisieren. Cooper hatte dann zu Anfang auf dem ungewohnten Teil, auch erstmal so seine Probleme, mit den richtigen Klängen ins Spiel zu finden. Beim Begutachten der Bühne vor dem Konzert fiel mir allerdings zunächst die wunderschön manuell gestaltete Trackliste ins Auge. Ich kann mich eigentlich nicht erinnern, je mal ein so liebevoll handschriftlich und skizziertes Teil in dieser Hinsicht gesehen zu haben.

Pünktlich um 21:00 Uhr schritt Markus ‚Pille‘ Peerlings zu kurzen knappen Ansage und die fünf Burschen (Daniel Allen, Richard Forehand, Beau Cooper, Paul Bruens und Bryan Harris) läuteten ihre, in zwei Sets (jeweils gut eine Stunde dauernd) geteilte New South Rock-Show auf dem Fuße, mit dem sehr melodischen, durchaus radiotauglichen „Where We Used To Go“ von ihrem aktuellen Longplayer „What We’re Made Of“ ein.

Der kam natürlich mit weiteren Songs wie „Best Of Me“ (stoneskes Powerstück, fettes Finale), „Ghost Town“ (atmosphärisch, Slidespiel), „Blood To Roam“ (Black Crowes-Flair), dem Titelstück (Bariton-E-Gitarre, klasse E- und Piano-Solo-Stafette), „Oh My Lord“ (poppig, schöne Tempowechsel), „Cruise On“ (slidende Telecaster, mit ordentlich Dampf am Ende) und  „Hope She’s Still Mine“ (swampiger Stampfer) reichhaltig zum Zuge.

Erwähnenswert im ersten Set sind noch die am selben Tag veröffentlichte neue Single des Quintetts „Long Haired Country Boy“ (eigenwillig interpretierte Charlie Daniels-Cover-Nummer mit kurzem „Jessica“-E-Gitarren-Übergang in „Midnight Rider“ zu Ehren des kürzlich verstorbenen Gregg Allman), mein Favorit des Abends, das fluffige, Red Dirt-umwehte „The Wanderer“ und das neue Stück „Help Is On The Way“ (melodische E-Gitarren-Hook), das beweist, dass Allen & Co. weiterhin auf hohem kreativen Level tätig sind.

Im zweiten Abschnitt zeigte besonders der überragende Richard Forehand (unaufgeregt, aber ungemein quirlig, filigran und sehr Southern-typisch spielend) bei „Gimme Shelter“ den längst ihren Absprung verpasst habenden alten Herren, was man heutzutage gitarrentechnisch aus ihren Songs herausholen kann.

Höhepunkt hier sicher das 70ies-mäßige „Ballad Of The Movers And Shakers“ in das zur Freude von Fotograf und Freund klassischen und psychedelischen Liedgutes, Gernot Mangold, noch „Whole Lotta Love“ von Led Zeppelin eingebunden wurde. Stark gemacht! Ein toller Abschluss des Hauptteils.

Spätestens jetzt machte das begeisterte Publikum richtig lautstark Alarm und es gab mit dem Skynyrd-umwehten „Georgia Fire“ und dem dezent rootsigen „American Eyes“ noch zwei Zugaben.

Auch wenn, wie auf der Trackliste (die im Laufe des Konzerts doch leicht modifiziert wurde) aufgeführt, das eigentlich als Rausschmeißer vorgesehene „The Hammer“ nicht mehr performt wurde (vermutlich angesichts der schon späten Stunde und der bevorstehenden 600 km-Fahrt am nächsten Tage Richtung Osten), hatten die Vegabonds – und da waren sich wohl alle einig – ein Hammer-Konzert in der Kulturrampe abgeliefert!

Line-up:
Daniel Allen (lead vocals, acoustic guitar)
Beau Cooper (keys, vocals)
Richard Forehand (electric guitar, vocals)
Paul Bruens (bass)
Bryan Harris (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

The Vegabonds
The Vegabonds bei Facebook
Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld